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DIN 1946-3:2006-07

Inhalt

Seite

1 Anwendungsbereich......................................................................................................................... 4
2 Normative Verweisungen ................................................................................................................. 4
3 Grundlagen und Kurzbeschreibung................................................................................................5
3.1 Komfort und Sicherheit .................................................................................................................... 5
3.2 Außen- und Umluftbetrieb................................................................................................................ 5
4 Klimaphysiologie .............................................................................................................................. 6
4.1 Randbedingungen............................................................................................................................. 6
4.2 Wärme- und Wasserdampfabgabe des Menschen ...................................................................... 10
4.3 Wärmebeurteilungsindex ............................................................................................................... 10
5 Richtwerte und Hinweise für die Klimatisierung von Fahrzeuginnenräumen .......................... 10
5.1 Allgemeines ..................................................................................................................................... 10
5.2 Definition der Lufttemperaturen im Fahrzeuginnenraum ........................................................... 11
5.3 Luftmassenströme, Heiz- und Kühlleistungen............................................................................. 11
5.4 Aufheizung des Fahrzeuginnenraums.......................................................................................... 13
5.5 Abkühlung des Fahrzeuginnenraums bei Einsatz einer Kälteanlage........................................ 14
5.6 Lufttemperatur am Eintritt in den Fahrzeuginnenraum; ............................................................. 15
Sommerbetrieb ohne bzw. mit ausgeschalteter Kälteanlage ..................................................... 15
5.7 Luftgeschwindigkeit im Fahrzeuginnenraum............................................................................... 15
5.8 Beeinträchtigung durch Zugluft .................................................................................................... 15
5.9 Geräusche der Klimaanlage im Fahrzeuginnenraum.................................................................. 16
5.10 Luftdruck im Fahrzeuginnenraum.................................................................................................16
Literaturhinweise.......................................................................................................................................... 17

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DIN 1946-3:2006-07

Vorwort
Dieses Dokument wurde vom Normenausschuss Kraftfahrzeuge (FAKRA) im DIN Deutsches Institut für
Normung e. V. ausgearbeitet. DIN 1946 Raumlufttechnik besteht aus:

 Teil 1: Terminologie und graphische Symbole (VDI-Lüftungsregeln)

 Teil 2: Gesundheitstechnische Anforderungen (VDI-Lüftungsregeln)

 Teil 3: Klimatisierung von Personenkraftwagen und Lastkraftwagen

 Teil 4: Raumlufttechnische Anlagen in Krankenhäusern (VDI-Lüftungsregeln)

 Teil 6: Lüftung von Wohnungen, Anforderungen, Ausführung, Abnahme (VDI-Lüftungsregeln)

 Teil 7: Raumlufttechnische Anlagen in Laboratorien (VDI-Lüftungsregeln)

Änderungen

Gegenüber DIN 1946-3:1962-06 wurden folgende Änderungen vorgenommen:

a) Der Geltungsbereich wurde von Fahrzeugen aller Art, zu Land, zu Wasser und in der Luft auf Personen-
kraftwagen und Lastkraftwagen reduziert;

b) Gestrichen wurde Abschnitt 2.22 „Außenluftrate“;

c) Gestrichen wurde Abschnitt 2.3 „Reinigung der Luft“ und auf die DIN 1946-2 und VDI 6032 verwiesen;

d) Beim Abschnitt 2.5.2 „Zugfreiheit“ wurde auf Zahlenwerte verzichtet. Bild 1 ist entfallen;

e) Der Katawert A als Klimasummengröße wurde gestrichen. Verwendet werden der Wärmebeurteilungs-
index PMV (Predicted Mean Vote) nach DIN EN ISO 7730;

f) Tabellen 1 und 3 wurden aktualisiert;

g) Gestrichen wurde Abschnitt 3 „Bauliche Gesichtspunkte“;

h) Die Absätze „Einleitung“, „Anwendungsbereich“, „Normative Verweisungen“, „Grundlagen und Kurz-


beschreibung“ sind neu;

i) Den Gebieten „Klimaphysiologie“ und „Richtwerte und Hinweise für die Klimatisierung von Fahrzeuginnen-
räumen“ wurden eigenständige Abschnitte gewidmet;

j) Im Abschnitt „Richtwerte und Hinweise für die Klimatisierung von Fahrzeuginnenräumen“ werden die Luft-
temperaturen im Fahrzeuginnenraum definiert und typische maximal notwendige Luftmassenströme
sowie Heiz- und Kühlleistungen genannt. Beschrieben werden hier detailliert Prüfungen an Fahrzeugen
für den Sommer- und Winterbetrieb. Genannt werden auch zulässige Druckdifferenzen zwischen Fahr-
zeuginnenraum und Umgebung.

Frühere Ausgaben

DIN 1946-3: 1962-06

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DIN 1946-3:2006-07

Einleitung
In der vorliegenden Norm wird von der Fahrzeugklimatisierung gesprochen, obwohl dies nach DIN 1946-1
keine exakte Bezeichnung für Raumlufttechnische Anlagen mit thermodynamischen Luftbehandlungsfunktio-
nen (Heizen, Kühlen, Entfeuchten und Befeuchten) ist. Diese Bezeichnung hat sich bei Fahrzeugen durch-
gesetzt und wird deshalb hier verwendet. Zur Klimatisierung von Pkw und Lkw finden Lüftungsanlagen für die
Heizung und Kühlung Verwendung. Diese umfassen Lüftungsanlagen zum Heizen und Lüftungsanlagen zum
Heizen und Kühlen (Trocknen). Der Nutzer ist in der Lage, sich sein gewünschtes Klima in gewissen Grenzen
einzustellen. Die Klimatisierung von Fahrzeugen muss über den gesamten Geschwindigkeitsbereich betrieben
werden können und die notwendige Sicht aus dem Fahrzeuginnenraum ermöglichen. Dabei sind die Hinweise
in der Betriebsanleitung der betreffenden Fahrzeuge zu beachten. In der Hauptsache wird zwischen manuell
und automatisch gesteuerten bzw. geregelten Anlagen unterschieden. Bei der manuellen Anlage können am
Bediengerät vom Nutzer die Parameter Luftverteilung, Luftmenge je Zeiteinheit, Temperatur sowie teilweise
der Betrieb mit Umluft und Außenluft eingestellt werden. Bei der Automatik ist das Bediengerät zusätzlich mit
einer speziellen Regelungssoftware für hohen Komfort ausgestattet. Bei Bedarf kann die Automatik aus-
geschaltet und die Anlage wie eine manuelle Anlage betrieben werden. Der Begriff Fahrzeuginnenraum um-
fasst hier die gesamte Fahrzeugkabine und damit den Raum für den Fahrzeugführer und die Fahrgäste. Der
Anwendungsbereich dieser Norm beschränkt sich bei Lastkraftwagen damit auf die Fahrerkabine. Für Last-
kraftwagen, die zum Transport von Lebensmitteln usw. im Laderaum vorgesehen sind, gelten entsprechend
gesonderte Regelungen für die Klimatisierung des Laderaums.

