Sie sind auf Seite 1von 101

DEUTSCHE NORM September 2005

DIN EN 12101-6
X
ICS 13.220.99 Siehe jedoch Beginn der
Gültigkeit

Rauch- und Wärmefreihaltung –


Teil 6: Festlegungen für Differenzdrucksysteme, Bausätze;
Deutsche Fassung EN 12101-6:2005
Smoke and heat control systems –
Part 6: Specification for pressure differential systems, Kits;
German version EN 12101-6:2005
Systèmes pour le contrôle des fumées et de la chaleur –
Partie 6: Spécifications pour les systèmes à differentiel de pression, Kits;
Version allemande EN 12101-6:2005

Gesamtumfang 101 Seiten

Normenausschuss Bauwesen (NABau) im DIN


DIN EN 12101-6:2005-09

Beginn der Gültigkeit


Diese DIN-EN-Norm ist voraussichtlich vom März 2006 an anwendbar.

Die CE-Kennzeichnung von Bauprodukten nach dieser DIN-EN-Norm in Deutschland kann erst nach der
Veröffentlichung der Fundstelle dieser DIN-EN-Norm im Bundesanzeiger von dem dort genannten Termin
an erfolgen.

Nationales Vorwort
Die vorliegende Norm wurde vom Technischen Komitee CEN/TC 191 „Ortsfeste Brandbekämpfungs-
anlagen“ (Sekretariat: BSI) erarbeitet.

Im DIN Deutsches Institut für Normung e.V. war hierfür der Arbeitsausschuss 00.35.00 „Rauch- und
Wärmeabzug bei Bränden“ des Normenausschusses Bauwesen (NABau) zuständig.

2
EUROPÄISCHE NORM EN 12101-6
EUROPEAN STANDARD
NORME EUROPÉENNE Juni 2005

ICS 13.220.99

Deutsche Fassung

Rauch- und Wärmefreihaltung —


Teil 6: Festlegungen für Differenzdrucksysteme, Bausätze

Smoke and heat control systems — Part 6: Specification for Systèmes pour le contrôle des fumées et de la chaleur —
pressure differential systems, Kits Partie 6: Spécifications pour les systèmes à différentiel de
pression, Kits

Diese Europäische Norm wurde vom CEN am 17. Januar 2005 angenommen.

Die CEN-Mitglieder sind gehalten, die CEN/CENELEC-Geschäftsordnung zu erfüllen, in der die Bedingungen festgelegt sind, unter denen
dieser Europäischen Norm ohne jede Änderung der Status einer nationalen Norm zu geben ist. Auf dem letzten Stand befindliche Listen
dieser nationalen Normen mit ihren bibliographischen Angaben sind beim Management-Zentrum oder bei jedem CEN-Mitglied auf Anfrage
erhältlich.

Diese Europäische Norm besteht in drei offiziellen Fassungen (Deutsch, Englisch, Französisch). Eine Fassung in einer anderen Sprache,
die von einem CEN-Mitglied in eigener Verantwortung durch Übersetzung in seine Landessprache gemacht und dem Management-
Zentrum mitgeteilt worden ist, hat den gleichen Status wie die offiziellen Fassungen.

CEN-Mitglieder sind die nationalen Normungsinstitute von Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland,
Irland, Island, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, der
Schweiz, der Slowakei, Slowenien, Spanien, der Tschechischen Republik, Ungarn, dem Vereinigten Königreich und Zypern.

EUROPÄISCHES KOMITEE FÜR NORMUNG


EUROPEAN COMMITTEE FOR STANDARDIZATION
COMITÉ EUROPÉEN DE NORMALISATION

Management-Zentrum: rue de Stassart, 36 B-1050 Brüssel

© 2005 CEN Alle Rechte der Verwertung, gleich in welcher Form und in welchem Ref. Nr. EN 12101-6:2005 D
Verfahren, sind weltweit den nationalen Mitgliedern von CEN vorbehalten.
EN 12101-6:2005 (D)

Inhalt

Seite

Vorwort ................................................................................................................................................................3
0 Einleitung................................................................................................................................................4
1 Anwendungsbereich .............................................................................................................................9
2 Normative Verweisungen......................................................................................................................9
3 Begriffe, Symbole und Einheiten .........................................................................................................9
4 Anlagenklassifizierung für Gebäude ................................................................................................ 15
5 Merkmale eines Differenzdrucksystemes ........................................................................................ 32
6 Bereiche, die druckbelüftet werden müssen ................................................................................... 39
7 Auslegungsverfahren für Druckbelüftungssysteme....................................................................... 47
8 Druckbelüftung von Schutzräumen und anderen Räumen............................................................ 52
9 Druckentlüftung .................................................................................................................................. 53
10 Zusammenspiel mit anderen Brandschutzeinrichtungen und anderen baulichen
Systemen ............................................................................................................................................. 57
11 Einbau und Vorrichtungen (einschließlich Bauteile) ...................................................................... 59
12 Abnahmeprüfung ................................................................................................................................ 68
13 Wartung ............................................................................................................................................... 70
14 Dokumentation.................................................................................................................................... 72
15 Auslegungsberechnungen ................................................................................................................ 73
16 Bewertung der Konformität ............................................................................................................... 74
Anhang A (informativ) Auslegungsvorschläge ........................................................................................... 80
Anhang B (informativ) Lösungen zur Erzielung der geplanten Differenzdrücke bei Problemen ........... 93
Anhang ZA (informativ) Abschnitte dieser Europäischen Norm, welche die wesentlichen
Anforderungen oder andere Bestimmungen der Bauproduktenrichtlinie betreffen ................... 94
Literaturhinweise ............................................................................................................................................. 99

2
EN 12101-6:2005 (D)

Vorwort
Dieses Dokument (EN 12101-6:2005) wurde vom Technischen Komitee CEN/TC 191 „Ortsfeste Brand-
bekämpfungsanlagen“ erarbeitet, dessen Sekretariat vom BSI gehalten wird.

Diese Europäische Norm muss den Status einer nationalen Norm erhalten, entweder durch Veröffentlichung
eines identischen Textes oder durch Anerkennung bis Dezember 2005, und etwaige entgegenstehende
nationale Normen müssen bis Dezember 2005 zurückgezogen werden.

Dieses Dokument wurde unter einem Mandat erarbeitet, das die Europäische Kommission und die
Europäische Freihandelszone dem CEN erteilt haben, und unterstützt grundlegende Anforderungen der
EG-Richtlinien 89/106/EWG.

Zum Zusammenhang mit EG-Richtlinien siehe informativen Anhang ZA der Bestandteil dieses Dokumentes
ist.

Diese Europäische Norm hat den allgemeinen Titel Rauch- und Wärmefreihaltung und besteht aus den
folgenden Teilen:

Teil 1: Bestimmungen für Rauchschürzen;


Teil 2: Festlegungen für natürliche Rauch- und Wärmeabzugsgeräte;
Teil 3: Bestimmungen für maschinelle Rauch- und Wärmeabzugsgeräte;
Teil 4: Bausätze zur Rauch- und Wärmefreihaltung;
Teil 5: Funktionelle Anforderungen und Rechenverfahren für Rauch- und Wärmeabzugsanlagen
(veröffentlicht als CR 12101-5);
Teil 6: Festlegungen für Differenzdrucksysteme — Bausätze;
Teil 7: Entrauchungsleitungen;
Teil 8: Festlegungen für Entrauchungsklappen;
Teil 9: Steuerungstafeln;
Teil 10: Energieversorgungen.

EN 12101 ist in einer Reihe Europäischer Normen enthalten, in der auch die Erfassung der folgenden
Bereiche geplant ist:

a) Gaslöschanlagen (EN 12094 und EN ISO 14520);

b) Sprinkleranlagen (EN 12259);

c) Pulverlöschanlagen (EN 12416);

d) Einrichtungen zur Verhütung von Explosionen (EN 26184);

e) Löschschaumanlagen (EN 13565);

f) Schlauchtrommeln (EN 671);

g) Wassersprühanlagen (EN 14816).

Entsprechend der CEN/CENELEC-Geschäftsordnung sind die nationalen Normungsinstitute der folgenden


Länder gehalten, diese Europäische Norm zu übernehmen: Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland,
Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Island, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande,
Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische
Republik, Ungarn, Vereinigtes Königreich und Zypern.

3
EN 12101-6:2005 (D)

0 Einleitung

0.1 Rauchbewegung im Gebäude

Diese Norm enthält Informationen und Anforderungen zu den Bereichen Auslegung, Rechenverfahren, Einbau
und Prüfung von Anlagen, um die Rauchausbreitung unter Verwendung von Differenzdrücken zu begrenzen.

Differenzdrucksysteme können auf zwei Arten verwirklicht werden:

a) Druckbelüftung — zur Erhaltung eines positiven Drucks innerhalb der geschützten Räume (siehe Bild
1a)) oder

b) Druckentlüftung — zum Abführen von heißen Gasen aus dem Brandbereich bei einem niedrigeren Druck
als der im angrenzenden, geschützten Raum (siehe Bild 1b)).

Legende
1 Außen 4 Außenleckage 7 Lufteinlass
2 Überdruckbereich 5 Brandbereich 8 Zuluftventilator
3 Überdruckentlastung 6 Abströmöffnungen 9 Versorgungsleitungen

Bild 1 a) — Beispiele für Druckbelüftungsanlagen

4
EN 12101-6:2005 (D)

Legende
1 Treppe 4 Absaugung (Druckentlüftung) 7 Feuerwiderstandsfähige
2 Vorraum 5 Überströmung Konstruktion
3 Raum (DP: entlüfteter Bereich) 6 Frischluft

Bild 1 b) — Beispiele für Druckentlüftungsanlagen — Keller oder andere Räume ohne Außenfenster

Im Brandfall folgt der Rauch einem Strömungsmuster, das sich aus den folgenden Hauptantriebskräften
bildet.

Auftrieb durch heiße Gase im Brandgeschoss. Im Brandbereich erfährt der durch Feuer erzeugte Rauch
einen Auftrieb infolge seiner reduzierten Dichte. In einem Gebäude kann dies zu einer Aufwärtsbewegung des
Rauches zwischen den Geschossen führen, wenn Leckagewege zum darüberliegenden Geschoss existieren.
Zusätzlich kann diese Auftriebskraft eine Ausbreitung des Rauches zwischen den Räumen durch undichte
Wege in vertikalen Barrieren, wie z. B. Türen, Wänden oder Trennwänden, verursachen. Typischerweise
bewirkt der Differenzdruck, dass Rauch und heiße Gase am oberen Teil einer Tür austreten und kühle Luft
durch die Öffnungen am unteren Teil angesaugt werden.

Thermische Ausdehnung von heißen Gasen im Brandbereich. Eine durch Feuer induzierte
Gasausdehnung kann zu einem Druckaufbau führen, gefolgt von einer Strömung der heißen Gase aus dem
Abschnitt heraus. In den meisten Fällen werden sich die anfänglichen Ausdehnungskräfte jedoch aufbrauchen
und können daher ignoriert werden.

Schornsteinwirkung im gesamten Gebäude. Unter kalten Umgebungsbedingungen ist die Luft im Gebäude
in der Regel wärmer und weniger dicht als die Außenluft. Durch die Auftriebskraft steigt die warme Luft in
vertikalen Schächten im Gebäude auf, und dabei wird in der Säule Druckgradient aufgebaut, so dass kalte
Luft in den unteren Teil des Schachts gezogen und warme Luft an dem oberen Teil herausgedrückt wird.
Unter warmen Umgebungsbedingungen, wenn die Luft innerhalb des Gebäudes kühler ist als draußen, kann
der umgekehrte Zustand vorherrschen, d. h., Luft wird am unteren Teil des Schachts herausgedrückt und am
oberen hineingezogen. In beiden Fällen wird in einem gewissen Zwischenstadium eine neutrale Druckebene
gebildet, wo die Drücke von Außen- und Innenluft gleich sind.

5
EN 12101-6:2005 (D)

Winddruckkräfte. Wenn der Wind auf die Seite eines Gebäudes trifft, dann verlangsamt er sich, wodurch
sich auf der Windseite ein Druck aufbaut. Zur gleichen Zeit wird der Wind umgelenkt und um die Seitenwände
herum sowie über dem Dach beschleunigt, so dass auf der Leeseite des Gebäudes ein Druckabfall entsteht,
d. h. Sog in diesen Bereichen. Je größer die Windgeschwindigkeit ist, desto größer ist der Sog. Diese Drücke
bewirken im Wesentlichen eine horizontale Bewegung der Luft durch das Gebäude, von den Luv- zu den
Leeseiten. Wenn die Gebäudehülle undicht ist, z. B. aufgrund von Türen und Fenstern, die sich öffnen lassen,
dann wird die Wirkung ausgeprägter sein. Wenn im Brandfall ein zerbrochenes Fenster auf der Windseite des
Gebäudes existiert, dann kann der Wind den Rauch horizontal, oder unter gewissen Umständen auch vertikal,
durch das Gebäude pressen. Es ist schwierig, die exakten Winddrücke, die auf ein Gebäude wirken, oder die
resultierenden inneren Luftströme vorherzusagen. Zum besseren Verständnis kann eine Computer- oder
Windkanalanalyse erforderlich sein.

ANMERKUNG prEN 1991-1-4 enthält eine Anleitung über Windbelastungen.

Lüftungs- und Klimaanlagen. Lüftungs- und Klimaanlagen können Luft in den Brandbereich leiten und die
Verbrennung unterstützen oder Rauch verstärkt in Bereiche transportieren, die nicht in der Nähe des
Brandherdes sind. Diese Anlagen werden oftmals im Brandfall stillgelegt. Solche Anlagen können jedoch
häufig derart verändert werden, dass sie zur Begrenzung der Rauchausbreitung dienen, oder in Verbindung
mit Differenzdruck-, Zuluft- und/oder Entlüftungssystemen verwendet werden können.

0.2 Aufgaben von Differenzdrucksystemen

Der Zweck dieser Norm ist es, Informationen über Verfahren bereitzustellen, um die Rauchausbreitung von
einem Gebäudeteil in einen anderen über Undichtigkeiten in physikalischen Barrieren (z. B. Risse um
geschlossene Türen herum) oder offene Türen zu begrenzen.

Differenzdrucksysteme bieten die Möglichkeit zur Aufrechterhaltung haltbarer Bedingungen in geschützten


Bereichen, z. B. in Rettungswegen, Zugangswegen zur Brandbekämpfung, Feuerwehraufzügen, Vorräumen,
Treppenhäusern und anderen Bereichen, die rauchfrei gehalten werden müssen. Diese Norm bietet
Informationen über die Personenrettung, die Brandbekämpfung und den Schutz des Eigentums innerhalb aller
Gebäudetypen. Nicht nur die Orte zur Einleitung von Frischluft zur Druckbelüftung in das Gebäude müssen
festgelegt werden, sondern auch die, an denen Luft und Rauch das Gebäude verlassen werden und welcher
Weg dabei genommen wird. Ähnliche Betrachtungsweisen lassen sich auf Systeme mit Druckentlüftung
anwenden, d. h. für den Weg der Abluft sowie die Berücksichtigung der zugeführten Frischluft und deren Weg.

Das Ziel ist daher die Schaffung eines Druckgradienten (und somit eines Luftströmungsprofils). Dabei befindet
sich der geschützte Rettungsbereich auf dem höchsten Druckniveau, der Druck in den von den
Rettungswegen entfernten Bereichen vermindert sich allmählich.
Differenzdrucksysteme bieten eine Möglichkeit zur Verbesserung des Sicherheitsniveaus innerhalb eines
Gebäudes. Die Entscheidung, ob ein solches System für ein bestimmtes Projekt geeignet ist, sollte im
Zusammenhang mit den insgesamt getroffenen Maßnahmen für die Personenrettung, die Brandbekämpfung
und den Schutz des Eigentums im Gebäude bewertet werden. Dies wird dazu führen, dass man bei der
Auslegung des Gebäudes von Voraussetzungen ausgeht, die für das spezielle Projekt als geeignet
angesehen werden, insbesondere hinsichtlich der Leckagewege, welche am wahrscheinlichsten durch
gleichzeitig geöffnete Türen verursacht werden, wie im Abschnitt 5 dargestellt.

Zeichnungen, die den Text in dieser Norm veranschaulichen, dienen nur zur Klärung der Punkte, die im Text
aufgeführt werden. Es ist davon auszugehen, dass die dargestellten Anordnungen nur informativen Charakter
haben.

Wenn der Planer diese Norm nicht in vollem Umfang erfüllen kann, kann ein alternativer brandschutz-
technischer Ansatz angewendet werden. Die technische Lösung sollte, wann immer dies möglich ist, die in
dieser Norm aufgeführten Funktionsanforderungen erfüllen.

6
EN 12101-6:2005 (D)

0.3 Rauchschutzverfahren

Die Wirkung der oben beschriebenen Kräfte der Luftbewegung dient dazu, dass sich Differenzdrücke auf den
Trennwänden, Wänden und Decken einstellen die sich addieren können und eine Rauchausbreitung in von
der Feuerquelle entfernte Bereiche verursachen können. Die allgemein gebräuchlichen Techniken zur
Begrenzung der Rauchausbreitung oder Bekämpfung deren Wirkungen sind:

a) Raucheindämmung durch physikalische Barrieren, z. B. Wände und Türen, um die Ausbreitung von
Rauchgasen vom brandbeanspruchten Bereich in andere Teile des Gebäudes zu verhindern.

b) Rauchabzug unter Verwendung einer Methode, die auch der Feuerwehr hilft, Rauchgase aus einem
Gebäude zu entfernen, wenn kein Rauch mehr erzeugt wird, d. h. nach Löschung.

c) Rauchverdünnung, wobei Rauchgase und ausreichend Frischluft gezielt vermischt werden, um die
Gefahr zu mindern.

d) Durch die Absaugung von Rauch (und Wärme) wird eine stabile Trennung zwischen den warmen
Rauchgasen, die eine Schicht unter der Decke bilden, und jenen darunter liegenden Bereichen desselben
Raumes erzielt, der zur Evakuierung der Gebäudenutzer und für Brandbekämpfungsmaßnahmen gegen
Raucheinwirkung geschützt werden muss. Dies erfordert üblicherweise eine kontinuierliche Ableitung von
Rauch unter Verwendung von natürlichen oder maschinell betriebenen Abzügen und die Einleitung von
neuer Frischluft in den brandbeanspruchten Bereich unterhalb der Rauchschicht.

e) Druckbelüftung, siehe 3.1.27.

f) Entlüftung, siehe 3.1.10.

Diese Norm liefert eine Anleitung und Informationen über den Rauchschutz unter Verwendung von
Differenzdrücken, d. h. nur die in e) und f) angegebenen Techniken.

Die Punkte a) bis d) werden in dieser Norm nicht weiter behandelt.

Der Rauchschutz unter Verwendung von Differenzdrücken erfordert im Allgemeinen niedrigere Luftdurchfluss-
mengen als in b) oder c) oben, ist jedoch auf den Schutz der umschlossenen Bereiche begrenzt, die im
Brandfall an verrauchte Bereiche angrenzen.

0.4 Analyse des Problems

Der Zweck eines Differenzdrucksystems kann, unabhängig davon, ob es zum Schutz von Rettungswegen,
Brandbekämpfungsmaßnahmen oder des Eigentums verwendet wird, einen erheblichen Einfluss auf die
Konstruktion der Anlage und die Konstruktionsbeschreibung haben. Es ist daher wichtig, dass die Ziele des
Brandschutzes eindeutig festgesetzt und zu einem frühen Zeitpunkt des Auslegungsprozesses mit den
zuständigen Stellen abgesprochen werden.

Die Eignung jedes Systems hängt schließlich davon ab, ob die erforderlichen Differenzdrücke und Luft-
volumenströme erreicht werden. Eine Anleitung zur Berechnung der für diese Druckstufen erforderlichen
Luftvolumenströme ist in dieser Norm enthalten. Unter der Voraussetzung, dass die Funktionsvorgaben des
Systems (siehe Unterabschnitt a), b) und c) unten) erfüllt sind, kann sich der Planer jedoch für andere
Rechenverfahren entschließen, ggf. durch seine Auslegung begründet.

7
EN 12101-6:2005 (D)

Die angesprochenen Ziele dieser Norm sind:

a) Lebensrettung. Die Aufrechterhaltung verträglicher Bedingungen in den geschützten Bereichen, solange


sich die Nutzer des Gebäudes darin befinden, ist für die Lebensrettung unabdingbar.

b) Geeignete Zugangswege für Brandbekämpfungsmaßnahmen. Damit die Brandbekämpfungs-


maßnahmen wirksam verlaufen, sollten geschützte Zugangswege für Brandbekämpfungsmaßnahmen
(z. B. Brandbekämpfungsschächte) im Wesentlichen rauchfrei gehalten werden, damit das feuerberührte
Geschoss ohne Einsatz von Atemgeräten erreicht werden kann. Das Differenzdrucksystem sollte so
ausgelegt sein, dass eine Rauchausbreitung in die geeigneten Zugangswege für die Brandbekämpfungs-
maßnahmen unter normalen Brandbekämpfungsbedingungen begrenzt ist.

c) Schutz des Eigentums. Es sollte verhindert werden, dass sich der Rauch ausbreitet und in empfindliche
Bereiche eintritt, die z. B. besonders rauchempfindliche wertvolle Geräte, Computer oder andere
Gegenstände enthalten.

8
EN 12101-6:2005 (D)

1 Anwendungsbereich
Diese Norm beschreibt Differenzdrucksysteme, die ausgelegt sind, um Rauch an einer undichten
physikalischen Barriere, z. B. an einer Tür (entweder geöffnet oder geschlossen) oder ähnlich
eingeschränkten Öffnungen, innerhalb des Gebäudes zurückzuhalten. Sie behandelt Verfahren zur
Berechnung der Parameter von Rauchschutz-Druckanlagen als Teil des Auslegungsverfahrens. Sie führt die
angewandten Prüfverfahren für die Systeme auf und beschreibt gleichzeitig die maßgebenden und kritischen
Eigenschaften der Installations- und Inbetriebnahmeverfahren, die benötigt werden, um die berechnete
Auslegung in einem Gebäude zu erfüllen. Sie behandelt sowohl Systeme, die zur Sicherung von
Rettungswegen gedacht sind, z. B. Treppenräume, Korridore und Vorräume, als auch Systeme, die dazu
dienen, einen geschützten Brückenkopf für die Brandbekämpfungsmaßnahmen der Feuerwehr zu schaffen.

Diese Systeme enthalten Bauteile für den Rauchschutz nach den entsprechenden Teilen von EN 12101 und
Bausätze, welche diese oder möglicherweise andere Bauteile (siehe 3.1.18) enthalten. Diese Norm enthält
Anforderungen und Methoden für die Bewertung solcher Bausätze.

2 Normative Verweisungen
Die folgenden zitierten Dokumente sind für die Anwendung dieses Dokuments erforderlich. Bei datierten
Verweisungen gilt nur die in Bezug genommene Ausgabe. Bei undatierten Verweisungen gilt die letzte
Ausgabe des in Bezug genommenen Dokuments (einschließlich aller Änderungen).

EN 1505, Lüftung von Gebäuden — Luftleitungen und Formstücke aus Blech mit Rechteckquerschnitt —
Maße

EN 1506, Lüftung von Gebäuden — Luftleitungen und Formstücke aus Blech mit rundem Querschnitt —
Maße

prEN 12101-4, Rauch- und Wärmefreihaltung —- Teil 4: Bausätze zur Rauch- und Wärmefreihaltung

prEN 12101-7, Rauch- und Wärmefreihaltung —- Teil 7: Entrauchungsleitungen

prEN 12101-9, Rauch- und Wärmefreihaltung — Teil 9: Steuerungstafeln

prEN 12101-10, Rauch- und Wärmefreihaltung — Teil 10: Energieversorgung

prEN 13501-3, Klassifizierung von Bauprodukten und Bauarten zu ihrem Brandverhalten — Teil 3:
Klassifizierung mit den Ergebnissen aus den Feuerwiderstandsprüfungen an Bauteilen von haustechnischen
Anlage — Feuerwiderstandsfähige Leitungen und Brandschutzklappen

prEN 13501-4, Klassifizierung von Bauprodukten und Bauarten zu ihrem Brandverhalten — Teil 4:
Klassifizierung mit den Ergebnissen aus den Feuerwiderstandsprüfungen von Anlagen zur Rauchfreihaltung

EN ISO 9001:2000, Qualitätsmanagementsysteme — Anforderungen (ISO 9001:2000)

EN ISO 13943:2000, Brandschutz — Vokabular (ISO 13943:2000)

3 Begriffe, Symbole und Einheiten

3.1 Begriffe

Für die Anwendung Dieses Dokuments gelten die nach EN ISO 13943:2000 angegebenen und die folgenden
Begriffe.

9
EN 12101-6:2005 (D)

3.1.1
Nutzungsbereich
jeder Teil eines Bauwerks, ausgenommen gesicherte Rettungswege oder eines Feuerwehraufzuges

3.1.2
Zuluftöffnung
Verbindung zur Außenluft, um den Eintritt von Frischluft in das Bauwerk zu ermöglichen

3.1.3
Abströmöffnung
Einrichtung, über die der Überdruck aus dem Nutzungsbereich oder einem anderen nicht unter Druck
gesetzten Bereich aus dem Gebäude entweichen kann

3.1.4
Atrium (Plural Atrien)
umbauter Raum, der nicht notwendigerweise vertikal ausgerichtet ist und der über zwei oder mehr Geschosse
in einem Bauwerk führt

ANMERKUNG Aufzugsschächte, Rolltreppenräume, Installationsschächte des Gebäudes und gesicherte Treppen-


räume werden nicht als Atrien eingestuft.

3.1.5
Behörden
Organisationen, Beamte oder Einzelpersonen, die für die Zulassung der Lüftungsanlagen zur Rauch- und
Wärmeabführung, Differenzdruck- und Sprinkleranlagen, Brandschutzanlagen sowie ggf. Einrichtungen und
Verfahren verantwortlich sind, z. B. die Brandschutz- und Baubehörden, die Feuerversicherungen oder
andere zuständige öffentliche Behörden

3.1.6
Verkehrsfläche
Bereich, der hauptsächlich als Zugangsmöglichkeit zwischen einem Raum und dem Ausgang aus einem
Gebäude oder einem Abschnitt benutzt wird

3.1.7
Abnahme
die Überprüfung, dass alle Bauteile, Bausätze und die Anlage gemäß den Herstelleranweisungen und
entsprechend dieser Norm eingebaut wurden und ordnungsgemäß arbeiten

3.1.8
Steuerungstafel
Einrichtung mit manuellen und/oder automatischen Steuerungs- und/oder Auslöseeinrichtungen, die zum
Betrieb der Anlage eingesetzt werden

3.1.9
Schutz vor Ort
Bemessungskriterium für Rettungsmaßnahmen in Appartements und zweistöckigen Wohnungen, basierend
auf einsatzfähigen Brandbekämpfungstaktiken, bei denen aufgrund der vorgesehenen Rauchabschnitts-
bildung die Brandausbreitung von einer Wohnung in eine andere außergewöhnlich ist. Es wird daher nicht als
erforderlich angesehen, das gesamte Gebäude, ganze Stockwerke oder sogar Wohnungen nahe des Feuers
im Brandfall zu evakuieren.

3.1.10
Druckentlüftung
Rauchschutz unter Verwendung von Differenzdrücken, wobei der Luftdruck im Brandbereich oder in den
angrenzenden Bereichen unter den im gesicherten Bereich gesenkt wird

3.1.11
entlüfteter Bereich
Brandabschnitt, aus dem Luft und Rauch für die Zwecke der Druckentlüftung abgeführt wird

10
EN 12101-6:2005 (D)

3.1.12
Feuerwehraufzug
Aufzug mit zusätzlichem Schutz und Steuerungen, die es erlauben, dass er unter der direkten Kontrolle der
Feuerwehr zur Brandbekämpfung verwendet werden kann

3.1.13
Brandbekämpfungsvorraum
geschützter Vorraum, der eine Zugangsmöglichkeit vom Sicherheitstreppenraum zum Nutzungsbereich und
zu allen entsprechend zugeordneten Feuerwehraufzügen bietet

3.1.14
Brandbekämpfungsraum
geschützter, umbauter Raum, der einen Sicherheitstreppenraum, Brandbekämpfungsvorräume und, falls
vorhanden, einen Feuerwehraufzug zusammen mit seinem Maschinenraum enthält

3.1.15
Sicherheitstreppenraum
geschützte Treppe, die nur über einen Brandbekämpfungsvorraum mit dem Nutzungsbereich verbunden ist

3.1.16
Brandbereich
Bereich oder Abschnitt, in dem ein Feuer ausbrechen kann und als Grundlage der Bemessung dient

3.1.17
Vollbrand
ein anderer Begriff für „voll entwickelte Brand“, was der Zustand ist, bei dem alle brennbaren Materialien
innerhalb eines geschlossenen Raumes am Brand beteiligt sind

3.1.18
Bausatz
Satz aus mindestens zwei Bauteilen, die im Bauwerk zusammengesetzt werden, damit sie als System wirken
können. Der Bausatz muss so auf den Markt gebracht werden, dass der Käufer ihn während einer einzigen
Transaktion von einem einzelnen Lieferanten erwerben kann. Umfassen kann der Bausatz alle oder nur eine
Teilmenge der Bauteile, die erforderlich sind, um eine komplette Differenzdruckanlage zu bilden.

3.1.19
Leckagewege
Spalten oder Risse in der Konstruktion der äußeren Fassade oder um Türen und Fenster herum, durch
welche die Luft von dem Überdruck-/Unterdruckbereich und dem Äußeren des Gebäudes oder Bauwerks
strömen kann

3.1.20
Lebensrettungssysteme
Systeme, die für eine bestimmte Dauer einsatzbereit bleiben müssen, damit die Nutzer der Räumlichkeiten
vor einer Brandsituation gewarnt werden und die Räumlichkeiten innerhalb der kalkulierten Zeit verlassen
können, wobei die Anlagen für die Evakuierung in Betrieb bleiben. Derartige Systeme umfassen
Brandschutzeinrichtungen, Steuerungen für die Rauchentlüftung und Differenzdrucksysteme.

3.1.21
Aufzugsschacht
Raum, durch den der Aufzug und das Gegengewicht (soweit vorhanden) sich bewegen. Dieser Raum ist
durch den Boden des Raumes, die annähernd vertikalen Wände und die Decke umschlossen.

