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Akademie -Lehrgang Hygiene, Prophylaxen, Standards

Prophylaxen
Definition: Prophylaxe
Maßnahme zur Vorbeugung von Schäden

1. Dekubitusprophylaxe

Was ist ein Dekubitus?

- Druckgeschwür
- Eine durch länger anhaltenden Druck entstandene Schädigung der Haut und des
darunterliegenden Gewebes (Pflege Heute 2011: 363)
- Die Entstehung kann meist durch pflegerische Maßnahmen vermieden werden

Welche Faktoren sind für die Entstehung eines Dekubitus verantwortlich?

- Druck (Kraft pro Fläche):


o Druck von außen (Matratze, Falten, ungepolsterte Schienen)
o Druck von innen (Knochen ohne Muskel- oder Fettpolster)
o Scherkräfte =Reibung auf der Unterlage (beim Sitzen oder Herabrutschen)
- Druckdauer (Zeit) und Druckstärke (Intensität):
o Beeinflusst durch Härte der Unterlage, Körperposition, Mobilität,
Körpergewicht, Hautfeuchtigkeit, Schmerzempfinden
- Gewebetoleranz für Druck und Sauerstoff (Druckempfindlichkeit)
o Fähigkeit der Haut, den Druck ohne Schäden zu ertragen
o Fähigkeit für die Druckverteilung geringer z. B.:
im Alter, bei Dehydratation, bei Glukokortikoidtherapie
o oder: unzureichende Sauerstoffversorgung z. B.: bei Fieber

 erst wenn ein gewisser Druck über einen längeren Zeitraum


bei einem dekubitusgefährdeten Patienten besteht, kommt es
zur Schädigung der Haut

Vorgang der Entstehung eines Dekubitus:


- Druckeinwirkung
 Abdrücken der Kapillaren, Minderdurchblutung des Gewebes
 Versorgung durch Nährstoffe und Sauerstoff unterbrochen, CO2 bleibt im Gewebe
- Druckdauer
 bei längerem Sauerstoffmangel: Absterben der Zellen = Gewebetod, Nekrose

Welche Risikofaktoren/Risikogruppen gibt es für Dekubitus?

- Patienten mit Vorschädigung bei Haut und Gewebe (durch Feuchtigkeit, Fieber,
Inkontinenz, Adipositas  starkes Schwitzen)
- Patienten mit verminderter Haut- und Gewebedurchblutung (bei Anämie,
Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus, AVK, Rauchern)
- Weitere Störungen: Scherkräfte, reduzierter AZ, Immobilität,
Sensibilitätsstörungen

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An welchen Stellen am Körper entsteht besonders häufig ein Dekubitus?

Körperstellen mit nur wenig Muskulatur und Unterhautfettgewebe zwischen Haut und
Knochen:
- Rückenlage: v.a. Kreuz- und Steißbein, Fersen
- Seitenlage: v.a. Ohrmuscheln, Trochanter major (großer Rollhügel), Knie,
Ellenbogen
- Im Sitzen: v.a. Fersen, Sitzbeinhöcker, Hinterkopf
- In Bauchlage: v.a. Stirn, Ellenbogen, Beckenknochen, Rippen, Kniescheibe

Welche Skalen verwenden Pflegende zur Einschätzung des Dekubitusrisikos?


 siehe: Pflege Heute 2011: 365-367

- Braden-Skala (im Expertenstandard Dekubitusprophylaxe empfohlen)


- Norton-Skala

Welche Schweregrade eines Dekubitus gibt es?


