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RESAFA-RUSAFAT HISHAM, SYRIEN.

BEREICH ‚MITTE’ (FP 142, 164)


Archäologische Untersuchungen an der Residenz des Kalifen Hisham b. `Abd al-Malik

Voruntersuchungen und Zielsetzung Ein kleinerer Schnitt (3,00 x 3,65 m) wurde an


Die vorliegende Untersuchung hatte zwei Gebäu- FP 164 A angelegt, etwa fünfzig Meter südlich
dekomplexe im Bereich ‚Mitte’ von Resafa-Rusafat des FP 142. Hier waren an der Oberfläche meh-
Hisham1 zum Gegenstand. Sie liegen etwa 500 rere halbrunde, sich vertikal fortsetzende Kehlen
Meter südlich der Stadtmauer an einer Stelle, an in der südlichen Hofmauer festzustellen. Die
der die ehemalige Bebauung bereits durch ver- Grabung sollte die Funktion der Einbauten an
schiedene Voruntersuchungen bekannt war. Ein dieser Stelle erhellen. Dazu wurden einer dieser
Survey und die Auswertung von Luftbildern hat- Befunde und seine nähere Umgebung untersucht
ten eine grobe Vorstellung von drei Gebäuden (Abb. 4). Es wurde eine Ecke freigelegt, die von
erbracht, die jedoch mit Hilfe von geophysikali- einer in N-S- sowie einer in W-O-Richtung ver-
schen Prospektionen nicht vertieft werden konn- laufenden Mauer gebildet wird. Vor dieser Ecke
te.2 Eine Bauaufnahme der Oberflächenbefunde Abb. 2: FP 142 (Schnitt 59-1) von Süden, 2007.
befinden sich zwei Estrichflächen, die auf unter-
im Frühjahr 2007 ergab eine klarere Darstellung schiedlichen Höhenniveaus gelegen sind. Zwi-
der Grundrisse und Raumstrukturen im Inneren Zentimeter unterhalb des modernen Oberflä- schen den beiden Flächen liegt wiederum höher
der Gebäude und bildete die Grundlage für die chenniveaus liegt. Der Schnitt an der Südostecke ein rechteckiger Einbau (0,60 x 1,00 m). Die
Auswahl der näher zu betrachtenden Bereiche.3 wurde auf einer Fläche von 16,65 x 7,07 Metern beiden Mauern sind in mehreren Lagen verputzt,
Ziel der archäologischen Untersuchungen war durchgeführt (Abb. 2). Dabei wurde die südliche die Böden mit mehreren übereinander liegenden
es, die mit zerstörungsfreien Methoden erhalte- Außenmauer auf einer Länge von 3,70 Metern, Estrichen versehen, was als Hinweis für einen hy-
nen Ergebnisse zu ergänzen und zu präzisieren. die östliche Außenmauer auf einer Länge von draulischen Putz gesehen werden kann.
Dazu wurden an ausgewählten Stellen Grabun- 14,30 m freigelegt. Im Inneren konnten zwei Räu-
gen durchgeführt, durch die sich Aussagen über me unterschiedlicher Größe teilweise, ein dritter
Bauzeit, Bauphasen und Nutzung der Gebäude kleinerer Raum in Gänze nachgewiesen werden.
ergeben sollten. Durch einen Vergleich mit an- Ein Dreiviertelturm verstärkte als contrefort die
deren Ausgrabungen aus derselben Zeit sollte Südostecke des Gebäudes an der Stelle, wo die
zudem eine architekturgeschichtliche Einordnung beiden Außenmauern aufeinander treffen. Ein
der Gebäude vorgenommen werden. Viertelturm bzw. ein vom Tordurchgang unterbro-
chener Halbturm rahmt den Eingangsbereich, von
Ursprüngliche Gebäude und Umbauten dem nur die südliche Hälfte freigelegt wurde. Die
Ein Luftbild aus dem Jahr 1999 (Abb. 1) zeigt den Bauaufnahme legt nahe, dass die nördlich Hälfte Abb. 4: FP 164 A (Schnitt 45-1) von Norden, 2007.
aus drei Einzelgebäuden bestehenden Komplex, symmetrisch gestaltet war. Alle Mauern sind aus
der vor allem durch den Verlauf der Außenmau- Lehmziegeln errichtet und waren wahrscheinlich Der Bereich ‚Mitte‘ in umaiyadischer Zeit
ern gut zu erkennen ist. Die Gebäude liegen an außen mit einem Lehmputz versehen, da sich hier Die Errichtung der beiden untersuchten Lehmzie-
einer modernen Piste und sind an einer imagi- im Gegensatz zu den inneren Wänden kein Gips- gelgebäude im Bereich ‚Mitte‘ in Resafa ist durch
nären Linie orientiert, die in Nord-Süd-Richtung bzw. Kalkputz nachweisen ließ. die Einordnung der Keramik und der Kleinfunde
verläuft. Die Bezeichnungen der Gebäude in dem Das Gebäude an FP 142 weist zwei Auffällig- in umaiyadische Zeit dem entsprechend zu da-
