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Neuropsychologische Syndrome

Aphasie (Sprachstörung)
Bei einer Aphasie handelt es sich um eine erworbene zentrale Verarbeitungsstörung der
Sprachfunktionen durch organische Schädigungen nach Abschluss der Sprachentwicklung. Dies
muss von Störungen des Sprechens (Dysarthrie) unterschieden werden.
Wernicke Zentrum
Das Wernicke-Zentrum befindet sich im Schläfenlappen und ist ein besonderes Rindenfeld für das
Sprachverständnis, der eng mit dem sekundären Hörzentrum verbunden ist. Sobald eine
Schädigung in diesem Bereich vorliegt, kann es dazu kommen, dass Betroffene Menschen
Wortfindungsstörungen entwickeln. Jedoch kann der Betroffene trotz dessen einfache, flüssige
oder auch teilweise Phantasiewörter bilden. Der Betroffene leidet somit an einer sensorischen
Aphasie.
Wernicke Aphasie
Durch Störungen im oberen Teil der hinteren Temporalwindung bedingt und betrifft das
Versorgungsgebiet der A. Temporalis posterior.
• Erhaltener bis gesteigerter Sprachfluss
• Wortverwechselungen
• Lautverdrehungen
• Wortneuschöpfungen
• Sprach und Leseverständnis oft schwer beeinträchtigt, handeln und reagieren aber
angemessen
• Nachsprechen, Benennen, Lesen, Schreiben stark verändert
• Spontansprache ist meistens gut:
• Sprachfluss/- produktion: normal, eventuell gesteigert
• Sprachmelodie: wenig gestört
• Semantik: semantische Paraphasien (falsches, aber inhaltlich ähnliches Wort)
• Phonematik: phonematische Paraphasien, Neologismen (Wortneubildungen)
• Syntax: Paragrammatismus: (Bildung fehlerhafter Sätze)
• Automatismen: selten
Broca Zentrum
Das BROCA-Zentrum befindet im Frontallappen und befähigt die Sprachproduktion oder
Artikulation der Wörter. Liegt in diesem Bereich eine Schädigung vor, führt diese dazu, dass der
Betroffene an sich genau weiß, was er sagen möchte, diese jedoch nur undeutlich oder gar nicht
mehr verbalisieren kann. Aus diesem Grunde leidet der Betroffene an einer motorischen Aphasie.
Broca Aphasie
Durch Störungen der frontalen Sprachregionen und betrifft das Versorgungsgebiet der A.
praerolandica (Ast der cerebri media).
• Wortfindungsstörungen
• Stockender bis fehlender Sprachfluss
• Hohe Sprechanstrengung
• Oft leicht beeinträchtigtes Sprachverständnis
• Verstehen Sprache und geschriebenen Text deutlich besser
• Nachsprechen, Benennen, Lesen, Schreiben: deutlich beeinträchtigt
• Wenig oder keine Spontansprache:
• Sprachfluss/- produktion: nicht flüssig (mühsam, stockend), reduzierte
Sprachproduktion
• Sprachmelodie: stark gestört
• Semantik: weniger gestört (eventuell Wortumdeutungen)
• Phonematik: phonematische Praphasien (veränderte Lautstruktur durch
Auslassen, Ersetzen oder Hinzufügen von Lauten in einem Wort)
• Syntax: Telegrammstil bis Agrammatismus
• Automatismen: selten bis garnicht
Globale Aphasie
Viele kleine Störungen oder Verletzungen im kortikalen und subkortikalen temporoparietalen
Bereich, die zu einer globalen Aphasie führen. Dies entspricht dem Versorgungsgebiet der A.
cerebri media. Sie kann als Kombination von motorischer und sensorischer Aphasie aufgefasst
werden, wobei hier alle Sprachelemente beeinträchtigt sind.
• Sprachverständnis stark gestört
• Nachsprechen erschwert, oft Perseverationen (Haften an einem Wort oder einer Thematik)
• Benennen, Lesen, Schreiben oft nicht mehr möglich
• Spontansprache:
• Sprachfluss/- produktion: angestrengt stark verlangsamt/ reduziert bis keine, nur
noch einzelne Wörter
• Sprachmelodie: deutlich gestört
• Semantik: viele Paraphasien bzw. Satzbau aufgehoben
• Phonematik: Stereotypien (immer wiederkehrende Äußerungen, mit Bezug zur
Situation), oft nur noch Lautwiederholungen
• Sprachautomatismen: Echolalie (Wiederholung von Satzteilen/ Sätzen des
Gesprächpartners)
Amnestische Aphasie
Sie tritt infolge vieler kleiner Läsionen im kortikalen und subkortikalen temporoparietalen Bereich
auf, ohne einem spezifischen Versorgungsgebiet zugeordnet werden zu können. Besonders häufig
bei Demenz. Wortfindungsstörungen, Satzunterbrechungen, Floskeln und viele Füllwörter prägen
diese Form. Sprachproduktion u.- Verständnis sowie eben das Schreiben ist beeinträchtigt.
Dysarthrie
Dysarthrien sind Sprechfunktionsstörungen bei intakter Sprachfunktion (Ausdruck der
kommunikativen Fähigkeiten). Je nach Lokalisation, Ätiologie und Sprechveränderung
unterscheidet man zwischen bulbärer, extrapyramidaler und zerebellärer Dysarthrie.