(nach Expertenstandard: Klassifikation UPUAP - European Pressure Ulcer Adversory Panel)

Grad I: Umschriebene Rötung bei intakter Haut


Anzeichen: Ödembildung, Verhärtung, lokale Überwärmung

Grad II: Flaches Geschwür der Epidermis und von Teilen


der Dermis
Anzeichen: Teilverlust der Haut, oberflächliche
Schädigung, Blase, Hautabschürfung, flaches Geschwür

Grad III: Schädigung aller Hautschichten und von Teilen der


Subkutis, teilweise nekrotisch
Anzeichen: tiefes, offenes Geschwür; bis zur Faszie

Grad IV: Ausgedehnte Zerstörung aller Hautschichten mit


Muskel und Knochenbeteiligung

Welche Maßnahmen dienen zur Vorbeugung eines Dekubitus (Dekubitusprophylaxe)?

Frühzeitiges Erkennen der Dekubitusgefahr


- Hautbeobachtung bei Körperpflege und Lagerung
- Fingertest: Druck auf gerötetes Hautareal  bei Wegnahme des Fingers keine
Weißfärbung der Haut, Rötung bleibt bestehen  Dekubitus Grad I
- Regelmäßige Einschätzung des Risikos (mit Skalen)
- Erkennen von veränderten Situationen/Gegebenheiten (z. B. OP, Fieber)

Mobilität erhalten und fördern: Druckentlastung und -reduzierung


- Bewegungsförderung
Ziel: Verteilung von Druck, Verbesserung der Hautdurchblutung
o Aufstellen eines Bewegungsplans
o Bewegungsübungen, Eigenbewegung fördern, Scherkräfte vermeiden
o Umfasst auch kleinste Bewegungen, auch in Stuhl und Bett (z. B.
o Mikrolagerung, 30°-Lagerung)
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- Lagewechsel
Ziel: vollständige Druckentlastung einzelner Hautbezirke
o Freilagerung z. B. der Fersen
o 30°-Seitenlagerung, Bauch- bzw. 135°-Lagerung  v.a. Gesäßentlastung
- Bewegungshilfsmittel
Ziel: Druckentlastung bei unzureichender Bewegungsförderung
o Weichlagerung durch Antidekubitus-/Wechseldruckmatratzen oder
Gelauflagen  Vergrößerung der Auflagefläche, Druckreduktion
o ACHTUNG: Bewegungseinschränkung, Hemmung der
Selbstwahrnehmung, kein Ersatz für regelmäßige Lagerung

Patienten informieren und zur Mitarbeit motivieren


- Aufklärung über Dekubitusentstehung, vorbeugendes Verhalten, Förderung der
Eigenbewegung, Verwendung von druckreduzierenden Hilfsmitteln und
Erkennung von Dekubitus Grad I
- Motivation zur Mobilität und aktiver Mitarbeit
- Angehörige in die Betreuung einbeziehen

Hautpflege optimieren
Ziel: Förderung der Gewebetoleranz, Risiko reduzieren  nicht: Dekubitus verhindern!
- Kühles Wasser
- Rückfetten mit Wasser in Öl (W/O)-Emulsionen
- Intertrigo-Behandlung und Inkontinenzversorgung  feuchte Haut vermeiden

Ernährung anpassen
Ziel: Förderung der Gewebetoleranz, Risiko reduzieren  nicht: Dekubitus verhindern!
- Bei Ernährungsdefizit: mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit, eiweißreiche Ernährung
- Bei Adipositas: Reduktionskost

WICHTIG: Kontinuierliche Durchführung der Maßnahmen

Maßnahmen bei bestehendem Dekubitus:


- Wunddokumentation evtl. mit Fotos: Körperstelle, Schweregrad, Durchmesser,
Größe, Wundrand und Wundumgebung, Geruch, Entzündungszeichen, Sekret
- Druckentlastung durch Bewegung, Lagerung und Hilfsmittel
- Vollwertige Ernährung unterstützt die Wundheilung und senkt Infektionsrisiko
- Wundversorgung mit hydroaktiver Wundversorgung (ab Grad II)

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2. Pneumonieprophylaxe
Was ist eine Pneumonie / Pneumonieprophylaxe?

