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Naam: Burcin Keskin

Major: Muziektheater Klassiek


Studentnummer: 2201995
E-mail: b.keskin@student.fontys.nl
Inleverdatum: 24 februari 2016

Vak: Collegereeks Untersuchung


Minor: Kulturelle Unternehmerschaft
Docent: Dr. Pamela Doms of Evelyn Hendriks
E-mail: p.doms@fontys.nl of evelynhendriks@gmail.com
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Inhaltsverzeichnis

S.1-3 Einleitung

S. 4 Begriffe

S. 5-7 Kapitel 1: „ Wer bin ich als Künstlerin“

S. 8-10 Kapitel 2 :„Ursprung der Gesangstechniken”

S. 11-13 Kapitel 3: „Arbeitsmöglichkeiten in der Klassik und im Musical“

S. 14 Fazit

S.15-20 Beilagen

Interview Patricia Nessy

Interview Anke Sieloff

S.21 Quellenverzeichnis

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Einleitung

Problemstellung und Hauptfrage

In meiner Untersuchung geht es um die Frage: Wie ist es als „Crossover Sängerin“ möglich mit einer
gesunden Stimmtechnik in den zwei unterschiedlichen Welten der klassischen Musik und der
Modernen Musik anhand des Beispiels der Oper und des Musicals langfristig zu arbeiten?

Es gibt gegenüber dem Crossover Bereich genau so viele Vorurteile wie Beispiele die diese
wiederlegen. Da ich mich selber als Crossover Sängerin bezeichne, also als klassisch geschulte
Sängerin die sowohl in ihrem Studium als auch bei Konzerten über die Grenzen der klassischen Musik
hinaus geht und modernes Repertoire singt finde ich diese Erörterung besonders wichtig für meine
zukünftige Karierre. Ich möchte nach dem ich mein Diplom in “Musiktheater Klassisch” bekommen
habe im Bereich Musiktheater in sowohl dem Opern Fach als auch dem Musical Fach auf hohem
Niveau arbeiten und dem Vorurteil

Teilfragen

Die erste Teilfrage meiner Erörterung ist : Wer bin ich als Künstlerin ? Diese Frage beantworte ich um
ein deutliches Bild von meinen Beweggründen und Plänen dar zu stellen diese Erörterung zu
schreiben.

Die zweite Teilfrage die erörtert wird ist : Was sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen
der “klassischen” und “modernen” Gesangstechnik. Diese Frage erörtere ich um zu verdeutlichen was
die Herausforderungen beider Gesangstechnicken sind und was mit “Technick “ überhaupt gemeint ist.

Die dritte Teilfrage mit der ich mich befasse ist : Welche Möglichkeiten gibt es in beiden Bereichen
(Musical und Klassik) zu arbeiten? Diese Frage stelle ich um dahinter zu kommen welche wichtigen
Schritte man gehen muss um dieses Ziel zu erreichen und was eventuelle Herausforderungen und
Probleme sein könnten.

Methode
Meine Erörterung wird sowohl beschreibend, erklärend, vergleichend ,evaluierend als auch
definierend sein.
Es ist aus der persönlichen perspektive geschrieben.
In dem ersten Kapitel benutze ich mich selber als Quelle.

Das 2. Kapitel erörtere ich anhand eines Artikels als auch an anhand von zwei Büchern. Das 3.
Kapitel bearbeite ich durch das Benutzen von einem Interview mit einer Sängerin die genau in diesen

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beiden Fächern arbeitet da ich es wichtig finde für eine authentische und nicht nur theoretische
Erörterung jemanden zu interviewen der meine Ideale auch ausführt. gebruik ik vooral

Ziel
Das Ziel meiner Erörterung ist sowohl dahinter zu kommen welche Fähigkeiten ich noch entwickeln
muss um meine Ziele als Crossover Sängerin zu erreichen als auch um gewisse Vorurteile die über
dieses Fach vorhanden nach Ihrer wahrhaftigkeit zu erörtern.

Relevanz

Die Relevanz für Sänger/Sängerinnen könnte eine sehr wichtige sein, da es viele Sänger/Sängerinnen
gibt die gerne über die Grenzen ihres eigenen Faches hinaus gehen würden, es sich aber nicht trauen
weil sie Angst davor haben ihre Stimmen zu schädigen oder nicht mehr ernst genommen zu werden
als Künstler/Sänger.
Diese Erörterung mit dem Beispiel einer sehr erfolgreichen Sängerin (auf die ich im 3. Kapitel näher
eingehen werde) könnte als Motivation für Künstler/Sänger dienen sich in anderem Repertoire
auszuprobieren und über Ihre sich selbst gestellten Grenzen hinaus zu gehen.