3.1.22
Rettungsweg
bauliche Einrichtung, durch die eine sichere Wegführung für Personen geschaffen wird, damit diese von
einem beliebigen Punkt im Gebäude zu einem sicheren Ort gelangen können

11
EN 12101-6:2005 (D)

3.1.23
Multifunktionsbauprojekt
bauliche Kombination aus einer Anzahl von Einrichtungen, die Bereiche für den allgemeinen Zugang zu und
Ausgang aus einem Gebäude bieten, z. B. ein Gelände mit einem Multiplex-Kino, Geschäften, Wohngebieten
und Büros

3.1.24
Überdruckentlastung
Vorrichtung zur Abströmung von überschüssiger Druckluft aus einem Überdruckbereich heraus

3.1.25
Überdruckventil
Gerät, das bei einem bestimmten Druckunterschied (Auslegungsdruckunterschied) öffnet, um einen freien
Strömungsweg vom Überdruckbereich (z. B. Treppenhaus oder Aufzugsschacht) zu einem Bereich mit
niedrigerem Druck (z. B. einem Vorraum, Unterbringung) oder ins Freie zu bieten

3.1.26
Differenzdrucksystem
System aus Lüftern, Leitungen, Abzügen und anderen Merkmalen zur Schaffung eines niedrigeren Drucks im
Brandbereich als der in dem gesicherten Bereich

3.1.27
Druckbelüftung
Rauchschutz unter Verwendung von Differenzdrücken, wobei der Luftdruck in den gesicherten Räumen höher
ist als im Brandbereich

3.1.28
Überdruckbereich
ein Schacht, ein Vorraum, ein Korridor oder ein anderer Abschnitt, in dem der Luftdruck größer ist als im
Brandbereich

3.1.29
gesicherter Rettungsweg
Weg vom Nutzungsbereich zu den Ausgängen, die ins Freie führen; dieser umfasst ein oder mehrere

gesicherte Treppenräume,

gesicherte Vorräume und/oder

gesicherte Korridore

3.1.30
Zufluchtsraum
Bereich, der vom Feuer durch eine feuerwiderstandsfähige Bauteile getrennt ist und der mit einem sicheren
Weg zu einem Geschossausgang ausgestattet ist, so dass vorübergehend ein sicherer Ort während der
Evakuierung zur Verfügung steht

3.1.31
Frischluft
siehe Zuluftöffnung

3.1.32
Wohnung
Unterbringung, bei der jede Wohnung für sich einen Brandabschnitt darstellt, z. B. Apartments oder
zweistöckige Wohnungen

12
EN 12101-6:2005 (D)

3.1.33
einfacher Vorraum
Vorraum, der keinen Zugang zu Aufzügen, Schächten oder Leitungen gewährt, welche zu einem
nennenswerten Leckageweg beitragen würden, wodurch sich Rauch in andere Ebenen innerhalb des
Gebäudes ausbreiten kann. Ein Vorraum, der mit einem Aufzugsschacht oder einem anderen Schacht
verbunden ist, ist dennoch ein einfacher Vorraum, wenn solche Schächte druckbelüftet sind. Ein einfacher
Vorraum ist entweder nicht belüftet oder kann natürlich belüftet sein

3.1.34
Rauchschutz
Steuerung der Rauchgasbewegung innerhalb eines Gebäudes, um entsprechende Schutzziele zu
gewährleisten

3.1.35
Schornsteinwirkung
Differenzdruck, resultierend aus einem Unterschied in der Dichte zwischen zwei miteinander verbundenen
Luftsäulen bei unterschiedlichen Temperaturen

3.2 Symbole und Einheiten

Für die Anwendung dieses Dokuments werden, wie nachfolgend aufgeführt, mathematische und
physikalische Größen durch Symbole dargestellt und in Maßeinheiten ausgedrückt.

A1, A2, A3, A4, AN m2 Freie Durchtrittsquerschnitte von N parallelen Wegen

AD m2 Effektiver Gesamtdurchtrittsquerschnitt aller Türen aus dem


druckbelüfteten Raum heraus, wenn die festgelegten Türen geöffnet
sind
Ad m2 Durchtrittsquerschnitt einer Fahrschachttür

Adoor m2 Fläche der Öffnung, durch die Druckluft strömen wird, wenn eine Tür
geöffnet ist
Ae m2 Effektiver Gesamtdurchtrittsquerschnitt eines Weges, durch den Luft
aus einem druckbelüfteten Raum strömt
Af m2 Gesamtdurchtrittsquerschnitt zwischen dem Aufzugsschacht und der
Außenluft
AFloor m2 Fläche des Bodens, wie in Tabelle A.6 definiert

AG m2 Durchtrittsquerschnitt der Tür, einschließlich der Fläche von


Luftdurchflussgittern oder großen Öffnungen für die Luftführung; dient
zum Ermitteln des Wertes K
ALF m2 Gesamter freier Durchtrittsquerschnitt durch den Boden, wie in Tabelle
A.6 definiert
ALW m2 Gesamter freier Durchtrittsquerschnitt durch die Wände, wie Tabelle
A.5 definiert
APV m2 freie Fläche des Überdruckventils

Arem m2 Durchtrittsquerschnitt vom Vorraum außer durch die geöffnete Tür

At m2 Gesamtdurchtrittsquerschnitt zwischen allen Fahrschachttüren und


dem Aufzugsschacht
AVA m2 Fläche des Luftabzugs je Geschoss

13
EN 12101-6:2005 (D)

AVS m2 Abströmfläche des Schachtes, Netto-Abzugsfläche je Geschoss, die


über die gesamte Strecke bis außerhalb des Gebäudes beibehalten
wird, d. h. von der Unterbringung in den Schacht hinein, die
Querschnittsfläche des Schachtes und der obere Bereich des Abzugs
(vom Schacht zur Atmosphäre)
AW m2 Effektiver Gesamtdurchtrittsquerschnitt aller Fenster aus dem Raum
heraus
AWall m2 Flächen der Wände, wie in Tabelle A.5 definiert

AX m2 Mindestquerschnitt der Abluftleitungen (dies kann ein


Leitungsquerschnitt oder eine Ausgleichsvorrichtung an der
Ausflussöffnung oder der Absperrvorrichtung sein)
DA m2 Fläche der Tür

D m Abstand von der Türgriffmitte zur nächsten vertikalen Kante der Tür
Fdc N Kraft, die auf den Türgriff ausgeübt werden muss, um den natürlichen
Widerstand der Tür zu überwinden, damit diese geöffnet werden kann,
ohne dass auf die Tür ein Differenzdruck ausgeübt wird
K – Faktor aus Tabelle A.1
NL – Anzahl der druckbelüfteten Vorräume, die sich zu dem Aufzugsschacht
hin öffnen
PR Pa Druckstufe im druckbelüfteten Raum

PL Pa Druckdifferenz zwischen dem Aufzugsvorraum oder anderen


Bereichen und Außenluft
Pus Pa Druck in dem nicht druckbelüfteten Raum, der erforderlich ist, um die
Druckluft durch die Auslässe zu führen
PLOB Pa Druck im Vorraum, wenn die Tür zu dem nicht druckbelüfteten Raum
geöffnet ist
Q m³/s Luftströmung in den druckbelüfteten Raum hinein oder aus dem
druckbelüfteten Raum heraus
QD m³/s Leckluftrate durch die Spalten um geschlossene Türen herum

QDC m³/s Ermittelte Gesamtleckrate vom druckbelüfteten Raum bei


geschlossenen Türen
QDO m³/s Leckluftrate durch geöffnete Türen oder durch große Öffnungen

Qfr m³/s Zuluft, die benötigt wird, um die erforderliche Luftströmung durch die
geöffnete Tür in den Brandraum hinein zu erzielen
QLd m³/s Leckluftrate über die Fahrschachttüren

QLob m³/s Zuluft, die benötigt wird, um die erforderliche Luftströmung durch die
geöffnete Tür in den Brandraum hinein zu erzielen
Qn m³/s Leckrate der Tür beim Auslegungsdruck, berechnet wie für eine
natürlich belüftete Toilette oder andere Bereiche, welche direkt mit
dem druckbelüfteten Raum verbunden sind
QOther m³/s Leckluftrate über andere Wege, die existieren können

QP m³/s Zur Erfüllung der Differenzdruckanforderung benötigte Zuluft zur


Treppe oder zum Vorraum

14
EN 12101-6:2005 (D)

QS m³/s Erforderlicher Gesamtzuluftvolumenstrom, wenn alle Türen


geschlossen sind
QSDO m³/s Gesamtzuluftvolumenstrom einschließlich Leckage von Zuluftleitungen

QTm m³/s Leckluftrate durch einen maschinellen Abzug von einer Toilette oder
anderen Bereichen
QTn m³/s Leckage durch natürliche Mittel in den Toilettenbereich (oder einen
anderen Bereich) hinein
QWindow m³/s Leckluftrate durch Risse um die Fenster herum

R – Maß, das zwischen 1 und 2 liegen kann, in Abhängigkeit von der Art
des Leckageweges, welcher berücksichtigt wird
Wd m Breite der Tür

4 Anlagenklassifizierung für Gebäude

4.1 Allgemeines

Der Rauchschutz unter Verwendung von Differenzdruckanlagen wird in einigen unterschiedlichen


Klassifizierungen von Anlagen erreicht, mit unterschiedlichen Anforderungen und Bedingungen für die
Auslegung.

Die Bedingungen für die Auslegung wurden in separate Anlagenklassen eingeteilt, die verwendet werden
können, um eine Auslegung mit Verwendung von Differenzdrücken für beliebige Gebäudearten zu
übernehmen.

Die Anlagenklassen sind in Tabelle 1 aufgeführt.

Tabelle 1 — Anlagenklassen

Unterstellte
Anlagenklasse Anwendungsbeispiele
Bedingungen

Klasse A — System Für Eigen-Rettungsmaßnahmen. Schutz vor Ort 4.2 und Bild 2

Klasse B — System Für Eigen-Rettungsmaßnahmen und zur 4.3 und Bild 3


Brandbekämpfung

Klasse C — Für Eigen-Rettungsmaßnahmen bei gleichzeitiger 4.4 und Bild 4


System Fremdrettung

Klasse D — Für Eigen-Rettungsmaßnahmen über längeren 4.5 und Bild 5


System Zeitraum

Klasse E — System Für Eigen-Rettungsmaßnahmen bei in Phasen 4.6 und Bild 6


gesteuerter Fremdrettung

Klasse F — System Brandbekämpfungssystem und Eigen- 4.7 und Bild 7


Rettungsmaßnahmen

15
EN 12101-6:2005 (D)

Welche Anlagenklassen anzuwenden sind, ist von den nationalen Vorschriften, die am Aufstellungsort der
Anlage gelten, oder von der Entscheidung der zuständigen Behörden abhängig.

4.2 Klasse A — Druckbelüftungssystem

4.2.1 Allgemeines

Die Auslegungsbedingungen basieren auf der Annahme, dass ein Gebäude nicht evakuiert werden muss,
sofern es nicht unmittelbar durch Feuer bedroht wird. Aufgrund der Brandabschnittsbildung ist es für die
Nutzer des Gebäudes üblicherweise sicher, innerhalb des Gebäudes zu bleiben. Es ist daher
unwahrscheinlich, dass gleichzeitig mehr als eine Tür zum geschützten Raum geöffnet ist (entweder jene
zwischen der Treppe und dem Vorraum/Korridor oder die Ausgangstür, die ins Freie führt).

Klasse A — Systeme dürfen nicht in Gebäuden mit gemischten Nutzungseinheiten verwendet werden.

4.2.2 Klasse A — Anforderungen

4.2.2.1 Kriterium Luftgeschwindigkeit

Die Luftgeschwindigkeit durch die Türöffnung zwischen dem druckbelüfteten Treppenraum und dem
Vorraum/Korridor darf 0,75 m/s nicht unterschreiten, wenn

a) auf irgendeinem Geschoss die Türen zwischen dem Vorraum/Korridor und der druckbelüfteten Treppe
geöffnet sind; und

b) die Luftabführung des Vorraums/Korridors auf diesem Geschoss auf ist; und

c) auf allen anderen Geschossen alle Türen zwischen der druckbelüfteten Treppe und den
Vorräumen/Korridoren geschlossen sind; und

d) alle Türen zwischen der druckbelüfteten Treppe und dem Ausgang, der ins Freie führt, geschlossen sind;
und

e) die Ausgangstür, die ins Freie führt, geschlossen ist.

Die Auslegungsanforderungen für ein Klasse A — System zeigt Bild 2.

16
EN 12101-6:2005 (D)

Kriterium Luftgeschwindigkeit Kriterium Druckunterschied


(alle Türen zu)

Legende

1 Tür offen 3 Abströmöffnung


2 Tür zu
ANMERKUNG Die geöffnete Tür kann auf einen offenen Strömungsweg durch einen einfachen Vorraum deuten.

Bild 2 — Auslegungskriterien für Klasse A — Systeme

4.2.2.2 Kriterium Druckunterschied

Der Druckunterschied an einer geschlossenen Tür zwischen der druckbelüfteten Treppe und dem
Vorraum/Korridor darf (50 5) Pa nicht unterschreiten, wenn

a) die Luftabführung vom Vorraum/Korridor auf diesem Geschoss geöffnet ist;

b) auf allen anderen Geschossen die Türen zwischen der druckbelüfteten Treppe und dem
Vorraum/Korridor geschlossen sind;

c) alle Türen zwischen der druckbelüfteten Treppe und dem Ausgang, der ins Freie führt, geschlossen sind;

d) die Ausgangtür, die ins Freie führt, geschlossen ist.

ANMERKUNG Die Grenzabweichung von 10 % (5 Pa) ist nicht für die Berechnung, sondern gibt eine Flexibilität bei
den Abnahmeprüfergebnissen.

4.2.2.3 Türöffnungskraft

Das System muss so ausgelegt sein, dass die Kraft am Türgriff 100 N nicht übersteigt.

ANMERKUNG 1 Der entsprechende maximale Differenzdruck an der Tür kann unter Verwendung des Verfahrens in
Abschnitt 15 und Anhang A als eine Funktion der Türkonfiguration ermittelt werden.

17
EN 12101-6:2005 (D)

ANMERKUNG 2 Die Kraft, die zum Öffnen einer Tür ausgeübt werden kann, wird durch die Reibung zwischen den
Schuhen und dem Boden begrenzt, und es kann daraus folgend erforderlich sein, rutschige Bodenbeläge in der Nähe von
Türen zu vermeiden, die in druckbelüftete Räume öffnen, insbesondere bei Gebäuden, in denen sich sehr junge, alte oder
gebrechliche Personen aufhalten.

4.3 Klasse B — Druckbelüftungssystem

4.3.1 Allgemeines

Ein Klasse B — Druckbelüftungssystem kann genutzt werden, um eine mögliche gefährliche Verrauchung der
Brandbekämpfungsschächte während der Rettungsmaßnahmen und Arbeitsvorgängen der Feuerwehr auf ein
Minimum herabzusetzen.

Während der Arbeitsvorgänge der Feuerwehr kann es erforderlich werden, die Tür zwischen dem
Brandbekämpfungsvorraum und dem Nutzungsbereich zu öffnen, damit ein eventuell vollentwickelter Brand
bekämpft werden kann.

In einigen Brandfällen kann es erforderlich sein, Löschwasserschläuche an einen unter dem Brandgeschoss
liegenden Hydranten anzuschließen und diese dann über die Treppe zum Vorraum im Brandgeschoss zu
führen. Es ist daher oftmals nicht möglich, die Türen zwischen diesen Vorräumen und der Treppe zu
schließen, wenn die Brandbekämpfungsmaßnahmen im Gange sind. Die Geschwindigkeit des heißen
Rauches und der Gase eines vollentwickelten Brandes kann 5 m/s erreichen, und unter diesen Bedingungen
ist es unmöglich, einen erforderlichen Luftvolumenstrom zur Verfügung zu haben, um den Eintritt von Rauch
in den Vorraum zu verhindern. Es wird angenommen, dass die Brandbekämpfungsmaßnahmen, wie z. B. die
Anwendung von Sprühmitteln, wesentlich dazu beitragen, heiße Rauchgase zurückzuhalten. Es ist jedoch
unerlässlich, dass der Treppenraum frei bleibt von gesundheitsgefährdendem Rauch. Um die Ausbreitung des
Rauches aus dem Brandbereich in den Vorraum und dann durch die geöffnete Tür zwischen dem Vorraum
und dem Treppenhaus zu unterbinden, muss an der Tür zwischen Vorraum und Nutzungsbereich eine
Strömungsgeschwindigkeit von mindestens 2 m/s erzielt werden.

Um die Mindestgeschwindigkeit von 2 m/s durch die geöffnete Treppenhaustür zu erreichen, muss eine
ausreichende Leckage vom Nutzungsbereich zum Äußeren des Gebäudes vorhanden sein. In den späteren
Brandentwicklungsphasen wird im Allgemeinen durch das Bersten von Außenfenstern eine ausreichende
Leckage geschaffen. Es kann jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass Fenster vor Eintreffen der
Feuerwehr zerbrochen sein werden. Daher muss sichergestellt werden, dass eine ausreichende
Leckagefläche über die Außenfassade, die Lüftungsleitungen oder besonders ausgeführte Wege der
Luftabführung verfügbar sind.

4.3.2 Klasse B — Anforderungen

4.3.2.1 Kriterium Druckunterschied

Die Luftzufuhr muss derart bemessen sein, dass der in Tabelle 2 angegebene Differenzdruck aufrechterhalten
wird, wenn alle Türen zum Aufzug, zur Treppe und zum Vorraum und die Ausgänge, die ins Freie führen,
geschlossen sind und der Weg der Luftabführung aus dem Nutzungsbereich geöffnet ist.

Das System muss so ausgelegt sein, dass der Treppenraum und der Vorraum und ggf. der Aufzugsschacht
rauchfrei gehalten werden. Falls Rauch in den Vorraum eindringen sollte, darf durch den Druck im
Treppenraum kein Rauch in den Aufzugsschacht oder umgekehrt gelangen. Dies muss durch separate
Druckbelüftung für den Feuerwehr-Aufzugsschacht und Vorraum und Treppe erreicht werden.

Die Lüfter-/Motoreneinheiten, die den Feuerwehr-Aufzugsschacht mit Luft versorgen, müssen sich innerhalb
des entsprechend zugeordneten Treppenraumes befinden, jedoch mit separaten Zuluftleitungen.

Die Auslegungsanforderungen für ein Klasse B — System zeigt Bild 3.

18
EN 12101-6:2005 (D)

Tabelle 2 — Zulässige Mindestdifferenzdrücke zwischen festgelegten


Bereichen für Klasse B — Systeme

Festgelegter Bereich Differenzdruck, der min. einzuhalten ist

Durch Aufzugsschacht und Nutzungsbereich 50 Pa

Durch Treppe und Nutzungsbereich 50 Pa

Durch geschlossene Türen zwischen jedem Vorraum


45 Pa
und dem Nutzungsbereich

ANMERKUNG Zur Flexibilität bei den Abnahmeprüfergebnissen ist eine Grenzabweichung von 10 % auf die
Messung erlaubt.

4.3.2.2 Kriterium Luftgeschwindigkeit

Die Luftzufuhr muss so ausgelegt sein, dass eine Mindestluftgeschwindigkeit von 2 m/s durch die geöffnete
Tür zwischen dem Vorraum und dem Nutzungsbereich im Brandgeschoss aufrechterhalten wird, wenn alle
folgenden Türen geöffnet sind zwischen

a) der Treppe und dem Vorraum im Brandgeschoss; und

b) der Treppe und dem Vorraum auf einem benachbarten Geschoss; und

c) dem Feuerwehr-Aufzugsschacht und dem Vorraum auf einem benachbarten Geschoss; und

d) dem Treppenraum und der Außenluft auf der Zugriffsberechtigungsstufe der Feuerwehr

und der Weg der Luftabführung im Brandgeschoss geöffnet ist.

Wenn zum Zwecke der Berechnung davon ausgegangen wird, dass eine zweiflügeligen Tür offen ist, darf bei
dieser Berechnung angenommen werden, dass ein Türflügel in der geschlossen Stellung verbleibt.

Die Anzahl der für die Auslegung angenommenen offenen Türen ist abhängig von der Örtlichkeit und der Art
der im Gebäude eingebauten Brandbekämpfungseinrichtungen, im Besonderen Feuerlöschsteigerohraustritte.

Wenn der Schlauch durch eine Tür verläuft, dann muss diese Tür als vollständig geöffnet angenommen
werden.

19
EN 12101-6:2005 (D)

Kriterium Luftgeschwindigkeit Kriterium Druckunterschied


(alle Türen zu)

Legende

1 Sicherheitstreppenraum 5 Abströmöffnung
2 Brandbekämpfungsvorräume 6 Tür offen (Brandbekämpfungsvorräume)
3 Tür offen 7 Tür zu (Brandbekämpfungsvorräume)
4 Tür zu 8 Luftströmung vom Feuerwehr-Aufzugsschacht

Bild 3 — Auslegungskriterien für Klasse B — Systeme

4.3.2.3 Luftzufuhr

Jegliche Zuluft, die eine Feuerwehrtreppe oder einen Aufzugsschacht und ggf. verbundene Vorräume
versorgt, muss von allen anderen Lüftungsanlagen oder Differenzdrucksystemen unabhängig sein.

4.3.2.4 Brandbekämpfungsschacht

Brandbekämpfungsschächte sind nach den entsprechenden nationalen Vorschriften, die am Aufstellungsort


der Anlage gelten, zu bauen.

4.3.2.5 Türöffnungskraft

Das System muss so ausgelegt sein, dass die Kraft am Türgriff 100 N nicht übersteigt.

ANMERKUNG 1 Der entsprechende maximale Differenzdruck an der Tür kann unter Verwendung des Verfahrens in
Abschnitt 15 und Anhang A als eine Funktion der Türkonfiguration ermittelt werden.

ANMERKUNG 2 Die Kraft, die zum Öffnen einer Tür ausgeübt werden kann, wird durch die Reibung zwischen den
Schuhen und dem Boden begrenzt, und es kann erforderlich sein, rutschige Bodenbeläge in der Nähe von Türen zu
vermeiden, die in druckbelüftete Räume öffnen, insbesondere bei Gebäuden, in denen sich sehr junge, alte oder
gebrechliche Personen aufhalten.

20
EN 12101-6:2005 (D)

4.4 Klasse C — Druckbelüftungssystem

4.4.1 Allgemeines

Die Auslegungsbedingungen für Klasse C — Systeme basieren auf der Annahme, dass alle Nutzer des
Gebäudes bei Auslösung des Brandalarms evakuiert werden, i. e. gleichzeitige Evakuierung.

Bei der gleichzeitigen Evakuierung wird angenommen, dass die Treppen für die Nennevakuierungsdauer
genutzt werden und danach frei von Evakuierten sind. Demnach erfolgt die Evakuierung in den frühen Phasen
der Brandentstehung, und dabei können geringe Rauchgasmengen im Treppenraum toleriert werden. Der
Luftstrom infolge des Überdrucklüftungssystems muss den Treppenraum rauchfrei machen.

Es wird davon ausgegangen, dass die Evakuierten aufmerksam, informiert und ortskundig sind, wodurch sich
deren Aufenthaltsdauer im Gebäude verkürzen wird.

4.4.2 Klasse C — Anforderungen

4.4.2.1 Kriterium Luftgeschwindigkeit

Die Luftgeschwindigkeit durch die Türöffnung zwischen dem Überdruckbereich und dem Nutzungsbereich darf
0,75 m/s nicht unterschreiten, wenn

a) im Brandgeschoss die Türen zwischen dem Nutzungsbereich und dem druckbelüfteten Treppenhaus und
dem Vorraum geöffnet sind; und

b) der Weg der Luftabführung aus dem Nutzungsbereich im Brandgeschoss, wo die Luftgeschwindigkeit
gemessen wird, offen ist und

c) angenommen wird, dass alle Türen, außer den Türen im Brandgeschoss, geschlossen sind.

4.4.2.2 Druckdifferenz

Die Druckdifferenz an einer geschlossenen Tür zwischen dem Überdruckbereich und dem Nutzungsbereich
muss Tabelle 3 entsprechen.

Tabelle 3 — Mindestdifferenzdrücke für Klasse C — Systeme

Position der Türen Differenzdrücke, die min. einzuhalten sind

Türen zwischen Nutzungsbereich und Überdruckbereich


sind in allen Geschossen geschlossen

Alle Türen zwischen druckbelüftetem Treppenraum und


dem Ausgang, der ins Freie führt, sind geschlossen
50 Pa
Weg der Luftabführung vom Nutzungsbereich in dem
Geschoss, wo die Druckdifferenzmessung erfolgt, ist offen

Tür, die ins Freie führt, ist geschlossen

Tür, die ins Freie führt, ist geöffnet und die Punkte i) bis iii)
10 Pa
oben sind erfüllt

ANMERKUNG Zur Flexibilität bei den Abnahmeprüfergebnissen ist eine Grenzabweichung von 10 % auf die
Messung erlaubt.

21
EN 12101-6:2005 (D)

Die Auslegungsbedingungen für Klasse C — Systeme zeigt Bild 4.

Kriterium Luftgeschwindigkeit Kriterium Druckunterschied Kriterium Druckunterschied


(alle Türen zu)

Legende

1 Tür offen
2 Tür zu
3 Abströmöffnung

ANMERKUNG Bild 4 kann Vorräume umfassen.

Bild 4 — Auslegungskriterien für Klasse C — Systeme

4.4.2.3 Türöffnungskraft

Das System muss so ausgelegt sein, dass die Kraft am Türgriff 100 N nicht übersteigt.

ANMERKUNG 1 Der entsprechende maximale Differenzdruck an der Tür kann unter Verwendung des Verfahrens in
Abschnitt 15 und Anhang A als eine Funktion der Türkonfiguration ermittelt werden.

ANMERKUNG 2 Die Kraft, die zum Öffnen einer Tür ausgeübt werden kann, wird durch die Reibung zwischen den
Schuhen und dem Boden begrenzt, und es kann erforderlich sein, rutschige Bodenbeläge in der Nähe von Türen zu
vermeiden, die in druckbelüftete Räume öffnen, insbesondere bei Gebäuden, in denen sich sehr junge, alte oder
gebrechliche Personen aufhalten.

22
EN 12101-6:2005 (D)

4.5 Klasse D — Druckbelüftungssystem

4.5.1 Allgemeines

Klasse D — Systeme werden für Gebäude entworfen, in denen die Nutzer schlafen können, z. B. Hotels,
Herbergen und institutionelle Einrichtungen. Die Zeit, welche die Gebäudenutzer benötigen, um sich in einen
geschützten Bereich zu bewegen — vor Erreichung des Ausganges, der ins Freie führt -, kann länger sein als
die Zeit, die zu erwarten ist in einer alarmierten oder leistungsfähigen Umgebung, und die Nutzer werden mit
dem Gebäude nicht immer vertraut sein oder Hilfe benötigen, um den Ausgang, der ins Freie führt, oder einen
sicheren Bereich zu erreichen.

Klasse D — Systeme sind auch geeignet, durch das Vorhandensein eines Druckbelüftungssystems, ein
üblicherweise notwendigen Treppenraum und/oder Vorräume zu ersetzen, die üblicherweise nach den
nationalen Vorschriften am Aufstellungsort der Anlage erforderlich wären.

4.5.2 Klasse D — Anforderungen

4.5.2.1 Kriterium Luftgeschwindigkeit

Die Luftgeschwindigkeit durch die Tür zwischen dem Überdruckbereich und dem Nutzungsbereich im
Brandgeschoss darf 0,75 m/s nicht unterschreiten, wenn

a) die Tür zwischen dem Nutzungsbereich und dem Überdruckbereich im Brandgeschoss geöffnet ist,
und/oder

b) alle Türen im Nutzungsbereich im Brandgeschoss zwischen dem Überdruckbereich und dem Weg der
Luftabführung geöffnet sind, und/oder

c) alle Türen in den Überdruckbereichen im Brandgeschoss zur Ausgangstür, die ins Freie führt, geöffnet
sind, und dabei den Rettungsweg zum Ausgang des Nutzungsbereichs kreuzen, und/oder

d) alle Türen zwischen der druckbelüfteten Treppe und dem Ausgang, der ins Freie führt, geöffnet sind,
und/oder

e) der Ausgang, der ins Freie führt, geöffnet ist, und/oder

f) der Weg der Luftabführung aus dem Nutzungsbereich geöffnet ist.

4.5.2.2 Druckunterschied

Der Druckunterschied an der Tür zwischen dem Überdruckbereich und dem Nutzungsbereich im Brand-
geschoss muss Tabelle 4 entsprechen.

23
EN 12101-6:2005 (D)

Tabelle 4 — Mindestdifferenzdrücke für Klasse D — Systeme

Differenzdruck, der min.


Position der Türen
einzuhalten ist

Tür zwischen dem Nutzungsbereich und dem Überdruckbereich im


Brandgeschoss ist geschlossen

Alle Türen im Überdruckbereich, die den Rettungsweg vom


Nutzungsbereich zur Ausgangstür, die ins Freie führt, kreuzen, sind
geöffnet

Alle Türen zwischen dem Überdruckbereich und der Ausgangstür, die


10 Pa
ins Freie führt, sind geöffnet

Die Ausgangstür, die ins Freie führt, ist geöffnet

Der Weg der Luftabführung vom Nutzungsbereich in dem Geschoss, wo


der Druckunterschied gemessen wird, ist offen

Eine Tür zu einem Geschoss, außer zum Brandgeschoss, ist geöffnet

Die Türen zwischen dem Nutzungsbereich und dem Überdruckbereich


sind in allen Geschossen geschlossen

Alle Türen zwischen der druckbelüfteten Treppe und der Ausgangstür,


die ins Freie führt, sind geschlossen
50 Pa
Der Weg der Luftabführung vom Nutzungsbereich in dem Geschoss, wo
der Druckunterschied gemessen wird, ist offen

Die Ausgangstür, die ins Freie führt, ist geschlossen

ANMERKUNG Zur Flexibilität bei den Abnahmeprüfergebnissen ist eine Grenzabweichung von 10 % auf die
Messung erlaubt.

Die Auslegungsbedingungen für Klasse D — Systeme zeigt Bild 5.

24
EN 12101-6:2005 (D)

Kriterium Luftgeschwindigkeit Kriterium Druckunterschied Kriterium Druckunterschied


(alle Türen zu)

Legende

1 Tür offen
2 Tür zu
3 Abströmöffnung

ANMERKUNG Bild 5 kann Vorräume umfassen.

Bild 5 — Auslegungskriterien für Klasse D — Systeme

4.5.2.3 Türöffnungskräfte

Das System muss so ausgelegt sein, dass die Kraft am Türgriff 100 N nicht übersteigt.

ANMERKUNG 1 Der entsprechende maximale Differenzdruck an der Tür kann unter Verwendung des Verfahrens in
Abschnitt 15 und Anhang A als eine Funktion der Türkonfiguration ermittelt werden.

ANMERKUNG 2 Die Kraft, die zum Öffnen einer Tür ausgeübt werden kann, wird durch die Reibung zwischen den
Schuhen und dem Boden begrenzt, und es kann erforderlich sein, rutschige Bodenbeläge in der Nähe von Türen zu
vermeiden, die in druckbelüftete Räume öffnen, insbesondere bei Gebäuden, in denen sich sehr junge, alte oder
gebrechliche Personen aufhalten.

4.6 Klasse E — Druckbelüftungssystem

4.6.1 Allgemeines

Das Klasse E — System wird in Gebäuden verwendet, bei denen die Evakuierung im Brandfall in Phasen
eingeteilt ist.

25
EN 12101-6:2005 (D)

Beim Szenario „in Phasen eingeteilte Evakuierung“ wird berücksichtigt, dass das Gebäude für eine längere
Zeit noch genutzt wird, während sich der Brand weiter entwickelt und größere Drücke durch den Brand,
zusätzlich zu den größeren heißen Rauch- und Gasmengen, aufgebaut werden (dies kann je nach Art der
Materialien, der betroffenen Brandlasten und der Geometrie der Brandlast erheblich variieren).

Bei der Situation „in Phasen eingeteilte Evakuierung“ müssen die geschützten Treppenhäuser rauchfrei
gehalten werden, damit Personen sich von anderen Geschossen als dem Brandgeschoss sicher zu einem
späteren Zeitpunkt in der Brandentwicklung retten können.

4.6.2 Klasse E — Anforderungen

4.6.2.1 Kriterium Luftgeschwindigkeit

Die Luftgeschwindigkeit durch die offene Türöffnung zwischen dem Überdruckbereich und dem Nutzungs-
bereich im Brandgeschoss darf 0,75 m/s nicht unterschreiten, wenn

a) die Türen zwischen dem Nutzungsbereich und dem Überdruckbereich in dem Geschoss über dem Brand-
geschoss geöffnet sind, und/oder

b) alle Türen in den Überdruckbereichen auf jenen zwei Geschossen, die den Rettungsweg vom
Nutzungsbereich zu der Ausgangstür, die ins Freie führt, kreuzen, geöffnet sind, und/oder

c) alle Türen zwischen der druckbelüfteten Treppe und der Ausgangstür, die ins Freie führt, geöffnet sind,
und/oder

d) die Ausgangstür, die ins Freie führt, geöffnet ist, und/oder

e) der Weg der Luftabführung vom Nutzungsbereich im Brandgeschoss geöffnet ist.

