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licht.

wissen 18
Licht für Museen und Ausstellungen
licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

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Editorial
Licht als Material, Medium oder Thema von Kunstwerken beschäftigte Generationen von
Künstlern und Künstlerinnen in vielfältiger Weise – von Vermeer über Monet bis zu Dan
Flavin lassen sich verschiedenste künstlerische Ansätze finden. Und auch zahlreiche
kunstwissenschaftliche Publikationen sind zu dem Thema „Licht in der Kunst“ veröffent-
licht worden. Doch für Museumsdirektoren und Ausstellungskuratoren geht das Inter-
esse an dem Umgang mit Licht meist über eine inhaltliche Auseinandersetzung inner-
halb des Kunstwerks hinaus.

So ist auch die Beleuchtung von Kunst stets eine zentrale Frage im Rahmen ihrer Prä-
sentation. Nicht nur unterstützt die Beleuchtung eine gewisse Atmosphäre, sie schafft
auch Aufmerksamkeit und lenkt den Blick. Gelungen ist sie meist dann, wenn die Kunst
in vollem Glanz erstrahlt, ohne dass der Besucher die Lichtsetzung unmittelbar be-
merkt. Hierbei müssen neben ästhetischen Aspekten insbesondere konservatorische
Vorgaben beachtet werden. Die Präsentation von Gemälden, Photografien, Skulpturen
oder archäologischen Fundstücken erfordert stets spezifische Lichtkonzepte. Photo-
grafie darf nur mit sehr geringen Luxwerten beleuchtet werden, wohingegen Skulpturen
aus verschiedenen Richtungen optimal ausgeleuchtet und damit regelrecht modelliert
werden sollten, um ihre volle Wirkung im Raum zu entfalten.

Um für den Betrachter von Kunst das ganz besondere und auratische Erlebnis perfekt
zu inszenieren und die Kunstwerke in den richtigen Fokus zu rücken, muss also indivi-
duell und fallspezifisch auf Raumsituation, Medium und Ausstellungsort sowie Thema
eingegangen werden. Dies kann eine Herausforderung darstellen, die ganzheitliche
und technisch innovative Konzepte verlangt. Die mannigfachen Möglichkeiten, die es in
diesem Bereich gibt, aufzuzeigen, hat sich das vorliegende Heft der Reihe licht.wissen
verschrieben: „Licht für Museen und Ausstellungen“. Ausstellungsmacher, Kuratoren
und Lichtplaner finden hier wertvolle Informationen zu der Lichtgestaltung im Museum,
den technischen Voraussetzungen und Möglichkeiten. Von vertikaler Wandbeleuch-
tung über Licht für dreidimensionale Objekte bis zu Beleuchtungen im Außenbereich.
Vielseitig einsetzbare LED-Lichtquellen und -werkzeuge werden erklärt und ein effekti-
ves, nachhaltig energiebewusstes Lichtmanagement skizziert. Technisch ausgeklügelte
Tageslichtsysteme nach konservatorischen Kriterien zum Schutz wertvoller Kunstgegen-
stände runden das breitgefächerte Themenspektrum ab.

Ich wünsche Ihnen bei der Lektüre viele erhellende Erkenntnisse und Impulse.

Max Hollein
Direktor Städel Museum, Liebieghaus Skulpturensammlung
und Schirn Kunsthalle Frankfurt

[Titelseite] Einstellbare Strahler mit Vorsatzlin-


sen akzentuieren Exponate und geben ein span-
nendes, differenziertes Lichtbild im funktionalen
Raum. Städel Museum, Frankfurt am Main.

[01] Deckenlichter betonen die übergroßen


Ballons einer omnipräsenten Wandskulptur,
die Jung und Alt gleichermaßen fasziniert.
Museum GoMA, Brisbane, Australien.

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licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

Licht für Architektur


und Außenwirkung
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Räume und
Ausstellungszonen
im Museum
Seite 08

Licht im Museum und


Ausstellungsraum
Seite 10

Licht für
Wechselausstellungen
Seite 12

Licht für vertikale


Flächen
Seite 14

Lichtwerkzeuge:
Wandflutung
Seite 16

Lichtwerkzeuge:
Akzentbeleuchtung,
Framing
Seite 18

Licht für
dreidimensionale
Objekte
Seite 24

Aufbau einer LED-Leuchte

Licht-Spezial LED-Lichtquellen, Lichtqualität und Wahrnehmung Konservatorische Aspekte


Seite 20 Seite 28

a) Gehäuse mit
Kühlkörper

4 b) LED-Platine

c) Optik
Licht für Vitrinen
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Lichtwerkzeuge:
Lichtdecken
Seite 32

Licht für
Ausstellungen
im Freien
Seite 36

Licht für
Fassaden
Seite 38

Dynamische
Inszenierung,
Lichtkunst
Seite 42

Licht für interaktive


Ausstellungen
Seite 44

Energieeffiziente
Sanierungskonzepte
Seite 46

Schriftenreihe
Impressum
Seite 50

Tageslichtsysteme Lichtsteuerung Lichttechnische Grundbegriffe


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licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

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Licht für Architektur und Außenwirkung
Die internationale Museumslandschaft präsentiert sich enorm vielfältig. So unterschiedlich die Themen und
Schwerpunkte der Häuser, so abwechslungsreich sind auch Baustile und architektonische Besonderheiten der
Museumsgebäude. Architektur, Größe oder Standort – jedes Museum für sich ist individuell und einzigartig.

Museale Institutionen, die bedeutende Hilfreich dabei ist eine klare, lichtgestützte
Kulturgüter bewahren und präsentieren, Wegeführung, um Besuchern die Orientie-
unterstreichen ihren künstlerischen Rang rung auf dem Gelände und im Gebäude
gerne durch eine repräsentative Archi- zu erleichtern. Beleuchtete Skulpturen im
tektur. Sie erreichen damit einen hohen Außenraum weisen schon aus der Ferne
Wiedererkennungswert. Der optimale auf das Museum hin und erweitern die
Einsatz von Kunstlicht unterstützt dabei, Ausstellung über das Gebäude hinaus.
die architektonischen Alleinstellungs-
merkmale hervorzuheben und das ge- Architektur im städtischen Kontext
samte Gebäude repräsentativ in Szene Sollen Museen oder Ausstellungen im
zu setzen. städtischen Kontext hervorgehoben
werden, ist es essenziell, das Umfeld zu
Der „Bilbao-Effekt” beachten. In einer Kleinstadt mit mittelal-
Die Aufwertung von Orten durch das terlichem Flair beispielsweise kann gezielt
Errichten architektonisch herausragender auf die pittoreske alte Steinmauer des
Bauten nennt man den „Bilbao-Effekt“, in Gebäudes ausgerichtetes Streiflicht für
Anlehnung an das besonders markante die gewünschte Aufmerksamkeit sorgen.
und einzigartige Gebäude des Guggen- In Großstädten hingegen, in denen das
heim-Museums in der nordspanischen Niveau der Lichtreize viel höher ist, sollten
Stadt Bilbao, das nach einem Entwurf maßgeschneiderte Beleuchtungskonzepte
des amerikanischen Architekten Frank entwickelt werden. So könnte vielleicht
O. Gehry entstand. Städteplanerisch eine weithin sichtbare vertikale Beleuch-
verwandelte Bilbao mit diesem spektaku- tung die Blicke auf sich ziehen.
lären Neubau die Industriebrache eines
ehemaligen Hafenviertels in einen Ort Außenwirkung durch Glasfassaden
kultureller Vielfalt. Glaselemente lassen zum einen viel Ta-
geslicht in das Gebäude und sorgen zum
Doch nicht nur die Architektur allein anderen für Leichtigkeit und Transparenz.
sorgt für die gewünschte Aufmerksam- Eine Trennung zwischen Innen und Außen
[02] Undurchdringlichkeit und Offen-
heit – der Blick auf die Innenstruktur des Ge- keit, der urbane Lebensraum wird durch wird bei diesem Gestaltungsansatz auf-
bäudes durch das große, heller beleuchtete Licht gleichfalls aufgewertet und es gehoben. Er ermöglicht Blicke von außen
Fenster in der sonst hermetischen Fassade entstehen Identifikationsobjekte für die ins Innere und motiviert potenziell Interes-
weckt die Neugier der Passanten. Rauten- Bürger einer Stadt. Durch ganzheitliche sierte so zu einem Besuch des Museums.
strauch-Joest Museum, Köln.
Beleuchtungskonzepte lassen sich aus Nachts kann die hinter dem Glas vorhan-
[03] Nähert man sich dem Gebäude, Museumsbauten nächtliche Wahrzeichen dene Fassade beleuchtet werden, was zu
führt schon der erste Blick durch die erschaffen, deren Wahrnehmung im eindrucksvollen Durchsichteffekten führt.
Glasfassade ins Innere. Die Trennung zwi- öffentlichen Raum, zum Beispiel durch
schen Innen und Außen wird aufgehoben. temporäre Lichtinstallationen, noch ver- Generell kommunizieren beleuchtete
Rheinisches Landesmuseum, Bonn. stärkt werden kann. Fassaden dem Besucher ein offenes
Haus und wirken schon von Weitem sehr
[04] Der außergewöhnlichen Architektur
wird durch die Beleuchtung Leichtigkeit Eingangssituation einladend. Durch beleuchtete Plakate
verliehen. Oscar-Niemeyer-Kulturzentrum, Der erste Eindruck ist entscheidend. Da- oder Fahnen wird diese Geste zusätzlich
Avilés, Spanien. her sollte der Eingangsbereich einladend verstärkt und die Aufmerksamkeit der vor-
gestaltet und von Weitem als solcher beilaufenden Passanten geweckt.
[05] Klassizismus trifft Moderne – auch
erkennbar sein. Licht spielt dabei atmo-
lichttechnisch wird dieser Kontrast durch
die gestaltenden Downlights an der Fas-
sphärisch eine wichtige Rolle, weckt das
sade des Neubaus gelungen hervorgeho- Interesse der Passanten und lädt sie zu
ben. Villa Vauban, Luxemburg. einem Besuch des Museums ein.

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licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

Wandbezogene Ausstellung
Wechsel-
Vitrinen ausstellungen

Flure/Treppen

Foyer und
Kassen Ausstellung im Freien

Museumsshop
Cafeteria

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Räume und Ausstellungszonen im Museum


Dauer- oder Wechselausstellung, Vortragsraum oder Museumsshop. Um die Sehaufgaben von Besuchern
und Mitarbeitern in den unterschiedlichen Räumen optimal zu unterstützen, sollten auf den jeweiligen Zweck
abgestimmte Beleuchtungslösungen entwickelt werden.

Lichtplanung im Museum muss verschie- Stromschienensysteme mit werkzeugfrei


denste Parameter beachten: Lichtdrama- adaptierbaren Strahlern oder in die Decke
turgie, ergonomische und konservatori- integrierte, kardanische Downlights mit
sche Aspekte, Richtlinien und Normen und wechselbaren Optiken.
vieles mehr. Dieses Kapitel reißt wesentli-
che Planungsbereiche und Hauptaspekte Licht für vertikale Flächen
der jeweiligen Lichtsituationen kurz an. Die Neben zurückhaltender, diffuser Wandflu-
Folgekapitel spezifizieren die einzelnen tung über Tages- oder Kunstlichtdecken
Museumsbereiche und gehen mit passen- empfiehlt sich hier die Montage flexibel
den Beleuchtungslösungen ins Detail. bestückbarer Stromschienen parallel zur
Ausstellungswand. Daran adaptiert, er-
Licht im Museums- und Ausstellungsraum möglichen flächig oder fokussiert abstrah-
Für Präsentation und Beleuchtung von lende Lichtwerkzeuge Wandflutungen oder
Kunst gelten besondere Regeln. Um kontrastreiche Hell-Dunkel-Zonen. Alter-
Werke optimal zu inszenieren, müssen nativ können diese Funktionen auch über
viele Aspekte beachtet werden: Ist das Einbau-Downlights erzielt werden.
Museum ein historisches Gebäude oder
ein tageslichtdurchlässiger Neubau? Gibt Licht für dreidimensionale Objekte
es konservatorische Anforderungen? Mit Skulpturale Werke brauchen raumbezo-
viel Fingerspitzengefühl muss ein Gesamt- gene Lichtkonzepte. An Wand, Boden oder
beleuchtungskonzept erstellt werden, das Decke platzierte Spots und Leuchten für
verfügbare Lichttechnik optimal einsetzt. gerichtete Seitenlichter (Modelling) können
Brillanz und Dreidimensionalität der Expo-
Licht für Wechselausstellungen nate unterstreichen und ihre Materialität
Temporäre Ausstellungen fördern Attrak- betonen. Konservatorische Aspekte sind
[06] Grafische Darstellung unterschiedli-
tivität und Besucherzahlen. Je nach dabei ebenso zu berücksichtigen wie Blick-
cher Bereiche in einem Museum. Das Licht
muss spezifische Bedürfnisse verschie- Ausstellungskonzept erfordern sie flexible achsen, Sockelflächen und Wege im Raum.
denster Personen in den Funktions- und Beleuchtungslösungen. Gut geeignet Besucher sollten sich frei bewegen können
Ausstellungsbereichen erfüllen. für Wechselausstellungsbereiche sind und nicht geblendet werden.

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Schaudepot
Depot

Dreidimensionale Objekte Werkstatt


Büro
Bibliothek
und Studienraum

© licht.de
Vortragsraum

Licht für Vitrinen leuchten müssen in das ästhetische Zusam- Je anspruchsvoller die Sehaufgabe, desto
Besonders wertvolle oder kleine, empfind- menspiel von Architektur und Ausstellungs- höher die Beleuchtungsanforderung, auch
liche Objekte werden geschützt in Vitrinen geschehen integriert werden. in den ruhigen, separierten Studienräumen,
präsentiert. Die Beleuchtung sollte entwe- wo besondere Dokumente aus Beständen
der spiegelungsfrei von außen erfolgen Vortragsraum und Archiven eingesehen werden können.
oder durch miniaturisierte und einstellbare Multifunktional ausgestattete Veranstal- Hier sind nach DIN EN12464-1 mindestens
LED-Leuchten oder Lichthauben blendfrei tungsräume benötigen situationsgerechte 200 Lux bei den vertikalen Beleuchtungs-
von innen. Lichtszenen. Präsentationsflächen sollten stärken auf den Regalvorderseiten sowie
mindestens die 1,5-fache Beleuchtungs- Buch- und Dokumentenrücken einzuhalten.
Licht für Ausstellungen im Freien stärke des Raumes aufweisen, das heißt, bei Lesebereiche sollten mit 500 Lux ausge-
Archäologische Ausgrabungsstätten, einer Raumbeleuchtungsstärke von 500 Lux leuchtet werden.
Technikparks oder Skulpturengärten: Licht- sollten die Vortrags- und Präsentationsberei-
starke Außenraum-Beamer, fest installierte che mit mindestens 750 Lux ausgeleuchtet Depot und Schaudepot
Strahler oder Bodeneinbauleuchten setzen werden. Konzentrationsfähigkeit, Aufnahme- Für einfache Arbeiten in Magazin, Depot
bei Dunkelheit neue Wahrnehmungsak- vermögen und Kommunikationsbereitschaft oder Archiv wird weniger Licht benötigt,
zente. Die Lichtquelle wird dabei immer erhöhen sich damit signifikant. als beim Umgang mit kleinteiligem Lager-
betrachterabgewandt oder mit Blend- gut oder für Leseaufgaben (Beschriftun-
schutzvorrichtungen versehen montiert. Cafeteria und Museumsshop gen, Formularerfassung). Hier sind relativ
Cafeteria und Museumsshop gehören hohe Beleuchtungsstärken wichtig. Viele
Foyer und Kassen zum Museumserlebnis. Besucher lieben Museen öffnen ab und zu ihre Depots, um
Eingangsbereiche sind die Visitenkarte des hochwertig ausgestattete Museumscafés die dort „verborgenen“ Schätze zugäng-
Hauses. Foyers mit architektonisch reprä- und den Erwerb kunstnaher Souvenirs. lich zu machen. Dann sollten die Qualitäts-
sentativer, harmonischer Lichtatmosphäre Downlights oder dekorative, blendfreie Pen- anforderungen für die Beleuchtung von
signalisieren einen freundlichen Empfang. delleuchten tragen zu einer angenehmen, Ausstellungsräumen gelten.
Nach DIN EN12464-1 mit 500 Lux blendfrei anregenden und erholsamen Atmosphäre in
ausgeleuchtete Arbeitsbereiche an Kassen der Cafeteria bei. Im Museumsshop werden Werkstatt
mit Bildschirmen sowie eine lichttechnisch Bücher und Accessoires mit einem Mix aus Werkstätten im Museum benötigen eine
transparente Wegeführung zu Ausstellungs- direktem und indirektem Licht von Strahlern funktionelle Arbeitsplatzbeleuchtung nach
räumen, Cafeteria oder Waschräumen ga- oder Downlights gut ausgeleuchtet. Das DIN EN12464-1 mit mindestens 500 Lux
rantieren hohe Funktionalität. erleichtert die Orientierung und motiviert auf den Arbeitsflächen und eine Farbwie-
zum Kauf. dergabe von mindestens Ra 90 durch die
Flure und Treppen Leuchtmittel.
DIN EN12464-1 für öffentliche Gebäude Bibliothek und Studienraum
bestimmt für „Verkehrswege“ wie Flure Die richtige Bibliotheksbeleuchtung schafft Weitere Hinweise zur Beleuchtung
und Treppenhäuser mindestens 100 Lux Übersicht, hilft beim Auffinden gewünschter am Arbeitsplatz in licht.de Heft 04 „Gutes
Beleuchtungsstärke auf dem Bodenniveau. Literatur, erleichtert das Lesen und prägt Licht im Büro” und Heft 05 „Industrie und
Auch Sicherheits- und Rettungszeichen- eine ruhige, leicht anregende Atmosphäre. Handwerk“.

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licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

Licht im Museums- und Ausstellungsraum


Beleuchtungskonzepte im Museum – ob für Dauer- oder Sonderausstellungen – sollten immer die kuratorische
Grundidee aufgreifen und sie lichttechnisch optimal unterstützen. Dabei sind ästhetische und gestalterische
Prinzipien ebenso wie architektonische und konservatorische Anforderungen zu berücksichtigen.

Gute Lichtplanung beginnt mit der Aufga- angepasst. Diffuse Grund- sowie spezifische
benanalyse: Wie sind die architektonischen Ausstellungsbeleuchtung sollten koordiniert
Rahmenbedingungen? Wie sind die Energie- eingesetzt werden, um ästhetisch wie wirt-
kapazitäten? Ist der kontrollierte Einsatz von schaftlich optimale Lösungen zu schaffen.
[07] Konservatorische Lichtplanung fügt Tageslicht gegeben? Gibt es konservatori-
sich ästhetisch in die denkmalgeschützte sche Vorgaben? Die funktionale Museums- Beleuchtungstechnisch unterscheidet man
Architektur ein. Fresken der Kapelle der
beleuchtung nach kuratorischen Maßgaben architektonisch integrierte und additive
Eleonora da Toledo im Palazzo Vecchio in
ist bei Neubau wie Sanierung Teil des Bauge- Lichtlösungen. Integrierte Lichtlösungen er-
Florenz.
schehens. Auch der gleichmäßige, vertikale fordern eine enge Abstimmung mit bauaus-
[08] Gerichtete Akzentbeleuchtung im Lichteinfall auf die Wände muss genau führenden Architekten oder Denkmalschutz.
dunkel gehaltenen Raum setzt den Fokus geplant werden. Lichtdecken und flächig Additive Lösungen werden meist mit ange-
auf die Exponate. Brandhorst Museum, abstrahlende Leuchten erzeugen eine diffuse bauten oder abgependelten Stromschienen
München.
Grundbeleuchtung im Ausstellungsraum. für flexible Strahler umgesetzt. In beiden
Besondere Ausstellungsbeleuchtungen Fällen sollte geprüft werden, ob Ein- bzw.
[09] Eine Lichtdecke schafft für Gemäl-
degalerien ideales, gleichmäßiges Licht werden vom Ausstellungsgestalter sowie Ku- Anbaubaupunkte zu erwartende Lasten
im Raum. Germanisches Nationalmuseum rator, der Technik oder dem Restaurator des tragen können und die Brandschutzanfor-
Nürnberg. Museums nach individuellen Anforderungen derungen erfüllt sind.