Für Menschen die selbst keine ausführenden Künstler sind aber Interesse an der Musikwelt haben
könnte diese Erörterung interessant sein um sich in die Herausforderungen die das Fach mit sich
bringt zu vertiefen und zu sehen wie es zu dem “Endresultat” dass sie dann auf der Opern /Musical
Bühne sehen kommen kann.

Diese Erörterung unterscheidet sich von Anderen da es auf der einen Seite sehr persönlich aber auch
Fachgebunden ist. Es befasst sich sowohl mit der Entwicklung einer Künstlerpersönlichkeit und dem
Dilema , Vor und Nachteilen dem manche Sänger ausgesetzt sein können wenn ihre Liebe über das
eines Faches hinaus geht.

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Begriffe

Crossover Sängerin : Eine Sängerin, die in mehr als einer Musikrichtung Zuhause ist und mehrere
Musikrichtungen gleichzeitig in Ihrem Beruf singt. Wörtlich : „Sängerin die über Grenzen geht“

Gesangstechnik: Das Handwerk eines jeden Sängers das er bei einem Gesangsstudium erlernt um
seine Stimme optimal und gesund je nach den Anforderungen des Genres zu benutzen.

Klassischer Gesang: eine Gesangsart (Technik) die vor allem in der Oper/Operette/Lied benutzt wird.

Oper: eine Form von Musiktheater in der nicht gesprochen wird sondern das ganze Stück hindurch
nur gesungen . Die ganze Geschichte wird durch den reinen Gesang erzählt und nicht durch
Monologe oder Dialoge ergänzt.
Ein wichtiges Merkmal von der Oper ist, dass es mit einem großen Orchester (viele Musiker)
besetzt wird und
bei der die Sänger ohne Mikrofon singen. Der saubere und nahezu perfekte Gesang steht im
Mittelpunkt.

Operette: wird oft als „unterhaltungs Oper“ oder „komische Oper“ bezeichnet. Im Unterschied zur
Oper wird in der Operette gesprochen. Aber auch hier wird ohne Mikrofon gesungen.

Musical: eine Form von Musiktheater in der Gesang, Schauspiel und Tanz als gleichwertig angesehen
werden. Es wird viel gespielt und die Sänger singen mit Mikrofon.

Musiktheater: Ist ein Überbegriff für alle formen in denen Musik und Theater zusammen kommen.

Semi professionelle Produktion : eine Produktion in der sowohl professionell ausgebildete Sänger
als auch Hobby Sänger zusammen an einem Stück arbeiten.

Audition: Ein Vorsingen /Vorspielen/Vortanzen das man im künstlerischen Fach ablegen muss um
entweder an einen Studienplatz für das gewünschte Künstlerische Fach oder später an einen Job zu
kommen.

Repertoire: Die Gesamtheit aller Stücke die ein Künstler erlernt und aufführen kann.

Abteilung Musiktheater „regulier“ : Studiengang am Fontys Konservatorium der auf moderne Musik
spezialisiert ist.

Abteilung Musiktheater „klassisch“ : Studiengang am Fontys Konservatorium der auf klassische


Musik spezialisiert ist.

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Kapitel 1: Wer bin ich als Künstlerin und was sind meine Ziele und Ideale?

In diesem Kapitel stelle ich meinen Werdegang und meine Ziele/ Pläne für meine zukünftige Karierre
sowie meine künstlerische Motivation diese beiden Fächer zu studieren dar.

Musikalischer Werdegang
Mein Name ist Burcin Keskin, ich bin 26 Jahre alt und studiere Musiktheater “Klassisch” am Fontys
Konservatorium in Tilburg (Niederlande) . Als Kind habe ich schon im Chor gesungen und erhielt
Klavier unterricht. Meine damalige Musiklehrerin motivierte mich meine musikalischen Veranlagungen
auszubauen und ließ mich auf Schulveranstaltungen oft auftreten.
Meine ursprünglichen Wurzeln liegen in der popular Musik, diese Liebe entwickelte sich mit der Zeit
weiter zum Musical. Ich wirkte in verschiedenen Semi Professionellen Musical Produktionen wie “Der
kleine Horrorladen” und “Jekyll and Hyde” mit. Während dessen machte ich viele Aufnahmeprüfungen
in Deutschland und Österreich für den Studiengang “Musical”. Als Vorbereitung auf diese nahm ich
Gesangsunterricht bei verschiedenen Gesangsdozenten in Köln .