Bulbäre Dysarthrie
• Läsion (Störung/Verletzung):
• Medulla oblangata
• Ätiologie:
• Als Bulbärparalyse bei ALS, Muskeldystrophie, Polyneuropathien usw.
• Sprechen:
• verwaschen „wie Klos im Hals“
• tonlos und näselnd
Extrapyramidale Dysarthrie
• Läsion:
• Stammganglien
• Bahnen zum Kortex
• Hirnstamm
• Ätiologie:
• Parkinson Syndrom
• Chorea Huntington
• Sprechen:
• leise bis aphon
• monoton, nuschelnd und verwaschen
Zerebelläre Dysarthrie
• Läsion:
• Kleinhirn
• Ätiologie:
• MS
• Tumor
• Intoxikation (Alkoholismus)
• Trauma
• Infarkt
• Sprechen:
• unregelmäßig, laut, explosiv, unharmonisch, skandierend: stoßweise,
abgehacktes Hervorbringen von Wörtern oder Sätzen
Apraxie
Ist eine sehr komplexe neurologische Störung.Unter Apraxie wird die Störung in der Planung und
Ausführung von Bewegungselementen oder Bewegungsfolgen verstanden, die zu nicht sinnvollen
Abläufen oder nicht situationsgerechten Handlungen führen, wobei Motorik und Koordination intakt
sind. Eine Apraxie wird vom Patienten in der Regel nicht wahrgenommen. Somit gibt es in der
klassischen Form 4 Formen der Apraxie.

Ideomotorische/ Motorische Apraxie


Die Motorische Apraxie ist die wichtigste Form. Sie entsteht bei Läsionen des prämotorischen
Rindenfelds der Hemisphäre oder der Balken und führt zur Beeinträchtigung in der Anordnung von
Einzelhandlungen zu einer zielgerichteten Bewegungsfolge und deren Auseinandersetzung.
Besonders Mimik und Gestik, aber auch Arme und Beine sind betroffen. Es entstehen
Ersatzbewegungen, stetige Wiederholungen der vorausgegangenen Handlung, Auslassungen,
Verfälschungen oder Überschlussbewegungen.

Ideatorische Apraxie
Sie entsteht bei Läsionen der Hemisphären und betrifft das Versorgungsgebiet der A. cerebri
media. Hierbei werden für eine Handlung die richtigen Einzelelemente gewählt, aber ihre
Reihenfolge ist gestört , sodass kein sinnvoller, zieleffektiver Handlungsablauf möglich ist.

Sprechapraxie
Die Sprechapraxie ist die Sonderform. Sie betrifft Gesichts- und Mund- Rachen- Muskulatur, führt
zu gestörter Koordination Gesichtsmuskulatur mit Undeutlichkeit beim Sprechen.

Dysphagie
Ist ebenso eine Sonderform der Apraxie, betrifft Gesichts- und Mund- Rachen- Muskulatur, führt zu
gestörter Koordination Gesichtsmuskulatur mit Schluckstörungen.
Dysphagie/Schluckstörungen
Definition
Der Begriff Dysphagie steht für die schmerzfreie (selten mit) Störung beim Herunterschlucken von
Nahrung und Flüssigkeit. Je nach Schweregrad kann die Schluckstörung die Nahrungsaufnahme
erschweren oder sogar unmöglich machen, dass die Nahrung und Flüssigkeit in die Speiseröhre
und in den Magen transportiert werden können. Die Dysphagie ist somit auch die häufigste
Begleiterscheinung von Schlaganfall, Morbus Parkinson und/oder Demenz.
Ursachen
• Störungen des Nervensystems, die das Zusammenspiel der Muskeln und Organe beim
Schlucken beeinträchtigen können (Kiefer, Lippen, Zunge, Gaumen, Kehlkopf und
Schließmuskel der Speiseröhre)
• Infektionen und Entzündungen im Mund- und Rachenraum
• akute Tumore
• allgemeine Fehlbildungen
• spezielle Situationen wie zB.: Durchbruch des Zwerchfells oder Erkrankungen der
Speiseröhre
Warnzeichen und Symptome
• Räuspern und Husten beim Essen und Trinken
• Probleme beim Kauen und Zerkleinern von Nahrung, verbliebene Speisereste
im Mundraum
• „Erstickungsgefühl“, Würgereflex oder sogar Erbrechen von Nahrung und
Flüssigkeit
• verstärkter Speichelfluss
• versehentliches „Einatmen“ bzw. Verschlucken von Nahrung oder Flüssigkeit
• verzögerter Schluckreflex
Risikofaktoren
• Erkrankungen und Fehlbildungen im Mundraum oder an der Speiseröhre
• Begleiterscheinungen durch neurologische Krankheiten
• Alter (ca. ab 60)
Stufen der Dysphagie
• Stufe 1: Schwere Dysphagie
• mit hohem Aspirationsrisiko: orale Ernährung unmöglich
• Stufe 2: Mittlere Dysphagie
• mit Aspirationsrisiko: breiförmige bis passierte Nahrung, Andicken von
Getränken
• Stufe 3: Leichte Dysphagie
• Weiches oder püriertes Essen, Schluckweise Trinken, ggf. andicken von
Getränken
• Stufe 4: Keine bis sehr leichte Schluckstörung
• Gewohntes Essen wie bisher
Pflege/ Prophylaxe
• Nahrungskonsistenz anpassen:
• Harte Lebensmittelbestandteile entfernen: Obst schälen, Brotrinde abschneiden,
Wursthaut entfernen, feingemahlenes Vollkornbrot auswählen statt grobem
Schrottbrot usw.
• Weiche Kost: Fisch statt Fleisch, Rührei statt Spiegelei, Frischkäse statt
Hartkäse, Kartoffelpüree statt Bratkartoffeln
• Fleisch klein schneiden, als Hackfleischgericht anbieten
• Kartoffeln und Gemüse vor den Augen des Patienten mit der Gabel zerdrücken
• Bei stark ausgeprägter Schluckstörung pürierte bzw. breiige Speisen anbieten
(Obstipationsprophylaxe beachten = passierte Kost ist Arm an Ballasstoffen)
• Ansprechende und appetitliche Zubereitung sowie Abwechselung im Speiseplan
• Ergänzung durch eine energie- und nährstoffreiche Aufbaunahrung, wenn erforderlich
• Maßnahmen der Aspirationsprophylaxe:
• Oberkörper hoch lagern zum Essen und auch zum Trinken
• Nach 20-30 nach dem Essen erst zurück lagern (gleichzeitige Refluxprophylaxe)
• Anwesend sein während der Patient isst und trinkt
• Absaugen, wenn nötig
• Mundgerechte Zubereitung
• Zeit geben zum Kauen und Schlucken (sich zum Patienten setzen)
• Mundhygiene nach dem Essen um Essensreste zu vermeiden
• Zum trinken animieren
• Nicht zu heiß, aber auch nicht zu kalte Speisen
• Medikamente mörsern
• Flüssigkeit wenn nötig andicken
Schluckackt/reflex
Der Schluckreflex ist ein fremder Reflex des menschlichen Körpers, der es ermöglicht Nahrung
und Flüssigkeit aufzunehmen. Diese ist angeboren und reflektorisch, also reflexartig, gesteuert.
Um Nahrung aufzunehmen und zu transportieren ist dieser Reflex essenziell.
Der Vorgang des Schluckens wird auch als Schluckakt bezeichnet. Der Schluckakt verhindert,
dass die Nahrung in die Luftröhre gelangt. Man unterscheidet hierbei eine willkürliche und eine
unwillkürliche (reflektorische) Phase. Die Koordination dieses wichtigen und komplizierten Reflexes
erfolgt im Schluckzentrum, das im verlängerten Mark (Medulla oblangata) des Gehirns liegt. Beim
Schluckakt wird ebenfalls die Bewegung des Schluckvorgangs reduziert, wodurch sich die
Speichelansammlung stark erhöht. Der Schluckakt läuft in folgenden Schritten ab:

• Präorale Phase:
• Am Beginn des Schluckaktes wird willkürlich der Mundboden kontrahiert und die
Zunge mit dem Bissen gegen den weichen Gaumen gepresst. Hierdurch wird
willkürlich der Schluckreflex ausgelöst und es erfolgt eine Sicherung des
Atemweges.
• Orale Vorbereitungsphase:
• Durch Anhebung des weichen Gaumens gegen die hintere Pharynxwand
werden die oberen Luftwege vom Speiseweg abgetrennt.
• Transportphase:
• Durch die Kontraktion des Mundbodens werden das Zungenbein und der
Kehlkopf angehoben. Der Kehldeckel nähert sich somit dem Kehlkopfeingang.
• Pharyngeale Phase:
• Gleichzeitig kommt es zum Verschluss der Stimmritze und zum Atemstillstand.
Dadurch sind auch die unteren Atemwege von Speiseweg abgetrennt .
• Ösophageale Phase:
• Die untere Zungenbeinmuskulatur zieht nach dem Schluckakt den Kehlkopf
wieder nach unten und gibt so den Atemweg wieder frei.

Der Schluckakt ist so zu sagen auch eine „Stille Aspiration“, welches jedoch nur bei bettlägerigen
Menschen, die keinen Schluckreflex haben und nicht husten können, zu gelten hat.
Aus diesem Grunde sollte bei bettlägerigen Patienten, wenn beispielsweise eine Sonde besteht,
immer kontrolliert werden.
Pflegemaßnahmen: Aspiratiosprophylaxe
Neglect Syndrom
Als Neglect Syndrom bezeichnet man die Vernachlässigung einer Raum- und Körperhälfte, ohne
dass die Orientierung allgemein gestört ist, oft nach Apoplex. Ein Neglect tritt meistens nach einer
Schädigung im Scheitellappen auf, vor allem der rechten Hemisphäre. Die Symptome betreffen
dann die linke Körperhälfte. Man spricht dann von einem links- seitiges Neglect.

Kennzeichen/Symptome:
• fehlende Reaktion auf visuelle, taktile und akustische Reize
• Vernachlässigung der kontralateralen Körperseite auf diese Reize
• motorische Vernachlässigung der kontralateralen Seite beim Lesen, Schreiben, Zeichnen
• der linke Arm und das linke Bein werden nur zögernd bewegt
• die Orientierung in die linke Raumhälfte ist vermindert
• Gegenstände und Personen werden links nicht wahrgenommen
• Minderwahrnehmung des Beines, Sturzgefährdung
• Barrieren an der linken Seite werden nicht erkannt, Patienten verlieren das Gefühl für die
Körpermitte
• Alltagsaktivitäten werden beeinträchtigt