Projektprozess Licht für


Museen und Ausstellungen
Zum Prozess der Planung einer guten Museums- und
Ausstellungsbeleuchtung gehört, dass alle Beteiligten von
Anfang an vollständig in das Ausstellungskonzept invol-
viert werden. Je nach Örtlichkeit, Aufgabenstellung und
Anwendung müssen die einzelnen Schritte differenziert
umgesetzt werden. Einzelne Punkte müssen gegebenen-
falls mehrfach überprüft, modifiziert und abgearbeitet
werden. Folgende Schritte sind im Lichtplanungsprozess
besonders zu bedenken:
▪ Bedarfsbudget-Ermittlung der geforderten Beleuch-
tungslösung
▪ Erstellung Gesamtkonzept Beleuchtung (unter
Berücksichtigung architektonischer Gegebenheiten,
Tageslicht, Ausstellungs- und Lichtkonzept)
▪ Bemusterung
▪ Kostenplanung inklusive Montage
▪ Entscheidung aufgrund
- kuratorischer
- lichtplanerischer
- konservatorischer
- energieeffizienter
- und wirtschaftlicher Aspekte
▪ Ausführung, Justierung, Übergabe und Bauabnahme
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White Cube versus Black Box Bestimmten Grundmustern folgend, erfor- Bühnentechnik zur Anwendung, vor allem
Der Charakter der Lichtplanung kann von dern Ausstellungen in der Regel ähnliche Akzentstrahler. Aus dem Dunkel heraus
zwei extremen Raumkonzepten bestimmt lichttechnische Notwendigkeiten. Dabei leuchtende Vitrinen überhöhen die Expo-
werden: „White Cube“ und „Black Box“. kommt es selten zu reinen idealtypischen nate. Der Ausstellungsraum selbst tritt in
Die Black Box „löscht“ mit der Dunkel- Lösungen. Häufiger sind am Projekt als den Hintergrund.
heit den Blick auf den physischen Raum. Ganzem orientierte Kombinationslösungen:
Exponate, Figuren, statische und bewegte Ausstellungstyp Galerie – Vorwiegend
Bilder wirken prominenter. Auch in extrem Ausstellungstyp Historischer Raum – Räume serielle Präsentation von Exponaten ohne
reduzierter, fokussierter Lichtdosierung in originaler Erhaltung und Ausstattung Hervorhebung einzelner Objekte
erscheint alles sehr deutlich. Die ­Objekte Die Beleuchtung kann hier durch abgepen- Die Atmosphäre ist unaufdringlich. Tages-
erlangen als Unikate monumentale Wir- delte Leuchten mit einem Direkt-Indirekt- licht-Oberlichter spenden gleichmäßige,
kung. Die „szenografische“ Black Box Anteil zur Anstrahlung der Decke realisiert fast schattenlose Helligkeit. Architektur und
tendiert zur Reduktion, vermittelt Stille werden, oder durch freistehende Leuchten, Dimensionen des Raumes bleiben sichtbar
und Innenschau. die, gut abgeschirmt, die Exponate von der und erlebbar.
Seite beleuchten. In diesen Räumen gibt es
Im White Cube wirken einfachere Parame- häufig auch Tageslichtdecken oder künstli- Weitere Varianten bestehen in der vertikal
ter. Der Präsentationsrahmen ist neutral, che Lichtdecken. Tageslicht sollte allerdings gleichmäßigen Ausleuchtung von Hänge-
sachlich, eingegrenzt. Die Kunst wirkt für auf die konservatorischen Werte gefiltert wänden oder in der Hervorhebung serieller
sich, Werke werden gleichmäßig ausge- werden. Exponate durch Akzentbeleuchtung. Auch
leuchtet. Bilder und Wände ergeben eine die Kombination beider Beleuchtungsarten
homogene Einheit, dem Besucher vermit- Ausstellungstyp Inszenierung – Konfigura- mit einem Helligkeitsschwerpunkt auf der
telt sich ein heller, weiter, ruhiger Raum- tion für eine komplexe Gesamtwirkung vertikal beleuchteten Wand in Augenhöhe
eindruck. Im White Cube werden vor allem Exponate werden in weitgehend abgedun- ist möglich.
moderne Kunst und Rauminstallationen kelten Räumen inszeniert. Dabei kommen
präsentiert. lichttechnische Erfahrungen aus der

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licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

Licht für Wechselausstellungen


Um regelmäßig ein breiteres Publikum anzuziehen, zeigen viele Museen parallel zu den Dauerausstellungen ihrer
Sammlungsbestände auch attraktive Wechselausstellungen. Für Museumsbereiche mit immer wieder neuen
Exponaten sollten Beleuchtungslösungen daher möglichst so flexibel geplant werden, dass sie wechselnde
Anforderungen erfüllen können.

Wechselausstellungen bieten für Museen das Beleuchtungsniveau aus konserva-


die Chance, neben dem Stammpublikum torischen Gründen sehr weit abgesenkt
neue Zielgruppen zu gewinnen. Für be- werden muss.
grenzte Zeit und mit Leihgaben kuratiert,
definieren Leihverträge die konservatori- Alternativ zu den Stromschienen ist auch
schen Anforderungen für die Präsentation die Verwendung von Einzelleuchten
im Museum. Für Licht- und Klimatechnik denkbar, z.B. kardanisch frei ausrichtbare
gilt dabei immer mindestens der Standard Einbau-Downlights. Fest in der Decke
der Dauerausstellung; nicht selten wird installiert, lassen sie sich um bis zu
auch eine besondere technische Ausstat- 360° drehen und um ca. 30° schwenken
tung gefordert. (bei Richtstrahlern ist der Drehbereich
geringer). Raum- und Deckenansicht
Flexibilität wirken ungestört und ruhig. Auch bei
Wechselausstellungen bedeuten mitunter Downlights lässt sich der Ausstrahlwinkel
räumliche Veränderungen. Die Beleuch- verändern. Das Auswechseln der Optiken
tungsanlage in den entsprechenden und die Einstellung des gewünschten
Museumsbereichen sollte daher mög- Schwenkwinkels sind etwas aufwendiger
lichst flexibel modifizierbar sein. Raumbe- als bei Stromschienenstrahlern. Dauerhaft
leuchtungen schaffen durch Lichtdecken installierte Downlights im Wechselausstel-
oder breitstrahlende Leuchten bereits lungsbereich setzen außerdem eine gut
flächig-diffuse Lichtverhältnisse. Im Rah- abgestimmte Planung bezüglich Archi-
men individueller Lichtkonzepte können tektur und Ausstellungsanforderungen
zudem gezielt Akzente über gerichtetes voraus.
Licht gesetzt werden. Technisch ­empfiehlt
sich hierfür eine anpassungsfähige Oft wird die Einstellung für die „richtige
Infrastruktur mit Stromschienen unter der Beleuchtung“ erst kurz vor der Ausstel-
Decke, an denen schnell und werkzeug- lungseröffnung gefunden. Eine unkompli-
los schwenk- und drehbare Strahler an zierte Handhabung der beschriebenen
jeder beliebigen Stelle montiert werden Leuchten für eine flexible Ausleuchtung
können. Einige Stromschienen sollten für der Exponate ist daher von großem Vor-
eine Wandbeleuchtung parallel zu den teil. Für schwer zugängliche Stellen könn-
Wänden verlaufen, andere in rechtecki- ten fernsteuerbar einzustellende Strahler
ger oder quadratischer Anordnung, um die bedarfsgerechte Lösung sein.
alle Bereiche im Raum zu erreichen. Die
Schienen können dafür in die Decke ein- Bei Wechsel-, Sonder- und Wanderaus-
[10] Zurückhaltend in die Architektur gelassen oder an der Decke montiert wer- stellungen kommen oft mobile Stellwände
integrierte kardanische Leuchten eignen den. Auch eine Abhängung der Schienen zum Einsatz, die über Wandausleger mit
sich durch ihre Flexibilität sehr gut für über Drahtseile ist möglich. Strahlern eine zielgerichtete Beleuchtung
Wechselausstellungen. Rheinisches Lan-
der Exponate ermöglichen. Der Abstand
desmuseum, Bonn.
Die eingesetzten Strahler sollten mit der Leuchte von der Stellwand sollte eine
[11] Ein punktgenaues Ausrichten der wechselbaren Optiken unterschiedliche gute, akzentuierende Lichtverteilung
Strahler lässt Exponate plastisch erschei- Ausstrahlwinkel erzeugen können. Ein- ermöglichen. Optimal für diese Lösung ist
nen. K21, Düsseldorf. zeln dimmbare Strahler und eine flexible eine in die Stellwand integrierte Elektrifi-
Lichtsteuerung ermöglichen die Anpas- zierung, die über Bodentanksteckdosen
[12] Parallel zur Wandfläche erlaubt die
galerieartige Ausleuchtung der Bilder mit sung der Beleuchtung für alle Arten von oder Stromschienenadapter gespeist
Strahlern an Wandauslegern einen blend- Exponaten, auch für höchst lichtemp- wird. So werden gefährliche Stolperfallen
freien Blick. Photokina, Köln. findliche Ausstellungsstücke, bei denen vermieden.

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licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

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Licht für vertikale Flächen
Eine ideale und zugleich vielseitige Beleuchtung der Wände ist für viele
Museen eine der zentralen Herausforderungen. Ob akzentuiert oder
einheitlich, Kunstwerke sollten mithilfe der richtigen Beleuchtung passend
zum Ausstellungskonzept in Szene gesetzt werden.

Eine wandbezogene Beleuchtung im flexibel umsetzbar. Sie schafft spannungs-


Museum wird in der Regel in enger Zu- reiche Raumsituationen. Der Blick des
sammenarbeit mit dem jeweiligen Kurator Betrachters wird durch Licht auf bestimmte
und Ausstellungsarchitekten entwickelt. Im Gegenstände im Raum gelenkt, der Aus-
Grundsatz unterscheidet man zwei grund- stellungsmacher entscheidet, wie er den
legend verschiedene Beleuchtungsstile. Fokus steuert.

Die Wandflutung Für dreidimensionale Objekte, zum Bei-


Die Wandflutung mit großflächig angeleg- spiel Reliefe, gilt: Richtet man zwei oder
ter Beleuchtung wirkt tendenziell sachlich mehr Strahler auf sie, werden Höhen- und
und neutral. Räume erscheinen ruhig, weit Tiefenstrukturen optisch herausgearbeitet.
und hell. Sie bieten viel gleichberechtigte Es entsteht ein räumlicher Blick auf das
Präsentationsfläche. Bilder hängen hier mit Objekt.
der gleichen Gewichtung nebeneinander,
die Ausstellungsräume wirken verein- Auf den folgenden Seiten werden beide
heitlicht, weniger individuell, universeller. Ansätze detaillierter erklärt und die dazu-
Der Betrachter wird zum Interpreten des gehörigen Lichtwerkzeuge vorgestellt. Eine
Gesehenen. Er entscheidet, wohin er seine gute Lösung für viele Ausstellungen liegt
Aufmerksamkeit wenden möchte. Das auch in der Kombination beider Stile. Das
Licht unterstützt ihn dabei. Zusammenspiel von Objektakzentuierung
mit generalisierender Wandflutung schafft
Die akzentuierte Wandbeleuchtung und ein besonderes Spannungsfeld im Raum.
eine ihrer Unterarten, das „Framing“.
Akzentuierung entsteht, wenn Objekte Farbige Wände
im Raum gezielt heller leuchten als ihre Farbige Wände als Gestaltungselement
Umgebung. Der Leuchtdichtekontrast findet man häufig in Gemäldegalerien der
sollte – mit mindestens 5:1 – so gewählt „Alten Meister“. Bewusst wird ein starker,
werden, dass Objekte besonders hervor- dennoch farblich abgestimmter Kontrast
gehoben wahrgenommen werden. Eine zwischen Wand und Bild gewählt, der har-
akzentuierende Beleuchtung ist durch monisch wirkt. Auch für Ausstellungskon-
einfache Montage einzelner Strahler zepte mit farbigen Wänden ist eine gleich-
innerhalb des gewählten Schienensystems mäßige Wandflutung sehr gut geeignet.

[13] Schienensysteme mit Leuchten in


unterschiedlichen Ausstrahlwinkeln er-
möglichen eine flexible Anpassung an die
Exponate. Long Museum, Shanghai.

[14] Akzentuiertes Licht auf die Reliefe


an der Wand rechts lässt diese dreidimen-
sional erscheinen. Fränkische Galerie,
Kronach.

[15] Große Meister entfalten ihre beson-


dere Wirkung im gleichmäßigen Licht auf
farbigen Wänden. Gemäldegalerie, Berlin.

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licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

Lichtwerkzeuge: Wandflutung
Bilder und Reliefe hängen oder stehen meist mit geringem Abstand vor
der Wand. Mit einer Wandflutung werden sie für den Betrachter in einem
hellen, harmonischen und sachlichen Umfeld präsentiert.

Für alle flachen, an der Wand exponierten Wandansatz bis zum Bodenniveau, wobei
Ausstellungsgegenstände ist die gleich- die wandnahen Bodenflächen nicht direkt
mäßige Ausleuchtung über eine flächige mitbeleuchtet werden (siehe Abbildung 18).
Wandbeleuchtung ideal geeignet. Sie
schafft neutrale Hintergründe, sodass Bild Großformatige Bilder
und Wand eine Einheit bilden können. Besonders für großformatige Kunstwerke
Sollen Objekte in sachlicher Atmosphäre eignet sich das Beleuchtungskonzept der
präsentiert werden, ist die Wandflutung Wandflutung optimal, da hier die Notwen-
das ideale Instrument. Vertikalen Flächen digkeit der einheitlichen Raumausleuchtung
wird so bewusst jede Dramatik genommen. in besonderer Weise zum Tragen kommt.
Nicht nur Bild und Wand sollen gleichwer- Bei kleinen Räumen, die von einer quadra-
tig wahrgenommen werden, sondern auch tischen Grundform abweichen, ist es sehr
alle im Raum gezeigten Kunstwerke. So wichtig, auf die korrekte geometrische An-
kann der Betrachter sich – unbeeinflusst ordnung von Leuchten und Lichtsystemen
von Akzentuierung und szenografischen zu achten. In der Regel sollte sie in der Form 16
Elementen – seinen eigenen Eindruck von der Grundfläche des Raumes entsprechen.
den Arbeiten verschaffen. tiefe, sondern auch eine wahrnehmbare
Eine gute Gleichmäßigkeit des Lichts auf räumliche Abgrenzung einzelner Ausstel-
Anwender nutzen für diese Beleuch- den Wänden kann - mithilfe von großen lungszonen zueinander. Der entstehende
tungsstrategie in der Regel Leuchten mit Leuchtflächen - auch durch Lichtdecken helle, ruhige Raumeindruck bildet den
asymmetrischer Lichtverteilung durch oder große, aufgesetzte Leuchten, die idealen Hintergrund für Kunstwerke und
entsprechende Linsenoptiken oder Reflek- Oberlichter simulieren, erzielt werden. andere Exponate; der Raum wirkt als
toren (siehe Abbildung 20). Die optimale homogene Einheit. Durch die Reflexion
Positionierung von Wandflutern richtet sich Betonung der Architektur durch vertikale über die Wände sorgt die Wandflutung
immer konkret an der zu beleuchtenden Beleuchtung zugleich für eine angenehme Helligkeit in
Wand aus. Qualitativ hochwertige, ent- Die Wandflutung schafft durch die Beto- der Raummitte und kann je nach Geo-
blendete Wandfluter verteilen das Licht nung der Flächigkeit der gefluteten Wände metrie des Raums als Beleuchtung sogar
nahezu komplett gleichmäßig vom oberen nicht nur eine explizite Weite und Raum- komplett ausreichen.

Lichtwerkzeuge im Vergleich: A) Leuchten für hell geflutete Wände


Für eine homogene Wandflutung [17-20] (siehe Abb. Anordnungsmethode) ist eine korrekte Anordnung der Leuchten, orientiert an Lichtverteilung und Raumgeometrie, wichtig. Es
gilt die Faustregel: Der Wandabstand „a“ der Wandfluter sollte ein Drittel der Deckenhöhe „h“ betragen. Der Leuchtenabstand zwischen den Leuchten „b“ entspricht in etwa dem
Wandabstand „a”. Er sollte das 1,5fache des Wandabstandes auf keinem Fall überschreiten. Eine Bemusterung vor Ort ist zu empfehlen und liefert die genauen Positionsangaben.

Raumansicht Seitenansicht Draufsicht Lichtverteilungskurve Wandflutung


105°
Wand-
abstand a Wand- 90°
abstand a
Decken- 75°
höhe h
800
60°
Leuchtenabstand b
1200

45°
1600

2000

cd/klm 2400 30°


17 © licht.de 18 © licht.de 19 © licht.de 20 15° 0° 15° © licht.de

© licht.de
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Ergänzung der Wandflutung durch Akzente zung. Einerseits sorgt die Wandflutung für Akzente lichttechnisch inszenieren und ver-
Eine Wand muss natürlich nicht grundsätz- eine homogene Grundhelligkeit im Raum leiht so dem Raum eine Lebendigkeit und
lich flächig beleuchtet sein. Je nachdem, und sichert so eine gute Erkennbarkeit der Rhythmik. Siehe dazu auch die Grafiken 21
wie man die vertikale Raumfläche lichttech- Exponate. Andererseits setzt der Einsatz bis 24.
nisch behandeln möchte, können Anwen- von gezielt gerichteten Strahlersystemen
der auf verschiedene Lichtwerkzeuge und mit höherer Beleuchtungsstärke Akzente in
Positionierungsmethoden zurückgreifen. Richtung lichtdramaturgischer Differenzie-
Für Ausstellungen, denen eine extreme Be- rung einzelner Kunstwerke oder stärkerer
schränkung auf das Konzept der Wandflu- Modellierung von Skulpturen.
[16] Eine gleichmäßig helle Lichtvertei-
tung nicht gerecht wird, weil man sie als zu lung auf den Wänden verleiht der Präsen-
uniform erlebt, eröffnet die Kombination mit Selbstverständlich lässt sich auch die tation eine sachliche Atmosphäre. Saatchi
der Akzentbeleuchtung die ideale Ergän- eigentliche Wandabwicklung durch gezielte Gallery, London.

Lichtwerkzeuge im Vergleich: B) Leuchten für rhythmisch akzentuiert beleuchtete Wände


Sollen die Wände akzentuiert beleuchtet werden [21-24], kann dieses mit engstrahlenden Leuchten realisiert werden. Wandnah platzierte Downlights mit ihren vertikalen, aufeinanderfol-
genden Lichtkegelabschnitten, sogenannten „Scallops“, verleihen dem Raum eine besondere Lichtdynamik.

