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CONSILIA Lehrerkommentare

Herausgegeben von Hans-Joachim Glücklich Heft 8

Hans-Joachim Glücklich

Die Hannibalbiografie des Nepos im Unterricht

Interpretationen und Unterrichtsvorschläge

2., völlig überarbeitete Auflage

Vandenhoeck & Ruprecht

© 2011, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen ISBN Print: 9783525256602 — ISBN E-Book: 9783647256603

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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-525-25660-2 ISBN 978-3-647-25660-3 (E-Book)

© 2012, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen / Vandenhoeck & Ruprecht LLC, Oakville, CT, U. S. A. www.v-r.de Alle Rechte vorbehalten. Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Printed in Germany. Satz: textformart, Göttingen Druck und Bindung: Hubert & Co, Göttingen

Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier.

© 2011, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen ISBN Print: 9783525256602 — ISBN E-Book: 9783647256603

Inhalt

I. Einleitung

. 1. Die Hannibal-Vita als Schullektüre

. 2. Zur Neubearbeitung der Exempla-Ausgabe

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II. Interpretationen und Unterrichtsvorschläge

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Hamilcar c. 1: Hamilkar im Krieg mit den Römern

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1. Interpretation Hamilcar c. 1

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2. Texterschließung

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3. Hinweise zu den Arbeitsaufträgen zu Hamilcar c. 1

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Hamilcar c. 4: Hamilkars Römerhass

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1. Interpretation Hamilcar c. 4

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2. Texterschließung

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3. Hinweise zu den Arbeitsaufträgen zu Hamilcar c. 4

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Hannibal c. 1: Tapferkeit, Klugheit und Hass Hannibals

 

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1.

Interpretation Hannibal c. 1

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2.

Texterschließung

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3.

Hinweise zu den Arbeitsaufträgen zu Hannibal c. 1

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4.

Kapitel 1 als Ausgangspunkt für die weitere Lektüre und

 

die Interpretation

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Hannibal c. 2: Hannibals lebenslanger Hass auf die Römer

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1. Interpretation Hannibal c. 2

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2. Texterschließung

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3. Hinweise zu den Arbeitsaufträgen zu Hannibal 2

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Hannibal c. 3: Hannibals Zug nach Italien

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1. Interpretation Hannibal c. 3

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2. Texterschließung

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3. Hinweise zu den Arbeitsaufträgen zu Hannibal c. 3

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Hannibal c. 4: Hannibals Erfolge in Italien

 

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1. Interpretation Hannibal c. 4

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2. Texterschließung

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3. Hinweise zu den Arbeitsaufträgen zu Hannibal c. 4

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Hannibal c. 5: Hannibal – in Italien unüberwindlich

 

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1. Interpretation Hannibal c. 5

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2. Texterschließung

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3. Hinweise zu den Arbeitsaufträgen zu Hannibal c. 5

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Inhalt

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© 2011, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen ISBN Print: 9783525256602 — ISBN E-Book: 9783647256603

Hannibal c. 6: Die Niederlage bei Zama bricht Hannibal nicht

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1. Interpretation Hannibal c. 6

 

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2. Texterschließung

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3. Hinweise zu den Arbeitsaufträgen zu Hannibal c. 6

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Hannibal c. 7: Hannibals politische Leistung und seine Flucht aus Karthago

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1. Interpretation Hannibal c. 7

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2. Texterschließung

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3. Hinweise den Arbeitsaufträgen zu Hannibal c. 7

 

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Hannibal c. 8: Hannibal bei Antiochus

 

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1. Interpretation Hannibal c. 8

 

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2. Texterschließung

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3. Hinweise zu den Arbeitsaufträgen zu Hannibal c. 8

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Hannibal c. 9: Hannibal überlistet die Kreter

 

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1. Interpretation Hannibal c. 9

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2. Texterschließung

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3. Hinweise zu den Arbeitsaufträgen zu Hannibal c. 9

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Hannibal c. 10–11: Eine Seeschlacht mit geplanten Überraschungen

 

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1. Interpretation Hannibal c. 10–11

 

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2. Texterschließung

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3. Hinweise zu den Arbeitsaufträgen zu Hannibal c. 10–11

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Hannibal c. 12: Hannibals Tod

 

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1. Interpretation Hannibal c. 12

 

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2. Texterschließung

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3. Hinweise zu den Arbeitsaufträgen zu Hannibal c. 12

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Hannibal c. 13: Hannibals literarische Bedeutung

