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Deutsch

Mit dem Begriff Sachtext wird jeder Text bezeichnet, dessen Intention (Absicht) es in der Regel ist,
Fakten zu liefern und (z. B. in der Zeitung oder anderen Medien) über Dinge zu informieren.

Intentionen für Sachtexte sind:

 informativ/informierend/darstellend: Ein Sachverhalt wird beschrieben, der Leser wird


über einen Sachverhalt/über Tatsachen informiert (Beispiel: Bericht, wissenschaftliche
Publikation)
 expressiv: Der Leser wird über die eigene Situation des Autors informiert
(Beispiel: Selbstmitteilung)
 kommentierend: Dem Leser wird eine Meinung zu einem Sachverhalt mitgeteilt
(Beispiel: Kommentar/Zeitungsartikel),
 appellativ/appellierend: Es wird versucht, den Leser zu einem bestimmten Verhalten
aufzufordern/einer bestimmten Haltung zu bewegen (Beispiel: Rede, Wahlprogramm)
 argumentativ/argumentierend: Eine Meinung wird geäußert, der Leser soll davon mit
Argumenten überzeugt werden (Beispiel: Erörterung/Stellungnahme)
 normativ/normierend: Es wird definiert, Regeln werden festgelegt; der Leser wird
veranlasst, bestimmte Regeln einzuhalten (Beispiel: Norm, Gesetz, Hausordnung)
Zeitform von Sachtexten

Die Darstellung in einem Sachtext ist in der Regel sehr allgemein gehalten. Es wird dargestellt, wie
etwas immer (oder meistens) ist. Daher sind Sachtexte meistens im Präsens verfasst.

Wenn sie jedoch über Sachverhalte aus vergangen Zeiten berichten, dann stehen die Texte meist im
Präteritum.

Inhalt von Sachtexten

Sachtexte können verschiedene Inhalte haben. Denn eigentlich können sie über alles berichten,
solange es eine reale Tatsache ist oder war.

Sachtexte informieren darüber, wie Ereignisse grundsätzlich ablaufen. Einzelfälle oder einmalige
Ereignisse interessieren daher nur aus einem bestimmten Grund: Allgemeine Aussagen werden auf
diese Art veranschaulicht oder belegt, sodass sich der Leser ein Bild davon machen kann. Viele
Sachtexte legen also ihren Fokus auf das Allgemeine und Grundsätzliche.

Allgemein

Im Vergleich zu poetischen Texten stehen bei Sachtexten vor allem der Gebrauchs- und
Informationswert, der pragmatische Kommunikationszusammenhang (die Frage nach der Absicht
des Verfassers und der Wirkung beim Adressaten) im Vordergrund.
Man wird also bei Sachtexten u.a. zunächst die folgenden Fragen stellen: Wer sagt wem was warum
mit welcher Absicht?
Ähnlich wie bei poetischen Texten werden danach Gesichtspunkte wie Thema/Inhalt, Aufbau,
Textsorte, sprachlich-rhetorische Wirkungsmittel einbezogen (Analyse von Sachtexten). In Sachtexten
geht es vor allem um folgende Schwerpunkte und Absichten:

 Darstellung von Wirklichkeit (Bericht, Beschreibung, Protokoll, Inhaltswiedergabe)


 Wiedergabe persönlicher Eindrücke, Gefühle und Überzeugungen (Brief, Tagebuch, Essay)

 Kommentierung, Erklärung, Begründung von Sachverhalten (Kommentar, Erörterung,


Leserbrief, Glosse, Essay)

 Beeinflussung, Werbung (Werbetext, Werbespot, politische Rede, Aufruf)

 Normierung (Gebrauchsanleitung, Gesetzestext, Schulordnung).

Eine besondere Form eines Sachtextes stellt die Rede als ursprünglich mündliche Form dar. Sie ist im
Vergleich zu dialogischen Formen (Gespräch, Diskussion) eine monologische Form. Im Sinne des
Kommunikationsmodells von Bühler kann man mit einer Rede unterschiedliche Absichten verfolgen:
informieren, persönliche Gefühle zum Ausdruck bringen, appellieren, argumentieren.

PARABEL

Als Parabel wird eine epische Kleinform bezeichnet, die mit dem Gleichnis verwandt ist. Die Parabel
ist eine kurze, lehrhafte Textsorte, die durch den Empfänger (Leser, Hörer) entschlüsselt werden
muss. In einer Parabel wird eine Geschichte erzählt, die sich auf eine eigentlich gemeinte Situation
übertragen lässt. In diesem Zusammenhang spricht man von zwei Ebenen: der Bildebene sowie der
Sachebene. Die Bildebene beschreibt das vordergründige Geschehen, aus dem durch Deutung das
Eigentliche abgeleitet werden kann: die Sachebene. Die Parabel ähnelt demnach der Fabel und der
Allegorie.

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Der Begriff lässt sich vom lateinischen parabola, das auf das altgriechische parabolē (παραβολή)
zurückgeht, ableiten und mit Nebeneinanderstellung, Vergleichung, aber auch Gleichnis übersetzen.
Demnach verweist bereits die Übersetzung des Wortes darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich
um das Gleichsetzen zweier Situationen, also dem, was in der Erzählung gezeigt wird und dem, was
wirklich gemeint ist.

 Die Parabel ist eine epische Kurzform und ist demzufolge eher von geringem Umfang und
zumeist in Prosa verfasst. Sie ist eine Form der Lehrdichtung und hat demzufolge einen
erzieherischen Charakter. Sie will den Empfänger (Leser, Hörer) also zu etwas bewegen.

 Die Ursprünge dieser Textsorte liegen in der antiken Rhetorik, wobei Parabeln sowie
Gleichnisse häufig herangezogen wurden, um die eigene Argumentation zu
stützen (vgl. Argumenttypen). Im Neuen Testament der Bibel sind es beispielsweise die
Gleichnisse Jesu, die sich durch einen parabolischen Charakter auszeichnen und zum
Veranschaulichen seiner Reden dienen.

