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Mathematik 1 für Elektrotechnik Ausarbeitung 9 11.12.

2017

Aufgabe 1
Was versteht man unter dem Interpolationspolynom zu (n + 1) Datenpaaren
(x0 , y0 ), (x1 , y1 ), . . . , (xn , yn ) ?

Erklären Sie warum das Interpolationspolynom eindeutig bestimmt ist.


Bestimmen Sie das Interpolationspolynom vom Grad kleiner gleich drei für die an-
gegeben Datenpaare.
(a) (−1, −6), (0, −7), (2, −3), (3, 14)
(b) (−2, 0), (0, 0), (1, 3), (2, 8).

Das Interpolationspolynom p(x) zu den (n + 1) Daten erfüllt


p(xi ) = yi , i = 0, 1, . . . , n.

Die Eindeutigkeit wurde schon in Satz 7.6 gezeigt, denn seien p1 (x) und p2 (x) zwei Interpola-
tionspolynome zu den selben Daten, so hat das Polynom
r(x) = p1 (x) − p2 (x)

einen Grad kleiner gleich n und n + 1 Nullstellen. Daher muss es das Null-Polynom sein und
es folgt p1 (x) = p2 (x).

(a) Man geht nun wie im Beweis von Satz 7.6 vor und deniert sich die Hilfspolynome
(x − x1 )(x − x2 )(x − x3 ) (x − 0)(x − 2)(x − 3) x3 − 5x2 + 6x
ϕ0 (x) = = =− ,
(x0 − x1 )(x0 − x2 )(x0 − x3 ) (−1 − 0)(−1 − 2)(−1 − 3) 12

(x − x0 )(x − x2 )(x − x3 ) (x + 1)(x − 2)(x − 3) x3 − 4x2 + x + 6


ϕ1 (x) = = = .
(x1 − x0 )(x1 − x2 )(x1 − x3 ) (0 + 1)(0 − 2)(0 − 3) 6

Analog folgt
(x + 1)(x − 0)(x − 3) x3 − 2x2 − 3x
ϕ2 (x) = =− ,
(2 + 1)(2 − 0)(2 − 3) 6

(x + 1)(x − 0)(x − 2)) x3 − x2 − 2x


ϕ3 (x) = = .
(3 + 1)(3 − 1)(3 − 2) 12

1
Damit ist
3  3
x − 5x2 + 6x
 3
x − 4x2 + x + 6
X  
p(x) = yi ϕi (x) = −6 − −7
12 6
i=0
 3
x − 2x2 − 3x
 3
x − x2 − 2x
 
−3 − + 14
6 12
     
3 1 7 1 7 2 5 14 7 7 3 7
=x − + + +x − + −1− +x 3− − − −7
2 6 2 6 2 3 6 6 2 3

= x3 − 2x − 7
das gesuchte Interpolationspolynom.
Nun kann man zur Sicherheit noch die Probe machen und erhält
p(−1) = −6, p(0) = −7, p(2) = −3, p(3) = 14,
daher wurde p(x) korrekt berechnet.
(b) Man geht nun wie im Beweis von Satz 7.6 vor und deniert sich die Hilfspolynome

(x − x1 )(x − x2 )(x − x3 ) (x − 0)(x − 1)(x − 2) x3 − 3x2 + 2x


ϕ0 (x) = = =− ,
(x0 − x1 )(x0 − x2 )(x0 − x3 ) (−2 − 0)(−2 − 1)(−2 − 2) 24

(x − x0 )(x − x2 )(x − x3 ) (x + 2)(x − 1)(x − 2) x3 − x2 − 4x + 4


ϕ1 (x) = = = .
(x1 − x0 )(x1 − x2 )(x1 − x3 ) (0 + 2)(0 − 1)(0 − 2) 4
Analog folgt
(x + 2)(x − 0)(x − 2) x3 − 4x
ϕ2 (x) = =− ,
(1 + 2)(1 − 0)(1 − 2) 3

