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Romanisches Lehngut

(1. Einheit 07.03.2018)


Mit Romanisch wird in der Vorlesung (oft) das in Kroatien gesprochene
Romanisch (nicht Italienisch) bezeichnet.
Um 600. n. Chr. kamen Slawen auf die Balkanhalbinsel. (Man sollte
nicht Balkan sagen, weil das das Gebirge in Bulgarien ist. Daher ist der
Begriff Balkanhalbinsel besser:
https://de.wikipedia.org/wiki/Balkanhalbinsel)
Die Balkanhalbinsel war flächendeckend (also gänzlich) slawisiert,
aber das bedeutet nicht, dass nur Slawen dort waren, denn es gab ja eine
Vorbevölkerung, die dort lebte, bevor die Slawen kamen.
Diese Vorbevölkerung wurde assimiliert. Die Vorbevölkerung sprach
im Norden Latein beziehungsweise romanisch und im Süden
griechisch. Das bedeutet, dass es auf dem slawischsprachigen Gebiet
der Balkanhalbinsel einerseits ein nördlicheres Lateinisches und
andererseits ein südlicheres Griechisches Substrat gibt. Diese Grenze
zwischen griechischem und lateinischem Substrat heißt Jiriček-Skok
Linie bezeichnet (https://de.wikipedia.org/wiki/Jire%C4%8Dek-
Linie). Jiriček hatte anhand von Grabinschriften und Inschriften
bestimmen können, wo Griechisch und wo Latein gesprochen wurde.
Skok präzisierte später diese Linie und daher heißt sie Jiriček-Skok
Linie.
In Albanien in Pleš beginnt die Linie und verläuft über Skopje und Sofie
und verläuft dann nach Osten zum Schwarzen Meer. Nördlich davon
wurde Latein gesprochen, südlich davon Griechisch.
Vor dem Romanischen, gab es im Westen der Balkanhalbinsel Illyrer
(heutiges kroatisches, bosnisches und serbisches Gebiet), im Osten
Thraker (heutiges Bulgarien) und Daker (heutiges Rumänien). Alle
drei Völker sprachen indogermanische Sprachen, doch wir wissen
kaum etwas über diese Sprachen, da sie nur bruchstückhaft überliefert
ist. Daher werden solche sprachen auch Trümmersprachen genannt.
Eine Frage die eher offen bleibt ist, wann diese Völker aufgehört haben
ihre Sprachen zu sprechen und ob die Slawen diese Sprachen noch
gehört haben.

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Der Name der stadt Plovdiv geht wohl auf das thrakische Pulpudeva
zurück und das wiederum geht auf das griechische Φιλιππούπολις
(Philippopolis) zurück.
(Diese Annahme ist aber nicht stichhaltig.)

229 v. Chr. griff Rom zum ersten Mal auf der Balkanhalbinsel ein.
Teuta war eine mächtige Illyrische Königin und die Illyrer selbst waren
Seeräuber. Dass die Illyrer Seeräuber waren, merkt man an der
Siedlungsstruktur, also der Art und Weise Siedlungen zu bauen auf
einigen kroatischen Inseln. Auf der Insel Hvar zum Beispiel gibt es
heute die Orte Vrbanj und Vrboska. Die Siedlung war zu Zeiten der
Illyrer im Landesinneren auf einem Berg (Vrbanj) und der Hafen war
am Wasser (Vrboska), denn die Menschen die dort wohnten, hatten
Angst vor den Illyrern und daher bauten sie Ihre Siedlungen etwas
weiter weg vom Wasser.
Die Römer wollten jedoch die Seeräuberei beenden und daher
entschlossen Sie sich einzugreifen. 168 v. Chr. wurden die Illyrer und
auch die Makedonen von den Römern in die Knie gezwungen. 178 v.
Chr. wurden die Illyrischen Länder endgültig befriedet.
Die Nordgrenze des römischen Reiches war lange Zeit die Donau. Nur
Kaiser Trajan überschritt die Donau und eroberte das Dakerland. Von
107 n. Chr. bis 271 n. Chr. war das Land der Daker unter römischer
Herrschaft.
Dhako-Rumänisch und Istro-Rumänisch und Cincarisch Commented [N1]: Holzer Einleitung Romanisch in H07

