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Mathematik 1 für Elektrotechnik Ausarbeitung 8 4.12.

2017

Aufgabe 1
Gegeben sei die Funktion f : R \ {2} → R durch
x2 − 5
f (x) = .
x−2
(a) Zeigen Sie die Stetigkeit von f an der Stelle x = 3 mit Hilfe des ε–δ–Kriteriums.
1
(b) Geben Sie ein passendes δ für ε = 10 an.

(c) Zeigen Sie die Stetigkeit von f an der Stelle x = 3 mit Hilfe der Charakterisierung
der Stetigkeit durch Folgen.

(d) Was ist einfacher?

(e) Bestimmen Sie


lim f (x).
x→3

Hinweis zu (a): Schreiben Sie

|f (x) − f (3)| = |g(x)(x − 3)| = |g(x)||(x − 3)|

mit geeignetem g(x) und schätzen Sie |g(x)| im Intervall 52 , 72 durch eine Konstante
 

K (großzügig) nach oben ab. Damit erhält man δ = Kε .

f (x)

4 f (3) = 4

x
1 2 3 4

-4

x2 −5
Abbildung 1: Der Graph von f (x) = x−2

(a) Das ε − δ-Kriterium besagt: Eine Funktion f : D → R ist im Punkt c ∈ D stetig, wenn
∀ε > 0 ∃δ(ε, c) > 0 : |x − c| < δ(ε, c) ⇒ |f (x) − f (c)| < ε.

Es geht also darum |f (x) − f (3)| für x nahe bei c nach oben abzuschätzen.

1
5 7

Wir gehen nach dem Hinweis vor und suchen eine auf dem Intervall 2, 2 nicht-negative
Funktion g, die
|f (x) − f (3)| = |g(x)(x − 3)| = |g(x)| |x − 3|
erfüllt. Es gilt 2
x − 5 (x − 1)
|f (x) − f (3)| =
− 4 =
(x − 3) ,
x−2 x−2
also setzten wir
x−1 1
g(x) = =1+ .
x−2 x−2
Man erkennt, dass diese Funktion auf 52 , 72 monoton fallend und positiv ist, weshalb
 

   
5 5 7
g(x) ≤ g = 3, ∀x ∈ , .
2 2 2

Für das ε-δ-Kriterium braucht man eine strikte Ungleichung. Diese erhält man z.B. mit
 
5 7
g(x) < 4, ∀x ∈ , .
2 2

Deshalb gilt  
5 7
|f (x) − f (3)| < 4 |x − 3| , ∀x ∈ , .
2 2

Wir wissen also


|f (x) − f (3)| < 4 |x − 3| .
Damit folgt aus
4 |x − 3| < ε
die gewünschte Ungleichung |f (x) − f (3)| < ε mit
ε
|x − 3| < =: δ(ε, 3).
4
Damit ist die Stetigkeit von f im Punkt 3 gezeigt.
1 1
(b) Aus Punkt (a) ist ersichtlich, dass δ = 40 passend für ε = 10 ist, d.h., es gilt

1 1
|x − 3| < =⇒ |f (x) − f (3)| < = ε.
40 10

(c) Sei xn eine gegen 3 konvergente Folge, d.h.,

lim xn = 3.
n→∞

Nach den Grenzwertsätzen für Folgen gilt

x2n − 5 (limn→∞ xn )2 − 5 9−5


lim f (xn ) = lim = = = 4.
n→∞ n→∞ xn − 2 limn→∞ xn − 2 1

(d) Hier und in ähnlichen Beispielen ist es einfacher mit Folgen zu argumentieren.

2
(e) Da f an der Stelle x = 3 stetig ist, gilt

lim f (x) = f (3) = 4.


x→3

Aufgabe 2
Sei f : R → R gegeben durch


x+2 für x < −2
 2
f (x) = x + 2x für − 2 ≤ x < 1
− 1


für x ≥ 1 .
x
(a) Untersuchen Sie die Funktion f auf Stetigkeit, und bestimmen Sie den Typ
eventueller Unstetigkeitsstellen.

(b) Skizzieren Sie den Graph der Funktion.

(c) Bestimmen Sie möglichst große Intervalle auf denen f monoton ist.

(d) Untersuchen Sie, ob f auf den folgenden Teilmengen von R


ein Maximum bzw.
ein Minimum annimmt, und geben Sie dieses gegebenenfalls an:

(i) A1 = [−3, −1] (iii) A3 = (0, 1] (v) A5 = [0, +∞)


(ii) A2 = [0, 2] (iv) A4 = (−2, 0) (vi) A6 = (−∞, +∞).

