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Sizilianisches Seminar

Campofelice, März 2018

25.03.18

In kaum einer anderen Region ist das jahrhundertelange Gegen-, In- und Mit-
einander östlicher und westlicher Kulturen so greifbar wie auf Sizilien. Des-
halb scheint dies ein guter Ort zu sein, um über die Weiterentwicklung der
Ananda Marga Mission in den deutschsprachigen Ländern zu diskutieren. Wir
hoffen mit diesem ersten Treffen eine Tradition zu begründen, die wesentlich
dazu beiträgt, die bisher bestehenden Defizite zu beseitigen.

Erstes Thema: Wie sollte ein Einführungskurs für neue Mitglieder gestaltet
werden?


26.3.2018

Was ich gestern sagen wollte: wenn wir die Leute dort abholen wollen wo sie
sind, dann müssen wir, meiner Meinung nach, groß Denken und groß Anfan-
gen. Es ist völlig unzureichend unsere Sanskrit Nomenklatur zu erklären.
Vielmehr geht es darum zu fragen: Wozu Spiritualität, wozu Meditation, wozu
gemeinsame Meditation. Auf die häufig gestellte Frage, woher man die Zeit
zum meditieren nehmen soll, würde ich antworten, daß man, wenn man sich
diese Zeit nicht nimmt, eben immer das Opfer der Umstände bleiben wird.
Um aus der Opferrolle heraus zu kommen, kreativ zu werden und sein
Schicksal in die eigenen Hände nehmen zu können, ist es von großer Wich-
tigkeit, seinen inneren Freiraum zu erweitern: Eine innere Welt die sowohl
Gegenstand unserer Meditation, als auch Quelle all unserer Tätigkeiten und
somit unseres gesamten Reichtums ist.

Autonomie, Souveränität und Kreativität lassen sich nicht direkt erreichen.


Sie ergeben sich von selbst, sobald die innere Quelle dieser Fähigkeiten er-
schlossen wird. Es gehört zu den Geheimnissen der Spiritualität diesen Zu-
gang jedem eröffnen zu können. Was es braucht ist lediglich Bereitwilligkeit
und Geduld.

Dabei muss man anerkennen, daß die, die zu uns kommen, ein Eigeninteres-
se haben, d.h. daß sie von dem was wir anbieten, für sich persönlich profitie-
ren möchten. Je besser wir dies verstehen, desto eher werden wir mit dem
was wir anbieten Erfolg haben.

Am frühen Morgen hatte mir Sushmit eine Methode der modernen Konfliktlö-
sung erklärt. Dazu die beiden folgenden Abbildungen:

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Fragen die bei der Problemlösung schrittweise beantwortet werden sollen.

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Darstellung der inneren Horizonte

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27.03.18

Ähnlich wie der „Materialismus“ ist auch der „Kapitalismus“ ein vielschichti-
ger Begriff. Man muss unterscheiden zwischen dem vulgären Kapitalismus,
wie er insbesondere von Kommunisten massenwirksam propagiert wurde,
und dem eigentlichen Kapitalismus, wie er sich in drei verschiedenen Aus-
prägungen entwickelt hat. Diese sind zum Einen der Staatskapitalismus rus-
sischer bzw. chinesischer Prägung, und zum anderen die beiden westlichen
Formen: Sie werden nach Albert unterteilt in eine angloamerikanische, neoli-
berale und die als „Rheinischen Kapitalismus“ bezeichnete Ausprägung
Nachkriegsdeutschlands (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kapitalismus_con-
tra_Kapitalismus).

Albert stellt die These auf, daß der Rheinische Kapitalismus effizienter und
gerechter als der angloamerikanische ist, gleichwohl werde Letzterer sich
durchsetzen, da er attraktiver erscheine, und für einflussreiche Gesell-
schaftsschichten Vorteile habe. Den europäischen Ländern und insbesonde-
re Frankreich empfahl er in seinem Buch (1991) die Umsetzung des Rheini-
schen Kapitalismus.