(x + 2)(x − 0)(x − 1)) x3 + x2 − 2x


ϕ3 (x) = = .
(2 + 2)(2 − 0)(2 − 1) 8
Damit ist
3  3
x − 3x2 + 2x
 3
x − x2 − 4x + 4
X  
p(x) = yi ϕi (x) = 0 − +0
24 4
i=0
 3  3
x + x2 − 2x
 
x − 4x
3 − +8
3 8

= x3 (−1 + 1) + x2 (1) + x (4 − 2) + 0

= x2 + 2x
das gesuchte Interpolationspolynom.
Nun kann man noch zur Sicherheit die Probe machen und erhält
p(−2) = 0, p(0) = 0, p(1) = 3, p(2) = 8,
daher wurde p(x) korrekt berechnet.

2
Bemerkung: Es gibt noch andere, ezientere Methoden, wie der Newtonsche Algorithmus,
um das Interpolationspolynom zu nden. Interpolation wird oft im Rahmen von numerischen
Berechnungen verwendet.

Aufgabe 2
Bestimmen Sie die Nullstellen, die Lage und den Typ aller Singularitäten der folgen-
den rationalen Funktionen R(x). Ermitteln Sie die Partialbruchzerlegung von R(x).
Machen Sie jeweils die Probe. Skizzieren Sie den Graph der rationalen Funktion und
alle horizontalen bzw. vertikalen Asymptoten.
2x2 + 1 3x2 − 9x + 6
(a) R(x) = (c) R(x) =
x3 − x2 − x + 1 x3 − 2x2 − 9x + 18
x3 − 4x2 − 11x + 30
(b) R(x) =
x3 − 2x2 − 5x + 6

(a) Es gilt
2x2 + 1 2x2 + 1
R(x) = = .
x3 − x2 − x + 1 (x − 1)2 (x + 1)
Damit kann man R(x) auf R \ {−1, 1} denieren.
Der Zähler der Funktion besitzt keine reellen Nullstellen, weshalb auch R keine reellen
Nullstellen besitzt.
Damit sind auch alle Singularitäten x1 = −1 und x2 = 1 Polstellen. x1 = −1 ist eine
Polstelle der Ordnung 1 von R und x2 = 1 ist eine Polstelle zweiter Ordnung von R, siehe
Abbildung 1.
Die Partialbruchzerlegung von R(x) hat die Form
2x2 + 1 A1 A2 A3
2
= + 2
+ ,
(x − 1) (x + 1) x − 1 (x − 1) x+1

mit Unbekannten A1 , A2 , A3 .
Es gilt
2x2 + 1 = A1 (x − 1)(x + 1) + A2 (x + 1) + A3 (x − 1)2

= A1 (x2 − 1) + A2 (x + 1) + A3 (x2 − 2x + 1)

= x2 (A1 + A3 ) + x(A2 − 2A3 ) + (−A1 + A2 + A3 ).

Also erhält man mit Koezientenvergleich das lineare Gleichungssystem

A1 +A3 = 2
A2 −2A3 = 0
−A1 +A2 +A3 = 1

3
Nun kann man alle drei Gleichung addieren und erhält so die Gleichung
3
2A2 = 3 =⇒ A2 = .
2
Dies kann man in die 2. Gleichung einsetzten und erhält
3 3
− 2A3 = 0 =⇒ A3 = .
2 4
Nun kann man A2 und A3 in die 1.Gleichung einsetzten und bekommt
3 5
A1 + =2 =⇒ A1 = .
4 4

Damit folgt A2 = 32 und A1 = 54 . Diese Werte lassen sich mit einer Probe bestätigen.
Also erhält man die Partialbruchzerlegung
2x2 + 1 5 3 3
R(x) = = + + .
(x − 1)2 (x + 1) 4(x − 1) 2(x − 1)2 4(x + 1)

20 R(x)

10

x
−2 −1 1 2

−10

Abbildung 1: Der Graph von R(x) = (x−1) 2 (x+1) . Die Stellen x1 = −1 ist eine Polstelle
2
2x +1

erster Ordnung und x2 = 1 ist eine Polstellung zweiter Ordnung von R. Durch die Polstellen
verlaufen vertikale Asymptoten.

