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HYMNEN AN DIE NACHT

FREI NACH NOVALIS

VON TORSTEN SCHWANKE

In memoriam Karine.

ERSTE HYMNE

Vor all den wundersamen Vorstellungen


Des weiträumigen Raumes herum,
Welches lebendige, fühlende Ding
Liebt nicht das allzu freudige Licht - -
Mit seinen Farben,
Seinen Strahlen und Wellen,
Seiner sanften Allgegenwart
In Form des wachen Tages?
Die Riesenwelt der unruhigen Konstellationen
Atmet es als innerste Seele des Lebens ein
Und schwebt in seiner blauen Flut tanzend - -
Der funkelnde, immer ruhige Stein,
Die nachdenkliche, trinkende Pflanze
Und das wilde, brennende, vielgestaltige Tier
Atmet es ein - -
Aber vor allem der herrschaftliche Fremde
Mit den sinngefüllten Augen,
Dem schwankenden Gang
Und den süß geschlossenen, wohlklingenden Lippen.
Wie ein König über die irdische Natur
Weckt es jede Kraft
Zu unzähligen Verwandlungen,
Bindet und löst unzählige Allianzen,
Hängt seine himmlische Form
Um jede irdische Substanz. - -
Allein seine Anwesenheit offenbart
Die wunderbare Pracht
Der Königreiche der Welt.

Dagegen wende ich mich der heiligen,


Unsäglichen, geheimnisvollen Nacht zu.
Fern liegt die Welt - -
Versunken in einem tiefen Grab - -
Verwüstet und einsam ist ihr Platz.
In den Akkorden des Busens
Weht eine tiefe Traurigkeit.
Ich bin bereit,
In Tautropfen zu versinken
Und mich mit der Asche zu vermischen. - -
Die Entfernungen der Erinnerung,
Die Wünsche der Jugend,
Die Träume der Kindheit,
Die kurzen Freuden
Und vergeblichen Hoffnungen
Auf ein ganzes langes Leben,
Entstehen in grauen Kleidern,
Wie ein abendlicher Dampf nach Sonnenuntergang.
In anderen Regionen hat das Licht
Seine fröhlichen Zelte aufgestellt.
Was wäre, wenn es nie
Zu seinen Kindern zurückkehren würde,
Die mit dem Glauben
An die Unschuld auf es warten?

Was entspringt auf einmal


So süß in meinem Herzen
Und stillt die sanfte Luft der Traurigkeit?
Vergnügst du dich auch an uns, dunkle Nacht?
Was hältst du unter deinem Mantel,
Das mit verborgener Kraft
Meine Seele berührt?
Kostbarer Balsam tropft aus deiner Hand
Aus einem Bündel von Mohnblumen.
Du erhebst die schwer beladenen
Flügel der Seele.
Dunkel und unaussprechlich sind wir bewegt - - Freudestrahlend sehe ich ein bleiches Gesicht,
Das, zärtlich und anbetend,
Sich zu mir neigt
Und inmitten vielfältig verwickelter Locken
Die jugendliche Schönheit
Der Mutter offenbart.
Wie arm und kindisch erscheint mir
Nun das Licht - -
Wie freudig und willkommen
Der Abgang des Tages - -
Weil sich die Nacht von dir,
Ihrem Diener, abwendet,
Du jetzt in den Schluchten des Weltraums
Die blitzenden Kugeln streust,
Um deine Allmacht - - deine Rückkehr - -
In den Zeiten deiner Abwesenheit zu verkünden.
Himmlischer als diese glitzernden Sterne
Finden wir die ewigen Augen,
Die die Nacht in uns geöffnet hat.
Weiter sehen sie als die blassesten
Dieser unzähligen Heerscharen - -
Die keine Hilfe vom Licht brauchen,
Dringen sie in die Tiefen
Einer liebenden Seele ein – -
Die eine hochgelegene Region
Mit Glückseligkeit erfüllt.
O Herrlichkeit der Königin der Welt,
Der großen Prophetin der heiligeren Welten,
Der Hüterin der glückseligen Liebe - -
Sie schickt dich zu mir - -
Du zärtlich Geliebte - -
Die gnädigen Sonne der Nacht, - -
Jetzt bin ich wach - -
Denn jetzt bin ich dein und mein - -
Du hast mich in der Nacht kennengelernt, - -
Die aus mir einen Mann gemacht hat - -
Meinen Körper mit Geist verbrennend - -
Dass ich mich in feinere Luft verwandle,
Mich enger mit dir vermische,
Und dann unsere Brautnacht
Für immer ewähren kann.

