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Mathematik 1 für Elektrotechnik Ausarbeitung 10 18.12.

2017

Aufgabe 1
Bestimmen Sie für jede der folgenden Funktionen den maximalen Denitionsbereich
D ⊂ R. Begründen Sie warum die Funktionen jeweils in der Menge C 1 (D, R) liegen.
Berechnen Sie die Ableitung der Funktionen.
 
(a) f (x) = √ 1
1+cos2 (3x)
(c) f (x) = tan x+1
x+2

, a, b, c, d ∈ R
 3
(b) f (x) = (d) f (x) = x(x ) .
ax+b 2
cx+d

Welche dieser Funktionen ist 17-mal stetig dierenzierbar?

(a) Die Funktion


1 − 1
f (x) = p = 1 + cos2 (3x) 2
1 + cos2 (3x)
ist auf ganz D = R deniert, weil der Nenner h(x) = 1 + cos2 (3x) keine Nullstelle
p

besitzt.
Der Nenner h(x) = 1 + cos2 (3x) ist als Komposition stetig dierenzierbarer Funktionen
p

stetig dierenzierbar. Der Nenner ist immer positiv, weshalb


f (x) = g ◦ h(x),

mit g(x) = x1 , stetig dierenzierbar ist.


Damit liegt f in C 1 (R, R).
Für die Ableitung gilt nach der Kettenregel
1 − 3 3 cos(3x) sin(3x)
f 0 (x) = − 1 + cos2 (3x) 2 (6 cos(3x) sin(3x)) = − .
2 (1 + cos2 (3x))3/2

(b) Die Funktion 3


R

ax + b
f (x) = , a, b, c, d ∈
cx + d
ist in allen Nullstellen des Nenners cx + d nicht deniert. Das heiÿt der maximale Deni-
tionsbereich D besteht aus R ohne den Lösungen der Gleichung
cx + d = 0.

Also gilt D = R \ {−d/c}.


Auf D ist f als Zusammensetzung stetig dierenzierbarer Funktionen stetig dierenzierbar
mit der Ableitung
2 
(ax + b)2 (ad − bc)
 
0 ax + b a(cx + d) − (ax + b)c
f (x) = 3 =3 .
cx + d (cx + d)2 (cx + d)4

1
(c) Die Funktion  
x+1
f (x) = tan
x+2
ist für x0 = −2 nicht deniert, da dort die rationale Funktion (x+1)/(x+2) nicht deniert
ist.
Weil tan y an den Stellen y = π2 + nπ n ∈ Z nicht deniert ist, ist f an allen Stellen x ∈ R
mit
x+1
x+2
π
= + nπ,
2
n∈ Z
d.h. für
x=
1 − π − 2nπ
π =: xn , n∈ Z
2 + nπ − 1
nicht deniert. Damit gilt D = R \ ({−2} ∪ {xn : n ∈ Z}).
Auf D ist f als Zusammensetzung stetig dierenzierbarer Funktionen stetig dierenzierbar.
Nach der Kettenregel gilt für die Ableitung
1 x + 2 − (x + 1) 1
f 0 (x) =  · 2
=   .
cos2 x+1 (x + 2) cos2 x+1 (x + 2) 2
x+2 x+2

(d) Die Funktion


2)
f (x) = x(x

0 deniert, weil die Potenz x nicht negativ ist und x nur auf R0 deniert
ist auf D = R+ 2 x +

ist. Man beachte, dass gilt f (0) = 0 := 1 gilt.


0

Auf R+ ist f als Zusammensetzung stetig dierenzierbarer Funktionen stetig dierenzier-


bar.
Wir erhalten mit der Kettenregel
 2 0  2 0
 2 0
f 0 (x) = x(x ) = eln x·x = eln x·x ln x · x2
 
(x2 ) 1 2 2
=x · x + ln x · 2x = x(x ) (x + 2x ln x).
x

Man kann zeigen, dass an der Stelle x = 0 die einseitige Ableitung existiert und gleich
Null ist: f 0 (0+) = 0, daher ist f auf D stetig dierenzierbar.

Die Funktionen in (a)-(c) sind auf ihren maximalen Denitionsbereichen unendlich oft stetig
dierenzierbar und daher auch 17-mal stetig dierenzierbar. Die Funktion aus (d) ist auf R+
unendlich oft stetig dierenzierbar und daher auch 17-mal stetig dierenzierbar. An der Stelle
x = 0 existiert die zweite rechtsseitige Ableitung nicht, daher ist diese Funktion auf ihrem
maximalen Denitionsbereich nicht 17-mal stetig dierenzierbar.

