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Fraglich ist, ob die geplante Maßnahme der Stadt Lüneburg, den vorausgegangen Bescheid vom

25.04.2018 vollständig mit Wirkung für die Vergangenheit zurückzunehmen, rechtmäßig ist.

Aus Art. 20 III GG ergibt sich der Grundsatz der Gesetzmäßigkeit. Demnach ist die Behörde an
Vorrang und Vorbehalt des Gesetzes gebunden. Um die geplante Maßnahme durchzuführen,
benötigt die Stadt Lüneburg aufgrund des Gesetzesvorbehalt eine entsprechende
Ermächtigungsgrundlage. Weiterhin muss sie innerhalb der gesetzlichen Grenzen handeln und darf
nicht gegen bestehendes Recht verstoßen (Gesetzesvorrang).

Eine spezialgesetzliche Regelung ist hier nicht ersichtlich. Folglich findet hier § 48 I VwVfG i.V.m. § 1 I
NVwVfG Anwendung.

Die geplante Rücknahme wäre rechtmäßig, wenn sie die formellen und materiellen
Tatbestandsvoraussetzungen erfüllt.

Die formelle Rechtmäßigkeit wäre gegeben, wenn die Zuständigkeit und Verfahrensvorschriften
eingehalten werden. Die Stadt Lüneburg müsste demnach für die Rücknahme des Bescheides
zuständig sein.

Nach Bearbeitungshinweis Nr. 8 ist die Stadt Lüneburg die zuständige Behörde. Die Zuständigkeit
liegt somit bei der Stadt Lüneburg.

Weiterhin müssten die Verfahrensvorschriften eingehalten werden. Hier könnte eine


Anhörungspflicht nach § 28 I VwVfG vorliegen. Gemäß § 28 I VwVfG muss bevor ein VA erlassen wird,
der in die Rechte eines Beteiligten eingreift, diesem Gelegenheit gegeben werden, sich zu den für die
Entscheidung erheblichen Tatsachen zu äußern.

Zunächst müsste es sich bei der Rücknahme um einen VA handeln.

Nach § 35 S.1 VwVfG ist ein VA jede Verfügung, Entscheidung oder andere hoheitliche Maßnahme,
die eine Behörde zur Regelung eines Einzelfalls auf dem Gebiet des öffentlichen Rechts trifft und die
auf unmittelbare Rechtswirkung nach außen gerichtet ist.

Bei der geplanten Rücknahme ist lediglich die Außenwirkung kritisch anzusehen. Durch die geplante
Rücknahme entstünden lediglich Nachteile aus persönlichem Umfeld und nicht aus
arbeitsrechtlichem Umfeld. Demnach entfaltet der geplante Bescheid Außenwirkung und ist im Sinne
des § 35 S.1 VwVfG als VA anzusehen.

Weiterhin muss ein Eingriff in die Rechte durch den VA erfolgen. Ein Rechtseingriff liegt vor, wenn
sich die Rechtsposition des Betroffenen verändert. Durch den geplanten VA wäre Frau P dazu
verpflichtet die 3.000€ aus dem UrsprungsVA zurückzuzahlen. Gleichzeitig würden hier die
Eigentumsrechte nach Artikel 14 GG berührt. Folglich liegt ein Eingriff in die Rechte vor.

Frau P müsste Beteiligte sein. Nach § 13 I Nr. 2 Alt. 1 VwVfG ist Beteiligter derjenige, an den die
Behörde den VA richten will. Adressat des geplanten VA ist Frau P. Frau P ist somit Beteiligte nach §
13 I Nr. 2 Alt. 1 VwVfG.

Folglich muss nach § 28 I VwVfG angehört werden. Ausnahmen nach § 28 II, III VwVfG sind hier nicht
ersichtlich.

Weitere Verfahrensvorschriften sind nicht zu prüfen. Die formellen Rechtmäßigkeitsvoraussetzungen


würden vom geplanten VA erfüllt.

Weiterhin müsste die geplante Rücknahme die materiellen Rechtsmäßigkeitsvoraussetzungen


erfüllen.
Zunächst müssen die Tatbestandsmerkmale des § 48 I VwVfG erfüllt sein.

Beim Ursprungsbescheid müsste es sich um einen VA i.S.d. § 35 S.1 VwVfG handeln. Aus dem SV
ergibt sich, dass es sich bei dem UrsprungsVA zweifelsfrei um einen VA i.S.d. § 35 S.1 VwVfG handelt.

Diesbezüglich muss der VA rechtswidrig erlassen worden sein. Der VA wäre rechtswidrig, wenn er
den formellen oder materiellen Voraussetzungen der Rechtsnorm nicht entspricht. Aus dem SV wird
ersichtlich, dass die Schwiegermutter von Frau P vor Erlass des VA verstorben ist. Somit ist die
materielle Rechtmäßigkeit nicht mehr gegeben und der VA rechtswidrig.

Außerdem müsste es sich nach § 48 I 2 VwVfG um einen begünstigenden VA handeln. Ein


begünstigender VA liegt vor, wenn dem Betroffenen u.a. ein rechtlich erheblicher Vorteil eingeräumt
wird. Frau P erhielt durch den VA 3.000€ was einen Vermögensvorteil darstellt. Der UrsprungsVA ist
somit begünstigend.

Weiterhin müsste es sich bei dem UrsprungsVA um einen Sach- oder GeldleistungsVA handeln. Im
vorliegenden Fall kommt ein GeldleistungsVA in Betracht. Ein GeldleistungsVA liegt vor, wenn eine
einmalige oder laufende Geldleistung (Vermögensvermehrung) gewährt wird. Im vorliegenden Fall
erhält Frau P einen einmaligen Zuschuss i.H.v. 3000€, was eine Vermögensvermehrung darstellt.
Demnach handelt es sich bei dem UrsprungsVA um einen GeldleistungsVA.

Als nächstes müsste subjektives Vertrauen vorliegen. Subjektives Vertrauen entsteht, wenn der
Begünstigte auf den Bestand des VA vertraut. Im Zuge der durchgeführten Anhörung erklärt Frau P,
dass Sie das Geld, das Sie durch den Zuschuss erhalten hat bereits für andere Dinge ausgegeben hat.
Folglich liegt subjektives Vertrauen seitens Frau P vor.

Zuletzt darf keine objektive Schutzwürdigkeit in das Vertrauen vorliegen.