„Die heute zu Kroatien gehörenden Gebiete waren einst Teil des


römischen Reichs, in dem (Vulgär-)Latein gesprochen wurde und sich
aus diesem wie in anderen Teilen des Imperiums romanische Idiome
entwickelten. In erster Linie sind hier das Istriotische, von dem letzte
Reste noch heute in den istrischen Städten Rovinj, Šišan, Galižana,
Fažana, Vodnjan und Bale weiterleben, und das Dalmatische zu
nennen. Letzteres wurde in Krk, Osor, Rab, Zadar, Trogir, Split,
Dubrovnik, Kotor, Budva, Bar, Ulcinj und Lesh gesprochen. Das
Dalmatische hielt sich in Dubrovnik bis ins 15. Jahrhundert., in Split,
Trogir und Zadar bis ins 11. oder 12. Jahrhundert und in Krk – dessen
Dalmatisch man „Vegliotisch“ nennt (nach ital. Veglia ‘Krk’) – sogar
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bis zum Ende des 19. Jahrhundert: Antonio Udina (so hieß er auf
Italienisch, auf Vegliotisch nannte er sich Twone Udaina), der letzte
Sprecher des Vegliotischen, ist am 10. Juni 1898 gestorben.
Nachträglich ins Gebiet des heutigen Kroatiens verplfanzt, also nicht
autochthon sind das Venezianische und das Istrorumänische. (siehe
H07: 28-29)
Man geht davon aus, dass Rumänisch zwischen Serbien und Bulgarien
entstand und dann wanderten die Sprecher des Rumänischen. Vlassi
beziehungsweise Rumänen waren halbsesshafte Viehhirten. Sie
wanderten im Jahreszyklus immer auf denselben Wegen mit ihren
Tieren und auf diesen Ruten hatten sie Unterstände, kleine
Behausungen und diese hießen Katun. Diese Lebensform nennt man
Transhumanz.
Vlach bedeutet ursprünglich Romane und nicht Rumäne. Es hieß
zunächst Walch und wurde durch die Liquidametathese (§ 10)1 zu
Vlach. Heute ist das Wort Walch nur noch in Welsch enthalten, wie in
Welschriesling.
Das Wort Welsch bezeichnete nicht irgendwelche besonderen
Romanen oder Stämme sondern bezeichnete immer die Romanen mit
denen man gerade zu tun hatte. (Slawen hießen in Österreich Winden
und bezeichneten das, was heute die Slowenen sind und in Deutschland
hießen sie Wenden und bezeichneten die Sorben, diese Begriffe sind
wohl germanischen Ursprungs.)
Vlach bekam dann die Bedeutung Hirte, aber es hat auch viele
Schattierungen oder Bedeutungsnuancen erhalten. So kann für einen
Kroaten ein Serbe ein Vlach sein, für einen Serben kann ein Rumäne
ein Vlach sein. Also von Westen wird das fast pejorative Vlach für den
östlichen Nachbar verwendet.
Die Transhumanz (die Wanderweidewirtschaft) führte dann die
Rumänen um den Karpatenbogen herum. Sie gingen dann im West- und
Südslawentum auf. Das weiß man daher, dass sich Polen, Slowaken,
etc., also alle, die auf den Ruten der Rumänen waren, sich den selben

1
Solche Angaben bezeichnen das Lautgesetz in dem es sich in im „Blauen Buch“ Georg Holzers handelt.
Holzer, Georg: Historische Grammatik des Kroatischen, Einleitung und Lautgeschichte, Peter Lang
Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2007
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Wortschatz der Rumänen teilen. So kennt jede Sprache, die mit den
Rumänen in Kontakt war das Wort Katun.
(Hier war ich wohl kurz auf dem WC, aber es ging glaube ich darum,
das Prof. Holzer zu erzählen begann, wie die Slawen wanderten und die
Balkanhalbinsel fast bis nach Italien betreten hatten und die kirchlichen
Würdenträger und der Papst ihre Sorge in ihrem Briefverkehr zeigen.)

(2. Einheit 14.03.2018)