4.6.2.2 Kriterium Druckunterschied

Der Druckunterschied an der geschlossenen Tür zwischen dem Überdruckbereich und dem Nutzungsbereich
im Brandgeschoss muss Tabelle 5 entsprechen.

26
EN 12101-6:2005 (D)

Tabelle 5 — Mindestdifferenzdrücke für Klasse E — Systeme

Differenzdruck, der min.


Position der Türen
einzuhalten ist

Die Türen zwischen dem Nutzungsbereich und dem Überdruckbereich


sind auf zwei benachbarten Geschossen geöffnet

Alle Türen innerhalb des Überdruckbereichs auf jenen zwei Geschossen,


welche den Rettungsweg von dem Unterbringungsbereich zu der
Ausgangtür, die ins Freie führt, kreuzen, sind geöffnet
10 Pa
Alle Türen zwischen der druckbelüfteten Treppe und der Ausgangstür,
die ins Freie führt, sind geöffnet

Die Ausgangstür, die ins Freie führt, ist geöffnet

Der Weg der Luftabführung vom Nutzungsbereich jenes Geschosses, wo


der Druckunterschied gemessen wird, ist offen

Die Türen zwischen dem Nutzungsbereich und dem Überdruckbereich


sind in allen Geschossen geschlossen

Alle Türen zwischen der druckbelüfteten Treppe und der Ausgangstür,


die ins Freie führt, sind geschlossen
50 Pa
Der Weg der Luftabführung vom Nutzungsbereich jenes Geschosses, wo
der Druckunterschied gemessen wird, ist offen

Die Ausgangstür, die ins Freie führt, ist geschlossen

ANMERKUNG Zur Flexibilität bei den Abnahmeprüfergebnissen ist eine Grenzabweichung von 10 % auf die
Messung erlaubt.

Die Auslegungsbedingungen für Klasse E — Systeme zeigt Bild 6.

4.6.2.3 Türöffnungskraft

Das System muss so ausgelegt sein, dass die Kraft am Türgriff 100 N nicht übersteigt.

ANMERKUNG 1 Der entsprechende maximale Differenzdruck an der Tür kann unter Verwendung des Verfahrens in
Abschnitt 15 und Anhang A als eine Funktion der Türkonfiguration ermittelt werden.

ANMERKUNG 2 Die Kraft, die zum Öffnen einer Tür ausgeübt werden kann, wird durch die Reibung zwischen den
Schuhen und dem Boden begrenzt, und es kann erforderlich sein, rutschige Bodenbeläge in der Nähe von Türen zu
vermeiden, die in druckbelüftete Räume öffnen, insbesondere bei Gebäuden, in denen sich sehr junge, alte oder
gebrechliche Personen aufhalten.

27
EN 12101-6:2005 (D)

Kriterium Luftgeschwindigkeit Kriterium Druckunterschied Kriterium Druckunterschied


(alle Türen zu)

Legende

1 Tür offen
2 Tür zu
3 Abströmöffnung

ANMERKUNG Bild 6 kann Vorräume umfassen.

Bild 6 — Auslegungskriterien für Klasse E — Systeme

4.7 Klasse F — Druckbelüftungssystem

4.7.1 Allgemeines

Ein Klasse F — Druckbelüftungssystem kann genutzt werden, um eine mögliche gefährliche Verrauchung der
Sicherheitstreppenhäuser während der Rettungsmaßnahmen und Arbeitsvorgänge der Feuerwehr auf ein
Minimum herabzusetzen.

Während der Arbeitsvorgänge der Feuerwehr kann erforderlich werden, die Tür zwischen dem Brand-
bekämpfungsvorraum und dem Nutzungsbereich zu öffnen, damit ein eventuell vollentwickelter Brand
bekämpft werden kann.

In einigen Brandfällen kann es erforderlich sein, Löschwasserschläuche an einen unter dem Brandgeschoss
liegenden Hydranten anzuschließen und diese dann über die Treppe zum Vorraum im Brandgeschoss zu
führen. Es ist daher oftmals nicht möglich, die Türen zwischen diesen Vorräumen und der Treppe zu
schließen, wenn die Brandbekämpfungsmaßnahmen im Gange sind. Wenn sich die Feuerlöschsteige-
rohrausgänge nur im Korridor oder Nutzungsbereich vor den Vorräumen befinden, dann ist ferner davon
auszugehen, dass die Tür zwischen dem Vorraum und dem Korridor oder dem Nutzungsbereich, in dem
unterhalb des Brandgeschosses liegenden Geschoss während der Brandbekämpfungsmaßnahmen, geöffnet
ist.

28
EN 12101-6:2005 (D)

Die Geschwindigkeit des heißen Rauches und der Gase eines vollentwickelten Brandes kann 5 m/s erreichen,
und unter diesen Bedingungen ist es unmöglich, einen ausreichenden Luftdurchfluss zur Verfügung zu liefern,
um den Eintritt von Rauch in den Vorraum zu verhindern. Es wird angenommen, dass die
Brandbekämpfungsmaßnahmen, wie z. B. die Anwendung von Sprühmitteln, wesentlich dazu beitragen, heiße
Rauchgase zurückzuhalten. Es ist jedoch unerlässlich, dass der Treppenraum frei bleibt von
gesundheitsgefährdendem Rauch. Um die Ausbreitung des Rauches aus dem Brandbereich in den Vorraum
und dann durch die geöffnete Tür zwischen dem Vorraum und dem Treppenhaus zu unterbinden, muss an
der Tür zwischen Vorraum und Nutzungsbereich eine Strömungsgeschwindigkeit von mindestens 2 m/s erzielt
werden.

Da die Geschwindigkeit in den Türen zwischen dem Vorraum und dem Nutzungsbereich unter 2 m/s liegen
kann und daher Rauch vom Nutzungsbereich in den Vorraum eindringen kann, muss dieser Rauch im
Vorraum durch eine ausreichende Luftwechselrate entfernt werden, wenn alle Türen des Vorraumes
geschlossen sind.

Um die Mindestgeschwindigkeit von 2 m/s durch die geöffnete Treppenhaustür zu erreichen, muss eine
ausreichende Leckage vom Nutzungsbereich zum Äußeren des Gebäudes vorhanden sein. In den späteren
Brandentwicklungsphasen wird im Allgemeinen durch das Bersten von Außenfenstern eine ausreichende
Leckage geschaffen. Es kann jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass Fenster vor Eintreffen der
Feuerwehr zerbrochen sind, und daher muss sichergestellt werden, dass eine ausreichende Leckagefläche
über die Außenfassade, die Lüftungsleitungen oder besonders ausgeführte Wege der Luftabführung verfügbar
sind.

4.7.2 Klasse F — Anforderungen

4.7.2.1 Kriterium Druckunterschied

Die Luftzufuhr muss derart bemessen sein, dass der in Tabelle 6 angegebene Differenzdruck aufrechterhalten
wird, wenn alle Türen zum Aufzug, zur Treppe und zum Vorraum und die Ausgänge, die ins Freie führen,
geschlossen sind und der Weg der Luftabführung aus dem Nutzungsbereich geöffnet ist.

Das System muss so ausgelegt sein, dass der Treppenraum und der Vorraum und ggf. der Aufzugsschacht
rauchfrei gehalten werden. Falls Rauch in den Vorraum eindringen sollte, darf durch den Druck im
Treppenraum kein Rauch in den Aufzugsschacht oder umgekehrt gelangen. Dies muss durch separate
Druckbelüftung für den Feuerwehr-Aufzugsschacht und Vorraum und Treppe erreicht werden. Eine
Lüfter-/Motoreneinheit, die den Feuerwehr-Aufzugsschacht mit Luft versorgt, muss sich innerhalb des
entsprechend zugeordneten Treppenraumes befinden, jedoch mit separaten Zuluftleitungen.

Tabelle 6 — Zulässige Mindestdifferenzdrücke zwischen festgelegten Bereichen für Klasse F —


Systeme, wenn alle Türen geschlossen sind

Festgelegter Bereich Differenzdruck, der min. einzuhalten ist

Durch Aufzugsschacht und Nutzungsbereich 50 Pa

Durch Treppenhaus und Nutzungsbereich 50 Pa

Durch geschlossene Türen zwischen jedem Vorraum 45 Pa


und dem Nutzungsbereich

ANMERKUNG Zur Flexibilität bei den Abnahmeprüfergebnissen ist eine Grenzabweichung von 10 % auf die
Messung erlaubt.

29
EN 12101-6:2005 (D)

4.7.2.2 Kriterium Luftgeschwindigkeit zwischen Treppenhaus und Vorraum

Die Luftzufuhr muss so ausgelegt sein, dass eine Mindestluftgeschwindigkeit von 2 m/s durch die geöffnete
Tür zwischen dem Treppenhaus und dem im Brandgeschoss aufrechterhalten wird, wenn der Weg der
Luftabführung offen ist und alle folgenden Türen geöffnet sind zwischen

a) dem Vorraum und dem betroffenen Brandbereich; und

b) der Treppe und dem Vorraum in dem Geschoss unterhalb des Brandgeschosses; und

c) dem Feuerwehr-Aufzugsschacht und dem Vorraum in dem Geschoss unterhalb des Brandgeschosses;
und

d) der Treppe und der Außenluft auf der Zugriffsberechtigungsstufe der Feuerwehr; und

e) dem Vorraum und dem Nutzungsbereich in dem Geschoss unterhalb des Brandgeschosses (dies gilt nur,
wenn die Feuerlöschsteigerohrausgänge sich innerhalb des Nutzungsbereiches und vor den Vorräumen
befinden).

ANMERKUNG Bei einer Tür mit zwei Flügeln wird zum Zwecke der Berechnung und Abnahmeprüfung davon
ausgegangen, dass der kleinere Flügel sich in der geschlossenen Stellung befindet.

Wenn der Schlauch durch eine Tür verläuft, dann muss diese Tür als vollständig geöffnet angenommen
werden.

4.7.2.3 Kriterium Luftgeschwindigkeit zwischen dem Vorraum und Brandabschnitt

Die Luftzufuhr muss so ausgelegt sein, dass eine Mindestluftgeschwindigkeit von 1 m/s durch alle geöffneten
Türen zwischen dem Vorraum und dem betroffenen Brandabschnitt aufrechterhalten wird mit

a) der Tür zwischen dem Treppenhaus und dem Vorraum geschlossen; und

b) alle Türen zwischen dem Vorraum und benachbarten Nutzungsbereichen im Brandgeschoss geöffnet;
und

c) der Treppe und der Außenluft auf der Zugriffsberechtigungsstufe der Feuerwehr geöffnet; und

d) dem Weg der Luftabführung des betroffenen Brandabschnitts geöffnet.

Anforderung c) oben gilt nicht, wenn sich zwischen dem Treppenhaus und dem Ausgang, der ins Freie führt,
ein einfacher Vorraum befindet. Alternativ gelten die Bestimmungen von 4.7.2.4.

30
EN 12101-6:2005 (D)

Legende

1 Treppe 6 Weg der Luftabführung vom Gebäude


2 Vorraum 7 Überdruckentlastung
3 Nutzungsbereich 8 Nutzungsbereich
4 Zuluft 9 Vorraum vom Aufzug
5 Leckageweg durch Türen usw. 10 Aufzug

Bild 7 — Auslegungskriterien für Klasse F — Systeme

31
EN 12101-6:2005 (D)

4.7.2.4 Kriterium Luftgeschwindigkeit — Alternative zu 4.7.2.3

Es ist eine Luftwechselrate von 30 h– 1 im Vorraum im Brandgeschoss aufrechtzuerhalten (siehe Bild 7) mit

a) allen Türen des Vorraums einschließlich der Tür zwischen dem Vorraum und dem Treppenhaus
geschlossen; und

b) der Tür zwischen der Treppe und der Außenluft auf der Zugriffsberechtigungsstufe der Feuerwehr
geöffnet; und

c) dem Weg der Luftabführung des betroffenen Brandabschnitts geöffnet.

Anforderung b) oben gilt nicht, wenn sich ein einfacher Vorraum zwischen dem Treppenhaus und der
Ausgangstür, die ins Freie führt, befindet. Alle Türen dieses Vorraums müssen selbstschließend sein.

4.7.2.5 Zuluftversorgung

Jegliche Zuluft, die einen Sicherheitstreppenraum oder einen Aufzugsschacht und ggf. verbundene Vorräume
versorgt, muss von allen anderen Lüftungsanlagen oder Differenzdrucksystemen unabhängig sein.

4.7.2.6 Türöffnungskraft

Das System muss so ausgelegt sein, dass die Kraft am Türgriff 100 N nicht übersteigt.

ANMERKUNG 1 Der entsprechende maximale Differenzdruck an der Tür kann unter Verwendung des Verfahrens in
Abschnitt 15 und Anhang A als eine Funktion der Türkonfiguration ermittelt werden.

ANMERKUNG 2 Die Kraft, die zum Öffnen einer Tür ausgeübt werden kann, wird durch die Reibung zwischen den
Schuhen und dem Boden begrenzt, und es kann erforderlich sein, rutschige Bodenbeläge in der Nähe von Türen zu
vermeiden, die in druckbelüftete Räume öffnen, insbesondere bei Gebäuden, in denen sich sehr junge, alte oder
gebrechliche Personen aufhalten.

5 Merkmale eines Differenzdrucksystemes

5.1 Allgemeines

5.1.1 Gebäudeauslegung und -konstruktion

Die in diesem Abschnitt gegebenen Informationen umfassen alle Systemklassen und müssen insbesondere
den Schutz von Treppenhäusern, Vorräumen und Korridoren abdecken, die einen Bestandteil eines
geschützten Rettungsweges oder Brandbekämpfungsschachtes bilden.

Es ist das Ziel, einen Differenzdruck über alle Leckagewege zu erzeugen, so dass sichergestellt ist, dass
Rauch nicht in den geschützten Bereich eindringen kann. Dies wird dadurch erreicht, dass der Druck des
geschützten Bereiches auf einem höheren Niveau gehalten wird als im Brandbereich. Es ist wichtig, dass eine
ausreichende Entlüftung des Nutzbereiches geschaffen wird, damit sichergestellt ist, dass dieser
Differenzdruck beibehalten wird. Siehe Bilder 8 a) und 8 b).

Bei der Berechnung der für ein Druckbelüftungssystem erforderlichen Zuluft müssen Annahmen über die
Leckage-Merkmale des Gebäudes angestellt werden, insbesondere zwischen
a) druckbelüfteten und nicht druckbelüfteten Bereichen;
b) benachbarten Überdruckbereichen;
c) Überdruckbereichen und der Außenluft,
d) nicht druckbelüfteten Bereichen und der Außenluft.

32
EN 12101-6:2005 (D)

Wenn druckbelüftete und nicht druckbelüftete Schächte im gleichen Gebäude vorhanden sind, besteht die
Möglichkeit, dass die nicht druckbelüfteten Schächte mit Rauch vollgesogen werden, als unmittelbares
Ergebnis der durch das Druckbelüftungssystem erzeugten Luftströmung.

Wenn in Gebäuden Bereiche wie EDV-Räume oder medizinische Einrichtungen sind, die aus anderen
Gründen als brandschutztechnischen Gründen druckbelüftet werden, muss der Schutz der druckbelüfteten
Rettungswege vor Brandeinwirkung in diesen druckbelüfteten Bereichen Berücksichtigung finden. Siehe
Abschnitt 8 für ausführlichere Informationen.

Es ist wichtig, dass hinsichtlich der Einbau- und Konstruktionsverfahren, die in dem Gebäude angewandt
werden, zwischen dem Planer und dem Konstrukteur eine Übereinstimmung erzielt wird. Insbesondere ist die
Konstruktion der Schächte, die unter Druck gesetzt werden, und die der Gebäudehülle zu beachten.
Unrealistische Annahmen über die Luftdichtheit dieser Konstruktionen sind meistens der Grund dafür,
weshalb ein Druckbelüftungssystem nicht die Abnahmekriterien erfüllt.

Es ist wichtig, dass der Architekt/Bauunternehmer auf die Bedeutung der Kontrolle von Leckagebereichen der
Überdruckbereiche aufmerksam gemacht wird, so dass, wenn ausgerüstet, kein zu hoher Druckluftverlust
entsteht.

In einem einstufigen Druckbelüftungssystem wird die Druckbelüftung nur im Brandfall angewandt, und in
einem zweistufigen Druckbelüftungssystem wird eine geringe Luftversorgung zu jeder Zeit aufrechterhalten,
z. B. zur Lüftung, und wird im Brandfall auf Notfallniveau erhöht. Beide Systeme sind zulässig.

5.1.2 Anforderungen an die Merkmale eines Druckbelüftungssystems

5.1.2.1 Ein Lufteinlass ist zum Ansaugen der Luft von außerhalb des Gebäudes derart vorzusehen, dass
sie nicht durch den Rauch von dem Feuer im Gebäude kontaminiert wird (siehe 11.8.2.4).

5.1.2.2 Die Zuluft muss über Lüfter geliefert werden, und soweit dies erforderlich ist, sind Leitungen zum
Überdruckbereich vorzusehen. Die Lage und Konstruktion der Leitungen und Lüfter ist zu berücksichtigen,
damit sichergestellt ist, dass sie nicht durch ein Feuer innerhalb des ungeschützten Raumes gefährdet
werden.

33
EN 12101-6:2005 (D)

Legende
1 Eine alternative Option ist die Steuerung des Lüfters, um sicherzustellen, dass der Überdruck max. 60
Pa nicht übersteigt
2 Entlüftungsklappen, eingestellt, um bei 50 Pa (max.) zu arbeiten, innerhalb der Treppenraumumfassung
3 Druckluft wird gleichmäßig über die gesamte Treppenhöhe bei Gebäuden > 11 m verströmt (eine
einzelne Abströmung, üblicherweise im oberen Bereich der Treppe, ist bei Gebäuden < 11 m zulässig)
4 Sicherheitstreppenraum
5 Nutzungsbereich
6 Außenleckage
7 Druckluft, die in Höhe eines jeden Vorraums verströmt wird
8 Abstand zwischen Luftaustritt darf drei Stockwerke nicht überschreiten
9 Zugang Brandbekämpfungsvorraum
10 Brandabschnitt
11 Luftauslassventil
12 Zugangsberechtigungsstufe Feuerwehr
13 Einzelner Lufteinlass
14 Rauchmelder
15 Motorisierte Klappe
16 Feuerwehr-Handauslöser
17 Haupt- und Hilfsdrucklufteinheiten
18 Aggregatraum, der geschützt ist durch zwei Stunden feuerwiderstandsfähige Abschnitte und Gehäuse-
Rauch-Druckluft-Lüfter

Bild 8 a) — Beispiel eines Differenzdrucksystems, das im unteren Bereich der Treppe gespeist wird

34
EN 12101-6:2005 (D)

Legende

1 Entlüftungsklappen, eingestellt, um bei 50 Pa (max.) zu arbeiten, innerhalb des Treppenraums


2 Aggregatraum, der geschützt ist durch zwei Stunden feuerwiderstandsfähige Abschnitte und Gehäuse-
Rauch-Druckluft-Lüfter
3 Rauchmelder
4 Doppel-Lufteinlässe zu alternativen Fassaden des Gebäudes, komplett mit Rauchmelder und
motorisierter Entrauchungsklappe
5 Haupt- und Hilfsdrucklufteinheiten
6 Alternativer Lufteinlass
7 Motorisierte Klappe
8 Lufteinlass
9 Eine alternative Option ist die Steuerung des Lüfters, um sicherzustellen, dass der Überdruck
max. 60 Pa nicht übersteigt
10 Sicherheitstreppenraum
11 Sicherheitstreppenraumschacht (falls erforderlich)
12 Nutzungsbereich
13 Außenleckage
14 Druckluft wird gleichmäßig über die gesamte Treppenhöhe bei Gebäuden > 11 m verströmt (eine
einzelne Abströmung, üblicherweise im oberen Bereich der Treppe, ist bei Gebäuden < 11 m zulässig)
15 Brandbekämpfungsvorraum
16 Druckluft, die in Höhe eines jeden Vorraums verströmt wird
17 Abstand zwischen Luftaustritt darf drei Stockwerke nicht überschreiten
18 Brandabschnitt
19 Luftauslassventil
20 Zugangsberechtigungsstufe (Feuerwehr)
21 Feuerwehr-Handauslöser

Bild 8 b) — Beispiele eines Differenzdrucksystems, das im oberen Bereich der Treppe gespeist wird

35
EN 12101-6:2005 (D)

5.1.2.3 Alle Türen zwischen den druckbelüfteten und den nicht druckbelüfteten Räumen sind mit
automatisch schließenden Vorrichtungen (Türschließer) auszustatten.

5.1.2.4 Kleine Fugen und Undichtigkeiten bilden zusammen mit offenen Türen Leckagewege von den
Überdruckbereichen zu den nicht druckbelüfteten Räumen. Zusätzlich ist eine Überdruckentlastung
vorzusehen, damit sichergestellt ist, dass der Druckaufbau, wenn die Türen geschlossen sind, das Öffnen der
Türen in den Überdruckbereich möglich macht.

5.1.2.5 Eine Entlüftung ist vorzusehen, damit sichergestellt ist, dass die Luft von dem druckbelüfteten
Raum in einen nicht druckbelüfteten Raum zur Außenluft entweichen kann, so dass der Differenzdruck oder
die Luftströmungsgeschwindigkeit offener Türen zwischen den beiden Räumen aufrechterhalten wird.

5.1.2.6 Wenn druckbelüftete und nicht druckbelüftete Räume im gleichen Gebäude vorhanden sind, dann
muss nachgewiesen werden, dass Rauch nicht in den nicht druckbelüfteten Schacht hineingezwängt wird. Die
Verwendung von druckbelüfteten und nicht druckbelüfteten Treppenräumen, welche für die gleichen
Geschosse gelten, ist nur in Betracht zu ziehen, wenn eine der folgenden Bedingungen erfüllt ist:

a) der nicht druckbelüftete Treppenraum ist vom druckbelüfteten Treppenraum durch einen großen
ungeteilten Raum getrennt, aus dem die Luft durch eine Öffnung entweichen kann, die zweimal so groß
ist wie die Tür, durch die Luft eintritt, oder

b) eine detaillierte Strömungsanalyse hat ergeben, dass der Betrieb des Druckbelüftungssystems die
Luftströmung im Brandgeschoss in den nicht druckbelüfteten Treppenraum hinein nicht erhöhen wird.

Jeder druckbelüftete Rettungsweg muss seine eigene, unabhängige Luftversorgung haben.

5.2 Lufteintrittspunkte

5.2.1 Allgemeines

Die Treppen müssen so ausgelegt sein, dass sichergestellt ist, dass die Druckluft über die gesamte Treppe
gleichmäßig verteilt wird und Zuluft nicht durch geöffnete Türen kurzgeschlossen wird, d. h. Luft strömt direkt
aus einer geöffneten Tür, sobald sie zum Schacht geführt wurde.

Wenn Türen dicht neben der Einblasstelle geöffnet sind, kann Zuluft durch sie verloren gehen, und eine
ausreichende Druckbelüftung kann bei Türen, die sich weiter entfernt von der Einblasstelle befinden, nicht
erzielt werden. Dies kann insbesondere auf Einblassysteme in Bodenhöhe zutreffen, wo die Ausgangstür für
einen erheblichen Zeitraum geöffnet sein kann.

Wenn ein Druckbelüftungssystem für Treppen auf der Basis einer geöffneten Tür auf der Höhe des Ausgangs,
der ins Freie führt, ausgelegt wurde, wird die vertikale Luftströmung im Schacht möglicherweise hoch sein,
und folglich können die Druckverluste beträchtlich sein.

5.2.2 Anforderungen an die Luftversorgung

5.2.2.1 Jeder vertikale Rettungsweg oder Brandbekämpfungsschacht ist mit einem eigens hierfür
abgestellten Druckbelüftungssystem auszustatten. Die Leitungen, die jeden der einzelnen vertikalen Schächte
und/oder Vorräume sowie alle angeschlossenen druckbelüfteten Korridore unter Druck setzen, müssen von
einem gemeinsamen System mit Luft versorgt werden können. Der Vorraum muss durch Leitungen mit
Druckluft versorgt werden, die von jenen unabhängig sind, welche die Treppe versorgen. Der Korridor muss
durch eine Leitung mit Druckluft versorgt werden, die von dem Vorraum und dem Treppenraum getrennt ist.

5.2.2.2 In Gebäuden mit einer Höhe von weniger als 11 m ist eine einzelne Einblasstelle für jeden
druckbelüfteten Treppenraum zulässig.

36
EN 12101-6:2005 (D)

5.2.2.3 In Gebäuden mit einer Höhe von 11 m oder mehr sind die Zuluftpunkte gleichmäßig über die
gesamte Höhe des Treppenraumes zu verteilen, und der Maximalabstand zwischen den Zuluftpunkten darf
drei Geschosse nicht übersteigen.

5.2.2.4 Die Lufteintrittsstelle darf sich nicht innerhalb von 3 m von der Tür, die ins Freie führt, befinden.

5.2.2.5 Bei Aufzugsschächten ist eine Einblas-/Eintrittsstelle für jeden Aufzugsschacht bis zu einer Höhe
von 30 m vorzusehen.

5.2.2.6 Jeder Vorraum muss eine Einblas-/Eintrittsstelle haben.

5.3 Entlüftung

5.3.1 Allgemeines

Während des Betriebes der Anlage wird Druckluft vom Überdruckbereich in den Nutzbereich strömen. Es ist
wichtig vorzusehen, dass auf jedem Brandgeschoss die Luft, die in den nicht druckbelüfteten Bereich
eingedrungen ist, aus dem Gebäude entweichen kann. Dies ist zur Aufrechterhaltung der Druckdifferenz
zwischen Überdruckbereichen und dem Nutzbereich wichtig. Die erforderliche Leckrate wird von der
jeweiligen Gestaltung des Gebäudes und der Verwendung des Druckbelüftungssystems abhängen.

5.3.2 Anforderungen an die Luftabführung

5.3.2.1 Der Nutzbereich im Brandgeschoss muss spezielle Entlüftungsvorrichtungen haben, die für das
geplante, in den Raum eintretende Kriterium Luftgeschwindigkeit geeignet sind.

5.3.2.2 Wenn durch eine brandschutztechnische Untersuchung gezeigt werden kann, dass vor dem
Bersten von Fenstern eine ausreichende Zahl von Leckagewegen über die Lüftungsanlage vorhanden sein
werden, sind zusätzliche Vorkehrungen zur Luftabführung aus dem Gebäude nicht erforderlich. Wenn eine
solche Untersuchung nicht vorliegt, muss die Luftabführung auf eine der folgenden Weisen erfolgen:

a) Bereitstellung von Spezialabzügen an der Außenfläche des Gebäudes. Wenn das Gebäude versiegelt ist,
sind ggf. Spezialabzüge an allen Seiten des Gebäude anzubringen (siehe Abschnitt 15).

b) Vertikale Schächte. Wenn eine Abführung der Druckluft mit Hilfe von Spezialabzügen an der Außenseite
nicht möglich ist, dürfen zu diesem Zweck vertikale Schächte benutzt werden (siehe Abschnitt 15).

c) Maschineller Abzug. Die Freisetzung von Druckluft durch einen maschinellen Abzug stellt eine zufrieden
stellende Methode dar. Der maschinelle Abzug muss nur arbeiten, bevor Fenster bersten (siehe
Abschnitt 15).

5.3.2.3 Bei der Ermittlung der Nutzfläche für die natürliche Entlüftung, die für jedes Geschoss erforderlich
ist, muss eine Seite des Gebäudes zum Zwecke der Berechnung außer Acht gelassen werden. Wenn die
Abführung um die Außenwand herum nicht gleichmäßig verteilt ist, dann muss die Seite mit der größten
Entlüftungsfläche unberücksichtigt gelassen werden.

5.3.2.4 Die erforderliche Vorrichtung für die Entlüftung ist so zu berechnen, dass die jeweilige Gestaltung
des Gebäudes und die Art des Druckbelüftungssystems berücksichtigt werden.

5.3.2.5 Wenn die Entlüftung über natürliche Abzüge erfolgt, muss

a) der natürliche Abzug (Abzüge) üblicherweise in der Geschlossenstellung gehalten werden und

b) wenn das Notdruckbelüftungssystem in Betrieb ist, muss der Abzug (Abzüge) entriegelt werden, so dass
die Druckluft frei entweichen kann.

Bei Verwendung einer automatisch gesteuerten Entlüftung darf die Entlüftung nur im Brandgeschoss
stattfinden, und die Luftauslassventile müssen auf allen anderen Geschossen geschlossen bleiben.

37
EN 12101-6:2005 (D)

5.3.2.6 Wenn die Entlüftung über maschinell betriebene Abzüge erfolgt, dann darf die Entlüftungsrate je
Geschoss nicht geringer als der berechnete maximale Volumenstrom (siehe 15.2 und A.4) in den Nutzbereich
hinein sein, und es sind Mittel vorzusehen, damit die Türöffnungskraft nicht 100 N bei geschlossener Tür
übersteigt.

5.3.2.7 Die Anforderung in 5.3.2.6 kann erfüllt werden, wenn jedes Geschoss eine separate Abzugsanlage
hat, oder wenn dafür Sorge getragen wird, dass die Leitungen in allen Geschossen üblicherweise durch
modifizierte feuerwiderstandsfähige Entrauchungsklappen verschlossen werden. Wenn das
Notdruckbelüftungssystem in Betrieb ist, dürfen sich die Absperrvorrichtungen, welche die Abzugsanlage
verschließen, nur auf den Brandgeschossen öffnen.

5.4 Überdruckentlastung

5.4.1 Allgemeines

Die Auslegung der druckbelüfteten Treppenräume umfasst die Bewertung der erforderlichen Luftströmung
unter zwei unterschiedlichen Bedingungen, d. h. alle Türen geschlossen und mit ausgewählten Türen
geöffnet. Meistens wird die Luftströmungsanforderung mit geöffneten Türen größer sein als mit allen Türen
geschlossen. Wenn sich zu hohe Drücke in dem geschützten Raum entwickeln können, kann es schwierig
oder unmöglich sein, die Türen zu dem Raum zu öffnen (siehe Abschnitt 15). Um den Aufbau von zu hohen
Drücken zu vermeiden, ist die Bereitstellung von Überdruckventilen erforderlich. Die Öffnung des
Überdruckventils darf durch ein Ausgleichsklappenventil verschlossen werden, dass sich nur öffnet, wenn der
Druck den Nenndruck übersteigt.

Alternativ wäre die Verwendung eines mit Druckfühlern geregelten Systems möglich, um die Zu- oder Abluft
stufenlos zu regeln, so dass der erforderliche Druck oder die erforderliche Strömung erzeugt wird.

5.4.2 Anforderungen an die Überdruckentlastung

5.4.2.1 Mittel zur Abgabe von überschüssiger Druckluft aus dem geschützten Raum sind vorzusehen.

5.4.2.2 Überdruckventile dürfen nicht in den Nutzbereich über einen ungeschützten Strömungsweg
ausmünden, da jede Durchdringung eines feuerwiderstandsfähigen Bauteils eine potentielle Schwachstelle
zwischen dem geschützten Raum und der Brandzone darstellt. Die Überdruckentlastung von dem
druckbelüfteten Raum

a) muss entweder direkt zur Außenluft oder über geeignete Leitungen führen oder

b) darf bei Klasse F — Systemen direkt über Überdruckventile in den Nutzungsbereich hineingeblasen
werden, wobei dann die Durchdringung des feuerwiderstandsfähigen Bauteils durch eine automatische,
selbstschließende Brandschutzklappe geschützt werden muss. Diese muss dann entsprechend
prEN 13501-3 klassifiziert sein und darf nur durch eine Temperatureinrichtung betrieben werden.