 

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1. Interpretation Hannibal c. 13

 

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2. Texterschließung

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3. Arbeitsaufträge zu Hannibal c. 13 und zur Gesamtbetrachtung

Livius über Hannibal

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. Hinweise zu den Arbeitsaufträgen zu »Livius über Hannibal«

 

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I. Einleitung

1. Die Hannibal-Vita als Schullektüre

Hannibal und Scipio sind fest im kollektiven Gedächtnis nicht nur der Römer, sondern Europas und Amerikas, auch Afrikas und des nahen Ostens eingeprägt, heute Hannibal mehr als Scipio. Die Römer werteten Hannibal zunächst als größ- ten Gegner und als größte Gefahr für Rom. Sie bewunderten ihn bald wegen sei- ner strategischen Fähigkeiten. Standbilder und Büsten Hannibals aus der Antike sind keine erhalten. Aber man weiß, dass es in Rom solche gab, erst möglicher- weise als Mahnzeichen, später zur Identifikation mit strategischer Größe. Han- nibal und die Punischen Kriege kennzeichnen zudem die »Epochengrenze«, den Übergang Roms von einer eher lokalen zu einer Weltmacht, zur Beherrscherin des Mittelmeerraums. Sie lösten einen Schub im römischen Selbstbewusstsein und Selbstverständnis aus. Es gibt viele antike Autoren, die über Hannibal schreiben (siehe Übersicht in der Textausgabe S. 10 f.). Die drei wichtigsten Darstellungen zu Hannibal aus der Antike stammen von Polybios, Nepos und Livius, aber auch die Darstellungen Plutarchs (zu römischen Führungspersönlichkeiten) und des Cassius Dio sind von großer Bedeutung. Polybios schildert die Auseinandersetzung zwischen Rom und Karthago, zwischen Scipio d. Ä. und Hannibal, vor dem Hintergrund der wandel- baren Tyche und der römischen Verfassung als Garantie für langen Bestand eines Staates. Cassius Dio (in seiner Römischen Geschichte) schildert Hannibal eher ne- gativ, aber stellt die Punischen Kriege als die entscheidende Wende in Roms Ge- schichte dar (zur Epochengrenze 218 in Buch 13, zu Hannibal in Buch 13, zu Sci- pio in Buch 16, jeweils in Auszügen von Zonaras überliefert). Livius schildert die Größe römischer Feldherrn und bietet sehr viele anschauliche Details des Gesche- hens. Das Ziel dieser Autoren ist es vor allem, Scipio und Rom als hoch bedeu- tend darzustellen; da muss der Gegner möglichst gefährlich und schwierig sein. Die Hannibal-Vita des Nepos bietet sich zunächst schon wegen ihrer Kürze an. Man kann sie zwar laut in 55 Minuten vorlesen. Im Unterricht muss man mit zwei- einhalb bis drei Monaten für die Lektüre rechnen. Die Hannibalvita des Nepos ist aber nicht nur relativ kurz, sie ist auch ein ganz erstaunliches Werk. Der Auf- bau ist klappsymmetrisch und voller gegenseitiger Bezüge (siehe dazu Textaus- gabe S. 11). Die Lebensbeschreibungen (Vitae) des Nepos erschienen erstmals in den Jahren 35/34 v. Chr., ca. sechs Jahre später in zweiter erweiterter und umgear- beiteter Auflage. Die erweiterte Auflage enthielt die Hannibal- und die Hamilkar- Vita. Das bedeutet: 10 Jahre nach Caesars Tod stellt Nepos den Römern Identifika- tionsfiguren vor. 15 Jahre nach Caesars Tod weist er eventuell auch dem größten