ZWEITE HYMNE

Muss der Morgen immer wieder kommen?


Wird die Despotie des Irdischen nie aufhören?
Unheilige Aktivität verbraucht
Den Engelsbesuch der Nacht.
Wird die Zeit nie kommen,
In der das verborgene Opfer
Der Liebe auf ewig brennen wird?
Dem Licht wurde eine Jahreszeit gesetzt;
Aber ewig und grenzenlos
Ist die Herrschaft der Nacht. - -
Endlos ist die Dauer des Schlafes.
Heiliger Schlaf - -
Erfreue dich nicht allzu selten
An dieser irdischen Tagesarbeit,
Dem treuen Diener der Nacht.
Die Narren allein verwechseln dich
Und wissen nichts vom Schlaf,
Sondern nur von dem Schatten,
Den du in der Dämmerung der wahren Nacht
Mitleidig über uns geworfen hast.
Sie spüren dich nicht
In der goldenen Flut der Trauben - -
Im magischen Öl des Mandelbaums - -
Und im braunen Saft des Mohns.
Sie wissen nicht, dass du es bist,
Der den Schoß der zarten Jungfrau heimsucht
Und einen Himmel in ihrem Schoß erschafft - -
Niemals vermuten sie, dass du es bist,
Der die Türen zum Himmel öffnet,
Diese Stufe, um sie aus alten Geschichten zu treffen,
Die den Schlüssel zu den Wohnungen
Des gesegneten, stillen Boten
Der Geheimnisse unendlich trägt.
DRITTE HYMNE

Einmal, als ich bittere Tränen vergoss,


Als sich meine Hoffnung
In Schmerzen auflöste, verschloss,
Und ich allein an dem kargen Hügel stand,
Der in seinem schmalen, dunklen Busen
Die verschwundene Form
Meines Lebens verbarg - -
Einsam wie nie zuvor
War ein einsamer Mensch,
Getrieben von Angst, unsagbar - -
Machtlos und nichts mehr
Außer einem bewussten Elend. - -
Als ich dort um mich herum nach Hilfe suchte,
Nicht in der Lage war, weiterzumachen
Oder zurückzukehren,
Und mich an das flüchtige, ausgelöschte Leben
Mit einer endlosen Sehnsucht klammerte: - -
Da, aus den blauen Entfernungen - -
Von den Hügeln meiner alten Glückseligkeit,
Kam ein Schauer der Dämmerung - -
Und sofort brach die Fessel der Geburt - -
Die Ketten des Lichts.
Weg geflohen war die Herrlichkeit der Welt,
Und mit ihr meine Trauer - -
Die Traurigkeit floss zusammen
In eine neue, unergründliche Welt - -
Du, anregende Nacht,
Himmlischer Schlaf, kamst über mich - -
Die Region erhob sich sanft;
Über ihr schwebte
Mein ungebundener, neugeborener Geist.
Der Hügel wurde zu einer Wolke aus Staub - -
Und durch die Wolke sah ich
Das verherrlichte Gesicht
Meiner Geliebten.
In ihren Augen ruhte die Ewigkeit - -
Ich hielt ihre Hände fest,
Und die Tränen wurden
Zu einem funkelnden Band,
Das nicht zerrissen werden konnte,
In die Ferne geschleudert, wie ein Sturm,
Tausende von Jahren,
An ihrem Hals begrüßte ich
Das neue Leben
Mit ekstatischen Tränen.
Es war der erste, der einzige Traum - -
Und seitdem habe ich einen ewigen,
Unveränderlichen Glauben ganz fest
An den Himmel der Nacht
Und sein Licht, die Geliebte.

