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Thema

„Interkulturelle Landeskunde“
Inhaltsverzeichnis

Einleitung ................................................................................................................................................ 3

Kulturbegriff und interkulturelles Lernen ............................................................................................... 3

Lehr- und Lernnziele interkultureller Landeskunde .............................................................................. 6

Inhalte interkultureller Landeskunde ....................................................................................................... 8

Methodische Zugangsweisen .................................................................................................................. 8

Literaturverzeichnis ............................................................................................................................... 10
Einleitung
Im Rahmen dieser Arbeit, die sich mit der Thematik der interkulturellen Landeskunde
beschäftigt, wird zu Beginn auf verschiedene, themenrelevante Begriffe eingegangen. Was
bedeutet es eine Sprache zu erlernen? Was ist unter dem Kulturbegriff zu verstehen und
welchen Einfluss hat die Kultur auf das Erlernen einer Fremdsprache? Reichen sprachliche
Mittel aus, um einer fremden Sprache mächtig zu werden oder braucht es dazu mehr? Welche
Rolle spielt das interkulturelle Lernen und dessen Ziele beim Unterrichten? Auf diese und auf
weitere themenbezogene Fragen wird im Laufe dieser Arbeit eingegangen. Außerdem werden
sowohl die Ziele als auch die Merkmale der interkulturellen Landeskunde aufgezeigt, und im
Anschluss die methodischen Zugangsweisen zur Kultur erläutert.

Kulturbegriff und interkulturelles Lernen


Bereits in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts entstand das Konzept der
interkulturellen Landeskunde. Damals wurde erkannt, dass Verständigungsfähigkeit in einer
fremden Sprache nicht nur von der Verwendung der Sprache sowie deren Strukturen und
grammatischen Regeln abhängt. Ulrich Zeuner ist der Überzeugung, dass jeder, der „in einer
anderen Sprache kommunizieren will, nicht nur den sprachlichen sondern auch den kulturellen
Bezugsrahmen wechseln“ (vgl. Zeuner 1998) muss. Auch Jörg Wormer sieht Sprachen als Teil
einer Kultur und behauptet, dass das Erlernen einer fremden Sprache mit dem Erlernen der
Kultur der fremden Nation einhergeht, wobei laut Wormer Kultur hauptsächlich an Sprache(n)
gebunden ist und seltener an Nationen (vgl. Wormer 2007). Über die Bedeutung der Sprache
schreibt er:

Sprache als Teil der Kultur ist, wie Vergangenheit und Gegenwart zeigen, ein geeignetes
Mittel, gehört zu werden und im Gespräch zu bleiben – wie sie umgekehrt ein Werkzeug der
Zerstörung sein kann. (Wormer:14)

Die Kultur ist ein „zentraler Aspekt beim Sprachenlernen“ (Krumm 2003:138) und daraus
ergibt sich die Frage nach der Definition derselben. In der Sprachwissenschaft gibt es viele
Versuche den Kulturbegriff zu erläutern. Zeuner sieht die Kulturdefinition von Alexander
Thomas am geeignetsten für die Fremdsprachendidaktik:

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Kultur ist ein universelles, für eine Gesellschaft, Organisation und Gruppe aber sehr typisches
Orientierungssystem. Dieses Orientierungssystem wird aus spezifischen Symbolen gebildet und
in der jeweiligen Gesellschaft usw. tradiert. Es beeinflußt das Wahrnehmen, Denken, Werten
und Handeln aller ihrer Mitglieder und definiert somit deren Zugehörigkeit zur Gesellschaft.
Kultur als Orientierungssystem strukturiert ein für die sich der Gesellschaft zugehörig fühlenden
Individuen spezifisches Handlungsfeld und schafft damit die Voraussetzung zur Entwicklung
eigenständiger Formen der Umweltbewältigung…. Zentrale Merkmale des kulturspezifischen
Orientierungssystems lassen sich als sogenannte 'Kulturstandards' definieren. Unter
Kulturstandards werden alle Arten des Wahrnehmens, Denkens, Wertens und Handelns
verstanden, die von der Mehrzahl der Mitglieder einer bestimmten Kultur für sich persönlich
und andere als normal, selbstverständlich, typisch und verbindlich angesehen werden. Eigenes
und fremdes Verhalten wird auf der Grundlage dieser Kulturstandards beurteilt und reguliert....
Zentrale Kulturstandards einer Kultur können in einer anderen Kultur völlig fehlen oder nur von
peripherer Bedeutung sein. Verschiedene Kulturen können ähnliche Kulturstandards aufweisen,
die aber von unterschiedlicher Bedeutung sind und unterschiedlich weite Toleranzbereiche
aufweisen. Kulturstandards und ihre handlungsregulierende Funktion werden nach erfolgreicher
Sozialisation vom Individuum innerhalb der eigenen Kultur nicht mehr bewusst erfahren.
(Thomas, zitiert nach Zeuner 1998:5f.)