 Der Empfänger muss aber das, was die Parabel aussagen will, selbst erschließen. Die Textart
präsentiert also etwas, das durch den Leser auf eine bestimmte Art und Weise verstanden
werden kann. Meist ist das eine gesellschaftliche, religiöse oder philosophische Wahrheit.

 Hier spricht man von einer Bildebene und einer Sachebene. Die Bildebene meint das, was die
Parabel tatsächlich erzählt und was der Empfänger auf den ersten Blick „zu sehen“ bekommt.
Mithilfe einer Analogie muss der Leser das Gezeigte (Bildebene) zum
Gemeinten (Sachebene) wandeln. Zwischen zwei Dingen besteht dann eine Analogie, wenn
sie sich durch ein Merkmal ähnlich sind (Tertium comparationis). In anderen Merkmalen
können sie sich unterscheiden.

 Allerdings ist eine Parabel nicht immer eindeutig, weshalb durchaus mehrere Schlüsse
„erlaubt“ sind. So grenzt sie sich teilweise von ähnlichen Textsorten ab, die häufig nur einen
Schluss vorsehen (Gleichnis, Fabel). Beispielhaft sind hier die Parabeln Kafkas, die häufig
nicht eindeutig aufzulösen sind, sondern stets mehrdeutig zu lesen sind (vgl. kafkaesk).

 Selten steht die Parabel für sich. In der Regel ist sie in ein größeres Werk eingebettet, wie
etwa ein dramatisches oder episches Werk. Beispielhaft kann hier die Ringparabel aus
Lessings Nathan der Weise angeführt werden, die lediglich ein Teil eines größeren Werkes ist.

Epische texte

Die Epik gilt als eine der drei großen literarischen Gattungen. Im folgenden Artikel lernst du alles rund
um epische Textformen wie z.B. die Kurzgeschichte, das Märchen oder den Roman. Wir stellen dir
alle Erzählformen aus der Epik vor und helfen dir dabei Analysen zu epischen Texten zu verfassen.

An dieser Stelle sei nochmal darauf hingewiesen, dass kein Text der Epik sich streng an die hier
genannten Merkmale hält. Viele Autoren greifen Traditionen auf, modernisieren sie oder brechen
bewusst mit ihnen um eine Wirkung zu erzeugen.

Die Kurzgeschichte

Die Kurzgeschichte gehört zu den bekanntesten Textformen, die der Epik zugehörig sind. In der
Schule gehören sie zu den beliebtesten Themen der Lehrer, da sie eine klare und nachvollziehbare
Struktur- sowie klar definierbare Eigenschaften nachweisen und sich leicht in Klassenarbeiten und
Klausuren einbauen lassen.

Kurzgeschichten besitzen eine klare Struktur, die sich anhand folgender Punkte darstellen lässt:

Eigenschaften von Kurzgeschichten

 Textlich kurz gefasste Geschichte

 Chronologische Erzählreihenfolge

 Direkter Einstieg ins Geschehen

 Charaktere werden nicht/gering vorgestellt

 Wenig Hauptfiguren

 Handlung der Geschichte ist überschaubar

o Behandlung von alltäglich Themen

o Zeitlicher Handlungsrahmen begrenzt


 Kaum/Keine Zeitsprünge innerhalb der Geschichte

 Orte der Handlung oftmals unbekannt

 Unvorhersehbare Wendung am Ende der Geschichte

Wie ihr den Stichpunkten entnehmen könnt ist eine Kurzgeschichte anhand Ihrer Eigenschaften leicht
zu identifizieren.

Besonders auffällig sind die wenig übermittelten Informationen über Personen, Zeit, Orte und
Umstände der Geschichte. Der Leser wird direkt ins Geschehen gerissen, was der Kurzgeschichte
einen unverkennbaren Charakter an Schnelligkeit gibt.

Die Novelle

Die Novelle als Kleingattung der Epik setzt es sich als Ziel etwas Neues zu beschreiben. Das „Neu“ (lat.
novus) tritt in diesem Kontext auf unterschiedlichste Weise auf. Eine neue Wendung innerhalb der
Handlung oder auch eine neue Form der Erzählweise einer Geschichte. Goethe beschrieb die Novelle
als Teil der Epik etwas präziser. Goethe sagt, dass in Novellen eine unerhörte Begebenheit passiert.
Hier sei Vorsicht geboten: „unerhört“ meint hier das Neue, das Unbekannte, das Einmalige oder auch
nie Gehörtes.

Ein gutes Beispiel ist hier Heinrich von Kleists Die Marquise von O. Das Unerhörte besteht darin, dass
die besagte Marquise als Adelige eine Zeitungsannonce aufgibt. In dieser sie nach dem Vater ihres
ungeborenen Kindes sucht.

Eigenschaften einer Novelle

 Ziel der Novelle: etwas Neues beschreiben

 Das „Neue“ ist meist etwas außergewöhnliches, was nicht erwartet wird

 Handlung erzählt aus dem alltäglichen Leben

 Wenige Protagonisten

 Es werden kaum neue Charaktere im Laufe der Geschichte vorgestellt

 Charaktere werden kaum vorgestellt

 Handlung der Novelle ist überschaubar

 Zeitsprünge innerhalb der Handlung üblich

Das Märchen

Eine weitere Textform aus der Epik ist das Märchen.


Märchen stammen aus dem Volksmund. Ihr Inhalt bezieht sich im Gegensatz zur Sage oder Legende
auf nicht reale Ereignisse und Orte. Im Märchen gibt es keine uns bekannten Länder, jedoch finden
sich parallelen zu den uns bekannten Kulturen. Häufig ist die Rede von einem weit entfernten
Königreich, in dem es Prinzen, Prinzessinnen, Könige, Königinnen oder Hexen gibt.

Eine weitere Eigenschaft des Märchens ist das Vorkommen von phantastischen Elementen: gute
Feen, böse Feen, ein ewiger Schlaf oder auch Knüppel, die von selbst aus einem Sack kommen und
unliebsame Menschen verprügeln – der Fantasie scheinen in Märchen keine Grenzen gesetzt zu sein.
Märchen haben in der Regel eine positive Auflösung, in der die Heldenfigur eine große Belohnung
erhält und der Antagonist für ewig gestraft wird.

