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ERNST BLOCH

Rettung Wagners durch Karl May


. ERNST KRENEK
Das Schubart-Jahr ist zu Ende
KURT WEILL
Zur Dreigroschenoper
ALFREDO CASELLA
Scarlä.ttiana
TH. WJESENGRUND-ADORNO
Nachtmusik

I,Jn$ere neuen Sonderrubriken :

MUSIK UND TECHNIK (Frank Warschauer)


KOMPOSITIONSKRITIK (Redlich, Strawinsky "Apoll")
UNTER JEDER KRITIK •..
REVUE DES MONATS
A N
u,.JAHRGANG
-a· R u··· C H
I
1929 11,.JAHRGANG I .JANUAR1929

HEFT 2

IMPRESSIONISMUS ZUM NEUEN .JAHRGANG


. Di~ Zei:tschrift beginnt ihr neues Jahr mit verkü,r~te~ Namen::
erscheint anfangs Februar s1e heißt mcht mehr "Mnsikblätter des Anbruch~' sondern nur nor;h
"Anbruch''. Es gibt keinen. anderen - literarische~ -'-- Anbruch milhr
als ·dessen Musikblätter die ·Zeitschrift erschiene; ini Leserkreis ist d~
Bla!t.längst nur .als "Anbruch'' bekannt, und kein' A!}laß besteht,· es
AUS DEM INHALT:' ?ffiZiell and~rs zu nennen als ~e~n leb~ndiger N:ame wäre, da ~ do~h
msgesamt kem Freund des Offiziellen 1st. · -
Ernst Ktenek, Französisches u'nd d~utsches Musikempfinden /
. Gleichwohl ·will die Nam.ensä:?~erting vielleicht mehr. aussagen 31&,
Hans Redlich, Der Originalm~~ssorgsky I Kurt Wutph'al, eme blanke Tendenz zur R.atwnalis1erung. Wer heute Namen wechseln .
Die Harmonik Skrjabins I Fred Goldbec;k, alick aufDebussy I möchte, könnte es praktischer anfangen als· :indem· tlr. a.m .Worl'·--
ä H. Stuckenschmidt, Erik Satie . ,.Anbruch" ~esthä:lt; f~r u!lser Wort sp~icht zwar 4ie Traditiori~"d.:ß.,)f..
zehn Jahre, m denen steh un Anbruch. ·die drärroendert Ttlntlenzen··Jalm
Musik spiegelten; ·gegen·e~ jedoch, daß es der Zeitd~s Expves'sionishi~Oi.
*' entstammt und deren Ze1chen trägt. Und man 'weiß;; daß -heute;:ci~_n; ··
Expressionismus wenig angesehen mehr ist~ weiß wei:t{lr•· dtJjß.
Kompositionskritik I Musik u~d Technik/ Revue des Monats kalisehe Entwickl.ung de~. letzten ~ünf Jahre, ill ·d~r.~~icll: ja
·.. ' ::
· ·
von dem, was w1r erschuttert memten, an .der Oberfläche. ~-.<- ,_ •., · '"· •·'
aufs neue verfestigt hat,. ihrer Stimmung nach . ·
geschichtsfreien materialen Selbstbestimmtheit '~e:<thriß
trägt,- günstiger wäre als einem, der von
ausgeht und verändern möchte, wovon man doch• ..n!leiiJi.l.t .lel'!·:'sP..i·,i,!ürl'~lf'c•;
lic~ ·. \vieder s~cher geworden und .man könrite· 'B'efifal:li)llithen .
tre1ben. Wer s1ch heute nach den f:flSch ·entdeckten;Nlemen1en .
Der Preis des Abonnements für Österreich betrigt für .ein Jahr : nach Rhythmus und Melos nennt, scheint zeifgemiit?illir'l-·i:l'sil'g
S s·-, der Preis einer Einzel'nummer 80 g. Für Deutsc:hland daß etwas anbreche; alle wollen ja h'""":; ''""'
6 Reichsmark, Einzelheft 60 Pfennig; für· die Ta~thechdalowakei sondern nach erfolgter Bereinigung gehe es····w-..·i·tm·"·'iliri&. •·~·~'----- ·-··w- ·····-
· c K so·- (c K s·-), für Holland·ß. 4'- (-'40), fOr England 7/6 ab•. dem Ende aer romantisch-expressiven Zeit,,der i . .IFM->eH::,t:E
neokl~~:ssische, also imine~n· wieder klas~ische: tPeriode ihri:n
(0/8), für Italien 30 Lire, für die Vereinigten Staaten 3Dollar (40c). · gemäßen Anfa:ng genomwen. . · . ·· · .
Für alle anderen Länder 7'50 · Schweizer Franken, Einzdhefte .
Warum~ also, : 'Xe~ ,schon der Name revi.dieit "'-\Mifd.
75 Centimes in der Währung d.es betreffenden Landes. "Anbruch"? . . . · · ·. . •: ' ·. • · ·· \;i ,~'
Berlin: Ed. Bote & G. Bock Wir hleibf}n dem Nro:nert tretl. : weil ..wir. d~r "
er meint. Wir glauben, daß· die ·~eue Musik, .die . . . ,~V.l;IJ:,··rnte.E,_,vefJJJ::e
in ihren lll'~len Hepriisenlanlen eiucm 1111~ Priinderlcn. ~·:1rli~al 1·eränder!en
Bewußtseinsslanrl zugchiirl, und für d1e neue ~fuSJ~ cmlreten,_ hmßt poli Lik Einfluf. nehmen; dies alles in der ÜbPrzeugung, aaß me{;ha-
für nn,.; zu aleich fiir jenes '•~riindrdc Bewnßl.sem emtrcten. \-\'Ir v~r­ nische Darstellung von .Musik heute in einem ticfcrrn Sinne nktuell ist
mögcn die~ Bewuf.,tsrin niehl iu •_ll'm s~:'hilisierteJl. objektive~J Gc1~t. als dem rler bloßen Bereitschaft der Mittel, oder viehnehr in der Ge-
der Nachkriegsepoclw zu sehen: lvu· erwagen ,.;~pplJsch, oh mcht_ d;e wißheit, daß die Bereitschaft der l\Iittcl einer Bereitschaft des Be-
crc~ch m 'ihte Zei L da man von Anbruch nnd :\ ul hruch redete. schl wl.•- wußtseins cntsp1·icht und <Laß der geschichtliche Stand der \Verkc
nc·lt mi; \'Criindc~·tcm BewußtsPin mclu· 7.11 1.1111 hah~ als eine Situalion, selber in '"ri!em Umfang deren mechanische· Darstellung notwendig
in der man Veriinrlerung des Bt'\\ld~•lsl'ins 1~ichl. .~'il~nwl nwhr l'orrle1·1. mach!.
g·c-,cfnvPigf' dc11n aus vcriindcrle.m Bewußtsem e.nslH~rl. . \Venn der Glaube <lll die Stabilitiit der \Verke uns wankend wurde;
' Es i~l. nicht. an uns. die wir gPgen diP abstrak lP F'ormPI g1'1YII~ so wenn wu· gegenüber der fortgescln'itlcnsten Produktion unserer Tag·c
skq>lisch lrurden wie nur die J\Jnterialgliiubigen mn 1 ~~~~l. abslr:1kt die vergangene nicht mehr für gesichert haJ.ten, so g·eben wir dem Aus-
;-:u benennen. in \YPldH'n musikalischen Strömungen Wir . da_s VPr- druck auch, indem wir unser Arbeitsgebiet erweitern; uns nicht bloß
iindt•rlt~ BnwuiHsciTJ fintlen: nnd wir sehen ,;ehr wohl, mencl ge- bei der hohen Musik halten, die heute nur in ilu·en größten Exponen-
schichtlich crel'orderl ist in dPm. was als Neoklassizismus heule die teu, nicht aber mehr im niittleren Niveau der Produktion legitimiert
Diskussion llchcnscht. \Vir wollt'll das Bewul?.lscin nicht veriindern. ist, -- sondern das Problem der I eichten l\I usik selu· energisch
indem wir es auf das von HHi-: :r.uriickschraulll'n: was seitdem ge- aufgreifen. In zwei Arbeiten dieses Heftes wird es bereits -- von sehr
schah, rcl'lmet auch fii1· uns. :\lwr wi1· wollen auch nicht. das 1JPrr- vm·schiedenen Seiten aus - erörtert Eines tmserer nächsten Hefte soll
,.;chcndc 13Pwußtsl'iJJ vo11 1.!)21) umsl<IIHlslos akzcpliPrcn: wir wollen als Sonderheft "Leichte Musik" erscheinen und jenes Problem breiter
nicht vennchselt. werden. \Vir diPJll'n tlPm vcriinderl.en Brwu!Hscin entfalten: eine Sondenubrik "Leichte Musik" wird sich anschließen
nicht in l'llgf'l' BPgcislenmg, sondem in 1\ J' i I. i k. freilich in gründ- und die i~ragen der unteren, verachteten, nicht länger aber Yon ernster
lieher 1\ritik, die vor tagesmüßig :\bg-eslPmpeiLen nicht hall macht: Diskussion hor.hmütig auszuschließenden Musik dauernd weiter be-
die neue Musik fördem, heißt ja heule nicht. mdn·, sie cn bloc pro- :11·heiten.
pagieren, um sie geg1'11 dil' zurückgebliebene <~urchwset1;en: sondern Dies fürs nächste. AJs "Anbruch" hoHen wir den lmpttls des
so weit bliPh jPnc unterdessen zurück, rlnf:, es 1111 UmkJ'l'IS der neuc;n Beginns wcitCI:zutr~gcn i~ ei~e musikalische -- und nicht bloß musi-
:\lusik sdbcr ~chiirfer 7.11 tlifl'ercnr.ien·n gil I.: Zll sehen. "·as gut und. kaiischr. --- Situahon, ehe cmes solchen Impulses aufs äußerste be-
schlecht, in weilen Grenzen <~uch, was llllll e_ig-e1~llich n_cu, was alt s~~i. darf, um nicht der ät·gsten Reaktion zu verfallen: der versiert zeit-
Zualeich haben wir die l\liig·lichkt•it \'Oll l'llhhkaiJOnen, m denen bereJt.o; gemäßen des guten Gewissens. Im Namen "Anbruch" meinen wir
ein° vcrämlerkt· Bewußtsein~sland positiv sidt anzt~igt. \Ver von unsen~n ~olchem Impuls als der besten Tradition zu begegnen: daß nicht Tradi-
Le~em ,villig in (len neuen, :111ch g-Pg<'niillt'r :dler nPoklassizistischen tion "'lacht tihcr uns gewinne. So cliirfcn wir fortsetzen, indem wir
Perspek Li n~ ;l PliPli Horizont eintritt, dnri n El'l~st B I o c h das flackernd?· hcginnen. Die Redaktion,
;deidnvohl zciehenhaftt· GPslim Hiehard Wag11ers erkennt: wer du~
FrageslPllung voll "N:u:htJHUsik" am_1imml. ~~'? dt·n~ Bestand ~l.cr \Verk_c,
ihrer IntcrprelirrbarkciL nnd wgle1ch der_ l•unkli~n von K!Lschmm;ik

nachgefragt wird. - der mag <_ms der Konstt'.llaLIOn a~_lesen. woru~~· :\Jit ßeginn clic5es .Jahrganges tritt Dr. Theodor \Viesengrund-
es uns gehl. ane_h_ olml' ~~a_ß _wir I:rog·,·:nnmaLI~ch ve,r.f~hrcn: _Urm.~rc A d o r n o, Frankfur!' a. \'r., in die Hedaktion des "Anbruch" ein.
stärkere kunslpohllsche ImLJalire zeigt su:h an m dc1 _I olennk K 1 e-
Ile k s ac"ell dcu infam vcrfiilschenden Schuhcrt-Betneb des letzten
Jahre~ /'u~scre kritische Absicht in der AnseinanrlPrsetzung von R c d-
1 ich mit dem jüngsten \Vcrk von Stnnvinsk,Y. · . ..
Der neue J nhrgang rriifl'nel zwei n~uc So !1 d er r n h r; k e 11. uber
deren Plan an der gemiil~en Stelle das NolwcJ.IClJge g?sagl wrrcL I~mer­
hin sei auf den Zusammenhang jener Rnbnk?n mlrt dem Ar~Jei_tsplan
tles .. Anbruch" insgesamt hingewiesen: m K o m p o s I t 1, o n s-
k r i t ik sollen die kritisdwn Intentionen des J3lal~cs mt;hr a_ls Inslang
:il.zentuierl werden: die m e c h an i s c h e H n b r 1 ~ will mcht bloß
journnlistisch eine auffiil!ige S_trömu!1g heutig~n. MusJklc~en~ ver_folgc?,
sondern erhellen. was eJO"enthch nul Mechamswrung- gememt 1st, diC
TPnrlcnzcn der :\Techani>:it~·ung gcgrmeinamler nhwiip-rn. auf ProgTamm-

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RETTUNG WAGNERS DURCH KARL MAY :\ ul'löscnde w1e Abhebende, Darüberheb ende. Objektive dieses Falsch-
Ernst Bloch Ions wäre die )~usik im Biedermeier .oder formalen Epigonenturn
tm~ergegangen, JH'IYat, gesellschafts- und mhaltslos; :Mendclssolm, Schu-
\ur \Oll link,.; \Yircl <lttclt neu g-esehen. Denn \\!'r l!icr steht. hlickl m:mn un,c! Bessere sin.d davon cl~1s Zeichen. So aber verband sich Musik
mindeslen~ YOII der Seile ins Y~rgangcne hinein. lJ:rclurch . rüc];pn mit der I raun~lmllekhre der Zeit, fand sich mit ihren Scheinsymbolen
Dinur zusatnmcn. die yorhor weil voneinander cnlfemt schienen. zusammen: mll. Fronten und Interieurs, die nicht 0orllncllos Alkoven
~ll' \\·ilrler mau Ztl \Vagne1· kam. desto lchJTl'icht•r isl das jPizl. Sc~rcckver~ecke und wollüstig waren, mit Handel und Gewerbe al~
LJer Fall t'ine.< .Iungen gehör! hierher, der einmal sechs Slunden im ,-e~·üablen t.öttcrn, am Bankportal au~gehaucn, mit Renaissance. die im
Hin!! nnshallcn mußle. SPildrm hatde rr rliPse :\Tusik: sie~ sah aus \Yie 1.6. :~ahrhunderl kein? Portieren halte, die man aber im 19.- nur als
Jic ~gull· Siulll'. war auch genau so seßhai'L und Jangm~ilig wie ckr P?r~wre ."e:·~tand. nu_L der Ludwigshafonia als ,.geglanbtel'" Stadt-
Besuch darin. Dö. hörlo e.r spüler. gö.nz gelegenllich. clcn Malrosenlam !
g?llin, nnl. raulllgewirr und Bruchemblemen, mit der Edda als mas-
aus dem llolliiuclcr, rliP großarlip·c None. die Piccolol'Iöll' als Bool.s- ktci:t~~n ~Cilmhalt.. Aus. Dekora.tion kam. diese seltsame Form Yon "Alle-
nHmnspl'eil'e. Gleich \HJrde das Stück wild, lmnt. kolonial: 1\:arl Ma)' p-one , ehe" gm: ~emo Ist, womgstens mcht im üblichen Sinn, wie man
und Hirlrard \Ya!.!IIer schüllcllcn sich die Hand. dm vom 1\.!assizlsmus her kennt. Im überfüllten Schein des 19. Jahr-
Ein \Yorl. z~\or, damit d!'t' II iindcdruck nicht: zu friih slimJill'. lmnderls smcl 'J'raumtränke, KyUhüuser, Fafner keine Versinnbild-
\Vecler \Va~.mer rroch Karl l'tfay sind rlem Verfasser. was sie dem lichung von ~\.bstraktionen, wie es noch die Allegorie des B~edermeier
Leser ~incl. '-·<I er sich übe1· ilm.' Zusammenstellung· wundert. schlicht war,. also kemc Abn_1att~~1g '"?n g:esclmuten S,Ymbolen zu bekleideten
ürgcrl. OLler auch ;;chlichl J'reul. \Vr~~Il<'l' isl. eine \~crlcgenheil, das ist Begnffen. S.ondern d.w Fulle_lnstonsch-mythischer Art ist eben die Ein-
javklar, alll'r honie an ihr isl: billig, Ul!Yersdiiillll und hilflos. wird legung schemsymbohschcr Nachgeburten in Traumkitsch · der ist von
nirgends gemeint. L}ncl KarllHay. an sich schon riner der spmmrnds!en, . allen Göllern nrlassen, im guten wie im schlechten Sinn 'schwebt aber
lmnlcsten Erziihler. s!Plll gut für .Jahrmarkt. Kolportage. fiir \Vesen dennoch in einer Zwischenschicht Yon "Maskerade", die mit yoJlem
also. rlprpn Jmpro,·i~ation und Grellr man :ja wichtig, fasl. ernst zu Nicht-Ernsl Sym bol-Mylhen reproduziert, nicht mit halbem Ernst Alle-
nehmen hal. Hellung \Vagners clnrch Kar] J\Iay bedeutet also keinen gorien denkt. Auch das eigentümlich "Große" der Zeit ihrer Zimmer
I:Vitz auf eirrt•m LPi<·hens~·hmaus, sonclc.m ein "!ebendig<>s Stück, d i <' Bilclformalc, :Möbel, YOl' allem aber \Vagners stammt a:Is Maskenschei 1~
g u l r S tu !Je a u I' d <' m .T :t h r Jll a r k I, <•inr Zuspilzung von Tenden- oder rie~mehr aus dem dckoral_iren !\Iylh?s darin, der seinen panhaften
zen. \Vag1ter in Kolpurlage isl di<· übrrlril;'Ziltl;'Z clet· gPnialslen Frag- Raum lundm:chwarf. Der Schem selbst Wirkt schon im ersten Schwind-
würrlig-kcit auf rlif' Elwne einer hculigt'JI Frage. sc!ICn D?~onere.n, sä~tigt sich an der Theater- und Historienmalercir,
Bclrilchlc llHtii aiiPin schon rliP gute Stnlll'. aus d<~r jeder .Iunge floh. wud dreuhmonswnal m der großen Oper, "kulminiert vierdimensiona1 bei
Sie i:-1 ni,]erlich geblieben, abel' J'ilisclhal'l g<•worclen. \Yagncr 1'nit ihr, I Vagncr, allegorisiert sich wieder bei Kli11 o·cr und Böcklin erheitert sich
den niPmmHl ohiH' T r· ii um e hör!. I >as Spukend!' rll'r cigent'.TI h:inrlheit bis zu dem 'leichten Gli~hcluft bei Strauß. ~labilisiert sich ;u dem so ganz
halle dafür in rlcm Hohlen und Spukhaflen des H1 . .Jahrhunderts ;!uderen, gciroret~en VI' agner:-Du~st im George-Kreis. Ja er ist selbst im
einen zu gulen Platz. Das Bürgerlnm lag im :\dr·lsbelt: aui~•Prslandll Z~ra!~hustra, zu f~n~en, der. rh~ 1m Glashaus bekämpfl, der die merk-
.~l'inc Pi~cne For111 zu haben, lrüumle man nlte K ullur .nach. mit über- wurchgst~ Klarhe1~ 1111 Sche~n 1st und dabei so voll Masken: eine Mara-
fülltem 'l\•lng<'Il. ohne Zusammenhang mit dem ,.:0hr niirhtcrnen Arbeits- i.honpr~chgt von. emem. pe~·s1schen Magier im Bibelton; so leicht wohnt
tag. Der hapilalisnm,.: und seine TPr~lmik. dPr rlir überkommene auch dws noch un ob,1ekhven Schein zusammen. Aber das Grundw('rk
Kultllr zerslürL hatte. gestand sich noclt nicht. neue Kriiftc. rlie gerade der guten Stube ist und bleibt der Ring_: er steht in einem so dichteJn
:ms dem kulturellen Hohlraum hii ll.en schaffpn können. waren noch Thea~erzauber, daß er fast etwas Yon 'Viddichkcit an sich hat, weshalb
nirlr1 gekommen. YOm Einsturz regiPrle nur der Staub daraus, der 1hn Ja auch 'Vagner gegen :Meyerbeers Halbheit ausspielen konnte
,;ich zu rlekorntiren 'Volkcn biltlelc. So kam diese Traum-1\'Iclange Gegen den bloßen Effekt als "\Virkuna ohne Ursache" mit fast de 1~
:rus allen Stilarien übereinander pholographierl, diese umiigliche (:bei:- gleichen Ernst, mit ~em Nie.tzsche de~ "Schauspieler'; Wagner ent-
schneidung- hi,.:Lorischer GesichLPr. clicsP Piuent.liclw Kitschkunst una lnrvte. 'Vagners Musik hat Ilue "Echtheit" o-cracle in diesem voll-
Kitsclmn tlwlog-ie. an der nicht cinmnl nwh ,.' irlPolouische \Vahrheit ist. ~ndeten. Schein; nicht nur ~1ach seiner illusionistE,chen, sondern worüber
So kanr · YOr allem das z w Pi l P ,\ferkmal <I er guten ...Slube. nn und über :reizt dnltem; zu sprechen 1st, auch nach seiner physio()'nomischen Seite
dem Traulll: nämlich der Yollendete Sc h e in. JJcr ist aber. jeuseits I:
ßegen das I~ h a I t s p ob l e m dieses Traumkitsches h~n. Als vollendete;
der bloß subjcktiYcn Lüge. nich l nur Flucht und widerlichstes Falsifi- 1st. er zugleich au~h em rätselvoller, rätselvoll gewordener Schein, die
kat. ,;onrlPrn r•r ('Jltzauherlc rlie ~~~~then, die der Kapitalismus zrrslört H !- er o g l ,y p h e .~n~ H o h Ir a um .d e s 19. Jahr h und er t s. Be-
hat. noclnnnl~ durch vollendeten .. iislhetischen" :'liicht-Ern;,;! an iluH'II, r:' ts den. Expr~ssi?.msmus hat nur die Kürze seines Lebens dar an ge-
legte !'<Ir ztii!Irirh in hrh::t!IPnrlPn Tramnkilsch Pin. Olnw cl:-rs rhenso hmdert, m Klemburgertapeten von 1880 Ausdrücke zu entdecken, die

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lllchr als Trauminf'itwtHier 10n Cmn•setJI'IIl ,ill(l: ein 7.1n•i1t-r Band Jps fülltem \Vunseh. mit ricJ Spannung, Handlung und groJ~.arligcm
Blauen Heiter wiir(' nicllt. llaran roriibPJ'ßPfr<lllS'I'Il. ua, (;Jiick des Triumph am Ende. "\-Veite Reisen, sehr ferne oder sehr glänzende
Kitsches, 1ler Garlrnlaubr. der gestellten und doch nicht YiilliK irrcale11 SchaupliUze sind der Kolportage wesentlich; keineswegs nährt sie sich
~rhön f'assade gehört glt•ich falls hierhet·: dicsP ZPil hall1• Pin AugP fi'tr zu Hause redlich, sie ist nicht die stille Schnurre, betrachtsame Ka-
das auch objekLiYe ~lisrldichl um dil' Ding1· .. \ls L<•llf'nshaltmw un- lendcrgp.schichtc ~es. seßhaften Volke~, son(!ern ~in Produk~ der Frci-
Prlrüglich. ai:-; .. Stil" das uns Fernsl<" gl'i~IPrl. da~ Hl . .lahrln\nflPrl züCYiO'keil. erst mll Ihr enl'ltanden. Dre Antipathw des heutigen Bour-
dociJ\1, den JJohlriiuJII<'II wt·ilcr. die uns J~il ihm gPml'iiJS:IIn sind: dirsP ge~i~ nicht gegen Schmutz, aber gegen Schund wird so verstandlieh;
unrl ein Jreilich chrliciH'rc:< \Yissen UIJI sie. :lllcli Pin konkrl'lrrPs die Kolportage liißt Uncrwach>:e11e und Proleten Glanz vortr1lumen, kun:,
.. Schrinen·· sitHl aus clc111 Einsturz der alten Kultur !!:Pblii'IJPII. ]n sie reizt immer noch mehr auf als sie (was nur 'ihre bürgerliche Funk-
Frankn•ich. "o \\'agner uil' absl;u·h. illl!'h rlil' .. D,•I,or:~ion'' niP so tion ist) über den Betriebskerker tröstet. Begreift mau also schon das
lebcn:<fnn \Yar. geht der Surrealismus wiPder nJPrkwiirtlig in dPn Traulll- Miirchen ab Anti z i p a t i o n von l"reizügigkeit, als Kampf und Sieg
basar. in Pin (;Pliimmrl YOII SymbolPli kreuz und tpwr, dPne.n Pr f'n·ilirh von Hänsel und Grelel, rom schlauen Soldaten über Hexen, Teufel.
dm; Blut ,,irklichcr Dinge zu trinkeil gPhrn mii!'hlr. d:nnil dPJ'Pil Ten- mYthische Yerstriekungen schlechthin: so wird auch der Held. den sieh
denzen erscheinen und den S:rnholPII da~ dinglii'IH• IJerz scldag<'. llll di~ Kolportage wählt, immer märchenhaft sein, ein tapferes. schlaues
Einzelnen i~l der lln[er"chiPd zum Tr:nnnkollf'i.;Lil· d1•s 1 \J . .lahrhumlcrl:< Kasperle riesengroßrn (aber nie gr·oßkopfigen) Stils, selbst wo er sich
ungelH'III'I'. dPssen iikoiiOJIIisdll' \VurzPI 1~inP andr•rp und Zllllenl sprach- aus rlem .. .\1vthos" oder vielmehr aus dem vollendeten Schein des
lo,; war. d,~ssl'll B:u·barei sich llit·g·r·Hds ans wirklirlll' Lrbe11 :m:>elzlP Mvlhos ausst~ffiert hat. Denn aus dem echten Mythos ließe sich die
uml illl Schein. weil Pr kopiPt't'll n,;"d gesehlo~s~~~~ st•in ~ollll'. den widPr- K~lporl:we nie anders als antithetisch gewinnen, aber der dekorali(l'c
wiirligslen Schnmlz lllilkochll': in eint•r kollkrdcl'l'll (;pscllschaft werden l\fythos ~rurdc zu Hewlutionsnmsik Hnd Glanz an der Kolportage.
di1•se Unt,.,.schierle unrerglrichlich sein. Dennoch i::;L uns drr \Yie immer Wagner stand auf den Barrikaden, bevor er Gesamtkunstträumt~
;:;1'\Yandt•lll~ llohlratllll auf lange mil dem 19. Jahrhundert gcmeinsalll machte: .. das ist nur \Vasser", sagte Bakunin zu \Vagner, hingerissc:n
und die gull' Slul)l' \Vagners. diP aus dem d:unali~en 1lohlraum Rli1•g. als er die Om·er!iire zum Flicgenden Holländer hörle. "welche lHusik..
:<li~ckl mllrr .. BI·dculinJ~cn". \'crslü])(]l' man also zu r:tffinierPn. f'O ließe sich erst aus Feuer schlagen". \Vagncrs Musik hat diesen Ausruf
diirl'lc nicht lltll' der Bil:lft•mlock wirklicher all<•,J' 1\.ullur. sonder11 anch nie ganz yergessen und er glimmt mitten in der Pl_üschstuhe, in Loge.
\\'agrH'rs \Vachsf'ig·tll'enkahiHI'Ll noch Jllanrhcn srllsaiiH.'II llnni!! Pnl- selbst im Zuckerwerk des Feuerzauber und Dekorationsbrand von \Val-
hall~n ..l.n fll~lll T~llllwabolm VOll 1\itschscheiiH'II steckt IIIILI'r :u;dercm hall. Unrl die sehr andersartigen. wie :immer problematischen "Er-
<'illl~ PsendontorphosP. den•ti T:tpY llllchsUiblirh nicht !<Cziihll :<i11d. und lösuno-en" \Vagners gehen oft in das happy end eines vVunschtraumes.
Pi II<' HiProg-l) phc. dil' sl'hr hl'lriffl. untl auf Deutung warl1•l. <Ul d~lll viel Indien. viel verschwimmende und quietistische Herr-
lhts ist rlic gnL1~ SluiH'. \Yie sie zu slmmeu gihl. 1111d d:ts n·ichl lichkril, aber kein eigentlicher .. ~'lythos" meht· ist, der als solcher
sddiPI~dich ~rhon <LI";. \Vif' sehr erst. wenn (w:Js heYorslcht) der ,l :1 h r- immer <>cgen oder wenigstens ;mßerhalb der Menschen und für die
nt a ,. k I i11 sie einbricht: er betrachli'L den Kitsch 11ic'h1. sonder·n pHin- hinunlis~hen Mächte steht. Hebt man ihr die Stelzen ab. so müßten
dPrl. Friihcr besorgte das. mylhisehcn :'lliidJtPII gegeniiber. das Miir- sich "era.de aus Wagners Traumbarbarei die circenses des mensch-
cllen, mil dem hilf'losen. dennoch siegrcicllrn Jllinsel. aucJ1 J~asl'erlro. 1ichel( Einbruchs, kolportagehaften Glanzes gewinnen lassen, die so
Ll:ts l\Jiirchen wird IJeprbl mn dt'r K o I p o r t a g 1~ (die d1'lll Jahrmarkt spannend darin pfeifen oder auch donnern oder mit Harfenklängen
so tt:J]H' sieht): die lll:·thischPII !lliichle sind jJu· der :Sch('inkilsch ins ninva.nische Grafenschloß verschweben. Die Kolportage überhaupt
der BPsilzemlen gr11ordrn, und sie plündert· die gnlt· Stube :ms, ist. was an unserer Zeit ideologisch fruchtbar sein kann; am Glanz des
zwirlwll tlil! ])ilmOJH'II dP:< Pliisc]m)rhungcs. bis ih11 sich, das Oien:-t·- Jaiu·markts ist nichts mehr verlogen, die Kolportage ist unser Boden
miiddtl'll nls Brauimanlei wnhiingen kmm. Die Kolportage isl und Luft, Volks- und Kirchenüed geworden. \Vir verstehen große
doch die ei)l;enllich";le Llcllunfi \Vagners, iihcr dew Tramnkilsch 1111 \V erke kaum mehr anders als märchenhaft mit K olportageschein, uml
illlll: di.P Boo1smannspfcife, \·uu der wir ausgingen. an der nichts Fidclio wurde die Orientierungssäule jeder Kolportage, v.on der Drei-
riilselhaJ'l, ahi'J' auch nichl.~ staubig isl. Auch die Kolportage slammt "'roschenoper, der Bote des Königs nicht fehlt, bis zur Geburt der Meta-
a_u;; clt•tn Hl. .JahrhuiHlcrl. i>il glcichf;LIIs ein Traum, doch keiner YOJJ ~hysik aus dem Geist der Kolportage. Mehr als ein Weg führt aber
Sall.l'll. sondem vo11 Gespnnnlen nnd \V:trlendcn. Sif' schiebl gleich- auch von der Räuberbraut zur vVagnerschen Schwüle, von den Traum-
falls a.ll.e Sloff'c incinallflcr und I'P]Jl'Otluzicrt s'ic. doch dir Hillerromane. verschlingungen der alten Kolportage., den beliebig dehnbaren, zur un-
soga1· !\IYI.hen. die ~ie wnwanddl. sind in einrn \\'unsclttraum ein- endlichen Melodie, von den Haddedihns, bei denen Karl May ja gleich-
ge~clzl. ;ler alles in ha.r meinl. in keinen aus Erinnerung wi~ path.e- falls nicht war, zu den Germanen des Rings, von der Silberbüchse
li!'t'hrr Flucht. Der Kolporlage,;chein ist deshalb außeron1cnllrch "or- Winnelous zu Nothung und seinem Kampf gegen den weißen Vater,
i'!ani~ch", ei11 wt•llrrndrr BilrlnPhel ,-on hrfriecliglPr lbche und rr- vom Traum-Oricnl zur Kit5ch-Edda: - diese \Vege. müßten auch nm-

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r:

gekehrt. ges-ungen. \VagnP.r ganz auf sein Seeräuher:;chiff gebracht die zeitraubende Lektüre des umfangreichen Homans". lsl Wagners
werden. mit acht Segeln, fünfzig Kanonen an Bord und einer sonder- Hing ·auch nicht Dostojewskys Ernstfall, so sind seine einzeinen Akte
baren Hache-1\emenale des gestil!Lcn \Vachstums. So würde vielleicht doch leider so symphonisch gebaut, so exakt .nach dem Sonatensatz
der .,Idealismus.. \Vagner:; gefährlich und materiell, d. i., das w·- ausO'ewogen, daß der Strich nur Beetlioven, al)er nicht "Wagner aus
sprünglich Herolulioniire wäre zurückgeholl und au~ der rii tseLhaflen Wagner austreibt. Die bloß g e m in d er t e Quantität schlägt noch nicht
"Mythologie'' die Haclw- und Ulopio-1\olportage heraus gPschiirfL in die Qualität um, die man braucht, vielleicht almt. Ntir zum ent-
Freilich ist uies leichter allgellll'ill ZU raten als bestimm! zu tun. schiedenen Frisch- und Links-Aspekt ist die Zeit bereits reif; man
Es ist sehr merkwürdig. da(~, lltall an \Vagner noch nicht konkreter sein muß Wagner kindlich und proletarisch entgiften. Er braucht eine
kann, daß alles übe1· ihn soeben Gesagte zwar in der Luft liPgt, abe.r andere "Stimmung", selbst Bruckner und Mahl er, an denen ja viel
auch in der Luft liegen bleibt. Di1·. gam;e bisherige Zeithaltungi Wagncrsches rein wurde, helfen der gewordenen Fettmusik noch nicht
zu \Vagner ist Verlegenheit oder Vernrinung; praktisch bleib~ I rot.7.- dazu, das Dynamit zu werden, das sakrale, das sie zuweilen zu sein Yer-
dcm (oder dPshalb) jeder BegissPur nnd Dirigrnl. des Hings <'in dient.
Medium, au~ dem die nnveriimlcrte i\Jakart-Zcit redet. \Vir sind völlig Erst müßte darum die liebe Lciche mit Essig gewaschen werden.
außerstande, die Zaubedlöte, Fitlelio, ja selbst die zeilliclt so nahe Wagner braucht seinen. Offenbach, den er o!me?i~s schon in sich hat,
Carmen zu spielen wie sie in ihrer Zeit gespielt wurden, olnvohl das gegen den er deshalb kem_en S]:>aß ;erstand. D1e Keif- ~nd leeren Pathos-
nicht das Schlimmste wilre; aber \Vagner bleibt, obwohl das das szenen müssen so hoch hmauigetneben werden, daß s1c von selber her-
Schlimmste ist, ein Makart-Strauß. ein Klara Ziegler-1\'luscum. Uas unterfallen. Es ist nicht möglich, das Schlechte. gar Sächsische an \Vag-
kommt nicht nur daher, weil aus dem Bayreuther Fundus alles noch ner zu lieben, so wie man etwa Banalitäten an Verdi liebt, ja ihn um
da ist UIHl drückt; auch nicht nur aus der Tyrannengeste \Vagncrs, die dieser Dinge willen besonders liebt, den freundlich tiden Geist. ·wagner
angeblich nichts Gelockertes hat, also sich nicht erneuert und die ist dafür zu anmaßend, an den Blößen eines Gewaltzwingers ist nichts
Zukunft aufruft. \Vagners symphonische Oper war doch geratlc ihrer Rührendes wie an den Schwächen eines GcliebtCJI; Yor allem sind auch
Zeit eine abso~ule Sprengung, an deren ·Eklat man ja nicht zu erinnern die Schwächen Vfagners sächsisch, nicht italiCIÜsch. Vieles ist Offenbach
braucht. Hat sich diese Sprengung auch bald in Wagners \Vcrk gesetzt nochmal parodiert, so daß, wie bei doppelter Umkehrung, der Ernstfall
und dognwlisiert, so ist "\-Vagner doch Zlllll, Unterschied von anderen herauszukommen scheint; dies müßte zum echten inneren Offenbach zu-
Roulinie,·s und zeitgebundenen Kompilatoren ein musikalisches Genie rückgebracht werden: Es ergäbe si~h dabei "Parodie" und echtes Pathos
schlechthin, mithin eine Gestalt, die per dcfinitioncm gt!nii nicht an im gleichen \;Verk, JU an den glmchw Gestalten, gestaffelt und gewiß
Ort und Stelle bleibt. Denn nur Talen Lc bleiben an Ort und Stelle, sind sonderbar, aber jedenfalls der echte Zustand im Ring, den man jetzt
fertig, voll ausgeschöpfte Vcrgangcnheil, können also auch für uns nur zudeckt. Das ist kein quantitativer, sondci'n ein qualitativer Strich
vergangen sein: aber Genie in einem vVcrk ist das noch 'Vcitrr- an der Aufgetriebenheit, der einzig sinnvolle. Sodann müßte der wirk-
arbcilcndc in ihm, das uns weiter Betreffende, der Beitrag einer Zeit liche "bedeutende" Schwulst in Grund und Boden variiert werden, eben
zur Zukunft und dem noch ungewordenen überhaupt. Folglich scheint das Klara Ziegler-Museum, das fremd gewordene, die Kitschmythologie
nicht so sehr der Bayreuther Fundus zu drücken, als man lwt die der guten Stube. Gerade aus unserer Umgebung haben "vira.lle diese
,.GcniC\\·eisc" "\-Vagncrs noch nicht gerfundcn, bleibt infolgedessen in Stücke entl'ernt und eine der bcst:n Taten ncuer,er Ingenieurkonstruktion
seiner Yergangcnhcitswcü.se, spielt ihn als sonderbares Gemisch von ist. uns vom kitschmythischen Bann des "wonnigen Hausrat" befreit zu
Kassenmagnet und Ballast, von \Vunderwerk, aufgedonne:rtem .i\'Iittel- haben. Aber wie bemerkt: einen Schritt weiter lebt das im Raum 'fort,
valetir und widerlichster Epoche. Dazu kommt der Gegensatz V\'agners nicht seiner Gemütlichkeit, sondc_rn seiner Unheimlich k ei t nach,
zur Nummernoper, die wieder auftaucht, zur Musik als Rosine, zur als Hieroglyphe. Dient die Ingenieurkonstruktion dieser Zeit dazu,
Lust an Abwechslung, Handlungsfülle, Minutcnszcne. Das riegrlt erst daß der gekommene Hohlraum nun wenigstens nicht einstürzt, so bildet
recht ab und hält Wagner, trotz der einleuchtendsten IrriLierung, - unter anderem - das I g. Jahrhundert genug Svmbolstoff, der im.
in seiner Zeit. als wäre er Me:yerbeer oder Spon tini (an denen man Hohlraum schwebt, auch dialektisch leuc,htet, auch Fragmente neuer
sich freilich nicht zu ärgern braucht, weil sie in der Tat "ve:rgangen" Substanz bezeichnet. V ersuche_ mit offenem Bühnenraum. wären darum
sind). Darum herrscht Schlendrian untl abstmktes Schweigen. ein lehrreich, mit sichtbaren T-Trägern um die Kitschmythologie und
Ruhenlassen "\-Vagners, während sich doch manche a.nllcre Erbschaft ihre Requisiten; völlige Illusionsleere umher und Blockhaus, Rhein-
des Spülbürgertums schon verwandelt und übergeht. Die einzige terrasse, Brünhildenfels, vu par un surrealiste, in deT Mitte. Auf-
versuchte Aktualisierung ist die durch Striche, zuletzt gar durch lockerung und Konzentration des Wesentlichen, sprunghaft und fun-
clen Vorschlag, den größten Teil des Rings zu sprechen und nur kend, ist das Signum Clieser Zeit, in der wir es alle nl.cht leicht haben.
die Höhepunkte singen zu lassen. "Wer sich diesen Film ansieht." Und auf jeden Fall ~ann jetzt schon K o I p o r tage in ·wagner ein-
stand aur einem Plakat zu den .,Brüdern Karamasow", .,erspart sich brechen, Jahrmarkt, Z1rkus, Rummelplah; clcr maclJte das Klara Ziegler-

8 9
DAS SCHUBERT-..JAHR IST ZU ENDE
Museunr ~chon zu ~Pint•r ZPil kriminaJi,rh oclp.r trug c•s in die wc.ile
w·clt. Man mut, \Vaf!ner hören lernen. wie man ~arl :\Ia: .-crsc!Jlan~. Ernst Ki'enek
mit ihm auf den J ahr111arkt g<'hcri. Dann hören r]J(' Pli rasc•n aui. wml \"Verur dil' Mt•nschheil ihre seit irgendeinem runden Kalender-
sie noch "J"I'ller· wcrdc·rr. auch dm; Züchtig-e wl"lit•n'll. das siclr feier- datum ge!Jon•nPn ocler verstorbenen Geistesheroen feiert, so ist neben
lich m•nnt J);cs .. l·rnunH·hnr!'" dieo;;!"r ~lmik. das man imnH•r fühlle. <las mm1 che;, anderen. r'ielfach sehr Yerschicdenen Motiven fast immer eine
,.\'icht-Lcf<ilinw". c1as ihr gt•r·arlr YOir ch•r guten Stu!H• vorgcworf_cn Art Nc•ugil'l' ün Spiel. die rraclr der Herkunft, Umgehung, Erziehung
wurde, zeig·t \ld~diirrn :m Waprer. offenbare 1\.olporlagP genug. Beun u!ICI yielcn anilC'reu iiußcrcn Jkgleilumständen der Lebensbahn des
ßarl ~l'irwr: Prophc•IPII. Pr· Jr;tl rlic• FPslwit>sl' nicht. so g-en;eint. ar~ Orl_und o-ef'eierlen Gt•ni!'~ zu forschen snch1. Offensichtlich versucht der Mensch
Stdle, alJPr dic•sn Or·l und dicst• Stelle llll!'ressrcn•n Ji1 mchL ~ 1111 r. in~tinktir, auf' diesem \Vege der Natur auf die Spur zu kommen
Auch blüht au r drnr .Jahrmarkt noch keineswegs dic·' gesuchte~ .. G<"nic- ~nd ilu· das Geheimni~ zu entreißen, wie sie ein Genie zustande bringt.
wt'isp" \\';q.mrr.". do1·h inmH·rhin hc:-;~cr als in de11 Pliischstiidlen und E" 1isl. sicher ein Jllltl'rbe"'ruf~J!es ErgPbnis der seit geraumen Jahr-
ihrer Hc•pri-<crrlation cirH•s 11icht mehr Yorhancll'lll'Il. \\~alchöglPin _singt zehnten alles bclu•n:.:chendcn naturwissenschaftlichen Anschauungs-
sein .\.nsirht,kartenlirrl. Siegfriecl ziPht durch~ 1uldP h_ul'lhstan. weise. W<'llll auch hi<'r versucht wird. gewissermaßen die Versuchs-
ßprcr- und TalbalinlliH~ik klimrt untPr \Yalhall. da,.; \ or~t:Hllkrnoplakal bcdin a 1111 aen zu erfors<hcn, nrn möglichenfalls aus gleichen Voraus-
reicht mit gn•llc:ten ~7.1'JH'll. ]•asto~l'll Schicksalen <lllf' cliP Biihm• -- setzm~rre1~ 0rr]('iche Hes1tltate zu t'rzielcn. \Vclchcs innerste Motiv könnte
man rnr•rkt dil' _\hsichl nnd j,t nicht nrstimrnl. drnn ~on~L Pine bienenfleißige Philologie Jwben, wenn sie mit unsäg-
1icher1 }liilren das sc.he.inbar· belangloseste Material zusammenschleppt?
Würde man ihr auch diese gewiß unterbewufSte Tendenz absprechen,
bliehe wirklich nichts als Stumpfsinn, des Schweißes sogar der Un-
• edlen nicht wert. NichLsde.~toweniger ist natürlich dieses nur aus dem
aJlr•s iibersleirrenrlell ralionalistjschen Hochmut der neucren Mensch-
bei t erklärbar~<' Str!"ben zu giinzlichcm 1\fil~crfolg. verurteilt, weil das
Genie srJIJsl heim besten Produktionswillen nicht in del' Se.rie hcr-
/:·~ ist um gelunyen, rli1~ Jlitarbeil des {Je({eul~nrlen Ph~/o.wph~n O'estclll. werden kann, und weil die ~atur sich das Geheinmis nicht
~11 gewinnen. 1.V!r 1'1'/'II'Ci:~en _u,~serr J<ser nul. 'Vaehd_l'llck auf s~z~ ~ntrcißt•n läßt. :iündern Genies 'herrorbringl, wann unrl wo, so oft
llauplwerl,· . ..(,e1sl der L'loprc . da:> ClllC ,.Pfulosophre. der M.usdr (){ler so selten sie will.
mthäll. dir als rin:ige der ffl'fji?llll'iirliffen lllllsd;p/nlosopluschen \Vas hleiht nnn aber zu wissen YOn einem großen Geist der Ver-
Versuche dem Stanrl drr 1;ol/en musilwlisrll('n Jhtualitüt auf dem o-a_n«enhrit? Yon >'Pincm Leben und den Zuständen seiner Zeit so vid,
,Vivemr uleiclr cnlu•irl.-P-lil'r Totrderhenntni.~ rfi'I'C!'hl .H'ird. : . Es ist ~ls ~anm cn:iehtlich in den Kn·is seim\5 vVerkes eingegangen ist oder
kaum rigen.' nolWPJHliy. WISPre Leser d;tr"auf hm:!II~Jecsen. _daß wie weit sein \V erk hinabreicht in die Region des Lebens: denn ist
/~ r/1.1 1 Bloclr m il drm ,,ehwei:eriseh-rtniPrrl.-rmlsr·hen [\ om pomgten auch dns Genie einmalig unrl selbst unter· den gleichen Bedingungen un-
/:'rnP.<I !?lnr·l• nir·ht idPnliseh isl. wicderholbar, so ist es doch ehc.n dieses eine Mal, wenn auch wohl von
Die Redal>lion. nichts bcdiwrl. ~o doch in cinru Kreis von Beziehungen und Ver-
knüpfungen "'hine!nges~e!Jt, der sich_ mehr oder ;minder. im We:k-
sc:haffen ir[)'enchne S]negelt. Von semem Werk WISsen wir erhebheb
mehr: \\'ir· l.:cnnen clen Umfang der von ihm verwirklichten Möglich-

'
keiten seiner Kunst, und rlics ist der eigentliche Gradmesser seiner
Größe und Bedeutung. Darin können w"ir auch von ihm lernen, in-
sofern als die von ihm dargestellten Realisationen in uns immer neue
Assozialionl'rr zcili~en, wodurch sich die Kunst ewig verwandelt, und
das ist ihr einzige~· .. Fortsch1·itt". Nm der rationalistische Aberglaube,
der bekanntlich der unbelehrbarste ist, glaubt nämlich an die gewisse
spiralenhafte Fortentwicklung, in der es etwa als Fortschritt gelten
mag, daß man einstens keine Quintenparallelen machen "durfte",
was man aber in unserer aufgckllirten Zrit eben schon dar.f, weil wir
es so herrlich weit grbracht haben. und an deren Ende unvermeidlich
dns granenhnftr Gesprnst einer absoluten Yollcndung steht, worauf sich

10 11
-l
I

die Menschheit vermutlich und hoffentlich aufhängen _dürfte. Infolge- Wunsches nach · einer Erweiterung, Schubert · als ethische Insuffizienz
dessen gibt es nichts Tö_ric~teres, ~s in de? Werken älte1·e~ Me~ster anzukreiden, ist eine untragbare ·professorale Vermessenheit, ebenso
die. berühmten "Kühnhe1ten ' zu suchen, die doch gerade 1m Smne wie die Idee, daß er nur aus Kummer ·über dieses erkannte Manko
des unentwegten Fortschrittes dasjenige sein müssen, das am schnell~ten gelegentlich Beachtenswertes geleistet habe_, die _Emanation eine~. Geistes-
veraltet, und daher tunliehst durch neue Kühnheiten .zu ersetzen smd~ zustandes ist, für welchen der Mensch ·he1m FIXbesoldeten· anfangt und
Was nun das Leben, d. h. jene Beziehungen und Verknüpfungen, das Genie an der Menge des vergossenen Schweißes gemes8eß wird.
von denen oben die Rede war, betrifft, so meine ich, daß der geniale , . Wie sehr fü,r Schubart das ihn umgebende Leben Wirklichkeit
Mensch sie sich selber schafft. Seine· Umgebung im realen Sinn, sein war, zeigt seine enge Beziehung ·zur Volksmusik. Hier steht er ganz
Wohnsitz, ja selbst seine Velleitäten ·und Ideologien· sind Produkte od~ auf dem Boden · lebendiger Konvention. Für nie Gesagtes ein neues
wenigstens Parallelergebnisse der schöpferischen Kraft. Der Nachwms Material zu finden und eine noch· nicht dagewesene Form zu mon-
dafür ist freilich schwer zu führen, \veil inan· niemals dartun kann, daß tieren, mag au~ s~ine Art beachtenswert sein, aber a?ht Takt~ L~dler
ein Werk nur unter den historisch tirtsächlich vorhandenen Bedin- zu schreiben, die Jeder als solchen erkennt, und dabm doch emmahger,
gungen entstehen konnte und unter anderen nicht entst~den wä_re. unwiederholbarer, or.igineller ·rind unverwechselbarer ganzer Schubert
wohl aber ist der indirekte Beweis öfters schlüssig, indem s1c~ näml~ch zu bleiben, das ist' bewundernswert. Dabei· könnte wohl. jeder seiner
zeigen läßt, daß mancher Lebensentschluß, der entweder gar keme Tänze, die er vielleicht ·zu einer gesellschaftlichen Unterhaltung in
plausiblen oder offensichtlich vorwandhaften Gründe hat, nur aus Atzenbrugg oder son:shyo improvisie:;.t haben map-, in . einer seine~
dem sich vorbereitenden und sich seine Atmosphäre schaffenden neuen Sonaten oder Symphomen stehen, während fast Jedes ihrer ScherZI
Werk erklärbar ist. oder Trios dort· hätte verwendet werden können. Das Fluidum der
Betrachten wir nun von solchem Gesichtspunkt F1;anz S?.hube_rts Volksmusik war eben der einheitliche Nährboden ·seiner ganzen Kunst,
Leben, so erblicken wir zunächst eine besondere . glückhafte Uberem- und· davon ·wäre mancherlei zu lernen. : ·. ·.
stimmung von Anlage und Verwirklichung, das will sagen: das in ih~ Aber auch· in rein struldurell musikalischer Hinsicht ist Schubert
erstandene Phänomen künstlerischer Genialität :war in einen ihm völhg konventionell, was nur dadurch bedenklich· zu klingen scheint, daß das
gemäßen Kreis von Beziehungen und Verknüpfungen hineingestellt, Wort "Konvention" im Deutschen· zu Unrecht einen herabsetzenden
eine vollkommene Deckung von Bedürfnis und Erfüllung vorhanden. Nebensinn erhalten hat, der ihm zunächst nicht eigen ist. Sein musi-
Schubert schuf unmittelbar und spontan für die Welt, in die er hinein- kalisches Material, . d; h. vor allem · die von ihm verwendeten Har-
geboren war, so klein und begrenzt sie sein möchte, ohne jemals monien, . mit allen Alteration~n :und solliStigen Besonderheiten, geht
den Krampf des über- sich- hinaus- wo1lens schmerzhaft er"leben zu kaum über den von Haydrt (mit dem Schubert auch als Gesamterschei-.
müssen. Damit soll nicht gesagt sein, daß ,das Genie im Hinblick auf nung sehr verwandt ist, was sich bis· auf die geschich!liche Verkennung
einen bestimmten Abnehmerkreis schafft - aber die Vorstellung der ihres wahren Charakters erstreckt) und Mozart entw1ekelten Stand der
Welt, und sei sie auch ganz unterbewußt, geht unwillkü:lich in cli.e musikalischen Mittel hinaus. Wie alle wirklichen Gestalter inter-
Summe der Voraussetzungen des ·Schaffens überhaupt em, :Us -r:Cll essiert ihn das Problem einer Bereicherung oder gar Erneuerung des
der innerpsychischen Dispositionen des Schöpfers, genau w1e se~ne Materials gar nicht.. Dazu ha:t sein· Scha!fensdr_ang kein~ . Z~it. Die er-
Vorstellung von Gott, sein Wissen. von den ~ohleh_y~aten oder. seme W:
schöpfende Beschreib?Ug der . ese~szuge se1ne: mus~alischen · Be-
sportlichen Fähigkeiten! kur~um wie alle _seme. g~Ishgen Funkbo1_1en, sonderheiten ·würde hier allzu wmt fuhren. Es sei nur eme besond-ers
die sich eben alle per1pher1sch um das ·eme e~z1ge Ze~trum sem:s charakteristische Eigentümlichkeit der· Schubertschen Kompositionsweise
Wesens, die schöpferische Potenz, herumgrupp1eren. D1e Welt, d1e· hervorgehoben. ~as ist sein ganz · enrin_en~er 'Sinn . für mu~ikaliscbe .
Schubert umgibt, . hat für ihn den beglückend~ Charakter vol_l- Gewichtsverhältmsse. Selten hat man •bei emer ·Musik · so evJ.dent das
kommener Wirklichkeit, sie braucht für ihn gar mcht anders. zu s~m Gefühl eines im Raum plastisch sich abrollenden Phänomens. Das
als sie eben ist, und so wie .sie ist, geht sie in sein Werk em. Und liegt an .se~em besonders. differenzierten. Sinn für d~e verschiedene
gerade in dieser kleinen und spießi9en Welt · er~tel~t f_ür ihn das W ertigke1t. emes ~orde~ m Bezug au! seme St~llung rm .Ver!auf der
Wunder des Kosmos in einer unerrmchten Vollstandigkeit. Aus den tonalen Kadenz,· d1e gewlSsermaßen. die Skala 1st, an der diese Ge-
Miniaturgegenstäilden, die ihn . um~eben und ~ie . er darstellt, werden wichtsverschiedenheiten abgelesen werden können. Das Mittel zur Ver-c·
Bilder von kosmischer Großartigkeit, und fast m Jedem Schubertschen anschaulichung dieser Gewichtsdifferenzierung ist die harmonische
Lied ist mehr Ahnung und Ausdruck der Ewigkei~ als in ?lanc~em Variante. Die Möglichkeit, ja Notwendigkeit harmonischer Varianten
Werk von Riesenformat das nach den. Sternen gre1ft; aber m vVIrk- aber veranlaßt ein auf reichhaltige und häufige Wiederholung größerer
llchkeit nur das Dach ~inrennt. Diese. "begrenzte Unendlichkeit" ist und kleinerer Komplexe eingestellter Musikstil, der damals traditionell
typisch für das Genie Schub~rts _und konf~rm dem Lebenskreis, der war. Sicher wäre es :denkbar,·. (laß' ein Genie wie Franz Schubert im-
ihm gegeben war. Dessen Klemheit zu bemangeln und das Fehlen des stande gewesen wäre, sich ei:nen anderen Stil zu schaffen, in welche:oi ·

12
..,

Wiederholungen. \vie sie dir· darualigt' kiiusllt•ri,;clrt~ Ko111eutio11 iu ~eu.tiß'e Zcitliiufle scheint solcher Mischw1g nun gar abträglich. Da die
Form der einfachen Pcriodr• bis zur \\l'ilgedehult~n Hepri"c der Sonate mdrnduelle Lebenskultur nach und nach ausgerottet wird, O"ibt es
forrlerle, nicht nötig gcwesi'Jl w~irer1. Aber Pr hiill sich, wir: schon ge- begrenzte Kreise wie die hochkulti,·ierle Bourgeoisie des Schub~rtschßn
sagt, bei den Priimisscn nicht auf. PI' will in erster Linie ~draffrn und 'Vien iiherhaupt nicht mehr, oder sie wirken mit Hecht arl'iere und:
denllich sein. Vo111 GP.'iichbp1111kl dt•r \Vil'rl('rholnngt•n kann man nun- sind steril. An die Stelle ist der Serienmensch getreten, der auf dem
rnehe den Zusammenhang auch umgekehrt splwn: diP \Vicdr~l'!wlungen laufenden Band erzeugt wi.r·d und von ebenso hergestellten Produkten
r·eizen ;r,ur· haemonischc11 Variicrung nnd machen sie geradezu not- bL-dient. sein will. I:äßt sic~1 il_as n~m, auf vielen Lebensgebieten auch
wendig, die ha rmonischc Variante aber bereichert und rlifl'ercnzicrt diP ermöglichen und wird schheßlich em Schlangenfraß an Stelle O"enieß-
GcwichlsYcrhiiltnissr~, d. h. konkret ge,;prochcn: werden bei der \Vicder- barcr K~st hingenommen, -~veil es das c~en nicl_J.t mehr anders gibt, so
holuug einer schon ,·orgekommr•ncn h a rmonischcn Anurdmmg, die hapert dw Sache doch vorubcl'gehend bm der Kunst, wo es noch nicht
durch das überlieferte Gefiige der tonalen Kadenz einen im Bcwul?.lsein genug tüchtigr Hationa.lisierer zu geben scheint. Und leider hat dieser
tle!' Hörer eYidcntcn Sinn gewomwn hat. Eim:dlwitt>n hei sonst gleich- Serientypus i\Iens~h Anspn~ch auf Kunst, seitdem deren Demokra-
IJIPilJCndent Schema des gamt·n VPrla n i'Ps n•r·iinderl, so \Yerden diese Ver- tisierung durch drc g~oßarhgc, aber gefährliche Tdeologio Beethowms
iinderungen automatisch auf das schon bckannLP Ziel. nnrl also auf die und Wagners crfolg.reich fm:tgeschri~ten ist. Heutzutage ist, durch die
Zielstrebigkeil oder innere Dynamik dPs Verlau l'e~ bezogen. 1HJdurclt segensreiche Unentrmnbarkmt t_~c~mscl_JCr Errungenschaften wie des
eben das EmpJindt•n verschiedpnarliger \Verligkcil und Schwere dt~t· Radio, jeder, aber auch buchstablieh Jecler Mensch, den du auf der
einzelnen Komplexe eintritt. Am schönstt•n we,t sich da~ an dt•n Straße begegnest, "Kundschaft" geworden. Unsere Theater sind mit
meisteu Liedern wigen, weil rlmL iu folge dPs hiinJigen strophisclrPn der helel'ogensten i'l1assc a.ngefiü~t. (wenn . sie es überhaupt sind) und
Aufbanes das Prinzip der 'Viederholungen und also auch das der Ab- On:wnisalioncn zum Zweck nrbilhgter Billetl:versor()"uno- möchten :im
weichungen besonders drmllieh zu sehen ist. In der Erfindun<> solcher lnt'cresse einer Karikatur von Volksbildung ein womÖglicJ1 noch bunter
Varianteil ist Schubcrl geradezu unerschöpflich, unnachahn;lich und gemischtes Publi~um para! stellen. Und diese ganze unübersehbru·e
r~ie w~eder t:tTl'icht. Et· _beherrscht sonverän die ganze Skala der Mög- Menge soll nun, m dem emgangs erörte~·ten Sinn, als Vorstellung in
hchkmten, von dr.r Vananle durch ganz zarte SchaUierungen, oft nur die Voraussetzungen d~? K~nstwerkes . c~.ngehen, als . Gegenspiel und
durch Verlegnng eines Akkordtones in die höhere Oktave odnr durch Resonanr.borlcn de_o; schopfenschen lndrnduums fungreren! Die . be-
Setzung eines beim ersten Auftreten des Komplexes nich [ vorhandenen arenzte Unendlichkeit" ~ntsteht eben immcT nur, wie auch die ·Ge-
Akzentes oder durch g-;mz diskrete Einführung eines unauffiilligen Durch- ~chichte zeigt, auf klemmn Raum, in übersehbaren Verhältnissen
g<mgs, bis zur gewaltsamen und alle Zwischc11glieder kühn übersprin- Man denke nur an die italienischen Stadtstaaten der Benaissauce ode~
gcm.len harmonischen H.ückung, wodurch die nrrichten Zielharm~nim an die deutschen Einzelzellen um 1800, wie \Veimar und andere.
oft wie eine blitzartige plötzliche Erleuchtung flt'l" Szenerie wirken, wiih- Auch Jas damalige \Vien war klein, obgleich es das Zentrum eines
rend sie im anrlern Fall wie hinter nach und Jtach fortgezogenen Nclwl- Riesenreichc>: war, das kumulativ, nicht organisiert groß war. Und
schleiem still und sanft crgliimcn. Das 1\orrr•lat m dieser harmonischen diese Mischung .heterogrncr Elemente auf kleinem Raum ohne
Technik ist notwendigerwei~e die Verwendung unregelmüßiger Pet·ioden- wirk1ich erfolgr6che zentralistische und niYel1i·erende Tendenz hat
hildungcn. Denn die Bereicherung oder Ballung des harmonischen :Mate- Wien vor den deutschen Zenh·en in~mcr voraus gehabt, die insbesonden~
rials ergibt entwerlcr eine zeitliche Yerliingerung odt~r eine Verkiirwng nach I 87o. al~. Hoch!mrge~I der U~1knltu.r bezeichnet werden können.
des Verlaufs. Solche Perioden-Asynmwlric wird aber nie durch mecha- Heute ISt Ostenmch WI?der klem und unabhängig. Ans dem eben
Ilisches Zugehen oder Fortlassen ~on Takten auf fler anderen Seile aus- erörtert_eu Gedank.enganp- wu·~ man vers~ehen, daß die merkwürdigm·-
geglichen, ~ondern stets durch besondere melodische oder rhythmische weise m österrmch yrel starker als m Deutschland manifestierte
Varianten kompensiert, die das Gleichgewicht wieder herstellen. Da- politisc~e Tendenz d~er Schube~·t-Jah.rhun.rlertfeier ungefähr das gerade
durch hat Schuberts Musik einP kaum zn überbietende Lebendigkeit Gegented von dem. 1st, was die sozr?1ogis~he B~trachtung des Phäno-
und Plastik. Und darin mag- er uns lf entigen besonders Vorbild und mens Schubert ergibt. Erst wenn Sich w1eder m iro-end einem Sinn
Lehrer sein. Höchste Lebcndigkeil. tl. i. stete Va riabililiil und subtilste überschaubare Kreise bilden, wird es wieder so etwas ~:vie eine deutsche
Feinheit im Ausdruck bei Q"röfHer Okonomi() der Mittel, können wir Kultur geben. Österreich könnte ein solcher Kreis sein. wenn Gott
von ihm am besten lernPn~ Einr' \Vrndung nach .Moll z. B. ist bei ihm die Talente weiter schenken will, die seine Trad~tion ·bilden. Aber
Schuher·t noch ein entscheidendes musikalisches Ereignis --- in einem nur so lange es ein solcher in sich geschlossener Kreis bleibt wird es
chromatischen AJJerweltschaos ist sie helmrglos wiP alles andere, was der deutschen Geisteskultur das geben können, was. sie bra~cht um
sich in so~cher Musik begeben kann. aus dem Irrsinn des ßCJtriebes, der Eile, des Fortschrittes und 'ähn-
Seit Schubm·t hat es wohl kaum wieder einen so glücklichen .Fall licher Walmbegriffe wieder zu mcnschenwiirdig·en Daseinsformen zu
flpr üherPinsfimmung von Clwraktrr nnrl Schicbal geg-rhrn, nnd die gelangen.