Diese Definition wird u.a. von Claus Altmayer kritisiert, mit der Begründung, dass dieses
Konzept zwischen einem „vermeintlich wissenschaftlichen ‚Kulturstandard‘ und einem
verwerflichen, jedenfalls aber nicht wissenschaftlichen ‚Klischee‘ oder ‚Stereotyp‘“ (vgl.
Zeuner 2010:1472) nicht unterscheiden kann. Altmayer versteht Kultur als „jenes
selbstgesponnte Bedeutungsgewebe in das Menschen als Mitglieder sozialer Gruppen
‚verstrickt‘ sind“ (Altmayer, zitiert nach Zeuner 2010:1472) und fordert auf, über den
Kulturbegriff „neu und auf theoretisch angemessener Basis nachzudenken“ (Altmayer
1997:18). Seiner Meinung nach, würden die bestehenden Definitionen einige relevanten
Tatsachen, wie zum Beispiel die folgende, ausklammern:

Völlig unberührt blieb auch das für Deutsch als Fremdsprache so zentrale Problem des
Kulturverstehens und der Dialektik von eigener und fremder Kultur, also der hermeneutische
Aspekt, der im landeskundlichen oder kulturdidaktischen Unterricht eine so entscheidende Rolle
spielt. (Altmayer 1997:19)

Es geht hervor, dass es keine einheitliche Definition des Kulturbegriffs gibt. Genauso werden
die Begriffe „Interkulturelle Kommunikation“, „Interkulturelles Lernen“, „Interkulturalität“
und „Interkulturelle Landeskunde“ uneinheitlich verwendet. Bevor im nächsten Absatz darauf
eingegangen wird, was unter „interkulturell“ zu verstehen ist, wird hier zunächst der Begriff
der Landeskunde erläutert. Buttjes erklärt „Landeskunde“ folgendermaßen: „Landeskunde
meint alle Bezüge auf die Gesellschaften, deren Sprache im Fremdsprachenunterricht gelernt

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wird“ (Buttjes, zitiert nach Zeuner 2010:1471). Die Definition des Begriffs wird im Duden wie
folgt formuliert:

Lan|des|kun|de, die <o.Pl.>: Wissenschaft von der Kultur, den geographischen Verhältnissen,
den historischen Entwicklungen o.ä. eines Landes. (Duden 1983:761; Hervorh. i. Orig.)

In den 1980er Jahren hat sich der Begriff „interkulturell“ in vielen Bereichen des
Bildungswesens sowie im öffentlichen Raum etabliert. Krumm definiert Interkulturalität als
eine Fähigkeit, Verschiedenheit zu akzeptieren, ebenso wie eine Fähigkeit mit der Hilfe von
Sprachen eine neue Kultur kennenzulernen und die eigene neu sehen zu lernen. Laut ihm muss
der Fremdsprachenunterricht interkulturell aufgebaut sein, „insofern sein Thema die
Begegnung (die Konfrontation) mit einer anderen Sprache und Kultur ist“ (Krumm 2003:139)

Kulturelle und sprachliche Fremdheit sind […] keine Störfaktoren in der deutschsprachigen
Schule, die es zu überwinden oder unterdrücken gilt, vielmehr wird – im Sinne der
Differenzhypothese – die Gleichwertigkeit von Sprachen und Kulturen ebenso betont wie die
Tatsache, dass sie als ‚Reichtum‘ zu betrachten und auch für die Angehörigen der
Mehrheitsgesellschaft zugänglich zu machen sind. (Krumm 2003:138)