2
Aufgabe 2
Bestimmen Sie für jede der folgenden Funktionen den maximalen Denitionsbereich
D ⊂ R. Begründen Sie, warum die Funktionen jeweils in der Menge C ∞ (D, R) liegen.
Berechnen Sie für n ∈ N die n-ten Ableitungen der Funktionen. Dabei sind explizite
Formeln gefragt!

(a) p(x) = ak xk + · · · + a1 x + a0 , k ∈ N (b) f (x) = 1−x


1+x

(a) Ein Polynom ist immer auf ganz D = R deniert und auf ganz R beliebig oft stetig
dierenzierbar. Es gilt
p0 (x) = kak xk−1 + · · · + 2a2 x + a1
p00 (x) = k(k − 1)ak xk−2 + · · · + 3 · 2 · a3 x + 2a2
..
.
p(n) (x) = k(k − 1) · · · (k − n + 1) · ak xk−n + · · · + n · · · 1 · an
..
.
p(k) (x) = k!ak
p(k+1) (x) = 0
..
.

Also erhalten wir für die n-te Ableitung


(
k! k−n
(n) (k−n)! ak x + · · · + n! · an , n ≤ k
p (x) =
0, n > k.

(b) Die Funktion


1−x
f (x) =
1+x
ist auf D = R \ {−1} deniert und als gebrochen rationale Funktion beliebig oft stetig
dierenzierbar.

3
Die Ableitungen von f lauten
−1(1 + x) − (1 − x) −2
f 0 (x) = =
(1 + x)2 (1 + x)2
−2(1 + x) 1
f 00 (x) = −2 4
= 2(−1)2 · 1 · 2
(1 + x) (1 + x)3
−3(1 + x)2 1
f 000 (x) = 4 = 2(−1)3 · 1 · 2 · 3
(1 + x)6 (1 + x)4
−4(1 + x)3 1
f (4) (x) = 2(−1)3 · 1 · 2 · 3 8
= 2(−1)4 · 1 · 2 · 3 · 4
(1 + x) (1 + x)5
..
.
f (n) (x) = 2(−1)n n!
1
(1 + x)n+1
, ∀n ∈ N.

Die Formel für f (n) müsste man streng genommen mit vollständiger Induktion beweisen:
Dierenzieren der Formel ergibt die Formel bei der n durch n + 1 ersetzt ist.

Aufgabe 3
Auf welchen Denitionsbereichen D ⊂ R sind die folgenden Funktionen unendlich
oft dierenzierbar? Berechnen Sie für n ∈ N die n-ten Ableitungen der Funktionen.
Dabei sind explizite Formeln gefragt!

(a) g(x) = cos(ax) (b) h(x) = 3
1 + 2x.

(a) Die Funktion g(x) = cos(ax) ist auf ganz D = R deniert und beliebig oft stetig dieren-
zierbar.
Es gilt
g 0 (x) = −a sin(ax)
g 00 (x) = −a2 cos(ax)
g 000 (x) = a3 sin(ax)
g (4) (x) = a4 cos(ax)
..
.

Für ein beliebiges n ∈ N gilt somit

(−1)(n+1)/2 an sin(ax), n ungerade,


(
g (n) (x) =
(−1)(n)/2 an cos(ax), n gerade.

4
(b) Die Funktion √
h(x) = 3
1 + 2x = (1 + 2x)1/3
ist auf R deniert, jedoch nur auf D = R \ {−1/2} ∞-oft stetig dierenzierbar, weil h0
an der Stelle x = − 12 nicht existiert.
Die Ableitungen von h lauten
2
h0 (x) = (1 + 2x)−2/3
3
2 2 22 3·2−1
h00 (x) = − · 2 · (1 + 2x)−5/3 = (−1)2+1 2 · 2 · (1 + 2x)− 3
3 3 3
2 2 5 23 3·3−1
h000 (x) = · 22 · (1 + 2x)−8/3 = (−1)3+1 3 · 2 · 5 · (1 + 2x)− 3
3 33 3
..
.
h(n) (x) = (−1)n+1
2n
3n
· 2 · 5 · · · (3n − 4) · (1 + 2x)− 3n−1
3 , ∀n ∈ N.

Die Formel für h(n) müsste man streng genommen mit vollständiger Induktion beweisen:
Dierenzieren der Formel ergibt die Formel bei der n durch n + 1 ersetzt ist.

