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Mathematik 1 für Elektrotechnik Ausarbeitung 6 20.11.

2017

Aufgabe 1
Gegeben sei die Folge

an =
n+1
n+2
, n∈ N.
Berechnen Sie die ersten 5 Glieder der Folge. Untersuchen Sie die Monotonie der
Folge. Was ist der vermutliche Grenzwert a dieser Folge? Zeigen Sie, dass die Folge
gegena konvergiert. Für ε := 10−3 nde man ein N (ε) ∈ R , so dass |a − an | < ε für
∀n > N (ε).

Die ersten Folgenglieder der Folge an sind

2 3 4 5 6
, , , , .
3 4 5 6 7
Aus

n+1 n+2
an = < = an+1 ⇐⇒ n2 + 4n + 3 < n2 + 4n + 4 ⇐⇒ 3<4
n+2 n+3
folgt, dass an streng monoton steigend ist für alle n∈ N .

Wir vermuten, dass a=1 der Grenzwert der Folge an ist.

Es ist zu zeigen
∀ε > 0 ∃N (ε) : |1 − an | < ε, ∀n > N (ε),
d.h.,

1 − n + 1 = 1 <ε
1
⇐⇒ n> − 2.
n + 2 n + 2 ε
1
Daher kann man N (ε) := ε −2 (oder gröÿer) wählen.

Somit gilt
lim an = 1.
n→∞

Für ε = 10−3 gilt |1 − an | < 10−3 , ∀n > N (10−3 ) mit

1
N (10−3 ) = − 2 = 103 − 2.
10−3
.

Aufgabe 2
Wie Bsp. 1. für

an = √
3
5+n
, n∈ N.

1
Die ersten Folgenglieder der Folge an sind

3 3 3 3 3
√ , √ , √ , √ = 1, √ .
6 7 8 9 10
Aus
3 3
an+1 = √ <√ = an ⇐⇒ 5+n<6+n ⇐⇒ 5<6
5+n+1 5+n

folgt, dass an streng monoton fallend ist für alle n∈ N .

Wir vermuten, dass a=0 der Grenzwert der Folge an ist.

Es ist zu zeigen
∀ε > 0 ∃N (ε) : |0 − an | < ε, ∀n > N (ε),
d.h.,
 2
0 − √ 3 = √ 3 3 9

<ε ⇐⇒ n> − 5 = 2 − 5.
5 + n 5+n ε ε
9
Daher kann man N (ε) := ε2
−5 (oder gröÿer) wählen.

Somit gilt
lim an = 0.
n→∞

Für ε = 10−3 gilt |0 − an | < 10−3 , ∀n > N (10−3 ) mit

9
N (ε) = − 5 = 9 · 106 − 5.
(10−3 )2

Aufgabe 3
Untersuchen Sie die Konvergenz der angegebenen Folgen und berechnen Sie gege-
benfalls den Grenzwert:

7 5
3n2

n−2

1
(a) an = , (b) an = √ .
n2 + n + 5 2n 3n − n

(a) Die Folge


2
3n2 3 nn2 3
cn = 2 = n2 n 5
= 1 5
n +n+5 + + 1+ n + n2
n2 n2 n2
konvergiert für n gegen ∞ gegen 3. Dies folgt aus

3 3 3
lim 1 5 = = = 3.
n→∞ 1+ n + n2
1+ limn→∞ n1 + limn→∞ n52 1+0+0
Damit gilt
 7
lim an = lim c7n = lim cn = 37 .
n→∞ n→∞ n→∞

2
(b) Die Folge an kann mit den Folgen

n−2 1
bn = , cn = √
2n 3n − n

als an = b5n · cn dargestellt werden.

