Sie sind auf Seite 1von 47

DIE HERSTELLUNG

VON WASSERFARBEN
FÜR AQUARELL, GOUACHE
UND BUCHMALEREI

Klaus-Peter Schäffel
12. Januar 2011

Der Artikel erschien 2007 im Verlag der Basler Papiermühle unter dem Titel
«Wasserfarben aus Naturmaterialien selber machen»
INHALT

Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . 3 35. Cinnabarit . . . . . . . . . . . . 22


36. Hämatit. . . . . . . . . . . . . 23
I. Teil: Rezepte 37. Lapislazuli . . . . . . . . . . . . 23
38. Azurit . . . . . . . . . . . . . 23
1. Wasserfarben . . . . . . . . . . . 5 39. Malachit . . . . . . . . . . . . 24
2. Vergleich zw. Aquarell, Gouache und Tempera 6 40. Grundlegende Techniken (mineral. Pigmente) 24
3. Die Zusammensetzung von Wasserfarben . 6 41. Künstl. Mineralpigmente: Die Bleipigmente . 27
4. Pigmente und Farbstoffe . . . . . . 6 42. Zinnober . . . . . . . . . . . . 28
5. Bindemittel . . . . . . . . . . 7 43. Aurum musicum . . . . . . . . . 28
6. Weichmacher . . . . . . . . . . . 7 44. Kupfergrün und Kupferblau . . . . . . 28
7. Wasser . . . . . . . . . . . . . 8 45. Künstliche Eisenoxide . . . . . . . . 29
8. Ochsengalle . . . . . . . . . . . 8 46. Schwarz . . . . . . . . . . . . . 29
9. Weitere Zusätze . . . . . . . . . . 8 47. Die Weiterverarbeitung der Pigmente . . . 29
10. Benötigtes Material . . . . . . . . . 8
11. Das Anreiben der Farben . . . . . . . 8
12. Farbnäpfchen . . . . . . . . . . . 9 III. Teil: Pflanzenfarben
13. Historische Rezepte . . . . . . . . 9
14. Vorgehen zum Finden eigener Rezepte . . . 9 48. Pflanzenfarbe und Aquarellfarbe . . . . 30
15. Die Korrektur von Farbzubereitungen . . . 9 49. Kategorien von Pflanzenfarben . . . . . 30
16. Toleranzen . . . . . . . . . . . 9 50. Farbsaft und Tüchleinfarbe . . . . . . . 30
17. Vorgehen bei der Ausführung der Rezepte . 9 51. Farblacke . . . . . . . . . . . 31
18. Die Rezepte . . . . . . . . . . 11 52. Küpenfarbstoffe . . . . . . . . . . 33
19. Originalaufstriche . . . . . . . . . 12 53. Farbharze . . . . . . . . . . . . 33
20. Ergänzungen zur Rezeptliste . . . . . . 12 54. Giftige Pflanzenfarben? . . . . . . . 34
55. Die verborgenen Farben . . . . . . . 34
56. Überblick Pflanzenfarben . . . . . . . 35
II. Teil: Mineralische Pigmente 57. Pflanzenfarben-Kalender . . . . . . 36
58. Anleitungen zur Zubereitung : Safran . . . 37
21. Überblick über die mineralischen Pigmente . 13 59. Reseda . . . . . . . . . . . . . 38
22. Definitionen . . . . . . . . . . 13 60. Raute . . . . . . . . . . . . . 38
23. Natürlich und künstlich . . . . . . . 13 61. Curcuma . . . . . . . . . . . 38
24. f. d. Pigmentgewinnung geeignete Mineralien 13 62. Rotholz . . . . . . . . . . . . . 38
25. Erdpigmente: Vorkommen . . . . . . 16 63. Folium . . . . . . . . . . . . . 39
26. Gelber, roter, brauner Ocker . . . . . . 17 64. Rote und blaue Beerenfarbstoffe . . . . . 40
27. Kreide . . . . . . . . . . . . 18 65. Färberwaid . . . . . . . . . . . 41
28. Grüne Erde . . . . . . . . . . . . 18 66. Kreuzdorn . . . . . . . . . . . 42
29. Umbra . . . . . . . . . . . . . 18 67. Schwertlilie . . . . . . . . . . . 43
30. Grundlegende Techniken (Erdpigmente) . . 19 68. Die Verwendung von Pflanzenfarben . . . 44
31. Natürliche Mineralpigmente: Vorkommen . 21 69. Bezugsquellen . . . . . . . . . . . 45
32. Gold . . . . . . . . . . . . . 22
32. Silber . . . . . . . . . . . . . . 22
34. Auripigment und Realgar . . . . . . 22 Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . 46

Klammern, Pfeil und Ziffern (→ 00)


sind Querverweise auf andere Abschnitte
(nicht Seiten!)

2
VORWORT

Die Herstellung historischer Malfarben wird in man- dertjähriges Experimentieren hat dort sogar neue, in
chen Publikationen gern als geheimnisvolle, alchemisti- alten Rezepten nicht überlieferte Farben erschlossen. Die
sche Handlung verkauft. Fast immer ist von leider mineralischen Farbmittel werden jedoch in diesen Krei-
verstorbenen alten Mönchen die Rede, die dem jeweili- sen bewußt ausgegrenzt unter Hinweis auf deren «Erden-
gen Autor mit letzter Kraft ihre verschwiegene Kunst schwere». Das mag bei den typischen Farberden Ocker
offenbart haben. Kommt eine gewisse Art von Journali- und Umbra mit ihren deckenden, gebrochenen Gelb-,
sten ins Spiel, müssen noch Jungfrauen zitiert werden, Rot- Violett- und Brauntönen durchaus gerechtfertigt
die bei Vollmond Knoblauch kauen und dazu Frauen- sein. Weniger leicht einsehbar erscheint diese Charakte-
milch absondern. Anschließend wird von gegerbten risierung bei der Betrachtung einer goldgelben Terra di
Eselshäuten, Schildläusen und Sonnenblumenkernen Siena oder einer lichten grünen Erde, ganz zu schweigen
berichtet und daß die wichtigste Chemikalie gefaulte von der «ätherischen Licht-Aura» echten Lapislazulis
Pisse sei. (verglichen mit der «Erdenschwere» von pflanzlichem
Die Realität ist weit prosaischer. Die Farbentechnolo- Indigo). Wie zu sehen sein wird, müssen die meisten
gie der Alten ist außerordentlich gut dokumentiert; die pflanzlichen Farbstoffe zur Verwendung in der Malerei
meisten handwerklichen Methoden zur Farbenherstel- ohnehin auf einen mineralischen Träger wie Kreide,
lung sind in mittelalterlichen Rezeptbüchern detailliert weiße Erde oder Alaun aufgefärbt («verlackt» → 51) wer-
überliefert; einige hundert davon wurden in modernen den oder erhalten ihre spezielle Färbung überhaupt erst
Editionen übersetzt und können von jedem, der sich von den beigefügten Metallsalzen, so daß dann von einer
dafür interessiert, eingesehen und in die Praxis umgesetzt reinen Pflanzenfarbenmalerei keine Rede mehr sein
werden. Natürlich gibt es auch bei den alten Autoren kann.
Schaumschläger oder Kopisten, die in Unkenntnis der
Praxis Fehler überliefern, doch in der Regel spricht aus Natürliche oder chemische Farben?
einem maltechnischen Traktat des elften oder vierzehn- Mit dem wachsenden Interesse für elementare Dinge
ten Jahrhunderts eine aufgeklärte Vernunft, die uns hat sich mancherorts die Hoffnung kundgetan, «Natur-
modern anmutet. farben» seien stets «gute» Farben, und die Unabhängig-
Historische Farben sind einfache Farben. Als Rohstof- keit von Produkten der chemischen Großindustrie kön-
fe dienen Mineralien, Metalle und Pflanzen, die uns auch ne nur ein Gewinn sein. Wie sich jedoch zeigen wird, sind
heute zur Verfügung stehen, und die Methoden zur Ge- gerade natürliche Farbmaterialien oft gar nicht so harm-
winnung sind so simpel, daß zur Herstellung eines eige- los, wie man gern glauben möchte. Es wäre heute verbo-
nen Farbkastens ein wenig handwerkliches Geschick ten, einen Farbkasten mit der vollständigen Palette hi-
genügt. storischer Farben auf den Markt zu bringen. Wahrschein-
lich ist deshalb bisher noch keine Anleitung zu diesem
Mineralfarben und Pflanzenfarben Thema erschienen.
Die Farben der Malerei lassen sich in zwei Kategorien In der belebten Natur erfüllen Farben eine wichtige
einteilen: Organische und anorganische. Anorganische Aufgabe: Anlocken, abwehren, warnen, tarnen. Kräftige
Farbmittel stammen von «totem» Material wie Gestei- Farben dienen manchmal als Warnzeichen für Giftigkeit,
nen/Erden, Mineralien und Metallen oder deren Verbin- zum Beispiel bei gewissen Pfeilfröschen, Korallenschlan-
dungen. Zu den organischen Farben zählt man Kohlen- gen oder unseren heimischen Wespen und Hornissen.
wasserstoffe aus «lebender» Materie, wie aus Pflanzen Andererseits gibt es auch leuchtend farbige, aber ungifti-
und Tieren, aber auch solche aus fossilem biologischem ge Blüten und schlimme farblose Gifte. Die kräftig getön-
Material wie Erdöl und Steinkohle. Schwieriger einzu- ten natürlichen Mineralfarben sind (außer Lapislazuli
ordnen sind Farbmittel, die aus Grundstoffen ehemals und Hämatit) alle giftig (→ 24). Sie enthalten Schwerme-
organischer Herkunft synthetisiert wurden oder ganz talle wie Blei, Quecksilber, Kupfer und Arsen. Sogar bei
einfach Verbrennungsprodukte aus organischen Roh- den meist harmlosen Pflanzenfarben gibt es einige, die
stoffen sind, wie z.B. elementarer Kohlenstoff aus ver- gesundheitsschädlich sind (→ 54).
brannten Pflanzenteilen, Knochen und fossilen Energie- Viele «Naturfarben» sind unbeständig oder mit ande-
trägern. Hier hat eine Umwandlung von organischem in ren Farben unverträglich. Einige sind schwierig zu verar-
anorganisches Material stattgefunden, ähnlich wie bei beiten oder ganz einfach selten und kostbar. Eine Um-
der Diamantherstellung aus verstorbenen Personen. stellung unserer Pigmentindustrie auf rohe Naturmate-
Farben aus lebenden Pflanzen genießen heute wieder rialien wäre deshalb kaum realistisch. Es gibt keinen
besondere Aufmerksamkeit. Aus der Malerei anthropo- qualitativen Unterschied, ob die Kriege in gewissen
sophischer Kreise sind sie nicht wegzudenken; fast hun- Gegenden der Erde um Erdöl (Rohstoff für synthetische

3
Farben und Bindemittel) oder um Lapislazuli und Mala- der Praxis auf Pflanzen- und Erdfarben beschränken
chit (Rohstoffe für Naturfarben) geführt werden. Hinge- müssen: Sie finden sich an vielen Orten auf der Welt,
gen ist der vermehrte Anbau von nachwachsenden Farb- lassen sich mit einfachen Küchenutensilien verarbeiten
stofflieferanten, sprich Färberpflanzen, ebenso wün- und können Kindern bedenkenlos anvertraut werden,
schenswert wie die Pflege der naturnahen Nahrungsmit- da sie im allgemeinen ungiftig sind. Doch auf wirklich
telproduktion. reine, deckende, haltbar leuchtende Farbtöne wird man
Bei den Mineralfarben gibt es für eine klare Trennung dabei verzichten müssen. Solche Forderungen erfüllten
von «natürlichen» und «künstlichen» kaum eine Recht- vor der Industrialisierung nur die Mineralfarben, natür-
fertigung. Seit den Anfängen der Malerei hat man «syn- liche und auch künstliche.
thetische» Farben verwendet, zum Beispiel Holzkohle Durch das reiche Angebot billiger, gebrauchsfertiger
oder gebrannte Erden. Künstliche Bleipigmente wurden Farbmittel sind wir heute daran gewöhnt, großzügig und
schon in der griechischen Antike beschrieben. Spätestens großflächig mit Farben umzugehen. Unsere Kleidung
seit der Bronzezeit kannte man den Grünspan, der auf und Umgebung sind bunter als nie zuvor. Farben sind in
jeder kupferhaltigen Metalloberfläche als Patina ent- fast jedem industriellen Nahrungsmittel, Toilettenarti-
steht, wenn man nur lange genug wartet. Aus dem Mit- kel und Verbrauchsgut enthalten. Wem es einfallen
telalter sind zahlreiche Rezepte überliefert, nach denen sollte, einen Wasserfarbkasten mit reinen Naturfarben
man Malachit durch «chemische» Behandlung grüner in Umlauf zu bringen, der dürfte zuschauen, wie ah-
und Azurit blauer machen konnte. Für die Synthese von nungslose Konsumenten echtes Gold mit großen Gesten
Zinnober aus Quecksilber und Schwefel gibt es seit dem breitschmieren oder Lapislazuli sorglos mit anderen
8. Jahrhundert überlieferte Rezepte; das künstliche Farben verschmutzen würden. Welche Gefahren sind in
Produkt ist qualitativ besser und weniger giftig (weil den in bis zu 5000 Meter Höhe liegenden afghanischen
weniger verunreinigt) als das natürliche. Es wäre sinn- Minen damit verbunden, den Rohstein aus den Felsen zu
voll, weniger zwischen synthetisch und natürlich zu brechen! Auf Eselsrücken wird er Hunderte von Kilome-
unterscheiden als vielmehr zwischen industriell und tern durch den Himalaya geschmuggelt und schließlich
vordindustriell, wobei letzteres Methoden einschließt, für bis zu 10 Franken pro Gramm auf unseren Minera-
die mit relativ einfachen Mitteln in einer normalen Kü- lienmessen verkauft. Beim Ausglühen (→ 40) kann man
che ausführbar sind. Für die Herstellung des Zinnobers, sich leicht die Finger verbrennen; beim Pulverisieren holt
des Bleizinngelbs, des Aurum musicum oder gar Ägyp- man sich Blasen und beim Kneten mit Harz und Wachs
tischblaus wird man allerdings kaum an der Einrichtung Muskelkater – wer diese Erfahrungen gemacht hat, wird
eines chemischen Versuchslabors vorbeikommen. sich hüten, mit der Materie zu aquarellieren und den
Kurioserweise war für einen mittelalterlichen Maler halbvollen Pinsel im schmutzigen Malwasser auszuwa-
und Autor eines Traktats über die Farbenherstellung («de schen. Farben aus Edelsteinen wollen in Sorgfalt und
arte illuminandi», 14. Jh.) sogar die Herstellung einer Hingabe gefaßt werden. Aus diesem Grunde ist in den
grünen Saftfarbe aus den Beeren des Kreuzdorns (→ 66) folgenden Anleitungen immer wieder von Buchmalerei
nur durch «artificium», also künstliche Behandlung die Rede, wo die Schönheit der Naturfarben vielleicht am
realisierbar, während wir heute dieselbe Farbe als reine besten zur Geltung kommt. Doch diese Betrachtungswei-
Naturfarbe bezeichnen würden. se entspringt einer persönlichen Leidenschaft des Autors.
Wer seine Wasserfarben selber macht, soll auch damit
Die Verwendung selbstgemachter Wasserfarben malen dürfen, was er will.
Wer aus ökologischem oder pädagogischem Interesse
mit historischen Farben arbeiten möchte, wird sich in

4
I. TEIL
REZEPTE ZUR HERSTELLUNG
VON WASSERFARBEN

1. Wasserfarben gegenseitigen Steigerung einzusetzen. Noch die soge-


Wasserfarben sind nach ihrem Medium bzw. Mal- nannten Aquarelle Albrecht Dürers sind eigentlich
mittel benannt. Sie sind außerordentlich einfach zu Kombinationen von Aquarell- und Deckfarbenmalerei
verwenden, behalten während Jahrhunderten ihre und stehen daher ganz in der Tradition der Buchmalerei.
Schönheit, bleiben jedoch stets wasserempfindlich. Nicht zu den eigentlichen Wasserfarben gehören Far-
Die Wasserfarbenmalerei ist die «klassische» Mal- ben, die zwar mit Wasser verdünn- und vermalbar sind,
technik für biegsame Beschreibstoffe. Sie begegnet uns jedoch nach dem Trocknen wasserfest werden. Dazu
bereits auf altägyptischen Papyrusrollen. Auch die antike gehören die sogenannten Temperafarben sowie die mo-
und mittelalterliche Buchmalerei auf Pergament und dernen Acrylfarben («Dispersionsfarben»). In der Buch-
Papier ist Wasserfarbenmalerei. malerei fanden «magere» Temperafarben (d.h. solche mit
Die moderne Malerei teilt die Wasserfarbenmalerei in niedrigem Ölanteil) durchaus Verwendung, vor allem
Gouache (Deckfarbenmalerei) und Aquarell ein (lasie- Eiweißtempera. Meistens wurden jedoch solche Tem-
rende Malweise). Die strenge Trennung zwischen Aqua- perafarben mit den reinen Wasserfarben kombiniert.
rell- und Gouachetechnik, wie sie ab dem 18. Jahrhun- Die Buchmalerei ist deshalb eine Mischtechnik.
dert zuweilen praktiziert wurde, war in der Buchmalerei Diese Tatsache muß auch bei der Verwendung han-
keinesfalls üblich. Es wurden ganz im Gegenteil typische delsüblicher Fertigfarben berücksichtigt werden: Nur in
Aquarellfarben lasierend auf einem Fundament von der Kombination von deckenden (Gouache-) Farben und
Deckfarben aufgebaut und diese wiederum mit Deck- transparenten (Aquarell-) Farben kann die «Illumina-
farben gehöht, um die unterschiedlichen Eigenschaften tion» ihre eigentümliche Leuchtkraft entwickeln.
der verschiedenen Farbarten möglichst vorteilhaft zur

2. Vergleich zwischen Aquarell, Gouache und Tempera

Aquarell Gouache Tempera


Pigmente sehr fein gemahlen; auch gröber; nur lichtbeständige Pigmente;
möglichst durchscheinend; möglichst deckend; Zurückhaltung bei Pflanzenfar-
hochlichtecht. Weißzusatz möglich. ben.
Bindemittel auf Wasserbasis; viel: Glanz auf Wasserbasis; wenig: Emulsion aus wässerigen und
bei dickem Farbauftrag. immer matt. Farbe hellt öligen Bindemitteln;
beim Trocknen auf. «mager» bis «fett» (sehr variabel).
Weichmacher viel: elastische Farbe. wenig: spröde Farbe. möglichst keine wegen Wasser-
Trocknet langsam. Trocknet schnell. beständigkeit; bzw. nicht nötig
wegen Ölanteilen.
wichtigste Papier. Papier, Karton, Pergament. Pergament, Holz, Papier, Lein-
Malgründe wand, Metall.
Malweise lasierend, wäßrig, feinste deckend, mehrschichtig, strichelnd, ziemlich trocken.
Verteilung, extrem dünne mit wenig Wasser.
Schichten.
Lichtbrechung Tiefenlicht (bei dickem Farb- Oberflächenlicht (ähnlich variabel.
auftrag). Pastell).
Deckkraft niedrig. hoch. variabel.
Entwicklung zur höch- in England (18./19. Jh.). in Frankreich (17.-19. Jh.). in Italien (12.–16. Jh.).
sten Perfektion

5
3. Die Zusammensetzung span (löslich in Essig) und Drachenblut (löslich in Öl,
Alkohol oder anderen organischen Lösungsmitteln).
von Wasserfarben Die Verarbeitung von pflanzlichen Farbstoffen ist im
Wasserfarben bestehen aus vier Bestandteilen: dritten Teil dieses Buches beschrieben.
1. Das Pigment als farbgebender Teil (→ 4).
2. Das Bindemittel als verbindender Teil (Leim; → 5). Unterschied zwischen Pigmentenund Farbstoffen:
3. Der Weichmacher zur Erhöhung der Elastizität (→ 6). Pigmentteilchen sind deutlich größer als Farbstoff-
4. Als Lösungsmittel für Bindemittel und Weichmacher partikel. Neben einem Wassermolekül ist ein Pigment-
sowie als Malmittel dient Wasser (→ 7). Auch in der korn ein Ungetüm, während ein Farbstoffmolekül sich
«getrockneten» Farbe sind je nach Weichmacheranteil etwa auf gleicher Ebene mit den Wassermolekülen
noch gewisse Mengen von Wasser enthalten. mischt. Deshalb schweben Farbstoffe im Wasser (Tinte),
während Pigmente mit der Zeit einen Bodensatz bilden
(Tusche). Pigmente bleiben in Kaffeefiltern hängen;
Farbstoffe gehen hindurch. Eine Ausnahme bilden die
Pigmente Flammruß (→ 46) und Indigo (→ 65). Sie
können so feinteilig sein, daß sie durch Filterpapiere
(und Fliegenmägen → 6; 50) hindurchgehen.
In den meisten Maltechniken werden ausschließlich
körperhafte Pigmente verwendet, weil nur sie pastos
vermalbare, deckende und beständige Farbschichten
ermöglichen. Farbstoffe werden eher der Färberei zuge-
ordnet. In Malfarben tendieren sie zum Auslaufen («Blu-
ten»).
Die Buchmalerei ist eine der wenigen Techniken, in
der sowohl Pigmente als auch Farbstoffe unmittelbar
Schema für die Zusammensetzung von Wasserfarben
verwendet werden.

4. Pigmente und Farbstoffe 5. Bindemittel


Das Pigment ist der farbgebende Teil einer Malfarbe. Die Bindemittel für Wasserfarben sind Gummi ara-
Unter einem Pigment kann man sich ein staubfeines bicum, Steinobstgummen von Kirsch-, Aprikosen-,
Pulver vorstellen, das sich im verwendeten Malmittel Pflaumenbäumen usw., Gummi Traganth, tierische
(bei Wasserfarben: Wasser) aufschlämmen läßt, aber Leime (Pergamentleim, Lederleim, Fischleim, Knochen-
nicht löst. Historische Pigmente sind meist anorganische leim) sowie Eikläre und Eigelb. Häufig wurden in der
Metallverbindungen und werden aus Erden, Mineralien Buchmalerei je nach Pigment unterschiedliche Binde-
und Metallen gewonnen. Siehe dazu den zweiten Teil mittel oder sogar Mischungen verschiedener Bindemittel
dieses Buches. verwendet. Solche Farben mußten jedoch stets frisch
zubereitet bzw. feucht gehalten werden, da sie sonst
Die Pigmente in den nachfolgenden Rezepten sind in wasserfest eintrockneten.
sechs Gruppen aufgeteilt: Der Einfachheit halber beschränken sich die folgen-
Gruppe A: Natürliche Erdpigmente (→ 25- 30) den Rezepte auf die Verwendung von Gummi arabicum,
Gruppe B: Natürliche Mineralpigmente (→ 31- 40) ein helles, leimstarkes, wasserlösliches Akaziensekret. Es
Gruppe C: Histor. künstl. Mineralpigmente (→ 41- 46) ist in Stücken, als Granulat, als Pulver und in wäßriger
Gruppe D: Pflanzliche Pigmente (→ 51- 53) Lösung erhältlich. Besonders das Granulat soll hier emp-
Gruppe E: Pigmente aus tierische Farbstoffen fohlen sein.
(hier nicht erklärt) Während Gummi arabicum-Pulver aus dem Fach-
Gruppe F: Moderne synthetische Pigmente. handel meist gebleicht ist, kann natürliches Gummi
arabicum in Körnern weiß bis rotbraun sein. Man kann
Farbstoffe stammen meist aus Pflanzen, Tieren oder die besonders hellen Stücke zwar aussortieren, um helle
(im Fall der modernen Chemie) aus deren fossilen Über- bzw. blaue Farben nicht im Farbton zu beeinträchtigen,
resten Steinkohle und Erdöl. Im Gegensatz zu Pigmenten doch neigt diese Sorte eher zum Säuern und Faulen als die
sind Farbstoffe im verwendeten Malmittel löslich. Sie bräunlichen Stücke und zeigt auch ein anderes Fließ-
lassen sich in Form von mehr oder weniger eingedickten verhalten (weniger flüssig; eher geleeartig).
Tinten auch zum lasierenden Malen verwenden. Handelsübliche Gummi arabicum-Lösungen sollte
Farbstoffe können durch den Prozeß des «Verlackens» man nur im Notfall verwenden, weil ihre Konzentratio-
in Pigmente umgewandelt werden. Im umgekehrten Fall nen und Inhaltsstoffe bis heute nicht auf den Gebinden
können auch manche Pigmente zu Farbstoffen werden, deklariert werden und sie daher für die nachfolgenden
nämlich wenn ein anderes Malmittel als Wasser ver- Rezepte unbrauchbar sind. Durch Abwiegen und Ein-
wendet wird. Beispiele für Pigmente, die sich unter Um- trocknenlassen solcher Lösungen ergab sich ein Feststoff-
ständen in Farbstoffe verwandeln können, sind Grün- gehalt von zwischen 37% (Winsor & Newton) und 48%

6
(Talens). In beiden Produkten sind Konservierungsmittel sierte. Honig hat wegen der enthaltenen natürlichen
sowie vermutlich bereits Weichmacher (→ 6) enthalten, Antibiotika eine konservierende Wirkung. In verdünn-
da sie erheblich elastischer eintrocknen als die selber ten Lösungen können sowohl Zucker als auch Honig in
hergestellte Lösung, die 50%ig ist. Gärung übergehen (Rum, Met).