Hans-Jürgen Krumm betont, dass nicht nur die reine Information über eine andere Kultur,
sondern auch die Gegenüberstellung und damit der Vergleich der Kulturen und die daraus
entstehende Sensibilisierung für Unterschiede im Mittelpunkt stehen:

Das übergeordnete Lernziel des interkulturellen Fremdsprachenunterrichts zielt auf die


Entwicklung der Fähigkeit, Verschiedenheit, soweit sie in Sprache, in Texten, in den Sprechern
der anderen Sprache begegnet, auszuhalten, eigene Normane in Frage zu stellen und für andere
Sprach- und Verhaltensformen als Ausdruck anderer kultureller Prägungen, nicht als
ethnisierende Zuschreibung zu sensibilisieren. (Krumm 2003:141)

Lehrende sollen demnach interkulturell kompetent sein. Kommunikative Kompetenz bedeutet


für Krumm u.a. die Grenzen des eigensprachlichen Verhaltens in der Begegnung mit einer
anderen Kultur wahrzunehmen „und sich auf andere sprachliche wie auch nichtsprachliche
Verhaltensweisen einzulassen“ (Krumm 2003:139).

Während Krumm und Zeuner das interkulturelle Lernen befürworten, kritisiert Juliane House
das Konzept eines Interkulturellen Lernens für den Fremdsprachenunterricht. Sie behauptet,
dass sprachliche Lernziele und sprachliche Korrektheit vernachlässigt werden, während mehr
Rücksicht darauf gelegt wird, soziale Kontakte zu knüpfen und aufrechtzuerhalten. In weiterer
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Folge betrachtet sie den Begriff „Interkulturelle Kompetenz“ als unnötig, denn das Kulturelle
im Fremdsprachenunterricht darf nicht auf Kosten des Sprachlichen betont werden (vgl. House
1996):

[…], so wende ich mich doch gegen die anti-grammatische. Anti-sprachliche Sicht, die solche
Ansichten zur Interkulturellen Kompetenz implizieren, denn sie gehen von einer völligen
Fehleinschätzung der Natur und der Schwierigkeit des Erlernens einer fremden Sprache aus.
(House 1996:3)

Die Landeskunde erhielt im Laufe der Zeit, vor allem in den 80er und 90er Jahren des 20.
Jahrhunderts eine Aufwertung „denn Kulturverstehen und Fremdverstehen trat als
gleichberechtigtes Lernziel neben das Ziel fremdsprachlich-kommunikativer Kompetenz“
(Zeuner 2010:1471) auf. Auf die Ziele der interkulturellen Landeskunde wird im folgenden
Abschnitt genauer eingegangen.

Lehr- und Lernziele interkultureller Landeskunde

Lehr- und Lernziele werden im Fremdsprachenunterricht in drei Ansätze gegliedert: Ein


kognitiver Ansatz beziehungsweise eine kognitive Zielstellung zur Weitergabe, Verarbeitung
und Aneignung von Informationen und Wissen, gefolgt von einem kommunikativen
Bestandteil, bzw. einer pragmatischen Zielstellung zur Entwicklung von Verhaltens- und
Kommunikationskompetenzen, und einem interkulturellen Ansatz, bzw. einer pädagogischen
Zielstellung, zur Ausprägung von Einstellungen und Haltungen (vgl. Bettermann 1998:12).

Laut Zeuner ist die Entwicklung einer interkulturellen Kompetenz „ein übergeordnetes Lernziel
eines am Fremdverstehen orientierten Landeskundeunterrichts“ (Zeuner 1998:6). Er bezieht
sich dabei auf Andrea Schinschke, die Interkulturelle Kompetenz als folgende Fähigkeiten
beschreibt: „Die Fähigkeit, eigenkulturelle Konzepte zu reaktivieren“, „die Fähigkeit zur
Vermittlung zwischen der eigenen und der fremden Kultur“, "die Fähigkeit, ein bestimmtes
Kommunikationsverhalten zu verstehen“, und „die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme bzw.
Empathie“ (Schinschke, zitiert nach Zeuner 1998:6). Dieses übergreifende Lernziel wird in
weiterer Folge von Neuner und anderen in weitere Teilziele aufgespaltet: Einsicht in die
Bedingungen der Wahrnehmung gewinnen, Vergleichskompetenz erwerben, Formen und
Methoden des Umgangs mit dem Fremden kennenlernen und Metakommunikationsfähigkeit
erwerben (Neuner, zitiert nach Zeuner 2010:1473). Jörg Wormer fügt hinzu:

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Ziel ist es Erkenntnisse anhand von spezifischen und vergleichenden Untersuchungen zu
gewinnen und, ganz generell, das menschliche Verständigungshandeln auf der Basis
reflektierten Wissens um die eigenkulturelle Prägung in der Begegnung mit der Fremdkultur zu
fördern. (Wormer 2007:9)

Claus Altmayer bezieht sich diesbezüglich in einem seiner Aufsätze auf Herbert Christ und
Andrea Schinschke:

Die Aufgabe der Landeskunde […] bestehe nicht darin, objektive Wissensbestände didaktisch
aufzubereiten, vielmehr gehe es in einem lernerzentrierten Fremdsprachen- und insbesondere
Landeskundeunterricht um die je subjektiven Perspektiven der Lerner auf der einen, der
‚Angehörigen‘ der Fremdkultur und ihrer Manifestationen auf der anderen Seite. (Altmayer
1997:8)

Hans-Jürgen Krumm ist der Meinung, dass das übergeordnete Lernziel des interkulturellen
Fremdsprachenunterrichts die Fähigkeit ist, Verschiedenheiten der Sprache, der Texte und der
Sprecher der anderen Sprache auszuhalten, sowie eigene Normen zu hinterfragen „und für
andere Sprach- und Verhaltensformen als Ausdruck anderer kultureller Prägungen, nicht als
ethnisierende Zuschreibung, zu sensibilisieren“ (Krumm 2003:141). Dieses übergeordnete
Lernziel lässt sich in weiterer Folge in verschiedene Teilziele aufspalten:

o Kritische Toleranz und Empathie gegenüber der fremden Kultur und ihren Menschen
o Die Fähigkeit zu mehrperspektivischer Wahrnehmung der fremdkulturellen Gegebenheiten
o Die Fähigkeit, die Prozesse zu verstehen, die bei der Interaktion von Personen aus
unterschiedlichen Kulturen ablaufen
o Strategien zu verfügen, sich mit eigen- und fremdkulturellen Phänomenen
auseinanderzusetzen und
o Die Fähigkeit, die fremde Kultur die Rollenerwartungen ihrer Angehörigen und deren
Handlungen zu verstehen und aus deren Sicht interpretieren zu können (vgl. Krumm
2003:141ff.)

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Inhalte interkultureller Landeskunde

Das landeskundliche Lernen wird als exemplarisches Lernen gesehen, welches nicht „auf die
Totalität seines Gegenstandes abhebt“ (Zeuner 2010:1473). Aus den oben formulierten
Lernzielen lässt sich schließen, dass im Zentrum des Landeskundeunterrichts keine festen
landeskundlichen Inhalte stehen können. Allerdings gibt es Grundkategorien wie zum Beispiel
„Familie“, „Wohnen“ u. ä. mit deren Hilfe sich Themen für das interkulturelle Lernen lassen
finden. Zeuner erklärt weiter:

Die konkreten Ausprägungen dieser Grundkategorien in der Zielkultur und die Auswirkungen
dieser konkreten kulturspezifischen Ausprägungen auf das Leben, Denken und Fühlen ganz
konkreter Menschen ermöglichen Inhalte, die vergleichbar werden mit den konkreten
Ausprägungen der Grundkategorien in der Ausgangskultur der Lernenden. (Zeuner 2010:1473)

Außerdem wären laut Zeuner zusätzliche Fragen und Probleme, welche durch ein
unterschiedliches Kommunikationsverhalten entstehen könnten, als Lerninhalte denkbar:

o Sprachliche Indikatoren für den Kulturvergleich, hinterfragen von Begriffsinhalten,


Kommunikationsabläufe und kommunikative Stile, Register und Textsorten;
o Nonverbales Kommunikationsverhalten;
o Interaktionsrituale;
o Interpersonelle Wahrnehmung und deren Auswirkung auf Kommunikationsabläufe;
o Sprachliche Mittel und Abläufe von Metakommunikation zur Bewältigung und Analyse
kommunikativer Situationen. (Ibid.:1473f.)