Für die Folge bn gilt

2 2
n−2 1− n 1 − limn→∞ n 1
lim = lim = = ,
n→∞ 2n n→∞ 2 2 2
und  5 1
lim b5n = lim bn = .
n→∞ n→∞ 25
Für cn gilt
√ √
√ 3 n 3 n
1 3n + n n + n2 limn→∞ n + limn→∞ n2 0+0
lim √ = lim = lim 1 = 1 = = 0.
n→∞ 3n − n n→∞ 9n2 − n n→∞ 9 − limn→∞ 9 − limn→∞ 9+0
n n

Weil die beiden Folgen b5n und cn konvergieren, ist der Grenzwert des Produktes das
Produkt der Grenzwerte, also

 5
1
lim an = lim b5n · cn = lim b5n · lim cn . = · 0 = 0.
n→∞ n→∞ n→∞ n→∞ 2

Aufgabe 4
Untersuchen Sie die Monotonie der angegegebenen Folgen. Wenn eine Folge nicht
monoton ist, untersuchen Sie, ob für die Folge ein n0 ∈ N existiert, so dass die Folge
für n > n0 monoton ist.
Untersuchen Sie die Konvergenz der angegeben Folgen und berechnen Sie gegebenfalls
den Grenzwert:

cn (2n)!
(a) an = mit c > 0, (b) bn = .
n! (n!)2

(a) Für die Monotonie betrachtet man

cn+1 cn
an+1 < an ⇐⇒ < ⇐⇒ c < n.
(n + 1)! n!
Also ist die Folge an für alle n>c streng monoton fallend.

Es gilt
cn c c c
= · ··· .
n! 1 2 n
Für die Faktoren k des Nenners mit k > nc = [c] gilt
c
< 1,
k

3
daher schreiben wir für n > nc
cn c c c c c
0< = · ··· · ··· .
n! 1 2 nc nc + 1 n
Jetzt kann man einzelne Faktoren abschätzten und die ersten nc Faktoren zu einer Kon-
stante zusammenfassen. Dies ergibt die Abschätzung

c · c · ... · c c c c c
an = · ·... · ≤K .
1 · 2 · . . . · nc nc + 1 |·n{z
− 1} n n
| {z } | {z }
=:K <1 <1

Einerseits istan > 0 und andererseits kann an mit der Nullfolge K · nc nach oben abschätzen
werden. Daher konvergiert an nach dem Einschlusssatz gegen 0, d.h.,

lim an = 0.
n→∞

(b) Für die Monotonie betrachtet man

(2n + 2)! (2n)!


bn+1 > bn ⇐⇒ 2
> ⇐⇒ (2n + 2)(2n + 1) > (n + 1)2
(n + 1)! n!2

⇐⇒ 4n2 + 6n + 2 > n2 + 2n + 1 ⇐⇒ 3n2 + 4n + 1 > 0.


Also ist die Folge bn für alle n∈ N streng monoton steigend.

Weiters gilt

(2n)! 2n(2n − 1) · · · (n + 1) · n! 2n 2n − 1 n+2n+1


bn = 2
= = ··· ≥ n + 1.
n! n!n! n n−1 2 1
Damit folgt aus limn→∞ n + 1 = ∞

lim an = ∞.
n→∞

Aufgabe 5
Gegeben sei die Folge
p
bn = 7 + n2 − n.
Untersuchen Sie Monotonie, Beschränktheit und Konvergenz der Folge und geben
Sie, falls vorhanden, den Grenzwert an.
Freiwillige Zusatzaufgabe: Untersuchen Sie die Konvergenz der Folge

p 
cn := n 7 + n2 − n .

Man kann die Folge bn zu

p 7 + n2 − n2 7
bn = 7 + n2 − n = √ =√
2
7+n +n 7 + n2 + n

4
umformen.

Nun folgt aus


7 7
bn+1 = p <√ = bn ,
2
7 + (n + 1) + n + 1 7 + n2 + n
das streng monotone Fallen der Folge bn . Die Ungleichung gilt, da der Nenner des zweiten
Bruches kleiner ist als der Nenner des ersten Bruches.

Damit ist bn mit p


b1 = 7 + 12 − 1 < 2
nach oben beschränkt und weil alle Folgenglieder positiv sind, ist die Folge mit 0 nach unten
beschränkt.

Die Folge bn ist beschränkt und Monoton, daher folgt aus dem Hauptsatz über monotone
Folgen die Konvergenz von bn .

Aus
7 7
0 < bn = √ <
2
7+n +n n
folgt der Einschluss der Folge bn zwischen zwei Folgen, die gegen 0 konvergieren. Daher muss
bn auch gegen 0 konvergieren.