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PWZf
Der i Y a t e n. \Vährend unaufhaltbar Interpretation der Treue mecha-
NACHTMUSIK nischer Darstellungsmittel überantwortet wird, die das skincrne Bild
'
Theodor Wiesengrund-Adorno - ihrer abgestorbenen Formen schaffen, beginnen die absterbenden Werk~
Ajban ß er g 111 \ ereltrung. selbst sich zu zet·setzen. Längst schied die leichte Musik sich von der
' l' a '. 'llsch •tfllich yorO.ezeichnele ernsten; damals nur wölbte die gleiche Opernkuppel sich über Sarastro
I •ichl könnte es o·esciJChen: d a !J t ~t~_ tJc~e . '
,t . 1i tJ o· • . Zll !llU~lZll'l'Cll SCI, da
k . ' tl-· ..
Clll;) OlCI
sind
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und Papageno, als im rcYolutionären Augenblick das Bürgertum mit den
Frauc. wte heule 'crgantJenesl 1 (' l , I~ . ..
'l'"lO"Wlli'CI""
]' ]-et't IJci·J·a''flirrl
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\_vird durch ergriffenen :Menschenrechten Freude selbst erreicht meinte; da jedoch
die es vernäl;n:en - c :_t ·' .s~ c ~~ll l: o~ichl tJdarnm .blot, wi.J1d cliic_ Un-
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<lie bürgerliclw Gesellschaft so wenig der Freude teilhaftig wurde v,.je
dit· des :\1n~IZH'I'l'llS bCJ SlC l SC )C .I - '[ Ull"'Cl11CSSCn ZU inlcrprelwren, Mcnschenrechte realisierte. hahen die Klassen der Musik wie die dl'r
mlig\irhkcit, \\ erkc der y crlgalngenf J·IClll. <cli~ f'ihi~ orl~r willens wären, . G csellschaft sich geschieden; während echte Freude der herrschenden
en'dv l'ltler s[[· e s, w 1 ·-. •
·c'\c,;•tnsor.tcn . . l l
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clt ·tllPin ··' o
rlcshalb. weil.'d·lC I•. n d'l- Khtsse unglaubhaft wurde im zerspellten sozialen Zustande, wurde um-
cJa,; (,.p 'l l.
)0 CllC zu Cl
'11]11ctn"'Cn:Il!ClaU , ,\Y er k·C bC"ll111·cn ·. '[•
Ulllll ·.tr- gekehrt der Schein der Freude ihr l\Iittel, die unterdrückte Klasse ühm·
I l .l. ·IIen 1o h \ lcs enlra l en. .])'n Je o f
prPlcn l es 1rar l lOllC ' l' G l . ll r l' lnll'rlli'Clati.on zu er asscn ihre Lage zu täi1schen; als Freude in der Gesellschaft irr·eal war. trat
. ·Jen lknn cte ,l'l• 1 c. u ] d 't
prellcr1Jar zn we_u . H. , l'l"l , llst'imlia sich nrwandelt um auu. die irreale ideologisch den Dienst der Gesellschaft an und in Kunst, die
trachtet, haben lll dr.·r "\c,\ lt .t 'J· .' G~schiohlc stehen und an der üm WahTheit sich mühte, blieb für sie kein Raum. Nun die pathetische
zurclt·ich auch an cll'n ' er 'cci_l. I ~eillll l ~l-. tl'll \\.et·kt•n di•t\ Gehalle Einsamkeit der hohen Musik des 19..Tahrlumderts selber fragwürdig·
::- - · ·11 1 e'-'t' nc 1 e 1.1 m L · l
realen (~csclnchlc lcii' Ja ~Cl~:! 'c~·iclenl o·cmaehl: die sichtbaren Gehachte ist; bemächtigt die leichte Musik sich der sinkenden hohen - darum
ih n•s l~ rspruBQ'S au .gcc cc-.. ' . G . . l sichtbar allci:n dur. wohl auch, _weil ~n i~1r verzerrt etwas von den großen Gehalten auf-
al>el· cntziehcnv sich der ltleq~·?tfh~n ;. sw F~~~~~l. und Gehalt eben acs gehoben blmbt, d1e dte hohe vergebens anredet. Die Depravation durah
den Zerfall <1cr geslaltha l~cn ~LlllliCI. \OI1E:nheit allein bot Raum für den I~itsch aber, die die Ohmnacht der hohen \Verke anr;eigt, gewinnt
.
\\erb·,; n]](1 von IJcidcn ( 1e. ""'esc 1. ossenc , Jl . · 1 n Bruchstue .. ken u nl - zuglc1cl~ den Rest der vV crke der Gesellschaft zmück, die bloß im
dit· ii!IQL'JllCSöCHC lnlerprclalwn, ehr bc_nle zw~sct~bcr sie 5ns Material Kitsch noch jene vVerke zu erfahren fähig ist, weil ihre Ordnung
. l ,,d rlie Gellalle Prkcnnl zwar. mcht me~tr I dhtcn sie sichtbar selber so Scheinhaft ist wie der Kit:sch. Durchs fliederbekränzte Tor
ll'l' un . . (' I' ll .· ···trieb ~nn eu . ..
.. ·1 ' kann. tlanms Je.sc nc 1 c ste 'el. : 1- ' ll l cn durchwarmen des Drcimädcrlhauses nimmt ein Ballett zerh·ümmertcr Ges1altcn seinen
Zll lCll
1 f • . c[jp na)ll'll 11 LI.. 11 cn. llCllOll . Sle .s1c~ 1 en. . 10 J ·•
' :··thetischen Struk -
Einzug, deren sprunghaftes Aneinandergefügtsein erstmals vielleicht
u_nl . :·lttll1.I11chr So ist der Charakter Bachsf semcld <lzst.J"lcich über sich verrät, was unterhalb der Dynamik von Schöpfer und Persönlichkeit
qc n1c · 1. 1 · Ta'"Cn · o . . ...
, . . ·I dit· sich vcrnommcn glan )t unc GtJ. d ·,encr ObJeklmlät mit jenen \Verken getroffen war. Im Shimmy niacht der Toreador s-eine
ttu Jh\C I' - [ l ·ir dem. Illll . • • • .. d
ll .Il'tusdeulcl. uns an gegangen, a s '~ . l 'cn·c Ob]'elülvltilt crart zweite Karriere, so wie er den Stier der erzürnten Gottheit opfert;
l • , · 1' "I · ll eh
·J·nl l't·emcl waren: ru ter YlC Cl_ . , "I .. lll' clt clcm MaLerial zu- I nY I ·
rm II ' " _ ·- l J D Y-CI' Jll1l . Joseg Schicksalsthema begleitet clie vergebliche Verführung des keu-
\\' crkcn YCI ~eh osscn, <at.> 51 · . 1~ ·1 't der lntcrprctalwn
(),
· d schen Josef durch Frau l\lassar_y. wie vielleicht die wahre Astrologie
m cn ll" I F . ehe 'rel l-Cl
aehöri!!· als dessPn una los Jm~ our· \VPI'l·es mußLen nicht erfragt heute in der zauberisch- geheimen Liebeswahl schlimmer Frauen
~eo·clll~: die objP~LiYCn c;:hl~I:a.;.elre I <_c\\'erke~ blof:, spiegelte. was an cimig gilt; Lchilrs langweilige Frasquita ist eine be~i:spielhaft strenge
.:.1 <1a die 1•ormoh.tc,ll\ll,l cc~ _ . 1, das \Verk nur anhob; Tnmsformation der Carmen insgesamt, die endlich als Kitsch die
"eH en. . · 1 F 1 1 yor::msaesell:l "ai' e H · .
objckliYen. Sems JCS .tiH Cl solcher" übereinslimnmng mochte der. Inte_r- Züge -der Oper so ''öllig aus allem menschlichen Bezug herausbricht,
und im sicheren Raum . S II ·t 1 \Vcrk nahen und produktiv teil- wie sie in der echten Gestalt versteckt lag-en. Chopin, gleich Schubcrt
prcl wohl als gcborgPncs -~· cl J,s Lee ~~chcinl die Objektivität des \Verkes und Bizet aus kollektiven Quellen unvermittelt gespeist und stets im
haben an seiner G cgenw~r '. ~~n rc.cluzicrl' abstrakt. weil die Bmdung fragmentarisch Einzelnen beständiger als in der Formtotalität, erweist
nohrcndi()' uns zum Stt prmztp G ,j , llc '·ms ii.hria o-eblißbcne Musik- sich darum eben als transformierbar und: weil die großen Damen,
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der crkannlcn unr1 ' ·eraan"'etlCn
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e ta .:·} ' lien und
1. )J l.t l• uo-Bn smc • 1 't
1111 denen er schmeichelt, der 'iVunschtraum sind der kleinen Mädche:n von
· · 1. ·I· lwslchl: ue Ul n d · heute; so mögen beim Tanzsport die großen Damen, die ihn vergaßen,
mall'nal me ll 1111 II . • . k" sie nicht anders repro UZLCrcn,
. II' I
.sich allem ge. l tc]'JCII "[~Plln[l u nd wll' . Yl'l'iionnen.t
Ullllll e
l Kontur ihrer I~'orm J nac -
h ih;n wiederbegegnen in den Tänzen. die man um der klein·en Mädchen
als indem wu· ttr ra ~ · ' · l \· . i\'hl' nicht mehr in sie 1 trage:n, w~_en _aus ihm geschlagen hat: nicht die Walzer bloß, auch die Fan-
zeichnen. \Ycil sie ihr mlcrpre.alt'es "1' ·'als rationales Schema oder t:usw Impromptu erwies sich da als praktikabel und gab ihre letzte
,
mu!~, es llnt•n
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yon an J . l'n I
cn aesclz · werc en
sclllcclültiw Freiheit der ntcrpre-
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Substanz her für die Armut der Schlagerkomponisten, die reich damit
1 l , ] uncr ra()' )ar , l wurden. Unterdessen begleitet bereits das Schlummerthem,a der Walküre
wird t ('Ii 'rag:nc Cl\ .: . " \Villkür. Die Genenwart der vY er \:C ver-
tation verzerrt s1ch zur ptl\ ,tlcn " den Feucrzauber östlicher Bars. Der zweite Akt des Tristan ist boston-
weig~rt ~ich d~n :\fcnsc:lcn. l· f: die Geschichte der Interpretation vBr- reif geworden, man muß nur die Synkopen fortlassen, durch jazz-
j<,s heße s1ch denken, ( , t J · .. " • d. G··l'chtc von deren gerechte des Saxophons ersetzm, und wieder sinkt hernieder die Nacht
ge ltent1Pr \ "'c ,, 1'hre Forlsctzuno:
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' .1·]cn

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b
der Liebe. :\llein l\udimcnle des Bilclung:;glaubens schützen einslweil~1r
Mozarl und Bcelhovcn, die im Kino eingebürgert sind, ror cnergt- logisch-hermeneutischen Dcutem der Vorkriegszeit und dann den hiluti-
S!'herem Gebrauch. Im dichten Uirm bewahren die \-Vcrkc sich stumm. tigen sind es, die die Untm·schiede zwischen den Auffassw1gen selber
~\Ian sollte hart daran festhalten, daß Veränderungen an den \Verkcn diktieren, als ob der befremdende Reichtum thematischer Gestalten.
sich zutragen, nicht an den Menschen bloß, die sie interpretierrm. Dm· die poetische Fülle des Geheimnisses darin, die Tiefe der personalen
Stand der WahrheiL in \Verken entspricht dem Stand der \Vahrheit in lnnedichkeit, die geschärfte dramatische Dialektik, di·e extensive Größe
Geschichte. Damit nur läßt sich zwingend der Einwand widerl~gen: der heroischen Gesinnung, der g·cstufte Reichtum von Seeleninhalten,
es müsse nur gelingen, die Menschen gebührend zt~ ver~ndem, Ihreil endlich die formkonstruktive Phantasie Becthovens in zufällig wech-
geschwundenen Sinn für l\'Jaß und Form und lnnerbchk?It zu wecke~, selndem Lichte zwar, aber als diskret im Werk enthaltene. identisch
und \Verke die sie heute lanooweili()' finden, erblühten thncn neu, st·e. bleibende Bestandstücke darin bewahrt würden, die wechseind in
bekehrten sich '
vom Kitsch zum b Cl
echten Original; - heute und h'!er- Besitz zu nehmen stets freisteht. Schicht um Schicht viel-
bereits könne ein gro!~cr Künstler ni.cl~t nur produzim·fl!l, sond?rn auclt m e h r l ö s e n j e n e G c h a I t e '1. n i h r e r S l u n d e v o m \V e r k e
beliebig reproduzieren, wofern er ongm.alc Anschauun9, un~ .Kraft ?~r sich ab und jede vergangene ist dem \V crk unwiederbringlich. Zwi-
Darsteiluna vereine und vollends von Irgendwelcher lradtl!on legth- schen ihnen bleibt keine \Vahl, und Erkenntnis hat darüber bloß zu
miert sei. J)as argumentiert, als ob man die Wahl hätte und daß künst- wachen, daß die Gehalte realisiert werden, die der vollen Aktualität des
lerische Freiheit niemals Freiheit der Wahl. gerade di-es nicm~ls Werkes zugehören. Sind die Gehalte ganz aufgedeckt, sind damit die
bedeute, gilt es einzusehen. \Vohl ist dem billigen ästhetischen Histom- \Vcrke fraglos und unaktucll. Ihre Interprctierbarkeit hat ein Ende.
mus gegenüber der Rekurs. auf den. bleibenden Geh.alt d.es Kuns~werkes Theoretisch läßt sich da:;; E n rl c cl er In I er p r c t i e l' b a r k c i t
angezeigt. Allein es darf d.teser bletbendc Gehalt. mcht m gcscluchtslos nicht vorausbestimmen. Es entscheidet sich aktuell. Aktuell nur und
ewigen, umerändert natürbchen Bcsliinde.n des \\ erkcs gesehen werden, polemisch mag die Uninterprctierharkeit von Werken behauptet sein,
die sich beüebi"' ergreifen lassen und die zu verfehlen, gemessen am die so lange ihre Geheimnisse aus sich entließen, bis sie selbst zum
Bestand des W c~kcs jedenfalls, Zufall wäre. Die Freiheit de:s Künstlers, Geheimnis wurden. Uninterprcticrbarkeit als kritische Kategonie schließt
des reproduzierenden nicht anders als des produzierenden, beruht alle- nicht aus, daß faktisch, und nicht einmal völlig· sinnlos, Werke doch
mal nur darin, daP., er das Recht hat, über allen Zwang des gerade.
stchenden hinweg zu realisieren, was dem forlgeschrittcnslen gc.'iehJc li-
l:e- interpretiert werden. deren Recht in Frage steht. Es ist nicht ab-
zusehen, ob nicht rler Klassikerbelrieb der Konzertgesellschaften und
liehen Stande nach von ihm als aktuelle \Valu·heit des \Verkcs erkannt Musikfeste unentwegt weitergehe, solange die Zahlungsfähigen sichere,
wird - erkannt nicht im Sinne ucr abstrakten Hcflexion, sondern. der inaktuelle Interpretationen als feierlich nachgedunkelten Wandschmuck
inhaltlichen Einsicht in die Beschaffenheil seines je und _je gc.sc~ 1 f~ 1 ~ für den komfortabein Hörraum notwendig begehren. Mancher PiaJilist
lieh präformierten Materials. Ewig ist am Werk nur, was Jetzt un u~I· noch wird am :\fcduscnblick der verhärteten Appassionata zur Leiden-
mit Macht manifest wird und was den Schein :un \Verke. spre~gh, schaft sich entzünden, anstatt trauernd das Bild ihres gewaltigen Haup-
die scheinbar unveränderlichen Nalun1ualilätcn des Werkes smd c?~c ~
1
tes zu entwerfen oder das getr·off cnc Auge abzuwenden von ihr; und
slcn Falles der Schauplatz, darauf die _Dialektik .von Form und. b : ~ff es wird nicht offenkundig sein, daß seine Leidenschaft objektiv zum
rlcs \Vcrkes sich zuträgt, öfters wohl mchls als em fauler Grenz eon k Trug sich fälschte, den der steinerne unbetretbare Bau des \Verkes
idealistischer Asthclik, das "\Verk an sich.", das sich r:al .vomd ~~rb, stumm verhöhnt. Manche Pianistin wird die privaten SeJmsüchte ,ihrer
wie es geschichtlich ersoheint, überhaupt mcht sonde1:n l.~ßt, un _ 1 e d Seele flicgenden Haares in die Irrgänge der Schumannsche111 Formen
jemals nichts anderes übrig als dieses "\Ver~ an. steh .. so war~ d~s ergießen und eitel iiberhören, daß ihr eigenes Echo nur ihr e,rschallt,
\Verk 1oL Aufs Umeränderliche einer i\Ius1k steh nchten un 1~ während sie vom stockenden, verlorenen Seelenlaut wohl die Spur im
aktuelle Ycränderunrr der Interpretation befehden, heißt denn. audc Gehäuse vorfindet, ihn selbst aber nicht mehr erwecken kann. Der
n 1. emals das ewiO'C. ·~erk votTil Verge h en 1.etl en, s·ondern allemV kas
b\u allein aktuellen Reproduktionsweise dieser Frage, der vollends mani-
vcrganaene rrcgeno das !J'()rrcnwiirltge
. . I en; d cn z~er f a II der. \ ler .e
ausspie festen konstrnkth durchsichtigen, wie sie von Schönberg aus-
b
in Geschichte o bestreiten,
o ohat reaktwniiren Smn: r1IC
v • • . B'ld as deo ogte
J unt> 1 E . _ geht, bleibt die ·Breite des musikalischen Lehens noch erst zu ge-
als Klassenprivileg will nicht leiden, daf~ ihre ~lOhen Güt~r, deren f ll~n winnen, obschon sie mit Klemperer etwa und Scherehen in jene Breite
keit: die Ewiakeit des eigenen Bestandes garantieren soll, JCmals zer/ hineinwirkt, und ihr Klang mag für lange die Gegenwart der ver-
können. Und doch ist der vVahrhcitscharaktcr des \V erkes g\r;_~a k~ ~n stummenden \Verkc dämonisch erzwingen. Jedoch es ist die Stunde zu
dessen Zerfall gebunden. An der G escIBC · l1 t e v~n B ?e.thovens d'~er un
indivi- erwägen, daß der Rede von der Unsterblichkeit der \Vcrke ihre inhalt-
19. Jahrhundert läßt er sich ablesen. Nicht dw zmthche~ lill.. • I.,., liche Grenze gesetzt ist.
.
ducllc11 lJntersclncdc . . I1cn r1en B e t.I ac!JLei'Il · der 7.Cill!ßnosSISC
zwisc o hh.,.. Noch sind wir gewöhnt, alle Musik zu unbefangen von innen nur zu
Kritik also. E. T. A. Hoffmann, Schumann. \Vagncr, den psyc o- betrachten. Wir meinen, wir wären selber in ihr wie in einem sichere;o
Haus, dessen Fenster unsere Augen, dessen Gänge unsere Blutbahn,
18
19
·] cs;;eu .,...
tl\r · · ('••
un~e•
·c·ltlt•c·ltl
.•. "· · l>c•deulr ·· udc·r
· c"ar.· si" 1viire
. gc·nachseu
. 1
... · . r.
,tus uns. < It
Pl'lanzc· aus dem 1\.eim. und die frinsten .\us1iiu}.er nor t
. .• • . z 11 . 1 W splzen
halb alles subjcktir Vermeinten in ihr sich darstellt. Die ontologi;;chen
'1
1 1rn 1· JJ'J''ttter ·thmtc·n 0rrrsetzhrh dte 1nwrm1tge ,e c ndc J. 11' · .' (; riinde wu llusik sind \Vieder an die hörbare Auswendigkeit üi.Mr-
1111 s als ihr· SnhjPkt und selbst wenn 11 ~r. < cm
L ' ' • l z,er ..f il II c1es· llof' J Ur -
·' ••• gegangcn. l>cr Zerfall des scheinhaften lnnen hat das wirklich{) Außen
"~llli~clH'II ~ie zu' enl]'(•if~,e 11 . zum illgern_PmPn, transzende!ttah•tl ~ub.J:.l~~ I'Oll :\Tusik restituiert. Es dürfle in geschichtlicher :\.ktualiL'il mit

~ns H'rdii 1111811 • biPiiH'n wir PS. clie ihr clH• HegP1 vorsch_reiiJPII. D1e _Kn~.L größerem Hechte und Iieferen Sinnes von musikalischem Materialis-
der subJ. ektil'islisrhen 1\Insik. die Erkenntnis und Pr:ms hcut_c gktch ;r,- mus zu reden sein als nm einer gcschiehlsl'rcit•H :\Jatcrialbestimmthcit
. 1.><- der Musik.
maßen anze1g-l. mac·1 11. unn n•c · Ir.t r L".t -. 'or · · ~ len \\' t'1'kPn. . . .che aus ] .. ,.
wnßbt•i11~imrnanenz slalll!IH'II, '· 11 lt 1 .. ·t
a t er .u · .~.' ·: : .' hl' zw·u· dtc lhldurw
· . b . l ru
mu < Frau ?!Iass<try soll geäul:.ert liabcH: .,leb liebe die OpercUe, sie is1
i\Jm,ik nuilrPndig 11·iirdP. die l'riihrrr sub.JPkln~sl.rs.dJt• a!Jcr 1_n s·1c ~ ~rn- so lustig''. - -- Da Geschichte Lustigkeit zum clefin icrenden Merkmal
ancrl' t.oc lt I ('I]
.. <1"' . •~~~ 11·'in·
1)PS:-, 1!11 •
.;ip wo111Pn \1'11' SIC Wl'IIcrhlll nu1 \Oll
. _, . . . • I . ·l· .. · .
der· Operelle machte, so scheint der Satz tautologisch und die Unsinnig-
\lll'ill clc•r t'nlt•r"'alll! dc~ mllstkalrsclrt•tr ~~~ J.)l diii.'ill~llS
0
· , .. ·I , kci l der Bewertung einer Spezies durch bloße Berufung auf deren
~nnl II "~_ .11.11.. ~ \ . o ·I'> d I' <Irr sub ·,eklii·P .\nll'i,l ;;;chwm- Definition liißt rlen gewaltigen .\.bgrund der Xichtigkcit einer F.:rrm
tsl !.!·c·sd1rrlrt hdr YO!l rlPr . r I :l.liC L ~ ·' . · · ·. . • . • F ·11
riet 'in \\erken. rlie nrsprüng-licl1 ~uh.Jek!rv konsll~li 1 P 1 l "~ 1 ~'_ 11 · . ~~ ß~ 1 aufdämnrenr, die nicht anders sich rechlfcrtigt als durch die Nennung
in \\alirheit keinr rPin suhjPktin· :Husrk und hlllll'r <le~ 5 1_1b.Jektnf! 1 ihres Namens und höchsten Falles durch den \Vitz, den sie iiber solche
l>yn:1rnik J.r:ilw11 :riiPin liilrlrsl. 1erg-pssPIIP und drohenclt~ ob.Jt'ktrn· Qzua 1_- Bt~gründnng reiß!. Jenen Abgrund jedoch gilt es ausznmesscn. Hier
. zeigt dämoniseh sich an die U n er r c ich h a r k e i t cl er F r c u d e
tiiten f'ic·h yprschanzl. c1·II' l'IIC II'IC 1I llllll , I III ,·clllJrPchPtl
>
· . · ' Ut•Jlll ·. , der . o- ,_.. ei-• I
f a 11 d e r \ Y c r k P i s t d P r Z e r I a 11 1. h I' I' r I n " ~ l l l h .o 1'- e 1 . l'iir all unsrre 'hrsik. Solche materiale UnerreichbarkPit der Freude
zumal. Dit· Celralle. die ilmPrr c•nhn~ichen. s111.d 1'01' _nn~lcrPn ~LC f~ 1 ~ wird dialektisch erleuchtet \'On der Gegenwart dce YerzweiflunQ' in
sonalcn und mit ihnen cli~· konstiluliY-suhj~·kt~yen: _d~.t' Jhn•r Slru ~lu 1 Formen; die Lusl;·mcinen ,und denen Inhalt fehlt'. Die Verzwe!Ilung
nach dl'm \V echsPI pri1 a 1-ps~-clwlogis('hcr Suh]~kl mtat .~~~~!hoben Sll~~ ~ 1 nur spncltl dc.e \\ ltz 1011 1• ran :VIassary aus. Indem aber Vcrzwerflung
I\ s BeellwYens \Verken tritl die aulmronH' Spontanetlal. cles m~I<~ als Inlwll d!'r mhalts1ren•n Operrl;tp rrkannl wird, zerfällt die Immnnenz
li~~hen \fcmchcn als il~r. formkOJ~slitulin•r. ?rt~.m~. lw~·:n~s.: .~~lll t:rn:~~~~~ auch jene,; GPhildr•s. Nichts n1ehr ist in ihm llJHl warum es isL liißt
sich liingcr nicht in ihm aul'suchc•1J. \Vohl tln.rl' man der Operette ihre
dic inlerprelaliYe Heahstenmg n1l'lrl m_cl11. uhug_ .tl1u ~...,t. L~lC <ll s_
. I' 'l.ltln" "c ' · l'ormen '· deu t heh z1ra r· d 1e autonome rndikalc Nichligkeit nicht als Venlie11sl zusehrcihen. Sie blejbt so
wcncl 1ae >l r r. ·' 111 ·~ 1 lSpcm
·,?, 1 · I
n

t · 1 ·ds cJr.ren bcwcacnde Kraft. siP s..Jbsl .JP·clmh k :11' ge:~c lle< •en schlecht 11 ic ~ic ist. und liilH siclr nur lrolz i;hrcr selbst vertcidigl'n.
,~~11' · ;:llC'; .. ·lllil- r]p 111 1rarr~zendent;dr•n Gelrall, dt>r' ahwam.lert. verlaßt auch Dann abe•r bedeutet sie: einmaL durch ihre bloJ~e Existenz, \vie sehr
L- .- :\.
1 ·1·, 'llh.JPktirP LnummL'IIZ. Ihr· Stanrlpunkt wll'<l transzeJ~d("Jt1. dßr ernsten und inwendigen Musik die Kraft mangelt, Yor der schlecht
"-II lh c u · · . • .. k II' 1 \\crke·
Zwar kann si,: 11ichl di1~ Stummhell des zumc ·gc_J u; Jt:nen, ., " auswcmcligen die Macht ihrer Innerlichkeit zu l1iiten, die dort gestürzt
tJ·1 10,.,,.n· !II( · 1enl M .1·o 1· nclcwh
L L ~ \Vt>rk nnrl Gehalt. durch dJI' Zell lgesclncdPn r K zum zweilcn :\'Tale Yorkommt. Innerlichkeit. 1·erflüchtig-t sich und das
~·rJJC 1 }· k~t II' ·kl .' .' rliP S[1
) L I " 11 • 11 nrnlrPit eil'>' \Yc•rkl's .
>'rlht•r :nr .
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c w on- .,
G erliich l.nis der objektiven Seinsbestünde der Musik wi,rd erhalten allein
tnrt'll d·l', stummPn :<incl anders ab die des l'P~lenclPn .1ema s es wa~.L~. in tlc:r fortgeschrittensten konstruktiven Phantasie oder der vollendeten
\\ .,.1 . , 1 l·l·t~ lcbcndiue \Yerk unter rlPrn Sr.hem dPs Lebens ~elbs_tt.~hg Leere, die ihnen am fernsten ist. '\~'ahrhcit will das Auswendige durch-
k 1 • 1· ,,.,·1·cl "cl·ts zerfalii'IH le zum "'·1
· .r1 lllllC . l· t· 1·. J) 1ssoz1ahon
;:.<.J.Illp '' z t et rlringen und nur in der OpereHe findet die reine Auswendigkeit rrn-
..:te ·unc
· "cra ·l. lliH 1 ·::>!Hili.
·\'Oll1 \\'·thrhi'II c ·1'· ,· • K. tlll : \-VPrk JSt · · 1· \V 1 1 't· c] cl·1s
m · c. Pr ·· a 1r 1e1'\V unk · ·' ·· tentionslos sich I'Or. die von inlentimtaler Musik allein zu wünschen
. . lJ ;1 ,le ist ihr wril Pntriickl. \her die Gehallt·. che dem · ~r. 'OJ- wiire. Der· Answendigkeit der Operette kommt der \Vahrheitscharakter
zleJfa ? ...kl 11''\)'('11 helPurlriPn c~ l!ell nun Yon außen, und m Ihrem zu, daß sie. un\rr Veruichtung aller personalen Zwischenschichten v~r­
r em r·m;.:csell · · . · . . . . · 1 . F' o· 11 -r~u zusammen zweiflung enlhiillt und hinl\'eist auf eine musikalische Bedeutungs-
I lC . II.1 !'
I'"uo- t· Sl. ·'cll ·'''1'111t' "OlJSWPildlue
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du•'. Clllffn•n · "'· CCJ 1 . \;\i·.tllll'l·1 ·I 't sc1'11 mÖ"t'll. r-
So ·SIJHl c 1P. 1•,n .r a1.en 11< rr schicht, diQ zu aller Ps)·chologie so fremd und transzendent liegt wie
. · ' · · 1 I•. 'I'.10 sl!'S iihrr 1wrsonnlc, I Tspnmgse errwn .(' a ell 11m· Fre.urle selber. So wenig die Verz1niflung cltcr Operette die des
:--llllllrnl!t•lt. lllll <es · · · · . . I', "·] ·']· ]', :f Autors ist, der Edelmisse hat. orlcr des Publikums, das sich langweilt,
011 crnha IIen
· \";
., e~ens. u' , ··t l;:p·1111 i>ar "'o·elnJrd1·rr . •,1lsI < 1t. 1 h_ \ISI l'l '·1 < H. au. 1
· . ' 1 ' )', ~~po·ion lllllt'l'jH'I'SOJI:I}t•ll (,c• )J'ii\I.C IS 0 I, UaC 1- oc~e.r der· Operellcnheltlcn, die gar nicht anch ästhetisch gar nicht exi-
,;J('
· ZIC· \. lll ... . ( J(1 1·..llll'll' "l'l I·n rlir• . lnrH'I'. I'w11.k er: 't I. m1a l 1ge·t·.mc·1l·t·. 1\''li'CD ~beren: sondern der \V~~ sensgeh alt des VI' er k es, an dem alle
·~
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d\'111 :'II' 1.1Uf!t'llf • -SII·,.-
· 1 .· .. - . jn- n•rrnc·rrrl. IIH' dre Lnl.enlwll emc;; • c 1 .tgcrs .J.C·ne teilhaben zwar, der jedoch gründet allein im Stand -der geschicht-
Persorra 1 Sllll ,;tt~ so 1111 1
0 1 . ... Irden
"rcolPninlnl! cle~ rortrnrremlrn Kalrarell~;Jnge_r~ ISL -
::o • .·

;lit• ~onat,en , 011 chedrr::; heule ins Staclinm Ihrer konslrn ·t~_rcn ! na )~
.. ••.
kc~ ~" \ 1· hchmt \Vahrheit. wie sie aus verlorener Ferne den Menschen -sich mit-
teilt - so wet;ig haftet Ji'rcmlc an psychologisehen Kategorien. -Sie
· un d so . "u .· .u1 cl·,1s• So11'•1 Lenrwoblem nrn ....gestellt. werden musse_•n - 1 •c transzendiert die Innerlichkeit, wie die Gehalle der Operette aus
"l' • • • -r.
. 1Hl11 1)C'I .P-1't~.. 1'11 S~hiinhrr"~
.gcf'c ~- .._ ~ Oninlell
... · IYle dtr l'f'lllf' •'01'111 un <.r- Inuc,rlichkeit herausfielen. Sie sprcngl die iisth\ltisrhc Geschloss.enh{)it
dcs 'Verkes, tlic im Kitsch ,·erfiel. Keine JJnsik widerstr0i Let gewalt-

20
21
ätigm· der FrcuJt• ab dit• Upcrdle. Sie isl ihr snlanisches (_;egenbild daß . allgemein ernste oder wie man lieber hier sagen sollte, seriöse
md vielleicht daw angdan. im L'mschlng naf'h Yollsliinrlig·em \\"ider- Musik, die mit ~azz durchsetzt ist, die Tendenz zeigt, kunstgewerblich
;pruf'h jenP :~ul'zuntfen. vom Gebrauch srch zu lösen und der Unterhaltuno· zu dienen, während
:\ls · :\lnhle,r diP acltle SJ!llphonie schrieb. die uns ein Ver,.;m~lt die originale Jazzband, die zum Tanz spielt, daru~ nur über den Ge-
;chP.inl. au~ der Einsamkeil tler in sid1 nrschlosscnen Seele h<~­ brauch hinausdeutet, weil sie untergeht in ihm. Es gibt zu denken.
wlmör~nd tlas Bild rinr,1· komntPmlr~n und YOilsliindigerrn Ges.rllschaft daß Strawinsky, dessen fraglose Potenz erst die seriöse Jazzmode in-
;orwcgwnc!JJ!Il'll. iitd:,eriP er. wie bcrichll'l wird, innnrr wirder. di,es augurierte, längst ein neues und schnittigeres Kostüm gewählt hatte.
Werk könne kl'in .\Jensch heule begTPil't•n. Es slehl frei. das \;yort. als die Jazzideologie allgemein wurde. Sein arrivierter Z.eitSJinn reicht
las w d Pm 'om iiu t:,erm Er folg den'ienl.irrl wird. daru uf bloß zu lw- aus, ihm den direkten Weg suspekt zu machen, da er. wissend, des-
r.iehen, Jag die Achte um ihres znkiinl'Ligl'n Zielpunktes 1villen dc1· halb nur die \Vahl hat zwischen allen Wegen, weil alle Wege gleicher-
}cgenwarl PniC'ile. /\!Iein die :\chst• isl nirhl schwPrwr·sliinrllich so, maßen versperrt sind. ·
laß e.rsl diP konulll'JH]l' ZPil sie au fkliirPn kömlle. und umgekrhrt Der Stand des musikalischen Reproduzierens, markiert durch die
isl dns Lied 1011 der Erde. ohne das man di0 Achle nicht tlcnk0n darf'. Krise alles geschlossenen Werkes aus der Vergangenheit, deutet end-
.-an einrr SclnYirri~keil. <lic> che1· wniich~l dem enclrnrlrm tragischeu lich aui_ die. ~ag~ der Produktion selber. Der Stand der Reproduktion,
SubjekliYismus al~ l'rohPn wkiinfligcn Cesell.schaflsfonncn ~mrcchnel. de.rc~ Dialekhk siCh auf vorgegebenes Gut erstreckt, ist fortgeschritte-
So wird man denn ridlligcr in :\Tahlers :\ngsl. um das Sclucksal ~les ner m manchem Betracht als der des Kompanierens: manches was
\Ym·kes -- rla~ gcgeHniirtige, deHn kei11 Kiinsllel'. 1lcr 1111 der Akluah!.iit dort _als neue Objektivität sein legitimes Recht behaupt•cn m'öchte
le,ilhal. überspringt sir:h um tlcr Ewigkeit willrn · · die Angst s~chcn. löst. Sich durch de~ _Zerfall reproduzierbarer Objekte ber·eits auf, ehe
rlae, r~ben die Aklualitill. übersprungen sei nnd darum :mch dw cr- es .srch nur. konsoh~~erte. \Venn Bachs Werke dem ReproduzierendliD
,,·ünschtß Ewigkeit als ldC'ologie !les ungegenwärtigcn .\Vcrkcs s~ch ent- gleich archmschen Ratsein stumm begegnen - wie sollte er dann fähi()'
lnrvo: die Angst. daß das einsame Ich Freude von s1ch aus mcht be- sein, selber verständlich so zu sprechen wie der unverstehbare Bach?
schwören könne. Die Angst hat den Meister nicht getrogen, und erst Wie die \Verkc -~er Verg~ngcnheit zcrfie~cn und nicht an sich ge-
dir deslrukti1c Ge\\all des Liedes YOn der Erde, die fragmentarische troffen werden konne~, s~ ISt das Kompomermaterial, mit dem wir zu
Konkretion der letzten \Verkc stellt die abstrakte Totalitiit der Acht,cn rechnen haben, gescluchthc:h zerfallen und aus seinem An sich läßt
dialektisch sicher. Der Innerlichhit isl unmittelbare Anrede der Freude sich kein w~lte_nder Fo;mkanon ~biesen .. \Vie die vergangeneu ·werke
nicht ge.gebeu und wenn sie. sich miihend. von Freude kJjn.gt, ist ilu· außer der 1soherten Bildungssclncht kem Publikum finden, das slie
yolJer Schall der verzwcifclle, darum crschiiltc-rndc Laut, nnl dem der· vernehmen möchte, wenn sie in Konsequenz der 0O'eschichtlichen Stunde
Einsame die Furcht iibcrlönl, gruJl(llos in sich Z1l versinken. \Vas dci·- dargestellt werden, so ist Musik, die Erkenntnis der Stunde heute in
o·estnlt dem "' agnis des Menschen nicht gelingen will. wird der Leere, sich bewährte, unvernommen. \Vie Reproduktion nur in der Gewalt
~o wiP sie sich gerade gibl. gewiß nicht gelingen. \Venn Mahlcrs totaler rationaler _Auskonstruk!ion odm: im Zerfall zu Kitschpartikeln noch
\Ville o-roß in die tragischP Sphiire führt. so sperrl si:ch jene den Kraft gewmnt, so erreicht Musik Yon uns selber l\Ienschen nur noch
behaali~h en Versuchen, durch beliebigen Yorz<'ichenwechscl posi ti1·c r~1it rlem Strahl der ErheBung, rler die Asche des bloß Organischen
Objeldiritäl aus dc~ Schi~ht ~]es Ncga~iren uns Leeren zu ziehen. pie hlgt - oder mit der Dämonie des unteren, auch unterhalb der Ge-
ernslc i\I usik, die steh, w1c stc so meml, vom Ja z z befruchten laßt, sellschaft beheimateten Gebrauchs. Wenn Reproduktion über den Trüm-
usurpie.rt eine Freude. die keine "ist; der l!ngehobene, !ü-edrig zv."ischen mern der Werke erst die Gestirne ihr-er Wahrheit anzuschauen vm-
sinnliche-r Emotion uJHl yerJassenem Gc1vmsel SJnkoplerende .T azz hat mag, so vermag im kompositorischen Raum Phantasie allein die starren
vor ihr den Ernst voraus. Er bcdriiugt die Freude, der er radikal oppo- ~ilder der eingestürzten Formen zu durchschlagen. Die gesellschaft-
niert: jcnl' wiihnt sie in ihren~ G.eQenbild. w1ge~Jrochen gegenw~rtig. hebe Realität läßt sich von Kunst nicht verwandeln. Aber die Ver-
\ \1ohl drrrf der schlechte SubJektinsmus m fnschem Ansatz uber- :änderung von Kunst kann die Veränderung von Gesellschaft vorweg
wunden -- nicht aber der \Ve'g von ihm los in die neue Phuntasie- bedeuten, wofern sie sich nicht verfälscht mit dem, was jetzt noch
reO'ion willkürlich verkünl wenlen. Sonst festigt sich der Verdacht, es m~d träge von ihr begehrt wird. Musik vielmehr zeichnet bereits in
halJe die eilirrp Korrektm reaklionliren Sinn. man wolle der gnnzen femen _schwierigen Strichen ab, was tief unter dem gesellschaftlichen
und schwerer~ J-:onseguenz der Situ~ltion _ausw~ichen _~nd e_in~enkeud Oberflachengefüge an Erschütterung sich zuträO't, läno-st ehe es zur
rclten, 1vas zn rcllen 1st; also etwa d10 sozmle Emsaml,pü der I roduk- ·.Oberflii~he dringt und anders, als es an der Oberfläche v~1-standen wird.
tion mildern durch Süßstoff aus dem Konsmnplioushrsitz der Gesell- Darum Ist Musik nicht ohne alle Hoffnung.
schaft. Darum ist es nicht erstaunlich, daß gerade musikalische Kunst-
0
l)'ewerblei· und a()'ile Leute arn raschesten die Jazzmusik rezipiert
o. ·
haben, je11e am erfng~ten 1"h rer vorg-e 11"
1 1r11 crnslgememten
. . I):men:
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22 23
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KORRESPONDENZ ÜBER DREIGROSCHEN- Menschen dar, rlic scheinbar aul~crhalh des große.n Thealt'rpublikums
OPER stehen. 1\och immer werden "Oper" und "Theater'· als zwei völlig
getrennte Begriffe behandelt. Noch immer wird in neuen OpPrn eine
Lieber Hen Weill! Dr:m1aiurgie durchgeführt. eine Sprache gesprochen, IYCI'clPn Stoffe
Der sensationelle Erfolg der "Dreigrosdwnopt•r". dto.r Pii_I \Vcrk behandelt, die auf dem Theater dieser Zeit röllig undenkbar wiiren.
·
etnes o-anz neuarhg·en, · r1·IC z,u k'1111 1'1 we1senc
111 · l en Stile"
. ··· [)lölzhch
. · zum Und immer wieder mul~ man hören: "Das geht vielleicht im Theater,
Kasse 1 ~-;ch1arrer we,nlen liU~.t. hestiitigl aufs erfretthchstc diC _~rophe­ aber nicht in der Oped". Die Oper ist a.ls aristokratische Kunst-
zeiungen, die in tlicscm Blalle w_imlerholl geiiul~o.er~ wmdcn. D1~ J~eue. gattung hegründet worden, uml alles. was man ., Tradilion der Üp<'r"
1·o1kstümliclw Opcm-Opcrel1t~. ehe ans den artistischen_ u.nrl_ soz1al~n nennt, ist. Pinc Betonung dieses gesellschaftlichen Grundcltarakter-s
Voraussetzungen rlet· Gegenwart den richtigen Sr:hluß zwhl. Isl da lil dieser Gattung. Es gibt aber heute in der ganzen \Velt keille Kunst-
einem ~chiim:n .\luslerllf'ispiPI gelnngcu. .. . , form von so ausgesprochen g·esellschaitlicher lbllnHg mehr, und
Diirfcn 1vir Sie. der Si~> unseren soziologis~hen n nd ~tsthcllscnen Ab- besonders das Theater hat sich mit Entschiedenhril Piner Hichlung
leitunge11 dit: eindeutige Legitimation praktischer L:Istung u~d be- zugewandt, die man wohl eher als gesellschaftsbildend bezeichnen kann.
wiesenen Erfol~res 0
yoranshaben. bil.len, iiher den hwr bcschn\IP.nPn Wenn also der H.ahmen det· Oper eine derartige Anniiherung an das
\Veg nun nuch theoretisch. sich in IUlSl\I'lll BlaU. zn iiu l~oem? Zeittheater nicht ertl'iigl, muß eben rlieser Rnhmen gesprengt werd:m.
Lieber Anbruch! Nur so ist es zu verstehen. clag dc1· G rund(~harakler fast aller wirk-
lich wertvollen Opcmversuche der letzten .Tahrr ein rein destrnktinr
[eh dcl!lke Ihnen für lhre11 Brief und will_ Ih:wn gc<m eini~es war. In der ".,Dreigroschenoper" war bereits ein Neuaufbau mötrlich,

'
sagen übe1· den 'l·cg, cIcn w1r_.
· I)>re~ I1 t UllCl IC
· 1l, m1 l c11esem \Verkt', eJll-
weil hier rlie Möglichkeit gegeben war, einmal ganz von vor1~ an-
ueschlarrcn haben un(l dt'n 1nr wellerzugehen get~enkcn.
~ufangen. ~Vas_ wir machen '"ollten. war die lirr'onn der Oper. Bei
~"' Sie weisen in Thrt>m ßrief auf die soziologuwhc Bctleulung der
0

Jedem mus1kahschen Bühnenwerk taucht YOil neuem die Fran-e auf:


Dr~i;roschenoper'' hin. Talsliehlieh beweist drr Erfolg unseres Stückes. Wie ist l\Iusik. wie ist vor allem Gesang im Theater iibcrhaut~L mög-
~laß Sie Scha[l'nng und IJurchsctzung dieses nenen Gl~nrcs nicht nur
lich? Diese Frage wurde hiu einmal auf die primitivste Art. gelöst.
für die Silua tion (ler Kunst im rechten ß·f ~nnenl kam. sondc~·n da~
Ich hatte eine renlislische Hancllung. mußte also die Musik dagegen-
nuch das Publikum auf eine Auffrischung Pmer bevorzugten 1healei-
setzen. da ich ihr jede Möglichkeil einer rPalisLischen vVirkung ab-
o·a!lung geradew zu warten schien. Ich _weiß nicht. ob 1msc~·e Gallung
spreche. So wurde also die Hanrlltlllg entweder unterbrochen, um
~tun :1;1 die Stelle der Operelle treten wml. \Vannn sollen mcht. ~ach­
Musik zu machen. oder sie wurdt< bewußt zu einem Punkte geführt,
dem nun auch Goelhc dm·ch da~ l\'Jerliu_m eines. OpereUe~llen?rs wH•de:
wo einfach gesungen werden mnf5te. Daw kam. daß uns dies~s Stück
. f Erclc 11 erschienen ist noch eine wmlcre l{mhe gesclnchthcher ocleJ
dU ~ ' • • , • . .• \k I l I' '} . ' Gelegenheit bot, den Begriff "Oper" einmal als Thema eines Theater-
zumindest fürstlicher Persönhchkellen am zw.cllen_ , -Lsc 1 n ·' 111en
trngisch Cll Au [schrei , on sich gcbc11? Das erl~chg:t SH:l~ von sc.lbsl: __ nncl abends aufzustellen. Gleich zu Beginn des Stückes wird der Zuschauer
ich o-laube o·ar nicht, daß hier Pinc Lücke frct wird, ~Iw es auszuiullen aufgeklärt: "Sie werden heule abend eine ÜpeJ: fiir Bettler sehen.
Weil diese Oper so prunkroll gerlacltl \Y:lL wie nur Bettler sie er-
lohnt. \:Vicl~tigrr Jiir uns alle ·ist. _die Ta.tsachc. dae. ~11er ~um_ er~~en!nal
der Einbruch in Pine Verhraur.hsmrlnslne gelungen Jst, rhe bts~1e1 emer tdiumen, unrl weil sie doch so billig sein sollte, daß Bettler sie be-
co"lll' <Y ~ndercn Art YO!l :Musikern. von Schriftstellern reserVIert war. zahlen können, heißt sie die ,Dreigroscheuopcr' ". Daher ist auch das
\ 0 " . . ' . j} ll'k l letzte Dreigroschenfinale keines\vcgs eine Parodie, sondern hier wurde
\Vir kommen mil drr ,,Dreigroschcnoper' an c~n u) L -ur~1 ~~r~n.
der Begriff "Oper" (lirckt ;r.ur Lösung eines Konfliktes. also als
das uns entweder gar nicht ku~ntc, o~ler rlas. uns Jedenfa~l~ d~? l•_alng-
h~ndlungsbildendes Element herangezogen und mußte daher in seiner
kcit absprach. l'incn Hörerkreis zu ~ntercssLC_ren, der weJ!. ubcr den
remstcn, ursprünglichsten Form gestaltet \\-erden.
]bhmcn dc~ Tllusik- und Opernpubhkmns. hm~usge~lt. .
Von diesem Standpunkt aus gesehen, retht s1ch rhe. "DrCigroscl!:n- Dieses Zurückgehen auf eine primitiYc Opernform brachte eine
oper" in eine Bewegung- ein. ron det· lwnte fns~ alle, ]Ungen Musik~r \~eitgehende Vereinfachung (I er musikalischen Sprache mit sich. Es galt
1 ~rgriffen 1rerdcn. Die Aul'gabe des l'arl P?m: 1 m:t-S~~mdpun~tcs, d1e eme Musik w schreiben, die von Schauspielern, also ,·on musikaljschen
Abwcnrl 1111 u rom indiridnnlistisrhen Kunslprmzq?, rh~ hlmmuSI~-ldeen, Laien gesungen werden kann. Aber wns wn1ichst eine Beschrän-
der Anschlue. nn die Jugcndmusikh(~wegung, dw m1l all dem '.n Vcr- kung schien, erwies sich im Laufe der Arbeit als eine ungeheure Be-
bin(lung stehende Vereinfachung der mn~ik~lisehen Ausdrncksmlttel - reicherung. Erst die Durchfi.ihrnng einer faßbaren, sinnfülligen Melo-
tlns nlles sind Schrille auf dem gl~ich_en Wege. . . . " . ocll dik ermöglichte das, was in rlcr .,Dreigroschenoper" gclung·en ist, die
·. Nur die Oper verharrt noch m 1hrer "splendid IsolatiOn · N Schaffung eines neuen Genres des musikalischen Thenters. Ihr ergebener
immer stellt da~ Opempuhlikum eint• abg-cschlo;;:srnc Gruppe von KurtWeill.

24 25
b
SCARLA TTIANA Mu:;ik i~1 Ital~eu. ni:m:ds Bür~wrecht. erhalten hat. Einig·e Jahre hin-
Atfredo Casetla über sein neues Stück d_urch sm~~ dw ~lahemschcll Komp01ustcn Yon manchem atL'iwärtigem
Die Be<laklion druckt die folgenden Äußerungen Casellas Kollegen uhe1· d 1e Achsel ang·esehl'n "·orden, weil sie durch ihre Ver-
ab. wobei sit- aber aus<II·iicklich betont. rla[\ sie sich mit den ~nndcnh,eit mit_ rle1· 'fonalitiit ~.rücksliinrlig" erschienen. Aber die Moden
Gc.llankcngüngcn 1les Yerfasscrs in keiner Weise identifiziert. Sie m de1: K_~nst sm<~. ebens? latmcnh_aft _wie die anderen, urid wer gestern
hüll aber die hier zum Ans<II·nek gehrachtl·n Anschauungen in Reaktwnar war, Imdet steh plötzhch m {ler Avantgarde. So scheint uns
ihrc1· Eigcna1·L für wich lig genug, zur Diskussion gestellt {lcr Vcrdi des "Falstaff" heute nnendlicl1 moderner als der 'VaO"ner
~!es "H.inp-" =. d:~s ;väre vor 30 Jal~ren, a1s der Gott von Bayreuth :für
0
zu werclcn. Diese Diskussion soll im Anbruch selbst schon
im niichsten Heft erfolgen. in dem hcrvmTagende Yertreler 1ler nnmer dxe Itahemsche Oper vcrmchtet hatte, als Torheit erschienen!
zeilgeni",ssischen Musik aus Yerschicdencn Lündcrn sich zu dem Wir befinden uns in einer Epoche des "7.LU'ück zu ... " Zurück
.\ufsalz Cnscllas iiu!\ern dill"f"tcn. Die Hedrtklion. z~ Hac!I, zu l!lindeL soga1· w B?ildicu. oder Tschaikowsky. Gewiß ~ .
v~ele diCser Ruckkehrer haben dre Panscr Marke, und damit ist ihre
Die aurrcnblicldiche mmikalische Situation ist durch l'ine heftige völlige Aufrichtigkeil ein wenig in Frage gestellt (denn Paris ist heute
H.eaktion g~gcn die Tendenzen der 1\omantik und eine völlige 'ViP?er- mehr aL~ je del' intcmationale Treffpunkt der intellektuellen Snobisten
herslellung der Gesetze der 1\onstrnklion und der Ordnung gekennzeich- ~1u,.; der ganzen VVelt). Aber doch steckt in dieser augenblicklichen Be-
net, die das letzte Ja!Jrhundcrl scheinbar für immer abgeschafft halle. wegung ,·icl Notwendigkeit und vVahrheit. Dieses "credo" ist in vielen
Der Vorkriegs-Utopie PinPr Musik, dil' Yöllig frei Yon jeder dog- Fällen das ßrgehni.s eines heißen Bemiihens um eine neue Form eine
matischen Fessel sein sollle. ist seit einigen Jahren eine bezeichnende Form des 2!.0. Jahrhunderts, und inmitten der fast unüberwina.lichen
Unzahl YOII Concerli grm;si, Partiten, Passacaglirn, DiYPrlimcnti und s,~lmierigkci_tcn ergibt _;;icl~ !lcr Zwnng. auf diese oder jene große
Symphonien gefolgL die durchaus mit den strengsten akademischen F 1gur der "\ergangen he1l emen bewundernden und flehenden Blick zu
"Hcgeln" in Einklang stehen. Es w1irc vcrlochnd (und es ist lw- werfen .. U1_1d gleic,hzeitig kommt . etwa die Händel-Bewegung dem
daurrlich. daß hier nicht der Raum isl. diese intPressante und wert- nugenbhckbehen Wunsch de~ Puhhkums nach einer dekorativen und
volle Parallele ausführlich zu begründen), diese 'Yil'clergeburt .alte1· Jll•mnmenk~len Kunst ei~lgegcn (siel;e d.3n EI:folg von Honeggers David).
musikalischer Formprinzipien der modernen politischen Entwicklung .. In ltal~en mach I. s1~:h :mgenbbckhcl_t eme lebhafte Bewegung zu-
gegcnülH'rzustellen. die ja aurh zugunsten der abstraktl'n Stnal"- n_wk _zu ~et11er großen 111:trum~nta~en Vergangenheit bemerkbar. Auch
autoritäl Yicle individuelle Freiheiten beschränkt. die das letzte .1ahr- h1er 1st (!Iese J~ewegnng J'.rgebms eme.r B.eaktion. Ein Jahrhundert lang
hundert dt•r Menschheit für ewig gesichert zu haben scliil'n. 'Vagnc_r lwhen wtr kcme <mdcre als unsere Opernmusik 0uekannt. Und man ist
hat erkliirL die Symphonie sei mit BeethoYen r.n Ende gewesen, wc1l allmählich in den bedauerlichen Irrlnm nrfallen, die italienische Musik
er nicht zu überh:effrn sei. Aber er hat übersehen, daß es sich nicht nllgemei.n mit der theatralischen Kunst des 19. Jahrhunderts zu iden-
darum handelt, es besser als Bedhovcn zu machen, sondrrn dartun. tifizieren. Alwr die italienische Musik hat ältere und tieferO"ehende
etwas anderes als er· zu schaffen. Ans rlicser Erwägung heraus haben Wm·zcln als die Oper. Sie leiteL ihren Ursprung aus ·dem Gre~oriani­
die Komponisten eines Tages begonnen, darüber nachzuch•nken, daß s~hm~ Gesang h~r, aus cl~m1 Folklore, und größte Beachtung verdient
es doch wieder möglich sPin müsse, die reinen, alten Formen erfolg- dte fruchtbare bpochc, dre flas 16., 17. und 18. Jahrhundert für uns
reich aufs neue zu verwemlen. herleutot haL Dieser,. durch Jen Glanz der erfolgreichen Opernkunst
Orrlnung ist in jeder Kunst notwendig. Kunst (Kunst und Können der letzten .Jahrhunderte Yoriibergehl'nd überstrahlten Kunst wendet
sind schon ~beurifflich Yerwandt) ist das Ergebnis einer Freiheit, die sich heute das Jntcr·csse der italienischen Musiker zu. Aber hier handelt
gegen den ,Vfclcrstancl irg_end. eines Materials. des Steins, de~ Farbe, e:; sich nicht um eine augenblickliche snobistische oder opportunistische
des \Vortes ocler des mus1kahschen Tones errungen worden ISt. Und ·G esle, sondern um eine Frage des künstlerischen Gewissens, eine ße-
übwohl diP Musik wohl die nh~traktcsle, unmatericllste Kunst ist. we~ung, die Huml in Hand mit der allgerneinen menschlichen und
ist auch hier eine 1ogisehP und klare formale Gestaltung eine conditio ''?zwlen Umbildung gehL die ~ seit: 6 Jahren ~ Italien den Rang
sine qua 11011 für die Bedeutung und rlcn Bestand des Kunstwerkes. .~IIH'I' großen Nation ,·erlciht. Deshalb muß die gegenwärtige rnusika-
Die heutige Ren:iissanr.e der alten Fonm•n ist aber auch ein Hesul- hsr.hc Entwicklung in llalien ihrem wahren Wert nach erkannt werden,
tat der dc[ini~iYcn Liquidation des atonalen ~ntcrmczzos. Die At~na­ und .darf. I nicht als eine nebensächliche und provinzielle Angeleoenheito
lität mußte in ihrl'lll Bc•strcbcn, den tonalen Smn zu r.crstörcn, gletch- sno l nshsc 1cr NachHiufer abgetan werden.
zeitig die kla:-si:;rhe Konstmklion aufheben. die j~ auf_ der Tonali.tä1 _Von allen großen Miinnern unserer Vergru1genheit steht uns Scar-
und der themati~chc11 Arbeit basierte. Ich brauche luer mcht gegen eme lntti am niichsten. Er ist der "Modernste". Ein sehr genaues Studium
Jlichtung zu polemi,;irrrn. die heute beinahe so übcnnmdcn i~t 'Nie der der 545 Sonaten des neapolitanischen Meisters, das bis auf meine
Kubismus in rlPr '\falerei. Alwr irh miicltte lwtmwn. (laß diC aLlllule Kindheit: zuriir.kgeht (ich bnn mich hier, elH'mo wie bei Bach, rühmen.

26 27
----.ll_lllll

nicht t~r~t. wil rm p;!<ll' Slund!'il da~ (;t'llit~ diL':'f'S -\leistt;rs ~;u \t'rl'hrel:),
hat mich \Oll der \lii.,lichkPil iilll'l'ZI'LwL Pin111al Wl \Verk r.n ~ch<1ffu~,
dm;scn synlhcliscllf•r ~lil --- ~n wie ,':'._ der gn•i_.;p YPrdi in propheh-
-;cher \Vei~~~ im Falslal'l' lwl'l~il;; ang-Pdi'HII'l hall" jene,~ u11li~shan·
Band anfzei"t'll :-;ollll'. da,; 1111:-il'rl' henlig·p italil'llisclw Mus1~ _nul 1_1Pr
vorromanllsc · "11en n~r k·u11p
.. I'L . "',-,o '·--1 • ·I·.1 tt'·
' ....c·-,ca1 1.111·1- .. t ·n t·l·111dt·ll·
'' · I·'
~- .l'L
- kt•mr .
hnilalio11. kei11 .-\rnlllgtmu·nl. kt·in .. HifacinH·nlo" dt'r ~lu:•k . Scar-
laltis, sondern ganz einl'acli Pill \VPrk 11111 ht'tllt• 111il dt•m lllll:"lk:dl~chl'n
Malerial de,; ~0 . .lahrliunriPrh, nnd auf Tht'llll'll g·t•h;niL dtt' a!l:i. d_en
"Vcrken de~ nrol~.cn Domenico "e,;rhiipi'L siud. 1·:,.: \Yiire Zl1 ~wln"o·n~-
hier die Technik n di<'"'~•· .\dwil. "zu 1'1'I iiult'l'll: "w . I111;.:·
. 1s. I nnr.
. '. I:1 I'·' ·SJt'
Ieichl zu n~rslt'hen isl. Dit• ZPilen .-;ind "•·il. "" dio• _I\ llll:-i~ •:nu• :\rl
Helms otlcr "'u· eine Slral'e \Yar. I )jp \ll'n~r-hh .. il cllf•ser. Zt•li ,r·h~l
sich nach l\larheit " ·
uml ln•tlf 1·tg·Pnl Upllllll:<lllll.'i
· · ..\I an llll~ I'·• 1I 11 · ·'· l<n
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Kunst orehen, die ,;i" braucht. Cliicklicl~t·nyr·i"'' "·inl d"'"''" Br•muher_ 1
1 ·rleiclll.~rl rlurch dil' Zlllll'lnnt'lirlt• Vt•rhrürlt·rung tmd \'t-r\\.aiHll:~r:hall
zwischen der .;oort•uannletl .. !!:rol:,,.ll 1\nn,_f'. unrl _j!'llf'r. "dlt' Ins vor
kurzem. als lllind2nHrlig lwlr:\chld 1\lll'rlt•: \al-if'lt'•. 'llnsic-ll:dl. ~irku,:.
Kino, Jazz elc. [n dicSt'lll allgenlt'int•n Zug· zn "inr•r .\lusik. ~111' YOIT
Schreker "Der Singende Teufel" Kreuzgangszene. Inszenierung der Berliner Staatsoper.
allem schweren und überl'lib,;ip;em l'alho,; lll'l'rt•il. isl. hal Jlallcn t·n~t·
wichtig-e Holle 1:11 spiPit·n. Tch. ,l·iins•hlt·. rlaß .. S,arlaLliana'_' d[ls. ~Plll
kann. w:~,; ich rlinnil. f•rn•i,·hen "olllt-: I >ir· \nkiiutlignng t'llll'>'. Sld_''"· "DER SINGENDE TEUFEL"
der drr IIPIH'II Genr•raliun rlPil \Vr·i-!-· tlll~t.'n'r ~..;1111,.,1 z~·ig•·n und J_ltr ~~!~ Franz Sehr c k er, unli'J' den Ü]Jl'rnkomponislen der !Clii:len fünfzehn
(;ecliichlnis rufen soll. dal:, da,; IH'sll' \IJ!l!•l lllll'l'll<lllnnal Zl! "1'11~. \Oll. .Jahre einer der ct·folgt·eichsten, ·hat l:mge geschwiegen. Fast schien es,
als ob er clwas iu den Hintergrund gel!·elcn wiire - auf dem Gebiet der
,..,o-cn:me Kennlni~ von Spracht• llllrl ( ;r•,;cltic-lil:• dt•i' f'i_l!!'lll'n llt'llll:ll. l.'il. · ·
Oper ist inzwischen viel, vielleieilt sogar Entscheidendes geschehen -,
nun abct· meldet et· sich gewichtig zum \Vorl mit einem neuen vier-
INTERNAT. GESELLSCHAFT FÜR NEUE MUSIK akligcn \Verk, an dem er in •allet· Stille und Ruhe gearbeitet hat Er
MUSIKFEST GENF, 11. BIS 14. APRIL -:!929 hat es zum Zeichen des Dnnkes l'i'u· die Aufführungen cll's .,Fernen Klang",
FHSTES OHCIIESTEHJ\00i~EHT: . de1· "Gezeichneten" unrl des "Schatzgriihe1··' der "Berliner Sla~tsoper und
~ i\lax B ulting (Berlin). IIT. Synrplwni~. op. 01: llr·nridll' Bo 'man~ ihrem LeiltT Franz Ludwig HüellJ'· gewidmet, und so erlebte es denn
(lloll:md), Conee1·1ino rü1· KlaYi?r und Ore.IH_~sll'l::. :.\l:~n:l'l D r· I a_n n o :0 auch in diesem Hause. das mill\.leihcr. liürtli uncli\raYanlinos
(Paris). Lc Fotl dc l:t D:~m,·: l· rnn], ~~ :l r I 1 n ' ( '"nl-. Hl!ythnu s. an de1· Spitze, seine besten KriiJic heq~ab, die U rauf f ü 11 r u n g.
EHSTES K:\.\L\IEHKOl\~EHT: _ . "Der singende Teufel"- so Iaulet de1· Tilcl- zeigt in musi~
:\lexander .1 emn i I z (Hurlapl·sl;. Se!TIIarlr· l'i'w_ \'10l~!!l\ ~~rals_'::h_c ..\11.1 ;~ kalischer Hinsicht eine Stilwandlung rJcs Komponisten, dramatisch aber
Vio:onccll, op. :!J; :\I:mur!l Ho s" n I h a I (l':u·tSJ, S1~n:~lt_n_r· _l~n .'~~' c;, schließt e~<: sich insofern dem bisherigen Schaffen Schrekcrs an, als
Violinen und Klnvier; .\launcl' D c Ia gc (Pans), 1 ll:u-l':als_fui Gcs.lll,., ol'fenb:u· auch iu ihm, wie in allen früheren \VCl'ken, eine Klangvision
und kleine' Orchester; .Tt•rz~- Fit r·l h l'r g (\Yarschau). Stretchqu:ulcll. zum inne!'en Ausgangspunkt und zum pl'imären ,\nsloß dl:r bilhnen-
~WEITES (JHC11ESTEHI\00:ZEHT: sinnlichen Gestaltung \\'Lt!'de. Es isl die "tönende Orgel", in weiterem
H. Vaughan W i II i am s (Lnndo~l), Flos C~11l-1Jli IT1r .B'·~tsl:hL':_ ~:h?~ t~!l.\1. Si~m überhaupt die .i\Iachl der ?IJusik, die diese Menschen des frühen
kleines ürehcster; Joh:mncs :\1 u II er (Dit·sden,, l\onzetl Im hl.t\lt Mittelallcrs lebendig an sich erfahren, die einen - fromme Mönche und
und Kammct·orchcstcr; Emmy H cil-Frcn.sel-Wegenc1: (Hollnnr_l~. Priester eines KJ.o~lers - als segenspendende, Gottes Heiligtum off'cn-
Tanz r. I<larinclle u. Orchester: Hngt•r S l' ss I o 11 s rlJ. S ..-\.). S~·mphonn-
haren<lc Kraft. die anrlt~rn - die zu den allen Göllern betenden Heiden -
ZWEITES 1\X\L\lEHI\ü)JZEin • :ds Ausslrahl~ng alles Bösc11. Unheimlichen, eben des singenden Teufels.
.Julius Se h 1 o ß (Wien:·, Sll'l·ir:hqu:~rll'll; _.loh~~ Ire I a 11 d. (Lond<!!.l•. Iu den Kampf der Kirehe gegen die dem Dogma sieh widcrsPlzcnden,
Son[lline L Klm·. · Nicol:1s l\ a iJ o k o 1 f (Pans), (.esange an d1c .T1!11gf! ·111
Pfaffen und Klöster verhiTJincmlen Heiden führt die Handlung des Text-
'·Iar'1a · V'JI,·tor U I '1m an n l'ra•'), \'nriationen u. Fuge übet· ein ld. h.laY!cr-
,,, '.V. Schönberg; Erwin
stflck , s"c h ll 1 h () rr (Prag), Sonall' I',,.
. ]II 1• ll. J'lal·
\. • -
buches, das Schreker wiederum se:bsl vet·faßl hal. Als Exponent des
.\'!önchtums streilcl der fa.nalischc Pater Kaieidos gegen die Ungliiubigen,
CHOHKONZEHT IN DEH 1\AT!lEDIL\LE:
er hewaJfnct die fmmmcn Brüder. aber er weiß auch um den zerscllmd.-
Krslo 0 da k (~agn~bj . .\Lldrigal: 1\.ad .\1 a r x ,.\lündwn_), Mol':'tlr:.
.,\Yerk:eule sind wi1·--. op. li: 1.cos .I an :1 i'~ c k (l'rag), 1-t•.slllchc ?11c-s~"- tr·nHlen. l:lhmendcn Einfluß dc1· !\;fusi·k auf dns abcrglüuhisehP Gemüt d~s

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Vülkes. Darum wünscht e1· nichts sehnlicher. als da!.\ jenes riesenhafte Am~ndus im drillen Akt und im dritten Finale, das eine großartige dra-
Orgelwerk, das seit dem Tode des v.on Mön~hcn vci"!JJ'annlcn El'findcrs mali?ch~ Konzeption ist. \Vundervoll aber auch der ganz verinnerlichte,
unvollendet in einem Gewölbe des Klosters steht, beendct werde zum gehetmmsvolle Schluß des Werkes, in den das Ganze ergreifend ausklingt.
Heil der Kirche und zur Mehrung ihrer Macht. ,\mandus, der .iun~e Hier findet Sehreker auch seine reinste, schlichteste Musik hier ist
Sohn des Erbauers und selbst Meister der väterlichen Kunst, ooll dte e: menschlich so sla1·k und echt wie nur je. Es ist bei ihm überhaupt
Tat vollbringen. Doch er, der von Zwiespalt im He_rzeJL und_ von Zweifel~ cme Wendung zur Vereinfachung und Verinnerlichung zu konstatieren
bedriinot wird vermag die große Aufgabe noch JUCht zu losen; denn CI die sich schon im Klangbild überraschend durchsetzt. Nichts mehr vo~
hiingt ~it heißer Liebe an U:ian, der schönen Heidin, di~ ih~I. den dem hitzigen, brünstigen Orchester seiner früheren Werke - in herber
Zauberer" den l\leisler der schwar;-;en Magie" als Führe1· 1111 hampfe kl_are:· Sit~p!izilftt sch~eiden si~h die unvermischten, auf wenige kon~
gegen die ~crhaßl~n Priester gewinnen will. Den Widerstrebenden suc_ht shlutive Lm1en beschrankten Stllnmen des Orchesters, ganz neue Klang-
sie durch Enlfachung seiner Eifersucht gefügig zu machen: dem Fre~a­ asp_ekle taucl~en auf, wobei ~as Recht ~er. Singstimmen immer gewahrt
kull den die heidnische Seherin Alardis zu ncuem Leben erwecken wtll, bleibt. Allerdmgs verlangt diese durchstchl!ge Tec.lmik, die jedes Wort
bat ' sie sich als "Frühlingslchen" zu eigen gegeben - nur d c m_ wrr" . d
versländlich werden läßt, eine melodische Erfindungskraft die Schreker
sie gehören der sie im siegreichen K::unpf gegen die "sclnvarzen 1\lac~1~e in dem hier nötigen ?\Iaße nicht immer zur Yerfügung stand. So gibt es denn
der Kirche' erringt. Amandus, zerrissen \"Oll seinem Gefühl ~ür Lt!Ian beoonders in den häufigen langen Erzählungen so manche 1 tote Stelle"
und von seiner Gläubigkeit, stiu·mt zum Fest der Frcya - mcht a_ber, die den Hörer ermüdet. Die stärksten Dinge stehen in den äußerst
um Lilians Verlangen zu erfüllen, sondern, um sie den "Fän~en dc~ Dosen wirkungsvollen Chorszenen des zweiten Aktes, im dritten und im Schluß-
zu entreißen". Es gelingt ihm nicht; Lilian wird von dem R!lter Smbra~Id bild des letzten Aktes. Die große Kirchenszene brincrt einen 1 Rückfall" in
entführt, Amandus aber lrilt in den heiligen Orden des Klosters ei~, die früher~ T~chni~ Sehrekers, der hier allet·ding~ durch dic Situation
um seinen Seelenfrieden zurückzugcwinnen. ~un vermag er zwar die gerechtfertigt rst; ..em kuns~vDll organisierter Lürm, an dem das ganze
gewaltige Orgel des Vaters zu vollenden, abe1· et· kann nich !, wie _er es Orchester s~t Buhi_t~nm~sLk, hohe und tiefe G:ocken, Pauken, Schlag-
wollte, mit den Klängen der i\Iusik der :\Ienschheit den Frieden brmgen. ze_ug und Chore __bet~IIIgt_ smd1 begleitet das Eindringen der Heiden in die
Als die Heiden wlihrend des Hochamtes in die Eirche eindringen und Krrche .. (Unvers_tan~llich _1st nur nur, wieso der für den Verlauf der Hand-
überwäl.tigt von der tönenden Orgel, vom ,,singenden Teufel" - in lung hJCr so wtcht1ge Emsatz der Orgel vor dem AufsprenD'en der Tore
frommem Schauder niederknien, ruft die eifernde Stimnw des Palcrs erfolgt - er ?arf ?o~h erst in d i c s e m Augenblick ko~men I) Nicht
Kaieidos die l\lönchc zu blutiger Rache auf, ein fnrchlbares Gemetzel zu _vergesse_n str:d dtc m ~Uen _Künst~n des strengen Satzes ausgeführten
beginnt vor dem Allar, Amandus aber, wahnsinnig geworden vor Enl'- Zwischenspiele, m denen sich dre Musik zu konzentrierten symphonischen
setzen über diese Wirkung seines Sp:els, bricht anf der Orgelbank Sfttzen verdichtet.
zusammen. Er wird vDn Lilian in die I löhlc dce J\lardis geb1·acht, wo Für die Aufführung des Werkes in der Staatsoper ist das
er langsam zu genesen beginnt, bis ein maurische!· Pilge1· erscheint, höchste Lob gerade gut genug. Erich K I e i b c r überleereuer Beherrscher
der ihn billet, sein kleines, halbzerbrochenes Orgelspiel zu ncucm Leh~n der Par~tur, h~lle aus dem herben Orchester jede mögli~.he Klangwirkung,
zu erwecken. Da aber wird in Amandus wieder die Erinnerung an 1he er beglcüele lllit absoluter Zuverlässigkeit und leistete in dcr Auscinander-
furch !baren Erlebnisse in der Kirche wach, die finsteren Dünwnen legung der polyphonen Zwischenspiele das .\ußerste an Differenzierung
bedrfmgen \·on neuem seinen Geist, und Lilian weiß sich nun keinen der Stimmen. Franz Ludwig H ü r t h hat mit der Inszenieruna des
anderen Rat mehr, als daß sie, um den Geliebten zu erlösen, die Ursache ungeh~uer a~spruc~1svo~en Werkes eine Riesenarbeit bewältigt; ;ie er
seiner Qualen Ycrnichtet. Sie zündet. das Klosle1· .an, in dessen Trümmern z. B. 1m zweiten Brld die maskenhafte Starrheit der Massen plötzlich in
Kaieidos umkommt, von der verbrannten Orgel bleiben nur einige silberne Bewegung umschlagen läßt, wie er die Kirchenszene planvoll durch-
Pfeifen stehen, die in mystischem Klang seltsam zu tönen beginnen . · · organisiert, wie er bei der Sonnwendfeier die Aufzüge des Volkes führt
Nun ist Amandus erlöst, doch Lilian sühnt ihre Tat mit dem Tode. ll~d _giie_dert, da~ zeigt wied~r einmal, was für einen großen Regisseur
Das ist gewiß eine von starker Dramatik erfüllte Hand~un~, und Wlr m Ihm bcsrtzen. Er w1rd aufs schönste unterstützt durch Ara-
sie bezeugt von neuem Schrekers Schöpferkraft, die bühnensmnilch zu van lino s' Bühnenbilder.
gestallen weiß. Und doch ist hier nicht, nach einem berühmten Wort . Auf der Bühne ist Delia Rein h a e d l als Lilian überragend durch
Schillers, "alles Innere veräußert und alles Äußere geforn~_l''. Da~ Ganze d1e Schönheit und Kunst ihres Singens und durch eine von triebhafter
kommt etwas schwer in Gang, manches, was man sehen mußte, Wird m~­ Lebendigkeit et·füllte Darstellung, die hinreißend wirkt. Fritz Wo I f f als
ständlich erzählt und eine Menge weltanschaulicher Beti·achlungen sowie Amandus, zuerst etwas malt, gelangte im Laufe des Abends immer näher
halbphilosophischer Dunkelheilen wird als Ballast mil_geschleppt,_ auf z~ Wesenskern seiner Rolle; er sang sehr schön und phrasierte unge-
den mall gerne verzichtete. Fast jede der Szenen hat emen Wirklichen mem geschmackvoll. Prachtvoll Friedrich Schor r als Kaleidos.
dramatischen Kern aber ihre Gesamtheit verbindet sich nicht zu einem Werk und Aufführung halten einen gewaltigen Erfolg. Schon nach
einheitlichen Aufb~u der Grundhandlung. Man könnte viel streichen, dem Kirchenfinale wurde Schreker gegen zehnmal herausgerufen zum
ohne dabei das Wesentliche anzulasten. Das aber liegt in einigen Szenen Schlu~se aber, als sogar zwei Solisten auf der Galerie ohnmächtige' Pfiffe
von bezwingender visionärer Kraft, wie sie eben nur einem geni~len v_on Sich ga?en (wesha:b eigentlich?), kam es zu begeisterten, unaufhör-
Theatermenschen gelingen. So in der großen Sonnwendfeier de;' zwetten llchen Ovationen für den Komponisten. für l{Jciber1 Hörth und die
Aktes, in den Szenen zwischen Amanclus und Lilian, KaleJdos und Solisten. , \Va ltcr Sc h r e n k.