5.4.2.3 Das Überdruckventil muss so dimensioniert sein, dass es die gesamte überschüssige Luft
ausblasen kann. Diese wird ermittelt, indem die gesamte Leckluft aus den Treppenräumen, Vorräumen und
Korridoren bei geschlossenen Türen von dem gesamten erforderlichen Luftvolumenstrom unter den
ungünstigsten Zuluftbedingungen subtrahiert wird.

5.4.2.4 Die Überdruckentlastung muss sicherstellen, dass die Druckstufe innerhalb des geschützten
Raumes (mit allen Türen geschlossen) beibehalten oder über der geplanten Druckstufe aufrechterhalten wird,
jedoch unterhalb des Maximaldruckes, der durch die Anforderungen an die Kraft zur Öffnung der Tür
festgelegt ist (siehe Abschnitt 15).

5.4.2.5 Variable Zuluftventilatoren oder Klappen, die durch Druckfühler gesteuert werden, dürfen nicht
verwendet werden, außer wenn die Anlage über 90 % der neuen volumetrischen Anforderungen innerhalb
von 3 s nach Öffnen oder Schließen einer Tür erzielen kann.

38
EN 12101-6:2005 (D)

6 Bereiche, die druckbelüftet werden müssen

6.1 Nur Treppenräume

6.1.1 Allgemeines

Der Schutz durch die Druckbelüftung von Treppenräumen ist nur auf die vertikalen Teile des Rettungsweges
beschränkt; für die horizontalen Teile des Rettungsweges auf jedem Geschoss ist kein wesentlicher Schutz
geboten.

6.1.2 Anforderungen an Treppenräume

6.1.2.1 Wenn nur die Treppenräume druckbelüftet sind, dann muss die Treppe direkt vom Nutzbereich
aus oder durch einen einfachen Vorraum erreicht werden können.

6.1.2.2 Mit allen Türen geschlossenen muss die Druckdifferenz an den Türen den Bildern 9 a) und 9 b)
entsprechen.

6.1.2.3 Systeme, welche die Treppenräume unter Druck setzen, sind bei jedem Feueralarm automatisch
zu aktivieren.

6.1.2.4 Die Anordnungen müssen den entsprechenden Systemklassen entsprechen, wie in Abschnitt 4
definiert.

6.2 Treppenräume und Vorraum

6.2.1 Allgemeines

Wenn auf irgendeinem Geschoss der Vorraum, welcher den Treppenraum vom Nutzbereich trennt, nicht nur
ein einfacher Vorraum ist, dann muss dieser Vorraum unabhängig vom Treppenraum druckbelüftet werden.
Diese Anordnung setzt den Schutz gegen Raucheintritt fort bis hin zu der Tür, die zu dem Nutzbereich führt, in
dem ein Brand entstehen kann (siehe Bild 10 und 5.3).

ANMERKUNG Ein Vorraum, der mit einem Aufzugsschacht oder einem anderen Schacht verbunden ist, wird dennoch als
einfacher Vorraum angesehen, wenn alle derartigen Schächte unabhängig voneinander druckbelüftet werden.

6.2.2 Anforderungen an Treppenräume und Vorraum

6.2.2.1 Mit allen Türen geschlossen, müssen die Druckunterschiede hinsichtlich des Nutzungsbereiches
Bild 10 entsprechen.

6.2.2.2 Bei Feueralarm müssen entweder

a) alle druckbelüfteten Treppenräume und druckbelüfteten Vorräume in allen Geschossen gleichzeitig


druckbelüftet werden oder

b) alle Treppenräume und nur die Vorräume in dem vom Feuer betroffenen Geschoss druckbelüftet werden.

6.2.2.3 Die Anordnungen müssen den passenden Systemklassen nach Abschnitt 4 entsprechen. Wenn
zwischen dem Treppenraum und Nutzbereich ein einfacher Vorraum ist, beziehen sich alle in Abschnitt 4
aufgeführten „offene Tür“-Bedingungen auf beide Türen des betreffenden Vorraumes, die einen einzelnen
Strömungsweg bilden.

ANMERKUNG Wenn sich die Situation ergibt, dass ein druckbelüfteter Vorraum zwei oder mehr Türen hat, die sich zum
Nutzbereich eines Geschosses hin öffnen, sollte diese Situation Gegenstand einer brandschutztechnischen Lösung in
Bezug auf Luftströmung und Luftabführung sein, insbesondere wenn Türen sich zu getrennten Strömungswegen hin
öffnen, die zu unterschiedlichen Wegen der Luftabführung führen.

39
EN 12101-6:2005 (D)

9 a) Druckbelüftung von Treppe und Vorraum 9 b) Nur Druckbelüftung von Treppe, kein Vorraum

Legende

1 Treppe 4 Zuluft
2 Vorraum 5 Leckageweg durch Türen usw.
3 Nutzungsbereich 6 Weg der Luftabführung aus dem Gebäude heraus
P bedeutet Überdruckbereich. Umringte Zahlen bedeuten Entwurfsmindestdifferenzdruck, z. B. 50 Pa bezogen
auf den Nutzungsbereich, identifiziert durch 0

Bild 9 — Nur Druckbelüftung von Treppe, mit oder ohne Vorraum

40
EN 12101-6:2005 (D)

10 a) Druckbelüftung von Treppen und allen 10 b) Druckbelüftung von Treppen und


verbundenen Vorräumen Aufzugsschacht

Legende

1 Treppe 5 Leckageweg durch Türen usw.


2 Vorraum 6 Weg der Luftabführung aus dem Gebäude heraus
3 Nutzungsbereich 7 Korridor
4 Zuluft 8 Aufzug
P bedeutet Überdruckbereich. Umringte Zahlen bedeuten Entwurfsmindestdifferenzdruck, z. B. 50 Pa bezogen
auf den Nutzungsbereich, identifiziert durch 0

Bild 10 — Druckbelüftung von Treppen und allen verbundenen Vorräumen

41
EN 12101-6:2005 (D)

11 a) Druckbelüftung von 11 b) Druckbelüftung von 11 c) Druckbelüftung von


Treppen und verbundenen Treppen und Luftabführung aus Treppen, Aufzugsschächten und
Vorräumen und Korridoren verbundenen Korridoren allen verbundenen Vorräumen

Legende

1 Treppe 5 Leckageweg durch Türen usw.


2 Vorraum 6 Weg der Luftabführung aus dem Gebäude heraus
3 Nutzungsbereich 7 Korridor
4 Zuluft 8 Aufzug
P bedeutet Überdruckbereich. Umringte Zahlen bedeuten Entwurfsmindestdifferenzdruck, z. B. 50 Pa bezogen
auf den Nutzungsbereich, identifiziert durch 0

Bild 11 — Konfigurationen von Treppen-Druckbelüftungssystemen

6.3 Druckbelüftung von Treppenraum und Vorraum, mit Luftabführung aus dem Korridor

6.3.1 Allgemeines

Wenn der Vorraum sich zu einem Korridor hin öffnet, der einen Teil eines horizontalen Rettungswegs bildet,
kann es bei bestimmten Systemen von Vorteil sein, Treppe und Vorraum unter Druck zu setzen und die Luft
im Korridor abzuführen (siehe Bild 11 b)).

6.3.2 Anforderungen an die Druckbelüftung von Treppenraum und Vorraum, mit Luftabführung aus
dem Korridor

6.3.2.1 Mit allen Türen geschlossen, muss der Druckunterschied an der Tür Bild 11 b) entsprechen.

6.3.2.2 Wenn Rauch gemeldet wird, müssen entweder

a) alle Druckbelüftungssysteme für Treppenhäuser und Vorräume gleichzeitig aktiviert werden oder

42
EN 12101-6:2005 (D)

b) alle Treppenräume und nur die Vorräume in dem vom Feuer betroffenen Geschoss druckbelüftet werden.

6.3.2.3 Es sind Vorkehrungen zu treffen, um sicherzustellen, dass der Korridor eine ausreichende
Luftabführung zur Außenluft hat.

6.3.2.4 Die Anordnungen müssen den passenden Systemklassen nach Abschnitt 4 entsprechen.

6.4 Druckbelüftung von Treppenraum, Vorraum und Korridor

6.4.1 Allgemeines

Wenn der Vorraum sich zu einem Korridor hin öffnet, der einen Teil von einem geschützten Rettungsweg
bildet, kann das Druckbelüftungssystem vorteilhaft so erweitert werden, dass es den Korridor einschließt und
so den Rauchschutz fortsetzt bis hin zu der Tür der Brandzone. Wenn der Korridor jedoch viele Türen hat
(oder andere Leckagewege), kann die erforderliche Luftzufuhr groß sein. Die Planung muss darauf abzielen,
die Luftströmung vom Treppenhaus, durch den Vorraum und durch den Korridor zur Außenluft
sicherzustellen, entweder direkt oder über den Nutzbereich (siehe Bild 11 a)).

6.4.2 Anforderungen an Treppenraum, Vorraum und Korridor

6.4.2.1 Der Korridor muss ein geschützter Korridor sein und muss mit Druckluft über eine Leitung
versorgt werden, die von der Vorraum- und Treppenraumversorgung getrennt ist.

6.4.2.2 Wenn alle Türen geschlossen sind, müssen die Druckunterschiede an den Türen zwischen
Korridor und Nutzbereich Bild 11 a) entsprechen.

6.4.2.3 Es sind Vorkehrungen zu treffen, um sicherzustellen, dass der Korridor eine ausreichende
Luftabführung über den Nutzbereich an die Außenluft hat.

6.4.2.4 Wenn Rauch gemeldet wird, dann müssen entweder

a) alle druckbelüfteten Treppenräum und druckbelüfteten Vorräume in allen Geschossen gleichzeitig


druckbelüftet werden. Es braucht nur der Korridor in dem vom Feuer betroffenen Geschoss druckbelüftet
zu werden, oder

b) alle druckbelüfteten Treppenräume und nur die Vorräume und Korridore in dem vom Feuer betroffenen
Geschoss müssen druckbelüftet werden.

6.4.2.5 Die Anordnungen müssen den passenden Systemklassen nach Abschnitt 4 entsprechen.

6.5 Treppenraum und Aufzugsschacht

6.5.1 Allgemeines

Wenn Rauch in einen nicht druckbelüfteten Vorraum oder Korridor eintritt, bildet ein Aufzugsschacht einen
potentiellen Weg für die Ausbreitung von Rauch von dem Brandgeschoss auf andere Geschosse. Durch
Druckbelüften des Aufzugsschachts kann die Rauchausbreitung über den Aufzugsschacht auf andere
Geschosse verhindert werden. Die Druckbelüftung des Aufzugsschachtes kann auch für Klasse B — Systeme
erforderlich sein (siehe Bild 11 c)).

6.5.2 Anforderungen an Treppenraum und Aufzugsschacht

6.5.2.1 Wenn der Aufzug über einen nicht druckbelüfteten Vorraum oder Korridor betreten wird, muss der
Aufzugsschacht mit dem gleichen Überdruck wie der zugehörige Treppenraum druckbelüftet werden.

6.5.2.2 Wenn alle Türen geschlossen sind, müssen die Druckunterschiede an den Türen zwischen dem
Aufzugsschacht und dem Treppenraum Bild 11 c) entsprechen.

43
EN 12101-6:2005 (D)

6.5.2.3 Es sind Vorkehrungen zu treffen um sicherzustellen, dass eine ausreichende Luftabführung vom
Korridor an die Außenluft vorhanden ist.

6.5.2.4 Wenn Rauch gemeldet wird, dann müssen alle druckbelüfteten Treppenräume und
druckbelüfteten Feuerwehr-Aufzugschächte gleichzeitig druckbelüftet werden.

6.5.2.5 Die Anordnungen müssen den passenden Systemklassen nach Abschnitt 4 entsprechen.

ANMERKUNG Ein Vorraum, der mit einem Aufzugsschacht oder einem anderen Schacht verbunden ist, wird dennoch als
einfacher Vorraum angesehen, wenn diese Schächte unabhängig druckbelüftet sind.

6.6 Treppenräume und Korridore mit Luftabführung aus dem Nutzbereich

6.6.1 Allgemeines

Wenn Treppenräume und Korridor irgendeines Geschosses als Fluchtweg aus dem Nutzbereich zu den
Treppenräumen vorgesehen sind, dürfen die Treppenräume und Korridor entsprechend Bild 12 a)
druckbelüftet werden. Diese Anordnung setzt den Schutz gegen Rauch fort bis hin zu der Tür in den
Nutzbereich.

6.6.2 Anforderungen an Treppenräume und Korridore mit Luftabführung aus dem Nutzbereich

6.6.2.1 Wenn alle Türen geschlossen sind, muss der Druckunterschied an den Türen Bild 12 a)
entsprechen.

6.6.2.2 Wenn Rauch gemeldet wird, dann müssen entweder

a) alle druckbelüfteten Treppen und druckbelüfteten Korridore in allen Geschossen gleichzeitig druckbelüftet
werden oder

b) alle druckbelüfteten Treppen und nur der Korridor in dem vom Feuer betroffenen Geschoss druckbelüftet
werden.

6.6.2.3 Diese Anordnung muss durch ansprechbare Absperrvorrichtungen usw. gesteuert werden.

6.6.2.4 Die Anordnungen müssen den passenden Systemklassen nach Abschnitt 4 entsprechen.

44
EN 12101-6:2005 (D)

12 a) Druckbelüftung von Treppen und Korridoren 12 b) Druckbelüftung von Treppen und


Luftabführung in Korridoren

Legende

1 Treppe 5 Leckageweg durch Türen usw.


2 Korridore 6 Weg der Luftabführung aus dem Gebäude heraus
3 Nutzungsbereich 7 Korridor
4 Zuluft 8 Aufzug
P bedeutet Überdruckbereich. Umringte Zahlen bedeuten Entwurfsmindestdifferenzdruck, z. B. 50 Pa bezogen
auf den Nutzungsbereich, identifiziert durch 0

Bild 12 — Konfigurationen von Treppen-Druckbelüftungssystemen

6.7 Treppenräume und Luftabführung aus Korridoren/Vorraum

6.7.1 Allgemeines

Wo die Luftabführung aus dem Nutzbereich nicht vorgesehen ist, muss die Möglichkeit der Druckbelüftung
des Treppenraumes mit Luftabführung aus Vorraum/Korridor, wie in Bild 12 b) gezeigt, genutzt werden.

6.7.2 Anforderungen an Treppenräume und Luftabführung aus Korridoren/Vorraum

6.7.2.1 Wenn alle Türen geschlossen sind, muss der Druckunterschied an den Türen Bild 12 b)
entsprechen.

6.7.2.2 Wenn Rauch gemeldet wird, müssen die Systeme, welche die Treppenräume druckbelüften ,
gleichzeitig aktiviert werden.

6.7.2.3 Es sind Vorkehrungen zu treffen, um sicherzustellen, dass der Korridor/Vorraum eine


ausreichende Luftabführung zur Außenluft hat.

6.7.2.4 Die Einrichtung zur Luftabführung darf nur in dem vom Feuer betroffenen Geschoss arbeiten.

6.7.2.5 Die Einrichtungen müssen den passenden Systemklassen nach Abschnitt 4 entsprechen.

45
EN 12101-6:2005 (D)

6.8 Treppenraum, Vorräume und Aufzugschächte

6.8.1 Allgemeines

Ein Differenzdrucksystem kann verwendet werden, um die Gefahr einer schweren Kontaminierung durch
Rauch in Sicherheitstreppenräumen während der Brandbekämpfungsmaßnahmen zu minimieren.

Während der Brandbekämpfungsmaßnahmen ist es notwendig, die Tür zwischen dem


Brandbekämpfungsvorraum und dem Nutzbereich zu öffnen, um einen vollentwickelten Brand zu bekämpfen.

6.8.2 Anforderungen an Treppenräume, Vorräume und Aufzugschächte

6.8.2.1 Wenn alle Türen geschlossen sind, muss der Druckunterschied an den Türen Bild 13
entsprechen.

6.8.2.2 Alle druckbelüfteten Treppenräume, Vorräume und Aufzugschächte aller Geschosse müssen bei
Ansprechen eines automatischen Rauchmelders gleichzeitig druckbelüftet oder von der Feuerwehr von Hand
betätigt werden (siehe Abschnitt 12).

6.8.2.3 Alle Einrichtungen müssen einem Klasse B — System nach Abschnitt 4 entsprechen.

6.8.2.4 Treppenräume, Vorräume und Aufzugsschacht müssen jeweils getrennt druckbelüftet werden,
um sicherzustellen, dass die Kontaminierung durch Rauch in diesen Bereichen auf einem Minimum gehalten
wird.

Legende

1 Treppe 5 Leckageweg durch Türen usw.


2 Vorraum 6 Weg der Luftabführung aus dem Gebäude
3 Nutzungsbereich 8 Aufzug
4 Zuluft
P bedeutet Überdruckbereich. Umringte Zahlen bedeuten Entwurfsmindestdifferenzdruck, z. B. 50 Pa bezogen
auf den Nutzungsbereich, identifiziert durch 0

Bild 13 — Druckbelüftung von Treppen, Vorräumen und Treppenräumen (Diese Anordnungen sind
Vorkehrungen zur Brandbekämpfung)

46
EN 12101-6:2005 (D)

7 Auslegungsverfahren für Druckbelüftungssysteme

7.1 Allgemeines

Die Unterabschnitte 7.2 bis 7.4 dienen zur Veranschaulichung der allgemeinen Auslegungsverfahren, die alle
Systemklassen betreffen und für andere Verwendungen geeignet sind.

Wenn eine Treppe für Brandbekämpfungsmaßnahmen vorgesehen ist, dann ist es zweckmäßiger, erst das
Auslegungsverfahren für die Brandbekämpfungsmaßnahmen durchzuführen, bevor das für die
Rettungsmaßnahmen durchgeführt wird.

Informationen über die freien Durchtrittsquerschnitte der Luft für typische Konstruktionsformen sind in A.6.2
enthalten. Eine Anleitung zur Berechnung der effektiven freien Durchtrittsquerschnitte für Strömungswege,
hintereinander und nebeneinander, ist in Abschnitt 15 enthalten.

7.2 Anforderungen an die Auslegung der Rettungsmaßnahmen

7.2.1 Die effektiven freien Durchtrittsquerschnitte für die folgenden Strömungswege aus jedem Geschoss
sind für das Szenario „geschlossene Tür“ zu bewerten (siehe 15.2.1 und 15.2.2):

a) vom Treppenraum zum einfachen Vorraum zum Nutzungsbereich;

b) vom Treppenraum direkt zur Außenluft;

c) vom Nutzungsbereich zur Außenluft;

d) vom Aufzugsschacht direkt zur Außenluft;

e) vom Vorraum zum Nutzungsbereich.

In bereits bestehenden Gebäuden werden die freien Durchtrittsquerschnitte im höchsten Maße von der
Qualität der Ausführung und der Bauweise abhängig sein; daher können die tatsächlichen Undichtigkeiten
erheblich von den angenommenen zulässigen Werten abweichen. Die effektiven freien Durchtrittsquerschnitte
müssen daher, falls möglich, durch eine Messung des Volumenstroms auf der Baustelle beurteilt werden.

7.2.2 Die Leckluftrate über jedem Strömungsweg von dem druckbelüfteten Schacht auf der geplanten
Druckstufe ist mit allen Treppenräumen, Aufzug- und Vorraumtüren geschlossen (siehe Abschnitt 15) zu
berechnen (siehe 15.2.3 bis 15.2.7).

7.2.3 Alle Leckluftraten sind zusammenzurechnen, um die theoretisch erforderliche Zuluftrate zu ermitteln
(siehe 15.2.8). Um die erforderliche Gesamtzuluftrate zu ermitteln, wird dieser Wert mit einem Faktor von
mindestens 1,5 multipliziert, damit Unsicherheiten der festgestellten Leckagewege berücksichtigt werden
(siehe 15.2).

7.2.4 Die Zuluftrate muss, in Übereinstimmung mit der jeweiligen Systemklasse, für die Situation bei
geöffneter Tür ermittelt werden (siehe 4.2 bis 4.6).

7.2.5 Die erforderliche Gesamtzuluft muss berechnet werden mit allen entsprechenden offenen Türen,
entsprechend der ausgewählten Systemklasse, plus einer Grenzabweichung von 15 % für Durchströmverluste.

7.2.6 Die erforderlichen Luftströmungsraten sind für die Bedingungen bei geschlossener und geöffneter Tür
zu vergleichen, und es muss ein Wert ausgewählt werden, der höher ist als die erforderliche
Gesamtzuluftrate.

7.2.7 Ermittelt werden müssen die Anforderungen an die Luftabführung (siehe 5.3 und 15.2). Die
Berechnung der Anforderungen an die Luftabführung kann außer Acht gelassen werden, wenn die
Auslegungsverfahren für die Brandbekämpfungsmaßnahmen bereits durchgeführt worden sind.

47
EN 12101-6:2005 (D)

7.2.8 Die erforderliche Nennüberdruckentlastung, um überschüssige Zuluft von dem druckbelüfteten Raum
abzuführen, muss berechnet werden (siehe 5.4 und 15.2).

7.2.9 Der Aufzugsschacht benötigt keine Überdruckventile, wenn das Versorgungssystem ursprünglich so
ausgelegt ist, dass die erforderliche Druckstufe bei allen geschlossenen Türen erreicht ist.

7.3 Auslegung für die Brandbekämpfung

7.3.1 Allgemeines

Ein Treppenraum, der einem Brandbekämpfungsschacht dient, kann eine höhere Zuluftrate und
umfassendere Vorkehrungen zur Abführung von Luft aus dem Nutzungsbereich erfordern als ein
Treppenraum, der nur zu Rettungszwecken dient.

Um das Rechenverfahren zu vereinfachen, kann davon ausgegangen werden, dass es keine


Wechselwirkungen zwischen den Differenzdrucksystemen des Treppenraumes und des Aufzugs gibt. (Dies
wird zu einer Überschätzung der erforderlichen Gesamtzuluftrate zum Treppenraum führen, weil es nicht der
zusätzlichen Luftströmung zwischen dem Aufzug und dem Treppenraum Rechnung trägt.)

Die folgenden Verfahren dienen zur Ermittlung der erforderlichen Zuluft mit der Ausgangstür, die ins Freie
führt, geöffnet, den Türen des Treppenraums und des Vorraumes im Brandgeschoss geöffnet und die
benachbarte Geschosstür oder Türen geöffnet (wie in 4.3 festgelegt).

7.3.2 Auslegung für die Anforderungen der Brandbekämpfung

7.3.2.1 Die erforderliche Leckluftrate/Zuluft wird nach 7.2.1 berechnet.

7.3.2.2 Der erforderliche Luftvolumenstrom durch die geöffnete Tür vom Vorraum zum Nutzungsbereich,
um eine Luftgeschwindigkeit von 2 m/s zu erreichen, unter der Annahme, dass die Tür vom Vorraum zum
Nutzungsbereich vollständig geöffnet ist, muss berechnet werden (ggf. plus einer Abweichung von 15 % für
Durchströmverluste).

7.3.2.3 Bei zweiflügeligen Türanlagen muss für die effektive Fläche der geöffneten Tür angenommen
werden, dass es sich um eine einflügelige geöffnete Türöffnung handelt.

7.3.2.4 Der Differenzdruck, der erforderlich ist, um eine Strömungsgeschwindigkeit von 2 m/s über dem
Strömungsweg vom Treppenraum über den Nutzungsbereich zur Außenluft zu erreichen, muss nach
Abschnitt 15 berechnet werden.

7.3.2.5 Unter Verwendung des oben berechneten Druckes im Treppenraum muss der Luftvolumenstrom,
der erforderlich ist, um den Druck bei geöffneter Ausgangstür, die ins Freie führt, aufrechtzuerhalten,
berechnet werden, wobei alle Leckagewege vom Schacht bei diesem Auslegungsdruck zu berücksichtigen
sind (siehe Abschnitt 15). Die zu erwartende Leckage über alle Wege, außer den geöffneten Türen, muss mit
einem Faktor von mindestens 1,5 multipliziert werden, damit Unsicherheiten der festgestellten Leckagewege
berücksichtigt werden.

7.3.2.6 Der höhere Wert der Zuluftrate, der zu Brandbekämpfungszwecken erforderlich ist, und jener, der
für die Rettungsmaßnahmen nötig ist, ist zu wählen, so dass er die erforderliche Gesamtzuluftrate zu
Auslegungszwecken repräsentiert (siehe Abschnitt 15).

7.3.2.7 Es müssen die im Brandgeschoss erforderliche Luftabführungskapazität und die erforderlichen


Luftabführungsvorrichtungen (siehe Abschnitt 15), die auf allen Geschossen vorzusehen sind, berechnet
werden.

7.3.2.8 Wenn die zu Brandbekämpfungszwecken erforderliche Gesamtzuluftrate größer ist als jene für
die Rettungsmaßnahmen, dann muss die Größe des Überdruckventils im Treppenraum neu berechnet
werden.

48
EN 12101-6:2005 (D)

7.4 Weitere Aspekte der Druckbelüftung von geschützten Rettungswegen

7.4.1 Allgemeines

Die Evakuierung des vom Brand betroffenen Geschosses muss während der Brandentstehungsphase
erfolgen, bevor die Bedingungen im Nutzungsbereich unhaltbar werden und ein Zugang zu den geschützten
Rettungswegen unmöglich ist. Während dieser Anfangsphase ist die Möglichkeit einer Kontaminierung der
geschützten Wege sehr gering. Bevor die Bedingungen im Brandgeschoss unhaltbar werden, sollte der
Rettungsvorgang bereits abgeschlossen und die Ausgangstüren des Geschosses geschlossen sein. Folglich
ist es nicht nötig, dass das Differenzdrucksystem den Rauch von einem vollentwickelten Brand an einer Tür
zurückhält, solange die Luftströmung ausreichend ist, um Rauch von dem Brandgeschoss zurückzuhalten,
während Personen sich retten.

Im Anschluss an die Evakuierung des vom Brand betroffenen Geschosses kann sich das Feuer
weiterentwickeln und Rauch über die Spalten an den Türen des Treppenraumes und des Vorraumes in den
Treppenraum einströmen. Es ist daher wichtig sicherzustellen, dass während der gesamten Dauer der
Evakuierungsmaßnahmen im Treppenraum ein Überdruck aufrechterhalten wird.

Während dieser Phase besteht jedoch die Gefahr, dass die Ausgangstür des Treppenraums, die ins Freie
führt, benutzt wird, was zu einem Luftdruckverlust und somit zu einem Druckabfall im Treppenraum führt, und
es ist notwendig, dieses bei der Berechnung der Luftzuführung zu berücksichtigen.

Die Auslegungsbedingungen der Differenzdrucksysteme für Treppenräume zeigen die Bilder 9 a), 9 b), 10,
11 a), 11 b), 11 c), 12 a), 12 b), 13, 14, 15 und 16.

7.4.2 Druckbelüftung von geschützten Rettungswegen, zusätzliche Anforderungen

7.4.2.1 Die geschützten Rettungswege sind im Einklang mit den Empfehlungen der entsprechenden
nationalen Vorschriften, die am Aufstellungsort des Landes gelten, soweit zutreffend, zu bauen.

7.4.2.2 Alle Türen zum druckbelüfteten Raum sind mit selbstschließenden Vorrichtungen zu versehen.

7.4.2.3 Die maximale Kraft, die zum Öffnen einer Tür innerhalb des Rettungsweges erforderlich ist, darf,
auf den Türgriff bezogen, unter keinen Umständen 100 N überschreiten.

ANMERKUNG 1 Der entsprechende Höchstdifferenzdruck an der Tür sollte unter Verwendung des in Abschnitt 15
angegebenen Verfahrens als eine Funktion der Türkonfiguration ermittelt werden. Die Kraft, die zum Überwinden des
Türschließers erforderlich ist, wird oftmals in der vorbereitenden Phase der Auslegung nicht bekannt sein, und zu
Auslegungszwecken darf ein Höchstdifferenzdruck von 60 Pa genutzt werden.

ANMERKUNG 2 Die Kraft, die ausgeübt werden kann, um eine Tür zu öffnen, wird durch die Reibung zwischen den
Schuhen der öffnenden Person und dem Boden beschränkt. Es sollte, insbesondere bei Gebäuden, in denen sich sehr
junge, alte oder gebrechliche Personen aufhalten, vermieden werden, rutschige Bodenbeläge an den Türen, die in
druckbelüftete Räume öffnen, zu benutzen.

7.4.2.4 Türen (außer den Ausgängen, die ins Freie führen), die sich aus druckbelüfteten Räumen heraus
öffnen, müssen einen automatischen Türschließer haben, der die Tür gegen den Druck verschlossen halten
kann.

49
EN 12101-6:2005 (D)

Legende

1 Nutzungsbereich 4 Zuluft
2 Feuerleitzentrale 5 Leckageweg durch Türen usw.
3 Korridor 6 Luftabführung aus dem Gebäude heraus
P bedeutet Überdruckbereich. Umringte Zahlen bedeuten Entwurfsmindestdifferenzdruck, z. B. 50 Pa bezogen
auf den Nutzungsbereich, identifiziert durch 0

Bild 14 — Druckbelüftung von Feuerleitzentralen, z. B. Einkaufszentren oder die in Phasen eingeteilte


Evakuierung aus komplexen Gebäuden

50
EN 12101-6:2005 (D)

Legende

1 Treppe 5 Leckageweg durch Türen usw.


2 Vorraum und Schutzvorraum 6 Luftabführung aus dem Gebäude heraus
3 Nutzungsbereich 7 Aufzug
4 Zuluft
P bedeutet Überdruckbereich. Umringte Zahlen bedeuten Entwurfsmindestdifferenzdruck, z. B. 50 Pa bezogen auf
den Nutzungsbereich, identifiziert durch 0

Bild 15 — Druckbelüftung von Schutzräumen

51
EN 12101-6:2005 (D)

Legende

1 Treppe 5 Leckageweg durch Türen usw.


2 Computerraum oder Krankenraum 6 Luftabführung aus dem Gebäude heraus
3 Nutzungsbereich 7 Korridor
4 Zuluft
P bedeutet Überdruckbereich. Umringte Zahlen bedeuten Entwurfsmindestdifferenzdruck, z. B. 50 Pa bezogen
auf den Nutzungsbereich, identifiziert durch 0

Bild 16 — Druckbelüftung von Computerräumen und medizinischen Einrichtungen

8 Druckbelüftung von Schutzräumen und anderen Räumen

8.1 Allgemeines

Es kann erforderlich sein, Schutzräume und andere geschützte Räume, z. B. Feuerleitzentralen, unter Druck
zu setzen, um den Personen einen Schutz gegen Feuer und Rauch zu bieten, wenn es erforderlich ist, dass
sie sich noch für eine gewisse Zeit nach Ausbruch eines Feuers im Gebäude aufhalten müssen.

Dieser Schutz wird üblicherweise in der Form eines speziellen Raumes geboten, der sich in der Nähe der
Treppenräume für die Brandbekämpfungsmaßnahmen befindet und Teil eines Weges zum Ausgang eines
Geschosses ist. Er besteht aus feuerwiderstandsfähigen Bauteilen (einschließlich feuerwiderstandsfähigen
Türen mit selbstschließenden Vorrichtungen), in Übereinstimmung mit den nationalen Vorschriften, die am
Aufstellungsort der Anlage gelten. Für typische Anordnungen wird auf die Bilder 14 und 15 verwiesen.