Auf diesem Hintergrund ist es nach meiner Einschätzung völlig verrückt in


Deutschland gegen den Kapitalismus zu hetzen. Der hier bei uns konzipierte
„Rheinische Kapitalismus" ist eine gute Sache. Er muss gegen den neolibe-
ralen Kapitalismus und erst recht gegen den Staatskapitalismus verteidigt
werden. Der Vulgärkapitalismus dagegen ist es nicht einmal wert diskutiert
zu werden, da er nichts anderes als ein Produkt der Propaganda ist.

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Um es abschließend auf den Punkt zu bringen: ich bin der festen Überzeu-
gung, daß Baba in seinen Artikeln nicht den "Rheinischen Kapitalismus" ge-
meint haben kann.

Ähnlich wie beim Kapitalismus ist auch der Materialismus nicht eindeutig be-
stimmt. Man muss vielmehr unterscheiden zwischen dem naturwissenschaft-
lichen, dem dialektischen und dem kritischen Materialismus. Der naturwis-
senschaftliche wird auch Vulgärmaterialismus genannt. Auf ihn treffen die
üblichen Herabsetzungen zu. Der dialektische Materialismus wurde von Karl
Marx und Friedrich Engels begründet. Sein Hauptgedanke ist, daß die Ein-
heit der Welt in der Materie, die ewig und unendlich ist, begründet ist. Dies
erfolgte in ausdrücklicher Abgrenzung von Hegels dialektischem Idealismus.

Der kritische Materialismus Adornos wurde dann zum größten Teil in die kriti-
sche Theorie unserer Tage (Habermas) überführt. Letztere im Ananda Marga
typischen Jargon abkanzeln zu wollen ist ziemlich abwegig.

Wie beim Kapitalismus meinen Margiis also, wenn sie von Materialismus
sprechen, überwiegend die vulgäre Form. Ohne es zu wissen bedienen Sie
sich dabei ideologischer Kampfbegriffe, die zu nichts anderem taugen, als
die gegnerischen Positionen fertig zu machen und die eigenen Ideen über al-
les zu stellen.

Philosophische Haltungen sehen anders aus.

Als Beispiel für einen respektablen marxistischen Philosophen sei auf Ernst
Bloch verwiesen. Im Zentrum seiner Überlegungen steht das „Noch-Nicht-
Gewordene“, das für unser „Jetzt“ kennzeichnend ist. Der Mensch, die Ge-
sellschaft ist „noch nicht bei sich angekommen“, weil wir noch Mangel füh-
len. Alles Seiende umgibt ein „Bedeutungshof“ seiner unrealisierten Möglich-
keiten, die uns „auf den Weg bringen“ können, ein „Noch-Nicht-Haben“ in
ein Haben, ein „Noch-Nicht-Sein“ in ein Sein und das „Noch-Nicht-Bewuss-
te“ in ein Bewusstes umzuwandeln. Dagegen ist kaum etwas einzuwenden.
Dennoch ist Bloch ein lupenreiner Materialist!

Hier anknüpfend fällt es leicht, die von Sushmit gestern angefertigte Zeich-
nung zu erläutern:

Der innere Kreis umschreibt die Zone, in der sich die von uns unschwer zu
bewältigenden Situationen befinden. Ab und zu kommt es zu Ereignissen die
sich diesem Bereich nicht zuordnen lassen. Der sich daraus ergebende Kon-
flikt musst dann so lange bearbeitet werden, bis auch solche Situationen

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gemanaged werden können. Peu à peu wird der Bereich unseres Könnens,
Wissens, Habens und Seins dadurch erweitert.

Zur Konfliktlösung werden die auf der ersten Abbildung gelisteten Schritte
empfohlen.

28.03.18

Waren heute in der Altstadt von Palermo: Gemüsemarkt, Teatro Massimo,


zwei kleine Kirchen und eine Kathedrale sowie das Teatro Garibaldi.

Nun zu den Gesprächen die wir während der Fahrt nach Palermo geführt ha-
ben:

Ein Thema entzündete sich an meiner These, daß sich Rechtsanwälte, Sozi-
alarbeiter und Psychologen heutzutage bei Ehekrisen überwiegend als Kon-
kursverwalter verstehen. Sushmit erwiderte darauf, daß dies vor 10-15 Jah-
ren vielleicht noch der Fall war, man inzwischen aber daraus gelernt habe.
Bei circa 70 % der Fälle versuche man in der Beratung die Ehe zu retten. Bei
der Scheidung ist man nur noch behilflich, wenn es gar nicht mehr geht.