(a) Weil die Funktionen x 7→ x + 2 und x 7→ x2 + 2x als Polynomfunktionen stetig sind und
R
die Funktion x 7→ − x1 auf \ {0} als gebrochen rationale Funktion ebenfalls stetig ist, ist
R
die Funktion f auf \ {−2, 1} stetig.
Wir berechnen die einseitigen Grenzwerte von f an den Stellen x = −2 und x = 1. Es gilt

f (−2−) = lim f (x) = lim x + 2 = −2 + 2 = 0


x→(−2)− x→(−2)−

f (−2) = (−2)2 + 2(−2) = 0

f (−2+) = lim f (x) = lim x2 + 2x = (−2)2 + 2(−2) = 0.


x→(−2)+ x→(−2)+

Wegen
f (−2−) = f (−2) = f (−2+)
folgt die Stetigkeit von f im Punkt x = −2.
Bei x = 1 geht man ähnlich vor. Es gilt

f (1−) = lim f (x) = lim x2 + 2x = 12 + 2 · 1 = 3


x→1− x→1−

3
1
f (1) = − = −1
1

1 1
f (1+) = lim f (x) = lim − = − = −1.
x→1+ x→1+ x 1
Im Punkt x = 1 stimmen die beiden einseitigen Grenzwerte nicht überein, weshalb die
Stelle x = 1 eine Sprungstelle mit der Sprunghöhe |f (1+) − f (1−)| = 4 ist.

f (x)
3

1
x
-2 -1 1 2
-1

Abbildung 2: Der Graph von f (x)

(b)
(c) Die Funktion f ist auf den Intervallen (−∞, −2), [−1, 1) und [1, ∞) monoton steigend
und auf [−2, −1] monoton fallend.
(d) (i) Auf dem Intervall A1 = [−3, −1] besitzt die Funktion f das Maximum f (−2) = 0
an der Stelle x = −2.
An den Stellen x = −3 und x = −1 hat f die Minima −1.
(ii) Auf dem Intervall A2 = [0, 2] besitzt die Funktion f kein Maximum, der Wert 3 ist
nur ein Supremum.
An der Stellen x = 1 hat die Funktion f ein Minimum −1.
(iii) Auf dem Intervall A3 = (0, 1] besitzt die Funktion f kein Maximum, der Wert 3 ist
nur ein Supremum.
An der Stellen x = 1 hat die Funktion f ein Minimum −1.
(iv) Auf dem Intervall A4 = (−2, 0) besitzt die Funktion f kein Maximum, der Wert 0
ist nur ein Supremum.
An der Stellen x = −1 hat die Funktion f ein Minimum −1.
(v) Auf dem Intervall A5 = [0, ∞) besitzt die Funktion f kein Maximum, der Wert 3 ist
nur ein Supremum.
An der Stellen x = 1 hat die Funktion f ein Minimum −1.
(vi) Auf dem Intervall A6 = (−∞, ∞) besitzt die Funktion f kein Maximum, der Wert
3 ist nur ein Supremum.
Die Funkion f ist nach unten unbeschränkt, daher hat f kein Minimum.

4
Aufgabe 3
Drei Zylinder mit Höhe 4m und Radien der Grundfläche 5m, 3m und 1m werden
aufeinandergestellt, wobei der Zylinder mit Radius 5m ganz unten, der Zylinder mit
Radius 3m in der Mitte und der Zylinder mit Radius 1m ganz oben steht. Geben Sie
eine explizite Formel für die folgenden Funktionen an, untersuchen Sie die Funktionen
auf Stetigkeit und zeichnen Sie ihren Graphen.
(a) Die Querschnittsfläche F (h) von horizontalen Schnitten des erhaltenen Körpers
als Funktion der Höhe h ∈ [0, 12].

(b) Das Volumen V (h) des Körpers der Höhe h ∈ [0, 12].

(a) Der Querschnitt eines Zylinders mit dem Radius r ist ein Kreis mit der Fläche r2 π. Daher
gilt 
25π, 0 ≤ h ≤ 4
R

F : [0, 12] → , F (h) = 9π, 4 < h ≤ 8

1π, 8 < h ≤ 12.

Da der erste Zylinder die Höhe 4m hat, ist der Querschnitt des Körpers in der Höhe 4m
noch der Querschnitt des ersten Zylinders. Daher sind die Intervalle der Fallunterscheidung
rechts abgeschlossen.
Diese Funktion ist auf den Intervallen [0, 4], (4, 8] und (8, 12] konstant und damit stetig.
Die Stellen h = 4 und h = 8 sind Sprungstellen mit Sprunghöhe 16π bzw. 8π.

F (h)
25π

π h
4 8 12

Abbildung 3: Der Graph der Querschnittsfläche F (h) hat bei h = 4 und h = 8 Sprungstellen,
ansonsten ist er konstant. Wenn man die Fläche um die h-Achse rotiert, so erhält man den
aus den drei Zylindern zusammengesetzten Körper.