Dem Betroffenen ist die Störung nicht bewusst, sodass er sich grundsätzlich nur um die von ihm
wahrgenommene Raumseite kümmert. Er reagiert beispielsweise nicht auf das Ansprechen von
der vernachlässigten Seite aus. Erst, wenn die Person in die nicht vernachlässigte Raumseite tritt,
kann der Betroffene sie wahrnehmen.
Apoplex
= Schlaganfall, Stroke, Cerebraler Insult
Kommt es bei der Durchblutung des Gehirns zu Störungen, handelt es sich um einen Apoplex. Es
gibt zwei Ursachen dafür, dass Teile des Gehirns nicht mehr ausreichend durchblutet werden:
• Ischämischer Insult:
• Zu 85% verstopft ein Blutgerinnsel (Thrombus oder Embolus) eine Arterie und
sorgt so für eine Mangeldurchblutung
• Hirnthrombose: Die Blutzufuhr ins Gehirn ist gestört. In einigen Regionen fehlt
Sauerstoff
• Embolie: Wird ausgelöst durch einen Blutgerinnsel (löst sich im Körper und wird
ins Gehirn gespült) oder durch eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose: in Gehirn
oder Halsschlagader)
• Hämorrhagischer Insult:
• Zu 15% platzt ein Blutgefäß und blutet ins Gehirn ein (Bluterguss) und drückt
die Nervenzellen ab (Hirnblutung, Sauerstoffmangel im Gehirn, Neurologische
Ausfälle)
• Auslöser: Arterienverkalkung, Bluthochdruck, krankhafte Arterienerweiterungen
(Aneurysma)
Klassifikation:
• TIA- transitorische ischämische Attacke:
• Ist die Vorstufe eines Schlaganfalls, bei der Betroffene kurzzeitige, nicht länger
als 24 Stunden andauernde, neurologische Ausfälle wie zum Beispiel
Lähmungen oder Sehstörungen auf einem Auge haben. Eben so kann es ein
Warnsignal für einen vollständigen Schlaganfall sein
• PRIND- prolongiertes reversibles ischämisches neurologisches Defizit:
• Eine neurologische Störung dauert länger als 24 Stunden, aber kürzer als 3
Wochen
Risikofaktoren:
• Zu hoher Blutdruck:
• Ein hoher Blutdruck schädigt auf Dauer die Gefäßwände und begünstigt die
Entstehung der Arterienverkalkung bzw. Verengungen in den Arterien
• Zu hoher Cholesterinspiegel:
• Cholesterin bzw. die Blutfettwerte spielen bei der Entstehung von
Arteriosklerose eine große Rolle. Sie lagern sich an den Gefäßwänden ab,
verengen diese oder werden vom Blutstrom mitgerissen und bleiben dann in
kleineren Hirnarterien stecken. Aus diesem Grunde ist diese oft verantwortlich
für einen ischämischen Apoplex.
• HDL- Cholesterin ist niedrig, LDL- Cholesterin steigt an
• Diabetes mellitus:
• Ist ein häufiger Risikofaktor für die Entstehung eines Schlaganfalls. Diabetes
greift ebenfalls die Gefäßwände an und kann somit eine Durchblutungsstörung
begünstigen.
• Rauchen:
• Rauchen schädigt die Blutgefäße
• Übergewicht und Bewegungsmangel/Lifestyle:
• Risiko auf Diabetes und Bluthochdruck
• Familiäre Vorbelastung
• Andere Herzkrankheiten
Symptome:
Das Erscheinungsbild eines Schlaganfalls ist bzw. kann sehr unterschiedlich sein. Nicht selten
führt er - vor allem, wenn er nicht oder erst spät behandelt wird – zur Bewusstlosigkeit und zum
Tod. Dennoch sind die Symptome eines Schlaganfalls abhängig der Lage der Blutung/ des
Gefäßverschlusses (kann alles sein, je nach dem welcher Schlaganfall es ist). Bei überlebenden
Patienten findet man typische Symptome wie:
• Kopfschmerzen
• Einseitige Taubheit/Schwäche
• Halb- u./o. Ganz - seitige Lähmungen, Gesichtslähmung
• Undeutliche Sprache/ Sprachstörungen
• Gleichgewichtsverlust
• Verschwommen sehen
• Bewusstlosigkeit
• Sensibilitätsstörungen:
• Hypästhesie:
• Eine umschriebene Minderwahrnehmung von Druck, Vibration,
Berührung, Temperatur oder Schmerzreizen
• Da diese Sinneseindrücke auf der Hautoberfläche entstehen, nennt
man sie auch Oberflächensensibilität
• Die Wahrnehmung der Vibration und der Gelenkstellung erfolgt nicht
nur auf der Haut sondern in den tieferen Strukturen
• Die Wahrnehmung dieser Sinneseindrücke wird daher als
Tiefensensibilität (Lage -, Bewegungssinn, Kraftentwicklung)
bezeichnet
• Hyperpathie:
• Eine Überempfindlichkeit der Haut
• Schlaganfall- Test (FAST- Test):
• F: Pat. bitten nacheinander zu lächeln (F wie face)
• A: Pat. bitten beide Arme gleichzeitig zu heben (A wie arms)
• S: Pat. bitten einen einfachen Satz nachzusprechen (S wie speech)
• T: Hat Pat. dabei Probleme liegt wahrscheinlich ein Schlaganfall vor und man
sollte schnell möglichst den Notarzt alarmieren (T wie time)
Störungen nach einem Schlaganfall:
• Körperliche Funktionen:
• Motorik
• Sensorik
• Koordination
• vegetative und vitale Funktionen
• Geistige Funktionen:
• Bewusstsein
• Sprache
• Denken
• Aufmerksamkeit
• Gedächtnis
• Lern- und Merkfähigkeit
• Planungs- und Handlungsfähigkeit
• Psychische Funktionen:
• Persönlichkeit
• Antrieb
• Verhalten
• Affekt
• Emotionen
• Leidensfähigkeit
Diagnostik:
Zur Diagnose eines Schlaganfalls gehört immer eine neurologische Untersuchung, bei der man
Symptome wie zum Beispiel das Ausmaß der Lähmung feststellen kann, sowie eine … die einen
Blick ins Gehirn ermöglichen.
• Blutuntersuchung
• EKG
• CT (eine direkte Blutung wird gesehen)
• MRT
• Kontinuierliches Monitoring von RR, Puls, EKG, Pulsoxymetrie, Atemfrequenz, Temperatur
• CT Angiografie (man sieht wo die Blutung in welchem Bereich aufgetreten ist)