Das Romanisch, das an der Küste Kroatiens gesprochen wurde, wird in
der Wissenschaft in 2 Sprachen aufgeteilt.
Istriotisch bzw. Istroromanisch und Dalmatisch
Es soll noch Leute geben, die Istriotisch sprechen. Dalmatisch ist
ausgestorben. Tuone Udaina gilt als letzter bekannter Sprecher des
Dalmatischen und er verstarb 1898.
(https://hr.wikipedia.org/wiki/Tuone_Udaina)
(https://de.wikipedia.org/wiki/Tuone_Udaina)
Beide Sprachen wurden vorwiegend in den Städten gesprochen, denn
als die Slawen kamen, zogen sich die Romanen in ihre Städte zurück,
die oft am Wasser lagen und so konnten sich die Sprachen halten, da
die Städte von Byzanz aus auf dem Wasserweg versorgt werden
konnten.
Die Slawen werden erstmals von Prokopios von Caesarea
(Προκόπιος, lat. Procopius Caesarensis, im Deutschen meist Prokop
genannt; * um 500; † um 562) erwähnt (hauptsächlich oder bekannt
scheint er für die Überlieferung des Kriegs gegen die Goten zu sein.)
(Ich glaube hier hat Holzer einen Fehler gemacht, ich glaube er meinte
Justinian I. denn Justinian II. wie man unten sieht, lebte etwas später.
(Justinian II. (griechisch Ἰουστινιανός Β΄, * 668/669; † 711 in der
Nähe von Damatrys in Bithynien) war ein oströmischer Kaiser und er
wollte Westrom zurückerobern, das war ca. 520. n. Chr.))
Wie bereits erwähnt, glaube ich war es Justinian I. um den es hier geht
(Justinian, eigentlich Flavius Petrus Sabbatius Iustinianus,
altgriechisch Φλάβιος Πέτρος Σαββάτιος Ἰουστινιανός, in einigen
Quellen und Teilen der älteren Literatur auch Justinian der Große
genannt (* um 482 in Tauresium; † 14. November 565 in
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Konstantinopel), war vom 1. August 527 bis zu seinem Tod römischer
Kaiser.)
Zu dieser Zeit hatten die Goten Italien in der Hand und Justinian I.
konnte Italien auch zurückerobern. Theoderich der Große herrschte
über Italien als Gotenkönig und nach seinem Tod kam es zur
Thronstreitigkeiten und so greift Justinian I. 535 ein und es kommt zum
Gotenkrieg. Narses der General von Justinians I. marschierte (ca. 540
n. Chr.) durch Kroatien und so wurde es byzantinisch. 600. n. Chr.
kamen die Awaren mit den Slawen und in den Städten hielt sich das
Romanische, weil sie von Byzanz aus versorgt werden konnten uns so
blieb die Situation bis zu Karl dem Großen.
Karl der Große machte Kroatien zu einem Vasallenstaat mit dem
Frieden von Aachen (812 n. Chr.) auch als Vertrag von Aachen
bekannt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Frieden_von_Aachen_(812)
Das war ein Friedensvertrag zwischen Ost- und Westrom. Die Städte
blieben Romanisch (Ostrom) während das Umland fränkisch und
kroatisch blieb. Die Städte wurden allmählich durch „einheiraten“
kroatisiert. (Die Stadtbewohner nahmen sich Frauen aus dem Umland,
die Kroatinnen waren.) Das sieht man anhand von Personennamen.
Kindern wurden nämlich oft die Namen von Vätern, Müttern, Tanten,
Onkeln, etc. gegeben. Wenn nun ein Kind plötzlich einen slawischen
Namen hatte, zeugte das davon das eine Generation zuvor eine,
beispielsweise slawische Frau eingeheiratet wurde und man dem Kind
ihren Namen gab.

Filipo de Diversis (https://hr.wikipedia.org/wiki/Filip_de_Diversis)


schreibt über die Sprache die in den Städten oder seiner Stadt
gesprochen wird folgendes :
… Die Richter und Konsulen sprechen durch Festlegung des Gesetzes
Latein und nicht Slawisch und auch nicht unser italisches Idiom, in dem
sie mit uns reden und Umgang pflegen, sondern in irgendeinem anderen
volkstümlichen Idiom und ihren eigenen volkstümlichen Idiom, was
von uns Lateinern (Italienern) nicht verstanden werden kann. […], Brot

