Sie sind auf Seite 1von 1078

Allgemeine Benutzungshinweise Allgemeine Benutzungshinweise

Geschriebene Standardsprache als Leitvarietät Frequenzausdrücke


Eine zentrale Ursache für sprachliche Zweifel ist die Existenz mehrerer Varietäten des Deut- Zur Erfassung der Häufigkeit des für 90% und darüber fast immer
schen (beispielsweise Dialekte und Fachsprachen). Zweifel beziehen sich deshalb häufig auf Vorkommens verwenden wir

häufiger
für 70% bis unter 90% meist
die Frage, ob eine Variante, die in einer Varietät vorkommt, auch in einer anderen Varietät in diesem Wörterbuch vorrangig
verwendet werden kann. Dabei hat die geschriebene Standardsprache einen besonderen Status: die folgenden Kategorien: für 50% bis unter 70% oft
Insbesondere beim beruflichen Schreiben sowie beim Schreiben in Lehr- und Lernkontexten wird
für genau 50% genauso
in unserer Gesellschaft sehr großer Wert darauf gelegt, dass die Normen der geschriebenen
Standardsprache eingehalten werden. Dieses Wörterbuch möchte Ihnen die Möglichkeit bieten, für 30% bis unter 50% auch

seltener
in solchen Situationen eine angemessene Entscheidung zu treffen. Deshalb hat die geschriebene
für 10% bis unter 30% manchmal
Standardsprache hier den Status einer Leitvarietät. Damit ist aber keine Abwertung anderer
Varietäten verbunden. für unter 10% vereinzelt

Einordnung von Varianten Quelle


Der Einordnung von Varianten liegen neben den langjährigen Erfahrungen der Dudenredak-
standardsprachlich überregional, stilistisch neutral, nicht an einen spezifischen Ver-
tion Analysen des Sprachgebrauchs zugrunde. Diese wurden vor allem mit dem Dudenkorpus
wendungskontext gebunden, auch in formelleren Kontexten unauffällig
vorgenommen. Das Dudenkorpus umfasst derzeit ca. 4 Milliarden Wortformen. Es stellt einen
geschriebene im Geschriebenen (und auch im Gesprochenen) dem Standard Querschnitt durch das geschriebene Standarddeutsch dar (mit einem Schwerpunkt auf über-
Standardsprache entsprechend regionalen Zeitungstexten). Allerdings können nicht für jede Neuauflage des Wörterbuchs alle
Fälle auf diese Weise erneut überprüft werden.
gesprochene auf das Gesprochene beschränkte Standardsprache
Standardsprache
Dudenempfehlungen
informell verwendet in Situationen, in denen die Standardkonformität nicht
verlangt ist, sowohl geschrieben (z. B. Chatkommunikation) als auch Die Dudenempfehlungen (Gelbmarkierungen) bieten eine rasche Orientierung zum ange-
gesprochen messenen Sprachgebrauch in der geschriebenen Standardsprache. Die Empfehlungen
umgangssprachlich tendenziell unangemessen in formelleren Kontexten und / oder regional bei rechtschreiblichen Varianten entsprechen denen, die die Dudenredaktion im Dudenband 1,
begrenzt; in jedem Fall nicht standardsprachlich »Die deutsche Rechtschreibung«, 26. Auflage 2013, gibt. Für die Empfehlungen bei gram-
matischen Varianten gilt:
fachsprachlich verwendet in einem spezifischen fachlichen Kontext; dabei neben n Wenn die Varianten verschiedenen Varietäten angehören, wird die standardsprachliche
der allgemeinen Kategorie »fachsprachlich« spezielle Kategorien für Variante empfohlen. Damit ist keine Abwertung anderer Varietäten verbunden.
einzelne Fachsprachen (z. B. Bergbau, Rechtswesen) n Wenn zwei oder mehrere Varianten der geschriebenen Standardsprache angehören, wird

alltagssprachlich nicht fachsprachlich, also nicht an die Verwendung in einem spezifi- diejenige Variante empfohlen, die im Sprachgebrauch häufiger vorkommt. Wenn beide
schen fachlichen Kontext gebunden Varianten sehr selten vorkommen, wird keine Empfehlung ausgesprochen.
Die Überblicksartikel enthalten keine Dudenempfehlungen, weil es in diesen Artikeln vor allem
dialektal / regional; dabei neben den allgemeinen Kategorien »dialektal« und darum geht, die Hintergründe für Zweifelsfälle zu erklären.
regionalsprachlich / »regionalsprachlich« spezielle Kategorien für einzelne Regionen
regional (z. B. norddeutsch)
Feminine Personenbezeichnungen
früher / heute heute (nicht) gebräuchlich; dabei neben den allgemeinen Kategorien
»früher« und »heute« auch spezielle Kategorien für genauere Ein- Die sprachsystematischen Regeln und derzeitigen gesellschaftlichen Konventionen zu einem
ordnungen (z. B. 17. Jahrhundert) geschlechtergerechten Sprachgebrauch werden im gleichnamigen Artikel ausführlich erläutert.
In Einzelartikeln wie Aachener oder Architekt wird auf eine gesonderte Nennung verzichtet,
Siehe hierzu auch die Artikel »Standarddeutsch«, »informell / informelle Sprache«, wenn es im jeweiligen Artikel um ein spezifisches grammatisches Problem geht, das die Bildung
»Umgangssprache / umgangssprachlich«, »Fachsprache«, »Alltagssprache«, »Dialekt / der femininen Formen nicht berührt. Von diesen Personenbezeichnungen können selbstver-
Regionalsprache«. ständlich mit -in feminine Formen abgeleitet werden.