Ansetzen der Gummi arabicum-Lösung: Ansetzen der Zuckerlösung: Zwei Gewichtsteile Zucker
1 Zerkleinern: Größere Brocken im Mörser oder mit (weiß oder roh) mit einem Teil Wasser ansetzen. Die
dem Hammer zerschlagen; eventuell in Reibschale pul- vollständige Auflösung kann bei Zimmertemperatur bis
verisieren. zu einer Woche dauern. Mit einer Reibschale kann der
2 Filtrieren: Gummi arabicum-Körner mit der unge- Prozeß beschleunigt werden. Noch besser ist das Erhitzen
fähr dreifachen Menge Wasser ansetzen; mindestens 24 während 5 bis 10 Minuten (verdunstendes Wasser erset-
Stunden quellen lassen (Erwärmung auf höchstens 50°C zen). Die Zuckerlösung sollte man ebenso wie die Binde-
beschleunigt die Auflösung). Durch Baumwolltuch fil- mittellösung im Kühlschrank aufbewahren.
trieren, um die enthaltenen Holz- und Rindenstücke
herauszuziehen. Dann auf glatter, biegsamer, wasserfe- 7. Wasser
ster Unterlage eintrocknen lassen. Nach etwa einer Wo- Das verwendete Wasser sollte möglichst destilliert
che löst sich das Filtrat in Scherben ab, sofern keine oder zumindest weich (kalkarm) und abgestanden sein.
Weichmacher zugegeben wurden. In dieser Form kann es Historische Rezepte empfehlen z.B. Regenwasser aus
aufgehoben werden und jederzeit in einigen Stunden in Baumhöhlungen.
der gewünschten Konzentration wieder gelöst werden.
Statt eigenem Filtrat kann auch Gummi arabicum- 8. Ochsengalle
Pulver aus dem Farbengeschäft verwendet werden. Ochsengalle ist ein sogenanntes Netzmittel. Es setzt
3 Ansetzen der 50%igen Stammlösung: Bei Be- die Oberflächenspannung von Flüssigkeiten herab und
darf 1:1 in destilliertem Wasser lösen. Die beste Konsi- verhindert ihr Abperlen (von Pigmenten, aber auch von
stenz ist etwa 3–10 Tage nach dem Ansetzen erreicht. Malgründen). Manche Pigmente (z.B. Flammruß, Grün-
Ohne Konservierungsmittel kann die Lösung nach eini- span, Karmin) verhalten sich wie rohes Kakaopulver,
gen Woche anfangen, säuerlich zu riechen und zu faulen wenn sie mit der Bindemittellösung in Berührung kom-
(vor allem weißes und gebleichtes Gummi arabicum). men. Setzt man dann einen Tropfen Ochsengalle hinzu,
Zum längeren Aufbewahren mit einem Konservie- lassen sich die Teile rascher vermengen. Beim Anreiben
rungsmittel (→ 9) versetzen. Steriles Gefäß verwenden; auf der Glasplatte mit dem Palettmesser läßt sich auf
kühl stellen. Ochsengalle verzichten, da sich die Abstoßungskräfte
nach einer Weile auch mechanisch überwinden lassen.
6. Weichmacher Beim Malen in großflächiger Aquarellmalweise er-
leichtert Ochsengalle das Verteilen der Farbe, vor allem
Weichmacher sind hygroskopische Zusätze (Honig,
auf harzgeleimten Papieren. Diese Beobachtung hat viele
Zucker, Glyzerin), die das vollständige Austrocknen
Maler dazu veranlaßt, Ochsengalle als Hilfsmittel zum
und damit Sprödewerden der Farbe verhindern.
Beschriften und Bemalen von Pergament zu empfehlen.
Weichmacher verbessern außerdem die Vermalbarkeit
Davon ist entschieden abzuraten! Ochsengalle verbessert
der Farbe. Die folgenden Rezepte basieren auf weißem
zwar die Netzung, aber nicht die Haftung der Farbe. Eine
Kristallzucker oder braunem Rohzucker (Glucose).
spröde Gouachefarbe, auf einem glatten Pergament mit
Moderne Weichmacher wie Glyzerin (ein 3-wertiger
Hilfe von Ochsengalle vermalbar gemacht (Praxis bei
Alkohol) haben allerdings den Vorteil, daß sie die Flie-
zahlreichen Heraldikern), wird früher oder später groß-
gen nicht anziehen (→ 50) und weniger gären und
flächig abplatzen. Viel besser ist es, das Pergament vor
schimmeln können.
dem Bemalen mit dem Radiergummi zu entfetten
Zuckerwasser und Honig: In einem Liter und/oder mit feinem Schmirgelpapier anzurauhen, die
Wasser lösen sich bei 20°C 2039 g Glucose (Rohrzucker).
Farbe mit einigen Tropfen Zuckerwasser geschmeidig zu
Kochendes Wasser kann sogar die doppelte Zucker-
machen und in mehreren dünnen Schichten aufzutragen.
menge aufnehmen, also mehr als 4 kg pro Liter, wovon
beim Abkühlen allerdings die Hälfte wieder auskristal-
lisiert. Eine gesättigte Zuckerlösung kann bei Zimmer- 9. Weitere Zusätze
temperatur höchstens zwei Drittel (66%) Zucker enthal- Als weitere Zusätze können unter Umständen Mittel
ten. gebraucht werden, die den Farbton des Pigments vertie-
Der Zuckergehalt von Honig liegt zwischen 60 und 80 fen (z.B. eine Spur Wachs oder Öl zum Lapislazuli-
Prozent Fructose, kann also sogar höher sein als der von Pigment), eventuell entstehenden Schaum auflösen
gesättigter Zuckerlösung. Gemäß «De arte illumi- (Ohrenschmalz oder ein anderes Öl) oder der Kon-
nandi» (Neapel, 14. Jh.) wurde damals Honig mit Was- servierung dienen. Letzteres ist jedoch nur sinnvoll,
ser verdünnt und dann mit Kandiszucker zu einer gesät- wenn die Farben in Pastenform z.B. in Tuben aufbewahrt
tigten Lösung angereichert. Die Lösung war gebrauchs- werden sollen; Näpfchenfarben müssen nicht konser-
freundlicher als reiner Honig, da sie nicht auskristalli- viert werden, da sie ja fast vollständig eintrocknen.

7
Historische Konservierungsmittel sind vor allem Das Palettmesser hat gegenüber den anderen Reib-
Kampfer(öl), Nelken(öl) und das schlimme Gift Realgar werkzeugen den Vorteil, daß sich die Farben mit nur sehr
(→ 34). Im 19. Jahrhundert verwendete man auch Dinge wenig Wasser anteigen lassen (das in den hier vorgestell-
wie Teer, Karbolsäure oder Formalin. Sinnvoller sind ten Lösungen enthaltene Wasser genügt). Es entstehen
Konservierungsmittel, wie sie für Lebensmittel oder praktisch keine Verluste, weil man die Farbe fast voll-
Kosmetika im Handel sind (E 200 bis 297). ständig vom Glas abrakeln kann. Das Anreiben in der
Reibschale empfiehlt sich bloß bei größeren Mengen oder
10. Benötigtes Material bei Pigmenten, die noch körnig sind (Grünspan, → 44;
Waage (tarierbar; mindestens auf 0.1 Gramm genau) Azurit, → 38) oder leicht verklumpen oder schmieren
Reibschalen aus Porzellan (Indigo, → 65; Auripigment, → 34). Nachteilig wirkt
Glasplatte, sandgestrahlt (Milchglas) oder glatt. sich dabei aus, daß beim Anreiben Schaum entsteht,
Palettmesser (rostfrei). Rostende Palettmesser kön- mehr Wasser benötigt wird und sich die Farbe deshalb
nen besonders auf Pflanzenfarblacke eine verheerende beim Trocknen entmischen kann. Auch die Reinigung
Wirkung haben. des Geschirrs ist aufwendiger; außerdem geht dabei eine
Pipettenfläschchen gewisse Menge des Pigments verloren.
Gefäße, Filterpapier, Tücher, Löffel, Spatel, Glasstäbe
o.ä. 12. Farbnäpfchen
Farbnäpfchen (leere Aquarellnäpfchen, Mineralien- Auf keinen Fall sollte die Reibschale als Farbnapf
sockel, Muschelschalen, Puppengeschirr o.ä.) verwendet werden; ihre rauhe Innenfläche würde feine
Pigmente (gemäß Liste) Haarpinsel in kürzester Zeit ruinieren. Gegen das Malen
Gummi arabicum (Körner oder Pulver) direkt ab der glatten Glasplatte ist hingegen nichts ein-
Zucker (roh oder weiß) zuwenden. Praktischer zum Aufbewahren sind jedoch
destilliertes Wasser kleine Näpfchen. Früher verwendete man Muscheln,
glasierte Tongefäße, Elfenbeinpaletten mit entsprechen-
den Vertiefungen sowie Schweineblasen. Muschelscha-
len sind ideal in der Form und schonen die Pinsel, kleben
aber leicht ineinander fest und zerbrechen dann. Ton-
schälchen sind gut, aber schwer und voluminös. Paletten
gibt es aus Keramik und Plastik, doch ist der Platz darauf
beschränkt. Tierblasen sind die Vorläufer unserer heuti-
gen Tuben, doch für Wasserfarben unpraktisch. Leertu-
ben findet man in verschiedenen Grössen, doch gibt es
bei der Aufbewahrung von selbstgemachten Wasserfar-
ben in Tuben oft Konservierungsprobleme. Am besten
besorgt man sich leere Aquarellnäpfchen (die großen sind
besser für den Pinsel als die kleinen) oder kauft die Böden
der kleinen Plastikbehälter, die zum Aufbewahren von
Mineralien im Handel sind. Es gibt sogar passende Dek-
kel dazu. – Zum Mischen von Farben empfiehlt sich eine
11. Das Anreiben der Farben glatte, nicht saugende Oberfläche, z.B. eine alte CD-Rom
oder eine Kreditkarte.
Das Anreiben kann auf einem Stein aus Porphyr oder
Marmor, auf einer Glasplatte oder mit Hilfe einer Reib-
13. Historische Rezepte
schale erfolgen. Zu letzterer braucht man einen Pistill.
Quantitative Angaben gibt es in den zahlreich überlie-
Auf den flachen Materialien können ein Läufer aus Stein
ferten Rezepten durchaus; z.B. müssen Mengen vom
oder Glas sowie ein Palettmesser oder eine Art Spachtel
Volumen einer Handvoll, einer Walnuß, einer Bohne,
dienen. Was davon man bevorzugt, ist eine Frage der
etc. für die Dauer eines Vaterunser usw. erhitzt / ver-
Gewohnheit. Für kleine Mengen Pigment (bis etwa 5
mengt / ruhengelassen etc. werden. Auch Gewichtsanga-
Gramm) genügt ein Stück Fensterglas von etwa 15 × 15 cm
ben (Pfund, Unze, Pencta usw.) kommen vor, doch vor-
Größe und ein Palettmesser.
herrschend sind Angaben wie: «daß es dir genügend
erscheint», «wie es sein muß» usw., also durch Gefühl
und Erfahrung kontrollierte Rezepturen.

Reibschale mit Pistill Glasplatte, Glasläufer Steinplatte,-läufer

8
14. Vorgehen zum Finden 15. Die Korrektur
eigener Rezepte von Farbzubereitungen
Das Anreiben von Farben ist keine Hexerei, und eine 1. Die Farbe ist rissig, im Napf geschrumpft, läßt sich
Rückmeldung über ihre richtige Zusammensetzung gibt nicht gut lösen:
jede Farbe spätestens beim Trocknen. Bei einem unbe- — Mit Wasser fluten, einweichen lassen, völlig aufmi-
kannten Pigment, besonders wenn noch keine Ver- schen, nachzuckern, eintrocknen lassen.
gleichswerte mit verwandten Pigmenten vorliegen, wird 2. Die Farbe trocknet nicht oder wird sehr hart und glän-
man einfach ein Häufchen Pigment auf eine Glasplatte zend (im ersten Fall ist zu viel Weichmacher, im zweiten
geben, daneben je einige Tropfen Bindemittellösung und zu viel Bindemittel vorhanden):
Zuckerwasser setzen und das Ganze mit dem Palettmes- — Mit Wasser fluten, aufrühren, sich setzen lassen, einen
ser gründlich vermengen. Sorgfältiges Abwiegen aller Teil der geklärten Flüssigkeit abgießen und wieder ein-
Teile erleichtert die Wiederholung oder die Korrektur trocknen lassen.
eines einmal gefundenen Rezeptes. Ist die Mischung zu Je nasser beim Malen mit Näpfchenfarbe gearbeitet
trocken, helfen einige Tropfen Wasser; findet gar keine wird, umso schneller werden ihr mit dem abgehenden
Vermischung statt, kann ein Tröpfchen Ochsengalle Malwasser Bindemittel und Weichmacher entzogen.
zugesetzt werden (→8). Von Zeit zu Zeit sollte daher nachgeleimt und -gezuckert
Mit einiger Routine erkennt man das richtige Mi- werden. Manche Aquarellmaler setzen zu diesem Zweck
schungsverhältnis an dem beim Reiben entstehenden dem Malwasser ein wenig Gummi arabicum-Lösung zu.
Geräusch und Geruch: Wenn es kratzt, ist das Pigment
noch zu grob. Schmatzende Klänge lassen auf ein Über- 16. Toleranzen
maß an Bindemittel schließen. Ein dumpfer Ton bei Für jedes Pigment gibt es zahlreiche mögliche Rezepte.
erdigem Geruch weist auf Bundemittel-Mangel hin. Von Technische Gründe sowie künstlerische Absichten kön-
dem Moment an, an dem die Pigmentkörner von Bin- nen Änderungen rechtfertigen:
demittel eingeschlossen sind, beginnt die Mischung, 1. Soll die Farbe glänzen oder matt sein? Traditionell
süßlich zu riechen.– Die Geruchsprobe ist jedoch nicht werden rote Farben (Mennige, Zinnober) eher überleimt,
anwendbar, wenn das Bindemittel mit Konservierungs- da der Glanz ihre Leuchtkraft verstärkt; Erdfarben, Mala-
mitteln versetzt wurde oder zu säuern anfängt, oder chit und Azurit werden hingegen besser matt aufgetra-
wenn die Pigmente z.B. in einer Kugelmühle aus Kau- gen, um möglichst viel Oberflächenlicht zu zeigen.
tschuk gemahlen wurden, in welchem Falle sie eher nach 2. Der Bindemittelbedarf eines Pigments steigt auch mit
Gummi als nach Stein riechen. seiner Kornfeinheit (größere Oberfläche trotz kleineren
Mit der erhaltenen Farbe macht man dann einen Pro- Zwischenräumen).
beaufstrich auf einem biegsamen, glatten Material, z.B. 3. Deckender Farbauftrag erfordert weniger Bindemittel
einem Stück hartem Pergament. Nach dem Trocknen als lasierender.
wird der Aufstrich untersucht: 4. Eine gute Näpfchenkonsistenz muß nicht automatisch
1. Die Nagelprobe (eventuell auch mit dem Skalpell): eine gute Malkonsistenz sein, und umgekehrt. Für eine
Ist die Farbe kratzfest? Wenn nicht, ist zu wenig Binde- dauerhaft gute Näpfchenkonsistenz ist oft mehr Weich-
mittel enthalten. macher notwendig, als für die Maleigenschaften von
2. Die Biegeprobe: Beim Biegen des Beschreibstoffes Vorteil ist. Kupferhaltige Pigmente (Azurit, Malachit,
darf die Farbe nicht knacken oder gar abplatzen. In die- Grünspan) neigen z.B. dazu, mit der Zeit das Bindemittel
sem Fall wäre zu viel Bindemittel bzw. zu wenig Zucker «aufzufressen» und gleichzeitig wasserfest zu werden.
enthalten. Deshalb sind in den hier vorgestellten Rezepten solche
3. glänzend oder matt? Im ersten Fall ist relativ viel, Farben eher überzuckert und überleimt. Nach dem Ein-
im zweiten wenig Bindemittel in der Farbe enthalten. trocknen im Näpfchen ist die Konsitenz meist in Ord-
4. Trocknungszeit? Braucht die Farbe übertrieben nung. Sollen solche Farben hingegen frisch vermalt wer-
lange zum Trocknen, ist zu viel Zucker enthalten. den, müssen Bindemittel- und Weichmachergehalt um
Ist die Farbe so weit zufriedenstellend, wird sie in mindestens 30 % verringert werden, um Glanz und Kleb-
Näpfchen (→ 12) abgefüllt. Die Beobachtung des entste- rigkeit zu verringern.
henden Farbziegels über Tage oder gar Monate dient der 5. Zum Schutz vor Korrosion sollten folgende Pigmente
Feinregulierung, vor allem was den Weichmachergehalt nicht zu schwach geleimt werden: Bleiweiß, Blei(zinn)-
betrifft. Korrekturen sind auch noch nach Jahren mög- gelb, Mennige, Silber.
lich. Farben mit wenig Weichmacheranteil schrumpfen 6. Folgende Farben dürfen wegen ihrer Giftigkeit auf
stark und «lösen» sich beim Wiederanfeuchten nur keinen Fall abpulvern (also zu schwach gebunden sein):
schlecht. Deswegen werden Gouachefarben in der Regel Auripigment, Bleiweiß, Bergzinnober, Grünspan. Sie
in Tuben gehandelt. müssen stets kratzfest und elastisch auftrocknen (viel
Bindemittel, viel Weichmacher).
Die folgenden Rezepte wurden durch die in Ab-
schnitt 14 beschriebenen Beobachtungen (über 10 Jahre)
ermittelt. Die Pigmentliste enthält außer wenigen Aus-

9
nahmen (Gruppe F) nur historische Pigmente, die (außer schlämmen und trocknen lassen. Giftige Pigmente
einigen Erdfarben; Gruppe A) nicht fertig angerieben im naß verreiben.
Handel erhältlich sind. Verglichen mit handelsüblichen 3 Glasplatte (ca. 15 x 15 cm, glatt oder mattiert) auf Waa-
Tuben- und Näpfchenfarben können einige davon ge legen und tarieren. Zum Finden eigener Rezepte Pa-
durchaus ziemlich grobkörnig sein und dadurch Ober- lettmesser mittarieren (Korrekturmöglichkeit).
flächeneffekte erzeugen, die mit feinstdispersen 4 Pigment, Gummilösung und Zuckerwasser nebenein-
Künstlerfarben kaum möglich wären. ander (damit Korrekturen möglich sind) auf Glasplat-
te sorgfältig abwiegen.
17. Vorgehen bei der Ausführung 5 Glas von der Waage nehmen und die drei Bestandteile
mit dem Palettmesser oder Glasläufer einige Minuten
der Rezepte gründlich vermengen bzw. verreiben.
1 Gummi arabicum-Lösung (1 Gewichtsteil filtriertes 6 Farbe mit dem Palettmesser aufnehmen und in
Gummi auf 1 Teil destilliertes Wasser; → 5) und Zuk- Farbnäpfchen (→ 12) abstreifen.
kerwasser (2 Teile Rohrzucker auf 1 Teil Wasser; → 6) 7 Näpfchen in waagrechter Lage möglichst rasch ein-
rechtzeitig (spätestens am Vortag) ansetzen. Nur neue trocknen lassen. Nicht erhitzen. Falls die Farbe zu dünn-
bzw. sterilisierte Gefäße verwenden und diese stets flüssig ist, muß sie bis zum vollständigen Erstarren noch
verschlossen halten, damit die Konzentration der Lö- mehrmals durchgerührt werden. Nach dem Trocknen
sungen erhalten bleibt. lassen sich die Farben wie gewöhnliche Näpfchenfarben
2 Pigmente, die noch zu grob sind oder zusammen- stets wieder mit dem feuchten Pinsel aufnehmen.
klumpen, in der Reibschale vorreiben; gegebenenfalls

10
18. Die Rezepte

Pigment (jeweils 1 gr.) Bindemittel


Gummi arabicum-Lösung
Weichmacher
gesättigte Zuckerlösung Bemerkungen
(1:1) (2:1)
A. E R DF A R BE N
Kreide; auf Kreide basierende Farblak-
ke der Gruppen D u.E 0.8 gr. 0.6 gr.
Gelbe, rote, braune Ocker 0.4 gr. 0.5 gr.
Umbra Natur; Terra di Siena 0.8 gr. 0.9 gr.
Umbra gebrannt 0.9 gr. 0.75 gr.
Grüne Erden 0.4 gr. 0.9 gr.
B. N AT Ü RL . M I NE R AL F A R B E N
Gold- und Silberpulver 0.8 gr. 0.6 gr. O
Auripigment 0.5 gr. 0.6 gr. GK 2
Bergzinnober 0.45 gr. 0.5 gr. GK 2
Hämatit 0.5 gr. 0.5 gr.
Lapislazuli roh 0.4 gr. 0.4 gr.
Natürliches Ultramarin (Lapis gereinigt) 2 .0 gr. 1.0 gr.
Azurit 0.35 gr. 0.4 gr. GK 3
Malachit und Elat-Stein 0.35 gr. 0.5 gr. GK 3
C. K Ü NS TL . MI N ER AL F A R B E N
Flammruß 2 .4 gr. 1.1 gr. O
Aurum musicum 1.2 gr. 0.6 gr. GK ?
Bleiweiß 0.55 gr. 0.75 gr. GK 2
Bleizinngelb hell u. dunkel 0.5 gr. 0.4 gr. GK 2
Mennige/Minium 0.5 gr. 0.65 gr. GK 3
Zinnober 0.35 gr. 0.5 gr. GK 2
Grünspan 0.6–1.2 gr. 0.6–1.5 gr. GK 3
Kupferresinat 0.4 gr. 0.55 gr.
Eisenoxidbraun; Caput mortuum 0.55 gr. 0.55 gr.
D. P F L AN Z E N F AR B E N
«Tonerdehydrat» (Farblacke) * 0.9 gr. 0.6 gr.
Drachenblut 0.4 gr. 0.55 gr.
Indigo 1.0 gr. 1.1 gr. W
Rebschwarz 0.8 gr. 0.6 gr.
E. TI ER IS C H E F A R B E N
Carmin Naccarat 1.0 gr. 1.1 gr. O
F. M O D ER N E PI G ME N T E
Titandioxid 0.1–0.3 gr. 0.45–0.75 gr.
Lithopone; Zinksulfid 0.35 gr. 0.55 gr.

GK = Giftklasse; O = etwas Ochsengalle zugeben; W = etwas Wasser zugeben.

* ANMERKUNG ZUR REZEPTLISTE (GRUPPE D; PFLANZENFARBEN):


«Tonerdehydrat» kann ein beliebig gefärbter Pflanzenfarblack (→ 51) sein, der mit Lauge und Alaun hergestellt wurde. Falls dabei als zusätzli-
ches Substrat Kreide (oder ein anderes mineralisches Pigment, meist Erdpigmente) verwendet wurde, kommt das entsprechende Rezept dieses
Substrats zur Anwendung. Die übrigen Pflanzenfarben der Rezeptliste bilden von selbst Pigmente. Nicht enthalten sind die sogenannten «Saft-
farben», die keine Pigmente enthalten, sondern in sirupartig eingedickter Form verarbeitet werden. Siehe dazu den dritten Teil dieses Artikels.

11
19. Originalaufstriche der Farben 20. Ergänzungen zur Rezeptliste
Welche Farben haben Gouache-Charakter; welche sind
A. ERDFARBEN
eher aquarellartig?
Kreide
Gelber Ocker Gouache-artige:
• Alle Erdfarben außer Kreide; Terra di Siena; Grüne
Roter Ocker Erde.
Terra di Siena • Alle natürlichen Mineralfarben außer reinen Sorten
Lapislazuli (nat. Ultramarin).
Umbra Natur • Alle künstlichen Mineralfarben außer Grünspan.
Umbra gebrannt • Reb- und Elfenbeinschwarz.
• Alle Sorten Deckweiß.
Grüne Erde
Aquarell-artige:
B. NATÜRL.MINERALFARBEN • Grüne Erden (reine Sorten); Terra di Siena; Kreide u.
Gold Gips.
• Natürliches Ultramarin (gereinigter Lapislazuli).
Silber • Grünspan.
Auripigment / Realgar • Alle pflanzlichen und tierischen Farblacke, auch Car-
Bergzinnober min.
• Alle Pflanzensäfte (Saft- und Tüchleinfarben; nicht in
Hämatit der Liste enthalten, weil nicht auf Pigmenten beru-
Lapislazuli (roh) hend, sondern auf Farbstoffen; → 48- 50).
• Drachenblut und Indigo (reine Sorten).
Natürl. Ultramarin (gereinigt)
Azurit Aquarellfarben können durch Weißzusätze Gou-
ache-Charakter erhalten. Sie glänzen jedoch wegen ihres
Malachit
hohen Bindemittelgehalts stärker als echte Gouachefar-
ben. Eine Gouache kann man im umgekehrten Fall
C. KÜNSTL.MINERALFARBEN nicht einfach in eine Aquarellfarbe verwandeln. In
Flammruß Aquarellsortimenten sind dennoch auch von Natur aus
deckende Pigmente enthalten. Durch extrem feine
Aurum musicum Mahlung und hohen Bindemittel- und Weichmacher-
Bleiweiß zusatz wirken sie transparent und können in typischer
Aquarellmalweise verarbeitet werden.
Bleizinngelb (hell)
Mennige ENDE DES ERSTEN TEILS.
Zinnober
Grünspan
Kupferresinat
Eisenoxidbraun

D. PFLANZENFARBEN
Drachenblut
Waid-Indigo
Rebschwarz

E. TIERISCHE FARBEN
Carmin Naccarat
II. TEIL: MINERALISCHE PIGMENTE
21. Überblick über die mineralischen oder verbessern konnte: Gelber Ocker wurde durch
Brennen rot, Malachit durch Behandlung mit Essig
Pigmente: grüner, Azurit durch Pottasche blauer, Lapislazuli
Historische Pigmente sind meist anorganische Metall- durch eine aufwendige Behandlung reiner. Für die
verbindungen und werden aus Erden, Mineralien und Synthese von Zinnober aus Quecksilber und Schwefel
Metallen gewonnen. gibt es seit dem 8. Jahrhundert überlieferte Rezepte; das
A) Erdpigmente (→ 25) künstliche Produkt ist qualitativ besser und weniger
• gelber, roter, und brauner Ocker (→ 26) giftig (weil reiner) als das natürliche.
• grüne und weiße Erden (→ 28); Kreide (→ 27) Auch Flammruß sei unter den künstlichen Mineral-
• Umbra, natürlich und gebrannt (→ 29). pigmenten eingeordnet, obwohl man ihn (wegen seines
Ursprungs aus organischem Material) ebenso den orga-
B) Natürliche Mineralpigmente (→ 31) nischen Farbmitteln zuordnen könnte.
• Gold (→ 32) und Silber (→ 33)
• Auripigment und Realgar (→34 )
• Cinnabarit (→ 35) 24. Für die Pigmentgewinnung
• Hämatit (→36 ) geeigneteMineralien
• Lapislazuli (→37 ) Farbe: Das Pigment muß eine deutliche Eigenfarbe
• Azurit (→ 38) und Malachit (→ 39). zeigen, auch wenn es fein pulverisiert ist. Geeignete
Mineralien erkennt man an der sogenannten «Strich-
C) Künstliche Mineralpigmente
farbe». Man kratzt dazu mit dem entsprechenden Mine-
• Bleiweiß, Blei(zinn)gelb, Mennige (→ 41)
ral über eine unglasierte Porzellanoberfläche (z.B. den
• Zinnober (→ 42)
Unterboden einer Reibschale). Dabei soll durch Abrieb
• Aurum musicum (→ 43)
ein deutlicher, farbiger Strich entstehen. Den Strich von
• Grünspan und Kupferblau (→ 44)
Erdfarben kann man einfach auf dem Handrücken
• künstliche Eisenoxide (→ 45)
ausprobieren.
• Flammruß (→ 46).
Manche Mineralien (z.B. Sodalit, Türkis, Sugilit,
Rubin, Smaragd, Granat usw.) mögen zwar stark ge-
22. Definitionen färbt aussehen, haben aber eine nahezu weiße Strich-
Mineralien haben im Gegensatz zu Erden und Gestei- farbe. Sie würden dementsprechend nur ein weißes
nen eine klare chemische Struktur. Besonders reine Pigment liefern. Gewisse Mineralpigmente werden
Sorten von Mineralien können Kristalle bilden. beim Feinmahlen etwas heller (z.B. Azurit und Mala-
Gesteine sind Mischungen von Mineralien (Granit, chit), bei anderen intensiviert sich der Farbton hingegen
Porphyr und Lapislazuli sind Gesteine). (z.B. Cinnabarit und Hämatit).