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b
SCHWANDADER DUDELSACKPFEIFER
Der Erfolg des "Dt~dclsnckpl'cifers Schwnnda'', dessen deutsche Ur- MUSIK UND TECHNIK
awfführung eine Tal des so gern t:itigcn Inlend:mten Turnau ,·om B rcs- Geleitet von Frank Warschauer
lauer Opernhaus war, war unbestritten und wird sich, um das :\Iode-
wort zu gebrauchen, sicherLich auswirken. Und so wird die Ischechiselle
ZUR EINFÜHRUNG DIESER RUBRIK
Volksoper eben mit einem nachgebot·cncn Opus meht· Glück haben als
mit ihren ersten \Y crkPn. die ihre Zeil mwh zu erwarten haben. Rreslalll Vielleicht ist kein Faktor für die Entwicklung des Musikwesens in
bot eine vorbildliche ,\llJrt'ührung. Kapellmeislrr Helmut Seidelm:nm, den letvten drei Jahren so enlschcidend. wie der sleia.ende Einfluß tedt'-
dlT Regisscwr Dl". llerb('rl GraL ganz gewiß zu groBen Dingen bet·uf~n, nischer Wiedergabe und die damit zusnmmenhünoe~dc Machtverschi~­
und der 1;-tngst berühmte :\Ialer \Yildermann halten überaus cintrii.cllltg, bung. die eine völlig neue Konstellation geschaffen l~at. Der i\hl'siker sieht
ungehPommt und mit dem Temperamrnl det· .Tugend gearbeitet. ~>'.eh I~r:'iflei~ ·und Gruppen g_cgenüber, die früher entweder gar nicht oder
"·enn der .. Schw:mrJ~·· <:in nachgeborenes \Verk genannt wurde, so In .w~Ctt gcrm?er·em Maße eme Holle_ für die Gestaltung sdner äußeren
soll das nicht-- eine Yerrlc'tl'lschung von .. epigonal" bedeuten. .Taromir EXI·Slenz gcspiC!l haben. Denn von dieser ist zuniichsl einmal die Rede
\\"ein berge r. <let· jungt· tschechisrhe Komponist, geht selbst und ohne :\her es isl nalürliclt 'llnverl\cnnbar, daß derartige Faktoren rrceicrnet sind·
auf Vorbilder :m achten. ztL c!Pn Quel!l'n des tsche('.hischen Volksliedes von außen nach innen zu wirken, bis hinein in die eirrc.ntlicl~ste "'substan;
und Volkstanzl's zurück und ist darin ebenso urtümlich wie seine musi- ~ler Künste: 'Und. in d.iescm .sinne ~vurdc ja audt stets"' der ganz.e Vorgang
zierendeil Landsleute fast insgpsamt. Man dnrf es ihm hoe.h anrechnen, llll gnnzen und m semen Emzelheüen an dieser Stelle von verschiedenen
Seiten betrachtet, zusammenrassend in ckm vor zwei· Jahren ersclüenPne
Sonderhe.n: Musik und J\Iaschine. \Vas dmnals noch vieHaeh intuiliY~;
daß er seine Hcrktmfl aus dem ?lll'lodirnrl'ich der Heimat nicht in
Dunkel gehüllt, sondern gerade mit einem der wichtigsten, sehr geschickt
~ornusbltck _ahnen mu~te, ist inzwisehen Tatsache geworden. wobei
abgewandelten Themen offen einbek:mnt hat. Auch die slawisehe Freude
Jedoch dettlhch genug 1sl, daß wh· erst im allcrcrslen c\nfai;cr >
am Rbvlhmus wirkt hier durchaus echt und nicht dwa a!s Stra- r~po~.I1c s t el.ten, d'Le_ 11rc.
.I umges t a I.tcnde Kr~ll'L vielleicht rrirgends
' ' "'so elller
aus-
winsky-· oder Jazz-Imitation. \Veinberger bdngl die Polka zu Ehren, den
gcpr:tgt cnllaLLen wn-<l Wie auf diesem Gebiel. ·
widerhaarigen ::\ationallanz .. Furiant" und einen ·weiteren slowakischen
Tanz: alle Orcheslerzwischenspicle, nnd es gibt deren erfreulich viele, Die au~merksan;te !~e~achtung aUer dieser Vorgänge. die Stellung~
haben einen prachtvollen Schwung, packen das Publikum und halten c.s nahme z;u thnen, d:e hxierung der typischen Aufgaben. ·die sich dabei
gut und gern davon ab, sich dem üblichen Zwischenaktsgesunun hin- et.·gc?CI_I - das_ gehol"L hc:t~1tc zt~ den dringlichsten Forderungen, welche
zugelwn ("drum rufen ·wir auch nicht Silenlium"). Weinherger Jaßt sogar dw Zeit an Wachter und Torhuler des musiJkalischen Schicksales stellt
auf eitw Fugp ein Rallett. tnnzen, dns nllf'.t'flings in dem ßer·rich schw:u·zcr Sr~hon deshalb, . we~l eine der~u·Lige Entwicklung mit ihren Vorzügen:
~1agie z.ustaildck·ommt. Er· ist obendrein ein Schüler l\Iax Rcgers ge- I~'lt der Großarl!g.kett emes ve_randerten knlturhistorischcn Aspektes auch
wesctr und die Schule hat sich seiner nicht zu schämen. Ungewöhn- em Heer du,rchaus bedrohhchet· Gefahren mH sich brin<rt. Sie zu
lich ki<n·. du·rchsic.htig und wit·ksam ist seine Instrumentation u~1d dCIID bckämp.fcn, wird Illl~· möglich sein, wenn man sie richtig erkennt. Wer
entspricht eine dtB·ehnus sangliche Fithlttng der mcnschlid1en Stimme. elwa ehe grundverkehrten Vorstellungen von der Bedenklichkeit eine1·
Aber auclt schauspicleriscll gibt es "dankbare Partien" und so ist alles ~ogenannten "i\Iechanisierung", an die Dinge heranträcrt wird' crecren
da, was ein Erfolg bra,ucht und doch wiPder nichts, wns einen :i\lenschen Windmühlen fechten. und kei~erlei . Einfluß rnuf die G~slaltnng die';;es
von Gr.s<:hmack abstoßen könntt•: mclu·. als sich Yon so mancher .. Sen- Lebenskomplexes gewlllnen, well er Sich gegen Feinde wendet die nwr in
sation·' hclwupten lüL\l. · ·· seinet· Phantasie existieren, wührend er die ·wirklich vorha;tdenen nnd
wahrscheinlich viel bedrohlicheren übersieht. Die Richticrkeit theore-
Ma..~ B rod, der bßkannle Hom:mdiehter und Essayist, verdienstvoll
tischer Einsichten ist bei allen Erscheinungen dieser Art ~'Oll arößtem
auch als über·sdzer der so sdl\ver zu übersetzenden Opern von .lanacekJ Belang: denn aus ihnen folgt dann erst die Entscheidung wel~he die
na.hm sid1 des Textes an und gab ihm die Gestalt, die er heule zeigt. Kräfte im Sinne ihrer besten geistigen Wirksamkeit anord~et. Ein Bei'-
Zwei Gestallen tst:heelüscher Volkserzählungen geben der Handluug spiel WUIS einem nahegelegenen Gebiet mag dies verdeuJlichen. Amerika
ihr-e Figur, nehmen die Führung: der Dudelsackpfeifer Schwanda, neben- und_ RußLand haben im Film einige Gebilde entstehen lassen, die
bei Bauer und junger Ehemann. in der Hauptsache ;ubcr ein Kerl, de:r annahernd auf einem Niveau mit den eigentlichen Kunstwerten der
keine .\ngsl kennt und der t·iehtigc böhmische Musikant, wie er alles in e~,ropäischen Kultu•t· stehen. Das ist möglich gewesen, weil man in
l;rund. und Boden spielt, alles zum Tanzen bringt - und Babinsky, einer ?wse~ Ländern am schärfsten erkannt hat, wel.che Art :..on Wirk·ungen
von den edlen Riiubern einer beliebten Traclil.iou. so den Reichen nn _FII.m möglich sind 'tmd welche nicht; es he.rrschlc relative Klarheit
beste.hlen, wn den Armen zu beschenken - und geg~n die keine :M:Jcht darubcr,_ w~lcher Weg, welche Richtung einzuschlagen ist, während
der· Ordnung n•cht behält. ~m'Opa m dlesCJ• Hinsicht, zieht man das Fazit, Yerwirrt blieb. Und Film
An dem Ganzen konnte mau se.ine redtte Freude habeiL Und der tst em Pr'Ototyp jener Gruppe von Erscheinungen, mit denen wir hier
Kritiker war damit nicht allein. wie er so oft. namentlich am Anfang z:u tun haben, niimlieh derjenigen, in denen Kunst und Technik sich.
begegnen.
und Neu('tn geg('nÜhl'I" allein ist. Pani S t c f an.
. Kl~rung,. Wa~hsam.kei.t, kritische Überlegung tu1 not. Im Bewnßt-
sem clresci· S1twalion nehme ich gern den AufLTag der Anbruch-Redaktion

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b
an, an dieser· Stelle regelmüßig nül c~incm Kr·eis von :\lil~rheilcrn die
n·ua· dann, wenn die Zielsetzw1g der dabei maßgeblichen Persönlichkeilen
Fragen zu behandeln, die sich urn das Problem: Musik und Tec.hnik im Sinne nnserer sonstigen kfmsllerischen Kultm· oder Tradition - das
gru·ppiercn. Wort mit der nötigen Vorsicht a:msgesproc.hcn - erfolcrt. Vielleiclll
Schon in dt•r· Wahl der Themen liegt eine EnlsdlCidu:ng, rmd zwar· hoffentlich, sind die A•wssiehten da.bci besser· als für die Betfrtigung walu·~
t•inc bedcu:lsamc. }[an komm! hier nicht mit der gleichen Fragestellung harter Künstler im s·tummen Film, wo eine Schicht von Gescltäftsleuten
aus, wie sie sonst den Phänomenen der· .l\lusi·k ge.gcnüber üblich ist.. zu Erfolg und Macht emporgespült wurde, deren unverschämte ofl
J eh will daher im folgenden kurz skizzieren, welche Themenkomplexe zynisch dreiste l\Iißachbmng geistige~.· Worte auch derjenige an ihren ~isc­
sich als die wt•scnllichen herauskristallisieren werden. rablen Produkten spürt, der keine Gelegenheit gehabt hat - er preise
Der erste ist der t e c h n i s c h c. das \Vort im wciteslcJ1 Sinne gebra uc.hl. sicl1 glücklich -, mit diesen Kreisen in direkte Berührul!lg zu kommen
Er· umfallt cbt>nsu die Tatsachen· der· naturwissenschaftlichen Technik, und Außerungen solcher Arl aus dem l\Innrlc dieser lächerlichen Ge-
die in diesem Zusammenhang von Belang sind, wie den technisch-~wnd­ waltigen zu hören.
werklichcn ;\uJ<>abenkreis des Musikers, der sich daraus als drrekle In wessen Hände kommen die großen, umfassenden ~Iachh11ittel?
Fol"e er·rribl. Di~ Zei·l in de1· m:.tn die Technisierung sich selbst tibrrJi.eß, Was geschieht, ·u1m Heeht und Niveau der besten unter den Musikern zu
tmct"' diP \rbeit des M'usikers dabei Zu-fiilligkeilen oder der Einzelinitiative sichern? Das alles sind Fragen dieser Themengruppe, Fragen der 0 r a a-
und Einzeler-fahrung preisga.I.J. ist definitiv ,-u!'bei. Das Handwerk des n i s a t i o n, von deren Beantwortung zu einem beträchtlichen Teil kt
:\Iusikers so gut wie möglich den tatsüchlichcn tec.hnisc.hcn G_egcben• dem Schicksal der Musiker das der l\Iusi:k und das der Kultur oder
heilen anzupassen, aus dem schließlich sich c\gebenden Gesamt~mdt·rr·ak Unkultur dieser Zeit abhängt.
eine künsllcrisch Dr"aniseh erwachsen(' Tolahlfd zu machen, 1st zum Auch die dritte Reihe von Überlegungen und Feststelluneren ist auf
sclbstvcrsliincllichen Ziel geworden. Die Schwierigkeiten aber, die s!ch das engst~ mi~ dem cigentlici:en \Vesen der Technisierung ~'erbunden.
ergeben, sind sehr groß. Das zeigt am deuüichslcn etwa der Bcgt~m Denn es 1st em sehr wesentliches Faktum, daß diese eine bes,timmte
der Arbeiten an den Fu11kversuchstcllen. Ein uner·sehlosscnes GcbiCt soziologische Tendenz rni:t sich brino-t was merkwürdicrerweisc rrm· 111'cht
0
tut sielt auf, in dem erst Pionierarbeit gelcistel werden muß. und diese seilen u-b ct·sch en w1:r . d , obgleich
. es ' durch~ms llllverkenniba.r
"' "'
ist. Was
gilt es zu stützen, ihre Fortschritte und Hemmungen zu verfolgen. (~er· Rundfunk ~~~.1 sinnfälli~sten ~ffenbart, das gilt auch von allen anderen
Werm cine derartige Beschäftigung bereits allgemein als notwendig l· armen Lcehmsrcrler Musik; luer wird nämlich mit einem Male die
grundsfitzlieh anerkannt ist, so gilt nicht dm·chaus das gleidtL' von dem Adresse veründcrt. Alles, was im Rundfunk <rebolen wird ist nicht an
zweiten großen Fragenkomplex, der künftig hier erörtert werden soll. eine bestimmte Ober- oder- Unterschicht der" Gesellschaft' sondern An
Die Tcdmisicrung führt mit Notwendigkeil zur Kollektiv=bcil, und zw~r· Alle", ,gcr~.chlcl; der Fi_lm hat di:e gleiche Bestimm!Ulg. Bei Schallpl~tte
derart. daß dabei Gruppen von i.\1cnschen zusammengcl'lthrl werden, dlC und Ioniiim kann es 1111 G1·undc ni-cht anders sein. Und das fülu·t nun
bisher' kaum Kontakt miteinander halten und in Zielsetztmg und An- auf jenes <;Iritlc ~cbiet s-o~ i o 1 o g i scher Betrachtungen, die nicht
schauung oft himmelweit voneinander v~rschleden sind: zum Beispiel am Rande hegen, meht als hubsehe speku.Jative Arabeske dienen sondern
Musiker und. Techniker. Es ist letzten Endes cnlscheidentl, wie deren die ei.~enlli'CllC_ Yilale Lebenss,uhstanz der Vorgänge und wirkend~n Kräfte
Funktionen 0"e"eneinandcr abgegrenzt werden; wie weit etwa der ~iachG­ bctrcflen. So Ist es etwa ganz 'Unmöalicll der Frage einer .. Rundfunk-
bcreiclt des l\Iu.sikcrs gebt und an welcher Stelle der Techniker das. mwsik" nühcr zu treten, ohne diese z·~sam~JCnhänge und die sich daraus
lclzte Wort zu sprccllCn haL Durch Fehler in der Zusammenordnung er·gebenden Forderu~1gen zu erkennen. Die Technisierung erzwingt einen.
solcher Gruppen kann die einzelne Lcistw1g völlig ill=risch gemac~t Einfluß nioht nur a'lllf die Erscheinungsform und handwerkliche Gestal-
werden. Fragen des Systems, der 0 r g a. n i s a t i o n werden z?' ge1c. ilr!llg des musikaJischen K1unslwerkcs, sondern auch, was wahrs·cheinlich
stigen Entscheidungen. Darin liegt ein neu es Faktum, das Z\~ngcnd viel belangyolJcr ist, a:wf seine Kernsubstanz. ·welche eigentümlichen Span-
Beachtung fordert. Ein Beispiel zur Illustration:. in Deutschland lreg~ der nungen sich dabei dadurch ergeben, daß diese im unpolitischen Sinne
rresamte technische Betrieb des Rundfunks, sonnt auch alles, was Mikro- rlemokratiscl1e Tendenz einer andersgerichteten Tradilion oder deren
phon und Verstärkung bctriJft, also Faktot·en, die auf den endgültigen unsicherer Fortführung begegnet, soll hier später in größerem Zusammen-
Eindruck von größtem Einfluß srnd, in den Händen dcr Post, ist der hange ausgeführt werden. Frank war s c h 3 11 er.
künstlerischen Fragestellung des Musikers entzogen. In England hingegen
reicht die Vollmacht des Musi:kers bis weit in den Lechnischen Teil des
.ranzen ProduklionsYorgangs hinein. ·was ist richtiger? In diesem Fall
kann fr·eilicil die Antwort nicht zwcil'clllafl sein.
Technisierung bedeutet: ,\nhfmfung, Konzcntt·ation von l\laehlmittcln.

Das lwißl weile!': Ersatz des Kleinbetriebes durch den Großibetrieb. Man
muß sich klar darüber sein und es auch deutlicl1 ausspredhen, daß
dabei plötzllell Gruppen ua1d Persönlichkeilen in das Gesichtsfeld nnd
den Kreis der künstlerischen Exi-stenz des Musikers treten, die !'Cirn
o-eis tio- völlia allißerhalb seiner A lmosphüre, sagen wir noch deutlicher:
~.uterlialb ihr·er. stehen. Denken wir an den Film. Der Tonfilm bietet
ein großes Beti"J.ligumgsfclrl des i\Iusiker·s mit weilen ?>röglichlwitcn; aber

34 35
RUNDFUNK-UMSCHAU Charakterisierung in einzelnen Als z.usmnmcnfasscnclen über-
Im Seplemlwr-lldt r]('s Anbruell An ein l"ü1· den 1\l!'ndfunk ge- kurzen Schlägen. blick über die Arbeit eines Jahres
\"urrlr· die -:\ol\HIHligkrH Yon Kom- <lat:htes \Y erk werden fol.gende An- Pauke in einzelnen Schlägen bringt der W ·e s t d e u l s c h e
positionsaurtrügcn zur . Scha~Tung rorrlcrungen gcslelll: rhythmischer Natur gut, Pa u- Rundfun 'k Köln - La n g e n-
eine1· arldgcnen. ma lerwllwstnnnl- J. Dem \\"irkungskreis der Hundiunküb~r­ k e n w i r b e 1 im Tutti ist zu b er g ein umfangreiches, reich
vermeiden.
kn HumUunl;nmsiJ; nufgez(•i.gl. -:\un- \ragung, die sich :m Hiirer versclu:- ausgestattetes Jahrbuch heraus.
denslei Schichten und llildung m i:iehr gut verwendbar sind Holz- Der Leiter des \Vestdcu:tschen
mchr hal die RPir·hsrundfunkgescll- schlaginstrumente, .. Xylophon und
ihrem eigenen Hause wendet, ist im Rundfunks Ernst Hardt schickt dem
schnfl. deren Programmrat durch Charakter des \Verl;es Rechnung zu Holztrommel.
die Heranziehung Heinrich Bur- Band bemerlwnswerle \Vorte ::ms
tra:,::cn. 3. H ü r spie I e: Die äußere Vorbedin-
k a r d s eim· \YPI·h·nlle Berrichrrnng seiner Eröffnmngsrede für den Lan-
" Y.n herüchichtigen sind die Iech- gung dazu besteht in der Berück-
,._,·fahren hat. in dankPnsweJ·Icl· genbergeJ· Sender ''OTau.s:
nischen l.;iJ!en~chaflen des ~likrophons sichtigung der absoluten Ausschal-
Großzügigkeit rlieses Problem au ~-­ als ühergan~~im·~trument. Ilier:m ist tung der Optik, so daß der Inhalt "Die Aufgabe lautet, einem schier
<Terrrit"fcn ·und lll'scllüfligt sich 11111 zu ~agen:
dem Zuhöre!" restloR aus dem Ge- unormelllichen, aus allen Altern, Stän-
dr7n Aufhau einer Organisation, a) Die 0 r c h c s t er werke müssen hörten klar wird. Auf etwa vorzu-
tragende Regiebemerkungen oder Si-
den und Stufen menschlicher Reife zu-
welc-he die Rcsln·lnmgPn der ein- eine klare Struktur aufweisen. sammengesetzten Hörerkreise, welcher
tuationserklärungen muß verzichtet zum Teil der Natur nahe in einsamcnf
zelnen Sender zusammenfaßt und Hauschender, breiiger Orchester-
werden. Die handelnden Personen
di~ 1\omposiLionsauftJ-l"tge einheil- klam~ iBt ungeeignet für das Häusern auf dem Lande, zum Teil dicht
können im Notfalle vorher angesagt
lieh sowohl l;ünsllerisch als ~likrophon. /Iu dick geselzt.e und aneinandergedrängt - zwischen Eisen
werden, müssen aber außerdem aus und Beton - in den großen Städten'
eng gele~tc ,\ kkorde Pind zu yer-
auch ,iuristisch-malcricll - regelt. dem Gehörten ohneweiters zu erken- lebt, durch das Wunder des Rundfunks
So wurden in letzll'r Zeil \Ycrl;e lneidcn. nen sein. Geräusche sind nur im
b 1 Die Klangfarhe der einzelnen In- das lebendige Leben und die lebendige,
bcslel.lt bei Franz Sehr c k c r. wel- Notfalle zur I~rklärung oder für eine
strumente wird durch das Mikro- Kultur des eigenen und aller Völker zu
cher ein ktcincs Orchesterwerk für Pointe heranzuziehen. Dagegen können seelischer Erhebung, geistiger Fortbil-
phon yerschieden wiedergegeben. plastische Reize durch distanzierte
den H.tmdfunk scht·cibl, das am Die St r e i c hi n s t r umen t e dung und gemütlicher Zerstreuung nahe-
Aufstellung von Sängern, Sprechern
Breslauer Sendet· seine UranHüh- kommen gut durch. Zu vermeiden zubringen. Aber weder die Überzahl noeh
oder Musikinstrumenten vor dem Mi-
rnng erl.ebcn wird. über Aurtrftgl' sind nur enge Akkorde in mitt- die Zusammengesetztheit derer, die zn-
krophon erreicht werden.
an h a •u c r uml \V t' i ll wurde he- lerer unrl tiefer Stimmlage. hören, läßt auch nur einen von uns
richtet. Ernst T o c h schreibt für eine
Uraufführung am FrnnkfurterScnder
Die li n 1z h I a s ins t rum e n t e
erklingen ~usnahmslos klar und

l·letT Kar] Wiener, der künstle-
glauben. daß die geistig oder künst-
lerisch billige, flache Ware gut genug
sei, um unter so viele Menschen ge-
eine -heitere Suite, l\'l.ax Butt in g deutlich. ohne 1·on ihrem Klang- rische Beiral der Berliner Punk- bracht zu werden, sondern wir glauben
fiir Berlin Pine ":'llusik für Hadio". charakter Yiel zu verlieren. Das stunde schreibt uns: im Gegenteil, daß nur das Beste, anf

Die soziologischen •tmd die mu-
Rtarke Hervortreten der !•'löte,
besonders in der höheren Lage,
i"t. zu beachten. Im übrigen ist
"Sehr geehrte Redaktion!
Sie werden es gewiß verständlich
die vollkommenste Art Wiedergegebene
gerade gut genug sei, um in die hei"
sikalisch -technischen Vor:mssctzun- Jia solisti,che Behandlung der
mische Reinheit ihrer Stuben getragen
"en welche an diese ~lnsiken und finden; wo Frankfurt und Leipzig sich zu werden. Wir wollen in dem, was wir
Holzbläser \·orzuziehen.
~n 'Radio-Hörspiele auf Grund in- Auf vorsichtige Ii o r n b eh an d-
melden, kann Berlin nicht zurückbleiben. anch immer verbreiten, so bunt sein,
Nicht nur, weil der Berliner· Sender wie das Lehen selhi;t, nnd jedem
tensiver Erfahrungen gcstcl.ll wer- lu n g ist zu ~chten, weil sich bei der m·ste war, der Kompositionen jun- menschlichen Geist und jedem mensch-
den sind z.um ersten l\Iale in der nicht er"tklassig geblasenem Horn ger Musiker "bestellte", sondern auch lichen Gemüte Weltkenntnis, künstle-
soel;en erfol"enden Veröffentlichung Unsauberkeilen durch das Mikro- wegen seiner Bedeutung in musikalisch- rische Erhebung auf leichtes, heiteres'
der Bade~ - Baden c r Kam- phon besonders bemerkbar ma- kultureller Hinsicht. Schon im Jahre 192G Ergötzen zutragen."
m er m ll s i k 1!129 nicclergdegt wor- chen. Enger Satz von mehreren brachte Berlin die Erstaufführung von
Hörnern und f! im Horn ist zu Grabbes "Herzog Theodor von Goth-
Das Jalu·b'ruch gibt im übrigen
den welche in diesem Jahr neben
vermeiden. land" mit einer ad hoc verfaßten Musik ein fast allz:w bUintes Bild der Ar;-
Hat;s- und Laienmusik (über die
Die '1' r o m p e t e ist in ied~r Kurt Weills. Der junge Schönberg- beit des Senders. Es wiire Yielleicht
winzipiclle Bedeutung der _Heran- manches i\lal interessanter, Prinzi-
Lage, auch mit Dämpfer, ver- Schüler, Walter Goehr, erhält häufig
ziclnmg dieser Probl.eme w1rd der
wendbar. Aufträge kompositorischer Art." pielles über den Aufbau der zahl:..
Anbruch an anderer Stelle sprc-
H a r f e klingt gut, besonders in reichen Disziplinen zu hören (wie
dlen) Originalkompositionen für Wir müchlcn hiczu ergänzend
höherer Lage. dies in einzelnen Fällen übrigens,
den Rundfunk heranzieht. Diese bcmet·ken, daß e~ 'unsere Absicht
Vorsichtige Schlag z e u !( b e- z. B, bei der ·funkpädagogischen
Veröfl"entlichung ist Yon prinzipiellem h an d lu n g, insbesondere Vermei- ist, im Lauüe dieses Jahres die Arbeitsgemeinschaft, bei den Sport-
Interesse, ihre Auswirkung könnte dung der grollen Trommel; auch Vertreter aller größeren deutschen übertragungen u. a. geschieht), statt
von großer Bedeutung werden*): die kleine Trommel bekommt Sendegesellschaften über d~e Pro-
Kostproben auiS einzelnen Vorträgen
einen l'oliständig veränderten g ramm p o 1i t i k ihres Senders
*)Im Februar-Heft des Anbruch wird M_ax zu erhalten. Aufschlußreich ist eine
Butting über technische Fragen der Rad•o- Klangcharakter. Möglichst kein zu \Vorte kommen zu Jassen.
Becken, nur im ff zu besonderer Statistik über die Arbeit· des Lan-
musik sprechen.
i
!
• genherger Senders mHl der ihm

36 (
37
l
~NTER JEDER KIUTIK ..
1mlcrslelllcn ScnrleslPllcn in ~Iün- Cbcrlra.!.(ung ckr dcnlsclwn t:ranf-
stet·, Dorlmuml. :\achPn. Di<· J'ühnl'ng aus den "\ron-1\onzc·t·lcn.
Arbeit nml'nm: Ghcrlrngungcn - 13 er I in: Dil' Shmdc der I.cbrn-
(15 OpPrn 'll'nd I Op!•rcllcn·; unrl clrn, Aui'Jührung eines Werkes Yüll
eigene A u!fl'ühnmgcn ( 13 Opern unrl .Törgcn BPntzon. EinlcilungsYorlrag
18 Opcectten. <larnulee 1 Mozari- H1I-dolf Eastner. Als c1·stc Vrran- Neue Musik wird in vielen Füllen in einer Art kritisiert für die Dumm-
Zyklns mil ;) Werken). Srndcspiclc stall'Llng des Zyklus ":\[usi.k der Ge- heil, Leichtfertigkeit oder Bosheit als Erkläruna dienen kÖnnen. Die Fälle
(clarnnler \Verke von \Yilde. \\'pr- <rcnw:trl" im ncucn .Iaht· kam nm in denen sich die Erörterung auf dem Niveau :ines Bierulks bewegt sil1<l
fel, ZtrckmnycT. 1-l;u·dl. 1\;~rl I-Iaupl- J.. lanu:tr eine nctH~ KlaYiersonatc dabei noch harmloser als die, die in würdigem Gewand und mit' dem
ganzen Pathos richterlicher Überhebung auftreten. Der Anbruch will in
m;mn. Ka~·se1· !'\c.): Konzerte Yon Gcun.(cs Antheil. vom Eompo-
(68 Symphonie - Eonzcrle und nisten seihst gcspicll. u.nd die So- Zukunft derartige Auswüchse der Kritik festhalten. Er will vor allem auch
15 "\ben<k r.cilgenössis·C'!H'r Ton- nate für zwcl Klavien• von Poulcnc auf Fälle, die a~seits von Kunstzentren Schaden stiften, die Aufmerksam-
setzer. 78 Kat~llllPl'!ll'U.si;kslnnrlen. zur Uraul'führung. Die einlcitPmil'n keit de~· .offenthch~eit lenken. \~ir wissen in dem Bestreben, das Niveau
89 V l't·ansla \Iungen populärPt' Dr- \Vot·l P spricht Aclolf \Veissmann. der Kr1hk und die Verantwortlichkeit gewisser Kritiker zu heben den
ehes tcrmu1si !;. 720 \' cranst all11ngcn :\m 7. .Ji'lnner hraehle das Funk- größten Teil der .Musikkritik ebenso auf unserer Seite wie die Mu~iker
mit Unlcl'iwllungs- uml Tanwnllsil;). orchester unter Lei-tung YOll BI·uno deren höhere Interessen wir wahren. Die Redaktion. '
eine gmßc Anzahl literaeiseher Vcr- Sridler- \\'inklcr ein nm1es \Verk
anstalhmgen (Rezrta'lionsstundcn. YO!l E. N. von Rl•zJÜcck. die Sym- Zn wenig Zeit und zu viel ich ;verde auf die Pökelznnge, die Ananas-
sc.~eiben und den Pumpernickel verzichten
88 A·Uitorens'lunden, 22 Kompo- phonischen Variationen für großes Schamgefühl ~ussen. Das ist die schlimmste Ent-
nistens'llllnden, einen Goellie-Zykln:s Orchester über .,Kol Nidrey" T!lllll .hat - wie er mi-tteilt - ein Herr täus~hung, die mir die neue Sachlichkcih
mit 64 Vorträgen. einen Zykl•m; von Vortrag.- S tut i. gar 1.: Der Jazz in Riesen f e I d in Breslau, denn sonst
bereitet hat."
2G Veranstaltu:ngen. der Bccthovcns der symphonischen Musik. Wcrkc könnte er "Musik wie die der Diese und ähnliche Bemerkun-
Klavi~rsonatcn ge\\idmet war ·msw.). von Eisler, Milhau.d, Bliss, Weill Schönbergsehen Bagatellen wö-
Zum musikalischen Teil gehören (Tan,go Angele und Alabama-Song gen stehen nicht etwa in einem
chcnllich scl1<Jckweise fabrizieren". Provinzkäseblättehen, sondern als
ferner 27 Lieder- und Arienabende, auf Elcctrola-Platten) 1md Gru.enbrrg Kein Zweifel. Denn sie sind (op. 11)
13 bunte Abende und 4i lustige (Danicl- Jazz); Leitung General- Leitartikel in der Musikzeitschrift
"verdrehte, übergeschnappte Har- "Signale für die Musikalische Welt".
Abende. Akt·uelle Veranstaltungen musikdirektor Lindcmann. lekinaden", ja (op. 19) "mitleider-
(55 Sportübcrlragungcn, 49 aktu-elle
Übertragungen). V-orlragswesen (51
Frankf·urt: Zyklus "Die neue
ZeH"; zweiter Abend: Ki·enek, Drei
regend lächerlich", "kleine Schmar-
ren", "dicjeder N otenkleckser aufs Gc-

Ein Schulfall
Zyklen umfaßten zahlreiche Gebiete lustige l\I;l.rsche; Weil!, Zwei Lie-
rateunwohl hinschmieren könnte".
des Wissens, darunter Sprachunter- der aus "l\Iahagonny"; Honeggcr, Und weiter: In Dortmund ist in der letzten
richt in Spanisch, Englisch, Fran- "Pacific". Leipzig: "Mu- Spielzeit "Scherz, List und Rache" von
zösisch und Deutsch). Religiöse sik der Geg·enwart". Wilhelm "Vor kurzem machte ich ein ähnliches Go e the, Musik von Welle sz und
:\forgenfciern. Yer:mstal1:ungen des Grosz, Fünf Gedichte aus dem Experiment in einer anderen Gesellschaft. W e i I I s ,.zar" (in dem Grammophon
Ich fand dort Pökelzunge mit Meerrettich, verwendet wird), Text von Kaiser, auf·
Schulfunks. die Stunde des Arbei- Japanischen Frühling; Knrt B c y- A,nanassch~iben mit Schlagsahne, Pumper· geführt worden. Der erste Musikkritiker
ters (105) und Funlnanzstunclcn. Es t h i e n, Trio op. 22 (Urauffüh- mckel mtt Camembert und ein paar
der "Dortmunder Zeitung" schreibt nun
schließen sich eine Reil1C Yün Nach- rung); Bar t6 k, Streichquartett Sehwärmer für Schönbergs "Glückliche
Hand". Da ich - fälschlich - behaup- anläßlich der Erstaufführung von
mittagsYeranstaltungen SO\\ie die op. 4 (Dresdner Streichqu.artelt). tete, dieses Werk genau studiert zu haben W e i I I s Violinkonzert, welches mehrere
tägliche Durchgabe der Nachrichten Im Januar überträgt die "Mirag" und zum Teil answendig spielen zu können, Jahre vor dem "Zaren" entstanden ist:
und des Sportberichtes an. d' Alberts "S c h w a r z e 0 r c h i- wollte man von mir etwas daraus hören. Das folgende, für Dortmund

111 oder n e :\Ili s i k im Rund-
d e e" aus dem Stadtthea1er Lei p-
z i g. - L o n d o n: Unter Leitung
Ich spielte mit der rechten Hand in E durl
ein für meine Theorieschüler bestimmtes
Beispiel zur Einübung der Durchgangsnoten
neue VioLinkonzert s•tammte v·on
dem jungen Wien er Komponisten
f unk: W i c n: Schönberg, "PieiTot YOn Hermann Seher c hen fand und mit der linken Hand in c moll eine Kurt Weill. Wir kennen ihn von
lunaire", Aufführung durch da.s vor einigen Tagen eine Aufführung Übungsarbeit, die mir in meinem 15. Jahre der hiesigen Erstaufführung s e i-
von J an :'t ce k, Kinclerreime, Kr e- Prof. Riemenschneider b~i der Besprechung
Wiener Pierrot-Ensemble unter Lei- harmonieeher Antizipationen aufgegeben n er h e i t er e n 0 p er "S c h erz
tung von Erwin Stein, Sprecherin Il e k, Symphonische MusiJ;:, für hacte. Diese unsinnige, zusammenhanglose List und Rache", nach eine~
Erika Wagner. In nächster Zeit neun Soloinstrumente und H a u er s Verkoppelung zweier trockener Schulauf- mäßigen Textbuch - Go e t h es.
Chorwerk "\Vandlungen" stall. - gaben wurde von einigen Hörern für
werden zwei Opern YO!l \Viencr Schönbergsehe Musik gehalcen .und für fa. Sie kam an einem ·Abend Iwm~­
K<Jmponisten a'lls dem Studio über- K ö l n : Im Rundfunk fand dieser belhaft und genial erklärt. Seitdem weiß scher Operneinakter" im ~~rigen
tragen: im .Tanuar "Die Stlmde" Tage eim; Auffülll'ng von Sc h r c- iclt, daß ich ein fabelhafter und genialer Frühjahr zur Aufführung an dem
von Karl Lafitc; im Februar "Die k e r s Zwischenspiel aus "Schatz- Komponist bin. Der Hausherr, den man man ip. die sel.tene Lage 'kam. eia1
Yergebens vor meinen Eulenspiegeleien ge-
heilige Ente" Yon Hans Gäl. gräber" und Re z n i c e k s Z\Yi- warnt hatte, nahm mir die Verulkung sehr Grammophon loben und-
Dresden: Schönbcrg, op. 29, schenspiel aus "Holofcrnes" statt. iibel. Er wird mich nie mehr einladen, und G v c t h e h er u n 'i er m a c h e n zu

38 39
müssen: Was uns leid tat ...
\Vir wollen's alwr aucll nicht wit'-
(ler tnn ··-- oder vielmehr. wir hof-
l"t•n, es sobald nic~ht wiNl<~l· zu
m üssm . . . \V e i I I s M ti s i k w a r
l>al. .\t'hlung Yor der Arbeit rle1·
Sr:hauspil'll'r 7-ll habeiL ~Vir hab~n
uns gewunclPrt. daß ~•eh ke111
1i a 1 a· n 1 t• r i l' w :1 ,. t' n fall r i k an t
mit dl'r GPgl'nfrage ein-
KOMPOSITIONSKRITIK I
<I a m a I s n o c h d a s H ~~ s t e. Das r a n <l. w a s g e g " b e 11 e n f a I I s STRAWINSKVS an, clcr Krampf tler :\aehkl'irgsjahre
m·ut· Violinkonr,crt ist dagegen 1-1 !' r 1; :\ d a m i w o h I z u e i n e m
"APOLLON MUSAGETE" begann sieh zu lösen. Zugleich mit
flurehaus cxtrayagant. Th. Seh. Z i g a r ,. l' 11 t' t 11 i m i t \V a s s er- dPr allm:ihlichcn Konslitu.ierung
s p 'lt 1 u 11 g s a g e n w ü r d e. Da I.
einer neuen Gesellschart mußte das
• Zi"atTcn dutThaus trocken Yerwahrl
st'~l wolkn. wi'Inlc man den El'-
J"inder eint•s solclwn Etni.s 1l!lhC-
~fit dem antikisierenden Ballett
"Apollon Musagete" kehrt Straw:n-
Hingen um objektive Formprobleme
wiederauflcben. So kam es zunächst
sky a·uf einer neuen Spirale seiner zum f.armnlen Quietismus. zur Be-
., \V a s s e r s p ü Iu 11 g-; dlmklil~h l"ill' l'int•n ::--:an·en Prkl:ircu
Entwicklung zum Materialbezirk vorzugung des Archaistischen,
Die __\lag-•lehurgischc Tat:t)~zdtun).!­ und tlt-111 Fahl'ikanlen Vorwürfe seine!' genialischen Anfänge z;u- schließlich zu einer Massenfluc.ht
sc:hrcibt in einer Kritik iih<'r die _f:e~chic·htl• macht•n. <Iai~ t~r sit·.h mit der Hc:r- rück. z\vischen diesen Ant'üngen. in jene schcmcnha.ftcn .,klassizisti-
vom Soldaten~: sldluiig solch!·t· unzwcekmiißiger und dem neuesten Opus liegt die scllcn" Sphären, deren Vcl'führung
... DiP Aul"fühntng wnnll' tlu1Th (;egPns.liindt· ahgiht. mi">gen sie in Konstiluierung einer nc'ucn 111 usikn- schon einmal in der nap.alcon:L-
liinnende ProlcstkundgdJun:.:en ihrer Art 111111 gut odc1· s!'hll'cht lischcn Welt: der \Velt, die durch schcn Epoeh<~ der europäische Geist
untcdJrochcn. nachdem ei11 Tt·il dtT :tus<rel'ülll'l sl'it-1. D i f' "Ge- 1\ tonalität chamkterisierl wird. In erlegen war. \Yas den starken 1\Iei-
Hön•r lwn~il.~ das \Yeile gesucht. s 1: l~ i c~ 11 t e '" o 111 S o I d a I t' n" i s l ihr hat das mit dem Namen Slra- slcrn des Frühbm·ock einmal ge·
hall!'. Ch•m('IIS ,\dami. rlel' nar- t' i 11 t'. Z i g a r r l' n I a s c h e 111 i ~ \vinskys verknüpfte motorische Le- lingcn dn.rftc - die von einer Re-
stt>lll~r des Solrlalcn, reitele die Si- Wasst·r~pi1l11ng ... Hm. benswerk nach außen hin dM größ- naissance der antiken Musik das
tuation, ·indem er das Publikum
• ten Aktionsradi-n.s aufz1Iweiscn. Die
in terna lionalc Sc:hü'l?Jung dieses
Heil erhofften 1md dabei .. zufül-
iig" das moderne Musikdrama fan-
\Verkcs hal - nach k'nrzem Kampf den ~- das war den Klassizisten
NEUE SCHALLPLATTENAUFNAHMEN ZEIT- gegen das ,\Jizmgcstrige - mil der der napoleonischen Zeit ebenoosellr
GENÖSSISCHER MUSIK unglaublichen Erlchnisfiihigkcil sei- versagt wie ihren heutigen Enlwln.
J) t' IIl S (~ !J e (; I' :1 111 111 0 Jl h 0 11 :\. (;.; Ernst Ki·enek, ".lonny spielt aul'", nes zei lhindcnden (nieh t zeitgebuul- Die Bemühungen beider Generalio-
gcs piel t Yorn Paul-Homhy-.1 azz- denen) Schöpfe1·s gleichen Schrill nen waren verurteilt, in hochkulti-
Ft·:mz Sc h r c k c I': Zwischenspiel
S~'Illphonieorehester. Nr. 1!1808.
grhallcn. In Werken wie "Pe- v:iertem. aber blutleerem tmd volks-
acus ,.Schalzgriibcr", gcspicll vom
trol!lschka", "Sacre du Prü1temps'·, fremdc1ll Alexandrinertum zu enden.
Philh.armoni;chen On:hcslei·, Bcr-
Die neue .JonJIY-Piatle derDeut- den "Pribaoll!tki" und vor allem Slrawinskv ist nun dieser Zci<t-
lin. unter Frnnz Schreker. ·zwei
schen G1·nmmophon wird von Jians in de1· einzigartigen "Hisloirc du krnnkheil: dieser sükularen Hyp-
cloppelscilige Plallcn: Nr. G.'i!J2,1:
Beimann nicht zu Unrecht unter soldat" ist Slra,vinskv das \Y·unclcr nose in seinen reifsten :Mannes-
1. und l l TPil; Nr. fifi!l2fi: lTI. unrl
rlt>.n fünf Platten großen Formals dc1· Prägung überzeÜlicher Kunst- jahren erlegen und mit ihm gar
JY. Teil. genannt, <lic er als Gnrndlage einer werkc aus dem Stol'f des Tages gc- manc.her. der sich den \Veg zu die-
Franz Sc ]Ir c k t•J·: Nachtgesang voll ·und ganz ,·ollkommencn Ehe J·nngcn. Jene \Verke vor allem ha- sem sicheren Hafen wesentlieh
;ms "Schatzgi·iibc:r", gespi-elt. YOII1 in seinem -ncucn Buch nennt: die ben einer sich zersetzenden Epoche Jcid!ler gemacht hat als del' Schöp-
Philharmonischen Orchester, Ber- Phanlasi·e des Bearbeiters hiill sich den Spiegel vorgehallen; in ihren fer det· .,Histoire du solda.t". Was
lin, unter Frnnz Schreker. Nr.fiii912.
mit dc1· prachl\·ollcn Pr:izision und lmnien sn !irischen Zerrbildern. war au.cl1 naheliegender für diesen
Emsl K i· c u c k: \Valzer a·us dem der cinschmciehclnden Tonschön- tänzeri~chen HllVthme-n crkann.tc auf alles "Atmosphärische" SIO un-
Quartett, op.20, und Igor Slra- heil die \Vage, mit del' das Paul- sich die jüngste, .. mit dem KriegSt- cndliclt subtil reagierenden Geist als
w i n s k v: Concerlino, gespielt Homby - Jazz - Symphonieorchester erlebnis nicht fertig gewordene der Weg nach Paris? Slrawinsky
Yotn A1;1ar- llimlemith- Quartett. hier musiziert. Die Darstellung des Zeit wieder, im Bezirk diesc1· arti- wußte, daß die Zeit der Satiren
~r. GG201. bekannten Blues ist ebenso farbig slisc.hen Formbegrenzungen, die die vorbei war. Hier erwartete den
1\arol Szy m ano w s k i: .Nollnmo, und malerialwahr wit~ die Plwntasie Konstruktion eines aufgclöSJien See- Schwcrver\Yltrzelbaren, Leichtenl-
op. 28, 1, gespielt \'Oll l-1. Sollo- über .Jonnys Tri um phlied. Eine lenzustandes an Stelle der rom~m­ wurzellen das unbeschwerliche
way (Violine) und Liachowsky henoJTagende Leistung. Als Dai:- tischen AssoziatiQn von Gegen- Formlraditiönchen französischer
(Flügel). Nr. Gfi,t89. stellungslyp in der Gcschlosse~1hcJt ständen und Gefühlen rückten. Ncoki:Issizisten. Und so setzte denn
Bela Bar to k: I!. Slrcichqu·arle!L 11nd Einl'nllskmft clcr Bl'arbeiiung vermochte sie zu atmen. Da~ cler natürliche formale Tal;:t und
op. 17, gespielt vom Amar-Hinde- Yorhilrllich. Werk Strawinskys begann die Geschmack der französischen Na-
milh-Quarlclt. Zwei doppelseitige Epoche zu meistern. Aber die 1iou dem Destruktivismus des jun-
Platten. Nr. ßß425(28.
• Epoche wechselte, nahm nen.e Züge gen Strawinsl'Y sehncll ein endgül-

40 41
tiges Ziel. DPm ,iongliet·enclen Esprit vom Sehiel;sal Zerschmcllerlcn em- Liope ist der bezeichnende Unter- führte "Pas de action" zerfällt in
eines Cncteau. det· auf Stra\\"inskvs pDrsleigen. so offenbart sich hier titel (l' Alexandrin) und ein noch mehrere rhythmisch durchaus ver-
Stoffwahl einen iihnlich determinie- immrrhin nocl1 die rc\·olulionärc, bezeichnenderes Zitat von Boileau schiedene Teile, denen ein Haupt-
renden Einfluß :msübtc wie .. einst zutic'i'st f<JrmfcindLichc Gewalt sei- beigegeben. Der melodische Gehall Ulema gemeinsam ist, über dessen
im Mai" Diaghilcw und das Petcrs- nes Genius. In dem nun folgenden wie der harmonische Satz bedeuten BMenklichkeit Beispiel 4 Auf-
burger Ballett. lag der gefällige letzten Werk .. Apollon Musagete" gegenüber dem .,Oedipus" einen ge- schluß geben mag. An die nnn
At·chaismus. das amüsante Form- isl von den m·tistischcn Erschütte- waltigen Rückschritt. Inmitten der folgende "alexandrinische" Varia-
gespenst. die stntkluellc Attitüde rungendes "Oedipus" nichts meh1· z\t, schalen Suppe einer erlebnümnfühi- tion der Kalliope schließt sich eine
am niidtslcn. Die .. anakreonlische" spüren. Gewiß. das Werk mag als gen C-E-T<Jnalilä:L schwimmen als gigueartig-bewegliche "Variation der
Luft des späten Dcbussy. eines Satie ein Beispiel der heute so vielfach karge Fettaugen ein paar mo(\lt- PDlyhymnia" an, deren satztech-
tl.lld Poulenc taten schließlich ein gefonlcrtcn "~Ia tet·ialgercchtigkeit" latorische Schrullen, Dominantver- nisclle Dürre nur von der skrupel-
übriges, um den ,.prinlichen Erden- gelten, <'..S ist ein veritables Ballett zögerungen und gelegentliche Q1tarl- losen Melodik der folgenden "Te.r-
rest" genialer Barbarei im Kompo- nad1 altfranzösisdtcm Muster mit und Sextkoppelungen umher. Nur psichore" übertroffen wird. Bei-
nisten des "Sacrc" auszulöschen. ,.pas dc dcux" ... pas de action" ete., selten erhebt sich die Sat~technik spiel 5 möge veranschaulichen, wie
es schielt nach allen barocken dieses "Apollon" zu kontrapunk- kurz der Schritt vom Neoklassizis-
II. :\1Pislcrn - Lullv. Händel. Coupe- tisch durchgeführten Episoden. mus z11m guten, alten Delibes
Dir neue Epoche llegann mit rin. Rameau, ab;r - - es schielt. Langweilig feierliches ~Ielodisiercn. scheinbar geworden ist. Hiernach
einer Verbeugung Yor Pcrgolesc. WiPderholle Ans:Uzc zu gelungener nur gelegentlich durch imitatori- wirkt das Solo ApoUs in seiner
Aber die durch alle K!ange:.:p<'t·i- Stilkopie werden dtrrch die uner- sche Ansätze vor ärgster Flachheit etwas an Brahms erinnernden
mente hindurchsd1immcrnde Treue wfmsch le Im nie einer snobistischen bewahrt, herrscht vor. Diese Musik schwerfälligen aber gediegenen
zur Grunds·ubstanz des Altmeisters 1\.unslanscJwuung ins "Moderne" mag - von weitem gehört - mo- Wucht doppelt erhebend (Bei-
konnte das .. Pulcinella"-\Verk noch umge!){)gen. Gewi.ß, die künstleri- mentweisc an Rameau oder Cou- spiel 6). In diesem Stück allein ist
der Nachbarschaft des artistisch so scJtc und menschlidte Sublimierung, perin erinnern. In der Nähe der etwas vom Atem der "Oedipu.s"-
reizvollen Alexandrinertu.ms der die das Leben der Substanz und akustischen Sensation enthüllt sie Höhepunkte zn spüren. Eine breit-
Straußsehen "Couperin-S'Uitc" und TerJtnik eines Meistcrs angedeihen eine mrlancholisch-grimrnassierende angelegte, in "sizilianischem" E dur
det· .. Bürger-a.ls-Edelm an n "-Musik l:ißL ist aucl1 in diesem spröden HohlheiL wie Masl\en am Ascher- schwelgende, zum Teil an das Rem-
zu.gcsellcn. Die barocke Form ge- \Verk zu spüren. Aber die Aus- mittwoch. Was die Architektur des brandtsche Claire obscure Harneau-
sungenen Tanzes erinnerte zudem grglichenhcit der reifen Diction ist Balletts betrifft. so ist es in zwei seher Tanzsätze erinnernde Koda
nodt an den 11l1Yergeßlichcn .. SDl- allein geblieben. Und inmitten der Bilder gegliedet:t, deren erstes mit (Beispiel 7) mündet schließlich in
daten". In dem folgenden "OcdiptL~ frierenden Gelassenheit dieses Yorspiclhafter Kürze die Geburt des eine 1;urze "Apotheose", die in feier-
rex" waren alle Unentschieden- ,.c\pollon" sehnen wir uns nach Apoiion und seine Erhebung in lichem Duktus die apollinische
heilen zugunstcn einer paradigmati- den glutvollen Stürmen der frühen den Olymp veranschaulicht. Die Fanfare des Anfanges bis zum glä-
schen I\ lassiziliit ge\\ichen. Die Ballette zurück. Gewiß. die spar- "französischen" Hhythmen dieses sern zarten Ende abwandelt. Die
Form dieses \Yerkes - das Re- tanische Einfachheit und überklare Anfanges, die in einem fanfaren- ungewollte Melancholie der Schluß-
sultat jener mißYet·stanclenen sno- Disposition des "Oedipus"-Orche- artigen, motivisch wiederl,ehrcnden takte (Beispiel 8) überträgt sich auf
bistisclt empfundenen .. neucn Sach- slcrs ist hier zu ungemeiner Trans- Thema (1. Beispiel) gipfeln. werden den willigen Zuhörer, der sich den
lichkeit", gcpaal't mit einer in parenz gesteigel'l. Aber die vm·- dm·ch ein "Grazioso" in e moll ab- Perückenstaub von ein paar Jahr-
schrecklichem Küchenlatein scltwel- nehmc Blässe und timide Kontur gelöst, dessen sequenzierender Duk- hunderten aus den verwunderten
genden AllphilDlogic entspricht dieses OrchesterkLanges schläfert tus die Herlmnft von Scarlatli nicht A11gen und Ohren wischen darf.
durdwus seiner "tonalen·' 'Und .,me- das Ohr bald ein. An Stelle der verleugnet (2. Beispiel). Das zweite Er mag sich mit dem alten Er-
lodischen" Substanz. deren Dürf- großen rhythmischen Komplexio- Bild - von dem ersten nur durch falirungssatz 1rösten, daß es in der
tigkeit allerdings streckenweise in nen der frühen Ballelle sind formal eine kurze, die "Fanfaronade'· l\Iitte des Lebens großer Künstler
der großartigen Wucht einzelner scharf gesonderte, überdeutlich ge- Apolls verarbeitende Episode ge- oftmals Augenblicke geminderter
ctramalisch- gesangliche!· Konturen, gliederte Gebilde suitenartigen Cha- trennt - hebt mit dem bereits er- künstlerischer Erlebnisfähigkeit
in der Unerbitllichkei1. der art:isli- ra.l,ters getreten. Sarabande, Me- wähnten, als Bachsehe Stilkopie gibt. In einem solchen Augenblick
sclten Konsequenz ihres Schöpfers nuett, Gavotte, PaYane und Cou- amüsierenden Violinsolo Apollos an ist wohl "Apollon Musagete" ent-
untergeht. l:nd wenn hier aus der rante gespenstern dlrrch die öder. (3. Beispiel). Der nun folgende, standen.
unfrudltbaren Dürre einer ..litera- Räume dieses literarischen Olymps, von Apoll und den Musen ausge- Hans F. Redlich.
rischen" Form das rührende.~\dos<J in dessen "galanter" Ode das zop-
des Oedipus, der sl;yU1ische Jubel
des barbal'ischen Chores. die mit-
fige Violinsolo des eben geborenen
:\poll echot. Die Charakteristik der

leidsvolle .. arist<Jtelische·' Ersta.r- ~Insen hält sich in bescheidensten
rung des Volkes beim Anblick des Grenzen. Einzig dem Tanz der Kal-