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Gegner Roms eine solche Qualität als Identifikationsfigur zu. Seine strategischen und taktischen Fähigkeiten führten zur Auseinandersetzung mit seiner gesamten Persönlichkeit. Hannibal wird selbst dann noch als gefährlich dargestellt, als er nur noch eine Art Söldnerführer im Dienst von Königen im vorderen Orient ist. Die grausamen oder zerstörerischen Taten Hannibals stehen im Jahr 29 hinter der Bewunderung für seine Leistungen zurück. In der praefatio zu allen vitae hat Nepos deswegen auch geschrieben (praef. 2–3): Kritiker seiner Art der Darstel- lung sollten sich zuerst über eines bewusst sein: Sie sollten nicht nur für richtig halten, was mit ihren eigenen Sitten übereinstimmt. »Wenn sie erst einmal gelernt haben, dass nicht für alle dasselbe als ehrenvoll und schimpflich gilt (dass also verschiedene Menschen verschiedene Lebensziele und Wertvorstellungen haben), sondern dass alles nach Einrichtungen der Vorfahren beurteilt wird, dann wer- den sie sich nicht wundern, dass wir bei der Darstellung griechischer Leistungen auch deren Sitten im Blick haben.« Caesar betont in seiner von Sallust erfundenen, aber offenbar der Person Caesars angemessenen und entsprechenden Rede (Catilinae coniuratio 51, 37 f. und 42): Es ist ein Kennzeichen der Römer, fremde Errungenschaften zu prüfen und gegebe- nenfalls zu übernehmen. Das von Caesar, Sallust, Nepos und anderen dargestellte Modell der überlegten Übernahme anderer zivilisatorischer und kultureller Leistungen macht auch die Lektüre der Hannibalbiografie des Nepos empfehlenswert.

2. Zur Neubearbeitung der Exempla-Ausgabe

Die neubearbeitete Ausgabe folgt den bewährten Prinzipien der Exempla-Reihe, weist aber viele Änderungen und Neuerungen auf. Sie sind in der Neuausrichtung der Nepos-Lektüre auf die Mittelstufe begründet.

Textpräsentation: Der Text wird vor allem am Anfang und dort, wo es sich emp- fiehlt, in kolometrischer Schreibweise präsentiert. Die Kapitel Hamilcar 2 und 3 werden nur referiert; Hannibal 13 ist zum Teil mit Übersetzung angeboten, ebenso ein Auszug aus dem Werk des Livius.

Lernvokabular. Ein ausführliches Lernvokabular bietet alle Vokabeln, die zu- mindest theoretisch voraussetzbar sind oder aber während der Lektüre gelernt werden sollten, alphabetisch an. Die alphabetische Anordnung ermöglicht das Nachschlagen während der Lektüre. Am Beginn der Lernvokabeln ist aber darge- legt, welche Vokabeln vor oder nach einem Kapitel gelernt werden sollen.

Einleitung, Grundwissen, Begleittexte und Informationen: Einleitung, Grund- wissen, Begleittexte und Informationen haben mehrere Funktionen. Sie sammeln Wissen, das den Schülern zur Verfügung stehen soll. Sie ermöglichen oft einen

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leichteren Einstieg in den Text und ein rascheres und besseres Verstehen (siehe dazu die Hinweise bei den einzelnen Kapiteln). Sie helfen zudem, die Arbeitsauf- träge zur Interpretation in angemessener Zeit zu bearbeiten. Aus diesem Grund sind auch Bildbeschreibungen aufgenommen, die einige Grundbeobachtungen festhalten und Hinweise zur weiteren Beobachtung geben.

Art und Abfolge der Arbeitsaufträge: Arbeitsaufträge und Begleittexte stehen in der Textausgabe getrennt vom Text, damit optisch der Zusammenhang des Tex- tes erhalten bleibt. Die Art der Arbeitsaufträge und ihre Abfolge sind in der Text- ausgabe (S. 21) erklärt. Sie richten sich nach den auszubildenden Kompetenzen.

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II. Interpretationen und Unterrichtsvorschläge

Hamilcar c. 1: Hamilkar im Krieg mit den Römern

(Erster Punischer Krieg, beschriebener Zeitraum: 264–241) Text: Ausgabe S. 22–23 Arbeitsaufträge und Begleittexte: Ausgabe S. 46–49

