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Mit

Buddhismus

beginnen

Mit Buddhismus beginnen

Mit Buddhismus beginnen von pamokkha (pamokkhala@gmail.com)

Version 1.0: 17.04.2019 Alle Rechte vorbehalten, ©2019 München

Schlüsselbegriffe: Buddhismus; Buddha; frühbuddhistische Texte

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"Vergänglich sind die Dinge all:

Wenn das mit Weisheit man erschaut, So wird man all des Leidens satt. Und das als Weg zur Reinheit gilt."

Inhaltsverzeichnis

Erstkontakt

5

Wo beginne ich am besten?

5

Wie kann ich beim Buddha beginnen?

5

Wo beginne ich konkret?

6

Erste Stolpersteine beim Lesen

6

Wo mache ich weiter?

7

Wie soll ich die Texte lesen?

7

Kann es jetzt mal richtig losgehen?

8

Kommentarliteratur lesen

9

Flügge werden

10

Literaturverzeichnis

11

Erstkontakt

Mein Erstkontakt mit dem Buddhismus war, als ich für eine Strafarbeit über Venedig in der

Bibliothek recherchierte. Neben den Venedig-Büchern nahm ich noch eins über Buddhismus mit. Der

Erstkontakt ist vielfältig und individuell: irgendein Buch, YouTube-Video oder eine Veranstaltung usw.

Möchte man nach diesem Erstkontakt mehr über Buddhismus erfahren, dann stellen sich einem

mehrere Fragen über das Wie und Wo?

Wo beginne ich am besten?

Mit dem Buddhismus beginnt man am besten beim Buddha. Nicht beim Dalai Lama. Nicht bei

einem Ajahn, Rōshi oder einem Sayadaw. Beim Buddha der Quelle. Dies mag belanglos klingen, ist aber

wohl tatsächlich die Ausnahme. 1 Im Aguttaranikāya heißt es, dass es zwei Bedingungen für das

Entstehen von Erkenntnis gibt: die Stimme eines anderen und weises Nachdenken. 2 Die

frühbuddhistische Literatur nimmt hier die Stimme eines anderen ein.

Wie kann ich beim Buddha beginnen?

Da der historische Gotama Buddha schon lange verloschen ist, ist dies tatsächlich nicht so

einfach. Ein rationaler Weg sich einer Antwort anzunähern ist über die Buddhologie 3 . Hartmann sagt

aus der Sicht des Historikers:

Ein authentisches Wort oder gar eine ganze Lehrrede aus dem Mund des Buddha wird uns also, historisch gesehen, niemals zugänglich sein. Während sich bei vielen Lehrreden des älteren Buddhismus aber vermuten lässt, dass sie wenigstens im Kern auf die Zeit des Buddha zurückgehen könnten, ist dies für die

1 So wird zum Beispiel im Artikel 10 Great Buddhist Books, Recommended by 10 Buddhist Teachers in (Lion's Roar, 07.04.2019) keinmal ein Lehrreden-Text empfohlen. Zwei Bücher haben zumindest frühbuddhistische Literatur als Grundlage. 2 https://suttacentral.net/an2.118-129/de/nyanatiloka 3 (pamokkha, 2018, S. 5): „Mit dem Begriff ‚Buddhologe‘ bezeichne ich einen Akademiker, der sich wissenschaftlich mit dem Buddhismus auseinandersetzt. Diese Auseinandersetzung kann mittels verschiedener Wissenschaftsdisziplinen, wie Anthropologie, Archäologie, Philologie usw., erfolgen. Die Buddhologie ist daher eine Wissenschaft, die sich multiperspektivisch mit der Geschichte und Gegenwart des Buddhismus befasst. Als Wissenschaft ist sie nicht an eine Innenperspektive gebunden.