Raumansicht Seitenansicht Draufsicht Lichtverteilungskurve Akzentbeleuchtung


105°
Wandabstand a
Wandab- 90°
stand a
Decken- 75°
höhe h
800
60°
Leuchtenabstand b 1200

45°
1600

2000

cd/klm 2400 30°


21 © licht.de 22 © licht.de 23 © licht.de 24 15° 0° 15°
© licht.de

© licht.de
17
licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

Strahlung im
Randbereich
(Streulicht und
Lampenanteil)

Halbstreuwinkel
Auch Halbwertswinkel /
Ausstrahlwinkel / Öffnungswinkel
= Hauptlichtanteil bis 50% der
Maximallichtstärke

25 26

Lichtwerkzeuge: Akzentbeleuchtung, Framing


Eine weit verbreitete Art der Beleuchtung in Ausstellungen und Museen ist die Akzentbeleuchtung. Genau definierte
und fokussierte Lichtkegel heben die besonderen Vorzüge einzelner Exponate hervor. Sie werden im Vorfeld durch
Kuratoren und Ausstellungstechnik perfekt justiert.

Die Akzentbeleuchtung ist variabel einsetz- betragen. Bei einem Kontrast von 1:20 sind
bar. Sie eignet sich zur Beleuchtung von deutliche Akzente zu sehen, bei 1:100 wirkt
Bildern jeglicher Größe, zur Anstrahlung drei- die Installation geradezu dramatisch, was
dimensionaler Objekte und zur Ausleuchtung nur in sehr dunklem Umfeld möglich ist.
von Exponaten in Vitrinen. Die flexible Ak-
zentbeleuchtung im Museum kann unkompli- Reflexblendung und Sehkomfort
ziert durch an Stromschienen adaptierbare Auch der Sehkomfort der Beleuchtung trägt
Strahler erzeugt werden, die schnell an die wesentlich zur Qualität des Ausstellungser-
jeweiligen Ausstellungsverhältnisse ange- lebnisses bei. Enge Lichtkegel und abge-
passt werden können. Das spart Zeit und schirmte Lichtaustrittsflächen minimieren die
langfristig auch Betriebs- und Beleuchtungs- Direktblendung und störende Reflexblen-
kosten. Hilfreich bei der richtigen Strahler- dungen.
auswahl sind Lichtverteilungskurven (anhand
von sogenannten „Polardiagrammen“ und Halbstreuwinkel
„Kegeldiagrammen“) der Hersteller. Für Dau- Der Halbstreuwinkel beschreibt den photo-
erausstellungen können auch Downlights, metrisch relevanten Winkelbereich einer
besonders Richtstrahler, verwendet werden, Lichtstärkeverteilung. Dieser Winkel entsteht
die die gleichen Effekte erzielen. zwischen den beiden Punkten bei denen die
[25, 26] Die DIN-Norm 5040-4:1999-04 maximale Lichtstärke noch 50% beträgt. Der
spricht hier von Halbstreuwinkeln. Für Strah- Lichtwirkungen bei der Akzentbeleuchtung Halbstreuwinkel definiert den Durchmesser
ler und Reflektorlampen mit rotationssymmet- Soll die Wandfläche akzentuiert beleuchtet eines Lichtkegels, sagt aber nichts über die
rischer Lichtstärkeverteilung gilt: werden, so kann dieses mit engstrahlenden Begrenzung von Streulicht und mögliche
Engbündelnd: < 10°, Bündelnd: 10° bis 35°,
Leuchten (siehe auch Seite 17, Abb. 21-24) Blendung aus.
Breitstrahlend: > 35°
realisiert werden. Die vertikalen, aufeinander-
[27] Die engen Ausstrahlwinkel der folgenden Lichtakzente verleihen dem Raum 30° Museumswinkel
Leuchten verursachen durch Hell-Dunkel- durch ihren Hell-Dunkel-Verlauf auf der Zur Gemäldeausleuchtung bietet sich eine
Zonen eine starke Lichtdynamik im Raum. Wand eine gewisse Lichtdynamik. Sie führen „30°-Museumswinkel“-Konzeption an. Die
Kunstmuseum, Göteborg. den Blick des Ausstellungsbesuchers und geeignete Lichtquelle muss, je nach Bild-
bewirken seine ungestörte Konzentration auf größe und Entfernung, nach Halbstreuwinkel
[28] Lichtakzente heben die einzelnen
Werke hervor und geben dem Raum eine die Kunst. Interieur und Architektur spielen und Lichtstärke ausgewählt werden, um die
ordnende Struktur. Brandhorst Museum, dabei nur eine sekundäre Rolle. Je enger die erforderliche vertikale Beleuchtungsstärke
München. Lichtkegel, umso dramatischer ihre Wirkung, für die auszuleuchtende Fläche zu gewähr-
je breiter, umso stärker werden Exponate leisten. Hält der Planer die geometrische
[29] Beim „Framing“ wird exakt aus-
auch als Teil des Raumes wahrgenommen. Relation zwischen Lichtquelle und Exponat
schließlich das Bild beleuchtet, der Rest des
Raumes bleibt ausgespart. Die Kunstwerke Damit ein Lichtkegel als Akzent ins Auge ein, ist auch eine Betrachtung aus naher Dis-
wirken dadurch, als ob sie von innen heraus fällt, muss der Helligkeitsunterschied zwi- tanz ohne störende Überlagerungsschatten
leuchten würden. Musée Magritte, Gent. schen Exponat und Umfeld mindestens 1:5 möglich (siehe Abbildungen 30 und 31).

18
27 28 29

30° Museumswinkel
Blickfeld des Betrachters

30 © licht.de 31 © licht.de 32 © licht.de

Leuchten korrekt positionieren Reflexblendung vermeiden Framing © licht.de

Bei der Beleuchtung von Gemälden und Skulpturen [27, Positioniert man zur Beleuchtung eines Bildes zwei Framing als besonderes Highlight: [32] Begrenzt man
30] bietet sich das bewährte Prinzip des 30°-Museums- Strahler jeweils seitlich [31], vermeidet man bei dessen Lichtkegel exakt auf das Bildformat des Exponates,
winkels an, bei dem das Licht in einem Einfallswinkel von Betrachtung nicht nur eine Reflexblendung auf dem scheint das Bild eigenständig von innen heraus zu leuch-
30° auf das zu beleuchtende Objekt trifft. Ein steilerer Exponat, sondern auch eine Verschattung des Bildes. ten. Diesen Effekt nennt man Framing (engl. Einrahmung).
Einfallswinkel würde für ein zu starkes Streiflicht sorgen Bei mit Glas gerahmten Bildern können Spiegelungen Als Lichtwerkzeuge verwendet man hier Strahler mit
und folglich lange Schatten unterhalb des Bildrahmens der Leuchten auf der Scheibe lästige Blendmomente Konturenschiebern und Projektionslinsen. Die Wirkung
erzeugen. Bei größerer Distanz zwischen Leuchte und bewirken und den Genuss der Betrachtung behindern. kontrastreicher Hell-Dunkel-Szenen wird durch diese Art
Exponat wächst die Wahrscheinlichkeit einer störenden Abgeschirmte Lichtaustrittsflächen, enge Lichtkegel und der Beleuchtung besonders unterstrichen.
Schattenbildung durch den Betrachter auf dem Bild. eine optimale Anordnung der Leuchten helfen dabei,
Reflexblendungen zu vermeiden.

19
licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

LED-Lichtquellen, Lichtqualität und Wahrnehmung


Hochwertige LED-Lichtquellen sind unentbehrlich für die moderne Museumsbeleuchtung. Faktoren wie
gute Lichtausbeute, Farbtemperatur und Farbwiedergabe, Lebensdauer und Lichtverteilung sind wichtige
Voraussetzungen, um die spezifischen Anforderungen an gute Beleuchtung zu erfüllen.

Um sich für das richtige LED-Lichtsystem wird beim Betrieb der Diode über Gleich-
in der optimal auf Beleuchtung und Betrieb spannung Licht erzeugt, direkt oder durch
abgestimmten Qualität entscheiden zu eine reflexive Auskopplung. Während
können, empfiehlt es sich, sämtliche Anfor- herkömmliche Glühlampen immer ein kon-
derungen an die Beleuchtung im Vorfeld tinuierliches Lichtspektrum aussenden,
zu definieren. Dabei spielen Parameter wie lässt sich über eine LED Licht in einer
Lichtausbeute [lm/W], Farbwiedergabe, ganz bestimmten Farbe emittieren. Sie ist
ähnlichste Farbtemperatur [CCT], Lebens- im Wesentlichen abhängig vom verwen-
[34] Die abgebildeten LED-Module dauer, Betriebsweise, Lichtstromverhal- deten Halbleitermaterial.
eignen sich für vielfältige Anwendungen, ten, Baugröße, Lichtverteilung, Binning,
wie die Erzeugung linearer Lichtstrukturen,
Wartungsfaktoren, Lichterzeugungsprinzip
die Akzentuierung von Exponaten oder die
Ausleuchtung großer Raumflächen. und die Umgebungsbedingungen eine
besonders wichtige Rolle.
[35] Aufbau einer LED-Leuchte: Die an
der LED-Platine entstehende Wärme muss Dieses Kapitel konzentriert sich grundle-
über das Gehäuse mit spezifischem Kühl- gend auf die spezifischen Funktionsweisen
körper abgeführt werden, damit Lichtquali-
und die Eigenschaften von LEDs. In Mu-
tät und Langlebigkeit erhalten bleiben. Die
Optik sorgt für Lichtlenkung und passen- seen und Ausstellungen sind sie heute die
den Abstrahlwinkel. wohl am häufigsten zum Einsatz kommen-
den modernen Lichtquellen. 33
[37] In der Praxis sind LEDs während © licht.de
ihrer gesamten Einsatzzeit, abhängig
Das Grundprinzip der LED Photolumineszenz
von der jeweiligen Anwendung, praktisch
wartungsfrei. Die Einflussfaktoren auf die LEDs (Light Emitting Diodes) bauen sich Blaue LEDs können weißes Licht erzeu-
einzelne LED können ebenfalls Auswirkun- aus mehreren Halbleiterschichten (Lay- gen, wenn man sie mit einer dünnen Phos-
gen auf das gesamte LED-Modul haben. ern) auf. In der jeweils aktiven Schicht phorschicht versieht. Das energiereiche,

LED-Module Aufbau einer LED-Leuchte


Aufbau einer LED-Leuchte

a) Gehäuse mit
Kühlkörper

b) LED-Platine

c) Optik

d) Abdeckscheibe
34 35 © licht.de
© licht.de

20
kurzwellige blaue Licht der LED bringt die Dimmbarkeit in Kombination mit einem auf die einzelne LED und auch auf das
Phosphorschicht zum Leuchten: Sie gibt passenden Vorschaltgerät. Durch ihre gesamte LED-Modul und dessen Lebens-
energieärmeres gelbes Licht ab. Ein Teil kleinen Abmessungen sind LED-Leuchten dauer haben.
des blauen Lichts wird hier also durch die optimal für den Einsatz in der Museums-
wie ein Filter wirkende Phosphorschicht in und Ausstellungsarchitektur geeignet. Sie Die Temperaturentwicklung
weißes Licht umgewandelt. Je nach Do- sind zuverlässig, schaltfest und reagieren Wann immer Licht entsteht, entsteht auch
sierung des Phosphor-Farbstoffes können sofort, zeichnen sich durch hohe Stoß- Wärme. In der Regel wirkt sich diese
verschiedene Weiß-Töne entstehen, wie und Vibrationsfestigkeit aus, emittieren nachteilig auf Lebensdauer und Lichtstrom
Warmweiß, Neutralweiß oder Kaltweiß. so gut wie keine UV- oder IR-Strahlung, der LEDs aus. Daher ist es sehr wichtig,
bieten eine hohe Farbwiedergabe und schon bei der Konstruktion durch ein
sind nachhaltig sowie quecksilberfrei. Wärmemanagement mit entsprechenden
Kühlkörpern dafür zu sorgen, die entste-
Einflussfaktoren auf Zuverlässigkeit und hende Wärme gut abzuleiten. LED und
Lebensdauer Leuchtengehäuse (mit dem Kühlkörper)
In Abhängigkeit der Anwendungssitu- sollten also thermisch optimal miteinander
ation und unter Berücksichtigung der verbunden werden. Grundsätzlich gilt die
Betriebsbedingungen sind LED-Systeme Regel: Je kühler, desto höher die Lebens-
36 © licht.de
im Vergleich zu traditionellen Lichttech- dauer und umso effizienter und heller das
niken nahezu wartungsfrei, denn bei guten Licht der LED.
Vorteile der LED-Technik Bedingungen können LEDs eine Lebens-
Im Vergleich zu anderen ­Lichttechnologien dauer von 50.000 Stunden und mehr LED-Module
bieten LEDs neben maximaler Zuver- erreichen. Für eine lange Lebensdauer LED-Module erzeugen Licht über Plati-
lässigkeit und Funktionalität auch unter empfiehlt es sich, die Datenblätter mit den nen, die mit Einzel-LEDs bestückt sind.
schwierigen Umgebungsbedingungen entsprechenden Angaben zum Einsatz der Je nach Beschaffenheit sind die Module
viele Vorteile. Anwender profitieren auch LED-Leuchten zu beachten. bereits mit einer Optik zur Lichtlenkung
vom hohen wirtschaftlichen Nutzen durch und einem Kühlkörper ausgestattet. Mit
niedrigen Energieverbrauch, einer lan- LEDs fallen im Vergleich zu anderen ihrer ursprünglichen Optik verteilen LEDs
gen Lebensdauer bei hoher Effizienz Lichtquellen nur äußerst selten aus. Es das Licht in der Regel breitstrahlend in
und längeren Wartungsintervallen. Dabei wird empfohlen, die typenbedingte Licht- einem Halbstreuwinkel von 150°, der nicht
bieten sich vielfältige Designmöglichkei- stromdegradation zu beachten und bei für alle Anwendungsbereiche geeignet ist.
ten mit LEDs durch Lichtfarbenvielfalt, der Planung zu berücksichtigen. In der Justierbare optische Systeme ermöglichen
kompakte Abmessungen und Flexibilität untenstehenden Grafik [37] werden Ein- eine bessere Kontrolle der Lichtverteilung.
der Module, aber auch durch stufenlose flussfaktoren dargestellt, die Auswirkungen Sie können aus einer breit- auch eine eng-
strahlende Lichtverteilung machen.
Einflussfaktoren auf die LED-Lebensdauer
Umdenken
Einflussfaktoren auf die LED-Lebensdauer Die Verwendung moderner LEDs in Leuch-
ten und optischen Systemen erfordert im
Vergleich zur Lichtplanung mit traditionel-
len Lichtquellen einen anderen Ansatz bei
Temperatur der Projektierung. LEDs sind im professi-
Strahlung onellen Bereich meist nicht mehr schnell
Strom
und Licht und werkzeuglos austauschbar. Um hier
Standards zu setzen, gibt es verschie-
denste Aktivitäten der Leuchtenindustrie,
um Module und Light-Engines einfach
LED Lebensdauer
austauschbar zu machen.

Chemische
Feuchtigkeit
Einflüsse
Mechanische
Einflüsse

37 © licht.de

© licht.de
21
licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

Spektrum
Spektrumdes
desLichts
Lichts
CIE-Farbdreieck mit Planckschem Kurvenzug
CIE-Farbdreieck mit Planckschem Kurvenzug

kos- Röntgen-
mische strahlung Wellen-
Höhen- Gamma- Ultra- Mikro- Rund- Wechsel- länge
strahlung strahlung violett Infrarot wellen funk strom in nm

10 -16 10-12 10-8 10 -4 100 104 10

sichtbares
Licht
urvenzug
er K
sch
ck
an
Pl

Ultra- Infrarot
violett

400 500 600 700 Wellen-


länge
in nm

© licht.de
38 39
© licht.de

Qualitätsprodukte also besonders gut für die Beleuchtung „natürlicher” werden die Objektfarben
LEDs liegen im Trend und bieten für die sensibler und wertvoller Exponate. Spek- im Vergleich zu der Referenzlichtquelle
allermeisten Anwendungsbereiche eine tren von warmweißen und neutralweißen wahrgenommen. Für Farbtemperaturen
ideale Lösung. Allerdings empfiehlt es LED-Lichtquellen im Vergleich: bis 5.000 K dient als Referenz die
sich angesichts der Vielfalt von LED- Glühlampe, bzw. der „Schwarze Körper”
Produkten aus aller Welt, sich genau mit welcher im Planckschen Kurvenzug
den Produkten auseinanderzusetzten. abgebildet wird.
100 %
Ungeeignete Systeme zeigen oft erst im
Warmweiß
Betrieb ihre Schwächen. 80 Neutral- Die Wahrnehmung ist abhängig von Farb-
weiß temperatur und Farbwiedergabeeigen-
60
Geeignete LED-Leuchten und -Systeme schaften der eingesetzten LEDs. Beispiel:
müssen bestimmte Kriterien erfüllen, wie 40 Rote Farbtöne erscheinen bei warmwei-
z.B. eine nur ganz geringe Anzahl an Früh- ßem Licht gesättigter und brillanter als bei
20
ausfällen, die Möglichkeit, ältere Quali- tageslichtähnlichem Licht – auch wenn
tätsstufen in einheitlichen Lichtfarben und 0 beide Lichtquellen einen hohen Ra-Wert
homogener Helligkeit mit gleicher Licht- 300 400 500 600 700 nm aufweisen.
qualität nachzurüsten. Sie bieten eine gute
40
Wärmeableitung, einen guten Wartungs- Schädigungsfaktor
faktor sowie eine lange Lebensdauer des Im Kapitel „Konservatorische Aspekte” auf Zur Bewertung der aus konservatorischer
gesamten Systems. Wichtig sind in diesem Seite 30 sind auf den Abbildungen [01-03] Sicht der Museen geeigneten Lichtquel-
Zusammenhang besonders die Stichworte die Spektren verschiedener Lichttechnolo- len berechnet man den „relativen Schä-
„Wärmemanagement“ und „Binning“. gien im Vergleich zu sehen. digungsfaktor“ aus dem Verhältnis von
schädigungswirksamer Bestrahlungsstärke
Spektrum Lichtfarbe und Farbwiedergabe zur Beleuchtungsstärke. Eine warmweiße
Um eine Lichtqualität für die praktische Die Lichtfarbe einer Lichtquelle wird durch LED-Beleuchtung hat einen geringeren
Anwendung zu bestimmen, sollte man die ähnlichste Farbtemperatur, angegeben Schädigungsfaktor als beispielsweise
neben der Lichtfarbe auch die spektralen in Kelvin (K), bestimmt. Niedrige Werte eine Beleuchtung durch Niedervolt-Halo-
Farbwiedergabe-Eigenschaften (Farbwie- (Farbtemperatur unter 3.300 K) stehen genlampen mit oder ohne UV-Filter und
dergabeindex Ra) einer Lichtquelle ken- für warmweiße Beleuchtung, höhere für ist daher für empfindliche Objekte besser
nen. Das Licht einer Glühlampe beispiels- kühlere (Neutralweiß zwischen 3.300 K und geeignet.
weise setzt sich aus einem kontinuierlichen 5.300 K; Tageslichtweiß höher als 5.300 K).
Spektrum zusammen, ganz anders als bei Binning
Entladungslampen (Hochdruckentladungs- Inwieweit der farbliche Eindruck eines In der Produktion von LED-Chips kommt
und Leuchtstofflampen) mit diskreten Objektes bei künstlicher Beleuchtung es fertigungsbedingt zu leichten Abwei-
Spektren. Für LEDs gilt je nach Lichtfarbe richtig wahrgenommen und beurteilt chungen: Lichttechnische Eigenschaften
ein nahezu durchgehendes Spektrum. wird, hängt von der Spektralqualität der können beispielsweise in Farbe und
verwendeten Lichtquelle ab. Als Bewer- Leuchtkraft variieren. Um eine konstante
LEDs sind nahezu frei von UV- und IR- tungssystem wird hier der sogenannte Lichtqualität mit homogenem Helligkeits-
Strahlung und haben damit einen gerin- Farbwiedergabeindex Ra verwendet. Je niveau und vereinheitlichter Lichtfarbe
gen Schädigungsfaktor. Sie eignen sich höher dieser Wert ist (max Ra 100), desto zu gewährleisten, müssen LEDs einer