Erste Hilfe:
• „time is brain“, jede Minute zählt, Notfall
• Patient beruhigen
• Enge Kleidung entfernen
• Oberkörper leicht hoch lagern
• Verzicht auf Essen und Trinken
• Wenn Patient bewusstlos ist, aber noch atmet: Stabileseitenlage
Behandlung:
• Lysetherapie innerhalb 24 Stunden
• Wird angewendet bei einer ischämischer Insult
• Pat. erhält über die Vene eine Infusion mit einem Medikament, dass
Blutgerinnsel auflösen kann (Thrombolytikum). Dieser aktiviert ein Enzym im
Körper, das Blutgerinnsel abbaut
• Je früher, desto höher die Erfolgschance
• Nicht anwenden bei einer Hämorrhagischer Insult, das könnte die Blutung
verschlimmern
• Thrombektomie:
• Ein dünner Katheter wird über eine Arterie in der Leiste bis zum Grinnsel im
Gehirn anhand einer Röntgenkontrolle vorgeschoben
• Kombination aus beiden:
• Auflösen des Blutgerinnsels im Gehirn mit einem Medikament
• mechanische Entfernen des Gerinnsels mittels eines Katheters
Komplikationen:
• Pneumonie
• Dysphagie
• Aspiration
• Harnwegsinfekt
• Epilepsie
• Vasospasmen
• Erhöhter Hirndruck
• Depressionen etc.
Prävention eines Rezidiv:
• Ursache des ersten Schlaganfalls behandeln
• ASS 300 mg (Blutverdünner)
• RR- Senkung
• Behandlung von Herzrhythmusstörungen
• Senkung des Cholesterinspiegel
• Bei Vorhofflimmern Antikoagualatieneingabe
Bei der Pflege zu beachten bei Aphasie Formen:
• Zeit nehmen
• Sicherheit durch gleiche Abläufe schaffen
• Patienten nicht bevormunden
• Patienten nicht ins Wort fallen oder Sätze einengen
• Verstandene Äußerungen bestätigen durch Nicken etc.
• Ja oder Nein Fragen stellen
• Mimik und Gestik einsetzten
• Blickkontakt halten
• Fragen nacheinander stellen
• Ablenkende Hintergrundgeräusche vermeiden
Pflege nach einem Schlaganfall:
• Beim Bewegen immer die gelähmte Seite mit einbeziehen
• Liegen auf der gelähmten Seite ist vorteilhaft für den Patienten
• Bei der Körperpflege Anleitung zur selbstständigen Durchführung der
Kontakturenprophylaxe
• Beim Ankleiden die gelähmte Seite zuerst in den Ärmel
• Hilfsmittel zur selbstständigen Nahrungsaufnahme bei Hemiparesen können das
Einhänderbrett, eine Anti Rutsch Matte und eine Randerhöhung sein
• Bei Faszialislähmung Gefahr der Aspiration, daher Ausspülen des Mundes nach jeder
Mahlzeit
• Prophylaxen beachten
• Zeit der Rehabilitation, so früh wie möglich
• Besondere Unterstützung bei der Bewegung oder beim Schlucken (Physio, Logopädie)
• Bobath- Konzept anwenden
Lähmungen
Unter Lähmungen im Allgemeinen versteht man Ausfallerscheinungen, die durch Läsionen
(Störungen) des Rückenmarks oder des Gehirns verursacht werden. Hier kann zwischen sensiblen
und motorischen Schäden unterschieden werden.
• Wenn die aktive Kraftentfaltung und Beweglichkeit eines Muskels oder einer Muskelgruppe
beeinträchtige ist
• kann unterschiedliche Ausmaße haben, hängt vom betroffenen Gebiet des Gehirns oder
Rückenmarks ab
Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit Lähmungen:
• Parese/ Lähmung
• Ausfall der Willkürmotorik mit schlaffer, unvollständiger Lähmung
• Plegie
• Motorische Lähmung ganzer Gliesmaßen oder einzelner Gliedmaßenabschnitte
• Spastik (zentrale Lähmung)
• Erhöhter Muskeltonus (Muskelanspannung), federnder Widerstand beim
passiven Bewegen gelähmter Exträmität, Überdehnung plötzliches
Zusammenbrechen
• Monoparese
• Lähmung einer Extremität
• Hemiparese
• Halbseitenlähmung
• Paraparese der Beine
• Lähmung beider Beine
• Tetraparese
• Lähmung aller Extremitäten
• Hemiplegie
• Halbseitige Lähmung
• Paraplegie oder syn. Diplegie
• Lähmung Beine und/ oder Arme
• Tetraplegie
• Bewegungsstörung durch Lähmung aller Extremitäten
• Spastische Hemiparese
• Spastische Lähmung einer Körperseite mit sensorischen Störungen
• Spastische Diparese
• Spastische Lähmung der beiden Rumpfhälfte, häufig verbunden mit
eingeschränkter Feinmotorik der Hände
• Auch Beinbetonte Tetraparese
• Spastische Tetraparese
• Spastik des gesamten Körpers mit fehlender Koordination der Bewegungen und
fehlender Körperkontrolle
• Beugespastik
• Meist Spastik des Armes: Arme, Handgelenke gebeugt, Hände zur Faust geballt
• Streckspastik
• Meist Spastik der Beine: Bein in Hüfte und Kniegelenk gestreckt, Fußspitze
nach unten gebeugt (Spitzfuß)
• Klonus
• Rhythmische Kontrakturen von Muskelgruppen beim passiven Bewegen,
insbesondere in Armen oder Beinen
• Schlaffe (periphere) Lähmung
• Muskeltonus nimmt ab, weil Muskulatur von Nerven nicht mehr erregt wird →
Atrophie
• Keine Eigenreflexe mehr
• Athetose
• Störung zielgerichteter Bewegungen, erheblicher Mangel an Haltungskontrolle
• Extreme Beugung / Streckung der Gelenke
• Prästhesien
• Sensorische Störungen
• Atrophie
• Gewebeschwund: Verminderung der Zellgröße, Rückbildung, meist
Ungleichgewicht zwischen aufbauenden und abbauenden
Stoffwechselprozessen
Behinderung (SGB IX)- Definition und Leistungen
Behinderung nach § 2 Abs. 1 SGB IX
Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische
Gesundheit mit hohe Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter
typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt
ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist.