Farberden sind weiche Gesteine, also ebenfalls Mine- Giftigkeit: Abgesehen von den Edelmetallen sowie
ralmischungen. Grüne Erde kann z.B. aus den Minera- Lapislazuli und Hämatit (und anderen Eisenoxidpig-
lien Glauconit und Seladonit bestehen, Ocker aus Eisen- menten) sind alle starkfarbigen natürlichen und künst-
oxiden, Tonerden und Sand. In der Natur kommen lichen Mineralpigmente giftig!
Erdpigmente in brockiger Form (als Sekundärmineral Das leuchtendgelbe Auripigment enthält bis zu 70 %
bzw. Verwitterungsprodukt) oder als Sediment vor. Arsen, der rote Cinnabarit besteht aus Quecksilbersul-
Farberden bestehen aus anorganischem Material, im fid und ist oftmals mit überschüssigem Quecksilber
Gegensatz zu Humus oder Braunkohle, die organischen verunreinigt, was ihn gefährlicher macht als künstlich
Ursprungs sind. hergestellter Zinnober. Die in der Malerei unverzichtba-
ren deckenden Weiß-, Gelb- und Orangetöne waren
23. Natürlich und künstlich früher nur durch giftige Bleiverbindungen zu gewinnen,
Künstliche Mineralpigmente sind keinesfalls erst seit und auch die Blau- und Grüntöne Azurit, Malachit und
der Entwicklung der modernen chemischen Industrie Grünspan sind durch die Kupferanteile wasser- und
bekannt. Bereits in der Antike stellte man einfache gesundheitsgefährdend. Gewisse Mineralien wären aus
Metallverbindungen, z.B. Bleiweiß, Bleigelb, Mennige, technischen Gründen zur Pigmentherstellung geeignet
Grünspan, Ägyptischblau usw. synthetisch her; später (z.B. das gelborange Bleichromat Crocoit und die leuch-
kamen Zinnober, Bleizinngelb und Aurum musicum tend gelben bzw. grünen Uranmineralien Torbernit und
dazu. Darüber hinaus sind zahlreiche Rezepte überlie- Autunit), müssen aber wegen des hohen Gesundheitsri-
fert, nach denen man Erden und natürliche Mineral- sikos gemieden werden (Bleichromate gelten als krebs-
pigmente durch «chemische» Behandlung umwandeln erzeugend; die letzten beiden sind radioaktiv!).
giftklassen: Die fehlenden reinen Gelb-, Rot- und Grüntöne
• Giftklasse 2 (sehr giftig): Auripigment, Realgar, können aus Pflanzenfarbstoffen gewonnen werden
Bergzinnober, Bleiweiß, Blei(zinn)gelb. (siehe drittes Kapitel), wobei es auch dort einige gibt,
• Giftklasse 3 (giftig): die nicht ganz ungiftig sind (→ 54).
Malachit, Azurit, Mennige, Grünspan. Für deckende Weiß- und Gelbtöne handelsübliches
• Mit Vorsicht zu handhaben: Deckweiß aus der Tube verwenden.
Zinnober, Aurum musicum.
Härte: Das Mineral darf nicht härter (bzw. zäher) sein
vorsichtsmassnahmen:
als das zum Zerreiben verwendete Werkzeug. Früher lag
Farben der Giftklasse 2 dürfen keinesfalls in die
die Grenze in der geringen Härte der Mörser aus Bronze
Hände von Kindern gelangen und sollten auch in Kur-
und Marmor. Sie waren für Mineralien wie Lapislazuli
sen nicht verwendet werden, da Teilnehmer immer
und Hämatit eigentlich zu weich. Nur Achatmörser
wieder Warnungen mißachten und das Material hin-
waren härter, aber gewöhnlich unbezahlbar. Heute
terher an Kinder weitergeben («Es sind ja Naturfar-
verfügen wir über Mörsermaterialien aus Stahl, Zirko-
ben!»). Der Gebrauch solcher Farben ist im industriellen
nium, Porzellan usw. und können damit auch verhält-
Maßstab seit einigen Jahren verboten. Wer als Maler
nismäßig harte Farbmineralien zerkleinern. Mit einer
oder Restaurator damit hantiert, muß sich der Risiken
Reibschale aus Porzellan (Härte 8) lassen sich alle geeig-
bewußt sein und die entsprechenden Sicherheitsvor-
neten Farbmineralien pulverisieren.
kehrungen treffen (Sauberkeit am Arbeitsplatz, Staub-
Die Härte von Mineralien wird im Allgemeinen nach
maske, Abzug). Das Entstehen von Farbstaub ist unbe-
der Mohs'schen Härteskala bestimmt (aufgestellt 1822
dingt zu verhindern, es darf keinerlei Kontakt mit
von F. Mohs). Die Härte wird durch Ritzen von Einzel-
Lebensmitteln entstehen, Farbreste dürfen nicht ins
kristallen ermittelt: Ein härteres Mineral ritzt ein wei-
Abwasser gelangen oder verbrannt werden. Bereits die
cheres; durch Vergleichsproben entsteht eine Skala
Lagerung größerer Mengen giftiger Mineralien oder
relativer Ritzhärten. Ein Mineral der Härte 4 ist nicht
Pigmente (Auripigment, Zinnober) kann im Fall eines
doppelt so hart wie eines der Härte 2, sondern es ritzt
Brandes einen ganzen Stadtteil vergiften. Da es unver-
lediglich ein Mineral der Härte 3, welches wiederum
meidlich ist, daß beim Pulverisieren, Anreiben und
das der Härte 2 ritzt. Es exisitiert eine moderne Skala
Malen (Malwasser!) Farbreste entstehen, müssen diese
absoluter Härten, aber die alte Mohs-Skala bleibt we-
in einem gesonderten Sedimentierbehälter gesammelt
gen ihrer Einfachheit weiterhin gültig.
und korrekt als Gift entsorgt werden.
Die Ritzhärte ist nicht immer in jede Richtung
Bei der Arbeit mit Kindern dürfen nur die folgenden,
gleich. Beim Zerkleinern eines Minerals ist die Härte
ungiftigen Mineralfarben verwendet werden:
auch nicht immer allein ausschlaggebend. Ein Pigment,
Alle Ocker (gelb, rot, violett, braun)
das zwar hart, aber spröde ist (z.B. ausgeglühter Lapisla-
Alle Kreiden, weißen und grünen Erden
zuli), läßt sich leichter pulverisieren als ein zwar wei-
Umbra natur und gebrannt (nicht ganz ungiftig)
ches, aber elastisches Mineral (z.B. Gold). Manche Mine-
Gold und Silber
ralien sind leicht spaltbar (z.B. Chrysocoll), andere
Lapislazuli
extrem zäh (z.B. Hämatit, das härteste der in der Male-
Hämatit
rei verwendeten Farbmineralien).
Graphit; Manganschwarz
Alle künstlichen Eisenoxidpigmente
Flammruß

Die Mohs'sche Härteskala mit den wichtigsten Farbmineralien:


Härte Einfacher Test Referenzmineral Farbmineralien Mörsermaterialien
1 Talk (=Speckstein) Graphit, Ocker, Umbra 1
2 Fingernagel ritzt bis Härte 2 Halit oder Gips Realgar; Auripigment 1,5 - 2
Grüne Erde 2
Cinnabarit 2 - 2,5
3 Kupfermünze ritzt bis Härte 3 Calcit Silber; Gold 2,5 - 3
Cerussit 3 - 3,5
4 Fluorit Azurit; Malachit 3,5 - 4 Bronzemörser 3 - 4
Marmormörser 3 - 4
Porphyrmörser max. 4
5 Apatit
6 Stahlspitze eines Taschenmessers ritzt bis Feldspat oder Orthoklas Lasurit/Lapislazuli 5 - 6 Stahlfeile, Stahlmörser,
Härte 6; Fensterglas wird geritzt von Mine- Schraubstockbacken 5 - 7
ralien ab Härte 6
7 Quarz Hämatit 6,5 Achatmörser 6 - 7
Zirkonkugeln 7,5
8 Topas Porzellanreibschale 8
9 Korund
10 Diamant
Quellen und Preise: Es ist nicht immer einfach, Farben, die schwierig zu vermalen sind, aber interes-
brauchbare Farbmineralien zu günstigen Konditionen sante Oberflächenstrukturen haben.
zu finden. Gold, Silber oder die Edelsteine Lapislazuli,
Spezifisches Gewicht: Leichte Pigmente führen
Malachit und Azurit sind zwar teuer, doch bereits ein
leicht zu schmierigen Farben, während schwere sich im
Gramm genügt für ein kleines Näpfchen Farbe.
Näpfchen und bei flüssigem Farbauftrag entmischen
Für die Pigmentgewinnung bieten sich z.B. Minera-
können. Besonders leicht sind gewisse Kreidesorten
lien an, die wegen Beschädigungen als Sammelobjekte
und Tonerden; schwer sind z.B. Bleipigmente und Zin-
ungeeignet sind, Abfälle aus der Schmuckwarenindu-
nober. Letztere sollten möglichst pastos verarbeitet
strie, zerbrochener Schmuck oder beschädigte kunstge-
werden.
werbliche Arbeiten (im Falle der Malachit-Aschen-
becher kann man etwas nachhelfen.) Eigenfunde sind Hygroskopizität: Pigmente, die Wasser aufnehmen,
sicher am faszinierendsten, doch auch gute Be- sind schwierig zu vermalen, blähen sich auf und
ziehungen zu Händlern oder Edelsteinwerkstätten schwinden beim Trocknen übermäßig, wodurch sich
sowie der Zugang zu großen Mineralienmessen müssen Risse bilden können. Hygroskopisch sind z.B. Grüne
gefunden werden. Gold- und Silberbarren bekommt Erde und Chrysocolla (beides Silikate).
man in jeder Bankfiliale; pulverisiert erhält man sie
Transparenz/Opazität: Pigmenteigenschaften, die
von Blattgoldfabriken.
auf die Lichtbrechung der getrockneten Malschicht
einwirken, sind vor allem aus künstlerischer Sicht von
weitere Pigmenteigenschaften:
Bedeutung. Gleiche Mineralien unterschiedlicher Her-
Die Oberflächenbeschaffenheit ist vor allem für
kunft und Reinheit können hier ganz unterschiedlich
den Bindemittelbedarf eines Pigments zuständig. Zer-
wirken (z.B. Lapislazuli geringer Qualität: opak; guter
klüftete Oberflächen (z.B. von Flammruß) nehmen viel
oder gereinigter Qualität: transparent). In manchen
mehr Bindemittel auf als glatte (z.B. Bleiweiß). Kristal-
Fällen können (Weiß-)Zusätze sinnvoll sein, wodurch
line Oberflächen (z.B. Azurit und Grünspan) ergeben
eine Farbe von der Art einer Gouache (→ 2) entsteht.
25. Vorkommen von Erdpigmenten
DIE BEKANNTESTEN LAGERSTÄTTEN VON FARBERDEN IN EUROPA:

Z E I CH EN E RK L Ä RU N G : Â 15
 Ocker (gelb, rot, violett usw.)
Ä Grüne Erde
Å Umbra
Á Graphit
À Kreide

Á24

O CK E R:
1 Bassin von Apt
2 Burgund 3 Siena
4 Elba 5 Korsika 6 Sardinien
7 Cavradi 8 Traversella
9 Ostpyrenäen 10 Sistema
À Íberico 11 Kastilien 12 Vogesen
26 13 Altenberg 14 Kreta 15 Kiruna
GR Ü NE ER D E N: 16 Monte Baldo
21Á
23 Á 27 À
17 Tirol 18 Mainfranken 19 Böhmen
13ÂÄ19 20 Zypern (auch UM BR A );
18 Ä G RA P HI T : 21 Bad Harzburg
12Â
22Á
22 Passau 23 Cornwall 24 Pargas
25ÀÂ2 KR E ID E: 25 Meudon b. Paris
26 Rügen 27 Sussex
7 Â Ä17
8 Â Ä16
Â1
4 Â Â3
Â9 5Â
 10
 11 6Â

Anmerkung:
Die Karte erhebt keinen
Anspruch auf Vollständigkeit! 14 Â 20ÄÅ
DIE ERDPIGMENTE (GRUPPE A)

26. Gelber, roter, brauner Ocker Andere Ockervorkommen: Im Burgund (Départe-


Ocker kommt praktisch überall vor, wo die Erdrinde ment de l'Yonne) wurde früher im Untertagebau ein
eisenhaltig ist. Teilweise handelt es sich um Meeres- Ocker von besonders hoher Reinheit gewonnen. Wegen
sedimente, die ursprünglich in Form von grüner Erde des feuchten Klimas wurde der Ocker in den bur-
auskristallisiert waren und sich erst im Lauf von Jahr- gundischen Ocrières in Fabriken, nicht unter freiem
millionen in rote, gelbe und schließlich weiße Ocker Himmel verarbeitet. Im Berry (Saint-Georges-sur-la
verwandelt haben. Prée) gibt es ebenfalls alte Ockervorkommen und sogar
Roter Ocker in Form von Pastellstiften heißt Rötel, ein Museum dazu.
als Bestandteil von Goldgründen nennt man ihn Bolus Auch Italien, Spanien, Deutschland, die Schweiz
und meint damit eine besonders feinteilige, «fettige» (Jura), England, die Türkei, Schweden und viele andere
Sorte. Länder sind reich an Ockern.

Die Ocker der Provence: Die bekannteste und Terra di Siena: Nur ein einziges der zu den Ocker
größte Lagerstätte der Welt ist das Bassin von Apt (Pro- zählenden Pigmente bildet transparente, lichtdurchflu-
vence), wo sich an zahlreichen Orten alte Gruben fin- tete Farbschichten, und zwar der Typus, der als Terra di
den, die im Tagebau und auch mit Hilfe von kilometer- Siena bezeichnet wird. Seine Gelbfärbung kommt eben-
langen, bis zu zwölf Metern hohen Stollen ausgebeutet falls von Eisenoxiden, doch ist die Zusammensetzung
wurden. In der Nähe des Dorfes Roussillon befindet eine andere, ähnlich wie Umbra (→ 29).
sich die Usine Mathieu, eine alte Ockerfabrik, die heute Cennino Cennini, Maltechniker der italienischen Renaissance,
als Museum betrieben wird. Es zeigt die verschiedenen beschreibt im 45. Kapitel seines «Libro dell'Arte» (um 1400) einen
Fundort zwischen Colle di Val d'Elsa und Cásore (Siena), den er in
Arbeitsgänge der frühindustriellen Ockerproduktion. seiner Jugendzeit mit seinem Vater, dem Maler Andrea Cennini,
Das Gebiet um Roussillon ist touristisch so stark besucht hat. Die im Text erwähnte Villa «Dometaia» existiert auch
erschlossen, daß die Mitnahme von Ockerproben an heute noch. Über eine Agriturismo-Agentur kann man darin Ferien-
wohnungen mieten. Nach Cenninis Text soll sich in einem Tälchen in
einigen Stellen inzwischen verboten ist. Man muß eini- der Nähe eine Grotte befinden, voll mit Erdfarben in gelben, roten
ge Kilometer weiter gehen, um z.B. in den verlassenen und sogar weißen, schwarzen und sogar blauen Tönen. Da die Gegend
Gruben bei Gargas fündig zu werden. Das größte zu- sich in 600 Jahren wenig verändert hat, könnte die Grotte in einem
der dichten Wälder durchaus noch existieren.
sammenhängende Ockerfeld dieser Gegend ist der soge-
nannte Colorado Provençal in der Nähe des Dorfes Ru- Die Fundstätten südwestlich von Siena werden heu-
strel. Senkrechte Ockerwände verschiedenster Färbun- te nicht mehr im industriellen Maßstab ausgebeutet,
gen wechseln sich mit wüstenartigen Abschnitten und und auch am nahegelegenen Monte Amiata ist der
dunklen, von kleinen Bächen durchflossenen Wäldchen Abbau seit etwa 1930 nicht mehr rentabel. «Terra di
ab. In den zahlreichen Becken und Rinnsalen der Boa, Siena» kommt heute meist aus Korsika, Sardinien und
des Hauptbachs dieses Tals, hat sich ein natürlicher, sogar England.
feiner Ockerschlamm abgesetzt, der in der Sonne leuch- Terra di Siena ist wegen ihrer Transparenz eine ideale
tendrot und gelb strahlt. Hinter der «Sahara» ist wäh- Aquarellfarbe. Sie nimmt deutlich mehr Bindemittel
rend des Ockerabbaus bis zur Mitte des 20. Jahrhun- auf als die anderen Ocker. Im gebrannten Zustand wird
derts ein regelrechtes Labyrinth aus kleinen Schluchten sie rotbraun, verliert ihre Transparenz und benötigt
entstanden. Die Regenerosion nagt an den weichen weniger Bindemittel.
Hängen; wegen Einsturzgefahr sind auch die meisten Auf der Suche nach Ockern
der insgesamt über 40 Kilometer langen Tunnels dieser Wer eine Wanderkarte richtig zu lesen weiß, findet
Gegend geschlossen. In einigen werden heute «Champi- allenthalben Hinweise auf mögliche Vorkommen an
gnons de Paris» angebaut. Farberden und -Mineralien. Schutthalden alter Minen-
Die Ocker der Provence sind meist stark mit Quarz- anlagen sind oft reich an interessanten Sekundärmine-
sand verunreinigt (bis zu 85 %) und werden traditionell ralien (Vorsicht vor Verletzung von Eigentumsrechten,
in großen Sedimentiergruben unter freiem Himmel baufälligen Anlagen, giftigen Schwermetallen und
geschlämmt. Gehandelt werden sie gewöhnlich als Gasen!). Ortsnamenforschung führt zu weiteren Spu-
sogenannte «Buchstabenocker». Ein Buchstabenocker ren: Begriffe mit Rötel-, Redel-, Rot-, Hütten- usw.
kann z.B. unter der Bezeichnung «JOLES» gehandelt können wertvolle Indizien auf Ockervorkommen sein
werden. Die Abkürzungen bedeuten: (ebenso wie «Hall» auf Salzvorkommen (Halit) hin-
J gelb (jaune) L gewaschen (lavé) weist). Auf französischen Karten achte man auf alles
O gold (or). T sehr (très) mit «rouge», in Italien denke man nur an die «colline
R rot (rouge) E extra metallífere», an «Montieri» (=mons aeris) usw. Weitere
S super
C hell (clair); Hinweise gibt die industriegeschichtliche und minera-
F dunkel (foncé) logische Literatur.
Es besteht ein großer Unterschied, ob ein Erdpigment
«von Hand» gesucht wird oder im industriellen Maß-
stab abgebaut wird: Für den Eigenbedarf kann man te, letzterer sedimentierte Formen bezeichnet. Auch der
gezielt Nester von farbstarken Mineralien aussuchen, Farbton von Grüner Erde ist nicht immer gleich. Im
weite Wege zurücklegen und auch an Orte gehen, wo Pigmenthandel werden graugrüne Sorten als Veroneser
die Ausbeute gering sein wird. Der industrielle Abbau Grüne Erde gehandelt (heute meist aus Zypern) und
muß jeden Tag Tonnen von Material verarbeiten und olivgrüne als Böhmische. Die Maler bevorzugten zum
vermischt dabei die einzelnen Nuancen zu einer stan- Malen von Hauttönen, Landschaften und Grisaillen
dardisierten Einheitsqualität. stets Grünerden von graugrüner Färbung.
Einen wegen der Vermischung verschiedenster Sorten Die Qualität einer Grünen Erde ist durch die Her-
entstandenen bräunlichen Durchschnittston erhält kunftsbezeichnung keineswegs definiert. Es gibt böh-
man auch, wenn man die natürlichen Sedimente aus mische und mainfränkische Sorten von reinstem Tan-
den Bächen als Pigment verwendet oder Proben von nengrün ebenso wie bräunliche Qualitäten aus der
Stellen nimmt, an denen das Regenwasser zusammen- Veroneser Gegend.
fließt. Viel besser ist es, rein gelbe, rote oder violette Ein klassischer Fundort für eine graugrüne Sorte ist
Brocken von den Ockerwänden abzugraben und zur die Gegend um den Lago di Garda. Bekannt ist vor allem
Pigmentgewinnung selber zu schlämmen. der Monte Baldo, eine Gebirgskette ohne klaren Gipfel,
der auf der Höhe der Nordkante des Gardasees beginnt
Das Brennen von Ocker: Gelber Ocker kann
und sich über 30 km nach Süden hin erstreckt. Grüne
durch Erhitzen in einem Brennofen oder über einer
Erden finden sich auch im benachbarten Valpolicella
Gasflamme (notfalls Teelöffel über Kerzenflamme) auf
und weiter nördlich in den Tiroler Bergen. Heute noch
etwa 350°C in sogenannten gebrannten Ocker verwan-
zugängliche Fundorte sind verschiedene aufgelassene
delt werden, der rot ist. Seine Farbe ist kräftiger als die
Steinbrüche bei Belluno Veronese, im Etschtal zwischen
der meisten natürlichen roten Ocker, so daß man auf
Dolcè und Peri (z.B. die sog. Cava del Prete), die Hügel-
jene im Prinzip verzichten könnte. Die Palette der na-
kette nördlich des Dorfes Prun im Valpolicella sowie
türlichen Ocker ist allerdings viel reicher als gelb und
das hinterste Bachbett an der Nordseite des Stausees Pra
rot: Zwischen Zitronengelb über Grünlichgelb, Grün-
da Stua, gelegen auf 1200 Metern Höhe im Monte Baldo-
lichbraun, Goldgelb, Orange, Hautfarben, Rot, Violett
Massiv.
und Braun kann man unzählige Tönungen von Ocker in
In der Westschweiz gibt es zahlreiche Vorkommen
der Natur finden. Alle diese Farben sind jedoch vergli-
von grünem Seladonit-Sandstein, der pulverisiert sehr
chen mit reinen Gelb- und Rottönen ein bißchen gebro-
nahe an helle grüne Erden herankommt. In den Mauern
chen, schwer und deckend, eben «erdig».
von Bern, Fribourg, Neuchâtel, Murten usw. sieht man
Auch andere Erdpigmente können durch Hitze ver-
diese Steine in großer Menge verarbeitet.
ändert werden: Grüne Erde wird beim Brennen rot-
Bekannt sind auch die grünen Erden von Marokko.
braun; natürliche grünliche Umbra verwandelt sich in
Im westlichen Atlasgebirge liegen ganze Berge davon
Dunkelbraun. Das Brennen hat Auswirkungen auf die
herum.
technische Beschaffenheit eines Erdpigments (Höhere
Nah verwandt mit den hellen Grünen Erden ist die
Korngröße, höhere Deckkraft, niederer Bindemittel-
Weisse Erde von Vicenza. Solche Pigmente sind transpa-
bedarf).
rent, leicht hygroskopisch und lassen sich hervorragend
27. Kreide mit organischen Farbstoffen einfärben. Sie sind deshalb
Kreide ist eine weiße Erde, die zum Beispiel als Ver- ideale Substrate für Farblacke (→ 51).
witterungsprodukt von Kalkstein vorkommt (diese
Sorte wird als Champagnerkreide, Rügener Kreide usw.
29. Umbra
verkauft). Wenn Schwefel darin gebunden ist, kommt
Umbra wird in den mittelalterlichen Rezepten für
sie als sogenannte Bologneser Kreide (= Gips) in den Han-
Malerei nicht genannt. Braune Töne mischte man lieber
del (benannt nach dem Bois de Boulogne). Kreide kann
aus Abfällen der Buntfarben oder Pflanzensäften, vor
man auch gewinnen, indem man Eierschalen, Sepiaschul-
allem durch die Verwendung von Rotholz. Als typische
pe, Korallen, Muscheln oder Schneckenhäuser pulverisiert.
Erdfarbe soll jedoch die Umbra hier erwähnt sein, vor
Kreide ist als weißes Pigment für die Buchmalerei
allem weil sie sich chemisch und farblich beinahe naht-
ungeeignet (zu pastos und transparent); Weiß aus pul-
los in die Lücke zwischen Terra di Siena und Grüner
verisierten Eierschalen wurde jedoch z.B. für Mischun-
Erde einfügt. Ähnlich wie Sieneser Erde ist Umbra eine
gen mit schwefelhaltigen Farben verwendet, die mit
Eisen-Manganverbindung; natürliche Sorten können
Bleiweiß unverträglich sind. Kreiden sind auch ein
farblich wie eine bräunliche Grüne Erde aussehen, ver-
wichtiges Pigment für Grundierungen, Goldgründe
wandeln sich jedoch beim Brennen in ein tiefes, dek-
sowie Pflanzenfarblacke, wo sie als Substrat dienen.
kendes Dunkelbraun. Hauptlieferant für Umbren ist
die Insel Zypern, doch auch in der Sieneser Gegend gibt
28. Grüne Erde es Vorkommen. Einen Zusammenhang zwischen Um-
Grüne Erde, ist mineralogisch nicht klar definiert. In bra («Schatten») und der Landschaft Umbrien scheint
manchen Büchern ist von den Eisensilikaten Seladonit nicht zu bestehen, da letztere von dem Umbrern, einem
und Glauconit die Rede, wobei ersterer auskristallisier- alten italischen Volksstamm, abgeleitet wurde.
30. Grundlegende Techniken für die Gewinnung von Erdpigmenten:

1 Pulverisieren (trocken) Durch die Zugabe von Wasser verhindert man er-
Man nehme eine Reibschale aus Porzellan und zer- stens die Entwicklung von Pigmentstaub und zweitens
drücke darin das Mahlgut. Dann zerreibe man es ohne das Herausspritzen von Mineralsplittern. Bei zu viel
nennenswerten Kraftaufwand in kreisförmigen, nie- Wasser weicht das Mahlgut aus oder schwappt über. Bei
mals schlagenden Bewegungen. zu wenig krümelt es oder klebt am Reibschalenrand.

3 Nass reiben und fluten: Einige Minuten weiter


verreiben; dann Reibschale mit Wasser fluten und
Flüssigkeit gut schwenken.

Erden lassen sich bequem in einer Reibschale pulve-


risieren. Für den Eigenbedarf genügen eine Reibschale
und zwei Marmeladengläser vollkommen zum Herstel-
len von Erdpigmenten. Ideal sind Reibschalen mit
Durchmessern zwischen ca. 12 u. 18 cm. Der Pistill sollte
lang genug sein, um gut in der Hand zu liegen. Wenn
die Reibschale zu voll ist, läuft sie beim Mahlen über.
Auch feinst in der Reibschale zerstoßener Minerali-
Zuwenig Mahlgut wird nicht effektiv zerkleinert und
ensand ist als Pigment für die Wasserfarbenmalerei
schadet der Reibschale, weil diese sich dann selbst
noch zu grob. Früher oder später kommt ein Punkt, an
glattschleift.
dem nichts mehr passiert. In diesem Moment müssen
die schon feinen Partikel durch Schlämmen vom noch
2 Netzen: Nach einigen Minuten so viel Wasser dazu- groben Mahlgut abgezogen werden:
geben, daß das Pigment bedeckt ist.
4 Abgiessen: Beim Einschwemmen von reichlich
Wasser entsteht eine Pigment- und Sandsuspension,
deren grobe Teile rasch zu Boden sinken, während die
feinen einige Zeit in Schwebe bleiben und durch Abgie-
ßen vom Groben getrennt werden können. Man gießt
also die pigmenthaltige Flüssigkeit aus der Reibschale
in ein Glas ab und hört auf, bevor der grobe Sand
kommt.
Die Feinheit des abgegossenen Pigmentschlammes
wird durch den Zeitpunkt bestimmt, an dem abgegos-
sen wird. Bei einem Erdpigment genügen 5–10 Sekun-
den, bevor abgegossen wird.
Siebe (bis 0.04 mm) kosten zur Zeit (2004) etwa 50
Franken.
Windsichten: Eine industrielle Methode zum Sieben
von Pigmenten, bei dem der (trockene) Pigmentstaub
durch Propeller aufgewirbelt wird und feine Gazesiebe
passieren muß.
5 Dekantieren:
Nun muß gewartet werden, bis sich das Pigment
abgesetzt hat.

frisch nach 3 h langsam abgießen aufhören, sobald


Pigment kommt.