42 43
NOTENBEISPIELE ZU REDLICH, APOLLON"
" REVUE DES MONATS

ZUR URAUFFÜHRUNG sie eine Zeitlang in entsprechenden


DER VARIATIONEN FÜR Verdünnungen gehört hatten, nicht
ORCHESTER VON mehr so giftig.
SCHÖNBERG Es hat mehrere Ursachen, daß
ein \V erk von Schönberg beim
Schönbergs ncuestes Werk, Varia- ersten Hören nicht vet·standen wer-
tionen für Orchester, op. 31, wurde den kann und sie lassen sich ganz
am 2. Dezember 1928 Yom Berliner
Philharmonischen Orchester unter Lei-
genm1 nachweisen:
tung ,·on \Vilhelm Fnrtw~inglcr zum 1. Schönbergs Musik ist nie-
ersten Male ~espielt. r~in Teil des mals aktuell. Er komponiert nicht,
Beispiel 3 Publikums demonstrierte durch Ziechen wa:s die betreffende Zeit gerade
und Pfeifen da~egen. hören möchte. Was er zu sagen
Es geschah. was wir schon oft hat, ist Allgemeingültiges, das für
, erlebt halteiL Öb Kammersvmpho- die Zukunft wie für die Vergangen-
nic, Fis-moll-Qum·telt. Bli".;erquim- heil Recht hat. Daher stammt das
Beispiel 4 Mürc11Cn, daß seine Musik über-
!ctt oder Orchcslervai·iationen bis
jetzt ist noch keines dm- \Verkc holt, seine "Richtung" veraltet sei.
von Schönberg, von der .,Verldär- Nun, seine Richtung ist ihm immer
tcn Nacht" angefangen, v~rslanden nur durch seine Persönlichkeit ge-
worden, als es neu war. wiesen worden. Die hat ihm seinen
Weg geführt in einem Tempo, in
Wirksam aber w-mrden sie s.tcls dem selbst ·unsere rasende Zeit
soglekh. Das Unerhörte war einmal nicht mitkonnte. Einen Weg, der
gcftörl worden, 'tllnd hörle man es no·ch lange nicht erforscht ist und
öfter, dann ging den Emp!Tmglichen auf dem es noch viel N eues ZIU fin-
~mch allmühlich der Sinn aulf. Nicht
den geben wird, wenn die "de.n-
zuletzt war Schönbergs Musil;: aber nioers cris" von heute vergessen sein
bei den anderen Komponisten wirk- werden. Daß di,e AktualitätsbeseS!-
sam, selbst bei gar nicht ·sa radit- senen mil Schönb~rg nichts ~mzu­
Beispiel fi kaleiL Sie scheuten sich nicht, die fangen wissen, ist nur für sie be-
newen Klünge, Aklwrde. Rhythmen, dauerlich.
die sie jetzt im Ohr ha'llen, auch
2. Schönberg bat nur Schweres
zu verwenden. Und nun ereignete
sich etwas Merkwürdiges: \Vas in zu sagen, Es herrs·cht in seiner Mu-
SchönbCI·gs konzentrierter .M'USik, in sik ein solcher Beziehung&reichtum
der nichts als Neues vorkommt. der Gedanken und Formelemente,
Beispiel 7 daß nur ein guter Kopf mit offenen
befremdet hatte, 'lvirkte n·un. um~
geben von altbekannten Elementen Ohren und schnell arbeitenden Ge-
der musikalischen Ausdrwcksweise. hörsnerven zu folgen venriag. Be-
sozusagen im Rahmen der musi~ griffsstützige nennen Papiermusik
kaUsehen Umgangssprache, durch- was sie nicht hören können. '
:ms verständlich. Hörtc man dann 3. In jedem neuen Werk ist
Beispiel 8 Schönberg ein anderer. Darum hilft
Schönbergs Werk wieder, so fand
1n·- a'li man es schon eingänglichcr, ja, die es nicht sehr viel, mit seinen frfr-

~~~1:J ~ 7:·!1! !:J


S·uperklugen meinten, fünfzehn bis heren Werken. yertraut zu. sein..Und
zwanzig Jahre später, daß es gar wenn er nach nahezu 20 Jahren
nicht neu wäre. Schönbergs Essen- zum ersten Male wieder ein Werk
1' 1'- ii ii - zen schienen ihnen, nachdem sie für Orchester allein schreibt (das

44 45

--~ ·--- -·----·


letzte 'varen die Stücke op. 16 ge- Kunstwü-Jdil:.hkcil? Oder war's Fas- Theater
wesen), so läßt sich denken, daß sungslosigkeit? Befremdete NC'Ur A a c h e n: Mit drei hochwertigen Neueinstu- worden ist. Er läOt di: Sänger den
sein Stil neuerlich ein ganz andc{- gicr? Versleinerle Verzweiflung? dierungen der Meistersinger, der Entfüh- Gesangston mehr hervorkehren als die
rer geworden sein muß, daß sein rung und des Julius Cäsar von Händel Öprache, mäßigt für die Streicherpartien
Ich glaube, es war gleichermaßen ging die Oper in das neue Jahr. "Das Er- die Tempi, akzeleriert die Holzbläser_
Orchesterklang eben wieder ein die Su.ggeslion, die vom Werk und eignis" der Spielzeit aber wurde die von Das alles ist sehr wesentlich für die
"unerhörter" ist. Die Probleme des YOD der Ausführung ausging. Aron Strom und Pella geleitete Festauffühnmg Hervorkehrung der markanten Melodik, die
Orchesters werden heute von ihm und seine Leute boten eine phäno- des F i d e l i o zur Erinnerun~ an die ja in der .. Wozzeck"-Partitur überreich
Aachener Erstaufführung vor 100 Jahren. verborgen liegt. Leo S c h ü t z end o rf
viel tiefer erfaßt als dies noch je menale Leistung. Vor allem Von den weiteren Plänen der Inten- faszinierend wie am ersten Tag, und Maria
geschehen ist. Er wählt es nicht K u t z s c h b a c h. der das Ensem- danz nennen wir noch die Uraufführul1!l Wes s e l Y (Prag) in den explosiven Sze-
des farbigen Klanges wegen, son- ble didgicrcnd zti.sammenhielt. Am der Umbearbeitung von Alban Bergs Wo z- nen eindringlicher als im rein Lyrischen.
dern um seine Gedanken plasti.- z e c k, die Erstaufführung von Ja n a c e k s Herrn. Rnd. Gail.
Klavier: Aron. \'io line: Goldberg, Katja Kabanowa, eine Neubearbeitung
scher darzustellen. All'erdings, diese Bratsche: Seifert, Cello: Hesse, von Meyerbeers Hugenotten durch Paul Brauns c h w e i g: Klaus Nettsträter hatte
Gedanken sind von Schönberg. kleine Klarinette: Lommatzsch, Kla- Pella, einen Einakter-Abend zeitgenössischer mit seinem ersten wirklich modernen Abend
Komponisten, Hindemiths .,Dämon" und einen außergewöhnlich nachhaltigen Erfolg.
Im Grunde ist es aber grotesk, rinette: Richter, Baßklarinette: Zur Aufführung kamen Hindemiths ,,Hin
Strawinskys ,.Feuervogel". Dieser Abend
daß einer Erscheinung wie Schön~ Hoppe. Sie müssen alle genannt wird die von Gertrud S t e in w e g auf ganz und zurück", Ravels "Spanische Stunde''
berg gegenüber überhaupt das USlll- werden, und ihr Ruhm sei geprie- neue Grundlage gestellte Tanzgruppe zum und Weills ,.Zar". ·
elle Verhältnis Platz greifen kann: sen wie ihre Tal. ersten Male in bedeutenden Aufgaben der
neuzeitlichen Tanzkunst herausstellen . B u da Pest: Das königliche Opernhaus ver-
Sein Werk wird gespielt; Publi- .. Suite" heißt das neue Werk Ar- W. Kemp. sucht sein recht eintöniges Repertoire
kum und Kritik sitzen als Rich:t.e.r nol<f Scl1önbergs: Die Folge umfaßt Au g s b ur g: Das Stadttheater brachte zum
durch eine Aufführung von Strawinskys
dabei und urteilen. Die Hörer sind ,·ier Sii.lzc: Ouvertüre, Tanzschritte, · "Oedipus Rex" aufzufrischen.
Gedeukeu an Hugo Wolf die Erstau±füh~
es, die sich als Prüflinge fühlen Thema mit Variationen, Gigue*). rung des ,.Corregidor" in der Inszenierung Darmstadt: Die begabte Ballettmeisterin
müßten, ob sie vor dem Werk ber von Viktor Pruscha und unter musikali- Claire E c k s t ein brachte einen famosen
Von allem Grundsätzlieben abge- scher Leitung von Kapellmeister Bach. Am Abend mit Milhauds "Boeuf sur le toit'",
stehen. Erwin S t e i n. sehen: hier ist ein in seiner be- 3. November fand die Erstaufführung der Kools "Leierkasten'' und der Uranfführung
Der "Anbruch" wird in einer der sonderen Arl. in seiner zerebralen heiteren Oper ,.Armer Columbus" von Ar- eines Stückes "Der arme Guerino'' des in
tur Zweiniger, Musik von Erwin Dresse!,
nächsteu Nummern auf Schönbergs Or- Geistigkeil z~ubcrhaftes und gro- in Anwesenheit der beiden Autoren statt.
Bern lebenden Komponisten Renzo Massa-
chestervariationen eingehend zu sprechen raut
kommen. Die Hcdnktion. ßes Werk geschaffen. Ein Werk, Inszenierung Intendant Lustig-Prean, musi-

• das man lieben kann. Und das nie·


mand, der etwas auf gute Sitten
in der Kunst hüll. verachten sollle.
kalische Leitung Kapellmeister Mihalovits.
Jetzt wird ein Einakter-Abend mit Opern
von Hindemith, Krcnck und Wcill und die
Dessau: Der Anhaltische Landtag hat die
erneute Regierungsvortage über die Ge-
währung eines Staatszuschusses an daR
SCHÖNBERG OP. 29 BEl Dreigroschenoper vorbereitet. · Friedrich-Theater angenommen. Der Bestand
Ich glaube, daß nian sogar vom Ge- des Theaters ist somit bis 31. August 1929
PAUL ARON Berlin: Unter den Linden wird man gesichert. Im Frühjahr werden neue Ver-
fühl het· dieser Kunst beizupflk-h- einen Offenbach-Einakter und ein Ballett von handlungen über die Herbeiführung einee
Wir wollen gleich feststellen, ten vermag. Wäre anders aucl1 eine Max Te rp i s, das Ralph Be na tzky kom- Definitivums stattfinden. - Eine erfreu-
daß es in Dresden keinen Krach um nachschöpferische Leisttmg mög- poniert, ,.Die fünt Wünsche", anläO- liche Lösung!
Iich eines Gesellschaftsabends des Reichs-
Schönberg gab. Es war ja auch in lich, wie sie Paul Aron in seinem verbandes der Deutschen Modenindustrie Du i s b ur g: Das Stadttheater ist mit den
der Hauptzahl der Kreis der Ge- herrlich selbstlosen Dienst an der geben. Man ist außerdem bereits mit den Vorbereitungen zur Tonkünstlerwoche voll
treuen um Paul Aron. der sich Sache hier verrichtet hat? Vorproben zn K r e n e k s •• 0 r p h e u s beschäftigt. Nach Szymanowskis "König
und Eurydi k e" beschäftigt, das K Iei- Roger'' · kommt als zweite Festoper im
zur Entgegennahme des neuen Die neue Musik lebt. Und sie bat b e r dirigieren wird. Die Krolloper be, Februar Brands ,.Maschinist Hopkins'' her-
Schönberg versammelt hatte. Die in Dre.sden ihren ber:ufenen Sach- reitet die Uraufführung von Hindemiths aus. - Im November brachte Julian Algo
Opposition erstickte, sie war ernst- anwalt. Das übrige Programm des konüscher Oper, die nun den Titel sein Ballett ,.Tahi", Musik von Petyrek,
lich gar nicht vorhanden. So also "Ne u e s v o m Ta g e" führt, vor. zur Urauiführung. ·
Aron-Konzerts bewies es eindring-
ging es wesentlich um die Sache. lich. Hindemith, Bartok, Strawin- Die S täd ti sehe Oper brachte zu E s s e n: Schuberts "Lazarus" (oder ,.Die
Ausführende und Hörende dienten Weihnachten das Märchenballett ,,Der Feier der Auferstehung"), eines der ge-
sky waren die Namen, die Begrüf arme Reinho ld" von Wilhelm Grosz. nialsten Werke des Meisters, als DralDll
ihr gleichermaßen, und wie es sich und Gehalt bedeuteten. Und l\farga- Bericht im nächsten Heft. nach der schönen Dichtung A. H. Nie-
stets trifft, wenn eine Gemeinschaft rethe T h ·um als Inlerpretin neuer Alban Bergs "Wozzeck" er- meyers gedacht und im dritten Teil Frag•
unter einer überlegen geistigen Lieder hattP. einen großen Erfolg. scheint bereits im dritten Jahr ment geblieben, kam in einer kurzen Er-
Idee zusammensteht: man fühlt im Spie I p I an der BerlinerStaat s- gänzung von A. Leschetitzky durch geist-
Aber Schönberg blieb doch der liche und weltliche Originalmusik Schuherta
sich erhoben, getragen, geschaukelt o p er. Das ist eigentlic:h eine.. Selbst.ver-
Gradmesser der Gesinnung. Schön- ständlichkeit, wenn man m Erwagung Zieht, am Todestag Schuberts, dem 19. November,
von einer besonderen Glücks\YQge. berg das Ereignis. daß alle vorauigegangenen ·Aufführungen unter Rudolf Schulz- Domburg am Städti-
Ein paar Herren an der Peripherie einen wenn auch latenten, starken küns~ schen Opernhaus zur szenischen Urauf.
Hans S chnoor. lerischen Erfolg Berg, dem Dirigenten und fühnmg.
des Saales lachten und schwatzten.
Bei den meisten war tiefes Schwei-
gen. Schweigen der Ergriffenheit?

*) Vergl. den Aufsatz von Erwin Stein
der Darstellerschaft einbrachten. Kleibe r
ist nun so sehr in die Partitur hinein-
gewachsen, daß d!e Ausdeu~ng diesmal
G e r a: Das Reußische Theater hatte mit
. der Uraufführung von zwei Opern vorr
Wagner- Regeny ,.Moschopulos" und Der
Ahnendes Fühlen einer seltsamen über das Werk, Anbruch 1927, Seite 280. eine ungleich gere!ftere; plastischere ge- nackte König" einen starken Erfolg. "

46 47
II a g e n: Da:-: Kammertanzt.heater hrachtfo ~chwung genomm(!n. FJinc wesentliche Her- Konzerte
unter Leitung seiner Ballettmeisterin Inger absetzung der Eintrittspreise bewirkte eine B r ü s seI: Die Konzerte Pro Arte brin- Dresden: Die drei Stücke aus "\Vozze•!k"
v. Tramp die Pantomime "Vo g e Ische u- Steigerung der Abonnentenzahl auf das gen in dieser Saison in fünf Konzerten von Alban ß e r g fanden bei ihrer Erstauf-
c h e n" von Karlheinz Gutheim zur er- Dreifache. Die Mitgliederzahl der Besucher- eine große Anzahl interessanter NoYi- führnng durch die Dresdener Staatskapelle
folgreichen l:ranffühnmg. Organisationen ist ehenfalls um · etwa täten, darunter Bart 6 k, I. Violinsonate; unter Fritz Busch, gesungen von Elisa-
20 Prozent gestiegen. Es kann jede Vor- Alban B e r g, Kammerkonzert; H i n d e- beth , S t ü n z n er, stürmischen Beifall.
Ha II e: Die deutsche Urauffiihrunrr der stellung ilun;bdllliltlich 12-16mal ge-
Verdi-Oper ,.Die beiden Foscari" hat Gene- m i t h, Streichquartett, Bratschen sonnte,
geben werden. was eine für Provinzverhält- Marienleben; Mi I hau d, L'homme et son Köln: Im zweiten Gürzenich-Konzert hob
ralrnut:tikdirektor Erieh Rand fUr da~ nisse •orgfältige Vorbereitungsarbeit er- Hermann Abendroth das neue Vio Iin-
Stadttheater in Halle erworben. Dr. Rudolf desir, Klarinettensonate; S a t i e, En habit
möglicht, znmal große Oper, Spieloper und de cheval: Schön b er g, Klavierstücke konze rt in Gd ur Paul K I e tzky s aus
Pranz. L('ipzig:. der bereits die ,.Räuber" Operette ein getrennteH Personal haben. der Taufe. Der Erfolg galt in erster ·Linie
von Venli :w neuem Leben erweckt hat. op. 11; Strawinskr, Klavierstücke;
l~ine Abstimmung bei Abonnenten ergab 8 a u g u e t, Sonette; T o c b, III. Streiche dem ausgezeichneten Interpreten Georg Ku-
ist Herauf:geber der deutschen An~aahe. --- eine Ablehnung der modernen lenkampff, während das Werk selbst zwi-
Kr c n e k s Einakter hatten hie;. einen quartett; ferner eine Reihe von Werken
()perette mit l'ier Flinrteln der helgiseher Komponisten. Ein sechster schen den ]<}inflüssen Strauß', Regers und
starken Erfolg bei Presse und I'uLlikum. Stirn m e n. Brahma· unentschieden schwankt. Drei 0 r-
Abend bringt Kammeropern unter Lei-
11 an n o ,. e r: R ob es, Pie r r e & Co. heißt tun~ von Roger Desomieres, das Mario-
c h es t e rl i e der des Haas-Scbülers Her-
I' e n in g r a d: Am Kleinen Theater wird Kre- mann K I u s s m an n brachte der gleiche
<ler neue Balletterfolg von Yvonne Ge o r g i nettenspiel .,Geno1·eva \'On Brabant" von
neks "Jonnv" bereits l'ier Wochen hindurch Dirigent in der Musikalischen Gesellschaft
und Harald Kr e u t z b er f!, mit der ll!usik
\'Oll Fric-drich "r i l c k e n 8. Ein Kriminni-
Halldtsketch. in dessen Ablauf. auf kür-
en suite ge.spielt.
o[ ii n c h en-G I a d b a c h: Das Stadttheater
S a t i e, M i I h a u d s Minutenopern und
H in d e m i t h s "Hin und zurück".
zur erfolgreichen Uraufführung. Hier war
~argot . Hinn_eberg - Lefebre dem Kompo-
Mlinchen-Giadbach hat; daH Verdienst, das C hark o w: D i e ü k r a in i s c h e Phi I h a r- msten eme hmgebende Helferin. H. U.
zeste Dauer zusammengedrängt. die beiden
erste - vielversprechende -- Bühnenwerk monie ("Ukrphil") hat zu Anfang der
T>inzer-Verfasser alle nur Mnkbaren Über- Mannbeim: Die Gesellschaft für Neue
raschungen tHnzerischer Groteske hinein- des jungen Komponisten Sc h m id t- Saison ihre Tätigkeit in der ganzen Sow-
jet-Ukraine begonnen. Am 15. Okt<Jber 1'. J. Musik veranstaltet 1928/29 fünf Konzerte.
gelegt haben. Die Musik, in engster Zu- I~ s erst c d t, "Hassßn gewinnt", der zur Programme: I. Sonaten von Hi·ndemitn
Zeit al8 leitender Kapellmeister in Rostock fand in Charkow das Festkonzert zur Er-
sammenarbeit mit der Choreographie cnt- Ravel, Höffer, Klavierstücke von Stra:
wirkt, zur Uraufführung gebracht zu haben. öffnung der Ukrainischen Philharmonie
ötanden. heschriinkt sich auf die 1Iitwir- winsky und Vogel (Stefan Frenkel, Sofie
statt.· Es kamen Uraufführungen ukraini-
kung zweier Kla1·iere und einer Schreih· Selzmann, Ernst Toch): II. Streichquartette
masehine und läl3t, als besonderen Effekt. 0 Idenburg: Die erste Aufführung von scher Komponisten zu Gehör unter Leitung
Alban Bergs .,Wozzeck" in der deutschen von Generalmusikdirekt{lr M arg u I ja n von Honegger, Milhaud, Vogel (Roth-Quar-
anch die Tünzer aho; groteske Sänger auf- tett); III. Schönbergs Klaviersuite und
treten. Die Uraufführung, die unter Lei· Provinz findet am 22. Februar am Lan• (Bogatyrjow: Scherzo-Ouvertüre und Re-
destheater 0 Idenburg statt. wuckyj: Zweite Symphonie) und Professor ..Die hängenden Gärten", Eisler, "Zeitungs-
ttmg und ~litwirkung der drei Verfasse~ ausschnitte" (Margot Rinneberg - Lefebre,
in Hannover stattfand, hatte einen stUr- Ru d n y c k r i (Barwinskri: Ukrainische
S t r a I s u n d: Eine bemerkenswerte Leistung Rhapsodie und Ko]jada: Suite in vier Eduard Steuermann); IV. Werke von We-
mischen Erfolg. vollbrachte vor kurzem das Stadttheater. bern, Bentzon, Pisk. Zemlinsky (Wiener
Sätzen). Streichquartett).
He I s in g f o r s: Kreneks ,..Tonny" halte hier An einem l<Jinaktcr-Ahend, über dessen Pro- Die Ukrainische Philharmonie veran-
unter Leitung von Franz Mi kor e v einen gramm die Jahreszahlen 1928 und 1929 staltet in dieser Saison in Charkow allein
groflen Erfolg. · als Matt{) standen, brachte diese streb-. . N e w Y o r k: Das Philadelphia-Symphonie-
28 Abonnement-Symphooiekonzerte. Als Di- Orchester eröffnete die New Yorker Kon·
K a r I s ruh e: }Jine Oper des Wiener Kom- same Bühne Mozarts Singspiel ,.Bastien rigenten Wtlrden verpflichtet: Marguljan·,
und Bastienne"~ als Zwischenspiel Tanzvor- zertsaison mit einer prachtvollen Auffüh·
ponisten }iugen Zado r ,.Die Insel der Rudnyckyj, Malko, Suk, Schuric~t. Unger, ru:!lg eines Bach-Chorals in der ausge-
Tolen", die einen StDff aus dem Lehen führungen der stilvollen Tänzerin Elle Kua· Honegger und Shavitsch. Rs \\1rd beson•
!es de Vinda und als Schlufl Kren e k s zeichneten Orchestration seines Dirigenten
Arnold Böcklins behandelt, kam unter Lei- derer Wert gelegt auf Aufführungen m o- Stokowski und mit dem Mä r c h e n
.,Schwergewicht oder die Bhre der Nation''-
tung von Josef Krips zur Uraufführunm
Kapellmeister Ernst August Bürger,
derner Musik (so z. B. Weills Violin· e_ines Gip sgottes" des i~ngen rus-
konzert unter Unger, mit Stefan Frenken. Sischen Komponisten Lioff K nipp er. In
K ob I e n z: Das Theater der Stadt Koblenz, Spielleiter Richard Erdmann und nicht zulet7lt
dessen Schließung im vergangeneo Sommer der Bühnenbildner Wolfgang H i I d e brand t Chemnitz: Dem Volkschor gelang als einem s~ine~ nächsten Konzerte bringt
he,·orstand, hat am 15. September v. J. brachten mit dieser Aufführung Leistungen, erstem Chemnitzer Verein~chor mit der Stokowsk1 die Symphonie von Alexander
unter der Leitung des neuen Intendanten' Städtischen Kapelle und tüchtigen Solisten K r e in zur AUfführung.
die weit über den Rahmen dieser Bühne
Richard .Tost die Spielzeit eröffnet. Zur hinaus Beachtung verdienen. Auch das eine Aufführung von A. Honeggers "K ö- Das Programm der League •of Compo-
Zeit stehen in Vorbereitung: Goetz, ,.Gnei- Orchester und sämtliche Darsteller zeigten nig David". Die Wahl des Werkes ist sers kündigt für diesen Winter u. a. an:
nenau'', Zuckmayr, "Schinderhannes", Ilum· dem Bekennermut Willi S t e f f e n s zu Schönbergs Streichquartett mit Ge-
sich den nicht alltäglichen Aufgaben, die
perdincks Märchenoper ,.Hänsel und Gre- danken, dessen formender Geist über dem s~ng, Werke von ·Hindemith, Al. Krein,
besonders das Werk Kreneks an alle Be-
tel". Puccini, ,.Tosca", Krenek, ,.Schwer- Ganzen waltete. W. R. Pisk, Szymanowski, Saminski und einen
teiligten stellt, vollkommen gewachsen . Abend moderner Opern.
.gewicht" und Weill, ,.Der Zar läßt D r e 8 d e n: J os. Gust. M r a c z e k hat ein
sich photDgraphieren". Besonderen Zuspt-uch S tut t gart: Die Staatsoper hat die bei- Kammerorchester aufgestellt, das in regel- In den Veranstaltungen der Pro Mu-
fanden die von Intendant Jost neu ein- den einaktigen Opern von Hermann R e u t- mäßigen Abständen in dem reizenden Hause sica kommen Milhauds Minutenopern zur
t er "Der verlorene Sohn" (Uranfführung) Aufführung. L. S.
gerichteten Morgenfeiern und Kammerspiel- der "Komödie" neu":re, neu es~ und.. sel-
abende in Verbindung mit der literarischen; und "Sau!" (Erstaufführung) erworben, die ten gehörte alt-klassische Musik auffuhren Paris: Die Societe Internationale de Mu-
Gesellschaft. In den nächsten Orten der mit der Oper "Gazellenhorn" von Hugo wird. So ist endlich das Zentrum ge- sique de Chambre veranstaltet im Winter
ümgegend wurden besondere Theatergemein- H e r r man n (U raufführnng) in dieser schaffen für ein in der jetzigen mnsikali~ 1928/29 vier Abende mit interessanten
den gegründet, die in ansehnlich hoher Mit- Spielzeit gegeben werden. sehen Situation besonders wesentliches Lite- Programmen, so Streichquartette von Hin-
glieder•.ahl regelmäßig die Kohlenzer Vor- Einen starken Eriolg brachte die Auf- raturgebieL Bisher gab es ;r, S. undFriedem.
führung von W e i II s ,.Protagonist" und demith, Webern, Jean Carau, ferner Werke
stellungen besuchen. Außerdem hat die Bach Pu rc e II, Sologesänge von Bac- von Strawinsky, Ravel, Debussy, Milhaud,
Theaterleitung Gastspielabschlüsse mit den ,.Der Zar läßt sich photograpbieren" unter A an j ' und K eise r (diese in einer Neu- Honegger. Medtner u. a.
benachbarten Städten Neuwird, Andernach Kapellmeister Drost, Regie Harry Stangen- bearbeitung des Unterzeichneten) und im
und Bad Ems ab!{eschlossen. berg. modernen Teil: Mi I h a u d (Serenade), P r a g: In Frag fand ein Fest rumänischer
K ii n i g s b er g: Das Opernhaus, das von dem Würz h ur g: An läßlich der Brstaufführuog B li s s To c b, dazwischen in vermitteln- Mnsik statt, bei welchem in drei Konzerten.
neuen Intendanten, Dr. Hans Schüler, der Dreigroschenoper anfangs Februar der Geste: Sinigaglia, Sibelius. Werke von Stau <IDlestan, M. Andricu,.
künstlerisch völlig reorganisiert wurde, hat spricht Bert Brecht in einer Morgenfeier ·Schon der Beginn des Untemehm~ns war M. Jora, G. Enescu, M. Mihalovici, C. Not-
auch geschäftlich einen erheblichen Auf- über das Werk. ein voller Erfolg. Dr. Englander. tara, 1. Nonna Ottescu aufgeführt wurden.

48 49
Konzertierende Künstler und neue Musik
Komponisten
Die Pianistirr Marthe Be r e i t er bringt rat ur und Kunst in Genf in einer Geist-
in ihrem Repertoire moderner Musik u. a.: lichen Abendmusik Orgelwerke Heinrich Ka- George An t heil hat eine Bühnenmusik Bohuslav M a r t in u hat eine Filmoper
Albeni~ "Seguidillassh; Bart6k, Allegro bar- minskis, die tiefen Eindruck machten. zum Sophokleischen Oedipus für das Berliner in drei Akten in Arbeit, welche in der kom-
haro: .Taroslav Kricka, Lustige Stücke; Wal- Staatstheater und eine neue Klaviersonate menden Saison zur Uraufführung gelanat. Das
ter Niemann, Brasilianische Rhapeodien; Selim Stefan Fr e n k e I konzertierte mit dem für Rundfunk geschrieben.
Violinkonzert., von Kurt W c i 1I in Stutt- Stück heißt .,Die drei Wünsch"e". -
Palmgren, Wiegenlied, Tanzhumoreske; Pe- i\Iartinus Quintett wurde in Amerika, in
tyrek, Kinderstiicke; Ravel, Sonatine; Scria- gart (gleichzeitig Radioübertragung), Dort-k Bela Bart 6 k hat eine Rhapsodie für
mund und Kreleld. Jetzt spielt er das We~ Geige und Klavier geschrieben, die Josef Boston und Pittsfield auf dem Festival der
bine, Prelndes et Etudes; Toch, Der Jong- Frau C-oolidge mit großem Erfolg aufgeführt.
leur. in mehreren Städten der Ukraine. S z i g e t i gewidmet ist. Eine Symphonie von Martinn wird Konsse-
Hermann D r e w s (Folkwangschule-Essen) Max Strub bat Szymanowskis Violin- Ernest B 1 o c h hat in dem Preisaus- 1\itzky in Boston aufführen. Die Jazzsuite
brachte in Köln die beifällig aufgenommene konzert in Baden-Baden unter Leitung von schreiben des Musical America für eine wird demnächst im Frankfurter Rundfunk
Ernst Mehlich mit großem Erfolg zur Auf- nationale amerikanische Symphonie den Preis aufgeführt. ·
Uraufführung von Hermann Erpfs neuerr.
Klavierwerk: Einleitung, Ostinato und Fuge führung gebracht. Prof. Strub wurde v~n von 3000 Dollar für seine Symphonie "Ame-
ühor Bach. Generalmusikdirektor Otto Klemperer an die rika" erhalten. Acht der größten amerikani- Felix P e t Y r e k und Hans R e in h a r t
Staatsoper am Platz der Republik berufen. schen Orchester bringen das preisgekrönte haben ihr Wintermärchenspiel .,Die arme
Pani E m er ich bringt in seinem ein- Werk gleichzeitig zur Uraufführung. llf u t t er und der Tod", welches bisher
zigen Wiener Konzert auf dem Mo o r- D n- Joseph S z i g e t i brachte in Berlin ge-
als ~elodram über die Bühnen gegangen ist,
P 1 e x- K I a vier neben klassischen Werker, meinsam mit dem Cellisten Piatigorsky das Max Butt in g hat eine 3. Symphonie zu emer Oper umgearbeitet.
ein Präludium für dieses Instrument von Duo von Koda I y zur Aufführung. Das vollendet, die für das Genfer Musikfest ang~­ Am '2:7. September \', J. veranstaltete
Jörg Ben t z o n und zwei Tanzstücke von Stück wurde auch durch Rundfunk über- nommen ist. Das Werk kommt vorher m das Collegium Musicum in Wintertbur ein
Egon W e I I es z in der Bearbeitung für tragen. Königsberg unter Hermann Scherehen zur Ur- Kammerkonzert mit Werken Felix Petyreks.
das Doppelklavier zur Uraufführung. Konzertsängerirr Rose Fuchs-Fa Y er auHührung. ·
WalLer G i e s e k in g bringt in der Lea· sang am 29. Oktober in Budapest acht VolkBI- Hanns Eis I er schreibt eine Oper, deren Erl\in Sc h u 1hoff spielte in einem
gue of Composers in New York Klavier- lieder von Bela Bartok, welche der Kompo- Text von Robert Winter stammt. Konzert der Londoner British Broadcasting
stücke von Paul A. Pisk zur amerikanischen nist selbst begleitete, und erntete reichen Corporation eigene Klavierwerke und seine
Erstaufführung. Beifall. Walter G r o n o s t a y, der Komponist Sonate für Flöte und Klavier mit Rene de
des in Baden-Baden aufgeführten Einakters Roy. Sein Doppelkonzert für Flöte und Kla-
Der Pianist Prof. Bruno Hinze-R ein- Wilhelm G n t t m an n singt im Februar ,Jn zehn Minuten" hat ein Streichquartett vier, Streichorchester und zw'ei Hörner so-
h o 1d hat in Erfurt und Weimar die Kla- in Berlin zum ersten Male Kreneks neue und ein Streichtrio geschrieben. Das Quar- \\ie die Konzertsuite aus der szeni;chen
vierstüeke op. 15 von Wladigeroff erfolgreich Baritonlieder. tett kommt in Frankfurt zur Uraufführung_ Musik zu Molieres "Bourgeois Gentilhomme"
mr Aufführunl!, gebraeht. Das Danziger Streichquartett Ferner hat Gronostay für die Deutsche wurden durch den Königsherger Rundfunk
Grammophon A. G. zehn Platten mit Bühnen- aufgeführt.
Prof. Julius Iss e rl i s, der vor kurzem wird die Quartette von Kaminski, fis mall,
Krenek III und Haba I in diesem Winter musik fertiggestellt.
auf seiner italienischen Tournee mit der Wie- Alexander Ta n s man: AuHübrnngen der
dergabe der Petruschka-8uite von Strawin- - auch im Rundfunk - aufführen. Wilhelm Grosz spielte mit Walter
Kaufmann zweimal in Berlin, ferner im Rund- letzten Zeit: das Erste K iavi e rk on-
skv und eigener Werke (Märchen und Bal- Gustav Großman n, der erste Opern-
funk Breslau und Hamburg. Die Schlesische z e r t fand im englischen Rundfunk (British
laden) große Erfolge erzielte, wird eine kapellmeister des Stadttheaters in Stettin,
Funkstunde veranstaltet ein Kompositionskon- Broadcasting Co.) in den Promenade-Con-
längere Konzerttournee durch Polen, Litauen hat mit den Konzertmeistem des Städti- certs von Hely Hntelesson, unter Leitung
und Schweden antreten, deren Programm fast schen Orchesters Kurt Baut z (Violine) zert Grosz im Februar.
von Sir Henry Wood, die Londoner Erst--
ausschließlich von modernen Autoren, dar- und Rudolf Met z mache r (Cello) ein Kam- auHührung.
unter Strawinsky, Prokofieff, Ravel, Scria- Pani H ö fJ' e r hat zwei neue Werke ge-
mermusiktrio gegründet, welches sich zur schrieben: Eine Violin_solos~n~te bringt Siefan Die ,,Zwei Lieder", "Ne" und "Pos·
bine, Dcbussy u. a. bestritten wird. Aufgabe gemacht hat, neben klassisch~n session" wurden in London von Miß Rough-
Frenkel in Köln, em VIO!ink~!'zert Have-
Else C. Kraus s hat im Berliner Rund- Werken besonders Werke moderner und zeit- mann in Düsseldorf zur Urauffuhrung. ton gesungen.
funk die· Klavierstücke ,.Bagatellen" 1·on genössischer Komponisten zur Aufiührung zn Die V i o I i n s o n a t e wurde im Pariser
Georg K o s a gespielt. bringen. Eine Reihe von erfolgreichen Erstauf- Rundfunk gespielt.
führungen erlebten in dieser Saison die Das Z w e i t e K 1a v i e r k o n z e r t wurde
Die Pianisten Tila H. dc Mon t c s und Das Pozniak-Trio hat die "Sonata Werke der hekan~t~n, in Italien lebe~den 1·om Komponisten in Paris im November
John Mon t es setzten auch in dieser Saison a T r e" von G. Fr. Malipiero in sein Re- Schweizer Kompomstm M e t a t e r Ku 1l e- (Concerts Pasdeloup) gespielt (Pariser Erst-
ihre im vergangeneu Jahre mit außerordent- pertoire aufgenommen und wird das inter- T r 0 x I er. Ihre Lieder für Sopran mit Or- aufführung).
lichem Erfolg begonnenen Konzerte moderner essante Stück, dessen erster Satz für Vindo- chester wurden in den Symphoniekonzerten
Musik in B u e n o s A i r e s fort. line und Klavier, der zw.eite für Gell? u der Stadt Luzem unter Schulze-Reudnitz durch
Klavier und der dritte für Klaviertno ge. J"ar?mir WeInberge r, der erfolgreiche
Helene Stoos, Lausanne, mit reichem Beifall Kompomst des Schwanda, hat eine Folge
Ella Pancera hat die JI. Klavier- schrieben ist, im Laufe der heurigen Sais?n bedacht. Kurz vorher brachte Frau Professor "Tschechische Lieder und Tänze" für Geiue
~onate, op. 59, von Ernst Kren e k in ihr in zahlreichen Städten zur Aufführung bnn-- Pbilippe, von der Komp~nistin begleitet, und Kla\·ier geschrieben. ~
Repertoire aufgenommen. gen. Weiters bat diese Triovereinigung das deren Lieder für mittlere_ Stimme mi~- groß~m
Der Köln er Pianist Kar! Hermann Pi !I- T r i o von Gaspar Ca s s a d 6 im Herbst Erfolg in Bern erstmahg zu Gehor. Eme
ne y brachte in der Ortsgruppe Köln der einige Male, darunter auch im Breslanet· Klaviersonate von Frau Troxler kam in Der große Erfolg des Schwerirrer Ton-
Internationalen Gesellschaft für Neue Musik, Rundfunk, zur Aufführung gebracht. Zürich zur Erstaufführung. künstler-Festes, die Tripel-Fuge für
unterstützt durch Mitglieder der Kölner g. r o fj e s 0 r c h e s t e r von Kurt von Wo 1-
• Das Zi I c h e r - T r i o hat das Klavier-· Der junge oberschlesische Komponist f u r t, wurde kürzlich in Dresden aufge-
Rläservereinignng, Ja n a c e k s Co n c er t in o Trio von Gaspar Ca s s a d 6 in sein Repe!- Hanns Klaus Langer erlebt in diesem Kon-
mit großem Erfolg zur Erstaufführung. führt; weitere Aufführungen steh€n bevor in
toire aufgenommen und wird das Werk ID zertwinter eine Reihe von Uraufführungen Aachen, Bamberg, Berlin. Hann<Jver, Köln,
Walter TappoIe t spielte über Ein- einer Reihe von Städten zur Aufführung_ seiner Werke. Nürnberg-, Schwerin.
ladung der Gesellschaft für deutsche Litc- bringen.

• •
50
51
Diverses
Dirigenten Der Leipzi~er :llusikschriftsteller Alfred wurde \\"assyl 13 a r w ins k ,- j irrtümlich al8.
Dareeel gibt im Verlag Hachmeir<ter und Husse bezeichnet. Er bittet nns um die ~'est­
. Gcneralmusikuirel;tor \Valter Reck. der Iist. \'or kurzem hal Steinberg mit Hnber.- stellung, <las seine :-lationalität nicht rus~
m Magd e b ur g tatkräftige Arbeit für die
Thai Leipzi~. einen 0 peruführe r her-
man das Violinkonzerl Yon T"chaikowskr für sisch, sondern ukrainisch ist.
aus ' der sich vor den meisten Handbüchem
zeitgencissi~che Musik leistete. brachte mil t!ie LindsLröm eingespielt. - In Pra~ führt
ähnlicher Art durch eine wohltuende persön- Dr, Wilhelm Heinitz Yom Phonetischen
starkem Erfok S t r a \1" ins ky ö .. Oerlipns Steinberg demnächst BeethO\·ens Neunte mit liche Einstellung des Verfassers. durch eine Laboratorium der Universität Harnburg wurde
Hex" nllfl \\" e i II s ,.Der Zar läßt sich nhotn- zwei Orchestern (der tschechischen Philhar-
graphieren'· zur Aufführung. In den· Kon- .nonie und dem deutschen Orchester) anf. Es kritische Stellungnahme namentlich zu zeit; im Zusammenhang mit gehaltenen :llusihor-
zerten waren B ruck n er s · VIII. SymJlhonie. folgen die F-moll-:\fer<se yon Brnckner mit genössischen Erscheinungen ~nd dur.~h . eine trägeu aus Hörerkreisen auf eine wertvolle
znsaJDlllenfassende aufschlußrmche . Wurd1guug und noch unveröffentlichte Sammlung \'On
Hindem i t h s Blammsik und ).{ a h I e r s deutschen Chören und ~lahler~ V. Sym~
jedes einzelnen Komponisten empf1ehlt.
I. s r m p h () 11 i e besonders bemerkenswert. phonie in der tschechischen Philharmonie Der Opernführer ist eigentlich zu einer
zirka 20 Liszt-Briefen aufmerksam gemacht.
Demnächst folgt die reichsdeutsche Erstauf- noch im Januar, im Februar u. a. ein Kon- Die Veröffentlichung der Briefe wird dem-
Iiihrung yon Mi 1 hau d s ,.Symphonisclw kleinen Musikgeschichte geworden. Die Ein- nächst durch Dr. Heinitz erfolgen.
zert der tschechischen Philharmonie mit
Suite" und die Aufführung von \V e i ll s ,.Vio- Werken \'On Smetana. Scriabine, Str:nrinsky teilung in drei große ,\bschriitte: die alte
Oper (sämtliche Repertoireopern von Wag- F i Im m u s i k. Die Deutsche Filmschule
linkonzert". mit Knienkampf als Geiger. und Tschaikowsky. Ende Februar ein Abend in ~lünchen veranstaltet Anfang Januar 1929
moderner Komponisten - Steinberg hat Im ner), das Waguer-Zeitalt.er (wel~hes _der Ver-
fasser bis zu Kompomsten w1e h.orngold, einen auf · ehm fünf ~[onate berechneten
Aduli Heller hat in Gablonz folgende Deutsr:hen Landestheater mit l\[ozarts "Finta Lehrgang zur Ausbildung von Filmillustra-
zeit.genüs~:ischo \Yerk0 znr Auffi.ihrung ge- semplice'· einen großen };rfolg gehabt und Pfitzner, Schreker usw. rechnet) und _endlich
die neue Oper, ist als durcha_us geg!uckt Zll toren nud. -kapellmeistern. Der Unterricht er-
bracht.: Kren e k. .,Diktator", ,.Schwerge- bringt demniichst eine Jugendoper ~!ozarts
bezeichnen. Im letzten Kapitel, ehe neue streckt sich auf theoretische und praktische
wicht" . .,Königreich"; \\' ei 11. ,.Der Zar läßt .,Lucio Silla'· sowie \Veinbergers ,.Schwanda" Ausbildung musika isch ,·orgebildeter Personen.
1

sich photo~r:lJ1hieren"; Hin d e m i t h, "Hin heraus. -- Vor kurzem brachte Steinberg Oper, werden die Opern ;on Rudi Stephan,
Busoni Schönberg, Strawmskr, Berg, Wel- Als Leiter des Lehrganges ist Prof. Ale-'
uml Zurück"; Weinberge r, ,.I'uppenspiel- in Prag die 15 Georgelieder Schönbergs mit
lesz Weill, Kreuck, Dresse! und Hi~demith xauder L a s z l 6, musikalischer Direktor im
Om·erliire"; ß o rod in, "I'olo\·etzeö Tänze'·: Jcran Ieha-f'.lrinherg 'als Sängcrin zur Auf- Phoebus-Palast in ?\Iünchen, berufen worden.
D e b u B s y, "Childrens C'ornpJ·"; Res n i g h '· fiihrun~ .
zus~mmengefaßt. Eine famose Arbe1t des
.,Trittico Bottieelliauo"; Mahler, .,Li~d \'On fruchtbaren, einfallsreichen Autors. H. Nähere Auskunft und Prospekt ist duroh
Leopold S t o k o w s k i brachte in Phi-
rler Erde"; Hone g g er. ,,Skatin!( Rinl;": In Heft 8 des Anbruch un~ in der" ~e,~ das Sekretariat der Deutschen Filmschule in
Be r _g, "tlieben frühe Lieder". ladelphia Kren e k" IV. Symphonie und ~!iinchen, Sonnenstraße 1ijfiiJ. zu erhalten.


sprechung der Sammlung "Musik der "mt
.~eine sieben Orchesterstücke und Schrekers
Erich Kleiber wird im nächsten Früh· Infantin!:'uitc zur Aufführung.
iahr in Barcelona anUißlich der dortigen Welt-
nuBstellnng drei grof3e Konzerte (u. ~ a. Beet- Engen S z e u k a r brachte in der vergan- Mitteilungen der Universal- Edition
hoYenH IX. Symphonie) dirigieren. geneu Spieheil in den Kiilner Opernhaus- chen (Staatsoper), Düsseldorf. Dortmund,
konzerten u. a. Schönbergs ,.Verklärte Die Univer.sai-Edition in. Be~­
Otto K l e m p er er dirigierte mit stür- li D.. Mit Beginn dteses _Ja1lres _hat d1e Um- Freiburg, Ge-ra. Prag (Deutsches Landesthea-
Nacht", M a h 1er s "Lied von der Erde" und ter), Brünn, Bratislam und Laibach zur
mischem Erfolg in Paris. Auf dem Pro~tramm VIII. S,·mphonie. In B u e n o s Ai r e s diri- versal-Edition A. G. d1e. Auslieferung und
stand u. a. Hinrlemiths Bläsermusik und Krc- Vertretung für Groß-~erhn dem ?edeutend- Aufführung.
gierte Szenkar einen ZYklus \'Oll zehn Kon·
neks Kleine Symphonie. zerten mit .folgenden \verken: Bach, Bran- ten Musikhaus Berlms, der F1rma E d. Die Dreigroschenoper ist in Ber-
denburgisches Konzert Kr. 3; Haydn, Srm- ~ 0 t e & G. Bock übertragen. Da die lin bisher 150mal gespielt worden und
Josef Kr i p s (Karlsruhe) dirigiert in F·rroa Bote & Bock sowohl im Z~ntrum bleibt weiter am Spielplan des Theaters am
p~onie Nr. 2; Mozart, J's-dur-Srmphonie und
Vertretung von Clemeus Kranß eine Reiho
F1garo-Ouvertiire: Beethoven, V. Symphonie B~rlius (Leipziger Straße) als auch 1m . be- :;:chiffbanerdamm. In Breslau, Hamburg, Leip-
,·on Aufführungen am Opernhaus Frankfurt. I btesten Teil des \V estens (Tal!entZJen- "Ig, Frankfurt, hat das Stück eine große
und Leonoren -Ouvertüre Nr, 3; Schubert,
Straße) große Niederlassungen bes!tzt und Reihe Yon Ensuite-Aufführungeu erlebt. Wei-
Generalmusikdirektor Ernst Mehl ich, C-dur-Symphonie und 1<~~-dnr-Messe; Brahms,
Baden-Baden, ist als Gastdirigent nach Kra- Symphonie Nr. 4; Liszt, Faust-Symphonie; alle Vorkehrungen getr~~eu ~at, d1e }u_ter- tere Annahmen u. a.: Wien (Deutsches
kau und \\"arschau verpflichtet. wo er unter Wagner, Meistersinger-Vorspiel; Tschaikowsky, essen der Universal_-Edit~on m g~oß_zug1ger Volkstheater), Erfurt, Oldenburg, Düsseldorf,
Symphonie Nr. 6; J. Strauß, Fledermaus- Weise iru fördern, wud d1ese Neuemnchtu!lg Bremen. Stuttgart, Mannheim, Nürnberg, Prag
anderem lliussorgskys Bilder aus einer Aus- n den Musikern und dem gesamten musJk- (DeutsclJes Landestheater), Budapest, Moskau
stellung zum Vorh·a!! bringt. Ouvertüre; Mahler~ V. Symphonie, Adagietto;
R. Strauß, Don Juan; Salome-Tanz; Schön- r.o benden Publikum Bet·!ins mit Freude be- (Tairoff).
Alois M e 1ich a r dit·i!!ierte mit starkem berg, ,.Verklärte Nacht"; Kodaly, Har;·-Janos- 1~ßt werden. Das Berliner Publiku!ll wird DieS infouietta Yon Janacek wird in
Erfolg ein Konzert des Neuköllner Männer- Suite: Hindemith, Nusch-Nuschi-Tänze; Cima- ; diesen beiden Läden, in den~n em voll- dieser Spielzeit in zirka 20 Städten Europas
rosa, Malipiero-Cimarosiana; Prokofieff. Oran- ständiges, reiches Lager zur "Y.erfugung steht, aufgeführt. Kürzlich wurde das Werk im
gesangvcreines, bei dem Recers Ballettsnite,
op. 130, und Hymne an den Gesang, op. 21, gen-8uitc; Strawinsky, Sacrc du printempsl lbstredend auch alle Auskunfte und Rat- L e i p z i g er Rundfunk (Szendrei) gesendet.
im Mittelpunkt des Interesses standen. Ernesto Halffter. Sinfonietta. :~hläge bezüglich der Universal-Edition er- Im Münchner Rundfunk wurde die Sin-
In vier Extrakonzerten wurde ·zunächst halten können. fonietta zweimal gespielt. Auch \'Om Bres-
J oEeph R o s e n s t o c k vom W i e s b a d e- die Schubert -Feier (H - moll- Symphonie und Die 0 p er n von _Ernst Kren e k __ wer- lauer Sender ist das Werl< geplant.
n er Stadttheater ist an die J'i e w Y o r k er: Es-dm·~Messe) >m•eimal wiederholt, ebenso Die Suite "Hary Janos" (nach dem
den· in dieser Saison m folgenden Stadten
:\[ e t r o p o I i t an- 0 p er ab Herbst l!l29 als Strawinsky, Sacre du printemps und außer- espielt: Agram, Antwerpe~, A;~gsburg, Bar- ungarischen Volkshelden so genannt) von
Kapellmeister verpfliehtet worden. Als Nach- dem noch Einzelwiederholungen von den be- ~en, Basel, Berlin (an dre~ Hauser.n), Beu- K o d fd y koJDlllt, resp. kam in dieser Spiel-
folger Rosenstocks 1Yurde der Koblenze~ sonders erfolgreichen Werken. Der Präsident zeit u. a. in Köln, Leipzig, Berlin, Königsberg,
then, Bremen, Brünn, Chemmtz, J?anzJg, _Dort-
(;eueralmusikdirektor I'lrich Bö h l k e be- der argeutinischen Republik wohnte sämt- und Erfurt, Frankfurt am Mam, Fre1burg. Budapest, Amsterdam, Utrecht, Mailand, Winter-
rufen. lichen Konzerten bei und bat Szenlcar gleich ~abldnz, Halle, Hamburg, Helsi~gfors, Kai- thur, Prag, Stockholm, London, Warschau
Allton Ru d nick y J (Charkm\·) führte in am ersten Abend in seine Loge. Der Erfol!t ralautern Kar!sruhe, Kassel, K1el, Koblenz, und in einer Reihe von amerikanischen Städ-
seinem ersten Abonnementskonzert ßruck- bei Publikum und Presse war außergewöhn- ~ efeld L~ipzig, Leningrad, Lübeck, llloskan, ten zur Aufführung.
ners IV. und Bartöks Tanzsuite mit glän- lich. M~nche~, New ~ork, Planen, Saarbrücken, Die ,.10.000-Dollar-Symphonie" von At-
z;mdem Erfolg (als Erstaufführunaen flir die s hwerin, Stettm, Stralsund, Stuttgart, t erbe r g ist nach den Aufführungen in
Ukraine) ant. ~ Alexander Z e m l ins k r wurde als Nach· T~oppau, Wien, Wiesbaden. Wien und Köln in Malmö, Helsingfors, Kopen-
folger von Siegfried Ochs an die Hoch· Weinhergers "Schwanda, der hagen, Dresden, Leipzig, Nürnberg, Bochum,
H. W. S t e i u b er g (Pragl dirigierte am schuie für Musik in Berlin zur
G. Januar in der Berliner Staatsoper den Leitung der großen Chorkonzerte mit Or- D ude 1 s a c kp fe if er" ko~~ nac~ d.~m Essen, London, Stockholm, New York, Sid-
Breslaner Sensationser:folg zunachst m Mun- ney, Capetown, Manchester usw. angenommen.
"Rosenkavalier", am 9. Januar in Berlin chester verpflichtet. Die A-cappella-Chorkon·
einen Brahms-Ahend mit Huberman als So-
zerte übernimmt Prof. Hugo Rüde I. },, , '· Verantwortllch.er Schriftleiter;. Dr.. Paul. Stefan; ·Eigentümer, Herausgeber und Verleger:
Universa!-Editton A. G.; samtliehe m ~Jen, I. Kru;lsplatz 6. - Druck von Otto Maass' Söhne
Oes. m. b. H. (verantwortl. Fntz Draschmsky), Wien, ~· Walfischgasse 10.
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3. TRIO
(cinq pieces pour trois instruments divers) Flöte, Klarinette,
Harfe (1915)
\'pt·h~ SENAHT, l'AHIS (in Deutschland TISCHER & .fAUENBERG)
ERNST KRENEK
4. SONATE
für Klarinette und Klavier (1916) Französisches und deutsches Musikempfinden
Ver!a~r TISCHER & .TAGENBERG
FREDERIK GOLDSECK
5. ALLEGRO-ANDANTE-FINALE
für drei Klarinetten cs-c-A, drei Oboen h-f-Baß oder Blick auf Debussy
Fagott und Klavier ( 1924)
Manuskript H. H. STUCKENSCHMIDT
6. SONATINE
Erik:satie
für Violine und Klarinette (oder ViolaJ KURT WESTPHAL
VPr!ag: TISCHEH & JAGF.NBERr;
Die Harmonik Scrjabins
7. TRIO
für l"'löte, Klarinette, Fagott (1927) HANS F. REDLICH
Manuskript Moussorgsky redivivus
8. QUINTETT
fiir Flöte, Klarinette, Violine, Bratsche, Cello, event. Oboe,
Eng!. Horn, Fagott ( l 927) TH. WIESENGRUND-ADORNO
Manuskl'ipt Alban Bergs frühe Lieder
9. ANDANTE-ALLEGHETTO
(1923) für ob!. Instrumente (Oboe-flöte) Streicher u. Klavier FRANK WARSCHAUER- MAX BUTTING
Manuskript Rundfunkmusik
10. VIEI~ STÜCKE FÜR SECHS BLÄSER UND STREICHER UNTER JEDER KRITIK I REVUE DES MONATS
(Klarinetten und Hörner, oder Flöte, 2 Klarinetten, 2 Hörner und Fagott)
In Vorbereitung bei TISCHER & JAGENBERG
SCHALLPLATTEN I NOTIZEN

II. MUSIK FÜI~ BLASORCHESTEI~ (1914/15)


l\lanuskt•ipt

Auskunft erteilt
VERLAG TISCHER & JAGENBERG, G. m. b. H.
KÖLN-BA YENTHAL, Kastanienallee 20
- .ll
t:
' l
~.....;····,,..; -.,.-....
'\.J :~_'

AN B R UCH
11 • .JAHRGANG 1929
AN B R u c H
11 • .JAHRGANG II FEBRUAR1929

HEFT 3
FRANZÖSISCHES UND DEUTSCHES
"LEICHTE MUSIK'' MUSIKEMPFINDEN
Ernst Ki'enek
erscheint im März
])jp Beziehungen eines Volksbewußtseins 7.LLL' Kunst stehen im
tiefsten Zusammenhang mit der ganzen seelischen Struktur des betref-
AUS DEM INHALT: Jenden Typus. "'ill man diese untersuchen, so gelangt man zn den
beliebten _Formulierungen ,.die Deutsdtcn", "die Amerikaner", ,,der
ERNST KRENEK Franzose'" und dcrgleichrm mehr, die ebenso praktisch und braudhhar wie
Operette und Revue. Diagnose ihres Zustandes trüg.erisch und anfe~htbar sind. Die .unter solchen Schlagworten sub-
ERNST BLOCH sunnerteu und als Gesamtcharakter cmcs Volksganzen ang·csprochenL'll
Lied der Seeräuberjenny aus der Dreigroschenoper l~i!!enschaflen werden niimEch meist mehr intuili,, erfühl! als ·erkennt-
Jli~;nii[:,ig nachgewie~en, weil i.hr~ \Vahrnehmung stets auf einen, G<:-
TH. WIESENGRUND.-ADORNO sanll.emdruck nud nwm~lls ,<.m[ eme Statistik zurückgeht In der Dis-
Schlageranalysen. ("Valencia", "Ich küsseihre Hand, Madame", ku;;:;Jon \Wr~len dmm. ol t b!nzelfiillc entgegengehalten, die das Gegcn-
"Ich weiß auf der Wieden ein kleines Hotel") tl'il zu be\\·clseJl scht·mPn. und aus diesen könnte mit ebensoviel Recht.
HANS F. REDLICH ein ganz Pnlgegcngcsl'lztes Bild des in Hede stehenden National-
charakters .abgeleitet wcnlcn. ln \Virklichkeit gibt: ·es ilat.iirlich "d e 11
Typologie der Operette Deutschen" und "den Franzosen" im Sinne dieser 0rre.neralisienmden
H. H. STUCKENSCHMIDT Formeln überhaupt nicht, und es mag wohl sein, daß auf ein solches
Die Würde des Banalen durch einen Gesmnlt•indruck erzeugtes allg·emeines 13ild schließlich kein
cinzig·er ~·ealer Eill7.clfall rol1kommen paß( H Hit man sich jedoch diesen
FRANK W ARSCHADER hypothchschen und melu- an die Phantasie des 1vlitbetrachtcrs appel-
Filmmusik lierendcB Charakter solcher Formeln immer vor Aumen. so gewinnen sie
WAL TER RUTTMANN doch einen hohen Grad von Berechtigung als In~ln,I.mentc intuitiH•r
Tonfilmregie Erkenntnis. Blickt man von der Nähe auf ein bestimmtes Volkslu1n.
so zerHillt es iu eine verwirrende Fülle von sich wirlersprechendcJl
Einzehügcn. und am einzelnen Indiriclnum hebt sich merkwürdigcr1vei~,.
hnuptsiidJlich rlas clcntlicher ab, was es mit Indiriduen anderer Volks-
Der Preis des Abonnements für Österreich beträgt für ein Jahr tiimer in iilmlicher sozialer Stellung und gleichem Bcrufskr·eis gemein-
S s·-, der Preis einer Einzelnummer 80 g. Für Deutschland sam hat. weil diese letzteren Belange in unserer vor allem im sUicltischen
6 Reichsmark, Einzelheft 60 Pfennig, für die Tschechoslowakei Leben sich mehr und mehr uniformierenden Lebenskulbur viel hervor-
c K so·- (c K s·-), für Holland fl. 4'- (-'40), für England 7/6 sh. tretender sind gegenüber den sich in scheinbar weniger belangvolle
(0/8), für Italien 30 Lire, für die Vereinigten Staaten 3 Dollar (40 c). unr1 unauffäiJige Details des Privatlebens zurückziehenrlen nationalen
Für alle anderen Länder 7'50 Schweizer Franken, Einzelhefte Eigentümlichkeiten. Betrachtet: man al)er ein solch·cs Volksleben mehr
75 Centimes in der Währung des betreffenden Landes. aus der Ferne unCl wendet diesen Blick dann auf di·e Einzelheiten. so
Berlin: Ed. Bote & G. Bock bemerkt man nicht nur, da.ß trotz der rein individuellen l\TmmigfaÜicr-
J,eit. ein aus Imponderabilien konstituierter Gcsamt.charaktu durcha~s
e\·ident ist, sonderi1 auch, daß sich dieser selbst in den Individuen
uml ihren einzelnen Reaktionen deutlich auspriigl:, welll\..,J.UlQ\l~oft durch
11 ·~----··~-~.:--.~~-:-;.:-;·- .. ;.",.. ~

" Jl1u~i/,'ilisJt:i'dJcs.~~
Semt-"ar ~
Universität ßer/in I
ihr'' B~,.;ond~rlwiten als Jndiritluen fa,;t in" (it·~t'JJlt·il ~ebrocbcn, e.in auszeichnet. Der J\.unst selbst gegenüber haL er aber auch andere An-
!!'Cllleinsamer sel'lischcr llahitu,;, dt'lll ,;ich nicht''einJllal. der ,-;cnsihkrc sprüche. Er w1ll von ;i,lu· hauptsächlich erlebnishaft berührt sein, auf-
h·emde nur die Dauer entzit~hen kann. was durchaus das \'orhanrlrn- gewühlt, erschüttert, jedenfalls irgendwie verwandelt·. Das führt. in
~ein eines geistigen Jllld secli~J:hcn 1\ 1 i Jll a s IH~wt'isl. . . tiefere psychologische 13erciclw. Der Deutsche empfindet sich selbst
Jn wlclwlll Sinn soll diese ganzt• BPtmchtJJilg· :lld'g·efaf?,L sem,. ww höchst ungern als fertig und erhebt ~nfolgeclessen an alle Eindrücke die
auch die Forlllel. run der sie ausgt•hL: der Dt•tilsclw ist im allgemem~n Forderung, ihn in Bewegung zu setzen. \Vas ihn nicht fördert, im rein
rech I nl.usi!wlisr-11, aht'l' gii uzlich amusisch, "iihrcnd der Fra~1zose em kinetischen Sinn des \Vortes, das "sagt ihm niclüs", bekanntlich der
musische,· ~len~ch. alwr fast total UIIIIIIISikalisch ist. IJas 11·1ll sagen, schwersie Yorwmf gegen ein Kunstwerk. Er möchte aber auch die
daf:, im Leben des Franzosen. auch des I )nrchschnit.lsmcnschen, kiinsl.- \V elt in unuulerbrochener, womöglich im Sinne eines unaufhaltsamen
lerische BPiange und :\nschaJIUIIgswcist'Jt. eine unJint••rbroch?nc, w~nn Fol'lschrilles zielhafter Bewpgung sehen. Beides ist. dem Franzosen ganz
auch Jlll!lt'wnl~d e H olll' spie!Pn. wiii1 rend dc r Dcu Ische zw· 1\ umt em e fremd, der ein wesentlich statisches Lebensgefühl hat. Ihn interessiert
ricl innerlichen~. 1\'f'St'llhal'le. :dwr hewufH ein- und auszuschaltende Be- <>·ar nicht, wie eine Sache \vird und solange sie wird, soudem erst wenn
ziehung lutl. Der Fr:tJIZOSt' ist dPr 1\ uns!. "'iP J'asl alkn I lingen des Leb~ns ~ie fertlg ist. Daher,. um nnr e'in Beispiel anzuführen, die Abneigung·
gegenüber, iuklusi1e das EssJ'll und di!' Erotik . .. comwisseur", henn.er Illl des Franzosen gegen die .Tugend und seihe Schätzung des Allen, defini-
ausge6procheucn \\ orlsinn. (llitT nit· sonst ·darf ich mich neben t'Igem·r tiv Fixierten (das Kosewort, das sich gerade junge .i\I.enschen zuruüm,
\nschauung auf die lichtrollen l~in,;ichtcn ron E. R. Curtius . .da~·geslcl~t: ist "mon vieux"). Umg·ekchrl: verspricht sich der Deutsche alles \'Oll
i11 seinem \\'crk "Französischer Ccisl illl IIClll'll Europa'' u:nd lll AuJ- der Jugend, nichts kann ihm spät genug fertig werden, ja das l<'ertigc
~iilzr•n in der ";\euen Sclnwizl'l' lhmdsclwu", Ziirich. beziehen.) Es ist erledigt w1d für den Fortschritt, für die JmtgeseLzlc Bewegung aus-
i~t erstaunlich. \\·as Jür eine naliirliche und unsnobistisehc Fachkennt- acschieden und unbrauchbar. Das \Vort "Meisterschaft" hat im Deul-
nis auch der Durchschnittsfranzose insbesondere \:Y erken dc:r .i\Ialkuntst ~chen liingsl einen herabsetzenden Beiklang, man verbindet damit
g·cgcniibcr aufzuweisen hat. \Yas er spontan uucl gespriichswcise über den J3eariff des Statischen, das bei uns gleichbedeutend ist mit unleben-
eine 1\nnslh·islnng ii,tf~,erl, bezieht sich rlurchwegs auf deren kunst- diaer Starrheit, und erwartet Yon einem Meist,m· nichts, als daf., er bald
/-!'l'llliif:,l', also artistische Vollendung. innrwr erst ]n zweit·PI' Linie cinlci.'- st~rhe - weswegen wir ja so unendlich reich an den sogenmmrten
Pssiert ihn der Gefühls- und Edebnisgeba!L Das hängt !llit dem enn- "Hoffnungen" der Kun~t sind, de~~n _ni:~ eine Erfüllung folgt, währ~nd
nPnlcn \Virklichkeitssinn der Jl.a;;sc zusrunmcn, die wcnjgcr eine clc- für den Franzosen "Meisterschaft e1,nfach der so schnell als möghch
nwntarc \Vidmng zu spüren Hrmag, als Yielmeh,· sofort: dar:m Ü!l.er- zu erreiclwnde Zustand ist, in dem so lang als möglich zu Y·erharren
Pssic.rt ist, wie man dwas machL Der Franzose ist seiner Veranlagung den selbshersländlichen \Vnnsch an das Schicksal bildet. Auch der
nach durchaus Positirist. daher ist ihm auch die Kunst weniger eine' .,Früln·ollendete" ist eine typisch deutsche Erscheinungsform des
auf mystischem \Yege zustande gekommenc Emanation gölllicher Kräfte Genies.
durch das Sprachrohr begnadeter !\f enschen, als eine Sache, die der VVenden wir die Erkenntnis dieser Grundcharaktere auf die Be-
Mensch mit. der Hand macht, intlcm er seinen csprit wallen liißt. was ziehun"' zm :Musik an, so ergibt sich, daß das allgemein musische
aber auch wieder nicht. so selu ein H.eserroir von Gemütsluäfl.en ist. Verhalten des Franzosen ihn Yor jeder Art Exzeß bewalwcn wird,
als Pine Fiihigkeil, interessante tnzcs -- im höchsteil Sinn des \Yort.es daJ~ ihn aber sein Positivismus zum wesentlich unmusikalischen Men-
- zu ersinnen. Diese Anschauungsweise vcrliiiH den Franzospn mc, schen macht. Allzu schattenhaft und flüclüig sind die akustischen
sein Kunstverstündnis in diesem Silme ist .immer vo1:handen und wach, Phänomene, um ihn bedeutender zu fesseln. Das, was sichtbar tmd
nin Zustand, (lcn man als G es c h m a c k seit allen Zeiteu mil ]lcchU O'reifbar und yor allem dauerhaft und zu allen Zeiten in der Essentz
bewunderl. ~eines Wesens koutrollierbar ist, regt seine Phantasie an: das v\'erk
Dm· Deutsche hingegen LriU nach seiner 1\onstitution der Kunst ge- der bildenden Kunst, allenfalls das Thca1ter als sehr wirkEehe Mani-
wissermaßen nur an Feierlagen entgegen. Ich kenne einen sehr aus- festation des Menschen, soweit es rationalistisch bleibt. Al1cs, was den
gczeiclmeten Kenne1· und Sammler vor allem v011 ·~ltchinesischem,. al;cr Deutschen an der Musik so sehr interessiert, daß sie im allerersten
auch sonst hervorragend schönem, aus allen möghchen Kunstpcnoaen VordergNmcl seines Bewußtseins steht: ihre Inkommcnsurabilitiil, ihre
stammendem Porzellan. Seine VVohnung ist von diesen wahrhaft Flüch6gkcit, ihre IrrationaliUit, ihre oft umn'derstehliche, nnmittel-
Prlesmien Kostbarkeiten angefüllt - er selbst sitzt dazwischen un.cl bare motorische Bewegungshaftigkcit, ihre mitunter unberechenbare ltmd
henüt zt Ji.ir seinen persönlichen Gebrauch tmst.lose, billige Teller aus beunruhigende Wirkung auf das Gemütsleben, dieser ganze Komplex
dem \Varenhaus un(l widerliche Aschenbecher im Jugendstil. De1· yon Eigenschaften und Reaktionen ist dem Franzosen zuwider und
Deutsche kann eben seinen Kunstsinn ztwiichst einmal in der unglaub- verschlossen. Seine besonders nach dem Kriege in beinahe psychotisch@
lichsten Al't spezialisieren und Clann vor allem nach Beliehen aus- Formen ausgebrochene Vorliebe für Richard '"'agner ist wohl nur
schalten, eine Gabe, die ihn, ich glaube, YOI' allen anderen Völkern Überkompensation des eigenen Mankos, als Reaktion auf die bekannte,

54 55
l'a:~L tnagi~chc :\nzit>hungskr:t 1'1. de~ g1~11a IIPn Ccgensatzes zum eigenen relativ bescheidene Haltung der mit ihr befaßten Individuen. Kein fran-
\\ csc11 zu erklären. r.ösischer Musiker ist der Meinung, daß er das tägliche Brot der Nation
Ans diese11 CharakterzOgeil resultiert wniiehst dit> llallnng der fnm- fabriziert. sondern macht auf eigene Rechnung und Gefahr das, was m'
zösischen :\lusik. Sie ist. in ]hrem \\.cspn statisch. hell. klar organisiert. für o-ut ~nd richtio- hält. Freilich garantiert äie Homogenität d-ieses
überschauh:u·. endlich i11 Struktur und Tcll!lcnz. f)jp sogenannte Inncr- tl
Volkskörpers dafür:i{) daß es mcmal~
• V
absurd ~ d er ~n
"kommensurable scm•
liehhit numgcll. ihr keinesweg-s. ~ic iiul~.ert =-ich nur g-auz anders als wird was er schrCibt. Das französische Geme, wtc bedeutend es auch
in cler rlcnts'chen \ln"ik. inrJ;.~,,, ~it· nicht Ihnalllisch.··~als das \VCilcin sein :nao-, verläf.1t nie den lCreis, dem es zugehört, während das deutsche,
0
YCrwandclndc 1\ ral'l, sondern "il'derum statisch. :ds bleibende Eigen- einfach durch die Tatsache, daß es eines ist, gewissermaßen schon auto-
schaft. nmrcsch:llll "ird. ~~~ wii I'<' töricht. drr l'ranzösischru Kunst matisch aufhört, ein Deutscher wie die anderen zu sein. Dieser an sich
Scclcnlosigkcit 1orzmveri'PtL "i1• das ol'l g-csrhichl. Xm liegt. die Sach•c ~rirculiche Zustand der Vroblemlosigkeit wird zum Teil aufg-ewogen
so, daß auch St•Plisrhes fi"i r den F r:uJZIJ~I'II I'Prt i!.! , on dPr X:ilur gegeben durch die hochgradige Belanglosigkeit musikalischer Leistungen fiir das
daliegt. und I'r steHt e~ dar "i1• Pi"''" \alttn tlJ:gang oclrr besser Natur- Gesamtbewußtsein. Das ganze Metier wird nicht sehr ernst genommen
;usland. De111 Deulschrn dag·p!.!·cn ist das SPI'lisrh1• etwas aus hetero- und nimmt sich leider selbst nicht sehr ernst. Die Musik ist nhsolut:
gene" h r1iftell immer JH'U 'i·:;Jlstr•hrlllli•,; nnd i111 \\·Pchselspicl diO&er nicht Gebrauchsarlikel, sondern durchans Luxusgegcnstand, und als
Kriifle sich Ull\liJtcrbrochf'n VcnY:uJtlelnrll'~- Dn 1lil' 'llusik. wie scho~1 solcher, jedenfalls noch häufi9er und unverhüllter al 1s bei uns., Sp~_cl­
gczPigL ziemlich nn dl'J" p,.,-i,lht•J·ie dps französischen Bcwußtsoins ball von Dilettanten und Scluebcrn. Im deutschen Kuhurgebi·et fallt
wohnt, i111cstiPrl der Geisl. drr Hass1' Pin Yl'rhiiltnismiißig geringes man gern ins entgegengesetzte Extrem. Der unselige Geist. des neu-
Qn:mlum \Oll ritalen Encntil'n :UI r rlil'SI'Ill Ct·biel. ln l'o]o·e<lcsscn hat das lleutschen Zentralismus supponiert mangels einer effektiven Holllogeui-
• <.' t1 l
llletslc. was dort produzil'rl wird, l'inen ['[was :miilnisclu•JJ. diinnen tmc l:iit des Volkskörpers eine äußerliche Gleichheit der Neigungen und
atelierhaften Zup:. der ll'icht ein wenig· kunsl!tcwrrblich wirkt. Aber Bedürfnisse, und so wie den Deutschen der s~e einende Bedarf nach
aurh flns sollte nicht mn,·ur f',;roll h et·r~rg·piJoiH'~; 1wrden. weil fiir den Persil vom Himmel herab suggeriert wird, so wc.rden sie neuerdingS!
Franzosen die Bczeiclmnng .. 1\unsl.gPI\·erl;e" durchans nicht 1ll'll herab- zu kollektirem Konsum von Einheilskunst durch deren staatliche Bewirt-
sl'lzcnden Ton lllit sich führt. \Yil' i111 I>Pulschl'IL wo die YL•rbiJI(Im~g ~niJ schaftung aufgemuntert Ein schon die umnündigen Kinder erfassende.s
.. (;ewerbe" durch die :\ssozia tion niit einer an f danenHirn Gewinn rigoroses Erzi~hungssystem und in~eniöse V ~rvollk·omm?mng~cn c~e.r ]~und­
l)l'reclmelen Tiiligkei l. sogleich suspekt ,,j rd. I)Pt' Franzose sagt "arts funkoro-anisattonen sorgen, dar., kemer entrmne - es 1st w.w mn .l<..rsatz
0
dr;cnratif.~:· und meint nichl eint• di'l" I\ tlllol entgegl'ngl'selzle Bcliiligung, für die allo·emcine \V ehrpflicht. Der Grund aller dieser VenanntheitoCil
sondcm l'Jili~Jl besonders spl•zialisi••rl,·n Zwei;.r der ]\uns!. ist die Fiktion, daß der erleichterte Zt~gang und gröf.,ere Umsat;~ vo11
Eine \l"eitrre Folgl' der g"l'ringen Knpitalsanlage aul' dem GebicLc Kulturgütern auch das K:nl~urn~vcau sogleich hebe, m1cl die ii~ncrSLJc
1ler 'lfmik i~L dal~.•
nur
.
nl:tli1· srlten t'"'n-rof?,r Yilnll' Em•ro·ien
ü
offenbar
-
Ursache isl die UnharmlosigkCit des deulschcn Gemüts, das rmmer
wenlrn. oder nnl and1•rcn \\'ol'lcn. dnl:1 \l'rhiillnismiißig- wenig Natu1· "~iecler den Drang hat, spontane ··Entwicklungen des Lebens durch
in dir Kunst Pinbrirhl. l;ntei' rh•n hrutigcn MusikPm l•'ranhrichs ist Organisation ,~illk~irlich zu be?influssen. \V_ar früher eine übersehbare
mir nnr lwi Darins \1 i I h a 11 d lll'knnnt. dar:, sich seine J\Jusik unter Schicht von wtrkhch an der Kunst Interessierten vorhanden, so slch·cn
l'rf'iem Hi111mrl begibt. Ofl. spiii'L man bei ih111 dir umergle.ichliche wir heute dank der Fiktion einer umfassenden Demokratie vor einer
Sonne der Provcnn', in manchen transparenll•n Chorsiilzcn seiner uni.ibersehbarcu ?\lasse, die nichts verbindet als ihr.e Uninter~ssie.rl­
kleinen Opern, nwnclunal, \Ycnn eine Farandolc mit. Pfrifcn und Trom- heit an allem Geistigen.
meln henorbricht, niHl iibrrwiil!ig·cud ist dir Millclmecrlandschaft. in Der Positivismus bewahrt: auch hier den Franzosen YOr ciiwr sLcrilcn
1lcm grof:,artigl'n Fina],, 1lcr ,.E1~meniden''. Bei ihm wird auch di'c Herrschaft leerer Schlagworte. Bei allCil· Neigung zu Revolutionen
sonst gern YCI'Illif~,[e .. lnnl'rlichiH~ir' cridrnl.: im .Yalll're Uatelot'' oder jeder Art ist er im <?runde. höchst ~onscnativ nnd macht nie den V·cr-
in den ,Jfolheurs d'Orphr!e" brauchl man sich nichl iiber Scclenlosig- such, sich durch rdeologtsche Falschung der Tatsachen sclb~l: zu
kcit oder Gefiihlskiille zn beklagen. Bei den meisten anderen ist das betrüo-en. Aus all dem bleibt für uns zu wünschen, daf.1 wieder eine
alles rbeiJ propol'Lional zur Begabungsrli l'fcrcnz um YCrsehicclene Grade höher?e individuelle Spontaneität eintreten möge, in der es dmn CJinr.clnen
hlasscr und milleibarer. wodurch der Eindruck der Oberflächlichkeit erlaubt ist, als Schöpfer zu leisten, was ihm gut und ~10~wen~ig scheint,
cutsteht Das sind ahrr imliricluelle Unll•rschicclr. die mit cJ.erRassc als und als Genießer so viel oder so wenig zu nehmen, wie rhn freut. Dann
soleher nur insofem etwas w tun hahen. als sie ehrn im g:mzen nich!. wird unsere weit gröl~cre und intensiver-e Fülle an musikalischer Be-
viel davon zu vergeben hat.. ' gabung in jeder 'Hinsicht vielleicht wieder zu C iner menschlicheren
1

Die ausgeführten Charakterzüge wirkcu sich auch in der soziologi- Entfaltung gelangen als heute.
schen Ste11ung der 1\'Iusik im Volksleben aus. Die bescheidene RolLe,
flic die Musik im Bewußtsein des Franzosen spielt. bewirkt auch eine

56 57
BLICK AUF DEBUSSY oder ..Terrasse der ,\uclienzcn". so wird da weder gemalt (wie bei
Frederik Goldbeck (Paris) Liszt),.uoch mythifiziert (wi? bei "'agner), sondern '~st's ~~n muSii.kali,~
Claucle IJ I _,. - scher und klavicristischer He1gen, dess,cn Hhythmcn cm Stuck "natver
; . · c .J n ~ s ~-. uwsem Pif!CilwilligsiPn alkr .\[usiker. sche.int Natur und ein Stück sentimentaler Stimmung zum enlgleücmlen Phan-
cm semc~n gcht'll!IIIls\ollt!n \.\ l'>'L'JI :Ing·emessener \Ye" in rlie Geschichte tasma zusammenkoppelt _und das Ges1?en~tischc,, Schatlenlw.f:lc_.. sonst
der _Musik bcslinmll: zu st•in: so grc~[~, sein EinfluG auf alle heutige romantische YVürze, _gewmnt den unhcnnhchcn Charme mns1kahscher
.\lusik, so selts:un wenig hat sich dt!l" sonst im FragL'Il und AnLworft•u
AIIWglichkeil.
so ~-·;~s~:he kumtkritische EiJ-.~,- ntil sl'int!ll \\"prkL•n ·;;nd Problemen bc-
Debussys 0 r eh c s L l' r. zauberhaft genug im l\Iatericii-1\J:mglichcn,
scha11IfZL .\llcnlhalbcn bcgniigt 111an sich (nicltl audi'I'S als bereits seine
ycnlankt ci.ne höhere Yo!Uwmmenheit und Bekräftigung dem :Lhm ZUß'C-
er_stcn BewundPrer und Tadl,.r) iislhl'lisch in ihm Jen Imprcssio-
ordneten musikalischen GehalL Denn wo die lnsl.rumerYtc. im h_unten
111 s I~~ n :-n schf'll. historisch den lll u:; i c i (' II r l' a]] r; a is. als wel- .\V cchsel tlcr H.en·isl-cr ein in seiner Diskon linuiHil sdtr W1symphomschcs
C~l!'ll 1'1' S[('h 111il f>alriotisnHJS b(•k:lllnll' und nicht ohm: ein Gran
hokettcriP -- stiJisiPrte. Orchester bilde~. oft skurril einschneidend im Leisen, oft bizmT
gcdär:npfl in rl.cr Fiillc, dort e1·~din13'en m~ch, s~alt symmelrisch~?:r Themen.
_ G ~~~~·~[~, cnlhiill diese E liketLierung Wa h rcs. Das I risicremle und ycrkriiuselle 1 onarabesken. dw sielt meht m Yertrau.len G;mgen und
', erschlr:t?I'L". det: Dclmsspchen \\' ell. uer ganz nach Verlaines poetischer ]\'loclulalionen entwickeln, sondem unserer Gcwohnh·eit die erwarteten
.\ _orscht:d I (li? J\tHIIll:P ~Lets nwhr gilt :ds die Farbe, schafft. in der Tal ~\ uflösung·cn nncl Kadenzen, n:ut· YOn ferne, gleich ein-er Fala morgana.
dw IY!n~chc Impresswlllstiscilc Alnwsphiire aus Augenblick, Stümmnng andeulcn,G um uns stets wieder darum zu betrügen.
~~1111. ~ktzz!'. Und ebemo deutlich sind die (das Jmprcssionist;ische A nch .Pelleas nnd Melisande". das Drama, das zunächsl so sehr
ul;no·cns stark korrinicreiJdlJ!I) ]-] ". ]1-.·I' l'<IIIZOSlSC
..' · 1lCil ·]'l
~ mnente: di e
."<" • 1"l ~ :lSSlSC
1!11 provisa Lio~1s~ un ~~ Stimm un gsmu s~k ~chei11 L ~rw?ist sich als ersl<u~ 11-
G, .l'lsll·. "n k ei .'
I '·mcl1
- . "·
lll •JCel en- nnr1 ~' !'CJTcn d'mo·c.n unrl der · Zua zur lich-eriD'e SLJlcinht·!l, sobald man cmswht, dab lner das Drama eme
1~ 1 1 ~ :1 a c h h c' L zur iihersichllichen (;estallun;"" noch so komr~exen i\'lusik -
0
nieh t die Mus~k ein Drama ~lluslriert. Dü.e Sl1~mm?n (die,
Stoll ~'"· ·~
auch in Frankreich, fast lllJlller zur pars1f~lesken Psalmodw Jmßclcut~t
!)oclt der F chlct· der Formel ist 0 dnr:, sie zwa1· rlcn ]\ iins!lcr sum- werden), ~ind weder behensc~Iende M_P-lorhc, noch, umgckehr~, _must-
n·t:.m~ch ,c_lwra.kl_crisiert. ührr t~l'Jl ~[ ~Isikei' jedoch nichts aussagt. kalio;cher Notbehelf des dramatischen Dwlog~, sondern der kolm:Ls1Jschcn
Scl~hm~llCJ nor li ·.man m1r. nun etnmal phrhunderlPiaug danm gewöhnt, unrl thematischen Struktur des Orchesters eIn geordnet. Und dw Hand-
:IaL: (_Iw gnl"_ ltef_c .\h,stk lleu!sch sein miisse. dit• schöne leichl1e luno· isl, Y011 der Musik her, mit einer weit über tlen Ma~etcrlinckschon
IlaliCmsch. 1\.PIJt '~Yunder, wenn Jranzösische Musik. impressio111istische Tex~ hinausgeheJ.ldcn Plasti~illit zt~m Symbole ihrer '':·cll. umg-edeut.et.:
!10('h dazn, .erschPilll'll mnr:,tr als ein seltsames 1\omposil.um aus EsrJrit Pellcas und l\Iehsandens LICbe wrrd zum zar[.cn umnrkhchen I c1 y ll
uml i\lalcreJ. <'in es 1·crlorenen · Paradieses neben der Tragödie de1r Eifc·rsucht
. Dcb.ussys _mnsikalisclw Uriginali!üt machte es freilieh nidll leicht. Golos, des unromantis~hcn Suchers n~ch G?wie,'heit in Scclcncliugen,
~ucr s~forl ,~hc M_nsil~ zu hören .. Scln:mann und Chopin galten einst die sich seiner bürgerheben PsychologH~ cnl-Zlchcn.
<~ls ,.l,.oelcn , . \YCÜ Sie der Musik eme Sprache der Jnlimi.Uit und ]) ur eh brich L Debllssy hier kraft . der heimlichen Romantik
der. J~msamkcL!: gaben, die bisher nur der Lyrik cio·uetc. Dcbussy seiner ·:vrusik das arlislischc Prinzip, so w?iß er späber den. Iml)l'CSS'i.o-
0
<>ewmnt: fiir
~ · diP' 1"f '1- etn
11 llSl~ ." liCUeS GCJ!ül:
1 · . 1Her
· · Steht die
' • Yel'CilllSal11[C
• ' 11 ism us a u f z u h e b c l1 (im H egclschel1 Smne) clmch klaSSlSOhe vV eis-
Seele emer zcrJ'aJlenflrn .\atur gerrenüber, di·c sich hin"'chcndcr Liebe heit: In den Kammermusikwerken seiner letzten Schaff('JJ1spcriodl'l
v,ers;~gt :md sich nw:. auf _kurzet> Auge~blicke in ein gespenstisches ° o-reiH er auf bisher O'emieclene traditionelle Formen zuri.i.ck, um ihnen
~ale~clo~kop _bannen_ laß!. D1ese Grundsl1mmung· beherrscht alle gut- ~11 pressionislischen h~halt _eii_tzupassen .. mit einer _Ironlie, di,c n~clü J":i·e
111P1. css,_omsllschc 1\.tmsl. Claude Delmssv hat dazu nicht etwa den etwa die Mahlcrs) am ßl'IStigen Geft~gc des 'V·crkcs haftet, sondet'll
l1lllSJkahsche~1 ~-lil gesehal'Jen, sondern ·die musikalisclw Sprache, selbst 'der musikalischen Partikel einen '\Vidcrschc.in 1hrcr humanen
~:on der prumlt' en Vokabel bis zur feinsten "Tannnatischen Vcr- Tiefe verleiht.
as!elung. to
Das (lämonisch-zcrsclzende Element der romantischen Ausdrucks-
Zunächst ein ncucs 1\. l :t Y i er. i\Jit dem klassischen Klaücr ließ ~;ich Konventionen aufzulockern in den erstaunlichen V·orbildern klassisch-
reden, :m~, Ianzen, .n~it ~e!.n romaulischen sehw1_irme!l un~ sin9en. artistischer Vollkommenheit: das war die musikalische Sendung des
~?cbuss~ t~J.>l das sel!uge flnstcrn und horchen. Die Yn·Luoslt1il. wrrd, sehr uroßen französischen Musikers, der dem Schicksal der curopii-
uber dw 1< reude an rauschender und raffinierLcr FinO'crkunst hinaus, ischento Musik neue und gefiihrliche Bahnen öffnete.
zum Symbol der fliichtioen
.. 0 •• • b·- -
'Virklichkeit ' welche nur i'ronisehc SoUYe-
rmntal mc1ster!. lJnd wenn das Stück "Giirlen im Regen" heif.,t

58 59
ERIK SATIE klano-lichcs. Die Tonart wird wieder eingesetzt. Keine Chroma~ik,
fast keine l\'Iodulalion. Dafür eine kristallinische Durchsicht~gkei>t des
0
H. H. Stuckenschrnidt
Satzes, der nur den ersten oberflächlichen Blick mit seiner geflissent-
Le culte de Satie est dill'icile, lichen K unsLlosigkeit täuschen kann.
parce-qu'nn rtes charmes de Satie,
c'est justement le peu de prise qu'il Salie wußte, daf., man mit einem Pfeil mehr Aussichten hat, •einen
ofrre ü Ia dcification. ''Ienschen zu treffen. als mit einer Kanone. Es ist ihm stets nur darauf
.I ean Coetea u. ;IJlO'ekommcn, Menschen zu treffen. Er wollte nicht hoch hinaus und
r. l'iel daher, ein echter :Meistet·, auch nicht Yom Himmel. 'Vdch wunder-
Da!~, CL'in diese Zeit fiel, .ist Jast absurd. Fiir iln1, und nicht nur bares Kind!
für ihn, war es ein Schicksal. Er gehörte zu den ewigen Jünglingen, Dabei lag ihm niclüs ferner als die unechte, gekünstelte H riler-
zu den grol~en, bescheidenen Liichlcrn, deren tragische Heiterkeit die, keit, wie sie Yiclc der heutigen Größen gangbar gemacht lu~hen.
\Velt Yerändert. Still tmcl sehr demütig saf.> er in einem kleinen Garleu Satie crl'and die Tatsachenmusik 'Venn er ein Thema hinsetzt,
un1l arbeitete. So entstand ein '"'rrk, das diP \Jusikgeschichle. diese.s 'l(,met es wird lebendirr. l~r kPnnl die geheimen Triehe der ]\'f-c,loclic,
lmnlc Gewirr von Zufälligkeiten, umformen sollte. ~ . 'veckt si~ und zeio-t sie L'Ln hellsten Licht, ohne sie dabei zur Karikalut·
Sein Kopf, dieser weise und freundliche, ein wenig· unscheinbare :tUfzudonuem. 1\T~ß ist sein oberstes Knnstgesetz, Mag in allen Dinge11:
Faunskopf, der einem Sokrates zn gehören schien und '-beinahe einem in der Hhvlhmik, im Harmonischen, in der Form.
Biirgcr, --- dieses Gesicht mit den ühcraus :ft·öhlichcn kleinen Augen. 'Vie s~hr mue, uns ·doch aller Sinn für I'Jarmouie und Gleich-
dPm Bocksbart und den Falten der Ironie blickte auf eine \Vclt. iilwr ITewicht abhanden gekommen sein, daß das 'Vort "mäßig·" den Schein
tlt-ren Llicherlichkeil es ihre Kämpfe Ycrgaf.>. . des Subalternen, des Belanglosen hinlcr sich trügt! Nicl1ts ist llicser
Zcitgenos~c Dcbussys, übcnumpelLe er eine im Katnpf gegen die Zeit verdächtiget· als ein bcitPres Gesicht und die Almcigung g€gell
llyperromantLk unterlegene Generation. rlie dPm (hinter der Maske dc,:;. l·~xaltationcn.
1n.q >ressionisn.llls yerbo1·genen) \Yagnerismus mi't 111ngckeh rLen Vor- Es wird wohl noch einige .Jahre dauem, bis man in der Maske
~~''cl~cn huld1gte und aus ,\ngsl YOr dem Gespenst des eignen Jch der Simili-Tiefe eben die i\Inskc erkennen und sie daher ärgerlicher
111 rhc dunkelsten Kasem<Lllen dc,r Seele kroch. einer Seele. di·e sie trotz-
finden wird als - ehrliche Banalität.
dt'tll (oder gerade deshalb) leugnen wollte. .
Satie ist oft banal. Aber er ist es mil G1·azie und Geschnwck. HinlcL'
Sali!', eine sehr gerade Natur, ließ sich durch solche Fassade nicht seinen Banalitlitcn ,steckt etwas wie l'in ?l'fensch, ein echter Kerlmit <lllPin
t:.iusc!ICJJ. Er blieb: und das ist sein großes Verdienst. der einzig\~. der Empfinrlnugen, Gedankl'n und Gemeinplätzen eines i\felllschen .
.-'Ich m dem Labyrmth noch auskannte, rlns zu betreten für die kiihnstc>.n
Ceister an der Jahrhundertwende Yersuchung und Verhiingnis war. Er hat die bür()'erlichste Musik geschrieben, voll YOn guter Stube
und anter Kinders,tt1be: die Musik eines sorglosen, sehr weisen, sehr
. :Je ne tolcre. qu'~m juge: lc pnhlic, hat er einmal geschrieben. · ·onis~hen kleineu Bürgers, der übe.r sich selbst ebenso herzlich lachen
Dwses Bcwnßtsc111. emcr Masse zu dienen. dieses soziale Ver:mtwor-
lungsg_eJühl gcgeni!bcr einer 'Ydt, die ihm an Eutwicklung, Intellekl
~ann wie über die 'Vclt nnd wie die '''elf über ihn.
und. 1\.tÜt~.n· s? glrch wie die Liliputaner de!ll Gnlli,-er an Gestalt. Und so o·anz im Geheimen, Z\v'ischen Hedensarten und brayen
~chmnL .nnr seme rührendste 'fugend. Eine heroische Tugend und eine Themen macl~t er H.cvolution. ~I an merkt ~ast ga_r u'i?h ts, enyartct
l)rophet.Jschc zugleich. \'Iil ihr wies Pr einer zukünftigen Gütlürali-an ichts und auf einmal steht da em Akkorcl, l)lPgcn 1hc Shmmen 111 cune
den 'Veg. Olme ihn wäre die i\lnsik immct· tiefer in ehe Sackerasse des
II I
Hichtung, daß man au f merl,;:sam wu·c.
']
I'Art pour l'Arlismus, in die Gruft des ]Jcmmnngslosen Individ~alisnms. Genau so. ganz still und unbeachtet, findet er vo~· Dchussy Dinge
geraten. Er hat, unpathetisch und mit _graziöser Schlichtheit, klare nd Kombinationen, die diesen berühmt und heriichttgt mach.en. Alle
Kunst gcmnchL, in einer Zeit, da kein Mensch wußte, was Klarheil i:iL ~~equisiten der fortgeschrittenen Harmonik um _die Jahrhundm·.~wcn~e
noch, daß es iilwrhanpt Klarheit gibt. hat er vorweO'o-enommen. Erstaunt fand 1nan ste 20 Jahre spatet· m
seinen ersten \-vcrke11. Quartenakkordc, Noncnfolgen; PüJytona!ität, di~­
Tl. sonan te Schlüsse - man merkt es kaum. so ruhrg geht dw Mus1k
Blällem \rit· iu seinen Klaviersliickc!l. so seiteint zuerst. nichts He- ihren 'Yeg, so klassisch mutet ibr Stil an. Siehe~· hat Debussy v.iel YOII
dentsmnes geschehen. 'Vas uns auffällt,· liegt in Äußm·<.'m: Notation ihm aelernl. Und der berühmte, anerkannte Mcrster, der Repräsentant
und Klangbild weichen vom üblichen ab. Die Musik ist dünn gesetzt, einer "musica nuova, hat ihn, den Dilettanten, eifrig beschützt, hat s0ine
meist in reiner ZweistimmigkeiL Das schwere Gepäck der modernen Sarabanden instrumentiert und ihm tausend Beweise seiner Achl.1mg·
Harmonik hat sie über Bord geworfen. Herrschend isL iiberall Drei- gegeben.

60 61
Salie aber, dt~r ron1 Ruhm nicht 1iel hielt. und nidll,; llll'hr haßle. .~Ich will ein ßallcll für Hunde schreiben", sagt er zu Cocleau,
als wenn 1nan \\ esens ron ihlll nwrhle. blil'b noch <'illl' gallZl' \Yl'ile clc1:· Yorhancr hebt sich über einem Knochen". Und er schreibt Ballette;
ttnberlt·rkl 10111 Erfolge. · ~war nicht fil1· Hunde, aber sehr Jür das Publikum der Music-H nlls ~md
lll. Varietes.
\\ ir haben. da rorl1cr 1011 antlerm die Hede sein sollte. eine Kleini.Q'- Pandc". eines seiner beiden i\'leislerwerke, macht ihn berühmt:
]~;~iL \erschwiegt'.n, diP den! ersten Eindruck salie,clu•r :\lmik nnwci_gc~·­ Es 'ist' s<11 itcuartig gebaut, beginnt uncl schliel~t mit einem Fugalo.
lrrh Yerbundcn Jsl: zuniichsL erstannl man iibPr sPiJJ·P Titel. .. Stücke in ])a;r,wischen Tänze von vollkommener Schönhell: Der Schn·cllmarsch
Bimcnform'·, heil:,! Pin llcl't, "U.inge, die mun rechts und iinks ohne des chinesischen Gauklers, der Ragtime du Paquebot, der A.krobatc~­
Brille !'iehL", ;oiu aJHlt•rP~. Dit) _\;:ul!en der einzelneil Sliicke sind noch walzer und der Step der kleinen Amerikanerin - lauter klassrsche Bel-
sdl~IIJJICI'. "DiP. dil' zuyit•l redet". ",\n eine Lateme" ... Der Mmm. der spiele und Nnlzanwentlungen von modernen Tanr.rh:ytlum:m. .
,s·.I'OI:,e. ~teiue .lriigt". Zwischen die .\otenzl'ilen slrenl er Bemerku~1gen Das Buch stammt ron Cocteau. Es ist eines der schör~sl:cm BaJlel~1e,
t·m, 1\JP ,.llör doch zu'·, ... letz!: fiillL er hin" ... Da sind die Trommeln". die selbst Frankreich henorgehracht hat. I g I 8 schnob es Sahc .
.. DPI_'. unne ,\J,~nJ stirbt ror Erschöpfung" .. I)iesl' ironischen Ober~ Dieses Jahr wird entscheidend für den Zu~am~enschluß vo n sech~
schnllen und l\ommcnlare, meist YOn unwidcrslehl.icbcr K01nik. clie~e 'unuen französischen !vlusikern, die ihm \Vrchhgste;; verc an 1<en unc 1
hausPn J:infiille, sollen eigentlich kein Programm IJCzeichnen. Satic ist ~u "denen Darius .Milhaud, Francis Poulenc und Artur Honeggcr
ahsolnl: mchl: tlaraul' ans. eine Anekdote zu liPfcl'll. ~"\hel' seine Einfälle
konnnen doch '011 ihr her. Er denkt an eine Bime oder au eine Soo- gehören. , . . .
gurkc, und schrPibt dabei \l.usik: manclunal n•rlonL er wirklich c.ine Die Harmonik des \V erks, eme glcrchsam platomschc Harmonik,
hiinsliche Szene, mauehmal ist es einr Habelaisschl' Fabel. die• die wie slels heiSatie, ist noch gel~iirler und znkiiuf~.iger ~ls in frii.~t'c!·en
Phantasie lebendig macht. Ein bißchen Jwrmlosc fl'onie ~po·cn die Arbeiten. \Yie über ihr \YaHct lil der ganzen ParllLur ·emc groß7;ng?gc,
11ocll · I00

] " n "
1 ynsc Jen l! Jersclll'lllcn (oriPr Unlerschril'U)n) seiner ZciLgeno~sen
vollkommene Einheit, tlie, vom Melo? aus9·ehencl, das Tcr~1po clll~üerL
nwg auch tlazu konmJl'IJ. über allen Teilen von Parad~ sl~~ht ehe gle1?he Met~:onomz1ffer, eu~mal
für die Achtel, einmal für dre \'rerld und cmmal fur den ganzen 1akt.
on aber ist es einfach kintllidJl'S Dalhem. eine gam natre Lust am Zum ersten Male '"ird Jas Prinzip der HepeLition voll ausgenutzt..
1\()Juischcn. ein profundt•r lluJwJr, der ihn w so1chen Tollheilen
lH'~l imllll. r\ us diesem ll umor gelJicrt er die tolls lcn Ein fiille. wahn· l\oJit lustiger und erregendc,r Y m·~Johrtheil bleil?t die .iUusik bei einem
Purz•:l!).itlllJIC des ~ei:'!'~s. Selten ist st•in \Yilz aggressi 1· und auch im Takt, einem Einfall stehen, der steh dauem~l wrcd.erholl ~md. nur c1~rdh
.\ngnll hat e1· soqc•l Charllle, da!~, man die Bosheiten mnanne11 möchte. die Begebnisse auf dc.r B~hne ko~llrapunk~Iert. Wll'c~.' \y1r fn~dclll al~n­
Die_l\ri.likcr hat ?L' 1iie geliebt. Er hiilt einen Yorl:rag: "Neuliclt
r he Oslinalo-Streckcn bet Slrawmsky. Drc cJgentumlrche I• arbe 'Oll
sprach Ich uber Intelligenz nnd Musikaliliit bei den Tieren. Heule "~ll
~~rade, dieses verblüffc1~de Gemisch von Zir~uslaune n~rd ldas~isc~cr
Halluno· machte Schule lll der modern_e.n Musik. \Vas d1escr Stil SI~h
ich iihc,· l11 tclligcm 1111d Musikalil'iil. lwi rlen lüi Liker~ sprcehcn."
an allz~1 aug·enfälligem Ernst, an "Trcfc" vm:sagt, . ersetzt ~r gemal
:\liiltPrlichersei ls ist. er Scholle. 1\Ian spürt das Brilcntum in diesem genug durch Trockenh~it der .Idee und G.csc.hloss·enhert ~es ~Iandwerks.
\Yilz. der nnr zu1· Jfiilfte dem Habebissehen oder dem Vollaireschen Er hat der modernen Kunst dJC M:ctaphys1k der Clown.ene, emc ~\rt '~n
'l'I'\Yandl ist.
Tra Jez-Philosophie erschlossen_; das, . was de.r klassische Instinkt m
. .\ich ls isL il·~'" fn~mcler als ~~ie Heroik des Theaters, das Klappern Niefzsche als geniale Buffonene bezc1chncte nncl forderte .
mJt pappenen Sabeln und Blcchrustuncrcn. Er hiitrl: sieh yor der Illusion
und hiilt•t sich. zu illnsionicren. Sei1J" ganzer Stolz ist es, das AlberJH' V.
m e1ne schöne Form zu bringen. s"o daß es verkliir'l scheint und \Vir sprachen ,·on Saties platonischem ~til. Soll~e sich in ihm ein
gPhoben. · er Hellenismus ankündi{)'e,n? Früh sclmcb er em lieft langsamer
0
Dabei ist sein Geschmack unfehlbar und s<•in Hanchnrk nwisl•rrhaft. .Tänze
neu und fand fur sr~ de.n rfrte
00
• • l " G yn~nope .· t'e, zu d e~
. 'd'res " . D as \' auc;
;\her. man spiirl keinen Hanch Yon Schwere bei ihm. Anes schwebt. Sa:tie eine ziirl:liche Vorhebc. hegte, rsl .von. allen modernen ~~~sh-
1st leicht, l'lü~;sig und ron himmlischct' Tnlllsparenz. t u tl.onen büro·erlicher UnterhaltunO' de,n gneelnschcn Idealen am nach-
o
ten. Heiterkeit war fiir- dies Volko von AstlIelHcrn
00 'I unc1 Astleien
I
00

IV. ~ebensbedingung. NichtsdestmYelliger schuf es sich die Tragödie.


Zum Theater trieb ihn das Ballett. Hier konnte er seine Freud·e Auch Satic sollte seine Tragödie. schreiben. \Vas sich an weisem
:ull Tiinz<;ris<"hen, am Lupalhctischen, prodnktir machen. Auch liebLe er Ernst an bester Menschlichkeit hinter unverwüstlichem Frohsinn Ycr-
dns Publikum nnd bei aller kiinstlerischcn Rcinlwit und StrcnO'c bEch bürgen ' hatte, kan1 emma
' 1 ganz rem_..° >
ganz .Konzcu l ~'Jerl zum 'orscl 1em.
0
,, .
Cl' sielt slels der \Virkung an[ den Hörer bewußt. " :Merkwürdigerweise entstand so sem zwettes lVkrsLerwerk "Socrale".

62 63
. :'lleist:rlich ist alles in dieser musiblitsclwn D~chlung, die den Tod Lange genug haben wir mit Hilfe ästhetisierender Umschreibungeu
~' 1_nes PIHlosophcn begleitet: ihre mllkolllmene Harmonie. ilu·e melo- und poetisierender Übertragungen musikalischer Eindrücke den Geist
dische Hundnng, ihre göttliche Fonn. des musikalischen Kunstwerkes zu. begreifen v-ersucht. \\1ie aber könnmt
. Das . Ideal ist etTcicht . c'IIH-n ' J<'.Ins,
· ·t Jil,
· eme · 'I'.rao·1'k zu Hll"un
k" d cn. wir die objektiv-geistige Struktur einer l\'Iusik erfassen, wenn :tnsen•
I .··1 - 0 Untersuchungen lediglich von unserem subjekliy,en Erlebnis ausgehen?
s(Je lllemals feucht
. .· · J mc
\\He, · JuJrseig, I' · Jllc· lllal~~los. •
Hmter ·
<h(•scm·

' chmcrz. steht tncht der dnmpfc kt>llcrfcuchle Fatalismus des Zynikers. Eine Ästhetik, die den Schwerpunkt in den Hörer lcgL. kann nicht zu
~~~s Mon_tsten, ~ondem der wissende Glaube eines ;\f enscheu der iibcr (Ii~ ob jektiY gültigen Resultateil gelangen; denn sie wird slcls nur die
1 1
~ ge lnm~·egsiChl. Apollos reine Trauer, nicht rlie Haserei' des Dion)'SOS yc;·schiedcneu \'\1irkungen, die das Kunstwerk ausübt, und die ver-
SJllC"'clt
,. o ehe
. s· .
·M usr.'k · ' Je IS t ganz umrc . ]'1sch geworden: das tratwig•e schiedeneu Erlebnismöglichkeiten, die ·es zuliißt, kennen lernen, nicht
Ltcheln omes sanl lcn Goll!'s. der die \Vr>lt helrachtcl. aber seinen sacl1lichen Gehalt, seinen Geist "an sich". Dies w
leisten vermag IIU!' die Strukturanalyse; denn sie hiill sich aus-
VI. schließlich a11 das K uustwerk selbst. Damit grenzt sie sich auch gegen
. .Jeden
. -, Tao·
o fuhr der •·tlle S·t!I'e • aus cIen1 J··:111c11·1c1wu \' ororl Arcue-1'I jene p s ~, c _ho-analytisch orienlier~e Asthetik ab, Iü!· die das Kunst-
'~'. (he Stadt: J~ach ~aris. Er hatte viele Freunde. Die jungen Musiker werk lechghch der Ausgangspunkt Ist, von dem aus sie den SchaHcns-
u holten
\V' . .- YOn o· .rhm ~Ich -P1 '•tt..
• s · 'I a _a 1c1 · um1 L'Jteralen 1ernt,en· ·
von Il11n. prozeß rückwiil'[s bis in letzte menschlich-seelische Hintergründe hinein
1
w em "utei \ ater nahm er steh aller Künslc an. Auf diese \V eise zu verfolo-cn sucht. Beiden Forschungen gcgcniibrr ~ der vom I-Iörel'
gewann er bald, und ohne es selbst Zll wollen Finflnß f r .f ausachenden und der in die Psyche. des J\iinstlcrs ,eindringenden ·- hal
Entwicklun o- Frankr > ·I J>-'" . .' . ' ~ . . ·' au c lC p;ets Ig··c die.o Formanalyse eine selbständige Aufgabe. Niemand wird leugnen.
. . o . ctc lS. . It.tsso und Coctcau folgten Satie zum
Kl assizismus scu1er So(T'tle" 1 c1er Jl · · dafi das musikalische K unslwerk au C dc11 höremlen Menschen wirken
, ,_1 . . " • ' UJH ( eme beschmdene 1\'Iusiker
"mne , zum S]Jintns• rcctor c'mc1 , · epoc11<1·I cn k" ·
·•mst.1cnschen Beweo-nwr. soll: 11 icmand winl leugnen, daß das musikalische Kunstwerk um;
., ·I >brlll'wlt niemals Yurt~ilc ans seiner Senduno· O'()ZQO'Cll. stin ~md bcrl;)ulsam wird, weil es iiußeres, sin11lich faßbares Abbild licfer
,.;c tcu J Je) er, auch als clte YY•lt . ,· , '-T
. . . . · ~ Semen "amen nut " · tJ'
0
hhrfurcht nannte. lico·endcr seelischer Schichten ist, die uns u n m i LI. e l bar n ich l
In sei~Iem_ buen rehro zu ArcuCII vergraben. · zu~·iill'dich sind. Ebenso sicher aber ist es, daß das Kunstwerk, sobald
es in ~lie Erscheinungswelt tritt, auch deren Bedingungen unterworfen
0