Behinderung aus der Sicht der WHO


Die World Health Organization (= Weltgesundheitsorganisation) definiert Behinderung in der ICF
(International Classification of Functioning, Disability and Health) als Mehrfaktorenmodell,
bestehend aus Beeinträchtigungen, Einschränkungen, und erschwerenden Faktoren. Dafür nimmt
sie Körper (Systeme, Funktionen, Strukturen), Aktivität und Teilhabe sowie positive und negative
Kontextfaktoren eines Menschen in den Blick. Statt auf linear- kausale Ursachen liegt sie das
Augenmerk auf die Komplexität einer Behinderung, statt nur den Defekt betrachtet sie auch die
sozialen Folgen einer Behinderung.

Ursachen und Arten von Behinderung


Behinderungen können angeboren sein oder im Laufe des Lebens erworben werden.
Ursachen angeborener Behinderungen
• Erbliche Disposition
• Hierbei versteht man die psychische Lage zu einem immer wieder auftretenden
Problemverhalten oder die körperliche Empfänglichkeit für bestimmte
Krankheiten, z.B. bei vorliegenden Behinderungen/Krankheiten bei den Eltern
• Multiple Sklerose
• Schizophrenie
• Morbus Parkinson
• Rheuma
• Stoffwechselanomalien
• Stoffwechselanomalien sind Störungen des Stoffwechsels oder anormal
ablaufende Stoffwechselvorgänge, wie z.B.
• Mukoviszidose (häufigste erbliche Stoffwechselkrankheit)
• Phenylketonurie (Störung des Eiweißstoffwechsels, die schwere
geistige Behinderungen bewirken kann, wenn sie nicht frühzeitig
erkannt und diätetisch behandelt wird)
• Infektionen, Vergiftungen, Medikamenteneinflüsse
• Infektionen und Vergiftungen der Mutter in der Schwangerschaft können ebenso
wie unsachgemäß verordnete bzw. eingenommene Medikamente
schwerwiegende gesundheitliche Folgen für das entwickelte Kind haben.
Insbesondere in der Frühschwangerschaft mit raschen Entwicklungsprozessen
besteht die Gefahr von Fehlbildungen und Embryopathien, wie z.B.
• Rötelninfektion der Mutter während der Embryonalphase, kann zu
Missbildungen einzelner Organe führen
• Alkoholabusus kann eine Alkoholembryopathie zur Folge haben. Die
Kinder werden mit mehrfachen Entwicklungsdefiziten geboren, wie
z.B. Mikrozephalie, Fehlbildungen von Gesicht, Schädel, Organe
• Contergan- Skandal durch Medikamentenschädigung, dadurch z.B.
Fehlbildungen der Gliedmaßen, Ohren, Augen, Genitalien, Organen
• Störungen der Embryonalentwicklung
• Bekannt sind hier vor allem die sogenannten Neuralohrdefekte, die mit einer
Häufigkeit von 1:1000 auftreten, wie z.B.
• Anencehalus
• Spaltbildung der Wirbelsäule und/ oder des Schädels
• Hydrozephalus (Wasserkopf)
• Ursachen dafür sind: Folsäuremangel in der früheren
Embryonalphase der Mutter direkt nach der Befruchtung
• Spezifische Mangelerscheinungen
• Besteht infolge falscher oder Mangelernährung während der Schwangerschaft
• Neuralrohrdefekt als Folge eines Folsäuremangels
• Zerebrale Entwicklungsstörung als Folge hochgradigen
Eisenmangels der Mutter und dadurch bedingten Sauerstoffmangel
des Kindes im Mutterleib
• Zerebrale Entwicklungsstörung als Folge hochgradigen
Eiweißmangels der Mutter, z.B. bei lactovegetabiler Ernährung
• Chromosomenabweichungen und/ oder Genschädigungen
• Hierbei spricht man, wenn einzelne Chromosome strukturelle Veränderungen
aufweisen oder der Chromosomensatz von der normalen Chromosomenzahl
(46) abweicht. Ist ein Chromosomen dreifach vorhanden, liegt eine Trisomie vor.
Bei einer Monosomie ist ein bestimmtes Chromosomen nur 1x vorhanden.
• Down- Syndrom
• Klinefelder- Syndrom
• Parader Willi- Syndrom
• Turner Syndrom
• Fragile X- Syndrom
• Strahlenschäden an Genom
Ursachen erworbener Behinderungen
• Infektions- und andere Krankheiten
• Insbesondere solche mit Gehirn-/ Hirnhautbeteiligung, wie z.B.
• Pathologische Impfreaktionen
• Kinderlähmung
• Zeckenbiss- Menengitis oder Enzephalitis
• Rheuma
• Progressive Muskeldystrophie
• Gewalteinwirkungen
• Das von gestressten Eltern verursachte Schütteltrauma, das minimale zerebrale
Verletzungen zur Folge hat
• Gewalt
• Vergiftungen
• Können zu schweren Erkrankungen mit Beteiligung des zentralen
Nervensystems führen und bleibende Schäden verursachen.
• Beeren
• Pilze
• Blumen
• Medikamente
• Putzmittel
• Zigaretten, die vor dem Zugriff kleiner Kinder nicht gesichert werden
• Alkohol- und Nikotinmissbrauch der Mutter während der Stillzeit
• Soziales Umfeld oder Einflüsse
• Psychische Behinderungen oder Verhaltensauffälligkeiten der Kinder von
dissozialen und drogenabhängigen Eltern. Somit können Bindungsstörungen bei
den Kindern entstehen die ihre eigene psychische und soziale Entwicklung
beeinträchtigen
• Ängstlichkeit bis Waghalsigkeit
• Schüchternheit (extrem) bis zu distanzlosem Verhalten