1. Interpretation Hamilcar c. 1

§ 1: Der Name der beschriebenen Person steht am Anfang: Hamilcar. Danach wird der Vater angegeben: Hannibalis filius. Schüler dürfen diesen Hannibal nicht mit Hamilkars Sohn gleichen Namens verwechseln, man verweist am besten auf den parallelen Beginn der Hannibal-Vita (Hannibal 1,1): Hannibal, Hamilcaris fi- lius. Dann werden Hamilkars Beiname (cognomine Barca) und seine Nationali- tät (Karthaginiensis) genannt. Die Herkunft bedeutet für römisches Verständnis Feindlichkeit und Krieg. Entsprechend wird Hamilkar sogleich in seiner ersten kriegerischen Tätigkeit beschrieben: Zeitangabe: primo Poenico bello; Präzisie- rung der Zeitangabe: am Schluss (temporibus extremis); Altersangabe: admodum adulescentulus; Ortsangabe: in Sicilia; Funktionsangabe: praeesse coepit exercitui. Hamilkar wird sofort im Kriegsgeschehen gezeigt, er ist früh mit seiner Entwick- lung fertig, im Krieg lässt sich sein Wesen am besten zeigen. In § 2 zieht Nepos einen Trennungsstrich zwischen der Zeit vor und der Zeit nach Hamilkars Ankunft in Sizilien. Vier Aussagen beschreiben zweimal nega- tiv, zweimal positiv, dass Hamilkar immer gesiegt hat. Die letzten zwei Aussagen sind durch e contrario von den ersten beiden abgesetzt. Die totale Geltung der Aussagen wird durch numquam und semper deutlich gemacht, von saepe kaum eingeschränkt. Der Gegensatz zwischen dem Zustand vorher und dem nach- her wird durch das adversative cum (als solches erweist es sich bei der Inhalts- und Satzanalyse) und durch das betont vor ubi adfuit gesetzte ipse unterstrichen, außerdem durch den Wechsel der Diathese: Passiv gererentur im cum-Satz, Aktiv im Hauptsatz. Im nächsten Satz hebt Nepos am Beispiel der Verteidigung des Eryx erneut den Unterschied zwischen der Zeit vor und der nach Hamilkars Ankunft hervor. Die Verteidigung des Eryx erscheint als Ergebnis (quo facto) der kriegerischen Über- legenheit Hamilkars oder diese kulminiert umgekehrt in der Verteidigung des Berges und der Stadt. Im ut-Satz wird sodann das Ergebnis dieser Verteidigung genannt: bellum eo loco (Sizilien) gestum non videretur.

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§ 3: Mit interim wird die Schilderung einer Parallelaktion eingeleitet. Nepos wechselt von Hamilkar und seinen Leuten auf Sizilien (Poeni) zu anderen (Kar- thaginienses), vom Land zum Meer (classe, weit von superati getrennt); man liest eine neue Themen-, Orts- und Kriegsschauplatzangabe: apud insulas Aegatis; statt Siegervokabular im Zusammenhang mit Hamilkar liest man vom Verlie- ren (superati). Erstmals werden die Römer – die vorher nur im Wort hosti (§ 2) er- schienen – und ein römischer Konsul mit Namen genannt, ebenso sein Amt. Sie erscheinen als Sieger, werden aber nicht grammatisches Subjekt; dies bleibt die punische Seite. Der eben geschilderte totale Sieger muss nun um einen Frieden bitten, für den sich die Karthager aufgrund von Verlusten (superati) und gezwun- genermaßen entschieden haben. Nepos bereitet darauf vor, dass Hamilkar den Widerspruch zwischen seinem Können und seinem Auftrag empfindet und diese gewaltige Frustration in ihm dauernde Schäden anrichtet. Der folgende Satz, eingeleitet mit dem starken ille, hebt diesen Gegensatz von Kön- nen und Auftrag gleich hervor, indem sofort nach ille ein etsi-Satz folgt und der Hauptsatz mit tamen eingeleitet wird. Hamilkar empfindet seine Mission (arbit- rio permiserunt) als Unterwerfung (servire). Er sieht sie als notwendig an (-ndum putavit), weil Karthago keine Mittel mehr hat, keine Niederlage mehr verkraften kann. Die totale Erschöpfung wird herausgehoben: Kompositum ex-haustam, Plu- ral sumptibus, Komparativ diutius, Infinitiv der Gleichzeitigkeit (ferre non posse). Deutlich wird auch der Konflikt in Hamilkar herausgehoben: Zwei Ausdrücke des Affekts (flagrabat … cupiditate) stehen zwei Verben der Rationalität gegen- über (putavit, intellegebat). Dann wird der innere Vorbehalt angefügt, der auch für den Friedensschluss gilt, zu dem sich Hamilkar gezwungen sieht: sed ita, ut statim mente agitaret … (§ 4). Die kriegerische Haltung ist nicht aufgehoben, nur aufge- schoben, der Verstand spielt bei der Aggression mit, wie die Verwendung von mente agitaret zeigt – das Wort mens hat eine rationale und eine affektive Komponente. Wie sehr Hamilkar auf einen neuen Krieg brennt, zeigt Nepos in vielen Einzel- heiten: Karthago muss sich nur »ein bisschen« erholen (paulum modo); der Krieg wird die Fortsetzung des alten sein (renovare); Hamilkar wird die Römer uner- bittlich überall hin verfolgen (Kompositum persequi); er kennt dann – so stellt es Nepos dar – nur zwei Alternativen: Sieg oder Niederlage der Römer, also kei- nen Vertrag mehr. Die Alternativen schließen sich aus (aut … aut), die erste ist durch Alliteration hervorgehoben (virtute vicisset), die zweite nimmt die Allite- ration und den Stamm von vicisset in victi, die Endung von vicissent in dedissent auf. Ein unehrlicher Friedensschluss! Nepos kann sich mit der scheinbar zurück- haltenden, nach dem Vorigen aber doch demonstrativen Formulierung begnü- gen: Hoc consilio pacem conciliavit. Man könnte dahinter ein Ausrufezeichen set- zen. Nepos zeigt das Sinnlose dieses Friedensschlusses, indem er nun Hamilkars äußeres Verhalten beim Vertragsschluss schildert und dabei die Ausdrücke wei- terführt, die Affekt und Ratio verbinden: ferocia, pertinacia. Wie Nepos Hamil- kars äußeres Verhalten schildert, scheint zunächst im Satzbau ungewöhnlich: In qua – die meisten Herausgeber schreiben gegen die Handschriften in quo – tantā fuit ferociā … und nun erwartet man ut …› aber es folgt ein cum-Satz, der die