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nennen sie pen, Vater nennen teta, das Haus nennen sie chesa, machen
heißt fachir, et sic de ceteris (etc.)
Dalmatien beginnt ca. bei Zadar und endet bei Dubrovnik. Es ist der
Teil der Küste, der von Venedig beherrscht war. Die Stadt Krk behielt
ihr romanisches Idiom bis ins 19. Jhd. Der letzte Sprecher hieß offiziell
auf Italienisch Antonio Udina und in seiner Sprache Tuone Udaina.
(Seine Sprache war das Dalmatische, genauer war es Vegliotisch, ein
Dialekt des Dalmatischen benannt nach der Insel Krk, auf der der
Dialekt gesprochen wurde. Denn Krk heißt auf Dalmatisch Vikla.) Von
Mateo Bartoli wurde Udaina interviewt und Bartoli verfasste daraufhin
eine Grammatik über diese Sprache, was unser Hauptdenkmal dieser
Sprache ist. Ebenso stammte der Begriff Dalamtisch (für die Sprache)
von Bartoli. 1898 starb das Dalmatische mit dem Tod von Tuone
Udaina aus.
Fast alle Ortsnamen, die auf slawisch nichts bedeuten, sind aus der
romanischen Sprache entlehnt. Appellativa sind Benennungen von
Dingen, wie zum Beispiel račun, und an solchen Beispielen kann man
auch den Einfluss des Romanischen erkennen.
Von mindestens 200 v. Chr. bis zum Beginn der Entstehung der
romanischen Sprachen heute (dieses Prozess begann um 600. n. Chr.),
gab es einerseits schriftliches (klassisches oder literarisches) Latein
und gesprochenes Vulgärlatein.
Vulgärlatein ist eine Trümmersprache, denn kaum etwas ist über sie
bekannt. Aus dem Vulgärlatein entstanden die heutigen romanischen
Sprachen.
Romanischer Akkusativ: Alle heutigen romanischen Sprachen haben
die Deklination verloren und übrig blieb nur der Akkusativ. Lediglich
bei Pronomen gibt es noch eine Deklination.
Vulgärlatein wurde gesprochen, während klassisches Latein
gesprochen wurde. Es war Umgangssprache im römischen Reich. Rund
800 Jahre sprach man Vulgärlatein. Klassisches Latein ist
„zurechtgemachtes“ Latein. Vorklassisches Latein gab es auch
geschrieben und Plautus schrieb beispielsweise so. Viele Autoren
meinen, dass um 600 n. Chr. Vulgärlatein zu Romanisch wurde.
Um 813. n. Chr. verstand man nicht mehr Latein, bzw. nur kaum.
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Straßburger Eide 841 n. Chr. ist der erste geschriebene, romanische
Text, ich glaube Prof. Holzer meinte es sei Altfranzösisch.
Gregor der Große, † 604 n. Chr. und Isidor von Sevilla 636 n. Chr.
gelten als letzte Autoren des klassischen Latein.

(3. Einheit 21.03.2018)


GEFEHLT

(4. Einheit 11.04.2018)


letztes Mal gefehlt: Es ging wohl um irgendetwas um den hl.
Hieronymus und seine Vulgata, allgemein ging es wohl um Denkmäler
des Vulgärlateins, Romanisch?

kllat. quinque
vllat. cinque
urromanisch *kinque > ital. cinque
franz. cinque
etc.
Klassisches Latein ist so etwas wie „Vorvulgärlatein“.
Placiti von 960 und 963 n. Chr.
In den Placiti sind Zeugenaussagen von Bauern enthalten, die so etwas
wie ein Voritalienisch gesprochen haben. Das Protokoll selbst ist auf
Latein verfasst. Daher kommt die schlchte Beleglage Romanischen.
(Weil es war offensichtlich so, dass das diese Zeugenaussagen so
geschrieben wurden, wie die Bauern gesprochen haben, der Rest jedoch
wurde in klassischem Latein verfasst.)
Wie wurde auf der Balkanhalbinsel Romanisch gesprochen? Quellen
hierfür sind Grabinschriften. Hauptsächlich find man diese in Kroatien.
Das CIL (Corpus Inscriptionum Latinarum) enthält rund 5000
Inschriften, die im Museum von Solin aufbewahrt werden. Diese
Inschriften stammen aus verschiedenen Epochen, jedoch sind alle vor
600 v. Chr. (Ich glaube diese Infos mit dem CIL sind nicht genau oder
ich habe falsch mitgeschrieben, sie sind aber auch nicht so wichtig
glaube ich, dass man sie als Quelle kennt aber doch)
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Die ungebildeten Unterschichten im römischen Reich, als das
Christentum begann sich zu verbreiten, waren zumeist Christen und
daher stammten auch von ihnen die meisten Inschriften.

Nun folgen einige Charakteristika, also Lautgesetze durch die sich


Vulgärlatein von klassischem Latein unterscheiden.

Synkope: Ausfall eines Vokals in mittlerer Silbe


Im Folgenden ist Großgeschriebenes klassisches Latein und normal
geschriebenes Vulgärlatein.
DOMINUS domnus
DOMINICO domnico

VI Umbau des Vokalsystems2:

Kurzes i, langes ē, nichthaupttoniges (unbetontes) kurzes e, fielen zu


einem geschlossenem ẹ zusammen (und daraus wurde dann im
Slawischen i, glaube ich. In den Beispielen unten geht es glaube ich
darum, wie sich i und e nachdem sie zu ẹ wurden, umverteilt haben).
Ebenso fielen kurzes nichtnachtoniges (nicht nach der Betonung
stehendes) u und ō 3nichthaupttoniges (betontes), kurzes o zu ọ
zusammen.
Gleichzeitig mit diesem Umbau des Vokalsystems wurden alle
Langvokale gekürzt (ī > i, ū > u, ē > ẹ, ō > ọ, ā > a) und das wird
Quantitätenkollaps genannt.