VIERTE HYMNE

Jetzt weiß ich,


Wann der letzte Morgen kommen wird - -
Wenn das Licht
Nacht und Liebe nicht mehr verjagt - -
Wenn der Schlaf
Ohne Aufwachen sein wird,
Und nur ein ständiger Traum.
Ich fühle in mir eine himmlische Erschöpfung.
Lang und mühevoll war meine Pilgerfahrt
Zum heiligen Grab,
Und mein Zerschlagensein war das Kreuz.
Die Kristallwelle, die,
Unmerklich für den gewöhnlichen Sinn,
Im dunklen Schoß des Hügels entspringt,
Gegen dessen Fuß die Flut der Welt bricht,
Wer sie gekostet hat, derjenige,
Der an der Berggrenze der Welt gestanden
Und in das neue Land hinüber geschaut hat,
In den Aufenthaltsort der Nacht - -
Wahrlich, er wendet sich nicht mehr
In den Tumult der Welt, in das Land,
In dem das Licht
In unaufhörlicher Unruhe wohnt.

Auf diesen Höhen baut er


Für sich selbst Tabernakel - -
Tabernakel des Friedens –
Dort sehnt und liebt und blickt er hinüber,
Bis ihn das Allerheiligste aller Stunden
In das Wasser der Quelle zieht - -
Darüber schwebt das Irdische
Und wird in Stürmen zurückkehren,
Aber was durch die Berührung
Der Liebe heilig wurde,
Läuft frei durch verborgene Wege
In die Region jenseits,
Wo es sich wie Düfte
Mit Liebe im Schlaf vermischt...

Noch weckst du, fröhliches Licht,


Diesen müden Mann zu seiner Arbeit - -
Und in mich ergießt du freudiges Leben - -
Aber du wirst mich nicht
Von dem moosbewachsenen Denkmal
Der Erinnerung entfernen.
Gerne werde ich fleißige Hände rühren,
Überall dort, wo du mich brauchst - -
Werde loben den Glanz deiner Pracht - -
Unermüdlich die schönen Harmonien
Deines geschickten Handwerks verfolgen - -
Gerne das geschickte Tempo
Deiner mächtigen, leuchtenden Uhr betrachten - -
Das Gleichgewicht der Kräfte
Und die Gesetze des wundersamen Spiels
Unzähliger Welten
Und ihrer Jahreszeiten erforschen.
Aber der Nacht treu
Bleibt mein geheimes Herz
Und der kreativen Liebe, ihrer Tochter.
Kannst du mir ein ewig wahres Herz zeigen?
Hast du deine sonnenfreundlichen Augen,
Die mich kennen?
Legst du deine Sterne
In meine sehnsüchtige Hand?
Und gibst mir den zarten Druck
Und das streichelnde Wort zurück?
Warst du es, der sie mit Farben
Und einem flackernden Umriss geschmückt hat?
Oder waren sie es, die deinen Juwelen
Ein höheres, ein teureres Gewicht gaben?
Welche Freude, welche Freude
Bietet dein Leben,
Um die Bewegungen des Todes zu überwiegen?
Trägt nicht alles, was uns inspiriert,
Die Farbe der Nacht?
Sie stützt dich wie eine Mutter,
Und du schuldest ihr all deine Herrlichkeit.
Du willst in dir selbst verschwinden - -
In grenzenlosem Raum willst du dich auflösen,
Wenn sie dich nicht festhält,
Wenn sie dich nicht wickelt,
So dass du warm und flammend
Das Universum erschaffen willst.
Wahrlich, ich war, bevor du es warst - -
Die Mutter sandte mich
Mit meinen Brüdern und Schwestern,
Um deine Welt zu bewohnen,
Um sie mit Liebe zu heiligen,
Damit sie ein allgegenwärtiges Denkmal sei - -
Um sie mit unvergänglichen
Blumen zu bepflanzen.
Noch sind sie nicht gereift,
Diese göttlichen Gedanken - -
Noch gibt es nur eine kleine Spur
Von unserer kommenden Offenbarung - -
Eines Tages wird deine Uhr
Auf das Ende der Zeit zeigen,
Und dann wirst du wie einer von uns sein
Und voller brennender Sehnsucht
Ausgelöscht werden und sterben!
Ich fühle in mir
Den Abschluss deiner Tätigkeit - -
Himmlische Freiheit
Und gesegnete Rückkehr.
Mit wilden Schmerzen erkenne ich
Deine Entfernung von unserem Haus,
Deinen Widerstand
Gegen den alten, herrlichen Himmel.
Deine Wut und dein Toben sind vergebens.
Unbesiegbar steht das Kreuz - -
Siegesbanner unserer Rasse.