- Lungenentzündung (weiter gefasst: Atemweginfekt, Atembeeinträchtigung)


- Pneumonieprophylaxe umfasst alle Maßnahmen, mit denen eine
Atembeeinträchtigung erkannt und verhütet werden kann.
- Pneumonieprophylaxe soll eine Minderbelüftung der Lunge, Atelektasen
(Verlegung der Atemwege) und sekundäre Pneumonien (Lungenentzündung
infolge eines anderen Krankheitsgeschehens) vorbeugen.

Welche Bewohner/ Patienten sind besonders gefährdet (Risikogruppe)?


- Bettlägerige und immobile Patienten
- Alter über 65 Jahre oder Kinder unter einem Jahr
- Bei schwerer Grunderkrankung oder Abwehrschwäche
- Bei bestehenden Lungen- oder Herzerkrankungen  Sekretstau
- Nach chirurgischen Eingriffen im Brust- u. Bauchraum  Schmerzbed.
Schonatmung
- Während oder nach Beatmung
- Mit eingeschränktem Bewusstsein oder Bewusstlosigkeit  Aspiration
- Raucher

Vorgang der Entstehung einer Pneumonie:


- Bettlägerigkeit, Bettruhe, Mobilitätseinschränkung  fehlender Lagewechsel
 Minderbelüftung der Lunge  Mangeldurchblutung
 Reduktion des Atemvolumens
 Kollabieren (Zusammenfallen) der Alveolen (Lungenbläschen)
 Bildung von Atelektasen (Nährboden für Bakterien)
 Sekretstau
 Pneumonie

Welche Skala verwenden Pflegende zur Einschätzung des Pneumonierisikos?


- Atemskala nach Christel Bienstein

Welche Maßnahmen zur Vorbeugung einer Pneumonie gibt es


(Pneumonieprophylaxe)?

Belüftung der Lunge verbessern


- Atemübungen, Atemgymnastik
o Den Patienten zum tiefen Durchatmen anregen
o Kontaktatmung: gezielte Atmung in die Lungenspitzen und wenig
belüfteten Lungenabschnitte durch Auflegen der Hände auf die jeweilige
Lungenregion
o Den Patienten gegen einen Widerstand atmen lassen: z. B. Aufpusten
eines Luftballons
o Dosierte Lippenbremse: Ausatmung durch leicht aufeinanderliegende
Lippen
o Atemübungen mit dem SMI-Trainer: Triflow/ Monoflow – bei Einatmung
Ball im Gerät in der Schwebe halten oder eine Markierung erreichen 
Pflege Heute 2011: 307
- Frühmoblisation

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o Je nach Zustand: Aufsetzen, Aufstehen, vor dem Bett auf der Stelle
treten…

- Atemstimulierende Einreibung  Pflege Heute 2011: 309-310

- Atemunterstützende Lagerung
o Oberkörperhochlagerung (v. a. bei Dyspnoe)
o V-A-T-I-Lagerung  Pflege Heute 2011: 309
o Dehnlagerung  Pflege Heute 2011: 309
o Kutschersitz: beim Sitzen am Bettrand oder auf
dem Stuhl, Arme auf den Oberschenkeln stützen

Sekretfluss verbessern
- Inhalation
- Einreibung mit ätherischen Ölen
- Flüssigkeitszufuhr

Sekret lösen und entleeren


- Abklopfen und Vibration
- Sekret absaugen
- Techniken zum Abhusten von Sekret  Pflege Heute 2011: 314-315
- Verwendung von VRP-Geräten: Atmung gegen einen wechselnden
Widerstandsdruck
- Drainagelagerung  Pflege Heute 2011: 314

Weitere Maßnahmen
- Patienten über die Entstehungsmechanismen der Pneumonie informieren und ihn
zur Mitarbeit motivieren
- Mobilisation

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3. Thromboseprophylaxe
Was ist eine Thrombose bzw. Thromboseprophylaxe?