Für die freiwillige Zusatzaufgabe betrachten wir

7n
cn = nbn = √ .
7 + n2 + n
Für den Grenzwert gilt

7n 7 7 7
lim cn = lim √ = lim q = q = .
n→∞ n→∞ 7 + n2 + n n→∞ 7
+1+1 limn→∞ 7
+1+1 2
n2 n2

Aufgabe 6
Man beweise mittels Einschlieÿungsmethode:
(a)
1
lim √
n
=1.
n→∞ 5n2 − 3n + 4
(b) Für a, b, c > 0 gilt


n n
lim a + bn + cn = max{a, b, c}.
n→∞

Wir wissen: für q>0 gilt



n

lim n=1 und lim n
q = 1.
n→∞ n→∞

5
(a) Aus
n < 5n2 − 3n + 4 < 8n2
folgt
1 1 1 1 1 1

n
· √
n
· √
n
= √
n
< √
n
< √
n
.
8 n n 8n 2 2
5n − 3n + 4 n
Die gesuchte Folge ist nun zwischen zwei Folgen eingeschlossen, die beide gegen 1 konver-
gieren, weshalb
1
lim √
n
= 1.
n→∞ 5n2 − 3n + 4
(b) Sei M := max{a, b, c}. Aus

M n ≤ an + bn + cn ≤ 3M n

folgt

n

n

n
√n
M= Mn ≤ an + bn + cn ≤ 3M n = 3M.

n
Die konstante Folge M und die Folge 3M konvergieren beide gegen M . Also muss nach
dem Einschlusssatz

n
lim an + bn + cn = M = max{a, b, c}
n→∞

gelten.

Aufgabe 7
Zeigen Sie, dass die Folge
 n
1
1+
n
konvergiert. Eine Möglichkeit ist dabei wie in Beispiel 4.15 im Skriptum vorzugehen.

Sei
1 n
 
an = 1+ .
n
Laut dem binomischen Lehrsatz gilt

 n n   n
1 X n 1 X n(n − 1) · · · (n − k + 1) 1
1+ = k
=
n k n k! nk
k=0 k=0

1 n(n − 1) 1 n(n − 1)(n − 2) 1 n(n − 1) · · · 2 · 1 1


= 1+n· + · 2+ · 3 + ... + · n.
n 2! n 3! n n! n

Die einzelnen Terme können vereinfacht werden zu


  
n(n − 1) n−1 1 n(n − 1)(n − 2) 1 2
2
= =1− , = 1− 1− , ... .
n n n n3 n n

6
Allgemein gilt

    
n(n − 1)(n − 2) · · · (n − k + 1) n−1 n−k+1 1 2 k−1
k
= ··· = 1− 1− ··· 1 − .
n n n n n n

Jeder der Faktoren in diesem Produkt ist kleiner als 1 und damit ist auch das gesamte Produkt
kleiner als 1, d.h.,     
1 2 k−1
1− 1− ··· 1 − < 1.
n n n

Somit bekommt man die Abschätzung

n n n
X n(n − 1) · · · (n − k + 1) 1 X 1 X 1
an = k
≤ = 1+ .
k! n k! k!
k=0 k=0 k=1

Mit der Ungleichung


1
k!
1
≤ k−1 ,
2
∀k ∈ N
kann man weiter nach oben abschätzen

n n
X 1 X 1
an = 1 + ≤ 1+ .
k! 2k−1
k=1 k=1

Die geometrische Summe ist durch ihren Grenzwert nach oben beschränkt, also

n n−1 n−1
X 1 X 1 X 1 1
= ≤ lim = 1 = 2.
2k−1 2 k n→∞ 2 k 1− 2
k=1 k=0 k=0

Damit gilt
0 < an < 1 + 2 = 3, ∀n ∈ N.
Die Folge an ist also beschränkt.

