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Pumpen- und Schüttgutforum 2010


Industriepumpen im Wettstreit: Verdrängerpumpen
werden immer noch vielfach unterschätzt
29.11.10 | Redakteur: Dr. Jörg Kempf

Bildergalerie: 2 Bilder
Im Pumpen-Forum lautete die Frage: Wie wähle ich für ein bestimmtes Medium oder eine bestimmte
Förderaufgabe die richtige Pumpe aus? Aufgezeigt wurden dazu die Vorteile wie auch Einsatzgrenzen der
verschiedenen Pumpen-Bauarten. (Bild: PROCESS)

Rund 90 Teilnehmer fanden am 20./21. Oktober den Weg auf die Festung Marienberg in
Würzburg zum 1. Pumpen- und Schüttgutforum. Mit der Veranstaltung bündelten die
beiden Fachmedien PROCESS und Schüttgut erstmals ihre Synergien und brachten
Anwender, Hersteller sowie Planer und Anlagenbauer miteinander ins Gespräch.

Schüttgut und Pumpen – passt das zusammen? In vielen Dingen durchaus – beispielsweise bei
Themen wie Maschinenrichtlinie, Energieeffizienz und Explosionsschutz, denen auf dem 1.
Pumpen- und Schüttgutforum entsprechend ein gemeinsamer Programmblock gewidmet war.
Vergleichbar ist im Grunde auch die Herangehensweise zum Auffinden der besten Lösung. Im
Pumpen-Forum lautete die Frage: Wie wähle ich für ein bestimmtes Medium oder eine
bestimmte Förderaufgabe die richtige Pumpe aus? Aufgezeigt wurden dazu die Vorteile wie auch
Einsatzgrenzen der verschiedenen Pumpen-Bauarten. Auch die Wellendichtung und der
Werkstoff kamen nicht zu kurz.
Wie schon in den bewährten und bekannten PROCESS-Pumpenseminaren – Vorgänger des
Pumpenforums, gab als Moderator Dr. Friedrich-Wilhelm Hennecke, ehemals Leiter des
Pumpenzentrums der BASF, den roten Faden vor: Jeder Referent möge sich bitte nicht primär als
Repräsentant seines Unternehmens verstehen, sondern als Vertreter der betreffenden Pumpen-
Bauart. In dieser Rolle erwarte man selbstverständlich auch Hinweise zu Einsatzgrenzen. Mit
dieser Vorgabe verliefen auch die Diskussionen erfreulich unaufgeregt und ausgesprochen
objektiv. Kein Vergleich zu anderen Veranstaltungen dieser Art!

Die EuP klopft an die Tür


„Energieeffizienz von Pumpen und Fördersystemen – Chancen für Anlagenbetreiber und
Hersteller“, lautete das Thema von Gerhard Berge (KSB) im gemeinsamen Programmblock.

Auf europäischer Ebene laufen seit 2005 unter dem Begriff EuP (Energy using Products)
Gesetzgebungsverfahren zur drastischen Reduzierung des CO2-Ausstoßes durch Minimierung
des elektrischen Stromverbrauchs. Mit der Bezeichnung „Energy related Products“ wurden die
im Fokus stehenden Produkte erweitert (ErP Direktive 2009/125/EC). Unter die Verordnungen
fallen neben Elektromotoren und Ventilatoren auch Kreiselpumpen wie z.B. Heizungs- und
Wasserpumpen; weitere Pumpenausführungen sind angedacht (Schwimmbad- und
Abwasserpumpen). Für Elektromotore gilt:
 Ab 16. Juni 2011 müssen Motore mindestens das Effizienzniveau
IE2 erreichen.
 Ab 1. Januar 2015 müssen Motore mit einer
Nennausgangsleistung 7,5 –375 kW mindestens das
Effizienzniveau IE3 erreichen oder IE2 entsprechen und mit einer
Drehzahlregelung ausgestattet sein.
 Ab 1. Januar 2017 müssen alle Motore mit einer
Nennausgangsleistung 0,75 bis 375 kW mindestens das
Effizienzniveau IE3 erreichen oder IE2 entsprechen und mit einer
Drehzahlregelung ausgestattet sein.
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Übrigens: Verantwortung für „IE2 plus Drehzahlregelung“ hat der Inbetriebnehmer!

Die neue Maschinenrichtlinie und aktuelle Richtlinien im Explosionsschutz


Im gemeinsamen Programmblock berichtete zudem Dr. Norbert Kastrup (KSB) über den
„Einfluss der neuen Maschinenrichtlinie auf Pumpen und andere Maschinen“. Über die aktuellen
Richtlinien und Vorschriften im industriellen Explosionsschutz referierte Jens Hötger (DMT).
Was Betreiber wie Hersteller umtreiben wird: Die EU-Gesetzgebung macht mehr denn je
Vorgaben, fordert zudem eine immer ausführlichere Dokumentation (und die auch noch in der
Landessprache).