FÜNFTE HYMNE

Über meiner Reise


Und für jeden Schmerz
Nur ein angenehmer Stich
Soll eines Tages bleiben.
Doch in wenig Augenblicken,
Dann bin ich frei,
Und berauscht
Liege ich im Schoß der Liebe!
Das ewige Leben
Zieht herauf, wellenförmig,
Auf mich gerichtet,
Ich blicke von seinem Gipfel hinaus
Nach dir dort unten.
Dein Glanz muss verschwinden.
Dein Hügel darunter - -
Ein Schatten wird dir bringen
Deinen kühlen Kranz.
Oh, ziehe an meinem Herzen, Liebling,
Ziehe, bis ich weg bin,
Dass ich eingeschlafen bin.
Ich mag dich immer noch lieben.
Ich fühle den Fluss
Der Jugend-gebenden Flut des Todes.
In Balsam und Äther
Verwandle mein Blut.
Ich lebe den ganzen Tag
Im Glauben und in der Kraft,
Und im heiligen Feuer
Ich sterbe jede Nacht!...

SECHSTE HYMNE

In der Antike herrschte


Über die weit verbreiteten Familien
Der Menschen ein eisernes Schicksal
Mit stummer Gewalt.
Eine düstere Unterdrückung bedeckte
Ihre schweren Seelen - -
Die Erde war grenzenlos - -
Die Wohnstätte der Götter und ihr Zuhause.
Von ewigen Zeiten stand
Ihre geheimnisvolle Struktur.
Jenseits der roten Hügel am Morgen,
Im heiligen Schoß des Meeres,
Wohnte die Sonne,
Das allumfassende, lebendige Licht.
Ein alter Riese erhebt sich
In der glückseligen Welt.
Schnell unter den Bergen lagen
Die erstgeborenen Söhne von Mutter Erde.
Hilflos in ihrer zerstörerischen Wut
Gegen die neue, glorreiche Rasse der Götter
Und ihre verwandten, gutherzigen Menschen.
Der dunkelgrüne Abgrund des Ozeans
War der Schoß einer Göttin.
In den Kristallgrotten schwelgte
Ein üppiges Volk.
Flüsse, Bäume, Blumen und Tiere
Hatten menschlichen Verstand.
Süßer schmeckte der Wein - -
Ausgegossen von der Jugend - -
Ein Gott in den Trauben - -
Eine liebevolle, mütterliche Göttin,
Die in den vollen goldenen Ähren aufwuchs - -
Der heilige Rausch der Liebe
War eine süße Anbetung
Der Schönsten der Göttinnen - -
Das Leben raschelte durch die Jahrhunderte
Wie ein Frühling,
Ein immer wieder belohntes Fest
Von Himmelskindern und Erdbewohnern.
Alle Rassen liebten kindlich
Die ätherische, tausendfache Flamme
Als das einzig Erhabene auf der Welt.
Es gab nur Eine Idee,
Eine furchtbare Traumform - -

SIEBENTE HYMNE

Die war furchterregend


Für die lustigen Tische,
Sie wickelte den Geist dort
In wilden Schrecken,
Die Götter selbst,
Die kein Ratgeber kannte oder zeigte.
Um die ängstlichen Herzen
Mit Trostlicht zu füllen.
Mysteriös war die unwegsame Straße des Monsters,
Dessen Wut konnte weder Gebet
Noch Ehrerbietung abhalten;
Es war der Tod,
Der das Bankett vor Angst zerbrach,
Mit Qualen, schrecklichen Schmerzen
Und bitteren Tränen.

Ewig von allen Dingen hier getrennt,


Die das Herz mit dem freudigen Fluss
Des Vergnügens schwingen lassen,
Getrennt von den geliebten Menschen,
Die gegangen sind,
Hingeworfen von der Sehnsucht nach Eitelkeit,
Unaufhörlichem Leid - -
In einem langweiligen Traum zu kämpfen,
Schwach und vereitelt,
Es schien, als ob den Toten unten
Alles gewährt wurde.
Gebrochen lag die lustige Welle
Der menschlichen Glückseligkeit
An des Todes unvermeidliche, felsige Klippe.

Mit mutigem Geist


Und einer tiefen Leidenschaft
Hat der Mensch
Den schrecklichen Brand verbessert,
Ein sanfter Junge streckt seine Fackel aus,
Um zu schlafen - -
Das Ende, genau wie der Seufzer einer Harfe,
Kommt ins Licht.
Kühle Schattenfluten,
Die Erinnerungen schmelzen lassen,
So sang das Lied,
In seinem traurigen Bedürfnis.
Noch nicht entziffert lag die endlose Nacht - -
Das feierliche Symbol einer fernen Macht.

