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„300 Jahre Mechanische Intelligenz.

Von Rechenknechten und Denkfabriken“ - Skript - 1

„300 Jahre Mechanische Intelligenz.


Von Rechenknechten und
Denkfabriken“
Wissenschaftsfilm zum Wissenschaftsjahr 2019 „Künstliche Intelligenz“

Der Film ist zu finden unter: https://vimeo.com/327341645


(und @sfb933 + @kim.hfg.karlsruhe + @castor&&pollux)

De Prony und die Arbeitsteilung der Kopfarbeit ................................................................................. 2


Von Adam Smith zur Rechenmanufaktur – Perückenmacher lernen rechnen ..................................... 2
#Info-Part 1: die De Prony-Pyramide der Arbeitsteilung der Kopfarbeit# ...................................... 3
Charles Babbages dampfbetriebene Lochkartenmaschinen ................................................................. 3
#Info-Part 2: Zeitstrahl der Kulturtechniken und Energietechnologien# ......................................... 4
Alan Turing und seine strombetriebenen programmgesteuerten Röhren- und Relaisrechner ............. 5
Konrad Zuses Röhrenrechner an der Schwelle zur Zukunft .............................................................. 6
Karl Steinbuchs Lernmatrix als Schritt über die Schwelle der Zukunft ............................................ 7
#Info-Part 3: Die Vier Kränkungen# ................................................................................................ 7
Stufenschritte auf der De Prony-Pyramide: Die Zukunft ist abhängig von Material, Energie,
Technologie und Wissenskultur .......................................................................................................... 7
Literaturhinweise................................................................................................................................. 8

[Text: Christian Vater – Kamera und Infografiken: Christoph Bertolo - fin]

{ON} 1950 fragt sich Alan Turing: Können Rechenmaschinen denken?


Eine Frage, die wir bis heute noch nicht beantwortet haben. Wir können aber auch anders herum
fragen. Können wir unser Rechnen mechanisieren?

Diese Frage wird uns durch den gesamten Film begleiten.


„300 Jahre Mechanische Intelligenz. Von Rechenknechten und Denkfabriken“ - Skript - 2

Die Geschichte der Künstlichen Intelligenz beginnt dabei nicht erst im Sillicon Valley. Auch
nicht als sich der Britische Mathematiker Turing, Weltkriegscodeknacker und Miterfinder des
modernen Computers, fragt, ob Rechenmaschinen denken können.
Die Geschichte beginnt 1790 – also fast vor 220 Jahren.

De Prony und die Arbeitsteilung der Kopfarbeit


Mitten in der Französischen Revolution wird der Mathematiker Gaspart Riche de Prony 1790
zum Leiter des Katasters in Paris berufen. Der Professor für Analysis und Mechanik der Ecole
Polytechnique soll dabei helfen, Seenavigation, Rentenstatistiken und Artillerieeinsatz zu
verbessern – und zwar dadurch, dass er verlässliche und präzise mathematische Tafelwerke
zusammenstellt. Diese Herausforderung nahm Bürger Prony an, und lieferte bis 1801 1.200
großformatige Tafelseiten, auf denen Logarithmen, Sinus und Tangens bis auf die 14.
Nachkommastelle genau berechnet vorlagen.
Zu Hochzeiten der Berechnungsarbeit wurden 1794 hunderte von Ergebnissen pro Tag berechnet
– per Hand, ohne mechanische Tischrechner und ohne programmierbare Rechenmaschinen.