Wasser abziehen.

Dies soll zügig geschehen, weil sonst die Flüssigkeit Das Wasser beginnt sich bereits nach einigen Minu-
außen an der Reibschale herunterläuft. Das Auffangglas ten zu klären, so daß schon nach ca. 5 Minuten Wasser
sollte groß genug sein, damit sowohl der Abguß als abgezogen werden kann. Da es noch feine Pigmentteile
auch das an der Reibschale Heruntergelaufene aufge- enthält, sollte es in den Kreislauf «Netzen - Naß verrei-
fangen werden kann. – Das Abgegossene kann nach ben - Fluten» zurückgeführt werden. Im Lauf der Zeit
Bedarf noch mehrmals in weitere Gefäße umgegossen wird so das zirkulierende Wasser mit Pigment angerei-
werden (stets unter Vermeidung des Bodensatzes), chert, ohne daß Pigment verlorengeht.
wobei zunehmend feinere, aber auch hellere und leich- Das Sediment verdichtet sich im Lauf von Stunden
tere, schmierigere Sorten entstehen. und Tagen zusehends. Dadurch kann immer wieder
Der grobe Rest geht zurück in die Reibschale (Stufe 1) klares Wasser oben abgezogen werden. Bei längerem
und wird von nun an naß weiter verrieben. Stehenlassen empfiehlt sich ein Deckel als Insekten-
Beim Schlämmen eines Gesteinspulvers oder Pig- schutz.
ments mit Wasser können zwei Ziele verfolgt werden: Zum Abgießen des Wassers sind Marmeladengläser
Erstens die Auftrennung ein- und desselben homogenen besser geeignet als Bechergläser mit Ausguß, da das
Minerals in feinere und gröbere Partikel. Dieser Prozeß Pigment beim Abgießen des Wassers an der Verengung
ersetzt das Sieben bzw. Windsichten (Erklärung siehe des Glases aufgehalten wird.
unten) des Pigments. Zweitens können beim Schläm-
men verschiedene, grob zerriebene Mineralien unter- 6 Trocknen:
schiedlichen spezifischen Gewichts (z.B. Sand und Im Glas verbliebenen Pigmentschlamm schwenken,
Ocker; Ocker und Tonerde) voneinander getrennt wer- bis alle Sedimente in Suspension sind. Dann auf ungla-
den. sierten Tonteller gießen. Nach dem Trocknen abschaben
Es steht keineswegs von Anfang an fest, ob nach dem und abfüllen.
Schlämmen die leichten, zuoberst abgegossenen Parti-
kel oder die schweren, zu Boden gesunkenen Teile ver-
wendet werden. Bei einem Sand- und Eisenoxidge-
misch (Ocker aus der Provence) sedimentiert der schwe-
re, unerwünschte Quarzsand und wird weggeworfen,
das Ockerpigment geht mit dem überfließenden
Schlämmwasser ab. Liegt jedoch ein Eisenoxid-
Tongemisch vor, wird die leichtere Tonerde abgegossen
und das zuerst sedimentierte, schwere Eisenoxid dient
als Pigment und muß separat feingemahlen und ge-
schlämmt werden.
Sieben: Ein einfaches Teesieb ist für Pigmente zu grob.
Die Korngröße von mineralischen Pigmenten kann
etwa zwischen 0.01 und 0.2 mm liegen; entsprechende
Das Trocknen auf dem Tonteller ist eine wirksame filter mit Filterpapier oder auch einfach ein flach auf
Methode, um das Restwasser aus dem Pigment- eine Zeitung gelegter Papierfilter. Hitzebeständige Pig-
schlamm zu entfernen. Trockener, unglasierter Ton, der mente können ohne Weiteres auch durch Kochen de-
zwischen 800 und 950°C gebrannt ist, saugt das Wasser hydriert werden.
innerhalb weniger Minuten auf, ohne daß das Pigment Die meisten Pigmente klumpen beim Trocknen stark
daran haften bleibt. Die Trocknung verzögert sich stark, zusammen. Um ein pulverförmiges Pigment zu erhal-
wenn der Tonteller einmal mit Wasser gesättigt ist und ten, muß man es noch einmal trocken in der Reibschale
nach unten zu nässen beginnt (auf Zeitung stellen). Zum zerkleinern.
schnellen Weitertrocknen Pigmentschlamm auf neuen Man kann das Pigment auch in feuchtem Zustand
Teller geben oder den Teller auf die Heizung stellen. Das aufbewahren, da es sich dann leichter mit Bindemitteln
trockene Pigment wird vorsichtig abgeschabt und zur und Zusatzstoffen benetzen läßt. Möchte man jedoch
Weiterverarbeitung staubgeschützt aufbewahrt. Eine die Pigmente zur Befolgung von Rezepten abwiegen,
Alternative zum Tonteller ist ein gewöhnlicher Kaffee- müssen sie vollständig getrocknet sein.

31. Die Vorkommen von natürlichen Farbmineralien


in mittel-und Südeuropa:

A U R I P I G M E N T : 1 Vesuv 2 Alscher (Mazedonien) 3 Binntal


È È
B E R G Z I N N O B E R : 4 Almadén 5 Monte Amiata 6 Idrija
7 Moschellandsberg (Pfalz).
È Ç A Z U R I T : 8 Chessy 9 Rumänien (versch.Orte) 10 Mechternich
È 11 Wallerfangen (Saarland) 12 Wolfach
(Schwarzwald) 13 Altenmittlau (Spessart)
14 Lavrion (auch Malachit).
Æ Ç M A L A C H I T : 8 Chessy 15 Elat.
ÈÉ È
Ç Æ
Æ
ANMERKUNG:
Ç Die Karte erhebt keinen
Anspruch auf Vollstän-
È digkeit!

Ze i ch en e rk l ä ru ng :
Æ Auripigment und Realgar
Ç Bergzinnober
È Azurit
É Malachit
É
NATÜRLICHE MINERALPIGMENTE (GRUPPE B)

32. Gold 33. Silber


Gold in seiner reinen metallischen Form wird auf Ähnlich wie Gold wird auch Silber in Blatt- und
zwei Arten in der Malerei verwendet: Zum einen in Pulverform verarbeitet. Da es bedeutend spröder als
Form von Blattgold, bis zu 1/10 000 mm dünn ausge- Gold ist, läßt es sich im ersten Falle viel weniger dünn
hämmerte Goldblättchen. Sie müssen auf einen Haft- ausschlagen und im zweiten Fall leichter pulverisieren.
grund appliziert werden, für dessen Zusammensetzung Obwohl Silber als Edelmetall angesehen wird, kann es
zahlreiche Möglichkeiten existieren. Die Blattvergol- durch die Schwefelbestandteile der Luft schwärzen und
dung soll an anderer Stelle behandelt werden. unansehnlich werden. Es empfiehlt sich, Blattversilbe-
Die zweite Art der Verwendung von metallischem rungen mit einem feinen Bindemittelfilm zu überzie-
Gold besteht darin, es zu Pulver zu vermahlen und dann hen, auch wenn dadurch ein Teil des Glanzes verloren
als Pigment zu verwenden. Das Pulverisieren von me- geht. Dadurch wird die Oberfläche besser gegen korro-
tallischem Gold erscheint leichter, als es ist. Gold hat dierende Einflüsse geschützt. Gut gebundene Silberfar-
zwar auf der Mohs'schen Härteskala bloß eine Ritzhärte ben und –tuschen schwärzen bedeutend weniger, da
von höchstens 3, zeichnet sich aber durch eine hohe die Pigmentteilchen von Bindemittel umgeben werden
Elastizität aus. Ohne diese wäre es gar nicht möglich, es und dadurch weniger Kontakt mit der Luft haben.
zu derart feinen Folien zu verarbeiten, wie es bei der
Blattgoldherstellung der Fall ist. Beim Versuch, es in 34. Auripigment und Realgar
einer Porzellan-Reibschale zu zerkleinern, erhält man Das leuchtendgelbe Auripigment und der orangerote
höchstens eine vergoldete Schale, aber kein Pigment. Realgar kommen meist in ein- und demselben Mineral
Auch Blattgold läßt sich auf diese Weise höchstens zu vor; beide sind Arsensulfide und neben dem Bleiweiß
schmierigen Goldflöckchen zerkleinern, die zudem die giftigsten Farben der Buchmalerei (Giftklasse 2).
noch überaus teuer sind (Ein Quadratmeter Blattgold, Früher wollte man nicht darauf verzichten, weil das
also über 150 Blätter im Format 8×8 cm, wiegt nicht Gelb des Auripigments bestechend schön und deckend
einmal 2,5 Gramm und kostet etwa 300 Franken, mehr war.
als das 7-fache des Goldwertes). Das Mineral ist erstaunlich leicht zu erwerben und
Um Blattgold zu pulverisieren, kann man es trocken meistens sehr billig (wenige Franken pro Stück). Trok-
mit Salzkristallen zusammen vermahlen. Es geht auch kenes Zerkleinern in der Reibschale ist absolut tabu, da
naß, sofern man nur mehr Salz verwendet, als sich in der entstehende Farbstaub beim Einatmen hochgiftig
der betreffenden Wassermenge lösen kann (eine gesät- ist. Da das Mineral beim Zerreiben einen starken
tigte Salzlösung enthält zwischen 36% und 39% Salz). Schwefelgeruch abgibt, ist die Gefahr einer unbewußten
Nach gründlichem Reiben wirft man das Mahlgut in Vergiftung allerdings relativ gering.
einen Behälter mit reichlich sauberem Wasser. Das Neben dem leuchtendgelben Auripigment wirkt
Gold wird rasch absinken; das Salz geht in Lösung und Realgar leicht orange. Da der Farbton aber nicht sehr
kann zusammen mit der Flüssigkeit behutsam abgegos- haltbar ist und im Lauf der Zeit, wie auch schon beim
sen werden. Es muß mehrmals nachgewaschen werden, Feinmahlen, zu Gelb tendiert, hat Realgar als Pigment
bis das Gold keinen schwärzlichen Saft mehr abgibt. keine große Bedeutung.
Ein kleiner Goldbarren kann mit Hilfe einer Feile zu Mittelalterliche Quellen erwähnen Realgar als Maus-
Feilspänen zerkleinert werden, doch sind diese als Pig- gift und als konservierenden Zusatz für Bindemittellö-
ment noch viel zu grob. Leider bringt auch das Reiben sungen.
mit Salz nicht das gewünschte Resultat. Die übliche
Methode, Goldpigment zu gewinnen, war früher fol-
gende: Gold wurde mit Quecksilber zusammenge- 35. Cinnabarit
schmolzen und bildete dabei ein sprödes Amalgam. Es Natürlichen Zinnober findet man im spanischen
konnte mit den üblichen Reibwerkzeugen fein pulveri- Almadén, in der Pfalz, am Monte Amiata sowie in
siert werden, meist unter Zugabe von Ammoniumchlo- China. Die Fundstücke unterscheiden sich stark in Form
rid. Danach wurde das Quecksilber durch behutsames und Farbe. Letztere kann von blutrot bis rotbraun vari-
Erwärmen verdampft; das verbleibende Goldpigment ieren. Als Quecksilbersulfid wird es trotz seines relativ
wurde mehrere Male gründlich gewaschen. Wegen der stabilen und dadurch reaktionsträgen Moleküls der
Giftigkeit metallischen Quecksilbers ist von dieser Giftklasse 2 zugeordnet. Das Zerreiben ist wegen der
Methode abzuraten. relativ geringen Härte des Minerals kein Problem, sollte
Echte Gold-Wasserfarbe ist als sogenanntes «Mu- aber sehr lange und gründlich geschehen, weil sich der
schelgold» fertig angerieben im Handel; es wird jedoch Farbton verbessert, je feinkörniger das Pigment ist.
nicht mehr in Muscheln, sondern in Plastiknäpfen Bei gewissen Sorten von Zinnober besteht beim Mah-
verkauft. Goldfarbe kann auch mit Wasser verdünnt als len die Gefahr des Freiwerdens von Quecksilberdämp-
Goldtusche verarbeitet werden. fen. Bereits im Mittelalter wußte man Zinnober künst-
lich herzustellen und hatte damit ein reineres und trag durch ihre Transparenz nahezu schwarz erscheinen.
zuverlässigeres Produkt zur Verfügung. Um deckende Farbflächen damit zu malen, empfiehlt
Zinnober wird überhaupt nicht geschlämmt, weil sich die Zugabe von ganz wenig Deckweiß.
das Pigment viel zu schwer ist. Beim Waschen werden
mit dem abgehenden Wasser höchstens eventuelle 38. Azurit
Verunreinigungen herausgelöst. Das Pulverisieren des Azuritmineralien haben sehr vielfältige Formen, von
Pigments geschieht durch konsequentes Feinmahlen. hellblauen Brocken über blauen Sand, nadelige Geoden
bis hin zu schwarzen Kristallen, die im Durchlicht
36. Hämatit («Blutstein») strahlendblaue Reflexe abgeben. Kugelförmige Aggrega-
Reine Mineralien aus Hämatit sehen schwarzglän- te (Geoden) erscheinen auf den ersten Blick meist wun-
zend aus. Geschliffene und polierte Rohsteine (Trom- derbar rein, sind es aber oft nur auf der Oberfläche,
melsteine) oder mit einem Holzgriff gefaßte Hämatite während das Innere aus massivem Malachit besteht.
eignen sich hervorragend zum Polieren von Blattgold. Manche Verunreinigungen lassen sich leicht aus dem
Die Strichfarbe des Minerals ist jedoch braunviolett und grob zermahlenen Azuritsand herauslesen oder -
das daraus gewonnene Pigment kann bis zu einem waschen, manchmal muß man jedoch beim Feinmah-
kräftigen Rotbraun tendieren. len eine deutliche Verschlechterung in Kauf nehmen.
Hämatit ist das härteste der traditionell in der Die reinste Qualität von Azurit sind die schwarzen
Buchmalerei verwendeten Farbmineralien. Da er aber Kristalle, die heute meist aus Tsumeb (Namibia) kom-
relativ spröde ist, kann man ihn mit einem starken men, aber manchmal läßt sich auch aus blaßblauen
Schraubstock zertrümmern und die abgesiebten feinen Brocken ein wunderbar reines Dunkelblau gewinnen.
Teile in einer Porzellan-Reibschale fein verreiben. Das Marokkanischer Azurit ist oftmals mit roten Ockern
Zerreiben geht trocken am besten; erst wenn sich die durchsetzt und ergibt selten ein reines Blau.
Farbe von grauviolett in rotbraun verwandelt, kann Das Zerreiben von Azurit ist relativ einfach, da das
man zum Feinmahlen und Abschlämmen etwas Wasser Mineral nicht sehr hart und ziemlich spröde ist. Einfa-
dazugeben. Das anfangs braunviolette Pigment wird ab ches Zerdrücken im Bronzemörser oder Schraubstock
einer gewissen Kornfeinheit plötzlich ziegelrot und hat und anschließendes Feinmahlen in der Reibschale
dann eine erstaunliche Farbtiefe. Trotz des hohen Ge- genügt; der entstehende Staub sollte nicht eingeatmet
wichts der Rohmineralien setzt sich feines Hämatit- werden, da leicht giftig. Am besten bindet man das
pigment beim Dekantieren nur sehr langsam ab. Pulver beizeiten mit Wasser und zerreibt es naß.
Im Gegensatz zu den roten Ockern ist Hämatit frei Azurit ist eine Ausnahme, was das Schlämmen des
von Tonerden; er besteht praktisch zu 100 % aus reinem Pigments betrifft. Anstatt mit Wasser empfiehlt sich
Eisenoxid. Es ist dadurch viel deckender als Erdfarben die Verwendung von heißer Lauge, welche Verunreini-
und läßt sich auch feiner und dichter auftragen. gungen herauslöst und den Blauton des Azurits ver-
stärkt. Dieses sogenannte «Temperieren» des Azurits ist
37. Lapislazuli restauratorisch nicht ganz unbedenklich, weil ein sol-
Lapislazuli ist ein Gestein: Es ist ein Gemisch mehre- cherart verbesserter Azurit möglicherweise den Be-
rer Mineralien, hauptsächlich aus blauem Lasurit, gold- schreibstoff schädigen kann, vor allem wenn ammo-
glänzendem Pyrit und weißem Marmor. Ganz selten niakhaltige Laugen verwendet werden.
und besonders teuer sind reine Lasurit-Kristalle; für die Was beim Schlämmen von Azurit abgegossen wird,
Pigmentgewinnung sind sie zu kostbar. ist stets Abfall oder zumindest mindere Qualität; der
Die beste Qualität an Rohsteinen zur Pigmentge- gute Azurit ist der Rest, der in der Reibschale bzw. im
winnung kommt heute wie früher aus Afghanistan. An ursprünglichen Schlämmgefäß verbleibt. Dieses Vorge-
größeren Mineralienmessen kann man Lapislazuli von hen entspricht der Technik des Goldwaschens: Hier ist
afghanischen und pakistanischen Händlern für Preise es der leichtere Flußsand, der aus den Waschpfannen
zwischen zehn Rappen und sechs Franken (Stand: De- geschwemmt wird, während die schwereren Goldnug-
zember 2003) pro Gramm (je nach Qualität) kaufen. Für gets darin liegenbleiben.
die Buchmalerei genügen wenige Gramm reinster Qua- Dunkelblau bleibt der natürliche Azurit nur bis zu
lität, um damit ein Jahr lang zu malen. einer gewissen Korngröße, mahlt man ihn sehr fein,
Wegen der besonderen Härte und Zähigkeit des tendiert er zu hellblau bis graugrün, auch nachdem er
Lapislazulis war die Gewinnung des Pigments früher mit Bindemittel versetzt wurde. Eine gewisse «Sandig-
sehr schwierig, da die meisten Mörsermaterialien eher keit» muß also beim Malen in Kauf genommen werden,
weicher waren als der Rohstein. Heute ist es mit Hilfe ist aber in der getrockneten Farbschicht sehr reizvoll, da
eines starken Schraubstocks und einer guten Porzellan- die Kristallsplitter, vor allem wenn sie schwach gebun-
Reibschale allerdings einfacher. Die Anleitung zum den sind, ein vielfältiges Glitzern von sich geben.
Gewinnen des Lapislazuli-Pigments findet sich im 40. Zum Aufmalen von Azurit sind unbedingt alte Pinsel
Abschnitt. oder solche mit synthetischen Haaren zu verwenden, da
Lapis bester Qualität sowie gereinigter Lapislazuli Azurit wegen seiner scharfkantigen Pigmentpartikel
(natürliches Ultramarin) können bei dickem Farbauf- und chemischer Eigenschaften ein typischer «Pinsel-
mörder» ist. Die erste Farbschicht sollte ziemlich dünn tischset oder einen Aschenbecher aus massivem Mala-
und flüssig sein; der weitere Farbauftrag muß in meh- chit, den man nur noch zerschlagen muß.
reren Schichten geschehen, wobei eine neue Schicht erst Malachit spaltet sich in Schichten und Plättchen,
nach dem vollständigen Trocknen der unteren erfolgen wenn man ihn im Schraubstock zerdrückt. In der Por-
darf. zellanreibschale ist er relativ einfach zu zerkleinern;
sobald es staubt, sollte man allerdings etwas Wasser
39. Malachit dazugeben, damit man den giftigen Staub nicht einat-
Malachit ist ein relativ häufiges Kupfermineral, das met.
in zahlreichen Formen vorkommt und massive Schich- Das bläulich-blaßgrüne Pigment kann verschönert
ten von bis zu etlichen Tonnen Gewicht bilden kann. werden, indem man es ein paar Tage mit Essig «tempe-
Der wichtigste Lieferant für Malachit sind der Kongo riert», was eine teilweise Umwandlung des Malachits in
und Zaire; zu Mobutus Zeiten wurden geschliffene Grünspan zur Folge hat und den Farbton vertieft. Beim
Schmucksteine, geschnitzte Frösche, Pferde und Elefan- Temperieren wird der Malachit dunkler und bläulicher,
ten in staatlichem Monopol in so großen Mengen ge- sofern man den Essig über dem Pigment eintrocknen
handelt, daß es fast schwieriger war, unverarbeitete läßt. Solange die Mischung noch feucht ist, ist der Vor-
Rohsteine zu finden. gang reversibel, indem man das Malachitpgment mit
Viele der erhältlichen Malachitbrocken sind prak- reichlich Wasser auswäscht. Temperierter Malachit
tisch rein, so daß es selten nötig ist, Verunreinigungen kann Grünspanfraß verursachen. – Mischungen mit
herauszulesen. Am günstigsten ist Malachit, wenn man Blei(zinn)gelb ergeben warme, reine Grüntöne.
sich bei Großhändlern einen Beutel sog. Trommelsteine Ebenso gebräuchlich war früher das Mischen oder
kauft, sogenannte «Handschmeichler», die einen festen Überfärben des Pigments mit gelben oder grünlichen
Platz im Sortiment von Esoterikläden haben. Man be- Pflanzenfarbstoffen, z.B. mit Safran, Rautenkrautsaft
kommt das Kilo schon für rund 20.- bis 50.- Franken, oder Kreuzdornextrakt. Die pflanzlichen Säfte können
während im Laden ein einzelnes Stück davon bis zu 15.- aber auch einfach als dünne Lasuren über die getrockne-
Franken kosten kann. Mit ein wenig Glück findet man te Malachit-Malschicht gepinselt werden.
in einem Ramschladen auch manchmal ein Schreib- Malachit ist ein Pinselmörder; alte Pinsel verwen-
den!

40. Grundlegende Techniken für die Gewinnung von mineralischen Pigmenten

Mineralien bis zur Härte 2.5 können theoretisch


genau wie Erdfarben unmittelbar in der Reibschale
pulverisiert werden (→ 30). Auripigment, Realgar und
Cinnabarit dürfen auf keinen Fall trocken verrieben
werden! Durch Wasserzugabe kann das Freiwerden des
giftigen Staubes verringert werden, jedoch ist allerhöch-
ste Vorsicht geboten.
Die anderen (Hämatit, Lapislazuli, Azurit und Mala-
chit) sind für unmittelbares Verreiben zu hart. Sie müs-
sen zuvor mit anderen Mitteln zerkleinert werden. Bei
Hämatit, Azurit und Malachit muß dies rein mecha- Sind die einzelnen Brocken zu groß zum Durchglü-
nisch geschehen (Bronzemörser, Hammer oder hen, sollten sie vorher mit einem Hammer oder
Schraubstock). Bei Lapislazuli gibt es einen Trick: Schraubstock (s.u.) zerkleinert werden.
Statt auf der Lötflamme wurde Lapis früher gemäß
1 Das Verspröden von Lapislazuli Bologneser Manuskript bis zu 10 Stunden auf Kohlen
Man faßt den Stein mit einer Zange und erhitzt ihn ausgeglüht. Der Versuch zeigt, daß eine halbe Stunde
bis zur Rotglut in einer Lötflamme. Dies ist eine Opera- vollkommen ausreicht. Die erforderliche Temperatur
tion, die man sich nur mit echtem, möglichst reinem liegt bei etwa 650°C. Auch beim Abbau in den Minen
Lapislazuli erlauben darf, da andere Farbmineralien, wurden Feuer zum Verspröden des Gesteins eingesetzt.
z.B. Azurit, bei solchen Temperaturen verbrennen wür- Das Ausglühen des Lapislazulis hat drei Effekte:
den! Das Ausglühen war deshalb früher auch eine Erstens wird der ganze Stein durch den nachfolgenden
Echtheitsprobe. Kälteschock (s.u.) von unzähligen Rissen durchzogen
Es gibt einfache Aufsätze auf Camping-Gas-
und lässt sich leichter zerkleinern. Zweitens vertieft sich
Ampullen, die Temperaturen bis zu 1750°C erlauben. Es
der blaue Ton des Lasurits. Drittens werden die im Lapis
dauert nur einige Minuten, bis der ganze Stein hellrot
enthaltenen, nicht blauen Bestandteile verändert: Der
glüht.
Pyrit verwandelt sich in ein schwärzliches bis rostrotes
Eisenoxid und wird durch das nachfolgende Schläm-
men teilweise abgeschieden. Der ebenfalls enthaltene Am besten geschieht das Zerkleinern mit Hilfe eines
Calcit wird in gebrannten Kalk verwandelt und geht Schraubstocks. Um die wegspringenden Splitter alle
beim Abschrecken (mit Wasser, vor allem aber mit aufzufangen, sollte man eine Auffangvorrichtung aus
Essig) teilweise in Lösung. Karton konstruieren und beim Schrauben die Hand
Den glühenden Stein wirft man sogleich in ein Glas darüberhalten.
mit möglichst kaltem Wasser. Manche Quellen emp- Auch die härtesten Mineralien haben eine Richtung,
fehlen statt Wasser die Verwendung von starkem, wei- in die sie sich leicht teilen. Stimmt die Spaltrichtung,
ßem Essig, welcher die Abbauprodukte des Pyrits auflö- bekommt man mit einem mittelschweren Schraub-
sen soll. Gleichzeitig warnt die Literatur davor, den stock jedes Farbmineral klein (auch Hämatit).
Lapislazuli mit Säuren in Berührung zu bringen, da er Die Backen des Schraubstocks sollten vor Gebrauch
sich dabei entfärben kann (Sogenannte «Ultramarin- mit einer Zahnbürste gereinigt und entrostet werden.
krankheit»). Im Versuch zeigt sich, daß ausgeglühtes Auch lohnt es sich, die Umgebung sauber zu halten, da
Lapislazulipulver, das in ein Glas mit Putzessig gewor- immer wieder Gesteinssplitter wegspringen oder zu Bo-
fen wird, innerhalb weniger Minuten weiß wird. Man den fallen. Es empfiehlt sich nicht, den Stein zum Zer-
beschränke also die Essigbehandlung auf wenige Se- kleinern im Schraubstock direkt einzuwickeln (z.B. in
kunden oder sehe ganz davon ab und verwende reines, Papier oder Leder), da die Umwicklung beim Zerquet-
möglichst eiskaltes Wasser. Je größer der Temperatur- schen sehr schnell zerrissen wird und sich einzelne
unterschied, umso stärker der Effekt. Ein durch und Fasern davon mit dem Steinmehl mischen.
durch rotglühender Stein zerbricht im Wasser schon So lange man die Splitter noch fassen kann, wieder-
von selbst in mehrere Teile; oft läßt er sich sogar von hole man den Vorgang des Zerdrückens im Schraub-
Hand zerkrümeln. stock. Was durch ein grobes Sieb paßt, kommt zum
Das Glühen und Abschrecken kann gegebenenfalls Feinmalen direkt in die Reibschale.
mehrere Male wiederholt werden. Nach dem Trocknen
läßt sich der ausgeglühte Stein leicht mit metallenen
Werkzeugen zerkleinern.