INFELICISSIMI infelicisseme
unglücklich
SIMILEM semilem ähnlich
PERCUSSIT perquodset durchbohren,
schlagen

2
siehe H07: 34-35
3
Längen werden mit diesem Strich ̄ gekennzeichnet. Wenn kein Strich über einem Vokal ist, dann ist
dieser in der Regel kurz.
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(das qu entstand durch Hyperkorrektheit, denn der Schreiber wusste,
dass es im klassischen Latein qu gab und daher fügte er es auch ein,
damit es besser aussieht, doch an dieser Stelle gehört gar kein qu hin.)
ECCLESIAE hecliseae der Kirche
(Das h am Wortanfang ist auch durch Hyperkorrektheit zu erklären.)
REFECIT rifecit er/sie/es hat
erneuert
CARISSIME caresseme mein Teuerster
PONERE punere ablegen, stellen
OSTIARIUS ustearius der Pförtner
UXOR oxor Gattin, Ehefrau
CONIUGI coniogi verbunden, gepaart

Der Diphthong au wurde als o gesprochen:


CAUDA coda Schwanz, Schweif
CLAUDIUS clodius Name
Klaudius

-cul- Synkope: in den folgenden Beispielen fällt das inlautende -cul-


aus:
AESCULAPIO Aesclapio
SAECULARIUS Saeclaris hundertjährig

Im Anlaut geht h verloren:


NON HABUI non abui ich habe nicht
gehabt
IN HORTO in orto im Garten

qu wird zu k:
QUOTIDIE cotidie in der
Regel, täglich
AQUILEIENSIS Aculeiesis zu Aquileia
zugehörig

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Friaulisch ist eigentlich kein Italienischer Dialekt. Romanisch wird in
Ost- und Westromanisch unterteilt. Italienisch-Toskanisch ist der
Hauptdialekt der Italiener (was Dante zu verdanken ist) und das ist
Ostromanisch, Friaulisch und Venezianisch sind Westromanische
Sprachen
Die „Grenze“ oder besser gesagt die Isoglosse, die das Romanische in
West und Ost unterteilt wird Westromanische
Sonorisierungsisoglosse genannt.
Zwischen Vokalen oder nach Vokal vor r wird aus einem stimmlosen
ein stimmhafter Konsonant.
Wenn wir uns das Beispiel Aculeiesis weiter oben ansehen, sieht man,
dass das c ein stimmloses k war. Ein Altfriulanischer Beleg zeugt von
der Form Agulea > slov. Oglej. Wie man sehen kann, wurde das k
stimmhaft und daher zu einem g.

x welches als ks ausgesprochen wird, wird zu ss

VIXI vissi ich habe gelebt


4
MAXIMUS (Inselname) heißt heute Majsan

Diese Inschriften aus dem CIL sind eine Quelle zur Erforschung des
Vulgärlateins. Eine zweite ist die „Apendix probi“. Probus war der
Verfasser dieser lateinischen Grammatik. Das Original ist verschollen,
aber eine Handschrift aus dem 7. Jahrhundert n. Chr. ist erhalten. Der
Text hat Eingriffe, die wohl im 5. oder 6. Jahrhundert stattgefunden
haben.
Jedenfalls ermahnt in diesem Buch Probus wie gesprochen werden
sollte und das anhand von Wortpaaren nach dem Schema: Sage so und
nicht so.
z.B.:
Mascul´s non masclus (das Apostroph steht hier für u)
speculum non speclum
4
Genau genommen ist das ein Patrozinium. Das bedeutet, dass der Ort nach einem Heiligen benannt ist,
besser gesagt dem Heiligen, dem die Kirche des Ortes gewidmet ist. Sankt Georg beispielsweise wäre ein Ort,
dessen Kirche bzw. dessen Name vom heiligen Georg kommt.
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articulus non articlus
u&ulus (& ist hier eine Ligatur für et, also hieß es uetulus) non viclus

5. Einheit 02.05.2018:
Ich habe mir dazu geschrieben, dass ich die letzten zwei Male gefehlt
haben soll. Ich glaube da hat aber Holzer gefehlt. Wie dem auch sei, es
geht weiter mit dem Apendix probi

VINEA non vinia


CLOACA non cluaca
MENSA non mesa
HERCULES non Herculens (Hyperkorrektheit)
OCCASIO non occansio (Hyperkorrektheit)

Heute werden die Reichenauer Glossen betrachtet, die auch ein


Denkmal des Vulgärlateinischen sind.

Sie sind wohl im 9. Jahrhundert n. Chr. in Nordfrankreich entstanden.