52
EN 12101-6:2005 (D)

Falls Gebäude Bereiche wie Computerräume oder medizinische Einrichtungen enthalten, die aus anderen
Gründen als Feuer druckbelüftet sind, dann sollte der Schutz des druckbelüfteten Rettungsweges gegen
Feuereinwirkung in diesen druckbelüfteten Bereichen mit berücksichtigt werden. Für typische Anordnungen
wird auf Bild 16 verwiesen.

8.2 Anforderungen an Schutzräume und andere Räume

8.2.1 Wenn Schutzräume innerhalb eines Gebäudes eingeplant sind, dann muss ggf. der
feuerwiderstandsfähige Schutz dieser Räume den nationalen Vorschriften entsprechen, die am
Aufstellungsort der Anlage gelten.

8.2.2 Der Druckunterschied zwischen dem Schutzraum oder dem geschützten Raum und dem
Nutzungsbereich darf 50 Pa nicht unterschreiten.

8.2.3 Der druckbelüftete Schutzraum oder andere Raum darf nicht mit einer nicht druckbelüfteten Treppe
verbunden sein. Der Druck innerhalb des Schutzraumes darf nicht größer oder max. 5 Pa niedriger sein als
die druckbelüftete Treppe beim Auslegungsdruck mit allen Türen geschlossen (siehe die Bilder 14 und 15).

8.2.4 In Fällen, wo der Schutzraum einen Teil eines geschützten Rettungsweges bildet, z. B. ein
Vorraumbereich in einem durch Vorräume geschützten Gebäude, muss der Vorraum so ausgelegt sein, dass
eine ausreichende Kapazität für den Verwendungszweck vorhanden ist.

8.2.5 Wenn mehr als eine Druckbelüftungsanlage auf irgendeinem Geschoss in Betrieb ist, dann ist die
Gesamtsumme der Leckagewege zu berücksichtigen, wobei alle Anlagen gleichzeitig arbeiten.

8.2.6 Der Schutzbereich muss sich für den Verwendungszweck eignen.

8.2.7 Wenn der Schutzbereich einen Teil des gleichen ungeteilten Raumes wie einen Rettungsweg bildet,
darf sein Vorhandensein nicht die normale Verwendung des Rettungsweges behindern.

8.2.8 Falls ein druckbelüfteter Rettungsweg direkt an einen druckbelüfteten Raum angeschlossen ist, der
nicht Teil des Rettungsweges bildet, dann muss der Auslegungsdruck im Rettungsweg mindestens 10 Pa
höher sein als der druckbelüftete Bereich irgendeines Raumes, der nicht wegen Feuer druckbelüftet ist, z. B.
Krankenräume oder Computerräume oder irgendein anderer Raum, der nicht wegen Feuer druckbelüftet ist
(siehe Bild 16).

9 Druckentlüftung

9.1 Allgemeines

Die Aufgabe einer Entlüftungsanlage besteht darin, am Türeingang zwischen dem entlüfteten Raum (z. B.
einem Kellergeschoss) und dem geschützten Raum (z. B. einem Treppenraum) den gleichen Schutz zu
erzielen, wie man es durch Druckentlüftung des geschützten Raumes erreichen würde. Insbesondere ist zu
beachten, dass es keinen Schutz, auch nicht von Teilen, des Rettungsweges innerhalb des entlüfteten
Raumes selbst gibt, der ganz mit Rauch gefüllt oder sogar vollständig am Brand beteiligt sein kann. Dies stellt
den grundlegenden Unterschied zwischen der Druckentlüftung und dem Rauchabzug dar. Um wirkungsvoll zu
sein, muss jeder entlüftete Raum auf allen Seiten durch feuerwiderstandsfähige Bauteile begrenzt sein, da ein
eventueller Verlust der Raumabschlusswirkung zu einem Druckausgleich zwischen dem entlüfteten Bereich
und der Außenluft führen würde. In unterteilten Gebäuden wäre es jedoch eventuell möglich, einzelne Räume
zu entlüften. Siehe Bild 17 für typische Merkmale einer Entlüftungsanlage.

Die zweckmäßigste Verwendung einer Entlüftungsanlage ist wahrscheinlich in Kellerräumen. Bild 18 zeigt die
Anordnung.

53
EN 12101-6:2005 (D)

9.2 Anforderungen an die Druckentlüftung

9.2.1 Der Eintritt von Außenluft in den geschützten Bereich ist vorzusehen, damit sichergestellt ist, dass
Frischluft aus dem geschützten Bereich in den entlüfteten Bereich strömt.

9.2.2 Die Einströmungsöffnung der Frischluft ist so anzuordnen, dass die in den geschützten Raum
eingesaugte Luft nicht durch den infolge des Brandes erzeugten Rauch kontaminiert wird.

9.2.3 Das System muss aus Abluftventilatoren und, falls erforderlich, Leitungen bestehen, damit die durch
den Brand erzeugten heißen Gase und der Rauch innerhalb der Entlüftungszone an die Außenseite des
Gebäudes transportiert werden können.

9.2.4 Lufteinlässe sind für die erforderliche Nachströmluft notwendig, damit sich ein Differenzdruck an den
geschlossenen Türen entwickeln kann und damit die Strömungsgeschwindigkeiten durch die geöffnete Tür in
den Brandbereich hinein erreicht werden, anfänglich als Rettungsmaßnahme und/oder danach zu
Brandbekämpfungszwecken.

9.2.5 Die Auslässe der Abluftleitungen sind so anzuordnen, dass Rauch nicht die Sicherheit der
Gebäudenutzer oder der Feuerwehrleute oder der Personen, die sich außerhalb des Gebäudes befinden,
gefährdet und nicht zu einer Brandausbreitung von außen führt.

9.2.6 Die entlüfteten Bereiche sind auf allen Seiten (einschließlich der Deckenschalung oben und unten)
durch eine Konstruktion zu begrenzen, die mindestens den gleichen Feuerwiderstand besitzt wie jene, die für
den geschützten Raum erforderlich ist.

9.2.7 Alle Türen zum entlüfteten Bereich müssen selbstschließend sein.

9.2.8 Die Abluftleitungen der Entlüftungszone müssen die gleichen Feuerwiderstandsanforderungen für
eine Dauer erfüllen, die mindestens der höchsten Feuerwiderstandsdauer der Bauteile entspricht, welche die
Leitungen durchqueren, wenn nach prEN 13501-3 geprüft und klassifiziert wurde.

9.2.9 Der Entrauchungsventilator der Entlüftungszone muss Rauch bei einer Temperatur von 1 000 °C bei
ungesprinklerten Gebäuden bewältigen können oder 300 °C bei gesprinklerten Gebäuden, wenn nach
prEN 13501-4 geprüft und klassifiziert wurde.

9.2.10 Während alle Türen geschlossen sind, muss die Abluftgeschwindigkeit von Rauch und heißen Gasen
aus der Entlüftungszone einen Differenzdruck aufrechterhalten können, der den in Abschnitt 4 angegebenen
Wert für die entsprechende Systemklasse nicht unterschreitet und, falls erforderlich, das Kriterium der
Luftströmung bei geöffneter Tür erfüllen.

9.3 Auslegungsverfahren für Entlüftungsanlagen

9.3.1 Allgemeines

Entlüftungsanlagen dürfen so konfiguriert werden, dass sie die Rettungsmaßnahmen im Brandfall und die
Brandbekämpfungsmaßnahmen abdecken.

Das Auslegungsverfahren wird für beide Maßnahmen gleich sein, außer dass bei der Auslegung zur
Brandbekämpfung der Volumenstrom erhöht sein wird, um die letzte Stufe der Brandentwicklung mit
einzukalkulieren.

9.3.2 Auslegungsverfahren für Anforderungen an die Rettungsmaßnahmen

Das grundlegende Auslegungsverfahren muss folgendermaßen sein:

9.3.2.1 Die Leckagewege vom Äußeren des Gebäudes in den entlüfteten Bereich hinein ist zu ermitteln,
wobei außer Acht zu lassen ist, dass die Türen durch die Auslegung geschützt werden.

54
EN 12101-6:2005 (D)

9.3.2.2 Der erforderliche Volumenstrom der Abluft ist zu ermitteln, um die notwendige
Luftgeschwindigkeit von 0,75 m/s durch die geöffneten Türen zwischen den geschützten Bereichen und dem
entlüftenden Bereich zu erhalten. Die erforderliche Druckdifferenz an den gleichen Türen wird berechnet,
damit diese Luftgeschwindigkeit beibehalten wird. Dabei ist sicherzustellen, dass der Widerstand der
Leckagewege vom Äußeren des Gebäudes zu den geschützten Bereichen in der Berechnung enthalten ist.

ANMERKUNG Falls die Ausgangstür, die ins Freie führt, geöffnet ist, werden die Strömungswiderstände dieser
Leckagewege hinreichend niedrig sein, so dass sie außer Acht gelassen werden dürfen.

9.3.2.3 Der zusätzlichen Volumenstrom wird berechnet, der durch die Leckagewege gezogen wird,
identifiziert durch die Druckdifferenz an den geöffneten Türen zwischen den geschützten Bereichen und dem
entlüfteten Bereich.

9.3.2.4 Die Leistung des Absaugventilators ist zu berechnen, die erforderlich ist, um diese
Luftgeschwindigkeit aufrechtzuerhalten, d. h. die Summe der in 9.3.2.2 und 9.3.2.3 identifizierten
Volumenströme.

9.3.2.5 Die Leistung des Abluftventilators ist zu berechnen, die erforderlich ist, um die
Mindestdruckdifferenz von (50 ± 5) Pa an der (den) geschlossenen Tür(en) zwischen den geschützten
Bereichen und dem zu entlüftenden Bereich zu liefern, basierend auf den in 9.3.2.1 identifizierten
Leckagewegen.

Üblicherweise wird diese Ventilatorleistung geringer sein als die in 9.3.2.4 identifizierte. Wenn sie größer ist,
dann muss diese Ventilatorleistung für den Abluftventilator festgelegt werden.

9.3.2.6 Das Druckgefälle, das über der geschlossenen Tür in den entlüfteten Bereich ausgeübt werden
wird, muss berechnet werden, wobei Folgendes zu berücksichtigen ist:

a) die Wirkung aller mit jenen Ventilatoren verbundenen Leitungen,

b) die in 9.3.2.1 identifizierten freien Durchtrittsquerschnitte,

c) die Baugröße des in 9.3.2.4 und 9.3.2.5 identifizierten Ventilators, welche auch immer die größere ist.

9.3.2.7 Wenn diese Druckdifferenz eine Türöffnungskraft am Türgriff von über 100 N verursachen würde,
dann müssen Druckentlastungseinrichtungen eingebaut werden.

9.3.3 Auslegungsverfahren für Brandbekämpfungsanforderungen

Die Auslegungsverfahren zum Schutz eines Brandbekämpfungsschachts sind die gleichen wie zum Schutz
einer geschützten Treppe für Rettungsmaßnahmen, außer in den folgenden Fällen:

9.3.3.1 Bei der Berechnung des erforderlichen Volumenstroms der Abluft ist eine Luftgeschwindigkeit von
2 m/s durch die geöffneten Türen zwischen dem Brandbekämpfungsschacht und dem entlüfteten Bereich
erforderlich.

9.3.3.2 Die Druckdifferenz über den gleichen Türen werden berechnet, um diese Luftgeschwindigkeit
aufrechtzuerhalten.

Es ist sicherzustellen, dass die Wirkung der Leckagewege vom Äußeren des Gebäudes zu den
geschützten/entlüfteten Bereichen in der Berechnung enthalten ist.

55
EN 12101-6:2005 (D)

Legende

1 Treppe 5 Leckageweg durch Türen usw.


2 Vorraum 6 Ersatzluft zum Gebäude
3 Nutzungsbereich 7 Aufzug
4 Abluft (entlüftet) 8 Feuerwiderstandsfähige Konstruktion
DP bedeutet Überdruckbereich. Umringte Zahlen bedeuten Entwurfsmindestdifferenzdruck, z. B. 50 Pa bezogen
auf den Nutzungsbereich, identifiziert durch 0

Bild 17 — Druckentlüftung von Kellern oder anderen Bereichen ohne Außenfenster

56
EN 12101-6:2005 (D)

Legende

1 Ersatzluft über Schacht oder geschützten Bereich 6 Entrauchungsklappen, durch Rauchmelder betrieben
2 Geschützter Bereich 7 Brandbereich
3 Erdgeschoss 8 Außenleckage
4 Entlüfter 9 Geöffnete Absperrvorrichtung in dem Brandgeschoss
5 Abluftleitungen

Bild 18 — Druckentlüftung in Kellern

10 Zusammenspiel mit anderen Brandschutzeinrichtungen und anderen baulichen


Systemen

10.1 Brandmeldeanlagen

10.1.1 Allgemeines

Differenzdrucksysteme werden so konstruiert, dass sie automatisch durch Rauchmeldeanlagen ausgelöst


werden. Die Meldeanlage muss Signale an die angeschlossenen Schalttafeln geben, so dass die Anlage
schnellstmöglich während der Brandausbreitungsphase in Betrieb geht. Diese Signale müssen es
ermöglichen, dass das Differenzdrucksystem innerhalb des Brandbereiches, wie gewünscht nach Auslösung
der Brandmeldeanlage, in Betrieb geht.

10.1.2 Anforderungen an Brandschutzeinrichtungen

10.1.2.1 Die Brandmeldeanlage muss den Vorschriften entsprechen, die in dem Land, in dem die Anlage
genutzt wird, gelten.

57
EN 12101-6:2005 (D)

10.1.2.2 Die Brandmeldeanlage muss das Feuer lokalisieren können, so dass das Differenzdrucksystem
entsprechend der Auslegung innerhalb der Brandbereiche ausgelöst werden kann. Für weitere Daten über die
Inbetriebsetzungsdauer siehe 11.2.3.

10.2 Anlage für Heizung, Lüftung und Klimatisierung

10.2.1 Allgemeines

10.2.1.1 Die Hauptaufgabe eines Differenzdrucksystems besteht darin, im Gebäude ein Luftströmungs-
und Differenzdruckmuster herzustellen, das die Ausbreitung von Rauch in Richtung der Türen oder über diese
hinaus in den geschützten Rettungsweg begrenzt.

10.2.1.2 Eine Anlage für Heizung, Lüftung und Klimatisierung, die zur Erhaltung akzeptabler
Umgebungsbedingungen ausgelegt worden ist, muss daher den in 10.2.1.1 identifizierten
Luftströmungsmustern folgen, z. B. fort von Rettungswegen. Damit wird sichergestellt, dass in der
Brandentstehungsphase, vor Erreichen des geplanten Differenzdrucks der Anlage, die Rettungswege und
andere Abschnitte mit gezielt vorgeplanter Rauchbewegung nicht nachteilig beeinflusst werden.

10.2.1.3 Der Betrieb einer Anlage für Heizung, Lüftung und Klimatisierung muss so ausgelegt sein, dass
er im Notfall während eines Feuers die geplanten Vorgaben für die Differenzdrücke nicht nachteilig
beeinflusst. Wenn die Möglichkeit besteht, dass sich die Anlage für Heizung, Lüftung und Klimatisierung auf
das Differenzdrucksystem auswirkt, dann muss die Anlage für Heizung, Lüftung und Klimatisierung
abgeschaltet werden, damit eine Bewegung des Rauches in andere, miteinander verbundene Bereiche
verhindert wird.

10.2.2 Anforderungen an die Anlage für Heizung, Lüftung und Klimatisierung

10.2.2.1 Im Brandfall wird die Anlage für Heizung, Lüftung und Klimatisierung entweder automatisch durch
ein Signal von der Brandmeldeanlage stillgelegt oder sie muss als eine Entrauchungsanlage nach
prEN 12101-4 ausgelegt sein und nur unter den folgenden Bedingungen betriebsbereit bleiben:

a) das Signal zur Aktivierung der Maßnahme für den Notfall ist das gleiche wie das, welches das
Differenzdrucksystem auslöst;

b) die Umluft wird unterbunden und die verunreinigte Luft in die Atmosphäre abgeführt;

c) die Zuluft-/Ablufteinrichtungen des Nutzungsbereichs im Brandgeschoss sind auf volle Entlüftungsrate


umgeschaltet, wobei die Leitungen, welche die Gase transportieren, einen Feuerwiderstand besitzen, der
den nationalen Vorschriften, die am Aufstellungsort der Anlage gelten, entspricht;

d) die Tragkonstruktion, die zur Befestigung der Leitungen an die tragenden Bauteile verwendet wird, muss
die Leitungen mindestens für die gleiche Dauer tragen, für die die Leitungen klassifiziert sind.

e) die Luftzufuhr zu allen Flurebenen muss gestoppt werden;

f) die Anordnung der Austrittöffnungen muss eine Luftströmung von den Geschossausgängen weg
gewährleisten.

10.2.2.2 Um zu verhindern, dass Rauch von einem Brandabschnitt durch die Leitungen einer Anlage für
Heizung, Lüftung und Klimatisierung in einen anderen übertragen wird, müssen Entrauchungsklappen die
Raumabschlussklasse „E“ der Begrenzung erfüllen, welche sie durchqueren. Die Arbeitsvorgänge dieser
Absperrvorrichtungen, um in die Wirkstellung bei Feuer zu gehen, müssen über ein Signal von der
automatischen Brandmeldeanlage erfolgen.

10.2.2.3 Entrauchungsklappen müssen in der Wirkstellung bei Feuer geöffnet und geschlossen werden
können. Für weitere Informationen wird auf Abschnitt 11 verwiesen.

58
EN 12101-6:2005 (D)

10.3 Computerisierte Steuerungszentralen

10.3.1 Allgemeines

Computerisierte Steuerungszentralen müssen benutzt werden, um die verschiedenen Betriebsfunktionen


eines Differenzdrucksystems zu steuern, und verlassen sich auf die Anwendung spezieller Software, um die
erforderlichen Wirkweisen nach prEN 12101-9 zu erfüllen.

Der Schutz der Verdrahtung der Signalanlage muss berücksichtigt werden (Sicherstellung des
Funktionserhaltes).

10.3.2 Anforderungen an computerisierte Steuerungszentralen

10.3.2.1 Wenn computerisierte Steuerungszentralen als Teil der Betriebsanforderungen an ein


Differenzdrucksystem verwendet werden, dann darf eine Änderung an der Software, welche die
brandschutztechnischen Funktionen steuert, den Betrieb des Differenzdrucksystems nicht beeinträchtigen.

10.3.2.2 Wenn Änderungen an der Software oder am angeschlossenen Computersystem vorgenommen


werden, dann muss eine vollständige Überprüfung des Differenzdrucksystems durchgeführt werden, um die
Funktionsfähigkeit des Systems weiterhin zu bestätigen.

10.3.2.3 Der Planer des Systems hat dem Bauherrn und/oder seinem Bevollmächtigten auf der Baustelle
eine ausführliche Beschreibung der Steuerungssoftware zu übergeben, zusammen mit einer Dokumentation
über alle Änderungen, die nach Einbau des Systems vorgenommen wurden.

10.3.2.4 Signalanlagen, die Informationen an die computerisierte Steuerungszentrale senden oder von ihr
erhalten, sind gegen Brandeinwirkung für eine Dauer entsprechend den nationalen Vorschriften, die am
Aufstellungsort der Anlage gelten, zu schützen. Für weitere Informationen wird auf Abschnitt 12 verwiesen.

10.4 Öffentliche Lautsprecher- und Sprachmeldeanlagen

10.4.1 Allgemeines

Diese Anlagen werden verwendet, um die Personen innerhalb des Gebäudes im Brandfall zu informieren und
zu instruieren. Die Lautstärken werden bestimmt durch nationale Vorschriften, die am Aufstellungsort der
Anlage gelten.

10.4.2 Anforderungen an Lautsprecher- und Sprachmeldeanlagen

Die Lautstärke von öffentlichen Lautsprecher- und Sprachmeldeanlagen muss so eingestellt werden, dass die
Meldungen im Brandfall bei laufenden Differenzdruckventilatoren klar hörbar sind und trotz des Lärms, der
durch das Differenzdrucksystem (z. B. Ventilatoren) erzeugt wird, deutlich verständlich bleiben.

11 Einbau und Vorrichtungen (einschließlich Bauteile)

11.1 Allgemeines

Zu den Vorrichtungen des Differenzdrucksystems gehören Ventilator(en), Verteilungsleitungen,


Ausgleichsklappen und feuerwiderstandsfähige Absperrvorrichtungen und geeignete Überdruckventile.

Wenn ein Ventilationssystem (Anlage für Heizung, Lüftung und Klimatisierung) benutzt wird, um Teil eines
Differenzdruck- oder Entlüftungssystems zu bilden, dann müssen die Bauteile die Anforderungen dieses
Abschnitts erfüllen.

59
EN 12101-6:2005 (D)

Um sicherzustellen, dass das System im Notfall zufrieden stellend arbeitet, müssen Vorkehrungen für eine
Ersatzstromversorgung getroffen und Reservegeräte, z. B. Ventilator(en), vorgesehen werden.

Die erforderlichen Vorrichtungen zur Schaffung eines Differenzdrucks zwischen dem geschützten Bereich und
dem Nutzungsbereich sind in den folgenden Unterabschnitten aufgeführt.

11.2 Ventilatoren und Antriebe

11.2.1 Allgemeines

Die Leistung des Ventilators wird berechnet durch Summieren der Leckage aller identifizierbarer
Leckagewege in den druckbelüfteten Zonen. Es ist sehr wichtig, dass sowohl Architekt als auch
Bauunternehmer sich mit dem planenden Ingenieur darüber einigen, mit genauer Berücksichtigung der
jeweiligen nationalen Regelungsvorschriften, was von der Konstruktion des Rettungsweges erwartet wird.

Es ist oftmals schwierig, alle Leckagewege zu identifizieren, die möglicherweise dort auftreten, wo eine
massive Konstruktion den geschützten Bereich umschließt. Die Leistung des Ventilators muss mindestens
1,5-mal größer sein als die für die vorausgesagten Leckagen, ohne Szenario „offene Tür“, um die nicht
identifizierten Leckagen einzuplanen. Wenn Materialien und Bautechniken angewandt werden, bei denen
wesentliche Leckagen auftreten können, z. B. Wände aus Gipsplatten und abgehängte Unterdecken, ist es
eventuell erforderlich, den Faktor von 1,5 nach Rücksprache mit dem Architekten und Bauunternehmer zu
erhöhen.

Bei der Auswahl eines Ventilators für die erforderliche Leistung muss die Temperatur berücksichtigt werden
und die Dauer, während der die Anlage arbeiten muss (siehe 9.3.2.4 und 9.3.2.5 für Abluft- und
Entlüftungsanlagen).

ANMERKUNG Wenn betreffend der Luftundichte eines bestehenden Bauwerks Zweifel bestehen oder wenn eine
Neuausstattung vorgenommen wird, kann es zweckmäßig sein, die Leckagebereiche mittels eines kalibrierten,
transportablen Ventilators zu bewerten, bevor die Leistung des Ventilators festgelegt wird.

11.2.2 Anforderungen an Ventilatoren und Antriebe

Die Leistung des Ventilators ist wie folgt zu bewerten:

11.2.2.1 Der Volumenstrom für das Szenario „geschlossene Tür“ darf nicht niedriger sein als die
berechnete Luftzufuhr zu oder von allen druckbelüfteten oder entlüfteten Bereichen, welche durch den (die)
jeweiligen Ventilator(en) versorgt werden, plus einer Grenzabweichung von 50 % für nicht identifizierte
Leckagewege und 15 % für voraussichtliche Leitungsleckagen.

11.2.2.2 Der Volumenstrom für das Szenario „offene Tür“ darf nicht niedriger sein als die berechnete
Luftzufuhr zu oder von allen druckbelüfteten oder entlüfteten Bereichen, welche durch den (die) jeweiligen
Ventilator(en) versorgt werden, plus einer Grenzabweichung von 15 % für voraussichtliche Leitungsleckagen.

11.2.2.3 Der Ventilator muss fähig sein, die in 11.2.2.1 und 11.2.2.2 festgelegten Luftvolumenströme bei
einem ausreichend hohen Druck zu liefern, um die in dieser Norm festgelegten, erforderlichen Differenzdrücke
(die Druckstufe für den Notfall) erreichen zu können, während alle Druckverluste der Luftversorgungsleitungen
bewältigt werden.

Die potentiellen Winddrücke auf der Saugseite des Ventilators sind zu berücksichtigen.

11.2.2.4 Die Betriebsverhältnisse der Entlüftungsventilatoren müssen sich für den Dauerbetrieb während
der erforderlichen Zeit und der festgelegten Temperatur eignen.

11.2.2.5 Die Betriebsverhältnisse der Belüftungsventilatoren müssen sich für den Dauerbetrieb unter den
zu erwartenden Umgebungsbedingungen eignen.

60
EN 12101-6:2005 (D)

11.2.2.6 Damit der Differenzdruck geregelt werden kann, sind Überdruckventile, die direkt zur Außenluft
hin öffnen, in den druckbelüfteten Bereichen anzuordnen, oder es dürfen Absperrvorrichtungen in eine Leitung
eingebaut werden, die den Ventilator umgehen, oder es kann eine Drehzahlregelung des Ventilators geben.

ANMERKUNG Wenn der (die) Differenzdruckventilator(en) gleichzeitig mehr als einen druckbelüfteten Bereich versorgt,
kann es erforderlich sein, Volumenregler zwischenzuschalten, so dass bei Eintreten einer hohen Leckage aus einem
Bereich, z. B. wenn die Türen geöffnet sind oder bei Versagen der Konstruktion, noch einiges an Schutz in den
verbleibenden Bereichen erhalten bleibt.

11.3 Luftabführung

11.3.1 Allgemeines

Ein wesentliches Merkmal einer Druckbelüftungs-/Entlüftungsanlage ist die Bereitstellung eines niedrigen
Widerstandsweges zur Außenluft. Durch die Bereitstellung eines solchen Weges zur Außenluft kann der
gewünschte Differenzdruck zwischen dem Nutzungsbereich und dem geschützten Raum aufrechterhalten
werden und folglich Rauch aus dem geschützten Raum ausgeschlossen werden. Wenn vom Nutzungsbereich
eine unzureichende Leckage zur Außenluft besteht, kann ein geeigneter Differenzdruck und/oder
Luftgeschwindigkeit nicht aufrechterhalten werden. Ähnlich besteht ein wesentliches Merkmal einer
Entlüftungsanlage darin, dass saubere Umgebungsluft von außen in den geschützten Raum eintreten kann.

Die Methoden zur Luftabführung sind:

a) Außenwandlüfter, die automatisch zu öffnende Fenster und Sickerventilatoren umfassen;

b) vertikale Entlüftungsschächte, bei denen Abzüge in Unterbringungsbereichen mit einem gemeinsamen


vertikalen Schacht verbunden sind, der den Rauch im Dachbereich des Gebäudes abführt;

c) maschineller Abzug, anders als Entlüftungsanlagen, welcher aus Ventilator(en) und Leitungen besteht,
geeignet, um Luft/Rauch aus den durch Feuer beeinträchtigten Bereichen zu entfernen, oder eine Anlage
für Heizung, Lüftung und Klimatisierung, die ausreichend ausgelegt und gesteuert ist, um diese Funktion
zu übernehmen.

11.3.2 Anforderungen an die Luftabführung

11.3.2.1 Die Entlüftungsanlage kann entweder in Dauerbetrieb sein, z. B. Sickerventilatoren, oder


automatisch betätigte Ventilatoren (z. B. zu öffnende Fenster) oder Entlüfter, die bereit sind, nach Eingang
eines Signals von der Rauchmeldeanlage zu öffnen.

11.3.2.2 Wenn die Auslösung der Entlüftungsanlage automatisch ist, muss sie derart gesteuert werden,
dass sie nur in dem Brandbereich arbeitet.

ANMERKUNG Die Vorkehrungen zur Steuerung einer maschinell betriebenen, automatischen Entlüftungsanlage sind in
10.3.2 dargestellt.

11.3.2.3 Die Entlüftungsanlage muss derart sein, dass im normalen Betrieb oder im funktionssicheren
Modus keine Bewegung des Rauches zwischen den unterschiedlichen Brandabschnitten auftritt.

11.3.2.4 Wenn die Luftabführung durch einen maschinellen Abzug erzielt wird, müssen Ventilator(en) und
Leitungen bei der entsprechenden Temperatur und Dauer nach Tabelle 7 fortlaufend in Funktion bleiben.

11.3.2.5 Wenn die Austrittsöffnung(en) der Entlüftungsanlage auf der gleichen Höhe wie die
Eintrittsöffnungen sind, müssen sie nach 11.8.2 eingebaut werden.

11.3.2.6 Die Zuluft zu den geschützten Bereichen in einem Druckbelüftungssystem kann durch
Vorrichtungen erfolgen, die mit 11.3.2.1 übereinstimmen. Es besteht für solche Vorrichtungen nicht die
Notwendigkeit, dass sie höheren Temperaturen, wie in Tabelle 7 aufgeführt, standhalten müssen.

61
EN 12101-6:2005 (D)

Tabelle 7 — Geplante Mindesttemperatur/-zeitkriterien für Ventilator(en) und Leitungen einer Anlage


für Heizung, Lüftung und Klimatisierung, die für die Luft-/Rauchabführung verwendet werden

Mindesttemperaturkriterien
entsprechend der
Das Gebäude ist ausgestattet mit: feuerwiderstandsfähigen
Konstruktion
für den geschützten Bereich

Rettungsmaß- Brandbekämp- Sprinkler keine


nahmen fungsmaßnahmen Sprinkler

ja ja 300 °C

ja ja 600 °C

ja ja 400 °C

ja ja 600 °C
ANMERKUNG Die geplanten Mindesttemperatur/-zeitkriterien bei Ventilatoren und Leitungen für
Entlüftungsanlagen sollte 1 000 °C sein für eine Dauer, die mindestens der für den geschützten Bereich
entspricht (siehe 9.2.8 und 9.2.9).

11.3.2.7 Die Temperaturbewertung von 300 °C für gesprinklerte Gebäude ist auf 400 °C zu erhöhen, wenn
es je Abschnitt nur eine Absaugstelle gibt.

11.3.2.8 Die Kriterien für die Temperaturbewertung von 300 °C gilt, wenn es mindestens zwei Absaug-
/Entlüftungsstellen je Abschnitt gibt, und die Absaugstellen müssen mindestens 3 m voneinander getrennt
sein.

11.4 Auslösung und Steuerung

11.4.1 Allgemeines

Der Zweck eines Differenzdrucksystems ist es, den Eintritt von Rauch in einen geschützten Bereich zu
verhindern. Daher müssen automatische Rauchmelder verwendet werden, um die Einrichtungen des
Differenzdrucksystems auszulösen, da sich eine beträchtliche Menge an Rauch in der
Brandentstehungsphase entwickeln kann, bevor eine Wärmemelde-, Sprinkler- oder andere Löschanlage
ausgelöst wird. Der Wechsel vom Rettungsmodus zum Brandbekämpfungsmodus bei Mehrzweckanlagen
kann jedoch durch Handauslösung erfolgen.

11.4.2 Anforderungen an Auslösung und Steuerung

11.4.2.1 Das Differenzdrucksystem muss automatisch durch punktförmige Rauchmelder ausgelöst


werden, die an der Decke im Nutzungsbereich angebracht sind, nahe der Türen, die in den auf jedem
Geschoss befindlichen geschützten Bereich führen, der durch das System versorgt wird. Die Rauchmelder
müssen entsprechend den nationalen Bestimmungen, die am Aufstellungsort der Anlage gelten, angeordnet
sein.