Das Sieben ist nicht unbedingt notwendig, aber bei


Gruppenarbeit sinnvoll, wenn schnell ein Ergebnis
erzielt werden soll, oder wenn nur eine relativ kleine
Reibschale (bis ca. 15 cm Durchmesser) zur Verfügung
steht. Das Sieb kann recht grob sein (Maschenweite 3-4
mm).
Früher wurden Farbmineralien in Bronzemörsern
zerstoßen. Es gibt auch Stahlmörser mit genau passen-
dem Stößel, auf den man mit dem Hammer schlagen
kann. Bei Stahlmörsern wird durch den Luftdruck im
engen Kanal trotz der verschraubbaren Dichtung fein-
ster Farbstaub nach oben geblasen, was vor allem bei
giftigen Pigmenten riskant ist.
2 Das Zerkleinern von Lapislazuli (und allen
anderen harten Farbmineralien):

Bronzemörser Stahlmörser
3 Das Zerreiben in der Reibschale Die Lapis-Reinigungspaste beruht auf der Beobach-
Der grob zerquetschte Stein kann daraufhin in einer tung, daß das Lapislazulipigment hydrophil (wasserlie-
Porzellan-Reibschale weiter pulverisiert werden. bend) ist, während die anhaftenden Fremdmineralien
Die obere Korngröße des Mahlgutes hängt von der lipophil (fettliebend) sind. Sie werden daher von der
Größe der Reibschale ab. In Reibschalen ab ca. 15 cm Knetmasse festgehalten, während das blaue Pigment
Durchmesser kann Splitt bis ca. 3 mm Teilchengröße sich im Wasser absetzt. Ein funktionierendes Rezept für
bequem zerrieben werden. das Pastillum findet sich in Cenninis «Libro dell'Arte»
Um zu verhindern, daß beim Reiben in der Reib- (Kap. 62; hier vereinfacht):
schale Steinbrocken herausspringen, empfiehlt sich die
• Lapislazuli-Pulver 4 Gewichtsteile
Verwendung einer Kartonmanschette, die über den
• Fichtenharz oder Kolophonium 2 Gewichtsteile
Pistill gesteckt wird.
• Mastix 1 Gewichtsteil
• Bienenwachs 1 Gewichtsteil
Wachs, Mastix und Harz werden (in dieser Reihen-
folge) zusammen in einem Topf geschmolzen. Zur Prü-
fung der Konsistenz läßt man einen Tropfen davon in
kaltes Wasser fallen. Die Masse soll sich danach gut mit
den Fingern kneten lassen, ohne auseinanderzufallen. –
Dann streut man das Lapislazuli-Pulver in die ge-
schmolzene Masse ein, rührt gründlich um und schüttet
alles in ein Becken mit kaltem Wasser. Mit den Händen
formt man eine Kugel daraus, die man beliebig lange
aufheben kann. Vor der Weiterverarbeitung soll man
sie etwa zwei Wochen im Wasser liegen lassen; manche
Rezepte empfehlen, das Wasser jeden Tag auszuwech-
Bei manchen Mineralien (Lapislazuli, Azurit, Grüne seln.
Erde) lohnt es sich, während dem Mahlen mit einer Um das Blau zu extrahieren, füllt man eine Schüssel
feinen Pinzette Verunreinigungen von Fremdmineralien mit handwarmem Wasser und legt die Kugel zum
herauszulesen. Weichwerden hinein. Dann soll man sich die Hände
Wer größere Mengen an Pigment gewinnen will, mit Leinöl einsalben, damit die Masse nicht an den
schafft sich am zweckmäßigsten ein paar Kugelmühlen Fingern kleben bleibt. Das Pastillum wird dann wäh-
an, verschließbare, zylindrische Porzellanbehälter, in rend einiger Zeit im Wasser mit der Hand geknetet. Das
die zusammen mit dem Mahlgut einige unglasierte erste Blau, das sich am Boden absetzt, ist die beste Qua-
Porzellankugeln gegeben werden. Das Gefäß wird auf lität und wird mit dem Wasser beiseite gestellt, um
eine Vorrichtung aus zwei rotierenden Achsen gelegt, sich abzusetzen. Währenddessen knetet man mit neu-
wo es sich während einiger Tage dreht und jedes fremde em Wasser weiter, solange das Pastillum Ultramarin
Material bis ca. Härte 7 pulverisiert. Es gibt auch Ku- abgibt. Die Qualität sinkt bei den weiteren Auszügen
gelmühlen aus Stahl (mit Zirkonkugeln), Glas und sogar rapide ab; das restliche Pastillum kann mit kochendem
Gummi, welche mit verschiedenen Sorten von Schleif- Wasser aufgelöst werden und schwimmt nach dem
körpern aus Keramik betrieben werden können. In der Abkühlen auf der Wasseroberfläche. Wenn es gelingt,
Industrie sind diverse elektrische Mühlen zum Pulveri- das abgesunkene Blaugrau von den öligen Substanzen
sieren von Steinen in Gebrauch. zu trennen, gewinnt man die sogenannte «Ultramarina-
Die weiteren Arbeitsgänge beim Pulverisieren, sche».
Schlämmen und Waschen von Farbmineralien entspre- Die Ausbeute an gutem Pigment liegt (bezogen auf
chen den im Abschnitt 30 beschriebenen Vorgängen. das Gewicht des ursprünglichen Steins) etwa zwischen 5
% und 30 %.
4 Weitere Methoden zur Reinigung von
Lapislazuli-Pigment Von diesem Rezept existieren zahlreiche Varianten,
Im Spätmittelalter tauchen erste Rezepte zur «che- bei denen unter anderem Holzaschen, Ammonium-
mischen» Reinigung von Lapislazulipigment auf, um chlorid, Honig, Tonerde, Eidotter, Pech, Gummiwasser
daraus das reine Ultramarin zu isolieren. Man vereinig- und verschiedene Öle zur Anwendung kommen. Mo-
te dazu das feingemahlene Pigment mit einer Masse aus derne Vereinfachungen empfehlen z.B., das Lapispulver
Harz, Wachs und Öl, welche man «Pastillum» nannte. einfach mit einer Wasser/Ölmischung aufzuschütteln
Wurde diese Mischung danach in lauwarmem Wasser und die Suspension in einen Scheidetrichter zu geben,
oder schwacher Lauge mit den Händen geknetet, trat bis sich die Bestandteile getrennt haben und man das
das Blau aus der Masse aus und setzte sich im Wasser Pigment unten ablassen kann. Das Pigment kann mit
ab, während die Verunreinigungen (Marmor- und Pyri- heißer Lauge von anhaftenden Ölresten gereinigt wer-
treste) in der Knetmasse hängen blieben. den.
KÜNSTLICHE MINERALPIGMENTE (GRUPPE C)

41. Die Bleipigmente: Bleiweiß, frischen Pferdemist einbringt, möglichst mit einer
kleinen Menge uringetränktem Stroh.
Bleigelb, Bleizinngelb, Mennige Auf der Oberfläche des Bleies bildet sich eine weiße
Bleiweiß kommt als natürliches Mineral vor (Cerus- Patina, die man nach dem Trocknen abschaben und
sit), doch die künstliche Herstellung ist billiger. Bereits waschen kann und die aus Bleiweiß besteht (giftig!).
die Griechen und Römer stellten auf künstlichem Wege Verwendet man statt des Bleies Kupferblech, erhält
Bleiweiß her und wußten es durch Hitzebehandlung in man Grünspan (→ 44).
Massikot (Bleigelb) und Mennige (Minium) umzuwan-
deln. Aus dem Mittelalter sind zahlreiche Rezepte über- Durch Erhitzen kann Bleiweiß in andere deckende
liefert, wie man aus Bleiplatten in der warmen, am- Bleipigmente verwandelt werden (nur in professionel-
moniakhaltigen Atmosphäre eines Misthaufens unter lem Labor):
der Einwirkung von Essigdämpfen Bleiweiß gewinnt. 300°C: Bleigelb (Massikot)
Zur Herstellung von kleinen Mengen Bleiweiß neh- 480°C: Mennige, dieses zusammen mit
me man ein Deckelglas mit rostfreiem Deckel, am Zinndioxid auf
besten ein Einmachglas mit Glasdeckel und Gum- 650–800°C: Blei-Zinn-Gelb.
midichtung. Metalldeckel, auch solche mit Beschich- Massikot ist unbeständig; es wird an der Luft oliv-
tung, fangen beim Angriff der scharfen Gase schnell an grün. Für Wasserfarben ungeeignet.
zu rosten und verderben das Produkt. Unten gieße etwa Mennige ist ein leuchtendes Orange, das auch durch
einen Zentimeter starken Essig hinein, baue ein kleines beste Reproduktionstechniken nicht wiedergegeben
Podest aus nicht korrodierendem Material und stelle werden kann.
ein Stück Bleiblech darauf, wobei darauf zu achten ist, Blei-Zinn-Gelb wird bei niedrigeren Temperaturen
daß der Essig das Blei nicht berühre. Das verschlossene eher gelborange, bei höheren zitronengelb. Nach Anga-
Glas stelle man einige Tage an einen warmen Ort. ben aus dem 14. und 15. Jahrhundert (De arte illumi-
nandi, Neapeler Manuskript) war Blei-Zinn-Gelb ein
Nebenprodukt bei der Herstellung von farbigem Glas
für die Mosaikherstellung.
Ersatz für Bleiweiss: Seine Giftigkeit, das hohe
Gewicht und die Neigung, an der Luft braunschwarz zu
oxidieren, legen nahe, das Bleiweiß durch moderne,
ungiftige und beständigere Pigmente zu ersetzen. Die
Vorteile des Bleiweißes, wie der warme Weißton, seine
gute Deckkraft, die dichte salbenartige Oberfläche und
seine Polierfähigkeit (als Bestandteil eines Goldgrundes)
werden von diesen jedoch kaum erreicht. Am besten
eignet sich Zinkweiß, und zwar sowohl das Oxid als
auch das Sulfid des Zinks, da beide farblich am ehesten
dem Bleiweiß entsprechen. Zinksulfid ist zudem ein
hervorragender Silberstiftgrund. Weniger empfehlens-
wert ist Titanweiß, dessen Farbton kalt, fast bläulich
wirkt und sich sowohl bei Mischungen als auch bei
Weißhöhungen weniger gut in das Farbensystem der
Buchmalerei integriert. Außerdem wurde von Doerner
(1921) beobachtet, daß sich seine Nachbarschaft ver-
hängnisvoll auf Pflanzenfarben auswirken kann, indem
Die Bleiweissfabrik:
es durch die Umwandlung von sichtbarem Licht in
1 Einmachglas (verschlossen)
zerstörerische Energie deren Ausbleichen beschleunigt.
2 Bleibleche auf gläsernem Podest (Petrischale o.ä.)
Neuere Sorten Titanweiß üben angeblich keine schädli-
3 Essigdämpfe
chen Wirkungen mehr auf organische Farbmittel aus.
4 Ammoniakhaltige Gärungsdämpfe aus Pferdemist
Zudem sind sie giftklassefrei. Die Ungiftigkeit des Pig-
5 Pferdemist und Stroh in gläsernem Aschenbecher
ments mag zwar erfreulich sein (es ist in vielen Zahn-
6 Essig
cremes und Sonnenschutzmitteln enthalten), doch darf
7 warme Unterlage (Heizung)
man nicht vergessen, daß bis heute Millionen Tonnen
giftiger, bei der Herstellung von Titanweiß anfallender
Essig allein genügt; das Bleiweiß wird jedoch besser,
Dünnsäure in Flüsse und Meere verklappt werden.
wenn man in den Reaktionsraum in einem kleinen
Stoffbeutel oder in einem anderen Gefäß ein wenig
42. Zinnober Möglichkeiten zur Veränderung von Kupfer-
Es herrscht Unklarheit darüber, seit wann das rote grünpigmenten:
Quecksilbersulfid Zinnober künstlich hergestellt wird. • Lösen von Kupfergrün in Essig und anschließendes
Möglicherweise kannte man in der Antike nur das wochenlanges Stehenlassen: Es bilden sich teilweise
natürliche Bergzinnober aus Cinnabarit (→ 39), welches recht große Grünspankristalle, die zerrieben ein kräfti-
vor allem im spanischen Almadén abgebaut wurde und ges Blaugrün abgeben (destillierter, sog. «neutraler»
Tausende von Bergleuten das Leben gekostet hat. Rezep- Grünspan; Kupferacetat). Das Pigment schädigt Pinsel,
te zur künstlichen Herstellung von Zinnober sind seit Papier, Pergament und Bindemittel. Man kann die
dem 8. Jahrhundert überliefert. Doch auch für die Methode auch anwenden, um braun gewordenes Grün-
Sythese von Zinnober braucht man Quecksilber, das spanpigment wieder grün zu machen.
man in denselben Minen abbaute wie den Bergzinno- • Unter der Einwirkung von Salz und Honig entsteht
ber. eine Art künstliches Malachitgrün, welches Anteile vom
Die Herstellung von künstlichem Zinnober ist nichts Kupferchlorid enthält.
für den Hausgebrauch. Das Pigment ist im Fachhandel • Besonders lohnend sind Versuche, Kupfergrün mit
erhältlich. gelben Pflanzenfarbstoffen zu vermengen oder zu über-
färben. In der Kombination mit Safran (→ 58), Färber-
reseda (→ 59), Rautenkrautsaft (→ 60) oder Curcuma
43. Aurum musicum (Musivgold) (→ 61) entsteht ein wunderbares, leuchtendes Grasgrün.
Dieses erst im Spätmittelalter erfundene Pigment • Reine Grüntöne können auch durch Schmelzen von
diente als Goldersatz und könnte als Zufallsprodukt in Grünspan in erhitztem Kolophonium gewonnen wer-
einer Alchemistenküche entstanden sein. In der goti- den (Kupferresinat). Letzteres läßt sich nach dem Ab-
schen Buchmalerei war es eine der Grundfarben, vom kühlen leicht pulverisieren und liefert ein zuverlässiges,
Farbton her ähnlich wie ein heller Goldocker, doch wenig korrosives Kupfergrün für Wasserfarben und
silbrig bronzierend. Chemisch handelt es sich um Zinn- Tempera.
sulfid. • Grünspan verbindet sich auch mit wässerigen Binde-
Leider ist die Herstellung von Aurum musicum in mitteln wie Gummi arabicum oder Eikläre, indem es
einer normalen Küche nicht möglich, weil dazu hohe sich den Bindemittelanteil einer Wasserfarbe einfach
Temperaturen, ein luftdicht verschließbarer Reaktions- einverleibt und unlösliche Kupfer-Protein-Verbindun-
behälter und, den alten Rezepten zufolge, das giftige gen damit eingeht. Erneutes Pulverisieren und Anreiben
Quecksilber erforderlich sind. Auch im Handel ist tut hier meist Abhilfe; die entstandenen Produkte sind
dieses Pigment nicht erhältlich. stabiler und ebenso wie Kupferresinat wenig korrosiv.
• Umwandlung in «basischen Grünspan»:
44. Kupfergrün und Kupferblau
Künstliches Kupferblau: Die Rezeptammlungen
Neben dem Malachit war künstliches Kupfergrün
sind voll mit Anleitungen, eine Art künstlichen Azurit
die wichtigste Grünfarbe der Buchmalerei. Seine einfa-
aus Grünspan zu gewinnen, da dieser bedeutend billiger
che Herstellung, die große Variabilität (olivgrün über
als die blaue Mineralfarbe war. Ziel war die Umwand-
grasgrün bis blaugrün) und hohe Leuchtkraft machten
lung des blaugrünen Kupferacetats in ein blaues, basi-
sie überall dort unersetzbar, wo kräftige, reine Grüntö-
sches Kupfercarbonat, Kupfer-Calcium-Acetat oder
ne gewünscht waren. Nachteile des Kupfergrüns sind
Kupfer-Calcium-Carbonat. Man versuchte dies zu errei-
seine Veränderlichkeit, seine Giftigkeit (Giftklasse 3)
chen, indem man Grünspan mit Aschenlauge, gebrann-
sowie die korrosive Wirkung (Grünspanfraß). Kupfer-
tem Kalk, Essig und Ammoniumchlorid vermengte
grün ist zudem der schlimmste Pinselfresser, den die
oder Grünspankristalle ganz einfach Ammoniakdämp-
Buchmalerei kennt! Nur alte oder synthetische Pinsel
fen aussetzte. Auch durch Vermengen von Grünspankri-
verwenden.
stallen mit Ammoniumcarbonat (Riechsalz) oder
Die Herstellung des Kupfergrüns lief analog der im
Ammoniumhydrogencarbonat (Hirschhornsalz bzw.
Abschnitt 41 beschriebenen Bleiweißgewinnung ab:
das Backhilfsmittel Triebsalz) erhält man tiefblaue
Kupferbleche wurden in einem Behälter möglichst aus
Pigmente. Leider zerfallen sie mit der Zeit zu hellem
Eichenholz der vereinten Wirkungen von Essig-
Blaugrün, welches aber durchaus zum Malen brauchbar
dämpfen, Ammoniak (Misthaufen) und Wärme ausge-
ist. Zudem ist es beständiger und weniger korrosiv als
setzt und setzen daraufhin eine grüne Patina an, die nur
das reine Kupferacetat.
noch abgeschabt werden mußte. Vielfältige Tönungen
stellten sich ein, wenn außerdem noch Stoffe wie Salz,
Honig, Urin, Weintrester, Kalk, Ammoniumchlorid, 45. Künstliche Eisenoxide
Aschenlauge usw. wirksam werden konnten. Kupfer- Der natürliche rote Ocker läßt sich bestens durch
grünprodukte konnten in Essig gelöst als Tinte oder in Eisenrost ersetzen, der ja aus reinem Eisenoxidhydrat
kristalliner Form als Pigment verwendet werden. besteht und keine verdünnenden Tonerden enthält. Im
Eisenbergbau und bei der Eisenverhüttung fallen große
Mengen an gelben und roten Eisenoxiden («Grubenok-
ker») an, die sich ohne aufwendige Bearbeitung als Der schwarze Ruß kann nach dem Abschaben mit
Pigment anbieten. Seifenwasser, Lauge und/oder Ochsengalle entfettet
Über die künstliche Herstellung von Eisenoxidpig- werden, damit er nicht so hydrophob (wasserabsto-
menten sind keine mittelalterlichen Rezepte überlie- ßend) ist. Mit etwas Geschick läßt sich der Ruß auch
fert, lediglich für das Umwandeln von gelbem Ocker in direkt auf dem Blech mit etwas Bindemittellösung und
gebrannten, roten Ocker. Heute laufen künstliche Ei- Zuckerwasser anteigen.
senoxide unter zahlreichen Bezeichnungen, z.B. In- Flammruß ist zwar sehr leicht für sein Volumen und
dischrot, Englischrot, Marsrot, Caput mortuum usw., benötigt wegen der zerklüfteten Oberfläche der Pig-
wobei letzteres für braunviolette Tönungen gebräuch- mentteilchen enorme Mengen Bindemittel (etwa
lich ist. sechsmal so viel wie z.B. Ocker), läßt sich aber mit
Feder und Pinsel extrem fein ausziehen. Er eignet sich
46. Schwarz dadurch sowohl zum Schreiben (chinesische Tusche) als
Bei schwarzen Farben in der Malerei handelt es sich auch für feine schwarze Konturen in Miniaturen.
meistens um Verbrennungsprodukte (Kohlenstoff, in
der natürlichen Form als Graphit oder Diamant vor- Eisengallustinte
kommend), die man durch das Verbrennen von Kno- Es gibt auch ein Schwarz, das keinerlei Kohlenstoff
chen, Elfenbeinabfällen, Traubenkernen, aber auch aus enthält, nämlich eine schwarze Eisenverbindung na-
dem Ruß von offenen Feuern gewann. mens Eisenoxidschwarz. Dieses kann sowohl in saurer
Rebschwarz aus Traubenkernen oder Weinrebenholz Lösung (Eisengallustinte) als auch als auskristallisiertes
sowie Schwarz aus anderen Holzarten (z.B. Weiden- Pigment verwendet werden. Mit der Feder gezeichnete
zweige), Knochen oder Elfenbeinabfällen kann man Eisengallustinte ist in vielen Buchmalereien als Schwarz
gewinnen, indem man das getrocknete Material in erkennbar. Manchmal hat es sich auch in Braun ver-
Alufolie einwickelt und 6 bis 8 Stunden in der Glut wandelt und ist dann eigentlich ein künstliches Eisen-
eines Holzfeuers verkohlen läßt. Geeignete Aststück- oxidbraun (→ 45) geworden.
chen zerfallen dabei nicht zu Kohlepulver, sondern Bei der Eisengallustinte überschneiden sich pflanz-
lassen sich direkt stiftförmig als Zeichenkohle verwen- liche und mineralische Farbmittel. Obwohl sie im
den. Aus den Abfällen gewinnt man Pigment. Handel manchmal als «Pflanzentinte» angeboten wird,
Flammruß kann man leicht mit Hilfe einer Kerze handelt es sich streng genommen nicht um einen Pflan-
und eines Stück Blechs herstellen: zenfarbstoff, sondern um ein Reaktionsprodukt einer
pflanzlichen Säure (Gallsäure, entstanden unter Mit-
Die Flammrussfabrik wirkung einer Wespe) mit einem eisenhaltigen Mineral
(Eisensulfat). Die Farbe kommt vom Eisen. Wenn eine
Eisengallustinte im Tintenfaß eintrocknet, kristallisiert
sie zu schwarzen Kristallen aus. Pulverisiert wäre das
im Prinzip eine Art Eisenoxidschwarz.
Auf keinen Fall sollte man Eisengallustinte mit dem
Pinsel verarbeiten. Sie ist ein Pinselmörder! Federn
verwenden.

47. Die Weiterverarbeitung


der Pigmente
Pigmente müssen zur Herstellung einer Malfarbe mit
1 Flammruß-Ablagerungen Bindemittel und weiteren Zusätzen angerieben werden.
2 Blech (von Zeit zu Zeit verschieben) Wie das bei einer Wasserfarbe im Einzelnen vor sich
3 Nägel geht, ist im ersten Teil dieses Buches beschrieben.
4 Teelicht (Flamme muß an Blech «lecken»)
5 Brettchen

ENDE DES ZWEITEN TEILS.