Ich gab dann zu bedenken, daß in sehr vielen Fällen die Ehefrauen nicht die
Opfer sondern die Verursacherinnen der Krise sind, und zwar dadurch, daß
sie vom Leben mehr verlangen als mit ihren Ehemännern möglich ist. Am
Ende haben sie dann vielleicht mehrere Ehen hinter sich, stehen im Alter
aber allein da.

Altersarmut betrifft ja, wie die neusten Statistiken zeigen, ganz überwiegend
allein erziehende Frauen.

Sushmit:

Nicht ganz. Es gibt auch regelrechte Trennungsmediation. Es hängt immer


vom Auftrag der beiden Hilfesuchenden an den Helfer ab. Persönlich stütze
ich immer, wenn es möglich ist, die Ehe, und das liegt auch im Trend.


Ich meinte, daß die Position des Mannes immer schlimmer werde. Auf allen
Kanälen würden uns großartige Frauen präsentiert, die daneben gestellten
Männer gäben meistens eine jämmerliche Figur ab. Dadurch geraten junge
Männer mehr oder weniger zwangsläufig in Identitätskrisen. Andererseits
sind Frauen von solchen Partnern enttäuscht, da sie in keiner Weise der von
sich selbst geglaubten Großartigkeit entsprechen.

Die ganze Situation läuft darauf hinaus, daß heterosexuelle Beziehungen rei-
henweise scheitern und die Gesellschaft an Kinderlosigkeit beziehungsweise
Kinderarmut leidet. Zusammen mit dem ungezügelten Zuzug von

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Menschen aus traditionell kinderreichen Gesellschaften erzeugt dies eine po-


tentiell existenzbedrohende Situation.

Männer sind dadurch gezwungen sich immer wieder neu zu erfinden, sich
neu zu konstituieren. Allerdings dürfte dies für die meisten eine übergroße
Herausforderung sein.

Das zuvor besprochene Thema ließ sich zwanglos an dieser Stelle anfügen:
es ging nämlich um die Ambivalenz und die Krisenanfälligkeit von Zweierbe-
ziehungen. Dabei wurde klar, daß beides zu stabilen Beziehungen gehört. Es
gehört nicht nur beiläufig dazu, sozusagen als unerwünschter Nebeneffekt,
sondern notwendigerweise und als wesentliches stabilisierendes Element.

Dies läßt sich vergleichen mit der Rotation von Erde und Mond. Beide stören
sich gegenseitig, wie man an den Gezeiten unschwer erkennen kann, erzeu-
gen aber auch eine Stabilität die anders nicht zu erreichen wäre.

Ohne die Wechselwirkung mit dem Mond wäre die Rotation der Erde und
damit die Länge der Tage so variabel, daß die Entstehung höheren Lebens,
welche ja aufs engste mit zirkadianen Rhythmen verbunden ist, erheblich er-
schwert worden wäre. Gegenseitige Störungen können ein System also sta-
bilisieren, d.h. daß die Störanfälligkeit dyadischer Beziehungen ihre Lebens-
möglichkeiten (gerade in Hinblick auf die Erbfolge) entscheidend verbessern
kann.

Konflikte gehören also zu jeder Beziehung, für die Bindung ist die Intensität
der Emotionen wichtig, positive wie negative Gefühle verstärken Sie, Gleich-
gültigkeit ist ihr Tod.

In Palermo angekommen, saßen wir eine Zeit lang vor dem Teatro Massimo
und tranken Kakao. Dabei kam ich auf einen Widerspruch zu sprechen, der
sich dadurch ergibt, daß der Kapitalismus von vielen Margiis massiv kritisiert,
im eigenen Leben aber oft vollkommen systemkonform, d.h. kapitalistisch
gehandelt wird.