Eigenschaften von Märchen

 Märchen beziehen sich nicht auf wahre Begebenheiten

 Stammen oftmals aus dem Volksmund

 Hauptfiguren reichen vom armen bäuerlichen Mädchen bis hin zum schönen Prinzen

 Vorkommnis von phantastischen Elementen wie z.B. Feen, Drachen, Zauberei, sprechende
Tiere uvm.

 „Es war einmal…“ wird oft als Einstieg in das Märchen gewählt

 Am Ende des Märchens wendet sich alles zum Guten

 Orte entspringen der Phantasie des Autors

 Zeitsprünge innerhalb der Handlung üblich

 Autor oft unbekannt

 Es kommen noch viele weitere Eigenschaften vor, die nicht aufgelistet wurden

Der Roman

Der Roman ist mittlerweile im literarischen Mainstream angekommen. Dabei hatte er zu Beginn
einen schwierigen Start: In Romanen beschriebene Abenteuer und Liebesgeschichten galten als
unmoralisch. Selbst Schiller äußerte sich seinerseits negativ über diese epische Gattung. Er
denunzierte sie als dem gemeinen Leben zu nahe. Erst mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts wurde
davon abgesehen, die Eigenschaften des Romans als negativ zu verkennen. Die Nähe zur Gesellschaft
wird inzwischen positiv ausgelegt und als Chance zur Authentizität begriffen.

Durch die Erfindung des Buchdrucks gelangten viele Romane in einfache Haushalte. Gewöhnliche
Menschen bekamen durch die schnelle Verbreitung von Romanen die Möglichkeit sich mit diesen
auseinanderzusetzen. Dies war in der damaligen Zeit kaum Möglich, da viele Werke mangels
fehlender Exemplare vorgelesen wurden. Durch den Buchdruck war es nun möglich sich mit dem
Buch in der Hand im Stillen mit der Geschichte auseinander setzen. Durch die Abenteuer und
Liebesgeschichten entfachte der Roman einen Ruck, der durch die ganze Gesellschaft ging. Menschen
zogen sich Inspiration und Mut aus der Literatur, was eine ganze Epoche prägte.

Eigenschaften von Romanen

 Romane werden in Prosa und nicht in Verse geschrieben

 Handelt oftmals von Abenteuer- und Liebesgeschichten

 Handlung ist fiktional

 Freiheit in Form von Romanen erlaubt komplexe Werke (sprich: Umfangreiche Handlung)

 Komplexität spiegelt sich durch viele Charaktere in der Geschichte wider

 Geschrieben in verständlicher Sprache

 Romane sind fiktionale Texte der Epik

 Erzählen von Konflikt zwischen einzelner Person und Gesellschaft

Die Fabel

Eine weitere Textsorte aus der Epik ist die Fabel. Diese Gattung ähnelt dem Märchen, weist bei
genauerem Hinsehen jedoch Unterschiede auf. In der Fabel und dem Märchen existieren
ausschließlich fiktive Handlungsort und die Vermittlung von moralischen Werten ist eine der
wichtigsten Botschaften der Geschichte.
Unterschiede finden sich dagegen in der Ausgestaltung der Handelnden Charkakte. Tierwesen
werden in der Fabel durch menschliche Charakterzüge vermenschlicht. Füchse sind meist clever und
hinterlistig. Lämmer gelten in der Fabel als schwach und unschuldig. Der Grund für die
Vermenschlichung der Tierwesen liegt in der Angst der Autoren vom Adel verfolgt zu werden. Häufig
werden in der Fabel moralische Werte vermittelt, die Kritik am Adel übten.

Tempo

Wenn wir davon ausgehen, dass die Erzählzeit die Zeit meint, die der Erzähler braucht, um die
Geschichte darzustellen oder ein Leser benötigt, um sie zu konsumieren, können wir sehen, dass es
bei der Erzählzeit prinzipiell um ein Verhältnis zwischen discours (Art und Weise, wie erzählt wird)
und histoire (Geschichte) geht. Dieses Verhältnis bildet schließlich das Erzähltempo einer Geschichte
(Erzählgeschwindigkeit).

Ist die erzählte Zeit im Werk länger als die Dauer, die zum Lesen der Geschichte benötigt wird,
sprechen wir von einer Zeitraffung, ist beides ungefähr gleich lang, haben wir es mit zeitdeckendem
Erzählen zu tun. Erstreckt sich die Erzählung über zahlreiche Seiten und schildert nur einen kurzen
Moment, kann das Erzählen als zeitdehnend beschrieben werden.
In einem Werk gibt es zwei Möglichkeiten, der Zeitmessung. Einerseits gibt es die Erzählzeit und und
andererseits die erzählte Zeit. Die Erzählzeit meint die Zeitspanne, die ein Leser zum Lesen benötigt
und wird meist mithilfe der Textmenge angegeben. Die erzählte Zeit ist die Zeit, die im Werk
tatsächlich erzählt wird.

Aus dem Verhältnis dieser beiden Ebenen, ergibt sich die Geschwindigkeit einer Erzählung: das
Erzähltempo. Dabei kann entweder zeitraffend, zeitdeckend oder zeitdehnend erzählt werden.

Mithilfe des Erzähltempos lassen sich Abschnitte eines Werkes oder sogar verschiedene Werke
miteinander vergleichen. Das Erzähltempo bestimmt nämlich maßgeblich den Rhythmus einer
Geschichte. Dieser Rhathmus kann innerhalb eines Werkes durchaus wechselhaft sein.