Mahāyānasūtras ganz ausgeschlossen. Aus der Sicht des Historikers sind sie von kundigen Mönchen und Gelehrten geschaffen, deren Anliegen es war, die Lehren des Buddha weiterzudenken und ihre neuen Erkenntnisse in einer akzeptablen Form zu präsentieren. 4

Demnach ist es sinnvoll, dem Buddha mittels der frühbuddhistischen Literatur begegnen zu

wollen. Ich vergleiche den ursprünglichen Buddhismus und Frühbuddhismus 5 mit dem GPS (Global

Positioning System). Vor dem Jahr 2000 hatte die kommerzielle Nutzung von GPS eine künstliche

Signalverschlechterung sprich die Genauigkeit der Ortung wurde verschlechtert. Der

Frühbuddhismus steht hier für das GPS mit eingeschalteter Signalverschlechterung und der

ursprüngliche Buddhismus für das, was abgebildet wird. Leider ist im gegenwärtigen Buddhismus die

Signalverschlechterung nicht künstlich, sondern systembedingt. Der Frühbuddhismus taugt zur

Navigierung und Verortung, ist aber limitiert.

Wo beginne ich konkret?

Meine Empfehlung ist die Lehrreden-Anthologie vom Ehrwürdigen Bhikkhu Bodhi:

Bodhi (2005): In the Buddhas Words: an Anthology of Discourses from the Pāli Canon,

Wisdom Publications (hier käuflich erwerben)

Bodhi (2008): In den Worten des Buddha, Verlag Beyerlein & Steinschulte (hier käuflich

Pamokkha (2019): In the Buddhas Words: Sujato edition (wird nachgereicht). Diese

Version basiert auf der freien Übersetzung der Lehrreden vom Ehrwürdigen Sujato.

Erste Stolpersteine beim Lesen

Die Sprache ist aber schon komisch, oder? Ja, in der Tat. Möchte man sich jedoch ernsthaft mit

einer 2500 Jahre alten indischen Religion beschäftigen, dann ist es erforderlich, das eigene

Convenience-Denken aufzugeben. So bequem und schnell wie möglichmag beim Essen gerade noch

gehen, nicht aber bei einer fremden Religion und dem eigenen Leben. Eine der wichtigsten

4 (Hartmann, 2011 (1), S. 34) 5 Siehe (pamokkha, 2018).

Eigenschaften, die es gilt im Buddhismus zu kultivieren, ist Geduld. Wer schon an einer etwas schwierigeren Sprache scheitert, scheitert dann wahrscheinlich auch den Rest des Weges.

Treffen sich ein Tibeter und der Papst in einer Bar: der Tibeter erzählt von sich, wie er seit mittlerweile 25 Jahren Christ ist und wie toll er alles findet. Auf die Frage des Papstes, welches seine Lieblingsstelle in der Bibel ist, sagt er: ‚Bibel? Habe ich nicht gelesen‘. Dies geht dann noch zweimal hin und her: Neues Testament? nein; Evangelien? nein. Gelesen hat der tibetische Christ einen mittelalterlichen Scholastiker, viel Anselm Grün und ähnliches. Weil die Bibel-Sprache so komisch ist. Wäre das nicht merkwürdig?

Wo mache ich weiter?

Hat man Bodhis Anthologie gelesen, dann geht es jetzt daran, die Grundlagentexte zu lesen. Dies sind nach meiner Auswahl: Dīghanikāya, Majjhimanikāya, Sayuttanikāya und Aguttaranikāya. Ich nenne diese vier Bücher die Hauptnikāya. Sie sind Teil des Palikanons und der frühbuddhistischen Texte. In diesem Fall sind sie Teil der frühbuddhistischen Pali-Literatur. Zu jedem dieser Pali-Nikāya gibt es eine Entsprechung im Chinesischen. Der Vorteil der Pali-Texte ist jedoch, dass sie alle legal, vollständig, kostenlos und in guter Qualität auf Deutsch im Netz verfügbar sind.

Zu lesen sind sie auf Palikanon.com und SuttaCentral.net.

Wie soll ich die Texte lesen?