10 Interpretationen und Unterrichtsvorschläge

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römische Forderung schildert, und erst dann der ut-Satz. Hamilkar kommt ge- zwungen, aber mit dem inneren Vorbehalt zum Vertragsschluss (pacem). Auch bei diesem (in qua) ist er von der geschilderten starken Entschlossenheit oder Verbissenheit (tanta ferocia: Abl. qualitatis, fuit: nämlich Hamilkar!). Diese Ver- bissenheit ist nicht die Folge der römischen Forderung, die im cum-Satz geschil- dert wird, sondern geht ihr voran. Und so ist auch die folgende, im ut-Satz ge- schilderte Erklärung Hamilkars nicht Folge der römischen Forderung, sondern die Folge aus seiner eigenen Haltung, die er zum Vertragsschluss mitbringt und die diesen eigentlich verbietet. Die römischen Vertragsbedingungen, im cum Satz geschildert, holen nur Hamilkars Haltung ans Tageslicht und provozieren ihn zu seiner im ut-Satz geschilderten Äußerung. Der zeitlichen Abfolge entsprechend steht also erst … fuit ferocia, dann cum … negaret … decederent, dann ut … dixe- rit. Nepos macht deutlich, dass Kriegslust, Falschheit und Verbissenheit Wesens- züge Hamilkars sind. Zum Schluss des Kapitels zeigt er daher deutlich Distanz. Im ut-Satz, der die Folge von Hamilkars Verbissenheit schildert, stellt er das Va- terland (patria) Hannibal (ipse) gegenüber: succumbente patria »während das Va- terland am Boden lag« – ipse … dixerit … »(schloss er nicht zu den römischen Be- dingungen Frieden, sondern) sagte er selbst, er wolle lieber sterben als mit einer so großen Schmach nach Hause zurückkehren«. Dabei ist die Bedingung, die der Konsul Catulus stellt, recht ehrenvoll: freier Abzug aus Sizilien (ille cum suis … Si- cilia decederent, das Prädikat steht im Plural »ad sensum«, denn cum ist hier fast wie et verwendet), allerdings ein Abzug ohne Waffen (armis relictis). Hamilkar je- doch sieht darin eine Schmach, will also keinerlei Einbußen beim Vertragsschluss hinnehmen. Er begründet es mit seinem eigenen Naturell und seinem eigenen Ruf als unbezwungener Sieger: non enim suae (betont vom Bezugswort getrennt) esse virtutis: »mit seiner (Auffassung und Bewährung von) Tapferkeit vertrage es sich nicht, Angriffswaffen dem Feind auszuliefern«. Die Verbissenheit ist also ein ganz persönlicher Zug Hamilkars. Und Nepos stellt dies am Schluss auch noch in dem zusammenfassenden Ausdruck huius pertina- ciae heraus. Da gibt es nur zwei Verhaltensweisen: rücksichtsloses Vorgehen oder Hinnehmen. Catulus tut das zweite: cessit Catulus. Im Verlauf des Kapitels hat sich Hamilkars Bild verdüstert. Vgl. die Darstellung zu den Arbeitsaufträgen 3a und b sowie 4. Hamilkar erscheint mit seiner Kriegs- lüsternheit und seiner unmoralischen Einstellung zum Vertragsschluss wie Cae- sars Gegner (man vergleiche etwa Gall. 1,14; 4,9,3). Ein Römer führt Krieg aus rationalen Gründen, nicht aus Kriegslust, und er hält sich an die pax – so wenigs- tens die Theorie oder »Ideologie«. Nepos aber nennt Hamilkar nicht so, wie Cae- sar solche Leute nennt: Barbar (etwa Gall. 1,31,5). Nepos vermittelt also von Anfang an dem Leser einen psychologischen und po- litisch-ideologischen Hintergrund. Hamilkars Krieg ist nicht von einem Gedan- ken an gerechte Kriegsgründe getragen, sein Friedensschluss ist kein wirkliches Bündnis mit Rom, sondern Heuchelei eines superbus, die weiteren Krieg der Rö- mer rechtfertigt. Im Unterschied zu römischer Auffassung und Selbstdarstel- lung verfolgt Hamilkars Krieg keine Herstellung einer pax und einer Ordnung,