Durch Zufall stieß ich auf die Fontys Hogeschool voor de Kunsten als ich schon einige Auditions hinter
mir hatte. Hier begann ich Gesangsunterricht bei Ivar Costenoble von der Abteilung “Musiktheater
Regulier” zu nehmen. Nach einem halben Jahr arbeiten an meiner Stimme entdeckten wir eine
“klassische Veranlagung”, bis dahin hatte ich nur modernes Repertoire gesungen. Er schickte mich zu
einer klassischen Gesangsdozentin mit der sich plötzlich meine Stimme öffnete und begann zu
strahlen. Die klassische Welt war neu für mich und die einzigen beiden Arien die ich kannte sang ich
dann auch zur Aufnahmeprüfung. Ich machte einpaar Monate später die Audition für beide
Abteilungen “Musiktheater regulier und Muziektheater klassiek” wobei schnell klar war dass es für
meine vorläufige Stimmentwicklung in die klassische Richtung gehen muss. Also lies ich mich darauf
ein und wurde Teil eines wundervollen Studienganges der alle meine Bedürfnisse stillt. Denn neben
dem Gesang den ich studiere ist unser 2. Hauptfach “Schauspiel” und auch im Tanz werden wir
unterrichtet. Ich kann in diesem Studiengang alle meine Leidenschaften vereinen. Die liebe zur
klassischen Musik kam dann mit der Zeit auch sehr schnell. Die Erkenntnis dass meine Stimme in der
Lage war wunderschöne Arien von Puccini bis Franz Lehar zu singen begeisterte mich und lies mich
auf die Suche nach meiner wahren Stimme gehen. Ich vertiefte mich in die klassische Opern und
vorallem Operetten Welt für die sich eine besondere Leidenschaft entwickelte.

Alte Liebe rostet nicht

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Das Studium “ Musiktheater Klassisch “ war und ist wie für mich gemacht. Allerding verschwand die
Liebe zur “popularmusik /Musical” nicht und das Bedürfnis auch dieses wieder ausleben zu wollen
wuchs mit jeder Woche. Aber auch auf die klassische Musik und den klassischen Gesang wollte ich
nicht verzichten, also machte ich mich auf die Suche nach Sängerinnen (am liebsten in meinem
Stimmfach) die es tatsächlich geschafft haben und schaffen in beiden Welten zu bestehen und zu
arbeiten. Es war nicht sehr schwer, ich las etliche Biographien und stieß schnell auf Sänger und
Sängerinnen die in dem sogenannten “Crossover Bereich” arbeiteten. Dabei stieß ich auch zum
ersten mal auf den Begriff “Crossover”. Was soviel bedeutet wie “über Grenzen gehen”.
Und genau das war es was ich wollte und was ich immernoch will! Mich ausprobieren in allen
musikalischen und gesanglichen Bereichen, stets mit dem Fokus auf das was ich hauptsächlich
studiere, nämlich klassischen Gesang.
Nach einigen Gesprächen mit meinem sehr offenen und verständnisvollen Studiengangsleiter Edward
Hoepelman, der ein enormes Wissen über die “Stimme” hat, erhielt ich die Zustimmung dafür meine
“moderne Stimme” wieder auszupacken und mich ein mal im Monat mit einer Dozentin aus der
Musiktheater “regulier” Abteilung wieder an modernes Repertoire zu wagen.

Meine Ideale und Ziele


Mein Ideal ist es als Sängerin einen Weg zu finden mit meiner Stimme und
Künstlerpersönlichkeit jede mögliche Farbe auf Wunsch benutzen und einsetzen zu können. Dies
bedeutet , sowohl in dem klassischen als auch modernen Fach so gut geschult uns ausgebildet
zu werden, dass ich in beiden
Arbeitsfeldern arbeiten und mich als vollwertige Künstlerin präsentieren kann. Vor allem möchte
ich
Musik machen und dies theatral zum Ausdruck bringen und nicht eingeschränkt werden durch
die unterschiedlichen Gesangstechniken die benutzt werden müssen. Ich möchte meine Figuren
zum Leben erwecken, sei es in der Oper, der Operette, im Musical oder bei einem Lieder-Abend
durch den puren Vortrag von losen Liedern. Meine Vision ist es, dass hinter jedem Lied, jede Arie
oder jedem Pop/Musical Song unabhängig von dem Genre eine Geschichte steckt die der
Schreiber/Komponist erzählen wollte. Diese Geschichte möchte ich anhand meiner technisch
gelernten Fähigkeiten und meinen persönlichen künstlerischen Ideen zum Ausdruck bringen und
somit über die Grenzen der Genres gehen.