Die Lastkraftwagen werden zum Teil für längere Strecken mit entsprechend längeren Fahrzeiten eingesetzt,
wobei Ruhe- und Übernachtungspausen für den Fahrer notwendig sind. Darüber hinaus treten bei Lastkraft-
wagen unterschiedliche Belastungsgrade für den Fahrer in Abhängigkeit von der Fahrzeuggröße und dem
Aktivitätszustand des Fahrers auf.

Die Inhalte dieser Norm sind Richtwerte und gelten für Neuentwicklungen, deren Konzeptphase (Lüftungs-
technik) nach Veröffentlichung des Weißdruckes beginnt, nicht jedoch für die zum Zeitpunkt der Veröffent-
lichung bereits laufenden Entwicklungen und Produktionen.

1 Anwendungsbereich
Diese Norm gilt für die Klimatisierung der Fahrzeuginnenräume von Pkw und Lkw. Tangierend geltende Vor-
schriften wie z. B. für die Scheibenenteisung und Entfeuchtung (78/317/EWG, FMVSS 103, ADR 15 usw.)
werden hier nicht beschrieben. Gleiches gilt auch für Richtlinien wie z. B. Hygiene-Anforderungen an die
Lüftungstechnik in Fahrzeugen zur Personenbeförderung (VDI 6032). Die Mindestanforderungen an die
Lüftung, Heizung und Klimatisierung von Fahrzeugkabinen werden wegen der unterschiedlichen Bauarten der
Fahrzeuge gegebenenfalls getrennt spezifiziert.

2 Normative Verweisungen
Die folgenden zitierten Dokumente sind für die Anwendung dieses Dokuments erforderlich. Bei datierten Ver-
weisungen gilt nur die in Bezug genommene Ausgabe. Bei undatierten Verweisungen gilt die letzte Ausgabe
des in Bezug genommenen Dokuments (einschließlich aller Änderungen).

DIN 1946-2, Raumlufttechnik — Gesundheitstechnische Anforderungen (VDI-Lüftungsregeln)

DIN EN ISO 7730, Gemäßigtes Umgebungsklima — Ermittlung des PMV und des PPD und Beschreibung der
Bedingungen für thermische Behaglichkeit

DIN ISO 5128:1984-11, Akustik — Innengeräuschmessungen in Kraftfahrzeugen

DIN EN 563, Sicherheit von Maschinen — Temperatur berührbarer Oberflächen — Ergonomische Daten zur
Festlegung von Temperaturgrenzwerten für heiße Oberflächen

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DIN 1946-3:2006-07

DIN EN 13202, Ergonomie der thermischen Umwelt — Temperaturen berührbarer Oberflächen — Leitfaden
der Temperaturgrenzwerte von heißen Oberflächen in Produktnormen unter Anwendung von DIN EN 563

E DIN EN ISO 13732-3, Ergonomie des Umgebungsklimas — Berühren von kalten Oberflächen — Teil 3: Er-
gonomische Daten und Leitfaden für die Anwendung

ADR 15: Australian Design Rule, Dimisting of Windscreen1)

CIE 85:1989, Solare spektrale Bestrahlungsstärke

78/317/EEC: Richtlinie des Rates vom 21. Dezember 1977 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mit-
gliedstaaten über die Entfrostungs- und Trocknungsanlagen für die verglasten Flächen von Kraftfahrzeugen

FMVSS 103: Federal Motor Vehicle Safety Standard; Windschutzscheibenentfeuchtung und Beschlagent-
fernung; Personenwagen, Mehrzweckpersonenwagen, Lastwagen und Omnibusse1)

VDI 2078: Berechnung der Kühllast klimatisierter Gebäude bei Raumkühlung über gekühlte Raum-
umschließungsfläche2)

VDI 6032: Hygiene-Anforderungen an die Lüftungstechnik in Fahrzeugen zur Personenbeförderung (VDI-


Richtlinie)2)

3 Grundlagen und Kurzbeschreibung

3.1 Komfort und Sicherheit

Bei allen Betrachtungsweisen der Heizung, Kühlung und Lüftung steht der Mensch im Mittelpunkt. In
den Fahrzeugen mit ihren kleinen Innenräumen und großen Scheibenflächen soll bei allen Umgebungsbedin-
gungen, wie Hitze mit Sonnenstrahlung und Feuchte, extreme Kälte, Regen und Schneefall ein komfortables
Klima erzeugt werden. Bei instationären Vorgängen, wie Aufheizen, Scheibenenteisung und Entfeuchtung im
Winter sowie Abkühlen, z. B. einer in der Sonne aufgeheizten Fahrzeugkabine, müssen eine mögliche
Verkehrsgefährdung sicher vermieden und Komfortbeeinträchtigungen minimiert werden. Eine Beibehaltung
der Kondition und Konzentrationsfähigkeit von Fahrer und Fahrgästen soll durch richtig ausgelegte und
abgestimmte Heizungs- und Klimaanlagensysteme unterstützt werden.

Nur bei Scheiben mit freier und klarer Sicht können Fahrzeuge sicher geführt werden. Deshalb müssen
diese schnell enteist werden und beschlagfrei bleiben. Dabei sind insbesondere die gesetzlichen Vorschriften
zu beachten.

3.2 Außen- und Umluftbetrieb

3.2.1 Allgemeines

Es werden Außen- und Umluftbetrieb beschrieben. Dabei sind Fahrzeuginnenräume gegenüber ihrer
Umgebung nicht vollständig luftdicht ausgeführt. Es erfolgt ein zusätzlicher Luftaustausch mit der Umgebung
durch Öffnungen (Spalte, Durchführungen usw.) der Karosserie. Dieser Luftaustausch wird von der Fahr-
geschwindigkeit sowie sonstigen Betriebs- und Umgebungsbedingungen beeinflusst.