Sushmit bemerkte dazu süffisant, daß schon sein Vater immer sagte: links
reden und rechts leben!

Besonders krass kam diese Verlogenheit bei Gerhard Schröder heraus. Er


redete von und mit seinen Genossen, saß aber bei allen wichtigen Entschei-
dungen im Armani Anzug mit den Bossen zusammen und macht neoliberale
Politik.

Damit wären wir beim letzten gestern besprochenen Grossthema: die Wie-
derentdeckung des Nationalismus/Patriotismus in Europa.

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Wir waren uns ziemlich einig, daß mit dem Einzug der AfD in den Deutschen
Bundestag ein zuvor unhaltbarer Zustand zumindest ansatzweise normali-
siert werden konnte: Daß im Plenum nur noch Scheindebatten geführt wur-
den, daß die Bänke im Parlament meistens leer waren, daß sich in den we-
sentlichen Fragen, wie der Migrations- und Familienpolitik immer alle einig
waren, und zwar dahingehend, daß an der Kinderlosigkeit deutscher Paare
nichts geändert und die Immigration kinderreicher Familien weiter gefördert
werden soll.

Wir waren uns auch ziemlich einig in der Ablehnung der Art und Weise wie
der politisch-mediale Komplex sich dafür einsetzt, sämtliche nationalen Be-
strebungen zu unterbinden.

Trotz katastrophaler Bevölkerungspolitik, trotz zahlreicher gebrochener euro-


päischer Verträge, soll sich die Bevölkerung mit dem zufrieden geben, was
bisher auf der politischen und medialen Ebene geboten wurde. Selbst heute,
da die einzige nationale Kraft, nämlich die AfD zur stärksten Oppositionspar-
tei im Bundestag aufgestiegen ist, soll am Boykottaufruf festgehalten wer-
den.

So entschied der Fraktionsvorsitzende der CDU im Bundestag Kauder erst


vor kurzem ein für seine gesamte Fraktion verbindliches Kooperationsverbot
mit der AfD.

Nun noch etwas zu meinen kunsthistorischen Interessen:

Das beste was wir gestern gesehen haben war nach meiner Einschätzung
die Kirche San Cataldo. Von außen gesehen handelt es sich um einen einfa-
chen nahezu fensterlosen Kubus mit drei kleinen rot gefärbten Kuppeln. Erst
von innen erschließt sich die Besonderheit dieses Bauwerks:

Die Innenausstattung ist karg, quasi spartanisch. Das Besondere ist die Ge-
staltung der Decke. Wir sehen nicht nur die üblichen Rundbögen, durch die
nachgeschalteten Kuppeln ergibt sich vielmehr die Illusion, weiterer und wei-
terer Räume. Dadurch wird die Existenz himmlischer Sphären versinnbild-
licht. Es gibt nicht nur einen Himmel, sondern viele. In den verschiedenen
Sphären entfalten sich unterschiedliche Geistwesen. Unendlichkeit ist in die-
sem Sinne etwas ganz anderes als das, was wir normalerweise darunter ver-
stehen. Normale Unendlichkeit ist gekennzeichnet durch nicht aufhörende
Ausbreitung. Die in diesem Gebäude realisierte Unendlichkeit hat aber dar-
über hinaus geistige Höhen und Tiefen. Hinter der weltlichen Unendlichkeit
entfalten sich geistige Unendlichkeiten von denen der moderne Mensch
noch nicht einmal träumen kann.

Die Sparsamkeit der Mittel, mit denen diese Illusion erzeugt wird, ist beein-
druckend. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, daß man beim Blick in

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diese Deckenkonstruktion eine Zeitreise durch die himmlischen Sphären er-


leben kann.

Bei Durchsicht der ausgelegten Informationsmaterialien stellte sich heraus,


daß die Kirche vor circa 900 Jahren als Privatkirche eines Groß-Admirals er-
baut wurde. Erst viel später wurde sie vom Vatikan zum Sitz des Ritterordens
vom heiligen Grab zu Jerusalem bestimmt. Ich hatte ursprünglich gedacht,
daß es sich um die Stammkirche des Malteser Ordens handelt. Tatsächlich
gibt es nur zwei vom Vatikan direkt eingesetzte und geleitete Ritterorden,
und zwar den Malteser und den hier ansässigen Orden vom heiligen Grab zu
Jerusalem.