D9_Vorsatz_2016-08-25.indd 2-3 25.08.16 09:46


Allgemeine Benutzungshinweise Allgemeine Benutzungshinweise

Geschriebene Standardsprache als Leitvarietät Frequenzausdrücke


Eine zentrale Ursache für sprachliche Zweifel ist die Existenz mehrerer Varietäten des Deut- Zur Erfassung der Häufigkeit des für 90% und darüber fast immer
schen (beispielsweise Dialekte und Fachsprachen). Zweifel beziehen sich deshalb häufig auf Vorkommens verwenden wir

häufiger
für 70% bis unter 90% meist
die Frage, ob eine Variante, die in einer Varietät vorkommt, auch in einer anderen Varietät in diesem Wörterbuch vorrangig
verwendet werden kann. Dabei hat die geschriebene Standardsprache einen besonderen Status: die folgenden Kategorien: für 50% bis unter 70% oft
Insbesondere beim beruflichen Schreiben sowie beim Schreiben in Lehr- und Lernkontexten wird
für genau 50% genauso
in unserer Gesellschaft sehr großer Wert darauf gelegt, dass die Normen der geschriebenen
Standardsprache eingehalten werden. Dieses Wörterbuch möchte Ihnen die Möglichkeit bieten, für 30% bis unter 50% auch

seltener
in solchen Situationen eine angemessene Entscheidung zu treffen. Deshalb hat die geschriebene
für 10% bis unter 30% manchmal
Standardsprache hier den Status einer Leitvarietät. Damit ist aber keine Abwertung anderer
Varietäten verbunden. für unter 10% vereinzelt

Einordnung von Varianten Quelle


Der Einordnung von Varianten liegen neben den langjährigen Erfahrungen der Dudenredak-
standardsprachlich überregional, stilistisch neutral, nicht an einen spezifischen Ver-
tion Analysen des Sprachgebrauchs zugrunde. Diese wurden vor allem mit dem Dudenkorpus
wendungskontext gebunden, auch in formelleren Kontexten unauffällig
vorgenommen. Das Dudenkorpus umfasst derzeit ca. 4 Milliarden Wortformen. Es stellt einen
geschriebene im Geschriebenen (und auch im Gesprochenen) dem Standard Querschnitt durch das geschriebene Standarddeutsch dar (mit einem Schwerpunkt auf über-
Standardsprache entsprechend regionalen Zeitungstexten). Allerdings können nicht für jede Neuauflage des Wörterbuchs alle
Fälle auf diese Weise erneut überprüft werden.
gesprochene auf das Gesprochene beschränkte Standardsprache
Standardsprache
Dudenempfehlungen
informell verwendet in Situationen, in denen die Standardkonformität nicht
verlangt ist, sowohl geschrieben (z. B. Chatkommunikation) als auch Die Dudenempfehlungen (Gelbmarkierungen) bieten eine rasche Orientierung zum ange-
gesprochen messenen Sprachgebrauch in der geschriebenen Standardsprache. Die Empfehlungen
umgangssprachlich tendenziell unangemessen in formelleren Kontexten und / oder regional bei rechtschreiblichen Varianten entsprechen denen, die die Dudenredaktion im Dudenband 1,
begrenzt; in jedem Fall nicht standardsprachlich »Die deutsche Rechtschreibung«, 26. Auflage 2013, gibt. Für die Empfehlungen bei gram-
matischen Varianten gilt:
fachsprachlich verwendet in einem spezifischen fachlichen Kontext; dabei neben n Wenn die Varianten verschiedenen Varietäten angehören, wird die standardsprachliche
der allgemeinen Kategorie »fachsprachlich« spezielle Kategorien für Variante empfohlen. Damit ist keine Abwertung anderer Varietäten verbunden.
einzelne Fachsprachen (z. B. Bergbau, Rechtswesen) n Wenn zwei oder mehrere Varianten der geschriebenen Standardsprache angehören, wird

alltagssprachlich nicht fachsprachlich, also nicht an die Verwendung in einem spezifi- diejenige Variante empfohlen, die im Sprachgebrauch häufiger vorkommt. Wenn beide
schen fachlichen Kontext gebunden Varianten sehr selten vorkommen, wird keine Empfehlung ausgesprochen.
Die Überblicksartikel enthalten keine Dudenempfehlungen, weil es in diesen Artikeln vor allem
dialektal / regional; dabei neben den allgemeinen Kategorien »dialektal« und darum geht, die Hintergründe für Zweifelsfälle zu erklären.
regionalsprachlich / »regionalsprachlich« spezielle Kategorien für einzelne Regionen
regional (z. B. norddeutsch)
Feminine Personenbezeichnungen
früher / heute heute (nicht) gebräuchlich; dabei neben den allgemeinen Kategorien
»früher« und »heute« auch spezielle Kategorien für genauere Ein- Die sprachsystematischen Regeln und derzeitigen gesellschaftlichen Konventionen zu einem
ordnungen (z. B. 17. Jahrhundert) geschlechtergerechten Sprachgebrauch werden im gleichnamigen Artikel ausführlich erläutert.
In Einzelartikeln wie Aachener oder Architekt wird auf eine gesonderte Nennung verzichtet,
Siehe hierzu auch die Artikel »Standarddeutsch«, »informell / informelle Sprache«, wenn es im jeweiligen Artikel um ein spezifisches grammatisches Problem geht, das die Bildung
»Umgangssprache / umgangssprachlich«, »Fachsprache«, »Alltagssprache«, »Dialekt / der femininen Formen nicht berührt. Von diesen Personenbezeichnungen können selbstver-
Regionalsprache«. ständlich mit -in feminine Formen abgeleitet werden.

D9_Vorsatz_2016-08-25.indd 2-3 25.08.16 09:46


Duden Band 9
Der Duden in zwölf Bänden
Das Standardwerk zur deutschen Sprache

1. Rechtschreibung
2. Stilwörterbuch
3. Bildwörterbuch
4. Grammatik
5. Fremdwörterbuch
6. Aussprachewörterbuch
7. Herkunftswörterbuch
8. Synonymwörterbuch
9. Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle
10. Bedeutungswörterbuch
11. Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten
12. Zitate und Aussprüche
Duden
Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle
Richtiges und gutes Deutsch
8., vollständig überarbeitete Auflage

Herausgeberin
Prof. Dr. Mathilde Hennig

Autorinnen und Autoren


Grammatik: Prof. Dr. Mathilde Hennig,
Prof. Dr. Jan Georg Schneider
Orthografie: Dr. Ralf Osterwinter
Lexik und Stil: Dr. Anja Steinhauer

Duden Band 9

Dudenverlag
Berlin
Projektleitung Dr. Kathrin Kunkel-Razum
Lektorat Dr. Franziska Münzberg
Computerlinguistische Bearbeitung Dr. Franziska Münzberg und Volker Emmrich
Computerlinguistische Betreuung Thorsten Frank
Unter Mitarbeit von Stephanie Lotzow, Vanessa Schäfer, Carsten Pellengahr und Melina Möhring
Herstellung Ursula Fürst

Die Duden-Sprachberatung beantwortet Ihre Fragen


zu Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik u. Ä.
montags bis freitags zwischen 09:00 und 17:00 Uhr.
Aus Deutschland: 09001 870098 (1,99  pro Minute aus dem Festnetz)
Aus Österreich: 0900 844144 (1,80  pro Minute aus dem Festnetz)
Aus der Schweiz: 0900 383360 (3,13 CHF pro Minute aus dem Festnetz)
Die Tarife für Anrufe aus den Mobilfunknetzen können davon abweichen.
Den kostenlosen Newsletter der Duden-Sprachberatung können Sie unter
www.duden.de/newsletter abonnieren.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek


Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen
Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet
über http://dnb.dnb.de abruf bar.