1) Zu beziehen bei: Dokumentation Kraftfahrwesen e.V. (DKV), Ulrichstraße 14, 74321 Bietigheim-Bissingen
2) Nachgewiesen in der DITR-Datenbank der DIN Software GmbH, zu beziehen bei: Beuth Verlag GmbH, 10772 Berlin
(Hausanschrift: Burggrafenstraße 6, 10787 Berlin).

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DIN 1946-3:2006-07

3.2.2 Außenluftbetrieb

Außenluft strömt durch das Belüftungssystem in den Fahrzeuginnenraum. Deren Wassergehalt ist im Winter
sehr gering, so dass im Fahrzeuginnenraum die Luftfeuchte abgesenkt wird. Zum Aufheizen der Außenluft
sind jedoch erhebliche Heizleistungen erforderlich. Im Sommer ist der Wassergehalt der Außenluft oft hoch.
An der Oberfläche des Verdampfers kondensiert bei Abkühlung der Luft unter den Taupunkt ein Teil dieses
Wassergehaltes aus. Die hierfür notwendigen Kühlleistungen sind ebenfalls beträchtlich. Hinsichtlich der
Bedeutung der Filterung der Zuluft gelten 4.1.10 und die VDI 6032.

3.2.3 Umluftbetrieb

Luft strömt überwiegend bis nahezu vollständig von dem Fahrzeuginnenraum in das Belüftungssystem und
von dort aus wieder in den Fahrzeuginnenraum. Umluftbetrieb wird angewendet, um z. B. ein in der Sonne
aufgeheiztes Fahrzeug schnell mit einer Kälteanlage abzukühlen oder um Geruchsbelästigungen von außen
zu vermeiden. Bei niedrigen Außentemperaturen kann im Umluftbetrieb effizienter geheizt werden, jedoch
können die Scheiben, ohne zusätzliche Trocknungsmaßnahmen, von innen beschlagen. Die erforderlichen
Heiz- und Kühlleistungen können bei Umluftbetrieb gegenüber Außenluftbetrieb auf bis zu 50 % reduziert
werden, was sich positiv auf den Kraftstoffverbrauch des Fahrzeugs auswirken kann.

4 Klimaphysiologie
Siehe [1] und [2] unter Literaturhinweise.

4.1 Randbedingungen

4.1.1 Allgemeines

Im Klima des Fahrzeuginnenraums wirken folgende Größen auf den Menschen:

 Lufttemperatur (inhomogenes Temperaturfeld im Fahrzeuginnenraum),

 Luftgeschwindigkeit (inhomogenes Strömungsfeld im Fahrzeuginnenraum),

 Luftfeuchte,

 Oberflächentemperatur der Umschließungsflächen (Strahlungsaustausch),

 direkte Sonnenstrahlung,

 Lufthygiene,

 Geräusch,

 Luftdruck im Fahrzeuginnenraum,

 Schwingungen.

Die notwendigen Parameter für ein gewünschtes Innenraumklima werden häufig in Tabellen und Diagrammen
dargestellt. Es sei darauf hingewiesen, dass einheitliche objektive physiologische Bewertungen noch nicht
vorhanden sind. Zur Absicherung sind deshalb subjektive Beurteilungen durch Testfahrten unumgänglich.

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DIN 1946-3:2006-07

4.1.2 Innenraumlufttemperatur

Die Definition der mittleren Innenraumlufttemperatur erfolgt in 5.2.3. Eine für Behaglichkeit übliche Raumluft-
temperatur beträgt nach DIN 1946-2 in geschlossenen Räumen von Gebäuden etwa 22 °C. In Fahrzeug-
innenräumen kann die notwendige Lufttemperatur nicht mit einer konstanten Größe beschrieben werden. Die
als komfortabel empfundene Lufttemperatur in Fahrzeuginnenräumen kann je nach Luftströmung, Außen-
temperatur, Luftfeuchte, Sonnenstrahlung, Fahrzeugdesign, Bekleidung, Aktivitätsgrad usw. unterschiedlich
sein. Die Abhängigkeit der mittleren Lufttemperatur im Fahrzeuginnenraum von der Außenlufttemperatur zeigt
beispielhaft Bild 1.

Bild 1 — Mittlere Lufttemperatur im Fahrzeuginnenraum in Abhängigkeit von der Außenlufttemperatur

Bei tiefen Außenlufttemperaturen ist die notwendige Innenraumlufttemperatur höher als 22 °C, um z. B. die an
die Umschließungsflächen abgegebene Wärmestrahlung zu kompensieren. Zusätzliche aktive und passive
Maßnahmen wie Wärmedämmung, Sitzheizungen usw. können die in Bild 1 dargestellten Werte reduzieren.

Bei hohen Außenlufttemperaturen ist die als komfortabel empfundene Lufttemperatur in dem Fahrzeuginnen-
raum ebenfalls höher als 22 °C. Hier müssen aber zusätzlich die von den umschließenden Flächen an den
Menschen abgegebene Wärmestrahlung und die direkte Sonneneinstrahlung ausgeglichen werden. Deshalb
wird hier die mittlere Lufttemperatur im Kopfraum (siehe 5.2.2) kleiner als 22 °C sein. In dem Diagramm steigt
jedoch die mittlere Innenraumlufttemperatur aufgrund der ansteigenden Fußraumlufttemperatur an. Dies liegt
daran, dass die Wärmeströme wie Sonneneinstrahlung, Konvektion und Wärmeleitung z. B. im Umluftbetrieb
durch den Fußraum vom Klimagerät angesaugt werden.

Je nach Betriebsweise und Jahreszeit kann die in den Fahrzeuginnenraum eintretende Luft, mit der sich
Fahrer und Passagiere anblasen lassen können, kühler oder wärmer als die Luft in dem Fahrzeuginnenraum
sein.

4.1.3 Lufttemperaturschichtung

Die Luft sollte im Kopfraum 2 K bis 12 K kühler sein als im Fußraum. Dies wird als Lufttemperaturschichtung
im komfortablen Beharrungszustand bezeichnet. Sie ist der Betrag der mittleren Fußraumlufttemperatur
abzüglich der mittleren Kopfraumlufttemperatur.