Man muss nur noch zeigen, dass die Folge auch monoton steigend ist. Wir wissen

n    
X 1 k−1 1
an = 1− ··· 1 − .
n n k!
k=0

Wenn man in jedem Summanden n


n + 1 ersetzt, wird jeder Summand
durch gröÿer, d.h.,
       
1 k−1 1 k−1
1− ··· 1 − ≤ 1− ··· 1 − .
n n n+1 n+1

Damit erhält man die Abschätzung

n     n    
X 1 k−1 1 X 1 k−1 1
an = 1− ··· 1 − ≤ 1− ··· 1 − .
n n k! n+1 n + 1 k!
k=0 k=0

7
Zur rechten Seite dieser Ungleichung wird nun ein positiver Summand addiert, wodurch die
rechte Seite noch gröÿer wird. Daher gilt weiter

n        
X 1 k−1 1 1 (n + 1) − 1 1
an ≤ 1− ··· 1 − + 1− ··· 1 −
n+1 n + 1 k! n+1 n+1 (n + 1)!
k=0 | {z }
>0
n+1
X   
1 k−1 1
= 1− ··· 1 − = an+1 .
n+1 n + 1 k!
k=0

Die Folge an ist somit beschränkt und streng monoton wachsend und damit konvergent.

Aufgabe 8
Berechnen Sie folgende Grenzwerte:

1 n
7n
1 7
    
1
(a) lim 1+ , (b) lim 1 + , (c) lim 1 − .
n→∞ n n→∞ n n→∞ n

Freiwillige Zusatzaufgabe: Berechnen Sie

7 n
 
lim 1 + .
n→∞ n

(a) Wir wissen bereits, dass


1 n
 
lim 1 + = e.
n→∞ n
Damit folgt
 7
1 7n 1 n
   
lim 1 + = lim 1 + = e7 .
n→∞ n n→∞ n
1
(b) Die Folge 1+ n konvergiert gegen 1, daher gilt

1 7
    7
1
lim 1 + = lim 1 + = 17 = 1.
n→∞ n n→∞ n

(c) Aus
1 n−1 1 1
1− = = n−1+1 = 1
n n n−1 1 + n−1
folgt

 n  
1 1 1 1 1 1
1− = n = 1 ·  n−1 = 1− · n−1 .
n 1
1 + n−1 1 + n−1 1 n 1
1 + n−1 1+ n−1

8
Daher gilt
   
1 1 1 1
lim 1− · n−1 = lim 1− · n−1
n→∞ n 1 n→∞ n 1
1+ n−1 1+ n−1
 
1 1 1
= lim 1 − · lim  n−1 = .
n→∞ n n→∞ 1 e
| {z } 1 + n−1
=1

Für die freiwillige Zusatzaufgabe betrachten wir etwas allgemeiner x∈ N und die Folge

 x n
an = 1 + .
n
Mit einem analogen Beweise zur Monotonie in Beispiel 7 kann man auch zeigen, dass an
beschränkt und monoton steigend ist, d.h.

an < an+1 , ∀n ∈ N.
Weil an monoton und beschränkt ist, ist an auch konvergent.

Wir betrachten die Teilfolge akn mit kn := x · n ∈ N . Es gilt

 x
x kn 1 n
   
 x xn
lim 1 + = lim 1 + = lim 1 + = ex
n→∞ kn n→∞ xn n→∞ n

Damit konvergiert die Teilfolge akn gegen ex . Grenzwerte sind immer eindeutig, daher muss
der Grenzwert der Folge mit dem Grenzwert der Teilfolge übereinstimmen. Also

 x n
lim 1+ = ex .
n→∞ n
Für x=7 gilt dann
7 n
 
lim 1 + = e7 .
n→∞ n

Bemerkung: Es gilt sogar für x∈ R


 x n
lim 1+ = ex .
n→∞ n

Aufgabe 9
Sei x0 ∈ R , α, β ∈ R
,α 6= 0, β =6 0 gegeben. Geben Sie eine explizite Formel für
die rekursiv denierte Folge xn , n ∈ N
an. Wie würden Sie die jeweilige Formel
beweisen? Was kann man über die Konvergenz der Folge xn aussagen?

(a) xn+1 = xn + β , (b) xn+1 = αxn , (c) xn+1 = αxn + β .

9
(a) Eine explizite Formel für diese Rekursion ist

xn = x0 + nβ.