Von Adam Smith zur Rechenmanufaktur – Perückenmacher lernen rechnen


Bürger Prony hatte nämlich eine gute Idee:
Ihm war das 1776 erschienene Traktat Über den Reichtum der Nationen in die Hand gefallen, und
als er es aufschlug fand er als erstes – durch reinen Zufall – die ausführlichen Ausführungen von
Adam Smith über die Arbeitsteilung im Handwerk – genauer: Über die Nadelproduktion in einer
Manufaktur. Hier wurde der Arbeitsprozess in kleine Schritte zerlegt, die jeweils von eingelernten
Arbeitern mit Spezialwerkzeug und unter Nutzung Wasser- oder Muskelkraft betriebener
Maschinen durchgeführt werden konnten Nicht mehr ein Handwerksmeister mit seinem
Gesellen in seiner Werkstatt, sondern ein organisierter Betrieb fertigte Nadeln günstig, schnell
und gut.
Diese Arbeitsteilung von Handarbeit – die konnte man doch auch auf die Kopfarbeit anwenden,
befand De Prony.
Arbeitskraft für Kopfarbeit war im nachrevolutionären Paris ausreichend vorhanden – ironischer
weise stellte er Kopfarbeiter ein, die vormalig an Köpfen gearbeitet hatten: Aus
Perückenmachern, deren Kunden keine Köpfe mehr hatten, wurden Rechenknechte, nachdem
man ihnen die Grundrechenarten Addition und Substraktion in den Kopf eingelernt hatte.
Nennen wir sie: Computer.
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Diese Rechenknechte wurden nun betreut von gelernten Mathematikern – zum beispiel
fortgeschrittenen Studierenden – deren Aufgabe es war, komplexe Gleichungen in einfache
Operationen für die Perückenmacher zu übersetzen und die Ergebnisse zu prüfen. Diese
Vorrechner wurden nun angeleitet von richtigen Mathematikern, deren Aufgabe es war, die
komplexen Formeln für die anstehende Arbeit überhaupt zu formulieren – von diesen brauchte
es nun nur noch eine Hand voll. Und an der Spitze stand der Auftraggeber mit seinen speziellen
Wünschen und Absichten.
De Prony programmierte nicht mechanische Maschinen, sein Programm lief über eine
Menschen-Maschine. Seine Bauelemente waren Perückenmacher, die immer das gleiche
wiederholten, und ihr Aufsichtspersonal, dass steuerte und kontrollierte.
Dieses Tafelwerk wurde aber nicht gedruckt – Verlag und Französische Republik waren pleite,
der Aufwand zu hoch. Erhalten blieben die Ergebnisse als Druckfahnen und Musterbücher.

{Zahnräder, dann Wasserkraftrad}

#Info-Part 1: die De Prony-Pyramide der Arbeitsteilung der Kopfarbeit#


Fassen wir das in ein Modell – und nennen es die „De Prony-Pyramide“
Es gibt eine Regierung oder einen Geldgeber, der eine gute Idee oder einen Wunsch hat – auf
Ebene 0 (in diesem Fall die Regierung des revolutionären Frankreich)
Es gibt Ingenieure, Organisatoren oder Designer, die diesen auftrag in einen Plan fassen und ein
Programm für den Prozess ausarbeiten – auf Ebene 1 (Dies ist Bürger Prony selbst und wenige
kollegiale Experten)
Es gibt Manager und Abteilungsleiter, die diesen Plan programmgemäß für ihre Hilfskräfte in
einfache Operationen runterbrechen, in deren Sprache übersetzen und die Qualität der
Ergebnisse prüfen – Ebene 2 (Dies sind De Pronys studierte Mitarbeiter)
Es gibt angelernte Hilfskräfte, die einfachster Anweisungen so schnell wie möglich und so gut
wie möglich ausführen und immer wieder das Selbe machen – Ebene 3 (Die Perückenmacher)

Charles Babbages dampfbetriebene Lochkartenmaschinen


Diese Druckfahnen und Musterbücher wurden 1832 wieder entdeckt – und zwar von Charles
Babbage, einem Londoner Mathematiker auf Newtons Lehrstuhl in Cambridge und Mitglied der
Royal Society. Diese Gelehrtengesellschaft förderte ihn mit sehr hohen Summen, um das
Versprechen De Pronys endlich umzusetzen: Ein zuverlässiges umfassendes Tafelwerk für
Vermessung, Navigation, Geschützwesen und Volkrswirtschaft in druck zu bringen. Babbage war
zuversichtlich: Im Gegensatz zu De Prony hatte er mitten in der Industrialisierung nicht nur
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Dampfkraft als universellen Antrieb für Maschinen zur Vefügung, er hatte auch erkannt, dass
man Lochkarten nicht nur verwenden konnte, um die Musterkettung auf Webstühlen zu steuern.
Denn Babbage – als universalgelehrter Gentelman auch Autor einer Abhandlung über das
Maschinenwesen in englischen Fabriken, die auch von Marx gelesenw urde – war der Hoffnung,
dass er Lochkarten verwenden konnte, um eine Dampfkraft betriebene Rechenmühle zu
kontrollieren – eine Großrechenmaschine aus feinmechanisch perfekten Zahnrädern, die auf den
Prinzipien Leibnitzens fußte. Diese Maschine sollte der Organisation der Rechenmanufaktur von
De Prony folgen – aber nicht Menschen, sondern Mechanik sollte die niedere einfache
Rechenarbeit vollziehen.
Babbages Projekt führte aber nur zu Prototypen einzelner Module der Gesamtmaschine – das
eigenwillige Projektmanagement Babbages irritierte zunehmend die Geldgeber. Denn sobald ein
Projekt begann, sich einem Ende zu nähern, ersetze es Babbage durch ein fortgeschritteneres,
ohne das alte zu Ende zu führen: Seine Differenzmaschine sollte noch vor der Fertigstellung
durch eine – fortgeschrittenere - Analytische Maschine ersetzt werden. Auch zerstritt er sich mit
seinem Meistermechaniker, der mitsamt der Zahnradwerke und Werkstücke und der eigens
entwickelten Werkzeuge verschwand.
Das ganze Projekt war ein Desaster, dass in das öffentliche Gedächtnis eingeschrieben wurde.
Was blieb, waren endlose schöngeistige Projektberichte, Babbages öffentliche Klagen über das
Unverständnis seiner Geldgeber – und das erste Programmierhandbuch der Weltgeschichte: Die
erläuternden Aufzeichnungen über den Umgang mit der Rechenmaschine von Ada Byron, der
Lady of Lovelace.
{Stromwerk}