22
41 42

Charge sortiert werden. Das passiert in ander abweicht. Nach ANSI-Norm sollte LED-Lichtdimmung. Der Stromfluss durch
sogenannte „Bins“ (englisch: Behälter/ der Farbwert innerhalb einer Ellipse mit vier die LED wird rhythmisch nach einer be-
Klasseneinteilung). Dieser „Binning“-Pro- Schwelleneinheiten liegen. LEDs aus diesen stimmten PWM-Frequenz unterbrochen.
zess ist besonders bei weißen LEDs von jeweils eng gefassten Bins garantieren eine Je größer die Stromlücken zwischen den
großer Bedeutung. Auswahlkriterien beim einheitliche Lichtfarbe. In einem Binning mit Stromphasen, desto niedriger wird der
Binning sind der Lichtstrom (gemessen in < 3 Step MacAdam sind Farbunterschiede effektive bzw. der mittlere Strom durch
Lumen), die Farbtemperatur (gemessen so gut wie nicht wahrnehmbar. die LED und damit deren wahrgenomme-
in Kelvin), der Farbort und die Vorwärts- ne Helligkeit. Die PWM-Frequenz sollte
spannung (gemessen in Volt). Stromdimmung bei LED-Lichtquellen dabei in einem für das menschliche
Auch das Dimmen von LEDs ist heute Auge nicht wahrnehmbaren Bereich über
Heute definiert die ANSI-Norm (American technisch komfortabel möglich. Das 300 Hz liegen, damit kein erkennbares
National Standards Institute) Farbwertab- Absenken der Amplitude des Vorwärts- „Flimmern“ entsteht, obwohl faktisch eine
weichungen mithilfe der MacAdams-Ellip- stromes führt zu einer Reduktion des entsprechende Lichtmodulation vorliegt.
sen. Sie beschreiben gerade wahrnehm- Lichtstroms. Sobald ein gewünschtes Um die Vorteile beider Verfahren optimal
bare Farbabstände auf den XY-Koordinaten. Licht- oder Stromniveau eingestellt ist, zu nutzen, können diese auch kombiniert
bleibt dieses zeitlich konstant. werden.
ANSI-Farbwerte, Detail aus Grafik [39]:
Ansi Farbwerte
Stromdimmung:
Cy Stromdimmung:
nm
0,440
weiß I I I
0,420 Warm 100%
80%
ß
0,400 wei
tral
0,380 Neu 3000 K
2700 K
20%
[38] Licht ist der für das Auge sichtbare
3500 K Teil der elektromagnetischen Strahlung. Im
0,360 eiß
ltw 4000 K elektromagnetischen Spektrum umfasst der
0,340
Ka t t t
5000 K Bereich des Lichts Wellenlängen von etwa
© licht.de
0,320 44 380 nm bis 780 nm. An das sichtbare Licht
6500 K Cx grenzen die Bereiche der Infrarot- (Wellen-
0,300
PWM-Dimmung:
PWM-Dimmung längen zwischen 780 nm und 1 nm) und Ul-
0,300 0,340 0,380 0,420 0,460 nm
43 © licht.de
traviolettstrahlung (Wellenlängen zwischen
I I I 10 nm und 380 nm).
100% 80% 20%
Die Kurve in Grafik [43] zeigt den Planck-
[39] Die Kurve im Inneren des Farbdrei-
schen Kurvenzug (BBL = Black Body
ecks zeigt den Planckschen Kurvenzug
Locus). Hier werden die Farbkoordinaten (BBL = Black Body Locus).
mit unterschiedlichen Temperaturen (K =
t t t
Kelvin) der abgegebenen Strahlung ange- [41, 42] Beispiel für eine verbesserte
© licht.de
geben. So lassen sich die Farbkoordinaten 45 Wahrnehmung nach erfolgter Sanierung.
Durch höhere Leuchtdichten werden die
in Farbtemperaturen übertragen. Angaben
Wandmalereien für die Besucher deutlich
von MacAdams-Ellipsen informieren den Auch die Reduktion des Mittelwerts des besser erkennbar. Sixtinische Kapelle, Rom.
Nutzer darüber, wie weit beispielweise die Vorwärtsstromes – die sogenannte Puls- Photo Copyright - Governatorato dello Stato
Lichtfarbe einzelner LED-Module vonein- Weiten-Modulation (PWM) – führt zur della Città del Vaticano – Direzione dei Musei.

23
licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen
Objektbeleuchtung

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48

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46 49
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50

51

47 52

24
Licht für dreidimensionale Objekte
Dreidimensionale Objekte überzeugend in Szene zu setzen, ist beleuchtungstechnisch eine besondere
Herausforderung. Brillanz, Materialität und Form von Skulpturen und Plastiken werden erst durch die richtige
Lichtsetzung für die Museumsbesucher wirklich sichtbar.

Konzeptionell sollten immer Materialität, ten mit satinierten oder mikroprismatischen


Form, Empfindlichkeit und Umgebung der Frontabdeckungen eignen sich dafür
Exponate berücksichtigt werden. Drei- sehr gut. Das gestreute Licht verteilt sich
dimensionale Objekte lassen sich durch gleichmäßig von der Decke in den Raum.
Licht und Schatten modellieren, flächiges
diffuses Licht wirkt schattenärmer und Indirektes Licht, beispielsweise aus Licht-
ruhiger. Akzentlicht hingegen arbeitet Ob- vouten und Hinterleuchtungen, zeigt
jektstrukturen heraus und hohe punktuelle seinen Reiz in der weichen, diffusen
Leuchtdichten sorgen für Brillanz. Verteilung. Strahlt es Richtung Decke oder
wird es über die Wände reflektiert, bleibt
Formen durch Schatten der Blick des Betrachters umfassender,
Harte Schatten oder weichere, effektvolle weniger auf Details gelenkt. Diese Be-
Schattenverläufe über Rundungen und leuchtungsstrategie verleiht einem Raum
Kanten setzen das Objekt effektvoll in Sze- Höhenwirkung und greift architektonische
ne. Entscheidend dafür ist die Position der Gestaltungsmerkmale strukturierend auf.
Lichtquelle. Steile Lichteinfallswinkel bei
kurzer Distanz führen zu langen vertikalen Werden mehrere dreidimensionale Objekte
Schatten. Zu flache Einfallswinkel bewir- beleuchtet, empfiehlt sich eine flutende
Modelling – Dreidimensionalität ken horizontal ausgerichtete Schlagschat- Rasterbeleuchtung über der Ausstellungs-
begreifbar machen ten. Beim „Modelling“ von Skulpturen und fläche. Indirekter Tageslichteinfall oder
Bildern hat sich ein Einfallswinkel von 30° Lichtdecken erzeugen diffuses Raumlicht
Dreidimensionale Objekte [48-52] lassen sich bewährt. Weitere Informationen links im mit weichen Schatten und einen eher ruhi-
durch ein geschicktes Kombinieren der Leuchten- Kasten Modelling. gen Eindruck. Im Vergleich zu kontrastrei-
Ausstrahlwinkel angemessen modellieren und cher Akzentbeleuchtung wirken Objekte so
plastisch darstellen. Der Begriff „Modelling“ steht Brillanz eher neutral. Die diffuse Beleuchtung trägt
für ein gekonntes Zusammenspiel zwischen Licht Exponate mit Brillanz vermitteln einen auch dazu bei, dass die Exponate gleich-
und Schatten am Objekt. Die Bilder 50-52 links hochwertigen Eindruck, vor allem bei glän- berechtigter wahrgenommen werden.
zeigen, wie unterschiedlich Licht ein und denselben zenden Oberflächen wie Kristallglas, Metall
Körper wahrnehmbar macht. Abbildung 50 zeigt eine oder Porzellan. Sie wirken edler, eleganter In der Museumspraxis werden akzentu-
diffus-flächige Beleuchtung. Auf Abbildung 51 wird und hochwertiger. Glanz resultiert aus un- ierende wie diffuse Beleuchtungsarten
die Büste nur von einer einzigen Leuchte von links terschiedlichen Helligkeiten, erzeugt durch gerne kombiniert. Je nach gewünschtem
oben angestrahlt. Die Folge: starke Schlagschatten den Einsatz von Punktlicht- und Flächen- Ergebnis hat man damit alle notwendigen
und nicht erkennbare Bereiche auf der rechten Seite. strahlern. Bewegt sich der Besucher im Lichtwerkzeuge zur Hand, um Formen
Zusätzlich zum Hauptlicht sorgt in Abbildung 52 Raum, scheinen die Glanzpunkte auf den betont zu unterstreichen.
ein geringeres Aufhellungslicht mit einem zweiten Oberflächen zu wandern. Dieser interes-
Strahler für ausgewogene Kontraste und direkte, voll- sante Effekt erzeugt Aufmerksamkeit. Die
umfängliche Erfassbarkeit. Dreidimensionale Exponate Glanzpunkte lassen Kanten und Wölbungen
werden also in ihrer Raumtiefe betont, wenn sie durch der Exponate erahnen. Brillanzeffekte hän-
mehrere Strahler aus unterschiedlichen Positionen gen mehr von der Kompaktheit der Licht-
mit verschiedenen Lichtstärken und Ausstrahlwinkeln quelle ab, als von der Intensität des Lichts.
[46] Wird der Dinosaurier aus verschie-
beleuchtet werden. Um Spiegelungen und Schlag- Gute Lichtwerkzeuge sind hier Strahler mit denen Richtungen angestrahlt, wirkt er viel
schatten zu vermeiden, ist die Position der Strahler einem engen Ausstrahlungswinkel. plastischer und realer. Naturhistorisches
sorgfältig auszuwählen. Störende Schatten lassen Museum, Wien.
sich z. B. durch eine Überlappung unterschiedlicher Diffuses, flächiges Licht – für die nüchterne
Beleuchtungsstärken auf dem Objekt reduzieren. [47] Hier bleibt der Raum im Dunkeln.
Objektdarstellung
Werden zu flache Lichteinfallswinkel gewählt, gerät Licht und Schatten unterstützen die pla-
Großflächige Lichtdeckeneinheiten oder stische Figürlichkeit. Die Skulpturen werden
der Betrachter leicht zwischen Lichtquelle und Objekt Raster aus eng angeordneten Leuchten in den Fokus des Betrachters gerückt.
und steht sich dann selbst im Licht. erzeugen direktes, flächiges Licht. Leuch- Museo del Duomo, Mailand.

25
licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

53

54 55

26
Licht für Vitrinen
Auch wenn die LED-Technik durch die Miniaturisierung viele neue Möglichkeiten eröffnet: Exponate in Vitrinen
professionell zu beleuchten, bleibt eine anspruchsvolle Aufgabe. Für ein optimales Ergebnis müssen Lichtplaner,
Ausstellungsgestalter und Vitrinenbauer eng zusammenarbeiten.

Um wertvolle Exponate vor Verschmutzung unterscheidet man freistehende, an- oder lichkeiten, geringem Wärmeeintrag sowie
oder Beschädigung zu schützen, werden eingebaute Vitrinen. Je nach Proportionen UV- und IR-freiem Licht setzt sich heute
sie in vielen Museen „hinter Glas“ in Vitri- differenziert man auch zwischen Hoch-, mehr und mehr durch. Hersteller bieten
nen präsentiert (lateinisch vitrum = Glas). Tisch- oder Pultvitrinen. Besondere Be- inzwischen Baukastensysteme mit Minia-
Klimavitrinen sorgen sogar für konstante dingungen ergeben sich zudem daraus, turoptiken für brillantes, gerichtetes Licht,
Temperatur und Luftfeuchtigkeit. ob die Vitrinen einen Rahmen oder sogar wie auch lineare LED-Profile für eine schat-
eine Haube besitzen oder ganz aus Glas tenarme Ausleuchtung von Exponaten an.
Glasscheiben schaffen eine Distanz bestehen. Auch die Auswahl passender Lichtfarben
zwischen Objekt und Betrachter, die das und eine gute Farbwiedergabe sind für ein
Erlebnis schmälern kann. Diesem Eindruck Ganzglasvitrinen sind von außen wie von optimales Ergebnis entscheidend.
versucht man über die Beleuchtung ent- innen beleuchtbar. Vorteil der Beleuchtung
gegenzuwirken. In der musealen Vitrinen- von außen ist, dass sie konzeptionell und
beleuchtung sollte die Verglasung aus der technisch Teil des gesamten Beleuch- [53] Die edlen Exponate in Vitrinen
Wahrnehmung weitgehend ausgeblendet tungssystems im Ausstellungsraum ist. werden von der Decke aus blendfrei und
gleichwertig in Szene gesetzt. Mathe-
werden. Das bedeutet in erster Linie, Eine übermäßige Wärmebildung im Inne-
matisch-physikalischer Salon, Zwinger,
einen Lichtreflex auf den Scheiben zu ren der Vitrine wird vermieden. Dresden.
vermeiden, der das Glas als transparenten
Werkstoff überhaupt erst sichtbar werden Bei Vitrinen mit Lichthauben wurden lange, [54, 55] Vitrinen mit Lichthauben, Ganz-
lässt (siehe Kasten unten). in die Haube integrierte Leuchtstofflampen glasvitrinen und spezielle Klimavitrinen sor-
gen hier nicht nur für den optimalen Schutz
mit Blendschutzrastern verwendet. Auch
der antiken Exponate, sondern auch für
Die praktische Umsetzung der Beleuch- faseroptische Lichtsysteme kamen hier einen ungestörten Blick des Betrachters.
tung ist von Ausstattung und Bauform zum Einsatz. Doch die moderne LED- Links: Domschatzkammer, Aachen.
der Vitrine abhängig. Grundsätzlich Technik mit flexiblen Miniaturisierungsmög- Rechts: Aomori Museum of Art, Tokio, Japan.

Vitrinenbeleuchtung Vitrinenbeleuchtung

Spiegelungen vermeiden
Glas stört die Betrachtung von Exponaten kaum, solange
es nicht durch Reflexe und Spiegelungen als trennende
Ebene sichtbar wird. Bei der Positionierung von Lichtquel-
len, ob innerhalb oder außerhalb der Vitrine, sollte also
darauf geachtet werden, dass sie sich, aus dem Blickwin-
kel des Betrachters gesehen, nicht auf den Glasflächen
spiegeln. Auch dunkle Rückwände sowie eine gedämpfte
Grundhelligkeit im Raum reduzieren Reflexionseffekte –
ebenso wie die Verwendung von entspiegeltem Glas.

Beleuchtungswinkel: Insbesondere bei der Beleuchtung


von Ganzglasvitrinen mit Strahlern von außen sollte der
Beleuchtungswinkel so gewählt werden, dass Betrachter
nicht durch Reflexe und Spiegelungen der Lichtquelle
geblendet werden. Für Hochvitrinen [56] eignet sich in
der Regel ein Beleuchtungswinkel steil von vorne, bei
Tischvitrinen [57] eine Beleuchtung senkrecht von oben.
Zusätzlich muss für ein makelloses Bild gegebenenfalls
auf den Schattenwurf durch die Glaskanten geachtet
werden.

56 © licht.de 57 © licht.de
© licht.de © licht.de
27
licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

58 59

Objektschädigung durch optische Strahlung

Photochemischer Vorgang Wärmestrahlung

Ursache Wirkung Ursache Wirkung

▪ Spektrale Verteilung ▪ Farbveränderungen ▪ Umgebungs- ▪ Trocknungsschwund


der auftreffenden temperatur
▪ Verblassen ▪ Mechanische Span-
Strahlung
▪ Bestrahlungsstärke nungen
▪ Veränderung im Farbton
▪ relative spektrale
▪ Thermische Empfind- ▪ Rissbildung
Objektempfindlichkeit ▪ Farben werden dunkler
lichkeit des Exponats
▪ Verlust von Brillianz ▪ Herabsetzen der
▪ Bestrahlungsstärke
Elastizität
▪ Bestrahlungsdauer ▪ Ausfransen von Stoffen
▪ Brüchigkeit
▪ Risse
© licht.de

60

Bewertungsschema für für Schädigung:


Lichtschäden
Empfindlichkeitskurve
Empfindlichkeitskurve für
Empfindlichkeitskurve für Schädigung:
für Schädigung:
Schädigung: Bewertungsschema
Empfindlichkeitskurve für Lichtschäden
y
1,0 1,0
1,0
0,9 0,9 y Vorbelichtung Endzustand
0,9
Wirkung (Farbveränderung)

(keine Farbveränderung mehr)


0,8 0,8
0,8
Farbabstand ∆Eab

0,7 0,7
0,7
Schädigung

Schädigung
Schädigung

0,6 0,6 ∆Eab=1


0,6
0,5 0,5 Hs, dm
0,5 x Vorbelichtung
0,4 0,4
0,4
0,3 0,3
0,3
0,2 0,2
0,2
0,1 0,1
0,1
Ultra- Ultra- ∆Eab=1
Ultra- Infrarot Hs, dm Infrarot
violett
violett
Infrarotviolett x
300 400 500 600 700 800 300 400 500 600 700 800
300 400 500 600 700 800 Ursache (wirksame Bestrahlung Hdm )
Wellenlänge
Wellenlänge in
in nm
nm Wellenlänge in nm
CEN/TS
CEN/TS 16163
61 CEN/TS 16163
CEN/TS 16163 62 16163

28
Konservatorische Aspekte
Nach den „Standards für Museen“ des ICOM (The International Council of Museums) sollen Museen Kultur- und
Naturerbe der Menschheit vermitteln und bewahren. Zeugnisse aus Vergangenheit und Gegenwart dauerhaft zu
erhalten, erfordert spezifische Kenntnisse zu potenziellen Schadensfaktoren und besondere Technologien.

Als eine der wichtigsten Aufgaben der Ursachen photochemischer Reaktionen Maßgeblich für eine Schädigung ist die
Konservatoren hat sich die ­„Präventive Maßgeblich für die Schädigung von Objek- Dosis der Strahlung, also das Produkt aus
Konservierung“ durchgesetzt. Sie ver- ten durch Strahlung bzw. Licht sind: Bestrahlungsstärke x Zeit.
sucht, mögliche Schäden an Werken – ▪ Spektrale Zusammensetzung des Lichts
auch durch Licht – so gering wie möglich bzw. der optischen Strahlung Bei konstanter Bestrahlung ergibt sich
zu halten. Grundsätzlich gilt: Jede Strah- Energie und Schädlichkeit der Strahlung die photochemisch wirksame Bestrahlung
lung, ob im sichtbaren oder nicht sichtba- steigen mit kürzer werdender Wellen- (Dosis) H in Wh/m² zu:
ren Wellenlängenbereich, kann schädi- länge (UV>Blau>Grün>Gelb>Rot>IR).
gen. Hinzu kommen Wechselwirkungen Welche Lichtquelle mit welchem Spek- Hdm = Edm x t
mit anderen Faktoren, wie Temperatur, trum wurde gewählt? Gibt es Filter oder
Feuchte, Luftverschmutzung und andere. andere lichtlenkende Materialien? LED- (dm = damage of materials)
Restauratorische Grundbedingungen Lichtquellen weisen kein UV-Licht auf. Sie
und Anforderungen an die Präsentation sind daher grundsätzlich zu bevorzugen. Beispiel:
müssen also grundsätzlich bestmöglich In einer Sonderausstellung soll ein
in Einklang gebracht werden. Die LED- ▪ Relative spektrale Objektempfindlichkeit Exponat mit 100 Lux beleuchtet wer-
Technologie bietet allerdings heute die Wird durch die unterschiedlichen den. Bei einer geplanten Dauer von 100
Möglichkeit, sowohl den Lichtschutz zu Materialien bedingt: Organische sind Tagen und 10 Stunden täglich ergibt sich
gewährleisten als auch deutlich verbes- besonders anfällig für photochemische eine Betriebszeit von 1000 Stunden und
serte Sehbedingungen für den Betrachter Veränderungen, anorganische meist somit eine Dosis von 100 lx x 1000 h =
zu schaffen. stabiler. 100.000 lxh.