Aufgabe 4
Von welchem Typ sind die folgenden uneigentlichen Grenzwerte? Berechnen Sie den
Grenzwert jeweils mittels der Regel von de l'Hospital:

(a) lim x3 arctan x


(c) lim x(e x − 1)
1

x→∞ ex x→∞

(b) lim (d) lim x(x ) , a > 0.


a
tan 2x
x→0 tan 3x x→0+

Hinweis: Faktoren die einen endlichen Grenzwert ungleich Null haben, können vor
dem Anwenden der Regel von de l'Hospital abgespalten werden.

Ein H=0 , bzw. H=∞ zeigt an, dass wir in diesem Schritt die Regel von de l'Hospital des Typs
0 bzw. ∞ verwenden. Die Notation soll auch andeuten, dass bei jeder Anwendung der Regel
0 ∞

ihre Voraussetzungen überprüft werden müssen!

(a) Es ist bekannt, dass


π
lim arctan(x) = > 1.
x→∞ 2
Daher ist der uneigentliche Grenzwert
x3 arctan x
lim
x→∞ ex
vom Typ ∞.

5
Damit gilt nach mehrfachem Anwenden der Regel von de l'Hospital und dem Herausziehen
des Grenzwertes limx→∞ arctan x
x3 arctan x π x3 H∞ π 3x2 H∞ π 6x H π 6
lim x
= lim x
= lim x
= lim x =∞ lim x = 0.
x→∞ e 2 x→∞ e 2 x→∞ e 2 x→∞ e 2 x→∞ e

(b) Aus limx→0 tan(x) = 0 folgt, dass der uneigentliche Grenzwert


tan 2x
lim
x→0 tan 3x

vom Typ 00 ist.


Mit der Regel von de l'Hospital gilt
2
tan 2x H0 cos2 (2x) 2 cos2 (3x) 2
lim = lim 3 = lim = .
x→0 tan 3x x→0 x→0 3 cos2 (2x) 3
cos2 (3x)

(c) Aus limx→∞ e x = 1 folgt, dass der uneigentliche Grenzwert


1

1
lim x(e x − 1)
x→∞

vom Typ ∞ · 0 ist.


Mit der Regel von de l'Hospital gilt
1 1
1 e x − 1 H0 −x−2 e x 1
lim x(e − 1) = lim
x
−1
= lim −2
= lim e x = 1.
x→∞ x→∞ x x→∞ −x x→∞

(d) Der uneigentliche Grenzwert a


lim x(x ) , a>0
x→0+

ist vom Typ 00 .


Also formen wir um a) a
x(x = eln x·x .
Wegen limx→0+ ln x = −∞ ist der ein uneigentlicher Grenzwert
lim ln x · xa
x→0+

vom Typ ∞ · 0.
Mit der Regel von de l'Hospital folgt
1
ln x H∞
lim ln x · xa = lim = lim x
= lim axa = 0.
x→0+ x→0+ x−a x→0+ −ax−a−1 x→0+

Dieses Resultat steht auch im Skript auf Seite 173.


Also gilt wegen der Stetigkeit der Exponentialfunktion
a) a a
lim x(x = lim eln x·x = elimx→0+ ln x·x = e0 = 1.
x→0+ x→0+

6
Aufgabe 5
Von welchem Typ sind die folgenden uneigentlichen Grenzwerte? Berechnen Sie den
Grenzwert jeweils mittels der Regel von de l'Hospital:

(c) lim x ln x1
1
(a) lim x2 e x2 x→0+
x→0+

√1
(b) lim x− (d) lim cot x − x1

x
x→∞ x→0

Was folgt aus dem vierten Grenzwert für den Graphen von cot x für x → 0?

1
(a) Aus limx→0+ e x2 = ∞ folgt, dass der uneigentliche Grenzwert
1
lim x2 e x2
x→0+

vom Typ 0 · ∞ ist.


Mit der Regel von de l'Hospital gilt
1 1
2
1 e x2 H −2x−3 e x2 1
lim x e x2 = lim −2 =∞ lim = lim e x2 = ∞.
x→0+ x→0+ x x→0+ −2x−3 x→0+

(b) Der uneigentliche Grenzwert


− √1x
lim x
x→∞
ist vom Typ ∞0 .
Also formen wir um
− √1x − ln x √1x
x =e .
Nun betrachten wir den Grenzwert
ln x
lim √ ,
x→∞ x
welcher vom Typ ∞∞ ist.
Mit der Regel von de l'Hospital gilt
1
ln x H x 2
lim √ =0 lim 1 = lim √ = 0.
x→∞ x x→∞ √
2 x
x→∞ x