Das Wort Duden ist für den Verlag Bibliographisches Institut GmbH
als Marke geschützt.

Kein Teil dieses Werkes darf ohne schriftliche Einwilligung des Verlages
in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren),
auch nicht für Zwecke der Unterrichtsgestaltung,
reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme
verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nicht gestattet.

X Duden 2016
Bibliographisches Institut GmbH, Mecklenburgische Straße 53, 14197 Berlin
Typografisches Konzept Farnschläder & Mahlstedt Typografie, Hamburg
Satz Dörr + Schiller GmbH, Stuttgart

ISBN 978-3-411-91239-1 (E-Book)


ISBN 978-3-411-04098-8 (Buch)
www.duden.de
Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,


der Dudenband »Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle« steht seit
seiner ersten Auflage im Jahr 1965 in enger Verbindung mit der Duden-
Sprachberatung. So gehen in den Band die wichtigsten Fragen zu Grammatik,
Orthografie und Stil ein, die der Sprachberatung täglich am Telefon gestellt
werden.
»Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle« ist gedacht für alle, die
beruflich oder privat viel schreiben und dabei schnell und korrekt Entschei-
dungen für eine Form treffen müssen. Der Dudenband bietet darüber hinaus
eine wichtige Fundgrube für die Beschäftigung mit sprachlicher Variation
im Deutschunterricht und eine wichtige Grundlage für die linguistische
Beschäftigung mit Zweifelsfällen.
Der Dudenband ist für die 8. Auflage umfassend in allen Bereichen überar-
beitet und aktualisiert worden. Dabei ging es vor allem darum, die von Peter
Eisenberg in der 6. Auflage eingeführte Orientierung an der geschriebenen
Standardsprache der Gegenwart als Leitvarietät konsequent weiterzuverfol-
gen. Damit ist keine Abwertung anderer Varietäten (wie etwa der Dialekte
oder Fachsprachen) verbunden. Die geschriebene Standardsprache hat aber
einen besonderen Stellenwert, da sie universaler einsetzbar, in ihrer Verwen-
dung nicht auf bestimmte Kontexte beschränkt ist. Mit der Kennzeichnung
von sprachlichen Varianten als zur geschriebenen Standardsprache gehörig
möchten wir folglich denjenigen ein Angebot zur Orientierung unterbreiten,
die im Kontext des beruflichen oder privaten Schreibens eine unauffällige
sprachliche Form suchen. Zudem verweisen wir an einigen Stellen auch auf
Unterschiede zwischen geschriebenem und gesprochenem Standarddeutsch,
denn zum einen wandeln sich mündliche Ausdrucksweisen noch schneller
als schriftliche, zum anderen unterliegt die flüchtige, interaktive Mündlich-
keit anderen Produktions- und Rezeptionsbedingungen als die bleibende,
eher monologische Schriftlichkeit. Mit der Kennzeichnung von Varianten
mit anderen Kategorien wie informell, regionalsprachlich oder fachsprach-
lich bieten wir weiterführende Hinweise zum Verwendungskontext der
jeweiligen Variante. Wenn keine Aussage zu einem solchen spezifischen Ver-
wendungskontext getroffen wurde, können Sie davon ausgehen, dass die
genannte Form der geschriebenen Standardsprache angehört.
Bei der Bearbeitung der 8. Auflage ging es darüber hinaus darum, die im
Ratgeber getroffenen Empfehlungen durch linguistische Analysen abzusi-
chern. Der Dudenband profitiert von den Recherchemöglichkeiten des
Dudenkorpus, das derzeit ca. vier Milliarden Wortformen umfasst. So wur-
den zu vielen zentralen Zweifelsfallbereichen wie etwa Kongruenz, Rektion,
Adjektiv-, Substantiv- und Verbflexion umfassende Korpusanalysen durch-
geführt. Der Dudenband entspricht dabei einerseits aktuellen korpuslinguis-
tischen Standards und büßt dabei andererseits seine Ratgeberfunktion nicht
ein. Aber auch zu für unsere Gesellschaft wichtigen Themen wie ›geschlech-
tergerechter Sprachgebrauch‹, ›Political Correctness‹ und ›Leichte Sprache‹
bietet der Ratgeber linguistisch untermauerte Empfehlungen.
Das Buch enthält zwei Typen von Artikeln: Die Mehrheit der Artikel geht
von einem einzelnen Zweifelsfall aus und erklärt diesen in knapper, allgemein
verständlicher Form. Wenn mehrere Varianten gebräuchlich sind und eine
der Varianten den auf den vorderen Innenseiten erläuterten Kriterien ent-
spricht, bietet eine Dudenempfehlung eine rasche Orientierung. Die zweite
Gruppe von Artikeln gibt jeweils einen breiteren berblick über ein bestimm-
tes Thema. In diesen Artikeln kommt es darauf an, einzelne Zweifelsfälle im
größeren grammatischen, orthografischen oder stilistischen Kontext zu ver-
orten und durch Erläuterungen zu den systematischen Bedingungen des Phä-
nomenbereichs offenzulegen, wie es zum Nebeneinander von Varianten
kommt und welche sprachsystematischen und gebrauchsbedingten Faktoren
zur Entscheidung für eine Variante herangezogen werden können. Die ber-
blicksartikel bieten also Hintergrundwissen für einen angemessenen
Umgang mit sprachlichen Zweifelsfällen.