Pumpen-Forum: Kreisel- oder Verdrängerpumpen?


Weiter ging es dann im Pumpen-Forum mit Professor Eberhard Schlücker (Lehrstuhl für
Prozessmaschinen und Anlagentechnik, Universität Erlangen-Nürnberg). Er beschäftigt sich im
Rahmen seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit, aber auch in Form von Auftragsprojekten aus der
Industrie mit Pumpen aller Art – er konnte also über die richtige „Auswahl der Pumpe nach dem
Medium“ umfassend Auskunft geben.

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Auf großes Interesse stieß seine Zusammenstellung über Einsatzgrenzen und
Anwendungsschwerpunkte kommerziell verfügbarer Verdrängerpumpen (Grafik 1). Er greift in
dieser Matrix die klassischen Anforderungen des Betreibers wie Höhe des Förderstroms, des
Förderdrucks und den Viskositätsbereich, die Möglichkeit zur Reinigung, schonende Förderung,
Pulsation und Trockenlauf-Fähigkeit auf und gibt Hinweise, inwieweit eine bestimmte Bauart
sich dafür gut oder weniger gut eignet.

Für Kreiselpumpen präsentierte Gerhard Berge (KSB) eine nicht minder interessante Darstellung
(Grafik 2): Was passiert mit Kreiselpumpen, wenn sie außerhalb des zulässigen Bereichs
gefahren werden? Antwort: Sie leiden unter Kavitation, erhöhtem Verschleiß und geringerer
Effizienz. Deshalb gilt: Der Betrieb im Optimum erhöht die Lebensdauer jeder Kreiselpumpe
und spart Energie.
Beim Stichwort Wirkungsgrad und Energieeffizienz gibt Schlücker diesen Hinweis mit auf den
Weg: Generell sinkt der Wirkungsgrad einer Pumpe mit geringerem Durchsatz, weil bei
kleineren Durchsatzmengen den internen Leckverlausten naturgemäß eine höhere Bedeutung
zukommt. Und mit zunehmender Viskosität nimmt der Wirkungsgrad ebenfalls ab.
Hohe Drehzahlen bevorzugen
Hans-Wilhelm Möllmann (Bungartz) gab mit Blick auf das Drehzahlniveau den Hinweis, dass
bei einer Kreiselpumpe der Wirkungsgrad tendenziell mit der Höhe der Drehzahl wächst – wer
also nicht mit Feststoffen im Medium zu tun habe, sollte möglichst hohe Drehzahlen
bevorzugen. Anmerkung: Das ist kein Widerspruch zur oft beschriebenen Empfehlung, die
Pumpe möglichst mit einem Frequenzumrichter zu betreiben, um niedrige Drehzahlen zu
erreichen: Letzteres gilt für den Betrieb mit wechselnden Lastzuständen. Wer eine Pumpe stets
unter gleichen Bedingungen fährt, kann sie optimal darauf anpassen – und dann gilt: Hohe
Drehzahlen bevorzugen.

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Vorteile der Kreiselpumpe


Möllmann listete zudem auf, mit welchen Vorteilen eine Kreiselpumpe punktet:

 Sie ist nach wie vor gegenüber einer Verdrängerpumpe unschlagbar preisgünstig.
 Sie ermöglicht eine (weitestgehend) pulsationsfreie Förderung und weist ein gutes
Saugverhalten auf (kleiner NPSH-Wert).
 Sehr gute Eignung für feststoffhaltige Medien (keine geschlossenen Förderräume, offene
Kanäle, keine Ventile).
 Diverse Volumenstromregelungen sind verfügbar (Drosselung, Drehzahl-, Bypass-,
Eintrittsdrallregelung).
 Einfach umzusetzende Dichtungstechnologie, da nur eine drehende Welle abzudichten ist
(Gleitringdichtung, Magnetkupplung, Spaltrohrmotor).
ERGÄNZENDES ZUM THEMA
Exkurs: Wie sind Spaltrohrmotor (SMP)- und Magnetkupplungspumpen (MKP) einzuschätzen?

Zum letzten Punkt lieferte Gregor Kleining (Richter Chemie-Technik) folgende Einschätzung: In
der Chemie eingesetzte Pumpen sind zu etwa 1/3 mit Gleitringdichtungen ausgerüstet, 2/3
entfallen auf Magnetkupplungs- bzw. Spaltrohrmotorpumpen. Resümee seines Vortrags über den
„Einsatz von ausgekleideten Pumpen für aggressive Medien“: Mit Fluorkunststoffen
ausgekleidete Pumpen sind in großen Chemiebetrieben standardisiert, weil praktisch universell
chemisch beständig und in einem großen Druck- und Temperaturbereich einsetzbar. Es gibt
Lösungen für Feststoffgehalte bis 30%, Gasanteile bis 30% und Volumenströme von 0,1 bis 600
m³/h. Stationäre Gleitringdichtungen sind nach seiner Erfahrung deutlich standfester als die
dynamischen Varianten.