INHALTSANGABE -Andorra

Das Drama »Andorra«, an dem Max Frisch von ersten Prosafassungen 1946 über verschiedene
dramatisierte Fassungen in den Jahren 1957 bis 1961 gearbeitet hatte, wurde am 2. November 1961
am Schauspielhaus in Zürich uraufgeführt. Frisch war intensiv an den Probenarbeiten beteiligt und
fügte bis zur deutschen Erstaufführung am 20. Januar 1962 in München, Frankfurt und Düsseldorf
noch weitere Änderungen in den Text ein. In seinen »Notizen von den Proben« problematisiert der
Autor immer wieder die Tatsache, dass ein Bild, ein erster Eindruck einer Figur, eigentlich die
komplette Rolle dominiert.



Das Drama spielt auf dem Platz von Andorra, einem südländisch geprägten, sparsam
ausgestatteten Dorfplatz in einem fiktiven Land, das nach Frischs eigener Aussage nichts mit dem
pyrenäischen Kleinstaat Andorra zu tun hat. Frisch legt Wert darauf, dass die Personen aktuelle
Kleidung tragen, das Drama soll also in der Jetztzeit spielen.

Szenen, die nicht auf dem Platz spielen, werden nach Frischs Anweisung in den Bühnenvordergrund
verlegt und nur durch Lichtregie vom üblichen Handlungsort abgegrenzt. Dort treten die Schauspieler
auch immer wieder aus ihrer Rolle heraus und kommentieren in einer Art Zeugenstand das
Geschehen und ihr Verhalten in der Rückschau.

Andri, der Pflegesohn des Lehrers Can liebt Barblin, die Tochter des Lehrers. Der Lehrer gibt Andri als
von ihm gerettetes Judenkind aus, das er vor den »Schwarzen« gerettet habe, einem mächtigen
Nachbarvolk der Andorraner, das Juden verfolgt und tötet. In Wirklichkeit ist Andri aber der Sohn des
Lehrers aus einer außerehelichen Beziehung mit einer »Schwarzen«, also Barblins Halbbruder und
kein Jude. Obwohl die Juden in Andorra nicht verfolgt werden, ist die andorranische Gesellschaft
durchsetzt von antisemitischen Vorurteilen. So wird Andri immer wieder mit angeblichen
Eigenschaften konfrontiert, die ihm zugeschrieben werden, weil er Jude sei. 
Der Tischler, der ihn nur
widerwillig und für ein völlig überhöhtes Lehrgeld als Lehrling aufgenommen hat, ist so sehr davon
überzeugt, dass Andri als Jude keine handwerklichen Fähigkeiten besitzen kann, dass er den
schlechten, vom Gesellen geschreinerten Stuhl Andri anlastet. Er hört nicht auf dessen Beteuerungen
und der Geselle, der sich kurz zuvor noch als Andris Freund bezeichnet hat, klärt den Irrtum nicht auf.
Andri wird vom Tischler in den Verkauf versetzt, wo er dessen Meinung nach besser hinpasse.
Endlich ringt Andri sich durch, beim Lehrer um Barblins Hand anzuhalten. Der lehnt natürlich ab, da
die beiden Halbgeschwister sind. Andri bezieht diese Ablehnung aber auf seinen Judenstatus und
verliert damit auch zum Lehrer jedes Vertrauen. In dieser Nacht schleicht sich der Soldat, der schon
lange ein Auge auf Barblin geworfen hat, in ihr Zimmer. Als sie schreien will, hält er ihr den Mund zu.
Es bleibt offen, was weiter geschieht. Der Lehrer kommt zu Andri, der auf Barblins Schwelle schläft
und will ihm die Wahrheit sagen, aber Andri weist ihn ab. Am Morgen entdeckt er den Soldaten in
Barblins Zimmer.

Ein Gespräch mit Pater Benedikt, der ihm prinzipiell wohlgesonnen ist, bringt Andri nicht weiter, weil
dieser ihn dazu drängt, sich in seinem Anderssein als Jude anzunehmen und nicht auf die Andorraner
zu achten, während Andri immer versucht hat, sich möglichst anzupassen.

Andris Mutter, die »Senora«, kommt nach Andorra, um Andri zu sehen und der Lehrer entschließt
sich endlich, den Andorranern Andris Status als sein Sohn zu offenbaren. Der Pater soll Andri diese
neue Wahrheit nahe bringen, aber Andri hat Anderssein, sein »Judsein«, inzwischen so sehr
verinnerlicht, dass er auch ihm nicht glaubt. Während der Pater mit Andri spricht, wird die Senora auf
dem Heimweg erschlagen, der Mord aber sogleich Andri angelastet.

Die »Schwarzen« marschieren in Andorra ein und alle Andorraner bis auf den Lehrer und Barblin
verwandeln sich im Handumdrehen in Mitläufer, die sofort die Waffen strecken. Der Soldat tritt in
Dienste der Besatzer.

Andri spricht noch einmal mit Barblin, will von ihr wissen, wie oft sie mit dem Soldaten geschlafen
hat und sucht selbst ihre körperliche Nähe. Barblin versucht Andri vor den »Schwarzen« zu
verstecken, aber der Soldat kennt Barblins Kammer und Andri wird verhaftet.

Auf dem Platz findet eine »Judenschau« statt. Alle Andorraner müssen ihre Schuhe ausziehen,
werden mit einem schwarzen Tuch verhüllt und müssen barfuß über den Platz gehen. Barblin
versucht die Andorraner zum Widerstand zu überreden, doch diese kehren ihr den Rücken zu. 
Der
»Judenschauer« erkennt Juden an ihrem Gang. Andri wird offiziell als Jude »enttarnt« und exekutiert.
Andris Vater, der Lehrer, erhängt sich daraufhin. Die Andorraner bedauern die Geschehnisse zwar,
fühlen sich aber unschuldig. Barblin ist verrückt geworden und weißelt am Ende das Pflaster auf dem
Platz, so wie sie im ersten Bild das Haus ihres Vaters geweißelt hat.