Photochemische Reaktionen ▪ Bestrahlungsstärke E [W/m²] Dieser Wert muss niedriger sein als der
Strahlung ist Energie, die von den Mole- Die gesamte Strahlungsleistung, die auf festgelegte Grenzwert (siehe auch Abb.
külen eines Kunstwerks absorbiert oder die betroffene Oberfläche trifft, gemes- 70 auf S.31). Wird der Grenzwert über-
reflektiert wird und so unterschiedliche sen in W/m². Sie ist nicht zu verwech- schritten, kann sowohl über die Beleuch-
chemische Reaktionen mit anderen Mole- seln mit der Beleuchtungsstärke. tungsstärke als auch über die Ausstel-
külen erzeugt, die Materialschädigungen lungszeit die maximale Dosis angepasst
bedeuten können. Jedes Molekül eines ▪ Bestrahlungsdauer H [Ws/m²] werden.
Exponats benötigt dafür eine spezifi- Meint in der Regel die Öffnungszeit des
sche Mindest-Aktivierungsenergie. Wird Museums plus Wartungszeiten. Außer-
diese durch Lichtstrahlung erreicht oder halb der Öffnungszeiten sollte jegliche [58] Der Schutz weltberühmter Wandge-
überstiegen, kann es zu einer direkten Bestrahlung der Exponate möglichst mälde gilt als konservatorische Herausfor-
Spaltung (Photolyse) der Molekülbindung, vermieden werden. derung. Sixtinische Kapelle, Rom. Photo
Copyright - Governatorato dello Stato della
also zum Zerfall des Werkes, kommen.
Città del Vaticano – Direzione dei Musei.
Fremdmoleküle wie Sauerstoff, Wasser- Der Schwellenbestrahlungswert
dampf oder Schadstoffe sowie eine Schon bei der ersten Lichtexposition be- [59] Messgeräte helfen dabei, die reale
verschmutzte Oberfläche begünstigen ginnt die Veränderung lichtempfindlichen Strahlenbelastung zu ermitteln.
diesen Prozess durch Photooxidation. Materials, zunächst unterschwellig, später
evident. Kriterien für Schädigungen sind [60] Darstellung zweier verschiedener Vor-
gänge, die als Ursache für die Objektschä-
Die Schädlichkeit der Lichtstrahlen sinkt sichtbare Farbveränderungen (∆E). Mit der
digung durch Licht oder Strahlung gelten.
mit steigender Wellenlänge, und die Emp- Berechnung der Schwelle von unsichtbarer
findlichkeit der Exponate ist auch mate- zu sichtbarer Veränderung definiert man [61] Die Schädlichkeit von Lichtstrahlen
rialabhängig. Die Empfindlichkeitskurve für jedes Material dessen eigenen Schwel- sinkt mit steigender Wellenlänge, wie man
für Schädigungen (Abb. 61 auf Seite 28) lenbestrahlungswert, der sich in bestimmte in der Empfindlichkeitskurve für Schädigung
sieht.
zeigt, dass Strahlung in der Wellenlänge Empfindlichkeitskategorien einordnen
von 365 nm ein 135-fach höheres Scha- lässt. Lichtschäden addieren sich auf [62] Bewertungsschema für Lichtschäden:
denspotenzial aufweist als Strahlung im und sind irreversibel, es erfolgt also keine Lichtschädigungen addieren sich auf und
Gelbgrün-Bereich bei 546 nm. Regeneration (siehe Abb. 62 auf Seite 28). sind nicht mehr rückgängig zu machen.

29
licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

Spektrum
Spektrum Niedervolt
Niedervolt Halogenlampe
Halogenlampe Spektrum
Spektrum Leuchtstofflampe
Leuchtstofflampe FL 830 Spektrum
Spektrum LED mit
LED Lösung Lösung
3000 K mit 3000 K
100 % 100 % 100 %

80 80 80

60 60 60

40 40 40

20 20 20

0 0 0
nm nm nm
200 300 400 500 600 700 200 300 400 500 600 700 200 300 400 500 600 700
63 © licht.de 64 © licht.de 65 © licht.de
© licht.de © licht.de © licht.de

Schädigungsfaktor fläche kommen. Übliche Schäden durch ▪ Zeitliche Begrenzung der Bestrahlungs-
Der Schädigungsfaktor beschreibt das Wärme sind mechanische Spannungen, dauer
Schädigungspotenzial einer Lichtquelle, Verlust der Elastizität, Rissbildungen und Exponate und Ausstellungsräume
abhängig von ihrem Spektrum. Schädi- Austrocknungen. Hohe IR-Anteile in den sollten nicht länger als unbedingt nötig
gende Bestrahlungsstärke und Beleuch- Lichtquellen sollten daher vermieden bzw. beleuchtet werden. Neben der Bestrah-
tungsstärke am Exponat stehen in einem ausgefiltert werden. lungsstärke kann über eine deutliche
festen Verhältnis zueinander. Berücksich- Verringerung der Bestrahlungszeit
tigt werden dabei Tageslicht (gemäß des Bunsen-Roscoe‘schen
Ungefiltertes Tageslicht ist um ein viel- Gesetzes) die potenzielle Schädigung
▪ das Spektrum der Lichtquelle faches schädlicher als künstliches Licht. nachhaltig reduziert werden.
▪ die relative spektrale Empfindlichkeit Ursache ist die hohe Beleuchtungsstärke
des Exponats und der hohe Blauanteil im Spektrum. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten:
▪ der relative spektrale Hellempfindlich- Tageslicht sollte im Museum nie direkt und Außerhalb der Öffnungszeiten ist voll-
keitsgrad des menschlichen Auges ungefiltert, sondern nur baulich reduziert kommene Dunkelheit das Beste. Für die
▪ sowie eine potenzielle Filterung verwendet werden. Jalousien oder Klapp- notwendige Reinigung (Putzlicht) oder
läden an Außenfenstern blenden nicht nur Aufbau-, Abbau- und Reparaturarbeiten ist
Es gilt: Je höher der Schädigungsfaktor Tageslicht, sondern auch den Wärmeein- eine separate Grundbeleuchtung empfeh-
(Relative Damage Factor), desto größer trag in das Gebäude ab. Fensterscheiben lenswert, die die Exponate nicht belastet.
die Schädigung. und Oberlichter sollten UV- und IR-Anteile Auch mechanisch können Exponate vor
absorbieren. Weitere Details siehe Kapitel Lichteinfall geschützt werden, indem
Wärmestrahlung „Lichtdecken“ und „Tageslicht“ Seiten 32-35. sie unter Klappen oder in Schubladen
Wärmestrahlung entsteht durch den IR- verborgen werden, die der Besucher bei
Anteil in der Lichtquelle. Je nach Be- Schutzmaßnahmen Interesse selbst öffnet. Auch Vitrinen mit
schaffenheit des Exponats absorbiert es, ▪ Die Auswahl der Lichtquelle Schaltern für „Light on Demand“ erfordern
sobald es beleuchtet wird, Strahlungs- Tabellen zum Schädigungsfaktor besa- Mitwirkung, sind jedoch ein probates Mittel,
energie, die, wenn nicht photochemisch, gen, dass besonders warmweiße LED- um vor allem sehr empfindliche organische
so doch thermisch wirksam wird. In wel- Leuchten ein geringeres Schädigungs- Exponate zu schützen.
chem Maße das Objekt dadurch Schaden potenzial aufweisen als andere Licht-
erleidet, ist abhängig von seinen Materi- quellen. Der konservatorische Vorteil der Besteht das Museum aus vielen Einzel-
aleigenschaften. LEDs ist, dass sie keinerlei schädliche räumen, in denen sich nicht dauerhaft
UV- und IR-Strahlung produzieren. LED- Besucher aufhalten, empfiehlt es sich,
In jedem Fall führt Wärme zu einer be- Lichtquellen eignen sich daher gerade die Beleuchtung durch den Publikums-
schleunigten chemischen Alterung. Der für die Museumsbeleuchtung. verkehr mittels Bewegungsmeldern oder
Temperaturanstieg ist neben Dauer und anderer Sensoren aktivieren zu lassen. Die
Intensität der Bestrahlung vom Absorpti- ▪ Ausfiltern schädigender Strahlung Schaltung sollte bereits vor dem Betreten
onsgrad der Oberfläche abhängig. Dunkle Sollten andere Lichtquellen als LED- des Raumes, für den Besucher unmerk-
Oberflächen absorbieren mehr Wärme als Leuchten eingesetzt werden, können lich, erfolgen. Mittels Nachlaufsteuerung
weiße oder metallisch glänzende Texturen. unerwünschte Strahlungsanteile je nach kann das Licht dann zeitverzögert wieder
Anforderung für die verschiedensten ausgeschaltet werden.
Von der Temperaturleitzahl des Materials Spektralbereiche speziell ausgefiltert
ist es abhängig, wie sich die Wärme im werden. So besteht bei empfindlichen Generell kann die Verwendung von
Material verteilt. Für organische Materi- Exponaten oft der Wunsch, Strahlung Lichtsteueranlagen, dimmbaren Leuchten
alien gilt die Faustregel: Eine um 10 °C bis zu 420 nm auszufiltern. Dies erfolgt und ähnlichen Steuerungen zur Reduzie-
höhere Temperatur führt zu doppelt so durch dichroitische Filter. Je steiler rung des Schädigungspotenzials emp-
schneller Alterung. Empfindliche Mate- dabei die Kennlinie, umso sauberer wird fohlen werden. Das technische Personal
rialien, wie Wachs, Holz oder ähnliches, ausgefiltert. Beachtet werden sollte aber, des Hauses sollte jedoch entsprechend
sind besonders gefährdet. Bei gut isolie- dass jeder Filter den Wirkungsgrad einer geschult und in der Lage sein, die kom-
renden Materialien kann es zu einer stär- Leuchte vermindert und den Farbwie- plexen Systeme an die jeweiligen Anfor-
keren Temperaturerhöhung auf der Ober- dergabe-Index verändert. derungen anzupassen.

30
Empfindlichkeitsklassen und Expositionszeiten

66 67 68 69

1. Kategorie 2. Kategorie 3. Kategorie 4. Kategorie


Unempfindlich Geringe Empfindlichkeit Mittlere Empfindlichkeit Hohe Empfindlichkeit

Feste, lichtunempfindliche Dauerhafte, etwas Weniger dauerhafte, Sehr lichtempfindliche


Materialien lichtempfindliche Materialien lichtempfindliche Materialien Materialien

Metalle, Mineralien, Stein, Glas, Öl- und Temperagemälde, Kostüme, Aquarelle, Pastelle, Zeitungen,
echte Keramik, Emaille Fresken, ungefärbtes Leder und Wandteppiche, Drucke, Historische Dokumente,
Holz, Horn, Knochen, Elfenbein, Zeichnungen, Manuskripte, Fotodrucke, Transparente,
Lack, verschiedene Kunststoffe Tapeten, Gouachen, gefärbtes Papyrus, preiswerte
Leder, botanische Proben, synthetische Farben, Seide,
Felle, Federn historische Textilien

Grenzwerte Beleuchtungsstärke in Lux (lx)

Unbegrenzt 200 50 50

Jährliche Präsentationszeit in Stunden pro Jahr (h/a)

Unbegrenzt 3.000 3.000 300

z.B. 250 Tage z.B. 250 Tage z.B. 37 Tage


(bei 12h proTag) (bei 12h proTag) (bei 8h proTag)

Grenzwerte der Belichtung pro Jahr in lx h/a

Unbegrenzt 600.000 150.000 15.000

70
CEN/TS 16163

[63-65] Vergleich unterschiedlicher Licht- [66-70] Diese Tabelle gibt eine Übersicht lungsstärken. Weiterhin ist eine Zuordnung zu
quellen: Die Vorteile einer LED-Beleuchtung sind über mögliche Expositionszeiten. Die musealen den Empfindlichkeitskategorien oft schwierig,
hier gut zu erkennen, da diese nahezu UV- und Exponate sind in vier Empfindlichkeitsklassen wenn es sich um Mischproben handelt.
IR-frei ist. Damit lassen sich in der Praxis deutlich eingeteilt, denen jeweils ein Grenzwert der Be-
höhere Expositionszeiten und /oder Beleuch- leuchtungsstärke zugewiesen wird. Ausgehend Vor allem im Leihverkehr werden einzelne Ex-
tungsstärken erzielen. von den jeweils bekannten Schwellenbestrah- ponate mit einem Lichtpass versehen. Darin
lungszeiten werden daraus Grenzwerte für werden Beleuchtungsstärken und Expositi-
jährliche Belichtungen und Präsentationszeiten onszeit des Objekts vermerkt, aus denen sich
berechnet. die Strahlungsdosis errechnet. Der Lichtpass
legt in der Regel eine von der Empfindlichkeit
Diese Übersicht kann nur eine erste Empfeh- des Exponats abhängige jährliche Strahlungs-
lung sein. Sie rechnet vereinfachend nur mit dosis fest, die insgesamt nicht überschritten
Beleuchtungsstärken und nicht mit Bestrah- werden darf.

31
licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

71

Lichtwerkzeuge: Lichtdecken
Tageslicht zu simulieren, folgt dem Wunsch, jederzeit ein natürliches und qualitativ hochwertiges Ausstellungserlebnis
zu ermöglichen. Technisch ausgeklügelte Lichtdecken liefern dabei ein konstantes, von Wetter und Tageszeit
unabhängiges, UV-freies Licht.

Funktionale Lichtdecken stehen für licht- gang zwischen Decke und Wand. Durch-
starke, sich zurückhaltend in die Architektur gängige, fugenfreie Lichtdecken haben eine
eingliedernde Beleuchtungslösungen. Bei eigene Ästhetik, ihre Großflächigkeit verleiht
opaler Abdeckung entsteht eine dem be- dem Raum einen zurückhaltenden Charak-
deckten Tageslichthimmel ähnliche Lichtqua- ter. Sie lassen sich mithilfe flexibler Spann-
lität ohne UV-Strahlung. Milchüberfanggläser folien konstruieren und genau anpassen.
und Abdeckungen aus satiniertem oder Variable Spotsysteme ergänzen die Qualität
strukturiertem Glas für gerasterte Decken- einer Tageslichtdecke um die Möglichkeit,
[71] Klassische Kombination aus diffu- entwürfe ermöglichen die Montage von mit gerichtetem Licht Akzente auf Wand und
sem Licht über eine Lichtdecke und gerich- LED-Lösungen analog zum Profilraster. In Exponate zu setzen.
tete Spots. Villa Vauban, Luxemburg. jeder Lichtdecke entsteht Wärme, die gezielt
abgeleitet werden sollte. Für gutes, gleich- Tageslichtsimulation
[72, 73] Lichtdecken erzeugen gleich-
mäßiges, diffuses Licht im Raum. Damit mäßiges Licht (Abb. 73) sollte der Abstand b Wetterunabhängige Lichtdecken mit Tages-
die leuchtende Fläche homogen leuchtet, zwischen den einzelnen LED-Komponenten lichtqualität weisen konstant hohe Leucht-
sollte der Abstand zwischen den einzelnen gleich dem Abstand a zwischen LED-Kom- dichten zwischen 500 bis 1.000 Candela
LED-Lichtquellen nicht zu groß sein. ponenten und Lichtdeckenabschluss sein. pro m², bei ganz hohen Räumen sogar bis
2.000 Candela pro m² auf. Der ideale Raum
[74, 75] Das diffuse, weiche Deckenlicht
Raumproportionen, Charakter und Art der für eine Lichtdecke ist mindestens 6 Meter
sorgt für eine gleichmäßige Beleuchtung
von Wand und Raum. Lenbachhaus, gezeigten Exponate bestimmen Größe und hoch. Ist der Raum niedriger, ist ein Großteil
München. Einteilungen der Lichtdecke sowie den Über- des Sichtfeldes eingenommen. Das Licht

32
Lichtdecke mit künstlichem Licht

© licht.de
72

Lichtdeckendetail

73 © licht.de 74
© licht.de

könnte blenden. Dimmt man aus konserva-


torischen Gründen die Lichtwerte, geht die
Tageslichtqualität der Decke verloren. Sie
kann dann grau und erdrückend wirken.

Lichtfarben
Die Lichtfarbe prägt die (Licht-) Stimmung
und damit das Raum- und Ausstellungser-
lebnis. Modulationsfähige LED-Hinterleuch-
tungen in der Decke erzeugen unter-
schiedliche Weißtöne („Tunable White”),
die dem natürlichen Tageslicht sehr nahe
kommen.

Warmes Licht mit geringer Beleuchtungs-


stärke kann als angenehm oder festlich
empfunden werden. Kältere Weißlichttöne
mit hoher Lichtstärke wirken eher anregend
und aktivierend. Das „Einspielen“ bläulicher
Lichttöne kann sogar einen „Tageslicht-
himmel“ simulieren.

Lichtdecken sollten immer von Spezialisten


geplant und umgesetzt werden, da hier vie-
le Gewerke Hand in Hand arbeiten müssen.
Weitere Infos zu Tageslichtsystemen auf
den Seiten 34-35. 75

33
licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

Tageslichtsysteme
Noch im frühen 19. Jahrhundert waren Museumsräume vom Tageslicht abhängig. Mit der Erkenntnis, dass
Sonnenlicht die Exponate schädigt, ging man dazu über, Museen mit überwiegend künstlicher Beleuchtung zu
konzipieren. Heute werden Tageslichträume dank modernster Lichtsystemtechnik wieder sehr gerne eingeplant.