. Dw J>J 'I1\rankheil,
I die. ihn 102!
.J 1 }lackte , c•.1·t 1·tt"
0
er· llll'L· (1Cl' G cc1u Jl
( ist. Das materiell G e11·ordene wendet sich allein an den Versland und
~~-~!es 11 osop len. A~It dem letzten Lager, umaeben von Freunden ~mcl
. ,':n.gel n>
CIS I CI I.
sagte Cl' \Vorle YOll köstlichem Frohsinn nnrl ,·ollkommencl'
.
will YOII ihm _gebilligt werden. Die Verwirklichung seiner Gcselze
und Denkformen auch im musikalischen 1\..unslwerk z.u suchen, seiner
' klall'rlichen Logik und 8ystemalik nach:r.uspiiren ist eine Aufgabe,
. Er slarh illl Somlllet· 1 <,):~ S.. IJe [ rauer t \'Oll a 1len, die .·Jung- waren clie gcwie1 nich l zu (len reizloseslcn gehört. Auch die Yord<;I'grlinde
"II) er. v
der Kunst sind inlet·cssant.
über Scrjabin, den ,.?llysliker" und .,Dionysiker", den Mmm de.r
DIE HARMONIK SCRJABINS prometheischen Phantasien, den letzten Im_pressionislen, den Synthcliker
Ein Versuch über IhrSystem und Ihre Entwicklung ln den Klavierwerken der Kiinsle und den Pro_pheten eines ncuen kultischen Gesamllmnst-
wcrkes ist genug geschrieben worden. Das Phrascngebäu.de, das auf ihm
Kurt Westphal
crrichlcl worden ist, hat seine Gestall mehr y,erdunkelt als erhellt, hat
Für jede · .Erke11nlnis ei11cs künsllct'l.scllcll •St'] · L 'UJa
' [ 1 sie uns mehr entrückt als naheg·ebrach L \Vir wollen uns wieder an
·tur .~ :r
Sl k ·1 - 1 es 1s vsc c er
k"l'll h.. ul~S~wer~e llll!)edingtC' Voraussetzung·. Denn. wie" anders den i\1 u s i k c r Scrjabin halten und seine Bedeutung für die mod~rne
°
. 1111 en " 11 den Ge1~l ctnes l\ unstwerkes •CrfahJ·en als dadurch daß wir
I 1m f<'• 1..sc·I wmung
·
Musik zu erkennen suchen. Allein mil der klanglichen Struktur seiner
,. aus .. der . nl'llcnell
' c·1rs 1\.unsLwerkcs
, '
herauslesen. ·werke wollen wir uns beschüfligcn, ohne zu tief in jene magische
, 11· 1wJmen -
.\' , . .
r .,. rt Cll
·
P '- 1a. e ~ lllll1 wnu t auch künstlerische Kräfte ~ nicht seelische Atmosphäre zu nrlieren, die ~ vielleicht ~ hinter ihrcu-
•l II sIch, sondern nur an d
. . . . cn S puren, an <1en ,,,.u k UJJ,<ren erkenrl!en. klanulichen Erscheinung liegt. Der geringe B.aum macht es leider
cIJe Sie an cmer Materre l1' t ·l· · ·
.·I· . . . m_ CJ .tssen. l-Jnc] nur d'1e Art :odwscr •
Spuren- unmÖO'lich, den harmonischen Bau von Scrjabins \Verken bis in alle
;: _.~,:bt ~ms,, au_f rhe In~cnsrtäl_ jener Kräfte zu schlicß,cn. Uns darf Ecken~:> und \Vinkcl hinein :r.u durchleuchten. Nur seine Klangidee und
_elzl~r;. J{nde_s m~llt das mtcrcssrercn, was der Künsller wollte was er seine Grundstruktur wollen wir darstellen und uns dabei Yornelunlich
•1•11 ooeJ IC 1 nut s_cmem \Verk "gemeint" hat, sondern nur das. ,;as wirk- an die späteren Klm·ienverke halten.
1tel1 o-co·eben ISt N · · >t G, CIS · t'Iges stc · }1 m · · ·bestimmten
\I 5'. lö . . . · m sowm cmem Scrjabins Klangwelt baut sich auf der Tristanhannouik auf, deren
.'·Iale1. w 1.ea 1ISiert ... hat , nur . ' sowcll es nacl1 ~ ß
ull ,Jen,
d ]
. I. 111· d'Ie -E'!'- Spannu'ngsbeziehungen er als einziger wesentlich verrnehrl und Yer-
~(. lCilltmgswelt prO.JIZIPI't rsl, ist es füe uns da. sc:härfl hat; er ist zugleich der einzige, der den Bereich der Tonalität

64 65
lind 1lcr l'unklioncllen llarntottik n<lrh allen :'lrilcn bis an seine dem ist Scrjabin cm so L'mincnf.er Könucr, daß es ihm gelingt. dem
iiußrrsleu Enrlcn abgrscltriltPn ist. lJ h 11 I' ihn je zu Yerlasscn. Das Nonenakkord. auf den als eine akknrdliche Grundbasis das gesamt·~
i?l. das Lngcheurc und Groß1~ an Scrjabins klang1Ydl. (und clas lrcunt Klango·esehehen bezogen bleibt, größte Vielgestaltigkeit zu vcrkihcn. Er
~rc wn der ScltüniH•rg,;). da!:. sie s~lbsl. dorl. 1\0 sie' bt·r·eits in die IJ!'cli 1 ~~ sich dabei haupts1ichlich drcicr Mittel. Das erste licgl im
::iphiire dcs.schl'inbar .\lonalt'JJ Jllld Anar('ltischl'n rricht -·- wie in den \Ycchsel der Lage. Andcrt sich auch die einmal festgesc1zlc Struktur
Prcludes op. 1 11 - - - immer ruwlt \On rinrr Geselzlichkeil beherrscht des Grundakkordes nicht, so treten Beispiel 1
i~t, die :;;irl~ \OI~ <ler Ton;~liliit ltcrll'il:et. \\-l'kh t•in \Vcg li·egL zwisdwn doch seine einzelnen Töne in ein
dem YOn Chopm ablüingJg·en Des-dur-\ \alzcr •) des Vic•rzl'llll jührigm immer neu es intervallisches Verh1ilt-
u_nd den_ er":ühnten Prelnd~·s _op. 7 ''· Es isl der \\cg l'incr ~ystcma­ nis zueinander. So stellt sich z. 13.
IIschcn l~l'IH'lll'rnng der aul ehe Terz geslt•lllt•Jr llarmonik. Dieser \Vcg· der Dominantundezimenakkord m
zet_Igt 1:on einer Plaurniif~,igkl'iL nncl Pil~cr kiinsllnischen Log.ik. wie si~ [olg-cndcn Gestalten dar:
ber kemcm amlcrn mod1•rnrn l\onq1onisll'n rauso-enommen ricllcicht
Srhönbcrg) Yorhamlcn isl. 'Ii rgenrls findet ~ich a spnuwhaftrs Vor- Das zweite :\Iittcl ist das der melodischen Umschreibung. Der
'liirtsgchcn, jeder neue Schritt. ~irn llarrlllmischen ist du~ch ein oder Crundklann· wird YOll einer Fiille kleiner und kleinster mclodisc~lCl'
rnPhrC'rc \\'crke. belegt. l~inien, cli~ ülwrall angesetzt sind, überall hCl:rorhrechen,_ förm!rch
Der Kern der Scrjubinschcn llar111onik .ist der Dominanlnon·cn- überspült -- doch so, daß seine. q-rundge~talt hn~ter den SI?h glei_ch-
akkord, der in den nrschicdcnslcu ,\lt.erationsl'ormcn ai)O'cwandelt und ·un ]JOlV]lenarlio· n:o·enden ~·JoLIYiloskeln stets srchlbnr blcJbt. Dmse
V<
l'~i;· _j edc.~ erk rrnd:r~ form u~iert wird. Halle der D rcikl1ng sdwn im s,
mclodiscire .I LJ "
Aul'löstn_Ig I'
d~s ~nmdklanges_, c rcsc
\' ~r.lci'l ung ~cmer B. e-
0

....1r~slan seutc donumcrcnde Stellung Yerlorcn. ~o wird c.r bei. Scrjabin slandteile unler 'llotnc, ehe m den Y.erscluedenslen Stimmen liegen, grbt
rol~1g verdrängt; denn seinf\ beharrende Kraft würde den von;·ürts- Scrjrrbins 1\laYiersalz den eigentümlich durchbrochenen, ofast möchte
IL 1 •5 uo
lrerbendcn harmonischen Strom unterbrechen. Tritt der DrciklanO', mit · -1 ' ~aen ' zericlzlen
• .
Charakter. Das . Zusammensetzen
,
des Grundklanges
<~<: 1 :1 z_ugleic_h je~e '~cndenz. zur Befestigung einer Tonika aufgelwbe,n ans mehreren i\Ioltven, das melodische Aufrollen Beispiel 2
"Hel, 111_ cle1 !t. So11,tte wemgslens noch am Schluß aul', um somit die ~einer vertikalen Gestalt erinnert an Schönbergs
~an.lloms:he BeiYegm~~ zu .~·erschließen. so rc~·schwindet er nach op. 53 ~wölftonfechnik ~); auch bei Scrjabin ergibt sich
"anz. l?a:; g esam le ktmghchc Geschehen wird YOn der Tonika. auf die ,- 0 llständige Gestalt Lles Grundklanges of't erst
l~ercn SJ,chr_rer Gru_ndlag-e es Yorher geruht halle, nunHHfhr aussclllief.J- aus der Summe der Töne eines oder _n_1chrerer
hch ~ui eh? Dm_mnm~te. verpflanzt. Das Bestreben, die gesamte aus- Takte. :Man betrachte folgende Expos1hon des
gebr?Itcte 1\laHghchkeJt m ein einziges, ni.rgends durchbrnchcnes har- Undezimenakkordes a, cis, e, g, h, clis:
momschcs ~pannur;gsfcld zu Ycrwandeln, mußte den DreiklanO' nus-
schalten. _Der Domma~llnonenakkonl wird der hm·monische Bezi~lumo·s­ Das dritte und wichtigste i:vliUel aber ist das der Transpo-sition. So
punkt. honseque!lt '.nrd er in den spätereil \Verkcn zum Unclezim~n­ besteht z. B. das Poeme, op. 52, Nr. I, nm· aus zwei :i'l'lotivlmmpl:::en
akku!·cl uml .schhef:,flch z~t,m Tredczimenakkord (b, d, f, as, c. es, g) zu je drei Takten. Aus ihrer vi?lfac~lCn, unverände.rtei~ Transpo~Itwn
c;·well.ert, mit d~m der I erzenzirkel sich schließt. In diesem wai ten ·elzt sich das ganze Stiick mosmkarl.1g zusammen. Erfahrt der Klan_g
(,eflecl~t hängt drc gcsrrm_tc klangliche Gestaltung. Stcl.s bleibt sie inncr- :- f diese '\Veise zwar keine eigentliche Veründerung, so erleben wn·
h~~b . c~es?r -~ur~h. den. l\ 011ena~~ord gegebenen labilen Spannw1g; nie :\~eh das immerhin reiZ\'olle Spiel einer fortwährenden V.errückung
l·cuna 0 Sie u?ei Sie lnnauszadrangen, da nach AusschaltunO' des Drei- seiner Höhenlage.
~laHges der, ~o'!cnakl_wrd nichL mehr in die endgiiltigere, al~schließendD Betrachten wir nun di~ einzelnen Stadien, die der Nonenakkord in
} orm der. ] OJillm cmgehcn lmnn. Diese Form der Kl:maaeslaltun<>. Scrjabins let~ten '\V.~rken durcl~läu~t. Der 5. SonalTe, op. 53, und den
welc!JC _au~ dem Ul!aufgelöslcn Dominantklang verharrt, hel~t Scrjabiri~~ zu ihr gchöngen Stucken, op . .n, Nr. 4, op. 52, Nr. r und ?,
?P· 5g,
Musik 111 Jenen gleichsam daucmden, nie a.ufgchobcn,cn klano-lichen Er- Nr. 1 , und der Nonene~üde, op. 65, N~. r, untcr:legt ScrJabm de~1
regungszusland. v
Dominantnonenakkord mlt altenerter Qumtc. An diesen vVerken, mll
~. -~1 a~r :_ö'!llle m_eineJ~, dar~ ~licse bewußte und selbstgewählte Be- denen sich Scrjabin am tiefsten in Debussys Klangreich hineinbewegl,
,.,clu,ml~unb 11~1 H~rmomschen cme Verarmung des musikalischen Aus- wird es offenbar, daß die Ganztonleiter aus der Zcrlcgung des Noncm.-
dnicks !'ach srch_ :r.IChcn müsse. Das jst gcwie, nicht unrioh1Ji0'; dafür er- akkordes hcnorgegrrngen ist; denn der zum Undezimenakkord erweiterte
zeugt sw aber eme ungewöhnliche Einhcitlichke·i.t unrl Syst~mat.ik. Zu-
''') Anmerkung: Mit dem Unterschied, daß bei der Zwölftontechnik die
") Anmerkung. Er ist zusammen mil einem I\anon des elfjährigen Akkorde ans den Tönen der Leiter gebildet werden, wührend hier die
Scrjahin unliingst erschienen. Leiter aus der Zerlcgung des Akkordischen gewonnen wird.

66 67
alteriert!) Nonenakkord rnlhiilt sämlliche Töne der Ganzlonleilcr in ~ich Die 8. Sonate, ein gigantisches W crk und '~ahrlich, wert, daß sie
(h, cl. fis, as, c. e). häufi()'er im Konzertsaal erschiene, ruht auf emem Terzakkord, der
in sei~er vollständigen Gestalt so heif.1t (Beispiel 8 a): . .
Docl~ ersl mit der ü. und 7· Sonall• bnginnl Scrjabins cnlschci- Betsptel Sa
tlcndc.Hmwcndung zu der nur ihm gemätH)n Klang- Der Baß umschreibt. ihn mehrfach so:
Beispiel 3
welt, 1n der jedem \Vcrk eine bestimmte Allera- Beispiel Sb
tionsform des Nonenakkordes zugrunde gelc;.:-t ist. ~~ t :s: ,,~ ~~, (Beispiel 8 b) :
ln rlcr fi. Sonate heißt sie: ~- -·

. Der Kern dieses Terzenklanges ist b, des, Jis, a. Daraus ergibt sich die
Einen Begriff möge die folgende Stelle vermitteln:
.l~ctler c,. ~les, c, fis,. (g). a; b. Das folgende Beispiel ruht anJ eilwr.
lral!SJlOSJIJOn um cmc kleme Tcrll (Beispiel !1 a). der akkordische

. . . ,·-· ! ':· ~'


Beispiel 9
Schlue, des \ \'crkes bringt den Gnmdkbng- noch einmal .in ncdriing-
le~ler GPslalt (Beispiel (1 b): L tl

Beispiel 4a

Auch zu dieser Sonate gehür:n eine Beispiel 10


H.eihe kleiner Klavierstücke, mtt denen
sie gewissermaßen eine Fan~ilie ~il­
det. Dem gleichen Klangrm~h su~d
z. B., wie der Anfang zmgt, d1e
Guirlandes", op. 73,Nr. I, entwachsen.
"
Immerhin entbehrt diese 6. Souale noch !lcr unbedinf)"len Kon- Du. uns die g. und 10. Sonate in harmonischer Hinsicht nicht viel
sc<ltwnz in clcr harmonischen Entwicklung. Mehrfach treten P~rlicn auf, N eues zu sagen haben, wollen wir uns nur noch Sc~jabins letzten
die in fremde akl~orc1lichr, Bereiche hineingreifen. S.ichcr Ji,cgl hier das Klavierwerkcn, den Preludes, ?P· 7 4, zuwen~·en. _Sc~?n. m der. 7· u11:d
Bestreben nach hontrasten vor. (Durchsetzt doch auch Dcbussy sein 8. Sonate fiel es auf, daß d1e Orth.ographl~ w1llku~hcher wud. _S1e
P1:clu~le "Voile", d;~s Yöllig auf der ~anztonleitcr stcltt, ganz unc1:warlcl verwischt die Terzstruktur of_t genug, mdem slC. etw~ cl1e_,.groß~ S~ptlme
nut emer scchslakbgen Es-moll-Pcnoclc.) Die 7· Sonate, clie ich neben als verminderte Oktave schreibt. In op. 74 schemt d~;~ Harmomk, wollte
der 5· und 8. fiir Scrjabins man der Orthographie glauben, q-anz neuartig_ zu . sem. Und doch ent-
Beispiel 5, fi, 7
geHialstes Werk halten hüllt sie bei schärferem Zusehen 1hrc Zugehöngkett zu der Klangform,
möchte, ist einbei tl ich er. Der w~e sie in den letzten Somlf en konstruiert Beispietll a, 11 b, tt c
Grundakkord ist der gleiche
ist. Ein Akkord wie der erste aus op. 74, Nr. 4
wie in der 6. Sonate. Doch
(ßreispiel I I a) zeigt.- ungeschrieben - die
hildct. Scrjabin au~ ihm die
gleiche Struktur w1e der Kernakkord der

:r:;r:!'~:
Leiler b, ( c), des, e, fis,
7 . Sonate (B.eispiel I~ b ~' und ein Zusammen-

t2·~~:rl:~:~~·~;t~~;t,:1i ~: ::··
klang wie cl1eser (Beispiel I I c) .
ist gebaut wie der der 8. Sonat~: - d1ese _Wer~e .. steh CI! auf. der

!
Grenze. Sie sind klanglich von ~mer Kühnheit, die. uber Sich. hmaus
5)· Sem Kernakkord (b des . ~ "-· =: "=. in das weite Gebiet der Atonahtät, d. h. der mcht funktiOnellen
f~s, a) wirc~ in längeren' Par~ • - I
Klangwell, weist.
~"" mehr!.~ eh pemllel gefüln'i (H,;,";,J 6). ~ ~I
~elhst pwm.st~schc F~guren umschreiben, den
Grundakkotd, etwa m der folrrenden
10 I•onll
~ Jf 3 ~: I
----=2] .\__., •
(Bcispicl7): p · 1

68 69
MOUSSORGSKY REDIVIVUS heit von ?doussorgsky so gut wie gar nichts wüßte, griff die von
Hans F. Redlich Rimsky bereits zn Lebzeiten des Freundes verbreitete Legende vou
I. dem technischen Dilettantismus Moussorgskys auf, und behauptete so-
Yor etwa einem Dezennium wurde der im .Jahre 1881 -· dem gar, die Proclukle dieses zügellosen "Säufer-Genies" wären nur in der
Tof~csja_hr Doslojcwskis - ,:erstorbene .Modest Moussorgsky nach fast nachhelfenden Bearbeitung Rimskys überhaupt genießbar. Die andere
40 ]ähngem, llll!" dnrcb seltene und fragwürdige YVi·edcrbclcbungsycr- Partei behauptete kraß das Gegenteil, bekämpfte Rimsky aufs
~~H:Iw un!erhrodwncm. kiinstlerischcm Sd1cintmk fiir Europn neu ent- sch1irfste und verlangte immer heftiger nach den Urfa~sungen
deckt. Im ersten - hegn'iflirhcrwcisc kritiklosen - Sturm der 13e- dm· Werke. Es isl erst zirka drei Jahre her und wohl jedem
gci~tcruug 11ahm mau die l'a.szinicrenclen Schüpl'nngcn des russischen Musiker erinnerlich, wie stark der in der "M:usil;;:_" erschienene
.\rc1slers in jeder irgend ·crn:ichbaren Form hin .. .Instrurnentierle'' Ycr- Artike1 wirkte, den Egon "\Vellesz, der als einer der ersten Einblick
ballhonnrngen, .. praktische" Bearbeitungen, die sclhamslen und un- in den Kluvierauszug des "Urboris" erhielt, in seiner ruhig ver-
llliigliehsl;!n Zusammeuslcllungcn \Yaren in f1en gutgemeinten \Verbe- erleichenden und damit. zugleich anklagenden Objektivität scluicb. Die-
konzerlcn :jener Zeit an der Tagesordnung. An den vorlumde11cn Aus- ~er von Paul Lasum besorgte Klavierauszug des "Urboris" führte bald
gaben der \V erke hatte man um so weniger Gn111d zu zwei fein, als nach seiner Publikation zu der im Frühjar 1928 erfolgten Urauf-
,-ie ja den eigentlichen Materialbezirk der Monssorgsky-Henaissalll:e au~­ führung des "Urboris" am Staatlichen akademischen Theater in Lenin-
machl.en. über·dies wußte man YOn ungefiihr, daß diese Ausgaben zum O"rad. Der ungeheure Erfolg dieser Aufführung (siehe den insh·nktiven
größten Teil nat:h Monssorgskys Tode vo11 sei11ell1 besten Freunde, dem Bericht J. Glebows im Maiheft des "Anbruch", 1928) veranlaßte die
\\T~t berühmteren Komponisten Hin1sky-Korssakow, aufs gcwisscn- rührige Musiksektion des russischen Staatsverlages, sogleich mit dc1·
haltesle besorgt worden waren. Dazu kam noch, daf., die Grenzen des Gesamt a u s gab e der .i\'Ioussorgskyschen Schöpfungen unter Zu-
jungen Sowjetstaates auch in geistiger Beziehung damals für ·west- O"rumlelegung der Originalmanuskripte zu beginnen. Nun sind nach ! I

europa gesperrt waren und infolgedessen etwaige Forschungen in russi- dem "ßoris" und diversen kleineren Vokalwerken vor kurzem die in
schen Bibliotheken nach den Origillalmanuskriptell als Ding der Deutschland seit Jahren bekannten und meist a u. f g c führten
l nmiiglichkrit gehen durften. Endlir·h gab es in diesen Jahren weder in "Lieder und Tänze des Todes" in der bibliographisch wie text-
I )l'u!.schland noch in Frankreich irgendwelche ernst zu nehmende. kri- kritisch gleich musterhaften Ausgabe von Paul Lamm erschienen. Ein
tisch-IYissenschaftliche Arbeiten über die Probleme der 11eueren russi- Vergle:ich zwischen den beid<:Jn nun vorliegenden Fassungen des Werkes
schen Musik. So war es kein vVundel', daP., die - großen Teils bei liefert ein erschütterndes Endresultat: Wir haben diese unvergänglich
Br'ssd (Petersburg), resp. Belaieff (Leipzig) erschienrnen siimtlich schönen, alle Schauer des Todes bewahrenden Gesänge in einer "Bear-
Yon Himsky-Korssakow redigierten posthumen Ansgaben Konzertsäle beitung" kennen und lieben gelernt, die einer - - Fälschung nahe-
und Theater überschwemmten und auch die Grundlao·en für die bei kommt. Denn diese Gesänge sind tausendmal schöner, kühner, geheim-
Petcrs cr·schiencncn d c u t s c h e n Neudrucke bildete~!. Die .. Bilder n:isreicher, aLs es der "bon sens" des in einer klassizistischen Akademi-
Pincr Ausstellung". "Kinderstube", .. Lieder und Tiinze des Todes", end- kerideologie befangenen Schulmeisters Rimsky wahr haben wollte. Es
lich ,. Boris Godunow" lenllcn wir alle in der von Himsky-Korssakow ist noch halbwegs zu begreifen, daß ein Rimsky im Jahre 1881 -
gebilligten Form ken~1en und ~-lieben. Nur wenige Jahre vergingen -- noch nicht reif fiir die harmonischen und modulatorischen Kühnheiten
nnd schon wurden dte ersten Slunmcn hüben und driiben Jaul. die ge- seines größeren Freundes - im ersten Herausgebereifer sich zu dem
bictm·isch den 1\Joussorgskyschcu Urtext verlangten und der ~achlaß­ künstlerischen ,,faux pas" seiner ersten "Ausgaben" hinreißen ließ.
vcrwaltcrpraxis Himskys mit kritischem Zweifel zu Leibe rückfe11. Daß er aber seinen Freund noch um 27 Jahne· überleben und zugleich
Zugleich mil dem steigenden Interesse an rnssischer Musik in Deut- diese höchst fragwürdige Praxis ohne wesentliche Gewissensbisse fort-
land begannen die wissenschafllichen Arbeiten 0. v. Riessmanns, führen durfte - dieser Umstand gibt seinem VerhijJtnis zum Lebens-
h.. Y. \Yolfurls elc. zu wirken, die das unbedenklich zur historischen werk Moussorgskys eine deutliche Nuanoe von Ressentiment. Rimsky
Phrase erstarrte "offiziöse" Freundschaftsverhältnis Moussorgsky- hat mehrmals offen von der "Haßliebe" g,csproohen, die ihn im Dann-
Himsky in ganz nenem, eigenartigem Licht erscheinen ließen. Zur kreis des Moussorgskyschen Oeuvres festhalte. Zugleich hat er, wie
~elben Zeit siekerlen die ersten Nachrichten von der Auffindung zahl- Paul Lamm berichtet, mehreren dioser "Ausgaben" urspriinglich die
reicher J\Ioussorgskyscher Originalmanuskripte durch, deren Aktualitiil eigenartige Bezeichnung "in freier Nacherzählw1g" beiig:egcben. Soviel
nun nach dem sp1ilen Verscheiden Himskys und der wieder beginnen- steht jedenfalls fest, daß Moussorgskys Lehenswerk nnt der gefähr-
den geistigen 1\ ommunikation zwischen Hußland und dem "\Veslen sich lichen Kraft der Faszination dem biederen, korrekt- miliUirischen
lüglieh vcrhundertl'achtc. Die neue Bewegung führte zwanglos zur Selfmademan H.imsk:y zum verhängnisvollen Komplex wurde und ihn
Konsliluiernng- zweier Parteien. Die eine Partei hielt zu Him.sky, argu- zu einem zweideutigen Verfahren antrieb, das zu seriner offiziellen
menliPrll'. dat:, ohne l{irnskys ,.rnaif'nlisrhc" Verdienste die J\1ensch- "VVohlerzogenheil und Urbanität in schreiendem "\Vidcrspruch stand.

70 71
Unmittelbar darauf hat B.imsky zwei Quintsextakkorde, die in ihrer
· k 1 : t'scl1e11 Verwendunrr für den ~anzcn Zyklus als besonderes
JJ. rern o OJJS r t> . u • l 2) 1 d.
BCisp~e . ~nc 1~s
" ( •
Stilmerkmal charakteristisch sind: "vcremfacht
Die Fül1rung der Sing,;timme sowie die Art ihrer Deklamation I_wJ Verfahren bei 8 ä m t l ich e n Qum~scxtakkorden der L1edei ~~ü stup:-
Rimsky immerhin in den meisten Fällen UIIangel~L~tel gelassen, hm-
gegen rler harmoni,ch-morlnlalorisclwn Eigenart sowie den satztech- .
K~
c1er onsequcn ,
St' f"l
r, anrrewan.clt. Auf Seite 8 der Lammsehen Aus 0 .1be wud
·ung
a
des " Dilettanten"
.
in .·'. zwmgen
d " ~"T • rr
er . , n ,mse. vom J\.Oin-
nischen Problemen Moussorgskyschen Klarierstils gröf:,fe .. Aufmerk- lle
I HTI!11U l i , ... . .
ponrs · t en c]es " .Mozart,,
und Sahen bencht1gt (Betsprcl .3).
samkeit" W'widmeL Der Himskysche Klaviersalz nimmt sich neben dem
Original :;us wie eine jener iib.len ,.erleichterten Bearbeitungen" Wag-
nerscher KlaYierauszüge ueben <lcr Parlilur. Die <huchaus ueuarl-igcn.
impressionislist:h mnpfundenen Klangwirkungen, di,e l\Joussorgsky mit-
tels kühner Pedaltechnik und zum Teil hereits im Sinne Dcbussys
dem Kl:wier enllockl. 111achen auf den :l'ntal g.cbildelcn Himsky ni~ht
den geringsten Einr]rnck. fiher ClenwnLi und Kuhlau niemals \Yeit hm-
ausgekomiJlcn, "bearbeitet'' .er den Moussorgskyschen Klnl'iersatz im
Sinne ei\1er •.. KlaYierschule für <lie reifere .Tugend", läßt prinzipiell alle
Verdopplungen weg, mildert Spriinge. schall,ct. Pednlwirkungen gänzlich
aus, ändert. jeden zweiten Doppelgriff, jeden vollgriffigen Akkord zu-
gunsten einer benachbarten Trivialität. Das B.cstreben nach ,,leichter
Spiclbarkeil" verführt den russischen Bcckmcsscr zur Erfindm1g gam
neuer, erschreckend banaler Begleitstimmen. Kein Modulationstakt,
kein rriu farbig empfundener Zusammenklang darf ungeschoren pas-
sieren. alles - Takteinteilung, Tonart, Dynamik, T.empobezeiclmungen ~-JHI::

- wird nach den Satzungeu eine1' musikalischen Hand\\'\Crkslehre zu- " I


rechtgcschneiderl, nehen der \Vagncrs Meistersingerzunft als revolu-
tionärer Klub gelten kann. Daf, diese H.edaktionsarbeit zum Teil auf
Kosten der musikalischen Logik im handgreiflichslen Sinne vor sich
geht, ficht den "strengen Logiker", den .,vorzüglichen Kontrapunk-
tistcn", das "geistige Haupt der großen Musikepoche Hußlands" nicht Auf derselben Seite verwandelte sich ein_ Mousso~·gsk):sche~;. "accen-
an. Verhältnismäßig am wenigsten hat sich Himsky am "Fe I d her r". t.uato" in der ,,f_reien Nacherzäh~ung" ~lunskys. m e~n (s~:m!os~~­
dem Schlußstück des Zyklus, vergangen. Zwar hat er das Lied unver~ ..aecellcrando". Dre folgenden Seüen brmgen _emc ~tmunfu]u ~nt>~­
stündlicherweise vou h Hach g moll transponiert und ihm durch die Üilschung nach der anderen, von denen nur dJC st:hlnnmste hCJ au~
aus dieser Tran~posilion erwachsene neue .1\fodulationsfolge den heroi- aearifien sei (BcisrJiel 4):
::> b '
schen Charakter genommen, den inshesondere der in eisernem d moll
ausklingende Schluf, aufweist: zwm· fehlen wjdüig,e Tempobezeich-
nungen; es sind die üblichen klavieristischen "Erleichterungen" an
allen vollgriffigen Stellen angebracht, aber - die melodisch-harmoni-
sche Substanz isl intakt geblieben. Im "Wie g .e n l i e d" wagt sich der
"freie Nacherzäbler" schon freier hervor. Gleich auf der ersten Seite.
gibt es eine auffallende und un.erkliirliche Verschiedenheit in der
Führung der Singstimme (Bci~;piel 1.):
.B...to-.1 Die feierlichen Akkorde des Todes, die mit hypnotischer Starrh?it
I ied hindurch von Monssorgsky stets m derselben \iVmse
*) M I~· lfJ c1as ganze _,
aese t z SlllC '
. . ~
, t · 1 trennt Runsky 111 der Koda es
d
1 .
L' d 1... l' I ' , l
1e es p olz 1c 1 omc 1
d . ]
"· . 'tatil'ische Viertelpause und macht c annt aus em myst1sc 1en
cme rezi f B l' ..
Charakter der Phrase eine open1ha tc ana üat. . al.l 1 un c.le ,,u"ble "
D o 'l 1'
*)R tß J . f"] runu der traumhaften Schlußtakte keme Hube ltcP.,, kmm
Stm1 m u 1 " · .. I
nac l1 oIJI·aer· Schilderung mcht mehr u Jerrasc 1en
I . . l Dr:) .
(B mspw
·
0
•) M c_, Moussorgsky, R = Rimsky.
73
l Tonika (sie!), wobei es wenig verschl~gt, wenn dem ~b~reifrigen _Re-
dakteur gleich zweimal derselbe wescnthche Lapsus (BeiSpiel 8) passiert.
R

Eine Untersuchung der beiden folgenden Hauptstücke "Serenade"


und "Trcpak" ~·?rdcrt. eine Fülle kiinstlcrisclwr Greueltaten zutage.
Man kann ohne Ubertrcibung sagen, daß in diesen Gcsän()'cn kein Takt
:e:~:: ·j ,J ~~; J~J'~i1a J
ohne Zus~tz~ oder ~eglassungcn geblieben ist. Die bctMoussorgsky
so großartig Im Kla\1erpart gestaltete russische Frühlino-snachtsti.mmung
der "Se r c 11 a d e" mit ihren gnnz pointillistisch ver"~endcten, an De-
l~ussy. genwh~wndcn Sekund- und Quintsextdoppelungen muß dem Rn-
honahsten Hunsky höchst unsympathisch erschienen sein. Er ai·bcitete
Jlugs die verdächtigen Doppelgriffe um -- das Resultat sind Kuhlau-
sche Sextenübungen ge~vord,en · (Beispiel 6):
:l: ::·::::>~ J: 4
:·: tQV"1/·t·l

Re: ~; ~ 1J··l
Ssl'· 6.,

Der dritte Vers ist wieder intakt geblieben, dagegen hat Rimsky
in der abklingenden Koda gegen alle Quintsextkombinationen unbarm-
herzig gewütet (siehe Beispiel 9).

:f:: : : ·t i J:: I jJJ I iJ J.

-~er nun ~olgendc erste. R?manzenve~s mit seiner unvergänglich


schonen melodischen Kurve Ist m allen Emzelheiten erstaunlicherweis-e
i~takt geblieben, dafür .kommt der Rimskysche Bocksbart in den übcr-
Re;::::::: ;l J.1:: J; ~. 1 1
Im "T r e p a k" erreichen die Nacherzählungsk.ünste Rimskys !hr~n
Höhepunkt. In diesem dämonischen Prototyl? russ1sch~r. T~nz~11;'-SI~. Ist
lmtungstakten 7.ll~1 zwmten Vers zum Vorschein. Die wissend naive (in b h täblich kein Stein auf dem anderen geblieben. Gletch d1e VlSlOnaren
Maltiers Symphomen später zum wichtigsten Tonsymbol erhobene) Wen-
dung. von Dur nach Moll (Beispiel 7 a) entsprach jedenfalls nicht dem
Q~~n~folgen des Anfangs hat der s:hnöde Rimsky in ,Pll;'-mper, alle~n
Tonartgefühl hohn~prechender .Wms~ abgeändert .~B~tsptel 10): DlC
~lassischcn Forn~gcf~hl d~s ~achcrzählers. ~r tilgte sie mit erstaun- nun folgende Einle1tung zum eige~thchen _"Trepak ..1st zwar b~s auf
heher Skrupellosigkeit (Beispiel 7 b ). Das WI1ederholt sich analo()' nach
dem z~vcitcn Vers. Der harmonisch kompliziert gehaltene Mitteltei'! wird Kl · 'gkeiten in ihrer Substanz glmch geblieben, dafur wurde dre der
·uktur der Melodie durchaus entsprech en d e v·Iervierte
St1etnl · 1tak t-E'mtru·1ung
von lhmsky der "leichteren Lesbarkeit" halber von Ges nach Fis um-
d . Originals durch eine die musikalische Linie brüsk zerstörende Zwei-
geschrieben, und zwar als Funktion einer nicht vorhandenen h-moll-
vi:~tel-Einteilung ersetzt. Das reizvolle Wechselspiel zw~i- und .dn~i-
74
75
Stelle der "leichteren Spielbarke~t" halber so ab_: daß die. Mi~elstimmen
t~iligcr Rhythmc~1 - von Moussorgsky durch abwechselnden Vier-
des Originals zwar unter den T1s~h fall~n, dafur abe~ eme <;>d~ akkor-
v:~rtel- und . Drmhal?takt plastisch markiert - vermischt sich bei
dische Begleitfigur als "Novum an 1hre Stelle tritt (Betspt'el I 2 ).
l\l~nsk! .zu eme.r. ~phsch l~öchst undurchsichtigen Zwciviertel-Episode,
be1 der .J~de pe~IOdi~che Ghederung verloren geht. Was aus zwei Takten J3>f" 12
..
.. 1-----
des Ongmals m lhmskys "Nacherzählung" wird, zeigt Beispi-el I I:

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J - .h ,.....-. ~:::-:.- l
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.;;.. "-=:::j Und so geht es unaufhaltsam weiter . . . Moussorgskys chro-
'
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-- ... __.J
natisch heulender Schneesturm wird von Rimsky nac~ bewährtem
Rezept unschädlich gemacht (Beispiel 13). .

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i ·R

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-
... } ..
~

.JD .J.J f.l .K ('i":\ " Die darauf folgende Koda leidet wieder unter der unmöglichen Takt-
einteilung Rimskys, der _alles, was ni~ht der alleinseligmachenden Rcht-
).

R.
taktigen Periode entspncht, beschnmdet und zurechtst~tzt. Ans.onsten
J
..
•'-../

· t diese Episode in ihrer Grundsubstanz unversehrt geblichen. D1e sen-


~
~ 1-(t- 1~blen Harmonien des völligen Schlusses müssen jedoch des Altmeisters
-f- + C'i--
'7'
.... ~öchste Mißbilligung erregt habe?· E~ r~fft sich daher zu ·einem Ge-
waltstreich auf un~ verwand~lte s1e m1~ m_nem. Zauberschlage samt und
Ein gleich darauf einsetzendes Unisono zwischen der Oberstimme
sonders in betrübhche Plahtüden (Be1spml 14).
de-s Klaviers und der Singstimme stört den Altmeister. Er ändert die
77
76
•,

I.

ZU GASELLAS AUFSATZ "SCARLATTIANA"


Der Aufsatz Casellas im Jamwrllell des ":\.nbrucll'· Jwt so-
wohl durch seine ästhetischen a·ls a,uch clnn:h seine nationalen
ßeh:mptungen Aufsehen gemacht. ·wir vet·öffentlichcn hiet·
Außcnmgcn Arnold Schün~wrgs, Ernst Krencks nnd G. F. Mal•i-
pit·ros, die uns ztLgekommcn sind.

Geehrte Hcdaktion des Anbruch,


c a s e II a ist mir in ::mderet· Hinsieht Yicl zu sympathiscl1, als daß
ich ihm aut' Theoretisches antworten wollte.
1-f.:Jchach lungs,·oiJ
,\rnnld Schönberg.

• , -'Jan sieht·
, : Der Schulmeister
. · ) · IJ.t
J>t.Jllsk
t , 1 nn a ]I c11 cntsc 1tl'H1enden
·
S_~ellm:. den bu:b~·uch emcs nrmcn kompositorischen Brwue.tseins nnch Die Äußerungen C n seI I a s belrcric11 zuniichsl das Pr.oblcm der
ntckwa r~s korngierl. .\ n Stelle der dissonierenden fremd ·a!IIIJUCLen;lcn musikal~scllcn Form, dann d1s der musikalischen Struktur. be-
Harmom~n 1\J~n;;~org~kysch~r Klangstimmen hat er die annselio-e Glätte leuchten die historische Silnati•on zeitgenössischer Bestrebungen und sind
1e 1t~1 e1o-
0 soweit von allgemeinem Interesse. Der Rest bezieht si·ch auf interne
des
1· . j'lherkommheben hannomschcn • . .
Satzes •
ge · •· ckl D'e
. 1 11 ~ • r pra::man ··
r 1k 1loassorgsk~-s, dH' St!'I_J lll ,,großen Intervallen ansformt uund aus kir- Fraoen der ilalienischcn :Musik und auf die pcrsönlk.he Beziehung des
Aut~rs zu Sca.rla tU, wozu sich Gegeniiußenmgen erübrigen.
chentonalen
l l · Beziehung-en
. . u Ihre• nno·ch1irdiae
D o 1\.r rafl · . 1w t er <1urc11 d as
· ,,"l.eltt
Ad 1' lmnstrnierl Ca.sclla einen Gegensalz zwischen einer langen
. dc~ SduittPs• vcrwä~~"t't
sc 10. asltsc
]>
1
[ tc Pnuztp . . klcmslcn . <
u nc] 111 · e1}en me _,.
Epoche der Ordn_ung um~ ei_n~t· solche1; ~ler. Unorcln~mg, die.. er gleich-
""L

•tegwn c• es von prnmllvc11 .. LeitlonSJlilllllllll"en r>


,,.e~entl'tD1
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'" 1 )C ICITSC 11Cll
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1\.ornpomcrcns c l1e 1·· "~·I oussoras
.. k y erslma ls setzt mit H.om an lik und 111<lt nd uellet· 1• rethctl. Da dre belreHenden Bc-
. zut·uckg-cschleuderl
. '-' • ' die o"el"ld. <
crriffs!Jildungen schwa.nl,etHl oder schlagwort hafl und aLso inhaltsleer
· nicht 11 u 1• 'st·tllmnmg unu
0
1 IICT11 Lran;;zenrltrrl:
f'l'llSL · w1rd. Es isL also " .1
poe1I- •·
~ind läßt sich mit ihnen kaum einwandfrei operieren, wenn man nkht
sc 1er 011··· drr LJCder, _sondern auch die kompositorische Struklur stets' seine ei.gcn('n Definitionen vodegl. Da cler Autor das nicht iut,
.· ·1 ~. ,]]n~rlalschl:
selber ~. · · denn. ··J<'IW Struktur. · . h•t[ " ~ ussorgs k·y 1·1u "I
' · IJcl·. ]\·Jo f' ·
11' a ,, m ist eine Diskussion schwierig. Jedenfalls läßt sich einwenden, daß auch
~H 1 se hl -- nwtnals 111 den h.alco-oncn !] .. ,. J-]~ 1 - 11 · 1 1 · 1 eine mit roma.nliscll bezeichnete Musik unter allen Umsländen irgendeine
•. . o ·v " 1omc e Ire c es rOinan-
llsc.11cn [ Iq · . ./ahrlwndcrts.
.. Dw VnröffPntlich · · 1111 6, c1er. 0 ngma .· ' ] fassunrr (er 1 Ordnung a.ufwcist, sonst wiire sie nicht wahrnehmbar. Es gibt eben
.. L.wr l·CI'_ nnd I iinze
0

. des . Torlcs" beweis! · ·· cl·af'


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d Cl. " }) I C 11an!. ;, .,o_r
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i1' üUS-
viele Orrlnungsprü1zipe in der Kunst. Der Geclanl\e. daß die nnisilwlischen
smgs'-~ auch m Lednnsch-strukturt'llr•r Bez 1""1 1u · cn .. ll · 11 Formen des 17. U!l(l 18. Ja.hrhunderts ein höheres Ordnungsprinzip
. 1 ·11 · '· ., · I , . ', · · v ng smn ' assJsc darstellen, ist als Gcschmacksiinßcnmg gar nicht dislmlicrbar. Da!.\
g_.} c )I 1 el.en ,
hl'JI- unc
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Zunlt o·cnossctt ,,.l'I. 1 \'OJ"lll~
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.. 1 · 1 L
\Vtll' 11TI( llJCl
dtcs blol... sondPm da(., er un Smnc cl"t' l~olo·e .· 1 t' ]· 't · \\' er k·es ie eine stärkere Bindung des IndiYicluums in Bezug auf das 1\Intcrial
• • • , • • . · • c 0 r 1 c I 1g ~CI sern es ~Ji;Jden läßt sich ka.um hallen, denn sie sind von den Indi,·iduen ebenso
,111 SH (' hJl·~clhst ] r 111_ Plu~ (' 1 ernwehte als die znrücl·o·eiJli' ·I
• 'o C }CI1C
\\' CIS· 1l'Cl't . D ill'UIII frd ,,dwähll und erfunden w~e die der "Rommllik" - sie stammen ja v.on
uu.> .tu . ,af!IIIIS •rsamüwsgabe der TiPclcr 1111 c1 T" " 1 R k Musil'{ern und sind nichl dnrc.h Hofdekrete angeordnet worden - oder
slruklion ei11es clcr "'roß, . .. l · · .. " ' · · anzc <t s e ·on-
.,., ·I . ·I , . n ·.Cl! Je. 0 nhonarcn \\ 1 rrh· d(•t· JH'ucrcn }Jusik- man IJmnn s:tgcn,. daß ll!e H'lmnnlikcr ebenso matcrialgelnmdcJ~ waren
"csc lll 1lc 111 DankharkPtl begrüßt werden. wie die Künstler trgendemer anderer: Ep.ochc. _\Venn _Casclla meml, daß
es im 18 . .T ahrhnndert eben noch em h.ollckltYempfmden gegeben hat,
hat er recht, es hleibt aber fraglich, o'b wir ein solches wieder ge,..
lf Der vorliegende Band der von p. au.z L an_w1 lJ.esorglen Gesallltaus.oaue
1
50
·innen wenn wir die Symptome eines verflossenen na,chahmen. Diese
u oussorgslryschcr OriiJinalwerlre 18 1 1111 l 1 l d
erschir~nr'n. · · crar1 er Universal-Edition ~ra.ge gehört so staek in den Bereich der polilis~~lCn. und vor allem clm·
Kullurgesclti'chle, daß man sie nur entweder ausiuhrhch behandeln oder
gar nicht erwülmen sollte.
Ad 2) (Struktur der ~Iusili) beha.uplel Casella, daß das airmale
Intermezzo definitiv zu Ende sei (überhaupt arbeitet er auffallend um·or-
·ichli'' mil den Begriffen "für immer", "in alle Ewigkeit" und ühn-
~ichel~ o!}gleich die Tendenz seiner Ausführungen gera.de auf der Skepsis
oeoenÜber solchen Supct·lali,·en - mit Hecht - beruht). Auctt hier
'=' b

78 79
slijrl die l:nsiehcrhcit det· BcgrifJshildung die Diskussion seht·. Denn
\Yurli? man alles zusammenstellen, was zwischen J-1 auer und Stucken- An meinrn Freund Casclla!
sehnHell a.ls Fachlenlt•lt uncl YOll Atterbcr," bis Casrlla "t'O"I":l])lliseh für
atonal \Vir .ain"ell zusammen. Es war kein leichter \Veg, aber man spürte
.. . . "•<elnlll'n
• - "u .· ·t
c, man 1Je 1.. z:nnc e1n · "' absurdes Potpourri n '"' von Dc-
! mllwnen hcra.ns. Im allgemein cn hat Ca.sclla rer h t, wenn er der Meinung ·wcni•'' vo1~ s~incn Schwierigkeiten. Jeder war sein eigener Herr, abc.r
Ist. daß cJa.s ganze PrnbiPm clcr Alonalitiit, ciner.h·i zuniichst was darunter der We" zu einem schönen Ziel wurde gemeinsam gegangen. Da teilt mir
n·,_·stand?n WPnlpn soll. im wesenllir~hcn eine Errunoo·ensdw'n der Zcntrrrl- ganz p!Ötzlkh der Fn•uncl mit, daß er nach links abbiegt. Ich für mein
m:whle 1st · · llncl
. sc· '" Js·L I· · l c1·tc sec
11 CL· ts · ]'1schc Crc\Ya.ll
· " des Propheten mch· t Teil ziehe es vor, den allen \Veg allein weilet· zu verfolgen. In der Ein-
slarl~ genug,. mn uns im Sinne YOI1 Kicrl\c<>':nrds . Bcrrrirr des Aus:-
samkeit habe ich über manches nachgeda:cht, auch übc1· meine musi-
c·_rwahllell'' cl!e ,\llci'I1a.tin:: Alo11al otler gar nicht. zu ·~in~,. unausweich- kalischen Neigungen. Olme den \Veg zu verlassetl. bin ich ·zu der Erkennt-
lwhen zu.machcn. Man kann ehcn in der.Tal auch ander". Gar nirhl ein-. nis "ekommen., da-ß die gro!~cn llleister der Vergangenheil mich erleuchten.
zusehen 1st a.bc~·, \Yarum Casclla dcshaliJJ ein neues ~luste;. von Scheu- mir 5 helfcn könnten in di:c Zukunfl vorzudringen, ohne die Gefallt· eines
lda]1]JCn ]lrOJl'1 ortcrt D·ts llet'l'l · ('T().. t Zell gegen CiJl.CJl anderrn aus- unheHvoHcn Sturzes. Schließlieh siu1d es 28 Jahre her, seit ich die wa·hre
.• ' • 'rO . : c: •• • ,J ' :JJlCll
SJlll]en, \\ o n1:1111 111 Wirkltchkc•tl CIIJC'rlmupl kt~inen hrauc:hl. Bekanntscha tl der großen italienischen l\leisler gemacht habe, und daß
ich .rrelcrnl habe, sie zu studieren und ihnen Gefolgschaft Zl.l leisteiL
. "\cl :-J) :IIisloi_·isdte Situation) !Jchauplel. Casclh. \\'ir seien in ein,er Hier "'ist der Grund, der mieh davor hcwahrt, auch wenn ich allein gehe,
l't•node
. der . HPakiion , des :,--uriir-1·\_ --cc . . . .. 1Je_gli .. "1'1' en. [['1er ]'1cal vor a] JCJ11 je das Gefühl tlet· Einsamkeil z:t h~bcn. I.ch bin al1 m~inen Ncißunge.n
<'In . llt·nklehkr
. • ·a . . • vor - _·.. indem '.11.111 · <1·IC' z"ct't \\'Ohl metaphorisch " mit dem t ·eu "Cblieben, und wenn mem .JUgendlicher Enthuswsmus fur den
H~-~ 111 ii\'t:.1 ": 1 ~Hhcn. ":: <liJe.r llll'ht als llaum anschauen kan.n. Ist es schon .;anzer~ \Vagncr sich heute .auf einige \Verkc. \Vagn~rs J?cschränkt, sin~
s;I Cl <~kh~ und E1nstem Jt·:1glich. oh wir an dcnsciJJen Punkt des <loch alle meine Freunde m~l' verbunden gehheben: tc.h heb-e Mussorgskt,
hmunes zurucldwhren künncn, so isl es jeden[• 11- .· 1 t I· ß •· · • t'
keinen F·tll · 1,. ~ . . · . . · . .. .t s evtr en , < d. \\ ll clll ich liebe Slrawinsky, ie.h Ycrehrc Debussy, ich liebe den Pierrot Iunaire
. · In < el .."cz 1 1tCl umspazit'I't•n kon11en. als wiire sie ein aus- und seinen Schöpfer und ich v.cra·bschcuc alles, wovor ich seit meiner
gedclmtes
• • Lokal
• • Wn· J·önnen ' •S <...11 ·J·.J tt'1 mc.
· 11l aulsuchen · ·ds w'irc' er
<'111 \\'C'Iil'I' h1nlen ]Jlaciertes :\Ion Jugend Abscheu cmprind:e.
•~' , , , . . .. . · •. · nnH, 11 t • <1as \\'ll' · nach Bc!ieiJcn ' • · ansclnuen
' •
~c 1 :Mein Freund hat mir mil.getoeill, daß er nach rechts geht, wührend
1 1H n. '>10 ebenso\\ l'lll.g \\'Je wu· nac:h \Vtllls·c·ll c,t.II<•Il · . Komponisten eins , ich immer den gleichen W cg verfolge. Er ha·t mir seine \Verl>c geschickt,
· a 1re: .. - 0 besuchl'n können. Dct· Parole• .. zurttcl· · .. "l't ·
IH'o·t·ctll •lt I .
~ ' tc auc 1 entc so c 1e ,. vorwiirts 7-ll
l I
" c· l
~ zu .
· ·I . . mu ·' e ]rt
y s ·· ·· und jrch habe sie auch gehört. Ich liebe die Partita, das Conccrlo Romano,
lalli wissen wir nieltts a~ls \\'• . '. . . I· : .· . ll srl Ce len.. Oll c,u- und auch diese Searlalliana, umsomehr, als ieh sehon l·ang zu dem
1· . • . .. . ' · Js ·l'L uns ge -as'ircll h::tl. Sehen wu· uns a]Jl'l'
~ .ts_ .tn, so JtS[. das ~m gmE anderer ScrtrJ.rulti ,t[s de1· von 1700. Witr sehen Glal.tbcn an eine geistige, nicht etwa materielle Hückkehr Zll den musi-
\ I.11m
111 " . tl:ts • \\ ~ls·. .wu· st•hcn~ · , .. woll. cn. u11c L c1· JJ 1et·1 ll mchts · weilt'!' als unser kaliscllen Formen unsrrer Heimat g.ekm~uncn bin und ihn auch durch
: 1 1 '.,.c~e 1 _. d. 11. scm \\ crk L>sl JJJ uns ncLw Ass:oziation.en aus. Au!' diese Ta1.cn bcwies'en habe. Ich lege dabct kcmeswcgs besonderen Nachdruck
.1 11
• _ t.lll •
1 ,omm
(. .
1 l'S a•lwr ·m • • und
• w oc Im •e 1l S·I· c s.c11on an rr·eecort sein möo·en
1
auf die Cimarosiana, die 1921 enlstand'en sind. Sie sind ein Gele.gen-
IS. bcitswcrlc Aber ich mag diese ScarlaltiJana viel lieber als das, wa!>
.•• •. , ol . lllltle !Jclann]os
1 1111
"'· ·•· Fml' ". • Sl..1lk opw . IJa! .]Cdoch
. "'
keinen "' Ol'irrin~llwcrt
b '
SlL !Sl d. 1S llClle . ·-\sSOZI'lhon
· .· · 111 lii1SCI
· .em .S'11111 11nacnüaenrl ob sie"' sich nun' Freund Ca:sclla darüber s:1gt. Denn gera.de in einem Augenblick wie dcri1
an ·Scar Iat l.L o<il'r Hidtard \\'agner ansehließt. "' "' '' · · ·etz1"en, in dem der Kampf um neue Ausdrucksformen überaus vcr-
~ehä';ft ist, ist es schwierig. die Entdeckung einer ncucn \Vunderlmr zu
Durclwus
o'l'll'llll' ]" l ·
zu I•unterschreiben
S
isl dc•r Ietzt· S· t· C·.!SC·U·!,1,~.
· L • ,1 Z
· c1Cl· d'IC verkünden. Das Gcnk ist der Tl'iumph des IndiYiduums, es ist sogar
~ •• • ~ · ".cnkn .11 " l Cl' · prachc der Hl'imat empJiehll. Es ist' eine Ge-
1 1
l .m .en 1os1rr etl
' . .. ·<; ·• · zu
• IJl'h'tll])lC'1
• · 1. l I·['
.t ·' r1·te 1v
'[ us1k · oreo·enübct· de1· S]Jradtc den
stärker als (lic Kran der Hasse. Die l\Iusli.k ist eine fl'eic, eine inter-
nationale Sprache. ·wenn man im Pa-lais des Völkerbundes Konzerte
\ mlc,I·l
, . (-. • des .hsperanlo · 'i'. .. 1·Je11 ubcra.11
.. "" verstanden zn \Yerrlcn .
I). .ts, . ..cgcmlc•JI
. · . ?"C J1IC .>t., nam mil J\Iusik aii~r Völker veran~lallcn woll~e, ich ~Laub~ man wü~-d~ sich
·I. 1st nchli•~'
· ",. <1cnn e,,... g1'J Jl Z\\.tl • .. • tknlschc und ung'-iriSehe •
eher verslfmchgcn, a:!s wenn .1cder DcleglCrle seme eigenen ego.Ishs•chen
1·~'s 1sl: .1C e, 11 a_c·1t dem .i\Insler des J'ranzösis•c.hen, aber es ori!J·i· keine
l 1 1
< eu .sc 1c "us1
. 111, .. fl,. 1 1'- n·' 1·c·h Dehu.. ss~. .LIIIC 1 1'-C111C
· · • .
tlalirnisehe n~tch Heocr." Das
na:tionalen Ansichten üußern würd-e. \Yenn mich morgen em jugo-
sla.wischer .i\Iusiker mit einem sehöuen \Vcrk von sich erfreut, so wird
sn 1. u, . u 1Jcchrhl . • · · wei'clc'.11 · W<'nn Clll · gcw1sscr · ·"'
oberrliiehlicher :\[usikfest- er mir viel lieber sein als einer meiner Landsleute, der mich mil
111 1ctnaiJonaiJsnnts gepredigt wird.
schlechter Musik langweilt.
und ~Ls. G:s~I~l,l:rgehi~i·s schci1~t wichlig, daß jede At·L \'Oll Klassifizierung Der Autor der Scarlattiana wird uns gewiß noch ofl mit ncuen
Scl!l· ~ ~ 11: 1 ·:hs.JCitlllg 111 <lc.r h.unsl zum Absurden Jültrl. ·werden nicht WeJ'Ikcn erfreuen, die seinen Artikel übrr Scarlatlbna überdauern werden.
. . .'~<=:"? 1 ~e \~n neuen Stilen gescha[fen, so ]Jl'aucht man sie nicht in
I.dllzct
,. Ze.tl Wieder zu , IJcl·'iJlt])J.
'" en. U m 1 m,tg
"· es an steh
· · ·
vcrdwnstlicl1 G. Fnmcesco 1f a l i p i er o.
~ ' 1 ~ 1 '. d?:ß :~n
1 1 c: 1!
and von Ca.selbs Ausführungen gewisse Schl-ag\vot·tc in
1 N!chlrgke'li. klar werden, so müßte e1· sich hüten sie dur~h ebenso
zweifelhalle Begrit'fsbildungen zu c1·setze11. Die Gefalu: ist bei ihm vor-
hanclt•n.