Wie in vielen seiner Werke so behandelt Frisch auch in Andorra das Problem der Identität. Andri wird
seine jüdische Identität von den Andorranern so sehr eingebläut, dass er am Ende sogar der quasi
»objektiven« Überprüfung durch den Judenschauer standhält und als Jude enttarnt wird. Die
Andorraner haben sich ein Bildnis von Andri gemacht. Dieses Bildnis ist letztlich stärker als Andris
wirkliche Identität und wird von ihm selbst verinnerlicht. Die Andorraner, auch der eigentlich
gutwillige Pater, machen sich schuldig, weil sie sich ein Bildnis von Andri machen, ihn dadurch seiner
Individualität berauben und letztlich ins Verderben schicken. Frisch will ein Erschrecken über diesen
Vorgang provozieren, dem sich der Leser, noch intensiver der Theaterbesucher, nicht entziehen
kann. Das gelingt ihm mit seiner Parabel über gesellschaftliche Zwänge, Rassismus und menschliche
Feigheit.

Der Vorleser
Der 1995 erschienene Roman »Der Vorleser« von Bernhard Schlink handelt von Michael Berg und
seiner abhängigen Liebe zu einer älteren Frau, die als Kriegsverbrecherin angeklagt wird. In einem
Rückblick erzählt Michael Berg von seinem Leben im Zeitraum von 1959 bis 1984.

»Der Vorleser« beinhaltet mehrere interpretationswürdige Motive. Im Mittelpunkt steht wohl der
Umgang mit Schuld und Vergangenheit. Es wird unter anderem die Frage der Kollektivschuld und der
Verantwortung der Nachkriegsgenerationen aufgeworfen. Für den Selbstmord Hannas gibt es
unterschiedliche Erklärungsansätze, die von erfolgloser Vergangenheitsbewältigung bis zur scheinbar
unerfüllten Liebe reichen.

Gerhart Hauptmanns »Vor Sonnenaufgang« ist ein soziales Drama in fünf Akten, das 1889 in Berlin
uraufgeführt wurde. Es spielt auf dem Bauerngut der Familie Krause im fiktiven schlesischen Witzdorf
zu seiner Entstehungszeit. Die Handlung setzt am frühen Abend eines Septembertages ein und
entwickelt sich in wenig mehr als 24 Stunden. Hauptfiguren sind der soziale Aufklärer Alfred Loth als
Gast seines früheren Weggefährten Ingenieur Hoffmann und dessen Schwägerin Helene Krause. Loth
will Studien über die Lebensbedingungen der Bergarbeiter der Region betreiben, die Hoffmann
kompromittieren würden. Als Helenes Versuch scheitert, dem Milieu von Stumpfheit und Verfall
durch eine Beziehung zu Loth zu entkommen, nimmt sie sich das Leben.

1. Akt

Alfred Loth erscheint auf dem Bauerngut der Familie Krause und wird von deren Schwiegersohn
Hoffmann überschwänglich begrüßt. Loth und Hoffmann haben sich seit den gemeinsamen
Studienzeiten nicht gesehen. Hoffmann ist zu Reichtum gekommen und distanziert sich von den
revolutionären Gedanken der Jugendzeit. Beide hatten einen sozialistischen Musterstaat in Amerika
gründen wollen. Loth hat für seine Überzeugungen zwei Jahre im Gefängnis eingesessen und hält
weiterhin an ihnen fest. In der Bergbauregion will er Material für eine sozialkritische Studie sammeln.
Loth erhält von Hoffmann einen Scheck zur Unterstützung seiner Arbeit.

Loth hat Gerüchte gehört, nach denen Hoffmann den Bauunternehmer Müller, der eine Gebirgsbahn
für den Kohlentransport bauen wollte und mit Martha Krause verlobt gewesen war, aus seiner
Position verdrängt hat. Nach Müllers Selbstmord hat Hoffmann Martha geheiratet und das
Bauprojekt für die profitable Bahn übernommen. Zudem hat er sich das Recht an der unter den
Feldern der Bauern liegenden Kohle erschlichen.

Helene, die jüngere Schwester von Martha, trifft auf Loth. Sie beklagt die Degeneration der Bauern.
Ihre Erziehung in der Internatsschule Herrnhut hat sie ihrem Herkunftsmilieu entfremdet. Als sie Loth
ihre Angst vor den finsteren Bergarbeitern gesteht, erzählt dieser ihr von seinen Studien, die zur
Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen führen sollen.

Am festlichen Abendessen, das Hoffmann zu Ehren des Gastes angeordnet hat, nimmt auch Helenes
Stiefmutter teil, eine ungebildete Frau, die nach der Heirat mit dem verwitweten Bauern Krause zu
den Neureichen des Dorfes zählt. Ihr Neffe und zugleich Helenes Verlobter, der tumbe Jäger Wilhelm
Kahl, ist ebenfalls zugegen. Während alle eifrig dem Alkohol zusprechen, stellt der abstinent lebende
Loth den verbreiteten Alkoholismus an den Pranger.

2. Akt

Bauer Krause kommt in der Morgendämmerung wie gewohnt stark betrunken auf den Hof. Helene
eilt nach unten, um ihn unbemerkt ins Haus zu bringen. Lallend bietet Krause seiner Tochter Geld für
Liebesdienste an und wird zudringlich, während Kahl halb angezogen heimlich aus dem Haus
schleicht.

Loth und Helene begegnen sich am Taubenhaus. Sie reden zunächst über Literatur, von der Helene
Trost und Hilfe erwartet, Loth dagegen Aufklärung und Ideale. Loth sieht sich als Kämpfer für das
Glück aller und will sich für soziale Gerechtigkeit und gegen die Verherrlichung des Krieges einsetzen.
Helene und Loth tauschen ihre Erfahrungen über die harten, zum Teil lebensbedrohlichen
Bedingungen der Arbeiter aus. – Frau Krause will die Magd Marie aus dem Haus jagen, weil diese
eine Liebschaft mit dem Großknecht hat. Helene verhindert dies, indem sie Frau Krause androht,
deren Verhältnis mit ihrem Vetter Wilhelm Kahl öffentlich zu machen.

3. Akt

Wegen Marthas Trunksucht, die den Tod ihres ersten Kindes zur Folge hatte, empfiehlt der Hausarzt
Dr. Schimmelpfennig Hoffmann, das erwartete zweite Kind von der Mutter zu trennen und von
Helene erziehen zu lassen.