Berlin, im Juli 2016

Die Dudenredaktion, die Herausgeberin und alle Mitarbeiterinnen und Mit-


arbeiter
7 a – ab

a: Zur Schreibung und Deklination ↑ Bin-


destrich (2.4) (a-Laut); ↑ Einzelbuchsta-
Aa
(wie in einschenken oder ausschenken)
oder dem Substantiv [Aus]schank zu-
M
ab

ben (des A, zwei A); ↑ Groß- oder Klein- ordnet.


schreibung (1.2.5) (von A bis Z, das a in Aachener: Die Einwohner von Aachen hei-
Rad). ßen Aachener (nicht: Aacher). Die Ein-
à: Die aus dem Französischen übernom- wohnerbezeichnung Aachener wird im-
mene Präposition wird vor allem in der mer großgeschrieben (ein Aachener, die
Kaufmannssprache und umgangs- Aachener). Auch das nicht flektierbare
sprachlich anstelle von zu [ je] zur An- Adjektiv Aachener vor einem Substantiv
gabe z. B. des Stückpreises oder der wird großgeschrieben: die Aachener Zei-
Stückzahl verwendet: 10 Kisten à 50 tungen, Fußballspieler. ↑ Einwohnerbe-
Zigarren. Das Lexikon hat 8 Bände à zeichnungen auf -er (1).
1 000 Seiten. Der Nominalausdruck, der Aas: Das Wort hat zwei Pluralformen: die
von à abhängt, steht im Akkusativ: Aase und die Äser. Die Form Äser ist
drei Kartons à 40 Musterbeutel (nicht: umgangssprachlich; sie wird gewöhnlich
Musterbeuteln). 10 Dosen à einen hal- nur gebraucht, wenn Aas als Schimpf-
ben Liter. wort verwendet wird.
ä / e: Der Umlaut [] wurde im Mittel- ab: 1. ab unserem Werk x ab erstem / ersten
hochdeutschen durch e und nicht wie Mai x ab letztem / letzten Montag: Bei
heute durch ä wiedergegeben: kreftig Ortsangaben steht die Präposition ab
(zu: kraft), heute kräftig. In vielen älte- nur mit dem Dativ: ab unserem Werk; ab
ren Bildungen steht deshalb auch heute welcher Station?; ab allen deutschen
noch ein e, wo nach der neueren Regel Flughäfen. In den übrigen Verwendun-
ein ä stehen müsste. Im Fall von Eltern gen steht ab auch mit dem Akkusativ: ab
(mhd. altern und eltern), dem substan- erstem Mai / (auch:) ab ersten Mai; ab
tivierten Komparativ zu alt (mhd. alt), letztem Montag /(auch:) ab letzten Mon-
hat sich die Schreibung mit e vor allem tag; ab vier Nächten /(auch:) ab vier
auch deshalb gehalten, weil die Bedeu- Nächte; ab 50 Exemplaren /(auch:) ab 50
tung »die Älteren« gegenüber der Be- Exemplare wird Rabatt gewährt. Dieser
deutung »Vater und Mutter« verblasste. Film ist jugendfrei ab zwölf Jahren /
Das Adjektiv überschwänglich wird je- (auch:) ab zwölf Jahre. Nur der Dativ ist
doch mittlerweile mit ä geschrieben, möglich, wenn diese Angaben mit einem
weil seine Ableitung von berschwang Artikelwort auftreten: ab dem 15. Mai;
sichtbar geblieben ist, und behände ab der dritten Runde; ab meinem 18. Le-
wird mit Hand in Verbindung gebracht. bensjahr.
Das Adjektiv aufwendig , das dem Verb 2. ab Hamburg / von Hamburg [an] x ab
aufwenden oder dem Substantiv Auf- morgen / von morgen an: Die Präposition
wand zugeordnet werden kann, darf ab ist im heutigen Sprachgebrauch, vor
auch aufwändig geschrieben werden. allem in der Kaufmanns- und Verwal-
Ebenso gilt für das Substantiv Schenke tungssprache, wieder üblich geworden,
auch die Schreibung Schänke, je nach- nachdem sie durch von [– an] verdrängt
dem, ob man es dem Verb schenken worden war: ab Werk, frei ab Hafen; ab
Abakus – abendelang / Abende lang 8

A Autobahnausfahrt Hannover; ab Flug- attributiv verwendet werden. So hat


M
Abak hafen Frankfurt; ab 50 Kisten. Auch bei
Zeitangaben wird ab neben von – an ge-
sich bis heute die alte Fügung der abge-
dankte (= entlassene) Offizier erhalten,
braucht: ab morgen / von morgen an; ab obwohl das Verb nicht mehr transitiv
der vierten Stunde / von der vierten gebraucht wird. So wird abgedankte als
Stunde an; ab Ostern / von Ostern an. Da Attribut auch heute noch vor allem in
hier mit ab und von – an immer ein Verbindung mit Positionen verwendet,
zeitlich fortdauerndes Geschehen ein- aus denen man theoretisch auch abge-
geleitet wird, können sie nicht in Ver- dankt werden kann: die abgedankte
bindung mit Verben gebraucht werden, Wurstkönigin, die abgedankte Prinzen-
die punktuelle Bedeutung haben, d. h. Mätresse. Diese Möglichkeit der attri-
einen auf einen Zeitpunkt begrenzten butiven Verwendung wird vereinzelt
Vorgang bezeichnen. Also nur: Unser auch auf den intransitiven Gebrauch
Geschäft ist ab Mai / von Mai an wieder übertragen: Kurt Stankewitz gehört je-
geöffnet. Aber nicht: Wir eröffnen unser nem Verein an, der die Interessen einer
Geschäft ab Mai / von Mai an. längst abgedankten Elite vertritt (taz).
3. ab Montag, dem / den ...: ↑ Datum. So verbindet eine Fußgängerbrücke (!)
4. der ab[b]e Knopf: Ab sollte nicht attri- die abgedankte Autostadt mit dem
butiv gebraucht werden. Nicht korrekt: Olympiadorf (ZEIT). ↑ Partizip und Par-
Sie nähte den ab[b]en Knopf an. tizipialgruppe (2.1).
5. Rechtschreibung: ↑ ab sein; ↑ Getrennt- Abdruck: Abdruck hat zwei Bedeutungen.
oder Zusammenschreibung (1.6); ↑ Bin- In der Bedeutung »Wiedergabe von
destrich (1.1). Text und Bild im Druck« ist es von der
6. von – ab / von – an: ↑ von (6). Druck – die Drucke abgeleitet, sein Plu-
Abakus: Der Plural lautet nach der Dekli- ral lautet die Abdrucke: Von dem Bild
nation im Lateinischen die Abakus. wurden mehrere Abdrucke hergestellt.
Abbau: Das Wort hat zwei Pluralformen: Bedeutet Abdruck »Nachbildung; hin-
die Abbaue und die Abbauten. In der terlassene Spur«, dann ist es von der
Bergmannssprache ist die Abbaue üb- Druck – die Drücke abgeleitet, sein Plu-
lich. Der regionalsprachlichen Verwen- ral lautet die Abdrücke: Der Zahnarzt
dung im Sinne von »abseits gelegenes fertigte mehrere Abdrücke an. In Kohle
Anwesen« entspricht die Pluralform die finden sich manchmal Abdrücke von
Abbauten analog zu der Bau – die Bau- Pflanzen und Insekten. ↑ Druck.
ten. -abel: ber das Weglassen des e bei Ad-
abbuchen: ↑ buchen / verbuchen / abbu- jektiven auf -abel ↑ Adjektiv (3). Vgl.
chen. auch ↑ Vergleichsformen (2.2).
Abc: ↑ Alphabet; ↑ alphabetische Anord- Abend / abends : Groß schreibt man das
nung. Substantiv: es wird Abend, am / gegen
abdanken: Dieses Verb hatte ursprünglich Abend, eines Abends, guten Abend, zu
zwei Verwendungsweisen. Neben der Abend essen; heute / morgen Abend.
heute üblichen intransitiven Verwen- Klein schreibt man das Adverb abends:
dung im Sinne von »ein Amt niederle- von morgens bis abends, abends um
gen« (er dankt ab) stand die transitive 8 Uhr, dienstags abends. Zu dienstag-
Verwendung im Sinne von »jmdn. aus abends, dienstags abends und Dienstag-
dem Dienst entlassen« (einen Offizier abend ↑ Adverb (3). Zu abends
abdanken). Das Partizip II des transiti- spät / spätabends ↑ spät.
ven Verbs abdanken konnte, wie alle abendelang / Abende lang: Zusammen
Partizipien II von transitiven Verben, schreibt man das Adjektivkompositum:
9 Abenteuerin / Abenteurerin – abfragen