(b) Das Volumen eines Zylinders mit Radius r und Höhe h ist gleich r2 πh.
Das Volumen des größten Zylinders beträgt 4 · 25π = 100π , das Volumen des mittleren
Zylinders ist gleich 4 · 9π = 36π und das Volumen des kleinsten Zylinder ist 4π. Für das

5
Volumen V (h) gilt

25hπ, 0≤h≤4
R,

V : [0, 12] → V (h) = 100π + 9π(h − 4) = 64π + 9hπ, 4 < h ≤ 8

136π + 1π(h − 8) = 128π + hπ, 8 < h ≤ 12.

Diese Funkion ist auf den Intervallen [0, 4], (4, 8] und (8, 12] linear und damit stetig. An
den Stellen h = 4 bzw. h = 8 gilt
V (4−) = V (4) = V (4+) = 100π
und
V (8−) = V (8) = V (8+) = 136π.
Damit ist die Funktion V auch an diesen Stellen stetig und somit auf dem gesamten
Intervall [0, 12].

V (h)
140π 136π

100π

h
4 8 12

Abbildung 4: Der Graph des Volumens V (h) ist stückweise linear und stetig.

Bemerkung: Die Unstetigkeit der Querschnittsfunktion F (h) und die Stetigkeit der
Volumsfunktion V (h) sind auch anschaulich klar, wenn man sich den Körper physisch
vorstellt.

Aufgabe 4
Eine periodische Funktion f : → R R
mit der Periode T = 2 ist durch ihre Werte
auf einem Intervall I der Länge 2 gegeben.
Zeichnen Sie den Graph von f . Untersuchen Sie, ob die Funktion f gerade oder un-
gerade bzw. stetig ist. Bestimmen Sie den Typ der auftretenden Unstetigkeitsstellen.
Untersuchen Sie, ob f ein Infimum oder ein Minimum bzw. ein Supremum oder ein
Maximum besitzt.

(a) f (x) = x2 , I = [0, 2) (c) f (x) = x2 , I = [0, 2)

(b) f (x) = x2 , I = [−1, 1) (d) f (x) = x2 , I = [−1, 1).

6
x
(a) Die Funktion f (x) = 2 ist weder gerade noch ungerade, weil z.B.
   
1 1 3 1
f = und =f −
2 4 4 2
gilt.
Dies sieht man auch in Abbildung 5. Aus dieser Abbildung kann man auch ablesen, dass
Z
f an allen Stellen x = 2k, für k ∈ , unstetig ist. Alle Unstetigkeiten sind Sprungstellen
mit Sprunghöhe 1.
Das Supremum von f ist 1 und das Minimum von f ist 0, f hat kein Maximum.

f (x)
1
0.5
x
-2 2 4

Abbildung 5: Der Graph der 2-periodischen Fortsetzung der Funktion f (x) = x2 , x ∈ [0, 2).

(b) Man kann aus Abbildung 6 ablesen, dass die Funktion f nicht gerade ist. Es sieht aber
auf den ersten Blick so aus, als ob f ungerade wäre. Dies ist jedoch nicht der Fall, da
1 1
f (1) = − =6 = −f (−1).
2 2
R Z
Wenn man die Funktion nur auf \ {2k + 1, k ∈ } betrachtet, ist f ungerade.
Aus dieser Abbildung kann man auch ablesen, dass f an allen Stellen x = 2k + 1, für
Z
k ∈ , unstetig ist. Alle Unstetigkeiten sind Sprungstellen mit Sprunghöhe 1.
1
Das Supremum von f ist 2 und das Minimum von f ist − 12 , f hat kein Maximum.

f (x)
0.5
x
-3 -1 1 3
−0.5

Abbildung 6: Der Graph der 2-periodischen Fortsetzung der Funktion f (x) = x2 , x ∈ [−1, 1).

(c) Man kann aus Abbildung 7 ablesen, dass die Funktion f weder gerade noch ungerade ist.
Weiters kann man auch ablesen, dass f an allen Stellen x = 2k, für k ∈ Z, unstetig ist.
Alle Unstetigkeiten sind Sprungstellen mit Sprunghöhe 4.
Das Supremum von f ist 4 und das Minimum von f ist 0, f hat kein Maximum.
(d) Man kann aus Abbildung 8 ablesen, dass die Funktion f gerade ist.
Wegen
f (1) = f (−1)
ist f stetig auf ganz R.
Das Maximum von f ist 1 und das Minimum ist 0.

7
f (x)
4

x
-2 2 4

Abbildung 7: Der Graph der 2-periodischen Fortsetzung der Funktion f (x) = x2 , x ∈ [0, 2).

f (x)
1
x
-2 -1 1 2 3 4 5

Abbildung 8: Der Graph der 2-periodischen Fortsetzung der Funktion f (x) = x2 , x ∈ [−1, 1) .