Dies kann man mittels vollständiger Induktion beweisen.

Die Folge xn ist für β 6= 0 unbeschränkt und kann daher nicht konvergieren.

(b) Eine explizite Formel für diese Rekursion ist

xn = α n x0 .

Dies kann man mittels vollständiger Induktion beweisen.

Für das Konvergenzverhalten müssen mehrere Fälle unterschieden werden.

(i) Wenn x0 = 0, ist xn = 0 und die Folge konvergiert gegen 0.


(ii) Wenn |α| < 1, konvergiert die Folge xn gegen 0.
(iii) Wenn α = 1, gilt xn = x0 und die Folge konvergiert gegen x0 .
(iv) Wenn α = −1, gilt xn = (−1)n x 0 und die Folge xn springt zwischen x0 und −x0 hin
und her. Daher ist sie divergent.

(v) Wenn |α| > 1, ist die Folge xn unbeschränkt und konvergiert somit nicht.

(c) Eine explizite Formel für diese Rekursion ist, siehe Blatt 1 Aufgabe 2,

n−1
X 1 − αn
xn = α n x0 + β α k = α n x0 + β .
1−α
k=0

Dies kann man mittels vollständiger Induktion beweisen.

Induktionsbehauptung: für die Rekursion xn+1 = αxn + β gilt

n−1
X
n
xn = α x0 + β αk .
k=0

Induktionsanfang: Für n=1


0
X
1
x1 = α x0 + β αk = αx0 + β.
|k=0
{z }

Induktionsschritt: Es gilt

n−1 n n
!
X X X
xn+1 = αxn + β = α αn x0 + β αk + β = αn+1 x0 + β αk + β = αn+1 x0 + β αk .
k=0 k=1 k=0

Damit ist die explizite Formel bewiesen.

Für das Konvergenzverhalten müssen mehrere Fälle unterschieden werden.

10
(i) Wenn |α| < 1, konvergiert die Folge xn gegen

1
lim xn = β .
n→∞ 1−α

(ii) Wenn α = 1, gilt


lim xn = ∞,
n→∞

weshalb xn nicht konvergieren kann.

(iii) Wenn α = −1, gilt

(
1 − (−1)n −x0 + β, n ist ungerade
xn = (−1)n x0 + β =
1 − (−1) x0 , n ist gerade

und die Folge xn springt zwischen x0 und −x0 +β hin und her. Daher ist sie divergent.
(iv) Wenn |α| > 1, ist die Folge xn unbeschränkt und konvergiert somit nicht.

Aufgabe 10
Die Folge an sei rekursiv deniert durch


an+1 = 2 an , n∈ N
mit einem gegebenen Startwert a1 ≥ 0.
(a) Geben Sie alle Werte a∈ R an, die als Grenzwert der Folge infrage kommen.

(b) Untersuchen Sie die Konvergenz der Folge in Abhängigkeit von dem Startwert
a1 > 0.
Hinweis: Verwenden Sie dazu einerseits die Methode der graphischen Analyse (Skrip-
tum Seiten 207,208). Untersuchen Sie aber auch die Monotonie und Beschränktheit
der Folge, um so die Konvergenz streng zu beweisen. Dabei muss vollständige Induk-
tion verwendet werden!

(a) Für einen Grenzwert a der rekursiv denierten Folge an gilt

√ q √
a = lim an = lim an+1 = lim 2 an = 2 lim an = 2 a.
n→∞ n→∞ n→∞ n→∞

Man sagt auch, a ist ein Fixpunkt der Rekursion. Weiters erhält man aus


a=2 a ⇐⇒ a2 = 4a ⇐⇒ a(a − 4) = 0

die beiden möglichen Grenzwerte a=0 und a = 4.

(b) In Abb. 1 ist das entsprechende Spinnwebdiagramm abgebildet. Dazu wird zunächst der

Graph von f (x) = 2 x gezeichnet. Die Schnittpunkte (0, 0) und (4, 4) des Graphen mit der
Mediane entsprechen Fixpunkten von f (x), d.h. den möglichen Grenzwerte der rekursiv
denierten Folge.