Hamilcar c. 1: Hamilkar im Krieg mit den Römern

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sondern dient ausschließlich dem persönlichen Geltungsbedürfnis und ist Er- gebnis von Emotionen und Frustration. Hamilkars Krieg wird daher im Rück- blick als ungerecht abgestempelt und die später (Hannibal 2) geschilderte Über- tragung seines Römerhasses auf seinen Sohn Hannibal macht auch dessen Krieg ungerecht. Dieser erfüllt Ciceros Definition von ungerechten Kriegen, die sine causa suscepta sind, was Cicero, de re publica 3,35 (zitiert bei Isidor, Etymologiae 18,12 f.) so erläutert: Sie werden de furore, non de legitima ratione begonnen.

2. Texterschließung

Die Texterschließung kann zunächst das Thema »Hamilkar« finden und die In- formationen zu Hamilkar sammeln lassen. Satz für Satz kann man Thema und Rhema feststellen. Dies ist ein textsemantisches Verfahren. Das Thema ist im je- weiligen Satz das, was vom vorigen Satz oder aus vorigen Sätzen bekannt ist und in Wiederholungen, Umschreibungen oder zurückverweisenden Pronomina wieder aufgenommen wird. Das Rhema ist das jeweils Neue, bisher noch nicht Gesagte. Bei jedem Satz können auch eine Schilderung der Informationsabfolge, des Ab- laufs von Glied- und Hauptsätzen, verlangt und so der Inhalt und der Charakter der Sätze herausgearbeitet werden. Eventuell können Beschreibungen der Satz- verläufe und Satzabbildungen nach dem Einrücksystem erstellt werden. Schließ- lich kann die Übersetzung verlangt werden. Die Thema-Rhema-Gliederung ergibt:

§ 1: Am Ende des § 1 wird das Thema Krieg und Heeresführung angeschlagen:

praeesse coepit exercitui. Das wird nun im Folgenden ausgeführt:

§ 2: In den Gegensatz »Vorher (ante eius adventum) – Nachher (ipse, ubi adfuit)« wird eingeordnet: et mari et terra male re gererentur Karthaginiensium, num- quam hosti cessit, neque locum nocendi dedit, saepeque e contrario lacessivit, sem- perque superior discessit, omnia Poeni amisissent, ille Erycem sic defendit, ut bel- lum gestum non videretur. § 3: In den Gegensatz »Karthaginienses – ille« wird eingeordnet: classe superati, statuerunt belli facere finem eamque rem permiserunt Hamilcari. In den Gegen- satz »flagrabat – serviundum putavit« eingeordnet, wird Hamilkars Erfolg im Krieg wieder aufgenommen und ist jetzt zu einer festen affektiven Einstellung ge- worden: Kriegsbegierde (flagrabat bellandi cupiditate). Der Vertragsschluss (paci) nimmt belli facere finem und eam rem aus § 3 auf, jetzt im nächsten Stadium. § 4: In die neue Information der heimlichen Überlegung (mente agitaret) wird eingebunden: res essent refectae, bellum renovare, Romanos armis persequi, virtute vicissent, victi manus dedissent. § 5: Der neuen Information pacem conciliavit werden zugeordnet: ferocia, bel- lum compositurum, armis relictis, Sicilia decederent; der neuen Information ipse periturum se potius dixerit werden zugeordnet: succumbente patria, cum tanto flagitio domum rediret, arma a patria accepta adversus hostis adversariis tradere, pertinaciae cessit.