Von Tageslicht durchflutete Räume stellen Die ungünstige Wirkung von Tageslicht wird
für die Präsentation von Kunstwerken ei- mittels folgender Parameter bestimmt:
nen hohen Qualitätsfaktor dar. Tageslicht ▪ Bestrahlungs- und Beleuchtungsstärke
sorgt für einen positiven, hellen Gesamt- ▪ spektrale Verteilung der Strahlung
eindruck im Raum und bietet Orientierung ▪ Bestrahlungsdauer
zu Zeit, Ort, Wetter und Ausrichtung des ▪ relative spektrale Objektempfindlichkeit
Raumes. Zudem verfügt es über ein
relativ gleichmäßiges Spektrum und lässt In tagesbelichteten Museen müssen die
Gegenstände dadurch in ihren natürlichen positiven Aspekte natürlichen Lichts mit
Farben erstrahlen. den konservatorischen Anforderungen für
die Exponate in Einklang gebracht werden.
Die potenziell schädigende Wirkung des Die Lichtplanung sollte daher nur von
Tageslichts auf Exponate darf bei der erfahrenen Fachplanern vorgenommen
Lichtplanung allerdings nicht vernachläs- werden.
sigt werden. Lichtempfindliche Ausstel-
[76, 77] Moderne Lichttechnik kann lungsstücke erfahren durch die Einstrah- Tageslichtmuseum
nahezu unsichtbar Einfallsrichtung und lung von Tageslicht eine photochemische Im frühen 19. Jahrhundert arbeiteten die
Lichtverteilung einer natürlichen Lichtquelle öffentlichen Museumsbauten vollständig
Änderung. Möglicherweise verändert
nachempfinden. Hier gelangt Tageslicht
sich die Farbe durch Verblassen oder mit Tageslicht, da es keine Alternative für
über Reflektorflächen in den Raum, das di-
rekte Sonnenlicht wird ausgefiltert. Melden Nachdunkeln. Sogar Form, Struktur oder die Ausstellungsbeleuchtung gab. Schon
die Sensoren zu wenig Tageslicht, wird mit Oberfläche können massiv Schaden neh- früh kamen daher Oberlichter zum Einsatz.
indirektem Kunstlicht unmerklich nachge- men und reißen, splittern, austrocknen, Erst als in den 1950er und 1960er Jahren
holfen. Lenbachhaus, München. oder Ähnliches. Vor allem bei Aquarell- die Erkenntnis einsetzte, dass Sonnenlicht
und Ölmalereien werden im Museum eine teilweise schädigende Wirkung auf
[78, 79] Direktes Tageslicht wird über die
Prismen ausgefiltert, nur Licht aus nördli- bei Tageslichteinfall Farbveränderungen die Ausstellungsstücke hat, wurden nur
chen Richtungen dringt in den Innenraum. befürchtet. noch Museen mit ausschließlich künstli-
Kunstmuseum Ahrenshoop. cher Beleuchtung gebaut. In bestehenden

© licht.de
76 77

34
Häusern wurden vorhandene Lichtöffnun- das für Schäden, Raumerwärmung und unterschiedlicher Prismenstrukturen bezie-
gen verschlossen und die Ausstellungs- Blendeffekte verantwortliche direkte Son- hungsweise Drehungen der Prismenplat-
macher konzentrierten sich von nun an nenlicht auszublenden und zugleich nur ten an die projektspezifischen Anforderun-
auf fensterlose Räume. Dank der Weiter- das durch die Filterung weniger energierei- gen angepasst werden, die zum Beispiel
entwicklung modernster Steuerungs- und che, an sich diffusere Tageslicht gezielt in aus der geografischen Lage, der Neigung
Regelungstechniken für Tageslichtsysteme den Innenraum zu lenken. Allen Systemen der Verglasung, der Orientierung an der
ist heute der Einsatz von Tageslicht im ist dabei gemeinsam, dass sie auf einem Himmelsrichtung und vielem mehr entste-
Museum wieder möglich. richtungsabhängigen Transmissionsver- hen. Mit dem eher flachen und diffusen
halten mit Sperr- und Durchlassbereich Tageslicht allein kommt man allerdings oft
Oberlichter basieren. nicht aus. Als zusätzliche Komponente
Gemäldegalerien sind im Sinne einer sollte noch eine Akzentbeleuchtung über
klassischen Tageslichtbeleuchtung meist Tageslichtsysteme werden in zwei Strahler gesetzt werden.
mit Oberlichtern ausgestattet, die für eine Kategorien eingeteilt:
gleichmäßige, diffuse Beleuchtung sorgen. 1. Reflektorsysteme nutzen die hochwer- Reicht Tageslicht für die Beleuchtung
Das großflächig von oben einfallende tigen Reflexionseigenschaften verwen- des Raumes generell nicht aus, wird es
Tageslicht erreicht nahezu alle Bereiche deter Materialien und deren spezielle zusätzlich durch LED- oder Langfeldleuch-
eines Raumes, auch freistehende Vitrinen, Formgebung zur Erfüllung der jeweili- ten ergänzt oder ersetzt, die unterhalb der
Skulpturen und Stellwände. Es lässt wei- gen Funktion (Sonnenschutz/Lichtlen- Prismenverglasung angebracht werden
che Schatten im Raum entstehen. kung). und sich durch sehr gleichmäßiges Licht
2. Prismensysteme nutzen die am Prisma auszeichnen. Das Oberlicht wird dann
Tageslichtsysteme und ihre Möglichkeiten geltenden optischen Gesetze (Totalre- zum Raum hin mit einer Lichtdecke aus
In der Entwicklung von Tageslichtsystemen flexion/Brechung) und die Reflexion an Folienmaterial bezogen, das die Leuchten
geht es prinzipiell darum, die Vorteile und dünnen Aluminiumschichten. und Lichtlenkungssysteme verdeckt. Um
Qualitäten natürlichen Lichtes zu nutzen das bedarfsgerechte Zusammenspiel von
und seine Nachteile technisch zu kom- Anwendungsbereiche Tages- und Kunstlicht zu sichern, ist eine
pensieren. Dafür entwarf man optische Tageslicht integrativ zu nutzen, bedeutet, zentrale Lichtsteuerung notwendig. Nur
Komponenten, die zum einen wie ein es durch die Oberlichter einzufangen und so kann trotz des zusätzlichen Kunstlichts
effizienter und gleichzeitig lichtdurchlässi- auf die Wände zu richten, um lichtdurch- die Dynamik des Tageslichtes im Raum er-
ger Sonnenschutz wirken, zum anderen als flutete Ausstellungsräume zu schaffen. halten bleiben. Der Besucher erlebt damit
lichtlenkende Bauteile dienen. Tageslicht Nutzt man ein Prismensystem in einem eine einheitliche Lichtquelle an der Decke,
wird damit kalkulierbar einsetzbar, ohne Glasdach, kann dies die direkte Sonnen- die dezent in den Hintergrund tritt und der
dass es seine Dynamik verliert. Dabei Stationäres Prismensystem
einstrahlung reflektieren und nur das aus präsentierten Kunst den Vorrang lässt.
machen sich Hersteller verschiedene nördlicher Richtung auftreffende diffuse
optische Gesetzmäßigkeiten wie Reflexion, Tageslicht in den Innenraum hineinlassen.
Transmission und Brechung zu eigen, um Feststehende Systeme können mithilfe

78 79 © licht.de

35
licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

Licht für Ausstellungen im Freien


Ausstellungsflächen im Außenraum, wie Skulpturengärten, historische Freiluftmuseen oder Technikparks mit großen,
manchmal noch beweglichen Objekten, erfordern maßgeschneiderte, blendfreie Beleuchtungslösungen, die
zwischen Exponaten und Umfeld eine ästhetische und erläuternde Verbindung schaffen.

Bei einigen Museen liegen die Ausstel- gen in den Außenbereich. Eine erhöhte Prä-
lungsflächen überwiegend im Freien. senz des Museumsgeschehens und eine
„Freilicht“-Museen zum Beispiel bestehen Art „Markenidentität“ entstehen und wecken
aus historischen Dörfern, die die frühere Interesse. Beleuchtungskonzepte für Expo-
ländliche Lebensweise zeigen. Naturmuse- nate im Außenraum sollten mit denen des
en beherbergen große Außenräume, Natur- Museumsgebäudes korrespondieren.
landschaften, in denen Pflanzen, Vögel und
Insekten in ihrer Artenvielfalt zu sehen sind. Skulpturengärten im Außenraum
Kontexte und Bedingungen der einzelnen Skulpturenparks von Kunstmuseen erwei-
Museen sind sehr unterschiedlich. Allge- tern das Ausstellungsgeschehen um eine
mein gültige Regeln für die Beleuchtung zusätzliche Dimension. Bei Tageslicht von
lassen sich hier nicht aufstellen, jedoch allen Seiten gleichberechtigt sichtbar,
sollte Streulicht generell vermieden werden. lassen sich die Exponate bei Dunkelheit
durch Licht herausragend inszenieren.
Eingänge und Vorplätze Auch im öffentlichen Umfeld platzierte
Exponate auf Museumsvorplätzen und in abstrakte Skulpturen können ein echter
Eingangsbereichen erweitern Ausstellun- Blickfang sein und sich zu reizvollen

80 81

36
Skulpturenensembles in das Stadtbild ein- und Dynamik der Exponate häufig erst
fügen. Ihre nächtliche Beleuchtung sollte bewusst. Werden die Leuchten an Masten
vielschichtige Bezüge zur Umgebung montiert, lassen sich Lichtakzente aus
aufgreifen. Sie kann aus effizienten, lang- optimalen Einfallswinkeln setzen. Sinnvoll
lebigen LED-Scheinwerfern oder LED-Bo- ist zusätzlich eine Beleuchtung von unten
deneinbauleuchten bestehen. Zusätzlich mit Bodeneinbauleuchten oder am Boden
sollte, beispielsweise mit Drahtkörben, montierten Strahlern.
eine Vandalismussicherung montiert sein.
Archäologische Objekte
Technikmuseen Die Beleuchtung archäologischer Außen- [80] Skulpturengärten von Museen
können einen wesentlichen Teil der Aus-
In Technikmuseen findet man Exponate, objekte ist eine besondere Herausforde-
stellungsfläche bilden. Sind die Exponate
die – wegen ihrer Größe und Funktion – rung, da jedes Umfeld einzigartig ist. Ziel am Tag im Park von allen Seiten gleich-
kaum in geschlossenen Räumen gezeigt kann es daher nur sein, sich der opti- berechtigt sichtbar, erlebt man sie nachts
werden können, zum Beispiel Lokomo- malen Lösung zwischen Gestaltung und durch die Anstrahlung und Inszenierung
tiven, die noch betriebsbereit sind und Aufwand anzunähern. Die Platzierung völlig anders. Danubiana, Meulensteen Art
im Museumsbetrieb für Sonderfahrten von Lichtwerkzeugen im historischen Museum, Bratislava.
genutzt werden. Auch Flugzeuge werden Kontext muss sorgsam mit dem Denk-
[81] Die Kunsthalle in Emden, mit hell
häufig im Freien präsentiert und nachts malschutz abgestimmt werden. Für die erleuchteter Schiffsanlegestelle und von
effektvoll beleuchtet. Beleuchtung von Säulen bietet sich ein unten angestrahlter Skulptur.
Streiflicht aus Bodeneinbaustrahlern an.
Durch die sorgfältig inszenierte Prä- Fassaden, Torbögen und Wände werden [83] Antike Bauten und archäologische
Funde bedeuten lichttechnisch eine Her-
sentation im Freien durch eine diffe- je nach Gestaltungsansatz gleichmäßig
ausforderung. Jeder Ort ist aufgrund seiner
renzierte Anstrahlung, beispielsweise mit Wandflutern beleuchtet, spezielle besonderen Bedingungen einzigartig und
mit Außenraum-Beamern aus größerer Architekturelemente können durch Spots erfordert ein eigenes Lichtkonzept. Fori
Entfernung, wird dem Besucher die Größe akzentuiert werden. Imperiali, Rom.

82

Objektbeleuchtung im Außenraum
Das Spektrum der lichttechnischen Werkzeuge [82] und
planerischen Möglichkeiten im Außenraum ist im Prinzip
das gleiche wie im Innenraum. Nur die Leuchten und
die Montagevorrichtungen unterscheiden sich in ihrem
wassergeschützten Aufbau und der höheren Schutzklasse
für den Außeneinsatz. Auch für Blendschutz, Kontraste
und Lichtrichtung gelten die gleichen Gesetze. Allerdings
ist zu beachten, dass das Umfeld außen deutlich dunkler
und variabler ist. Die Umgebungsbedingungen verändern
sich fortlaufend durch Jahreszeiten und Wetter. Um die
Dreidimensionalität der Ausstellungsstücke hervor-
zuheben, sollten pro Objekt mehrere Lichtquellen mit
unterschiedlichen Ausstrahlwinkeln eingesetzt werden.
Die Lichtrichtung sollte immer blendfrei, vom Betrachter
abgewandt, gewählt werden. Als Leuchten eignen sich
Bodeneinbaustrahler oder fest montierte Außenstrahler. 83

37
licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

84

Licht für Fassaden


Ob klassizistischer Altbau oder postmoderne Architektur, Glas-, Beton- oder Stahlkonstruktion – die technischen
Möglichkeiten in der Beleuchtung von Fassaden und deren Akzentuierung in ihrem jeweiligen Umfeld durch den
gezielten Einsatz von Licht sind heute vielfältiger und ausgereifter denn je.

Betonen am Tage natürliche Lichtstim- 3. Räumlichkeit: Der Einsatz von Licht in


mungen architektonische Besonderhei- von innen heraus leuchtenden Fenstern
ten von Gebäuden, bietet der Einsatz oder beleuchteten Fensterlaibungen glie-
individueller, nächtlicher Beleuchtungs- dert die Fassade.
lösungen viele zusätzliche gestalterische
Möglichkeiten auf der Fassade. Drei Lichtwerkzeuge
Lichtdimensionen sind dabei besonders Je nach Planung kommen Bodeneinbau-
zu beachten: leuchten, LED-Liniensysteme oder ver-
schiedene Strahler für den Außenbereich
1. Fläche: Breitstrahlende Leuchten aus zum Einsatz. Ausgereifte Optiken, Reflek-
geringer Distanz oder lichtstarke Fluter, toren und Linsen steuern das Licht genau
z.B. an gegenüberliegenden Masten oder dahin, wo es auch gebraucht wird, ob mo-
Gebäuden, leuchten vertikale Ebenen dulierbar und blendfrei zur Ausleuchtung
gleichmäßig aus. Das flächig auftreffende von Details oder zur gleichmäßigen
[84] Akzentuierte Beleuchtung eines Licht lässt Fassaden gleichmäßig hell, Ausleuchtung von Wänden und vertikalen
historischen Gebäudes: Die Säulen werden aber weniger plastisch wirken. Plakatierungsflächen. Alle Komponenten
einzeln angestrahlt, der Sims oben und die
müssen natürlich wetterfest und vanda-
Treppen werden mit höheren Leuchtdichten
herausgehoben. Durch eine die Beleuch-
2. Plastizität: Nahe der Fassade an- lismussicher sein. Moderne Leuchten
tung der zurückliegenden Wand wird eine gebrachte, akzentuierende Leuchten mit effizienten Lichtquellen reduzieren
besondere Tiefenwirkung in den Arkaden schaffen Plastizität. Die gut kontrollierbare Lichtimmissionen und Lichtsmog. Studien
geschaffen. Kunstmuseum, Göteborg. Lichtverteilung bringt Details wie Simse, belegen, dass LED-Lösungen nicht nur
Vorsprünge und Fenster mit „dramati- viel Energie sparen, sondern auch weit
[89] Geflutete, architektonisch hochin-
schen“ Hell-Dunkel-Kontrasten verstärkt weniger Insekten anlocken als vergleich-
teressante Fassade, in der Klassizismus
und Moderne spielerisch gegenüberge- zur Geltung. In Kombination mit der flächi- bare Halogen-Metalldampflampen.
stellt werden. Militärhistorisches Museum, gen Beleuchtung entsteht so ein enger
Dresden. Bezug zur Architektur.

38
Wände und Texturen
Bei der Beleuchtung von Fassaden entscheidet unter anderem der Abstand der verwen-
deten Leuchten zur angestrahlten Wandfläche stark über die Wahrnehmung von Farbe,
Materialität und Oberfläche. Je nach Entfernung der Lichtquelle werden dabei ganz
unterschiedliche Aspekte betont.

Positioniert man eine Leuchte beispielsweise sehr nahe an der Mauer, wie in diesem
Beispiel [85] bei ca. 30cm, und richtet den Lichtkegel auf sie, beleuchtet das Licht die
auswölbende Oberfläche des Steins, während Einbuchtungen im Schatten verborgen
bleiben. Die Mauer erscheint damit in straken Hell-Dunkel-Kontrasten, Farben werden nur
85 86 sehr schlecht wahrgenommen. Es dominiert die Oberflächenstruktur, sodass die Mauer
dunkel und bedrohlich wirken kann.

Befindet sich die Leuchte in einem Abstand von ca. 90 cm vor der Mauer [86], ändert
sich das Bild: Die Oberflächenstruktur erscheint weniger dominant und man kann bereits
einige Farben erkennen.

Erhöht man die Distanz der Leuchte auf 3 m [87] bzw. 9 m [88], erscheint die Fläche
merklich weicher und flacher. Die Farben werden klarer und besser erkennbar, während
die Oberflächenstruktur immer unspezifischer wird. Das Auge kann hervorstehende und
eingebuchtete Stellen nicht mehr voneinander unterscheiden.

87 88

89

39
licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

Lichtsteuerung
Analysiert man als Anwender gezielt die Funktionen und Nutzungszusammenhänge der Räume eines Museums,
stellt man fest, dass einige mit konstanten Lichtsituationen auskommen, andere aber, in denen durch Umbau und
Wechselausstellungen mehr passiert, flexiblere, anpassungsfähigere Lichtlösungen brauchen.

Bei der Analyse des Lichtbedarfs in einem sondern arbeiten noch dazu hundert-
Museum begegnet man in der Ausgangs- prozentig nutzungsspezifisch. Auf diese
situation vielen Fragen: Besteht der Bedarf Weise ist es möglich, für Menschen mit
nach Flexibilität? Ist viel oder wenig Licht unterschiedlichen Aufgaben und Seh-
gefordert? Wird eine Anstrahlung von einer notwendigkeiten im Museum – und zwar
bestimmten Seite benötigt? Es kann auch nicht nur für die Besucher im Ausstel-
mal sein, dass die Beleuchtung in angren- lungsraum – genau das passende Licht
zenden Raumzonen stört oder dass Tages- einzustellen, sei es in der Restaurations-
licht in so ausreichendem Maße vorhanden werkstatt, im Büro des Museumsdirektors,
ist, dass man auf das künstliche Licht in in der Bibliothek und im Archiv, für die
bestimmten Tagesphasen gänzlich ver- Kuratorin und ihr Ausstellungskonzept
zichten kann. Dieses setzt voraus, dass oder die Gäste im Museumscafe, um nur
die elektro- und lichttechnische Infrastruk- einige zu nennen.
tur das Anbinden von Lichtsteueranlagen
ermöglicht. In Zukunft wird das immer Intelligentes Lichtmanagement
mehr Stand der Technik sein. Moderne Lichtmanagementsysteme
können diese Leistungsstärke vor allem
Moderne Licht- und Steuerungskonzepte durch den Einsatz intelligenter Sensorik
bieten optimal „smarte“ Verknüpfungen und Software anbieten. Professionelles
von intelligenten, steuerbaren Leuchten Lichtmanagement bedeutet für Museen
mit Dimmfunktionen und veränderbaren eine deutliche Differenzierung im Wett-
Lichtfarben , Bedienelementen, Tages- bewerb, beispielsweise in Form einer auf
licht- und Bewegungssensorik sowie Flexibilität ausgelegten Beleuchtung, die
elektronischen Vorschaltgeräten und nicht nur Energie spart, sondern darüber
Steuergeräten. Sie können nicht nur die hinaus den Museumsbesuch durch die
Lichtintensität und -qualität steuern und Inszenierung passender Lichtstimmungen
dabei den Energieverbrauch senken, zu einem Erlebnis macht.

[90] Über ein Laptop lassen sich die


einzelnen Beleuchtungskomponenten des
Raumes ansteuern und justieren.