Emsl. Kr c n c k.

80 81
MUSIK IN WIEN · l ercretrrer
· S z• t' b"c t i ers]Jiclte sich mil ·S z y man
l\ I ets ·fosnJ' · o w· s1k i-
·
St" k "' elnen crrnßen El'folg. Zdenka von Ti~ h a r 1 c h en~tes ~IC 1 m
v
L'nter Franz Sc h a I k hörten wir die Aufführung der zwei
mil dem Columbia-Prl'is ausgezeichneten Symphonien. Das Stück des u~ el~
zwe1 \.ODZCI e. <1 5 ·t n"' - 1 hoC'Immsikalische

Inlcrprctm neuer
d l\h~s1k.
,,,. Em
p bl'k Ca-
Schweden A t t er h r• r g lehnt sich ebenso wie das von Franz Sc h m i d l 1; r j, c c i 0 von Be1·thold Go I d s c h m i d t machte as . ,, tener u 1 um
im Formenbau an ldassi.scbe Vorbilder an ..\ttcrhcrg Iiißt sein Orchester z·unl ers l en i\·I 1 a
Je 1111··t einem Werk dieses hochbegabten· Jungen d ~..-Dewlschen
d ·
frisch, zuweilen naeh impressionistischer \Veise. erldingen und will in I. k t l\'lat"':l Fr e u n cl cli·e bekannte Vorkämpfenn er mo erne m
der Eingünglichkcit seiner Melodien aHgenwin ,;e,·stiindlich bleibeiL Die
)e ann . ' ' " ' '
F . k eich rrab in \Vieu einen Liedembend, et em ste b · d · s 1 - b
c 1 o n er"'cr
Symphonie fesseHe cbs Publikum und Przielle einen überaus slarl;en 1:~~n; e b 1'1 sb; y nrbcneinancler s~ellle; durch ihren. prac?:v<;>llen Vorlr~g
Erfolg. Frnuz Sdnnidt hat seine Drille Symphonie in vornehnH~t· geistiger f"hlte nwn 50 recht zwei vei·sclueclene \Veltcn cle1 Illusik, m dell:en die
I [altung uncl gediegener konlrnpunklischer Al'lwit gefaßl. Im Adagio \~crke beider l\[eislet· Gipl'clpunkte darstellen. Paul A. P 1 s k
niihert er sich der ,\usdruckswell Hegers, in den Ecksiilzen Bruclme-
dschen Fonntypcn, ni·cht ohne eigenes zu gehen. Auch dieses \Verk fand
bei den Hörern nachhaltigen Wiclcrhall. - Hobert Heger hnl in den
\'Oll ihm gcleilclcn Gescllseh:lrtskonzcrten eine glückliche Hand für neue UNTER JEDER KRITIK ...
Werke 'gezeigt. Er brachte die (;rof}e Messe mn Waller Braun f e 1 s
nach \Vien, jenes in kolossalen Dimensionen angdcgte \Verk, das, fern
Yon dogmaüscher EinsiP!lung, <>in romantisches Stimmungsbild der Messe- Prächtiges Bratschenkonzert oder Darmverschlingung?
sülze in prachtYollen :\lclodi.en gibt, nicht Jrei \'Oll naturalistischen \Vir- · ()'·I 19?8 Faktur zeigt und sogar melodische Einfalle
kungen und durchwegs \·orzüglich im Orcltcsl·erklang. Die Phantasie des Danziger Volkssfnnml', 4· " · ~ · hat. Alles übrige, aber auch a 11 es, ist
l{omponisten treibt hier edle Blüten. Eine weitere Novität, der Heger Hin d e mith Sonate fÜr Gedankenarbe i _t, w i r r e s, e r k I ü ~ e l-
einen starken Publikumserfolg erkämpfen konnte, war die F-moll- 11 1· i n 5 T eil e n t es Z e u g, e r muht und ab g e qua 1 t,
C e 11 o n e n . · dafJ es auch dem Hörer Mühe und Qual bedeu-
Symphonie des jugendlichen Russen Dimitri Sc h o stak o w i t s c h, ,. ... bleibt diese Sonate eme kalte, tet. .. J.fan höre ienes wirre Gefiede I
ein durch und durch frisches, hochbegnbtes "'erk, das für den herzlos ... erre;.Jme~e Sache··· mehr al\f'-'~e eines Einleit-ungssatzes ... ohne an J? arm-
Komponisten Bedeutendes verspricht. Heger hat auch seine eigene 1\.11 Iage läßt, ste mcht erkenne~ und CI t ver s c h 1i 11 g u n g zu denken ... Da . 1st der
B hin t er dem P rächt I g e n . B r 3 t- Rest: Grinsen! Und dieweil sich em paar
JL Symphonie im G<>scllsehallskonz·ert zur Urrmfführnng gcbmcht Das ~· h ~ k o n z er t w e i t, . s eh r W e 1~ z II-
11 Dutzend in "Fortschritt" machender Skri-
in gmßcn Dimensionen a'ngdc,gte viersützigc ·werk zeigt den Ernst eines :J c k, vor allem we~en Ihrer rhrthn;Isc~en benten in Hallelujahs überschlagen, schau-
Künstlers, der unbeirrt seinen eigenen \Vcg zu gehen weilt Im erslen Satz, S ·hwäche und klangheben Armut. \\ · 0. 1 e J n s i e mit ihren F e der n ahn u n g s-
der Fantasia seriosa, stellt IJeger nach clet· Keimzelle des ganzen c . . . I o s d a s G r a b, in dem schon andere
].Janziger Volkssfllllllle, 20. Okl. 1928. "Propheten der Moderne" ·früher versanke_n · · ·
\Verkes, einem Naturlaut, zwei verschiedene Charnklere einander gegen- Hindemith, Bratschen- Willibald Omankowsk!."
übet·, einen dramatischen und einen melodisch weichen. Das Scherzo
k o n z er t, op. 36, :NI·. ~· ja _ ja - Skribenten schaufeln
slaJmpft i'n beharrlich festgehaltenen Rhythmen dahin, ein Nachtstück mit ihren Federn ahnungslos!
sucht die gcheimnisvoHen Kliinge der .\'a,tur zu erfa,ssen. Mit einem weil "er
...gut
lediglich der zweite
geschneben Satz Wert,
ist, eine gefällige
Perpetman mobile schließt das \Vc1·k das formal nncl klanglich übcraus
inlC'I'essanl isl nnd dem Komponisten bcgcistel'len Beifnll Pinlrug. -------------------
1,, e cl·,l t
1 erlicher Anteil der großstädtischen Parteipresse
• d D. " ")
Die A.rbeiter-Symphoniekonzerte sincl in der Programmbildung " 3 11 d e m v er h ä n g n 1 s v o ll e n G a n g er 1 n g e.
nach wie vor führrnd. Unni·geßlich werden die zwei Konzerte det·
Republikfeier bleiben, in denen nicht mw i\I a h l er s A:uferstehungs- Bedauerlicher Anteil : the c~rtain fell on the first part: at the end
there was o n e o f t h e m o s t e n t h u-
Symphonie gespielt wurde, sonelern auch Schönbergs Chor "Friede Neue Freie Presse, Wien, 21. 1~ 1929. siastic demonstrations of the
auf Erden", jenes an Klangwundern so reiche, prachtvoll mvfgcbaute Jonnv"-Durchfnll inNew s ea so n."
\Vcrk, das lange genug zu wenig berüeksichtigl worden ist. Es isl daS! y 0 :!k.
Telcgrnmm unse~es Korre- The Nem York Telegram, ]an. 21, 1929.
Verdienst Anton \V e b er n s, die Arbeiterchöre Wiens dnzu erzogen zu ondenten, Berlin, 21. .T anner.
sp ,.Aus New York :rird be,~ich~et: Kre:
". . . was v e r y w e II r e c e i v e d by
f1aben, ein w schwieriges Werk in geradezu vorbildlicher \Veise gestalten a crowded house . . .''
zu ·können. Eine Erl\rankung \Vebcms unmiHelbar \'or dem Konzert ksOper "Jonn)' sp~elt auf v;urdc . bet
!le · Erstaufführung 10 der Metropohtan
brachte es mil sich, daß Erwin S t c in die Leilung übernehmen mußte. 1hrer The Sun, Nem York, ]an. 21, 1929.
Opera d 11 'r c h w e g s a b g e 1e h n t ·"
Die .-\ufführnng gc~bng sn priichtig wie nur seilen im Wiener :\Iusildeben. There was an imposing audience
for thi~ . representation given outside the
• • . Gang der Dinge:
subscription and at a liberal advance in
Von den Iütmmermusi,k-Vcreinigungen isl Yot· allem das Wien er The Nem York Times, ]an. ~0, 1929. price, and t_he ap.plaus~ signifie.d
Streiehqunrtett (Kolisch) zu nennen, das diesmal a:lllßer dem schon Tl\ere was no coldness 10 the :ecep- a d e e p s a t 1s f a c tJ o n denved from thts
bekannten und bewährten Sextett von E. \V. Korn g 0 1 d nur klassi- . " 1 the opera last night. The audJence,· disclosure of what Dr. Burney might have
tJOn °f tbe most brilliant of the season, called the present state of music in Ger-
sdiC \Verke, diese aber durchwegs auswendig wncl mit höchster Aus-
drucksin tPnsiliit spielte. Joachim S tu l s c h e w s!; v rrnb mit Friedrich
k
~~eo c in t 0 pro I o n g e d a p p I a u s e as many."

\V ü l1 r c r einen Sonntennbcn.d; hier gelangte Uilte1: a~derern die Cello- · B r e Brief ihres 1\'lusikrererenten bemerkt die Nme Freie Pres•e (28. Januar 1929):
*) Zu eme'? dr mHrerr Verfasser in seinen sehr beachtenswerten Ausführu?gen den bedaucr-
sonate von Egon \V c ll es z zu übernts erfolgi·cicher Aufführung. Der vers~lhwderetg\gro ßesrtädtischen
,Anch Anle•
lieben , Parleipresse an dem verhängnisvollen Gang der Dmge."

82
83
ein yorliiul'igPs Hegulath· dar, und Z\Var eines, das nach der gegebeneil
MUSIK UND TECHNIK Sachlage keineswegs unerwünscht sein kann. Man muß sich aber klm·
Geleitet von Frank Warschauer sein dc'lß die Technisierung an sich überhaupt nicht notwendig eine
A us~chließung bestimm tcr :l!ögliehkeiten mit sich bringt, sondern die
deutliche Tendenz zeigt, in der Venollkommnung bis zur praktischen
RUNDFUNKMUSIK Gleichheit mit jedem Original Yorzuschreilen. Wo hiei· die Grenze des
praktisch Erreichbaren liegt. dQs zu entscheiden ist dul'c.haus nicht
Frank Warschauer
möcrlich. Siimlliche Propiiczeiungen dieser Art haben sich jedenfalls schon
... Durch. die neu_e ~olitik dei· Heiehsruncll'unkgesellschaft feste ,\ ufträgc jetzt soweit man ihr Einll'e!Ten oder ihre Vc!'kehrlheil innerhalb eines
lt.tr Rundlt~nk~lUSik 111 regclmiißigci· Folge zu \'ergeben. ist dir Fnt@C 'nicht zu kurzen Zeitraums nacbpl'üfen konnte, als falsch CI'Wicscn. So
dieser mustkahsclwn Galtung in ein aktuelles Stadium geti·cten. \Venn' isl es auch durchaus nicht wahrscheinli'ch, daß alle k·olodslischen
Yorher noch darüber diskutiert werden konnte. ob eine ei•nenrrcsetz- \Virkungcn im Huncll'unk auf die Dauct· benachteiligt oder ganz a'll'S-
~Ichc l'riigung überhaupt il1re Berechtigung haben kann. handelt e~ sicli rreschlossen sein müs15en. Schon. heute ist dies in viel geringerem :IIa.ße
Jc.tzl d_arum, Grenzen und :\Iöglirhkcitcn ,thzustecken und zu mllcrsuchen, der Fall, als noch vor einem .Tah!'c; man muß, um in dieser Frage
Wie dieser neue Zweig der sonstigen musikalisehen Pl'Oduktion anzu- einen Standpunkt zu gewinnen, die Technik de1· gesamten Apparatur
gli ecl Prn is l. in Betracht ziehc11. insbesondere auch die des zur \Viedeq~abe verwen:-
.. .Ieflc Entscheidung hiingl hic1· a.uf das engste mit den ,\nsc.hauungen delen Lautsprechers. Ebenso kann m:.m feststellen, daß auch Klangmassen
uber dei~ Hundfunk i;n. seiner Totalitiil und der spczieHen Einstellung jeder Art un~l Klanganhiiufungcn in dicht und .eng be~ctzten Orchestern
dPs :\1 us1kers zusammen. Diese wieder ergibt sich aus der Erfahrung nüt stets steigender VerbesS~Crung zu reproduZieren sind, vorausgesetzt
t;nd so ~st es ~uniichst notwendig, zur Beurteilung der ganzen Frag~ da.ß die Art des Yor dem i\fikmphon gewühlten Raumes dieser Auf:-
emcn Bhck aui den Stan,d der Technik musikalischer Obertra.rruncr Zll aabc an<>e.paßt ist. \Vedcr große noch g1·ößtc OrchcsleL noch Chöre, noch
werfen, da sich CJ·st von hict· aus das i\laß dPr Ein.schriinkun~en "'uml IZla.ncrmi~ch ungen irgendwelcher Art sind grundsützlich v.on einer quali-
besonderen \Vegc e1·geben kann die füi· Hundfunkmusik vorliege~!. tatiY "'genügenden Wi·cdcrgabc im Rundfunk auszuschließen.
.Wie die Einbußen, die jeder Klang bei der Hundfunkwicdcrna]Jc Wir kommen hier zu einer allße110nlcnllich wichtigen Frage, \'Oll
er.lcHI?l. .zu bcwcrl~n sind, dm·übei' herrscht noch keine Einigl<eit. deren Be.anlwortung gnmdlegcnde Entscheidungen auf diesem Gebiet nb-
D1rs Ist un .. \~escntlrchen darauf zurückzuführen, daß man sehr häufig hii.nncn: ist es überhaupt zwcckmüßig, daß sich der Musiker nach der
den gcge~l\varligen Stand zum alleinigen Maßstab nimmt. und übersieht, Technik ri-chtet ocler muß Cl' notwendig damuf warten, daß di·e Teehnik
daß bcr~lls_ morgen s~hr wcscnlliche Veriinderungen cri;o.lgl sein können. seiner Intcnli0n folgt? Das ganze ErfQhrungsmaterial, der ganze Aspekt
Immerhm 1st .es dellllwh. daß die technisierte Wiedcrnabe- newissc Werte der Technik drüngt nach meiner Ansicht, die in einem spiilercn Aufsatz
b:v_or.~.u.gL , wahrend .sie <MI deren größere Sclnvierigkei'l "'entgegensetzt. weiter zu deta.i!liel'en ist, zu der ersteren Anschauung hin. \Vir lass.cn
".1s l lll den Au~~nbhek Grenzsetzungen bestimmter Art zum mindesten indes hier auch unten mit l\[ax Butli11g einen K·omponisten zn \Vorte
s.~hr nahelcg.t. SJC c1·folgPn bezeichnenderweise sehr häufig in einem kommen, der mehr Jür die Anpassung des Musikers an die gegebenen
~mne, <l~n. d1~ nc~w i\'Insik ohnehin ge\\'ohnt ist, \\'Orin man eine tiefere Bedingungen cintrill.
(,esctzmaßJglH•ll w1rd erkennen müssen.
\Venn die Eigentümlichkeil der technischen Voraussetzungen für
Es .liegt bei der Runtlfunl\iibertragung zuniiehst zweifellos ei11e die Hundfunkmusik in keinem Fall übcrscliätzt werden darf, ~o erge.ben
Entscheidung Yor_ gegen das große Orchester, ne<ren jeden Al-fresco-Stil. steh in anderer Hinsicht Möglichkeiten, die viel stärker geergn_el smd,
~egen .kompa,kte hl_angmassen übe1:haupt und gege~ di~ FaPhe als dominie~ eine Bes-onderheit dieses Gebietes z.u l'onslituicren. Sie liegen. mcht auf
1
~nd~s Elcme~t, lernc.r ~egen d1e Pointicrung einer subjektivistischen dem Gebiet der reinen l\Lusik, sondern in der Verbindung. nut anderen
Smngelnu~g.; en~e Begunst1gung anderseits der kleinen Klancroruppe die l{langelemcntcn, insbesondere mi.t dem \?orl. Man muß .s~ch vc~:gcgen­
eharaktensie:rt 1~t durch das Fehlen von Füllstimmen und"' Ornm~1 ent. wärtigen, daß iJ? Rundf1:nk gleic!Isam ea~e ~este Klangnache f~1.r de1~
l~ur~h rea~c. _Stm~ml'i~hrung und die Verbundenheit soli'slisc.her Wir~ Hörer gegeben 1st, vergle1~hbar emer Pro]ekbons.wand von best1mmte1
~un"en .. W eJJ.,c diesei Art werden am klarsten wiedergegeben und in Größe im Zimmerkino, d1c durch \Verte verscluedener Art und. ver-
Ihrem, _ergenthchen Geh~Il nid!l angetastet. Eine Zeitlang wurde gerade: schiedener Herkunft erfüllt werden ~'ann, :·on ~iner sprechenden Stunn~e
'~lll. Se~ten der Sendc!mtungen bekanntlich behauptet, daß auch Stimm- ebenso wie von einem oder von .emer V1elhcrt y,~n Ins.trumenlen. _Die
ft~~n un" und ha~-:momscher CharrJ.kter wcsenllich Güte oder i\Iüngel der einzelnen Teile ei~1es ?olchen Emdruck.s nun . smd emandcr glerch-
\\· Ied.ergahc bestimmen müßlen; komplizierte Dissonanzen und sehr aus- geordnet, woraus s1ch em neues Scl~ema thre~ Bmdun~en ergebe!~ kann.
gcpragtc Polyph~nie seien außerhalb der Grenze des einwandfrei Dal'- Das tritt zum BeisJ?iel sehr. stark, m Ersc~emung be1 .der :Musik zum
sl.cllbarcn. Vo~1 (~Jeser Anschauung, die übrigens auch als Argument gegen Hörspiel. Während Jede. Mu.sr·k z_u fh~aterstucken, mag St~ 9.uch noc;h so
~:e ~~e~1: Musr~ nn. Hnndfun~ b.cnulzt w;u~de, ist man längst abgegangen, rcranisch und notwendig emgefugt sem, den Cha!'lakter emer Begleitung
e1.n Z~1che1!\ Wie fhcßend auf dwsem Gebiete die \Vcrt.maßstiibe, ja sogar ~at ·und im Rang durchaus hinter Wort und Bild des Bühnenvorgangs
ehe rc:mcn latsachenerkenntnisse sind. · steht sind im Hörspiel Wort und Ton stets mit demselben Werlakzen:t
~· Ans diesem Grund wird man sich auch hüten müssen in den aenannlen ·nebe~einander gelagert. Die Zusammenordnung dieser Elemente ist dabei
Elllsehriinkungstcndcnzen ein Definitivum zu erblicke;~. Sie s~llen nur einfacher und organischer gegeben als bei irgendeiner Form, die in sich

84 85

J
oder doch bei ihrer praktischen Ausrührung mit dem 1\Iomcnt der sicht-
baren Eindrücke rechnet. In dieser Hinsicht bietet das .Hü1'spiel, das
besonders . für den Rundfunk geschriebene Gebilde, de1'n l\lusi!w1· den
Aspel.:t einer musikalischen Gattung, die außerhalb aller bestehenden .
fixierten Kategorien ihrer eigenen Gesetzmiißigkeit zustrebt. Werke dieser
Art werden sich vielleicht am ehesten cle1· Form des Oratoriums an-
nühcrn müssen, wenngleich auch dies nur einer. von den möglichen
'Wegen sein dürfte.
Ebens·o ist es aiber auch durchaus denkbar, daß jenes Verhältnis
\'Oll Sprache und Ton in anderen Formen seine für. den Rundfunk
passende Prägung sucht. Diese könnte etwa im Sprechgesang erfalg·en,
der hier eine· ganz orgimisch erw.ilchsende Anwendung ftndien könnte,
ni·cht nur gelegentlich, . sondern als konslituli,·cs Element epische1·
Bindung. . . · ·
·Endlich wird ein Moment bei der Blindfunkmusik eine ganz be-
sondere B.eadllung finden müss~n: daß ihr Publikum nicht das gleiche
ist wie das der. Konzei;tsäle llnd Opernhäuser. Es ist ch3JOti,sch durch-
ein.andergeniengt aus Melischen alle!' Schichten und musilmlischeti Bil-
dungsstufen. Runclfunknmsik ist der große Augenblick, wo zei.tgenössisches
SchaUen in seiner spezifischen unverzcrrten Qualität an alle herantritt.
Dies ergibt für den Komponisten die schwere Aufgaöe, die· Ebene des
gemeinsamen Verstchcns, der gleichgerichteten schöpferischen Kraft auf-
zusuchen. Hier muß es sich um Gemeinschaftsmusik in rmbeding-
Lestem Sinne handeln. Aus der Erkenntn~s dieser ·Situation· heraus ist
es auch zu begeüßen, daß Rundfunkmusik für das nächste Baden-Badener
Musikfest il1 den Rahmen der Haus- und Gemeinschaftsmusik eingefügt
wurde.

DER KOMPONIST ÜBER RuNDFUNKMUSIK .


DIE ANSICHT MAX BUTTINGS
Der Erfol1g dnes ~iusikstückes hängt, \v~nn man die ·Mehrzahl der
Zcilungsbedchte ansieht, von den Quali'täten des Werkes und der lnter-
pl·ct.ation ab. Die Qualitäten des Publikums werden selten· in Frage
gestellt, - beim Kritil,er sind .Musikalität, Intelligenz, Vorurteilslosig-
keit usw. immer Yor!Jandeli! Tmtz aller zugebilHgteu Eigensch:~.ften
kann die Hörerschaft aber nur unter einer Bedingung über· ein. Wel'lc
wirklich urteilen; wenn hiimlich von der Wiedergabe irgendeine charak-
teristische Wirkung ausgegangen ist. Und die ~Iöglichkeit einer ch.arak-
lerislischen Wirkung hängt Yön vi·elem ab. Vom Raum, seiner Akustik,
seinem Aussehen, seiner Tcmpe1·atur usw. - von allem, was· gleichsam
zwischen dem ·erklingenden Wer}{ und dem Hörer steht. Grundlegend
wichtig ist die Eilldringlichkeit der. Interpretation tmd die Techniik des
K<Jmp•onisleu, die ihm ermöglichte, sein geistiges Wollen in Tönen deut-
lich .aU.szudrucken. ·
Das wissen wü~ alles·. Wir kennen· den Wert der Wirkung, ihre tJber-
schiilzung und Unters.chätzung; wir haben auch gen.ug Erfahrung sagen
zu a,ünnen, wann im Kon:r.erlsaal odet· in der Oper ein möglichst gr::>ßes.
Maß von Wirlmn.gen auf den Hörer erreicht wird.

86

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odl'r dot·II hci illl'er praktischen .\usl'ülJruncr mil dem .\lonll'nl d 1·1· si 1·1Ii- Im Hundl'unk haben wit· diese El'i'nhrungen noch nidtl. .\bcr wir
hm·t·n EindJ·üch• rechne!. In dicsct· llinsi~ht bietet das ]-JiiJ·spit·L das halwn hL'I'L•ils zwPi gt•gens:'ilzlichc. l·cJ'IJrcilclt: .-\nsclwmmgl'll <!Jriiher.
ln•soJHlers l'üJ· lll'n Hundfunk gcschril'benc (;ebilde. dt•m ~lnsiktT dl'n auJ welchem \Yege das :\faximum an .\lusikwirksamkeil C!Tcichl \\'erdl·n
·.~s~H·kl ,.j~It'l' musikalischen Gattung, dir- uullcJ·haiJJ alleJ' bcsll'ill'ndt•n kann. Die einen glanbl'n. daß nur das YcrvollkommncL zn werden hrauehL
IIXH'I'il'll hutego1·ien_ ihrer L·igenen (~esl'lzmiif~igkeil znstl'l~hl. ,v,. 1·kc dit•st•J'
was zwischen dl'.m ldingl'nlien \\'crk und dem llöret· slchl: das isl hiPr
.\rl \\Trden Sich \ll'lil'iclil am chcslcn cleJ· Form des Oral•oriunJs ;Jn- die .\ppm·nlur. Sie glauben. daß ein .\Iusikstück aus dem Laulspl·eehl•t·
niiht·,·n mCJsst'Jl. \Yl'nngll'ieh aueh dies nut· eint'!' YOII ill'n lllCJgiil'IH'n
"l'gl'll Sl'ill diii'I'il•_ gcnau so wil'ken lllllß wie \'Oill Podium des Konzcrtsaales, wenn es nur
ersl drm Tt•chniker gl'!ungl'n isl. die akustische \Viedergabc in allem
Elwnsn isl es abc1· :nwlt dtll'e!Lms denkbaJ•_ daß jl'lll'S \'l'rhiillnis dt•J· 'Yi rk lil'h kci I gPna u :mzup,tsseiL Dil' cntgegeug-cselzlc :\Ieinung be-
""11 Spral'li(• und Ton in anden•.n Formen seine l'ÜJ' dt•n Hundl'tmk rücksichtLgL zwl'ierlei: e1·slens. daß der LantspreclH:3·kJa.ng dem nalür-
P~:~st·n.'~': l.'.rii~ung sm·hL ~)icsl' kiinnle elwa im Spn·eh,l(esang cri':Jigt•n. lichcn lnslrumt·nlenklang el>en doch noch nicht völlig angeglichen und
d~.J hiCJ LJnc ga11z _organisch cJ·wachscnde .\nwendull,l( l'inden kiiJJlli<'. die Enlwieklung J'esp. tll'i'l'll (~rt~nzen nicht rcsl \'Orherzusagen ist. -
nwhl lllll' gl'legt·nlllch. so,Hit'l'll als konslilulin•s E-il'llll'lli t•pisl']Jl'l' Z\\·l'ilens, daß das .\1 ilicu- und I liiJ·t•rlebnis Yor dem Lautsprecher so Yöllig
Hindunl-(.
nTschir-den isl \'on dem. was uns beim Dabeisein und unmillclh~lrcn
Endlich wi1·d l'in ~lonH·nl bei de1· Hlllldl'unkmusik eine oanz Jw- Hören einer lnlerpl'l:lalion !Jcwegl_ Llaß damil auch die lkclingungen Hir
~OJHit-n·. lk:lclilung l'iiHit·•J mü.-,scn: d;~U ihr l'ulllikum nicht ll;t~ nlt'ir-IIL' \Vi1·kung \'Oll .\lusik durch dPn Lautsprechl'r ganz :mdre werden als
JS[ \\'IV das d,•r Konzcrlsiile 111Hl OpernhiiusLT. Es isl <'lwolLscli '7Jurc1I- wir llisiH'I. kenlll'JL
l'lll::Jildl'J'~l'llll'llgl :n1s :\lt·nseiH•n alle1· Scliichlcn und musikalisl'il<'n Bil- Beide Slandpuil'kll' LTSehnen die \'cn·ollkommnung der .\ppar:1lm·.
,~ung?slull.'n. H~IIHiflinkmusik isl de1· gi'Oße .-\ugc·nbli<'k. wo zLoi.ig·L·nössiscllt•s Darüht'l' hinaus \'l'J·!:mgl del' zweill', praklisehe Stanrlpunl;L. daß Inleq)]'elen
Sl'hallen_ In s_eJJHT spezii'Lschen llll\'l'rZL'I'rlen Qnaliliil an all~ heranlrill. und l'omponislt•n sich für dir Ticdingnngcn inleressic1·en. auf die eine
Dies _crgllll ltn: dt·n l"ompo•nislen llie schwere .\ufo·abc. die EIH'IIl' dt·s müglichsl wirksaml' Hundfnnkmusik Hücksieht nehmen muß_ \Vas eins
!-(<'llll'Jnsanwn _\ Prsll'liPns. der glcil'hgtTiehtclen sc,h•'i];l'et·i,sl'ht·n ]\xall aul'- für Bt•rl i ngnngen i l1l ei nzclnen sind. -- darüber ein il n!lermal. Dn!J sie
zust<elil'l~: l IH~r muß es sich um GPnwinschaflsmusik in llllhl'ding- ülwrlwnpl rxislit·ren. \Wkhcl· .\d sie im nilgemeinen sind, isl das primiir
lt·sil'm Slnlll' li~IIHil-ln. :\us der Erkennlnis dieset· Silualion hPr:ms isl \Vichli-g<·. Da gill l'ür den lnleqll'cten die Frage: \Vie habe ieh mich vor
t•.s :l."l'.li zu_ lH'g'l·idkn. dal.l HundJunkmusik für das niichsL 1• Badt•n-BadPner dem .\likrophon zu Ycrhallcn. um ein \Verk in Bczu,g auf Form, Klang
.\luslldt•sl 111 den Hahnwn der Jlaus- und Gemeinst·hal'lsmusik Pingl'i'i'Igl
\\'II]'(] ('- und Eigena1·L der musikalischen Spraehc !dar lllHl eindeutig zur \Virlmng
zu ilringt·n '! Die Antwort \Yil'Cl nut· aus der Ed'ahntng e,rleill werden
können. und zwar nm· aus der expcrimenlcll fundierl-en Erfahrung. Daher
II sind die Yersuehsarhcilcn. wie sie an der I-Iochs'eimle. für ?lfusik mir!
dem 1\lindwol'lh-Sclwrwenb-Konstcn·nlorium in H~rlin .rremachl werden.
\'Oll ,QTol.\er Wichligl;eit. "' -
DER KOMPONIST ÜBER RuNDFUNKMUSIK Ganz Wl'illragl'n!le BcdcuLtllll-( komml aber dem Interesse zu. das <lie
Komponislcn l'üt· :'llusik im Humlrunk zeigen. Zahllosen .\lcnselten wird
DIE ANSICHT MAX BUTTINGS Lüalich :\lusik übcrmilt-e!L. Der Hörct· muß nllcs l1innehmen, die Sender
id~n eine Arl kullnrcllcr Diktalm· aus. SoHlen die Hörer einmal prak-
. . llt·r Er!'ol-g eine~ .\lusil;slücl;cs hiingl. \Yl'llll man die .\lchrza!Jl clcr liseh zur .\la.ehl kommen, dann werden sie alles aus den Programmen
Zt•ilun_gsberl<'hle _:1ns1e>hL_ ::on den Qnaliliitcn 1lcs \Vc 1·kes und dct· Jnlet·- slrcic:hcn, was l:lllgwcilig isl. Langweilig isl alles, Yon dem keine "'irkung
prl'ialwn ah. D1r> (Ju-;iiJinlen dt•s Publikums werden seilen in Franc ans'gehl. Ist es nil'hl das eigene \'eranlworlungsgcfübl. dann muß e.s
gc~lt•IJI, -- . heim lüilikcr sind .\fusikaliliil, Intcl!iorenz. Yorurtcils!osi~r­ der \Vunsch sein, :\lachl nncl Erfo}.n· ·über die Hörer zu h[t!Jcn. der den
l~<'ll ns_\\'. I~nllll'l' ":Jrhandt·ll! TJ·-o!z aller zugebÜligl<•ll Eigcnsch,1 H~7n Komponislen Yera.nlaBl. zu slmlicrcn~ wie m· \Virkungen mil sciiwr :'llu.sik
k;:nn. dw llo~·ersl'hall abc1· nu1· unter cine1· Bcdincrun•r über ein "'crk aus dem Laulsprc<:hcr c1·zielen kann. Dazu mull e1· die Form überprüfen;
\\'n:kl_wh lll'i<::IL•n: \\'t'nn niimlieh \'Oll det· \Yiedergal;e i~gendeinc charal;- muß \Yisscn. wie Slci:gerungcn, Flüchen, Dnrchfühl,tUlgen, Pa_usc.n u.sw.
ll'r~sl ~sd1e \\ 1~·-k llng a IISgPI-(a ngen isL F nd d it• :\I önliehkci t cine 1· eharak- aus dem Liilllspre('her "'il'i;en. 1\luß den Klnng kennen, das Kriifteverltiilt-
it'l.'lsiJsl'ht•n "Ir kling hiingl \'Oll vielem ah_ Vom Jbum. seiner ,\kuslik. nis der lnslrumcnlc, der Inslrumentgruppcn nsw_ Und muß sich über
~ 1 ' 1 : 1 _<·m ,\uss('l!l·n. s:·iner Tempcralm· usw_ - \'Oll allcni, was gleichs:llli die :\löglichkcilen seiner Sprechweise orienlicrcn, Polyphoni-e, ArUkula.liun.
Z\\'JSt:lwn_ dt•m l'J'klingenden 'Ve1·k unrl dem IJürer steh!. Gnlndle•rl'nd Pla,stik usw. 'Venn Cl' es 11.ichl tut, schafft er wie jemand, der S'cincr
':·Ich l1g !sl die _Eii_Hiringlichlwil <il'J' lnlcrprelnlion und die Tcchnil/' des \Yit·kung nie gewiß ist, - e1· tappt im Dunkeln. Dann werden sich die
l>omponJsil'lt, <111• Ihm cnni\glidli<•, sein geisliges \Vollen in Tönen den!,- Sender und die Hörer das heraussuchen, was zufällig geeignet ist, -dann
hl'h :tii-SZ!I(Irückl'll.
wird die Komponislcn die Schuld treffen, dringende Bedürfmisse <lcr Zeit
_Das wisst·n wi1· alles. "'ir kennen den \\'er!. der 'Virkunu. ihre übcr- übersehen zu ha_ben_ Die soziale Verbundenheit der l\Iusik zu den i\len~
sl'!Ia_l.~lln,~ 1111d l :nlersdJiilzung; wiJ· hai;en auch genug Erfaln·ung sagen sehen war noch ni:c so groß wie heute, wo sie durch Rundfunk übcr'-
Zll ~'OIIJH 11. .. \\'ann Im honzeJ·isaal ode1· m der Oper ein möglichst gr:.Jlles lragen wird. Die i\f usik wird g1·ößere Bedeutung für viele gcwinn.en,
~Ia[., ''"II \\·1rkungen aul' den Hörer erreich! winL wenn der Komponisl auch auf sie cinwi1·ken kann. Das muß er lernen.

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87
RUNDFUNK- UMSCHAU
,' ~

DieUrsendung vonSchre- sehen Sich-Auslebcns fehlen. Das Hingst mit gutem Gelingen aus dem .Tosef Sehillingcr gespielt. Ein wei-
I

k er s "K I c i n e r S u i l e f ü r d e n Anknüpfen an rhythmische Ele- Konzerthaussaal iihel'lragt•n worden teres Konzert zeilgenössischer :\lu-
H und funk" steht recht eigenl- mente moderner Tanzmusik und (Leitung Paul YO!l Klenau\_ - Der sik wurde durch die Übertragung
Iich am Beginn der geplanten ihre 1\.-onh·astierung scheint gerade Hamburger Sender hat den Mu- des Osterreichischen Komp<Onislen-
Schaffung eines Hepertoires art- hier ein Weg zur Musikalitiit der sikschriflstcllcr Hans F. Schaub zu abends ermöglicht. We~·ke von
eigener Rundfunkmusikcn. Die Auf- J\Iassen - dem eigenllichen Ziel einem Vortrag ,)Iu-sik de1· Jüng- liauer, Ga!, \Vellesz, Grosz und \Yeigl
führung die~~es Werkes, am 17. .Ta- der Rundfunkmusik sten" eingeladen. l\I:m hat ihm da- wuT(!en. nach einleitenden \Vortcn
n uar, ist von einiger historischer bei die l\1 üglichl;cit orcheslraler Bei- Pani Stefans, gespielt. Endlich ist
Bedeutung. l\Ian trug dem auch in Zu den in tcressa n les len Kon- spiele gegeben. Als zeitgenössische
zerten des Berliner Rundf1mks im ein Konzert mit neuer Ukrainischer
de1· Aufmachung mit Recht Rech- Opernübe1·lragung ist die _Sludi~au~­ :\Iusik erw:lhnenswcrl. - In B r es-
Januar gehörte der Abend mit einer fühnmg von Franci\Cnstems L1-Tm·
nung. Dr. Hans Flesch, der be- 1 a u mußte ein interessanter Song-
Wiedergabe Yon K o d {t l i s S u i l c
wührle J.?rogrammleiter des Frank- Pc zu nennen. - Der Zyklus "Mu- ,\bend verschoben werden: er \'vird
"H a r y Ja n o s" (erste A urführung sik de1· Gegenwart'· des B er l i n er
furter Senders, sprach in einleiten- hoffentlich mu~hgeholt. - In :\1 ü n-
für Berlin) unter Oskar Fr i e d. Senders wurde in einem russischen
den Worten übm· die hier ja zu1· <~ h e n ist eine .. Konzcrlstunuc" her-
Die Suite hat ihren Titel nach einer Konzert l(wlgesetr.l. Nach einleiten-
Genüge erörterten Fragen de1· Hund- vorzuheben. die besonders ge-
Don-Quiehotle-ähnlichen Figur der den Worlrn Kurt v-on Wolfurls
l'unkkomposition. Die anschließende sclnna.ck,·oll \Verkc von Debussy.
ungarischen Sage: eine progl'111l- wunle eine Sonatine für Klavier
Aufführung des Werkes aus dem I·Iindemith. Toch. StrawinSikv und
Breslauer ~Sender wurde von fast matische Bindung, die den äußpren von LopalnikolT und \Verkc Yon Scrjabine Z:usannn.enzustellen ~Ynßlc.
sümllichen deutschen Sialionen über- Rahmen schafft, aber das formale
nommen, der K<Omponist leitele die Eigenleben der wirksam kontra-
stierten Einzelslücke nicht anlasteL GRAMMOPHON
,\ ufl'ii hrung, die von der Schlesi-
schen Philharmonie ausgeführt Die Aufführung war vorzüglich.
Kulturnbteilung des lt•idcr ohne Text - auf 0 d c o n-
wurde. Das Stück ist sechssätzig: Wenn die im Rundfunk doppelt
notwendige Beobachtung der Form Lindström konz er n Piattcn vor. Der 1-i.<moncn-Song und
lnlroduklion, Canon, Fughclt.c, Tango-Ballade (Bestellnummer 3703)
so erleichtert wird, wie dies <Iurch Der Lindström-Konzern hat so-
Intermezzo, Capriccio und Finale.
Es is l besonders reizYoll. dieses Fried ~rmöglicht wm·, der das eben eine besondere .J\. u I t ur- wt•nlen von der prachtvollen Lewis-
rhytlnmsche Element zu dringli- abteilung" cingerichlcl, dc1·cn Huth-Ban!l unll>J· Theo ;'\[ackebcn
klare und überaus geglückte Stück
che!· Spontaneilüt stei,gerle und an Aufgabe die Skhtung der vorhan- gebracht. die ja das \Verk seit seine1·
(fü1· einfaches Holz mit Englisch-
i}1Slrumentalcr Farbigkeil das denen und die Herstellung neuer L:raufführung in Bcrlin spielt. So
lwrn, Saxophon und Kontrafag-ott, originell und fesselnd Yor allem
Außerslc aus der Parlilur heraus- Plallen nach Gesichlspunklen päcl-
zwei Hörner, Tr-ompete, zwei Po-
halle, immer unter dem Gesichts- arrngischen \Vertes ist. Die Leitung die prachtvolle Tango-Ballade in
saunen, Tuba, Klayier, Harfe,
punkt der Endwirkung vor dem h~t Prof. Frilz .T öd r übernommen. dieser Darstellung auf der Schall-
Schlagwerk und Streichorchester)
Lautsprecher - so kann man bei platte ~ur Geltung kommt: diese
auf seine typischen Rundfunkfunk- N eucSchallplattcna ufn ahmen
alle!' unsicheren Kenntnis der Pu- Stücke sind Gesangsnummern und
tionen zu untc1·suchen, doppell reiz- r.citgenössischer \\1 rrke. wer etwa die Darstellung des
voll etwa in Vergleichung mit der blikumsreaktion doch in diesem
Fall Yon einem spürbaren Erf<Jlg Die von der Colnmbia-(;csell- Kanonen-Song auf der B\1hnc mit
ähnlich besetzten Kammersympho- sprechen. schaf! preisgekrtlnte V I. S y m- der rein musikalischen \Vtedergabe
nie Schrekers. Wir werden das phonie v01_1 Atlerl!erg lie~t vergleicht, wird das Fehlen ge-
durchführen, sobald die Partitur
zugänglich ist. • schon in zwe1 Aufnahmen YOI'. Dir
Co I um h i a selbst hat <las Werk
sungener Platten geradr <licser zün-
denden Stücke bedauern.
• Der Frank f ur t er Sender
setzt seinen unter Leitung Ludwig
Hottenbergs stehenden Bruckner-
<Iurch das Königliche Philharmoni-
sche Orchester in London unter
Sir Thomas Bcecham einspielen
Die D c u t s c h e
p h o n -A. G. lwingt
Gramm o-
5 Platten
Im Berline!· Rundfunk spielte mit KlaYierkompositionen Erwin
zyklus fort. - Bemerkenswert ist lassen. (4 Platten C. L. 21<10/63). Aller- Schulhaffs heraus, dieder Kom-
C.em·ge Antheil eine für diesen
die Übertragung eines unter Le~­ berg hat eine Aufnahme der I} e u t- ponist selbst mit blendender und
.Z:wecl' geschriebene I<la viersonate.
J( Ia vierübertragungen gehören noch
tung .Taseha Horensteins stehenden schcn G1·ammophon-A..b. des klarer Virtuosität eingespielt I1at.
Konz·erts der Frankfurter Orts- Berliner Philharmonischen Orche- Der auf 1ler Platte sonst so heikle
immer zu den relativ am schwer-
gruppe der Internationalen Gesell- sters geleitet, die auf3Platten (Bestell- 1\lavierklang ist vor allem in den
sten zu lösenden Aufgaben des
schaft füt· neue Musik mit Werken nummer 95.193/95) vorliegt. Dns dank- pikanten und eigenartigen Esquisses
Hu!llll'unl<s. Antheil erleichtert die
von Krenek, .Temnitz und Stra- bare, melodienreiche und tempera- de Jazz und Etudes <le Jazz so durch-
Funktion des Mikrophons durch
winsky. - In Leipzig wird eine mentvolle\Verk kommtauf<lenSchall- sichtig, daß der rhythmische Elan
einen schlanken Klaviers,atz, dem
Studioaufführung der Gurrelieder platten ausgezeichnet zur Geltung. des Spielers voll zur Geltung kommt.
Farb- und Füllmomente pianisti-
Yorbereitet. Sie sind in Wien un- Die ersten Aufnahmen <Iei· Technisch und musikalisch famose
"Dreigroschenoper" liegen - Leistungen! (Bestell- N r. 9.'5.196/95.200).
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zeitigen kann. die sich hinter drr sp:tler zum Einfallstor des Tran-
fertigen Form vcrscham;en. crktiirl IIIL'S ·in Bergs :\lusik g<'weilel. sie
KOMPOSITIONSKRITIK sich weil chPr der mmantische lw<larf wahrhan anderer Stütze :m
Vordcrgnmd als aus slilgeschichl- del· Konslruldion. als WL'r in :\lusil;
licller Deszendenz. S<·hmnann und sieh auslebt und aussingl. fern de1·
ALBAN BERGS FRÜHE zenrlict·l. in eine \Ycit<· des Scclen- vVagnci· werden hict· sn ziliPrl. wil• Yersuclmng. in sielt zu versink<·n.
LIEDER ratuns dringt, wie sie in der büeger- ein Sechzehnjühriger den :'\amt·n Yielleicht itTI m;~n nicht. Wl'nn
lkhcn Homantik des 1!l . .Tahrhun- der Geliebten. den zu tH•nnen er ma!l hier den t:rspnmgsimpuls vcr-
Die nnl'hlriigliche llcrausgahc dct·ls nicht vorkam. so isl d;~s qu;~­ sich sehen!. in alle dil~ grolkn mnl<'l. der B<•J·g n>Jn tr:iumen<h•n
eines Fri"llt\Ycrks dun·h den .\utot· lilaliY :mgesichls der cicrcnllichcn Namen der Vorzeit. in llclDisc, Gt'tl:khtnis dt·r Y:-tter zu Sc h u n-
rN:hlferligl sich aiiPmal bloJ.\ sach- Hcaliliit d~T Lieder tlocl1 ~echl W<'- Ophelia, Bollieellis Fl'i"Ihlings<~lle­ h c t• f! zog. det· die Lieder eisern
lich, nicht hislorisc.h. Der Autor, nig. Zwa1-, sie insgt•saml rechnen der crorie vr1·sleckt: und dirs l.Ineigrnt- durchdringl. h:trll'l. sprengt nnnd;-
dessen \V<'rkc (;esehichl<~ bilden. ,\nsllrucJ;smusik zu und man wird liche. i\Jaskicrtc. üslhelisch Yorweg- mal und als ih1· diall'ldisclws Ge-
ist nielll <](•t• c;eschiciJlssl:hreihct: nid1t ziigpt·n. sie romantisch zu o-enoinmene \·ibt·icrl ,·on zartct· cr- genühet· in jedem Takt fühlba1· .
sPiner sclbsl und hat nicht c\ul"- hPillen und wicdeJ· einmal zu de- ~cheinenden, flüchtigeren Gehallen, wird. noch den wcil'11slen 1\llng in
sc:hlnl.\ ülH•t· diC' EnlwiC'ldnng. son- klarieren. der unbequeme \Yozzrck als sie Yicllcicht in eigenllicher die Tektonik des cl·hclllen Gefüges
<ll·rn Enlwidlung unmillclbe~r zu Sprache ülwrhaupl faßlich und zu zwing!. Es kann nicht ande1·s sein:
sl'i ja cigcnllich heim Trisinn zu
gPhPn. Es soll denn auch 1\rilik sol- sagen sind. ln dicse1~ Liedern i~t wer 'als Knabe trüuml. was den
I-I ausc. den m:m hict· ancreredrl fin-
r:lH•t· l'ublikaliomn sich ehet· .111 die
det; \Yomi I nnut nun i~·cilich der das En·öit'll komponJcJ·L das nte Vi"ltl'rn iht· \\'i1·kliches war. dPssen
Sachen hallen als an ihre Slil- Miiht> cnlhohen wiirc. den \Vozzcck zuYor Yon :\lusil; grnwinl war. und \\"irl;lit-hkeil wird zuckend \"Ollt
funklion im Gesamtoeuvre des :\Ici- es stimmt aufkrordcnllich zu ihnen. Tnttllll abstoßen. ihn gll'irhwohl zu
gar zu nen und fremd JJu sehen;
sil'rs; \\'a,s sie fii1· jenes IJl•dcuten. und ihn in diese glorreich iibcr- daß sie zwanzig .lahrl' in rinem hewahn·n. ::\iehl umsonsl isl dt>m
liif.ll sich nicht sowoh I aus den wtmdcnc Verga;Jgcni!Cil abschieben Schreil>lisch nrspcrrl lageiJ. bis vonvcg Lehenden das Lehen der
ObcrJlücllcnmcrkmalcn dct· Form- könnte. Jedoch so bequem lnl es der lllcistcJ· sie zr>gemd. l:khclnd, Y:ill'r so zart gewonl<·n. d:li.l es am
gelntng zusammenaddieren als Yicl- Berg den historisehen Ohren auch immer noch verschümL aber doch künfligen. g:;nz :tlldl'rell Lcill'n
lll<·hr endlich an dem ermessen. in diesen offeil tonalen und nman- jetzt ih1·cr Ungr:wißhcil .gc~vil.l hei·- allein sich JJwsst•n und h:irlen
\\':IS \"0111 \Yet·kc seihet· hl<•ihl. -ohne ausnahm. \Ve1· thren getsllgen Ort kann. Fremd und fordl't·nd gelangt
lisch YCTslrömcmlcn Liedern nicht
Hiiel\sichl ;mf die Jolgcmlen. gPmaehl. Ausdrneksmusik, ja; aher sucht. sollte ihn liebPJ' bei :\larcPI Schönl>et·g ins Traum<lnnkel dr1·
Bergs früiH: Lieder nTfiihn:n wer 1lnkk l sich da aus? Es is I Prou~L als hei der Hmn:mlik des Lil'<lcr. l:;.,.tml und fordemd und
zur slilgeschichllichcn Analvse: so nkhl da~ sPlbsLhcrrliche. .rcwall- 19. JahrhunriPI'ls suchen. gut \Yil' dt•J' neue Tag. Yor dem
kcimhal:l \'erschlossen geiJ~;n sie liilig croiische Selbsl Wag;te;~,, YOIJ Damil ist nun ft·eilich auch Jlla II l"nislelt lJinlcr geseh losseneil
sielt; so lief sind sie cingehcllcl dem ci·sic:hllich d1•J· Drang zu1· crenug Untersdwidendes von aller Vorh:ingcn.
ins Musikhewußlsein ihret· Ent- :'\aehl komml; nichl das privatt• ~\.uscirucksmusik gefunden. denn die So z\vingl eine 1\n:tlwndiale~­
sl<·hungszcil; so leise dun·hliiulcl Ich, sich selber \\'eil genug, Yon .5cham. die sich ja nicht ausdrückt. lik. die nicht ihresgleichen hal, dte
von ,dl'll Sigmtlcn ill's Kommen- Brahms und Schumann; nkhl auch sondcri1 wrschwcigl: die klang ti euer ins neue Bc'~:ußlscin. Worum
<len wie tiercr Selllar von dc1· \Veck- das Ich der trauernden l\mmcc. ,vohl mi I. hci Schumann, auch bei die :\fünncr so ernstlieh sieh müh-
lillr JIJHI so voll cler zal'len Gewalt deJ' deutlich ct·inncrle Dcbussy. De1: Brahms. ·doch .kaum zuvor sland len. d:ts widerf:ihl'i einem Jüngling,
von Frühe. wil· nur solelies Ee- all das weiß und noch bringL isl sie im Zcnlrnm des lyrischen Kom- ol11ie daß er davon weiß.
wachen sie briugl. Allein all dies ein Jüngling und hal es Yon den ponicrens, so wenig wie der .lüng- Es füllt sehwcr. \·on der Schfm-
Ii l~gl vcl'llOrgcnet· als in einer Ellern gehört, aus der Kindheil lin«. der hict· die Homantik der heil det· Lieder ein.e \'orstellung zu
Scltichl. darin Dchussvs GanzLJn- mitgenommen, Lastel sich damit zu Mä~;ncr empfängt, die nicht seine geben, in denen all dies sich voll-
akkord~ ••int•t· konluri~t·ien. :tus- seinem eigenen Lau I; dies nicht ge- Sprache, und der sie nu1· reden zieht. Xichl die Schönheil des Si-
sehwingenden Melodie uiJicrlegl nelisch nur, sondern sa.chlich; was kann. weil sie nicht seine Sprache cheren. Geschickten ist es: hier ist
werden; oder wo eine Akkordkop- er selber dabei Yon sich · dem ist. Die Differenz der Generationen, es einrnal die Schönbeil des n~I·­
pelung \Vagne.L"iselu:r ChJ•omaliJ\. se- ~lann, der einmal sein wi;d mil- wie sie im bestimmenden Affe]; I sich kapsclten Beginns und dort <lie
lJliL'JJZfrei und rein durchgct"ühet, lcill, gilt weniger, als wie er kundgibt, gibt sich auch im kom- der frühen, Lr:iumel'ischen ~leistcr­
einPm Liede als konstruktiver sich ungewiß, fragend, eine leise poSJitorischcn :Material lmnd. Denn schall, einer :\lcisterschart. wie sie
<inmd anslall bloß als dynarmisehrs SlimmgabeL in den Lauten Yer- dies Zarte. das nicht aus sich her- ,·on \Vundcrkindem zu denken würe.
FcJ·mcnl gesetzt ist; auch wenn ein IJüllt, sich hinter sie \'erkriechL die ausschlügt; seJinc Form sich zu Am vollkommensten Yielleichl "e-
Lirrl i"thcr einet· Begleitung Sclm- er erinnert. Der beherrschend~ Af- bilden. samlern lieber bei sich zu- mde die frühcslen. uncigenllicl;~n
mannisch-Bralnnsischee Art krafl fekt Yon Bergs frühen Liedern ist sammengezogen bleibt und auf die Stüeke, wie die "Kachtigall". Das
de1· Singstimme, die dies in sich die S c h a m und aus solcher Jüng- Form warlcl. die ihm zuteil wird; Lied isl ganz einfach, hiilt Hans
l'llhendc harmonische \Yescn Lrans- lingsscham, wie sie auch Gedichte diese tiefe und gi·oßartigc Passh·it:il. mi l den herkömmlichen ~~ illeln:

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l
erfii llt sie aber· mit einer zagluflen Zu1· L'r:rnfführulll! Orchester noch cleutlicher in Er-
ner :Macht des Un!Jewul.\ten. die
Süße, die sie überschwert, aus scheinung tritt. Das ohne Unter-
allein den Angriff zu tragen,' aus- des KJa,·ierkonzert,.; von
ihnen entweicht, längst ehe sie es brechung anschließende Hm!do-
reicht, den Bergs Bewußtsein
~1 h nt; nirgends als im Mittelsa17- Eduard Erdmann in höln rinale bringt dann wieder mit
späterhin aufs Material der ?IIusik
diesrs Liecles ist der Affekt der unternahm. großem 01·che.~Lcraufgebot und
1\Ian hat es sich nachgerade
Scham bezwingender ausgeformt So werden die Lieder zu denen mannigfal Iigen Schlagzcugeffek lcn
abgewöhnt, mit uncnlwcgtcr Be-
Orlrv ,.Im Zimmer". wo das G<>- reden, clic sie vernehmen wollen, musikalische Entladungcn von ele-
aeisterung an die in den letzten
diieh!nis einer menschlichen Jugend ohne zu fragen, woher der Fahrt mentarer \Vucht und .hi{'t!'t clm·ch
Jahren beinahe t:Jglich entdeckten
bewahrt ist die sich lwum je' die und wohin es geht. Sie bezeugen seine kunstreiche motiYische und
musikalischen Genies zu glauben.
:llitlel fand. Komposi!-orisclt am eine I-I u m an i t ä t. wie sie in sol- rhYthmische ,\rheit einen bcsondc-
Da fällt es umsomehr in diP \\'ag-
reifsten das H.ilkclied ,.Traumge- cher Reinheit und· Echtheit kaum re;J Heiz. Dieses ganz pe1·sönliche
schale, wenn man einmal wieder
krönl.''; der verschlci,erte Beginn in ?II'llistk spricht und wie sie \Yerk nimmt schon deswegen inner-
den zwingenden Eindruck hat. 1"01'
mit rJpr· glüekliclwn Enthüllung der nicht genug zu akz,entuieren isl in halb deJ' heutigen musikalischen
einem positiven \\'e1·ke zu stl'hen.
vierten Stufe schlagend inspiriert: einer Situation, die das i\Ienschliche Produktion eine Sonderstellung ein,
das unab1Jängig von musiknlisc.her
zugleich im g:mz,cn eine ü1wnomie ITrgessen möchte, indem sie es mit weil es frei ist YOil aller abde-
l\Iode 'lmd Rich Lungen entstanden ist
:ms der R(~gion der I\ammersym- dem Privalen verwechselt. Die mischen Trockenheit. der so viele
Dieser Eindruck, den das im letzten
phonir, dir den Überschwang grnn- handwerklichen Schwierigkeilen der moderne Komponisten ,·crhllcn,
dierl; iihnlich ausgewogen zwischen Gürzenich - Konzert 'Ur:.tufgeführte
Lieder sind nicht groß: manchem und weil es anderseits weit entfernt
Kla,·ierkonzerl von Edunrd Erdm an,1
Hau und Expression das letzte Lied, könnten sk den Weg weisen zu ist \'Oll der flachen Unterhaltungs-
vermitt-elte. kann daher gar nicht
.. Somm<:rlagc", mH bereits ganz pm- manier. die heute Yielen Schaffen-
filierten melodischen Bögen. Endlich
der Region, wo heute das Geschick starl;: genug besläligl. ~verden.
von :!\fusi'k sich entscheidet und alle den a(s einzige Rellunu aus del'
Eduard Erdmann als Pwmst gro-
die "Liebesode", nad1 I-hlrtleben, könnten si•e treffen, die geöffnet überspannten ~ ,.Sachliciikeit'· t•r-
Yon ein,em harmonischen Einfall in- ßen Formals ist allgemein bekannt.
~ind. 2\l öch len die ilu·er wert sein. seheinl.
auguriert, der sacht in ein höhlen- als Komponist isl er eigentümlicher
in deren Hände sie kommen. · We:ise noch wenig hervorgct1·elen. Else T h a I h c i m c r.
hal'!es Dtinkel hinabgeleitct, mit je- Th. 'vVi esen grun d -Ad orn o. Man kennt von ihm sehr eigenwil-
lige Klavierstücke und hier in Köln

Zur l\eucn i\lu!'ik

~I
seine im vorigen Jahre aufgeführte
erste Symphonie. Das Konzert für Ki e I
REVUE DES MONATS
,_ _ _ _ _ Klavier mit Orchester, op. 15, das
mit dem Komponisten am Kl.wier
Wir haben den I-eiter des
)lu•ik"·i••em;chaftlirhen Insti-
tuts der linh·ersität Kiel ge-
unter der musi,kalischen Leitung beten, uns Näheres mitzuteilen
Ernsl
"K I e i n e
Krc11ek:
S y m p Ironie"
ben, die durch eine starke ins-tru-
mentale Phantasie beflügelt wird.
'
\
\
von Hermann Abendroth eine her·-
vorra,geude und eindringliche Auf-
über die Bestrebun11en des In-
stitut~. ze i tg e n ös s i s c b e
Uraufführung unter Klemperer Wie hier zwischen di·e Violinen und führung erlebte, hatte einen star- \Yerke zur Diskussion
II ier sprich! ein :IIusH,er, <lcr Kontrabässe eine Gruppe von Zupf- zu stellen.
ken, wenn auch nicht unbestritte-
unsen• ZPi l hcgt'iJfcn haL und ein instrumenten eingeschaltet ist, das nen Erfol,g. Der großangelegte erste Sehr geehrte Redaktion!
htmwn·oller und wi!z·iger Geist da- bezeugt schon einen ungewöhnlich Satz des Werkes zeigt den Kompo- Da es in Kiel leide!' keine
zu, der· zu imnisicren weiß. Wie feinen Klangsinn. Das Ganze ist ein nisten als Meister in der archi- Ortsgmppc der Internationalen Ge-
t•r· mil der· Symplw'nielionn mn- Werk von einer Frische und Ur- tektonischen Arbeit, musikalische sellschaft für Xeue .\lusi·k gibt.,
spring!, wie er· gewisse, bis zum sprünglichkeit, wie es im Bereich Gedanken ,gegensfüzlichster Art wer- wo ausschließlich die Neue ::\lusi-k
Cberdruf.\ ahgchaspclle lllclismcn des zeitgenössischen Schaffens nich l den zu g,ewaltigen Steigerungen ge- bekannt gemacht und zur Di-s-
nrulkt, das i'Sl schon sehr lustig gerade häufig anzutreffen sein wird. führt die in einem kunstvollen Fu- kussion gestellt würde, beschlo,ß
zu hiircn. Dabei ist lü-cnek ge- Das Publikum ging denn auch be- <rato ~inen Höhepunkt finden. Nach ich im Herbst 1928, mit unseren
wiß nicht nur t'in Spa-ßmacher. geistert mit ,und bereitete dem Werk der intensiYen Gespanntheit und Studierenden der Musikwissenchaft
Abgesehen von dem großen for- einen rauschenden Erfolg. stra.ffen Haltung des ersten Salze-s eine Arbeitsgruppe durchzuführen,
mal.en Können, mit dem die· drei Die Aufführung war von denk- fesselt das daT'auffolgende Intem1ezzo an der auch Außenstehende teilneh-
Sii tzc dieser Symphonie gebaut sind, barer Vollkümmenheit. Klemperers im Gegensatz dazu durch eine. viel- men könnten. Dieses Unterfangen
l'ühlt man z'lrm Beispiel im lang- pl~iinomcnale Kraft der Einfühlung, leicht innerlich gewollte Zernssen- begegnete bald intensh·e1· Zustim-
samen Salz, dessen romanlischer sem elementares M·usikantcntum heit und Auflockerung der Form, mung. Um die Voraussetzungen für
1\'USdJ·uck sich so kokett selbst be- 'Und seine suggestive Beherrschung durch einen farbigen, oft bizarren. manche "Anfänger" zu schaffen, be-
spiegelt, den Ernst im Spiel. Ein des Orchesters holten das Letzte I Stimmungsreichtum, der durch die schäftigten wir uns beispielweise in
i nncrlieh freier und gelockerter aus der Parti·tur her.aus.
Mensch hat diese Musik gcschrie- Wal ter S c h r e n k
kammermusikalische und konzertie-
rende Behandlung von Klader und
mehreren Sitzungen mit der Kunst
:.\I u s sorg s k y s, dann auch thoo- I
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rclisclt thllTIJ slilislischc und har- hei jedem Pinr.elnen lebendig sind,
monische ,\nalnen mil dem frall- Theater
brauche ic.h nach dem s-oeben Be-
ziisisch cn Im p1:essionism us. Da ;~s J·ich le lcn kaum noch besonders zu Bartok, Grosr., Janill:ck in Bcrlin: i':wt·i :\f•\l:11Jfnahm(•!i ,J,.r JiHl0:,..1~·:l ( l;·•·n1·
J'i'lr soll:he ,\nl'iinge in ersler Linie litPratur bh. il"_.n dam•!u'n :m •·r·v,·:thn•·n: Er•.
betonen. D1·. 1f. 1-1 o r r m an n. Dio schattenhafl dahinglc-itemlPn In~ötru­
nekr: •. Jnnnr•· in rh·r ~t~.dti~hP11 flp1•t mt·i
·Pi ll!lltl] d :ll'll \1 f ankomm!. 'l) ffcn Cll
Sinns und ben•i.J r.u SPin. ci'llPr andc-
n·n 1\ langwel L das Ohr ~u eröfl'nl'n.