Hoffmann begegnet Helenes Verzweiflung über die Verkommenheit ihrer Familie mit eindeutigen
Avancen und dem Vorschlag, in sein Haus zu ziehen, sich um das Kind zu kümmern und ihm zu
Diensten zu sein. Helene wendet sich angewidert ab. Hoffmann warnt Helene davor, auf Loths
politische Ansichten und Schwärmereien hereinzufallen. Helene erkennt ihn als Heuchler.

Loth bittet Hoffmann um Unterstützung für seine Studien über die Bergleute. Er will dazu vier
Wochen lang in die Gruben einfahren. Hoffmann ist skeptisch und bringt das Gespräch auf Frauen.
Loth verkündet, dass er von seiner zukünftigen Frau geistige und körperliche Gesundheit erwarte,
außerdem Verständnis für seine Lebensaufgabe und den Mut, den ersten Schritt zu tun und sich zu
erklären. Helene wird Zeugin des Gesprächs, in dessen Verlauf es zum Zerwürfnis zwischen Hoffmann
und Loth kommt; Loht will sich nicht davon abhalten lassen, über die Bergbauregion zu schreiben.
Dabei nimmt er billigend in Kauf, Hoffmann zu schaden, was dieser als Verrat bezeichnet. Hoffmann
wird beleidigend und Loth zerreißt nach Hoffmanns Abgang den erhaltenen Scheck, als Helene
erscheint und Loth ihre Gefühle für ihn offenbart.

4. Akt

Hoffmann kommt zurück, bedauert den Streit und bittet Loth zu bleiben. – Loth und Helene küssen
sich in einer versteckten Laube. Da Helene sich Loths Gefühlen nicht sicher ist, zögert sie, die
Wahrheit über ihren trunksüchtigen Vater zu verraten. – Als Marthas Wehen einsetzen, schickt Frau
Krause nach einer Hebamme, obwohl Hoffmann angeordnet hatte, Dr. Schimmelpfennig
hinzuzuziehen. Helene macht sich selbst auf, den Arzt zu holen.

5. Akt

Dr. Schimmelpfennig kümmert sich im Haus um die Gebärende. Loth erkennt in dem Arzt seinen
ehemaligen Weggefährten. Schimmelpfennig beklagt den Alkoholismus, die Völlerei und Inzucht in
der Gegend und ermuntert seinen alten Freund zu den geplanten Studien. Als der Arzt geht, um nach
der Wöchnerin zu sehen, kommt Helene zu Loth. Sie küssen sich und Helene gesteht ihre Angst, von
Loth verlassen zu werden. Sie beschließen, noch in derselben Nacht gemeinsam zu fliehen.

Dr. Schimmelpfennig erinnert Loth an seine hohen Ansprüche in Bezug auf eine Ehe und klärt ihn
darüber auf, dass Helenes Vater ebenso dem Alkohol verfallen sei wie ihre Schwester Martha, und
Hoffmanns dreijähriger Sohn bereits alkoholabhängig war, bevor er auf tragische Weise ums Leben
kam. Loth schreibt daraufhin Helene einen Abschiedsbrief und will das Haus verlassen und am
nächsten Tag auch die Gegend. Hoffmann ist erleichtert und dankt Loth für dessen vermeintliche
Einsicht und Freundschaft.

Helene überbringt Hoffmann die Nachricht, dass das Kind tot geboren ist. Sie sucht nach Loth und
findet den Brief. Daraufhin tötet sie sich mit einem Jagdmesser, während im Hintergrund ihr Vater
betrunken grölend im Morgengrauen nach Hause kommt.

Das vorliegende Drama begründete den Durchbruch des Naturalismus im deutschen Theater. In
einem seiner ersten Werke gelingt dem späteren Nobelpreisträger Hauptmann eine scharfe
Gesellschaftsanalyse in Verbindung mit einem Familiendrama. Industrialisierung und Kapitalismus auf
der Grundlage der Kohleförderung zerstören die ländlichen Familienstrukturen und führen zum
Niedergang der Bauerngesellschaft. Das Beispiel der gebildeten und resignierten Helene zeigt, dass
die Menschen der Macht des Milieus ausgeliefert sind.

Der Naturalismus

Der Naturalismus ist eine Protestbewegung in der Literatur gegen den Idealismus, die Ende des 19.
Jahrhunderts (1880 – 1900) auftrat. Seine Vertreter schrieben vor allem prosaische Werke und
Dramen. Die Lyrik hatte keine wichtige Funktion für diese Strömung. Die Themen für ihre Werke
fanden sie regelrecht auf der Straße, indem sie sich der Problematik der wachsenden Großstädte
widmeten. Sie machten die Prostitution, den Alkoholismus und auch das sonstige soziale Elend, das
die moderne Industriegesellschaft mit sich brachte, zum Hauptgegenstand ihrer Kunst. Es hatte
bereits in Frankreich, Skandinavien und Russland naturalistische Bewegungen gegeben, an denen
sich die deutsche Szene orientierte.
Der Begriff Naturalismus leitet sich von dem lat. Wort natura, dt. Natur, ab. Er steht für eine
Strömung in der Literatur, die in Deutschland etwa zwischen 1870 und 1900 entstand. Die
Naturalisten legten Wert auf eine detaillierte Beschreibung der Wirklichkeit, die sie mit menschlichen
Sinneseindrücken für erfahrbar hielten. Sie hatten ein materialistisches Menschenbild. Um eine
objektive Darstellungsform zu erreichen, orientierten sie sich in ihrer Kunst an
naturwissenschaftlichen Methoden. Der Naturalismus lässt sich als Aufstand gegen die sozialen,
politischen und kulturellen Verhältnisse verstehen. Philosophisch gesehen war das 19. Jahrhundert
geprägt von der Lehre Ludwig Feuerbachs über den Materialismus, vom Pessimismus Arthur
Schopenhauers und der Milieutheorie des Hippolythe Taine. Nun kam noch die Theorie über
Allmacht der Entwicklung und Vererbung von Charles Darwin hinzu. Diese Denkströmungen
schalteten das christliche Weltbild und den Glauben an das Jenseits aus. Die neuesten Erkenntnisse
der Technik, Industrie, Medizin und Psychologie trugen ebenfalls dazu bei. Aufgrund des industriellen
Wachstums spaltete sich die Gesellschaft in Unternehmer und Arbeiter, in Kapitalismus und
Sozialismus. Die in dieser Zeit heranwachsende Dichtergeneration protestierte gegen jegliche
Sentimentalität und gegen die traditionelle, reine Form der Kunst. Die Weltbetrachtungen
des Realismus schienen ihnen viel zu verklärt zu sein. Deshalb nahmen sie das naturwissenschaftliche
Weltbild der Gegenwart als Herausforderung an und riefen nach einer Verwissenschaftlichung der
Kunst.