Ich möchte in der Welt des Theaters die Musik auf meine Art interpretieren aber gleichzeitig auch
dem Wunsch des Komponisten treu bleiben indem ich erst danach schaue , was der Schreiber
wollte.
Meiner Meinung nach ist die eigene Interpretation eines Stückes natürlich sehr wichtig, aber dem
sind auch Grenzen gesetzt. Eine Opern Rolle mit der Stimmfarbe eines Musical Sängers zu
singen würde weder dem Stück etwas hinzufügen noch den Komponisten oder das Publikum
glücklich machen.

8
Darum möchte ich betonen, dass ich mit „Crossover“1nicht sagen will, dass ich die verschiedenen
Gesangs Stile vermischen will. Das wäre sowohl aus ästhetischen als auch aus der Sicht der
Stimmgesundheit gar nicht machbar.
Eine Ausnahme bildet natürlich das oft unterschätzte „Zwischen Fach“ Repertoire, so wie
Bernstein´s 2 Stück „Candide“ das in keines der Fächer : Oper, Operette, Theater oder Musical
eingeordnet werden kann, da es Elemente von allen Richtungen enthält. Auch dies ist ein Stück
in dem ich später gerne ein mal mein können zeigen und alle meine Stimmfarben einsetzend die
mir zugeschriebene Rolle interpretieren würde.

Meiner Meinung nach ist ein guter Sänger nicht nur jemand der technisch professionell singt,
sondern auch sich in den Charakter der Musik einleben und sie auf seine ganz einzigartige Art
und Weise wieder geben kann. Die Rolle der „Mimi“ 3 erfordert eine ganz andere Art von
Interpretation und Stimmgebrauch als die einer „Adele“4 , kann theoretisch aber durch die selbe
Sopranistin gesungen werden.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Sängerin Patricia Nessy5 die ich für diese Erörterung Interviewt
habe. Sie ist eine sowohl klassisch als auch modern ausgebildete Sängerin, die auch in den
beiden Fächern der Klassik und des Musicals aber auch im puren Theater arbeitet.
Sie hat sich bis zu einer Position gearbeitet in der sie in beiden „Welten“ ernst genommen wird
was durch nachhaltiges und effektives studieren erreicht wurde.

Fazit

Das Fazit dieses Kapitels ist, dass ich auf der Suche nach der Frage, wie ich zwei unterschiedliche
Gesangstechniken so gut studieren kann um in beiden Arbeitsfeldern gleichwertig arbeiten zu können,
auch auf die Erkenntnis stoße, dass abgesehen von den Technischen Fähigkeiten eines Sängers auch
die Interpretatorischen je nach Genre enorm wichtig sind. Musik bleibt Musik, ob sie nun als
„klassisch“ oder „modern“ eingestuft wird .

1Wörtl: „über Grenzen gehen“, wird oft in Zusammenhang gebracht mit Musikern die nicht nur in einer
Musikrichtung spielen und arbeiten sondern in mehreren gleichzeitig.
2Bernstein, Leonard , Opern und Musical Komponist (1956)
3 Weibliche Hauptrolle aus der Oper „La Boheme“ (1898) , Puccini Giacomo
4 Weibliche Hauptrolle aus der Operette „Die Fledermaus“ , Strauss Johann (1874)
5Sängerin an der Volksoper Wien

9
Ursprung der verschiedenen Stimmtechniken und ihre
Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Die Stimme ist ein flexibles Organ. Sie ist in der Lage zahlreiche Klangfarben zu produzieren und
damit die unterschiedlichsten Stile zu singen .Der Kehlkopf hat eine wichtige Aufgabe in der
Stimmproduktion und ist nicht in einer Position fest geschraubt. Dadurch eröffnen sich dem Sänger
eine Bandbreite an Farben die er/sie mit der Stimme erzeugen kann.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Stimmapparat einzusetzen und für jeden Gesangs Stil gibt es eine
optimale Technik.

„Keine Klangfarbe ist mit gut oder schlecht zu bewerten im Vergleich zu den anderen. Sie haben alle
ihre Gültigkeit und es ist letztendlich dem eigenen Geschmack überlassen welche man präferiert.“ 6

In unserer Kultur definieren wir trotzdem zwei verschiedene Kategorien; klassisch oder nicht
klassischer Gesang. In den USA spricht man heutzutage im Bezug auf populärem Gesang von CCM,
Contemporary Commercial Musical.

