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Fakultät Bauingenieurwesen, Institut Stadtbauwesen und Straßenbau, FB Stadtbauwesen und Stadttechnik

Rohrvortriebsverfahren

Dr.-Ing. Torsten Schmidt


Gliederung Vorlesung

Vorlesung 3: Erneuerung in geschlossener Bauweise

1. Berstverfahren
2. Vortriebsverfahren

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2. Kanalsanierungsverfahren

Verfahren

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2. Kanalsanierungsverfahren

Anwendung der Verfahren

Verteilung der
Sanierungsverfahren
[DWA; 2011]
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2. Kanalsanierungsverfahren

Erneuerung

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Erneuerung in geschlossener Bauweise

Erneuerung in geschlossener Bauweise

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1. Berstverfahren

Berstverfahren

- Unterscheidung zwischen:
- Statischer Krafteinleitung (Winde zieht statischen Berstkopf)
- Dynamischer Krafteinleitung (Winde zieht dynamischen –
hydraulisch oder pneumatisch getriebenen – Berstkopf)
Voraussetzungen für den Einsatz des Berstverfahrens:
- kreisförmige Rohrquerschnitte
- spröde Rohrwerkstoffe (ansonsten Schneiden möglich)
- verdichtungsfähiger Boden
- geradlinige Haltung
Einbau der neuen Leitung unmittelbar hinter dem Verdrängungskörper
- durch Einziehen eines PE-HD Rohrstranges
- Einziehen von Kurzrohren
- Einschieben von Kurzrohren
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1. Berstverfahren

Berstverfahren

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1. Berstverfahren

Berstverfahren - Animation

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1. Berstverfahren

Schneidverfahren für nichtspröde Materialien

- anstelle des Berstkopfes tritt eine


Schnittvorrichtung (Schneidräder, Messer)
- Altrohr wird längs aufgeschnitten und
auseinandergedrückt
- Neurohr wird analog zum Berstlining
nachgezogen oder geschoben

Neurohr PE-HD

Altrohr Schneidräder Messer Expander Altrohr geschnitten

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1. Berstverfahren

Berstverfahren
- DWA-M 143 T.15 Ern.von AW-leitungen u. -kanälen durch Berstverfahren
- Einsatzgrenzen des dynamischen Berstverfahrens ergeben sich aus:
- Werkstoff, Schäden und DN des zu erneuernden Kanals
- Auswirkungen auf die Umgebung (benachbarte Rohre)
- Kanäle aus Steinzeug, Beton, Grauguß, Asbestzement und Kunststoff
- Nennweitenbereich DN 75 bis DN 1200 (Aufweitung gegenüber Altrohr
auf das bis zu 1,4-fache)
- Haltungslängen bis 150 m
- Probleme bilden:
- größere Lageabweichungen (Versatz, Unterbogen)
- Verbleiben des Altrohres im Boden (Umweltgefahr,
Beschädigung des Neurohres)
- Mindestabstand zu anderen Rohren einhalten (mind. >3 x Aufweitmaß)
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1. Berstverfahren

Kaliberbersten (TIP-Verfahren Tight In Place)

- Sonderform des Berstverfahrens:


Altrohr wird nicht zerstört, sondern nur „zurechtgedrückt“
- Beschädigungen am Neurohr durch Scherben sowie schlechte
Bettungsverhältnisse werden vermieden

 sorgfältige Kalibrierung des Altrohres nötig

Film!

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2. Vortriebsverfahren

Vortriebsverfahren

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2. Vortriebsverfahren

Vortriebsverfahren

Unterirdischer Einbau von vorgefertigten Rohren beliebiger


Querschnitte, bei dem durch Verdrängen, Rammen, Bohren, Pressen
oder durch Abbau im Boden ein Hohlraum geschaffen wird, in den die
Rohre eingezogen, eingeschoben oder eingepresst werden.
- Sonderform: Überfahren und Verdrängen bestehender Kanäle
- allgemeiner Verfahrensablauf:
Von einem Startschacht oder einer Startbaugrube aus werden Mantel-
oder Produktrohre mit Hilfe von dynamischer (Rammung) oder
statischer Energie (Pressung) durch den Baugrund bis zu einem
Zielschacht oder einer Zielbaugrube vorgetrieben