III. TEIL: PFLANZENFARBEN
48. Pflanzenfarbe und Aquarellfarbe 4. Farbharze:
Die ältesten Malfarben vom Typ der Aquarellfarben sind in Wasser nicht löslich und deshalb direkt als
wurden aus Pflanzenfarbstoffen gewonnen. Man ver- Pigmente verwendbar (Drachenblut; → 53).
wendete sie hauptsächlich zum Kolorieren von Zeich-
nungen (ab dem 15. Jahrhundert auch von Druckgrafik) 50. Farbsaft und Tüchleinfarbe
und außerdem zum Eintönen und Modellieren von Extrahiert man den Farbstoff einer Färberpflanze mit
Mineralfarben. Der Farbauftrag erfolgte als dünne La- Wasser, erhält man nach dem Filtrieren eine Farb-
sur; in der Buchmalerei auf Pergament in feinstricheln- flüssigkeit mit den Eigenschaften einer Tinte. Wenn ein
der Malweise, in der Aquarellmalerei auf Papier auch Teil des Wassers durch Stehenlassen oder Kochen ver-
durch großflächiges Aufschwemmen. dunstet, bleibt ein sirupartiges Farbstoffkonzentrat
übrig, das man in Näpfchen eintrocknen lassen und bei
Gemeinsamkeiten Bedarf zum Malen wieder mit dem feuchten Pinsel
von Aquarell– und Pflanzenfarben: verflüssigen kann. Im Näpfchen erscheinen alle Farbsäf-
• Leichte «Löslichkeit» te (auch die gelben) schwarz. Ihre Farbigkeit offenbaren
• Leichte Verteilbarkeit sie nur als Lasur, genau wie echte Aquarellfarben.
• Durchsichtigkeit Alle Farbsäfte sollten durch die Zugabe von etwas
• Hohe Leuchtkraft durch Tiefenlicht Alaun stabilisiert werden; manche von ihnen entwik-
• Hohe Konzentration bei wenig Volumen, keln unter Einwirkung des Alauns überhaupt erst einen
für feinste Details. kräftigen Farbton. Es empfiehlt sich, den eingedickten
Saft vor dem Abfüllen ins Näpfchen ein bis zwei Tage
abgedeckt stehenzulassen. Eventuell vorhandene
Unter- Aquarellfarben Pflanzenfarben Alaunüberschüsse kristallisieren in dieser Zeit aus; die
schiede
Konsistenz des von den Alaunkristallen abgegossenen
Pigmente synthetisch; vier verschiedene Verar- Saftes ist besser.
feinst gemahlen beitungsformen (→ 49) Farbsäfte wurden früher in kleinen Pergamentsäck-
Bindemittel Gummi arabicum Gummi arabicum oder chen oder in den Blasen von Tieren aufbewahrt (daher
auch ohne Bindemittel «vert-de-vessie», d.h. «Blasengrün»); doch auch normale
Farbnäpfchen oder Muscheln eignen sich zu diesem
Weichmacher Glyzerin Zucker oder Honig
Zweck. Auch die flüssige Aufbewahrung als Tinte (zum
Lichtbeständig- besonders lichtecht beschränkt; nicht für Schreiben) ist denkbar; in diesem Fall sollte aber ein
keit Aquarelle geeignet, die Konservierungsmittel (→ 9) zugegeben werden. Zum
an der Wand hängen
sollen. Malen sind die eingedickten Säfte praktischer, weil
besser dosierbar.
49. Kategorien von Pflanzenfarben Farbsäfte aus Beeren (Kreuzdorn, Heidelbeeren usw.)
benötigen meist keine weiteren bindenden oder
1. Farbsaft:
weichmachenden Zusätze, weil diese schon in den
a) eingedickt als sogenannte Saft- oder Blasenfarbe
Beeren enthalten sind. Extrakte aus Blüten, Wurzeln
(vergleichbar mit Sirup); meist mit etwas Alaun
und Hölzern sollten hingegen mit etwas Gummi ara-
stabilisiert (→ 50).
bicum und Zucker versetzt werden, um ihnen Körper
b) als «Tüchleinfarbe» auf Leintuchstücke aufgezogen
und Glanz zu geben und die Vermalbarkeit zu erleich-
und bei Bedarf mit Wasser oder Bindemittellö-
tern. Ohne diese Zusätze zerfallen sie u.U. im Näpfchen
sung wieder extrahiert (→ 50).
zu Staub.
2. Farblack:
Saftfarben, vor allem solche mit Zuckerzusatz, wer-
a) aus alkalischer Lösung mit Alaun versetzt oder
den gern von Fliegen besucht. Das Ergebnis sind farbige
umgekehrt: Pigment aus «Tonerdehydrat» (→ 51).
Kotflecken auf Bildern, Wänden und Fenstern. Man
b) mit weiteren mineralischen Substraten verbun-
sollte deshalb Farben und Arbeiten nicht offen liegen
den (z.B. Kreide, Eierschalenmehl, weiße oder
lassen oder statt Zucker Glyzerin verwenden.
grüne Erde, Bleiweiß usw.; → 51).
c) mit anderen Metallsalzen als Alaun versetzt, z.B.
Tüchleinfarben (Pezzetten): Anstatt in Näpfchen,
Eisen-, Kupfer oder Zinnsalzen, wodurch der
Muscheln oder Blasen kann man Farbsäfte auch aufbe-
Farbton der Pflanzenfarbe alterniert wird.
wahren, indem man sie (möglichst ohne die Verwen-
3. Küpenfarbstoffe:
dung von Fixiermitteln) auf kleine Leintuch- oder
bilden von selbst Pigmente und müssen deshalb
Baumwollstücke aufziehen läßt. Die Tuchfetzen wer-
nicht verlackt werden (Indigo, Färberwaid; → 52).
den wiederholt in den Farbsaft eingelegt, bis sie mit
dem Farbstoff gesättigt sind. Dazwischen muß man sie künstlich entstandene Tonerde, daher der Name (Ton
immer wieder trocknen lassen. bzw. Kaolin ist normalerweise Aluminiumsilikat; beim
Zur Aufbewahrung empfiehlt sich ein kleines Heft Tonerdehydrat handelt es sich hingegen um Alumini-
aus Löschpapier, zwischen dessen Seiten die Tuchfetzen umhydroxid).
eingelegt werden.
Diese Methode war im Spätmittelalter vor allem für Farblacke aus alkalischer Farbstofflösung mit Alaun:
lackmusähnliche Farbstoffe beliebt (Folium, Orseille Diese einfachste aller bekannten Methoden funktio-
und Beerenfarbstoffe aus dem Rot/Blau-Bereich). Um niert nur mit alkalienbeständigen Pflanzenfarben, z.B.
solche Farbstoffe im blauen Zustand zu erhalten, wurde Reseda oder Rotholz.
das Tuch mit Kalkwasser vorimprägniert und in einem 1 Herstellung einer Lauge: Asche von Eichen-
alkalischen Milieu (Schachtel mit eingestreutem ge- oder Buchenholz in Wasser einlegen und mindestens
branntem Kalk) aufbewahrt. drei Wochen stehenlassen. Danach durch Kaffeefilter
Um mit Tüchleinfarben zu malen, schneidet man gießen. Die Flüssigkeit ist ätzend (bis pH 14) und muß
einfach ein Stück von dem gefärbten Tuch ab und legt es auf etwa pH 9 verdünnt werden. Zur Demonstration
zum «Ausbluten» in Wasser oder in eine Bindemittel- kann man auch die Asche (im Notfall sogar Zigaretten-
lösung, die dann vermalt wird. asche) in einen Kaffeefilter geben und Wasser darüber-
gießen; doch alte Lauge ist besser und klarer. Eine Lauge
51. Farblacke gewinnt man auch, wenn man in der Apotheke oder
Das Ziel der Farblackherstellung ist die Umwandlung Drogerie Pottasche oder Soda kauft und in Wasser auf-
eines löslichen Farbstoffs in ein körperhaftes Pigment. löst.
Nicht alle Farbstoffe sind für die Farblackherstellung 2 Herstellen der Farbstofflösung: Die (zer-
geeignet: Safran, Raute, Curcuma, die meisten Beeren- kleinerten) Pflanzenteile für einige Zeit in die heiße
farbstoffe (Folium, Holunder, Liguster, Heidelbeere, Aschenlauge (70-100 °C) einlegen; eventuell kochen
Nachtschatten) sind als Farbsaft schöner und intensiver lassen. Die Dauer des Auskochens kann zwischen ein
gefärbt als in Form von Farblacken. Farblacke sind paar Minuten und mehreren Stunden liegen. Bei man-
hingegen in jeder Hinsicht beständiger als Farbsäfte. chen Pflanzenfarben (z.B. reifen Kreuzdornbeeren und
Nicht verlackt werden die sogenannten Küpenfarb- Reseda) empfiehlt es sich, das kurz aufgekochte Bad
stoffe Indigo und Purpur (→ 52) und die Farbharze, z:b. einige Zeit stehen zu lassen, bevor man es filtriert. An-
Drachenblut (→ 53). Sie bilden in wässerigen Techni- dere verlieren durch langes Stehenlassen an Reinheit;
ken von selbst unlösliche Pigmente. Rotholz z.B. wird dabei bräunlich.
Der Vorgang des Verlackens ist vergleichbar mit der 3 Farbsud filtrieren: Mit Hilfe eines Teesiebes,
Färberei von Stoffen: Ausser im Fall der sogenannten Kaffeefilters oder Tuches müssen die Pflanzenteile aus
Direktfarbstoffe (als natürliches Beispiel dieser Gruppe der Lösung entfernt werden. Der filtrierte Extrakt wird
könnte man die Curcuma anführen) genügt es nicht, die in den Topf zurückgegeben und fast bis zum Siedepunkt
Textilien einfach in einen Farbstoffextrakt einzutau- erhitzt.
chen. In diesem Fall würde die Farbe beim ersten Wa- 4 Ausfällen des Farblacks: Währenddessen wird
schen wieder herausgehen. Um dauerhafte Färbungen Alaun (aus der Drogerie) in heißem Wasser vorgelöst.
zu erhalten, muß man die Fasern sauer «beizen», d.h. Diese Lösung gibt man unter stetigem Umrühren trop-
mit einem Fixiermittel (mit Metallsalzen wie Kali- fenweise zu der Farbbrühe. Solange dies geschieht,
umaluminium-, Eisen- oder Kupfersulfat) imprägnie- entsteht Schaum; meist verändert oder intensiviert sich
ren. Wenn danach das gebeizte Gewebe in das meist der Farbton. Sobald die Schaumentwicklung aufhört,
alkalische Färbebad eingetaucht wird, schlägt sich der stoppt man die Alaunwasserzugabe, da nun die Reakti-
Farbstoff dauerhaft auf den Fasern nieder. – Das gleiche on abgeschlossen ist. Als Reaktionsprodukt setzt sich
Prinzip gilt bei der Farblackherstellung, nur daß dort beim Abkühlen ein körperhafter, mit dem Farbstoff
statt Textilien weiße Pigmente eingefärbt werden, die durchgefärbter Stoff am Boden ab – der Farblack, der
entweder als sogenanntes Substrat dazugegeben werden nach dem Trocknen als Pigment dient.
oder sich aus den verwendeten Flüssigkeiten als Nieder- 5 Waschen des Farblacks: Sobald sich das Pig-
schlag (in der Regel als sogenanntes Tonerdehydrat bil- ment gesetzt hat, gießt man die darüberstehende, klare
den. Flüssigkeit vorsichtig ab und schüttet sogleich wieder
Die Bildung des «Tonerdehydrats» kann durch einen reichlich frisches Wasser darüber. Nach erneutem De-
einfachen Versuch ausprobiert werden: Beim Zusam- kantieren des Farblacks wiederholt man den Vorgang so
mengeben zweier wässeriger Lösungen von Alaun (Alu- oft, bis das abgehende Wasser klar ist.
miniumsulfat) und Pottasche (Kaliumcarbonat), beide Genaue Rezepturen sind bei der Farblackherstellung
etwa 10 %ig und halb so viel Pottasche wie Alaun, bildet nicht unbedingt notwendig. Die Farbstoffkonzentrati-
sich aus den wasserklaren Flüssigkeiten eine trübe Sus- on der pflanzlichen Rohstoffe kann erheblich schwan-
pension eines schneeweissen Pulvers oder Gels, das sich ken, auch ist die Konzentration der selbst hergestellten
in der Flüssigkeit absetzt und nach dem Filtrieren ge- Holzaschenlauge schwer kontrollierbar. Dies ist jedoch
trocknet werden kann. Das Produkt ist im Prinzip eine kein Problem, da eventuelle Überschüsse durch das
Waschen des Pigmentes beseitigt werden. War unge-
bundener Farbstoff übrig, so wird dieser beim Waschen 2 Hinzufügen des zu färbenden Pigments:
herausgelöst; Alaunüberschüsse, die bei der Farblack- Währenddessen bestimmt man die Art und die Menge
Reaktion nicht mineralisiert wurde, bleiben ebenfalls des erwünschten Pigments. Wenn viel davon verwen-
in Lösung und werden durch das Nachspülen ausgewa- det wird, entsteht ein heller Farblack, wenn weniger,
schen. Durch das Waschen verhindert man das spätere ein dunklerer. Das Pigment wird einfach in die heiße
«Ausbluten» von Farbstoff- bzw. das Schimmeln oder Farbstofflösung eingestreut.
Auskristallisieren von Alaunüberschüssen bzw. löslich 3 Fixieren des Farbstoffs: Dann wird unter er-
gebliebenen Reststoffen der beiden Reagenzien. neutem Erwärmen der in heißem Wasser vorgelöste
Das mehrmalige Nachspülen sowie das Trocknen des Alaun dazugegeben. Wieder entsteht Schaum, solange
Pigments kann auch in einem Kaffeefilter geschehen. die Reaktion andauert. Der Alaun zieht dabei den Farb-
Dabei erübrigt sich zwar das langwierige Dekantieren, stoff aus der Flüssigkeit und heftet sich mit ihm auf die
doch tropft das Wasser kaum schneller durch den Fil- Oberfläche der Kreidepartikel. Das Endprodukt setzt
ter, als der Farblack sich im Glas absetzt. Außerdem sich deutlich schneller ab als das oben beschriebene
bleibt eine beachtliche Menge Pigment in den Poren des reine Tonerdehydrat.
Kaffeefilters hängen (mit Wasserzerstäuber herunter- Das Mengenverhältnis zwischen Farbstoff, Kreide
waschen). Der Kaffeefilter mit dem darin befindlichen und Alaun ist aus der überlieferten Literatur nicht er-
Pigment muß möglichst rasch auf einer Heizung ge- sichtlich. Das Verhältnis zwischen Kreide und Alaun
trocknet werden, damit der Farblack nicht schimmelt. dürfte zwischen 10:1 und etwa 4:1 liegen, je nachdem,
6 Andere Möglichkeit zum Trocknen des ob die Farbstofflösung neutral oder alkalisch ist.
Farblacks: Nach dem letzten Waschvorgang wartet 4 Waschen und Trocknen des Farblacks: Wie
man erneut, bis sich das Pigment abgesetzt hat. Wieder oben in Filtern oder auf saugfähigen Oberflächen.
zieht man vorsichtig das obenstehende Wasser ab
schwenkt das Pigment in der verbleibenden Brühe auf Farblacke aus saurer Alaunlösung mit Aschenlauge:
und schüttet diese zügig auf eine feuchtigkeitsabsorbie- Manche Farbstoffe, wie z.B. das rote Alizarin aus
renden Oberfläche (Filterpapier, Tonteller o.ä.). Krappwurzeln, lassen sich nicht alkalisch extrahieren.
Der zum Trocknen verwendete Tonteller sollte un- Sie benötigen zum Ausfärben ein saures Umfeld und
terhalb von etwa 800-950°C gebrannt sein, da er sonst müssen daher «umgekehrt» verlackt werden; früher
das Wasser nicht aufsaugt (Mit feuchtem Finger probie- wurde oft zusätzlich mit Gärungsprozessen gearbeitet.
ren). Wenn er vollständig trocken ist, nimmt er die im 1 Extrahieren von Farbstoffen in Alaunlö-
Pigmentschlamm verbliebene Feuchtigkeit innerhalb sung: Eine zehnprozentige Alaunlösung (100 Gramm
weniger Minuten auf. Nach dem Abschaben des Pig- Alaun auf 1 Liter Wasser) bis zum Kochen erhitzen und
ments braucht er etliche Stunden zum Trocknen. – Kochplatte abstellen. Die Lösung hat einen pH-Wert
Tonteller, auf denen Farblacke getrocknet werden, von etwa 3. Die Löslichkeit von Alaun in Wasser ist sehr
müssen regelmäßig ausgekocht werden, da sie sonst stark temperaturabhängig; bei 20°C lösen sich etwa 150
schimmeln. Alte Quellen empfehlen auch die Verwen- Gramm Alaun auf einen Liter Wasser, bei 60°C sind es
dung von ausgehöhlten Ziegelsteinen zum Trocknen bereits über 600 Gramm, bei 100°C mehr als 3 kg.
von Pigmenten. Gewaschene, fein pulverisierte Krappwurzeln dazu-
Nach dem Trocknen kann man das Pigment abscha- geben (etwa gleichviel wie die verwendete Alaunmenge)
ben und wie ein Mineralpigment weiterverarbeiten und einige Zeit bei ca. 70 Grad ziehen lassen. Dann die
(s.u.). orangerote Lösung durch einen Kaffeefilter seihen.
2 Herstellung des Krapplacks: Zu dem noch
Farblacke mit Kreide und Alaun: warmen Filtrat kalte oder auch angewärmte Holz- oder
Alaun kann Farbstoffe aus alkalischen Lösungen Pottaschenlauge dazugeben, bis die Lösung neutralisiert
sowohl auf sich selbst als auch auf andere mineralische ist. Bei Erreichen von pH 7 wird die Lösung trübe; im
Trägerpigmente (z.B. Champagnerkreide) fixieren. Das Bereich von pH 8-9 wird sie dunkler und beginnt aus-
zusätzliche Substrat dient dazu, der Farbe etwas mehr zuflocken. Beim Abkühlen setzt sich innerhalb von
Volumen und Deckkraft zu verleihen und dadurch die etwa einer Stunde der Krapplack am Boden des Gefäßes
Vermalbarkeit zu verbessern. Das oben beschriebene ab.
Tonerdehydrat ist zwar schön lichtdurchlässig, intensiv 3 Waschen und Trocknen des Produkts: Das
gefärbt und beständig, aber als Pigment für Wasserfar- weitgehend geklärte Wasser vorsichtig oben abgiessen
ben oft ein wenig schmierig. und den Krapplack wieder mit reichlich kaltem Wasser
Außer Kreide eignen sich als mineralisches Pigment fluten. Nach dem erneuten Absetzen des Krapplacks
auch Gips (Bologneser Kreide), fein pulverisierte Eier- wieder das obenstehende Wasser abziehen und das
schalen, weiße und grüne Erden, Bleiweiß usw. Produkt in Kaffeefiltern oder auf saugfähigen Oberflä-
1 Herstellen der Farbstofflösung: Die (zer- chen trocknen. Auch im Kaffeefilter kann noch mit
kleinerten) Pflanzenteile werden mit reinem Wasser kaltem Wasser nachgewaschen werden, bis das abge-
oder ebenfalls mit Aschenlauge erhitzt. Der filtrierte hende Filterwasser farblos ist.
Extrakt wird wie oben in den Topf zurückgegeben und
erneut aufgewärmt.
Herstellung der Malfarbe aus dem Pigment: Die bei der 20. Jahrhundert als typische Aquarellfarbe verwendet.
Farblackherstellung gewonnenen Pigmente müssen zur Zur Giftigkeit von Gummi gutti siehe den folgenden
Herstellung einer Wasserfarbe wie mineralische Pig- Abschnitt.
mente mit Bindemittel und Weichmacher angerieben
werden (→ 18). Das Rezept für Farblacke richtet sich 54. Giftige Pflanzenfarben?
nach dem verwendeten Substrat: Wurde Kreide einge- Nicht alle Pflanzenfarben sind für die Gesundheit
färbt, so gilt das Rezept für Kreide; bei Farblacken nur harmlos, wenngleich echte Vergiftungsfälle sehr selten
aus Lauge und Alaunlösung kommt das Rezept für das sind. Da Malfarben nicht zum Verzehr gedacht sind,
sogenannte «Tonerdehydrat» zur Anwendung. besteht kein Grund zur Aufregung.
Zum Anreiben von Pflanzenfarblacken rostfreie Pa- Die giftigste Pflanzenfarbe ist nach der einschlägigen
lettmesser verwenden! Rost kann Farblacke stark ver- Fachliteratur Gummi gutti (nach Wehlte Giftklasse 2).
färben. Chinesischen Quellen zufolge hat es eine stark abfüh-
rende und abtreibende Wirkung und wurde angeblich
52. Küpenfarbstoffe. als Mordwaffe verwendet. Die tödliche Dosis soll bei
Manche Farbstoffe müssen nicht verlackt werden, etwa 3.5 ml liegen (ein ansehnlicher Haufen, den man
weil sie von selbst Pigmente bilden. Einer davon ist der kaum unbeabsichtig zu sich nimmt). Gummi gutti
Indigo, der in der Pflanze in einer farblosen Vorstufe wurde noch vor wenigen Jahren von anthrophsophi-
vorhanden ist, durch Reaktion mit dem Luftsauerstoff schen Farbenherstellern als harmlose Wasserfarbe für
materialisiert und dabei wasserunlöslich wird. Da er Kinder verkauft. Vom Ablecken des Pinsels oder vom
für ein Pigment sehr feinteilig ist, läßt er sich nur Bemalen des Gesichts ist jedenfalls abzuraten.
schwer filtrieren. Nach dem Trocknen kann er direkt Beim Umgang mit der starkriechenden Raute (→ 60)
mit Bindemittel und Weichmacher angerieben werden. ist ebenfalls Vorsicht angeraten; die Blätter enthalten
Die Gewinnung des Indigofarbstoffes aus asiatischen nicht nur den leuchtenden gelben Farbstoff, sondern
Indigopflanzen, dem in Japan vorkommenden Färber- auch ein Anaphrodisiakum sowie ein ätherisches, pho-
knöterich oder aus der europäischen Waidpflanze war totoxisches Öl, welches ähnlich wie der Riesen-
früher nur durch eine kontrollierte Gärung möglich. Bärenklau («Herkulesstaude») oder der Diptam an Son-
Das Verfahren war kompliziert und erforderte viel nentagen auf schwitzender Haut eine blasenbildende,
Erfahrung. Heute gibt es zum Glück vereinfachte Me- nach zwei Tagen gräßlich juckende Dermatitis hervor-
thoden (→ 65). Das Pigment ist zudem im Handel rufen kann. Aus diesem und anderen Gründen gehört
erhältlich (→ 69). diese Gewürzpflanze (in Italien stellt man mit ihrer
Hilfe einen «grappa con ruta» her) zu den Giftpflanzen.
53. Farbharze Sie sollte auch von Schwangeren gemieden werden, da
Harze sind Ausscheidungen von Nadelbäumen und sie abortiv wirken kann. Die Tochter des Römischen
als solche zwar in Ölen, Alkohol und anderen organi- Feldherrn Titus soll an einer erzwungenen Abtreibung
schen Lösungsmitteln, im Gegensatz zu den Gummen mit Rautenkraut gestorben sein. Die Empfehlung man-
aber nicht in Wasser löslich. Fein pulverisiert sind Har- cher Naturheiler, sich den Saft bei Müdigkeit in die
ze deshalb im Wasser Pigmente. Manche Harze von Augen zu schmieren, erscheint unter solchen Vorzeichen
gewissen Dracena-Arten sind kräftig rotbraun oder rosa ein wenig riskant. – Als mehr oder weniger giftig wer-
gefärbt und wurden als sogenanntes Drachenblut in der den in manchen Quellen auch der Schwarze Nachtschat-
Malerei verwendet. ten, der Kreuzdorn, der Liguster, der Holunder und das
Für die Gewinnung des Drachenblutes werden die Krebskraut eingestuft. Beim beliebten Küchengewürz
Bäume angeschnitten und das austretende Harz in Safran liegt antiken Quellen zufolge die letale Dosis bei
apfelsinengroße Beutel geleitet, wo es zu einer tropfen- etwa 10 Gramm (gegessen).
förmigen Kugel eintrocknet. Das Material wird mit der Giftige Pflanzen sind meist auch gleichzeitig Heil-
Zeit hart und spröde und läßt sich in der Reibschale pflanzen. Im 20. Jahrhundert gab es verschiedentlich
pulverisieren. Verschmutzte Reibschalen können mit Versuche, aus dem Krebskraut (Chrozophora tinctoria, →
Brennsprit gereinigt werden. – Drachenblut wird auch 63) ein Mittel gegen Krebs zu gewinnen. Es dürfte sich
in Harz /Öl-Emulsionen (worin es sich löst und dann dabei um einen Ansatz in der Tradition der alten Signa-
ein Farbstoff ist) zum Lackieren von Geigen verwendet. turenlehre handeln, bei der aus der Form oder dem
Ein dem Drachenblut dem Ursprung nach verwand- Namen einer Pflanze eine heilende Wirkung abgeleitet
tes Farbmittel ist Gummi gutti, ein leuchtend gelb wurde.
gefärbtes Pflanzengummi. Es ist teilweise in Wasser Die Blätter der (ungiftigen) Färberwaid sollen nach
löslich und Farbstoff und Bindemittel zugleich. Damit alten Quellen unter anderem gegen Hauterkrankungen
es im Näpfchen keine Sprünge bekommt, empfiehlt wirksam sein. Aus dem Öl der Samen werden Salben
sich der Zusatz von etwas Zuckerwasser. – Gummi gutti und Holzschutzmittel gewonnen. Heilkräfte wurden
ist in der abendländischen mittelalterlichen Buchmale- und werden auch dem Safran, der Curcuma, der Raute,
rei nicht belegt, taucht jedoch seit dem 16. Jahrhundert den Hagebutten, Kornblumen, Heidelbeeren, dem Holunder
in den maltechnischen Quellen auf und wurde bis ins und dem Kreuzdorn zugeschrieben.
55. Die verborgenen Farben kelt), der Krapp (in der Wurzel verborgen und erst nach
Die kräftig gefärbten Blüten, Blätter, Früchte und einer Gärung richtig rot) sowie das Blau der Indigo-
Säfte vieler Pflanzen haben schon immer zur Farbenher- pflanze oder des Färberwaids, welches eigentlich gelb
stellung angeregt. Doch leider sind die meisten dieser ist und erst durch eine Oxidation seine endgültige Farbe
Farben unbeständig. Vor allem saure Beerenfarbstoffe erhält – Qualitäten, die schon vor Jahrhunderten be-
wie z.B. derjenige der Kermesbeere (Phytolacca americana) kannt waren und u.a. vor 250 Jahren in der
haben als Farbsäfte oder Farblacke miserable Haltbar- Encyclopédie von Didérot und d'Alembert beschrieben
keiten. Auch das Gelb vieler Blüten, gelber Blütenstaub, worden sind. Anthroposophische Kreise können also
das Grün der Blätter, das Rot des Klatschmohns, die nicht für sich in Anspruch nehmen, diese Farben, «die
roten Schalen oder Säfte vieler Früchte (wie der des früher als unbeständig galten» (Meier, 1994), entdeckt
Rotkohls oder der Roten Beete) sind unbeständig. Den- und haltbar gemacht zu haben.
noch hat man solche weniger haltbaren Farben ver- Farbstoffe, die sich während der Herstellung oder
wendet, zum Beispiel den Safran, den Saft der Curcuma, beim Malen von einer Farbe in eine andere umwandeln,
die Beerenfarbstoffe aus Holunder und Heidelbeeren scheinen dadurch an Haltbarkeit zu gewinnen. Der Saft
und das Blau aus Kornblumenblüten. In Kenntnis ihrer der reifen Kreuzdornbeeren ist zum Beispiel rot; derje-
beschränkten Haltbarkeit nannte man sie in Frankreich nige der Schwertlilienblüten violett; erst durch die
«petit» oder «faux teint». Manche davon finden heute alkalische Reaktion mit dem Pergament, den Füllstof-
noch als Lebensmittelfarbstoffe Verwendung, weil es fen des Papiers oder einer alkalisch reagierenden
dort auf Lichtbeständigkeit nicht so ankommt. Grundfarbe entwickelt sich aus beiden ein kräftiges
Für die Malerei sollte die Regel gelten, daß Farbstof- Grün. Dieses ist viel haltbarer als eines, das man durch
fe, die bereits in der Pflanze zu ihrem Endstadium ent- eine Laugenzugabe schon im Näpfchen grün eingestellt
wickelt sind, gemieden werden sollten. hat. Auch eine Eisengallustinte ist dann am stabilsten,
Von besserer Haltbarkeit sind Farbstoffe, die im wenn sie erst auf dem Papier oxidiert und dabei eine
Innern der Pflanze verborgen oder noch gar nicht voll innige Verbindung mit dem Beschreibstoff eingehen
entwickelt, also noch unsichtbar sind. Die drei haltbar- kann. In der modernen Farbstoffchemie gibt es den
sten, früher in Frankreich als «grand» oder «bon teint» Begriff «Entwicklungsfarbstoffe», bei denen ähnliche
bezeichneten Farbstoffe sind die der Reseda (dessen Prinzipien wirksam sind.
Gelb sich erst in der Reaktion mit Alaun richtig entwik-
56. Überblick über die wichtigsten Pflanzenfarben

Die mit einem Sternchen * versehenen Farben werden in den nachfolgenden Abschnitten näher behandelt.
GELB botanischer Name zu verwendender Teil; Bemerkungen Kategoie
(→ 49)
Safran* Crocus sativus L. Blütennarben; zum Färben des Bindemittels 1a
Reseda, Wau* Reseda luteola L. ganze Pflanze; beständiger Farbstoff 2
Kreuzdorn* Rhamnus cathartica L. unreife Beeren (August) 2
Raute* Ruta graveolens L. Saft aus Blättern, Mai bis Juli; giftig 1a
Curcuma* Curcuma tinctoria, Rizome; kalt verarbeiten; «Direktfarbstoff» (be- 1a
var. longa L. nötigt kein Fixiermittel)

Weitere: Blütenblätter der Färberdistel oder Saflor (Carthamus tinctorius); Rinde des Sauerdorns bzw. Berberitzenstrauchs
(Berberis vulgaris); Liguster (Ligustrum vulgare L.); Hagebutten; Gummi gutti usw.

ROT botanischer Name zu verwendender Teil; Kat.


Bemerkungen
Rotholz* (die drei besten:) Extrakt aus geraspeltem oder pulverisiertem 1 a, 2
Caesalpinia sappan L. Kernholz; wichtigster Pflanzenfarbstoff der
Caesalpinia crista L. Buchmalerei
Caesalpinia echinata Lam.
Krapp, Färber- Rubia tinctorum L. Extrakt aus Wurzel; lichtecht, in Buchmalerei 2
röte Rubia peregrina L. eher selten
Drachenblut Pterocarpus draco L. oder Farbharz 4
Dracoena draco L.
Folium* Chrozophora tinctoria Juss. Saft aus Früchten; Purpur-Ersatz 1 a, b
Heidelbeeren* Vaccinium myrtillus L. Saft aus reifen Früchten; wird blau 1 a, b
Holunder* Sambucus nigra L. Saft aus reifen Beeren; wird blau 1 a, b
Attich Sambucus ebulus L.
Kermes Kermes vermilio Planch. Carmin: Extrakt aus weiblicher Laus: tierisch! 2
Cochenille Dactylopius coccus O. Costa

Weitere: Sandelholz; Efeusaft (nach Heraclius; umstritten); Alkanna oder färbende Ochsenzunge (Anchusa tinctoria); Orseille
bzw. Lackmus (versch. Färberflechten; ähnlich wie Folium) usw.

BLAU botanischer Name zu verwendender Teil; Kat.