Formen

Drama

Das Drama hat den wichtigsten Stellenwert im Naturalismus. Zur damaligen Zeit war es nicht
anerkannt, weil epische und dramatische Aspekte vermischt wurden. Im Zentrum stand die
charakterliche Darstellung der Protagonisten. Die Handlung des Stücks wurde weniger wichtig.
Vielmehr legte man das Augenmerk auf bestimmte Objekte. Das sollte die Echtheit der Darstellung
unterstreichen und die soziale Komponente hervorheben.

Prosa

Die Naturalisten verwendeten häufig kleine epische Formate wie die Kurzerzählung, die Novelle oder
die Skizze. Sie entwickelten eine neue Erzähltechnik: den Sekundenstil. Damit wurde es ihnen
möglich, die Realität im Detail zu schildern. Ein weiteres stilistisches Mittel, das häufig Anwendung
fand, ist der innere Monolog.

Lyrik

Die Lyrik des Naturalismus ist eine soziale Lyrik, die sich den Problemen des Großstadtlebens widmet.
Thematisiert werden die hässlichen Aspekte einer Stadt, das dortige Elend und der Schmutz. Die
naturalistischen Gedichte haben keine Metrik und keine Reimform. Ein weiteres Merkmal ist die
Mittelachsenzentrierung. Dies bedeutet, dass Verszeilen zentriert gedruckt wurden. Dadurch
entstand der Eindruck, sie würden links und rechts flattern.

Wichtige Autoren & Vertreter der Epoche

 Hermann Sudermann (1857 – 1928)

 Arno Holz (1863 – 1929)

 Gerhart Hauptmann (1862 – 1946)

 Karl Schönherr (1867 – 1943)


 Clara Viebig (1860 – 1952)

 Johannes Schlaf (1862 – 1941)

Wichtige Werke der Epoche

 Clara Viebig: Die Dilettanten des Lebens. 1897

 Arno Holz: Das Buch der Zeit. 1885

 Gerhart Hauptmann: Die Weber. 1893

 Johannes Schlaf mit Arno Holz: Papa Hamlet. 1889

 Hermann Sudermann: Frau Sorge. 1887

 Karl Schönherr: Der Judas von Tirol. 1897

 Georg Hirschfeld: Die Mütter. 1896

 Max Halbe: Jugend. 1893

Der Begriff Realismus ist abgeleitet von dem lateinischen Wort res und kann mit Ding oder Sache
übersetzt werden. Realistisch, lat.: realis, bedeutet sachlich und meint, dass etwas lebensecht und
der Wirklichkeit entsprechend, oder der Wirklichkeit nahe kommend gezeigt wird. Es geht also bei
dem Begriff Realismus um eine Darstellung, die die Wirklichkeit widerspiegelt. Der literarische
Realismus stellt vor allem das Leben bürgerlicher Menschen, ihre Lebensumstände und die Art, wie
sie ihre Eingrenzungen erleben oder sich mit ihnen auseinandersetzen, sachlich bzw. objektiv dar.

Merkmale der Epoche Realismus

Aufgrund des gesellschaftlichen und politischen Hintergrunds waren Mitte des 19. Jahrhunderts neue
Definitionen notwendig. Es entstand ein anderer Blickwinkel auf die tatsächlichen Begebenheiten
und auf die begrenzten Aspekte, die man bei Betrachtung der Realität hatte. Während zuvor der
Idealismus maßgeblich gewesen ist, also das Nachdenkten über den Sinn und Zweck aller Dinge und
Wesen, betrachtete man nun genau, was auf der einen Seite der ökonomische Fortschritt und auf
der anderen Seite die politische Stagnation für Lebensumstände mit sich brachten. Das hatte zur
Folge, dass die Existenz jedes einzelnen Menschen durch Zufall und Notwendigkeit erklärt wurde.
Zwar erleichterten die gesellschaftlichen Veränderungen des 19. Jahrhunderts sowohl in der
Wissenschaft und Technik als auch in der Medizin und der Wirtschaft die Arbeit und den Alltag, aber
sie zogen auch Massenarbeitslosigkeit und eine weit um sich greifende Armut mit sich.

Die neuen Errungenschaften der Technik bedeuteten den Ruin für viele Gewerbe. Kleinbauer und
Tagelöhner verließen die ländlichen Regionen, um in der Stadt Arbeit zu finden. Die Folge war eine
Überfüllung der Städte. Dort hatte bis dahin das wohlhabende Bürgertum gelebt. Ebenfalls wohnte
bis zu diesem Zeitpunkt eine kleine Anzahl an Adligen und Klerikern in den Städten.
Diese privilegierte Bürgerschicht war mit der neuen Situation überfordert und es kam zu
Spannungen. Rasant verloren altbewährte Normen an Wert. Wissenschaftliche oder philosophische
Erkenntnisse wurden genauso in Frage gestellt, wie das christliche Weltbild. Von der
Ständegesellschaft war man plötzlich nicht mehr überzeugt und auch nicht mehr vom Leben in
Großfamilien. Die Rolle und Funktion des einzelnen Menschen wurde somit Gegenstand von Kunst
und Literatur. Die Probleme der einzelnen Figuren und ihre Konstellation im neuen gesellschaftlichen
Zusammenleben rückten in den Mittelpunkt. Aber die Wirklichkeit wurde nicht eins zu eins
wiedergeben, sondern mit Hilfe einer kunstvollen, poetischen Sprache.