In Klasse A — Systemen müssen sich die Rauchmelder in den zentralen Vorräumen/Korridoren (wo diese
vorhanden sind) befinden.

Die Rauchmelder dürfen Bestandteil einer Brandmeldeanlage sein, welche das Gebäude schützt, oder dürfen
dem Differenzdrucksystem angehören.

62
EN 12101-6:2005 (D)

11.4.2.2 In Systemen, bei denen die Entlüftungsanlage automatisch betrieben wird, muss die Auslösung
durch das gleiche Signal erfolgen wie für den Rest des Systems.

11.4.2.3 Die Systeme müssen innerhalb von 60 s nach Raucherkennung wirksam arbeiten.

11.4.2.4 Wenn nationale Bestimmungen, die am Aufstellungsort der Anlage gelten, Mehrzweckanlagen
zum Schutze der Schächte für Rettungsmaßnahmen und als Zugang zur Brandbekämpfung
erfordern/erlauben, dann ist das Folgende zulässig:

a) der Wechsel zwischen dem Rettungsmodus und dem Brandbekämpfungsmodus muss von Hand
erfolgen;

b) der Schalter zum Wechsel von einem Modus in einen anderen muss sich bei den Zugangswegen für
Brandbekämpfungsmaßnahmen befinden und/oder neben dem Schalter des Aufzugs für die
Brandbekämpfungsmaßnahmen, falls ein solcher Aufzug vorhanden ist;

c) durch den Übergang in den Brandbekämpfungsmodus dürfen keine nachteiligen Einflüsse auf den
Rettungsmodus entstehen.

11.4.2.5 Die Handsystemübersteuerungen für die Druckbelüftungsanlage müssen sich an folgenden


Standorten befinden:

a) dem Aggregatraum der Gebäudeversorgungen und dem Aggregatraum der Einrichtungen für das
Differenzdrucksystem (falls getrennt) und

b) in der Nähe des Gebäudeeingangs an einem Platz, der mit der Regelungsbehörde vereinbart wurde.

Die Schalter, die in 11.4.2.4 aufgeführt und in öffentlich zugänglichen Bereichen und in 11.4.2.5 b) angeordnet
sind, sind gegen Zugriffe durch nicht autorisierte Personen zu schützen.

11.4.2.6 Die in 11.4.2.5 aufgeführten Schalter müssen während des Betriebes in der Einschaltstellung
arretieren und müssen so gebaut sein, dass sie nur durch autorisiertes Personal wieder in die Nullstellung
versetzt werden können (z. B. durch Tastensperre oder Verwendung einer Codesperre).

11.4.2.7 Wenn eine Mehrzweckanlage für Brandbekämpfungsmaßnahmen nicht gestattet ist, muss die
Anlage automatisch in den Brandbekämpfungsmodus fahren.

11.5 Überdruckentlastung

11.5.1 Allgemeines

Die Auslegung des Druckbelüftungssystems nach dieser Norm umfasst die Bewertung der erforderlichen
Luftströmung unter zwei verschiedenen Bedingungen, d. h. alle Türen geschlossen und mit ausgewählten
geöffneten Türen. In den meisten Fällen wird die Luftströmungsanforderung mit geöffneten Türen höher sein
als mit allen Türen geschlossen. Zuluftventilatoren, die die Bedingung für „ausgewählte Türen geöffnet“
erfüllen, können den Druck im Falle von „allen Türen geschlossen“ erheblich erhöhen.

Wenn sich planmäßig außerordentlich hohe Drücke in dem geschützten Raum entwickeln dürfen, kann es
schwierig werden oder unmöglich sein, die Türen zu diesem geschützten Raum zu öffnen.

Um den Aufbau von außerordentlich hohen Drücken zu vermeiden, müssen entweder


Ausgleichsklappenventile oder durch Druckfühler gesteuerte Anlagen verwendet werden, um die Freisetzung
von überschüssiger Druckluft aus dem geschützten Raum zu ermöglichen.

11.5.2 Anforderungen an die Überdruckentlastung

11.5.2.1 In die Öffnungsfläche zur Gebäudeaußenseite ist ein Ausgleichsklappenventil einzubauen, das
verschlossen gehalten wird, wobei es sich dann öffnen muss, wenn der Druck den Nenndruck übersteigt

63
EN 12101-6:2005 (D)

(siehe Anforderungen nach 11.5.2.3). Alternativ hierzu darf eine andere Vorrichtung mit den Anforderungen
nach 11.5.2.3 und 11.5.2.4 verwendet werden, um zu hohe Überdrücke zu vermeiden.

11.5.2.2 Ausgleichsklappenventile müssen entweder direkt oder über geeignete Leitungen in die Außenluft
münden und dürfen nicht über einen ungeschützten Strömungsweg in den Nutzungsbereich hineinblasen. Bei
Klasse F — Systemen, wenn das Ausgleichsklappenventil in den Nutzungsbereich bläst, muss der
Durchbruch in dem feuerwiderstandsfähigen raumabschließenden Bauteil geschützt werden durch eine
automatische, selbstschließende Brandschutzklappe, die nach prEN 13501-3 klassifiziert ist und nur durch
eine thermische Vorrichtung betrieben werden kann.

11.5.2.3 Das Überdruckentlastungsventil muss so dimensioniert sein, dass es die gesamte überschüssige
Luft ausblasen kann. Diese wird ermittelt, indem die gesamte Leckluft des Schachtes bei geschlossenen
Türen von dem gesamten erforderlichen Luftvolumenstrom unter den ungünstigsten Zuluftbedingungen
subtrahiert wird (siehe Abschnitt 15).

11.5.2.4 Variable Zuluftventilatoren oder Klappen, die durch Druckfühler gesteuert werden, dürfen nicht
verwendet werden, außer wenn die Anlage über 90 % der neuen volumetrischen Anforderungen innerhalb
von 3 s nach Öffnen oder Schließen einer Tür erzielen kann.

11.6 Elektrische Energieversorgungen (primär und sekundär)

11.6.1 Allgemeines

Elektrische Energieversorgungen (primär und sekundär) müssen prEN 12101-10 entsprechen.

Alle elektrischen Anlagen müssen durch ausreichend qualifizierte Elektrofachkräfte eingebaut, in


regelmäßigen Zeitabständen untersucht und geprüft werden (wobei die erforderliche Wartung durchgeführt
wird).

Alle primären und sekundären elektrischen Versorgungen zu

a) den Zuluftventilatoren des Differenzdrucksystems und allen angeschlossenen Entlüftungsvorrichtungen;

b) den Entlüftungsventilatoren und allen angeschlossenen Vorrichtungen zur Lieferung der Ersatzluft;

c) den Steuerungen der Brandmeldeanlage und den Absperrvorrichtungen usw.

müssen herstammen von der Stelle, an der die elektrische Versorgung in das Gebäude eintritt, so dass ein
Versagen anderer Einrichtungen nicht die Anlagen außer Betrieb setzt. Da es nicht möglich ist festzustellen,
wo ein Brand entstehen kann, muss davon ausgegangen werden, dass alle Stromversorgungen und die damit
verbundenen Steuerungseinrichtungen bis zur Eintrittsstelle der Versorgung, einschließlich Kabel, sich
innerhalb des Gefahren-/Risikobereiches befinden.

Zur Verminderung des Risikos, während eines Brandes die elektrische Versorgung zu verlieren, ist eine
sekundäre Stromversorgung notwendig. Eine Sekundärversorgung wird von einem Stromerzeuger oder
getrennten Hilfswerk benötigt, welcher über eine ausreichende Kapazität verfügt, damit die Versorgung zu
den Lebensrettungs- und Brandschutzeinrichtungen sichergestellt ist, einschließlich Rauchschutzanlagen,
Anlagen mit Differenzdrücken und Zusatzausrüstungen.

11.6.2 Anforderungen an die Elektrik

11.6.2.1 Anforderungen an Energieversorgung für Differenzdrucksysteme

Die Energieversorgung muss so ausgelegt sein, dass sie das Differenzdrucksystem für die geplante
Durchflussleistung und Betriebsparameter speisen kann.

64
EN 12101-6:2005 (D)

Die Energieversorgung zum Differenzdrucksystem muss für die Dauer verfügbar sein, die erforderlich ist, um
die Klasse des Systems in Betrieb zu haben.

Die Stromversorgung kann durch drei Arten gesichert werden:

a) öffentlicher Energiebetrieb und

b) Sekundärenergie-/Notstromversorgung (Stromerzeugungsanlage) oder

c) getrennte Hilfswerke.

11.6.2.2 Anforderungen an die als Sekundärenergie-/Notstromversorgung verwendete


Stromerzeugungsanlage

11.6.2.2.1 Die Stromerzeugungsanlage muss prEN 12101-10 entsprechen.

11.6.2.2.2 Eine Sekundärenergieversorgung muss in einem Bereich bei normaler Zimmertemperatur


arbeiten.

11.6.2.2.3 Der Wechsel von der Wartestellung (Stromerzeugungsanlage nicht in Betrieb) in die Wirkstellung
(Stromerzeugungsanlage in Betrieb) muss automatisch erfolgen, wenn die elektrische Versorgung des
öffentlichen Energiebetriebes zum Differenzdrucksystem nicht verfügbar ist. Die Rückführung in die
Wartestellung muss ebenfalls automatisch erfolgen, wenn die elektrische Versorgung des öffentlichen
Energiebetriebs wiederhergestellt wurde, falls eine Brandmeldeanlage nicht eine Brandbedingung signalisiert.

11.6.2.2.4 Die Vorrichtungen sind gegen Kurzschluss zu schützen.

11.6.2.2.5 Die Warte- und Wirkstellungen müssen auf der Steuertafel angezeigt werden.

11.6.2.2.6 Die elektrische Notstromversorgung zum Differenzdrucksystem muss unabhängig von der
elektrischen Primärversorgung zum Rest des Bauwerks sein.

11.6.2.2.7 Jede Energieversorgung ist entsprechend prEN 12101-10 zu kennzeichnen.

11.6.3 Anforderungen an elektrische Leitungen

Die elektrischen Leitungen für Differenzdrucksysteme müssen dem Folgendem entsprechen:

a) Feuerwiderstandsfähige Leitungen, welche die Temperatur- und Zeitkriterien der Tabelle 7 erfüllen oder

b) mit einer feuerwiderstandsfähigen Konstruktion umbaut sind oder außen am Gebäude befestigt sind, wo
die Kabel nicht durch das Feuer gefährdet sind, und

c) Kabel, die gegen Brandeinwirkung geschützt sind, müssen der Temperatur-/Zeitklassifizierung des
Bauteils entsprechen, das sie versorgen.

11.6.4 Anforderungen an den Einbau von Energieversorgungen

11.6.4.1 Energieversorgungen für Differenzdrucksysteme müssen an der Eintrittsstelle in die Konstruktion


von allen anderen Stromkreisen getrennt sein.

11.6.4.2 Alle Einrichtungen, die mit der Energieversorgung verbunden sind, müssen mit einem Schutz
gegen mechanische Beschädigung eingebaut werden.

11.6.4.3 Energieversorgungen und damit verbundene Einrichtungen müssen eindeutig beschildert und
entsprechend ihrem Zweck gekennzeichnet und gegen unerlaubte Betätigung gesichert sein, was durch eine
Zugriffsberechtigungsstufe 4 zu erreichen ist (siehe prEN 12101-10).

65
EN 12101-6:2005 (D)

11.6.4.4 Eine Energieversorgung, die für ein Differenzdrucksystem verwendet wird, ist für die Zeitspannen,
welche den nationalen Bestimmungen am Aufstellungsort der Anlage entsprechen, gegen Brandeinwirkung zu
schützen.

11.6.4.5 Sekundärenergieversorgungen müssen absolut von der Primärenergieversorgung getrennt sein,


so dass durch einen Schaden an einer Versorgung die andere nicht beeinträchtigt wird.

11.6.4.6 Das elektrische Verteilungssystem muss so aufgebaut sein, dass die Energieversorgung
stromführend bleibt, wenn der Rest der Versorgungen in dem Bauwerk im Notfall isoliert ist.

11.6.4.7 Der Wechsel zwischen der Primärenergieversorgung und der Sekundärenergieversorgung muss
automatisch sein.

11.7 Hilfsventilatoren und Antriebe

11.7.1 Allgemeines

Wenn Hilfsventilatoren und Antriebe eingesetzt werden müssen, um sicherzustellen, dass das System im
Notfall arbeiten wird, dann muss die Anlage aus Ersatzventilatoren und/oder -motoren bestehen, in
Abhängigkeit von der eingebauten Anlagenart und dem Layout des versorgten Gebäudes.

11.7.2 Anforderungen an Hilfsventilatoren und Antriebe

11.7.2.1 Die Hilfsventilatoren und Motoren müssen von dem gleichen Bautyp sein und die gleiche Leistung
besitzen wie die Einrichtungen des primären Differenzdrucksystems.

11.7.2.2 Der Wechsel von den Einrichtungen des primären Differenzdrucksystems zu den
Hilfseinrichtungen muss automatisch sein.

11.7.2.3 Hilfseinrichtungen des Differenzdrucksystems sind entsprechend der folgenden Kriterien


vorzusehen:

Wenn die Einrichtungen des Differenzdrucksystems Druckluft zu dem einzigen Rettungsweg innerhalb eines
Gebäudes liefert, ist ein Ersatzventilator zusammen mit einem Motor vorzusehen. Wenn ein Satz Ventilatoren
für diesen Rettungsweg verwendet wird, dann muss nur für den Ventilator mit der höchsten Leistung ein
Ersatzventilator bereitgestellt werden.

Wenn die Einrichtungen des Differenzdrucksystems Luft/Rauch aus dem Nutzungsbereich absaugen
(Druckentlüftung) und die einzigen Mittel zur Erzeugung eines Differenzdrucks innerhalb des einzigen
Rettungsweges eines Gebäudes sind, dann ist ein Ersatzventilator zusammen mit einem Motor vorzusehen.
Wenn ein Satz Ventilatoren für diesen Rettungsweg sind, dann muss nur für den Ventilator mit der höchsten
Leistung ein Ersatzventilator bereitgestellt werden.

Wenn zwei unabhängige Rettungswege für jeden Nutzungsbereich innerhalb eines Gebäudes vorhanden sind
(z. B. zwei Treppenräume, die von jedem Geschoss aus betreten werden können), dann müssen nicht für
jeden Rettungsweg Hilfseinrichtungen vorliegen.

Falls nur ein geschützter Rettungsweg innerhalb eines Gebäudes vorhanden ist, jedoch die Möglichkeit
besteht, dass ein anderer Brandabschnitt mit seinen eigenen Rettungsmitteln von Personen betreten wird, die
nicht im Brandfall im betroffenen Nutzungsbereich beeinträchtigt werden können, müssen Hilfseinrichtungen
nicht vorhanden sein.

ANMERKUNG Wenn Druckbelüftung oder Druckentlüftung nur zum Schutze des Eigentums eingesetzt werden, darf der
Bauherr entscheiden, ob Hilfseinrichtungen vorzusehen sind oder nicht.

66
EN 12101-6:2005 (D)

11.8 Verteilungsleitungsnetz für Differenzdrucksysteme

11.8.1 Allgemeines

Bei mehrstöckigen Gebäuden ist das bevorzugte Verteilungsnetz eines Differenzdrucksystems eine vertikale
Leitung, die neben druckbelüfteten Bereichen verläuft.

Wenn ein gemeinsames Leitungsnetz mehrere getrennte, druckbelüftete Bereiche versorgt, ist es wichtig
sicherzustellen, dass, wenn der Druck in ein oder mehreren Bereichen wegen geöffneter Türen gestört ist, die
Wirkung auf die Luftversorgung zu den anderen minimal bleibt. Es ist wichtig, dass die zur Druckbelüftung
verwendete Luftversorgung niemals durch eine Rauchkontamination gefährdet ist. Jeder Anstieg oder Abfall
des Einströmungs- oder Ausströmungsdrucks auf Grund von Windeinflüssen wird durch das Gebäude
hindurch übertragen und möglicherweise die Differenzdruckausgleiche darin verändern. Es ist daher wichtig,
dass die Luftdruckbedingungen für den Lufteintritt und -austritt des Differenzdrucksystems weitestgehend von
der Windgeschwindigkeit und -richtung unabhängig gemacht werden.

Wenn ein Differenzdrucksystem in Verbindung mit einer Anlage für Heizung, Lüftung und Klimatisierung in
dem Gebäude verwendet wird, ist es ebenfalls wichtig, dass sich jeder Einfluss der Windgeschwindigkeit und -
richtung auf beide Anlagen gleich auswirkt.

11.8.2 Anforderungen an das Verteilungsleitungsnetz für Differenzdrucksysteme

11.8.2.1 Die Leitungen müssen nach prEN 13501-3 oder prEN 13501-4 geprüft und klassifiziert werden
und eine für die Auslegungskriterien geeignete Klassifizierungsleistung nach prEN 12101-7 besitzen.

11.8.2.2 Die Größe und der Aufbau der Leitungen sind, soweit zutreffend, entsprechend den nationalen
Bestimmungen, die am Aufstellungsort der Anlage gelten, vorzusehen.

11.8.2.3 Die Konstruktion der Leitungen muss EN 1505 und EN 1506 entsprechen.

11.8.2.4 Der Lufteintritt muss immer von allen potentiellen Orten, wo Feuer auftreten kann, entfernt
angeordnet sein. Die Lufteinlässe sind auf Bodenhöhe oder in Bodennähe anzuordnen (aber weit von den
Rauchabzügen im Keller entfernt), um eine Kontamination durch aufsteigenden Rauch zu vermeiden. Falls
dies nicht möglich ist, müssen die Lufteinlässe in Dachhöhe angeordnet werden.

11.8.2.5 Wenn ein Lufteinlass von dem Ventilator entfernt angeordnet ist, muss Luft vom Einlass zum
Ventilator geleitet werden.

11.8.2.6 Wenn ein Lufteinlass nicht in Dachhöhe angeordnet ist, dann ist ein Rauchmelder in der
Ansaugleitung oder innerhalb der unmittelbaren Umgebung der Versorgungsleitungen vorzusehen, damit das
Differenzdrucksystem automatisch abgeschaltet werden kann, wenn beträchtliche Rauchmengen in der
Versorgung vorhanden sind. Ein Überlastschalter ist für den Feuerwehreinsatz nach 11.4.2.5 vorzusehen.

11.8.2.7 Wenn Lufteinlässe in Dachhöhe angeordnet sind, dann sind zwei Lufteinlässe vorzusehen,
auseinander liegend und in unterschiedliche Richtungen weisend, so dass sie nicht unmittelbar im Fallwind
der gleichen Rauchquelle sein können. Jeder Einlass muss unabhängig in der Lage sein, die vollständigen
Luftanforderungen des Systems zu liefern. Jeder Einlass ist durch ein unabhängig betriebenes
Entrauchungsklappensystem zu schützen, so dass, wenn eine Absperrvorrichtung aufgrund von
Rauchkontaminierung schließt, der andere Einlass ohne auszusetzen die Luftanforderungen des Systems
liefern wird. Die Austrittsöffnung einer Rauchentlüftungsleitung befindet sich mindestens 1 m über dem
Lufteinlass und 5 m horizontal von ihm entfernt. Ein Übersteuerungsschalter zum Wiederöffnen der
geschlossenen Absperrvorrichtung und zum Schließen der geöffneten Absperrvorrichtung ist für
Feuerwehrmaßnahmen vorzusehen.

11.8.2.8 Blechleitungen sind entweder innerhalb des geschützten Bereiches oder in geschützten
Schächten zu führen. Leitungen mineralischen Baustoffen dürfen verwendet werden, sofern diese Leitungen
nur zur Luftverteilung verwendet werden und die innere Oberfläche eine Leckage der Luft begrenzt, eine
Blechauskleidung aufgebracht wird oder gezeigt werden kann, das die Leckage zufrieden stellend ist.

67
EN 12101-6:2005 (D)

11.8.2.9 Brandschutzklappen dürfen in den Versorgungsleitungen des Differenzdrucksystems nicht


eingesetzt werden. Wenn solche Leitungen einen feuerwiderstandsfähigen Raum durchdringen, dann sind die
Leitungen durch geeignete feuerwiderstandsfähige Materialien zu schützen.

11.8.2.10 Wenn unterschiedliche druckbelüftete und entlüftete Zonen mit dem gleichen Ventilator oder Satz
Ventilatoren durch ein gemeinsames Leitungs- und/oder Schachtsystem verbunden sind, müssen
Entrauchungsklappen eingesetzt werden.

11.8.2.11 Zuluftgitter dürfen sich nicht in der Nähe der Hauptleckagewege einer druckbelüfteten Zone
befinden.

11.8.2.12 Die Einrichtungen für den Differenzdruck, d. h. Ventilator, Motor und Steuerung, sind
unterzubringen in

a) einem umbauten Raum mit einer Klassifizierung zum Feuerwiderstand (mindestens als EI-Klassifizierung)
von mindestens einer Stunde, vorzugsweise in einem Geräteraum, der von der Anlage getrennt ist, oder

b) auf Dachhöhe, wenn die Trennung zwischen der Anlage und dem darunter liegenden Gebäude eine
Feuerwiderstandsdauer von mindestens einer Stunde in einem Umkreis von 5 m aufweist.

11.8.2.13 Die Zugangstüren zu dem umbauten Raum müssen eine Klassifizierung zum Feuerwiderstand
(mindestens als EI-) von mindestens einer Stunde aufweisen und selbstschließend sein. Wenn das
Differenzdrucksystem einen Brandbekämpfungsschacht schützt, muss die Feuerwiderstandsdauer die gleiche
sein wie die des Brandbekämpfungsschachtes.

11.8.2.14 Der Feuerwiderstand von Leitungen, die zur Führung von Rauch und heißen Gasen verwendet
werden, muss die Anforderungen von prEN 12101-7 erfüllen.

11.8.2.15 Alle zur Rauchabsaugung, Entlüftung und Druckentlüftung verwendeten Leitungen und Wand-
oder Deckenkonstruktionen müssen einen Widerstand gegen Einsturz und Durchdringen von Feuer besitzen,
der dem des Bauwerks entspricht.

11.8.2.16 Die Leistungskriterien der Leitungen müssen die Bedingungen bei Umgebungstemperatur
identifizieren.

11.8.2.17 Die Wärmedämmung der Leitungen muss der europäischen Klassifizierung der
Feuerwiderstandsfähigkeit von Leitungen, I (Wärmedämmung), entsprechen.

12 Abnahmeprüfung

12.1 Allgemeines

Die in dieser Norm enthaltenen Hinweise hinsichtlich der Auslegung setzen voraus, dass
Differenzdrucksysteme dazu dienen, sowohl Drücke der Schornsteinwirkung, die durch nicht unter Druck
gesetzte Schächte anderswo im Gebäude verursacht werden, als auch windinduzierte Druckdifferenzen zu
überwinden.

Die folgenden fünf Abnahmeprüfungen für Differenzdruck, effektiven Differenzdruck, Luftgeschwindigkeit,


Kraft zur Öffnung einer Tür und Auslösung der Anlage dürfen nur dann durchgeführt werden, wenn die Anlage
vollständig ist und das Differenzdrucksystem, und soweit zutreffend die Klimaanlage, betrieben und korrekt
einreguliert wurde. Alle Bautätigkeiten müssen abgeschlossen sein.

12.2 Anforderungen an die Abnahmeprüfung

ANMERKUNG In Gebäuden mit mehr als acht Stockwerken sollten die in 12.2.1 und 12.2.2 festgelegten Prüfungen in
Gruppen zu je acht Stockwerken durchgeführt werden.

68
EN 12101-6:2005 (D)

12.2.1 Differenzdruck

Die erste Abnahmeprüfung wird zur Ermittlung der Druckdifferenz infolge von Windeinflüssen und der
Schornsteinwirkung mit ausgeschalteten Differenzdruckventilatoren durchgeführt. Ablauf der Prüfung(en):

a) das Differenzdrucksystem wird in Betrieb gesetzt. Die Ventilatoren müssen mindestens 10 min laufen,
damit sich konstante Lufttemperaturen einstellen;

b) die Ventilatoren des Differenzdrucksystems werden ausgeschaltet, während alle übrigen Bauteile in
ihrem Betriebsmodus bleiben;

c) der Differenzdruck zwischen dem druckbelüfteten Bereich und dem betreffenden Nutzungsbereich wird
gemessen;

d) der Differenzdruck zwischen dem Treppenraum, welcher unter Druck zu setzten ist, und dem
betreffenden Nutzungsbereich wird in mindestens zwei Stockwerken gemessen.

Diese Messungen erfolgen mit einem geeichten Manometer und den entsprechenden Schlauchverbindungen.

Der Differenzdruck, der bei der ersten Abnahmeprüfung gemessen wurde, muss den Mindestwerten
entsprechen, die in den Bildern 2, 3, 4, 5, 6 und 7 aufgeführt sind.

12.2.2 Effektiver Differenzdruck

12.2.2.1 Zweite Abnahmeprüfung

Innerhalb von 15 Minuten nach Erreichen der Anforderungen von 12.2.1 erfolgt die zweite Abnahmeprüfung
zur Messung des effektiven Differenzdrucks über jeder Tür, die einen druckbelüfteten und entlüfteten Bereich
von dem betreffenden Nutzungsbereich in allen Geschossen trennt, wobei das Differenzdrucksystem
weiterhin arbeitet.

12.2.2.2 Die Messänderung zwischen der ersten und zweiten Druckablesung muss mit den
Leistungsanforderungen verglichen werden, die für die geplanten Druckdifferenzen festgelegt wurden.

12.2.3 Luftgeschwindigkeit

12.2.3.1 Die dritte Abnahmeprüfung misst die Luftgeschwindigkeit durch eine geöffnete Tür, die einen
druckbelüfteten Bereich und einen entlüfteten Bereich trennt, und muss den Anforderungen von Abschnitt 4
für die betreffende Systemklasse entsprechen. Ablauf der Prüfung(en):

12.2.3.2 Die Luftgeschwindigkeit wird mit einem geeichten Anemometer ermittelt.

12.2.3.3 Die Messung der Strömungsgeschwindigkeit durch die entsprechenden Türen erfolgt, wenn alle
anderen Türen geöffnet oder geschlossen sind gemäß der entsprechenden Systemklasse nach Abschnitt 4.
Die Türöffnung muss frei von Hindernissen sein (siehe Bilder 2, 3, 4, 5, 6 und 7 hinsichtlich der zu
untersuchenden Tür).

12.2.3.4 Durchzuführen sind mindestens 8 Messungen, die gleichmäßig über die Türöffnung verteilt sind,
um eine genaue Luftgeschwindigkeit zu erhalten. Es ist der Durchschnitt dieser Messungen zu berechnen
oder alternativ wird ein geeignetes Messgerät gleichmäßig über den Querschnitt der geöffneten Tür bewegt
und die durchschnittliche Luftgeschwindigkeit aufgezeichnet.

12.2.3.5 Die Kalibrierung aller Prüfeinrichtungen muss so sein, dass die Messungen mit einer Genauigkeit
von 5 % durchgeführt werden.

69
EN 12101-6:2005 (D)

12.2.4 Kraft zur Öffnung einer Tür

12.2.4.1 Die vierte Abnahmeprüfung misst die Öffnungskräfte an den Türen zwischen den druckbelüfteten
und entlüfteten Bereichen, wie in Abschnitt 4 festgelegt. Die Öffnungskraft an einer bestimmten Tür wird
folgendermaßen gemessen:

12.2.4.2 Das Differenzdrucksystem wird in Betrieb gesetzt.

12.2.4.3 Das Messgerät zur Ermittlung der Kraft (z. B. eine Federwaage) wird am Türgriff befestigt, an der
Seite der Tür in Öffnungsrichtung.

12.2.4.4 Alle sie geschlossen haltenden Vorrichtungen sind gegebenenfalls zu lösen (Falle).

12.2.4.5 Es wird am freien Ende des Messgerätes zur Ermittlung der Kraft gezogen und der höchste Wert
während der Öffnung der Tür festgehalten.

12.2.5 Auslösung der Anlage

Die letzte Prüfung ist der Betrieb der automatischen Brandmeldeanlage (Rauchmelder) durch Einblasen von
Rauch in das Kopfstück des Melders. Dies muss dann wiederum die zentrale Steuertafel ansprechen und
somit das Differenzdrucksystem aktivieren.

13 Wartung

13.1 Allgemeines

Das Differenzdrucksystem einschließlich der verwendeten Rauchmeldeanlage oder eine andere Art von
Brandmeldesystem, die Schaltvorrichtung, die Ventilatoren, die Einrichtungen der Energieversorgung und die
automatischen Lüftungsvorrichtungen sind regelmäßig Wartungen und Funktionsprüfverfahren zu
unterziehen.

Die für die Auslegung der Anlage verantwortliche Person muss dem Eigentümer eine Prüfliste für die Wartung
übergeben. Das Gebäudemanagement muss über alle durchgeführten Wartungen und Funktionsprüfungen
Prüfbücher führen.

Alle Aufzeichnungen müssen wiederholt aufgetretene Mängel erkennen lassen, um potentielle


Auslegungsfehler des Systems leichter erkennbar werden zu lassen.

13.2 Anforderungen an die Wartung

13.2.1 Die für die Wartung erforderlichen Einrichtungen müssen im Wartungsplan für das Gebäude
beschrieben sein.

13.2.2 Ein Plan für die Wartung und Funktionsprüfung muss erstellt werden.

13.2.3 Alle unbefriedigenden Erkenntnisse oder gefundene Mängel in Bezug auf die Wartung der
Einrichtungen müssen in dem Prüfbuch aufgeführt und dem Gebäudemanagement bekannt gegeben werden.

13.2.4 Die Wartung der Einrichtungen muss im Einklang mit den Herstelleranleitungen stehen.

13.2.5 Die Aufzeichnungen müssen alle Berichte über wiederholte Mängel aufführen, die als
Auslegungsfehler betrachtet werden können.

70
EN 12101-6:2005 (D)

13.3 Wöchentliche Prüfungen

13.3.1 Das Differenzdrucksystem muss jede Woche aktiviert werden. Bei laufender Anlage muss überprüft
werden, ob die Ventilatoren zufrieden stellend arbeiten und ob die Lüftungsanlage funktioniert hat.

13.3.2 Der Kraftstoffvorrat der Sekundärenergieversorgung muss jede Woche kontrolliert werden, so dass
für die erforderliche Betriebsdauer ausreichend Kraftstoff für den Generator zur Verfügung steht, falls die
Sekundärenergieversorgung ein Generator ist.

13.4 Monatliche Prüfungen

Zusätzlich zu den wöchentlichen Prüfungen müssen die Notstromversorgung und Hilfsgeräte wie folgt
überprüft werden:

13.4.1 Der Ausfall der Primärenergieversorgung muss simuliert werden und es ist zu überprüfen, dass das
System automatisch auf die Sekundärenergieversorgung umgeschaltet hat. Falls die
Sekundärenergieversorgung über einen Dieselgenerator verfügt, muss sie das System mindestens für die
Dauer von einer Stunde mit Energie versorgen.

13.4.2 Es muss ein Zustand ohne Luftstrom simuliert werden und es ist zu überprüfen, ob die
Hilfsventilatoren, sofern sie vorgesehen sind, arbeiten.

13.5 Jährliche Prüfungen

Zusätzlich zu der Herstellerempfehlung und den monatlichen Prüfungen ist alle 12 Monate das gesamte
Differenzdrucksystem nach dem in 12.2.1, 12.2.2, 12.2.3 und 12.2.4 dargestellten Abnahmeverfahren zu
prüfen.