4.1.4 Kontakttemperatur

Längerer Kontakt mit Bauteilen kann bei Kälte und Hitze mit Sonneneinstrahlung als unangenehm oder
gar schmerzhaft empfunden werden. Anzustreben sind daher Kontakttemperaturen, die der Hauttemperatur

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DIN 1946-3:2006-07

nahe kommen. Weitere Hinweise sind in folgenden Normen zu finden: DIN EN 563, DIN EN 13202 und
DIN EN ISO 13732-3.

4.1.5 Luftgeschwindigkeit

In der Fahrzeugkabine herrscht ein inhomogenes Strömungsfeld, welches sich je nach Einstellung des Belüf-
tungssystems ändert. Ob eine Luftströmung als behaglich empfunden wird, ist von der Lufttemperatur und der
Strahlung abhängig. Bild 2 zeigt schematisch die als behaglich empfundene Luftgeschwindigkeit in Abhängig-
keit von der Lufttemperatur ohne Sonneneinstrahlung. Strahlungseinflüsse können die Beträge der als behag-
lich empfundenen Luftgeschwindigkeiten verändern. Diese Luftgeschwindigkeiten können bei sommerlichen
Betriebsbedingungen vor dem Oberkörper der Personen auftreten.

Bild 2 — Beispiel für die Luftgeschwindigkeit zur Beibehaltung eines komfortablen Klimas in
Abhängigkeit von der Lufttemperatur; schematische Darstellung ohne Einfluss der Sonnenstrahlung

Erreicht die Lufttemperatur im Fahrzeuginnenraum jedoch Werte, die im Bereich der Hautoberflächen-
temperatur liegen, kann allein durch eine Erhöhung der Luftgeschwindigkeit keine Verbesserung des
thermischen Empfindens erreicht werden. Thermisches Wohlbefinden kann bei hoher Lufttemperatur und
Sonneneinstrahlung im Fahrzeuginnenraum nur durch den Einsatz einer Kälteanlage erreicht werden.

4.1.6 Direktes Anblasen des Körpers und Zugluft

Im stationären Automatikbetrieb sollte das direkte starke Anblasen der Personen unterbleiben. Im instationä-
ren Betrieb kann dies jedoch kurzzeitig oder bei extremen klimatischen Bedingungen dauerhaft erwünscht
sein. Hierzu zählen das Aufheizen der Füße mit warmer Luft im Winter und im Sommer das Anblasen des
Oberkörpers zur Vermeidung von übermäßiger Schweißbildung nach dem Einsteigen in ein durch die Sonne
aufgeheiztes Fahrzeug. Beim direkten Anblasen steigt mit zunehmender Strömungsgeschwindigkeit der
Wärmeübergang am Körper. Das kann als Zugluft empfunden werden. Daher sollte die Luftverteilung in Rich-
tung und der Luftstrom in Betrag variabel sein.

4.1.7 Luftfeuchte

Die relative Luftfeuchte (r. F.) sollte für den Komfortbereich zwischen 30 % und etwa 60 % liegen. Da die
Zuluft in den meisten Fällen geheizt oder gekühlt wird, stimmt die Lufttemperatur im Fahrzeuginnenraum nur
in wenigen Fällen mit der Außenlufttemperatur überein. Dies hat Auswirkungen auf die relative Luftfeuchte.
Kondensiert der Wasserdampf an den kalten Oberflächen des Verdampfers einer Kälteanlage, wird der Luft
ein Teil des Wassers entzogen.

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DIN 1946-3:2006-07

Die minimale relative Luftfeuchte von 30 % kann im Fahrzeuginnenraum nicht immer eingehalten werden. Die
Feuchte kommt in den Fahrzeuginnenraum über die Außenluft, über die Insassen und durch Verdampfung
von vorhandenem oder von außen eingetragenem Wasser oder Schnee. Die Taupunkttemperatur der Luft im
Fahrzeuginnenraum sollte im Bereich der für das Steuern des Fahrzeugs relevanten Verglasung unterhalb der
Temperatur an der Scheibeninnenseite sein. Die Luftfeuchte kann in diesen Fällen den Komfortbereich unter-
schreiten. Bei höheren Temperaturen und höherer Luftfeuchte, beginnend bei etwa 25 °C und 60 % r. F. bzw.
30 °C und 45 % r. F., wird die feuchte, warme Luft als unkomfortabel empfunden. Diese Grenze wird auch
durch den Wassergehalt in der Luft mit etwa 11,5 g Wasser je kg trockener Luft beschrieben. Wird diese
Schwelle überschritten, sind Luftkühlung und Lufttrocknung für ausreichenden Komfort nur mit einer Kälte-
anlage möglich.

4.1.8 Strahlungsaustausch zwischen Mensch und umschließenden Bauteilen

Im Winter gibt der Mensch Wärme über Strahlungsaustausch an kalte Bauteile wie z. B. die Scheiben ab. Im
Sommer nimmt er hingegen durch die Abstrahlung heißer Bauteile Wärme auf. Strahlungsaustausch sollte
durch geeignete Maßnahmen bei der Auslegung berücksichtigt werden. In den Ruhezonen von Lastkraft-
wagen sollte der Strahlungsaustausch möglichst klein gehalten werden.

4.1.9 Sonneneinstrahlung

Die Wärmebelastung eines Menschen durch direkte Sonneneinstrahlung ist von der Intensität abhängig. Die
auf das Fahrzeug einwirkende Globalstrahlung und der Sonnenstand hängen bei wolkenlosen Himmel von
der geografischen Breite, dem Datum, der Sonnenzeit und der Trübung der Atmosphäre sowie der Fahrt-
richtung ab. Die Sonnenstrahlung beträgt bis 1 000 W/m² außerhalb des Fahrzeuginnenraums. Infolge von
Reflexionen können partiell bis 1 200 W/m² Globalstrahlung auftreten.

Innerhalb des Fahrzeuginnenraums wirkt ein Teil der Sonneneinstrahlung direkt auf die Fahrzeuginsassen.
Ein weiterer Teil wirkt indirekt auf die Fahrzeuginsassen durch die sekundäre Wärmeabstrahlung der auf-
geheizten Scheiben und anderer Bauteile im Fahrzeuginnenraum. Sonnenschutzverglasungen unterstützen
die Wirkung einer Klimaanlage und verbessern die thermische Behaglichkeit.