(b) Es gilt mittels Division oder mit der folgenden Rechnung


x3 − 4x2 − 11x + 30 −2x2 − 6x + 24 −2x2 − 6x + 24
R(x) = = 1 + = 1 + .
x3 − 2x2 − 5x + 6 x3 − 2x2 − 5x + 6 (x − 1)(x + 2)(x − 3)

Damit kann man R(x) auf R \ {−2, 1, 3} denieren.


Der Zähler
x3 − 4x2 − 11x + 30 = (x + 3)(x − 2)(x − 5)
der Funktion besitzt die reellen Nullstellen x1 = −3, x2 = 2 und x3 = 5. Diese liegen im
Denitionsbereich, weshalb R die Nullstellen x1 = −3, x2 = 2 und x3 = 5 besitzt.

4
Alle Nullstellen x1 = −2, x2 = 1 und x3 = 3 des Nenners haben Vielfachheit 1, sie sind
jedoch keine Nullstellen des Zählers. Daher sind alle Singularitäten x1 = −2, x2 = 1 und
x3 = 3 Polstelle der Ordnung 1 von R, siehe Abbildung 2.
Die Partialbruchzerlegung von R(x) − 1 hat die Form
−2x2 − 6x + 24 A1 A2 A3
= + + ,
(x − 1)(x + 2)(x − 3) x − 1 (x + 2) x − 3
mit Unbekannten A1 , A2 , A3 .
Es gilt
−2x2 − 6x + 24 = A1 (x + 2)(x − 3) + A2 (x − 1)(x − 3) + A3 (x − 1)(x + 2)

= A1 (x2 − 1x − 6) + A2 (x2 − 4x + 3) + A3 (x2 + x − 2)

= x2 (A1 + A2 + A3 ) + x(−A1 − 4A2 + A3 ) + (−6A1 + 3A2 − 2A3 ).


Also erhält man mit Koezientenvergleich das lineare Gleichungssystem
A1 +A2 +A3 = -2
−A1 −4A2 +A3 = -6
−6A1 +3A2 −2A3 = 24.
Nun kann man die 1. Gleichung zu der 2. Gleichung addieren und das 6-fache der 1.
Gleichung zur 3. Gleichung dazu addieren und erhält die Gleichungen
−3A2 +2A3 = -8
9A2 +4A3 = 12.
Man kann das 3-fache der oberen Gleichung zur unteren Gleichung addieren und erhält
die Gleichung
6
10A3 = −12 A3 = − . =⇒
5
Dies kann man in die Gleichung −3A2 + 2A3 = −8 einsetzten und erhält
12 28
−3A2 − = −8 =⇒ A2 = .
5 15
Nun kann man A2 und A3 in die 1. Gleichung einsetzten und bekommt
28 6 8
A1 + − = −2 =⇒ A1 = − .
15 5 3
Damit folgt A1 = − 83 , A2 = 28
15 und A3 = − 5 . Diese Werte lassen sich mit einer Probe
6

bestätigen.
Also erhält man die Partialbruchzerlegung
−2x2 − 6x + 24 8 28 6
R(x) = 1 + 3 2
=1− + − .
x − 2x − 5x + 6 3(x − 1) 15(x + 2) 5(x − 3)
In der Darstellung
−2x2 − 6x + 24
R(x) = 1 +
x3 − 2x2 − 5x + 6
erkennt man gut, dass die Funktion für x → ±∞ gegen 1 geht.

5
20 R(x)

10

x
-2 1 2 3

−10

Abbildung 2: Der Graph von R(x) = xx−4x 3 −2x2 −5x+6 . An den Stellen x1 = −3, x2 = 2 und
3 2
−11x+30

x3 = 5 hat R einfache Nullstellen. An den Stellen x1 = −2, x2 = 1 und x3 = 3 hat R eine


Polstelle erster Ordnung. Durch die Polstellen verlaufen vertikale Asymptoten. Die Gerade
y = 1 ist eine horizontale Asymptote.