- Blutpfropfbildung, lokale Gerinnung in einem Blutgefäß, intravasal (= in arteriellen


und venösen Gefäßen möglich)
- Häufig: tiefe Beinvenenthrombose mit lebensbedrohlicher Gefahr der
Lungenembolie
- Thromboseprophylaxe sind alle vorbeugenden Maßnahmen, die die Entstehung
von Thrombosen im venösen System, v. a. in den tiefen Venen, verhindern.

Welche Faktoren sind für die Entstehung einer Thrombose verantwortlich?

Alle Risikofaktoren werden drei Hauptursachen zugeordnet, die sogenannte Virchow-Trias:

o Verlangsamte Blutströmung
o Gefäßwandschäden
o Erhöhte Gerinnungsneigung

Häufige Risikofaktoren:
- Für verlangsamte Blutströmung:  Anlagerung der Thrombozyten an
Venenwand
o Immobilität, Lähmung
o Gipsverband, Schienenlagerung, schmerzbedingte Schonhaltung
o chronisch-venöse Insuffizienz

- Für Gefäßwandschäden:  Auslösen einen Thrombozytenaggregation an der


Gefäßinnenwand (Zusammenballen der Blutplättchen)
o Traumatisch durch Verletzung, Quetschung, Fraktur oder Operation
o Degenerativ durch altersbedingte Veränderung der Beinvenen, Varikosis
o Entzündlich durch Venenentzündung (Phlebitis)

- Für erhöhte Gerinnungsneigung:  Blut gerinnt schneller


o Hoher Flüssigkeitsmangel oder -verlust bei Erbrechen, Verbrennungen,
Diuretika-Einnahme
o Pathologische Zellvermehrung
o Vermehrung der Blutgerinnungsfaktoren z. B. nach Operationen
o Einnahme bestimmter Medikamente z.B. Ovulationshemmer

Welche Patienten/Bewohner sind besonders thrombose-gefährdet (Risikogruppe)?

- Hohes Lebensalter
- Immobilität
- Adipositas
- Thrombosen oder Embolien in der Vergangenheit
- Schwangerschaft und Wochenbett
- Raucher
- Menschen mit Varizen
- Frauen mit Einnahme von hormonellen Antikonzeptiva (Pille)

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Welche Symptome können bei einer Thrombose auftreten?


- Phlebothrombose häufig symptomarm!
- Umfangzunahme/Schwellung und bläulichrote Verfärbung der betroffenen
Extremität
- Überwärmung der Haut, ziehende oder krampfartiger Schmerz, Wadenschmerz

Welche Maßnahmen vor Vorbeugung einer Thrombose gibt es


(Thromboseprophylaxe)?

- Venösen Rückfluss erhalten und fördern


o (Früh-)mobilisation
o Atemübungen  Bauchatmung fördert den venösen Rückfluss
o Bewegungsübungen zum Einsatz von Fuß- und Beinmuskulatur z.B. Füße
anziehen und strecken, Zehen einkrallen, Füße kreisen, Kniekehlen auf
die Unterlage drücken

- Unterstützende Lagerung
o Beine leicht hochlagern (max. 20-30cm über der Waagrechten)

- Venen ausstreichen

- Venenkompression  Druck von außen verengt das Gefäßlumen  schnellerer


Blutfluss
o Durch medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe (MTS)
o Kompressionsverband  Pflege Heute 2011: 331 – 332

- Heparinisierung
o Low-dose-Heparinisierung per s.c.-Injektion

- Patienten informieren und motivieren


o Information über Thrombosegefahr und prophylaktisches Verhalten
o Motivation zur Durchführung von prophylaktischen Maßnahmen

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4. Sturzprophylaxe
Was ist Sturzprophylaxe?

- Alle Maßnahmen zur Vorbeugung von Stürzen und sturzbedingte Verletzungen.

Welche Faktoren tragen zur Entstehung eines Sturzes bei?