Die Ruhezonen in Lastkraftwagen sollten so gestaltet sein, dass eine direkte und indirekte Sonnenein-
strahlung vermieden wird.

4.1.10 Lufthygiene

In der Zuluft für die Fahrzeugbelüftung können gasförmige Luftschadstoffe, Geruchsstoffe, Partikel und Mikro-
organismen aus der Umwelt enthalten sein. Die Klimaanlagen sind deshalb häufig mit Filtersystemen verse-
hen. Diese verbessern die Hygiene der in den Fahrzeuginnenraum eingeleiteten Luft, indem die genannten
Stoffe zurückgehalten werden. Eine richtig gewählte Luftfilterung verhindert bzw. vermindert auch eine
Verschmutzung der luftdurchströmten Bauteile (z. B. Luftkanäle und Wärmetauscher) wirkungsvoll.

Auf die einschlägigen Vorschriften, Normen und Richtlinien wie z. B. die Richtlinie VDI 6032 sei hingewiesen.

4.1.11 Geräusch

Bei der Belüftung des Fahrzeuginnenraumes entstehen neben Strömungsgeräuschen an den Luftverteil-
einrichtungen und Düsen auch Gebläsegeräusche. Da Geräusche im Vorrang zum thermischen Komfort
wahrgenommen werden, sind diese im eingeregelten Zustand durch geeignete Maßnahmen gering zu halten.

4.1.12 Luftdruck im Fahrzeuginnenraum

Bei der Durchströmung des Fahrzeuginnenraums stellen sich in Abhängigkeit von der Betriebsart des
Lüftungssystems, der Fahrgeschwindigkeit und der konstruktiven Ausführung der Einzelkomponenten
verschiedene Innenraumdrücke ein. Diese können sich z. B. beim Umschalten von der Betriebsart „Außen-
luft“ in „Umluft“ sprunghaft ändern und können als störend empfunden werden.

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4.2 Wärme- und Wasserdampfabgabe des Menschen

Die Wärme- und Wasserdampfabgabe der Fahrzeuginsassen sind bei der Auslegung zu berücksichtigen. Da-
bei ergibt sich die Anzahl der Personen aus den zulässigen Sitzplätzen einschließlich Führerplatz und
Notsitz. In Tabelle 1 sind Anhaltswerte für eine ruhende Person nach VDI 2078 zusammengestellt. Andere
Aktivitätsstufen sind in DIN 1946-2 beschrieben.

Tabelle 1 — Wärme- und Wasserdampfabgabe des ruhenden Menschen;


ohne Sonneneinstrahlung (nach VDI 2078)

Raumlufttemperatur °C 18 20 22 24 26

Wärmeabgabe durch Leitung, 100 95 90 75 70


Konvektion und Strahlung W

Wasserdampfabgabe g/h 35 35 40 60 65

Wasserdampfabgabe W 25 25 30 40 45

Bei Beeinflussung der Personen durch die direkte Sonneneinstrahlung ist die Wasserdampfabgabe höher als
in Tabelle 1. Für den Fahrer erhöht sich die gesamte Wärmeabgabe entsprechend der körperlichen Leistung
beim Führen des Fahrzeugs. Diese kann nach DIN 1946-2 bis zum zweifachen der Ruhewerte betragen.

4.3 Wärmebeurteilungsindex

Zur Beurteilung des subjektiv empfundenen thermischen Komforts kann ein mittlerer Wärmebeurteilungsindex
wie der Predicted Mean Vote (PMV = Vorhergesagtes durchschnittliches Gesamtempfinden) verwendet
werden. Die Ermittlung des mittleren Wärmebeurteilungsindex ist in DIN EN ISO 7730 beschrieben. Der PMV
basiert auf einer Wärmebilanz am menschlichen Körper und ist proportional zur Summe der zu- und abgeführ-
ten Wärmeströme.

Die Klimabeurteilungsskale nach DIN EN ISO 7730 reicht von –3 (kalt) bis zu 3 (warm).

Die Anwendung von DIN EN ISO 7730 stellt ein in der Gebäudeklimatechnik anerkanntes Verfahren für die
Berechnung des thermischen Gesamtkomforts von Menschen dar. Der PMV ist als globale Größe allerdings
nur bedingt für die Anwendung bei stark inhomogenen thermischen Einflussparametern geeignet.

Bei der Versuchsdurchführung zur Bestimmung des PMV können Fahrzeuge von Versuchspersonen im
realen Betrieb bewertet werden. Angestrebt wird ein Wärmebeurteilungsindex von PMV = 0. Die Probanden
sollten akklimatisiert sein und an die Prüfbedingungen angepasste Kleidung tragen. Sie sollten den Wärme-
beurteilungsindex in geeigneten Zeitabschnitten notieren. Auffälligkeiten wie z. B. Zugerscheinungen, kalte
Füße usw. sind ebenfalls zu protokollieren.

Die Anzahl der Versuche und der Probanden sollte statistischen Verfahren entsprechen. Zugelassen sind
weniger Versuche und Probanden, wenn der Nachweis mittels geeigneter physikalischer Verfahren sicher-
gestellt ist.

5 Richtwerte und Hinweise für die Klimatisierung von Fahrzeuginnenräumen

5.1 Allgemeines

Es werden die Lufttemperaturen im Fahrzeuginnenraum definiert und typische maximal notwendige Luftmas-
senströme sowie Heiz- und Kühlleistungen genannt. Beschrieben werden hier detailliert Prüfungen an Fahr-
zeugen für den Sommer- und Winterbetrieb. Genannt werden auch zulässige Druckdifferenzen zwischen

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Fahrzeuginnenraum und Umgebung. Diese Richtwerte gelten für die Klimatisierung der Fahrzeuginnenräume
für Fahrzeugführer und Fahrgäste von Pkw und Lkw. Der klimatisierte Bereich besteht aus mindestens den
ersten beiden Sitzreihen (falls vorhanden) und jede weitere Sitzreihe im Fahrzeuginnenraum, wenn eine
zusätzliche Klimaanlage im hinteren Bereich des Fahrzeuginnenraumes installiert ist.

Die Fahrzeughersteller können Prüfverfahren für die Aufheizung und Abkühlung des Fahrzeuginnenraums
durch Klimaanlagen festlegen. Diese sind mit dieser Norm konform zu halten, können jedoch im Detail
darüber hinausgehen.