(c) Es gilt
3x2 − 9x + 6 (x − 2)(x − 1)
R(x) = 3 2
=3 .
x − 2x − 9x + 18 (x − 2)(x − 3)(x + 3)
Damit kann man R(x) auf D = R \ {−3, 2, 3} denieren.
Der Zähler der Funktion besitzt die reellen Nullstellen x1 = 1 und x2 = 2. Nur x1 = 1
liegt im Denitionsbereich von R, weshalb R nur die Nullstellen x1 = 1 besitzt.
Man erkennt nun, dass x1 = −3 und x2 = 3 Polstellen erster Ordnung von R sind. Da
man für x 6= 2 den Faktor (x − 2) im Zähler und im Nenner kürzen kann, ist x2 = 2 eine
hebbare Unstetigkeit, siehe Abbildung 3.
Damit kann man die Funktion R(x) mit
x−1
R̃(x) = 3
(x − 3)(x + 3)

auf R \ {−3, 3} stetig fortsetzen.


Die Partialbruchzerlegung von R̃(x) hat die Form
 
x−1 A1 A2
3 =3 + ,
(x − 3)(x + 3) x−3 x+3
mit Unbekannten A1 , A2 . Es gilt nach Kürzen des Faktors 3
x − 1 = A1 (x + 3) + A2 (x − 3)

= x(A1 + A3 ) + (3A1 − 3A2 ).

Also erhält man mit Koezientenvergleich das lineare Gleichungssystem

6
A1 +A2 = 1
3A1 −3A2 = -1
Nun kann man das 3-fache der 1. Gleichung zur 2. Gleichung addieren und erhält die
Gleichung
6A1 = 2.
Also erhält man A1 = 31 . Dies kann man in die 1. Gleichung einsetzten und erhält
1 2
+ A2 = 1 =⇒ A2 = .
3 3
Damit folgt A1 = 13 und A2 = 13 . Diese Werte lassen sich mit einer Probe bestätigen.
Also erhält man die Partialbruchzerlegung
 
3x − 3 1 2 1 2
R̃(x) = 2 =3 + = + .
x −9 2(x − 3) 3(x + 3) x−3 x+3

R̃(x)

10

x
-3 2 3

−10

−20

Abbildung 3: Der Graph von R̃(x) = 3x−3


x2 −9
. Bei x = 1 hat R̃ eine Nullstelle. An den Stellen
x1 = −3 und x2 = 3 hat R̃ eine Polstelle erster Ordnung. Durch die Polstellen verlaufen
vertikale Asymptoten. Die x-Achse ist eine horizontale Asymptote.

Aufgabe 3
Geben Sie jeweils den Ansatz für die Partialbruchzerlegung der folgenden Funktionen
an:
x3 − 2
(a) f (x) = 4
x +1
x
(b) g(x) =
(x4 + 10x2 + 25)2 (x2 + 4x + 3)3

(a) Der Nenner q(x) = x√ 4 + 1 von f hat keine reellen Nullstellen. Allerdings hat q(x) vier

komplexe Nullstellen 4 −1 (vierten Wurzeln von −1), d.h.,


1 1 1 1 1 1 1 1
x1 = √ + √ i, x2 = − √ + √ i, x3 = √ − √ i, x4 = − √ − √ i.
2 2 2 2 2 2 2 2

7
Damit gilt
x4 + 1 = (x − x1 )(x − x3 )(x − x2 )(x − x4 )
    
1 1 1 1 1 1 1 1
= x− √ − √ i x− √ + √ i x+ √ − √ i x+ √ + √ i
2 2 2 2 2 2 2 2
 √  √ 
= x2 − 2 + 1 x2 + 2 + 1

Daher hat die Partialbruchzerlegung von f (x) die Form


x3 − 2 B1 x + C1 B2 x + C2
f (x) = 4
= √ + √ .
x +1 x2 − 2 + 1 x2 + 2 + 1

(b) Für den Nenner q(x) von g gilt


q(x) = (x4 + 10x2 + 25)2 (x2 + 4x + 3)3 = (x2 + 5)4 (x + 1)3 (x + 3)3 .