[91, 92] Sich farbig veränderndes Licht


im Museumsfoyer begrüßt die Besucher
mit dynamischen Lichtsequenzen. Palacio
Ferreyra, Córdoba, Argentinien. 90

40
91 92

Ein weiterer Vorteil für die ­verantwortlichen Intelligentes Gebäudemanagement nisch, aber auch autark funktionierenden
Museumskuratoren, Techniker und Künstler Für diese komfortablen Funktionalitäten Komponenten in einem Gebäude oder im
ist, dass sie sich das Licht gezielt pas- in Gebäuden stellen Licht- und Elektro- öffentlichen Raum bereits mit einer indivi-
send und sinnvoll akzentuierend zu den industrie, aber auch die IT-Branche ein duellen IP-Adresse ausgestattet sein.
Exponaten einstellen können. Mehrkana- umfassendes Repertoire an Gebäudeau-
lige LED-Leuchten lassen sich in ihren tomationssystemen mit passender Anwen- Lichtsteuerungssysteme müssen vor allem
spektralen Anteilen variieren und in ihrer dungssoftware zur Verfügung. aber auch bedienbar bleiben. Schon in der
Farbtemperatur (K) verändern. Auch die Konzeptionierungsphase sollte der System-
Bestrahlungsleistung [W/m²] lässt sich ge- Als klassische, drahtgebundene Technolo- integrator dieses Ziel sicherstellen. Über
mäß konservatorischen Kriterien reduzieren. gien im Bereich der Lichtsteuerung haben eine leicht verständliche Bedienschnittstelle,
Zusätzlich zur Lichtvariabilität sind Leuch- sich Programme wie Digital Addressable zum Beispiel mittels einer logischen App für
ten an unzugänglichen Stellen oder in sehr Lighting Interface (DALI), Digital Multiplex Lichtszenerien, lässt sich dies unkompliziert
hohen Räumen über Steuerungen auch in (DMX) oder KNX seit langem bewährt. ermöglichen. Im Kern sind Lichtmanage-
ihrer Position veränderbar. Sie lassen sich mentsysteme höchst komplex, doch mit der
elektronisch drehen und schwenken. Und In den letzten Jahren sind mehr und mehr entsprechend intuitiv bedienbaren Steue-
selbstverständlich kann man sich über Systeme dazugekommen, die auf Funk- rung steht einer Nutzerfreundlichkeit nichts
diese Systeme jederzeit „on demand“ zu basis (ZigBee, Bluetooth), W-LAN oder im Wege.
ihrem Energieverbrauch informieren und LAN/Ethernet aufsetzen. In naher Zukunft
Verbrauchsauswertungen erstellen. dürften vermutlich sämtliche elektrotech-

Sicherheitsbeleuchtungssysteme
Sicherheitsbeleuchtungssysteme [93] in öffentlichen Gebäuden schalten sich auto-
matisch ein, wenn die Allgemeinbeleuchtung ausfällt. Sie ermöglichen damit den
Besuchern, sich auch im Notfall im Gebäude zurechtzufinden und es bei Gefahr
schnell zu verlassen. Voraussetzung dafür sind Sicherheits- und Rettungszeichen-
leuchten. Sie zeigen Rettungswege nach draußen sowie zu Schutzeinrichtungen auf
und ermöglichen so auch einen schnelleren Zugriff auf Feuerlöscher. Damit helfen sie,
Gefahren für Menschen in Gebäuden zu reduzieren und Leben zu retten. Gemäß DIN
EN 1838 ist eine horizontale Beleuchtungsstärke von mindestens einem Lux auf der
Mittelachse eines bis zu zwei Meter breiten Rettungsweges vorgeschrieben.

Detaillierte Informationen hierzu sind im licht.de Heft 10 Notbeleuchtung,


Sicherheitsbeleuchtung zu finden.

93

41
licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

Dynamische Inszenierung, Lichtkunst


Nach dynamischen Beleuchtungskonzepten inszenierte Gebäude erscheinen immer wieder in neuem Licht
und ziehen damit die Blicke auf sich. Lichtkunst als Stilmittel geht sogar noch einige Schritte weiter. Sie hat
sich im letzten Jahrhundert regelrecht als eigenständige Kunstrichtung etabliert.

Künstliches Licht wird in unserem Umfeld für Bilder und Botschaften dienen, die „auf-
überwiegend eingesetzt, um Sehbedingun- rütteln“ und zum Nachdenken anregen kön-
gen zu verbessern, sich im Dunklen gut nen oder einfach nur einer ganz eigenen
orientieren zu können oder für mehr Sicher- Ästhetik dienen.
heit zu sorgen. Neben diesen funktionalen
Aspekten gilt es aber auch, Objekte zu Durch unsere natürliche Umgebung sind
illuminieren und im Dunklen sichtbar zu wir an dynamische Lichtveränderungen
machen. gewöhnt. Schon das Tageslicht weist
durch seine stetige Bewegung und ständig
Eine dynamische Inszenierung mit Licht wechselnde Zustände eine ausgeprägte
ergänzt die reine Beleuchtung um eine Dynamikbandbreite auf. Unser Umfeld
­weitere Qualität. Gebäude oder Objekte wirkt lebendig und abwechslungsreich. Will
werden in einer Weise in Szene gesetzt, man diese Lebendigkeit oder eine eigene
dass sie die Umgebung formal bereichern. gestalterische Dynamik mit künstlichem
Immer wieder sollen sie in neuem, bei- Licht nachts oder innerhalb von Gebäuden
spielsweise unterschiedlich farbigem Licht erzeugen, gibt es verschiedene technische
erscheinen oder sogar als Projektionsfläche Möglichkeiten.

94 95

42
Eine recht einfache Herangehensweise an Immer häufiger begegnet man dauer- Glow in Amsterdam oder im Zentrum für
die Komposition von Lichtdynamik kann haften Lichtinstallationen, die Bauwerke Lichtkunst in Unna. Sie machen das Licht
die Verwendung zweier unterschiedlicher besonders in Szene setzen und optisch als eigenständiges Kunstwerk erlebbar.
Lichtfarben sein, um einen lebendigen Kon- von der Umgebung absetzen wollen.
trast zu erzielen. Hierbei wird der Ausstel- Diese Form der dynamischen Beleuch-
lungsraum in einen kalten Lichtton (8.000 tung, oft auch als ”Architainment” bezeich-
Kelvin) getaucht und das Exponat mit net, ist nur in Feinabstimmung mit dem
akzentuiertem, warmweißem Licht (2.700 K) Landschafts- und Städtebau sowie den
angestrahlt. Dynamik bedeutet also nicht Umweltschutzbehörden möglich. Vorga-
zwingend nur, zeitlich sich verändernde ben und Regelungen dafür werden meist
Lichtzustände zu schaffen, sondern kann in sogenannten Masterplänen oder Licht-
durch gezielte Lichtdifferenzierung auch leitwerken niedergeschrieben, die in vielen [94] Warmweiß beleuchtete Objekte he-
innerhalb eines Raumes erzeugt werden. Städten von fachkundigen Lichtbeiräten ben sich besonders gut von einem kaltwei-
mitentwickelt wurden. ßen Hintergrund ab. Fundación Cristóbal
Um das passende dynamische Lichtkon- Balenciaga, Getaria, Spanien.
zept für ein Museum bzw. eine Ausstel- Lichtkunst
[95] Die Besucher werden animiert, selbst
lung zu kreieren, ist das richtige Gespür Licht wird jedoch nicht nur genutzt, um
aktiv zu werden. Energeticon, Alsdorf.
für Raum und Kunst gefordert sowie die Gegenstände oder architektonische
Fokussierung auf die wichtigsten Details. Besonderheiten hervorzuheben. Auch das [96] Fassadeninszenierung zum Jahr
Nur bei einer perfekten Dynamik zwischen Licht an sich wird um seiner Faszination des Lichts 2015. Mit 200 Strahlern wird
Licht, Raum und Exponat entsteht ein für willen präsentiert und hält als „Lichtkunst“ die Fassade durch wechselnde Lichtbilder
in Szene gesetzt. Deutsches Museum,
den Betrachter beeindruckendes opti- Einzug in unser tägliches Leben. Licht-
München.
sches Erlebnis. Ein erfahrener Lichtplaner künstler präsentieren ihre kreativen Ideen
weiß, wie eine gezielte Lichtdifferenzierung auf den verschiedensten Lichtveranstal- [97] Lichtkunst im Zentrum für Internatio-
erzeugt wird. tungen, wie der Luminale in Frankfurt und nale Lichtkunst, Unna.

96 97

43
licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

99

98

100 101

44
Licht für interaktive Ausstellungen
Anders als im klassischen Museum, durch das der Besucher sich mithilfe einer Ausstellungsbroschüre navigiert
oder den erläuternden Worten eines Tour-Guides lauscht, erlebt der Besucher eines interaktiven Museums sofort
eine direkte Wechselbeziehung zwischen sich und dem betrachteten Objekt.

Moderne Museums- und Ausstellungs- Weltraumtechnik in den Weiten des


konzepte setzen auf Interaktion, durch die Universums zu verstärken. Ergänzend
jeder Besucher tiefer in die Welt und den aktivierte Bildprojektionen laden unweiger-
Kontext der Exponate eintauchen kann. lich zu einem Ausflug ins All ein. Lichtre-
Durch dieses Prinzip und die entsprechen- flexe lassen Eishöhlen zu faszinierenden
den technischen Funktionen gelingt es Erlebniswelten werden. Fokussiertes Licht
nicht nur, einen größeren, sondern auch lenkt die Aufmerksamkeit auf bestimmte
einen heterogenen Interessentenkreis aus Dinge im Raum und gezielte Dunkelheit
jüngeren wie älteren Menschen auf ver- blendet irrelevante Bereiche aus. Leben
schiedenen Ebenen zu erreichen. Grund- und Untergang der Dinosaurier lässt sich
sätzlich sind dem technisch Machbaren noch spannender und vielschichtiger un-
keine Grenzen gesetzt. Kuratoren und termalen, wenn Besucher aus Animations-
Techniker haben viele Gestaltungsmöglich- effekten zwischen „Alltag” und „Dramatik”
keiten für Innovatives, um sich interaktiv wählen können.
nahezu uneingeschränkt im Museum zu
bewegen. Licht spielt dabei eine sehr Technologisch gesehen, hat die Z ­ ukunft
wichtige Rolle. Es kann weit mehr leisten, der Lichttechnik im Museum schon be-
als einen Raum „nur” zu beleuchten. gonnen: Die Didaktik trifft bereits die
Smartphone Community. Mittels drahtloser
Licht als Informationsträger Verbindung zwischen Mobiltelefon und
In der Interaktion des Besuchers mit Beleuchtungsanlage sind beispielsweise
Gegenständen oder Experimenten einer individuelle Themenrouten, Informations-
Ausstellung lässt sich Licht gezielt als abfragen und direkte Interaktionen mög-
Informationsträger oder Signal für Feed- lich. Entsprechende Apps können auf der
backs einsetzen. Dafür muss ein Impuls- Homepage des Museums downloadbar
austausch zwischen Experiment und sein. So lässt sich der Museumsbesuch
Beleuchtungsanlage stattfinden. Moderne sehr individuell planen und gestalten,
Lichtsysteme können derartige I­mpulse spannende Erkenntnisse oder Bilder von
verarbeiten und mit entsprechenden Exponaten können direkt gepostet und mit
Lichteinstellungen reagieren. Bei einem Freunden geteilt werden. Darüber hinaus
[98] Große und kleine Museumsbesucher Kälte-Wärme-Experiment beispielsweise liefern diese Apps dem Betreiber anhand
werden von anfassbaren Objekten ange- kann die Beleuchtung durch entspre- von Auswertungen, Points of Interest und
sprochen. Die Beleuchtung sorgt für einen chende Lichtfarben bestimmte Einstellun- Nutzerdaten ein wertvolles Feedback.
schwebenden Charakter der Exponate.
gen signalisieren. Moderne Museen und Ausstellungen sind
Planetarium, Moskau.
somit auch in der Welt der Social Media
[99] Interaktion sorgt für Aktivität der Interaktive Lichtkonzepte angekommen.
Museumsbesucher. Bei der Beleuchtung Lichtplaner und Museumsmitarbeiter
von Bildschirmen muss auf Blendfreiheit können heute auf ein enormes Portfolio
geachtet werden. Energeticon, Alsdorf. an Licht- und Steuerungstechnik zu-
rückgreifen und Lichtkonzepte zu jedem
[100] Ausstellungs- und Museumshin-
weise können per App abgerufen werden. gewünschten Thema umsetzen. Aus-
Licht und Ton werden, durch den Standort stellungsbereiche lassen sich gezielt in
des Nutzers gesteuert, am jeweiligen Ort bestimmte Lichtstimmungen tauchen, um
automatisch abgespielt. Städel Museum, eine passende Atmosphäre zu schaffen
Frankfurt am Main.
und die Wahrnehmung des Betrachters
[101] Die blau beleuchteten Wände er-
zu steuern. So eignet sich beispielsweise
innern an Arbeiten von Yves Klein. Palacio bläulich-kaltes Licht gut, um Erwartun-
Ferreyra, Córdoba, Argentinien. gen der Besucher an die faszinierende

45
licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

102 103

Energieeffiziente Sanierungskonzepte
Nicht nur aus Gründen der Kostenersparnis, auch in Bezug auf die Verantwortung für kommende Generationen
wird ein umsichtiger Umgang mit Energie und Ressourcen immer wichtiger. Jeder Neubau, jede Sanierung, auch
von Museumsgebäuden, bietet die Chance einer energieeffizienten Aus- oder Umrüstung.

Seit 1992 gibt es staatenübergreifende Kli- Effizienter Umgang mit Licht im Museum Lichtleisten, 58W/940 KVG, erzeugt eine
maschutzkonferenzen, die im europäischen Neben der Aufgabe, dem Besucher den Anschlussleistung von ca. 4.900 W. Bei
Rahmen mit Richtlinien wie der 2010/31/EU Aufenthalt so angenehm und i­nteressant jährlich 2.500 Betriebsstunden und 0,2 €/
EPBD (Energy Performance of Buildings wie möglich zu gestalten, spielt im Aus- kW/h Strompreis entstehen jährlich Strom-
Directive) Regeln für die Gesamtenergie- stellungskonzept auch der sensible und verbrauchskosten in Höhe von 2.450 €.
effizienz von Gebäuden vorgeben. Diese damit energiebewusste Umgang mit Licht Ersetzt man die älteren Lichtleisten durch
beziehen sich auf Energieeffizienz, umwelt- eine entscheidende Rolle. Bis zu 50 lineare LED-Leuchten (Lichtausbeute ca.
gerechte Gestaltung sowie die Lichttechnik Prozent des gesamten Energiebedarfs 125 lm/W bei gleicher Lichtfarbe), werden
in Gebäuden (näheres auf www.licht.de). eines Hauses können auf die Beleuchtung schnell 50% Strom gespart. Eine Amortisa-
entfallen. Akzentuierung, Hinterleuch- tionsrechnung gibt Auskunft über den ROI
Die Richtlinie 2002/91/EG (national als tung, indirekte Ausleuchtung, Licht aus (Return on Investment).
Energieeinsparverordnung (EnEV)) zur Vouten, Lichtdecken, Tageslichtergänzung,
Gesamtenergieeffizienz bezieht sich auch vertikale Beleuchtung, Vitrinenlicht und Auch in den anderen Nutzungsbereichen
auf Einrichtungen und Nutzflächen von vieles mehr erfordern sorgfältige, fachliche des Museums, wie Verwaltung, Werkstät-
mehr als 500 Quadratmetern für gewerb- Lichtplanung und eine energieeffiziente ten, Technik, Lager, Bibliothek, Vortrags-
liche, freiberufliche, kulturelle, soziale Lichttechnik. Besonders bei Lichtkonzep- räumen, Cafeteria, usw. ergeben sich
oder behördliche Zwecke mit starkem ten mit Vouten oder Lichtdecken muss auf weitere Sanierungspotenziale.
Publikumsverkehr und nimmt Einfluss die effiziente Auswahl transmittierender
auf Produkte und Planungsprozesse. Für oder reflektierender Materialien geachtet
Museumsneubau, Verkauf, Neuvermietung werden.
oder Verpachtung ist unter Anwendung
der Berechnungsmethode DIN V 18599 ein Sanierung am Beispiel: Lichtdecke mit
EnEV-(Energieeinsparverordnungs-)Nach- zwischenmontierter Blendrasteroptik
weis verpflichtend. Lichtdecken sind Teil einer Beleuchtungs- [102] Die „Pink Lounge” wird mit linearen
strategie, deren Ziel eine gleichmäßige LED-Einbauleuchten von der Decke aus
Förderprogramme Ausleuchtung der Ausstellungsräume mit homogen und energieeffizient beleuchtet.
Verschiedenste Fördermaßnahmen des Tageslichtanmutung ist. In vielen Museen Museo Jorge Rando, Málaga, Spanien.
Bundes, der Länder und der Kommunen werden diese Lichtdecken noch mit her-
[103] Mit der Sanierung wurde hier die
unterstützen energieeffiziente Sanierungs- kömmlichen Leuchtstofflampen und kon- Shed-Tageslicht-Beleuchtung um moder-
maßnahmen. Weitere aktuelle Infos sind auf ventionellen Vorschaltgeräten betrieben. ne LED-Strahler ergänzt. Lenbachhaus,
www.licht.de zu finden. Eine 30 m² große Lichtdecke mit 70 München.

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Checkliste Sanierung
Parameter für Sanierungsvorhaben Projektbeteiligte
Raum für Notizen, Hinweise und Zuständigkeiten
Museum: Baubeteiligte: Bauherren-
Museumsleiter, Technischer vertreter, Öffentliche Hand,
Leiter, Kurator, Restaurator / Politik, Facility-Manager,
Konservator, Wissenschaftler, Architekt, Lichtplaner, Elektro-
Eigentümer, Förderverein, planer, Elektriker, Ausstel-
Vorstand lungsplaner

1:1 Leuchten-Austausch oder Neuplanung?


Soll mit der Sanierung auch die Lichtqualität und Lichtrichtung verbessert werden, ist eine de-
taillierte Lichtplanung mit neuen Montageorten der Leuchten erforderlich. Beim einem reinen 1:1
Austausch muss die Effizienz und Lichtqualität der Leuchten und Lichtquellen verglichen werden!
Helligkeitsniveau
Welche Beleuchtungsstärken [lx] und Leuchtdichten [cd/m²] fordern die Richtlinien und sind
einzuhalten? Verschiedene Funktionen und Bedürfnisse der Menschen im Gebäude beachten!
Grundsätzlich ist eine individuelle Abstimmung mit den Objektverantwortlichen zu empfehlen.
Amortisationszeit
Zu beachten: Helligkeitsniveau der Neuanlage, Energieverbrauch vorher/nachher, reale Brenn-
zeiten, Tageslichtnutzung, Lichtmanagementsystem, Kosten Installationsaufwand, Systemeffi-
zienz der Neuanlage, Lebensdauer von Betriebsmittel und Lichtquelle, Kosten Neuanlage, …
Ausstellungskonzept: Flexibilität ermöglichen
Ausstellungskonzepte sind oft temporär und variabel, gerade bei Wechselausstellungen. Bei
der Sanierung sollte auf eine flexible und an die unterschiedlichen Bedürfnisse anpassbare
Lichtlösung geachtet werden.
Lichtkonzept
Flutung, Akzentuierung, Framing etc. Kriterien zur Auswahl der geeigneten Lichtwerkzeuge
festlegen! Auch alle Funktions- und Nebenräume dabei beachten!