In den USA, dem Ursprungsland des Musical Theaters, war die Musik, die vor 1920 am Broadway
gespielt wurde, hauptsächlich klassisch. Die Divas der Metropolitan Opera kann man mit den
Rockstars von Heute vergleichen.
Allerdings gab es parallel dazu andere Gesangstile, wie Jazz, Blues und Volksmusik. Aber die Musik
für die breite Masse, die am Broadway gesungen wurde, stammte aus der klassischen Tradition.
Durch den zunehmenden Einfluss des Schwarzen Gesangs, Irisch-Amerikanischen Gesangs und
Jüdischen Gesangs entwickelte sich ein neuer Gesangstil, verkörpert durch Sänger wie Eddy Kantor,
Irving Berlin und insbesondere Al Jolsen.
Gleichzeitig spielte die Textverständlichkeit eine zunehmend wichtigere Rolle und die Sprechstimme
wurde stärker in die Singstimme integriert. 7

Da der Musical- und Pop-Gesang eindeutig vom Belcanto-Gesang abstammt, bleibt die Frage, welche
Aspekte des klassischen Gesangs finden sich im populärem Gesang wieder und wo gehen diese
Gesangtechniken auseinander?

Allgemein gültige Kriterien für einen gesunden Stimmgebrauch


Eine ganze Reihe von technischen Gesichtspunkten sind für beide Gesangstile zutreffend.
Voraussetzung für jede Stimme ist eine gute Körperhaltung. Diese hängt auch unmittelbar mit der
Atmung zusammen. Dazu gehört der Abbau von Verengungen, der gesunde Spannungs-Aufbau, die
Koordinierung von Stimme und Körper, der Stimmlippenschluss, die Vokalbildung und der
Vokalausgleich und die Registertraining und Koordinierung. Natürlich darf dabei die allgemeine
Musikalische Schulung, so wie Intonations und Rhythmus Training nicht vergessen werden. Diese
beiden Faktoren sind wichtige Komponenten um eine professionelle Gesangsstimme auszubilden.

6Vortrag Turner, Noelle (2005) Vergleich Stimmgebrauch: Pop Musical und klassische Musik, Folkwang
Hochschule der Künste (s.3)
7Vortrag von: Turner , Noelle (2005), Folkwang Universität der Künste, „Bel Canto am Broadway“ (s. 1-2)

1
Grundprinzipien der klassischen Gesangstechnik
Ein klassischer Sänger singt vor allem mit einem tiefen Kehlkopf. Er setzt die Stimme hauptsächlich
mit dem simultanen, also weich-elastischen Ansatz an. Die tiefe Bauch und Rückenatmung ist eine
wichtige Komponente, man benutzt alle erreichbaren Resonanzräume und versucht sie im klassischen
Gesang durch verschiedene Übungen zu „öffnen“ und resonieren zu lassen.
Wichtig dabei ist es die richtige Balance zwischen Entspannung und der richtige Körper Spannung zu
trainieren. Dies wird durch Atem Übungen geübt. Das Hauptziel eines klassischen Sängers (vor allem
für die Oper/Operette) ist es , mit einem Gesunden Stimmgebrauch so die richtige Stimmplatzierung
zu finden, dass die Stimme ohne Verstärkung über das Orchester bis hin zur letzten Reihe des
Theaters/ Saals reicht. Das erfordert Jahre langes Training und extreme Präzisionsarbeit. Daher
dauert das ausbilden einer klassischen Stimme mindestens 6 Jahre. 8

Die Moderne Gesangstechnik und der Unterschied zum Klassischen Gesang


Danach stellt man in den 2 verschiedenen Stilen laut der Untersuchung von Prof. Noelle Turner 9

folgende Unterschiede fest, um die speziellen Klangfarben zu erzeugen.

Die Registerbehandlung10 im Musical- und Popbereich ist vielfältiger als im Belcanto-Gesang. Abrupte
Registersprünge sind oft erwünscht und keine Seltenheit. In der Klassik wird das häufig als
Stimmfehler bezeichnet. Für das klassische Gehör ist es gewöhnungsbedürftig.