Methodische Zugangsweisen

Es gibt verschiedene Zugangsweisen zur Landeskunde. Ein bedeutendes Konzept


interkultureller Landeskunde ist die Organisation von „Begegnung als reale Face-to-Face-
Situation oder über Simulationen, Texte, Lehrwerke“ (Krumm, zitiert nach Zeuner 2010:1474).
Laut Krumm werden die Begegnungen mit der Kultur des Zielsprachenlandes über folgende
drei Zugänge ermöglicht: Durch den Zugang über die Sprache, den Zugang über die Menschen
und ihr Handeln und durch den Zugang über exemplarische Manifestationen (vgl. Krumm,
zitiert nach Zeuner 2010:1474).

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Mittels der Vermittlung von Wissen über kulturelle und sprachliche Kommunikationsnormen
und Kommunikationsgewohnheiten sowie Sprachaufmerksamkeitsübungen erschließt sich der
Zugang über die Sprache (vgl. House, zitiert nach Zeuner 2010:1474), ebenso wie durch das
„Hinterfragen der kulturellen Bedeutungsebene von Wörtern“ (Müller, zitiert nach Zeuner
2010:1474) und durch das Entdecken kulturbedingter Differenzen in Textstrukturen.

Interkulturelle Lernziele können, wie bereits erwähnt, auch durch handlungsorientiertes


Unterrichten erreicht werden. Handlungsorientierter Unterricht ist zwar nicht immer planbar
wie das traditionelle Lehren, kann allerdings als eine Ergänzung oder Alternative zum
traditionellen Unterricht gesehen werden, da es sich um einen ganzheitlichen und lerneraktiven
Unterricht handelt. Er versucht den ganzen Lehrer, dessen Kopf, Herz und Hand anzusprechen
und arbeitet mit ganzheitlichen Methoden wie z.B. Partnerarbeit oder Rollenspiel. Die
Lernenden sollen dabei selbst entdecken, planen und ausprobieren, während die Lehrenden
hierbei nur Berater sind (vgl. Zeuner 2001:70).

Des Weiteren bemüht sich der handlungsorientierte Unterricht „die subjektiven


Lernerinteressen zum Ausgangspunkt des Lernens zu machen und gibt damit Gelegenheit,
durch handelnden Umgang mit neuen Themen die eigenen Interessen weiterzuentwickeln“
(ibid.:70). Beim handlungsorientierten Unterricht werden die Lernenden von Anfang an bei der
Planung, der Ausführung und der Analyse der Lernprozesse beteiligt. Außerdem gehen hier
Lehrende und Lernende aufeinander zu und der Unterrichtsraum kann nach außen verlagert
werden. Somit kommt es zu einer Öffnung der Schule nach innen und nach außen (vgl. ibid:71).
Die Projektarbeit ist eine wichtige Methode des handlungsorientierten Arbeitens, da sie
abwechslungsreiche Gelegenheiten zur Begegnung mit dem Fremden bzw. dem Anderen bietet
„und damit Fremderfahrungen als Voraussetzung für interkulturelles Lernen“ (Zeuner
2010:1474) ermöglicht.

Die dritte Zugangsweise, die Krumm anspricht, ist, wie weiter oben erwähnt, der Zugang über
exemplarische Manifestationen. Krumm beschreibt Manifestationen „als diejenigen
institutionellen, historischen und kulturellen Gegebenheiten, die das Beziehungsgefüge für
unsere Alltagskultur herstellen“ (Krumm, zitiert nach Zeuner 2010:1474).