5.2 Definition der Lufttemperaturen im Fahrzeuginnenraum

5.2.1 Mittlere Lufttemperatur in Höhe des Fußraums

Die mittlere Lufttemperatur in Höhe des Fußraums ist das arithmetische Mittel der Lufttemperaturen im
Fußraum vor jedem Sitzplatz in der Fahrzeugkabine. Dazugehörige Messstellen befinden sich oberhalb des
Fußbodens in einer Höhe von 20 mm bis 50 mm. Vorzugsweise werden vier Messstellen an den Ecken eines
gedachten Rechtecks von 300 mm × 300 mm bis 400 mm × 400 mm vor dem Sitz mittig angeordnet.

5.2.2 Mittlere Lufttemperatur in Kopfhöhe

Die mittlere Lufttemperatur in Kopfhöhe ist das arithmetische Mittel der Lufttemperaturen im Kopfraum an
jedem Sitzplatz im Fahrzeuginnenraum. Dazugehörige Messstellen befinden sich etwa im Bereich zwischen
Nacken und Ohr einer dort sitzenden virtuellen Person mittlerer Körpergröße. Vorzugsweise werden zwei
Messstellen links und rechts von einem virtuellen Kopf angeordnet. Diese haben einen Abstand von 300 mm
bis 350 mm voneinander und werden z. B. an der Kopfstütze befestigt.

Die Sitze sollten in mittlerer Position in Längsrichtung und die Sitzlehnen in normal aufrechter Stellung sein,
die der Position eines virtuellen Fahrers mittlerer Größe entspricht.

Die Belüftungsdüsen sind so auszurichten, dass die Messstellen nicht ausschließlich vom dazugehörigen
Luftstrahl angeströmt werden.

5.2.3 Mittlere Lufttemperatur im Fahrzeuginnenraum

Die mittlere Lufttemperatur im Fahrzeuginnenraum ist das arithmetische Mittel von mittlerer Lufttemperatur in
Kopfhöhe und mittlerer Lufttemperatur im Fußraum der äußeren Sitzplätze für Fahrzeuge mit bis zu zwei Sitz-
reihen.

In Fahrzeugen mit mehr als zwei Sitzreihen (einschließlich Fahrer/Beifahrer) kann thermischer Komfort auf
den hinteren Sitzreihen vorteilhaft mit einer zusätzlichen Klimaanlage im Fond oder Heck erreicht werden. Die
Mittelwertbildung darf dann mit ein- oder ausgeschalteter Klimaanlage in Fond/Heck erfolgen.

5.3 Luftmassenströme, Heiz- und Kühlleistungen

Als Richtwerte für die Auslegung gelten für Mitteleuropa Außentemperaturen von – 20 °C bis 40 °C unter Be-
rücksichtigung der entsprechenden Luftfeuchte. Die Sonneneinstrahlung kann ohne zusätzliche Reflexionen
bis 1 000 W/m² betragen.

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DIN 1946-3:2006-07

Extreme Außentemperaturen können weltweit zwischen – 45 °C und 55 °C betragen. Beispiele für weltweit
auftretende Klimate zeigt das Mollier-h,x-Diagramm in Bild 3.

Bild 3 — Mollier-h, x-Diagramm mit Beispielen für Klimabedingungen

Entsprechend der Fahrgeschwindigkeit wird die Karosserie mit den dazugehörigen Windgeschwindigkeiten
beaufschlagt. Es muss durch geeignete strömungs- und thermodynamische Maßnahmen die Funktion der
Klimaanlage sichergestellt werden.

In Tabelle 2 sind Richtwerte für die Auslegung zusammengestellt. Die angegebenen Richtwerte beziehen sich
auf nachstehende Fahrzeuginnenräume und werden durch die Art des Aufbaus beschrieben.

Pkw A: Limousinen, Schräghecklimousinen, Kombilimousinen, Coupés, Kabrio-Limousinen, Geländefahr-


zeuge: 2 m3 bis 4 m3

Pkw B: Mehrzweckfahrzeuge: 2,5 m3 bis 18 m3

Lkw: Lastkraftwagen, Geländefahrzeuge, Van, Sattelzugmaschinen: 2,5 m3 bis 8 m3

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DIN 1946-3:2006-07

Tabelle 2 — Richtwerte für die Auslegung der Heizung, Kühlung und Lüftungsanlage

Betriebsfall Typischer maximal notwendiger Typische maximal notwendige


Luftmassenstrom Heiz- und Kühlleistungen
kg/min kW
Lüften im Sommer
Pkw A 5 bis 12
Pkw B 6 bis 12
Lkw 8 bis 14
Heizen bei –20 °C und 32 km/h
Pkw A 4 bis 8 5 bis 10
Pkw B 5 bis 9 6 bis 12
Lkw 7 bis 10 9 bis 13
Kühlen mit einer Klimaanlage bei
40 °C, 40 % relative Luftfeuchte,
1 000 W/m² Sonneneinstrahlung
und Umluftbetrieb und 32 km/h
Pkw A 5 bis 12 3 bis 7
Pkw B 6 bis 12 3 bis 7
Lkw 8 bis 14 4 bis 8

5.4 Aufheizung des Fahrzeuginnenraums

5.4.1 Allgemeines

Die Fahrzeugversuche werden vorzugsweise wegen der reproduzierbaren Ergebnisse in Klimawindkanälen


durchgeführt. Die mittlere Lufttemperatur in der Düsenaustrittsfläche im Klimawindkanal entspricht der Außen-
temperatur. Diese beträgt – 20 °C ± 1 K. Vor dem Start des Motors müssen der Fahrzeuginnenraum und die
Betriebsstoffe des Fahrzeugs die Temperatur der Außenluft mit ± 1 K erreicht haben. Die Anforderungen, Ein-
stellungen am Bediengerät und Fahrzyklen werden nachstehend beschrieben.

5.4.2 Anforderungen

Aus der Sicht des Komforts ist ein neutrales Empfinden (PMV = 0) nach möglichst kurzer Betriebszeit anzu-
streben, soweit dieses im Rahmen der ökonomischen und ökologischen Zielsetzungen möglich ist.