Man erhält die Nullstellen


√ = −1 mit Vielfachheit r1 = 3, x2 = −3 mit Vielfachheit
x1 √
r2 = 3 und x3 = i 5, x4 = −i 5 mit den Vielfachheiten r3 = r4 = 4.
Daher hat die Partialbruchzerlegung von g(x) die Form
3 3 4
X A1j X A2j X B1j x + C1j
g(x) = + + .
(x + 1)j (x + 3)j (x2 + 5)j
j=1 j=1 j=1

Aufgabe 4
(a) Gegeben seien c > 0 und ϕ ∈ R. Zeigen Sie, dass
f (x) = c sin(x + ϕ)

in der Form
f (x) = a cos x + b sin x
mit passenden a, b ∈ R geschrieben werden kann. Geben Sie explizit an, wie a
und b mit c und ϕ zusammenhängen.
(b) Zeichnen (Plotten) Sie den Graph der Funktion
f (x) = cos x + cos(0.9 x)

Was fällt dabei auf? Erklären Sie das Phänomen (Schwebung) unter Verwendung
eines Summensatzes.

(a) Laut dem Summensatz


sin(x + y) = sin x cos y + cos x sin y

8
gilt
f (x) = c sin(x + ϕ) = c(sin x cos ϕ + cos x sin ϕ) = c cos ϕ sin x + c sin ϕ cos x.
| {z } | {z }
=:b =:a

Man erhält den Zusammenhang


a = c sin ϕ b = c cos ϕ.

(b) Aus dem Summensatz


   
x+y x−y
cos x + cos y = 2 cos cos
2 2
folgt
   
x + 0.9x x − 0.9x
f (x) = cos x + cos(0.9x) = 2 cos cos = 2 cos(0.95x) cos(0.05x).
2 2

Die Funktion cos(0.05x) beschreibt eine Schwingung mit Periodenlänge 40π . Die Funk-
tion cos(0.95x) hingegen beschreibt eine Schwingung mit Periodenlänge 40
19 π , welche also
deutlich schneller schwingt.
Die Funktion f (x) schwingt daher relativ schnell zwischen den langsam schwingenden
Funktionen − cos(0.05x) und cos(0.05x) hin und her, man spricht von einer Schwebung.
Dieses Phänomen ist in Abb. 4 gut zu erkennen.

2 f (x)

x
20 40 60 80 100 120 140 160 180 200

−2

Abbildung 4: Der Graph von f (x) = cos x + cos(0.9x) ist in blau abgebildet. Dieser wird von
den zwei roten Graphen von g1 (x) = 2 cos(0.05x) und g2 (x) = −2 cos(0.05x) eingeschlossen.

Aufgabe 5
Bestimmen Sie alle Lösungen der folgenden Gleichungen möglichst explizit (ohne
Verwendung eines elektronischen Rechners).
a)
2 sin2 x + sin2 2x = 2 ,
b)
1 4
arcsin x = arcsin + arcsin
3 5
Hinweis: Benützen Sie Eigenschaften der Winkelfunktionen wie z.B. Summensätze.

9
(a) Unter Verwendung der Rechenregeln für sin x und cos x
sin2 x + cos2 x = 1 (1)
sin(2x) = 2 sin x cos x (2)
1 − 2 sin2 x = cos(2x) (3)
erhält man für die umgeformte Gleichung
(1),(2)
0 = |2 sin2{zx − 2} + sin2 (2x) = −2 cos2 x + 4 sin2 x cos2 x
| {z }
=−2 cos2 x =4 sin2 x cos2 x
(3)
= −2 cos2 x(1 − 2 sin2 x) = −2 cos2 x cos(2x).

Diese Gleichung ist für alle x mit cos x = 0 oder cos(2x) = 0 erfüllt, damit erhält man die
Lösungen
x = + πn oder x = + n, n ∈ Z.
π π π
2 4 2
(b) Für x ∈ [−1, 1] gilt mit y := arcsin x ∈ − 2 , 2
 π π

q p
cos y = 1 − sin2 y ⇐⇒ cos(arcsin x) = 1 − x2 ,

was im folgenden verwendet wird.