Aufgabe 5
Bestimmen Sie den maximalen reellen Definitionsbereich der angegebenen Funktio-
nen. Untersuchen Sie, ob die Funktionen Polstellen oder hebbare Unstetigkeitsstellen
besitzen. Beheben Sie eventuell auftretende hebbare Unstetigkeitsstellen. Im Fall von
Polstellen bestimmen Sie deren Ordnung. Untersuchen Sie für die angegebenen Funk-
tionen limx→∞ und limx→−∞ .

x2 + 5 x2 + x − 2
(a) f (x) = (d) r(x) =
x2 − 4 x2 + 4x + 4
1 3 (x2 + x − 2)2
(b) g(x) = − (e) s(x) = .
1 − x 1 − x3 x2 + 4x + 4
2 3
(c) h(x) = −
1 − x 1 − x3

(a) Man betrachte die Funktion

x2 + 5 x2 + 5
f (x) = = .
x2 − 4 (x − 2)(x + 2)

Diese Funktion kann auf dem maximalen Definitionsbereich R \ {±2} definiert werden.
Der Zähler x2 + 5 ist ungleich Null für die Nullstellen x1 = −2, x2 = 2 des Nenners. Daher
sind die einfachen Nullstellen x1 , x2 Polstellen erster Ordnung von f .
Mit
x2 + 5 9
f (x) = 2
=1+ 2
x −4 x −4

8
folgt
9 9
lim f (x) = 1 + lim = 1, lim f (x) = 1 + lim = 1.
x→−∞ x→−∞ x2 −4 x→∞ x→∞ x2 −4

(b) Die Funktion g(x) kann auf dem maximalen Definitionsbereich R \ {1} definiert werden.
Es gilt

1 3 x2 + x − 2 (x − 1)(2 + x)
g(x) = − = = .
1 − x 1 − x3 (1 − x)(1 + x + x2 ) (1 − x)(x2 + x + 1)

Das Polynom x2 + x + 1 hat keine reellen Nullstellen.


Der Zähler x2 + x − 2 ist gleich Null für die Nullstelle x1 = 1 des Nenners. Weil x1 jeweils
eine einfache Nullstelle des Zählers und des Nenners ist, ist x1 keine Polstelle. x1 = 1
ist damit eine hebbare Unstetigkeitsstelle. Man kann die Funktion f durch Kürzen des
Faktors x − 1 stetig auf ganz R
fortsetzen und erhält die Fortsetzung

g̃ : R → R, x 7→ g̃(x) = −
x2
x+2
+x+1
.

Für die Grenzwerte gilt


1 3
lim g(x) = lim − lim = 0 − 0 = 0,
x→−∞ x→−∞ 1 − x x→−∞ 1 − x3
1 3
lim g(x) = lim − lim = 0 − 0 = 0.
x→∞ x→∞ 1 − x x→∞ 1 − x3

(c) Die Funktion h(x) kann auf dem maximalen Definitionsbereich R \ {1} definiert werden.
Es gilt
2 3 2x2 + 2x − 1
h(x) = − = .
1 − x 1 − x3 (1 − x)(1 + x + x2 )

Der Zähler 2x2 + 2x − 1 ist ungleich Null für die Nullstelle x1 = 1 des Nenners. Daher ist
die einfache Nullstelle x1 eine Polstelle erster Ordnung von h.
Für die Grenzwerte gilt
2 3
lim h(x) = lim − lim = 0 − 0 = 0,
x→−∞ x→−∞ 1 − x x→−∞ 1 − x3
2 3
lim h(x) = lim − lim = 0 − 0 = 0.
x→∞ x→∞ 1 − x x→∞ 1 − x3

R
(d) Die Funktion r(x) kann auf dem maximalen Definitionsbereich \ {−2} definiert werden.
Es gilt
x2 + x − 2 (x − 1)(x + 2)
r(x) = 2 = .
x + 4x + 4 (x + 2)2

Der Zähler x2 + x − 2 ist gleich Null für die Nullstelle x1 = −2 des Nenners.