Bei weiter zunehmender Effizienz der Fahrantriebe wird die Bereitstellung thermischen Komforts im Außen-
luftbetrieb problematisch. Aus Gründen der Verkehrssicherheit bei winterlicher Autofahrt wird neben der Erfül-
lung der gesetzlichen Bestimmungen ein minimaler Komfortstandard festgelegt. Im Fahrzeuginnenraum sollte
eine mittlere Lufttemperatur von mindestens 20 °C als Anforderung nach 30 min im Außenluftbetrieb erreicht
werden. In Sonderfällen wie z. B. bei besonders verbrauchsarmen Fahrzeugen, Fahrzeugen mit Stoffverdeck,
usw. sind mindestens 15 °C zu erreichen.

5.4.3 Einstellungen

Die Einstellungen am Bediengerät sind, soweit sie nicht von einer Automatik vorgegeben werden, entspre-
chend den Angaben in der Betriebsanleitung einzustellen. Falls keine Empfehlung vorliegt, wird Außenluftbe-
trieb mit Luft aus den Düsen für den Fußraum, maximale Temperatureinstellung und maximale Gebläsestufe
vorgeschlagen.

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DIN 1946-3:2006-07

5.4.4 Fahrzyklen

Die Fahrgeschwindigkeit für Pkw beträgt nach dem Start 32 km/h (20 mph) im 2. Gang bzw. in Stellung
„Drive“ bei automatischen Getrieben in der Ebene. Alternativ können die Versuche bei 50 km/h im höchstmög-
lichen technisch sinnvollen Gang bzw. in Stellung „Drive“ durchgeführt werden. Die mittlere Lufttemperatur im
Fahrzeuginnenraum wird dann etwa 3 K höher sein als in 5.4.2 genannt. Für Mehrzweckfahrzeuge werden die
Versuche mit 50 km/h und für Lkw mit 80 km/h durchgeführt. Messungen an Lkw erfolgen im höchstmög-
lichen technisch sinnvollen Gang. Die Windgeschwindigkeit entspricht der Fahrgeschwindigkeit und ist jeweils
mit einer Grenzabweichung von ± 3 % einzuhalten. Der Fahrwiderstand auf der Rolle gilt für die Ebene und
enthält die dazugehörige Windgeschwindigkeit. Die Grenzabweichung der Rollenlast ist ± 5 %.

Bei der Rollenlast ist das Fahrzeug-Leergewicht zu berücksichtigen.

Nicht verbrennungsmotorisch angetriebene Fahrzeuge sind entsprechend zu betreiben.

5.5 Abkühlung des Fahrzeuginnenraums bei Einsatz einer Kälteanlage

5.5.1 Allgemeines

Die Fahrzeugversuche werden vorzugsweise wegen der reproduzierbaren Ergebnisse in Klimawindkanälen


durchgeführt. Dabei sollten nicht mehr als 2 Personen im Fahrzeuginnenraum sitzen. Die mittlere Luft-
temperatur in der Düsenaustrittsfläche im Klimawindkanal entspricht der Außenlufttemperatur. Diese beträgt
40 °C ± 1 K bei einer relativen Feuchte von 40 % ± 5 %. Vor dem Start einer Sonnensimulationsanlage müs-
sen der Fahrzeuginnenraum und die Luft im Fahrzeuginnenraum die Temperatur der Außenluft mit +/– 1 K
erreicht haben. Zur Prüfvorkonditionierung ist dann die Sonneneinstrahlung mit einer Intensität von
1 000 W/m² ± 50 W/m² und einer Dauer von 60 min ± 2 min vorzunehmen. Das Spektrum einer Sonnen-
simulationsanlage sollte dem der natürlichen Sonne entsprechen und nach Möglichkeit die Festlegungen nach
der CIE 85 erfüllen. Dabei kann sich je nach Farbgebung und Gestaltung des Fahrzeugs der Fahrzeuginnen-
raum unterschiedlich aufheizen. Die Sonneneinstrahlung muss gleichmäßig und senkrecht von oben erfolgen.
Dabei können über der Kontur der Fahrzeugkarosserie Abweichungen von etwa ± 10 % auftreten. Im Bereich
der Fahrzeugkabine und insbesondere der Scheiben ist eine höhere Homogenität anzustreben. Die Wind-
geschwindigkeit darf beim Aufheizen mit der Sonnensimulationsanlage maximal 10 km/h betragen. Die
mittlere Temperatur in Kopfhöhe am Ende der Vorkonditionierung sollte zusammen mit den Prüfergebnissen
dokumentiert werden.

Die Anforderungen, Einstellungen am Bediengerät und Fahrzyklen werden nachstehend beschrieben.

5.5.2 Anforderungen

Beim Pkw muss die mittlere Lufttemperatur in Kopfhöhe nach spätestens 30 min kleiner als 25 °C sein. In
Sonderfällen wie z.B. bei besonders verbrauchsarmen Fahrzeugen, Mehrzweckfahrzeugen usw. sind weniger
als 30 °C zu erreichen. Beim Lkw gelten analog 25 °C als Anforderung. Zu beachten sind dabei die unter-
schiedlichen Fahrzyklen beim Lkw.

5.5.3 Einstellungen

Die Einstellungen am Bediengerät sind, sofern sie nicht von einer Automatik vorgegeben werden, entspre-
chend den Angaben in der Betriebsanleitung einzustellen. Falls keine Empfehlung vorliegt, wird Umluftbetrieb,
Luft aus den Mittel- und Seitendüsen sowie maximale Gebläse- und minimale Temperatureinstellung vorge-
schlagen.

5.5.4 Fahrzyklen beim Pkw

Die Fahrgeschwindigkeit beträgt nach dem Start 32 km/h (20 mph) in der Ebene im 3. Gang bzw. in Stellung
„Drive“ bei automatischen Getrieben. Diese Prüfung dauert 30 min. Alternativ können die Versuche bei
50 km/h im höchstmöglichen technisch sinnvollen Gang bzw. in Stellung „Drive“ durchgeführt werden. Die

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DIN 1946-3:2006-07

Temperatur im Kopfraum wird dann etwa 3 K niedriger sein als in 5.5.2 genannt. Im anschließenden Leerlauf
darf die Temperatur in den Düsen nach 10 min bei maximaler Gebläsestufe 16 °C nicht überschreiten. Die
Zeit für den Leerlauf ist auf 30 min zu begrenzen. Die Windgeschwindigkeit entspricht jeweils der Fahr-
geschwindigkeit. Das Fahrzeug darf im Leerlauf nicht direkt angeströmt werden. Die Geschwindigkeiten sind
auf ± 3 % einzuhalten.