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2. Vortriebsverfahren

Bergmännischer Stollenvortrieb
- aus Startbaugrube werden Ausbaubögen aus Rundstahl oder speziellen
Stahlprofilen in Stollenquerschnitt gestellt
- Zwischenraum wird durch aufgelegten Verzug aus Holzdielen gesichert
- Boden an Ortsbrust wird von Hand abgebaut
- Startbaugrube kann außerhalb der eigentlichen Kanaltrasse liegen,
Verwendung von Querstollen, Vermeidung von Verkehrsprobleme

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2. Vortriebsverfahren

Schildvortrieb mit Tübbingauskleidung

Ein stählerner Mantel wird in das nicht standfeste Gebirge mit Pressen
oder Spindeln geschoben. Im Schutze dieses Mantels wird in dessem
vorderen Bereich der Boden abgebaut. Die hintere Verlängerung des
Mantels, auch Schildschwanz genannt, überlappt die schon errichtete
Stollenauskleidung, so daß unter seiner Bedeckung die
Stollenauskleidung entsprechend dem Vorschub in kurzen Abständen
weitergebaut werden kann.
(Patentanmeldung
von Brunel vor 160 Jahren)

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2. Vortriebsverfahren

Schildvortrieb mit Tübbingauskleidung

Schilde werden je nach


Abbaumethode an der
Ortsbrust unterteilt in:
- Handschilde
- mechanisch teilflächig
abbauende Schilde
- mechanisch vollflächig
abbauende Schilde

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2. Vortriebsverfahren

Tübbingauskleidung
- vorgefertigten Auskleidungselemente aus Beton, Gußeisen oder Stahl
- werden im Schutze des Schildes zu Ringen zusammengesetzt
- benachbarte Ringe sind i.d.R. durch Nut und
Feder sowie Montageverschraubung verbunden
- Tübbingfugen gegen Grundwasser abdichten
- Hohlraum zwischen Tübbing und Tunnel durch
spezielle Öffnungen in den Elementen mit
Zementsuspension verpressen

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2. Vortriebsverfahren

Bemannt arbeitender Rohrvortrieb

- Funktionsteile beim hydraulischen Rohrvortrieb:


- Schneidschuh oder Schild
- Vortriebselement bzw. Vortriebsrohr
- Zwischenpressstation
- Hauptpressstation
- 2 Varianten:
Einphasiger Vortrieb: Produktenrohrleitung wird in einem
Arbeitsgang unmittelbar dem Schneidschuh folgend vorgetrieben
Vortrieb in zwei Phasen: Einbau der Produktenrohrleitung
durch Einschieben oder Einziehen in den im Baugrund
verbleibenden Schutzrohrstrang, Ringraum wird verfüllt

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2. Vortriebsverfahren

Bemannt arbeitender Rohrvortrieb

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2. Vortriebsverfahren

Unbemannt arbeitender Rohrvortrieb - Überfahren


- im englischen Sprachgebrauch pipe replacing, pipe eating oder crush
lining genannt
- defekter, nichtbegehbare Kanal wird mit Hilfe eines unbemannt
arbeitenden Rohrvortriebes < DN 1200 überfahren, zerstört und
abgefördert und gleichzeitig der neue Kanal mit gleicher oder auch
größerer Nennweite in der gleichen Linienführung erstellt
- Bohrkopf ist mit Abbauwerkzeugen zum Abfräsen und mit einem
Brecher oder Bohrhammer ausgestattet, um Rohrbruchstücke so zu
zerkleinern, dass sie für Schnecken- oder hydraulische Förderung
geeignet sind

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2. Vortriebsverfahren

Unbemannt arbeitender Rohrvortrieb

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2. Vortriebsverfahren

Unbemannt arbeitender Rohrvortrieb

Animation!