Er trieb sich abendelang in Kneipen he- zweitsatzes und des Verberstsatzes ge- A
rum. Nach abendelangem Warten sah
ich sie endlich. Getrennt und groß
wöhnlich getrennt und nachgestellt:
Das Gericht erkannte ihm die bürger-
M
abfr
schreibt man, wenn Abende durch eine lichen Ehrenrechte ab. Die Verwendung
nähere Bestimmung als eigenständiges von aberkennen als nicht trennbares
Substantiv zu erkennen ist: Er trieb sich Präfixverb wie in Das Gericht ab-
mehrere Abende lang herum. Drei erkannte ihm die bürgerlichen Ehren-
Abende lang plagte er mich. ↑ Getrennt- rechte findet man vor allem im schwei-
oder Zusammenschreibung (2.3). zerischen Sprachgebrauch. ↑ Partikel-
Abenteuerin / Abenteurerin : Zu Abenteu- verb.
rer gibt es zwei feminine Formen: die abermalig / abermals: Das Adjektiv aber-
Abenteurerin und die Abenteuerin. malig sollte nur attributiv beim Sub-
Beide Bildungen sind korrekt. ↑ ge- stantiv stehen: eine abermalige Opera-
schlechtergerechter Sprachgebrauch. tion. Nicht korrekt ist es, abermalig an-
aber: 1. Komma vor aber: Vor aber steht stelle des Adverbs abermals zu gebrau-
immer ein Komma, wenn es als neben- chen: Sie wurde abermals (nicht: aber-
ordnende, entgegensetzende Konjunk- malig) operiert.
tion zwei Wörter oder Wortgruppen Abfahrt[s]-: Bei einigen Komposita mit
verbindet: gut, aber teuer; kein altes Abfahrt als Erstglied ist das Fugen-s
Auto, aber ein neues Fahrrad. Verbindet fest, bei anderen schwankt der Ge-
aber Sätze, so braucht es nicht an der brauch. Fest mit Fugen-s: Abfahrtshang,
Spitze des zweiten Satzes zu stehen. -lauf, -läufer, -piste, -rennen, -strecke
Trotzdem werden beide Sätze immer (alle Skisport). Schwankend: Ab-
durch Komma getrennt: Er war begabt, fahrt[s]gleis, -signal, -tafel, -zeichen,
aber in der Schule versagte er. Er war be- -zeit. Die Formen ohne Fugen-s treten
gabt, in der Schule aber versagte er. vor allem im fachsprachlichen Ge-
↑ Komma (2.4). brauch auf. ↑ Fugenelement.
2. Stellung von aber im Satz: In der Stel- Abfahrt[s]zeit nach ...: Fügungen wie die
lung unmittelbar nach dem finiten Verb Abfahrtszeit nach Kassel oder die Ab-
wirkt der von aber ausgedrückte Gegen- f lugzeit nach Rom finden sich recht
satz am wenigsten nachdrücklich: Sie häufig. Sie gelten aber als standard-
hörte Schritte, es öffnete aber niemand. sprachlich nicht korrekt, weil das Prä-
Steht aber jedoch unmittelbar nach ei- positionalattribut (nach Kassel)
nem anderen Satzteil (Subjekt, Adver- fälschlicherweise vom Zweitglied
bial u. Ä.), dann verleiht es diesem be- (-zeit) statt vom Erstglied (Abfahrt-)
sonderes Gewicht: Er war klein und abhängig gemacht wird. Richtig ist
dick, sein Bruder aber war groß und eine Formulierung wie die Abfahrts-
schlank. Ich suchte sie im Büro. Dort zeit für den Zug nach Kassel . ↑ Kom-
aber war sie nicht. positum (2.4).
abergläubig / abergläubisch : Die Form Abflug- / Abflugs-: Die meisten Kompo-
abergläubisch ist heute deutlich häu- sita mit Abf lug- als Erstglied haben kein
figer: Sie ist ziemlich abergläubisch; Fugen-s: Abf luggeschwindigkeit, Abflug-
abergläubische Scheu. ↑ -ig / -isch / -lich halle, Abflugtag, Abflugtermin. Bei eini-
(3). gen schwankt der Gebrauch: Abf lug-
aberkennen: Das Verb aberkennen wird in ort / Abf lugsort, Abf lugzeit / Abflugszeit.
der Regel als trennbares Partikelverb Zur Verwendung von Abflugzeit ↑ Ab-
verwendet, d. h., die Verbpartikel ab- fahrt[s]zeit nach ...
wird in den finiten Formen des Verb- abfragen: Die beiden Verben abfragen
abgedankt – abhalten 10