Damit gilt
− √1x − ln x √1x limx→∞ − ln x √1x
lim x = lim e =e = e0 = 1
x→∞ x→∞

(c) Aus limx→0+ ln x1 = ∞ folgt, dass der uneigentliche Grenzwert


1
lim x ln
x→0+ x
vom Typ 0 · ∞ ist.
Mit der Regel von de l'Hospital gilt
1 ln x−1 H∞ 1
x−1
(−1)x−2
lim x ln = lim = lim = lim x = 0.
x→0+ x x→0+ x−1 x→0+ −x−2 x→0+

7
(d) Aus limx→0 cot x = ∞ folgt, dass der uneigentliche Grenzwert
 
1
lim cot x −
x→0 x
vom Typ ∞ − ∞ ist.
Nun gilt
 
1 x cos x − sin x H0 cos x − x sin x − cos x
lim cot x − = lim = lim
x→0 x x→0 x sin x x→0 sin x + x cos x
H0 − sin x − sin x − x cos x + sin x 0
= lim = = 0.
x→0 cos x + cos x − x sin x 2
Man kann es auch alternativ mit der Methode aus dem Skript rechnen, die aber hier (und
in ähnlichen Fällen) viel umständlicher ist als problemangepasste Umformungen wie z.B.
beim ersten Lösungsweg! Dabei schreibt man den Grenzwert wie folgt um
1
cot x −
 
1 x tan x − x
lim cot x − = lim x = lim .
x→0 x x→0
cot x
x→0 tan x · x
Dies ist ein uneigentlicher Grenzwert vom Typ 00 .
Mit der Regel von de l'Hospital gilt
1 1−cos2 x
tan x − x H cos2 x
−1 cos2 x sin2 x
lim = lim x = lim 2 = lim .
x→0 tan x · x x→0 + tan x x→0 x+cos x tan x x→0 x + cos x sin x
cos2 x cos2 x

Dies ist wieder ein uneigentlicher Grenzwert vom Typ 00 , weshlb wir die Regel von de
l'Hospital erneut anwenden können. So erhalten wir
sin2 x H 2 sin x cos x 2 sin x cos x 0
lim = lim 2 2
= lim 2
= = 0.
x→0 x + cos x sin x x→0 1 − sin x + cos x x→0 2 cos x 2
Damit gilt  
1
lim cot x − = 0.
x→0 x

Aufgabe 6
Gegeben ist die Funktion f : R → R, f (x) = e−x +3x+2 .
2

(a) Bestimmen Sie die Taylorpolynome der Funktion f vom Grad 1, 2 und 3 bei
Entwicklung um die Stelle x0 = 0.
(b) Führen Sie eine Kurvendiskussion durch (siehe Abschnitt 10.5 des Skriptums).
d.h.:
Bestimmen Sie die Nullstellen von f . Untersuchen Sie die Monotonie von f , d.h.
bestimmen Sie die Intervalle auf denen die Funktion streng monoton wachsend
bzw. fallend ist. Bestimmen Sie die lokalen bzw. globalen Minima und Maxima
von f unter Verwendung von Satz 10.6 des Skriptums. Geben Sie an, in welchen
Intervallen f konvex bzw. konkav ist (vergleiche Satz 9.18 des Skriptums). An
den Stellen, an denen f 00 (x) = 0 gilt, liegen die Wendepunkte. Was ändert sich
an den Wendepunkten? Zeichnen Sie den Graphen von f .

8
(a) Es ist ersichtlich, dass f ∈ C ∞ (R, R). Für das Taylorpolynom bei Entwicklung um die
Stelle x0 = 0
f 0 (0) f 00 (0) f (n) (0)
pn (x) := f (0) + (x − 0) + (x − 0)2 + · · · + (x − 0)n
1! 2! n!
brauchen wir die Ableitungen der Funktion f . Es gilt
2 +3x+2
f (x) = e−x
2 +3x+2
f 0 (x) = e−x (−2x + 3)
2 +3x+2 2 +3x+2 2 +3x+2
f 00 (x) = e−x (−2x + 3)2 − 2e−x = e−x (4x2 − 12x + 7)
2 +3x+2 2 +3x+2
f 000 (x) = e−x (−2x + 3)(4x2 − 12x + 7) + e−x (8x − 12)
2 +3x+2
= e−x (−8x3 + 36x2 − 42x + 9).