Intrinsische Faktoren:
- Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates
(Osteoporose, Arthrose, Muskelatrophie)
- Neurologische Ausfälle
(Apoplex  Parese/Plegie; Demenz/Parkinson  Gangstörung; Diabetes mellitus 
Sensibilitätsstörung)
- Herz-, Kreislauferkrankungen
(Gleichgewichtsstörungen, Kreislaufversagen, Hypotonie)
- Sehstörungen (mangelnde Sehschärfe, Gesichtsfeldeinschränkung)
- Bewusstseinsstörungen (psychiatrische Erkrankungen, Hirnblutungen)
- Medikamente: Psychopharmaka, Antihypertensiva

Extrinsische Faktoren / Umgebungsfaktoren:


- Stolperfallen (Türschwellen, rutschige Böden, herumstehende Pflegeutensilien)
- Lichtverhältnisse (schlecht erreichbare Lichtschalter, schlechte Lichtverhältnisse)
- Kleidung (rutschende Schuhe, zu lange Kleidung)
- Hilfsmittel (fehlende Haltegriffe und Handläufe, nicht gesicherte
Sitzgelegenheiten, hohe Betten, Fixierungseinrichtungen / Bettgitter)
- Pflegeverhalten (Stress/ ungeduldiges Verhalten, langes Warten auf
Pflegepersonal z.B. für Toilettengang, Klingel nicht in Reichweite, Alleinlassen in
fremder Umgebung)

Welche Merkmale sind typisch für besonders sturzgefährdete Patienten?

- Alter über 65 Jahre


- Einnahme von mehr als vier verschiedenen Medikamenten
- Reduzierter Allgemeinzustand
- Körperliche Behinderung
- Wahrnehmungsstörungen
- Sehstörungen
- Immobil und inaktiv
- Post-Fall-Syndrom (Angst vor neuen Stürzen  Gangunsicherheit  erneuter
Sturz)

Wie schätzen Pflegende das Sturzrisiko von Bewohnern/Patienten ein?

- Erfragen von Sturzvorgeschichte in der Pflegeanamnese


- Personenbezogene und umgebungsbedingte Risiken erfassen
- Dokumentieren und Analysieren von Stürzen in Sturzprotokollen
- Expertenstandard

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Welche Maßnahmen der Sturzprophylaxe gibt es?

- Bei Aufnahme ins Krankenhaus/Pflegeheim:


o Räumlichkeiten zeigen, auf Stufen hinweisen
o Zum Umgang mit Geräten anleiten (z.B. Laufen mit
Infusionsstände/Drainagen)
o Rufanlage und Lichtschalter in Reichweite anbringen (auch am Tisch/im
Bad)
o Veränderungen im Zimmer morgens vornehmen
o Reaktionen auf Arzneimittel überwachen
o Transfers einüben

- Mobilität wiederherstellen
o Förderung der Körperwahrnehmung
o Bewegungsübungen, Gymnastik, Gehtraining, Kraft- und Balancetraining

- Hilfsmittel einsetzen
o Geeignetes Schuhwerk mit guter Passform und rutschsicherer Sohle
o Gehhilfen (Gehstöcke, Rollator, Aufstehhilfe), Anleitung zum Gebrauch
o Brillen und Hörgeräte einsetzen und auf Funktion/Reinigungsbedarf prüfen
o Inkontinenzhilfsmittel individuell anpassen
o Hilfsmittel zur Sturzprävention (Greifzangen, Schuhlöffel) einsetzen

- Umgebungsbedingungen verbessern
o Für ausreichend Licht sorgen für Orientierung in fremder Umgebung, v. a.
verstärkte Nachtbeleuchtung
o Für geeignete Halt- und Stützmöglichkeiten sorgen (Patientenzimmer,
Toilette, Bad, Balkon), sichere Haltemöglichkeit an Möbeln (Bremse!)
o Rutschfeste Matten in Duschen oder Badewannen

- Medikamentenauswahl und -dosierung planen (v. a. Gefahr der Überdosierung


bei alten Menschen berücksichtigen)

- „Bodenpflege“: Auslegen des Zimmers mit begehbaren Matratzen (statt


Bettgitter)

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5. Intertrigoprophylaxe
Was ist Intertrigo?