11
Die Folgenglieder an können entweder auf der x-Achse oder als Punkte (an , an ) auf der 1.
Mediane eingezeichnet werden. Hier wird die zweite Variante gewählt.

Die Punkte auf der Mediane, die der Iteration an+1 = f (an ) mit Startwert a1 entsprechen,
werden folgendermaÿen konstruiert:
Man startet mit dem Punkt (a1 , a1 ) auf der Mediane. Vom Punkt (a1 , a1 ) geht man vertikal

bis man den Graph der Funktion f (x) = 2 x schneidet. Von diesem Schnittpunkt aus
geht man horizontal zur Mediane zurück. Dies ergibt den Punkt (a2 , a2 ), von dort geht
man wieder vertikal bis zum Graph von f und dann wieder horizontal zur Mediane und
erhält so den Punkt (a3 , a3 ). Fortsetzen dieses Algorithmus ergibt alle Glieder der Folge.

An dem Spinnwebdiagramm erkennt man

lim an = 4, a1 > 0 .
n→∞

6 ã1 = 6

5 ã2 = 4.8990
ã3 = 4.4267
4 a=4

a3 = 2.37841
2

a2 = 1.41421
1

a1 = 0.5

1 2 3 4 5 6 7

Abbildung 1: Spinnwebdiagramme für a1 = 0.5 und ã1 = 6. Es gilt limn→∞ an = 4 und


limn→∞ ãn = 4. Die Folge an ist streng monoton wachsend, die Folge ãn ist streng monoton
fallend.

Korrekt gezeichnet und mit dem nötigen Wissen betrachtet, kann man Abb. 1 als einen
Beweis der Behauptung Für alle a1 > 0 gilt limn→∞ an = 4 akkzeptieren. Dennoch
geben wir auch einen analytischen Beweis.

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Behauptung: Für alle a1 > 0 gilt limn→∞ an = 4.
Beweis:

Da sich das Monotonieverhalten der Folge bei a1 = 4 ändert, unterscheiden wir 3 Fälle.

1. Fall 0 < a1 < 4:


a) Wir zeigen mit vollständiger Induktion, dass an nach oben durch 4 beschränkt ist.

Induktionsbehauptung:
an < 4, ∀n ∈ N.
Induktionsanfang: a1 < 4
Induktionsschritt:
√ √
an+1 = 2 an < 2 4 = 4.
Damit ist die Beschränktheit nach oben gezeigt.

b) Wir zeigen, dass die Folge streng monoton wachsend ist.

Falls beide Seiten einer Ungleichung positiv sind, ist Quadrieren eine Äquivalenzumfor-
mung. Daher gilt

an+1 = 2 an > an ⇐⇒ 4an > a2n ⇐⇒ 4 > an .
Deshalb ist an für a1 < 4 streng monoton steigend.

Die Folge an ist daher streng monoton wachsend und beschränkt. Aus dem Hauptsatz
über monotone Folgen folgt die Konvergenz der Folge. Ihr Grenzwert muss 4 sein, da die
Folge an durch a1 nach unten beschränkt ist und der Grenzwert daher nicht gleich Null
sein kann.

2. Fall a1 > 4:
Hier gilt Ähnliches.

a) Wir zeigen mit vollständiger Induktion, dass an nach unten durch 4 beschränkt ist.

Induktionsbehauptung:
an > 4, ∀n ∈ N.
Induktionsanfang: a1 > 4
Induktionsschritt:
√ √
an+1 = 2 an > 2 4 = 4.
Damit ist die Beschränktheit durch 4 nach unten gezeigt.

b) Wir zeigen, dass die Folge streng monoton fallend ist.

Es gilt

an+1 = 2 an < an ⇐⇒ 4an < a2n ⇐⇒ 4 < an .
Somit ist an für a1 > 4 streng monoton fallend.

Die Folge ist streng monoton fallend und nach unten beschränkt. Daher ist die Folge
konvergent. Ihr Grenzwert muss 4 sein, da die Folge an durch 4 nach unten beschränkt
ist.

3. Fall a1 = 4
In diesem Fall gilt an = 4 für alle n∈ N und die Konvergenz gilt trivialerweise.

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