Durch Anwenden von sin auf die zu lösende Gleichung, Verwendung des Summensatzes
für sin und Anwendung der zuvor hergeleiteten Formel für cos(arcsin x) erhält man
 
1 4
x = sin arcsin + arcsin
3 5
1 4 4 1
= sin arcsin cos arcsin + sin arcsin cos arcsin
3 5 5 3
r r
1 42 4 1
= 1− 2 + 1− 2
3 5 5 3

13 42 2
= +
35 5 3

1 8 2
= + .
5 15

Aufgabe 6
Lösen Sie die Gleichungen

a) √ √
x
x = ( x)x ,
b)
4x − 3x−1/2 = 3x+1/2 − 22x−1 .

10
(a) Wir betrachten reelle Lösungen, daher muss x ≥ 0 gelten. Man erkennt, dass x = 0 eine
Lösung ist, denn 00 := 1. Für x > 0 erhält man durch Äquivalenzumformungen

x √
x = ( x)x
√ 1
eln x x = e 2 ln x·x

ln x x = 12 ln x · x

( x − x2 ) ln x = 0.
Die letzte Gleichung ist erfüllt, falls entweder ln x = 0, d.h. x = 1, gilt oder falls
√ x
x− =0
2
gilt. Durch Quadrieren folgt, dass diese Gleichungdie Lösungen x = 0 und x = 4 hat, von
denen wegen der Annahme x > 0 nur x = 4 zulässig ist.
Damit erhält man insgesamt die drei Lösungen x1 = 0, x2 = 1 und x3 = 4.
(b) Durch Äquivalenzumformungen folgt
4x − 3x−1/2 = 3x+1/2 − 22x−1
4x + 22(x−1/2) = 3x+1/2 + 3x−1/2
 1
  1 1

4x 1 + 4− 2 = 3 x 3 2 + 3− 2

4 x
 3+ √1
3
3 = 1+ 12
 
8 3
x = log 4 √
3 3
= 2
3
3
x = 2.

Aufgabe 7
(a) Skizzieren Sie die Graphen der Funktionen sinh x und cosh x.
(b) Zeigen Sie, dass sinh x und cosh x für groÿe positive Werte von x sehr gut durch
2 approximiert werden.
ex

(c) Verizieren Sie die Formeln


cosh2 x − sinh2 x = 1, ∀x ∈ R
sinh(x + y) = sinh x cosh y + cosh x sinh y, ∀x, y ∈ R.
(d) Leiten Sie die Formel für arcosh x her und skizzieren Sie ihren Graph.

(a) Siehe Abbildung 5.


(b) Die gute Approximation durch ex
2 folgt sofort aus den Denitionen
ex − e−x ex + e−x
sinh(x) = , cosh(x) = ,
2 2

11
y

x
−2 −1 1 2

−2

Abbildung 5: Der Graph von sinh(x) ist blau abgebildet. Der Graph von cosh(x) ist rot
abgebildet.
200 y

150

100

50

x
1 2 3 4 5 6

Abbildung 6: Die Graphen von sinh(x) und cosh(x) sind blau bzw. rot abgebildet. Im ersten
Quadranten stimmen beide Funktionen bereits für moderat groÿe Werte fast überein. Achtung:
wegen der Skalierung der y -Achse sieht man die für x ∈ [0, 2] bestehenden Unterschiede in
dieser Abbildung nicht.

weil der Term e−x sehr schnell gegen Null geht, siehe Abbildung 6.
(c) Es gilt
2 2
ex + e−x ex − e−x
 
2 2
cosh x − sinh x = −
2 2

e2x + 2ex−x + e−2x e2x − 2ex−x + e−2x 4


= − = = 1.
4 4 4

12
Die zweite Aussage folgt aus
ex − e−x ey + e−y ex + e−x ey − e−y
sinh x cosh y + cosh x sinh y = +
2 2 2 2
ex+y + ex−y − e−x+y − e−x−y + ex+y + e−x+y − ex−y − e−x−y
=
4

ex+y − e−(x+y)
= = sinh(x + y).
2
(d) Siehe Skript Satz 8.10.