Bemerkungen
Folium* Chrozophora tinctoria Juss. Farblack aus Früchten; bleibt nur einige Monate 1 b, 2 b
blau
Heidelbeere Vaccinium myrtillus L. reife Früchte; unbeständig 1 b,
2b
Holunder* Sambucus nigra L. reife Beeren 2b
Attich Sambucus ebulus L.
Liguster* Ligustrum vulgare L. Beeren nach erstem Frost 2b
schwarzer Solanum nigrum L. reife Beeren; Saft wird blaugrün
Nachtschatten* (siehe GRÜN) 2b
Kornblumen Centaurea cyanus L. Blütenblätter; unbeständig 1b
Färberwaid* Isatis tinctoria L. Saft aus Blättern; Küpenfarbstoff 3
Indigo Indigofera tinctoria L. Saft aus ganzer Pflanze; sehr beständig und ergie- 3
und andere biger als Waid

Weitere: Färberknöterich (japanisch).


GRÜN botanischer Name zu verwendender Teil; Kat.
Bemerkungen
Kreuzdorn* Rhamnus cathartica L. reife Beeren ab Ende August 1a
Schwertlilie* z.B. Iris sambucina, Saft aus dunkelvioletten Blütenblättern 1a
germanica, sibirica.
Raute* Ruta graveolens L. Saft aus Blättern ab August 1a
schwarzer
Nachtschatten* Solanum nigrum L. reife Beeren; Saft wird blaugrün 2b
Weitere: Früchte des Geißblatts; (Rot-?) Kohl-, Lauch- und Petersiliensaft; Saft aus frischen Waidblättern; im Herbst geernte-
te Hagebutten usw.

BRAUN botanischer Name zu verwendender Teil; Kat.


Bemerkungen
Walnuß Juglans regia L. grüne äußere Schale der Nüsse im September: 1a
«Nußbaumbeize»
Eichengallen Gallen auf Quercus robur L., Eisengallustinte; wird beim Altern braun –
verursacht durch die Eiablage
von Cynips quercus folii (Gall-
wespe).
Schlehen Prunus spinosa L. Rinde und Dornen («Dornentinte» des Theophi- –
lus)
Weitere: Saft aus Beeren des Schlehdorns (graubraun) und des Feuerdorns (braunocker); Campecheholz (blaugrau bis braun)
usw.

57. Pflanzenfarben-Kalender
Viele Färberpflanzen lassen sich durch Trocknen oder Einfrieren konservieren. Die Erntezeiten sind jedoch saison-
abhängig . Pflanzen, die frisch verarbeitet werden müssen, sind mit einem Stern* versehen.

Monat Pflanze Bemerkungen


Januar Liguster Beeren ernten, Farbsaft und Farblack herstellen.
Februar
März Efeu* Saft abzweigen für roten Lack (nach Heraclius, 12. Jh.).
April Wacholder unreife Beeren und Zweigspitzen sammeln für Saftgrün.
Schwertlilie Beginn der Blüte.
Mai Schwertlilie Hochblüte, Saftgrün herstellen.
Weiß- und Schwarzdorn Dornenzweige schneiden für Tinte.
Juni Färberwaid* erste Ernte der jungen Blätter (jeden Monat eine Ernte bis Oktober).
Kornblumen* Blüten ernten für blauen Saft.
Raute Saftgrün aus Blättern auspressen.
Juli Krebskraut (Folium)* Erntezeit der Früchte (Juni bis September).
Kreuzdorn unreife Beeren ernten für Schüttgelb.
August Hagebutten Beeren ernten für «Beerengelb» (V. Boltz, 1549).
Heidelbeeren* Reife Beeren sammeln für blauen Saft.
Kanadische Goldrute Blütezeit; gelben Farblack machen.
Zwergholunder (Attich)* Erntezeit der Beeren für violetten Saft.
Reseda Nach der Blüte ernten für gelben Farblack.
September Kreuzdorn Beginn der Reifezeit; Beeren für Saftgrün ernten.
Walnüsse Grüne Schalen sammeln für Nussbaumbeize.
Hagebutten Nach Val. Boltz Beeren sammeln für Saftgrün.
Färberdistel (Saflor) Blütezeit; Blütenblätter sammeln.
Schwarzer Holunder* Beeren sammeln für Violett und Blau.
Schlehen* Reifezeit der Beeren
Oktober Safran Blütezeit.
Schwarzer Nachtschatten* Ernte der schwarzen Beeren (bis Ende November).
November Krapp Wurzeln sammeln für Farblack (3 Jahre lagern).
Dezember Liguster nach erstem Frost Beeren sammeln für Violett und Blau.
DIE ZUBEREITUNG DER WICHTIGSTEN PFLANZENFARBEN:

58. Safran (Crocus sativus L.) goldgelb glänzend den oberen Teilen mit den Samenkapseln. Die Pflan-
zenteile können getrocknet werden, ohne an Färbekraft
Safran ist wohl die einzige Pflanzenfarbe, die man in einzubüßen. Getrocknete Resedapflanzen entwickeln
jedem Lebensmittelgeschäft kaufen kann. Die Herstel- beim Erhitzen allerdings einen stärkeren (Kohl-) Geruch
lung ist sehr einfach, da bei dieser Farbe keine beson- als frische.
deren Kunstgriffe wie Verlacken (→ 51) oder Haltbar-
machen auf Pezzetten (→ 50) üblich ist. Es genügt, die Zum Extrahieren des Farbstoffs
Safranfäden (oder das Pulver, wenn sie gemahlen sind) wird empfohlen, die Pflanzenteile
in einigen Tropfen Gummi arabicum-lösung oder Eiklä- nicht höher als 70°C zu erhitzen und
re einzulegen, zu warten, bis sie diese durchgefärbt vor dem Filtrieren ein paar Stunden
haben, und den Schleim dann durch ein Stück Stoff in stehen zu lassen. Beim Verlacken
ein Näpfchen zu filtrieren, möglichst unter Zugabe von stellt man fest, daß sich der Farb-
etwas Zucker, damit sich die Farbe leicht wieder löst. stoff im Moment der Alaunzugabe
Leider ist sie im Licht nicht beständig; wenn die Sonne intensiviert und von Schwefelgelb
darauf scheint, verwandelt sie sich erst in graubraun in Goldgelb umwandelt.
und verschwindet dann ganz. Die Färberreseda wurde früher
zu den P anzen gezählt, die eine
beständige Färbung lieferten. In
manchen Ländern war es Vor-
schrift, die Hüte der Juden (daher
«herbe aux juifs») und die gelben
Bänder der Huren mit Reseda zu
färben.

Safran (crocus sativus L.) mit heraushängenden Blütennarben. Diese werden


in der Nähe des Feuers getrocknet und geröstet, wodurch sich der Farbstoff
verbessert.

59. Reseda oder Wau (Reseda luteóla L.)


gelbgrüner bis goldgelber Farblack
Die Färberreseda unterscheidet sich von der Garten-
reseda (Reseda lútea L.) durch ihren hohen Wuchs und
die schmalen, lanzenförmigen, quergewellten Blätter.
Zur Gewinnung des Farbstoffs reißt man die Pflanze
aus, sobald sie verblüht ist. Der Farbstoff ist in allen
oberirdischen Teilen der Pflanze enthalten, vor allem in Reseda luteola L. (Färberreseda oder Wau)
60. Raute (Ruta graveolens L.) Rizome einfach raspelt, mit einer Knoblauchpresse
ausquetscht und unmittelbar als Saft vermalt. Auf
leuchtender gelber bis gelbgrüner Farbsaft
Baumwolle aufgezogen, wird er auch ohne Zusätze
erstaunlich waschfest. Farbnäpfchen, in denen Curcu-
Aus den Blättern des Rautenkrauts (Ruta graveolens masaft eingetrocknet ist, bleiben dauerhaft gelb ge-
L., auch starkriechende Raute oder Weinraute genannt) färbt. Beide Beobachtungen zeigen, daß Curcumasaft als
kann man einen gelben oder grünen Farbstoff auspres- sogenannter «Direktfarbstoff» nicht unbedingt ein Beiz-
sen, der vor allem zum Einfärben und Modellieren von oder Fixiermittel benötigt.
Kupfergrün (Malachit und Grünspan) verwendet wird.
Mit seiner Hilfe verwandelt sich ein solches minerali-
sches bläuliches Grün in ein warmes Grasgrün.
Den grünen Farbsaft extrahiert man, indem man die
Blätter, möglichst ohne sie zu berühren (→ 54), in ei-
nem Bronzemörser ausquetscht oder mit einem Stab-
mixer püriert. Der filtrierte Farbsaft wird nicht ver-
lackt; es genügt, ein wenig Alaun und Zuckerwasser
dazuzugeben. Durch Kochen und Laugenzugabe erhält
man gelbe Töne.

Curcuma tinctoria var. longa L.; der Farbstoff ist in den Wurzelknollen
(Rizomen) enthalten, vor allem in den spindelförmigen, senkrecht stehenden
Mutterknolle.

62. Rotholz (verschiedene Arten)


rotvioletter bis rotbrauner Farbsaft; rosa
Farblack

Die Weinraute (Ruta graveolens L.), eine Verwandte der Zitrusfrüchte. Die
mittlere Blüte eines Zweiges hat stets fünf Blütenblätter; alle anderen nur vier.

61. Curcuma (Curcuma longa L.)


gelboranger Farbsaft oder senfgelber Farblack

Die Rizome der Curcumapflanze findet man billig in


asiatischen Läden; der Farbstoff ist einer der Bestand-
teile des Curry-Gewürzes. Für die Wasserfarbenmalerei
kann man sowohl einen safrangelben Farbsaft als auch
einen senfgelben Farblack auf Kreide daraus gewinnen.
In der italienischen Buchmalerei des 14. Jahrhunderts
wurde der Farbstoff auf Bleiweiß verlackt, um ein dek-
kendes Pigment zu gewinnen.
Der Farbstoff der Curcumawurzel ist hitze- und
alkalienempfindlich. Durch Kochen gewonnene Farb-
lacke auf Kreide sind deshalb stets unbefriedigend. Am
schönsten ist der Farbton, wenn man die frischen Stachelige Caesalpinie (Caesalpinia echinata Lam.)
Rothölzer, Lieferanten für den wichtigsten Pflanzen- Rezept zur Herstellung von rosa Farblack aus Rotholz:
farbstoff der Buchmalerei, viel wichtiger noch als der Farbstoff wie bei der Herstellung von Farbsaft extra-
eher in der Färberei verwendete Krapp, waren schon im hieren (man kann den gleichen Ansatz verwenden, um
Mittelalter ein Importprodukt, wahrscheinlich aus Sri sowohl Saft als auch Lack daraus zu gewinnen). Die
Lanka, Indien und Madagaskar. einzelnen Arbeitsschritte des Verlackens sind im Ab-
Daß der Handel bedeutend gewesen sein muß, er- schnitt 51 beschrieben. Im Fall des Rotholzlackes emp-
kennt man an dem Interesse, das Marco Polo auf seiner fiehlt sich die Verwendung von reichlich Kreide, damit
Rückreise von China den Farbholzvorkommen der ein schönes Hellrosa entsteht.
bereisten Gebiete geschenkt hat. Der Begriff «Brasilholz» Der rosa Farblack aus Rotholz hatte in der Buchma-
(lignum braxilii) war bereits im 12. Jh. bekannt. Bei der lerei den gleichen Stellenwert wie eine Mineralfarbe; er
Erforschung Südamerikas seit dem 16. Jh. fand man wurde ebenso für Grundierungen verwendet wie z.B.
dort solche Bäume und benannte das Land Brasilien Azurit (und wie dieser mit Rotholzsaft schattiert).
danach.
Als die besten Rothölzer gelten
• Caesalpinia sappan L. (Sappan) 63. Folium (Chrozophora tinctoria Juss.)
• Caesalpinia crista L. (Pernambuk) blauer bis rotvioletter Farbsaft
• Caesalpinia echinata Lam. (stachelige Caesalpinie; siehe
Abbildung). Anstatt Rotholzsaft wurde im Spätmittelalter auch
Die meisten Rothölzer kommen heute aus Jamaica, der Saft aus den Früchten des Krebskrautes (Chrozopho-
Nicaragua und Brasilien (Caesalpinia brasiliensis). ra tinctoria Juss.) zum Schattieren verwendet. Er ist
etwas stärker gefärbt und tendiert eher zu Blauviolett.
Rothölzer werden für Drechsel- und Schreinerarbei- Im frühen und hohen Mittelalter war er ein beliebter
ten verwendet; auch werden die Bögen der Streichin- Ersatz für den Purpurfarbstoff. Heute ist er sehr selten
strumente gewöhnlich daraus gefertigt. Für die Farb- geworden, weil die Pflanze im 19. Jh. fast ausgerottet
stoffgewinnung kann man vor allem in der Zeit vor wurde, um die Rinde holländischer Käse damit zu
Ostern in Drogerien Pulver oder Späne von Rotholz färben (es handelt sich um einen sogenannten Indi-
kaufen. Im Mittelalter wurde der Farbstoff oft mit katorfarbstoff ; wenn der Käse reif war, wurde er rot).
Carmin aus Kermesläusen («grana») verstärkt.

Rezept zur Herstellung von rotem Farbsaft aus Rotholz:


Eine Handvoll Holzspäne wird in einem Topf mit ca.
einem Viertelliter verdünnter Aschenlauge auf ca. 70°C
erhitzt und dann etwa eine Stunde stehengelassen.
Dann soll die Flüssigkeit durch ein Teesieb gegossen und
zurück in den inzwischen gereinigten Topf gegeben
werden. Dann wird je eine Messerspitze Alaun und
Zucker beigefügt und der Topf so lange auf der warmen
Platte stehengelassen, bis die Flüssigkeit bis auf einen
kleinen Rest verdunstet ist. Nach dem Abkühlen sollte
man den Saft mit einigen Tropfen Gummiarabicum-
Lösung versetzen. Dann kann man sie in Näpfchen
gießen und eintrocknen lassen. Bei Bedarf wie eine
Aquarellfarbe verwenden.
Nach dem anonymen Traktat «de arte illuminandi»
(14. Jh.) ist Rotholzsaft praktisch die universelle Schat-
tierfarbe auf beinahe allen Farben (außer Grün). Na-
mentlich die Farben Weiß, Himmelfarbe, Hautfarbe,
Lederfarbe, Aurum musicum, Argentum musicum,
Gelbe Farblacke, Blei(zinn)gelb, Auripigment, Mennige,
rosa Rotholzlack, Purpurfarbmischung, Azurit, Lapisla-
zuli usw. wurden mit Rotholzsaft schattiert. Im Prinzip
kann zum Modellieren aller dieser Farben ein rötlicher
Mittelton verwendet werden, doch läßt sich Rot-
holzsaft auch schon bei der Herstellung in verschiedene Chrozophora tinctoria Juss. Der Farbstoff ist in den Blütenspitzen, vor allem
aber in den Hüllen der dreihäusigen Samenkapseln vorhanden.
Nuancen einstellen: Stark alkalisch wirkt er eher bläu-
lich, mit mehr Alaun eher karminrot; durch langes Quetscht man die Früchte dieses im Mittelmeer-
Stehenlassen oder leichtes Säuern entstehen eher bräun- raum vorkommenden Wolfsmilchgewächses kalt mit
liche Töne (→ 68). Hilfe eines Tüchleins aus, erhält man zuerst einen grü-
nen Saft. Innerhalb weniger Minuten schlägt er in Blau lang; manchmal wird der Saft dabei rot und wasserfest.
um. Mit ganz wenig Alaun und Zucker kann er im Auf dem Pergament ist der frische Farbsaft jedoch er-
Näpfchen eingedickt werden und liefert in seinem staunlich stabil; er eignet sich wie auch Folium hervor-
Endstadium eine leuchtendviolette Saftfarbe. – Der Saft ragend zum Schattieren von Lapislazuli und Azurit.
des Krebskrautes war einer der Farbstoffe, die in Form
von Pezzetten, also als sogenannte Tüchleinfarbe auf-
bewahrt wurden (→ 50).

64. Rote und blaue Beerenfarbstoffe

Holunder und Liguster


(violetter Saft; blaugrauer Farblack)

Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus)

Schwarzer Holunder (Sambucus nigra L.) Schwarzer Nachtschatten


(rosafarbener, blauer, grüner Saft)
Aus den reifen Beeren beider Pflanzen läßt sich durch Nicht das (farblose) Fleisch der Beeren, sondern ihre
Auskochen und Filtrieren leicht ein violetter Saft extra- schwarzen Schalen geben im Alaunwasser einen kräfti-
hieren, welcher beim Holunder eine rot- bis blauviolet- gen violetten Saft ab, der nach einer Weile blau wird
te, beim Liguster eine indigoblaue bis blaugrüne Saft- und schließlich ein schönes Türkisgrün annimmt. Er
farbe liefert. Die Farblacke auf Kreide sind in beiden darf nicht gezuckert werden, weil er schon von selbst zu
Fällen graublau und tendieren beim Altern gegen grau- Klebrigkeit neigt und unter Umständen niemals trock-
schwarz. net. Um dies zu vermeiden, quetscht man das Frucht-
fleisch bei der Ernte aus und verwendet nur die Schalen.

Liguster (Ligustrum vulgare L.)

Heidelbeere (purpurvioletter Saft; graugrüner


Farblack)
Nur mit Alaunwasser während einiger Minuten
ausgekochte Heidelbeeren liefern eine purpurne Saft-
farbe, die sich als Näpfchen- und als Tüchleinfarbe
eignet.
Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum)
Der Heidelbeerfarbstoff sollte möglichst frisch ver-
arbeitet werden und jährlich ersetzt werden. Die Kon-
servierung in Näpfchen und Tüchlein hält nicht jahre-
65. Färberwaid (Isatis tinctoria L.)
blaugrauer Küpenfarbstoff; europäischer Indigo

Bevor Indigo aus der indischen Indigopflanze


(Indigofera tinctoria L.) nach Europa eingeführt wurde,
wurde der Indigofarbstoff aus der einheimischen
Färberwaid (Isatis tinctoria L.) gewonnen. Ihr
Indigogehalt ist zwar deutlich geringer als bei den
asiatischen Indigopflanzen, doch das Blau der
Färberwaid ist mindestens ebenso schön, mit
einem Stich ins Rötliche.
Die Gewinnung des Indigofarbstoffs aus der
Färberwaid ist nicht einfach, aber lohnend. Die
meisten Quellen empfehlen die Verwendung junger
Blattrosetten im ersten Jahr (die Pflanze ist
zweijährig; siehe Abbildung). Die Blätter müssen
möglichst nach langer, intensiver Sonneneinstrahlung bei
schwüler Hitze geerntet und frisch verarbeitet werden.
Der Farbstoff ist in einer löslichen Vorstufe des Indigos
in den Blättern enthalten und wird den überlieferten Rezepten
zufolge durch eine kontrollierte Gärung aufbereitet. Dabei entsteht
eine gelbgrüne Flüssigkeit, auf der kupferfarbige Adern schwimmen.
Der noch nicht entwickelte Farbstoff muß dann durch das Einschlagen
von Luft oxidiert werden. Dabei bildet sich auf der Oberfläche des Gefäßes
blauer Schaum; gleichzeitig fällt blauschwarzer Indigo aus und
setzt sich zu Boden. Schaum und Indigosediment werden gleicher-
maßen als Pigment verwendet. Der Farbstoff muß nicht zu einem
Farblack verarbeitet werden, da er nun unlöslich ist.
Die mittelalterlichen Buchmaler machten diese Farbe in den selten-
sten Fällen selbst. Sie ließen sich von den Blau-
färbern den Schaum von den Färberküpen ab-
schöpfen oder kauften das Pigment fertig.
Rohindigo kann farblich verbessert
werden, indem man ihn mit gefaul-
tem Urin (bzw. einer Lösung aus
Natriumdithionid) wieder reduziert, d.h. in
seine lösliche, gelbgrüne Form zurück-
führt, und dann durch kräftiges
Belüften in blauen Schaum verwandelt.
Dieser zerfällt beim Trocknen in ein schönes,
blauschwarzes Pigment, welches mit Kreide
aufgehellt werden kann. Färberwaid (Isatis tinctoria L.). Links im 1. Jahr (Ernteform),
rechts im 2. Jahr (Blüte und Samenproduktion)

Rezept zur Gewinnung von Waidindigo aus Färberwaid mit Benötigte Materialien:
einfachsten Mitteln: • 500 gr. frische Färberwaidblätter
• 2 Kochtöpfe (am besten Chromstahl mit dünnem
Diese geniale, moderne Methode kommt ohne Gä- Boden und mind. 5 l Fassungsvermögen)
rung und ohne giftige Chemikalien aus und ist beson- • 2,5 l Regenwasser, notfalls Leitungswasser
ders für kleine Mengen geeignet. (nach David J. Hill, • Holzstab zum Umrühren
Bristol 1994; mit Anpassungen von KPS) • Nudelsieb und dicht gewobenes Baumwolltuch
20×20 cm
• 0, 5 dl Aschenlauge (Herstellung siehe Abschnitt 51)
• Küchenmixer
Hilfsmittel (fakultativ): • 0, 5 dl Essig
• Universal-Indikator (Meßstreifen zum Feststellen • Wasserzerstäuber
des pH-Werts im Bereich 5-10 pH) • Kaffeefilter (Trichter und Filterpapier); Auffangbe-
• Thermometer bis 100°C hälter
Die Arbeitsschritte: gießen. Falls das erste Filterwasser noch blau ist, er-
1 Zwischen Juni und Oktober an heißem, am besten neut darüberschütten, bis es farblos, rosa oder hell-
schwülem Nachmittag etwa 500 Gramm Blätter grau abtropft. Das Abtropfen kann zwischen einigen
sammeln, vorzugsweise von jungen Blattrosetten im Stunden und mehreren Tagen dauern, weil der Indi-
ersten Jahr. Die nächste Ernte kann nach 30 Tagen go sehr feinteilig ist und die Poren des Filters ver-
stattfinden. stopft. In der Filterwand hängender Indigo kann mit
2 Im ersten Kochtopf 2,5 Liter Wasser bis zum Spru- Hilfe des Zerstäubers hinuntergewaschen werden
deln aufkochen. (erstes Abtropfwasser auffangen und falls blau wie-
3 Die Blätter nach und nach, aber innerhalb einer der in Filter geben). Wenn kein Wasser mehr heraus-
Minute, in das sprudelnd kochende Wasser einlegen. tropft, kann man das Restwasser herausziehen, in-
Weiterhin Hitze zuführen. dem man ein saugfähiges Vlies unter das Filterpapier
4 Wenn alle Blätter vom Wasser bedeckt sind, noch 3 legt. Das Indigo läßt sich am besten aus dem Filter-
Minuten sprudelnd weiterkochen, bis gelber Schaum papier lösen, wenn man den Moment abwartet, in
aufsteigt. Immer wieder mit Holzstab umrühren. dem es gerade noch leicht feucht ist und sich wie ein
Währenddessen zweiten Topf im Abwaschbecken in Schneeball zusammenpappen läßt. Dann an der frei-
kaltes Wasser einstellen und das mit dem Baum- en Luft fertig trocknen. Vom Gebrauch der sonst zum
wolltuch belegte Nudelsieb darüberhängen. Trocknen von Pigmenten empfohlenen Tontellern ist
5 Die Flüssigkeit durch das Tuch in den im Wasser abzuraten, weil der Indigo zu feinteilig ist.
stehenden Topf seihen. Die Blätter nicht ausdrücken. w So lange das Indigopigment noch weich ist, kann
Die Farbe der Flüssigkeit ist gelbgrün bis olivbraun, man es auf einer Glasplatte anreiben; ist es trocken,
der pH-Wert 6 bis 7. benötigt man eine Reibschale. Nicht in Tuben abfül-
6 Nun muß die Flüssigkeit möglichst rasch abgekühlt len; sie explodieren durch Nachgärung!
werden. Dazu mit dem Holzstab abwechselnd das
Kühlwasser und die Waidflüssigkeit umrühren, Statistik:
2
letztere aber nur sehr langsam und stets in dieselbe • 1 m Waidanbaufläche liefert etwa 2 kg Blätter pro
Richtung, damit keine Luft hineingeschlagen wird. Monat (Juni-Oktober).
Das Kühlwasser 3 bis 4 Mal wechseln, aber nicht di- • Pro Kilogramm frischen Blättern gewinnt man im
rekt zu der Färberflüssigkeit geben. Schnitt etwa 1 Gramm Pigment (in mediterranen
7 In etwa 10 bis 15 Minuten sollte die Flüssigkeit auf Ländern das Doppelte).
unter 30°C abgekühlt sein. Die Farbe ist jetzt oliv-
grün; die Oberfläche sollte kupferfarben schimmern.
8 Die Lauge (etwa 0, 5 dl, wenn pH 14) vorsichtig ein- 66. Kreuzdorn (Rhamnus cathartica L.)
gießen und leicht umrühren. Nach etwa 3 Minuten (gelber Farblack
ist die Flüssigkeit flaschengrün und der pH-Wert und dunkelgrüne Saftfarbe)
etwa 9 – 10.
9 Dann muß eine halbe Stunde lang Luft eingeschlagen Die Beeren des Kreuz- oder Wegdorns (Rhamnus
werden. Dies geschieht am einfachsten mit dem Kü- cathartica L.) stehen an den Blattachseln, jeweils an
chenmixer, der so über der Flüssigkeit aufgehängt einem Einzelstiel. Aus unreifen Beeren gewinnt man
wird, daß die Rührstäbe etwa zu zwei Dritteln ein- das sogenannte «Schüttgelb», aus reifen einen leuchtend
getaucht sind. Die Flüssigkeit beginnt bald zu grünen Saft («Saftgrün»).
schäumen, und der Schaum färbt sich nach einigen
Minuten blau oder bekommt schwärzliche Krusten.
Wenn der Schaum gelb ist, ist die Flüssigkeit zu al-
kalisch. In diesem Fall sollte man mit dem Zerstäu-
ber etwas Essigwasser darübersprühen, bis der Gelb-
stich verschwindet. Schäumt die Flüssigkeit über,
kann man den Mixer einige Minuten abstellen.
0 Durch Zugabe von etwa 0, 5 dl Essig stellt man den
pH-Wert auf etwa 5 ein. Den blauen Schaum kann
man nach und nach in die Flüssigkeit hineinrühren.
Im Verlauf einer Stunde sollte der Waidindigo an-
fangen, auszuflocken und sich am Gefäßboden abzu-
setzen. Am besten über Nacht stehen lassen. Im Ide-
alfall entfärbt sich die Flüssigkeit zu hellem Orange-
rosa und kann vorsichtig abgegossen werden.
q Das Wasser bis auf den Bodensatz vorsichtig abgie-
ßen (und aufheben, falls es noch grünlich, bläulich
oder grau ist; in diesem Fall wird sich noch weiterer
Indigo absetzen). Den Bodensatz in den Kaffeefilter Kreuz- oder Wegdorn (Rhamnus cathartica L.)
Saftgrün war früher das wichtigste lasierende Grün
der Wasserfarbenmalerei. Der Saft der reifen Beeren ist
eigentlich rotviolett; er verwandelt sich aber in lebhaf-
tes Grün, sobald er mit einer schwachen Aschenlauge
oder mit der (alkalischen) Pergamentoberfläche in
Berührung kommt. Ein wenig Alaun zum Konservieren
genügt; Bindemittel und Zucker sind bereits in den
Beeren enthalten. Das Schüttgelb aus den unreifen Bee-
ren funktioniert nach der im 51. Abschnitt beschriebe-
nen Methode. Während für das Saftgrün die reifen
Beeren frisch oder tiefgekühlt sein sollten, kann man
die unreifen Beeren für die Schüttgelbgewinnung auch
getrocknet aufbewahren. Noch besser für die Farblack-
gewinnung soll der Felsenkreuzdorn (Rhamnus saxatilis)
sein.