ACHTE HYMNE

Die alte Welt begann zu untergehen.


Der Lustgarten der jungen Rasse verkümmerte - -
Bis in offenere, trostlosere Regionen,
Verließ seine Kindheit
Und kämpfte gegen den wachsenden Menschen.
Die Götter verschwanden mit ihrem Gefolge - -
Die Natur stand allein und leblos da.
Trockene Zahl und starres Maß,
Gebunden mit Eisenketten.
In Staub und Luft
Fielen die unbezahlbaren Blüten des Lebens
In obskuren Worten ab.
Verschwunden war der wundertätige Glaube
Und sein alles verwandelnder,
Allumfassender Engelsgenosse,
Die Phantasie.
Ein kalter Nordwind wehte unfreundlich
Über die starre Ebene,
Und das starre Wunderland erstarrte,
Dann verdampfte es zu Äther.
Die weiten Tiefen des Himmels,
Gefüllt mit glühenden Welten.
In das tiefere Heiligtum,
In die erhabene Region des Gefühls,
Zog sich die Seele der Welt
Mit all ihren irdischen Kräften zurück,
Um dort zu regieren,
Bis die Morgenröte
Der universellen Herrlichkeit anbrechen sollte.
Nicht mehr war das Licht
Die Wohnstätte der Götter
Und das himmlische Zeichen ihrer Gegenwart - -
Sie zogen den Schleier der Nacht über sich.
Die Nacht wurde zum mächtigen Schoß
Der Offenbarungen - -
In den die Götter zurückkehrten - -
Und schlief ein,
Um in neuen und herrlicheren Formen
Über die verklärte Welt hinauszugehen.
Unter den Menschen,
Die zu früh zu den verächtlichsten
Und frechsten geworden waren,
Die sich von der gesegneten Unschuld
Der Jugend entfernten,
Erschien die Neue Welt mit einem Gesicht,
Das noch nie zuvor gesehen wurde - -
In der Armut eines poetischen Unterschlupfs - -
Ein Sohn der ersten Jungfrau und Mutter - -
Die ewige Frucht der geheimnisvollen Umarmung.
Die ahnungsvolle, reich blühende Weisheit
Des Ostens erkannte sofort
Den Beginn des neuen Zeitalters - -
Ein Stern zeigte den Weg
Zur bescheidenen Wiege des Königs.
Im Namen der fernen Zukunft
Huldigten sie ihm mit Glanz und Duft,
Den höchsten Wundern der Natur.
In Einsamkeit entfaltete sich
Das himmlische Herz
Zu einem Blumenkelch
Der allmächtigen Liebe - -
Nach oben gerichtet
Zum höchsten Antlitz des Vaters
Und auf dem glückseligen, makellosen Schoß
Der süßen, feierlichen Mutter ruhend.
Mit vergöttlichender Leidenschaft
Erblickte das prophetische Auge
Des blühenden Kindes
Die kommenden Jahre, vorausgesehen,
Unbeschwert über das irdische Los
Seiner eigenen Tage,
Der geliebte Nachkomme
Seines göttlichen Stammes.
In lange Zeit versammelten sich
Die kindlichsten Seelen,
Die von wahrer Liebe
Wunderbar besessen waren,
Um ihn herum.
Wie Blumen entstand in seiner Gegenwart
Ein seltsames neues Leben.
Worte unerschöpflich
Und die freudigste Nachricht
Fiel wie Funken eines göttlichen Geistes
Von seinen freundlichen Lippen.
Von einem fernen Ufer,
Geboren unter dem klaren Himmel von Hellas,
Kam ein Sänger nach Palästina
Und gab sein ganzes Herz dem Wunderkind:

NEUNTE HYMNE

Die Jugend bist du,


Das Alter hat lange bestanden;
Auf unseren Gräbern,
So tief in Gedanken versunken;
Ein Zeichen des Trostes
In der düsteren Dunkelheit.
Für die hohe Menschlichkeit
Ein freudiger Start.
Was uns alle in ein abgründiges Leid stürzte,
Zieht uns jetzt mit süßer Sehnsucht voran.
Im ewigen Leben
Fand der Tod sein Ziel,
Denn du bist der Tod,
Der uns endlich heil, gesund und ganz macht.