Der Stimmansatz im Musical- und Pop-Bereich ist variierter als im klassischen Gesang. Ein
klassischer Sänger setzt hauptsächlich mit dem simultanen, also weich-elastischen Ansatz an.
Allerdings ist es nicht möglich, ohne die coup de glotte, also den Glottisschlag, in der deutschen
Sprache klar zu artikulieren. Im populären Gesang sind der simultane, wie der Glottis- oder sogar der
verhauchten Ansatz häufig anzutreffen. Der verhauchte Ansatz schickt etwas Luft vor dem Ton voraus.
Dieser ist nicht mit einem fehlerhaften Stimmbandschluss zu verwechseln. 11

Der Kehlkopfposition ist in der Regel im Musical- und Pop-Gesang flexibler. Man geht von einer
neutralen Stellung aus, ähnlich wie beim Sprechen. Diese Position verleiht dem Klang mehr
Sprachqualität . Eine höhere Kehlkopfposition stimmt die Stimme heller und penetranter. Je höher der
Kehlkopf, desto kürzer die Vokalräume und desto heller das Timbre. Eine tiefe und zum Teil weite
Kehlkopfstellung verleiht der Stimme für Qualitäten, wie z.B. Blues, eine dunkle Klangfarbe. 12

Ein unentbehrliches Stilmittel ist Twang. Der Kehlkopf ist hoch, die Zunge auch und der Kehldeckel
leicht angezogen. Man trainiert diese besondere Qualität, indem man sich eine Hexenstimme oder
schimpfende Kinder vorstellt. Mit der Übung kann man lernen, den Twang zu dosieren, um die
Klangfarbe und Tragfähigkeit der Stimme zu variieren.
Der Musical- und Pop-Sänger kann auch von der Belt-Stimme Gebrauch machen. Dies ist die
extremste Gesangsqualität, die wir in der westlichen Welt kennen - auch im Vergleich zum klassischen
Gesang. Belting stammt ursprünglich von einer Naturfunktion ab, dem Rufen (yelling). 13

Es herrscht das weit verbreitete Missverständnis, dass Belting die hochgezogene Bruststimme
bedeutet. Belting benutzt zwar einen hohen Anteil an Vollschwingung, wie in der Bruststimme, hat
aber eine leicht abgeänderte Kehlkopfstellung, um die Spannung in der höheren Tonlage zu
erleichtern.

8Interview mit Sieloff, Anke , Opernsängerin am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen.


9Opernsängerin und Professorin für Gesang an der Folkwang Hochschule der Künste, Abteilung „Musical“
10„Eine allgemein verbreitete Definition besagt, dass ein Register ein Stimmlagenbereich ist, in dem alle Töne so

wahrgenommen werden, als seien sie auf ähnliche Weise entstanden und besäßen ein ähnliches Timbre“
Sundberg (1997)
11Turner, Noelle „Belcanto am Broadway“
12Interview Nessy,Patricia , Opern und Musical Sängerin, im Anhang meiner Erörterung
13Belt Voice Training“, Bonin, Christine
1
Alle Stimmen sind von sich aus flexibel und in der Lage, zahlreiche Klangfarben mit gesunden Mitteln
zu erzeugen. 14

Fazit aus diesem Kapitel

Meine Schlussfolgerung aus der Erörterung dieses Kapitels ist, dass die Stimme ein
sehr komplexes Organ ist und eine unendliche Bandbreite an Möglichkeiten hat um genutzt zu
werden. Die Grenzen die uns innerhalb der Fächer auferlegt werden sind von Menschen gesetzt und
somit ist es auch möglich sie zu überschreiten und viele verschiedene Möglichkeiten die die Stimme
von Natur aus bietet aus zu probieren. Es ist allerdings auch eine Sache von „wollen“. Dass man so
viele Möglichkeiten hat die Stimme klingen zu lassen, bedeutet nicht dass es unbedingt für jeden
Sänger nötig ist. Es gibt genau so viele Sänger die alleine mit einer Gesangsrichtung glücklich sind.

Meiner Meinung nach, ist das allerdings zu wenig und es freut mich durch diese Untersuchung
dahinter gekommen zu sein, dass es auch physikalisch möglich ist an mehreren Gesangsstilen zur
gleichen Zeit zu arbeiten ohne die Stimme zu schädigen. Die Analyse von Noelle Turners
Untersuchung war sehr aufschlussreich um dar zu stellen, das keine Stimme in eine Position/Farbe
„festgeschraubt“ ist, sondern ein flexibel zu handhabendes Instrument ist.

Es bedarf natürlich höchst professionellem können, all diese Farben heraus zu arbeiten und viel
Geduld und Zeit, jedoch ist die Aussicht darauf dass es möglich ist, eine gute Motivation für
„mehrsparten Sänger“ wie mich.

14Interview Nessy, Patricia

1
Kapitel 3 : Welche Möglichkeiten gibt es als Crossover Sängerin in den Bereichen der Klassik
und des Musicals zu arbeiten?

Ich möchte mich um diese Frage zu beantworten vor allem auf die zwei Interviews beziehen die
ich mit den zwei Sängerinnen Patricia Nessy und Anke Sieloff für diese Erörterung geführt habe
und die mir einen Ausschnitt aus ihrem Leben als Crossover Sänger gezeigt haben.