Wie hoch sei die Standzeit einer Gleitringdichtung eigentlich einzuschätzen, wollte ein
Teilnehmer wissen. Antwort: Eine Standard-GLRD wird pro Betriebsstunde einen Verschleiß
von etwa 0,04 µm aufweisen – die theoretische Standzeit liegt also zwischen fünf und sieben
Jahren.

Die Packung ist keineswegs tot


Übrigens: Laut Andreas Eiletz (EagleBurgmann) ist die Packung im Pumpenbau keineswegs tot.
Sie überlebt im Bestandsgeschäft, bei Armaturen ist sie weiterhin Stand der Technik. Und so
„old fashioned“ kann diese Technik auch nicht sein, betrachtet man die langen Standzeiten von
Packungen in Kraftwerkspumpen. Als Trend markiert Eilitz dies: Der Markt verlange im
Neugeschäft zunehmend nach montagefertigen Cartridge-Dichtungen – in den USA stärker noch
als in Deutschland. Das liege am einfacheren Service: Wo Fachpersonal fehlt, wird wegen des
einfacheren Handlings die Patronendichtung bevorzugt (keine Fehler bei der Montage, erhöhte
Anlagenverfügbarkeit). Vermehrt nachgefragt werden darüber hinaus gasgeschmierte
Gleitringdichtungen sowie auch sterile Abdichtungen. Als technologischen Trend sieht Eiletz die
Beschichtungs-Technologie „Diamond Faces“ – sie reduziert die Reibung, verlängert die
Standzeit und bietet eine höhere Energieeffizienz.

Pumpen für die Mehrphasenförderung


Warum „Pumpen für die Mehrphasenförderung“ so interessant sind, das führte Frank Lundius
(Edur) aus: Während herkömmliche Flüssigkeitspumpen eine einzige Phase beherrschen, fördern
Mehrphasenpumpen bevorzugt Flüssigkeits-Gas-Gemische. Normale Kreiselpumpenfallen unter
diesen Bedingungen aus, da sich Gasanteile vor der Laufradnabe sammeln und den
Laufradeintritt blockieren. Als Einsatzbeispiel beschrieb Lundius die Druckentspannungs-
Flotation zur Wertstoffrückgewinnung; hier spart die Mehrphasenpumpe im Vergleich zur
herkömmlichen Flotation (Sedimentation, Filtration) bis zu 70% Energie ein. Zudem entfallen
teure Anlagenkomponenten (Kompressor, Druckkessel, Pumpen, Steuerung, Ventile).
Die Frage „Kreisel- oder Verdrängerpumpe?“ wird in der Praxis recht eindeutig so beantwortet:
Der überwiegende Teil aller in Betrieb befindlichen Pumpensysteme ist mit Kreiselpumpen
ausgerüstet. Weltweit wird dieser Anteil auf mehr als 2/3 geschätzt, in der chemischen Industrie
kann der Anteil durchaus auch 90% erreichen.

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Professor Schlücker ist mit dieser Praxis erkennbar unzufrieden: „Unter dem Gesichtspunkt der
Energieeffizienz wäre es oft besser, statt der Kreiselpumpe eine Verdrängerpumpe zu wählen.“
Während eine große Zahl der in der Industrie eingesetzten Kreiselpumpen bei Wirkungsgraden
um 10% laufen, weisen oszillierende Verdrängerpumpen deutlich höhere Wirkungsgrade auf. Im
Vergleich zu mehrstufigen Kreiselpumpen arbeiten Prozess-Membranpumpen in der Praxis oft
mit einem doppelt so hohen Wirkungsgrad.
Hermetisch dicht und dennoch energieeffizient?
Dr. Thomas Herbers (Klaus Union) ging in seinem Vortrag über „Hermetisch dichte Pumpen für
giftige Medien“ unter anderem auf das Thema metallischer und nicht-metallischer Spalttopf bei
Metall-Magnetkupplungspumpen ein. Klar ist: Ein metallischer Spalttopf ist aufgrund der
induzierten Wirbelströme stets verlustbehaftet. Aber auch da gibt es natürlich Unterschiede,
weshalb Klaus Union teurere Werkstoffe wie Hastelloy oder gar ein legiertes Titan anbietet.
Dennoch steigt aus Energieeffizienz-Überlegungen der Anteil nicht-metallischer Spalttöpfe seit
Jahren kontinuierlich an – heute bei diesem Anbieter auf etwa 10%, bevorzugt wird ein
Keramik-Spalttopf aus ZrO2. Herbers verweist darauf, dass die Anbindung der Keramik an
Metall spezifisches Know-how erfordere.
Verdrängerpumpen: Vielfach unterschätzt
Robert Kurz (Netzsch) gab Hinweise zur Auslegung einer Exzenterschneckenpumpe für
feststoffhaltige Medien: Die Führung der Saugleitung ist wichtig, ebenso die Beachtung von
saugseitigen Druckverlusten (NPSHA > NPSHR). Man achte auf die Kalkulation der
druckseitigen Verhältnisse, häufig geht feststoffbeladenes Fördermedium mit höherer Viskosität
einher. Wie ist die Schersensitivität des Mediums – thixotrop oder dilatant? Sedimentieren die
Feststoffpartikel? Wie ist die Partikelgröße, wie hoch der Feststoffanteil? Darüber hinaus sind
noch die Daten wie Fördermenge, Förderdruck, pH, Temperatur, Viskosität, Antriebsanordnung,
usw. von Bedeutung.