ZEHNTE HYMNE

Voller Freude ging der Sänger


Weiter nach Indien - -
Sein Herz berauscht von der süßesten Liebe;
Und goss es in feurigen Liedern
Unter dem warmen Himmel aus,
So dass sich tausend Herzen
Vor ihm verbeugten,
Und die gute Nachricht
Mit tausend Zweigen auftauchte.
Bald nach der Abreise des Sängers
Wurde sein kostbares Leben zum Opfer
Für den tiefen Fall des Menschen - -
Er starb in seiner Jugend,
Weggerissen von seiner geliebten Welt,
Von seiner weinenden Mutter
Und seinen zitternden Freunden.
Sein schöner Mund leerte
Den dunklen Becher
Unaussprechlicher Leiden - -
In schrecklicher Angst,
Dass die Geburt
Der neuen Welt näher rückte.
Hart rang er mit den Schrecken
Des alten Todes - -
Schwer legte sich das Gewicht
Der alten Welt auf ihn.
Noch einmal sah er seine Mutter liebevoll an - -
Dann kam die loslassende Hand
Der ewigen Liebe,
Und er schlief ein.
Nur wenige Tage hing ein tiefer Schleier
Über dem tosenden Meer,
Über dem bebenden Land - -
Unzählige Tränen weinten seine Lieben - -
Das Geheimnis war gelüftet - -
Himmlische Geister hoben den alten Stein
Von dem düsteren Grab.
Engel saßen beim Schläfer - -
Zart geformt aus seinen Träumen - -
Und er erwachte
In neuer göttlicher Herrlichkeit;
Er öffnete die Grenzen
Der neugeborenen Welt - -
Begrub mit eigener Hand die alte Leiche
In der verlassenen Mulde,
Und mit einer Hand, die allmächtig war,
Legte er einen Stein darauf,
Den keine Macht jemals wieder aufheben wird.

Doch weinen deine Lieben


Freudentränen, Tränen des Gefühls
Und endlose Dankbarkeit über dein Grab - -
Freudig erschrocken sehen sie dich
Wieder auferstehen,
Und sich selbst mit dir - -
Siehe, du weinst mit süßer Leidenschaft
Auf dem gesegneten Schoß deiner Mutter,
Gehst feierlich mit deinen Freunden spazieren,
Sprichst Worte aus,
Die wie vom dem Baum
Des Lebens gepflückt wurden;
Siehe, du eilst voller Sehnsucht
In die Arme deines Vaters,
Trägst mit der jugendlichen Menschlichkeit
Den unerschöpflichen Becher
Der goldenen Zukunft.
Bald eilte die Mutter dir nach - -
Im himmlischen Triumph - -
Sie war die erste mit dir im neuen Haus.
Seitdem sind lange Zeitalter vergangen,
Und in immer größer werdender Pracht
Haben sie deine neue Schöpfung bewegt - -
Und Tausende sind dir gefolgt,
Weg von Schmerzen und Folter,
Erfüllt von Glauben und Sehnsucht und Treue - -
Mit dir und der himmlischen Jungfrau
Im Königreich der Liebe umherzugehen,
Im Tempel des himmlischen Todes zu dienen
Und für immer zu bleiben.

ELFTE HYMNE

Gehoben ist der Stein - -


Und die ganze Menschheit ist auferstanden - -
Wir alle bleiben dein Eigentum.
Und verschwunden ist unser Gefängnis.
Alle Probleme fliehen.
Deinen goldenen Becher trinken wir,
Denn Erde und Leben weichen
Beim letzten und ewigen Abendmahl.

Zur Ehe der Tod ruft...


Die Jungfrauen stehen bereit - -
Die Lampen brennen alle glänzend - -
An Öl gibt es keinen Mangel - -
Wenn die Ferne nur dir folgt,
Mit dem Klang, wenn du allein gehst.
Und dass die Sterne rufen werden
Wir alle mit menschlichen Zungen.

Zu dir, o Maria.
Tausend Herzen streben zu dir
In diesem Leben der Schatten,
Dich allein begehren sie.
In dir hoffen sie auf Rettung
Mit visionärer Erwartung - -
Wenn nur du, o heiliges Wesen
Möchtest sie an deinem Busen bergen!