Damit bekommen wir mit


f (0) = e2 , f 0 (0) = 3e2 , f 00 (0) = 7e2 , f 000 (0) = 9e2

die Taylorpolynome
p1 (x) = e2 + 3e2 x
7
p2 (x) = e2 + 3e2 x + e2 x2
2
7 9
p3 (x) = e2 + 3e2 x + e2 x2 + e2 x3 .
2 6
Bemerkung: Das Taylorpolynom der Funktion f kann man viel schneller erhalten, indem
man die bekannte Taylorreihe von ex benützt:
2 +3x+2
f (x) = e−x
2
= e2 e−x +3x

2
X (−x2 + 3x)k
= e
k!
k=0
(−x2 + 3x)2 (−x2 + 3x)3
 
= e2 1 + (−x2 + 3x) + + + O(x4 )
2! 3!
und daraus die Terme bis zur Ordnung drei berechnet.
(b) Weil die Funktion h(x) = ex immer positiv ist und damit keine Nullstellen hat, hat auch
die Funktion f keine Nullstellen.
Mit dem selben Argument sind die Nullstellen von f 0 genau die Nullstellen des Polynoms
−2x + 3. Also hat f 0 nur die Nullstelle x01 = 32 siehe Abbildung 1.
Weil e−x > 0 und (−2x + 3) ≥ 0 für x ≤ 32 und (−2x + 3) ≤ 0 für x ≥ 32 gilt, folgt
2 +3x+2

f 0 (x) ≥ 0 für x ≤ 23 und f 0 (x) ≤ 0 für x ≥ 23 . Also ist f auf (−∞, 3/2] streng monoton
wachsend und auf [3/2, ∞) streng monoton fallend.

9
Weil die Funktion h(x) = ex keine Nullstellen hat, sind die Nullstellen von f 00 genau die
Nullstellen des Polynoms 4x2 − 12x + 7.
Damit bekommen wir mit Hilfe der Lösungsformel die Nullstellen
3 1 3 1
x001 = −√ , x002 = +√ .
2 2 2 2
Dies sind die Wendepunkte der Funktion f . An ihnen ändert sich die Krümmung, siehe
Abbildung 1. Es gilt
3 1
f 00 (x) ≥ 0, x ≤ x001 = −√ ⇒ konvex
2 2
f 00 (x) < 0, x1 < x < x002
00
⇒ konkav
3 1
f 00 (x) ≥ 0, x ≥ x002 = + √ ⇒ konvex.
2 2
Das heiÿt, dass f auf (−∞, x001 ] ∪ [x002 , ∞) konvex und auf [x001 , x002 ] konkav ist.
Aus Satz 10.6 und f 0 (3/2) = 0 und f 00 (3/2) < 0 folgt, dass f an der Stelle x01 = 23 ein
Maximum besitzt. Dies kann man auch aus dem Monotonieverhalten erkennen. Dies ist
das einzige Extrema von f siehe Abbildung 1.

Aufgabe 7
Gegeben ist die Funktion f (x) = sin2 x − sin x − 1.
(a) Bestimmen Sie die Taylorpolynome der Funktion f vom Grad 1, 2 und 3 bei
Entwicklung um die Stelle x0 = π .
(b) wie Bsp. 5b.
Hinweis: Bei (b) genügt es im Wesentlichen f auf dem Intervall [0, 2π] zu betrachten.
Warum?

Weil die Funktion f 2π -periodisch ist, betrachten wir sie nur auf dem Intervall [0, 2π].

(a) Die Funktion f eine Summe von Sinus-Potenzen, daher ist f beliebig oft stetig dieren-
zierbar.
Für das Taylorpolynom bei Entwicklung um die Stelle x0 = π
f 0 (π) f 00 (π) f (n) (π)
pn (x) := f (π) + (x − π) + (x − π)2 + · · · + (x − π)n
1! 2! n!
brauchen wir die Ableitungen der Funktion f . Es gilt
f (x) = sin2 x − sin x − 1

f 0 (x) = 2 sin x cos x − cos x = cos x(2 sin x − 1)

f 00 (x) = 2 cos2 x − 2 sin2 x + sin x = −4 sin2 x + 2 + sin x

f 000 (x) = −8 sin x cos x + cos x = cos x(−8 sin x + 1).

10
80
f (x)
(x01 , f (x01 ))

60

(x001 , f (x001 )) (x002 , f (x002 ))


40

20

x
x001 x01 x002

−20

−40

−60

Abbildung 1: Der Graph der Funktion f (x) = e−x +3x+2 ist blau dargestellt. Der Graph der
2

ersten Ableitung f 0 (x) und das Maximum im Punkt (x01 , f (x01 )) sind in rot dargestellt. Der
Graph der zweiten Ableitung f 00 (x) und die Wendepunkte (x001 , f (x001 )) und (x002 , f (x002 )) sind in
grün dargestellt.