Es ist eine „Übersetzung“ der Vulgata, die ihrerseits eine
Bibelübersetzung ins Lateinische ist. Diese Reichenauer Glossen sind
Ergänzungen. Das bedeutet, dass die Vulgata abgeschrieben wurde und
das, was man nicht mehr verstand, wurde durch interlinear-Glossen
(zwischen den Zeilen eingefügte Erklärungen) und Marginal-Glossen
(am Rand eingefügte Erklärungen) ergänzt. Diese Ergänzungen sind
Vulgärlatein und erklären die Wörter, die nicht mehr bekannt sind.
Hier nun einige Beispiele:

VULGATA GLOSSE FRANZÖSISCH

AGER campus champ


ARENAM sabulo sable
AMNE (im Ablativ) fluvio fleuve
LITUS ripa rive

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CUNCTI omnes tous (hier wurde ein
ganz anderes Wort genommen, wie im Italienischen tutti i genti,
beispielsweise.

Jetzt haben wir einerseits die Charakteristika des Vulgärlatein


angesehen und andererseits haben wir uns auch die Quellen des
Vulgärlatein angesehen.

Jetzt kommen wir zu den Berührungspunkten mit den Slawen. Die


Slawen kamen von hinter den Karpaten, genauer gesagt kamen sie
nordöstlich der Karpaten und sie siedelten entlang beider Seiten der
Karpaten. An der Donau kamen sie in Kontakt mit der spätantiken Welt.
Die Slawen bereiteten dem Oströmischen Reich Probleme. Das 6.
Jahrhundert ist voll von kleinen Scharmützeln und Gefechten zwischen
dem Oströmischen Reich und den Slawen und diese Kämpfe wurden
genau vom Oströmischen Reich dokumentiert. Im 6. Jahrhundert
setzten sich die Awaren innerhalb des Karpatenbogens (das Gebiet des
heutigen Ungarns und Teile Rumäniens) fest. Die Awaren unterwarfen
die Slawen und nahmen sie mit auf Feldzüge und daher verbreiteten
sich die Slawen explosionsartig. Slawisch wurde zur Lingua Franca
im Awarenreich. Man kann das noch genauer sagen, es war nämlich
Urslawisch, das zur Verkehrssprache geworden ist. (Bei großen
Militärbewegungen kommt es oft dazu, dass dialektale Unterschiede
einer Sprache ausgemerzt werden, denn die Soldaten, die
nebeneinander marschieren, sprechen unterschiedliche Dialekte und
damit sie sich besser verstehen können, gleichen sich die Dialekte an
und so kann es entstehen, dass sich eine einzige Sprache
herausentwickelt.)
Nachdem die Slawen die die neuen Gebiete besiedelt hatten, entstanden
an Ort und Stelle die slawischen Sprachen, die wir heute kennen.
Für uns aber wichtig ist, dass das Urslawisch mit Vulgärlatein in
Kontakt trat. Genauer gesagt trat das Urslawisch nördlich der Jiriček-
Skok Linie mit Vulgärlatein in Kontakt und südlich davon mit
Griechisch.

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Das Strategikon des Maurikios ist ein Werk, das dem oströmischen
Kaiser Maurikios zugeschrieben wird und rund 600 n. Chr. geschrieben
wurde. Es ist ein strategisches Handbuch und beschreibt Völker sowie
Taktiken die diese Einsetzen und welche man selbst einsetzen kann. So
gibt es auch über die Slawen ein Kapitel. Die Darstellungen sind
glaubwürdig, da sich dieses Buch mit Kämpfen auseinandersetzt.
Demnach geht es hier um echte Menschenleben und Unglaubwürdiges
würde nur Menschenleben riskieren. Es enthält viele interessante
Details über die Slawen.

Das Placitum (Vereinbarung) von Rižana ist die nächste Quelle aus dem
Jahr 804 n. Chr. Rižana liegt im slowenischen Teil Istriens. Dort galten
um 804 n. Chr. karolinische Gesetze, weil der kroatische Staat abhängig
von den Karolingern war und Istrien unterstand den Karolingern sogar
direkt. Im Placitum beklagen sich jedenfalls die Romanen, dass die
Slawen bevorzugt werden bei der Einrichtung der Grundherrschaft.
Den Slawen wurden Länder als Lehen gegeben und sie mussten dafür
Abgaben an den Lehensherren zahlen und dabei wurden sie bevorzugt.

Eine weitere Quelle ist vom Anfang des 10. Jahrhunderts in Zadar. Die
Konflikte zwischen Slawen und Romanen schliefen allmählich ein und
das slawische und das romansiche Ethnie fielen langsam zusammen.
Ein Testament eines Jadartiners (so nennt man die Bewohner Zadars),
eines Priors der Stadt, zeigt wie seine Verwandte hießen. Eine Tochter
hieß Dobrosia was nichts anderes ist als latinisiertes Dobruša. Das
bedeutet, dass irgendeine Tante oder so diesen Namen trug und als
Slawin in eine romansiche Familie eingeheiratet wurde und früher gab
man die Namen innerhalb der Familie weiter.