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2. Vortriebsverfahren

Unbemannt arbeitender Rohrvortrieb - Microtunnelling

- Microtunnelling ist der generelle Begriff für ferngesteuerte


Tunnelbohrsysteme, wobei der Boden durch einen Schneidkopf
zerkleinert und durch das Vortriebsrohr (in der Regel mit Hilfe einer
Stützflüssigkeit) entfernt wird
- Microtunnelling wird häufig dort eingesetzt, wo Oberflächenstörungen
vermieden werden müssen
- durch Lasersteuerung sehr präzise
- Tunnelbohrmaschinen bestehen in der Regel aus einem Schild mit
Schneidkopf und einem Abraumtransportsystem
- im Startschacht drücken Hydraulikpressen Vortriebsrohre und die
Maschine ca. 2 m vorwärts, bis ein neuer Tübbing eingebaut wird

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2. Vortriebsverfahren

Unbemannt arbeitender Rohrvortrieb - Microtunnelling


Rohre für Stützflüssigkeit

Tank für Stützflüssigkeit

Schild
Schneidkopf

Vortriebssystem mit Stützflüssigkeit Pumpe Pressvorrichtung

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2. Vortriebsverfahren

Unbemannt arbeitender Rohrvortrieb - Microtunnelling

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2. Vortriebsverfahren

Unbemannt arbeitender Rohrvortrieb - Microtunnelling

Film!
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2. Vortriebsverfahren

Spülbohrverfahren

- Einbringen einer neuen Leitung in eine Bohrung, die durch


Stützflüssigkeit stabilisiert wird
- bestehende Leitung wird mit einem Pilotbohrkopf an einem Gestänge
von einer Startgrube her durchfahren
- im Zielschacht wird Pilotbohrkopf durch einen Aufweitkopf ersetzt,
die neue Leitung angekoppelt und das Gestänge mitsamt der neuen
Leitung drehend zurückgezogen
- beim Zurückziehen wird altes Rohr zerstört
- Installation von Rohren und Kabeln bis zu einem Durchmesser von
1200 mm und einer Länge von 1,5 km

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2. Vortriebsverfahren

Spülbohrverfahren

Bohrgestänge
existierende
Leitungen
Bohrgerät
Ziel-
Bohrpfad schacht

Pilotbohrung

Rohr-
trommel

Bohrgerät
Aufweitkopf an Produktrohr
Bohrgestänge
Rückziehung und Einbringung des Produktrohrs

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2. Vortriebsverfahren

Spülbohrverfahren - Animation

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Film! Animation!
2. Vortriebsverfahren

Rammverfahren

- einfache Technik, bei der Stahlrohre von Zielschacht zu Startschacht


getrieben werden
- bis zu 2 m Durchmesser und über 70m Länge realisierbar
- mit Druckluft oder hydraulischen Pressen
werden Einzelrohre zusammengeschweißt
und vorgetrieben
Rammvorgang
- nach Erreichen des
Zielschachtes wird das
Erdreich aus den
Stahlrohren entfernt,
entweder durch Ausblasen,
Ausspülen, Minibagger Entfernung des Bodens
oder anderen Verfahren

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2. Vortriebsverfahren

Rammverfahren - Animation

Source: www.tttechnologies.com
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Film!
2. Vortriebsverfahren

Erdhammer, Erdrakete

- mit einem pneumatischen Verdrängungshammer wird ein unterirdischer


Hohlraum aufgefahren
- muffenlose Kurz- oder Langrohre bis DN 200 aus Kunststoff (PE, PVC
oder PE-X) und aus Metall (z. B. St) oder Kabel jeglicher Art können auf
Bohrlängen bis 40 m sofort oder nachträglich eingezogen werden
- bei mehrfachem Durchfahren sind Durchmesser bis DN 250 mm möglich
- zu durchörternder Baugrund muss ausreichend verdrängungsfähig sein
- Bodenverdrängungshammer liegt auf einjustierbarer Lafette, Ziel wird
mittels Peiloptik anvisiert und die Maschine in Höhe und Seite ausgerichtet
- bei Bodenverdrängungshämmern erfolgt der Vortrieb durch einen mittels
Druckluft (normaler Baustellenkompressor) angetriebenen Kolben
- hauptsächlich eingesetzt zur Durchörterung von Dämmen und anderen
kurzen Strecken

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2. Vortriebsverfahren

Erdhammer, Erdrakete

Film!

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Vielen Dank.

Dr.-Ing. Torsten Schmidt


Institut für Stadtbauwesen und Straßenbau
Fachbereich Stadtbauwesen und Stadttechnik
Nürnberger Str. 31a, 5.OG
0351 / 463 32383
torsten.schmidt@tu-dresden.de
Zertifizierter Kanalsanierungsberater der DWA

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