§1 SGB IX als rechtliche Grundlage


Behinderte oder von Behinderung bedrohte Menschen erhalten Leistungen nach den für
Rehabilitationsträger geltenden Leistungsgesetzen, um ihre Selbstbestimmung und
gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu fördern, Benachteiligungen zu
vermeiden oder ihnen entgegenzuwirken. Dabei wird den besonderen Bedürfnissen behinderter
und von Behinderung bedrohter Frauen und Kinder Rechnung getragen.
• Hierbei soll Behinderung angewendet, gemindert, beseitigt oder verhütet werden
• Einschränkungen der Erwerbstätigkeit vermeiden
• Teilhabe am Arbeitsleben soll dauerhaft gesichert werden
• Persönliche Entwicklung soll gefördert werden
• Davon Betroffene Kinder sollen nicht von ihrem sozialen Umfeld getrennt werden und mit
nicht behinderten Kindern gemeinsam betreut werden.
• Ermöglichung von Teilhabe am Leben in der Gesellschaft

§ 5 SGB IX: Leistungsgruppen


• Leistungen zur medizinischen Rehabilitation
• Mobilisation
• Ergotherapie
• Physiotherapie
• Logopädie
• Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben
• Berufsvorbereitung
• Arbeitsvermittlung
• Berufliche Anpassung, Fortbildung, Ausbildung, Umschulung
• Hilfe zu einer angemessenen Schulbildung
• Unterhaltssichernde und andere ergänzende Leistungen
• Mietkosten, Reisekosten
• Krankengeld
• Übergangsgeld
• Betriebs- und Haushaltshilfe
• Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung
• Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft
• Transport
• Fahrdienst
• Gemeinschaftlicher und kulturelles Leben
• Beschaffung
• Ausstattung und Erhaltung einer Wohnung
Rehabilitation
Rehabilitation umfasst die Gesamtheit der Maßnahmen um Behinderung (körperlich, geistig oder
seelisch) zu verhindern, zu beseitigen oder zu lindern bzw. fähig zu machen. Sie ist die Förderung
der Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung.

Ziele der Rehabilitation


Rehabilitation hat das Ziel, verbleibende Leistungsunfähigkeit und Leistungsreserven so
erfolgreich und nutzbringend zu entwickeln, dass für den Menschen eine optimale Lebensbilanz
und für die Gesellschaft ein Gewinn resultiert.
• Restitution
• Ziel der Rehabilitation ist zum einen die Restitution. Bei der Restitution erfolgt
die Wiederherstellung der Funktion nur maximal oder vollständig. Daraus folgt
eine uneingeschränkte Teilhabe im alltäglichen Leben
• Kompensation
• Durch die Kompensation wird die Einübung mit mehreren Hilfsstrategien
eingesetzt. Die Nutzung verbleibender Funktionen wird bestenfalls erworben um
trotz einer Funktionseinschränkung eine bessere Teilhaben im Leben zu streben
• Addaption
• Die Addaption ist dazu da, um den Umgang mit unterschiedlichem Hilfsmittel zu
erlernen. Somit können die Funktionseinschränkungen ausgeglichen werden.
Dennoch wird bei der Addaption den Umweltbedingungen an die beeinträchtigte
Aktivität des Rehabilitanten angepasst. Mit diesem Zielmodell werden nun die
Rehabilitationsmaßnahmen von begutachtet

Bei der Zielerreichung sollte diese Reihenfolge eingehalten werden. Restitution vor Kompensation
und Kompensation vor Addaption.

Wer zahlt?
Die Träger der Rehabilitation sind zu mindestens einmal die Kranken- und Rentenversicherung, die
Unfallversicherung und die Arbeitslosenversicherung. Wenn dies nicht helfen sollte, greift das
Sozialamt für die Sozialhilfe an. Für einen Antrag muss man sich mit diesen Trägen in Verbindung
setzten, es ist egal welche Institutionen zuerst, die müssen entscheiden wohin. Natürlich aber auch
mit dem Hausarzt, oder dem Facharzt, der die Diagnose festlegt.