Damit bekommen wir mit


f (π) = −1, f 0 (π) = −1, f 00 (π) = 2, f 000 (π) = 1

die Taylorpolynome
p1 (x) = −1 − 1(x − π)
2
p2 (x) = −1 − (x − π) + (x − π)2
2
1
p3 (x) = −1 − (x − π) + (x − π)2 + (x − π)3 .
6

(b) Um die Nullstellen von f zu nden, substituieren wir sin x = y und erhalten die Gleichung
y 2 − y − 1 = 0,

11
welche die Lösungen √ √
1± 1+4 1± 5
y1,2 = =
2 2
besitzt. √
Nun gilt |y1 | = 1−2 5 < 1 und |y2 | > 2, weshalb x := arcsin(y1 ) deniert ist, jedoch
arcsin(y2 ) ist nicht deniert. Aus y1 < 0 folgt x < 0. Damit hat f in dem Intervall [0, 2π]
die zwei Nullstellen
x1 = 2π + x, x2 = π − x.
Diese erkennen wir auch in Abbildung 2.
Weil f 0 (x) = cos x(2 sin x − 1) ein Produkt von zwei Funktionen ist, entspricht eine Null-
stelle von f 0 genau den Nullstellen der beiden Faktoren.
Der Faktor cos x hat die Nullstellen x01 = π2 und x02 = 3π
2 .
Der Faktor 2 sin x − 1 hat die Nullstellen x3 = arcsin(1/2) = π6 und x04 = π − π6 .
0

Mit der Substitution sin x = y , erfüllen die Nullstellen der zweiten Ableitung f 00 (x) =
−4 sin2 x + 2 + sin x die Gleichung
−4y 2 + y + 2 = 0.
Diese Gleichung hat die Lösungen
√ √ √
−1 + 1 + 32 1+ 33 1− 33
y1 = − = . , y2 =
8 8 8
Wegen |y1 | ≤ 1 und |y2 | ≤ 1, ist arcsin(y1 ) = x001 und arcsin(y2 ) = w deniert. Es gilt
−π/2 < w < 0 < x001 < π/2.
Damit erhalten wir in dem Intervall [0, 2π] die Nullstellen
x001 , x002 = π − x001 , x003 = π − w, x004 = 2π + w.
Dies sind die Wendepunkte von f . An ihnen ändert sich die Krümmung siehe Abbildung
2.
Weil keine Nullstelle der ersten Ableitung mit einer Nullstelle der zweiten Ableitung über-
einstimmt, sind x01,2,3,4 lokale Extrema. Weiters gilt
f 0 (x) ≤ 0, 0 ≤ x ≤ x03 ⇒ monoton fallend
0
f (x) ≥ 0, x03 ≤x≤ x01 ⇒ monoton wachsend
0
f (x) ≤ 0, x01 ≤x≤ x04 ⇒ monoton fallend
0
f (x) ≥ 0, x04 ≤x≤ x02 ⇒ monoton wachsend
f 0 (x) ≤ 0, x02 ≤ x ≤ 2π ⇒ monoton fallend.

Weiters gilt
f 00 (x) ≥ 0, 0 ≤ x ≤ x001 ⇒ konvex
00
f (x) ≤ 0, x001 ≤x≤ x002 ⇒ konkav
00
f (x) ≥ 0, x002 ≤x≤ x003 ⇒ konvex
00
f (x) ≤ 0, x003 ≤x≤ x004 ⇒ konkav
00
f (x) ≥ 0, x004 ≤ x ≤ 2π ⇒ konvex.

12
Aus der Ungleichungskette
x03 < x001 < x01 < x002 < x04 < x003 < x02 < x004

und der Konvexität folgt, dass die Punkte (x01 , f (x01 )) und (x02 , f (x02 )) lokale Maxima sind
und dass die Punkte (x03 , f (x03 )) und (x04 , f (x04 )) lokale Minima sind.
Weil f (x01 ) = −1 < 1 = f (x02 ), hat f an der Stelle x02 ein globales Maximum. Weil
f (x03 ) = −1.25 = f (x04 ), sind beide lokalen Minima auch globale Minima.

1.5
f (x)
(x02 , f (x02 ))
1

0.5
x2 x1 x
x03 x01 x04 (x003 , f (x003 )) x02 (x004 , f (x004 )) 2π
−0.5
(x01 , f (x01 ))
−1 (x002 , f (x002 ))
(x001 , f (x001 ))
(x03 , f (x03 )) (x04 , f (x04 ))
−1.5

Abbildung 2: Der Graph der Funktion f (x) = sin2 x − sin x − 1 ist blau dargestellt. Die
Nullstellen x1,2 von f sind mit orangenen Kreuzen markiert. Die Extremwerte an den Stellen
x = x01,2,3,4 sind in rot dargestellt. Die Wendepunkte an den Stellen x = x001,2,3,4 sind in grün
dargestellt. Es sei angemerkt, dass die Nullstellen nicht mit dem Wendepunkten x003 und x004
übereinstimmen.