Das nächste Denkmal wäre das Dokument von Filipo de Diversis,


welches wir bereits besprochen haben.

Damit sind die Grundlagen beendet und wir wenden uns nun dem
Linguistischen zu.

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Zunächst ist eine Isoglosse sehr wichtig und diese haben wir schon
besprochen. Sie verläuft von Nordwesten nach Südosten und über
slawischsprachiges Gebiet. Der nordwestlichste Zipfel Sloweniens ist
Westromanisch und der Rest der Balkanhalbinsel ist Ostromanisch. Die
Sonorisierung ist das Lautgesetz, das die romanischen Sprachen in
West- und Ostromanisch teilt. (Stimmlose Konsonanten werden, wenn
sie zwischen Vokalen oder vor Sonant und Vokal zu stimmhaften
Konsonanten.) Italien wird von der Isoglosse zerschnitten und die Linie
heißt La Spezia - Rimini Linie. Nördlich davon wirkte die
Sonorisierung, südlich davon hingegen nicht.
Im Vegliotischen (Veglia ist der romanische bzw. italienische Name für
die Insel Krk) wird Amaik (lat. Amicus) gesagt, also ist es
Ostromanisch.
Lateinisch FOCUS (Feuer) ist auf Altspanisch huego, Rumänisch foc,
Vegliotisch fuc, Friulanisch fug (also überall wo k gesprochen wird ist
es ostromanisch, überall in den Beispielen wo g gesprochen wird ist es
westromanisch).
Lateinisch IOCUS ist auf Rumänisch joc, toskanisch gioco, friulanisch
dzuk (es müsste dzug sein, denn friulanisch ist Westromanisch.
Entweder habe ich mich verschrieben oder Prof. hat sich vertan.),
spanisch juego

6. Einheit 09.05.2018

Die Isoglosse der Sonorisierung ist sehr wichtig, es ist eine sehr
einprägsame Isoglosse. Westlich davon wurden stimmlose
Konsonanten zwischen Vokalen oder vor Sonant + Vokal stimmhaft.

Die Goldbrasse heißt in der kroatischen Standardsprache ovrata was


auf Lateinisch aurata zurückgeht. Neben dieser Form gibt es aber noch
die Form orada.
Beide gehen auf dasselbe lateinische Wort zurück. Orada ist
Westromanisch und kam aus dem Venezianischen nach Kroatien, da
Venedig lange Zeit über Dalmatien herrschte, und so übernahmen die
Kroaten viel der venezianischen Meeresterminologie. (Dalmatien ist
Seite 14 von 19
genauer gesagt jener Teil der kroatischen Küste, der von Venedig
beherrscht wurde.)
Ovrata hingegen ist Ostromanisch und stammt aus dem Dalmatischen,
da es keine Sonorisierung aufweist.

Die Sonorisierung kann sowohl einen zeitlichen Unterschied bedeuten,


weil entweder vorher oder nachher entlehnt wurde, aber es kann auch
einen geographischen Unterschied bedeuten, weil es darauf ankommt
ob es eine West- oder Ostromanische Entlehnung ist.

(Jetzt wurden einige Beispiele zur Monophthongierung genannt, habe


sie jedoch nicht notiert.)

Dalmatisch hatte keine Sonorisierung

cavtat und čabdad gehen beide auf lateinisch Civitātem (wird als
Kivitatem gelesen) zurück. Hier sieht man das Wirken der
Sonorisierung.

Appellativa sind Wörter die keinen Namen bedeuten. Sie stehen neben
den Eigennamen und diese beiden Gruppen bilden die Substantiva.

7. Einheit 16.05.2018
Hawliksche Regel5 (jetzt im Zusammenhang mit Cavtat)
i > ь jerь
u>ъ jerъ
Für die Jerlaute gibt es keine lateinischen Buchstaben, auch nicht zur
Zeit der Freisinger Denkmäler.
Hawlik hat ein Lautgesetz entdeckt. Für das Tschechische fand er
heraus, was aus den Jerlauten wurde und das ist mit einigen
Unterschieden für alle slawischen Sprachen gültig.
Schwache bzw. ungeradzahlige Jerlaute fallen aus, wenn man von
rechts nach links zählt. Die starken Jerlaute werden zu anderen

5
In H07 auf Seite 77-78 als § 49 unter dem Namen „Schwund des schwachen ь„
Seite 15 von 19
Jerlauten. Wird die Zählung von rechts nach links durch einen anderen
Vokal unterbrochen, beginnt man beim nächsten von vorne zu zählen.