Meine Empfehlung ist, die Texte beim ersten Mal nicht auf Verständnis zu lesen. Besser erst einmal auf Geschwindigkeit lesen, damit man den Textkorpus überblickt. Dies sollte innerhalb eines Jahres möglich sein. Liest man die Texte auf diese Weise, wird man wissen:

1. Worüber hat der Buddha nicht gesprochen,

2. Worüber hat der Buddha gesprochen,

3. Über welche Themen hat der Buddha wenig oder häufig gesprochen und

4. Wie hängen manche Themen zusammen.

Dies allein ist schon sehr viel wert, und ein notwendiger Schritt in die ebenfalls notwendige Selbständigkeit. Aber warum nicht gleich auf Verständnis lesen?

Ich habe mehrfach die Erfahrung gemacht, dass ich beim Lesen eines Fachbuchs über eine schwer zu verstehende Beweisführung gestolpert bin. Nach längerem und erfolglosem Nachdenken habe ich dann weitergelesen, nur um zu sehen, dass der Autor ein paar Seiten später sein Argument noch einmal von einer anderen Perspektive und mit weiteren Informationen aufgreift. Und jetzt war es leicht zu verstehen. Dies ist sicherlich eine Erfahrung, die man beim Lesen der Lehrreden machen wird. Die Hauptnikāya folgen keinem pädagogischen Aufbau.

Ein weiterer Grund, warum man nicht gleich auf Verständnis lesen sollte ist, dass man die Lehrreden durch die Lehrreden verstehen sollte. Zuvorderst sollen sich die Lehrreden selbst erklären. Nachdem man die erste Lehrrede gelesen hat, hat man in der Regel aber nur die eigenen Vorstellungen für die Interpretation zur Hand. Mit seiner Verblendungkann man die Worte Buddhas bzw. eine fremde Religion nicht richtig interpretieren. Ich halte kritisches Denken für unabdingbar, deshalb habe ich weiter oben auch schon von einer notwendigen Selbständigkeit geschrieben. Aber erst einmal muss man die Lehrreden so verstehen, wie sie sich selbst verstehen (emische Perspektive) und als Teil einer bestimmten Kultur-Zeit. Habe ich dies zumindest rudimentär getan, kann ich mich mittels kritischen Denkens dazu positionieren (siehe dazu die zweite Bedingung für Erkenntnis weiter oben).

Kann es jetzt mal richtig losgehen?

Einen Meditationsabend, Sangha oder eine Veranstaltung besuchen. Hört man dort, dass der Buddha einen Bodhisattva-Pfad gelehrt hat, kann man dies jetzt richtig einordnen: Nein, der Buddha hat keinen Bodhisattva-Pfad gelehrt. Ohne das Textstudium hätte man dem Vortragendem mit Glauben oder „offenem Geist“ begegnen können, nicht aber wissend. Wird man dort in eine Meditation eingeführt indem man 30-60 Minuten tief und kraftvoll ein- und ausatmet, dann weiß man jetzt ebenfalls, dass dies sich so nicht in den frühen Texten findet.

Wie damit umgehen? Angenommen man fühlt sich von der Bodhisattva-Praxis angesprochen, dann kann man erst jetzt dank des Grundlagenstudiums eine Entscheidung treffen. Ohne das nötige Wissen gibt es keine Entscheidung, sondern nur blinden Glauben. Durch das vertraut machen mit den frühbuddhistischen Texten hat man sich einen Nullpunkt oder besser bedingt durch die Signalverschlechterung eine „Nullfläche“ – erarbeitet, um Aussagen zu verorten und zu bewerten. Diese Informationen braucht man, um Entscheidungen zu treffen. Bewertet man die Distanz der Bodhisattva-Praxis zum Nullpunkt als weniger wichtig als das, wofür diese Praxis steht, kann man eine selbständige und kritische Entscheidung dafür treffen.

Das Textstudium der frühbuddhistischen Literatur dient also nicht unbedingt und ausschließlich als Praxisanweisung, sondern auch als Orientierungspunkt, Navigation und Entscheidungshilfe.

Die Entscheidungskette bezüglich der Bodhisattva-Praxis ist hier aber noch nicht zu Ende: will ich sie im Kontext des Theravada oder Mahayana ausüben usw.?