Aufgabe 8
Betrachten Sie die Funktion f (x) = x auf R+

0.
(a) Ist die Funktion streng monoton?
(b) Ist die Funktions streng konvex oder streng konkav?
(c) Bestimmen Sie die Taylorpolynome von f vom Grad 1,2 und 3 bei Entwicklung
um die Stelle x0 = 1.
(d) Bestimmen Sie das Taylorpolynom vom Grad n ∈ N bei Entwicklung um die
Stelle x0 = 1.
Freiwillige Zusatzaufgabe: Bestimmen Sie d > 0, so dass das Taylorpolynom (um die
Stelle x0 = 1) der Ordnung 2 die Funktion auf dem Intervall [1 − d, 1 + d] mit einem
Fehler von höchstens

(a) 1
10 (b) 1
1000 approximiert.

13
(a) Für x ∈ R+ gilt
1
f 0 (x) = √ > 0.
2 x
Damit ist die Funktion f streng monoton steigend.
(b) Für x ∈ R+ gilt
1
f 00 (x) = − √ 3 < 0.
4 x
Damit ist die Funktion f streng konkav.
(c) Für die dritte Ableitung gilt
3
f 000 (x) = √ 5 .
8 x
Damit erhalten wir die Taylorpolynome entwickelt um die Stelle x0 = 1
1
p1 (x) = f (1) + f 0 (1)(x − 1) = 1 + (x − 1)
2
f 00 (1) 1 1
p2 (x) = f (1) + f 0 (1)(x − 1) + (x − 1)2 = 1 + (x − 1) − (x − 1)2
2 2 8
f 00 (1) f 000 (1)
p3 (x) = f (1) + f 0 (1)(x − 1) + (x − 1)2 + (x − 1)3
2 6
1 1 3
= 1 + (x − 1) − (x − 1)2 + (x − 1)3
2 8 8·6
1 1 1
= 1 + (x − 1) − (x − 1)2 + (x − 1)3
2 8 16

(d) Wir erkennen


1 1
f 0 (x) = √ = (−1)1+1 √ (1·2−1)
2 x 21 x
1 1
f 00 (x) = − √ 3 = (−1)2+1 √ (2·2−1)
4 x 22 x
3 1·3
f 000 (x) = √ 5 = (−1)3+1 √ (3·2−1)
8 x 3
2 x

Also vermuten wir für n > 1


1 · 3 · 5 · · · (2n − 3)
f (n) (x) = (−1)n+1 √ n·2−1 .
2n x

Dies kann man mit vollständiger Induktion zeigen. Mit


(2n − 2)!
1 · 3 · 5 · · · (2n − 3) =
2n−1 (n − 1)!

14
folgt
(2n − 2)! (2n − 2)!
f (n) (1) = (−1)n+1 = (−1)n+1 2n−1 .
2n−1 (n− 1)!2n 2 (n − 1)!
Damit erhalten wir das n-te Taylorpolynom
f 00 (1) (2n − 2)! 1
pn (x) = f (1) + f 0 (1)(x − 1) + (x − 1)2 + · · · + (−1)n+1 2n−1 (x − 1)n
2 2 (n − 1)! n!
1 1 (2n − 2)!
= 1 + (x − 1) − (x − 1)2 + · · · + (−1)n+1 2n−1 (x − 1)n .
2 8 2 n!(n − 1)!

Freiwillige Zusatzaufgabe: Sei 0 < d < 1. Wir betrachten für x ∈ [1 − d, 1 + d] das


Restglied
f (3) (s)
R2 (x) = (x − 1)3
3!
mit einem s ∈ [1 − d, 1 + d].

Um einfacher Abschätzen zu können, nehmen wir an d ≤ 12 .

Weil f (3) (x) auf [1 − d, 1 + d] eine streng monoton fallende Funktion ist, gilt
1 3
f (3) (s) ≤ f (3) ( ) = √ .
2 2

Für x ∈ [1 − d, 1 + d] gilt (x − 1)3 ≤ d3 . Damit gilt



f (3) (1/2) 1
3
|R2 (x)| ≤ d = √ d3 .

6 2 2

Der Fehler ist daher sicher kleiner gleich 1/10 falls gilt
1 1
√ d3 ≤ ,
2 2 10

was für √
6
2
d≤ √
3
5
gilt. Diese Schranke für d ist gröÿer als 1/2, daher ist (wegen der oben getroenen Annahme,
auf der unsere Abschätzungen beruhen!) der Fehler erst für d = 1/2 garantiert kleiner als
1/10.