12 Interpretationen und Unterrichtsvorschläge

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3. Hinweise zu den Arbeitsaufträgen zu Hamilcar c. 1

Für alle Antwortvorschläge gilt: Die Darlegungen enthalten meist mehr, als von den Schülern verlangt werden muss, sie dienen der Information des Lehrers.

1. Arbeite Besonderheiten im Satzbau (Abfolge von Glied- und Hauptsätzen) und in der Wortstellung (Grundwissen 5, Nr. 10) heraus und erläutere die Wir- kungen.

§ 1: Stellung des Prädikats praeesse coepit zwischen in Sicilia und exercitui. Viel- leicht wird dadurch das langsame Hineinwachsen des sehr jungen Hamilkar (ad- modum adulescentulus) in seine Aufgabe charakterisiert. § 2: a) Betonung des male durch Stellung vor statt nach res: »wirklich schlecht standen«; zusammen mit der ausführlichen polysyndetischen Formulierung et mari et terra eine Hervorhebung des Misserfolgs der Karthager.

b) Karthaginiensium steht nach male res gererentur statt nach res und vor gereren-

tur; dadurch Fokussierung auf Karthaginiensium und unmittelbare Kontrastie- rung mit ipse (Hamilkar).

c) Normale parallele Abfolge in: ipse, ubi adfuit, numquam hosti cessit – neque lo-

cum nocendi dedit – saepeque e contrario, occasione data, lacessivit – semperque superior discessit. Dadurch entsteht eine katalogartige Darstellung vieler Aktio- nen Hamilkars mit Homoioptoton -it. Die Aktionen werden in einer polysynde- tischen Aufzählung wiedergegeben, die eine Dihaerese des genannten Begriffs

semper superior discessit ist. Der Oberbegriff wird durch s-Alliteration hervor- gehoben.

d) Die zweite Hälfte des § 2 hat einen etwas komplizierteren Ablauf, der den Ge-

gensatz Poeni – ille (Hamilkar) darstellt: relativischer Anschluss mit kausa- lem Ablativ, konzessiv- / adversativer cum-Satz, Hauptsatz, Konsekutivsatz. Im cum-Satz betonte Voranstellung des Objekts paene omnia und Stellung des Sub- jekts Poeni (jetzt der Verlierername und Hassname statt Karthaginienses) an der schwach betonten Stelle vor dem Prädikat amisissent.

HS

Quo facto,

GS1

cum paene omnia in Sicilia Poeni amisissent,

HS

ille Erycem sic defendit,

GS1

ut bellum eo loco gestum non videretur.

§ 3: a) belli facere finem steht nach statuerunt statt davor, dadurch Hervorhebung des Themas;

b) Hamilcaris steht statt vor oder nach arbitrio wirkungsvoll am Satzende, da-

durch erneut Fokussierung auf Hamilkar, der im nächsten Satz sofort mit ille auf- genommen wird.

c) bellandi cupiditate steht nach flagrabat, statt davor; dadurch Betonung beider

Wörter.

d) diutius steht betont von ferre getrennt.

Hamilcar c. 1: Hamilkar im Krieg mit den Römern

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§§ 3–4: Komplizierter Satzbau, der Hamilkars Kriegslust und Falschheit darstellt in der Abfolge Kriegslust – Friedensschluss – Kriegslust / Falschheit

HS

Ille,

GS1

etsi flagrabat bellandi cupiditate,

HS

tamen [paci serviundum] putavit,

GS1

quod [patriam, [exhaustam sumptibus], diutius calamitates

HS

belli ferre non posse] intellegebat, – (4) sed ita,

GS1

ut statim mente agitaret,

GS2

si paulum modo res essent refectae,

GS1

bellum renovare Romanosque armis persequi,

GS2

donicum aut virtute vicissent aut victi manus dedissent.

§ 5: a) Erneut komplizierter Satzbau, der den Gegensatz von Friedensschluss und Gesinnung zeigt und ihn verdeutlicht.