Die Pumpen empfehlen sich bei folgenden Anwendungsanforderungen: Niedrige bis sehr hohe
Viskosität, gleichbleibende Fördermenge bei schwankendem Förderdruck, Mischmedien mit
Gas, Fluid und Feststoffanteil, stichfeste oder pastöse Produkte, geringe Pulsation des
Förderstromes, schersensible Produkte sowie Regelbarkeit der Fördermenge.

Holger Kremer (Witte) stellte die Vorteile und Einsatzgrenzen von selbstansaugenden
„Zahnradpumpen für zähe Medien“ vor. Vorteilhaft sind das einfache Förderprinzip, der
verfügbare große Viskositätsbereich bis hin zu sehr hohen Viskositäten, die möglichen hohe
Differenzdrücke, die exakte, weil volumetrische Dosierung, die Pulsationsarmut und der
förderhöhenunabhängige Förderstrom. Allerdings sind Zahnradpumpen im Vergleich
zu Kreiselpumpen wenig wirtschaftlich bei niedrigen Viskositäten in Verbindung mit großen
Fördermengen; zudem sind sie empfindlich gegenüber Feststoffen.
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Schlauchpumpen nicht zu passend auslegen


„Hermetisch dichte Pumpen für die schonende Förderung“ betitelte Till Völker (Ponndorf)
seinen Vortrag über Schlauchpumpen. Es ist immer wieder erstaunlich, was diese doch so
einfache Pumpen-Bauart zu leisten vermag: Sie fördert schonend empfindliche Medien, ist
hermetisch dicht und fördert auch grobe Feststoffe. Selbstansaugend bis 9,5 m und
trockenlaufsicher ist sie auch noch. Die Grenzen liegen beim Fördern von Kohlenwasserstoffen,
höheren Temperaturen und Drücken über 15 bar. Empfehlung von Völker: Man möge eine
Schlauchpumpe doch bitte nicht „zu passend“ auslegen, dann könne man die Drehzahl niedriger
wählen – der Schlauch werde es mit einer höheren Standzeit danken.

Ähnlich universell ist übrigens die Druckluftmembranpumpe („Die arme Verwandte der
Kolbenmembranpumpe“): praktisch überall im Niederdruckbereich einsetzbar.

Matthias Sauter (Lewa) stellte „Kolben- und Kolben-Membranpumpen für hohe Drücke“ vor. Er
arbeitete heraus, dass oszillierende Verdrängerpumpen sich durch eine hohe Dosiergenauigkeit
und einen hohen Wirkungsgrad auszeichnen und sich für hohe Betriebsdrücke eignen. Die
Kolben-Membranpumpen seines Unternehmens sind hermetisch dicht und zeichnen sich durch
eine hohe Betriebssicherheit aus (Sandwichmembran). Die Pumpen sind trockenlaufsicher,
besitzen ein integriertes Druckbegrenzungsventil und sind bis max. 1200 bar (max. 200 m3/h)
einsetzbar.
Heinz Nägel (Feluwa) offenbarte sich mit seinen Doppel-Schlauchmembranpumpen als Hidden
Champion der chinesischen Kohlevergasungsindustrie: Der Anteil von Feluwa an den hierbei
eingesetzten Reaktorspeisepumpen liegt bei 80%! Die bisher installierten 143 Pumpen fördern
mit einer Gesamt-Motorleistung von knapp 30000 kW rund 9000 m³ Kohle-Slurry pro Stunde
bei Drücken von bis zu 100 bar. Die Pumpen gelten als wichtigstes Bauteil der Anlage. Keine
der Pumpen hat je eine Notabschaltung einer Anlage verursacht, wie Nägel stolz berichtete.