Deshalb spricht man von einem poetischen Realismus, der die Wirklichkeit dichterisch ausgestaltet.
Die Realitätsnähe in der Literatur diente nicht als Anklage der gesellschaftlichen Umstände, sondern
sie sollte eine beobachtende Instanz sein. Um die größtmögliche Objektivität zu wahren, wurde
auktorial oder aus der Perspektive der Figuren erzählt. In der Literatur des Realismus ist nicht nur das
wirkliche Geschehen wiedergegeben worden, sondern durchaus auch die Wirkungsweise der
verschiedenen Faktoren. Damit sollte ein ganzheitliches Bild dargestellt werden. Doch bezogen auf
die Frage nach dem Sinn des Ganzen, war eine Resignation zu spüren. Diese war natürlich nie ganz
ohne Ironie zu verstehen.

Die Ironie zeigte, dass etwas ohne Leidenschaft oder Tendenz dargestellt werden konnte, auch wenn
die Umstände noch so ärmlich waren. Das Negative dieser Zeit konnte nicht verändert werden. Aus
diesem Grund wurden die literarischen Figuren in Zusammenhang mit der Natur dargestellt. Die
Natur sollte die Struktur der Welt wiedergeben. Durch ihre Beschreibung wurde eine bestimmte
Ruhe oder Stimmung geschaffen, die deutlich machte, dass die Natur stets einem geregelten Ablauf
folgt. Die Autoren bildeten so einen Gegenpunkt zu der Realität, in der die Figuren lebten oder die
Ereignisse stattfanden. Damit wurde deutlich gemacht, dass sich der Mensch nach der Natur zu
richten hatte, denn in ihr war das Urvertrauen zu spüren.

Bekannte Autoren & Vertreter des Realismus

Einige der bedeutendsten Autoren & Vertreter des Realismus sind:

 Theodor Storm

 Theodor Fontane

 Conrad Ferdinand Meyer

 Gottfried Keller

 Friedrich Hebbel

 Gustav Freytag

 Paul Heyse

 Wilhelm Raabe

 Maria Madgalena (Friedrich Hebbel)


 Die Leute von Seldwyla (Gottfried Keller)

Bedeutende literarische Werke des Realismus

Liste einiger der bedeutendsten Werke des Realismus:

 Der Schimmelreiter (Theodor Storm)

 Effi Briest (Theodor Fontane)

 Irrungen, Wirrungen (Theodor Fontane)

 Immensee (Theodor Storm)

 Die Ahnen ( Gustav Freytag)

 Der Nachsommer (Adalbert Stifter)

Der literarischen Epoche des Realismus wird in etwa in die Zeit von 1848 bis 1890 eingeordnet. Ein
markantes Zeitereignis ist die Märzrevolutuion von 1848/49. An diese hatte das liberale Bürgertum
große Erwartungen geknüpft. Es kam jedoch nicht zu durchgreifenden Veränderungen der politischen
Verhältnisse. Der Wunsch nach einer nationalen Einigung Deutschlands konnte nur in Form einer
kleindeutschen Lösung unter der Vorherrschaft Preußens erfüllt werden. Zu dieser für Viele
unbefriedigenden politischen Situation kam noch eine sich verschlechternde soziale Komponente
hinzu. In den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts hatte es ein erhebliches
Bevölkerungswachstum gegeben.

Gegenströmungen – Naturalismus (1890-1920)

Die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert bezeichnet man als den Anfang der Moderne. Sie wurde
am stärksten durch die Gedanken von Sigmund Freud, Friedrich Nietzsche und
Albert Einstein geprägt.

Literarische Strömungen

Rund um die Jahrhundertwende existierte also eine große Zahl an unterschiedlichen Stilrichtungen,
die nicht genau auseinandergehalten werden können. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich gegen den
Naturalismus stellten und ihn meist überwinden wollten.

Die wichtigsten Gegenströmungen zum Naturalismus (1890 - 1920) waren:

 Impressionismus

 Neuromantik

 Symbolismus
 Dekadenzdichtung

 Ästhetentum

Die Schriftstellerinnen und Schriftsteller sind häufig verschiedenen Stilen zuzuordnen. In den
folgenden Kapiteln wird der Fokus darauf gelegt, das Typische dieser Strömungen sowie ihre
wichtigsten Einflüsse zu beleuchten.

Von den vielen Personen, die in einer oder mehreren Gegenströmungen zum Naturalismus wirkten,
werden vor allem solche aus dem Umkreis des "Jungen Wien" behandelt - der zu dieser Zeit
bedeutendsten Literaturverbindung in Österreich.

Das Literatencafé Griensteidl war ein wichtiger Treffpunkt der Wiener Literaturkultur

Schnitzler war ein Wiener Arzt jüdischer Herkunft, ein Vertreter der feineren Dekadenz mit ihrer
seelischen Müdigkeit. Seine Dichtungen sind geistreich und gefühlvoll, manchmal
etwas rührselig, ironisch und melancholisch, verspielt und frivol, zuweilen unmoralisch. Hinter
vielen steht deutlich merkbar der Einfluss Sigmund Freuds.

Die Lieblingsgestalten Schnitzlers sind reiche, feingebildete,


leichtsinnige Lebemänner, Weltdamen und "süße Mädel". Leicht geknüpfte und leicht
gelöste Liebesverhältnisse bilden oft die äußere Handlung. Das Leben erscheint ihm als ein törichtes
Spiel, das ernst zu nehmen kaum der Mühe wert ist.

Neben erotischen Fragen interessieren ihn besonders psychologisch merkwürdige Fälle,


absonderliche, nachtseitenhafte Seelenzustände. Bedeutung
Schnitzlers Bedeutung liegt vor allem in der Erfassung seelischer Probleme, die vordem
als ungreifbar galten, und in der Feinheit der Zergliederung seelischer Vorgänge.