Analog folgt, dass der Fehler für √6


2 1
d= √
3
<
500 2
kleiner gleich 1/1000 ist.

15
Aufgabe 9
Für
4x
f (x) =
x2 +9
bestimme man f (17) (0) und f (18) (0) (die 17. und die 18. Ableitung an der Stelle 0).
Hinweis: Bestimmen Sie zuerst die Taylorreihe von f

X
f (x) = an xn ,
n=0

indem Sie 1
x2 +9
in eine geometrische Reihe entwickeln. Aus der Beziehung

an =
f (n) (0)
n!
, n∈ N
kann man dann die gesuchten Ableitungen berechnen.

Es gilt

4x 1 1 1 1 4x X n x
 2n
f (x) = 2 = 4x 2 = 4x = (−1)
x +9 91+ x 9 1 − (−1) x 2 9 3

3 3 n=0
∞  ∞
1 n 2n X 4
  n
4x X 1
= − x = − x2n+1
9 9 9 9
n=0 n=0

Damit erhalten wir eine Potenzreihe mit den Koezienten


 n
4 1
a2n+1 = − , a2n = 0.
9 9
Aus  8
f (17) (0) 4 1
= a17 = a2·8+1 = −
17! 9 9
erhalten wir  8
4 1
f (17) (0) = 17! .
9 9
Aus
f (18) (0)
= a18 = a2·9 = 0
17!
erhalten wir
f (18) (0) = 0.

Bemerkung: Für eine ungerade Funktion f verschwinden alle geraden Ableitungen, d.h.,
f 2n (0) = 0. Für eine gerade Funktion f verschwinden alle ungeraden Ableitungen, d.h.,
f 2n−1 (0) = 0. In diesem Beispiel ist die Funktion f ungerade, daher ist f (18) (0) notwendi-
gerweise gleich Null.

16
Aufgabe 10
Es sei f (x) = e−x sin 3x. Berechnen Sie das Taylorpolynom der Ordnung 4 bei Ent-
wicklung um x0 = 0, indem Sie die führenden Terme des Cauchyprodukts der im
wesentlichen bekannten Tayloreihen von e−x und sin 3x berechnen.
Hinweis: die Taylorreihen von e−x und sin 3x erhält man indem man in den Taylor-
reihen von ex und sin x die Variable x durch −x bzw. 3x ersetzt.

Wir wissen bereits ∞ ∞


x
X xn X x2n+1
e = , sin(x) = (−1)n .
n! (2n + 1)!
n=0 n=0

Damit bekommen wir



X (−x)n x2 x3 x4
e−x = =1−x+ − + − ...
n! 2 6 24
n=0

und ∞
X (3x)2n+1 33 x3 35 x5
sin(3x) = (−1)n = 3x − + ... .
(2n + 1)! 3! 5!
n=0

Damit gilt
x2 x3 x4 33 x3
  
−x
e sin(3x) = 1−x+ − + + O(5) 3x − + O(5) = 3x−3x2 −3x3 +4x4 +O(5).
2 6 24 3!

Also ist das Taylorpolynom von e−x sin(3x) entwickelt um die Stelle x0 = 0 vom Grad 4 gleich
p4 (x) = 3x − 3x2 − 3x3 + 4x4 .

Alternative: Wir können auch mit der Denition des Cauchyproduktes rechnen. Indem wir
n=0 an x und sin(3x) = n=0 bn x als Potenzreihe anschreiben, erhalten wir die
P∞ P∞
e−x= x x

Koezienten
1 1 1
a0 = 1, a1 = −1, a2 = , a3 = − , a4 = , . . .
2 6 24
und
9
b0 = 0, b1 = 3, b2 = 0, b3 = − , b4 = 0, . . . .
2
Damit hat das Cauchyprodukt

X ∞
X ∞
X
cn xx = an xx · bn xx
n=0 n=0 n=0

17
die Koezienten
c0 = a0 b0 = 0

c1 = a1 b0 + a0 b1 = 1 · 3 = 3

c2 = a2 b0 + a1 b1 + a0 b2 = −1 · 3 = −3
 
1 9
c3 = a3 b0 + a2 b1 + a1 b2 + a0 b3 = · 3 + 1 · − = −3
2 2
 
1 9
c4 = a4 b0 + a3 b1 + a2 b2 + a1 b3 + a0 b4 = − · 3 − 1 · − = 4.
6 2

Damit ist das Taylorpolynom von e−x sin(3x) entwickelt um die Stelle x0 = 0 vom Grad 4
gleich
p4 (x) = 3x − 3x2 − 3x3 + 4x4 .

18