Viele Wege führen nach Rom, das sieht man auch anhand des Beispieles von Anke S. Und Patricia
N. So wie im Falle von Anke Sieloff die eine rein klassische Gesangsausbildung hat und erst später
auf dem Arbeitsmarkt das Handwerk des Musicals gelernt hat oder Patricia Nessy die von Anfang an
zweigleisig gefahren ist und sowohl die Musical als auch die klassische Gesangs Technik gleichzeitig
studiert hat. Wie die Wege auch verlaufen sind, haben beide ihr Ziel erreicht so vielfältig wie möglich
zu arbeiten und sich in allen Sparten des Musiktheaters ausprobieren zu dürfen.

Dies kann wie bei Anke auf dem ganz klassischen Weg , in dem man sich an einem „3 Sparten Haus“
erst ein mal als klassische Sängerin vorstellt, über einen Agenten der ein Vorsingen organisiert.
Nachdem sie einmal in das klassische Ensemble aufgenommen wurde, wurden ihr auch Musical
Rollen angeboten die sie aufgrund ihres Interesses und ihres Hintergrundes dankend annahm.

Im Gegensatz dazu hat sich Patricia Nessy bewusst auf die zwei Welten gleichzeitig vorbereitet und
intensiv sowohl klassischen als auch Musical Gesang studiert. Danach hat sie sich bewusst an einem
Haus als Musical Sängerin beworben die auch Operetten aufführen. Durch ihre klassische Ausbildung
hat sie dann auch klassische Rollen angeboten bekommen und durfte sich in der Form auf beiden
Gebieten ausleben.
Aus diesen zwei Lebensläufen sieht man, das verschiedene Wege möglich sind.

In Deutschland und Österreich gibt es so genannte „Stadttheater“ die als „3 Sparten Häuser“
bezeichnet werden. Dies bedeutet dass sowohl Opern,Operetten als auch Musicals aufgeführt
werden. Für diese Häuser werden oft ein festes Ensemble angenommen das alle drei Sparten singen
können muss. Wenn auf dem Spielplan mal ein Stück steht , das keiner aus dem Ensemble
spielen/singen könnte werden Gäste eingeladen.“ Jeder Intendant ist glücklich wenn er seine Stücke
mit seinem festen Ensemble besetzen kann und seinem eigenen Team aufführen kann“ 15

Um in das feste Ensemble eines vor allem klassischen Hauses (Beispiel Musiktheater im Revier,
Gelsenkirchen) 16 muss man sich über ein Vorsingen mit ausschließlich klassischem Repertoire
bewerben. Dabei aber seine anderen Talente und Möglichkeiten zu erwähnen, kann sicherlich nicht
schaden.

Die Sängerin Patricia Nessy empfiehlt außerdem für verschiedene konservativere Theater zwei
unterschiedliche Lebensläufe anzufertigen um dem Schubladen Denken bestimmter Intendanten
gerecht zu werden. Bewirbt man sich also für eine klassische Rolle schreibt man nur die bisher
gesungenen klassischen Rollen und Konzerte und Bühnenerfahrungen auf den Lebenslauf.

Bewirbt man sich für eine Musical Rolle, benutzt man den Lebenslauf der nur die bisher gespielten
Musical Rollen und Stücke beinhaltet.
Meiner Meinung nach ist das eine Entscheidung die jeder Künstler für sich selber treffen muss ob er
wirklich zwei verschiedene Lebensläufe anfertigen will und damit auch nicht komplett zu sich als
Künstler steht. An einem Haus wie der Volksoper Wien, in der Musicals und Opern gleichwertig
gespielt werden kann man zu einer Open Audition 17 kommen und sein ganzes Können zeigen. Da
15Interview Anke Sieloff
16Interview Anke Sieloff S.2
17Offenes Vorsingen zu dem man ohne Einladung kommen darf und sich an die Intendanten vorstellt.

1
bereitet man dann sowohl klassisches als auch modernes Repertoire vor. Dies ist eine Ideale
Gelegenheit um sich als Crossover Sängerin vorzustellen ohne sich in Kategorien unterteilen lassen
zu müssen.18

In den Produktions Häusern so wie den „Vereinigten Bühnen Wien“ oder „Stage Entertainment“ oder
auch der „Staatsoper Wien“ gibt es leider sehr wenig Raum um in beiden Sparten zu arbeiten, da
diese Häuser nur entweder reines Musical oder reine Oper anbieten. In diesem Falle könnten sich die
getrennten Lebensläufe doch bewähren.