9
Die Funktion r̃(x) = x−1
x+2 stimmt mit der Funktion r auf dem gesamten Definitionsbereich
R \ {−2} überein und ist in x1 ebenfalls nicht definiert. Daher stimmen beide Funktionen
überein und es gilt
x−1
r(x) = .
x+2
Daher ist die einfache Nullstelle x1 eine Polstelle erster Ordnung von r.
Mit
x−1 3
r(x) = =1−
x+2 x+2
folgt
3 3
lim r(x) = 1 − lim = 1, lim r(x) = 1 − lim = 1.
x→−∞ x→−∞ x+2 x→∞ x→−∞ x+2

(e) Die Funktion s(x) kann auf dem maximalen Definitionsbereich R \ {−2} definiert werden.
(x2 + x − 2)2 (x − 1)2 (x + 2)2
s(x) = = .
x2 + 4x + 4 (x + 2)2

Der Zähler (x2 + x − 2)2 ist gleich Null für die Nullstelle x1 = −2 des Nenners. Weil x1
jeweils eine zweifache Nullstelle des Zählers und des Nenners ist, ist x1 keine Polstellen.
x1 ist damit eine hebbare Unstetigkeitsstelle. Man kann die Funktion s durch Kürzen des
Faktors (x + 2)2 stetig auf ganz R
fortsetzen und erhält die Fortsetzung

s̃ : R → R, x 7→ s̃(x) = (x − 1)2 .

Weil die Funktion s der Fortsetzung s̃ für x 6= −2 übereinstimmt, erhält man

lim s(x) = lim (x − 1)2 = ∞, lim s(x) = lim (x − 1)2 = ∞.


x→−∞ x→−∞ x→∞ x→∞

Aufgabe 6
Bestimmen Sie den maximalen Definitionsbereich der angegeben Funktionen und
untersuchen Sie den Typ eventuell auftretender Singularitäten. Untersuchen Sie an
den Singularitäten die einseitigen Grenzwerte der Funktionen. Beheben Sie eventuell
auftretende hebbare Unstetigkeitsstellen. Untersuchen Sie auch

lim f (x)
x→±∞

und zeichnen Sie den Graphen der Funktion.


x
(a) f (x) = e x−2
1

(b) f (x) = arctan x
1

(c) f (x) = arctan x2
.

10
(a) Die Funktion
x
f (x) = e x−2 .
R
kann auf dem maximalen Definitionsbereich \ {2} definiert werden. Auf diesem Bereich
ist f als Zusammensetzung von stetigen Funktionen stetig.
Es gilt
x 2 x 2
lim = lim 1 + = −∞, lim = lim 1 + = ∞.
x→2− x−2 x→2− x−2 x→2+ x−2 x→2+ x−2
und
lim ey = 0, lim ey = ∞.
y→−∞ y→∞

x
Mit y = x−2 folgt
x x
lim e x−2 = lim ey = 0, lim e x−2 = lim ey = ∞.
x→2− y→−∞ x→2 y→∞

Damit stimmen die einseitigen Grenzwerte f (2−) und f (2+) nicht überein, weshalb x = 2
keine hebbare Unstetigkeit ist.
Da einer der einseitigen Grenzwerte endlich ist und der andere unendlich, kann x = 2 auch
keine Polstelle oder Sprungstelle sein.

20
f (x)

15

10

x
-2 2 4
x
Abbildung 9: Der Graph der Funktion f (x) = e x−2 .

(b) Die Funktion  


1
f (x) = arctan
x
R
kann man auf dem maximalen Definitionsbereich \ {0} definieren. Auf diesem Bereich
ist f als Zusammensetzung stetiger Funktionen stetig.
1
Mit y := x gilt
 
1 π
lim f (x) = lim arctan = lim arctan(y) = −
x→0− x→0− x y→−∞ 2

11
und  
1 π
lim f (x) = lim arctan = lim arctan(y) = .
x→0+ x→0+ x y→∞ 2

Damit ist x = 0 eine Sprungstelle von f mit Sprunghöhe π.


Weiters gilt
   
1 1
lim arctan = lim arctan(y) = 0, lim arctan = lim arctan(y) = 0.
x→−∞ x y→0− x→∞ x y→0+

π f (x)
2

x
−3 −2 −1 1 2 3

− π2

1

Abbildung 10: Der Graph der Funktion f (x) = arctan x .

(c) Die Funktion  


1
f (x) = arctan
x2
R
kann man auf dem maximalen Definitionsbereich \ {0} definieren. Auf diesem Bereich
ist f als Zusammensetzung stetiger Funktionen stetig.
1
Mit y := x2
gilt
 
1 π
lim f (x) = lim arctan = lim arctan(y) =
x→0− x→0− x2 y→∞ 2

und  
1 π
lim f (x) = lim arctan = lim arctan(y) = .
x→0+ x→0+ x2 y→∞ 2

Damit ist x = 0 eine hebbare Unstetigkeit. Man kann also f als


(
1
R R

arctan , x 6= 0
f˜ : → , x 7→ f˜(x) = π x 2

2, x=0

stetig auf ganz R fortgesetzen.