J~ ü n i g s h c r g.
menLalreflexe, die im ersten Teil Yon II a r-
t ö k s "BI a u hart" stark mit imrrr•~ioni­
stischer SprechgeeangFlendenz ,·erwohen ~ind
Jrrn:\C.ek!-" •.J._·nüfa .. unt.,~r 1\ 1Pi l1 ~· r h J•·:
Staa tFOJH:>r. ~4-·U•· \11111 lwr('irhf•rni'Wf'T"11' l•dt.
Ftell••r in Jan:iC<•kF .. l<·nil!a" Fiu<l nur iln~<·
Sehr geehrter Herr Inlenclanl! und der nPelleas"- Partitur Dehut-~t"Y~ nah~­
linlernahmen wir es llann außer~ l'auly~Prr!PFPn dr..>nüfal tmd Ti!~: d•
Dit; morl-ernc Oper beginnl all- stehen, verhallen in ihrer 1\langr.haraktcri•tik
c;armu. Di•• .\ufführun~! fjn,]t•t n:tdl wi1· '"T
halb des planmiißigl•n Arl)['ifs\'lT- durchaus nicht ftO tmdramnt.i~eh. wiP ei; in dPr
miihlic-h an ,·iclcn Orten aus der Städt.iFchen Oper gedeutet wird. ~liigJich. dall
den r·nt}JuriartiF«.'h•·rh•H Zu~prud1. l: .. v•;n•·
Ia ul'cs. l'incn hegrenzlt•n Qlll~rschnill Si lua.liou mühsam erkiimpfler küns 11- bei einem dramatisch geFleh.!eJten Hiihm.•n-
zu wünr.chen. daU Firh dit• ~t.a.:.tt toJIJtPf dod~
·dureh neut• Musikprobleme an lHH.'h t•ntr-dJlöFFP und 1laF ~JI;.itwt•fl; •• I tj,.
lerischeJ' Erf-olge zu wirklichen. bild auch die düster brodelnde ~luFikre" n'a~z
~al'he dt•F ~lakn,puloru n{•twn l]t•r n:~f'lJ::••b•­
!land iltre1· i'IIH·I-ragendslcn \'cr- lalsiichlielwn Biihnenrrfolgen auf- eindringlicher zur Geltung gekommen wiir••.
Ft•nt>n Oper •. Auf •·irwrn Tot ..•nhauJO~' b·r·:tU~>·
lrl'ltT Z\1 bringt•]]. Ci ll f a C h i 11 Zweifellos, dafl sich der H:hon ohnehin laut
zurückl'n. Es isl dies sicherlich einstellende Erfolg noch intenFiYiert hätt<>.
hr'.ichte. 1!. !L ! ::&
der s c h I ich l e n A IJ s i c. h l. u n- in l'rsler Linie der zielsicheren und V·täre dem nun al~ pantomimh:ch{lr !\ekrn]ng,
st•rt• Jfiii'CI' l'l"llSlhaff. <IIL Der hoJzgeFchnitzte Prinz" ,-on Bartiik ge- Düsscldorf:
cnlschie<lenen Arbeil einzelner Büh-
(I i l' h l' u l i g l' .\1 11 s i k z u g c- nenk•iler zuzuschreiben. Der t:'m- f~lgt. lJudwi!( Hofmann und ~laria ]{ a i d I ..S:chwamh. •h_•r llurh·l~:wl-:t'!t•if~·r·· \;;"ll;
"' ii h n c n. wit• wir auch als .-\us- dürfen als her\'orragenrh.• J)art:.teller und S1-in~ hiPr nach Bn.•f'lau hl'f':Hl!=-. t•i·· pr(•1•l•·mluJ-..o•
schwung, der nach den uns zugc- ger den großen PuhlikumszuFprm·h für dil· X"türlichkeit d<·> m<·lo<li~'<'lwn Flu>w•. •li•
Ji'dJI'l'IHh· uns rcsllos mil CbtT- kommt•JJen X achrichten in de1· Ein- Bart6ksche ~I usik einFl reichen. lnt·ker~ und doch '" lo~if'('h<· .\rt ,j.,,
zt·ugung diesl'r ~lusik als dt•r unst•rn sll'llung Lll's Königsherger Opern- Wilhelm G r o ~ z. ehenfall,; mit einem flnlyphonen Führun~. di•· ~J:im,•n•l•· lt<·h:,nd·
hinzuge_hen n·rmochfl>n. \Vir gcslal- überarLeiteten Frlihwerk: dem Tanznüirclwn lunJ,! der !)timmlkhen un~t Or("hPFtr-:11•'TJ
puhliknms in lclzlcr Zeil eingetreten mit Gesang. ,.Der arme Reinhold" (nach ~tellen Fich r<•ihun~Fl•JF in d•·n Jli"n>t
lelen d lese Kammermusik im Hah- isl. Jiilll hcsond{•rs au!'. Dürfen wir dem Hoffmann~chen SlruwwPipeh•r-Bnr-h 1. lll•· t•iner ÜJIJli!! quelJ,~nd(•n und h,,jt.or.:•n 7(·~~~
lllL'n des Collt•gium musieum. in mn einige niihcre Daten billen? schließt den unglücklich zu"ammen~ewürfelt,•n t:pr:u.·he. lh•n Jl~hf•punk1 d1•r He.:i~·~\Ünl'"'t"
<ler Cberzt•ugung. dal.l gc•1·adp Abend. Diese Uraufführun~ \'erFJlätet sich 11111 erklonm' !Ir. Frh•lrkh I'~ h r a m 111 mit
Anbruch. rund zehn Jahre. Gro~z hat inZII'iFchen al> dPr 1IüllPttF7.A•nt• unri ihn•n roti,•tt•rl'l''!l
l'l'll Kreis Yon .\lnsi·klidll'nden.
Sehr geeln·le Schriflleilung! J azzkomponisi mit dem .• Baby in der Bar•• F(:'1H:.•rcarb<·n. \'Ofl ,],•r ~·~ in 1-1it-z~!uwl1•·r·
willig und ,·orurleilslos sich mit Karriere~ gemacht und die~es mei!"lt•rt:in:.!t'r· luFtigt•r Fahrt zur lJh•rw••lt ••mJmn.:in~.
dtT :\ L'llt'll .\lusik n~rlraul zu Die Oper "Cardillae" von 1-I in- lieh kontrapunktierte Frühwerk mit öeinem Jatt<'h:! Hor(_lnFt•_•in n-:n d1•r P:tr~it1H
lll<l('hl'IL am gt•t·ignetsten wiin·. wie
d e m i I h isl hie:1· !Ji·s jl'IZL zwölfmal belangvollen Liedöchaffen überholen. IJenno~h t'in h•mp~·r:ml(•ntw•lh·r A1Jr.<h·ul..;·r. lt1 dutd·~
clt~nn j:1 --- dit•s l'ühriL~ ic.h in -mei·- gegl'lwn worden, bei durchs-chnill- erringt sich der ,.Arme Reinhuld" einen wec: :.rnH•r B~r~tr.unc f:md cli(• ~(•uhr'i'
lich gnl besuchlem Haus. Die et·slen durchschlagenden l'ublikum~erfolg. Sentiment <·in auf> heFte unt<•rhJtlt••n••F obnkh:m·•
lll'll Einl'iihnlllgsworten ausführlich und Naivität sind hier in einer unzwei- Pnhlikum. Hoch da man rkh lw·j unF h·id"~
.aus-- in l'rühe1·er Zeil geradL· 'echs Vorstellungen \\·aren sog~r deutigen Art auf die Bühne gestellt, dafl FO Jllit Wil~ nit• T.ll aJtfJrnien•ndt•tl lt4'•f".( 17UT'·
d<1s Collegium musieum s eh I' gul besuc.hl, die Premiere sich nicht nur das Einderauge am traditio- cen •·ntFchli•·ll••n kann. "'' Find d~· Au!-
ansvL·rkaul'l. Bei dem an moderne nellen Tanzspiel weitet, daß auch da" Alter fühnm~•mij~lichk~iten durch 1\r-anklwit Fbll"
d i L' S l ii ll e ''" a r, a JL d er n u r traumverloren die Ballettkunst des recht lt•kht uefahrdel. !Ja• i•t r•in.-r oln l'un\<1•·.
11 c 11 z l' i I I i· c h e 'V e 1· k e 111 11 s i- Musik noch in keiner Weise ge-
unausgeglichenen l~nsembles Licci 111 a u- an dem ht•i unF noch durch~r,.i!<•nd rd•u-
z i ,. I' I \\' u r d l' 11. \\'ir· nnrsizit•J'Il'n wöhnten Königsherger Publikum ist d r i k s bestaunt. Könnte die Rahmenhand- mif..•rt w~rd(m muß. \\·•·nn allt.• \'r~t ~l1n··
in dil'Sl'lll gJ·üf.lt•n•n Kreise mit dt~n der Erfolg e1·sLaunlieh. Auch solehe lung beseitigt. werden, es würde sich pan- chun~en erfüllt werd<'n !'ollt<-n. "" rniilJt•·
lle1·rcn dt'' :\lnsikwissensc:ha:fllicht•J! !\.reise, die der modernen i\lusik ab- tomimisch manches zum Vorteil der ein- hiH Ablauf dt~r Sait-=.on jr-th~ \\·(~hr• c•itw
lehnend gegenüberslehen, haben am zelnen Tanzstücke l!estalten. die u. a. einen XeueinF-lmlierunu h(~r:J.UF.J!<•hrarht \\"('t-dt·fl.
lnslilult•s. dil' -fast alle .ausi'lhl'nde Slowfox, Blues, Tango, ein Jazz-Potpourri Lkhthlicke dee ~pi•,lplan•'" war.-n "uLI•·r-
.\lusi kt•r sind: Bcla Bar I. {J k, Fünl'- ,,Canli llac." GcJallen gefunden und und ein großes Walzer-Finale abgeben. K~in d!'m di!• kamm~rmu•ikali~ch f~in au~~··f•·iJt, .
ze!Jn ung;u·isc!H~ Bmwrnlieder für ihn a.u eh zwei- oder drei mal an oe- Wunder, dafl die aufgewüdelle Jogefine- ,.Ariadne auf !'\:n:ru:.u (]plzt .. FaFt:un~' 1. df•t
hör!. Durch diesen Erfolg ermuligl. Baker-Parodie bei offener S~<ene da capo ,.BoriF". <l<'r !rotz manch ~<·waltt<arn•·n r:if,.
1\la\'iPJ'; El'llsl 1\ I' l' n e k. ,.0 Laer\'- verlangt wird: wo Grosz dem modernen Tanz- ~riffl' durch dit• urFJlriin~liche Ordnur.~ d<•t
mosa'·;. l'aul II in d c m i L h. s,;_ werde ieh im näehslen Jahre ver~ stil huldigt, vergißt er bisweilen den Schrc- :-;chluflFzene erfreu!e. und Hermann H ,. u:.
nale l'i'11· Bnrlsche und li.·la\·ier, suchen, Alban B c r g s "V..' o z- kerschen Celesta-Klang und die instrumental- t c r t-: proh1emhelaFt.et~r. dnch Ft.dl~nw.-·il"~·
<.>p.11, IY; lgm· Slrawinsky, z e e k" zur Aufführung zu brin- pfropfende Kontrapunktik. Die chorische und suggestiv v.-irkf>nder .. Saut... Carl ll'?i01f'fl.
gen. i\Ieines Erachlcns isl es viel gesanl!;ssolistische Aufteilung ist sekundiir.
"Cinq pi(~ccs faciles pour piano a Aber gerade bei der Handhabung des Stimm- :\lagdeburg:
·J mains". wich Liger, daß man wenige het·- apparates wird die hervorstechende lyrische ln der MaJ<delmr~<er Op<•r (\'('!';lllt\n•rt-
vorra.gende \Verl\e moderner i\Iusik Begabung einleuchtend (Wiegenlied). Ein lich: Generalmurikdirektor Wallher l:<•:k •
Dit• Zustimmung war sl'lu· groß, im Laufe einer Spielzeil wirklich Frühwerk, das in der ganzen Unbekümmert-- gab es nach dem r:inakter-AI..,n<l mil l'ru-
\\'ir \Yil-derllllllen diese Demonslra- heit seiner melodischen Einfalt stets für sich kofieff. \\' eill, llindemith. über d<•n hi•.'r
d ur c 11 s c Lz l, als daß man eine wirbt, weil es den Geschmack der breiten ,·or eini~er Zeit herichtel wurde, r•in•·"
lion (lllil Einl'ührungswoi·Icnj in der
niir:hsl{•n \Vodw in unserem Semi-
Fülle von Novitälen ein- oder zwei- Publikumsmasse für sich hat. Grosz, der H t r a w in s k r - A h end und "i"''
W ,. 1-
mal im Jahre aufführt. Ich habe sein Tanzspiel persönlich \'Om Pult aus be- leBz-l'remii-re.
JJ:ll' bei überaus reger Belciligung. die Absichl, den "Carclillac" in der treut, wird sich mit der Durchschnitt•- StrawinFk)'F,.GeFchicbt<• \'Qill
D:ll~ in unserem Jnslilut selbsl die leistung des Tanzensembles der St-ädhschen So I da t e n" entfeFFoelt.e <>in Skar.dlikh••H.
nächslcn Spielzeit mindeslcns den Oper abfinden müssen. Auch ihm wäre es zu Magdeburg ist da noch ein bilkh<m zu-
Bl'reilsehai'L und Anl'geschlossenheil Ab-onncnlen noch einmal zu geb-en. wünschen gewesen, daß sein "Sganarell'' den rück. Doch wir hoffen, daß Becl;!< pä,oj-
dlT 0:!'uen .\lusik gegenüber fasl Hans S c. h ü I er. lyrischen Vorgeschmack dieses seines Früh- ago~i~che Arbeit allmählich die cbl•- u..
werkes ergänzt hätte. der LPhenden geu<"nül·e·r d.,n Ra.dautna('bern

94
95
1:
Yon \"Ol'gestern durchsetzt. Der "0 e d i- D u i s b ur g: Das endgültige P r o gram m Komponisten
p u s Rex·· jedenfalls, das neueste Stil- für das diesjährige Ton k ü n s t 1 er fest
experiment Strawinskys, hatte in seiner des A II gemeinen Deutschen M u- Bela Bart ö k konzertierte (mit Stefi Paul A. Pisk~ stattfand, an dem der Kom-
n~nen Klassizil1.t \·icl mehr williges Pu· s i k ver ein s, das in Gemein::mhait mit Geyer und Ilona Durigo) in Zürich und ponist eigene Klavierstücke spielt_e un~ Ria
lolikum als der .. Soldat·', der zehn Jahre der Stadt Du i s b ur g vom 2. bis 7. Juli Basel mit eigenen Werken, die tiefen Ein- \'On Hessert seine Lieder sang. Chnsta R1chter
älter ist. Die lapidare Größe der· Faktun
des "Oedipus", die \\'ucht der konzessiOns-
c
als 0 p ernfest wo h e stattfindet, ist druck hinterließen. brachte Pisks Violinsonate, op. 22, zur er-
folgreichen Berliner Erstaufführung.
ietzt in allen Einzelheiten festgelegt Hanns Ei sIe r hatte mit seinen Ar-
los-tiefernsten, gedrängten, zum äußersten worden. Der Gesamt p I an sieht
gestrafften Rhythmen,~ die _grolle zwingende beiterchören einen großen Publikums- und Karo! Rathaus' 3. K1aviersonate wird
nun folgende v i er ab end f ü 11 ende Presseerfolg. Sie ·wurden in Berlin ':~ter in New York· (League of Composers) und
Einheit diesrs Oratoriums verfehlten ihre 0 p c r n vor: "'Iraumspiel" von Julius
Wirkung nicht. Die .\uffiihruncr dee .,Sol- Leitung von Kapellmeister Rank 1 aufgefuhrt. Philadelphia (Gesellschaft für Neue Musiki
\V eisman n, "Tullia'' von Paul Kick- aufgeführt.
daten'" wie: fles ,.Oedipus" unter Beck S c h m i d \, "Die Troerinnen" von Emil Wilhelm G r o s z spielt sein neues K1a-
1rar brillant. P e o t e r s und "Maschinist Hopkins" von vierkonzert zum ersten Male im ~'ebruar Heinz Ti essen: Die Totentanz-Suite
Egon \V e ll c::;:, z -- dessen kultisches illax Er an d. Auf die beiden noch übrigen in Amsterdam unter Mengelberg. für Violine und kleines Orchester kam in
Drama "Die Opferung des Gefangenen'' im Abende werden einmal Arnold Schön- Berlin durch Frau Terese Petzko-Schubert,
.)uni 19:27 auf der deutsclwn 1'heaterausstel- Otto K I e m p e r e r s Opernarbeit trägt
L er g 8 einaktige Oper "Die glückliche die Sechs Klavierstücke, op. 37, im Berliner
lung in ~Jagdeburg mit bemerkenswertem den Titel "Das Z i e !", vier Opernszenen.
lland'' und Helmut G r o p p s Oper in Die Universal-Edition hat das Verlagsrecht Rundfunk "durch Franz Osborn zur Auf-
kiinstlerisehen Erfolge aufgeführt wurde -- zwei Akten "Gcorge Dandin", das andere führung; einleitender Vortrag Walter
hiitte man die Leichti~keit für ein mo" erworben. Die Uraufführung findet vorau~­
'rlal folgende drei Einakter verteilt: "Dia- siehtlich noch in diesem Jahre in Berhn Schrenk.
dernes. Singspiel kaum zugetraut. Die Auf- lltlR Hochzeit" von Paul S t r ü ver, "Der
Jiihrung :--einer Opera buffa "S c h e r z, gefangene Vogel'' von Hans C h e m in- statt. Kurt W e i II hat acht Stücke aus der
Li s t und Ra c h e" bewies, daß er nach P e t i t. sowie da~ Tanzspiel "Salambo•' Armin K n ab hat soeben "Geistliche Ge- Dreigroschenoper zu einer "K I einen Drei-
dem heroischen Ernst seines letzten Wcr- \'Oll Heinz T i e s s e n. sänge nach altdeutschen Texten" für Sopran " r o s c h e n rn u s i k" in neuer konzertanter
lü~s eine Kammeroper von intimen Heizen Essen: Ein Zykln:;; ..Spiele unserer und Orgel vollendet, die Prof... Hann~ Schi~d­ Form bearbeitet und neu instrumentiert (für
meisterte. Kennzeichnend für dieses Stück Z e i t" bringt im Opernhaus zwei Opern ler mit Sophie Hoepfel demnach~t m Mun- 2 r'löten, 2 Klarinetten, 2 Saxophone, 2 Fa-
ist die prä~nante Kiirze. clie Konzentration von W a g n c r- Regen y, ferner Kr e· chen zur Uraufführung bringen Wird. gotte, 2 Trompeten, Posaune, Tuba, Banjo,
aut das Weoentliche. 40 xlinuten dauert Schlagzeug und Kla\'ier). Das Stück kommt
die .\ufflihrun~<. In ihr ist kein Wort,
u e k s "Schwergewicht'' und H i n d e-
m i t h s "Hin und Zurück". Kurt J o o s s
Eine Symphonie von Paul R_ u r a. c hz?. unter Otto Klemperer zur Uraufführung.
kein Takt znl'iel. Der Text von Goethe, wird von Hermann Scherehen m Komgs- Am 22. Februar wird Weills "Berliner Re-
difl t~·pische Handlung des klassischen
bringt in diesem Rahmen seine Tanzdichtung berg zur Uraufführung gebracht.
"König Drosselbart" zur Uraufführung. quiem" im Frankfurter Sender urgesendet.
;)ings]Jiels -- Scapin und Scapine prellen Mitia Ni k i s c h hat eine Oper .,Garne-
den bösen Geizhals unrl J;;rhschleicher - G e r a: Der Spielplan des Reußischen Thea- Arthur W i 11 n er. Aufführungen in letz-
ters in G e r a bringt in der zwe'iten: val" komponiert, deren Textbuch von Rndolf
ernihn eine \' ertonung voller Humor. ter Zeit.: "Die llfeistergeige" für Männerch:or
Hälfte der Spielzeit u. a. in der Oper zum Lotbar stammt- und Sologeige, Wiener Männergesangverem.
Locker, Ieiche und verständlich geführte
ersten Male (bezw. neuein studiert) "Schwan- Faul A. P i s k s Bläeertrio kam vor kur- - Zwölf leichte Stücke für Klavier vierhän-
Singstimmen: sinnvolle, witzige, tänzerisch-
beschwingte Deklamation; äußerst bewegte da, der Dudelsackpfeifer" von Weinberger, zem im Berliner Rundfunk zur Aufführung, dig, Variationen für zwei Klaviere, .op. 20,
und dramatisch 'gesteigerte Rede und Ge- "Herzog Blaubarts Burg" von Bartök, "Hin wo auch ein Kompositionsabend mit Werken Wien (F'ritz J'ahoda und Georg Kuhlmann).
und zurück'· von Hindemith, Einakter von
gl~nrede. auf einem orchestralen Unterbau
\~on bemerkenswerter Lebendigkeit; erfri- Toch, Krenek und Milhaud, ferner "Parsi·
Rchend klare und durchsichtige Instrumen-
tation . . . sind die Kennzeichen dieser
fal'', "Wildschütz", "Das Loch in der
Landstraße" (ßoieldieul, "Gianni Schicchi"
nnd "Die neugierigen Frauen" von \Voi.f..

modernen commedia dell'arte, die unter det· Personalia
klugen Regie von Alois Schultheiß und Ferrari, als Uraufführung "Die Pfingstsym-
phonie" von Spolianski.
unter der trisehen musikalischen Leitung Dr. Herbert Graf, Oberregisseur _der ters, Prof_ Dr. Ludwig Neu b e c k, in den
\'on Siegfriert Binmau dem anwesenden G r a z: Die Österreichische Provinz beginnt
langsam wieder Ansätze zu einer ziel- Breslauer Oper. hielt in M.o s kau emen Vorstand zu berufen.
J{omponisten einen sehr freundlichen Er- Vortrag über die neue ~per m Deutschlan~ Prof. Dr. Neuheck hat die Wahl &';'-
folg einbrachte. G. Schab. bewußteren Musikpolitik zu zeigen. Die
(und die Möglichkeiten emes ~ontaktes ZWI· genommen und wird am 1- August d. J'_ die
erfolgreiche Aufführung der ,,Jenufa" in
Barmen-E!Lrerfeld: K reneks l~in- sehen den deutschen und russischen Opern- Leitung und Durchführung des Gesamtpro-
Graz kann als Anfang gelten. Die Oper grammes übernehmen.
akter, \V e i II s "Zar" und Wein b e r- wird demnächst auch am Stadttheatet kreisen), - Dr. Graf vmrde als Ober-
g er s "Schwand a" machen das hiesige regisseur an die F r a n k f u r t e r 0 P e r Karo! Szymanowski wurde der
L in z in Szene gehen.
Publikum in dieser Saison mit repräsen" berufen. Staatspreis 1929 für Musik von der poJ-
H an n o v e r: Die Oper in Hannover brachte
tati\·en neuen Opern bekannt. Im lllärz am 9. Februar die Erstaufführun!( der bei- Die Intendanz der Städtischen Bühnen nischen Regierung zuerkannt.
wird B.ormen als zweite deutsche Bühne den Einakter von Kurt W e i II "Der Prot- in Lei p z i g hat mit Harald K r e u t z b..e r g In dem im Januarheft Yeröffentlichten
Rimsk)'-Korsakoffs "Zar Saltan" bringen. .agonist" und .,Der Zar läßt sich pboto· einen Vertrag abgeschlossen, ~der de~ Kun~t­ Programm des ·Genfer Musikfestes der Inter-
Dresden: Igor S t r a w ins k y wohnte graphieren". Musikalische Leitung Rudolf ler als choreographischen Leiter fur Leip- nationalen Gesellschaft für neue Musik wurde
einer Morgen f e i er bei, die im Schau- Krasselt. Regie Bruno von Niessen. zig verpflichtet. durch 'ein Versehen die K 1a vier so na't e
spielhaus mit seinen Werken K i e 1: Ein Einakterabend mit Kreneks Die Mitteldeutsche Rundfunk Berthold Go I d s c h m i d t s nicht genannt.
veranstaltet wurde. Es kamen dabei zum "Schwergewicht" und Roelrrs "Coeur-Dame" A- G. hat beschlossen, den Generalinten- Das Werk kommt im zweiten Kammerkonzert
Teil zum e r s t e n M a 1 e in Dresden wird vorbereitet. danten des Braunschweigischen Landesthea- zur Aufführung.
zur Auffiihrung: Oktett für Blasinstru- K o h u r g: Im April wird, nachdem mit
mente, Lieder mit Klavier (_,dsa Stünzner), Strawinskys "Soldat" der erste Vorstoß
Suite für Orchester, drei Lieder japanische in d,ie Moderne unternommen wurde, Wel·
Lyrik mit Kammernrehester (Elisa Stünz- lesz' "Alkestis" in Szene gehen.
ner>, Pribaoutki (Scherzlieder) mit Kammer- Würz h ur g: Das Stadttheater Würzburg
orchester (Grete "ikisch), Ragtime für bereitet für die nächste Zeit Wolfs "Cor-
Kammerorchester, Suite für kleines Or- regidor" und Weills "Der Zar läßt sich
chester. photographieren'· vor. Verantwortlicher Schriftleiter: Dr. Paul Stefan; Eigentümer, Herausgeber und Verleger:
Universal-Edition A. 0 ; sämtliche lrt Wien, I. Karlsplatz 6. - Druck von Otto Maass' Söhne
Oes. m, b. H. (verantwortL Fritz. Draschinsky), Wien, I. Walfischgasse 10.
96
Der Triumph eines neuen Stils

Aw
BERLIN
WIEN
BUDAPEST
FRAG
MOSKAU
(bisher
170 Aufführungen) I
KURT WEILL I BERT BRECHT
Pressestimmen nadi der Aufführung. im
Breslauer Lobe-Theater
Breslauer Neueste Nachrichten:
.Kurt Weill hat zu den Brechtsehen Chansons eine pracht-
BRESLAU volle Musik geschrieben, die zwischen scharfem Jazzrhythmus
und dunkel drängendem, farbig malendem Balladenton
LEIPZIG
DRESDEN
HAMBURG
zündende Variationen findet."
Breslauer Zeitung:
LEICHTE. MUSIK
MüNCHEN "Einen ausgezeichneten Helfer hat Brecht in Kurt Weill
NüRNBERG gefunden, dessen Musik in glänzender Weise dem Charakter
STUTTGART des Werkes gerecht wird. Sowohl in den Bänkelsängen,
den zahlreichen "Songs", in denen Brecbts Eigenart sich
OLDENBURG wirksam entfaltet, wie in den Ensemblenummern, den OPERETTE UND REVUE
WüRZBURG Finales und in den instrumentalen Sätzen ist sie von
FRANKFURT rharakteristi•chem Ausdruck, von apartem Reiz, reich an Ernst Krenek I Paul Stefan I
ERFURT geistvollen Einfällen. und parodistischem "Vitz."
BREMEN Hans F. Redlich I Herbart Graf
GREIFSWALD Schlesische Zeitung:
LOBECK "Kurt Weill hat für die Aufgabe, alten Bänkelsang zu er-
AUGSBURG neuern und die epische Szene melodramatisch einzukleiden, DER SCHLAGER
AUSSIG das Organ. Er findet dafür sinnlich greifbare Form, hübsche
HALLE Verschmelzung volkstümlichen Balladentons mit neuer
MAGDEBURG Rhythmik; er überspitzt auch die Opernparodie nicht, son- Tli. Wiesengrund • Adorno I
ZüRICH dern macht sie wirJ(sam und amüsant mit recht geistreichen,
HANNOVER nirgends groben Mitteln." Ernst Bloch I Kurt Weil!
Musikausgaben FILMMUSIK
U. E. Nr. 8851 Klavierauszug mit Text der Gesänge (mit farbigem
Titelbild) . . . . . . • . . . . . . • . . . . Mk. 10'- Frank War$chauer I
Einzelausgaben für Gesang und Klavier Hans Kayser
U. E. Nr. 8847 Kanonensong . . . . • . . • • . . . Mk. 1"50
U. E. Nr. 9594 Barbarasong . , . . . . . • . • . . Mk. 1"50
U •. E.
U. E.
Nr.
Nr.
9595
9596
Ballade vom angenehmen Leben
Liebeslied . . , . . . . . . . . .
.
.
. Mk.
. Mk.
1"50
1"50
SALON KAPELLE
u. E. Nr. 9652 Seeräuber-Jenny • . • . . . . . • . Mk. 1"50 Giuseppe Becce/MarekWeber
u. E. Nr. 8848 Tango-Ballade (zweihändig) • . . . . 1\!k. 1"50

Einzelausgaben für Jazz


V. c.
J. Nr. 102 ·Kanonensong, Jazzorchester . . . .1\11(. 2·-
UNTERHALTUNG DURCH RUNDFUNK
- !deines Orchester . . . Mk. 3.-
V. C. J. Nr. 103 Tango Ballade, Jazzorchester .. . Mk. 2·- Ernst Schoen
- kleines Orchester . . . . . •. . Mk. 3·-
DEMNÄCHST ERSCHEINT:
DIE KLEINE DREIGROSCHENMUSIK

--
· für kleines Orchester
Sensationserfolg bei der Uraufführung unter Klemperer in der Berliner Staatsoper

Durch jede Musikalienhandlung zu beziehen


UNIVERSAL-EDITION A. G., WIEN -LEIPZIG
-------~---~-- ~~

AN B R u.c H AN B R UCH
11 .JAHRGANG 1929
MÄRZ 1929
11 • .JAHRGANG
III

ZUR TYPOLOGIE DER OPERETTE


Heft 4 Hans F. Redlich
Die Operctle ist der letzte llest kultischen Theaters, dem eine günz~
erscheint anfangs April lieh entD"ötlerle \Velt noch frölmen darf. In säkularen Abständen hat
sich ja ~liese dem orphischen Griechentum ureigentümliclhe Begriffs-
katca'orie des dramatisch-musikalischen Kults immer mehr verflüch-
AUS DEM INHALT:, tigt, 0 nachdem erst einmal die. Diklat':'r. der christlich?n Gl~ubensspide
dem Dionysos-Drama und semen satmschen Appendizes em Ende ge-
Pa.ul Stefan, Genf I Th. WiesengrundQ/idorno, Atonales macht hatie. Jedoch die vitalen Urenergien ·einer eben zerstörten drama-
l~termezzo? I Hans F: Red 1ich, Krisis d~r Musik im Lichte tischen Theologie retteten sich in den Bezirk der ßuffonen. Die un,-
sterbliche Selbstpersiflage der aristophanischen Komödie konnte selbst
emer neuen .Morphologie / E b er h a r d Pr e u s s n er Ernst die schwersten Stürme einer im vVuuder des TranszendCID7!-Erlebnis.ses'
Krenek I Herb er t Graf, Studienfahrr·-nach Ru~land 1 erstmalig befangenen Menschheit überdauern. Die Vierdimen1sionalität
Wa.lter Ruttmann, Tonfilmregie I D.F.Noack DieTechnik der mittelalterlichen Mysterienbühne schlief.>lich mit ihrer optimisti-
schen Grundtendenz und ilu·er burlesken Dämonologie führte zu den '1
des Tonfilms I Pa u 1 S t e f an, Ende der Musiklite:atur ? f Bergs Imprmi~~tionen des Baroc~~heatCI:s.. In der klassischen Figur d.es
I

'•'
·,,1

W ozzeck in Oldenburg .. Staberl - des barocken· osterre1clnschen Hanswursts, lagen bereits


~lle noch lebensfähigen Triebe aristophanischer Komödientradition ver-
Kompo.sitionskritik I Musik und Technik I Unter jeder Kritik kapselt. Aus Lust an der Sclbstverspottung, innerhalb der Labilität
Revue des Monats seiner fluktuierenden Form tänzerisch pendelnd, mit dem unbesieg-'
baren \Villen zum Optimismus - allen Schrecken der Seele und des
Krieges zum Trotz - so entsteht und existiert das "Scherz.~ und
Schimpfspiel". Aus de~ Sch~mpfspicl des B~rock. wird allmählich das
Singspiel des Hokoko. Und diC sG durchaus hteransche Entstehung des
deutschen Dramas (auf dem \Vege des mißglückten V,ergleichs zwi-
schen französischen und englischen FormrH.ezepten) bringl es mit
sich. daß sich alle kultischen, soiiali-kriti.schen und formalen Spicl-
Der Preis du Abonnements flir Öaterreich beträgt flir ein Jahr · trad.itionen" in das florierende Singspiel hinüberretteten: die "Zauber-
S 8'-:-• der Preis einer Einzelnummer 80 g. Für Deutachland flöte" wird zur Wasserscheide der Entwicklungsströinc. Erst die völlige
~ Retchamark, Einzelheft 60 Pfennig, für die Tac:hechoalowakei Lebensunfähio-keit des "klassischen" Dramenprinzips veranlaßt d~e bis
~so·- (c K. 5"-), für Holland fl. 4'- (-'40), für England 7/6 ab. dahin stark v~rschlossene, in den Schienen ein,er starren Vokaltradition
(0~8), für ltahen 30 Lire, für die Vereinigten Staaten 3 Dollar (40 c:). dahinrollenden Oper, alle zeligCI·ischen Elemente des unerliösl·en Dramas
Fur alle an~eren . Länder 7'50 Schweizer Franken, Einzll!lhefte in sich aufzunehmen. Damit spaltet sich diese endgültig vom Sing-
75 Centtmea ID der Währung dea betreffenden Landes. spiel ab, das nun allein dem urtümlichen Spieltrieb seines Publikums
Postscheck-Konti: Wien Nr• 188·051 • Letpztg
. . .nr.
..., 89! 1 . , zu genügen hat. Die "Zauberflöte" ist das Paradigma der Operette vor
Prag Nr. 500.058, Polen Nr. !91.129 ihrem (bürgerlichen) Sündenfall. Der formal.e Kanon decr Operette
Berlin : Ed. Bote &: G. Bock - wie wir sie heute verstehen - erscheint der I'ßll;rosp-cktiven ß.e-
trachtung in l\'lozarts geheimnisvollem Spiel durchaus giütig präfor-
miert. Eine Reihe uralter typischer Märchenmotive, wie sie schon di.e
l\1 orphologic des griechischen Dramas enfhüllt hatte, ist hier bei-

Musil\·hb~tA7?!9~
Sflmlnm:
Univnr&iltil IJerUn
s:IJIIIIIl'll: dit• ParallPiitiil de~ t!J"Jislen und dt•s iiPileren Pnars. das "i\laxin1'· eill. wenn er l'ür die Host'll YOII Yarasdin Propaganda lllachl:
Ill,'"StPriiisl' Inkognito des Helden Pinl'r kornplizierten .\b:dairll~nmg. oder tlns Publikum seines hinlänglich blauen Himmelbetts versiciJ,erl,
dp,;st'll dt•rnokrali:wiH\ l nscheinharkPit. aJII Endl' riPs drillen "\kles aus \Yl'llll er als Gol'lhe. Chopin. Schnberl oder Hrnckner sein Herz j:n
ihrl'r sp:tllnt•nrll'll rl'I'JHIJ>Jlllng Iw l"rt•it. ihren arislokratisclwn h.crn Zli Se~enheim yerlicrt oder dasselbe in alle Hinden einschneidet -·-- dan1n
•·:rlhiiliPn hat. dil' Prii l"llllgt'IJ dt•s hüht'l'l'n Paars durch dit• .. obersll•n geht es bei dieser ,\klion wie ein religiöser Schauer durch die cnl-
Instanzen··. dit• Vt\l"Zl'ITUng dPs tragischen l;rtrielll's in1 sogenannten nöl!l'l'te Thcalerg·emeinde. die feierliche llamllung wird zum häuslich
Zllt•it•~n Cht•rr:Jsclllln:.!sl'inalt·. dt·n iiltlichen Biise11icht. das tnnz·erische Enilierbaren 1\ ult. lladio und Grammophon erleiclJtern den feierliehen
Ct~lll >il'l . .Ja sogn r'" diP Clwr: n:1ch l spielerischer Eu ry!lunil' (Glocken- Dil'nst, der mil hypnotischer ~lagie Traum und \Vuchen, Kaffer und
~J'Il>i) ,.;u11 il' der aus lllil:\1 l'rslandi'Jil'll 1\onrenlionspflichLen enl.slandenc ;\'achlnwhl, LiebesSJ)iel und Hochzeit, Hausdh und Selbstmord er:fiilll -·
I\ 011 f'likt rlt•r lll'iill'IJ LiPlwnden 1I >olchszl'llP rler Pamina) finclcn sich _- die Gcbmtsslunrle des .. Schlagers" hat geschlagen! Der .,Schlager"
hit'r. f111 Verein 111il der idealistischen SchlußpointP: delll 1\spekt ist der letzte kultische Schrei, den das Schicksal der Flöte des Dionysos
t'iiJI'S ~·oldenen Zeitalters hilclen rli{' 1~lwn aul'gi'ZiihiLen 'lotire di11~ <'llllocken clurftc. Zugleich repl'äscntiert er das formale ,\perc;u der
t'ii!-<'llli,ichen el<'Jill'IJlariscllt'n lngrerlit•nziL'II dl'r JIIOtl~·rnen Oper·~Ue, die mit jeweilio·cn Untcrbewu(~,tseinslagc seiner Epoche. Der \Veg zum "Schla-
g·]pil'lll'l' illllt'I'CI' nl~rechfi!{llllg' in l'illl'l' !llagJos Yel'iinclf'rll'll \\'clt aJI ~·er" i~t 111it Lien besten künsllerischen Vorsfitzen gepflasterl. Er he-
::-\teile der FrcinJ:Jlll'l'l'l'i Pin Ph:ud<JSil'rPich des B:dkan. an Stelle SanJ- ~6nnl bei den erotischen Pointen cles BannlitiitsJanatikcrs Papagcn"O.
slros t·int·n Dollarkönig·. an SLPliP des Srhikan!'derscht•n Papag-;mo bi<' 1\onklusioncn Papagenos sinrl für alle seine Nachf.olger, die oin
l'iiJüJI 1011 llans ~loser ;erkiiqll'rll'll Trolll'l sPIZl'll durfte. Dir pop~liir'c sehliifriges Bürgerpublikum bis Zlllll ersehnten LustschrPi zn haran-
iloJJJ:Inlik dit'SI'J' iillesll•n Opt'l'Pll<'. diP in1 .. l>s<·hinnistan" der lbimund- g·uieren' hatten, clic gleichen gebliehl'n. lind aus dt•r funrlamentalen
~ t'sl.ro\ srhl\ll Zn ubcrpossl' iiJ rc nolwPndigt' Vulgarisil'l'llllg erfiihrt, krhrL J>riimisse seines ,,\Yein, Wt•ib und Gcsang''-Pri11zips clurJ'Len noch Cc-
1111 I>t•cndt'll<'l~-zerfallnwJJJl'lll dl'r ill'uligPJI Operdl.t• wit•d.e,r . .ll'doch neraJiouen gehirnweicher Librettisten das Vakuum ihrer postulierten
d:1s zaulwrhni'Le Inrlien, das l'ahelhai'L-gutc VreinJ:JIII'I'ITl'ich. die allPr- Lebensfidl'li!iil henorzaubem. Die pointPnmiil~igc Zuspitznng cles Pa-
Si'ils lw.J'riedigPJHic .. Bianc l'l ~oir"-E~l'lllJllifikation d1•s drittt'n ,\kll',.; pageno-Couplets wnr<lc durch das Jormbildcnde Heg·ulati1 dl's ,.He-
,.t'J':<chwindet'
. hinter ill'lll bt'n:.!alischen
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VPTkliirungsfPIICI'
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einl'r zum J r a in" erreicht. l>Pr Hel'rain --·· in J>:~pagenos Lieclem der lll}Stische
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myl.JJsr·hen Hcquisit ht•rnngerPil'tcn L:nif'orr11. lind so wird Gegenpol ZU!ll Dcmaskierungsgehalt des .,Verses" --- steigert sich
di1~ f:uniisP Lilt•wka des OpPrelt.cnll'nors fiir ein allw unrersehcn,.;l spüler zur Zenlrif'ugalkrafl rler Operelle iiberhaupl. Die :\hidcnzil'n
l't'J•uhliknnisrh Jnclanwrphosicrtes Zl'ilnltcr Zlllll wPsentlichsten Sellll- ei 11 er tra tnnha fl-blöd,.:innigen H andl uug· finden ihre im höh c ren Sinn
sucht.ssyJJJbol. llatte das Heich Saraslros dPJJI idcali.stischen :\lrnsc:iwu Prfiillbarc Healitiit in der Pendelgewalt rk~ ,,l{efrain", rler, den Ges:lllg
rlt•s Friih-HiPdPrnJeit~r einP· sclwinha fle l~rfi'dluJJg- sc•ine~ Tugendprinzips zersl:unpfencl, zur kultischen Tanzbehiiflig·ung wird. Die hieratische
'orwg:lllki)ln - und dir•s in <•inr!r Zrit populii1·ster Fn"igt•isten•i - \V ucht abschließender Tanzgebii rde (Pri~stermiirsche der ,.Zauhcr-
:;o oiPht die modernste Operelle ihn• llauptau/'gabe darin. die Ho- l'liitD") hatte sich bis zum ze~·cmoniale;J Kanon zu, steigern. Gesa,ng~-;-
JJJ:JJ!lik de1· 1erlorenl'll Uniforlll wiedl'r aul'ldwn zu lassm1. Der clrama- 111ul Tanzrefr11in, schließlich inteJ'Jnitlieremles Ballett ilml klischee-
lisrh-rl'ligiiisl~ Tugt)ndkonflikl wichtigsll's Agens der "Zaubl'r- haflcs Grnppenl1ild cnvuchsen alle aus dem Papagcno-Couplct mil
flöte" · -- wird zum erstarTten ::lchc•nw und t.ritl. wriick hinter clcl!l sf'inen bourgeoisen Konsequenzen. Di!l~ Entwicklung eine1· immer mehr
n!'wnluiertcn symbolischen Spi<'l dc1· TJ'C"SSün, Epauletten und militii- a u J's "Lokale" ge•·ich lelen und rcagi erenden \V cll war den forma lc~J
nsrht•n l\omJJl1liHlos, dem das Klinen l'ermstetci' Sporc'n, d:1s \Vehrn EYolulionen der .,Zauberl'lölcn"-Nachfolge mehr als günstig·. ,\ls niim-
Hnnoderkr Fedt•.rbiischl', das Defi]{) y.erschollener Ehr{'ngnrden die lich Oper und Drama nach clcm endgOltigen Bankrott des ldassizisLi-
. 1
<'lp-eliliindiche < rmnalisch-mytltologische Kontur verleiht. Gleidll.ciLig
u
schcn Gedankens sich in die i\[ythologien einer philologisch ori,entierlen
111il dem impol.enlen Versagen 'Cics naturalistischen Dramenhelden gehen 1\omantik zu flüchten begmm (\Yagnc•·. llebbcl), blieb dem bis dato
alle llddemerehrungslriebe· cles unerlöslen Publikums auf jene zur harmlos nach ,.Dschinnistan'· sehielt•nclen Singspiel niohts übrig, als
~l~thos gewordenen Figur "des .\lanncs lllil dem Einglas" tlber, der wr Befriedigung eines finanziell selu· hoifnungsmllen Publikmns di,c
einstmals Achill, dann Tami.no war und und nun mlveJ·sehens zulll 11'11~ Seimestergattung zu persiflieren. Diese sO\whl. lwnsl.- als sozial-
sterblichen Oberleutnant avanciert. ist. Di1~sr)r Protagonist der Operelle k 1·i t.iseh e Funktion t! e1· bisherigen ZanJwrposse fü ll!'te iibcr N esll'Oys
blcibl sich in der Variabilität seiner .'lfaske illlllll'r gle•ich. Er wird zum aenialisdw Parodien zum artistischen Triumph der Offcnba<~hsc.hen
~~mbol eint•s glPichsam priapit~chcll 1\ ultcs, zum Cefiif~, de1· narzissisti- t)perelte, die ebensosehr Fiiulnisproclukl wie die posthume Jazzoperette
~chl'JI Erotik eines in sich selbst I'PI'Ilal'l'tmJ Zeitalters. Er darf als v011 heute ist. Abc!' die giinstig·e Posit~011 zw.ischen Spät-Biedermeier
viinzlich uncxislent alle Masken mmelmwn, die· ein zeugungsUJJfJihiger und den Gründerjaht·en verleiht ihr den unauslöschlich n'nuchten
i'\l:lsseneros ihrn anfoktroyie1·l. Und wenn er als nrzuclwrter Paganini .,haut g6ut'', den keine neurotische _,lodc zn ersticken ym·moehl hat.
rliP Frauen gr~l'lll\ kiil~.t. als ponlPvrdrinischer Fcsclwk ins ewige In der Offenbachsehen Operette verwest das romantische Singspiel,