Bewirbt man sich für ein Musical muss man durch drei Runden des Talent Testes : Die Gesangsrunde,
Die Tanzrunde und Die Schauspiel Runde in der dann ein weiteres mal der Gesang getestet wird. 19

Diese Runden sind für Häuser an denen nur Opern aufgeführt werden (Beispiel Staatsoper Wien)
unüblich. Hier gibt es ein reines Vorsingen.

Fazit Kapitel 3

Mein Fazit aus diesem Kapitel ist , dass viele Wege nach Rom führen. Es gibt keinen eindeutigen und
richtigen Weg um das Ziel als Crossover Sängerin zu erreichen in beiden Bereichen des
Musiktheaters zu arbeiten. Allerdings bieten die Stadttheater eine wunderbare Option und Möglichkeit
um sich als vielfältige Sängerin ausleben zu können.
In den „Ein Sparten Häusern“ wie die Vereinigten Bühnen Wien oder die Staatsoper Wien ist dies nicht
möglich. Dort ist es ratsam sich als eindeutige Sängerin vorzustellen, selbst wenn dies gegen die
Prinzipien mancher Künstler geht.

Die Volksoper Wien steht nach meinen Recherchen und den zwei Interviews dem Crossover Fach am
offensten gegenüber. Sie suchen sogar explizit nach Sängern die in mehreren Fächern Zuhause sind.
Diese Erkenntnis gibt mir eine Perspektive in Welche Richtung ich mich orientieren könnte und dass
ich eventuell Kontakte in die Richtung der Volksoper legen könnte um mich dort vorzustellen.

18Interview Patricia Nessy S.1-2


19Www.stage-entertainment.de/unternehmen/karierre/casting

1
Fazit der Erörterung

Als Fazit dieser Erörterung ziehe ich, dass die Grenzen die zwischen dem Opern und dem Musical
Fach gezogen werden vor allem in unseren Köpfen sind. Denn die Stimme ist bei einer guten und
intensiven Ausbildung dazu fähig beide Fächer ohne Probleme zu singen. Natürlich muss man dabei
dem vorgegebenen Stil treu bleiben.
Um sich in der Musiktheater Welt zu beweisen ist es wichtig hinter dem zu stehen was man
präsentieren möchte, in meinem Fall, eine vielseitige Sängerin die vor allem die Geschichte hinter den
Stücken sucht und dabei dem vorgegebenen Gesangs Stil treu bleibt.
Es ist kein einfacher Weg aber er ist Machbar, das sieht man auch anhand der Beispiele der zwei
Interviewten Sängerinnen Patricia Nessy und Anke Sieloff die beide erfolgreich in ihren Karierre
stehen. Wichtig ist es beim lernen der Techniken den nutzen zueinander zu betrachten und nicht nur
die Unterschiede zu studieren.

Im Endeffekt ist alles unter dem Begriff Musiktheater zusammen zu fassen und hat die selbe Intention,
sei es in der klassischen Musik oder der modernen : Geschichten erzählen, Unterhalten, Freude
bereiten und berühren. Technik ist wichtig, aber nicht das was an aller erster Stelle stehen sollte.
Auch die Wissenschaftliche Analyse von Prof. Noelle Turner beweist, dass die Stimme zu viel mehr in
der Lage ist als manche Sänger es ausnutzen. Das ist eine persönliche Entscheidung und in aller
Form zu respektieren.

Diese Erörterung hat mich meinem Ziel näher gebracht und mich in meinem Weg bestätigt. Ich weiß
jetzt, dass es physikalisch aber auch realistisch möglich ist sowohl in der Oper als auch im Musical zu
bestehen und freue mich weiter hin die Möglichkeiten meiner Stimme innerhalb meines Musiktheater
Studiums austesten zu dürfen.

1
Beilagen

Interview mit Patricia Nessy

Interview mit Anke Sieloff

1
Quellenverzeichnis

Literatur :

„Stimme, Spiegel meiner Selbst“ , J.Kamphausen Verlag, Auflage 5 (14.Mai 2001)

„Belcanto am Broadway“ , ausgeschriebener Vortrag, Turner, Noelle erschienen in Zeitschrift


CATS , Ausgabe 02/07

„Komplette Gesangstechnik“ , Sadolin Catherine, Bosworth Music, Auflage 12 (2012)

„Belt Voice Training“, Bonin, Christine, SMU Verlag, Auflage 2 (30.Juli 2009)

Websites :

www.stage-entertainment.de ( 20.02.16)
www.Noelle-Turner.de. (22.02.16)