HS

(5) Hoc consilio pacem conciliavit;

HS

in qua tanta fuit ferocia –

GS2

cum Catulus negaret [bellum compositurum],

GS3

nisi ille cum suis,

GS4

qui Erycem tenuerunt,

GS3

[armis relictis] Sicilia decederent –,

GS1

ut, [succumbente patria], ipse [periturum se potius] dixerit,

GS2

quam cum tanto flagitio domum rediret:

HS

Non enim suae esse virtutis arma, [a patria accepta adversus hostis], adversariis tradere.

b) tanta ist betont, weil von ferocia getrennt, Hyperbaton → Grundwissen 5, St 10.

c) Catulus und negaret (Subjekt, Prädikat) sind zusammen vorangestellt, danach

erst folgt das lange, erweiterte Objekt bellum … decederent. Die römischen Bedin- gungen werden dem Leser ins Bewusstsein gebracht.

d) succumbente patria – ipse: betonte Gegenüberstellung.

e) periturum se: Vertauschung der Abfolge Subjekt – Prädikat im A.c.i.; Betonung

von periturum.

f) Betonte Stellung von non am Satzanfang. Das ablehnende Wort steht voran.

g) Betonte Stellung von suae. Hamilkar hebt seine Art und seine Vorstellung von

virtus hervor, die der Erwartungshaltung der Römer an einen unterlegenen Ver-

tragspartner widerspricht.

14 Interpretationen und Unterrichtsvorschläge

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2 a) Schreibe alle Ablativformen aus c. 1 heraus, bestimme sie und gib die jeweilige semantische Aufgabe an (also die Bedeutungsrichtung Begleittext 2).

Wort

Form

Großgruppe

Bedeutungsrichtung (evtl. spezielle Bezeichnung)

1

cognomine

Abl. Sg. n.

Abl. originis

Bezugspunkt (Abl. respectus, »des Bezugspunkts«)

primo Poenico

Abl. Sg. n.

Abl. temporis

Zeitangabe

bello

temporibus ex-

Abl. Pl. n.

Abl. temporis

Zeitangabe

tremis,

in Sicilia

Abl. Sg. f.

Abl. loci

Ortsangabe

2

et mari et terra

Abl. Sg. n. bzw. f.

Abl. loci ohne Präposition

Ortsangabe

e

contrario

Abl. Sg. n.

Abl. originis

für deutsche Vorstellung eher modal

occasione data

Abl. Sg. f.

Abl. abs. (Ablativ + Prädikativum)

hier Zeitangabe

cupiditate

Abl. Sg. f.

Abl. instrumenti

Grund (Abl. causae, »des Grundes«)

quo facto

Abl. Sg. n.

Abl. instrumenti

Grund (Abl. causae, »des Grundes«)

in Sicilia

Abl. Sg. f.

Abl. loci

Ortsangabe

eo loco

Abl. Sg. m.

Abl. loci ohne Prä- position

Ortsangabe

3 classe

Abl. Sg. f.

Abl. originis

Bezugspunkt (Abl. respectus, »des Bezugspunkts«)

a C. Lutatio,

Abl. Sg. m.

Abl. originis

Abl. auctoris, »des Urhebers«

consule Ro-

manorum,

cupiditate,

Abl. Sg. f.

Abl. instrumenti

Grund (Abl. causae, »des Grundes«)

sumptibus

Abl. Sg. m.

Abl. instrumenti

in deutscher Auffassung eher kausal (Abl. causae, »des Grundes«)

4 mente

Abl. Sg. f.

Abl. instrumenti

für deutsche Auffassung eher lokal

armis

Abl. Pl. n.

Abl. instrumenti

 

virtute

Abl. Sg. f.

Abl. instrumenti

 

Hamilcar c. 1: Hamilkar im Krieg mit den Römern

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Wort

Form

Großgruppe

Bedeutungsrichtung (evtl. spezielle Bezeichnung)

hoc consilio

Abl. Sg. n.

Abl. instrumenti / sociativus

Abl. modi (»der Art und Weise«)

in qua

Abl. Sg. f.

Abl. loci

 

tantā fuit

Abl. Sg. f.

Abl. originis

Abl. qualitatis

ferociā

(»der Eigenschaft«)

cum suis,

Abl. Pl. m.

Abl. sociativus

 

qui Erycem

tenuerunt,

armis relictis

Abl. Pl. n.

Abl. abs. (Ablativ + Prädikativum)

temporal

Sicilia

Abl. Sg. f.

Abl. separativus

 

succumbente

Abl. Sg. f.

Abl. abs. (Ablativ +

adversativ (auf dixerit bezogen), evtl. konditional, wenn man succumbente auf periturum bezieht

patria

Prädikativum)

cum tanto fla-

Abl. Pl. n.

Abl. sociativus

Abl. modi (»der Art und Weise«)