A und abhören gehören zu den wenigen schwach flektiert: Oben genanntem Ab-
M
abge Verben, die mit doppeltem Akkusativ-
objekt stehen können: Der Lehrer fragte
geordneten (manchmal:) Abgeordne-
tem habe ich meine Stimme gegeben.
ihn das Einmaleins ab. Er hörte sie die c) In Konjunktionalgruppen wie den
französischen Vokabeln ab. Aber auch folgenden kommt im Dativ Singular
bei diesen Verben wird fast immer die neben der starken Deklination auch die
Verbindung Dativobjekt + Akkusativ- schwache vor: Mir als Abgeordneten ...,
objekt gebraucht: Der Lehrer fragt ihm Mir als Abgeordnetem ... ; Ihr als Abge-
das Einmaleins ab. Beide Konstruktio- ordneten ... , Ihr als Abgeordneter ... Die
nen sind korrekt. Hat abfragen nur eine schwache Deklination gilt nicht als
Ergänzung bei sich, dann steht diese standardsprachlich. d) Nach Herrn ist
immer im Akkusativ: Der Lehrer fragt heute die schwache Deklination üblich:
die Geschichtszahlen ab. Der Lehrer Ich habe gestern mit Herrn Abgeordne-
fragt die Klasse ab. – Im Passiv heißt ten Schmidt gesprochen. Nach Frau ist
es: Er wird das Einmaleins abgefragt die starke Form häufiger: Ich habe ges-
oder: Ihm wird das Einmaleins abge- tern mit Frau Abgeordneter /(selten:)
fragt. Abgeordneten Schmidt gesprochen. Fehlt
abgedankt: ↑ abdanken. Herr bzw. Frau, wird stark dekliniert:
abgenommen: Die Möglichkeit, das tran- Mit Abgeordnetem / Abgeordneter
sitive Verb attributiv zu verwenden (die Schulze stimmt etwas nicht.
abgenommenen Kilos), wird vereinzelt 2. einige Abgeordnete x alle Abgeordne-
auch auf den intransitiven Gebrauch ten x solche Abgeordnete[n]: Zur Dekli-
übertragen: Allerdings wurde durch die nation von Abgeordnete nach alle,
inzwischen in Frankreich erheblich ab- beide, einige usw. ↑ all- usw.
genommenen Pilgerbewegungen Rich- 3. des Abgeordneten Schmidt: Zur Dekli-
tung Compostela die »echten« Grabes- nation des Namens nach Abgeord-
und Kreuzigungsreliquien in Neuvy zu- nete ↑ Titel und Berufsbezeichnungen
nehmend zum Ersatzziel ihrer Pilger- (1.3).
fahrt (dwp). ↑ Partizip und Partizipial- abgesehen davon, dass: Vor dass steht
gruppe (2.1). ein Komma (↑ Komma [2.2.]): Abgesehen
Abgeordnete, der und die: 1. oben ge- davon, dass der Strom ausfiel, hat es
nanntem Abgeordneten / Abgeordne- keine Störungen gegeben. Sonst gelten
tem x ihr als Abgeordneten / Abgeordne- für abgesehen die allgemeinen Komma-
ter : Im Allgemeinen wird Abgeordnete regeln für die Partizipialgruppe
wie ein attributives Adjektiv dekliniert: (↑ Komma [4]): Abgesehen vom Preis[,]
Er war früher Abgeordneter. Eine Abge- waren wir mit dem Hotel zufrieden.
ordnete verließ den Saal. Der Abgeord- abhalten: Das Verb abhalten hat eine in-
nete hat das Wort. Die Abgeordneten härente negative Semantik. Wenn von
treten zusammen. Zwei Abgeordnete diesem Verb ein Nebensatz oder eine
stimmten dagegen usw. ↑ Substantivie- Infinitivgruppe abhängt, gilt die nega-
rungen (2.1). a) Im Genitiv Plural ist tive Semantik für den Nebensatz bzw.
nach einem stark deklinierten Adjektiv die Infinitivgruppe gleich mit, er wird
die starke Deklination üblich, es wird also nicht auch noch verneint. Es heißt
also parallel flektiert: Es wurde über die deshalb: Ich muss ihn davon abhalten,
Versorgung ausscheidender Abgeordne- noch mehr zu trinken. Sie hielt ihn da-
ter (vereinzelt: Abgeordneten) gespro- von ab, Lärm zu machen. Seine Frau
chen. b) Nach einem stark deklinierten hielt ihn davon ab, sich jemandem anzu-
Adjektiv wird im Dativ Singular meist vertrauen. ↑ Negation (1).
11 abhängig – Abitur