Weiters gilt
   
1 1
lim arctan = lim arctan(y) = 0, lim arctan = lim arctan(y) = 0.
x→−∞ x2 y→0+ x→∞ x2 y→0+

12
f (x)
π
2

x
−3 −2 −1 1 2 3

Abbildung 11: Der Graph der Funktion f (x) = arctan 1


x2

auf R \ {0}.
f (x)
π
2

x
−3 −2 −1 1 2 3

Abbildung 12: Der Graph der auf ganz R fortgesetzten Funktion f˜.
Aufgabe 7
(a) Berechnen Sie für a, b > 0
p p
lim ( (x + a)(x + b) − x), lim ( (x + a)(x + b) − x) .
x→0 x→∞

(b) Es sei √
1 + 3x2 − 1
f (x) = .
x2
Bestimmen Sie den maximalen Definitionsbereich D von f . Begründen Sie,
R
warum f auf D stetig ist. Zeigen Sie, dass f auf ganz stetig fortgesetzt werden
kann.
Hinweis: Benützen Sie bei a) und b) die Umformung
√ √
√ ( u − v)( u + v)
u−v = √ ,
u+v

für passende u, v.

(a) Für den Grenzwert limx→0 gilt auf Grund der Grenzwertsätze und der Stetigkeit der
Wurzel
p q √
lim ( (x + a)(x + b) − x) = ( lim x + a)( lim x + b) − lim x = ab.
x→0 x→0 x→0 x→0

Für den Grenzwert limx→∞ existiert limx→∞ x nicht, daher darf man den Limes nicht in
die Differenz ziehen. Es gilt jedoch mit dem Hinweis
ab
p x(a + b) + ab (a + b) + x
lim (x + a)(x + b) − x = lim p = lim q
x→∞ x→∞ (x + a)(x + b) + x x→∞ 1
x2
(x + a)(x + b) + 1

13
(a + b) + ab
x (a + b) + limx→∞ ab
x a+b a+b
= lim q = q = = .
x→∞
1 + xa 1 + xb + 1
 
1 + limx→∞ xa 1 + limx→∞ xb + 1
  1+1 2

(b) Die Funktion f ist im Punkt x = 0 nicht definiert, überall sonst jedoch schon. Daher ist
R
der maximale Definitionsbereich D = \ {0}.
Die Funktion f ist als Zusammensetzung von stetigen Funktionen stetig auf D.
Für alle x ∈ D, d.h. für x 6= 0 gilt mit dem Hinweis

1 + 3x2 − 1 1 + 3x2 − 1 3x2 3
f (x) = 2
=  √  = √ =√ ,
x x2 1 + 3x2 + 1
2 2
x ( 1 + 3x + 1) 1 + 3x2 + 1

wobei im letzten Schritt ein Faktor x2 im Zähler und im Nenner gekürzt wurde, was für
x 6= 0 erlaubt ist. Daher gilt
3
lim f (x) = lim f (x) =
x→0− x→0+ 2
und x = 0 ist eine hebbare Unstetigkeit der Funktion f . Die stetige Fortsetzung von f auf
ganz R ist die Funktion

f˜ : R → R, x 7→ f˜(x) = √1 + 3x
3
2+1
.

Aufgabe 8
Zeigen Sie, dass es zu jedem Zeitpunkt zwei genau gegenüberliegende Punkte auf
dem Erdäquator gibt, an denen die gleiche Temperatur herrscht.
Hinweise:
i)Nehmen Sie an, dass die Temperatur am Äquator eine 2π periodische stetige Funk-
tion des Längengrades ist, d.h. T = T (x), wobei x ∈ [0, 2π] im Bogenmaß gemessen
wird.
ii) Betrachten Sie die stetige Funktion

f : [0, π] → R, f (x) := T (x) − T (x + π) .

Zeigen Sie, dass Nullstellen von f gegenüberliegenden Punkten mit der gleichen Tem-
peratur entsprechen.
iii) Zeigen Sie f (π) = −f (0).
iv) Zeigen Sie unter Verwendung des Zwischenwertsatzes für stetige Funktionen: ent-
weder gilt f (0) = 0 oder f besitzt eine Nullstelle x ∈ (0, π).
v) eine Skizze kann auch helfen.

Wir nehmen an, dass die Temperatur am Äquator eine 2π-periodische stetige Funktion des
Längengrades ist, d.h. T = T (x), wobei x ∈ [0, 2π] im Bogenmaß gemessen wird.

Zwei Punkte x, y mit x < y liegen einander genau dann gegenüber, wenn y = x + π gilt.

14
Falls an gegenüberliegenden Punkten x und x + π dieselbe Temperatur herrscht, so gilt

0 = T (x) − T (x + π) =: f (x).

Daher betrachten wir die Funktion

f : [0, π] → R, f (x) := T (x) − T (x + π),

welche als Differenz von stetigen Funktionen ebenfalls stetig ist.

Eine Nullstelle von f entspricht zwei gegenüberliegenden Punkten x und x + π am Äquator,


welche dieselbe Temperatur haben. Daher genügt es zu zeigen, dass f eine Nullstelle hat.