13.6 Wiederholungsprüfungen

Das gesamte Differenzdrucksystem muss wiederholt nach 12.1 (Abnahmeprüfung) geprüft werden, sobald
Veränderungen an dem Gebäude vorgenommen worden sind, die das Differenzdrucksystem beeinträchtigen
könnten, z. B. Veränderungen an innenliegenden Trennwänden, Erweiterungen und Veränderungen an dem
Differenzdrucksystem.

13.7 Prüfergebnisse

Die Prüfergebnisse müssen entsprechend Abschnitt 14 aufgezeichnet werden.

13.8 Zugangsmöglichkeit für Wartungszwecke

Der Konstrukteur der Anlage muss einen leichten Zugang für Wartungszwecke vorsehen. Die Anlage muss
unter Berücksichtigung von Einbau, Messung/Test, Einregulierungen, Wartungsarbeiten sowie Austausch
entsprechend dem Nachfolgenden ausgelegt werden:

a) ein Zugang ist vorzusehen, so dass Installation, Reparatur und Austausch zufrieden stellend durchgeführt
werden können;

b) ein Zugang ist für die Einregulierung der Eintrittsleitschaufeln des Ventilators bzw. der Ventilatoren und
die Ausgleichsklappen des Verteilungssystems vorzusehen;

c) Zugangsklappen sind in den Leitungen nahe den Ausgleichsklappen und Brandschutzklappen


vorzusehen;

d) eine ausreichende Freifläche ist um den Generator herum vorzusehen;

71
EN 12101-6:2005 (D)

e) Revisionsöffnungen sind anzuordnen, so dass ein sicherer Zugang auf die Handauslösungen der
Absperrvorrichtungen gegeben ist.

ANMERKUNG Es wird empfohlen, die Anlage mit einer optischen oder elektrischen Anzeige auszurüsten, welche die
genaue Stellung der Absperrvorrichtungen anzeigt.

14 Dokumentation

14.1 Anforderungen an die Zulassungsstelle

Der Zulassungsstelle sind umfassende Details über die Anlage bereitzustellen. Diese umfassen:

a) vollständige Berechnungen, welche die Auslegungskriterien aufzeigen (siehe Abschnitt 15);

b) vollständige Spezifikation der Details zum verwendeten System (siehe Abschnitt 11);

c) sämtliche Pläne, die den Standort und den Schutz für den Ventilator und der zugehörigen elektrischen
Steuereinrichtung sowie die Lage der Frischlufteinlässe (siehe Abschnitt 11) aufzeigen;

d) Konstruktionsdetails der Leitungen und Endböden der Leitungen, die für das Differenzdrucksystem
verwendet werden (siehe Abschnitt 5 und Abschnitt 11);

e) jede andere von der Zulassungsstelle verlangte Konstruktionsinformation (siehe Abschnitt 11);

f) vollständige betriebstechnische Einzelheiten, in schriftlicher Form und Diagrammform, welche die genaue
Abfolge von Ereignissen beschreiben, die in dem Differenzdrucksystem und in der normalen
Lüftungsanlage ablaufen werden, wenn ein Brand im Gebäude entsteht (siehe Abschnitt 4 und
Abschnitt 7);

g) ein vollständiger Wartungsplan, der die für jedes Bauteil der Einrichtung erforderlichen
Wartungsprüfungen sowie die Häufigkeit dieser Prüfungen aufführt (siehe Abschnitt 12);

h) nach Fertigstellung, die Ergebnisse der am Differenzdrucksystem durchgeführten Prüfungen (siehe


Abschnitt 13).

14.2 Anforderungen an den Nutzer/Eigentümer

Dem Nutzer/Eigentümer des Gebäudes ist eine eindeutige Beschreibung des Zwecks und der Funktionsart
der Anlage zu übergeben. Diese umfasst:

a) eine eindeutige Beschreibung des Zwecks der Anlage (siehe Einleitung);

b) eine kurze Angabe in Worten, ergänzt durch Diagramme, der Funktionsweise der Anlage mit einem
eindeutigen Hinweis auf die Abfolge der Ereignisse, welche nach einem Feueralarm eintreten werden
(siehe Abschnitt 4);

c) ein vollständiger Wartungsplan, der die für jedes Bauteil der Einrichtung erforderlichen
Wartungsprüfungen sowie die Häufigkeit dieser Prüfungen aufführt (siehe Abschnitt 13);

d) eine Prüfliste im Wartungsplan der erforderlichen Wartungsarbeiten zusammen mit einem Wartungsbuch,
in dem die durchgeführte Wartung und die festgestellten Fehler sowie die durchgeführten
Wartungsarbeiten/Ausbesserungsmaßnahmen protokolliert werden können (siehe Abschnitt 13);

e) ein Plansatz mit Ausführungszeichnungen „wie eingebaut“ zum Verbleib am Aufstellungsort (siehe
Abschnitt 13);

f) eine Erklärung, dass Änderungen an den

72
EN 12101-6:2005 (D)

! Nutzungsbereichen (z. B. bauliche Unterteilung der Grundflächen),

! Bodenbeläge unterhalb von Türen

den Betrieb des Differenzdrucksystems beeinträchtigen können (siehe Abschnitt 13).

15 Auslegungsberechnungen

15.1 Allgemeines

Die Auslegung einer Rauchschutzanlage, die Differenzdrücke nutzt, beinhaltet das Abgleichen von
Luftströmungen, die in das Gebäude einströmenden und ausströmenden, sowie die Analyse der
Differenzdrücke an Rauchbarrieren. Es ist wichtig, dass alle relevanten Luftströmungswege identifiziert und
deren effektiven Durchflussquerschnitte bewertet werden. Die typischen Leckagewege, die in einem Gebäude
existieren können, sind offene Türen, Ritzen und Fugen um geschlossene Türen, Fahrschachttüren, Fenster
usw. Beachtet werden muss auch die Leckage aufgrund von Rissen im Bauwerk usw., die in Wänden,
Decken und Trennwänden existieren können. Sowohl die Baustoffart als auch die Qualität der Ausführung
beeinflussen den Durchtrittsquerschnitt erheblich.

Bei der Analyse der Luft, die zur Schaffung eines Differenzdrucks zwischen den geschützten und
ungeschützten Bereichen benötigt wird, wird das Verfahren variieren je nach:

a) der Form des Bauwerkes;

b) ob der Bausatz den geschützten Bereich druckbelüftet oder den ungeschützten Bereich entlüftet.

15.2 Anforderungen an Auslegungsberechnungen

Die nachfolgend beschriebenen Schritte stellen ein logisches Verfahren zur Berechnung des Luftbedarfs dar.

ANMERKUNG Rechenverfahren, die benutzt werden können, sind im Anhang A enthalten. Das entsprechende
Rechenverfahren ist nach der Anforderung in Klammern aufgeführt.

15.2.1 Identifizieren Sie die Luftströmungswege mit allen Türen geschlossen. Die Wege, durch die Luft
entweicht oder freigesetzt wird, umfassen:

a) Risse um Türen zwischen dem geschützten Bereich und dem ungeschützten Bereich;

b) Risse durch die Bausubstanz zwischen den geschützten und ungeschützten Bereichen in der
Konstruktion;

c) die Öffnungen, die zur Freisetzung von Luft aus den ungeschützten Bereichen vorgesehen sind, oder die
Öffnungen, die für Ersatzluft aus geschützten Bereichen vorgesehen sind;

d) Risse durch die Bausubstanz zwischen den ungeschützten Bereichen in der Konstruktion.

15.2.2 Die effektiven Leckagewege zwischen jedem benachbarten Bereich (siehe A.1) ist zu bewerten.

15.2.3 Der äquivalente Gesamtdurchtrittsquerschnitt über die Spalten um Türen herum QD (siehe A.2) ist zu
berechnen.

15.2.4 Die Leckrate über Risse um alle Fenster QWindow herum (siehe A.2) ist zu berechnen.

15.2.5 Die Leckrate durch Fahrschachttüren QLd (siehe A.2) ist zu berechnen.

73
EN 12101-6:2005 (D)

15.2.6 Die Leckage über andere Bereiche, die mechanische Abluftanlagen enthalten QTm (siehe A.2), ist zu
berechnen.

15.2.7 Die Leckage über andere Luftwege QOther (siehe A.2) ist zu berechnen.

ANMERKUNG Bei der Auslegung einer Entlüftungsanlage wird QOther sämtliche Verluste durch die Außenfläche des
Bauwerks einschließen.

15.2.8 Die erforderliche Gesamtzuluft mit allen Türen QDC geschlossen (siehe A.3) ist zu berechnen.

15.2.9 Es ist unter Hinweis auf die Systemklassen zu identifizieren, welche Türen geöffnet sind (siehe 4.1 bis
einschließlich 4.7 und Bilder 2, 3, 4, 5, 6 und 7).

15.2.10 Es sind alle Luftströmungswege hinsichtlich geöffneter Türen (siehe A.1) zu identifizieren und zu
bewerten.

15.2.11 Die erforderliche Gesamtzuluft mit all den Türen, die in 15.2.9 als geöffnet festgehalten sind, QDO
(siehe A.3), ist zu berechnen.

15.2.12 Die erforderliche Gesamtzuluft mit all den entsprechenden Türen geöffnet plus einer Grenzabweichung
von 15 % wegen Verluste über die Leitungen, QSDO, ist zu berechnen.

15.2.13 Die erforderliche Gesamtzuluft plus einem Faktor von 50 % für unbekannte Leckagen, die in den
vorangegangenen normativen Festlegungen nicht berücksichtigt sind, QS, ist zu berechnen.

15.2.14 Der größere der oben berechneten Werte QS oder QSDO ist für die Ventilatorleistung zu benutzen.

15.2.15 Bei Druckbelüftungssystemen ist der größere der oben berechneten Werte QS oder QSDO für die
Berechnung der Anforderungen an die Luftabführung aus nicht druckbelüfteten Bereichen mit geöffneten
Türen (siehe A.4) zu benutzen.

Bei Entlüftungsanlagen ist der größere der oben berechneten Werte QS oder QSDO für die Berechnung der
Ersatzluft, die in den nicht entlüfteten Bereich zugeführt werden muss, zu benutzen.

15.2.16 Entweder ist die geeignete Luftauslassfläche des druckbelüfteten Bereichs (Überdruckentlastung)
(siehe A.5) zu berechnen, oder die geeignete Ersatzluftauslassfläche des entlüfteten Bereichs
(Überdruckrückgang) (siehe A.5).

15.2.17 Die zum Öffnen der Türen erforderlichen Kräfte (siehe A.6) sind zu berechnen..

15.2.18 Die tatsächliche Ventilatorleistung kann dann unter Berücksichtigung der Berechnungen bei
geöffneter und geschlossener Tür nach 15.2.1 bis 15.2.17 berechnet werden.

16 Bewertung der Konformität

16.1 Allgemeines

Die Konformität des Bausatzes eines Differenzdrucksystems mit den Anforderungen dieser Norm ist
nachzuweisen durch:

! Erstprüfung oder Beurteilung,

74
EN 12101-6:2005 (D)

! werkseigene Produktionskontrolle.

ANMERKUNG Der Hersteller ist eine natürliche oder juristische Person, die den Bausatz unter seinem eigenen Namen
auf den Markt bringt. Üblicherweise entwickelt und produziert der Hersteller den Bausatz selbst. Als erste Alternative
könnte er es durch einen Subunternehmer entwerfen, herstellen, zusammenbauen, verpacken, abfertigen oder etikettieren
lassen. Als zweite Alternative könnte er gebrauchsfertige Bausätze zusammenbauen, verpacken, abfertigen oder
etikettieren.

Der Hersteller muss sicherstellen,

! dass die Erstprüfung oder Beurteilung nach dieser Europäischen Norm in die Wege geleitet und
durchgeführt wird (falls erforderlich, unter der Leitung einer Produktzertifizierungsstelle) und

! dass der Bausatz kontinuierlich mit den Probekörpern aus der Erstprüfung übereinstimmt, für die eine
Konformität mit dieser Europäischen Norm nachgewiesen wurde.

Der Hersteller muss immer die gesamte Kontrolle bewahren und die erforderliche Kompetenz besitzen, um
die Verantwortung für den Bausatz zu übernehmen.

Der Hersteller ist, wenn er die CE-Kennzeichnung am Bausatz vornimmt, voll verantwortlich für die
Konformität des Bausatzes mit allen anwendbaren Regelungsanforderungen. Wenn der Hersteller jedoch
Bauteile verwendet, deren Konformität mit den für das Bauteil anwendbaren Anforderungen bereits
nachgewiesen wurde (z. B. durch CE-Kennzeichnung), dann muss der Hersteller die Beurteilung, die zu solch
einer Konformität führte, nicht nochmals wiederholen. Wenn der Hersteller Bauteile verwendet, deren
Konformität nicht nachgewiesen wurde, obliegt es seiner Verantwortlichkeit, die erforderliche Beurteilung
vorzunehmen, um die Konformität nachzuweisen.

16.2 Erstprüfung oder Bewertung

16.2.1 Allgemeines

Eine Erstprüfung oder Bewertung ist durchzuführen, um die Konformität mit dieser Europäischen Norm
nachzuweisen.

ANMERKUNG 1 Hiernach bezieht sich „Erstprüfung“ auf alle Bewertungsmittel: Prüfung, Berechnung oder Beurteilung
des detaillierten Konstruktionsplans.

Da durch die allgemeinen Prüfverfahren nachzuweisen ist, dass der Bausatz der Druckbelüftungsanlage die
Auslegungs- und Leistungsanforderungen einschließlich der Klassifizierung des Bausatzes in seiner
Betriebsstellung erzielen und weiterhin für eine bestimmte Dauer zur Begrenzung einer Rauch- und
Wärmeausbreitung wirken wird, muss der komplette zu installierende Bausatz (d. h. einschließlich Motore und
Befestigungen) geprüft werden.

Der Lieferant des Bausatzes muss eine ausreichende Anzahl von Konstruktionen/Bausätzen der Anlage zum
Zwecke der Erstprüfungsbewertung einreichen, so dass ausreichend Beweise sicherstellen, dass er fähig ist,
entsprechend den Anforderungen dieser Norm zu arbeiten. Siehe auch 16.3.

ANMERKUNG 2 Es ist nicht immer erforderlich, alle Bausätze zur Bewertung einzureichen.

75
EN 12101-6:2005 (D)

16.2.2 Änderungen

Im Falle der Änderung des Bausatzes oder des Produktionsverfahrens (wo diese die festgelegten Merkmale
beeinflussen könnten), ist eine Erstprüfung durchzuführen. Alle in dieser Norm angegebenen Merkmale, die
durch die Änderung verändert werden können, müssen Gegenstand der Erstprüfung sein, vorbehaltlich
16.2.3.

16.2.3 Vorherige Prüfungen und Bausatzfamilien

Prüfungen, die bereits entsprechend den Bestimmungen dieser Norm durchgeführt wurden, dürfen
berücksichtigt werden, wenn sie nach dem gleichen oder einem strengeren Prüfverfahren und mit dem
gleichen Verfahren zur Bescheinigung der Konformität des gleichen Bausatzes oder von Bausätzen ähnlicher
Bauart, Konstruktion und Funktionalität durchgeführt wurden, so dass die Ergebnisse auf den betreffenden
Bausatz anwendbar sind.

Bausätze dürfen in Familien eingeteilt werden, wenn ein Merkmal oder mehrere Merkmale auf alle Bausätze
innerhalb dieser Familie zutreffen oder die Prüfergebnisse für alle Bausätze innerhalb dieser Familie
repräsentativ sind. In diesem Falle müssen nicht alle Bausätze der Familie zum Zwecke der Erstprüfung
geprüft werden.

16.2.4 Probekörper

Die Probekörper müssen repräsentativ sein für die normale Produktion. Wenn es sich bei den Probekörpern
um Prototypen handelt, dann müssen sie für die beabsichtigte zukünftige Produktion repräsentativ sein und
vom Hersteller ausgewählt werden.

Falls die technischen Unterlagen der Probekörper nicht ausreichend die Grundlage für spätere
Konformitätsprüfungen bieten, ist ein Vergleichsmuster (identifiziert und gekennzeichnet) für diesen Zweck
bereitzustellen.

16.2.5 Prüfbericht

Jede Erstprüfung und deren Ergebnisse sind in einem Prüfbericht zu dokumentieren.

16.3 Werkseigene Produktionskontrolle

16.3.1 Allgemeines

Der Hersteller hat eine werkseigene Produktionskontrolle einzurichten, dokumentieren und durchzuführen, um
sicherzustellen, dass die Bausätze, die auf den Markt gebracht werden, die angegebenen Leistungsmerkmale
besitzen.

Wenn der Hersteller den Bausatz durch ein Subunternehmen entwerfen, herstellen, zusammenbauen,
verpacken, abfertigen und etikettieren lässt, dann kann die werkseigene Produktionskontrolle des
Originalherstellers berücksichtigt werden. Wenn jedoch Subunternehmer beauftragt werden, dann muss der
Hersteller die gesamte Kontrolle über die Bausätze behalten und sicherstellen, dass er alle Informationen
erhält, die notwendig sind, um seine Pflichten entsprechend dieser Europäischen Norm zu erfüllen. Der
Hersteller, der alle seine Aktivitäten an ein Subunternehmen übergibt, darf unter keinen Umständen seine
Verantwortung auf den Subunternehmer übertragen.

Alle vom Hersteller übernommenen Elemente, Anforderungen und Bestimmungen sind systematisch in Form
von Policen und Verfahrensweisen schriftlich aufzuzeichnen. Diese Dokumentation über das
Produktionskontrollsystem muss ein allgemeines Verständnis für die Konformitätsbewertung sicherstellen und
ermöglichen, dass die erforderlichen Produktmerkmale erzielt werden und die wirksame Funktion des
Produktionskontrollsystems überprüft wird.

76
EN 12101-6:2005 (D)

Das werkseigene Produktionskontrollsystem muss sicherstellen, dass die Beachtung der Anlagenauslegung
und die Erstellung der Anlagendokumentation mit den Anforderungen dieser Norm eingehalten wird. Das
werkseigene Produktionskontrollsystem muss auch die Auswahl von Bauteilen und Behandlung
(Zusammenbau, Verpackung und Etikettierung) des Bausatzes umfassen.

Die werkseigene Produktionskontrolle bringt daher Betriebstechniken und alle Maßnahmen zusammen, die
zur Aufrechterhaltung und Kontrolle der Konformität des Bausatzes mit den technischen Spezifikationen
notwendig sind. Ihre Implementierung kann erzielt werden durch Kontrollen und Prüfungen von
Messanordnungen, Rohstoffen und Grundmaterialien, Verfahren, Maschinen und Werkzeugen und
Fertigbausätzen, einschließlich der Materialeigenschaften in Produkten und durch die Verwertung der so
gewonnenen Ergebnisse.

16.3.2 Allgemeine Anforderungen

Das werkseigene Produktionskontrollsystem muss Bestandteil eines Qualitätssicherungssystems sein, z. B.


nach EN ISO 9001:2000.

16.3.3 Produktspezifische Anforderungen

16.3.3.1 Das werkseigene Produktionskontrollsystem muss

! sich nach dieser Europäischen Norm richten und

! sicherstellen, dass die Bausätze, welche auf den Markt gebracht werden, die angegebenen
Leistungsmerkmale besitzen.

16.3.3.2 Das werkseigene Produktionskontrollsystem muss einen produktspezifischen


Produktionsüberwachungs- oder Qualitätsplan umfassen, der die Arbeitsabläufe identifiziert, damit die
Konformität des Bausatzes in seinen jeweiligen Phasen nachgewiesen werden kann, d. h.,

a) die vor und/oder während der Herstellung durchzuführenden Kontrollen und Prüfungen, einschließlich der
Prüfung der Anlagenauslegung und Dokumentation, in den festgelegten Intervallen und/oder

b) die durchzuführenden Kontrollen und Prüfungen an fertigen Bausätzen in den festgelegten Intervallen.

Wenn der Hersteller fertige Bausätze verwendet, dann müssen die Arbeitsvorgänge unter b) zu einer
gleichwertigen Konformitätsstufe des Bausatzes führen, so als ob eine normale werkseigene
Produktionskontrolle während der Herstellung durchgeführt worden wäre.

Wenn der Hersteller Teile der Produktion selbst durchführt, dann können die Arbeitsvorgänge unter b)
reduziert und teilweise durch die Arbeitsvorgänge unter a) ersetzt werden. Je mehr Produktionsabschnitte der
Hersteller selbst durchführt, desto mehr Arbeitsvorgänge unter b) können im Allgemeinen durch die
Arbeitsvorgänge unter a) ersetzt werden. In jedem Fall muss der Vorgang zu einer gleichwertigen
Konformitätsstufe des Bausatzes führen, so als ob eine normale werkseigene Produktionskontrolle während
der Herstellung durchgeführt worden wäre.

ANMERKUNG Je nach dem speziellen Fall, kann es notwendig sein, die unter a) und b) beschriebenen
Arbeitsvorgänge durchzuführen, nur die Arbeitsvorgänge unter a) oder nur die unter b).

Die Arbeitsvorgänge unter a) konzentrieren sich mehr auf die Zwischenstufen des Bausatzes als auf die
Fertigungsmaschinen, deren Einstellung und Prüfanordnung usw. Diese Kontrollen und Prüfungen und deren
Häufigkeit werden gewählt je nach Art und Zusammenstellung des Bausatzes, dem Fertigungsverfahren und
dessen Komplexität, der Empfindlichkeit der Bausatzeigenschaften auf die Veränderung von
Herstellungsparametern usw.

Der Hersteller muss Protokolle erstellen und pflegen, die den Nachweis liefern, dass während der Produktion
Proben entnommen und geprüft wurden. Aus diesen Protokollen muss deutlich hervorgehen, ob die
Produktion die festgelegten Abnahmekriterien erfüllt hat. Wenn der Bausatz die Abnahmemaßnahmen nicht

77
EN 12101-6:2005 (D)

besteht, dann gelten die Bestimmungen für nicht übereinstimmende Produkte, sind die notwendigen
Korrekturmaßnahmen unverzüglich zu ergreifen und die nicht übereinstimmenden Bausätze oder Charge
auszusondern und ordnungsgemäß zu identifizieren. Nach Abstellung des Mangels ist die jeweilige Prüfung
oder Kontrolle zu wiederholen.

Die Ergebnisse der Kontrollen und Prüfungen sind ordnungsgemäß aufzuzeichnen. Die Bausatzbeschreibung,
das Herstellungsdatum, das festgelegte Prüfverfahren, die Prüfergebnisse sowie die Abnahmekriterien sind in
den Protokollen einzutragen und von der für die Kontrolle/Prüfung verantwortlichen Person zu unterzeichnen.
Wenn sich bei der Kontrolle herausstellt, dass die Anforderungen dieser Europäischen Norm nicht erfüllt
werden, dann sind Maßnahmen zur Abstellung des Mangels (z. B. Durchführung einer weiteren Prüfung,
Änderung des Herstellungsprozesses, Wegwerfen oder in Ordnung bringen des Bausatzes) in den
Protokollen zu verzeichnen.

16.3.3.3 Einzelne Bausätze oder Chargen von Bausätzen und deren im Zusammenhang stehenden
Herstellungsdetails müssen identifizierbar und nachvollziehbar sein.

16.3.4 Erstinspektion des Werkes und der werkseigenen Produktionskontrolle

16.3.4.1 Eine Erstinspektion des Werkes und der werkseigenen Produktionskontrolle ist in der Regel
durchzuführen, wenn die Produktion bereits läuft und die werkseigene Produktionskontrolle bereits
durchgeführt wird.

Es ist jedoch möglich, dass die Erstinspektion des Werkes und der werkseigenen Produktionskontrolle
durchgeführt wird, bevor die Produktion läuft und/oder bevor die werkseigene Produktionskontrolle
durchgeführt wird.

16.3.4.2 Folgendes muss beurteilt werden:

! die Dokumentation der werkseigenen Produktionskontrolle und

! das Werk.

Durch die Beurteilung des Werkes muss nachgewiesen werden,

a) dass alle Ressourcen, die zur Erfüllung der in dieser Europäischen Norm festgelegten Bausatzmerkmale
erforderlich sind, verfügbar sind oder sein werden (siehe 16.3.4.1) und

b) dass die Verfahrensweisen der werkseigenen Produktionskontrolle, in Übereinstimmung mit der


Dokumentation der werkseigenen Produktionskontrolle, implementiert sind oder sein werden und in der
Praxis befolgt werden (siehe 16.3.4.1) und

c) dass der Bausatz übereinstimmt oder übereinstimmen wird (siehe 16.3.4.1) mit den Probekörpern der
Erstprüfung, für die eine Konformität mit dieser Europäischen Norm nachgewiesen worden ist und

d) ob das werkseigene Produktionskontrollsystem Bestandteil eines Qualitätssicherungssystems nach


EN ISO 9001:2000 ist (siehe 16.3.2) und als Bestandteil des Qualitätssicherungssystems zertifiziert
wurde und jährlich durch eine Zertifizierungsstelle begutachtet wird, welche anerkannt ist von einer
Akkreditierungsstelle, die Mitglied der „European Co-operation for Accreditation“ ist und dort das
„Multilateral agreement“ (MLA) unterschrieben hat.

16.3.4.3 Alle Produktionsstätten des Herstellers, in denen der betroffene Bausatz endgültig
zusammengebaut und/oder endgültig abgenommen wird, müssen besucht werden, damit nachgewiesen
werden kann, dass die Bedingungen a) bis c) nach 16.3.4.2 erfüllt sind. Während eines Besuches können ein
Bausatz oder mehrere Bausätze, Fertigungsstraßen und/oder Fertigungsvorgänge überprüft werden.

16.3.4.4 Beurteilungen, die zuvor entsprechend den Bestimmungen dieser Norm erfolgten, dürfen
berücksichtigt werden, wenn sie nach dem gleichen System zur Attestierung der Konformität des gleichen

78
EN 12101-6:2005 (D)

Bausatzes oder der Bausätze ähnlicher Bauart, Konstruktion und Funktionalität entstanden sind, so dass man
die Ergebnisse auf den betreffenden Bausatz anwenden kann.

16.3.4.5 Die Beurteilungen und deren Ergebnisse sind in einem Bericht zu dokumentieren.

16.3.5 Kontinuierliche Überwachung der werkseigenen Produktionskontrolle

16.3.5.1 Jede Werkstätte, die nach 16.3.4 beurteilt wurde, muss einmal jährlich neu beurteilt werden, außer
wie in 16.3.5.2 angegeben. In diesem Falle dient jeder Besuch der werkseigenen Produktionskontrolle zur
Überprüfung eines anderen Bausatzes oder Fertigungsvorgangs.

16.3.5.2 Im Falle der Zertifizierung durch Dritte kann die Häufigkeit der Neubeurteilung auf einmal alle vier
Jahre reduziert werden, wenn der Hersteller den Nachweis erbringt, dass seine werkseigene
Produktionskontrolle kontinuierlich zufrieden stellend ist.

ANMERKUNG 1 Ein ausreichender Nachweis kann der Bericht einer Zertifizierungsstelle sein, siehe 16.3.4.2 d).

ANMERKUNG 2 Wenn das gesamte Qualitätssicherungssystem nach EN ISO 9001:2000 gut implementiert ist
(nachgewiesen durch eine erste Beurteilung des Werks und der werkseigenen Produktionskontrolle) und kontinuierlich
durchgeführt wird (nachgewiesen durch QM-Audits), dann kann davon ausgegangen werden, dass der Teil gut überwacht
ist, der die werkseigene Produktionskontrolle betrifft. Auf dieser Basis wird die Arbeit des Herstellers gut überwacht, so
dass die Häufigkeit besonderer Überwachungsbeurteilungen von werkseigenen Produktionskontrollen reduziert werden
kann.

16.3.5.3 Die Beurteilungen und deren Ergebnisse sind in einem Bericht zu dokumentieren.

16.3.6 Verfahren im Falle von Änderungen

Wenn der Bausatz, das Fertigungsverfahren oder das werkseigene Produktionskontrollsystem geändert
wurde (was sich auf die angegebenen Eigenschaften auswirken könnte), dann müssen das Werk und das
werkseigene Produktionskontrollsystem auf jene Aspekte, die von der Änderung betroffen sein können, neu
beurteilt werden.

Die Beurteilungen und Ergebnisse sind in einem Bericht zu dokumentieren.

79
EN 12101-6:2005 (D)

Anhang A
(informativ)

Auslegungsvorschläge

A.1 Effektive Durchflussquerschnitte

A.1.1 Allgemeines

Ein paralleler Weg tritt beispielsweise auf, wenn alle Türen einer Treppe direkt in einen nicht druckbelüfteten
Bereich öffnen (Bild A.1).

Serielle Leckagewege treten auf, wenn es einen Zwischenraum gibt, in den Luft aus einem druckbelüfteten
Bereich fließt, bevor sie schließlich über andere Leckagewege in den nicht druckbelüfteten Raum entweicht.
Ein Beispiel hierfür ist ein einfacher Vorraum, der zwischen der Treppe und dem Nutzungsbereich liegt (Bild
A.2).

ANMERKUNG Diese Berechnungen gelten nur für die Leckagewege, bei denen der Wert R gleich ist (siehe A.3.1.1,
Anmerkung 1). Im Falle der Gleichung (A.4) sollte der Wert R 2 sein. Da jedoch die überwiegenden Leckagewege fast
ausnahmslos über Türen gehen werden, wird der Beitrag der Fensterleckage wahrscheinlich gering sein, und diese
Berechnung kann als eine angemessene Abschätzung verwendet werden, wenn die Fenster einen Teil eines
Leckageweges bilden.

A.1.2 Parallele Leckagewege

Der effektive Durchflussquerschnitt ist die Summe aller freien Durchflussquerschnitte:

Ae = A1 + A2 + A3 + A4 + ... + AN (A.1)

Der effektive Durchflussquerschnitt der vier parallelen Wege in Bild A.1 wird sein:

Ae = A1 + A2 + A3 + A4 (A.2)

A.1.3 Serielle Leckagewege

Der effektive Durchflussquerschnitt seriell ist:

1
"
( 1 1 1 1 % 2
Ae = && 2 ) 2 ) 2 ) ... ) 2 ## (A.3)
&A A2 A3 AN #$
' 1

Der effektive Durchflussquerschnitt der vier seriellen Wege in Bild A.2 ist:

1
"
( 1 1 1 1 % 2
& #
Ae = & 2 ) 2 ) 2 ) 2 # (A.3a)
' A1 A2 A3 A4 $

80
EN 12101-6:2005 (D)

Im Rahmen der Druckbelüftungsanalyse gibt es oftmals nur zwei serielle Wege, in welchem Falle gilt:

,
Ae = A1 A2 1 (A.4)
*
A12 ) +
A22 2

Bild A.1 — Parallele Leckagewege

Legende

P Druckbelüfteter Bereich

Bild A.2 — Serielle Leckagewege

A.1.4 Kombinationen aus seriellen und parallelen Leckagewegen

Die effektive Gesamtleckage von Kombinationen aus seriellen und parallelen Leckagewegen erhält man
üblicherweise, indem nacheinander einfache Gruppen von einzelnen Leckagen zu ihrem äquivalenten
einzigen Weg zusammengefasst werden (siehe hierzu Bild A.3 als Beispiel). Derartige Berechnungen gelten
ausdrücklich nur für Leckagewege, bei denen in der Gleichung (A.16) der Wert R = 2 beträgt (d. h. für Türen).
Sie dürfen jedoch für eine Näherungsrechnung benutzt werden, wenn die Fenster einen Teil eines seriellen
Leckageweges bilden.