Ein weiteres Konzept der interkulturellen Landeskunde ist das Arbeiten mit Stereotypen. Hier
geht die Frage hervor, was unter dem Begriff „Stereotypen“ zu verstehen ist. Rainer
unterscheidet hierbei zwischen Typisierung und Stereotypisierung:

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Typisierungen haben im Unterschied zu Stereotypen die Eigenschaft, immer nur „bis auf
weiteres“ zu gelten und durch neue Erfahrungshorizonte verändert werden zu können. Für den
Landeskundeunterricht gilt dies in besonderer Form. Die Schüler haben zunächst ein sehr
geringes Wissen über die fremde Kultur; sie brauchen einfache, relativ grobe Typisierungen,
um überhaupt ein Orientierungswissen zu erwerben. Stereotypen dagegen beziehen sich zwar
auf die Wirklichkeit und besitzen einen gewissen Wahrheitsgehalt, sind aber kein vereinfachtes
Wissen. (Bettermann 1998:17)

Lernende die eine Fremdsprache erlernen möchten, haben bereits ein Bild des
Zielsprachenlandes im Kopf und bringen dieses in den Unterricht mit. Mit diesen Bildern,
sprich den Stereotypen, kann im Unterricht gearbeitet werden. Es geht hierbei nicht darum,
diese vormanifestierten Vorstellungen zu bekämpfen, sondern um eine selbstreflektierende und
intersubjektive Betrachtung (vgl. Zeuner 2010:1475). Eine weitere Zugangsmethode zur Kultur
ist das Vergleichen, eine kognitive Tätigkeit, welche Unterscheiden und Gleichsetzen
einschließt (vgl. Zeuner 2010:1475).

Literaturverzeichnis

Altmayer, Claus (1997) „Zum Kulturbegriff des Faches Deutsch als Fremdsprache“ in:
Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht 2(2), 25pp. 1-23.

APA (2013) „Sprachwissenschaftler: Kaum Wertschätzung für Migrantensprachen“ in:


http://derstandard.at/1361241420720/Sprachwissenschaftler-Kaum-Wertschaetzung-fuer-
Migrantensprachen [30.12.2017]

Bettermann, Rainer (1998) „Erkennen, Erleben und Erfahren in der Landeskunde in Blei,
Dagmar/Zeuner, Ulrich (eds.) Theorie und Praxis interkultureller Landeskunde im
Deutschen als Fremdsprache. Bochum: AKS-Verlag, 13-21.

Blei, Dagmar (1998) „Eigen- und Fremdwahrnehmungen über die deutsche Sprache als
Angebot für interkulturelles Lernen“ in Blei, Dagmar/Zeuner, Ulrich (eds.) Theorie und
Praxis interkultureller Landeskunde im Deutschen als Fremdsprache. Bochum: AKS-
Verlag, 63-73.

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Duden (1983) Deutsches Universal Wörterbuch. Mannheim/Wien/Zürich: Dudenverlag.

House, Juliane (1996) „Zum Erwerb interkultureller Kompetenz im Unterricht des Deutschen
als Fremdsprache“ in Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht 1(3), 21pp,
1-19.

Krumm, Hans-Jürgen (2003) „Curriculare Aspekte der interkulturellen Kommunikation“ in:


Bausch, Karl-Richard/Christ, Herbert/ Krumm, Hans-Jürgen (eds.) Handbuch
Fremdsprachenunterricht. 4 erw. Auflage. Tübingen: Francke/UTB, 138-144.

Wormer, Jörg (2007) „Transkulturelle Kompetenz und Landeskunde. Chancen der deutschen
Sprache im 21. Jahrhundert – aufgezeigt am Beispiel einer wissenschaftlichen
Landeskunde“ in: Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht 12(2),1-20.

Zeuner, Ulrich (1998) „Thesen zur interkulturellen Landeskunde“ in Blei, Dagmar/Zeuner,


Ulrich (eds.) Theorie und Praxis interkultureller Landeskunde im Deutschen als
Fremdsprache. Bochum: AKS-Verlag, 5-11.

Zeuner, Ulrich (2001) „Landeskunde und interkulturelles Lernen: eine Einführung“ Dresden:
Technische Universität Dresden.

Zeuner, Ulrich (2010) „Interkulturelle Landeskunde“ in Krumm,Hans-Jürgen/Fendrych,


Christian/Hufeisen, Britta/ Riemer, Claudia (eds.) Deutsch als Fremd- und Zweitsprache.
Ein Internationales Handbuch. Berlin/New York: Walter de Gruyter GmbH & Co. KG.,
1471-1477.

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