ICF (= International Classification of Functioning, Dissability and Health)


Die ICF- Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit – wurde
2001 von der WHO veröffentlicht. Die ICF ist ein Code um etwas zu verschlüsseln. Die Kodierung
steht für die Verständigung zwischen einigen Gesundheitswesen.
Wie stark sich ein gesundheitliches Problem auf die Betroffenen auswirkt, hängt zusätzlich von
den so genannten Kontextfaktoren ab. Kontextfaktoren stellen den gesamten Lebenshintergrund
einer Person dar. Sie umfassen alle Umweltfaktoren und personenbezogene Faktoren, die für die
Gesundheit von Bedeutung sind, wie z.B.
• Alter
• Ausbildung
• Fitness
• Lebensstil
• Infrastruktur des Wohnorts
• Soziales Netz von Familie und Arbeitsplatz
• Verfügbarkeit von Hilfsmitteln und Medikamenten

Grundgedanke an diesem Modell


Ein gesundheitliches Problem schlägt sich nicht nur in einer Beeinträchtigung der Körperfunktionen
nieder, sondern beeinflusst die Betroffenen auch in ihrer Fähigkeit aktiv am Leben teilzunehmen
und ihren bisherige Rolle und/ oder Stellung in ihrem sozialen Umfeld beizubehalten.

Ziel der WHO mit der ICF


Wichtiges in den Mittelpunkt zu stellen und den Menschen mit seinen Einschränkungen und
Fähigkeiten zu „möglichst selbstbestimmtem Leben“ zu verhelfen.
Die Betroffenen sollen ihre Selbstständigkeit wahren bzw. erreichen sowohl in der Versorgung ihrer
körperlichen Bedürfnisse als auch in der Haushaltsführung, dem Leben der sozialen Kontakte un
der Finanzierung ihrer Bedürfnisse.
Bobath- Konzept
Das Ehepaar Berta und Karel Bobath entwickelte sein Behandlungskonzept in den Jahren 1950
bis 1990 anhand ihrer Arbeit mit Kindern, mit zerebralen Läsionen und erwachsenen
Schlaganfallpatienten. Es war ihr Anliegen neurologische Patienten auf eine spezifische Weise so
zu begleiten, dass sie trotz ihrer Schädigung ein möglichst selbstständiges Leben führen können.
Dementsprechend beruht das Bobath Konzept auf dem Grundsatz, dass das Gehirn mit
neurologischen Erkenntnissen lebenslang lernfähig ist und verloren gegangene Funktionen wieder
erlernt werden können.

Zielgruppen
• Lähmungen durch Krankheiten des ZNS
• Menschen mit erworbenen Hirnschäden
• Zuständen nach Hirnblutungen
• Hirntumore
• Entzündliche Erkrankungen des ZNS
• Zentrale Lähmungen mit Anpassungsstörungen des Muskeltonus
• Störungen der Körperwahrnehmung
• Schlaganfall (häufig)

Diese eignen sich besonders zur Rehabilitation

Fundamente:
• Aktivierung des Patienten
• Verbesserte Haltungskontrolle
• Förderung der Körperwahrnehmung
Faktoren zur Beeinflussung des Muskeltonus
• Lage des Körpers im Raum
• Spannung wird aus dem Arm genommen
• Kontrakturen werden verhindert
• Mobilität durch Stabilität
• Muskeltonus
• Stellung der Schlüsselpunkte zueinander aufbauen
• Kopf, Schulter, Thorax, Becken, Hand, Fuß immer im Vordergrund

Pflegekräfte müssen dabei beachten, dass alle Faktoren gemeinsam betrachtet werden müssen.
Bewusstsein und Bewusstseinsstörungen:
Unter Bewusstseinseinstörung versteht man eine Veränderung der Wahrnehmung von
motorischen, kognitiven und physischen Vorgängen und die Beeinträchtigung der
Selbstkontrollfähigkeit.
• Schwindel und Benommenheit:
• Eine subjektiv wahrgenommene Bewegung des Körpers oder der Umgebung,
bei der Übelkeit und Erbrechen begleitend auftreten können
• Tinitus (Ohrgeräusche) oder Nystagmus (unwillkürliche
Augenbewegungen/Augenzittern, entweder in Ruhe oder beim Blick in eine
Richtung)
• Bei der Benommenheit sind Denken und Handeln verlangsamt, die Orientierung
ist eingeschränkt
• Synkope:
• Eine plötzliche kurz dauernde Bewusstseinseinstörung mit Verlust des
Muskeltonus und vollständiger Erholung (Ohnmacht)
• Vigilanzstörungen:
• Somnolenz:
• Leichte Bewusstseinseinminderung (Schläfrigkeit)
• Schläfrig und benommen, aber noch erweckbar
• Sopor:
• Schwere Bewusstseinseinminderung
• Bewusstlos, reagiert auf Ansprache oder Berührung aber mit
einfachen Äußerungen oder gezielten Abwehrbewegungen
• Koma:
• Schwerste Bewusstseinseinminderung
• Tiefe Bewusstlosigkeit, kann weder durch Ansprache noch
Berührung oder Schmerzreize geweckt werden
Glasgow-Koma-Skala:
Das Glasgow-Koma-Skala, abgekürzt GCS, wird zur Einschätzung des Schweregerades einer
Hirnschädigung eingesetzt. Hierbei werden verschiedene Kriterien genauer in Betracht gezogen.
Dazu gehört:
• Augen öffnen:
• Reaktion: Bewertung:
• Spontan 4
• Nach Ansprache 3
• Nach Schmerzreiz 2
• Fehlend 1
• Motorische Reaktionsfähigkeit:
• Reaktion: Bewertung:
• Kommt Aufforderungen nach 6
• Gezielte Reaktion auf Schmerzreiz 5
• Ungezielte Reaktion auf Schmerzreiz 4
• Atypische Beugemechanismen 3
• Streckmechanismen 2
• Fehlende Reaktion 1
• Verbale Reaktionsfähigkeit:
• Reaktion: Bewertung:
• Orientiert 5
• Desorientiert, konfuse Antwort 4
• Inadäquate Worte 3
• Unverständliche Laute 2
• Fehlend 1