Lichtmanagement: Schaltung und Steuerung


Moderne Leuchten und Lichtmanagementsysteme ermöglichen eine flexible, immer der Situa-
tion angepasste Lichteinstellung (Leuchten werden automatisch gesteuert). Das spart Energie,
reduziert die Wartung und wirkt sich positiv auf die Amortisationszeit aus.
Materialien im Raum/Lichtreflexion
Für eine effiziente Beleuchtung beachten: Dunkle Materialien und Flächen reduzieren über
die Lichtreflexion die Gesamthelligkeit im Raum. Bei den Lichtberechnungen müssen diese
Faktoren mit einbezogen werden.
Gütekriterien Beleuchtung ermitteln
Lichtfarbe und Farbwiedergabe beachten! Lichtquellen können bei unterschiedlichen Farb-
wiedergaben trotz gleicher Leistung unterschiedliche Lichtausbeuten [lm/W] aufweisen. Bitte
Herstellerangaben beachten und ggf. Einfluss auf die Amortisationszeit prüfen.
Betriebsbedingungen der Beleuchtungsanlage
Zusammenhang zwischen Temperatur, Lichtstromverhalten, Lebensdauer und Lichtfarbe
beachten! Einbausituation auch hinsichtlich Temperaturentwicklung prüfen (Wärmestau in
Vouten und Hinterleuchtungen ausschließen)!
Nutzungszeiten ermitteln
Anhand der Nutzungszeiten lassen sich die notwendigen Betriebszeiten für die Lichtanlage ab-
leiten. Es empfiehlt sich, diese für jeden Raum gesondert zu ermitteln und zu hinterfragen. Hier
besteht ein großes Einsparpotenzial. Die Lichtsteuerung kann für „light on demand“ sorgen.
Tageslicht
Tageslicht spart Energie, kann aber empfindlichen Objekten schaden! Für konservatorisch
unproblematische Bereiche kann Tageslicht mit Steuerungssensorik eingesetzt werden.

Konservatorik
Lichtstrahlung und die Einwirkdauer kann schädliche Auswirkungen auf Objekte haben.
IR- und UV-Schutzmaßnahmen für Leuchten und Lichtquellen beachten! Herstellerangaben
bezüglich Lichtspektrum und Farbwiedergabe geben Aufschluss über Schädigungspotenzial.
104 © licht.de

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licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

Lichttechnische Grundbegriffe
Grundgrößen der Lichttechnik Die Beleuchtungsstärke E erfasst den erhellt dann umso stärker die Umgebung.
Die gesamte, ringsum sichtbare Lichtleis- Lichtstrom, der von einer Lichtquelle auf Bei weißen Wänden und Decken liegt der
tung eines Leuchtmittels entspricht dem eine definierte Fläche trifft. Diese in Lux Reflexionsgrad bei ρ = 80 Prozent.
Lichtstrom Φ. Gemessen in Lumen (lm), (lx) angegebene Größe ist wichtig für die
berücksichtigt dieser auch die Helligkeits- Dimensionierung der Innenbeleuchtung. Blendung
empfindlichkeit des menschlichen Auges. In den Normen DIN EN 12464 Teil 1 und 2 Blendung vermindert Sehleistung und
„Licht und Beleuchtung – Beleuchtung Sehkomfort. Direktblendung wird von
Die Lichtausbeute η misst das Verhältnis von Arbeitsstätten in Innenräumen und Leuchten oder sehr hellem Tageslicht ver-
von Lichtstrom zu elektrischer Leistung im Freien“ werden entsprechende Werte ursacht, kann aber auch durch Reflexe,
und damit die Wirtschaftlichkeit eines vorgegeben. Spiegelungen auf glänzenden Ober-
Leuchtmittels. Die Maßeinheit ist lm/W. Bei flächen entstehen. Lichtquellen sollten
einem Leuchtenvergleich über lm/W müs- Leuchtenbetriebswirkungsgrad deshalb in Blickrichtung abgeschirmt und
sen zudem die Verluste durch Vorschaltge- Er beschreibt das Verhältnis abgegebenen richtig eingestellt sein.
räte berücksichtigt werden. Lichtstroms einer Leuchte zum Lichtstrom
der verwendeten Leuchtmittel und wird Schatten und Modelling
Die Lichtstärke I, gemessen in Candela (nach DIN EN 13032-2 „Messung und Dar- Lichtstärke, Lichtrichtung und Schattigkeit
(cd), bewertet die Lichtmenge, die in eine stellung photometrischer Daten von Lam- müssen stimmen, damit Gegenstände,
bestimmte Richtung abgestrahlt wird. Sie pen und Leuchten – Teil 2: Leuchten für wie zum Beispiel Skulpturen, Reliefe und
ist als Lichtstrom pro Raumwinkel definiert die Innenraum- und Außenbeleuchtung“) Texturen, erkannt und plastisch wahrge-
und wird von lichtlenkenden Elementen wie auch als „Light Output Ratio“ (LOR) be- nommen werden. Im Modelling ist das
Reflektoren beeinflusst. Die Lichtstärke- zeichnet. Bei vielen LED-Leuchten wird oft Verhältnis von diffusem zu gerichtetem
verteilungskurve (LVK) zeigt das Lichtaus- auch ein LOR von 100% angegeben, da Licht ausgewogen.
strahlungsverhalten der jeweiligen Leuchte. das LED-Leuchtmittel fest mit der Leuchte
verbunden ist. Wartungswert
Die Leuchtdichte L ist die photometrische Der Wartungswert ist der auf eine be-
Helligkeitsgröße einer selbstleuchtenden Reflexionsgrad ρ stimmte Fläche bezogene Wert in Lux,
oder beleuchteten Fläche. Die Maßeinheit Der Reflexionsgrad sagt aus, welcher unter den die mittlere Beleuchtungsstärke
Candela/Quadratmeter (cd/m²) gibt die Anteil des auftreffenden Lichtstroms – auf einer bestimmten Fläche nicht sinken
Lichtstärke auf einem definierten Ausschnitt abhängig von Farbe und Oberflächenbe- sollte. Abnutzung, Verschmutzung und
dieser Fläche an, wobei die Leuchtdichte schaffenheit – von Flächen reflektiert wird. Alterung von Lampen, Leuchten und
stark vom Reflexionsgrad der beleuchteten Er verbessert sich mit zunehmender Hellig- Räumen verringern die Beleuchtungs-
Fläche abhängt. keit und/oder Glätte der Oberfläche, und stärke. Neuanlagen müssen mit höheren
Beleuchtungsstärken dimensioniert wer-
den (Neuwert), um diese Verringerung zu
kompensieren. Bei der Lichtplanung wird
diese Abnahme mit dem Wartungsfaktor
Wartungsfaktor erfasst:
Neuwert Wartungswert = Wartungsfaktor x Neuwert
Mittlere Beleuchtungsstärke E

Ein Lichtmanagementsystem kann unter


anderem den Wartungswert über die
Wartungswert Betriebszeit regulieren und so Energie
einsparen.
Anlagenwert
ohne Wartung
Wartungsfaktor MF (maintenance factor)
Der Wartungsfaktor ist definiert als Verhält-
nis von Wartungswert zu Anfangswert der
Beleuchtungsstärke. Er errechnet sich aus
dem Produkt von Lampen-Lichtstromrück-
0 1 2 3 4 5
gang LLMF, Lampen-Lebensdauereinfluss
Betriebszeit in Jahren
LSF, Leuchtenverschmutzungseinfluss LMF
105 © licht.de
und Raumverschmutzungseinfluss RMF.

48
Ansicht mit Spiegelung: Ansicht ohne Spiegelung: Gute Farbwiedergabe: Schlechte Farbwiedergabe:

106 107 108


00 109

Lichtfarben werdender Wellenlänge steigen Ener- Halbstreuwinkel


Lichtfarben bestimmen Raumeindruck gie und Schädlichkeit der Strahlung an. Da der Halbstreuwinkel (auch Ausstrah-
und Wiedergabe der Exponate durch Entscheidend in der Konservatorik ist, lungswinkel, Halbwertswinkel oder
die Farbtemperatur der künstlichen welches Spektrum die gewählte Licht- Öffnungswinkel) der in der Lichttechnik
­Lichtquelle in Kelvin (K). Niedrige ­Werte quelle hat und ob es Filter oder andere gebräuchlichste Strahlungswinkel ist, wird
stehen für warmtonige Beleuchtung, lichtlenkende Materialien gibt. LED- sein Wert häufig vom Leuchtenhersteller
höhere für kühlere. Man kann sie in drei Lichtquellen weisen nahezu kein UV- und angegeben. Vom menschlichen Auge
Kategorien einteilen: Warmweiß (Farb- IR-Licht auf. Sie sind daher grundsätzlich nicht wahrnehmbar, beschreibt er einen
temperatur unter 3.300 K), Neutralweiß zu bevorzugen. messtechnisch relevanten Bereich von
(zwischen 3.300 K und 5.300 K) sowie Ta- Strahlung, mit dem eine abstrakte Grenze
geslichtweiß (mehr als 5.300 K). Warmwei- Relative spektrale Objektempfindlichkeit (Abgleich) definiert wird. In diesem Winkel
ßes Licht betont rote und gelbe Farben, Sie wird durch die unterschiedlichen Ma- sinkt die Lichtstärke zwischen zwei Punk-
höhere Farbtemperaturen betonen blaue terialien bedingt: Organische Verbindun- ten auf 50 Prozent des Maximalwertes ab.
und grüne Farben. gen sind besonders anfällig für photo- Ein Halbstreuwinkel misst außerdem den
chemische Veränderungen, anorganische Durchmesser eines Lichtkegels. Gemäß
Farbwiedergabe sind meist stabiler. DIN 5040 gilt der Halbstreuwinkel bis 10°
Der Farbwiedergabeindex Ra hängt als engbündelnd, von 10° bis 35° als bün-
vor allem von Art und Qualität eines Bestrahlungsstärke E [W/m²] delnd und über 35° als breitstrahlend.
Leuchtmittels, also der spektralen Zu- Die gesamte Strahlungsleistung, die auf
sammensetzung des Kunstlichts ab und die betroffene Oberfläche trifft, misst man 30° Museumswinkel
bewertet die Wiedergabe von Farben in W/m². Sie entspricht nicht der Beleuch- Für die Gemälde- und Skulpturenbeleuchtung
bei künstlicher Beleuchtung. Werte von tungsstärke, denn diese Strahlungsleis- sollte das Licht idealerweise in einem Licht-
Ra = 100 bedeuten eine sehr gute Farb- tung wird vielmehr mit der Empfindlich- einfallswinkel von 30° - dem sogenannten
wiedergabe. Moderne LED-Lichtquellen keitskurve des Auges bewertet. „Museumswinkel“ - einfallen. Wählt man einen
erreichen sehr gute Werte. steileren Einfallswinkel, wäre ein störend
Der Schwellenbestrahlungswert starkes Streiflicht die Folge, das lange Schatten
Kontrast Die Überschreitung einer Schwelle von auf dem Exponat erzeugt. Bei mehr Abstand
Kontrast ist der Unterschied zwischen unsichtbarer zu sichtbarer Veränderung zwischen Leuchte und Museumsobjekt besteht
zwei Objekten oder einem Objekt und der Kunst durch Lichteinstrahlung defi- das Risiko, dass der Betrachter selbst Schatten
seiner Umgebung in Leuchtdichte oder niert man als Schwellenbestrahlungswert. auf Bild oder Skulptur wirft.
Farbe. Mit sinkendem Kontrast steigt die Für jedes Material lässt sich ein eigener,
Schwierigkeit einer Sehaufgabe. normierter Wert ermitteln, der sich in
­bestimmte Empfindlichkeitskategorien
Kontrastwiedergabe einordnen lässt. Lichtschäden addie-
Kriterium für die Begrenzung der Re- ren sich auf und sind irreversibel, eine
flexblendung. Die Kontrastwiedergabe Regeneration erfolgt nicht. Maßgeblich für [105] Wartungsfaktor: Entwicklung der
wird durch den Kontrastwiedergabe- eine Schädigung ist immer die Dosis der Beleuchtungsstärke mit/ohne Wartung.
faktor (CRF) beschrieben, der für die Strahlung, also das Produkt aus Bestrah-
[106, 107] Spiegeln sich Leuchten bei-
Sehaufgabe das Verhältnis des Leucht- lungsstärke x Zeit.
spielsweise im Schutzglas des ausgestell-
dichtekontrasts bei gegebener Be- ten Bildes, kann der Betrachter Teile des
leuchtung zum Leuchtdichtekontrast bei Scallop Werkes nicht mehr wahrnehmen.
Referenzbeleuchtung definiert. Ein sogenannter „Scallop“ ist ein Lichtke-
gel von Strahlern oder Einbauleuchten, der [108, 109] Die Farbwiedergabe der
Spektrale Zusammensetzung des Lichts/ sich auf der Wand hyperbelförmig, also in Lichtquelle ist entscheidend, um Farben
unverfälscht erfassen zu können. Bei einer
der optischen Strahlung Bogenform, abbildet.
sehr schlechten Farbwiedergabe sieht der
Für das Lichtspektrum gilt: Blumenstrauß hier im Bild entsprechend
UV>Blau>Grün>Gelb>Rot>IR. Bei kürzer eintönig aus.

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licht.wissen 18 Licht für Museen und Ausstellungen

Jedes Heft! € 10,-

Die Schriftenreihe von licht.de


licht.wissen 20
Nachhaltige Beleuchtung

40 Seiten über Nachhaltigkeit, Wert-


schöpfungsketten, Finanzierung und
Förderung von Umweltschonenden
Projekten. Best Practice Beispiele
und Checklisten für die Sanierung
runden das Heft ab.

[licht.wissen 09] 40 Seiten [licht.wissen 02] 56 Seiten mit allen [licht.wissen 15] Auf 40 Seiten be- [licht.wissen 16] 40 Seiten zur indi-
zur Sanierung mit aktuellen wichtigen Informationen zur fachge- schäftigt sich Heft 15 mit allen Fragen viduellen Beleuchtung von Städten
Fördermöglichkeiten und zahl- rechten und effizienten Beleuchtung guter Beleuchtung rund ums Haus. und Gemeinden: Heft 16 erklärt, wie
reichen praxisnahen Lösungsbei- von Bildungsstätten. Zudem wird Es gibt viele praxisbezogene Tipps sich Kommunen durch attraktive und
spielen, die zeigen, wie viel Energie dargestellt, wie durch gute Beleuch- und Anregungen, wie man Haus und energieeffiziente Lichtgestaltung
durch Modernisierung eingespart tung Motivation und Leistung von Garten ins richtige Licht setzen und profilieren können. Drei Masterpläne
werden kann. Lernenden gefördert werden kann. zugleich für ein funktionsgerechtes und viele Praxisbeispiele stellen gute
und sicheres Umfeld sorgen kann. Lösungen für das Stadtmarketing vor.

licht.wissen – per Post oder als kostenfreie PDF-Datei (Download) unter www.licht.de/lichtwissen
01 Die Beleuchtung mit künstlichem Licht (2008) 08 Sport und Freizeit (2010) 15 Gute Beleuchtung rund ums Haus (2009)
02 Besser lernen mit gutem Licht (2012) 09 Sanierung in Gewerbe, Handel und Verwaltung (2014) 16 Stadtmarketing mit Licht (2010)
03 Straßen, Wege und Plätze (2014) 10 Notbeleuchtung, Sicherheitsbeleuchtung (2012) 17 LED: Das Licht der Zukunft (2010)
04 Licht im Büro, motivierend und effizient (2012) 11 Gutes Licht für Hotellerie und Gastronomie (2005) 18 Licht für Museen und Ausstellungen (2016)
05 Industrie und Handwerk (2009) 12 Beleuchtungsqualität mit Elektronik (2003) 19 Wirkung des Lichts auf den Menschen (2014)
06 Shopbeleuchtung, attraktiv und effizient (2011) 13 Arbeitsplätze im Freien (2007) 20 Nachhaltige Beleuchtung (2014)
07 Gesundheitsfaktor Licht (2012) 14 Ideen für Gutes Licht zum Wohnen (2009)

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Alles über Beleuchtung! Impressum

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Fördergemeinschaft Gutes Licht hält zu allen Fragen des künst- Fördergemeinschaft Gutes Licht
lichen Lichts und seiner richtigen Anwendung umfangreiches Lyoner Straße 9, 60528 Frankfurt am Main
Informationsmaterial bereit. Die Informationen sind herstellerneutral Tel. 069 6302-353, Fax 069 6302-400
und basieren auf den relevanten technischen Regelwerken nach licht.de@zvei.org, www.licht.de
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Lektorat Christiane Kersting, Lüdenscheid
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Druck e&b engelhardt und bauer – Kraft Druck GmbH, Ettlingen
Die Hefte 1 bis 20 der Schriftenreihe licht.wissen geben Informa-
tionen zur Lichtanwendung. Diese Themenhefte erläutern anhand
vieler Beleuchtungsbeispiele lichttechnische Grundlagen und ISBN-Nr. Druckausgabe 978-3-945220-09-2
zeigen beispielhafte Lösungen. Sie erleichtern damit auch die ISBN-Nr. PDF-Ausgabe 978-3-945220-10-8
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die bei der Beuth Verlag GmbH, Burggrafenstraße 6, 10787 Berlin, erhältlich ist.
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lateure und Endverbraucher finden hier auf rund 5.000 Seiten Der komplette oder auszugsweise Nachdruck von licht.wissen 18 ist mit Geneh-
praxisorientierte Tipps, viele Lichtanwendungen und aktuelle migung des Herausgebers gestattet.
Informationen zu Licht und Beleuchtung. 110
Bildnachweis
Bildnummern Rückseite:
111 112 113

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Bilder
Titelbild: Andrea Flak, Kunstrechte: © Michael Riedel, Courtesy Gabriele Senn Galerie, Wien,
© VG Bild-Kunst, Bonn; [01] Ian Barnes, © VG Bild-Kunst, Bonn; Editorial Portraitfoto: Stä-
del Museum, Frankfurt am Main, Gaby Gerster; Hingergrundbild Inhaltsverzeich-
nis: Toon Grobet; [02] Rainer Rehfeld; [03] Dirk Vogel; [04] 274km Photografia; [05] Lukas
Roth; [07] Frieder Blickle; [08] Haydar Koyupinar; [09] Lothar Reichel; [10] Dirk Vogel,
[11] Thomas Mayer, © VG Bild-Kunst, Bonn; [12] Dirk Vogel, Kunstrechte: Hubertus Prinz
zu Hohenlohe; [13] Yeastudio Photographer; [14] Alexandra Lechner; [15] Timm Rautert;
[16] Rudi Meisel, © VG Bild-Kunst, Bonn; [26] Conceptlicht, Traunreut; [27] Thomas Mayer;
[28] Haydar Koyupinar; [29] Dirk Vogel, © VG Bild-Kunst, Bonn; [41, 42] Governatorato
dello Stato della Città del Vaticano – Direzione dei Musei; [46] Rudi Meisel;
[47] Jürgen Eheim; [50-52] Aksel Karcher; [53] Andrea Flak; [55] Joshua Liebermann/Das
Fotoarchiv; [58] Governatorato dello Stato della Città del Vaticano – Direzione
dei Musei; [59] Sabine Wenzel; [66] Jürgen Eheim; [67] Thomas Mayer; [71] Lukas
Roth; [74] Michael Kayser, © VG Bild-Kunst, Bonn; [75] Lukas Roth; [76] Michael Kayser;
[78] Stefan Müller; [80] Dirk Vogel; [81] Rudi Meisel; [83] Vittorio Storaro; [84] Thomas Ma-
yer; [89] Jan Bitter; [90-92] Rogerio Reis; [94] Nano Canas; [95] Thomas Mayer; [96] Ro-
bert Pupeter; [97] Alexander Ring, Kunstrechte: © VG Bild-Kunst, Bonn; Eye of Light, HC
Berg; [98] Mariakraynova/Shutterstock.com; [99] Thomas Mayer; [100] Städel Museum,
Frankfurt am Main, Miguletz; [101] Rogerio Reis; [102] Jesús Granada; [103] Michael
Kayser; [106,107] DSM Advanced Surfaces, © VG Bild-Kunst, Bonn; [110] Volker Kreidler;
www.twitter.com/licht_de
[111] Luca Petrucci; [112] Thomas Mayer; [113] Yeastudio Photographer; [114] Thomas
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Mayer; [115] Dirk Vogel; [116] Bruno Klomfar.
Alle anderen Bilder, 3D-Visualisierungen und Grafiken stammen von
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