System von über dreihundert Fundplätzen (FP) keiten auf: Der in der SO-Ecke gelegene Raum tieren. Das Gebäude an FP 142 ist im ausge-
in Resafa ist FP 142 im Norden, FP 164 A und wurde durch eine zusätzlich eingestellte Lehm- grabenen Teil an mindestens zwei Stellen baulich
B für die beiden südlichen. Die beiden Schnitte ziegelmauer stark in seinem Grundriss verklei- umgestaltet worden, wobei die Einbringung eines
der Ausgrabung wurden an der Südostecke des nert und sein Niveau um etwa 60 Zentimeter höher gelegenen Niveaus nicht lange nach sei-
FP 142 und an der südlichen Innenseite des Ho- erhöht. Dabei wurde ein podestartiger Einbau nem Bau passiert sein wird, was durch die Ke-
fes von FP 164 A angelegt. (Abb. 3) aus einer früheren Bauphase über- ramik aus derselben Zeit belegt wird. Wozu die
Teilweise an der Oberfläche liegende Estriche und baut, der Freiraum um das Podest verfüllt und Umbauten dienten ist nicht eindeutig nachzuwei-
Putzkanten ließen zunächst keine allzu aussage- mit Gipsestrich abgedeckt. Die Südwand ist an sen. Eine gewerbliche Nutzung mit einer - wie
kräftigen Befunde für FP 142 erwarten. Es ergab dieser Stelle von einer Abflussrinne durchbro- auch immer gearteten - Verarbeitung von Brannt-
sich jedoch, dass eine Platte aus Gipsestrich, auf chen, die nach außen geneigt ist und in beiden kalk an FP 142 ist nicht auszuschließen.
der das Gebäude gegründet wurde, über achtzig Bauphasen genutzt wurde. Auf dem Estrich, der Das Format der verwendeten Ziegel korrespon-
im Zentrum eine kreisförmige Störung aufweist, diert mit dem anderer Bauten in Resafa und an-
befanden sich ein Stück Branntkalk sowie zwei deren Orten aus umaiyadischer Zeit.4 Zudem ist
Bruchstücke gebrannter Ziegel. die Gestaltung der Fassaden durch Türme mit ei-
Ein weiterer Hinweis für eine Umbauphase ist nem Grundriss, der auf Kreissegmenten basiert,
eine Wand, die an die Südseite des Tordurch- so charakteristisch, dass man von einem ‚typisch
gangs nachträglich vor eine Wandnische gestellt umaiydischen‘ Gebäude sprechen kann.5
wurde. Anmerkungen
1
Ein Überblick über Geschichte und Topographie, sowie über abgeschlossene
und laufende Forschungsarbeiten findet sich bei D. Sack – J. Giese – M. Gus-
sone – D. Spiegel, Masterstudium Denkmalpflege an der TU Berlin. Jahrbuch
2005-07 (Berlin 2007) 18-23.
2
Die verschiedenen Methoden werden vorgestellt und verglichen durch
D. Sack – H. Becker – M. Stephani – F. Chouker, Resafa-Umland: Archäo-
logische Geländebegehungen, geophysikalische Untersuchungen und Di-
gitale Geländemodelle zur Prospektion in Rusafat Hišam. Bericht über die
Kampagnen 1997-2001, Damaszener Mitteilungen 14, 2004, 207-232.
3
Die von U. Siegel und T. Horn durchgeführte Untersuchung machte sich
zunutze, dass bei starker Feuchtigkeit Lehmziegelmauern von angewehtem
Erdreich deutlich zu unterscheiden sind.
4
K. Otto-Dorn, Grabung im umayyadischen Rusafah, Ars Orientalis 2, 1957,
121; D. Genequand, Projet „Implantations umayyades de Syrie et de Jordanie“.
Rapport de la mission de prospection (Juin/Juillet 2002), in: Schweizerisch-Liech-
tensteinische Stiftung für archäologische Forschungen im Ausland. Jahresbericht
2002 (Zürich 2003) 49 bezeichnet ein in Qasr al-Heir al-Sharqi verwendetes
Ziegelformat der gleichen Größe als typisch für die umaiyadische Zeit.
5
Neben dem Ziegelformat ist für Genequand a. O. (Anm. 4) 49 der Grundriss
mit Ecktürmen und Zwischentürmen an den Fassaden ein wesentliches Merk-
Abb. 1: Luftbild des Bereichs ‚Mitte‘ von Süden (M. Stephani 1999). Abb. 3: FP 142 (Schnitt 59-1) Podest, Blick von Norden, 2007.
mal umaiyadischer Architektur.

Axel Schuhmann, MSD 2006-08


TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, FAKULTÄT VI, INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR
UNIV.-PROF. DR.-ING. DOROTHÉE SACK, FACHGEBIET HISTORISCHE BAUFORSCHUNG, MASTERSTUDIUM DENKMALPFLEGE,
STRASSE DES 17. JUNI 152, SEKR. A 58, 10623 BERLIN, TEL. 030-314-796 11, MAIL: msd@tu-berlin.de

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Prozessfarbe Schwarz