{ON} Wir haben vorhin Maschinen gesehen, mit denen man rechnen konnte. In dem man an einer
Kurbel drehte, mit dem eigenen Arm die Kraft übertrug. Irgenwann gab es dann Dampfmaschinen –
und – Stomwerke.

#Info-Part 2: Zeitstrahl der Kulturtechniken und Energietechnologien#


De Prony, Babbage und Turing hatten jeweils andere technische Vorraussetzungen, die ihre
Epoche und ihre Kultur prägten. Das beeinflusst Technikgestaltung und Zukunftsentwürfe.

So ist die Technologie einer Zeit abhängig von


 der Art der Energieversorgung

 den dominanten Kommunikationskanälen


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 und den Materialien, um Daten zu speichern und Operationen durchzuführen.

De Prony lebte in der Neuzeit, rechnete per Hand und schreib Briefe. Babbage lebte in der
Industrialisierung, hatte Dampfkraft, Lochkarten und das Telegraphennetz. Turing in der
Moderne konnte Radioröhren mit Strom betreiben und Funken – und seine Rechenmaschine
wurde wirklich gebaut.

Alan Turing und seine strombetriebenen programmgesteuerten Röhren- und


Relaisrechner
Die Aufzeichnungen von Lady Lovelace wurden nun 1950 wieder gelesen, und zwar von Alan
Turing, dem Cambridge-Mathematiker und Weltkriegs-Codebrecher. Turing, der zu den
Pionieren der modernen Informatik gehört, hatte unter hohem Zeitdruck ein Problem gelöst, dass
den zweiten Weltkrieg genauso entscheiden sollte wie die Atombombe, Radar und Sonar: Er
hatte in Bletchley-Park den Code der deutschen Enigma-Maschine geknackt. Diese
Kryptomaschine verschlüsselte den Funkverkehr deutscher U-Boote, und diese beherrschten den
Atlantik und schnitten Britannien vom Nachschub ab. In höchster Not – und gegen die Zeit –
gab die Regierung Churchill deshalb unbegrenzt Personal und Ressourcen frei, um den als
unbrechbar geltenden Code – doch zu brechen. Turing und seinem Team gelang dies – und zwar
mit Hilfe mathematischer Modellbildung und unter Nutzung programmierbarer
Rechenmaschinen. Diese Rechenmaschinen hatte Turing schon 1936 in ganz anderem
Zusammenhang beschrieben – es ging um Gödels Entscheidungsproblem – und zwar als
„Papiermaschinen“. Um einen unangreifbaren Beweis zu führen – also einen Beweis ohne
Sprünge, seltsame Einfälle und Intuition – müsse man Schritt-für-Schritt rechnen – also seine
rechnende Tätigkeit als Algorithmus durcharbeiten. Papier, ein Bleistift, ein Radiergummi und
ein Regelbuch mit strikten Rechenanweisungen reiche dafür aus. Turing – in Ermangelung einer
gebauten Rechenmaschine – verwandelte sich in seine eigene Turing-Maschine, einen
maschinisierten Turings, der rechnet. Dieses Prinzip der Selbstbeobachtung und des Modellierens
seines eigenen Verhaltens blieb nun auch während des Krieges die Grundlage seiner Arbeit: Im
Programmierhandbuch des ersten programmgesteuerten Rechenapparats gibt Turing den
wichtigen Rat an angehende Programmierer: „Wenn Du nicht mehr weiterkommst, beobachte
Dich selbst und fasse in Code, wie Du selbst arbeitest.“
Er hatte beweisen: Alle mathematischen Verfahren können auf Operationen heruntergebrochen
werden, die sich mit einem Bleistift, einem Radiergummi und auf einem Endlosband abarbeiten