Aufgabe 8
Berechnen Sie mit Hilfe des Dierenzenquotienten die Ableitung der Funktionen
√ √
3
f (x) = x, g(x) = x.

Zeigen Sie, dass man die üblichen Dierentiationsregeln für Potenzen erhält. Geben
Sie die Gleichung der Tangente im Punkt (4, f (4)) bzw. (4, g(4)) an. Skizzieren Sie
jeweils den Graph und die Tangente.
Hinweis zu b): Benützen Sie die Formel
a3 − b3 = (a − b)(a2 + ab + b2 )
√ √
mit a = 3
x + h und b = 3
x.


Für die Funktion f (x) = x und x > 0 gilt durch geschicktes Erweitern des Bruches
√ √  √ √ 
0 1 √ √ 1 x+h− x x+h+ x
f (x) = lim ( x + h − x) = lim √ √
h→0 h h→0 h x+h+ x
1 h 1 1
= lim √ √ = lim √ √ = √ .
h→0 h x + h + x h→0 x+h+ x 2 x

Nun berechnen wir die Ableitung von g .

Laut dem Hinweis gilt



3 3 √ 3
√
3 √  p
3

3 √ √
3

h= x+h − 3
x = x+h− 3
x (x + h)2 + x + h 3 x + x2

bzw.

3 √ h
x+h− 3
x= p p √
3
.
3
(x + h) + (x + h)x + x2
2 3


Daher gilt für den Grenzwert des Dierenzenquotienten der Funktion g(x) = 3
x

3

x+h− 3
x 1 1 1 −2
lim = lim p p √
3
= √ 2 = x 3.
h→0 h h→0 3 (x + h)2 + 3 (x + h)x + x2 33x 3

13
Die allgemeine Dierentiationsregel für Potenzen lautet bekanntlich
(xα )0 = αxα−1 ,

was natürlich auch auf die beiden obigen Spezialfälle zutrit.

Die Tangente im Punkt (4, f (4)) an den Graph der Funktion f hat die Gleichung
x−4 x
y = t(x) = f (4) + f 0 (4)(x − 4) = 2 + = + 1.
4 4

Die Tangente im Punkt (4, g(4)) an den Graph der Funktion g hat die Gleichung
√ x−4
y = t(x) = g(4) + g 0 (4)(x − 4) =
3
4+ √ .
632

2 (4, 2)

x
2 4 6 8

Abbildung 7: Der Graph der Funktion f ist blau eingezeichnet und die Tangente durch den
Punkt (4, f (4)) ist rot eingezeichnet.
2 y

(4, g(4))

x
2 4 6 8

Abbildung 8: Der Graph der Funktion g ist blau eingezeichnet und die Tangente durch den
Punkt (4, g(4)) ist rot eingezeichnet.

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Aufgabe 9
Sei a > 1. Gegeben ist die Hyperbel xy = a. Bestimmen Sie die Gleichung der Tan-
gente in einem beliebigen Punkt der Hyperbel im ersten Quadranten. Berechnen Sie
die Fläche des Dreiecks, das durch diese Tangente und die beiden Koordinatenachsen
gebildet wird. Fertigen Sie eine Skizze an.

Sei x0 > 0 ein beliebiger Punkt auf der x-Achse des ersten Quadranten. So gilt für y0 = xa0
x0 y0 = a, daher liegt der Punkt (x0 , xa0 ) auf der Hyperbel. Die Hyperbel ist der Graph der
Funktion y(x) = xa beschreiben. Damit ist die Gleichung der Tangente im Punkt (x0 , y(x0 ))
 
a x − x0 a x − x0
t(x) = y(x0 ) + y 0 (x0 )(x − x0 ) = −a = 1− .
x0 x20 x0 x0

Die Funktion t schneidet die y -Achse im Punkt


 
a
(0, t(0)) = 0, 2
x0

und die x-Achse bei der Nullstelle x1 , für die


a x − 1 − x0
0 = t(x1 ) = −a ⇐⇒ x1 = 2x0
x0 x20

gilt. Damit ist die Fläche des Dreiecks, das durch diese Tangente und die beiden Koordinaten-
achsen gebildet wird ein rechtwinkeliges Dreieck mit den Katheten 2x0 und x2a0 . Es hat daher
den Flächeninhalt
1 2a
2x0 · = 2a.
2 x0
Interessanterweise hängt die Fläche gar nicht von x0 ab sonder nur vom Wert des Parameters
a.