abhängig: Das Adjektiv abhängig wird ge- Schülern die französischen Vokabeln A
wöhnlich in der Verbindung von
jmdm. / von einer Sache abhängig sein
ab. Er fragt ihm das Einmaleins ab.
Beide Konstruktionen sind korrekt.
M
Abit
gebraucht: Diese Entwicklung ist vom Hat abhören nur eine Ergänzung bei
Zufall abhängig. Er ist [ finanziell] von sich, dann steht diese immer im Akku-
seinen Eltern abhängig. Sie ist vom Alko- sativ: Der Lehrer hört die Vokabeln ab.
hol abhängig. Daran schließt sich die at- Der Lehrer hört die Klasse ab. Im Pas-
tributive Verwendung an: Wir sind ge- siv heißt es: Sie wird die Vokabeln ab-
gen eine vom Zufall abhängige Entwick- gehört oder: Ihr werden die Vokabeln
lung. Man muss den vom Alkohol ab- abgehört.
hängigen Menschen helfen. abisolieren: Die Verbpartikel ab- kann
abhauen: ↑ hauen. unterschiedliche Funktion haben: das
abheften: Nach abheften in steht gewöhn- Rohr abdichten beispielsweise bedeutet
lich der Dativ: Sie heftete das Schrift- »etwas hinzufügen, damit das Rohr
stück im Ordner ab. dicht wird«. Den Deckel abnehmen be-
Abhilfe: Nach Abhilfe kann ein attributi- deutet dagegen, den Deckel zu entfer-
ver Genitiv nur als Genitivus subiecti- nen. Ist ein Missverständnis möglich,
vus verstanden werden. Das liegt daran, sollte die Verbpartikel ab- vermieden
dass das Verbalabstraktum Abhilfe zu werden. In dem Satz Die Leitung wurde
dem intransitiven Verb abhelfen gehört. abisoliert bleibt potenziell unklar, ob
So bedeutet die Abhilfe der Regierung, die Leitung isoliert worden ist oder ob
dass die Regierung abhilft. Die Verbin- man sie von ihrer Isolierung befreit hat.
dung mit einem Genitivus obiectivus ist In der Alltagssprache wird abisolieren
nicht möglich. Nicht korrekt also: die aber meist synonym zu isolieren ver-
Abhilfe eines belstandes, eines Man- wendet, sodass es nicht unbedingt zu
gels, eines Fehlers o. Ä. ↑ Genitivattribut Missverständnissen kommen muss. In
(1.5.2). der Fachsprache hat sich heute die Ver-
abhören: Die beiden Verben abhören und wendung von abisolieren im Sinne von
abfragen gehören zu den wenigen Ver- »die Isolierhülle auf eine gewisse Länge
ben, die mit doppeltem Akkusativ ste- von der Spitze einer Kabelader abstrei-
hen können: Der Lehrer hört die Schü- fen« durchgesetzt. ↑ Pleonasmus und
ler die französischen Vokabeln ab. Er ↑ Partikelverb (4.2).
fragt ihn das Einmaleins ab. Aber auch Abitur: Das Substantiv kann sowohl nach
bei diesen Verben wird fast immer die Sprechsilben, Abi-tur, als auch nach
Verbindung Dativobjekt + Akkusativ- etymologischen Bestandteilen, Ab-itur,
objekt gebraucht: Der Lehrer hört den getrennt werden. ↑ Worttrennung (2.2).
Abkürzungen und Kurzwörter 12

A Abkürzungen und Kurzwörter


M
Abkü
Häufig gestellte Fragen zu Abkürzungen

Frage Antwort
Welche Abkürzungen stehen mit Punkt, (1.1) Abkürzungen mit Punkt, (1.2)
welche ohne? Abkürzungen ohne Punkt
Muss eine kleingeschriebene Abkür- (2.1) Abkürzungen in Komposita,
zung in der Verbindung mit einem Sub- Bindestrich (2.5)
stantiv großgeschrieben werden oder
bleibt ihre Schreibung unverändert, z. B.
km-Zahl oder Km-Zahl?
Wie bildet man den Plural von Abkür- (3.1) Abkürzungen, die nicht gespro-
zungen? chen ... werden, (3.2) Abkürzungen, die
als solche auch gesprochen werden
Welchen Artikel haben Firmennamen (6.1) An das / die Euro-Kreditinstitut
mit Zusätzen wie AG, KG oder GmbH? AG, Firmennamen, Kongruenz (1.2.8)

Bei Kürzungen aus der Vollform von Wörtern unterscheidet man Abkürzun-
gen und Kurzwörter. Abkürzungen sind mit Bezug auf die geschriebene Form
von Wörtern und Wortgruppen gebildet ohne Rücksicht darauf, ob sie als sol-
che gesprochen werden können oder nicht (Nr. für Nummer, EU für Europäi-
sche Union, km für Kilometer). Kurzwörter sind mit Bezug auf die gespro-
chene Form von Wörtern gebildet und können wie Wörter ausgesprochen
werden (Trafo für Transformator, Uni für Universität, Lok für Lokomotive). Ab-
kürzungen und Kurzwörter dienen der knappen und schnellen Information.
Die meisten von ihnen stehen für häufig verwendete Vollformen oder fungie-
ren als Eigennamen, Maßeinheiten oder Fachwörter. Sie breiten sich seit dem
späten 19. Jahrhundert schnell aus und sind aus der Gegenwartssprache nicht
mehr wegzudenken. Es wäre umständlich und zeitraubend, würden z. B. Teil-
nehmer an einer Diskussion über Fernsehprogramme immer wieder Arbeits-
gemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepu-
blik Deutschland statt ARD und Zweites Deutsches Fernsehen statt ZDF sagen.
Abkürzungen und Kurzwörter sollten vermieden werden, wenn sie die
Verständigung beeinträchtigen oder zu Missverständnissen führen. Man
sollte einen Text nicht damit überladen und nur solche Abkürzungen und
Kurzwörter verwenden, die den Gesprächspartnern oder Adressaten vertraut
sind, z. B. innerbetriebliche Abkürzungen nicht Außenstehenden zumuten.
Auch so häufig abgekürzte Wörter wie Seite, Band, Nummer, Anmerkung
sollten in Verbindung mit dem Artikel oder bei vorangestellter Zahl ausge-
13 Abkürzungen und Kurzwörter

schrieben werden: die Seite 16, im 8. Band, vgl. die Nummer 14 und die 3. An- A
merkung von unten. Im Einzelnen vgl. die folgenden Punkte: M
Abkü
1 Punkt bei Abkürzungen
1.1 Abkürzungen mit Punkt
1.2 Abkürzungen ohne Punkt
1.3 Schwankungsfälle
2 Groß- oder Kleinschreibung von Abkürzungen
2.1 Abkürzungen in Komposita
2.2 Abkürzungen am Satzanfang
2.3 Groß- oder Kleinbuchstaben?
3 Deklination
3.1 Abkürzungen, die nicht gesprochen, sondern nur geschrieben werden
3.2 Abkürzungen, die als solche auch gesprochen werden
4 Genus
5 Betonung
6 Abkürzungen als Apposition
6.1 An das / die Euro-Kreditinstitut AG
6.2 Zeichensetzung

1 Punkt bei Abkürzungen


Steht eine Abkürzung mit Punkt am Satzende, dann ist der Abkürzungs-
punkt zugleich der Schlusspunkt des Satzes: In diesem Buch stehen Gedichte
von Goethe, Schiller, Heine u. a.