lassen. Dies ist Turings Modell eines „Computers“ – und der Computer ist hier ein Mensch, der
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rechnet. Er rechnet, indem er jede berechenbare Funktion gemäß einfachster Operationen mit
einfachsten Mitteln abarbeitet. Und er hat eine wesentliche Eigenschaft: Genau das, was dieser
Mensch – im Zweifelsfall Turing mit seinem Schreibgerät – abarbeiten kann, das kann auch eine
Rechenmaschine abarbeiten. Und auch dies ist das Erbe Turings: Vor seinen Schriften gab es nur
menschliche Computer – heute sind Computer digital.
Turing war erfolgreich – seine Rechenmaschinen konnten gebaut und betrieben werden. ER hatte
elektrischen Strom als Energiequelle, Röhren und Magnettrommeln als Speicher, Relais als
Schaltelemente und Lochkarten für den Programmcode zur Verfügung. Zu Anfang wurden seine
Maschinen noch überwacht von Hilfskräften, die sie mit Befehlen und Daten versorgen und auf
technsiche fehler überprüfen mussten – dies waren vor allem Frauen. Er begann – wie de Prony
und Babbage vor ihm – mit der mechanisierung einfachster Operationen. Dann erweiterte er
seine Maschinen um jeweils benötigte oder spannende Funktionen und Module. So lernten seine
Maschinen, zu lernen, indem sie ihren eigenen Befehlscode modifizieren konnten. Seine
Maschinen konnten sich selbst kontrollieren, indem Fehlersuchroutinen und
Checksummenprüfungen eingeführt wurden. Schritt-für-Schritt konnte so im hybriden Mensch-
und-Maschinen-System immer mehr einfache Kopf-Arbeit von Maschinen übernommen werden.
Und Turings Meinung war, dass diese Entwicklung so lange weiterlaufen würde, bis Maschinen
auch an allen interessanten kulturellen Phänomenen teilhaben und sogar uns Menschen
beherrschen würden.

Konrad Zuses Röhrenrechner an der Schwelle zur Zukunft


{ON} Wir sind nicht mehr im revolutionären Frankreich des Mathematiker De Preny, wir sind nicht
mehr im imperialen London des Chrles Babbage und wir sind auch nicht mehr kurz nach dem
zweiten Weltkrieg in Manchester wo Alan Turing den ersten programmgesteuertten Computer der
Mneschheitsgeschichte baut. Wir sind hier an der Grenze zur Zukunft.
Hinter mir der Z22, eines der letzten Modelle dieser Art. Konrad Zuse hat diesen Rechner 1958 aus
Röhren und Relais gebaut, kurz bevor die Komponenten immer kleiner wurden und integirerte
Bausteine.

{OFF} Wir haben 300 Jahre gebraucht, um von Leibnitz mechanischer Rechenmühle in die
Gegenwart zu kommen. Künstliche Intelligenz ist nicht in Sicht. Programmieren scheint der
falsche Weg zu sein, Künstliche Intelligenz zu erschaffen. Ein Schritt in die Zukunft hinein sind
Neuronale Netze – die in strombetriebenen Regelkreisen verkörperte adaptive Wechselwirkung.
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Karl Steinbuchs Lernmatrix als Schritt über die Schwelle der Zukunft
{ON}Dies ist genau einen Schritt über die Zukunft hinaus. Dies ist eine Exemplar von Karls
Steinbuchs Lernmatrix aus den 60er Jahren. Dies ist ein frühes, konstruiertes neuronales Netz. Die
Technik, die zur Zeit als Deep Learning bezeichnet, für die Zukunft maßgeblich werden soll.