Aufgabe 10
Es sei f (x) = x3 − 4x − 2. Bestimmen Sie die Gleichung der Tangente y = t(x) an
den Graph von f an der Stelle x0 = 2. Skizzieren Sie den Graph und die Tangente.
Zeigen Sie, dass der Fehler
q(x) := f (x) − t(x)
für x → 2 wie (x−2)2 gegen Null geht, indem Sie die Funktion q(x) explizit berechnen
und zeigen, dass q(x) bei x0 = 2 eine doppelte Nullstelle hat. Skizzieren Sie den
Graph von q . Berechnen Sie auch den Term r(x, x0 ) in Denition 9.2 des Skriptums
explizit.

Die Gleichung der Tangente im Punkt (2, f (2)) lautet


y = t(x) = f (2) + f 0 (2)(x − 2) = −2 + 3(2)2 − 4 (x − 2) = −2 + 8(x − 2) = 8x − 18.


15
y

2a
x0

(x0 , f (x0 ))
1 A
x
1 x0 2x0

Abbildung 9: Der Graph der Hyperbel xy = a ist blai dargestellt. Die Tangente durch den
Punkt (x0 , y(x0 )) mit x0 > 0 ist rot dargestellt. Das zu untersuchende Dreicke ist hellblau
eingezeichnet.

Der Rest des Beispiels dient dazu, die Idee der linearen Approximation an einem konkreten
Beispiel explizit zu illustrieren.

Für den Fehler, den man unter Berechnung seiner Nullstellen x0 = 2 und x1 = −4 faktorisieren
kann, gilt
q(x) := f (x) − t(x) = x3 − 4x − 2 − 8x + 18 = x3 − 12x + 16 = (x − 2)2 (x + 4).
Da t(x) die Tangente an die Funktion f (x) an der Stelle x0 = 2 ist, hat q(x) an der Stelle
x0 = 2 eine doppelte Nullstelle!

Die gute Approximation der Funktion f (x) durch ihre Tangente t(x) in der Nähe von x0 = 2
sieht man daran, dass für den Fehler q(x) in der Nähe von x0 = 2 gilt
q(x) ≈ 6(x − 2)2 .
Daher geht q(x) für x → 2 quadratisch, d.h. wie (x − 2)2 gegen Null, siehe Abbildung 10.

Nach Denition 9.2 im Skriptum gilt: eine Funktion f ist an der Stelle x0 linear approximierbar,
wenn man f in der Form
f (x) = f (x0 ) + f 0 (x0 )(x − x0 ) + r(x, x0 )(x − x0 )
darstellen kann, wobei gilt limx→x0 r(x, x0 ) = 0 gelten muss.

In der Notation des Beispiels bedeutet dies


q(x) = r(x, 2)(x − 2).
Aus der weiter oben berechneten Faktorisierung von q(x) folgt
r(x, 2) = (x − 2)(x + 4).
Man erkennt daran, dass limx→2 r(x, 2) = 0 gilt.

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15 y

10

2 x
1 (2, f (2))
−5

−10

Abbildung 10: Der Graph der Funktion f (x) = x3 − 4x − 2 ist blau dargestellt. Die Tangente
durch den Punkt (2, f (2)) ist rot dargestellt. Der Graph des Fehlers q(x) ist grün eingezeichnet.
Der Fehler q(x) hat bei x0 = 2 eine Nullstelle 2. Ordnung und ist daher für x nahe bei x0 sehr
klein, wenn sich x von x0 entfernt wird der Fehler schnell groÿ.

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