- Wundsein, Wolf, intertriginöses Ekzem


- Roter, juckender und nässender Hautdefekt in einer Hautfalte

Entstehung von Intertrigo:


- Ansammlung von Schweiß in den Hautfalten
 Aufweichen der Haut (Mazeration), Aufscheuern durch Bewegung
 Vermehrung von Pilzen und Bakterien in feuchter Wärme

An welchen Körperstellen tritt Intertrigo häufig auf?

- An Körperstellen, wo Haut auf Haut liegt


o Unter den Brüsten (bei Frauen)
o Unter den Hoden (bei Männern)
o In Bauchfalten
o In der Leiste
o An den Innenseiten beider Oberschenkel
o In der Analfalte und in der Dammregion

Welche Risikofaktoren begünstigen Intertrigo?

- Hyperhidrosis (= starkes Schwitzen) z. B. bei Fieber, Adipositas, Apoplex


- Inkontinenz  zusätzliche Hautschädigung durch Urin oder Diarrhoe, wenig Luft
an Haut durch Plastikfolien an Inkontinenzversorgungsmaterialien
- Falsche Hautpflege (Seifen, langes und heißes Baden, chemische Zusätze)
- Bettlägerigkeit  Schweiß kann durch Bewegungsmangel nicht verdunsten,
feuchte Kammern durch Lähmungen und Kontrakturen

Welche Patienten/Bewohner sind besonders für Intertrigo gefährdet?

- Mit Stuhl- und/oder Urininkontinenz


- Mit Krankheiten, die mit Schwitzen einhergehen (fieberhafte Erkrankungen,
Apoplex, Morbus Parkinson, Adipositas)
- Mit starken Bewegungseinschränkungen (Bewusstlose, bei Kontrakturen, bei
spastischen Lähmungen, bei Bettlägerigen mit schlechtem AZ)

Welche Maßnahmen zur Vorbeugung von Intertrigo (Intertrigoprophylaxe) gibt es?

- Hautbeobachtung: Dreimal täglich bei gefährdeten Hautstellen

- Hautpflege optimieren:
o Zweimal täglich intertrigogefährdete Stellen mit klarem Wasser waschen
o Keine Seife oder Reinigungsmittel verwenden
o Kühle Wassertemperatur bis zu 10°C unter Körpertemperatur 
Reduktion der Schweißbildung und Anregung der Hautdurchblutung
o Sorgfältig und vorsichtig abtrocknen, nicht reiben – sondern tupfen
o Hautschutz: nur W/O-Emulsionen, kein Deodorant oder Parfum benutzen

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- Hautatmung ermöglichen:
o Nach Möglichkeit Luft in die Hautfalte lassen: Arme und Beine etwas
entfernt vom Körper lagern
o Kompressen, Baumwollläppchen in die Hautfalten einlegen
o atmungsaktive Kleidung und Bettwäsche (Baumwolle), bei Bedarf
wechseln
o Inkontinenzversorgung darf die Hautatmung nicht behindern (ohne
Plastikfolie, feuchte Inkontinenzeinlagen sofort wechseln,
Kontinenzförderung)

- Nach Arztanordnung antimykotische Salbe dünn auftragen und einmassieren

- Patienten informieren und zu vorbeugendem Verhalten motivieren

6. Soor- und Parotitisprophylaxe


Was bedeuten die Begriffe „Soor“ und „Parotitis“?

- Soor (Candidose): Befall der Mundschleimhaut mit dem Hefepilz Candida


albicans, Ausbreitung auf den Verdauungstrakt und die Atemwege möglich.

