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Fachspezifisches Praktikum Mikro- und

Nanomaterialien
Zugversuch mit einem Laser Speckle
Extensometer als Dehnungssensor
Andreas Grill
Betreuer: Dr. Martin Lederer

1 Theorie
Eine lang bekannte Methode zur Verfestigung von Metallen ist die Verringe-
rung der mittleren Korngröße. Nach der Hall-Petch-Beziehung wächst näml-
lich die Streckgrenze mit kleiner werdenden Körnern.

k
σs = σ0 + √ (1)
d
wobei σs die Streckgenze (Spannung bei der die plastische Verformung
0.2 % beträgt), σ0 und k Materialkonstanten und d die mittlere Korngröße
ist.
Während die Festigkeit des Stoffes steigt sinkt jedoch oft auch die Duk-
tilität. Einen Stoff zu finden der sowohl fest als auch duktil ist, ist das Ziel
vieler Compoundmaterialien. Nanostruktiurierte Materialien können einen
anderen Zugangspunkt zu diesem Problem darstellen.

2 Experiment
In dem durchgeführten Experiment wurden auf zwei Arten präparierte Cu-
Folienproben verwendet. Zwei Probenstreifen (669 und 671) wurden durch
elektrolytische Abscheidung hergestellt. Streifen 670 wurde zusätzlich noch
für 45 min bei 600◦ C ausgeheilt wodurch die Korngröße vermutlich wieder
zugenommen hat.

2.1 Messaufbau
Der Messapparat (Abb. 1) besteht aus einer Zugmaschine in die die Streifen
eingehängt wurden und einem Laser Speckle Extensometer bestehend aus
zwei Lasern und jeweils einer dazugehörigen CCD-Kamera. Die Auswertung

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der Speckle-Bilder erfolgte auf einem PC. Die Kraft wurde mit einer Kraft-
messdose gemessen und das Querhaupt (unterer Balken) übt die Kraft auf
die Probe aus.
Die Dicke der Proben wurden mit einem Messtaster der Firma Heidehain mit
0,047 mm bestimmt. Die Breite der Streifen mit einer Schublehre abgemessen
wobei alle drei Proben eine Breite von 10 mm hatten.

Abb.1 Aufbau

Feinste Unebenheiten auf dem Probenstreifen füren zu einem Interferenz-


muster (S̈peckles¨), welches von den CCD-Kameras aufgenommen wird. Bei
Verlängerung der Probe durch Kraftanwendung wandert das Interferenzbild
mit der Probenstelle mit. Diese Bewegung wird vom PC ausgewertet und
direkt als Längenänderung ausgegeben.

2.2 Durchführung
Es wurden zwei feinkörnige (669,671) und eine grobkörnige (670) Probe in
die oben beschriebene Halterung gespannt. Dann wurde eine Vorspannung
von 10 N angelegt um den Probestreifen zu spannen und anschließend allfäl-
lige optische Einrichtungen vorzunehmen. Danach wurde der Balken (Abb. 1
- 3 ) kontinuierlich nach unten bewegt. Bei einer Verformung von etwa 0.3%
wurde der Balken kurz nach oben bewegt um anschließend wieder kontinu-
ierlich gesenkt zu werden. Die Steigung der dabei gemessenen Kurve diente
zur Ermittlung des Elastizitätsmoduls. Dieser Vorgang wurde zwei bis drei
mal pro Probe an unterschiedlichen Verformungsgraden wiederholt. Danach
wurde die Probe bis zur Bruchspannung belastet.

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Es ist leider nur die Probe 671 mittig gerissen. Die beiden anderen sind we-
gen nicht optimaler Probeneinspannung entweder in der Halterung gerissen
oder gerutscht.

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2.3 Ergebnis
Als Ergebnis folgen nun die wahren Spannungs-Dehnungs-Diagramme. Im
Unterschied zum technischen Spannungs-Dehnungs-Diagramm wurde bei der
Berechnung der Spannung nicht der Anfangsquerschnitt sondern der berech-
nete momentane Querschnitt verwendet. Dieser wurde aus der Annahme
abgeleitet, dass das Volumen der Probe bei der Verformung konstant bleibt.
Zusätzlich könnte man die x-Achse also die Dehnung logarythmisch auftra-
gen. Das wurde hier jedoch nicht getan.

Abb.2 wahre Spannungs-Dehnungskurve der Probe 669

Abb.3 wahre Spannungs-Dehnungskurve der Probe 671

Vergleicht man Abb. 4 mit Abb. 2 und 3 so sieht man leicht, dass die
Spannungswerte bei den nicht ausgeheilten Proben (Abb. 2 und 3) in einem

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Breich liegen, der etwa 4 mal größer ist als der bei der ausgeheilten Probe.
Die zweite Tatsache die auffällt ist, dass das Material bei Abb. 3 bei etwa
4, 5% Verformung reißt während bei der ausgeheilten Probe in Abb. 4 die Ma-
ximale Verformung 8% beträgt. Das heißt, dass die Duktilität der Probe 670
höher war als die der Probe 671. Das beruht einerseits auf dem Unterschied
in der Korngröße, andererseits auf einer geringeren Zahl von Versetzungen,
welche beim Ausheilen ebenfalls dezimiert wurden.

Abb.4 wahre Spannungs-Dehnungskurve der Probe 670

2.3.1 Streckgrenze
Um die Streckgrenzen zu bestimmen wurden die Streifen langsam kontinu-
ierlich entlastet und dabei die Spannungs-Dehnungs-Kurven aufgenommen.
Die in Abb. 5-7 eingezeichneten Geraden dienen als Hilfslinien zur Rückrech-
nung bis zur vollständigen Entlastung. Die Frage ist nämlich von welchem
Punkt der Kurve (von welcher Spannung) man entlasten muss um eine Rest-
verformung von 0, 2% zu erzielen.
Zusätzlich dient die Steigung der Geraden zur Bestimmung des E-Moduls
nach folgender Formel.
σ
E= (2)

wo

∆l
= (3)
l0

Die ermittelten Werte betragen 75, 25 GP a für Streifen 669, 82, 31 GP a für
670 und ebenfalls 82.31 GP a für Probe 671.

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Abb.5 wahre Spannungs-Dehnungskurve der Probe 669 mit einer Hilfslinie zur
Bestimmung der Streckgrenze

Abb.6 wahre Spannungs-Dehnungskurve der Probe 671 mit einer Hilfslinie zur
Bestimmung der Streckgrenze

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Abb.7 wahre Spannungs-Dehnungskurve der Probe 670 mit einer Hilfslinie zur
Bestimmung der Streckgrenze

Die Tabelle mit den Werten für die Streckgrenzen bestätigt die Hall-
Petch-Beziehung, dass nämlich bei geringeren Korngrößen (669 und 671) die
Streckgrenze größer ist als bei grobkörnigem Material (670).

Probe Streckgrenze (MPa) E-Modul (GPa)


669 147 75,25
670 36 82,31
671 146 82,31