Da T 2π-periodisch ist, gilt T (2π) = T (0) und damit

f (π) = T (π) − T (π + π) = T (π) − T (0) = −f (0).

Nun muss man zwei Fälle unterscheiden:

1. Falls f (0) = 0 gilt, haben wir eine Nullstelle gefunden und sind fertig.

2. Falls f (0) 6= 0 gilt, so haben f (0) und f (π) verschiedene Vorzeichen, weshalb 0 im Intervall
zwischen f (0) und f (π) liegt. Aus dem Zwischenwertsatz für stetige Funktionen folgt, dass
die Funktion f jeden Wert zwischen f (0) und f (π) und somit insbesondere den Wert Null
annimmt. Daher existiert ein x1 ∈ (0, π) mit f (x1 ) = 0, was die Behauptung auch in diesem
Fall beweist.

T (x),f (x)
2

x
x1 π x2 2π

−2

Abbildung 13: Ein möglicher Graph der Temperaturverteilung entlang des Äquators. Die Funk-
tion T ist in blau abgebildet und die Funktion f in rot. Weiters sind die passenden Stellen x1
und x2 = x1 + π eingezeichnet.

15
Aufgabe 9
Zerlegen Sie die folgenden Polynome in Linearfaktoren. Verwenden Sie das Horner-
Schema zum Abdividieren der Linearfaktoren.
(a) p(x) = 2x3 − 11x2 + 17x − 6

(b) p(x) = 2x3 − 9x2 + 12x − 4

(c) p(x) = x4 + 2x3 − 3x2 + 2x + 6.


Hinweis: Sei an xn + · · · + a1 x + a0 ein Polynom mit ganzzahligen Koeffizienten. Sei
x = p/q eine rationale Nullstelle des Polynoms. Dann ist p Teiler von a0 und q ist
Teiler von an .

(a) Mögliche rationale Nullstellen haben die Form x = pq , wobei p ein Teiler von 6 ist und q
ein Teiler von 2 ist. Dies ergibt die folgenden Möglichkeiten für p und q
p = ±1, ±2, ±3, ±6, q = ±1, ±2.

Nun testen wir mit dem Horner-Schema die entsprechenden x-Werte. Für x = 2 folgt
2 −11 17 −6
2 2 −7 3 0
|{z}
=p(2)

Damit ist x1 = 2 eine Nullstelle und es gilt


p(x) = (x − 2)(2x2 − 7x + 3).
Das Polynom 2x2 − 7x + 3 hat die Nullstellen x2 = 3 und x3 = 12 , also erhält man die
Zerlegung in Linearfaktoren
 
1
p(x) = 2(x − 2)(x − 3) x − .
2

(b) Dies ergibt die folgenden Möglichkeiten für p und q


p = ±1, ±2, ±4, q = ±1, ±2.

Nun testen wir mit dem Horner-Schema die entsprechenden x-Werte, wobei hier nur die
Rechnungen angegeben werden, die auf Nullstellen führen. Für x = 2 gilt
2 −9 12 −4
2 2 −5 2 0
|{z}
=p(2)

Damit ist x1 = 2 eine Nullstelle und es gilt


p(x) = (x − 2)(2x2 − 5x + 2).
Das Polynom 2x2 − 5x + 2 hat die Nullstellen x2 = 2 und x3 = 12 , also erhält man die
Zerlegung in Linearfaktoren
 
2 1
p(x) = 2(x − 2) x − .
2

16
(c) Die möglichen Werte für p und q sind

p = ±1, ±2, ±3, ±6, q = ±1.

Nun testen wir mit dem Horner-Schema die entsprechenden x Werte. Für x = −1 gilt

1 2 −3 2 6
−1 1 1 −4 6 0
|{z}
=p(−1)

Damit ist x1 = −1 eine Nullstelle und es gilt

p(x) = (x + 1)(x3 + x2 − 4x + 6).

Wir testen mit dem Horner-Schema, ob x = −3 eine Nullstelle von x3 + x2 − 4x + 6 ist,

1 1 −4 6
−3 1 −2 2 0
|{z}
=p(−3)

Damit ist x2 = −3 eine weitere Nullstelle von p(x), es gilt also

p(x) = (x + 1)(x + 3)(x2 − 2x + 2).

Das Polynom x2 − 2x + 2 hat keine reellen Nullstellen, jedoch die komplexen Nullstellen

x3,4 = 1 ± 1 − 2 = 1 ± i.

Damit gilt
p(x) = (x + 1)(x + 3)(x − 1 − i)(x − 1 + i).