Welche Bedeutung solche Orden in der Welt haben können hatten wir übri-
gens beim Besuch von Windsor erlebt. Der dort ansässige Hosenbandorden
ist mindestens so einflussreich wie die von Verschwörungstheoretikern stets
erwähnten Bilderberger.

Sushmit:

Die Malteser haben 1565 verhindert, daß die Osmanen die Inseln (Malta und
Gonzo) nehmen. Ihr Großmeister Jean de la Valetta leitete 1565 die Verteidi-
gung und Historiker sprechen davon, daß es seiner Entschiedenheit und
Glaubensstärke zu verdanken ist, daß das - trotz der erdrückenden Über-
macht - gelang. Wäre Malta gefallen, wäre Rom nicht mehr zu halten gewe-
sen und was das bedeutet hätte kann man sich vorstellen...

Beim Vergleich Christentum versus Islam fallen mir noch zwei wichtige Ge-
sichtspunkte auf:

Der eine bezieht sich auf die Passion Jesu Christi und der andere auf die
Ausgestaltung der Gotteshäuser. Im Islam gilt ein striktes Bilderverbot, d.h.
daß sich in Moscheen keine bildlichen Darstellungen Gottes, des Propheten
oder der Heiligen befinden.

Wie in der daneben stehenden Kirche Santa Maria dell’Ammiraglio zu sehen,


ist der Himmel der Christen dagegen voll von himmlischen Gestalten. Diese
schränken die Freiheit der Imagination natürlich erheblich ein, was dazu ge-
führt hat, daß der Glaube an diese Wesen im Laufe der Zeit immer weiter ab-
genommen hat. Der Islam konnte sich dagegen bis heute als Religion erhal-
ten, weil er abstrakter ist und dem Geist solche Zumutungen erspart. Es gibt
natürlich andere Zumutungen und die Frage, weshalb sich die Muslime da-
gegen bisher nicht wehren konnten, kann ich nicht beantworten.

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Der andere Gesichtspunkt zeigte sich am vergangenen Sonntag. Bei der
Passion Jesu spielte Simon von Kythera eine nicht unerhebliche Rolle, indem
er dem geschwächten und zum Weitergehen unfähigen Jesus dabei half, das
Kreuz zu tragen. Der Islam lehrt, daß Jesus nicht am Kreuz gestorben sei,
sondern Golgatha überlebt habe. Viele glauben auch, daß er danach nach
Kashmir oder Ladakh gebracht wurde, wo es bis heute ein Grab zu bewun-
dern gibt, in dem Jesus Jahrzehnte später bestattet worden sein soll.

Das Christentum hat den Islam daher durchaus zu fürchten: würde diese
Auslegung der Geschichte allgemein bekannt werden, ließe sich der Glaube
an die Erlösung von der Erbsünde nicht mehr aufrecht erhalten. Nach christ-
licher Lehre ist die Erlösung von den Sünden nur möglich, weil zuvor der ein-
zige Sohn Gottes für das Heil der Menschen geopfert worden war. Hier greift
die Kama-Lehre ohne wenn und aber. Ohne Opfer kein Nachlass der Sün-
den. Für die Erbsünde aber ist das größte Opfer gerade groß genug.

Deshalb: Sollte Jesus nicht am Kreuz gestorben sein, entfiele der gesamte
Erlösungskomplex.

29.03.18

Gestern hat es zwischen mir und Jyoti ordentlich gekracht. Im Kern ging es
um die Frage ob NLP und verwandte Verfahren auch auf Retreats angeboten
werden sollen. Ich meinte auf gar keinen Fall, sie sagte sie habe damit die al-
lerbesten Erfahrungen gemacht.