98 99
rlc~,;cn Todp,;ar' · · ·, ·, .. · I , · · · ·· um emer ·· ' gelreuen Kostümen waren es dieselben maskenhaften Typen, die clmch
·.-: un,,~"c ;..:rr<~< c fZIIl fZl'trug- 1"[. cbell hcraufkom-
rnenclett
_ Bür"erlichh:il
" · '- · cr'rtctt '-'·I f' 1'-
•JC 111 ·' " htcc Iiln enlun1 l L '' · 1"1
zu 111 1 lncrcn. · Pilotys Bilder und Maka.rts Festzüge geisterten, im Grunde war CS'
~ _nd ans rlcr .buche einet· paroclisLis,h ;r,crmatschtPn Fol'l1t. die einsl• immer diPsclbe g·sclmasige KarncYalstimmung, de1· ein fledermäusig
z.lcrgc~~mg, n,ondo, tra umlwftc l~nlanct' Z\\·i,;chl'll cl ('Jl Polen der Emp- maskiertm· Philister und dessen unfreiwillige StacHwanderung als
fmdutri' ;!lC" c~cn 11 ar. ersteht Cl II tll'lll'.~ \gen,;: <lcr C nn c an. Im Gipfelpunkt zwcrch:fellcrschütlemclen Humors _gelten durfte. Die :innere
Offcnhachs:hcu Cancan slcigcrl sic.h die slrnklucllP 1\. ra l'l rlC's Hefrains \\'ahrhaftigkcil, die absolute Entität ;jener "Fledermnus" ist erschüL-
Ztt zt~ren_JOuJale_r ll~he. Er isl dit' Sakro,;anklcrkliirung der liinzerischen l.ernd und noch erschütternder die völlige Pelrifizienmg jenes Stückes,
1\.onklnstorr, d1e diC Prämissen des HrbinrlcnciPrn Textes und des o·e- das wie ein Ammonit in der Rumpelkammer seines Jahrhunderts
~_uugcnt'11 <,::o~plets immer mehr in Schallen stellt. um mit schre~k­ rcrkapselt ist. Keines Rcgiss.eurs Zauberformel vermag seinen sle.Üter-
hcher Log1~ 1111 ~onnalen l:ago~Il rlc•r moclt-rnslen Oprrel.lcnrcvue zu nen Schlaf zu wecken ... Die "Fledermaus" war das Korrelat ihrer
~~~un,~lcn. l_)te arclnleklnr~lc ~usp1tzturg der Operelle auf Schlager nnd bürgerlichen \Virklichkeil, die konkave Komplcmentärh~ilfte i.hres sie
C:utcan hur:. 'c_rmocl!tc ur ;'~ner kurzen l~rolnlion rlas urspriinglic.he projiziet·enclen Publikums - sie ist in ihrer gänzlichen Anlitrans;~,en­
!.~.tlancc1 e1:lrallt11s zw1schcn I rxl und 'dusik von Grund auf zu yer- denz der G c genpolzur ,.Zauber :1' lö L·e". Zwischen diesen beiden
at~_rll'~~n., Drc• .\ uslr:1gtm~· des Tugendkonflikts - ~owohl in der "Zaubcr- \V erken liegt der Sündenfall ·einer eigenbewcgLen LdJCnstccJmik, die
f~otc <.tls auch m OHenbachschrn P:trorlieu vome]unlie:hsl:c Domäne ihren mangelnden Geist durch Überwindung der Kanlschcn Begriffs-
~me~ _ cl_~rcl:aus. äquili~~ierte~t Dialogs -- gleitet allmiilüich j 11 die kategorien zu ersetzen suchte. Im Strom dieser Entwicklung repräsen-
} t~sik ul:c~, :~1e dc1: l t''_,l Immer t!tchr zum Auftakt ihrc.r eigenen li<•rl die ,.l<'ledcrmaus" das Yitale Gegenwartsmoment der Operellcn-
l ?mtc et nredug_t. _DICse btlsuhslanzterung- rlcs Di.a1ogs hält mit der form. i\Iil. del' "lustigen \Vitwe" ist dieser i\Iomcnl. zu Emle. Das sich
\\dchse11den
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Hdr~tt11-l"tfl
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rlt•t· 'I' 11,_,1-·1-~ .lll · f-, 1'1' "' )'l CC 1l'l'liHlllS " HOC Jl ClC ]' zersetzende Bii rgel'lum 1•erlangt exolischc Typen, ist des trockenen
\\ <we.
" Tn der ..morl. ctncn • · , (-) pt'H' · LI ~~ ("tgm·t,•t·L · dr'r I)Jalrw · nm· n1elu1 :ds' Tones saU. nnd sucht südlich des bereits akzeplicrlcn borsl•eiwieh-
Stellage 1·on \\ llzcn '.11111 de111 Schlaru·r zu zit•lcnrlert J>~lnlen: selbsl die hal tigen U ng-;uns nach überraschendem }! i l i e u. Denn die Zeiten
auso-es]JI'Oclrensteu
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- Irllt\:pü~J ·- -·1·touuJ • Ita 1 r1·rr· '1. _, usr']'- an srch · ·
genssen. haben sich geäudcrt, das \Yeltbürgerlmn cler \Vilhclminisc'hen Epoche
D1c • Zerslon1n"
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de- ~t · ki tle 11,
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,I,v1'\:l lind genügt sich selbst nicht mehr und die Operette - der gelreue Scdcn·-
~~-ns1k mnble: st:hltt•l~,ltclr zu einr•r s_ytnphnnisdu•ll \'r>d'eltnng letzlprer spiegcl - hat von nun ab ausländisch zu sein. Den eigentlichen T.Jcl.es-
iuhren. lJnd m J!t.rer ll'lzlen .\gonie ist clie~c Operellcmmusik' nur melrit• slog Yerselzt.n jedoch die ,.lustige \Vitwc" ihrer eio·enen Ideoloo·i,e erst
"- •u c lt <' r 11 d <~. r· ·I· ''I n.•z, f l LSOiell· - ' Oll)>'>
" I ·[·dllZCil · · Cer
lll 1 ·1 ,alJ<rp CII!CS · ·
WI[zclnden mit der :fatalen Einbeziehung des Gesellschaftstan~cs iu das J)uo des
D;alogs nnd Prrtes ]'Ullllt~llspt·udelnden Coul'lcls sich ,~rl'liicht.igl. .fwbcn. liebenden Paares. ?\Et der Aufhebung der letzten künstlichen Distan.z
D11•
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eben cnv'i] l' ]-,,.~srt!
• , _, . ' 111 c
· 11a ('L c ..,. anz, 1typnose. d1~r ehe• · Oper,elle. u
im zum Publikum - eine.r Distanz, die gerade die "FLcdcmHl.)ls" in iln:er
\(tlarrle\\rru;..:?t·l)ezrrrll11'11 zurerl:dlcn h:tlle. kiindi!.tleclas nncrhi!lliche biirgerlich-c.hampugnisierlen \Valzerseligkeit haarscharf ()'ewalut haUe,
Herantraltcn einer III'IICII ('c·sr'lls~ll·tl'i dll.
• '- •• "I • · l.- (
· () ilS I'· 'ill1lCYn ]'ISliSC · ]l-OrJPll- · sprach sich die Operette jede fernere komplemenliire bLehcnsbe.rech-
[~el'[(' l~ttrgerluJIJ der Cründr•rjahre be"'alltl sich Ztl ko11slltnieren. Die ligung ab. In diesem Zusammenhang mag dann die jüngste Jazzoperell{)
J~pocl~t•. der .dit) Erl'indungcn des ,~cul dt! Paris''. des 1\lakarl- als logische Folgeerscheinung gelteiL die zum gümlichen Zer:fal'l der
Hukelh.. dt•s tit!Llichkeitsvl'rl'ins . · · .su-1\'1.1'. rlns -,' c1gen · !L''lC 11cn. j). ros t'l 1 .u ['iJOns-
Galtung führen mußte. Denn I'Oil hier ab yerlor die Operdlc in zu-
J\.abarl'ils zuztr.'«:hr!!tben c·J·tltl
• _ , • • •
0 l1~tte
«

detl "''I l LI l • SlC. · ·1 I Yülll J'allzlg · nehmendellt .Muße ihre bisherige lUnterialgerechtigkcit. Der Tugcudlwn-
g_e"OI rlenen. ntrtlcrn~cret·-lclr•al der Viilt'l' losznsag·on. Es ist die aiinz- flikt trat zurück hinter der Brutalitiil eines despolisdien "Schlagers",
lLch ph_antas.telose Zell l'itrc•r Gcneraliou begriindet;dcr \'ollbiirte. di.~ sich der mit sybillinischem Lallen den ewig glc.ichen riclrischen Grund-
und dtc ..stllg·c\\ordcne\ · ().J,. · ihn·r · T-turso·cs
'r- -· 10 .. c·ll''('L .t. t' 1111 · '[' aume · ] emer · text zmn Takt von "r ooo süßen Beinchen" blökte. Yor dem gnadPn-
sie~ 1L'l'h.cho rclltch ;.tc's Ia ltl' lc11 .lhwkheiiClelfröh lichkeil. alias Schampns- losen Rhvtlunus der unechten Tiller-Girls mußte selbst alhnählich der
schfZ-kCJt
. \crg·cssen
,, II'Olllc• · "' Dir•sr• · · FjJOche ~ . c'lic ,.c 1'c] 1 ] JCI'I',J'ts ]1e1m · 1·101 ·1 Zauber ~lcr echten Operettenuniform Yerbleichen. Der Hcst ist die
c1ent unbequemen [dealismns \Vagncrs dnrch die Flucbl: zu entziehen Konjunktur einer galvanisierten Leiche - der 0 p ,c r e t Lc n r c ,. u e.
~~tl'hi,. und der_ d<~s Gespött dr·s Bul'l'unen Offmrbach aur die :\'erren Und durch den Flitter Charellscher Inszenierungskünste schläot uns
hcl,. . erzeude . " ,clte . U11erl'Lte
. , · die :.sie ,-t·t·tlt.t'tlt"
, . ·! •v. ]).":" ;c 0
pet·c· tl. ,e Jener
: Z''L
,eJ . ans der schaurig-attraktiven Palingenese einer noch immer l~slio-en
ehe 11~1 ..\ \ un_det dct .. l•l<'tlet·nwus kulrmmerl, weist eine nie dao·ewpsenc \ Yitwe der Moderduft einer endgültig mumifizierten Epoche entac,;;•tt.
~r~cnt:l.al mll der Snbsta,t.IZ iltt·ct· Zeit. 1111 1'. Diese EJloche. di~. uuhc:- Dee seit etwa zwei Jahren mit viel Grazie und wenig Espeit O'C~Ü~rtc
scln111~: H?ll .,1\umplext•n und romanlrscht•n St>lmsüdrten. rnil Vorlicohe Disput darüber, "ob die Operette tot sei oder nicht", isl al~o o~illZ­
~la~ ?-rae,~I.chc' \\ort "Amii~cnten_l .. zu ska~td_ieren pflegte; dnrflc ron Iich üb~r:flüssig. Die Ope~'ette ist ~so tot und s~ lebendig wie ihr Bü~·ger­
ll11 Cl Opet :ttc ~clbsl dann unbcd!ltgl<• Hl':lltsllk vcdano·cn, wenn 'ihr die Lum nnt den karncvahshschen Emblemen semer unversteuel'len Ht>t'l'-
Operl'll1• htslon>'l'h uder knllttrl'll komt11<'11 1rollte. Selbst in hisl,o,risdl lichkcit. Das Grablied beider fällt ja humorig genug aus.

100 101

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OPERETTE UND REVUE, J\Iöo·lichhil einer Pl'I'SOJJ:tlunion zwischen beiden Arten in der (;,•stalt
DIAGNOSE IHRES ZUSTANDES dest> gleichen Erzellger,;. wie sie n?ch bei. Sc~~~~bcrl .und Heetlw.rrn slall~
fnnrl, besteht kaum llll'hr. \\ ar drc J\lus1k huher 1111 \\ l'Sentl.tcheJ~ aul
Ernst Ki'enek die Kreise der Aristokmlie l•eschriinkl, und zwar ernste \\'lt~ le1chtc,
so cnlslehcn jct11l durch tlie Verbiirgerlichung der K11HSl gmu neue
I )j,. (lj>l'l"l'ilt• lll<I,C: lil'lltt• lllil n,.,·lit l'iir r•iJII' dt•r lwki:IC:'l'n"\\l'rii.·St·rll PerspektiYeJL ·indem der G~scl11~1ack iiuHler mehr. ':crwiisscrt wi~·d.
\ld:,prunc:·t'll !n·i~ti!.:·t'll Tit·l'~t<~lllk' gt·ltt'll. llit· Cri!JHIP d;~!"iir :;ind \!'1'- dessen Ccgensliindt~ beknnnthch lllllner YOll oben dtklwrl, dessen (,.e-
~r,hiPdt•nt:r <lllll'. 'Es ist nicht dit· T:il,;<~cht• dt'J" .. LPichtigkt'it'". dil' hall aber \on unten erfüllt wird. d. h.: gehört es zum \~'m~seht1:aum
das (;enre 1 errliiclitil" lllilclil. ~ondPrJI 1iPlJIIPhr dit· des iil)('rh;;mlnt'hnlt'Jl- vom g·iillcJ·<dcichen ~·lenschen der ObcrsehichL daß er J'ITustk 111 SCllll'lll
,],.n l·:indriJl!"l'ns nicht IPiclilt'l' I•:II'Jlil'lltt• unll'r dt•r Form dPs l\ilc;cll.~. Lebc 1'; hat, Dso miisscn nat.ürlicl1 alle \I usik haben, aber wie diese aust-
t:ntPr 1\it:;ch i~l. in dit•st'nl ZUC'<IIllllii'Jllian!"' diP rPrstinliJII'ndt• Diskn•j•anz sich t, bcst innnen die lnlersten. Die l'orlschrcilende SpPisung dc.s Bü r-
zu ll'rstchPn. d11• d;1d1J1Th t'JJblt·lll. d<if:, \ usdruck~Jllittel l'orllll'lha l'lt•r o·ertums durch die ihm ükonolllisch nachgeonlnclen Schi eh len i 111
Art. diP gt'\IOiiJiilt•ibgL'IIJiif:, PiJII'I' ht•c;tinJJJllt•n ~phiin• 1011 .\usllnJ('ks- ~ ~l Jahrhunderl bezeichnet den \Veq-, den ~!er Geschmack~ und, d.as.
gegt'JJ:;tilndt•JJ ZII!"'I'OI'diiPt 1\'Prclt•n. in l'l'nstl'l' .\hsicht :tu r Ct'"I'IJStiindt• was ihm zu entsprechen halle, nalun. Schon dtc Lanncr und Stl'iluf., smd
l'i_nrr ~lir•drigr•n•JJ ~phiirP :lngPIIl'lldd 1\'!'!'df'n. lllll rlit•,;eJl l'i~l·e iillii'Jt als Vorliiul'er der heutigen Schlagerkomponisten anzuseht•tJ. ind~m sie
:11chl. llllll'\\ohneJHit· (;,·wichtigkt·it zu lt•rkiht•JJ. !\ itschig \\:irkPn :1bo sich auf eine Hichtung spezialisierten, die sliirkstc Durchsc:ltlagskrnfl
Jll rl1•r· (liH~r·f'ltt• ;or· all,•n! OjH'I'nh;d'lt· \lli'!ren. und gPr:Hlt• dt!'l'll (!Jer- nnd breiteste \Virkung 1.u YedJindcn halte ~ wir werden spiiter seheJn,
h:~ndJil'l~IIIL'Il ~!lacht ~~~~· ganzt• C:lltung st•it .l:d11· und 'Lrg lllll'l'tJ·iidicll. rl:lf:, tlicsP Einstellung die Produktion von qualitatiY Ymziiglichster
J>Iese .l·,J·scht•uJtlllg J,;t natiirlil'll nicht :diPin dara1JI' Zlll'iickzul'ii.hrt·n. Musik keineswegs r1nsschlie!H. Auch rlae, ihn' Musik noch gcschmark-
daß nelt~ .Oprr<'ltenkoJJijiOIIistt•Jt rrrhindt•rtP ( ljll'rnschrPibPJ' si11d. und lich ein bemerkenswertes f~ircan hiilL ·mtlsprichl. dcn1 Stadium dt!r
ltl~lllllehr 1hrr. \\ tlllschlriitlllll' aul' rl!t•sp tJnd ji'JIP .\rl. in d:1s ihnPn , ir•l- eben e1·sl im An fang stehenden Sondrnmg der Gebiete.
]PJrhl. dor·h llH:hl g<1nz Yollgt'\\ it·htig l'rschPiJll'lldL· Ct•nrl' einzusdl!HII!.!·- Erst rlnrch Offenbach tritt. eine bedeulsallle tmtl <lenllidw \Yen-
geln .su~·!Jcn. Ut~nn schon diP Lihrf'Ltisten hPreiten die 1\itselmirktmg-;~n .r]nno· ein. und dies nuch wieder nicht. durch seine kleinen Bouffont'ri·t'll,
ausgH:I)Jg 10r IJJ!fi l'iir rlc•n Erl'oltf dc•s \\-erkps sind sil' \'Oll aus,'ichl,ao·- die 7lllr :'llinialui·cn YOn kOJuiscl!l'n Opel'll oder Si.ngspielen sind. &Jll.-
grhenrlt'r. i{PriPntttl,lß'. llir·r· 111111:t nuch dif' PntPrsuehung rks \Y('sc·~s dem durch seine gro(~rm parodistischrn Ope,·cltcn. llier wi.rd sich die
~mrl \.erl<tlls '!''I' (,attullP. ans~tzt·n. ~il'llll. \\'elllJ iiiJl'rh:IU]Il. irgetl!hro. so OpPrclle znm .ersten i\üdc gewi:,sen_Hal;)cn. ihrer selbst bewußt, sie tri.ll
1,-L Iw~ dt'r It•H:illt•n \I,Jsd~ the soz•olog,.sclw B<'l.r; 1chtung· a 111 Platzt•. in einen tleulhchen Gegensalz znr Oper, 111 deren 11aher Umgebung sw
da kc:Jn antlprr•s I\ ~JJJ.·;lgpiJI!'L so unl.i'J' dt'JII (;.,setz Hlll !\no·ebotl und bis dahin geblüht halle, sie lrennl sich nh und beginnt, ihren eigenc~1
_\:lf·hlragt• steht. !IJI'r 11irrl 11irklieh \fusik .. rPrbr:nH~ht" w~l' Stiefc•l- \Vea 7.Ll gehen. Freilich, Pai'Odien hat es Yorher Jwtiirlich auch ge-
st:!hlcn. i.lll Sir.nJ~' jr'Jit'l'. iikolJ(;n'i.-wllf'n TPl'llt!IJiologi(', dit• sieh nPur•r- o-eh~n, aber der Unterschied ist eklatanl. indem die frühere Parndie,
1 the~PI' I• r·ag·l'JJ ztl t•nl.wwkeln scheint. Yom \t•r-
dJJJgs IJI•t .{etiJtPilli!Jg ~vie sie noch Ncstroy im Anschluß an eine alte Tradition mit beson-
hrauchsstandpunkt also Zl'igt sich da,.: \'orhandPnsPin ,·on 1\.itsc'h in derer !'li eistcrscha l'l. übt, niemals als sclbsUindiges \iVcsen auftritt,
rl~:r Oprn·Llr ~llllllll~ii.nglich llOhll'llrlig. \l:iil konuul der Erkliiruno· sondern immer nur in engster Verbindung mit dem Vorbild, von diesem
n_aher du~Th CJI;PJI ~t'Jl.enhlirk •.utf' die Entwicklung der Gal:lung. 1\t~l selbst nicht abt:rennbar. wie ein SchaUen. Diese Art der Parodie ist
enwn.t seuter _:'\at~JJ' n:~ch lust1gen. also ·erhPivemciP:n und leichl.hc- noch nicht die .Sel~lll_lg eines cntgcgengcrichlctcn Prinzips, son~le.m nur
schwmglcn \\ erk tsl 1111t rlf'r ZPit ein hnJnorlosrs. rrschiillrl'lldc.s und die pointicl'lc Au.[zcigunp- tler dem. Beschauer ,abg·ekchrten Scll•c des
stnrnpl'sinnig·t• ..; Produkl gL'\Yordt'JJ. Jn dt•r iiltcrt•n ZPit wohnte über- Vorbildes. Sie. bnn<rt keme wesenthch ncuen I<..lcrncnte, sondern V•er-
lwupl ernstP untl lrichtP ~I usik nahe hei1:inanrlPJ', und rlie Üpcrcl.le d·es drdrl nnr tlie im Vgrbil<l gegebenen. so da!~. man die andr~rc Sr•ilc sieht.
ausgehrndt'll 18. .Jahdwndc•rls et\\'a -- als BeispiPl dcn-ice ich an Daher sind diese älteren Parodien immer nnr im Gefolge eines gntnz
SrheBks ,.Dorl'barbier". an die !Jittersclorfschrn Slüch und Ähnliche~-­ bestimmten cinnwli(l'cn Vorbildes entstanden und führen fast immer
unlcrschied sich wed1•r in der .\rl. des Stoffes noch im musikalischen ·wch dessen Titel oclcr einen gam ähnlichen, in dem durch einen \•Vilz
l\laterial. wesentlich von rlt'r kmnischPJl !)per. und dit'Sl' sl:md wieder }1indurch das Orio-inal erkennbar bleibt wie im ganzen Stück. Daß diese
0
rlt'Jll senösen Gen1·e naht•, all das wart'Jl ,eigentlich lllll' n••·sohicdenr!' Schatlcn-Parodie, insbesondere so,veil sie von N cslroy ist, öfters mein·
Erscheinungsformen derselben einheilliehen K Jlnstilue.rnm~. rlnrrh ,\n- Lebenskraft D'Cwann als das Vorbild, und dieses weithin überdauert,
ordnung. Cen·ichtigkcil und sonst sdmndiiJ'<' Merkmale g~tn•nnl. Erst liegt nicht 1~1 ihrer_ eigentlichen parodisti.sch-dcstrukbiyeu Tc?~cnz.,
d.as fortst~1reitend1~ 1 D· .. lahrhunriPrt l!ringl Pin: ]ll'OBTe~siH Spc7.i;di- sondern daran, daß N estroy der bessere Gestalter war als der Ongmal-
swrnBg. bmsle und hrtterr. rl. h. 1PJchlr Mnstk wcrdf'n zu solchPn dichtcr und ans der vom seriösen Autor vcrnachliissigten lächcdichcn
Geg·r:n~iilzen. tlaß riBrs tlas antlrn· aHszusrhlirf.!Cil schrint. nnrl die Seite des Stoffes mehr zn machen wußte als dieser ans der ernsthaHcn.

102 103
Bei Ol'fenharh liegt die Sache anders. Hier wird nicht ein besLimmles der noch, wie schon gesagt, die Selmsuchl der meislc!J .-\ul:oren nacll
w·erk. das gerade im i\IiUelpunkL der Aufmerksamkeil sLehL, glossiert, dem verlorenen Paradies der komischen Oper nachhilft.
s?nrlcm das Seriöse an sich parodiert. Nidll wie bei Neslroy wird an So sehen wir die OperelLe heute ei~ngespannt in einen ohernen
eu~cn: cr!Js~t~u Gcgen~Laml Läche,·liehcs gefunden und so eine Eiuseitig- Rahmen von im voraus festliegenden Bedingtmgen, wie außer dem
kctl lll tiC I llll)llSChhcher vV eise in der oro-unischcn Viielfalt und yer- amerikanischen Film wohl kaum einen Kunstgegenstand, und daher
söhmndPn Dop[>Ciscitigk<'il des Lehens ~nfgelöst, der sie vorüber- verdient sie besonder,e Anfni·erksamkcit; denn ich habe schon a.n'
gehend entnommen war, sondern die Tatsuche und Mög·lichkeit des anderen Orten wiederholt darauf hingewiesen, wie bedeutsam das Vor'-
Ernstes überhaupt wird angegriffen und zersetzt, eine '-'Einseitio-keit handensein einer lebendigen Konvention für die Kunst: isl:. Hie1·. ist
gegen di_e a_ndeJ:e ausge~piclt.. J)i,ese Entwicklung ist sehr beachl<ens'- aber auch der wunde Punkt der heutigen Operettenproduktion: ~hre
wert, weil stc cliC ''\'andlung des öHcnllichcu ß,ewußlseins yerrilt, die Bindunaen entstammen nicht einem J,ebemlig-gemein,samen Gefühl der
mit ihr H anrl in Hand gehl. Setzt die frii hcrc Form der Parodie ,eine Teilneh~nerschaft, sondern sind ein starr,cs S:ystcm YOn überkommenen
genaue Bekannlschal'l. ihres PubliktllllS Init der Vorla"e ,·oruus --- sie schlechten Gewohnheiten und dummen Prätentionen. Die oben darge-
11iirn. ja sonst. unYCrsl.ändlich gcbliehl'n - , so ist anchtJ Pin einheitliches leatc Leichtiakeit muß zum Stumpfsinn führen, wei1 das musikalische
Pubhkum anzunehmen. welches hPirlr~ :\rtcn \"Oll dralllalisrlwr h.Imst M~terial derb Operelle sich an dem der ernsten i\1 usik nich I reg·enü-
entgcgennimtnl. Das gilt auch f'iir die anderen 'IVcrke lwilL'I"l\1" HicJ1~ rieren kann, anderseits läßt sich der geforderte relativ "schwere'' Ge-
lung, die ja in denselben Theatern auJgeJ'ührl. werden. :\tmmeltr aber halt an Tragik mit diesem Material nicht anders a~s in der Fo·rm des
b_ercitel das bt'." n_l~,(e Eiilgegcntr,eteu, die Setwng uml Fom1ulierul!lgJ Kitsches bewälti()"en. Man verlangt wohl Goelh·e ru der Opcrel.le zu
emes net:wn Pniizlps auch eine Spaltung des Publikums yor, rJi,e clmJIU sehen. weil er al~ anerkannter Stolz der Nation gerade grofl genug ist,
d_cn \ . ~rl al~ cler (~a~tung. nach_ sich zir~hl.. Zuniichsl ist mv~h jetzt nod1 um i;11 AllLaO"sleben des Operettenbesuchers sein Pliilzchen zu haben,
cme blllhell der ülFenllH~hkeiL anzmwhmcn, da die neue Operelle - wenn man a:ch weiter nicht viel von ihm weiß, als daß er Yiel unvcr•-
und ron da an datwrl tlteser BeoTiff in seiner heute noch uiilli1tL111 ständlichcs Zeug geschrieben hat, - aber er mu!?, sich so ausdrücken,
Fo~·m eigenllich erst -- rein heit~~·en, nnsentimcnlalen und anTiopt:;.,h- als wäre er Hauslehrer bei der Gräfin i\lar,iza. Hier dürfte der VVeitc:r-
hal lcn Charakter lrägt. Es sind also imlller noch dieselben Leute. die entwicklung des Genres in dieser Hichl.ung nach menschlicher Voraus-
heul~ die großp Ope~· und morgen ihr wilzigt'S Gegenspiel g-enieJ:,en, sicht nun doch in absehbarer Zcil eine Gr,enze gesetzt sein, - man
d~s JU eben durch diesen Kontrast. lebL ,\Ler in gleichem .Üaf~e, wie meint, Anzeichen dafür schon heute wahrzunehmen - und das nieht
dw Oper besonders durch und sell \Vao·ncr ihre Una.cwöhnlichkeit etwa darum, weil die empörte 'Vürde der Nation sich ihrer bewt~ßt
. I" I k .
F c1er -' . o t> '
1c ~ Clt unu erst durch spezielle Vorhereitunrr zu erwerbende wird - aus solchem An1aß kann es höchstens einen kleinen 'Vellkn~g
Zugänghchkeü betont, gewinnt das Moment der L-efch ti rrkei t bei geben - , sondern weil der Stumpfsinn r.n langw,eilig wird und rhe
?er o.rm·ett~ besondere ß,edeutung, die es bisher als K OlllJ~'l&Lwirkung Abnehmer streiken.
JedenJ alls mcht hatte, clu die Oper ihrer Definil:ion nach wcn~o-st~ns vVie man aus Berlin, wo solche Entwicklungen immer am hesLcn
nicht wesenbaH "schwer" zu sein prii,tendierle. Öie Leichtigkeüt> wird zu studieren sind, hört, versuchen sie dort jetzt die "Krise"- man nennt
nunmehr de1· gro(~,e Magnet der OperctLc, die. lHöglichkcit, Kunst ohne das so - der Operette durch Revue- Injektionen zu mildern. Im Si1mc
Anstrengung zu genie!~cn, das wichtigste Allribut der neuen Gatlunr>·. unserer bishcriaen Ausführungen ist das als weitere "Erleichterung" zu
Von ~Ia ab beginnt. die Bildun_g eines spezifischen Oper,ellenpublikum~, werten du di~ Revue in ilwcn heutigen Entwicklungsformen eine
d_~s ~lw Operelle mcht mehr als Ergiiuz1mg, ja nicht einnwl als geg-cn- weiter~ Konzession an die Geistesträgheit des Publikums ilSt. Sie er-
satzhche, aber entspanncu_de . Un Lerhrechung des Opcmgenusses he- spart ihm nämlich die 1\'Iühe, einer wenn auch noch so locker ~cfüg:ten
tradt!el, ~mH.len~. s~ gut. wtc ~nchts. mehr anderes als die Operette will. und inhaltlich anspruchslosen Handlung zu folgen, Lmd prasenLICrt
Jetzt genugt naturheb dtc Heilerkelt allein nicht meln·. Denn nun muß ihm alles so, daß seine Phantasie überhaupt nichts mehr. zu tun hat.
die Op:relle. Ersatz bie,Len für alle Emotionen, die die Oper tutsiichlich Die komplette Phantasielosj,gkeit de~. heutigen Dm:chs~hmttsmenschen,
oder emgeblldct geboten hahen mochte, also neben dem Humor Er-- herbeigeführt durch seine s~nnlose Uberbolastung: ~n emcm v_om i\1 ?T-
schüllerung,_ Hührun9, ~m·zum tragische Momente allc•r AI't, ab·cr -- gcnblatt bis ins Schlaf~immer verödete': I~1echams~e:'Lc~1 B~tneb, zmgt
un_cl da~ bl_c1bt ~Jne~·lnll~Iche Forderung - auf de•r Basis dm· L<Cidll.ig- sich am schlagendsten m der Revue, d~e rhm sog:m ehe bisher _unhel-
kcll. D1es Ist d1c EntWicklung der Operduc in der zweiten Hiilfte des stritten für gerrußreich gehaltene Arbcll ?er cr?hschen. PhantasJC cr:-
I fl· Jahrhunderts bis auf die Gegenwart. Es fehlt nicht an heroischen spart, indem sie ihm di? Fr~ucn so zmgt, wte er ste gern sehen
und gelungenen Versuchen zur Aufi·,eclüerhalL-uuo- 'der besolnvimrteren möchte, ohne daß er semc Vorstellungskntft anzustrengen braucht.
l. .
T ratiüon, I . 1· l t>
JCl • o wnn Strauß etwa, dem in der .,Fledermaus" noch s-o
t>
Nun ist auch hier eine ähnliche Vers,clhständigung eines YOrlllals
gul wie. Vollkommenes gcriil, wogegen im ,.Zi~unerbaron" z. B. Yiel unter- urid beigeordneten Kunstelemenle_s zu bemerken wi,e bei der
Bcdenkhches unterläuft, im Sinne dieser unerbittlichen Entwicklung, Operette. Die Tatsache, daß der ,\iensch rm Theater etwas zu schaum1

104 105
~---=====~--------~----------~~~-.,-:::-;-

habeJJ lllllf:,. i,;l "J all 1\ ie diesl's SPih~l und das Hf'\ Jll'f'it•JJJt'Jil koJllllil waluscheinlichen noch in einer [healrali,;ch-log~isclwn, ~!so in kPiner
in a!lt'll ;.;·ult•n Tht•alt•rslürkPJI zttlll .\usdruck. an1 schünsiPJL 1 it•llt•icht gedanklich apperzipierbaren Abfolg1• stehen, ·cm orgamsches Ganzes
in drr .. Zaubt•rl'liilt···. dit•st·r· 111\Slisclren H.t'l ueoper par 1'.'\l"l'ilence. 1ro. herzu~tellen, dessen Einhr.i.tliehkeit auf irgPmleinem ander~ gcarle~en
wie schon l~ti~Otli sl'hr schün l;"noru-PhoiH•n hat. alles Cr·dnnklicht• in Gesetz beruhen miilHc. Da der beg1-ifflich faßbare Inhalt des em-
Sdwulian·s lf'nr:tndPII ist und alles \chanbare ticfPre BPrknlung lwt. zclnen Vorganges nicht ma.l~gcbcnd _sein kann, nn~0. offenbar auf ~eine
Auch dit~ itn \ onniirz so hdiublt•n Zauhcrsliich untl Ft•erien' Pine~ rein sinnlich wahmehmbare -Dyna1mk und Inlensit'rt abgestellt werden.
R:rilllund lltltl \t•slroy sind Vol"iiiufer unserer Ht'ILH'll, incknt sil' dent Mit dieser Formulierung wigl sich. chl?• diese Aufgabe dem Ideenkreis
~:lliirlii"IH•n und i>L'f"t'~'lilip·lt•JI .\nspruclt des Thealerht•suchers aur unJ- des SnJTI\alismus zugehört. ller ja auch in seinen bildnc.risch·cn orlc1·
1a,";cJHi!' llt•st·hii l"li;.;tlllf.!' sl'int•r Plt:tnlasit• Ht•cllllung tragt, II. l>t•r heulif.!·e Jitrrarischen \YerkPn aus der ntclalogischcn Bedeutung der vom Be-
Stand dit,seJ· I' tiJtsl isl Pht'Jlso 11 i ,. IH·i der OpercliP das Zt•irlteJJ d.er o-riffsinhalt los"eli:istcn Einzdmomcntc s,cin organische:s \Vachslums-
Ahsp:dlung und t•insl'ili;.;·t·n \iishildung- l'inPs einzc·ln.l'll ElenJt'lllt·~. i.n ~nd Formungsg~~st'tz abzuleiten sucht. Auch diese 1·orliiufig in geisbg
der 1\ir·hltlltg· illll' r•iJt lit'rabgT:sdzlr·~ \i1eau. Die :tlleinig··l' IIPraus- zuliinglichl'l' . \\ PisP noch nicht g~;pflt'gll\ 0~ttung . von .. R~wu:­
S~l'litJJI;! dr·s' Ph.'sisclH·n in 11;-Isert•r Ht'\ ur·. lllliltdiinglich d;·apil'rl mit theater isl mchl Yollkmnnwn nl'll. Ansatze dazu hndcn s1ch haufrg m
l'llt paar :tllen und schiPchll'n \\ ilzt'It, l'lllspricht dwn l'alb cln l·n,- ]eu schon g-enannten Zauberst.iicken. Von spii.l:eren Bilrhmgen dieser
gr·isligkeil dt'=-' (;t·gt'il\rarlsmcnsclll·ll. dl'n die rein aninJalischPn Funk- ~rL möcbl.r· ich 1·or nllem auf Kokoschkas "IGob" hinweisen, wo dieser.
Liouen eines 1\r·k:ml~dlllt'lliiul't•rs in uniH~!.trPif'lidH• Erre~·uug w H'l'- ·ie ich 1·;; nenne. ..magisehl' Hr~tlismus" mit einmali.gent genialem
srlzen rt·nniif.!en .. \ urh dit'SI'r TriPh. der i1; dr•r au l'gereglPII Yeilnahmc Griff priichli~· f!eslallcl ist. lange vor rlcr Fmmulicnmg tler snrrcalisli-
a~r eiuPr in niiclhlt•r ph:·sischt•r \iiht• rur sich gellPliden 'inqJOniPrendt•n schen ThPoi·it•.
nlale11 LPi,-liiilg· st'ill<' Lh•f'riedig·ung findet, war l'rilhrr im Umkl'cis Aber der Cc1lanke. eilll~r Hen1e mit künslicrischem Gesamtwillen
dt•s 1\unslinlt•n•ssi'S unlergl'lmtdll. indt'III dl•r Sinn fiir die rein dar- be izulwnnn en. dii rfte das begreifliche H ohnliichcln rlcr Fach Ieute hcr-
S~l'IIPr·i,;ri_H' \"ir~uost•nlr>islunf{ rltos Sclwuspit•ll'rs. 11ie Illall aus alten Be- yorru feil. dil' da Sinnlichkeit, Gemiit, Humor, Tanz, Musik nnd Y·or
nchlrn Sll'lrl. nPI gri:if:,l'r und PIPIII•l'nlan·r gt~wl'sen :-;ein nmf~, :ds heult'. allcrn Stuwpl'siun nach einem Normaltarif verteilen und auJ' tlem
I lt•r Polpourricharakl.l'r dt•r llt•rut• kolllllll. auch in ihn•r ilweiteu laufenden Band herstellen. So bleibt. auch hier das kommerzielle
hPull' iihlicht•n Ersclu•inungsl'onll ZIIIII .\usdruck, in der sie nril Vor- Prinzip maf:.gcbci~<J: großl'r .~bsalz rlie erste Fordemng, daher niedrig-
lil'he auf Beisl'll gr>hl. niintlich in de1· l~aban,ltrenw. Sie beslei1L aus ste,; :\'iyeau, dann!. alle hert•mgehen.
einig·l'n LIIIOrganisclt ko'lllpilil'rlt•n Einzellcislul!g·t·tJ mehr ud(•r Jlliiinder DiPses wenig erfrenlidll' Gesamtbild ist, wi'e sich aus dem bis-
i'·ult•J· SchauspiP!Pr und zPigl. daf:, sil' eine lte,·u~ ist, 111il llilfe von d~1 heriae,n ergibt, einer allmählichen Dissozialllion der ursprünglich ö.n
J•<wr sddPchl l'unklionierenden Cirb. Auch sie hat ihN• Yorliiufer .iu cine~ 1 mehr oder weniger einheitlichen Theaterinteresse berisammCill-
.i.~_'_lll'It zu lwllt•I_' lkgeioli'I'l:ng- dcsr l~H·all'.ITI'l"~l'alllcJ.I PnhlikiilliS aul'@ß- wohncnden Triehe und Neigungen zuznsehreiben, dent wiederum _ein
luhrlt•il ()nodldwls d1·r >\PslroY-ZPII. dH• eme w1lde ~Jaskerade YO!l jedenfalls "?rq-lcic!lswei_se cinheill~ches ~'heater gegenüber ~tanr!. Und
-'' ilz i;.;· ,-enl rl'lt ~en Zi Iaien .. m~s· gangbaren OpPm und Schauspielen ~lil'se Di~:;o:t.mtwu 1sl IYII'dcr das l~rgebms der ungeheuren brwmterung
w:ll·en. auch \Yll'der selbstandtg undP11kbar, sondt~1·n 11nr :tls Korrelat des Kreises der am Theater BeLciligten, wie ihn rJi.e Demokra~isi,eTung
und Gegenge1Yirlt_t l'iup~· t•rnslltaf'lt·n Thcal.!~rkultur 111öglich. Die heutige uJICl prinzipiell!' Allgen~ein.zugänglichkcit al~e;r ~ehens~üter illl den
habarl'llrnll!' \\trkl .JPdorh meist durch 111il~"·erslandcne Versuche letzlm hundl'rl Jahren nut srch gebracltt hat. Dw b·uge ·cmer Remedm
zur _Y t•rabrcidtung 1 on (;Pis! und \'01' allem durch ihre Schäbigkeil ist schwierig und wird unerheblich und sog:u: unmöglich, .wenn mm1
H'J"S[Ullllll'lld. den clcml'ntaren Abgrund zu ermessen ~ueht, _m welche!n _dw hundert-
Dal:ei enlhiilt dit• HeYue als Galtu11g ein bisher wenig bcach!eles t·tusende 1011 Seelen wohnen, rlcrcn HOnunelle Irnhnber dw Besucher von
dranwirsches LchensPIPJill'lll. Ihr Prinzip ,-öllio·er Abwes!•nheit eines r'ünf- bis siebenhundert und !Hehr en-sui:te-Aufführungen einer Ope-
iiußerlich logischen Zusanlllll'trh:rnges im Ablaubf ihre1· Sze11cn -- sie rette in. irgendeiner Großstadt bilden. Man k~n also. um hof~en, d.aß
hal 1~s spiiler aufgl'gt'h('II zugunsten ci11er meist imbezilc11. bei den es die Menschheit selbst satt bekommt, denn. rhe Aussicht auf eine Will-
llaarPn herlwitrezogeiiCII, diirl'ligPn und ganz unnützen Halwtcnhand- kürliche Regulierung solcher n:asscppsycl_nsc.her. Bcwcgungc_n ?ureh
lung· - 11111(~, iutmPrhiu lland in Hand gehen mit dem Streben Entziehung und Erzichnng dürfte 1Uusonsch_ sem. Nobch. mc Isl. es
n_ach ~~tsalnJnct~.hiiHW~nder \\irkung. und seC es :lllch nm· i1n primi'..J crelun o·en. j cmanden zu sein cm Gliick zu zwmgcn. 0 a Cl so 11 tmeht
ltvcn Sutll rler lJberlnt•lung des \ orhergegangenen durch das Folgende. gclcu~nel sein, ~af~, s1~eziell auf. musikalischem Geb_iet ~elege~tltich
Es ergiibe sich also. wiinlen die He, ueschreiber überhaupt g·clcO'eJl'b- Vorzügliches gclerstet wud. Das ze1gt vor allem . etwa 'cme l~rschemung
lich andere als lwnunerziellt• Uesidtlspunkte anwenden, diP ~\n f~abe, ·wie Lco Fall, der vielleicht der letzte grol~e Metster der Opeit'Clle war;
aus einer Heihe dralllallscher EinzelPiemenlc - clenii jeder sze.uischc allerdings scheinen deshalb seine letzten \Verke auch weniger Absalz
Vorf!<11tp- ohne l nlersrhil'd i"t Pilt "okhe' ·-. iliP werler i'n einer Jebcns- gefunden zn haben. Das zrigt auch die amerikanische Schlagermusik,

106 I 107

\
_........ I
/,
t~fre~ch _ganz ande1·~n vitale~. Quellen entspringt. Ich halte es jeden- blond muß es freilich für \Vien sein und auch seine sexuelle Hand-
R" fur eme ausgezmchnete Ubung für jeden Kompooisten emster lichkeit rührt spezifisch daher. Aber doch wieder muß das handliche
b lchtN~g, geleg~ntlich zu. versuchen, eine Schlagermelodie zu schl'ei- · Mädchen den Zauber des Ungeleboon hahen wie von Altenberg. All das
den .. 1 rrgends wud der Smn für Präzision, gut "sitzende" klare eiai>- Aufgebot an Nuancen freilich charakterisiert sich als verfallen, in-
eubge, unverwaschene und ·einprägsame Formulierung eines G~an­ dem es in eine W·e.U ohne Nuance, in die offene Banalität für Laden.-
kens so geschärft. Im übrigen leidet die ·ernste Musik und Theaterkunst ·mädchen hereinplatzt. Diese Welt soll, den Lad·enmädchtm zuliebe., S'e-
gen~u. s~ unter der geschilderten Dissoziation, da auch ihr Bereich
hoben werden, allein das gelingt nur durch den Unsinn, da sie soelber
fhezmlistisch, ~bgetrennt und einseitig geworden ist. Dem · emsten mit den impressionistischen Ingredienzi.en micht zusanimen zu bl"ingen
eate.rkompomst~n, d. h. im weiteren Sinne, dem es mit seiner Kunst
ist und doch für die Ladenmädchen beides haben .muß: del'en Alltag,
.ernst Ist ' w:rd mcht s u··bng
· bl m'b en, als das zu tun,
· was er v•erant'-
aus dem sie kommen, und das Geheimnis, in das sie möchten und das
~~rt~~ zu kon~en _gla~bt, und auf seinem Gebiet so wenig als möglich ihnen so unerreichbar 'ist wie dem Schhiger, der •es zitiert. Soloher Un-
Seitig zu s_e~n, m diesem, doch wohl ·einmal vorüherg·ehenden Zffit- sinn ist die Geschichte vom Zettel, die da erzählt wird; dem Zettel, detr'
aI ter mechams1erter Spezialisten.
als mächtiges Emblem den unteren Alltag ans Geheimnis binden ßOll,
zwischen beiden vermittelt; ihn schreibt ein junger Manri, läßt ihn dem·
blünden Mädel zufliegen, und alles hat sich gefunden, wie · es sich

• doch nicht finden kann. Zug;leich indessen ist mit j•enem Zettel deil' denk-
würdige Versuch gewagt, ·im Kitsch die Objektivität des verlorenen
Kollektivs zu· retten. Das Lied, das um seiner 'bürgerlichen Aktualiltät
willen so privat anheben muß, wie es nirr möglich, im Cafe ~e l'Europe,
mit der N euen Freien Presse und dem Eis - Himbeer.eis - :. di·es· Ued
muß, um eines zu werden, zugleich so tun, als ob ·es be!'eits ein Volkis-
SCHLAGERANALYSEN lied sei. Der Sprung zwischen dem privat-kunstgewerblichen und dem
Theodor Wiesengrund-Adorno objektiv-tänz~ris~hen Kitsch ?ringt ~is in d~e Technik de: Li,e~produk­
tion selber, d1e mcht ganz nmv gesdueht, und er g·erade bildet d1e Form
Ich weiß auf der Wieden ein kleines Hüte!.· des Gedichtes. Das Lied muß beides v·erkoppeln, die Geschichte also
seiner seJ.bst erzählen, den Weg von d.er Privatchanson zum Schlagoc
. d Copyright . I 9 I 5·. Noch ist d er F a d en m"eh t a bgenssen. · der an das
bm et, was war. D1e Ursprü · · f ' selbst beschreiben. Zwischen Glanz und Banalität gerät das· absurd: der
Walzertraum imme h' d nge weisen au Oscar Straus, dessen Zettel weht von der Terrasse hinab auf den Stefansplatz,. am nächsten
Erfolg indessen fäfit ~~ .. ;n ealscht~n JEohann _a';lsköm~lic~ beerbte. Der Morgen singen's alle Leut'. Das Private und Kollektive trifft sich völlig
kri 't. S . t .d pa ~. lllS 11schemJahr: m dw erste Nach-
egszei . o 1s es enn mcht mehr d vV" · Wal · b-loß in der blanken Sexualität, die das blonde Mädel, Weiß in Weiß,
mittelbarkeit der wirkt und .. ~r ' Iener · zer m seriner Un- mit dem letzten Schliefer! gemeinsam hat:· also, in j.enem kleinen Hotel
Gehalte n '. kli h f llpopula~ wnd. Soudem es sind die \Viener auf der Wieden; dort beg·egnet ein Ich, das nicht •exi;stiert, e,iner Ge-
• h , uh Wilirh c e,l ver a ene Wiederkehrer, in Kitsch gestürzt die
S IC verne m c maclen Das Wie . h d . , meinschaft, die längst keine mehr ist. Das schläft miteinand.er, au~.
Daß d ~c·t h .I nensc ·e arm stammt von vorgestern. sonst kommt alles zu allem. Das Stundenhotel ist ganz zivilisiert und
es er .r I sc von 1eute werde dazu hilft der I · ·
v~n gestern. Im Text zunächst: der' tut so als h,ab mpresswn~tsmdus aktuell aus der fortgeschrittenen Welt von heutzutage; Q.as verschwie·
fheß d f" }" h · 1
e er eS ffil •er1 gene Gäßchen dann so irinig, ein Volkslied. Darauf eine Zeile. fader
. ~Ii ~n, ag Ibe .. en, S~Immungshaft refl.ektierten Wirklichkeit zu tun,
so ZIVI Sie. rt, so urgerhch banal und in ~hrer Banalität b 1 • ·
Lyrik aus der Auslebezeit,. die_ längst ausgelebt ist; man ~ill doch sein
voll Das G ]1 · · · d · .B ,e en ge.ümmans- Pathos haben, wenn man sich ms Bett legt, und es muß ellll v·ergangenes
·. · . e ~Imms Wir 1~ .analen bloß gesucht wie es deu Libi'et-
ti~ten dw Wwner ImpresSiontsten g.e1ehrt haben·· . di··e 1 ·h... d sein, kein realeres, politisches etwa ließe sich im Schlager ·ertragen.
Zifferln ·sp . " D . . . . " euc ten en Das blonde Mädel heißt schließlich Du kLeines Komteßchen. Natür-
. nnge? · as u~presswmstische Klingen, das Atmos bärische
ersc~em_t als Kitsch bereits, scheinhafter Hintergrund einerpvollends lich ist es ein Ladenmädchen, die Komteßchen sitzen ja immer
un":rrk~chen Vord~_grunderoti_k. ,;Am. Nebentisch aber saß Weiß in noch nicht im Cafe de l'Europe. So sagendie Huren auf der Kärn-tner-
Weiß em"bh blondes straße zu einem Jungen: kommst du ein Stündchen mit, kleiner Baron,
· Maclei. und löffelte E1s· " " We·ß
d er lei a f tige l
· W e1'ß" - so h at
m wie es der Schlager hier 4\U alLen sagt. Und d·er L·eitartikel der ·Presse:
es
· p · R RenOir . v &remalt und selbst noch d·e1. Junge
· . Van GDg h
·
1m. anser estali!·ant. Die Sprachfiguren, mit Reimen, d~e i.hre Fremd- ganz lebensnah, meint der Autor~ "Scheinbar v·oll Interesse" - so stellt
~eit aus abgegnffenen Worten holen möchbm, sind von Rilke er- sich ein Konfektionär die feine Wiener Psycho1ogre vor; zuglciclr-dre
mnert. Auch der Glanz des Mädchens kommt aus dem Impressionismus, angestammte Ironie .gegen die P11esse, von Cler er ei~~l etwas ·hat
läuten hören. - ·
108
109
... l>it!
· ~~~~~ik
'· thzu
' · · •Sjp· ·sl'llll
• lll l \0111
· ])'I<' II Ler. 1111111 I.~
· I l'lll
· liJUSioC · 1l:CS• StimnJuno· tllld sogar eine Seele ·- und das geua.ue KotTclal solchen
\olkrlwn
. . I las · oh'rPkli'
· . · \\··,lz"l'll·ll'l
• ·'" • C 111 l"li C11'11 jJ SPUl., Ollllj)rCSSlOllJS-
· l'I II' 'Ii! · · · Indivitltll~llS: die Öemeinschafl der fröhlich T;mzellllcn. die iiber e-inen
IIlll' . 110 ~'1! ~elu: Zll~:tlllllll'n. lnJII11'1'11in. heim blonden \liiclel trifft ein sicheren 13oden schweben. Dal~. dt>r BodeH nicht mehr sil)Jcr, daß das
\ ernllllriPrlr•r ~l'llii.IIl'ikk 01~
·J llll.'I Cllll'lll
' \ fl''
c ll O~IIIIKSIOII.
. ' •
. ·· .. · ' ·... ' l'lll CIS llllt volle Indiridtmm selber nicht llii'hr am Leben ist, kommt damn zu-
''' " ' cJsi,;. ~d'" 111 1111d cl!ssona11L ZIIS<IIllllll'll. als uh l'S roll Schrekcr
1 1 11
taue. dal~> sie .;ir:h nicht in iistlwlischer J\.ealiläl. somlern in ](•i,l.sdJ und
\\ ii re:
Scl1 ein kundgeben. Es ist brwahn•JHler l\ iLsch. Man hat ihn scliOJl v·eJ'-
gessen.
V a I e n c i a.
Cop) righL 1 ~)2 5. Ersle Zeit nach dt•Jl ln flatio11en - m;~n kmt~l wiedt•J'
reisen. Valencia wird nwsikalisch das .\ nsfallslor in aHc Feme .fii r die
aborespcrrtc, Yerclcndete, zerschlagene Bourgüoisie. Es ist nicht mehr
cli~ die Tanz und Jndividucn hat. Si.~· ist amorph, intenlli,onslos, blind;
nur hinaus endlich, wo man 11icht ml'ln friert, ganz glei.ch wohin, es
kann ja in dc11 niichstm1 Schlagem dann auch ebenso ,gut :Uonlcvirleo
ode 1• l~arcclona sein. Aber Valencia ist die Fanfare dazu, hat unbestri llen,
die Primeurs der Geographie, die, ähnlich w~e ·eine :ilnagunärc llislorie
Zur unechi.t'Il Yomehndwil dt•s harnl;)ltis<'ill'll .\1 illl'k das 111:111 ~riihli.
ohne recht daruber zu \nrl'iio·en. llaf~,l o· 1·na\l ckr f •II. ·'I. f'l. S· 1·
die o·]eichzeiligcn Operetten, nun die Kitschproduktion zu. beherrschm1
dt•r alle p.1 ·I 11 1-f1 11
· • OL
. t>,
' ·
• '"': l ' t' '" t '··" z.
? aus .1enu ::-,dlll:hl. lwsillllllli lwzeirl111rl. \\'l'llll il11n be"i~Jlt. Zweierlei haftet an dem Raum. der so ang·crcdel wird. Ei.nnwl
,;u e111 Akkord emf'Iillt d!'n Pr 'ljl'lrt f'ind 1 1 I· . 'I' · 1 1· da~ Bcwul:)lscin seiner Beherrschung dmch dc11 ·n.cdenclen. Alles ist
.\ui'JÖSilli"', lllll dil' er .:··I ··[·or·· ' ' . . . . . . , . l .tnll \\l'l.> l'l' ~lJC JL CICI et'J'eichbar geworden, clie äußerste Ferne, über die dc.r triumphie:rt. dm·
, •. . •D . . . · Sie 1 e etl"".t diuckl, llldl'm t•r dl'n niichsilolgPIHlrn
l.• dd nnl. JIJIIP des unkonlrolherbart•n ]J 1·11· 1], ·1J·I·o 1·]' 1 1 1 f' sie nennt. als ob er am niichstcn Schalter eine Fahl'karle durlthiu lösen
1"1' · · ' " ' ' ' <JSI't eeraut'Jl könnlc. Dann aber die Gewalt der Konkretion, die in geogr~aphisclwn1
a_.d. I~ IId dann Wl:llennaeh!, ·als ob nichh passiert wiire. . ]) , . H 'fl" j 1
WH~ Jeder l{cf..
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I· . I . k .·
\ds .o l.JC tLr_e
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~<'nlxurn: Jllcht nmsonf>L stanunl
Cl e .t 1' Namen ist. Da aus den Menschen die Konkretion cntwic:h, nntcrschicrls-
rl:·. 1
HciJ,Ill; \ 01.1 d<!l' (~epllogenheil. den Chur die priio·nmtLt•ll Schluß-;
1Clt des SolohPdes wwdPrlwl· · I· - ·
los die Angestellten sich gleichen mit den sechs Tagen an der Sohreih-
maschiue und dem vVeekcnd mit dt~r Frl'lmdin, so müssen sie das 1\on-
zu. • . ' ' · •
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, Cl! :lll _'I:SSCil 11111. ( 11111Jt Zll OhJ.Pklil'iC'I'Cll.
-
SI.! ls noch bewahrl'u Hel l'<lllls m 1; 1'torJ 1 cl·ts ,.... I" ·, 1 · 1 krcle, ohne das sich nicht leben liif:)t, draußen suchen; im Kitsch-
1·11]·' . ''' •· \ll'lilCJIIJS (CJ' bilde, das ihl' vY unschtraum ihnen vorm alt, wird es der geog;l'aphische
:o e,l~len Macht ~' 011 ~·r~Jsik, wiihrentl die t•rziildt'JHieu LiPdslro l'lwn
1s. lllltcntelunen. das TJI(hndullln zu f·tS'"Il tl't" ·111 \\; 1 1 ·t ·l Name, so bcdcnlungsleer und uneigentlich wie sie selber, aber in seiner
j IJ 1 · · • ' '' oc • ' 0
;1 II' ll'l · \'Oll Jl'IH'lll
\O l' dJF :tllcw hheh: so will dit• Sdd·"''L'I'f'o 1· 111 ·.l'ol .,.t .. l. .1'1 ' ·. puren _Znfi~lligkcil doch einm~li.g, s~ tt~lCl nicht anders genannt. Solch
· 1 · - "- ~ ( ~ ' " 1 ., sc 1~r Pn .1" s
.I 1

1sl. l 1m1 \ Vwden-Schlai!CI' zu bezeu"l'll '·(·l·tf' Sl,. ]> f' '· . '] 1··. ,1. ein \\'ort rst der konkrete h.nslalhsallonspunkt des Schlagers; alles
. [) .. • · " ' 10' ' ' .> • Ul \C 1':1111 lllUSI W !'SC I
Slt slanzuel'l ISL: das also o-cht imn11•r 11 oc'll · ,,,. 1 · - andere darum ist Akzidens und ohne Bedeutung; es hat einen genia lcn
.,. ·r1 · . " . · · 111 l<'ll. ocer O'HJO', rqr:J .
.t,\~1'1 eui.I;.;· Wird, es erst durch dw· -:\'achiJ'II'SC]J•tf't cJeo. 'j' tlt tl· c]. j Sinn, wenn spätere Schlager um absurde Konkrelationsfctz.en sieh
. . . . · · .., ex es un ( ns
( 11 1.1<'re11z1ertc <.etue der übriuen "11 11 s 1'1 • zruppiertcn: wer hat denn den 1\iisc zum Bahnhof gerollt: das ist
jl . tl · · k. ·JJ 1.,. \·\' C" Cllt]]'lC1l Y011 ' ( 1er
rnalchanso11 zum Schl:wer dCJ.l der Tex.t ·1 ·ttl~ lS.
fo.l((!J · 1 111· (C]" 1 l'LUSl{ i\·r · ·1 ~innlos. weil ja die YVahl des 1\onkrl'il'll selber in ci1ner völlig ratio'll.a1
()"' ' T\• ·I.. ,. .t':l -: .. •
strukturierten HealiUiL zufiilli_3' ist: aber es ~st konkret genug. Der Me-
"illiZ l·~~~.c.mlle~. s~~~ h.at sem~ fnlenlion im Konlrast von EiJnJeillllll"
untl ]'Hcii<~IllS wett buntiiger '- · erfüllt und. J:i' 11 f't· 1111 n clcnl · 'r CX 1. 1111't VO"]]'" JP'
clwnismus solcher l\onkretiDn in .\bsl.raktheit itSt das Gcdiic.htn.is. Der
tiiiSe ~gcn 'equenzen. ddetlanlischen Modulationeil iibcr Oh ·[ .,':. Schla!;el' muß behalten werden; das geschieht nur, wenn er ein ml've.r-
,.;chreJlt.tnge1J n:Hih: untl wie. 'sollte <'"S ''ltJciJ r'1I c'lc,· I[I'tscl . 'a>ol'l I -.vechselbarcs Konkretes enthHlt, daran Gedächtnis haft.el., und im
• • • ' • ll'eu·1011 11100' Je:]
~<'":·. nJ.nsrkal~sch olm.: vö_lhgen. Bruch den wahrhaft ung;ufg-baren \v~O" übrigen so banal verläuft, daß die .\ssoziationen an jenes l"onkrete
zu ~~.I1C~1? D~P limnlaJ~ghchketl clcr Musik bl'stiitigl hier z,\,a 1wroll di~ Zentrum automatisch anschießen. So rührt denn der Sieg der Valencia
L lllnoglrch ketL des Beginns. tl zunächst vom Namen her, der zugleich das erste \Vort des Liedes jst;
was auf diesen Fund, dieses \Yort, das wie der Pfiff des crsdmlen
IJ'sgesaJ~lt: in jenem Scl1~agcr le~t man in einer Zeit, di-e jusl eben Expreßznges klingt, weiter folgt, ist plamnäßig banal, nichts Konkretes
1 . nwcn~hge vcrlm·, nbm· Im Schcm
ras doch noch halten mö~hlc. ß.e- darf dies erste stören, ins Gedächtnis die langen Furchen zu graht~n.
st:heHlellc
I k ' . isl "o·am:' noch von
St.:hnödheil . . 1111 (·1 u"'t'llllll!Ullg Ulll ]lll"l.lt :
1Jtli1SI }<'reilich hat hier die Musik am Erfolg ebenso groJ~cn Anteil. \Vie d€-m
1
as ahle K~ll.ckhv der Nachkriegszeit ist 110ch nicht angeredet. son- Text, gelingt es .ihr, das Konkrete und das Abstrakte, das Aparte und
dern das Indrnduum von avnnt gucrrc, <las seine Psychologie h~t tillld das Banale auf die gleiche Formel zu bringen:

110 111

J
war. Er hat überhaupt mit der Lyrik, die. doch selbe: keine m~hr ~.sl,
gründlich aufgeräumt. Aus dem 9eograph!schen Begnff _Yalc~cra \n.rd
~~ h~t _p·~1f5'~-----=~-y~· ··•- ;_t~=!-!E~-)- -- ~ ]<':~~ ~..oT:'i=- }.c[,g~~~ ihm, mehr Schlagkraft zu gewmnen, eme Alle g o_n e; _-eme "ge-
r" f:rr~u:l . /,· /e~ 11~""
glaubte Stacltgöttin" im _Sinne Ernst. Blochs: "Valen~a, d~me ~ugen
1;, · /.,, "l•ru •.r • •1w " f),i l,n,e ,/(, · mn-

glüh'n und s_augen mi~· dre Seele aus dem Le1b .. V~!encia, deme Lrpp~n,
sind die Khppen me~nes Lebens, hold~ W~ih! Ist das noc~. diC
Stadt, ist es schon em Mädchen, das sre bnefmarkenha_ft re~ras~n­
t• ert? Beda läßt das im Geheimen; statt dessen erzählt er 1m Trw eme·
s~hneidig-konfuse Geschicl~te vom roten Jim in der Haf.e~1bar von Ri'?,
in der die Otcro, Schönheit von I 8go, vorkommt, zugle1~h aber. auch
das Spanische sich jüdelnd verho~nen 1~öohte; für Pupille he1ß~ es
da Pupillia. was sich auf !Hanhlla re~mt, und s?khcr . anmutiger
Scherze sind es mehr noch. Jeder Bezug, selbst auf diC sah.emhaft vor-
gespiegelte Realität, ist da getilgt; übrig sind _nur Bruchstücke _von
Bildungsgut, erotische Vokab~ln, Kolportag_e, sch1ef zus~mmenm~onhert,
in abcn teuerliehen übersc~merdunge~, ver~1:e,gelt nu: mit d~m Zauber-
Da,; .\parlc liegl hi<~r. ,,i,• es sich für ci 1n Tanzsliick gehört, in der ,0rt der erreichbaren Rerseferne, ) alenCia. So spregeltc srch Eul'opa
lVI l't r i k: staLL de;: ii blichen Z" cileili1gkcil ist die gesam I~ Eröffnungs- ~ g 2 5. Es hätte kaum der Niistinguett dazu bedurft.
lwrioeie - die dann getreu scqucnzierl wird - aus drei Dreitaktern
gt•hildcl. deren letzter um einen Takt gedehnt, also auch nur als Pseudo-
~ierlakt~.r zustande kommt. Damit ~~ird ;icne charakteristiscllß üher- Ich k ii s s e Ihr c Ha n d. Madame.
lüuge der sequcnzicrenden ,\fdodicphrusc err•c.ichl, die si.ch unv·erlierbar Copvri"ht I g 2 8. Der Schlager des stabilisierten Europa. Zwar die
cinpriigt: 11·cr das >in:,d. hat dns Gefühl, er könm die Sechsachtcl- BruchstGcl~e der Realität von r 92 5 haben nicht zum Sinn gefunden:
Sequenzen ewig weiter spinmn, über die ganze Geograph~e hin. Das aber sie sind dichter aneinandergerückt Jetzt bilden sie e.ine geschlos-
melodische .\Jalerial jedocb. clrrs auf diese vVeise metri,sch überbelichtet sene sehr blanke Oberfläche - unter ihr dm· Hohlraum ist ge-
"inl, ist ,-öllig banal: ohne die Dreitakter w1ire es schleclüerdings blieben. Der Text hat einen klaren Sinn~ 'V·erbung unter der Komt-
nicht w behalten; in ihnen singl es si,ch von s~lbst. Im Trio gibt es vention, Ironie gegen die Komcution zugleich - jedenfalls, die Kon~
als 1\:onkrrtionsl'oml Puccini.-Oktan11 in llcu Außenstimmen. daun vention gibl es wieder und sie hat gesellschaftlich ihre Dialck~k.
Sechzehnlcltriolrn aus der folkloristischen spanischen K,onHntiiOn; so Allerdin crs sieht die 'V crbung merkwürdig ,genug aus: "Madame, Ich
schnell cnteilcnrl. daf:, es als Koutrast zu den triumphalen drei Drei- lieb' Si~ seit vielen Wochen, wir haben manchmal auah. davon ge-
taklem kaulll f'iihlbar 11inl. Die wiederholen sich, das isl alles. sprochen". Manchmal? Beim Tee, den man ~iede_r zusaa1men trinkt,
Der Tex:l 1crrlirnt einen n~ihrrrm Blick, der Vergleich wmal zwi,- in der W.olmung der Dame, wohlvers!andeni dre Dw_len; wo das ':orher
schcn französischem Original . und deutscher Fassung ist lehrreic.h. geschah, sin~ liir_rgst baniu:~tt .. Nun. aber .g:rbt es w~edcr den prlv~lell
\Yic die lVieden den \ Viener Impressionismus, so bidel Valencia das Flirt, unverbmdhch, un~efahrhch, dre ~asswnen blmben von der K_on-
A1·,;cnal der fr:tnzösi,chen Pnl'llassiens auf der Straße feil: vention umfangen, gemildert, man spncht manchmal davon, es hegt
V:llcncia, einem nicht so sehr viel daran. Deutlicher nocll.. später, der eng-
Terre extJU isc lische T ex:t:
Oll la !JrisP I kiss your little band, Madame,
J·:ffcuille les llenrs cl"ornnger! and dream I kissed your lips,
\' :11 cnci:1. You sec I'm so gallant, Madame,
lloux rivagc on such a night as this.
Of1 lc nuage
I·:mporle nos n°1·es J(•.gers!
Also nicht einmal immer: der Fleg·eL Die Konvention, die wieder-
kam ist noch neu, er küßt ihre Hand immer noch bloß, weil Cl' mit
Da,; klingl \Yie eine Parodie auf Baucldai.r·es Invitalion au yoyage, ihr ~chlafen will; hat sie es getan, so wird er's bleiben laES'CI1. So sind
deren Gelwlte unbarmherzig der Kitsch aufgreift; s~g:u· yon einer die stabilisierten Konventionen; lose Hülle üherm Chaos, beliebt nur,
Flcur perYerse i:;t weiterhin die H·ede, die gewiß aus der Tradition ·damit man seinen Vorteil dawn hat. Zu ihrer Popularisicrung würd
des S:mbolismtiS kolllml. aber dem deutschen Bearbeiter doch anstöf:,ig freilich das Lied viel beigetrl.\gen ·haben; _genug Leute haben erst

112 113

J
rlar;111~ ;.:·PII'I'IIl. dal~. lllilll ühl'rliaupl llii11d1' kiisSL'Il k:tn11: die feudale ZUKUNFT DER OPERETTE
f\espl'kLIH'Zeii~·LIIlg' i,.;l clurrli fipn ~rhJa•rer
o I l' o-riindlich tfL.mokralisicrl
\:) Paul Stefan
11urde11. \ur: die lle1nokrati1~ dt•s llandkw;sps. diP sirli so misicrt,
ist l~lol~. sclwinh;ll'. cl!'!lll di,P lH'lll'll l{iirp·t•r kiisst'll die lland ja nur, l)il'>'l' kleine Betrachtung hat nichts r.u tun mit dem Thema rler be-
d:~lllil sil' l"iir t'''""" lliilll'n's .Iack ~111iths J>latll• ll'hrl s.ie: :\lon- liebten lll'haLqll~lllgen und l 'mfrag;en_, die YOn dem .,Ende der Operette"
cliint•s C.:L'IIi·ll: und ihrt· sclm liidelllaftr nlond;milt'· ist l'illzig der ansgeheil und s1ch dann 1·on den l.. ww man so schön sagt) lnleressmllen
l{dlt•'- dt•,; Feudalisntu,.; 1011 Pinsl. I\ urz. die Dialektik tliese.s SchlagPrs !Jeslii tigl'tl lasst•n. dat:, <lieses Ende gewiß nicht nahe sein kann.
l'iihrt. Iid i11.; l\lassl'Hhl'lllll:.lst•itl. das auf dL'I' \\'ieden ungc- Es g;1b ja, 1or IH'nigen .Jahre11. l'llll' Zeit, in der es nach Ende anssa•h:
hrodwn I!Och lw,;lalld 1liH1 in \'alPnri:l 1011 den ll'lzlen mwrchisdHm . \ ls -die r•rsle11 Hentcn nach lkrlin karncn und von dort ans selbst di:e
~chillllTil durchschiitlt•li 1\llrdt•. 11 ier aber 12·ibh 11iL•de.r eine Unlnung, OpPrl'i.lensiadl \ \'ien bedrohten. Hc1uen keineswegs YOIJ Pariser Art.
l'risch !:!·enu:.;. daf~, 111an in ihr i11 dil' Jliilie möchte. und schll'chl genng, in deric11 es 11iindich auf Gt•ist und scharfe Satire ;\nkarll, sondern ebe.n
claf~ ei;ll'lll ;kr I\ i bch Clia IICI'll daZII !:!'l'lliili rl. .\iclll a11drr~ die \1 nsik. Herlinr~r lh~llll'll. Stücl\l' tnil hlt•tHh'rHlcr Ausslaltlllw und sehr Yiel
Z11:1r sldll TPIIIjlO di Tang·o dariiiH'r. 'aiH'r e,; ist schon g·a11z I' in hüus- nacktem Fleisch --- der PrOI-inzonkcl. ilu Stammkt~1de. war oHcn-
lit"!lt',.; l~ied: :1111 schiinslt•n'ktingl t•s ~·pi'Jiist•Prl. llt•m Pri~·alicr mit rlcm hnr schon so. daß ihn erotische Heize nur multipliziert treffen konnten,
r:1_sch illt\\ach~t'lldt•IJ l~allk!l'nih;;lwll h'fl'll'l <'~ Ha11111 g-Pnng: ps l:iiH sich "·iihrcrrd IYir nmlcrt·n hishin glaubten, daß eine Frau mehr hcdculcn
"It·der intprtll i,-i~'l'l'll darin. kl'illl' _\(a,.;chint•nnot\\l'ndigkt•il bind!!~. die kann und nnd~, als zwei Dutzend Freitul'llcri.nnen. Damals also hieß es:
\olL'Il so und llll'hl <lltdt·rs. . liirk ::ltnilhs IYirbantsle Effekte o·erarlc OpereLle odPr Bt•nw. Aber auch dieser Froschmiiusekrieo· hat mit eine 111
sitlll !lllfll'mi,;nlioneti. .\uch dt•r h<ll'lnunisrhl' Salz ist weil gedi~gcuer " de1· so lwliebiPn Yergleic!Jp geschlossen. Die Rcrue ist in di·e Opcr~tto
als IH~IH'l'. l'asl I'Phlerl'n·i. mit di,kn·len \\iirzt'll. !Jas Canzc· aber eingedrunge11 und muf~le es dafür hinnchnwn, dag es i.n de1· Hcnte
kling! iln g t' I a 11 f! I: t'11dlich hal tllalt \\li'd!'l' ZPil. rnan kann hci sich itlllller tnehr ()pl'!'ellensang und --· Operettenunsinn gah.
s<'lbcr ll!Piht~ll: d,,,. l•:dolg r1:!', Schlagcrs jsl das Behagen Pinrs 1011 Die Opcrl'lle ist illl rlit'SI'll H!'Yur-Eh'mcnlen nicht: Zll"'l'llllde uc.-
~. I I 1· I) nnzlpten
. . . c1er _L{Pnw ungel'ühr °gleichwitig
0
allen fi'l'\\Cinsi'IJ!etl llon11·. eins hit•r denen 1urgeliiuscht wil'IL die es gangc1~. ,,Icgl~ll r oc 1 < tc
nicht h:ilwn: tnil ein Pr Galli11 drin. cli•r Pig·pnpn oder Fn•mclrn: ein über t:iclrausprel uml Oper. und auch d10se haben keinen Schaden
J,I,,Jl aus Sand" ichs und l>{·slwbill(~, ZLI d!'m ';nnn das LiPrlcht•n summt g·cllornmen und leben noch. Und was Bert Brecht und Kurt 'Vrill
oder pl'cil'l. I las 1•inzige Cule dahei. daß man nicht so ganz clarau zwischen Schauspiel, Oper und RenlC in ,)Iahan·ollnv" und in der
;.:·faul>!: \\l'llig~II'JIS dit~. Lil!ertin;1ge dt•r ~acbkriegszeit Üi11gl datiin ':~?rcißToschenop_er'' zushmc~e geb,racht: haben, ergibt ,~·ohl ein Genre
nach . . \ber eh_,. \lpJodu• tsl ganz gl'schloss.en, olnw Bruchstellen, Ju~· steh. und cms, _da? _glmc.h "'erkc von hohem Hang und stärkster
ei"·t•ntlich l'ngllsrht• \lnsic-hall 1011 1 !)TO. sehr iniiL'I'lr;Jtioltal. ohne Zellbedeul'.ung eruphY lnnaussc.hlcudern konnte.
F~lklure. ult11e _Bud!'Hsliit~clig~'s. ganz .einfach ziYilisicrL gt•pl'lcgt. leer, In eine solche Geistesprovinz scheint miT auch der Zu·kunftsweo-
blank und nnltl'lllll'lnd "II' <'lll B:llll'ZIIIIIIll'l'. d~r Operelle r:u Jühret~, w~nn an_ders ?ic e~nen hat. Denn die Ope-rctb~
wu:d, '.vcnn s~e es wetterinn tt·etbt w1e b1sher, an [hrc;t· Bez,~ehungs­
losigkett - mcht sterben, sondern edöschen . .Jedes Ge11rc, jede Lehcns-
iiußerung überhaupt, nic.ht bloe, in der Kunst oder auch nur in lomsl.-
ähnlichcn Gehiclcn, dauert mu· so lange, als sie nicht vom Lcbcnsstmm
weg in einen loten Arm gcr1il. Versurnpfung läßt sich hemmen, nicht
hindern. Und das Pnblikuru, selbst die Gcwohnlwitshörerschaft heulio·cr
Operetten, hat einen J nstinl~t:, tlc1' sich nur einschläfern läßt. "
Erinnern wir uns einen Augenblick, wie es zu dem Chaos \'Oll heule
gekommen ist. Die Operette hat hislorisch·c Vorbilder Y<Oil achl!tn "._
~ebi?tem~er Qualiliit. Gehen wir von cl:.n Singsp_ielen au_s, die (auch 1 m~·)
m dte Müte des r 8. ,) ahT.lnmdcl'ls znruckzmerJolgen smd, so s.chen wir
So ist tllilll heule bei sich selbst wic•tler·, ohne daf~, rnm1 ein Selbst;
1-iehtigc l\Jusikcr am 'Vcrk. die sich aber auch nieht an banale
".iin'. IJI'i. de11~ Illilll ist. [ 11d da.< wird gPhraucht, ideologisch z11 mas-
YonyürJ'e rersclnnndctcn. Gern parodierten sie etwa die hm·oischen Gc.-
kH'ren, 1ne dtc Ordnung <ll'r CPsellschaft lal.siichlich bcsc:Iwffen ist
spreizthcilcn der gml:>en Oper: ein Gluck parodierte sich selbst wenn
i11 der liitlg:il niclrt allec di1~ Zeit haben. ihrer Madame di~ Hand z1~
er in detJJ reizenden \V erkehen "L'hrognc corrigc" c:iuem Bctru;1kcncn
k_üssc•n: in _der ahtT alle 10111 Schlagcrautm· so griimllich abh1ingig
Hölle und Höllengeister vorführen licJ~, und dabei o-anz dcullich auf
s 1111 I. da!~. sw es sm gcn.
sei11cn "Orphcus" anspielte. Es bat dann Zeiten gegel)en, in denen diü

• OpereLle zahtuer wurde und mit ein paar hübschen M eloclien und

114 115

111!1!:..._ ___ .
gcradl' noclt Lokalspässen ihr ."\uslangen fanrl, namentlich als sie YOll haben, verdienen geradezu Dank. Der H.est sin.d deutsch? Duo~ezfürst-c~1,
.J oseph JT. ralionalisiel'l wurde und als dann der politische Druck der die niemand melu· schaden können, spleemge Amenka:r.l'Cl'l!Jlj)lcn, ehe
Bie<lenmicrzeit jede i\löglichkt>il einer Satire in Hanswurst:iaden ver- neben dem heimischen Backfisch vorkommen, Schwicgcnnütter wie
bog. Aber gerade da kniipftc di<' Operette, die dazumal Singspiel. in dem deut:;;chcn Lustspiel der .Tahrhundertwende, alte Drahrer; es
Zauberposse, Volksstück mit Gesang oder wie immer hieß. au eine wird aetanzt. gefilmt, geliebt und mindestens ·ein Akt muß tragisch
elcmcnlarc Kunsllradilion an: Die des Volkshumors und der volks- enden~ weil der Konsument doch auch etwas fürs Gemüt verlangt ...
liimlichen '1\pen, nntct: dmwn sich in \Vicn Gc11ics wie Raimund und Zukunft der Operette? Das Genre. das sich heute von \Verk zu
Nestroy l'rgingen. \V erk schleppt, hat nlll' V~rgangenhe.it un?
bestenfalls die Geger~warl
Dann kam abermals der grof:,c Pariser Impuls: 0 ffenbach enYCcklc einiaer Jahre, in denen s1ch allerdmgs trnmcr noch gut verchenen
.i eue tolle Laune, rlic schrankcnlosr Keckbei t des gnllischen Tcmpe- läßt~ \Vie lange noch? Eine Zeit, die den "Jonny", die satirische
ramPnts, die yor keiner Zeiterscheinung Hall machen konnte. Mit dem Hcvue "Es liegt in der Luft", die "Dreigwschcnoper", henor·gebracht
\Yort Zeilersclwinung ist zugleich bekannt, dar., diese \Y.erkc \'011 haL (um nur eiriige Beispiele zu. n~nncn): ~vinl vir;llcich.t eher als man
Ltst umergänglicher .\lusik als Texte rergiinglich waren tmd heute nnr alaubt Antwort geben, mdcm sre lhre Unmteress~ertheLt bekennt. Der
noch ~clnvcr zu beleben sind. sofern sie nicht mythoLogisdte Stoffe Operette der Zuku,nft. ~ehlt ni~ht der ~Iusiker, sonde1·n ein Di~htcr, ·
parodicrPn. denen wir einen Ewigkeilskredit ningeräumt hnhen. Viel- kühn genug, alte 1radüwncn w1eder aufzun~lunen und n~euen .Ge1st zu
leicht müfHc man, wenn man an PirH' nicht bloß Literarische 'Viedcr- . spüren. Geist ~berhaupt: Der ~pe.~·ettenunsmn .hat g~w1ß sc~ gut~s
hclcbung ron Offcnhach-K miositälen ernstlich dächte, in diese Stof'f- Hecht; aber chcser Unsmn muf:, Uberschuß, mcht Mang·el sem. Dw
rorlagcn mit kühnster Han!l eingr·cifen- und auch da wäre der Erfolg Heue Zeit, die da ist, sucht überall eine neue Form. Sie wird si·e auch
nicht völlig sicher. Jür die Opcr·clte finden, finden müssen, und vielleicht eher als wir
Aber alles das war unutillelbar folgemlen .Jahrzehnten tmcrreichtcs heute glauben. Dann wird die Zukun fl der Operette eben da sem.
Vorbild. Die Operette der Gründerzeit, von \Yicn ausgehend, wclt-
c·robernd, begann noch mil Opernparuclie und Zeitsatirc, yerTlachle
dann aber immer mehr zu komischer Oper mit allerdings prächtigTil'
~htsik. lief:, sich an das romantische Gestade schwemmen und ycr-
wcchscllc alsbald romantische Ironie mit durchaus realem Stumnfsirm.
Aber es ergab sich solcherart eine ganze Reihe von großen Er:folgen
in 'Vien und ctuch an rielen deutsch·cn Biilmcn. ja üS wurden sogar
Theiltcr anderer Sprachen gewonnen. Das kommerzielle Element war
gegeben. In W'ien entwickelte steh eine stattliche Exportproduklion
und die Zahlungsbilanz des alten Staates gilb davon stolze Zeugnisse,
'Hit Genugtuung läßt sich feststellen, daß die Kette guter Ope-
rdienmusik nicht abriß. Die \Verke. in deren Di1enst sich v:iel Feuillc-
tone~pril und Zeitungsmacht stellt~, wurden abgespielt, solange sie
hielten und dann an die Provinz ilhgegeben. Allerhand Musikgut ist
solcherart :.mgrunde gegaJJgen und vergessen wordem. ßerlin, längst l'in
größerer Markt auch für die Operette und im Besitz von Geldmitteln,
die \Vien nicht mehr aufbringen konnte, begann .\Vien·er Erfolge neu
zn beleben, oft auch Uraufführungen vorwegzunehmen. Das Fabrikat
muf:, einem größeren Inlanclsmarkt genügen und wegen der hohen
Gestehungskosten in gesteigertem lVIae, exportfähig sein. Daher v·cr-
schwindet aus dem Textkanevas jedes anstüßige \Vort; von der Satire
bleiben ein paar Fratzen übrig. Nicht geschützt ist der gute Geschmack
Schubort präsentiert sich als sentimentaler Narr, und s-eine tantiemen-
freie Musik läßt sich nach Belieben verwenden, Gocthe singt Tenor, die Sulllvans "Mikado" als Revue (Breslauer Opernhaus)
(gleichfalls tantiemcnfrcic) Gesamtausgabe s'einer 'Verke gibt die schön- Inszenierung Herber! llraf, Bühnenbild Hans Wildermann
sten Gedichte her, w denen die Erfordcmisse des Kanunerzes Couplet-
Furtseizungen diktieren; Tcxtverfasser, die es nicht ärger gemacht

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BEARBEITUNG UND NEUINSZENIERUNG artig m , iclerlci Sclwupliilze au l'gelösl. altinoflischc \Virlshiiuser YC'l'-
wandcln sich in Bar~, LichtreklanH'Il kündigen an, Flugzeuge ent-
ALTER OPERETTEN führen Liebespaare. bran•. ungeschickte Chorreihen werden durcl1
Herbert Graf Läuzcrischc Cirlreihl'll aul'gelockerl, die allt•'n Tanzschritte· werden,
r. soweit r~ rler Rll\·Liunns zuliif~d, durch modeme crsetr.l. Kurz. die
üuf:1erc :)~,ette rcnv;~ndell sich nrucn Hegrifl'en gemäß. Das \Verk bleibt,
11111 b I' <I I' b (' i I(' II :)
\ \ :1 I'
textlich unfl musikalisch. das Orig·inal wird bloß nach der ncnen i\lodc
I )jp ntorlcrnt• ( lpL't'dle ist noclt nirhl gt•l'tmdl'tl. .letli'" I 111 hil'"l'll in gekleidet. OJ'I'enbach, Sulliran, Lccoctj und andere Freunde des ge-
()P 1 '1'.nh:~_l'tcs. in gro/~,.. Formen .. \ussrh:~IG·n des lltnnors. \usht~·it,In!.!· raden Taldes erhalten infolgc ihrer Gegenwartsrcnvandtscha:ft den
<IPs :-.entntll'lllalen '1'1'\\ i,,cltt dt•n ursprC!ngliciH•n llltlerh:tltcnd<•n Charak':. Vorzug.· tlcr \ Valzer isL clwraktermiW,ig an sein ursprüngliches ~lilieu
ter rkr Uperr!lt·. Bcgrcil'licht•r\\Pisr• blickt Jlt:tll z11riick zu riPII alten sl.ark gchnnden und wehrt sich. l111 Februar r~p 7 inszenirrte der
~lpcrelle11. da die 111'111' nichl. 1oll lwf'rieclig-1. \lan hat Seimsucht nach Schreiher dieser Zeilen in dieser Hen1eart in Brcslau Snllintns
1hrc~n gcstiiirlt•n. f't·iildiciH•n L:whetl. nach ihrPII "'·lodi;·n .. \IH·r 't•s ".ibl "Mikado". Es gcficl uml machte Schule. Ein halbes Jahr darnuf folgte
~~e:uge \\ erh. die. glPich dPr l'i\·igeJJ . .F!Prlt•mtaus·'. ihrer Zeil nYcht Chnrell im ßerliner Grol~1en Schauspielhaus. dem somit das prinzipieHc
I nb~1l zal.tllell. I.>ie llll'istl'll ludH'n Stnnb angPsl'lzL Es liPgL scht•inbar Erstgcbul'lsrcch l ller :\ cuhearbeilung al:; He nie ~ en !gegen dw Be.,
" 11 c•tner (,runrlclltsli'llnllg. l nsl'l'l' \pn·r·n haben einen Grad nm l·loch-
hauptungcn seines PrognmHHCS ~ nicht zusteh!. Freilich war c1ie
",P'Illllllllt!' crreic!Jl. _der :~ul' der lliiltni' H'illl'll n·idPrhall Pnrnrtd. Form bei Chnrcll bereits ·eine ganz andere, indem das Original hier
So\\old: .. llll 'II llSik:i.hsclwn. i111 Lihrl'llo. "·ie in rlt•r "ierlergabc. Di·e bereits cl urehaus sl'lbsliimlig nriinderl wurde. Doch das greift für diese
Dt.~rchln!Jrung· <lad niehl .itn PoslkutschPttll'llijHJ g·csc:lwltl'll, die Bilder Untersuchung bereits zu weit. Der niichstc Schritt nach tlcr sz·enischcn
lllllSSen 1111 sr!tnclkn \\ c•chsel \Orlwil'liPg·ett. Det' ltiOllel'lle Verkehr hat Umformung war die Textbearbeitung.
den. lwmlcrt.l.~whPJI
. . . \\ Pchsl'l
· ·sichtiJ'tl'l'l'
' l•'t.lt<lt·t"tt'l·,.
" . ' zii , I' G1 l'WO 1lll 1!Cl'L ,
IlL'SIIlnhches \ L'l'\\~tlt•n t.UI' St•llenhl'it "l'lll'tCht Fs lnt \· 1 I L 'I 2 . Die textliche Bearbeitung. Schon die rein sz·enische
1
i~ll'innwl so und YOI'. II . ··I· . ~ . .' ~ : "· ' . ,c l Cl l', aJcr es Bearbeilu11g ergab genug Dinrgcnzen mit dem TexL Sie wurden durch
. • .t 1'111. 1:; t.tt .tuch \orled<·. AlsuHaudwe"\'011 cleu
yorwärtstrcibcnde Striche und durch Abiindcrung ron Beo-riffen nach
".·ltJ r101·I l I'·" '·t I·'l'llll'
·
modernen Bezeichnungen diskret cachierl. \Vesentlic.hcs wa~· noch nicht
:dl.en
. OjlCI'l'llen)· .l:t · ··tber l' s· "'' gu Ieu ncuen?t>
Und
rhe alten haben dod~ ~o Yiele \'o1·ziigl';) ,\!JLT 11111 criiudl'l'l haben diese
betroffen worden. Aber die Kluft verschärft sich bei g,enaucrcm
tloc~1 an_ch ~:~e~_lc.~ zL•Illrcm;le ~egatira. die gef'iihrlich werdt•n können? Zusehen. Man spiirl, daP., zwischen neuer Szene und altem Li-
Doch , d1e l1etal: .\bt•r \\'II' halwn doch elwn kPine wirklichen Ope-
bretto nach Inhalt und Durohfü!lu·ung ein Zwiespalt bestand. Der
rellcn:l .\!an schwankt. rerz\Yeil'1·lt und --· zu 111 Teufr•l 1l11't ·I , 1." · 1
Pirliil! - bearlll'il1•l. .. .t Jl unt Geschmack an neuer szenische,, Gestaltung streckte seine Fangarme
nach dem Text aus. Zunächst rcrsuchtc man es durch Antpnlalion ein-
II. zelner Teile. So nrsuchte vor kurz,em der Verfasser dieses Aufsatzes in
\V .i l' h I' a r b c i l c 11 ;J Bresla u Offenbachs "Schöne H clena", deren Originaltext auch durch
Es w~rcl schon s~hwir;rig·cr. Die g·PhPinll'll 1\t-iiftl' der allen \\'erkc Ludwig Puldas Übersetzung nicht meht· lebensfähig wurde, in :fol-
wehr?~l stcl_:· wol~cn Ihre_ JI\11Pren Ct•sclze. Grundbedingungen. herechtig- aender \\1eise textlich zu bearbeiten: Das \Vcrk wurde ron cinc.r ncucn
!e1~ bg_cnzug;· meld aul gehen. ., \ \' ir habeu doch unsere geschichtliche ·~odcrncn Conferance-H andlung ulllralunt und clurchflochtcn, weldw
Zeilhedmdht•lt! l nserl' Text!' Ulli;l'J'C "I 11 s1')· ·l~ose
• L , • • ·• "~· "'
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·1 1 · 11
11 SlC l c Oe 1 n1c 1
die drei Hauptpersonen des Stückes eine Parallelhandlung ror dem
lll \\Csem;lrcmdc \\ Pll~·n iiberlragcn! Sinrl wir kein spijbstiindio·cr Einaan"' des Theaters abspielen läßt. Durch diese Con:ferancc war die
Cl:arakter? Gebt uns,. wH:
wir sind ütiPJ' lafH nns schlaf'en !" Die Sli~n- Mö;lid~keit gegeben, ilie eigentliche Operette in vielerlei CJillZdne Bilder
men revucartiO' zu zerlegen und iiber einz·elne Szenen nach \Vunsch schnell
·· 1 haben
· recht,· w1r Skrn]JcllosPII · · ·Sjlt.irt'l1
· l'".,. j) 1'e ('1esc1nc· lt
1 e. (]'1e
ASileli~( stempelt uns zu ßarbaren. \ Vir geben um; in unserer Stube oder langsam hinweg zu gehen. Denn, da nieht mehr allein die dralllla-
ti~Porcllsrh llcchenschai'L und werdPn nac.hdenklich. Unser \Ynllcn isl turaischc Logik des Originals die herrschende Kraft blieb. sandem die
mch l makeUos. Co~:ferance alle Bi.ilmenmöglichkeitcri offen ließ, wurde die Möglich-
. Draußen eilt <las Leben weiter, uncrhilllich, nenös. unbcsi.nnlich. keit o-rößerer Abwechslung erreicht. Der Text dc.1·. eigen tlichcn OpereUe
l?lc .l\Iensche!J wo~lcn die g-ute. erquickende, alte Opcr.cUc. ihre kösl,.. wurd~ an schleppenden Stellen gekürzt. in anderen Szen~,n (z. B. der
hchen M_elod~cn, eine abwechslungsreiche Szene. Der alte Bühnenzauber Rätselsr.ene) aktuell neu bearbeitet. Die ganze Textbearbeitung wurde
laugt scll l\mo und Rente nicht mchr. llier wcrclf~n nPue An fonle- im Hinblick auf die originalen dramatur31ischcn Grundlagen und clie
rungen geslcll 1.. Man schliigt die er·sic Bresche. JVIusik, welche unverändert blieb, angelegt. Es war ~in Versuch cine,t'
r · S z e n i s c h c B e a'r b c i l u 11 "· Das historische I\lilicu erhält sehr :freien Textbearbeitung unter Verwendung des Originalanfbancs
moderne Zusiltzc. Aktelang slchenblcibcmlc Uckorationcn werden rcvue- und gänzlicher Integritiit der Musik ~ Ein weiterer Schrill crgiihc

118 119
(theoretisch) eine rollstiindio-e Texlbearbcituno· ohne Hücksicht auf Tradition. Llie ehemals dem Originnlbilcl der 'Yerkc stilgemüß enl-
das Originallibn:tto - ob da~n ~her in der Pra~is die }I usik im ÜPigi- sproehen hatte, an Lebenskraft, rcrstanbte und - b.cgann zu lang-
nalzustan~l un~l Ihrem clramalurgischcn Zusammenhang erhalten bleiben , "len l\Ian fühlte: so acht es nicht mehr lange weiter. Und doch,
"Cl . " ':' ? ])" d I .
kann. bletbl dte Frage. sollte man diese originale Dar~tellun_gsart :erlassen. 1e oc 1 et?st aus
:1. Die musikalische Bearbcitun~. \\.er \Oll einem Orn·a- ]c
C I11
inneren \Yrsen der YVcrkc nbgeleitet worden war? Dw also.
Unw1r. 1~sam kmt.
nisnins einen Gnmdst(~in \Yegnimml.. wie im :r,:lle des Librettos, kmn~nL
-1
zweifellos stilecht war? Die T~tsnehc der w~chscnucn
in Gefahr, dnß der ganze Bim lan()"smn ins \Vanken kommt. Der 1·ängte trolz der Bedenken zu Anrlernngen. D~e Revue bot Anregungc!Il.
l~.rC\ cl !)listorisch-ü~thetisch ist es ein °Fren~l) des Bcarbci tungsprinzips S~enenwechsel, Ausstattungspracht, Gir~s .. Sollte man si? de~· allen. Ope-
r?cht su:h. Erstannl~ch. zwar, wie weit die originale alle MuSiik. sofern rette aufpfropfen? Sollte das neue l\hhe'-,1 a_ls Zutat m ehe zwc1JeU?s
SJc gnl 1sL ohne wu·khchen Schaden mitmacht. \Yiihrend dpr Thcore- -'eren Bedin o-un 0aen der alten \Verke hmemgczwungen we·l'dem? DlC
tikeJ: mit seiner Ikhanptung ron der Zcrs!(irung der alten ~Iusik durch
anu
Stillosigkeit lagt> auf de~: Hand .. Also cloch hel;er

?11I es IJeim
· a l ten. lasse11."';)·
szemsche und texlliche Bearbei lung liin o-st H.cch t behalleu müßte. acht Das ging aber auch wlCdeJ' m.chl. da das l ubhkum, dnl'cl~ Kmo und
die OJ"i~,[inale \I usik in dPr Praxis nocJ7 immer fr-isch und ·juna J~un­ HcYUC yerwöhnl. jclr,t auch m der Operelle and;re J\nlorderungcn
dcrtcrlri Ehen mit nwclc•rnen CPtlaJJken ein. ohne körpcrlichc~I S chaden
0
stellte. Die mod~rnen Nerven wol.ltcn ohne langes 'cr.wmlen. Abwcchs-
z~u nehn:rn . .lcrlcnfalls Pin gutrr Brweis fü1· ihre Kraft. Aber die 1uno,a heutiaen Hll\'thmus und überrasc!hiungen. Ncumszcmerung an&
. .t> " " \1 . ,. ?
J< olgen smd doch letzten Endes UIIH'l'lllcidlich. Bald merkt man an der diesen Beclmgungen mur.,te 1~ommcn. 1. }Cl \UC.
Pinen oclcr anderen Stelle. daf~, ein nen Pino·eführlcr Text in der al!1CJ1
M usi~ kein c Stii tze ~indet. bald wird eine )ivergcuz z,üschen mocler-
l
~~cr ~zenc nnd i\lus1k fühlbar, bald \Yirkl der neue Tanzschrill als
l·rmnd~~örpcr :~:um alLen Klang. :\'lan beginnt lllil Hetouchoo. lnstru-
11.11'n talwnsn~rällflernngrll \Hnlen rorgenommcn, ein Nach tanz hek:mlll1l
cme komplizirrtrre Fassung. ein Finale wird durch Jazzinstrunwnle
rcrs~iirkl. A bcr abgcsch cn Yon d iescm Kleid LliJO"swechscl bleibt die•
~~ll~lk zunächst _noch i1~ \~rlodic und Aufbau 1ma~1gctasleL
.\nr .noch. em Schntt ISt oJfPn. Unrl er wird o·cnano·pn. Man yer-
~pncht Sich ehe Yoll.stiindige zc~lgcmiißP Emrncrungt> ilcr ~ltcn Operette,
Jlld!'Jll 1!wn nach Szcn1· Ullll fpxl nun auch die \lusik se.Jbstherrlich
znm ,\]Jtlcl srincr :\f~drrnisicrungsbe~lrebnngen macht. Da derartig
g·ute .neue Oprrctlen mcht komponiert werden. daß sie die alten ent-
bchrh.ch machen. hPmilL'htigt man siqh der alten Schiilzr. 11111 sie fiir
dPn ·' cldcndcn BedarF aueh musikalisch zurecht zu mach-en. Charrlls.
Bcrh 11 er Bc~n rbci tt:ngcn g-e)1örP n hieher. Die alte :"\<! usik wird YCträndert,
lllnkompomPrl, w1rd gc~tnchen, Yariiert. ergänzt und in moderne Tanz-
nummern verwamlclt. Jhr :\ II [bau wir·d zerlegt.. sie ist yon·elfr-ci Es .
0
IYird gefährlich. Die rollkommene Freiheit dem. nlten \Verk o-eo-en.über
l"ührt auf jene Klippe. von der es nur den Todessturz hin~nrtrr zm·
Leichenschändung ode1· den Flng hinauf in die hohe \Velt aenialer
i\euschöpJung aus dem Geiste des \Ycrkcs gibt. \Vicvielc )\"Cr~en den Moderne Operetteninszenierung in Lenlngrad (Kleines Akademisches Theater)
letzteren Znstnnd bringen? Die Gcl'nhr des Geo-entcils dom:Üniert und "Kiown" von M. Krausz ln der Inszenierung von Smoiltsch
wnrn1. Und doch: isl das Ziel der - in h ö ]~er c 111 Sinne stil-
g·emüßcn Ernenernng dPr alten Operette nicht zu Ycrlockend?