Von bitteren brennenden Qualen


So viele werden verzehrt,
Endlich aus dieser Welt kommend,
Zu dir sind sie geflohen,
Hilfreiche, Tausenden bist du erschienen,
So vielen in ihren Schmerzen.
Jetzt kommen wir zu dir,
Um nie wieder fortzugehen.

An keinem Grab muss weinen


Einer, der liebt und betet.
Die Gabe der Liebe behalten sie,
Von niemandem kann sie weggenommen werden.
Um seine Sehnsucht zu beruhigen und zu befriedigen,
Die Nacht kommt und inspiriert ihn - -
Die Kinder des Himmels drängen sich um ihn,
Achten und beschützen sein Herz.

Habt Mut, denn das Leben schreitet voran


Auf ein ewiges Leben;
Vom inneren Feuer ausgedehnt,
Unser Sinn wird verklärt.
Eines Tages die Sterne oben
Sollen in goldenem Wein zerfließen,
Wir werden alles genießen,
Und als Sterne werden wir leuchten.

Die Liebe ist frei gegeben,


Und Trennung ist nicht mehr möglich.
Das ganze Leben hebt sich und wogt
Wie ein Meer ohne Ufer.
Nur eine Nacht der Glückseligkeit - -
Ein ewiges Gedicht - -
Und die Sonne, die wir alle teilen,
Ist das Antlitz Gottes.

ZWÖLFTE HYMNE

In den Schoß der Erde,


Aus der Herrschaft des Lichts,
Die Schmerzen des Todes sind nur ein Aufbruch,
Zeichen des frohen Aufstiegs.
Schnell in dem schmalen kleinen Boot,
Schnell zum himmlischen Ufer schweben wir.

Gesegnet sei die ewige Nacht


Und gesegnete der endlosen Schlaf.
Wir werden tagsüber zu hell erwärmt,
Und von Kummer verwelken wir.
Wir sind eines Lebens in der Fremde müde,
Und jetzt wollen wir in die Heimat unseres Gottes.

Was in dieser Welt sollten wir tun,


Mit Liebe und mit Glauben tun?
Das Alte wird beiseite gelegt,
Und auch das Neue kann untergehen.
Allein steht er da und von Schmerzen niedergeschlagen,
Der mit frommer Wärme die Vergangenheit liebt.

Die Vergangenheit, in der das Licht der Sinne


Das Licht der Seele ist
In hoch aufsteigenden Flammen;
Wo das Gesicht und die Hand Gottes
Alle Menschen haben erkannt;
Und mit viel Sinn, in der Einfalt.
Viele entsprachen noch dem Originalmuster.

Die Vergangenheit, in der, noch reich an Blüten,


Die Lasten des Mannes blühten glorreich auf,
Und Kinder sind in die Welt gekommen,
Die suchten Schmerz und Tod siegreich,
Und, durch das Leben und die Lust, besungen,
Doch so manches Herz vor Liebe brach!

Die Vergangenheit, wo am Fluss der Jugend


Gott zeigte sich immer noch,
Und wirklich bis zu einem frühen Tod
Er hat sein süßes Leben damit verbracht,
Angst und Folter geduldig ertrug er,
Damit er für immer geliebt wird.

Mit ängstlicher Sehnsucht sehen wir jetzt


Das Vergangene in der Dunkelheit ertränkt,
Mit dem Wasser dieser Welt werden wir niemals
Unseren heißen Durst gelöscht finden.
In unsere alte Heimat müssen wir gehen,
Diese gesegnete Zeit wieder zu kennen.

Was uns noch daran hindert, zurückzukehren


Zu den Lieben, die schon lange in der Ruhe sind?
Ihr Grab begrenzt unser Leben,
Wir sind alle traurig und ängstlich,
Wir können nach nichts anderem suchen - -
Das Herz ist voll - die Welt ist leer!

Unendlich und geheimnisvoll,


Ein Nervenkitzel, ein süßes Zittern - -
Als ob es von weitem so widerhalle,
Ein Seufzer, unsere Trauer ähnlich,
Unsere Lieben sehnen sich so sehr wie wir
Und schickten uns diese sehnsüchtige Brise!

Bis hinunter zur süßen Braut und dann


Zum geliebten Jesus.
Nur Mut! Die Abendschatten werden grau.
Zu denen, die wir lieben und betrauern,
Ein Traum wird unsere Ketten zerreißen
Und uns in den Schoß Gottes betten!