Warum bin ich dagegen? Ich finde, daß der innere Raum, in dem wir Baba
verehren, nicht mit Objekten der gewöhnlichen Begierde besetzt werden
darf. Das ist für mich ein Sakrileg, eine Sünde wider den Heiligen Geist. Es
ist für mich schockierend zu sehen mit welcher Leichtigkeit, Selbstverständ-
lichkeit und Selbstgefälligkeit diese Grenze überschritten wird. Auf einem Re-
treat würde ich eine solche Veranstaltung als handfeste Sabotage bewerten,
und auch entsprechend handeln.

Tagesausflug zur Insel Stromboli:

Das Boot brachte uns zur Westseite der Insel, von wo man die Ausbrüche
des Vulkans recht gut sehen kann. Sie dauern immer nur 1-2, maximal 3 Se-
kunden, dazwischen passiert 5 bis 10 Minuten lang nichts besonderes. Um
die Ausbrüche fotografieren zu können muss man also sehr geduldig warten
und dann im entscheidenden Augenblick fokussieren und draufdrücken. So
gelang es mir 5 Ausbrüche festzuhalten; manche unscharf, manche aber
auch ganz brauchbar. Ab und zu kam es zu richtigen Feuerfontänen, die ich
aber leider nicht ablichten konnte.

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30.03.18

So jetzt bin ich wieder zurück im Hotel. Der Ausflug war großartig. Eigentlich
hatte ich nur vor, die Insel Vulcano zu besuchen. Als ich am Hafen ankam
war dieses Boot aber schon abgefahren. Also nahm ich das nächste, wel-
ches nach Panacea und Stromboli fuhr.

Auf Stromboli hatten wir zunächst zweieinhalb Stunden Zeit uns umzusehen.
Danach fuhr das Boot ganz langsam zu den in der Nähe liegenden Felsenin-
seln, und dann zur Westseite, von wo man die vulkanische Aktivität sehr gut
beobachten kann. Die Sonne war inzwischen untergegangen und die Erup-
tionen waren gut zu sehen. Manche schossen in die Höhe wie aus einem
Schießgewehr, andere fächerten sich auf, wie bei einem Feuerwerk. Wir sa-
hen zehn bis fünfzehn Feuerfontänen.

Ich bin sehr froh, daß ich das endlich einmal live erleben konnte.

Abschluss:

Wir sind nun am Ende dieser Reise angekommen. Es war eine Reise durch
den äußeren, aber, wie bei Sadhakas nicht anders zu erwarten, auch durch
den inneren Raum. Die äußere Reise ist an Ihr vorbestimmtes Ende gekom-
men. Wir haben alle locations gesehen, alle Termine eingehalten, das Auto
unbeschädigt zurückgegeben, usw. Die innere Reise ist allerdings noch nicht
an Ihr natürliches Ende gelangt - das wird wohl noch etwas dauern.

Wir hatten großartige Momente, in denen wir uns gegenseitig unsere unver-
brüchliche Freundschaft und Kameradschaft versicherten. Dann hatten wir
aber auch Momente in denen wir dies alles in Frage stellen wollten. Wir hat-
ten Höhen und Tiefen, wie das in Familien so üblich ist.

Dennoch möchte ich euch versichern, daß es mir eine große Freude war die-
se Woche mit euch verbracht zu haben. Ich möchte auch meine Dankbarkeit
ausdrücken, dir Sushmit, für deinen psychologischen Einsatz, dir Jyoti, für
dein immer währendes soziales Engagement und dir, Karun, für den spirituel-
len Input den du jedem Zusammensein zu geben in der Lage bist. Viele wei-
tere Qualitäten die ich hier nicht einzeln aufzählen kann, haben zum Gelingen
dieser Reise beigetragen; jeder einzelne hat sich dabei verdient gemacht,
und dafür möchte ich meinen ganz herzlichen Dank aussprechen.

Wie ihr wisst möchte ich auch im nächsten Jahr ein Ferienseminar organisie-
ren. Die Zahl der Teilnehmer ist natürlich variabel, aber es sollten nicht zu
viele sein. Auch die Themen können wechseln. Am Ende sollte aber immer
eine Zusammenfassung vorgelegt werden. Zu diesem Seminar liegen ja be-
reits umfangreiche Aufzeichnungen vor. Ich werde sie noch vervollständigen
und dann jedem Teilnehmer zuschicken.