Aufgabe 10
Bestimmen Sie alle Nullstellen der angegeben Polynome p(x). Geben Sie die Vielfach-
heit jeder Nullstelle an. Bestimmen Sie jeweils den konstanten Term a0 des Polynoms
ohne Ausmultiplizieren aller Linearfaktoren.
Skizzieren Sie die Graphen der Polynome. Die Skizze soll das Vorzeichen von p(x) und
den Verlauf des Graphen in der Nähe der Nullstellen korrekt wiedergeben. Achten Sie
dabei insbesondere auf den Verlauf des Graphen in der Nähe mehrfacher Nullstellen
sowie auf den Verlauf des Graphen für x → ±∞.
(a) p(x) = x(x − 2)(x − 4)

(b) p(x) = x2 (x − 2)(x − 4)2

(c) p(x) = x5 (x − 2)(x − 4)2

(d) p(x) = (1 − x2 )3 .

(a) An der Darstellung p(x) = x(x−2)(x−4) kann man ablesen, dass p(x) die Nullstellen x1 =
0, x2 = 2 und x3 = 4 hat. Dieser Nullstellen haben die Vielfachheiten n1 = n2 = n3 = 1,

17
4 p(x)

x
2 4

−2

Abbildung 14: Der Graph des Polynoms p(x) = x(x − 2)(x − 4). An den drei einfachen
Nullstellen schneidet der Graph die x-Achse unter einem Winkel ungleich Null. Man erkennt
limx→−∞ p(x) = −∞ und limx→∞ p(x) = ∞.

es sind also einfache Nullstellen, siehe Abb. 14 . Der konstante Term eines Produktes von
Linearfaktoren ist das Produkt der konstanten Terme der einzelnen Linearfaktoren. Damit
gilt
a0 = 0 · 2 · 4 = 0.

(b) An der Darstellung p(x) = x2 (x − 2)(x − 4)2 kann man ablesen, dass p(x) die Nullstellen
x1 = 0, x2 = 2 und x3 = 4 hat. Diese haben die Vielfachheiten n1 = 2, n2 = 1 und n3 = 2,
siehe Abb. 15. Der konstante Term eines Produktes von Linearfaktoren ist das Produkt
der konstanten Terme der einzelnen Linearfaktoren. Damit gilt
a0 = 02 · 2 · 42 = 0.

p(x)
5

x
2 4

−5

Abbildung 15: Der Graph des Polynoms p(x) = x2 (x − 2)(x − 4)2 . Man erkennt
limx→−∞ p(x) = −∞ und limx→∞ p(x) = ∞. An den doppelten Nullstellen x1 = 0 und x3 = 4
berührt der Graph die x-Achse. An der einfachen Nullstelle x2 = 2 schneidet der Graph die
x-Achse unter einem Winkel ungleich Null.

(c) An der Darstellung p(x) = x5 (x − 2)(x − 4)2 kann man ablesen, dass p(x) die Nullstellen
x1 = 0, x2 = 2 und x3 = 4 hat. Diese haben die Vielfachheiten n1 = 5, n2 = 1 und n3 = 2,
siehe Abb. 16. Der konstante Term eines Produktes von Linearfaktoren ist das Produkt
der konstanten Terme der einzelnen Linearfaktoren. Damit gilt
a0 = 05 · 2 · 42 = 0.

18
600 p(x)

400

200

x
2 4

Abbildung 16: Der Graph des Polynoms p(x) = x5 (x − 2)(x − 4)2 . Man erkennt
limx→−∞ p(x) = ∞ und limx→∞ p(x) = ∞. Da x1 = 0 eine 5-fache Nullstelle ist, wird der
Graph in der Nähe von x1 = 0 sehr flach und das Vorzeichen wechselt bei x1 = 0. An der
doppelten Nullstelle x3 = 4 berührt der Graph die x-Achse. An der einfachen Nullstelle x2 = 2
schneidet der Graph die x-Achse unter einem Winkel ungleich Null.

(d) An der Darstellung p(x) = (1 − x2 )3 = (1 − x)3 (1 + x)3 kann man ablesen, dass p(x) die
Nullstellen x1 = 1 und x2 = −1 hat. Diese haben die Vielfachheiten n1 = 3 und n2 = 3,
siehe Abb. 17 . Der konstante Term eines Produktes von Linearfaktoren ist das Produkt
der konstanten Terme der einzelnen Linearfaktoren. Damit gilt

a0 = 13 · 13 = 1.

p(x)
1

x
-1 1

Abbildung 17: Der Graph des Polynoms p(x) = (1 − x2 )3 . Da p(x) gerade ist, ist der Graph
symmetrisch zur y-Achse. Das Maximum von p(x) ist p(0) = 1. In der Nähe der dreifachen
Nullstellen x1 = −1 und x2 = 1 wird der Graph sehr flach und wechselt an den Nullstellen
das Vorzeichen. Weiters gilt limx→−∞ p(x) = −∞ und limx→∞ p(x) = −∞.

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