- Parotitis: Entzündung der Ohrspeicheldrüse, hervorgerufen durch


Staphylokokken oder Streptokokken

Welche Faktoren tragen zur Entwicklung einer Parotitis bei?

- Längere Nahrungskarenz
- Erheblicher Flüssigkeitsmangel

 unzureichende Speichelbildung
 Eindringen von Keimen in die Ausführungsgänge der Ohrspeicheldrüse
 Symptome: einseitige druckschmerzhafte Schwellung, Schmerzen beim Kauen

Welche Bewohner/Patientengruppen sind besonders soor-gefährdet?

o Allgemeine Abwehrschwäche und schlechter Allgemeinzustand


o Unzureichende Mundpflege
o Antibiotika-Einnahme  Störung des Gleichgewichts der Mikroorganismen
in der Mundhöhle
o Nahrungskarenz
o Diabetes mellitus

Welche Maßnahmen der Soorprophylaxe gibt es?

- Mindestens einmal täglich sorgfältige Inspektion der Mundhöhle


- Regelmäßige Mund- und Zahnpflege
- Spezielle Mundpflege  Pflege Heute 2011: 375 – 377
- Mundschleimhaut feucht halten und Speichelfluss anregen
- Bei Abwehrschwäche (z. B. onkologische Patienten, Intensivpatienten):
prophylaktische Schleimhautdesinfektion
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- Wenn möglich, Flüssigkeitszufuhr steigern


- Soorbehandlung: nach Arztanordnung lokales Antimykotikum verabreichen

Welche Maßnahmen der Parotitisprophylaxe gibt es?

- Ziel: Speichelfluss anregen


- Vermehrte Kautätigkeit z. B. durch Kauen von Kaugummi, Dörrobst, Brotrinden
- Orale Ernährung
- Lutschen von Eiswürfeln oder zuckerfreien Bonbons
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- Kaubewegungen machen lassen
- Massage der Parotis vor dem Ohr

7. Kontrakturenprophylaxe

Was ist eine Kontraktur?


- Bewegungseinschränkung und Versteifung eines Gelenks

Wie kommt es zur Entstehung einer Kontraktur?


- Tage- oder wochenlanger Bewegungsmangel eines Gelenks  dauerhafte
Verkürzung von Muskeln, Sehnen und Bänder

Welche Körperstellen sind betroffen?


- Sprunggelenk  Spitzfuß
- Handgelenk
- Ellenbogengelenk
- Kniegelenk

Welche Patienten / Bewohner sind gefährdet?


- Immobilität, Bettlägerigkeit
- Inaktivität
- Lähmung
- Schonhaltung bei chronischen Schmerzen
- Große Narben

Welche Maßnahmen der Kontrakturenprophylaxe gibt es?


- Motivation zu Aktivität und Bewegung
- Regelmäßige Mobilisation
- Passives Durchbewegen der Gelenke (langsam dehnen)
- Keine Weichlagerung!  hemmt Eigenbewegung des Patienten
- Lagerung in physiologischer Mittelstellung: Beuge- und Streckstellung
- Hilfsmittel z. B. Fußstütze

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8. Weitere Prophylaxen
Obstipationsprophylaxe: Vorbeugung von Verstopfung
Aspirationsprophylaxe: Vorbeugung von Verschlucken (Magensaft, Getränke, Speisen)
Zystitisprophylaxe: Vorbeugung eines Harnwegsinfekts
Dehydratationsprophylaxe Vorbeugung der Austrocknung
Malnutritionsprophylaxe: Vorbeugung der Mangelernährung
Desorientierungsprophylaxe: Vorbeugung der Desorientiertheit/ des
Orientierungsverlusts

Literatur:
Menche, Nicole (Hrsg.) (2011): Pflege Heute. Elsevier, München
<Kamphausen, Ulrich (2010): Prophylaxen in der Pflege. Kohlhammer, Stuttgart

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