#Info-Part 3: Die Vier Kränkungen#


Aber noch sind wir dabei, auf de Pronys Pyramide den Schritt von der untersten auf die zweite
Stufe – die der Vorarbeiter - zu machen. Ob unsere natürlichen Ressourcen und die Stabilität
unserer Gesellschaft überhaupt ausreichen, bis wir weiter kommen, wissen wir nicht. Dennoch
wurde bereits behauptet, wir würden die Guttenberg-Galaxis verlassen und die Turing-Galaxis
betreten. Dort seinen wir nicht die einzigen intelligenten Agenten – in der Infosphere gäbe es
noch andere InformationsOrganismen außer uns. Und dies sei eine vierte Große Kränkung:
Kopernikus verbannte uns aus dem Zentrum des Kosmos. Darwin aus der Krone des
Schöpfungsbaums. Freud aus der Herrschaft über unseren eigenen Körper. Und Turing habe
gezeigt, dass es andere Intelligente Wesen gäbe außer uns – nämlich denkende und handelnde
Maschinen.
Diese Mutmaßungen sind auf die Zukunft gerichtet...

Stufenschritte auf der De Prony-Pyramide: Die Zukunft ist abhängig von Material,
Energie, Technologie und Wissenskultur
{ON} Wir haben in diesem Film die Automatisierung des Rechnens verfolgt , und dabei zugeschaut,
wie Rechenarbeit mechanisiert wird. Erst von der Hand, dann mit Dampf und Wasserkraft, und später
mit Elektrischen Strom. Nun fangen wir an uns über die Zukunft Gedanken zu machen. Wo wird die
Entwicklung hinlaufen? Wir wissen es nicht, aber eines ist klar. Wir können die Entwicklung von
künstlicher Intelligenz nicht trennen von Fragen des Materials das rechnet, von Fragen der
Energieversorgung und auch nicht davon, welche Praktiken wir vollziehen müssen, um künstlich
intelligente Maschinen überhaupt möglich zu machen. In unserer Pyramide der Automatisierung sind
wir gerade dabei , von der untersten Ebene in die 2. überzuwechseln. Und es ist noch ein weiter Weg -
wenn er überhaupt möglich ist. Es gibt Leute die Reden von Quantenrechnern. Es gibt Leute, die reden
von Fusionsenergie. Es gibt Leute, die reden davon, daß alle Gegenstände der Welt sich miteinander
verschränken und miteinander kommunizieren werden, und so einen allumfassenden Rechnenden
Raum erschaffen werden. Es gibt sogar im Silicon Valley Menschen die träumen von einer
wohlmeindenden Singularität und von einem Simulacrum, einer Weltsimulation, einer
Ahnensimulation die alles und alle umfasst.

{Alternativ}
Ich bin der Meinung, es hilft uns sehr, und ist auch eine Frage wissenschaftlicher Redlichkeit, in die
Vergangenheit zu blicken, um in der Gegenwart die Plausibilität dieser Zukunfsentwürfe und dieses
Zukunftsdesigns bewerten zu können.
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Literaturhinweise

Babbage, Charles (1932): Economy of machinery and manufactures. London: Charles Knight.
Babbage, Charles (1889/2010): Babbages`s Calculating Engines. Beeing a Collection of Papers
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Cambridge: CUP.
Dotzler, Bernhard J. u. Kittler, Friedrich A. (1987): Nachwort, in: Dotzler, Bernhard J. u. Kittler,
Friedrich A.: Alan Turing – Intelligence Service. Berlin: Brinkmann & Bose: 211-233.
Dotzler, Berhard J. (1996): Operateur des Wissens. Charles Babbage (1791-1871), in: Dotzler,
Bernd (Hg): Babbages Rechen-Automate. Ausgewählte Schriften
(=Computerkultur 4): 1-29.
Goldstine, Herman H. (1972): The Computer from Pascal to von Neumann. Princeton: PUP.
Grattan-Guinness, Ivor (2007): The computation factory. de Prony's project for making tables in
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Hartree (1949/1950): Calculating Instruments & Machines. Cambridge: CUP.
Roegel, Denis (2010): The great logarithmic and trigonometric tables of the French Cadastre. A
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Schaffer, Simon (1994): Babbage's Intelligence. Calculating Engines and the Factory System,
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Turing, Alan M. (1936-1937): On Computable Numbers, with an Application to the
Entscheidungsproblem, in: Proceedings of the London Mathematical Society 2(42): 230–
265.
Turing, Alan M. (*1950?): Programmer’s Handbook for the Manchester Electronic Computer
Mark II. Typoskript. (=Übertragung, LateX und Kommentar durch Robert Thau 2000, MIT)
Turing, Alan M. (1950): Computing Machinery and Intelligence, in: MIND 59: 433-460.