Rezept für Kreuzdorn-Saftgrün


1 50 g frische oder tiefgekühlte reife Kreuzdornbeeren
in 50 g Wasser aufkochen;
2 2.5 g Alaun dazugeben, alles mit Löffel zerdrücken,
10 min. ziehen lassen, umrühren.
3 Durch Teesieb filtrieren und in Näpfchen eintrock-
nen lassen.
Aus dem Rückstand der Beeren können weitere,
weniger klebrige Auszüge gewonnen werden.

67. Schwertlilie (Iris, verschiedene Arten)


bläuliches Saftgrün

Die Frühjahrsvariante des Kreuzdorn-Saftgrüns


heißt Iris-Saftgrün. Zu seiner Herstellung wird der
violette Saft aus den Blütenblättern der blauvioletten
Schwertlilien ausgepreßt und mit etwas Alaun erhitzt.
Sobald er mit Pergament in Berührung kommt, ver-
wandelt er sich in ein leuchtendes Grün, welches im
Unterschied zum Kreuzdorngrün etwas bläulich und
noch durchscheinender ist. Die verwendeten Irisblüten
sollten von möglichst dunkelvioletten Arten (z.B. Ho-
lunder-Schwertlilie, Iris sambucina L.) oder Sibirische
Iris (Iris sibirica L.) stammen; besonders die im Mittel-
meerraum wachsenden Wildformen sind geeignet. Die
Blütenblätter sollten in voller Blüte stehen oder zumin-
dest am Ende der Blütezeit gepflückt werden, bevor sie Rezept für Schwertlilien-Saftgrün:
zusammenfallen und sich entfärben. Das Einfrieren im 1 5 g getrocknete oder 10 g frische / eingefrorene blau-
Tiefkühlfach schadet ihnen nicht, doch müssen sie nach violette Schwertlilienblütenblätter in
dem Auftauen rasch verarbeitet werden. Der blau- 2 50 g Wasser während 2 min. erhitzen, mit Löffel
violette Farbton kann mit minimalen Mengen Aschen- ausdrücken, dann
lauge in blaugrün umgewandelt werden. Wenn er aber 3 0.5 g Alaun zugeben, 2 min. ziehen lassen;
zu alkalisch wird, sieht er zwar eine Weile leuchtend 4 durch Teesieb filtrieren, Flüssigkeit mit
grasgrün aus, entfärbt sich jedoch allmählich in Rich- 5 0.1 g Zucker langsam einkochen lassen; bevor zäh-
tung Gelb. Deshalb sollte bei allen Arten von Saftgrün flüssig, in Näpfchen abfüllen. Bei südeuropäischen
darauf geachtet werden, daß die vollkommene Um- Sorten den Zucker weglassen.
wandlung von Violett in Grün erst nach dem Auftragen
auf das Pergament oder Papier geschieht. Die erreicht
man am besten, indem man den Saft nur mit Alaun ENDE DES REZEPTTEILS
eindickt.
68. Die Verwendung von Pflanzenfarben in der Buchmalerei

Zur Frage der Haltbarkeit von Pflanzenfarben Im Gegensatz zu Mineralfarben sind Pflanzen-
Alle Farben verändern sich mit der Zeit, manche sehr farbstoffe transparent (lichtdurchlässig), wodurch
langsam, manche schneller. Leider gehören die meisten Lichtstrahlen, die auf eine solche Farbschicht auftreffen,
Pflanzenfarben zu den schnell bleichenden, was sie für nicht sogleich an der Oberfläche reflektiert, sondern
die Tafel- und Wandmalerei ungeeignet macht. Die zuerst einmal absorbiert werden, dann aber vom dar-
Buchmalerei ist hingegen selten dem Licht ausgesetzt. unterliegenden Grund zurückgeworfen und erneut
Außer in den kurzen Augenblicken der Betrachtung durch die Farbschicht geschickt werden, wobei sie diese
und Lektüre ist die Malerei im geschlossenen Buch und zum Leuchten bringen. Diese Farbwirkung ist uns ver-
im Dunkeln geborgen, so daß die Farben im Prinzip traut von lasierend gemalter Aquarellmalerei auf Pa-
jahrhundertelang erhalten bleiben können. Uns sind pier. Dort ist der weiße Papierton der Reflektor der
tausendjährige Handschriften erhalten geblieben, de- auffallenden Lichtstrahlen.
ren Pflanzenfarben noch heute leuchten! Probleme Eine Besonderheit der Buchmalerei besteht darin,
entstehen nur dann, wenn Buchmalerei jahrelang im daß hier bewußt deckende und transparente Farben
Licht ist, mag es auch noch so schwach sein. Einzelsei- kombiniert werden: Die deckende Grundschicht (meist
ten, vor allem kolorierte Zeichnungen, die früher in mineralischen Ursprungs) wird durch die darübergeleg-
privaten oder öffentlichen Sammlungen an der hellen ten Pflanzenfarb-Lasuren konturiert und modelliert.
Wand hingen, sind heute teilweise stark ausgeblichen. Dadurch gewinnen die Farben eine besondere Leucht-
In einer überlegt aufgebauten Buchmalerei können kraft und Tiefe, vor allem wenn es gelingt, daß sich die
auch relativ lichtempfindliche Farbstoffe verwendet zwei Schichten nicht materiell vermischen. Sie müssen
werden, wenn man die folgenden Regeln befolgt und übereinander, nicht ineinander gemalt werden.
eine allmähliche Veränderung der Farben in Kauf Das hier beschriebene Prinzip der mehrschichtigen
nimmt, ja sogar in die Malerei mit einbezieht. Buchmalerei läßt sich auch durch die Kombination von
Pflanzenfarben werden in der Buchmalerei vor allem handelsüblichen Gouache- (deckend) und Aquarellfar-
zum Schattieren von Mineralfarben verwendet: Eine ben oder gar Tinten (transparent) realisieren.
Lasur aus Kreuzdornsaft verdunkelt zum Beispiel einen Moderne Aquarellfarben sind unbestreitbar lichtbe-
Malachitgrund auch dann, wenn sie sich allmählich ständiger als Pflanzenfarben. Sie sind auch zumeist
von Grasgrün in Olivgrün oder gar Braungelb verwan- reiner, denn bei der Herstellung der synthetischen
delt hat. Auch Rotholzlasuren vertiefen einen Lapisla- Farbstoffe und Pigmente werden große Anstrengungen
zuli- oder Azuritgrund auch dann noch vollkommen, unternommen, um in ihrer Lichtrefraktion möglichst
wenn sich die ursprünglich rote Lasur in durchsichtiges nur eine bestimmte Wellenlänge herauszuarbeiten und
Graubraun entfärbt. In beiden Fällen wird das Gesamt- alle anderen zu eliminieren. Pflanzenfarbstoffe sind
bild kaum unter der Veränderung leiden. hingegen «reicher». Als Beispiel mag der Rotholzsaft
Ein- und derselbe Pflanzenfarbstoff hat als Saft und dienen. In ihm überlagern sich orangerote, rote, rotvio-
als Lack unterschiedliche Echtheiten. Soll ein Pflanzen- lette und bräunliche Nuancen, was man schon bei sei-
farbstoff selbst als tongebende Lokalfarbe dienen, wird ner Herstellung feststellt. Der Extrakt mit reinem Was-
man keine Farbsäfte, sondern Mischungen mit anderen, ser wirkt orangerot; stellt man ihn dann zum Verlacken
stabileren Pigmenten oder die relativ lichtbeständigen leicht alkalisch ein, spielt er ins Rotviolett, ja gar ins
Farblacke wählen. Farblacke sind durch mineralische Bläuliche. Bleibt er zu lange stehen, wird er beinahe
Zusätze (meist Alaun) stabilisiert und dadurch lichtbe- braun. Im Rotholzsaft sind also verschiedene Tönungen
ständiger als Farbsäfte, letztere sind hingegen konzen- angelegt und spielen je nach Umgebung, Lichteinfluß
trierter und lassen sich feiner auftragen. und pH-Wert der Grundschicht mit. Dies mag ein
Grund sein, daß der Rotholzsaft als universelle Schat-
Die Leuchtkraft der Buchmalerei tierfarbe auf beinahe allen Farben außer dem Grün –
Eines der Ziele der Buchmalerei ist die möglicht vom Gelb über Ocker und Gold zum Orange, Braun,
vorteilhafte Ausnutzung des Lichts: Einerseits, um mit Rotbraun, Rot, Rosa, Violett und Blau– geeignet ist und
wenig Licht etwas sichtbar zu machen, anderseits, um in jedem einzelnen Fall nicht einfach rot, sondern nur
mit der Reflektionskraft von Blattmetallen konkurrie- verdunkelnd-vertiefend empfunden wird. Versucht
ren zu können. man denselben Effekt mit Aquarellfarben nachzuma-
Für die starkfarbigen Lokaltöne in den Grundschich- chen – zum Beispiel, indem man verschiedene transpa-
ten der Buchmalerei sind Pflanzenfarben weniger ge- rente Rottönungen mischt, so erhält man nur schmut-
eignet. Es sind die natürlichen und künstlichen Mine- zige Farben. Variiert man hingegen die Schattiertöne je
ralfarben, die wegen ihrer Deckkraft und Lichtreflekti- nach Grundfarbe, verliert man die harmonisierende
on starke Farbigkeit erzeugen. Bei schwacher Leimung Wirkung, die der Rotholzsaft auf die gesamte Malerei
wirken sie matt und können ähnlich wie Gouachefar- ausübt.
ben oder gar Pastellkreiden wirken.
Eine weitere maltechnische Kuriosität ist das in der 69. Bezugsquellen
Buchmalerei zur Schattierung von Kupfergrüns ver- Bei folgenden Firmen können pflanzliche, minerali-
wendete Saftgrün aus Kreuzdorn oder Schwertlilien (→ sche und andere Rohstoffe bezogen werden:
55, 66, 67). Hier werden ursprünglich rötliche oder
violette Farbstoffe durch Alaunzusätze «vorgebeizt» und • Kremer Pigmente, Farbmühle, D-88317 Aichstetten
in saft- bis gallertartiger Form aufbewahrt. Frisch her- • Gerstendörfer Blattgoldfabrik, D 91189 Gustenfelden
gestellte Sorten sind noch einige Minate lang beim Ma- • Laverdure & Fils, 58 rue Traversière, F-75012 Paris
len rötlich. Da aber die verwendeten Malgründe Perga- • Zecchi, Via dello Studio 19 r, I-50122 Firenze
ment, Malachit oder künstlichen Kupfergrüns alkalisch • Dolci & Figli, Via Cantarane 16, I-37129 Verona
reagieren, findet im Moment des Malens eine Umfär- • Chrüterhüsli (Drogerie Heinis), Gerbergasse 69/Falkner-
bung und zugleich Farblackbildung (→ 51) statt, welche strasse 46, 4001 Basel (gute Qualitäten Rotholz, Krapp,
den Pflanzenfarbstoff stabilisiert. Möglicherweise spie- Cochenille, Kornblumenblüten, Galläpfel, Kreuzdorn-
len dabei auch die in der Farbe enthaltenen Kupferan- beeren, Reseda, Indigo, Drachenblut, Tonteller usw.)
teile eine Rolle. Tatasche ist, dass Saftgrün auf Kupfer- • A-Chau Trading AG, Centralbahnstrasse 4 (im Elsässertor,
grün viel haltbarer ist als nur auf Papier oder Perga- beim Bahnhof SBB), 4051 Basel (frische Curcuma-
ment. Zugleich erlaubt die Vermalung als praktisch Rizome).
körperloser Farbsaft feinste Details und nuancierteste • Bleu de Lectoure, Ancienne Tannerie, Pont de Pile, F-32700
Farbabstufungen, viel feiner noch als mit Aquarellfar- Lectoure (Färberwaid-Produkte; auch Pigment).
ben. • Farbnäpfchen (Mineraliensockel in schwarz und weiß):
Mit handelsüblichen Farben mag man andere, viel- Fa. Mineralbox, Dammstr. 2/1, D-71297 Mönsheim.
leicht ebenso faszinierende Farbsysteme erarbeiten Ebenso Fa. A. u. M. Schrag, Hohrainstrasse 23, CH-3322
können. Es soll deshalb hier gar keine Missionierungs- Schönbühl.
versuch für die Herstellung von historischem oder soge- • Universal-Indikatorstreifen (Fa. Merck): In Apotheken
nannt «natürlichem» Farbmaterial gemacht werden. kaufen (pH 0–14 Fr. 18.20), nicht in Drogerien (pH 1–11
Wer eine Vorliebe für das Selbermachen der Farben Fr. 38.-)! Ähnliches gilt für Alaun und Pottasche.
entwickelt, wird vielleicht finden, daß es das Ver- • Glasplatten kann man in größeren Baumärkten in der
ständnis für Farben erweitert und außerdem Spaß gewünschten Größe zuschneiden lassen. Das Abrunden
macht. der Kanten ist nicht billig, lohnt sich aber. Kupfer findet
man ebenfalls im Bastelbedarf, Bleiplatten in Geschäften
ENDE DES DRITTEN TEILS. für Modellbau (Ballast für Modellschiffe und –Flugzeuge).
• Reibschalen, Pipetten, Filterpapier usw. verkauft das
Pharmaziehistorische Museum, Totengässlein, Basel.
• Bronzemörser findet man auf Flohmärkten (Fr. 20-100).
• Präzisionswaagen stellt z.B. die Fa. Kern in D-Albstadt
her. Alte Laborwaagen werden manchmal günstig von der
chemischen Industrie abgegeben.
• Mineralien sind am günstigsten an den großen Fachmes-
sen. Beispiele: Im Juni in Ste.Marie-aux-Mines (Voge-
sen); im Dezember Basler Mustermesse usw.

Palettmesser, Gummi arabicum, Pigmente wie Gelbe und Rote


Ocker, Grüne Erden, Kreide, Umbra, Muschelgold, künst-
liche Eisenoxide und Flammruß findet man im normalen
Künstlerbedarf.
LITERATURVERZEICHNIS
Artists' Pigments. A Handbook of Their History and Characteristics. Garcia, Michel: De la garance au pastel, Le jardin des teinturiers.
Bisher sind 3 Bände erschienen. Herausgeber: FELLER, Robert L. Aquarelles de M.-F. Delarozière. Avec un entretien d’Anne Rieger,
National Gallery of Art, Washington; Oxford University Press, New maître-artisan teinturière. Edisud Nature, Aix-en-Provence, 1996.
York/Oxford, 1986, 1993, 1997.
Hill, David J.: Siehe Müllerott, Hansjürgen.
Berger, Ernst: Quellen und Technik der Malerei des Mittelalters, Callwey
Verlag München 1897, 21912. Jossen, Erwin: Mund: Das Safrandorf im Wallis. Rotten-Verlag,
Brig/Naters 1989.
Blänsdorf, Catharina: Blaue Farblacke in Staffeleimalerei und Skulptu-
renfassung. Untersuchungen zu Herstellungs- und Verwendungsmög- Jossen, Erwin: Le Safran de Mund. Traduction et adaptation de Norbert
lichkeiten (mit Schwerpunkt auf den Anthocyanfarbstoffen). Di- Zufferey. Les cahiers de l'histoire locale 2. Naters 1991
plomarbeit Fachklasse für Konservierung und Restaurierung HFG, Kühn; Hermann: Farbmaterialien, in: Reclams Handbuch der künstleri-
Schule für Gestaltung Bern, 1997. schen Techniken 1, Philipp Reclam jun., Stuttgart 1988.
Bolli, Richard: Hirschholder, Tintenbeeri und Schlebüchseholz. Neujahrs- Kurella, A. und Strauss, I.: Lapislazuli und natürliches Ultramarin,
blatt der Naturforschenden Gesellschaft Schaffhausen Nr. 46/1994 Maltechnik Restauro 89, 1 (1983), S. 34 - 54.
Boltz, Valentin: Illuminierbuch. Wie man allerlei Farben bereiten, Lochmann, Angelika und Overath, Angelika (Hrsg.): Das Blaue Buch,
mischen und auftragen soll. Nach der ersten Auflage von 1549 heraus- Lesarten einer Farbe, Krater Bibliothek, Franz Greno, Nördlingen
gegeben, mit Einleitung und Register versehen von Dr. C. J. Benzinger 1988.
in Bern, Georg Callwey Verlag, München 1913 / Sändig Reprint Verlag,
Schaan (Liechtenstein) 1982. Markl, Georg: Die Farben von Mineralien und ihr Nutzen, in: Mineral und
Farbe. Katalog zur Sonderausstellung im Mineralischen Museum der
Bowersox, Gary W.: Gemstones of Afghanistan, Geoscience Press, Inc., Universität Bonn, 7.11.1999 - 6.2.2000.
Tucson Arizona, 1995.
Marotti, Mauro: Le piante coloranti. Edagricole - Edizione Agricole,
Brunello, Franco: L'Arte della Tintura nella storia dell'umanità, Neri Pozza, Bologna 1997.
Vicenza, 1968.
Marzotto Caotorta, Francesca: I segreti dei colori naturali. Colori fatti
Brunello, Franco: De arte illuminandi e altri trattati sulla tecnica della in casa: come ricavarli dalle conchiglie, dalle piante, dai minerali e
miniatura medievale, Neri Pozza Editore, Vicenza 1975, 21992. dalle pietre preziose. Rizzoli Editore, Milano 1982
Buckley, H.A.; Bevan, J.C.; Brown, K.M., Johnson, L.R.; Farmer, V.C.: Meier, Günter: Pflanzenfarben: Forschung, Herstellung, Anwendung.
Glauconite and Celadonite: Two seperate Mineral Species. Mineralogical Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum, Dornach
Magazine 42 (1978), S. 373–382. 1994.
Cardon, Dominique: Guide des teintures naturelles, Delachaux et Niestlé, Merrifield, Mary: Original Treatises dating from the XII TH to XVIII TH
Neuchâtel - Paris 1990. Centuries on the Arts of Painting, 2 Volumes, John Murray, London 1849.
Caster, Gilles: Les Routes de Cocagne. Le Siècle d'or du Pastel. Éditions Mineral und Farbe. Katalog zur Sonderausstellung im Mineralischen
Privat, Toulouse 1998. Museum der Universität Bonn, 7.11.1999 - 6.2.2000, Herausgeber und
Cau, Christian: Pastel au Pays de Cocagne. Terres du Sud 55, Éditions Verlag: Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie (VFMG)
Loubatières, Portet-sur-Garonne, 1999. e.V. (Der Aufschluss; Zeitschrift für die Freunde der Mineralogie und
Geologie; Heidelberg 1999)
Cennini, Cennino: Il libro dell'arte, commentato e annotato da Franco
Brunello con una introduzione di Licisco Magagnato, Neri Pozza Müller, Michèle: Giftige Pigmente. Diplomarbeit, Fachklasse für
Editore, Vicenza 1982. Deutsche Ausgabe: Das Buch von der Kunst Konservierung und Restaurierung, Schule für Gestaltung Bern, Bern
oder Tractat der Malerei des Cennino Cennini da Colle di Valdelsa. 1990.
Übersetzt, mit Einleitung, Noten und Register versehen v. Albert Ilg, Müllerott, Hansjürgen: 19 Rezepturen zur Bereitung der blauen Farbe oder
Wien 1871. zum Blaufärben aus 2 Jahrtausenden. Thüringer Chronik-Verlag H.E.
Christen, Hans Rudolf: Einführung in die Chemie, Diesterweg / Müllerott, Arnstadt 1995.
Sauerländer 101975 (1. Ausgabe: 1969). Mutzig, Jean-François: Ocritudes. Couleurs du bassin aptésien. Éditions
Cocylima, Callixte; Ferré, Régis: Petite anthologie de l’ocre. Editions de l’Envol, Mane 1999.
Équinoxe, Barbentane o.J. (ca. 1999). Nockher, Ferdinand: Aquarellmalerei. Eine Anleitung für Theorie und
De arte illuminandi. Lehrbuch über die Kunst der Buchmalerei aus Praxis. Otto Maier Verlag Ravensburg o.J. (ca. 1950?)
dem 14. Jahrhundert (Neapeler Codex), übersetzt von Klaus-Peter Ocres: ocres et ocriers du pays d'Apt. Lubéron images et signes 1, Édisud,
Schäffel, Privatdruck, Basel 1998 (Text ist hier enthalten). juillet 1997.
Denninger, E.: Die Herstellung von reinem, natürlichem Ultramarin aus Oltrogge, Doris und Hahn, Oliver: Über die Verwendung mineralischer
Lapislazuli nach der Methode des Cennino Cennini, Maltechnik 70 (1964). Pigmente in der mittelalterlichen Buchmalerei, in: Mineral und Farbe.
Diderot und d'Alembert: Recueil de planches sur les sciences, les arts Katalog zur Sonderausstellung im Mineralischen Museum der Univer-
libéraux et les arts méchaniques. Paris 1753 ff. sität Bonn, 7.11.1999 - 6.2.2000.

Doerner, Max: Malmaterial und seine Verwendung im Bilde, 1921. (17. Pigments et colorants de l'antiquité et du Moyen Âge. Teinture,
Auflage), Ferdinand Enke Verlag Stuttgart 1989. peinture, enluminure. Études historiques et physico-chimiques.
Colloque International du CNRS (Département des Sciences de
Forum Färberpflanzen 2001. Gülzower Fachgespräche, Dornburg l'homme et de la Société, Département de la Chimie). Éditions du
30./31. Mai 2001. Herausgegeben von der Fachagentur Nachwachsende CNRS Paris, 1990.
Rohstoffe e.V., Gülzow 2001
Plinius, Gaius Secundus d. Ä.: Naturalis historiæ / Naturkunde,
Fuchs, Robert: Mineralische Pigmente - Mineralaufbereitung. Pigmente aus Lateinisch - Deutsch (Buch XXXIII und XXXIV - Metallurgie; Buch
Mineralien und ihre Aufbereitung nach historischen Rezepten. In: Mineral XXXV - Farben, Malerei, Plastik), Artemis Verlag, München und
und Farbe. Katalog zur Sonderausstellung im Mineralischen Museum Zürich 1984.
der Universität Bonn, 7.11.1999 - 6.2.2000.
Ploss, Emil Ernst: Ein Buch von alten Farben. Technologie der Textilfarben Wallert, Arie: '...L'arte che alluminare è chiamata in Parigi...', in: Akt
im Mittelalter mit einem Ausblick auf die festen Farben. Sechste, (Zeitschrift, in Niederländisch), Groningen, Dezember 1987, 11. Jahr-
erweiterte Auflage mit zwei vorangestellten Beiträgen über die Ge- gang, Nr. 4, S. 34 – 43.
schichte der Farben Rot und Blau von Margarete Bruns, Moos &
Partner, München 1989. Wehlte, Kurt: Temperamalerei, Otto Maier Verlag Ravensburg 1940.

Robert, Gilbert: La Propolis, tant qu'il y aura des abeilles. Lithographie Wehlte, Kurt: Werkstoffe und Techniken der Malerei. 5., überarbeitete
Michel, Brumath 1985. Auflage, Otto Maier Verlag, Ravensburg, 1967 und 1985.

Roosen-Runge, Heinz: Farbe, in: Reallexikon zur Deutschen Kunstge-


schichte, 1981.
Roosen-Runge, Heinz: Buchmalerei, in: Reclams Handbuch der
künstlerischen Techniken 1, Philipp Reclam jun., Stuttgart 1988.
Rosen, Lissie von: Lapis Lazuli in Geological Contexts and in Ancient Written
Sources (Studies in mediterranean archaeology and literature, Pocket-
book 65), Paul Åströms förlag, Partille 1988.
Roth, Lutz; Kormann, K.; Schweppe, H: Färbepflanzen, Pflanzenfar-
ben: Botanik, Färbemethoden, Analytik, türkische Teppiche und ihre
Motive. Ecomed, Landsberg/Lech 1992.
Schrempp, Christoph M.; Schöpf, Erwin; Simon, Jan C. (Universitäts-
Hautklinik, Klinikum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg):
Dermatitis bullosa striata pratensis durch Ruta graveolens L. (Gartenraute).
Der Hautarzt 6/1999, 50: S. 432–434, Springer Verlag 1999.
Schumacher, Renate: Rote, grüne, blaue... Minerale des Mineralogischen
Museums in Bonn, in: Mineral und Farbe. Katalog zur Sonderausstel-
lung im Mineralischen Museum der Universität Bonn, 7.11.1999 -
6.2.2000.
Schumacher, Renate und Raimann, Astrid: Vom Ockersteinbruch zum
fertigen Kunstwerk, siehe: Mineral und Farbe. Katalog zur Sonderaus-
stellung im Mineralischen Museum der Universität Bonn, 7.11.1999 -
6.2.2000.
Schweppe, Helmut: Handbuch der Naturfarbstoffe. Vorkommen,
Verwendung, Nachweis. Ecomed, Landsberg/Lech 1992.
Seim, Rolf: Minerale; Sammeln und bestimmen, Neumann Verlag
Leipzig/Radebeul, 1981.
Stäuble, Nicole: Vanille; Safran; Série documentaire 29 des Conserva-
toire et Jardin botaniques de la Ville de Genève, éditée avec la collabo-
ration de l'Alimentarium (Musée de l'Alimentation) de Vevey; Genève
1992.
Straub, Rolf E.: Der Traktat de Clarea in der Burgerbibliothek Bern. Eine
Anleitung für Buchmalerei aus dem Hochmittelalter. In: Jahresbe-
richt des Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaft, Zürich
1964 (Text in deutscher Version hier enthalten).
Thompson, Daniel V.: The Materials and Techniques of Medieval Painting,
Dover Publications, New York 1956 (Originalausgabe: 1936).
Torresi, Antonio P.: Pseudo-Savonarola: A far littere de oro: Alchemia e
tecnica della miniatura in un ricettario rinascimentale.
Tosatti, Bianca Silvia: Il manoscritto veneziano, un manuale di pittura e
altre arti: miniatura, incisione, vetri, vetrate e ceramiche, di medici-
na, farmacopea e alchimia del quattrocento. Acanthus 1991
Trost, Vera: Gold- und Silbertinten. Technologische Untersuchungen zur
abendländischen Chrysographie und Argyrographie von der Spätanti-
ke bis zum hohen Mittelalter. Diss. Phil., Würzburg 1983.
Trost, Vera: Scriptorium: Die Buchherstellung im Mittelalter. Belser
Verlag, Stuttgart 1991 (urspr.: Bibliotheca Palatina; Heidelberg 1986)
Varichon, Anne: Couleurs. Pigments et teintures dans les mains des
peuples. Seuil, 2000.
Vogt, Hans-Heinrich: Farben und ihre Geschichte. Von der Höhlenmalerei
zur Farbchemie, Kosmos Bibliothek Bd. 280, Stuttgart 1982.
Vrande, Iet van de: Wolle färben mit Naturfarben. Otto Maier Verlag
Ravensburg 1982.
Wächter, Otto: Restaurierung und Erhaltung von Büchern, Archivalien und
Graphiken (Studien zu Denkmalschutz und Denkmalpflege, Hrsg.
vom Bundesdenkmalamt, IX), Hermann Böhlaus Nachf., Wien-
Köln-Graz 1982.