5.5.5 Fahrzyklen beim Lkw

Die Windgeschwindigkeit beträgt beim Abkühlen 80 km/h und die Motordrehzahl 1 400 min-1 (± 50 min-1).
Diese Prüfung dauert 60 min. Anschließend folgen 30 min im Leerlauf bei einer Windgeschwindigkeit von
5 km/h. Die Temperatur in den Düsen darf bei maximaler Gebläsestufe 16 °C nach 10 min im Leerlauf nicht
überschreiten.

5.6 Lufttemperatur am Eintritt in den Fahrzeuginnenraum;


Sommerbetrieb ohne bzw. mit ausgeschalteter Kälteanlage

5.6.1 Allgemeines

Im Außenluftbetrieb heizt sich die eintretende Luft an der Motorhaube und in den Luftführungen bis zum Ein-
tritt in das Belüftungssystem auf. Dieser Effekt tritt insbesondere bei Sonneneinstrahlung und langsamer Fahrt
auf. Die Sonneneinstrahlung beträgt 1 000 W/m² ± 50 W/m² senkrecht von oben und die Außentemperatur
40 °C ± 1 K. Die Anforderungen, Einstellungen am Bediengerät und Fahrzyklen werden nachstehend
beschrieben.

5.6.2 Anforderungen

Bei Fahrzeugen ohne Klimaanlage darf sich die Außenluft bis zum Eintritt in den Fahrzeuginnenraum um
höchstens 8 K bei maximaler Gebläsestufe im stationären Betrieb aufheizen. Bei Fahrzeugen mit ausgeschal-
teter Klimaanlage gilt der gleiche Grenzwert.

5.6.3 Einstellungen

Die Einstellungen am Bediengerät sind Außenluftbetrieb, Luft aus den Mittel- und Seitendüsen und maximale
Gebläsestufe. Die Scheiben und das Schiebe-/Ausstelldach sind geschlossen.

5.6.4 Fahrzyklus

Die Fahrgeschwindigkeit beträgt 50 km/h im höchstmöglichen technisch sinnvollen Gang in der Ebene.

5.7 Luftgeschwindigkeit im Fahrzeuginnenraum

Ein funktionaler Zusammenhang zwischen Luftgeschwindigkeit, Innenraumtemperatur und Behaglichkeit,


wie dies aus dem Bereich der Gebäudeklimatisierung bekannt ist, kann in Kraftfahrzeugen aufgrund der
ungünstigen Randbedingungen (siehe 4.1) nicht angegeben werden. Die vorrangig gewünschten schnellen
Aufheiz- bzw. Abkühlvorgänge erfordern hohe Luftaustrittsgeschwindigkeiten an den Belüftungsdüsen, die zu
inhomogenen Strömungsfeldern im Fahrzeuginnenraum führen.

5.8 Beeinträchtigung durch Zugluft

Die Klimaanlage muss so eingestellt werden können, dass Zugluft vermieden wird. Um Zugluft durch Zusatz-
heizgeräte oder Standkälteanlagen in Ruhezonen von Lastkraftwagen vermeiden zu können, müssen deren
Ausströmöffnungen so angebracht sein oder so eingestellt werden können, dass der austretende Luftstrom
nicht direkt in die Ruhezone, insbesondere nicht in den Kopfbereich, geleitet wird.

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5.9 Geräusche der Klimaanlage im Fahrzeuginnenraum

5.9.1 Allgemeines

Die Grenzwerte gelten für dauerhaft betriebene Bauteile der Klimaanlagen, wie z. B. Gebläse, bis zu einer
Frequenz von 16 kHz. Über diese Frequenz werden die zulässigen Grenzwerte um 10 dB(A) je Oktave
vermindert.

5.9.2 Gebläse- und Strömungsgeräusche im Fahrzeuginnenraum

Die Gebläse- und Luftströmungsgeräusche dürfen bei neuwertigen Fahrzeugen die in Tabelle 3 genannten
Werte nicht übersteigen. Sie gelten für den unbesetzten Raum und bei Stillstand von Fahrzeug und Motor.
Die Gebläse- und Strömungsgeräusche dürfen nicht tonhaltig sein (Pfeifen, Heulen usw.). Das Geräusch wird
fahrer- oder beifahrerseitig in Höhe des Kopfes gemessen. Die Anordnung der Mikrofone bzw. des Kunst-
kopfes entspricht DIN ISO 5128 oder der Lage der Temperaturmessstellen in Kopfhöhe nach 5.2.2.

Tabelle 3 — Gebläse- und Strömungsgeräusche im Fahrzeuginnenraum

Schalldruckpegel Schalldruckpegel
Betriebsarten dB(A) dB(A)
hohe Anforderungen geringe Anforderungen
Alle, außer Entfrostung 65 68
Entfrostung 67 70

5.10 Luftdruck im Fahrzeuginnenraum

In dem Fahrzeuginnenraum sollte Unterdruck vermieden werden, damit Leckzuluftströme durch die Karos-
serie in den Fahrzeuginnenraum insbesondere bei höheren Fahrgeschwindigkeiten begrenzt werden. An-
haltswerte für den Differenzdruck zwischen Fahrzeuginnenraum und Umgebung sind:

maximal 200 Pa bei 0 km/h,

minimal – 1 000 Pa bei 200 km/h und geöffnetem Ausstelldach oder Seitenfenster. Der Diffe-
renzdruck ist im Allgemeinen proportional zum Quadrat der Geschwindigkeit.

Bei höheren Fahrgeschwindigkeiten sollten die Zu- und Abluftöffnungen, aber auch die Klappen im
Belüftungssystem nicht sprunghaft geöffnet oder geschlossen werden, um zu hohe Druckänderungen im
Fahrzeuginnenraum zu vermeiden. Dabei sollte bei motorischen Klappenantrieben der Gradient der Druck-
änderung in Abhängigkeit von der Zeit nicht größer als 100 Pa/s sein.

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Literaturhinweise

[1] Großmann, H.: Pkw-Klimatisierung. In Aerodynamik des Automobils. Hrsg. W.-H. Hucho, Vieweg Ver-
lag, 2005

[2] Temming, J.: Fahrzeugklimatisierung und Verkehrssicherheit, Auswirkungen sommerlichen Klimas in


Kfz auf die Leistungsfähigkeit der Fahrer. FAT-Schriftenreihe Nr. 177, Frankfurt/M., 2003

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