A4 5 - A4 ) A5 (A.5)

81
EN 12101-6:2005 (D)

A9 10 - A9 ) A10 (A.6)

Folglich ist in Bild A.3

A1 , A2
A1 2 - (A.7)
*A +
1

1
2
)A 2 2
2

und in Bild A.3

A3 , A4 5
A3 5 - (A.8)
*A +
1
2
3 )A
2 2
45

und entsprechend bei A6 7 und A8 10

In Bild A.3 ist

A3 10 - A3 5 ) A6 7 ) A8 10 (A.9)

Die äquivalente Gesamtleckage aus dem druckbelüfteten Bereich ergibt sich aus

A1 2 , A3 10
A1 10 - (A.10)
*A +
1
2
12 )A 2
3 10
2

wie in Bild A.3 dargestellt.

82
EN 12101-6:2005 (D)

Legende

1 Druckbelüfteter Bereich

Bild A.3 — Kombination aus seriellen und parallelen Leckagewegen

83
EN 12101-6:2005 (D)

A.2 Berechnung der Leckage

A.2.1 Berechnung der Leckage über Fenster

Die Gesamtleckluftrate über Spalten um Fenster herum sollte mit Hilfe der folgenden Gleichung berechnet
werden:

1
QWindow - 0,83 , AW , P R (A.11)

Die effektive freie Gesamtdurchtrittsquerschnittsfläche für alle Fenster sollte mit Hilfe der in A.1 skizzierten
Methode berechnet werden.

Typische freie Durchtrittsquerschnitte für Fensterarten, die vermutlich in dem druckbelüfteten Raum
angetroffen werden, sind in Tabelle A.4 aufgeführt.

Tabelle A.1 — Werte von K

Ax/AG K

4 oder mehr 1

2 0,9

1 0,7

0,5 0,45

0,25 oder weniger 0,25

ANMERKUNG Der Wert von AG einschließlich Lüftungsgitter und/oder größere Zwischenräume für die Luftführung
sollten ebenfalls genommen werden, um den Wert von Qn zu berechnen, wenn der freie Durchtrittsquerschnitt größer ist
als die normale Gesamtfläche der Spalten.

A.2.2 Berechnung der Leckage über Fahrschachttüren

Wenn der Aufzugsschacht unabhängig druckbelüftet ist, dann kann angenommen werden, dass die Leckage
über diesen Weg unwesentlich ist.

Wenn der Aufzugsschacht nicht druckbelüftet ist, jedoch mit einem druckbelüfteten Vorraum oder einem
anderen Bereich verbunden ist, dann wird der Gesamtdurchfluss von den folgenden Leckagewegen abhängig
sein:

! zwischen den Vorräumen und dem Aufzugsschacht in allen Geschossen und

! zwischen dem Aufzugsschacht und der Außenluft.

Die folgende Gleichung kann genommen werden, um die Gesamtleckluftrate unter diesen Umständen zu
berechnen.

84
EN 12101-6:2005 (D)

1
"
( 1 1 % 2 1
QLd - 0,83 , && 2 ) 2 ## , PL2 (A.12)
' At AF $

Im Allgemeinen ist

At = NL , Ad (A.13)

Die obige Berechnung bezieht sich auf einen Aufzug, und es wird angenommen, dass dieser Aufzug
geschützt ist. Eine separate Berechnung muss für jeden Aufzug erfolgen.

Wenn sich zwei oder mehr Aufzüge in einem gemeinsamen Schacht befinden, ist es zum Zwecke der
Berechnung ausreichend, jeden Aufzug so zu behandeln, als ob er sich in einem eigenen Schacht befände.
Dabei sollte sich der Wert AF auf jeden einzelnen Aufzug beziehen (üblicherweise AF für den großen,
gemeinsamen Schacht, geteilt durch die Anzahl der Aufzüge in jenem Schacht).

A.2.3 Berechnung der Leckage über andere Bereiche, die maschinelle Abzugsanlagen
enthalten

Wenn Toiletten oder andere Bereiche, welche direkt mit dem druckbelüfteten Bereich verbunden sind,
maschinelle Abzugsanlagen enthalten, kann die Leckrate in diese hinein wie folgt berechnet werden:

! wenn der Absaugventilator in Betrieb ist, kann die Abluftgeschwindigkeit in Kubikmeter durch Sekunde
genommen werden oder

! wenn der Absaugventilator außer Betrieb ist, ermittelt werden durch:

QTn = Qn , K (A.14)

A.2.4 Berechnung der Leckage über andere Wege

Andere Kombinationen von seriellen und parallelen Leckagewegen können in anderen Situationen auftreten
wobei die obigen Methoden angewandt werden dürfen.

A.2.5 Berechnung der Leckage über geschlossene Türen

Der Gesamtleckluftrate über geschlossene Türen sollte mit Hilfe der folgenden Gleichung berechnet werden:

1
Q D - 0,83 , Ae , P R (A.15)

Der effektive freie Durchtrittsquerschnitt für alle Türen sollte mit Hilfe der in A.1 skizzierten Methode berechnet
werden.

Typische freie Durchtrittsquerschnitte für unterschiedliche Türarten, die wahrscheinlich als Abschluss zu
einem druckbelüfteten Bereich angetroffen werden, sind in Tabelle A.4 aufgeführt.

A.3 Luftströmung

A.3.1 Allgemeines

Die erforderliche Zuluft für ein Differenzdrucksystem wird durch die freien Durchtrittsquerschnitte festgelegt.
Die Zuluftanforderungen sollten für zwei Situationen berücksichtigt werden: Alle Türen geschlossen und alle
Türen geöffnet.

85
EN 12101-6:2005 (D)

A.3.2 Berechnung der Luftströmung

Wenn Luft durch eine Öffnung strömt, dann kann die Strömung als die Fläche der Begrenzung und dem
Differenzdruck über der Öffnung durch die folgende Gleichung ausgedrückt werden:

1
Q - 0,83 , Ae , P R (A.16)

ANMERKUNG Bei breiten Spalten, z. B. jene um Türen herum und große Öffnungen, kann für R der Wert 2 genommen
werden, jedoch bei schmalen Leckagewegen, die durch Spalten um Fenster herum gebildet werden, ist 1,6 ein
geeigneterer Wert für R.

Die in Tabelle A.2 angegebenen Strömungsgeschwindigkeiten und Differenzdrücke sind hergeleitet von der
Gleichung (A.16), wobei angenommen wird, dass R = 2 und 1 m² der Wert für Ae ist und zur schnellen
Bestimmung der Leckraten und Differenzdrücke um Türspalten herum und durch große Öffnungen verwendet
werden.

Tabelle A.2 — Strömungsgeschwindigkeit durch Spalten und große Öffnungen


Differenzdruck Luftströmungsgeschwindigkeit
Pa m/s

50 5,9

25 4,2

8,5 2,4

6 2,0

4 1,7

Die Leckluftrate ist primär eine Funktion der effektiven Fläche des Leckageweges und dem Differenzdruck
darüber.

Bei der Berechnung der Zuluft sollte von zwei Grundvoraussetzungen ausgegangen werden. Diese sind:

a) dass die identifizierten Leckagewege und die Bereiche, die für die Berechnungen angesetzt wurden, für
das Gebäude gelten werden, wenn es fertiggestellt ist,

b) dass es keine nicht identifizierten Leckagewege aus dem druckbelüfteten Bereich heraus gibt.

Das erforderliche Zuluftvolumen wird ermittelt durch Summieren der einzelnen Leckageraten über die in Bild
A.3 aufgeführten Wege a) bis e), unter Einkalkulieren einer Abweichung für Unsicherheiten in den Werten der
freien Durchtrittsquerschnitte, die angenommen wurden. Es wird aus Erfahrung empfohlen, dass die
Gesamtzuluftrate durch Hinzurechnen von mindestens 50 % zur berechneten Leckrate ermittelt werden sollte,
d. h.

QS - 1,5 , QDC (A.17)

QDC wird berechnet mit Hilfe der folgenden freien Durchtrittsquerschnitt für den zu berücksichtigenden Fall:

QDC - QD ) QWindow ) QLd ) QTM ) QOther (A.18)

86
EN 12101-6:2005 (D)

A.3.3 Berechnung der Leckage mit Türen, die zum Brandgeschoss hin geöffnet sind

Der Gesamtleckluftrate mit den Türen, die zum Brandgeschoss hin geöffnet sind, sollte unter Verwendung des
folgenden Verfahrens berechnet werden.

AVA sollte unter Verwendung des in A.4 skizzierten Verfahrens berechnet werden.

2
3 QDO 0
PUS - 1 . (A.19)
2 0,83 , AVA /
Nachdem nun der erforderliche Druck innerhalb des nicht druckbelüfteten Bereiches berechnet wurde, sollte
der Druck innerhalb des Vorraumes berechnet werden mit:

2
3 Q DO 2 0
PLOB - PUS ) 1 . (A.20)
2 0,83 , Adoor /
Der effektive freie Durchtrittsquerschnitt durch Bereiche außer der Feuerschutztür sollte nun mit Hilfe der in
dieser Norm angegebenen Verfahren berechnet werden. Nachdem dies gemacht wurde, sollte die
erforderliche Gesamtzuluft mit den Türen, die zum Brandgeschoss hin geöffnet sind, berechnet werden als
eine erste Korrektur:

: " 7
1

4 ( 1 1 % 24
QLOB - 0,83 , 9 Arem ) && 2 ) 2 ## 6 , PLOB
1/2
(A.21)
4 ' AVA Adoor $ 4
8 5
Die erforderliche Gesamtluft sollte nun unter Beachtung der Leitungsverluste berechnet werden.

QSDO - 1,15 , Qlob (A.22)

A.4 Entlüftungsanforderungen von den nicht druckbelüfteten Bereichen mit


geöffneten Türen

A.4.1 Allgemeines

Die Dimensionierung der Entlüftungseinrichtung basiert auf dem Nettovolumen der Druckluft, die in das
Brandgeschoss einströmt (ohne die Leckluft an die Atmosphäre über Aufzugschächte und Toiletten). Der
geeignete Luftvolumenstrom für die Bedingung „geöffnete Tür“ in Abschnitt 4 sollte für diesen Zweck
genommen werden. In den folgenden Berechnungen wird dieser Wert QDO genannt.

A.4.2 Berechnung der Anforderungen an die Abzugsfläche

Wenn besondere Abzüge erforderlich sind, sollte die effektive Gesamtfläche je Geschoss wie folgt ermittelt
werden:

QDO / AVA = 2,5 (A.23)

wobei QDO auf der erforderlichen Geschwindigkeit an der (den) Tür(en) zum Brandabschnitt basiert.

87
EN 12101-6:2005 (D)

A.4.3 Berechnung der Größe von vertikalen Entlüftungsschächten

Sofern nicht detaillierte Druckverlustberechnungen durchgeführt werden, sollten die Mindestgrößen des
Schachtes und der Abzüge, die für diesen Zweck zulässig sind, wie folgt sein:

AVS = QDO / 2 (A.24)

A.4.4 Berechnung der Anforderungen an den maschinellen Abzug

Die Abluftgeschwindigkeit je Geschoss sollte, wenn ein freier Weg durch geöffnete Türen zu dem
druckbelüfteten Bereich besteht, nicht niedriger sein als QDO m3/s.

Die obigen Luftabführungsspezifikationen basieren auf einem angenommenen Differenzdruck zwischen dem
Nutzungsbereich und der Außenluft von 10 Pa. Es ist jedoch möglich, die Strömungsgeschwindigkeit zu
erhöhen oder die erforderliche Abzugsfläche zu reduzieren, wenn der Differenzdruck zwischen dem
Nutzungsbereich und der freien Umgebung erhöht wird. Unter solchen Umständen ist es erforderlich, die
Leckluftrate nach der Gleichung A.16 zu beurteilen.

Wenn zwei oder mehr druckbelüftete Treppen oder Vorräume zum gleichen nicht druckbelüfteten Bereich hin
öffnen, dann sollte die Fläche des Überdruckventils je Geschoss die gesamte Luft, die aus den
druckbelüfteten Bereichen zum Geschoss fließt, widerspiegeln.

Wenn der nicht druckbelüftete Bereich in Büros oder ähnlichen Einheiten eingeteilt ist, dann sollten zwischen
der Tür zu dem druckbelüfteten Bereich und dort, wo die Aufteilung beginnt, Überdruckventile angeordnet
werden.

A.5 Berechnung der Fläche von Überdruckventilen, die im druckbelüfteten Bereich


erforderlich sind

A.5.1 Allgemeines

Wenn die benötigte Luftzufuhr zur Lieferung der erforderlichen Luftströmung, durch die geöffnete Tür in den
Brandraum hinein, größer ist als die Luftzufuhr zur Treppe oder zum Vorraum, die benötigt wird, um die
Differenzdruckanforderung zu erfüllen, dann wird sich ein Überdruck in Treppe (oder Vorraum) entwickeln,
wenn die Feuerschutztür geschlossen ist.

In diesem Fall ist ein druckbetriebenes Überdruckventil, Fläche Apv, aus dem druckbelüfteten Bereich heraus
vorzusehen, um sicherzustellen, dass die festgelegte Türöffnungskraft von 100 N nicht überschritten wird.

Dann ist:

Q fr ) Q P
Apv - 1
(A.25)
0,83 , 60 2

88
EN 12101-6:2005 (D)

A.6 Berechnung der Türöffnungskräfte

A.6.1 Allgemeines

Der maximale Differenzdruck an einer Tür in einen druckbelüfteten Bereich hinein sollte als eine Funktion der
Türkonfiguration mit Hilfe der folgenden Gleichung ermittelt werden:

2*100 " Fdc +*Wd " d +


P- (A.26)
D A , Wd

Falls während der Planung die zum Überwinden des Türschließers erforderliche Kraft nicht bekannt ist, darf
für Auslegungszwecke ein Höchstdifferenzdruck von 60 Pa angesetzt werden.

A.6.2 Leckluftdaten

Die in den Tabellen A.3 bis A.6 aufgeführten freien Durchtrittsquerschnitte dienen nur zur Anleitung. Freie
Durchtrittsquerschnitte sind im höchsten Maße von der Qualität der Ausführung abhängig und die
tatsächlichen Werte können von dem angegebenen Bereich abweichen.

89
EN 12101-6:2005 (D)

Tabelle A.3 — Luftleckraten von Türen

Freier Differenzdruck Leckluftrate


Art der Tür Durchtrittsquerschnitt
m2 Pa m3/s

Einflügelige Tür, die sich 0,01 8 0,02


in einen druckbelüfteten
Bereich öffnet 15 0,03

20 0,04

25 0,04

50 0,06

Einflügelige Tür, die sich 0,02 8 0,05


aus einem
druckbelüfteten Bereich 15 0,06
öffnet
20 0,07

25 0,08

50 0,12

Zweiflügelig 0,03 8 0,07

15 0,10

20 0,11

25 0,12

50 0,18

Fahrschachttür 0,06 8 0,14

15 0,19

20 0,22

25 0,25

50 0,35

90
EN 12101-6:2005 (D)

Tabelle A.4 — Luftleckraten von Fenstern

Fläche der Spalte in m2 Differenzdruck Leckluftrate


Art des Fensters
je m Länge Pa m3/s

Schwenkbar, keine 2,5 , 10-4 8 0,77 , 10-3


Fensterdichter
15 1,1 , 10-3

20 1,4 , 10-3

25 1,6 , 10-3

50 2,4 , 10-3

Schwenkbar, mit 3,6 , 10-5 8 0,11 , 10-3


Fensterdichter
15 0,16 , 10-3

20 0,19 , 10-3

25 0,22 , 10-3

50 0,34 , 10-3

Verschiebbar 1,0 , 10-4 8 0,30 , 10-3

15 0,45 , 10-3

20 0,54 , 10-3

25 0,62 , 10-3

50 0,95 , 10-3

91
EN 12101-6:2005 (D)

Tabelle A.5 — Luftleckraten für Wände

Verhältnis der
Bauelement Dichtigkeit der Wand Durchtrittsquerschnitte
ALW/AWALL

Außenwände des Gebäudes sehr hoch 0,7 , 10-4


(einschließlich Risse im Bauwerk,
Spalten um Fenster und Türen durchschnittlich 0,21 , 10-3
herum)
gering 0,42 , 10-3

sehr gering 0,13 , 10-2

Innenwände und Wände von sehr hoch 0,14 , 10-4


Treppenhäusern (einschließlich
Risse im Bauwerk, jedoch keine durchschnittlich 0,11 , 10-3
Spalten um Fenster und Türen
herum) gering 0,35 , 10-3

Wände von Aufzugsschächten nicht sehr hoch 0,18 , 10-3


(einschließlich Risse im Bauwerk,
jedoch keine Spalten um Fenster durchschnittlich 0,84 , 10-3
und Türen herum)
gering 0,18 , 10-2

Tabelle A.6 — Leckluftraten für Decken

Verhältnis der Leckagefläche


Bauelement Dichtigkeit der Decke zur Wandfläche
ALF/AFloor

Decken (einschließlich Risse im


Bauwerk und Spalten um durchschnittlich 0,52 , 10-4
Durchbrüche herum)

92
EN 12101-6:2005 (D)

Anhang B
(informativ)

Lösungen zur Erzielung der geplanten Differenzdrücke bei Problemen

Die folgende Anleitung bezieht sich speziell auf Druckbelüftungssysteme. Es gelten jedoch auch ähnliche,
entsprechend angepasste Grundsätze für Entlüftungsanlagen.

B.1 Die in dieser Norm empfohlenen Differenzdrücke sind dazu gedacht, die Auftriebswirkungen und
äußeren Windbedingungen während eines Brandes zu berücksichtigen. Falls Prüfungen durchgeführt werden,
wenn die äußeren Bedingungen starke Winde und Luftböen verursachen, kann das Erreichen des geplanten
Differenzdruckes unmöglich sein.

B.2 Wenn die Schornsteinwirkung einen wesentlichen Faktor darstellt, kann dies auf ein Mindestmaß
herabgesetzt werden, indem das Differenzdrucksystem für die Dauer von einer Stunde vor der Prüfung
betrieben wird, so dass sich die Außenluft und die Schachttemperaturen ausgleichen können.

B.3 Außer den äußeren Bedingungen gibt es drei Hauptgründe für das Unvermögen, die gewünschten
Differenzdrücke zu erzielen:

a) Unzureichende Luftzufuhr zum druckbelüfteten Bereich. Der erforderliche Differenzdruck wird nicht
erreicht, wenn die Luftzufuhr zum druckbelüfteten Bereich unzureichend ist. Es gibt zwei Methoden, um
die Luftströmung zu den druckbelüfteten Bereichen zu ermitteln:

i) die erste Methode besteht darin, die Gesamtluftzufuhr am Ventilator zu messen, die Leckage der
Leitungen abzuziehen und dann die verbleibende Luftströmung zu jedem Luftabführungsgerät
anzupassen, entsprechend den während der Inbetriebnahme durchgeführten Messungen.

ii) die zweite Methode besteht darin, die Luftströmung aus jedem Luftabführungsgerät zu messen.

Wenn die gemessene Luftströmung unter dem geplanten Wert liegt, dann sollten ausgewählte Türen,
welche die druckbelüfteten Bereiche von den entlüfteten trennen, geöffnet und die Luftströmung erneut
gemessen werden. Falls die Luftströmung sich bei geöffneten Türen erhöht, sollte eine Dichtheitsprüfung
der Leitungen durchgeführt und für Abhilfe gesorgt werden.

b) Zu hohe Leckage aus dem druckbelüfteten Bereich. Es ist wichtig, dass sich der Architekt und der
Bauunternehmer bewusst sind, dass die Konstruktion so luftdicht wie möglich sein muss.

Wenn der gemessene Differenzdruck niedriger ist als der geplante Wert, dann liegt es oftmals daran,
dass die Konstruktion die bei der Auslegung geplante Dichtigkeit nicht erreicht. Die Abdichtung aller
Durchbrüche durch den druckbelüfteten Bereich, z. B. Verbindungsleitungen, Rohre, Leitungen und
Beleuchtungen, sollte überprüft und ggf. verbessert werden. Ferner sollte die Passung der Türen und die
Spaltgrößen unter ihnen und der Einbau von abgehängten Unterdecken usw. überprüft werden.

Wenn die Leckage nicht das erwartete Niveau überschreitet, dann ist es erforderlich, die Zuluftrate zu
erhöhen und möglicherweise auch die Leckage aus den nicht druckbelüfteten Bereichen zu erhöhen.

c) Unzureichende Leckage von nicht druckbelüfteten Bereichen. Falls sich während der unter a)
beschriebenen Verfahren die Luftzufuhr zu den druckbelüfteten Bereichen erhöht, wenn die Türen
zwischen den druckbelüfteten Bereichen und nicht druckbelüfteten Bereichen geöffnet werden, dann ist
eine Leckage, die niedriger ist als die erwartete Leckrate von dem nicht druckbelüfteten Bereich,
wahrscheinlich die Ursache. Es sollte überprüft werden, dass die Lüftungsanlage, wie gewünscht, in allen
Geschossen funktioniert hat. Wenn diese normal arbeitet, dann kann es notwendig sein, weitere Abzüge
hinzuzufügen, um den Luftablass zu erhöhen.

93
EN 12101-6:2005 (D)

Anhang ZA
(informativ)

Abschnitte dieser Europäischen Norm, welche die


wesentlichen Anforderungen oder andere Bestimmungen der
Bauproduktenrichtlinie betreffen

ZA.1 Anwendungsbereich und maßgebende Merkmale


Diese Europäische Norm wurde unter einem Mandat erarbeitet, das dem CEN von der Europäischen
Kommission und dem Verband der Europäischen Freihandelszone erteilt wurde.

Die Abschnitte dieser Europäischen Norm, die in diesem Anhang aufgeführt sind, entsprechen den
Anforderungen des unter der EU-Bauproduktenrichtlinie (89/106/EEC) erteilten Mandats.

Die Übereinstimmung mit diesen Abschnitten stellt ein Mittel dar, um nachzuweisen, dass die in dieser
Europäischen Norm behandelten Bauprodukte für deren geplante(n) Verwendung(en) geeignet sind.

Dieser Anhang ZA behandelt Differenzdrucksystem-Bausätze nach Abschnitt 1 dieser Norm.

WARNHINWEIS — Weitere Anforderungen und andere EU-Richtlinien, welche nicht die Eignung für die
geplante(n) Verwendung(en) beeinflussen, könnten auf Bauprodukte anwendbar sein, die in den
Anwendungsbereich dieser Norm fallen.

ANMERKUNG: Zusätzlich zu den besonderen Abschnitten über gefährliche Substanzen in dieser Europäischen Norm
könnten andere Anforderungen für die Bausätze gelten, die unter deren Anwendungsbereich fallen (z. B. umgesetzte
europäische Rechtsvorschriften und nationale Gesetze, Regelungen und Rechtsvorschriften). Um die Bestimmungen der
EU-Bauproduktenrichtlinie zu erfüllen, müssen auch diese Anforderungen erfüllt werden, sofern sie Anwendung finden.
Eine Informationsdatenbank mit europäischen und nationalen Bestimmungen über gefährliche Substanzen gibt es auf der
Website EUROPA (zu erreichen über http://europa.eu.int/comm/enterprise/construction/internal/dangsub/dangmain.htm).

Bauprodukt: Differenzdrucksystem-Bausätze

Verwendungszweck: Lebensrettung

94
EN 12101-6:2005 (D)

Tabelle ZA.1 — Maßgebliche Abschnitte für Differenzdrucksystem-Bausätze

Abschnitte in dieser
Stufen und/oder
Wesentliche Merkmale Norm, welche die Anmerkungen
Klassen
Anforderung betreffen

Nominelle Aktivierungs- 11.4.2.1


bedingung/-empfindlichkeit 11.4.2.3
11.5.2.4

Ansprechverzögerung 11.4.2.4

Zuverlässigkeit im Betrieb 11 Außer 11.3.2.5, 11.6.1


und 11.6.4.1

Wirksamkeit der 5.2, 7, 8, 9 Außer 7.4.2.1, 8.2.1,


Absaugung von 8.2.4, 8.2.7, 8.2.8 und
Rauch/heißen Gasen 9.2.6

Leistungsparameter unter 6
Brandbedingungen

Leistung der 4, 5 Außer 4.3.2.4


Druckbelüftung

Feuerwiderstand — 11.8 Siehe prEN 13501-3


Raumabschlusswirkung E und prEN 13501-4

Feuerwiderstand — 11.8 Siehe prEN 13501-3


Wärmedämmung I und prEN 13501-4

Feuerwiderstand — 11.8, Anhang A Siehe prEN 13501-3


Rauchdurchlässigkeit und prEN 13501-4

Feuerwiderstand — 11.8
mechanische
Standsicherheit

Feuerwiderstand — 11.8
Querschnittserhalt

ZA.2 Verfahren zur Bescheinigung der Konformität von


Differenzdrucksystem-Bausätzen
Das in Tabelle ZA.1 aufgezeigte Konformitätsbescheinigungssystem für die Bausätze von Differenz-
drucksystemen, entsprechend des Beschlusses der Kommission, wie im Anhang III des Mandats angegeben,
zeigt Tabelle ZA.2 für die geplante(n) Verwendung(en) und entsprechende(n) Stufe(n) oder Klasse(n):

95
EN 12101-6:2005 (D)

Tabelle ZA.2 — Konformitätsbescheinigungssystem

Stufe(n) oder Konformitäts-


Produkt Geplanter Verwendungszweck
Klasse(n) bescheinigungssystem

Differenzdruck- Lebensrettung Siehe prEN 13501-3


system- und prEN 13501-4 1
Bausätze

System 1: Siehe Bauprodukten-Richtlinie, Anhang III.2(i), ohne Audit-Prüfung der Probekörper

Das Konformitätsbescheinigungssystem der Differenzdrucksystem-Bausätze in Tabelle ZA.1 muss auf den in


Tabelle ZA.3 aufgeführten Verfahren zur Bewertung der Konformität basieren, resultierend aus der
Anwendung der darin aufgeführten Abschnitte dieser Europäischen Norm.

Tabelle ZA.3 — Festlegung der Maßnahmen zur Bewertung der Konformität unter System 1

Abschnitte, die für


Maßnahmen Inhalt der Maßnahme die Bewertung der
Konformität gelten

Maßnahmen, für die der Werkseigene Parameter in Bezug auf


Hersteller verantwortlich Produktionskontrolle alle maßgebenden 16.3
ist Merkmale der Tabelle ZA.1

Maßnahmen, für die die Erstprüfung Alle maßgebenden


16.2
Produktzertifizierungsstell Merkmale der Tabelle ZA.1
e verantwortlich ist
Erstinspektion des Werkes Parameter in Bezug auf
und der werkseigenen alle maßgebenden 16.3
Produktionskontrolle Merkmale der Tabelle ZA.1

Laufende Überwachung, Parameter in Bezug auf


Beurteilung und Abnahme alle maßgebenden
16.3
der werkseigenen Merkmale der Tabelle ZA.1
Produktionskontrolle

ZA.3 CE-Kennzeichnung
Der Hersteller oder sein im europäischen Wirtschaftsraum ansässiger Vertreter ist für die Anbringung der CE-
Kennzeichnung verantwortlich. Das CE-Kennzeichen ist nach der Richtlinie 93/68/EC anzubringen und muss
auf der Verpackung oder den beiliegenden Handelsdokumenten (z. B. Lieferschein) zu sehen sein. Die
folgenden Informationen sind neben dem CE-Kennzeichen aufgeführt:

! Kennnummer der Produktzertifizierungsstelle;

! Name oder Kennung und eingetragene Anschrift des Lieferanten;

! die letzten beiden Ziffern des Jahres, in dem die CE-Kennzeichnung erfolgte;

! die Nummer des EG-Konformitätszertifikats;

96
EN 12101-6:2005 (D)

! eine Verweisung auf diese Europäische Norm (EN 12101-6);

! eine Beschreibung des Bausatzes;

! Informationen zur Identifizierung der Leistung (oder geplanten Leistung) des Bausatzes hinsichtlich der
entsprechenden wesentlichen Merkmale, die in Tabelle ZA.1 aufgeführt sind, durch Verweisung auf den
detaillierten Konstruktionsplan, den der Lieferant bereithalten muss, falls er nicht in den
Handelsdokumenten enthalten ist.

Bild ZA.1 zeigt ein Beispiel für die Informationen, die auf den begleitenden Handelsdokumenten anzugeben
sind.

0123

Firma X GmbH., Postfach 21, D — 12050

05

0123-CPD-2345

EN 12101-6

Differenzdrucksystem: Bausatz für eine


Entlüftungsanlage

Leistungsmerkmale gemäß dem Konstruktionsplan


Nr. XXX des Herstellers

Bild ZA.1 — Beispiel von Informationen bei der CE-Kennzeichnung

Zusätzlich zu den oben aufgeführten Informationen über gefährliche Stoffe sollte das Produkt Begleitpapiere
haben, wo und wenn erforderlich und in geeigneter Form, in denen alle anderen Gesetze über gefährliche
Stoffe aufgeführt sind, die erfüllt werden müssen, sowie alle Informationen, die jene Gesetze fordern.

ANMERKUNG Die europäische Gesetzgebung ohne nationale Abweichungen muss nicht erwähnt werden.

ZA.4 EG-Zertifikat und Konformitätserklärung


Der Hersteller oder sein im europäischen Wirtschaftsraum ansässiger Vertreter hat eine
Konformitätserklärung zu erstellen und aufzubewahren, welche zur Anbringung der CE-Kennzeichnung
bevollmächtigt. Diese Erklärung muss enthalten:

! Name und Anschrift des Herstellers oder seines im europäischen Wirtschaftsraum ansässigen und
bevollmächtigten Vertreters sowie der Produktionsort,

! Produktbeschreibung (Typ, Kennzeichnung, Verwendung) und eine Kopie der Informationen, welche die
CE-Kennzeichnung begleiten,

! Bestimmungen, mit denen das Produkt übereinstimmt (d. h. Anhang ZA dieser EN),

97
EN 12101-6:2005 (D)

! besondere Bedingungen, die für die Verwendung des Produkts gelten (falls erforderlich),

! Name und Anschrift (oder Kennnummer) der zugelassenen Zertifizierungsstelle(n),

! Name und Stellung der Person, die im Namen des Herstellers oder seines bevollmächtigten Vertreters
zur Unterzeichnung der Erklärung befugt ist.

Zusätzlich zu den obigen Informationen muss die Erklärung ein Konformitätszertifikat mit den folgenden
Informationen enthalten:

! Name und Anschrift der Zertifizierungsstelle,

! Zertifikatnummer,

! Bedingungen und Geltungsdauer des Zertifikats, soweit zutreffend,

! Name und Stellung der Person, die zur Unterzeichnung des Zertifikats befugt ist.

Sowohl die Erklärung als auch das Zertifikat müssen in der (den) Sprache(n) des Mitgliedslandes, in dem das
Produkt verwendet wird, vorgelegt werden.

98
EN 12101-6:2005 (D)

Literaturhinweise

[1] prEN 1991-1-4, Eurocode 1 — Einwirkungen auf Tragwerke — Part 1-4: Allgemeine Einwirkungen —
Windlasten

[2] CR 12101-5, Rauch- und Wärmefreihaltung — Part 5: Funktionelle Anforderungen und


Rechenverfahren für Rauch- und Wärmeabzugsanlagen

[3] EN 12101-2, Rauch- und Wärmefreihaltung — Part 2: Festlegungen für natürliche Rauch- und
Wärmeabzugsgeräte

[4] EN 12101-3, Rauch- und Wärmefreihaltung — Part 3: Bestimmungen für maschinelle Rauch- und
Wärmeabzugsgeräte

[5] prEN 12101-8, Rauch- und Wärmefreihaltung — Part 8: Festlegungen für Entrauchungsklappen

[6] ISO 8528, Requirements for generating plant

99