Im Russischen: starkes ъ > o, starkes ь > e.


Im Tschechischen: starkes ъ > e, starkes ь > e
Im Slowenischen: starkes ъ, ь > ə (das ist der Schwalaut oder mittlerer
Zentralvokal) manchmal jedoch wegen sekundärer Merkmale werden
die Jerlaute im Slowenischen zu a.
Im Kroatieschen: starkes ъ, ь > a
Im Ukrainischen ist es wie im Russischen
Das Slowakische hat eine sehr komplizierte Regel und Prof. Holzer
ging nicht darauf ein.

sъnь sъna dьnь dьne


russ. son sna den´ dnja
tschech. sen sna den dne
slowen. sen (sən) sna dan dne
kroat. san sna dan dana (dana ist eine
analogische Bildung, also nicht lautgesetzlich.)

Cīvitā tem > rom. *Kiꞵ ẹtā te > slav. *Kiꞵ etā ˙tu (-u war die gängige
slawische Deklination) > 7, 16, 25 (Diese kleinen Zahlen bezeichnen
die Lautgesetze, die gewirkt haben. bzw. die hier wichtig sind.)
*Cьvьtā˙tъ > Cavtat (Das ist die Entlehnung aus dem Dalmatischen
weil keine Sonorisierung.)
Čabdad (altkroatisch, hier mit Sonorisierung. Das č kommt von einer
romanischen Palatalisierung)

Zwei slowenische Ortsnamen:


Sužid und Solkan, beide gehen auf lateinische Namen zurück, die
ihrerseits auf ein Etymon zurückgehen, nämlich silex ‘harter Stein’.
lat. *Silicētum > rom. *Sẹlẹdžẹ̄ du > *Silidžī˙du > slov. *Solžid (Sužid
auf kroatisch glaube ich)

lat. *Silicānum > rom. *Sẹlẹkā nu > slaw. *Silikā˙nu > slov. Solkȁn
Seite 16 von 19
lat. *Caprētum > Koborȉ d (Kobarid ist die standardisierte Form) auf
deutsch Karfreit.

8. Einheit 24.05.2018

Zwischen den beiden slowenischen Städten Sužit und Solkan verläuft


die Sonorisierungsisoglosse.
Beim Ortsnamen lat. *Batavia > Batuje gab es keine
Sonorisierungsisoglosse.

St. Georgen heißt deswegen so, weil die Kirche dem heiligen Georg
gewidmet war. Solche Ortsnamen nennt man Patrozinium. Sofija, die
bulgarische Hauptstadt ist ebenfalls ein Patrozinium, doch solche Orte
hatten vorher andere Namen. Sofija hieß beispielsweise Srědьcь < rom.
Serdica.
In Bulgarien und Serbien gibt es keine Sonorisierung.
In Serbien gibt einen Fluss, der bei Plinius als Timacus überliefert wird.
(es ist eigentlich ein Thrakischer Name). Im Slawischen lautet der
Name des Flusses Timok. Demnach keine Sonorisierung.

Aquileia > *Aculeia > *Aguleia > *Ogъlejь > slov. Oglej

lat. Poetovio > Ptuj (auf Deutsch Pettau)

Exonym ist ein Orts-, Gebirge- oder Flussname in einer anderen


Sprache.
Wenn ein Ortsname ein Adjetiv hat, gibt es meistens noch einen
anderen Ort mit demselben Namen. So gibt es Windischgrätz und
Bayrischgrätz (Graz).

Nun kommen wir zu Dalmatischen Entlehnungen im Kroatischen


(besser gesagt im Čakavischen).

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dùpīn < lat. delphīnus und das kommt ursprünglich aus dem
Griechischen.
Die Slawen hatten damals kein f und daher ersetzten sie es durch p.

lat. corvus > slav. *kur˙bu > kъr˙bъ > krb


o gab es bei den Slawen zu der Zeit nicht, daher wurde o mit u ersetzt.

gr. Σίδερος (sideros) > *vlglat. siderus > sȉdro

gr. διαπλυσ (diaplus) > diaplus > žapalj

lat. cicerem > rom. *kẹkẹrẹ > slaw. *kikiri > *ciciri > *cьcьrь > čak.
cȁcar (weil es čakavisch ist, fällt der Jerlaut in der ersten Silbe nicht
aus.)

10. Einheit 06.06. 2018 (letztes Mal gefehlt)

Neuštokavische Akzentverschiebung oder auch Mažuranić’s Gesetz


den er war es nämlich, der es entdeckt hatte.

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Literatur:
H07: Holzer, Georg: Historische Grammatik des
Kroatischen, Einleitung und Lautgeschichte, Peter
Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften,
Frankfurt am Main 2007

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