Kommentarliteratur lesen

Weiter oben schrieb ich, dass die Lehrreden sich selbst erklären sollten. Dies tun sie jedoch nicht vollumfänglich und in manchen Punkten für den Lesern vielleicht auch nicht auf ideale Weise. Daher ist das Lesen von klassischer und moderner Kommentarliteratur genau so wichtig, wie die Praxis unter einem Lehrer. Man kommt auch ohne Kommentarliteratur und Lehrer aus, aber meistens jedoch nicht immer, Praxis ist immer individuell geht man den Weg effizienter mit ihrer Hilfe. Kommt man jedoch wie die Jungfrau zum Lehrer, ist man von ihm abhängig und Abhängigkeit ist das Gegenteil guter buddhistischer Praxis.

Ist man mit seinen Gedanken über das Gelesene allein, dann besteht jedoch auch die Gefahr, dass man sich selbst mit den eigenen Gedanken für zu wichtig nimmt. Kommentarliteratur und Lehrer dienen hier als wichtiges Korrektiv im Sinne eines Checks-and-Balances System. Man sollte seine Annahmen immer wieder hinterfragen und prüfen. Daher ist es empfehlenswert, im Laufe der Zeit immer wieder Literatur zu lesen, die der eigenen Auffassung widerspricht. Gerade mittels solcher Literatur kann man seine eigenen Gedanken schärfen.

Die Theravada-Tradition hat eine Hierarchisierung von Quellen entwickelt 6 :

1. Lehrreden (sutta) mit den drei Körben des Palikanons,

2. In Übereinstimmung mit den Lehrreden (suttānuloma),

3. Die Meinung der Lehrer (ācariyavādo), hiermit ist der Kommentar des ersten Konzils gemeint und

4. Die eigene Meinung (attano mati), hierzu zählen auch moderne Lehrer.

Dies halte ich für einen guten Leitfaden.

6 Siehe u.a. im Sumaṅgalavilāsinī, in (An, 2003).

Flügge werden

Textstudium im Theravada pariyatti genannt ist bereits Praxis und führt zur rechten Ansicht. Die rechte Ansicht wiederum ist der Ausgangspunkt des edlen Achtpfades. Das Gehen des Achtpfades ist nicht Denken, sondern Tun. Aber um den Achtpfad korrekt zu gehen also nicht Stolpern oder Verlaufen muss er richtig verstanden worden sein.

Das eigenständige Lesen der frühbuddhistischen Literatur ist für mich zwingend für das Erlangen der mir so wichtigen Unabhängigkeit im dhamma. Der Verzicht auf einen Mittler zwischen Buddhas Lehre und Disziplin und einem selbst. Man kann diese Verantwortung auch an einen Ajahn, Lama, Rōshi oder Sayadaw outsourcen, aber diese selbstgewählte Unfreiheit ist für mich der falsche Schritt, um mit dem Buddhismus zu beginnen.

Literaturverzeichnis

An, Y.-G. (2003). The Buddha's Last Days: Buddhagosa's Commentary on the Mahāparinibbāna Sutta. Oxford: Pali Text Society.

Hartmann, J.-U. (2011 (1)). Sensationeller Fund eines Mahayanasutras aus dem 1. Jahrhundert. Tibet und Buddhismus, S. 30-34.

Lion's Roar.

(07.04.2019).

10

Great Buddhist

Books, Recommended by 10

Buddhist

Teachers.

https://www.lionsroar.com/10-buddhist-teachers-recommend-great-buddhist-books-to-

read/: Lion's Roar.

pamokkha.

(2018).

Buddhismen

und

ihre

Begriffsbestimmung:

Buddhistische

Begriffsanalyse.

https://de.scribd.com/document/345067636/Buddhismen-und-ihre-Begriffsbestimmung-

Buddhistische-Begriffsanalyse: Scribd.com.

So hat also der

Anpassungsmoment die Gestaltungen,

der Reifemoment das Nibbāna als Objekt.