1.1 Abkürzungen mit Punkt


Der Punkt steht im Allgemeinen nach Abkürzungen, die nur geschrieben,
nicht aber gesprochen werden, z. B.: betr. (für: betreffend, betreffs), Dr. (für:
Doktor), Ggs. (für: Gegensatz), i. A. (für: im Auftrag), Frankfurt a. M. (für:
Frankfurt am Main), a. W. (für: ab Werk), ü. d. M. (für: über dem Meeresspie-
gel), usw. (für: und so weiter), z. T. (für: zum Teil), Ztr. (für: Zentner). Das gilt
auch für die Abkürzungen der Zahlwörter: Tsd. (für: Tausend), Mio. (für: Mil-
lion) und Mrd. (für: Milliarde). Abkürzungen wie Verf., Prof. , Dipl.-Ing. stehen
sowohl für die maskuline als auch für die feminine Form. Zur Verdeutlichung
wird bei femininen Formen aber häufiger die Endung -in bzw. auch nur der
letzte Buchstabe -n nach dem Abkürzungspunkt ergänzt: Verf.in /Verf.n
(= Verfasserin), Prof.in (= Professorin).
Abkürzungen und Kurzwörter 14

A Ausnahmen: Der Punkt steht auch nach einigen Abkürzungen, die heute ge-
M
Abkü wöhnlich – vor allem in der Alltagssprache – nicht mehr im vollen Wortlaut
gesprochen werden, z. B. a. D. (für: außer Dienst), i. V. (für: in Vertretung), ppa.
(für: per procura), h. c. (für: honoris causa); auch i. A. wird heute häufig schon
nicht mehr im vollen Wortlaut gesprochen.

1.2 Abkürzungen und Kurzwörter ohne Punkt


Der Punkt steht im Allgemeinen nicht nach Abkürzungen und Kurzwörtern,
die als solche auch gesprochen werden: BGB, AG, PC, Kripo, Akku, UNO, GmbH
& Co KG.
Besonderheiten:
1. Fachliche, innerbetriebliche u. ä. Regelungen: In vielen Fachbereichen (z. B.
Verwaltung) erhalten Kürzungen längerer Komposita und Fügungen auch
dann keinen Punkt (und ↑ Bindestrich [2.5]), wenn sie nur geschrieben,
nicht aber auch gesprochen werden: RücklVO (für: Rücklagenverordnung),
JArbSchG (für: Jugendarbeitsschutzgesetz), BStMdI (für: Bayerisches
Staatsministerium des Innern). Außerhalb der Fachbereiche sollten solche
Abkürzungen möglichst vermieden werden.
2. Abkürzungen für Maß- und Gewichtseinheiten, chemische Stoffe, Himmels-
richtungen und die meisten Münzbezeichnungen: Die Abkürzungen der Ein-
heiten des metrischen Systems (m, km, kg, l usw.) sind Symbole oder Zei-
chen und werden – bis auf ältere Einheiten wie Pfd. (= Pfund) und Ztr. (=
Zentner) – ohne Punkt geschrieben. Ohne Punkt stehen auch die Zeichen
für die Himmelsrichtungen, für die chemischen Elemente und für die
meisten Münzbezeichnungen (vgl. aber ↑ 1.3): SW (= Südwesten), Cl (=
Chlor), EUR oder  (= Euro), c oder ct (= Cent) usw. Alle diese Abkürzun-
gen bleiben stets unverändert: 10 000 EUR oder , die Eigenschaften des Cl,
über 5 m hoch.
3. Abkürzungen für Berufsbezeichnungen und Titel: Ebenfalls ohne Punkt wer-
den einige Abkürzungen für Berufsbezeichnungen und Titel geschrieben:
RA (Rechtsanwalt), ORR (Oberregierungsrat); vgl. aber auch 1.1 zu Abkür-
zungen mit Punkt. Wie beim ausgeschriebenen Wort kann die Endung -in
hinzugefügt werden: BKin (Bundeskanzlerin), OARin (Oberamtsrätin).

1.3 Schwankungsfälle
Bei ausländischen Maß- und Münzbezeichnungen wird im Deutschen ge-
wöhnlich die landesübliche Form der Abkürzung gebraucht: ft (= Foot), yd
(= Yard), kr, Kr (= Krone), Fr. und sFr. (= Schweizer Franken). Doch kommen
15 Abkürzungen und Kurzwörter

z. B. im Bankwesen auch andere Schreibungen vor: USD, GBP, CHF (= inter- A


nationale Währungscodes für: US-Dollar, britisches Pfund, Schweizer Fran-
ken).
M
Abkü

Ein Sonderfall ist die Abkürzung Co. (= Compagnie / Kompanie), die


heute in der Alltagssprache meist nur [ko] ausgesprochen wird. Sie kommt
fast ausschließlich in Firmennamen vor und kann je nach der Schreibung des
Firmennamens mit oder ohne Punkt stehen.
Zu Abkürzungen mit Bindestrich (UKW-Sender, Reg.-Rat) ↑ Bindestrich
(2.5).

2 Groß- oder Kleinschreibung


2.1 Abkürzungen in Komposita
Zwischen der Abkürzung und dem Zweit- oder Erstglied steht immer ein Bin-
destrich. Die Groß- oder Kleinschreibung von Abkürzungen bleibt auch in
Komposita erhalten: Tbc-krank, US-amerikanisch, km-Zahl; Konto-Nr., Fuß-
ball-WM.
Komposita, bei denen das letzte abgekürzte Wort noch einmal ausge-
schrieben wird, sind stilistisch nicht schön (z. B. ABM-Maßnahme, ISBN-
Nummer). Man sollte in der geschriebenen Sprache entweder nur die Abkür-
zung verwenden oder die ganze Abkürzung auflösen.

2.2 Abkürzungen am Satzanfang


Stehen einfache Abkürzungen am Satzanfang, dann werden sie großge-
schrieben, z. B.: Vgl. (für: vgl. = vergleiche), Ebd. (für: ebd. = ebenda), Ib. oder
Ibd. (für: ib. oder ibd. = ibidem). Eine mehrteilige, mit kleinem Buchstaben
beginnende Abkürzung sollte am Satzanfang besser ausgeschrieben werden,
da die ungewohnte Großschreibung der Abkürzung den Lesefluss hemmen
könnte, z. B.: Mit anderen Worten ... (und nicht: M. a. W.); Meines Erachtens ...
(und nicht: M. E.).
Die Abkürzungen i. A. (im Auftrag[e]) und i. V. (in Vertretung) werden in ih-
rem ersten Bestandteil großgeschrieben (I. A. , I. V.), wenn sie nach einem ab-
geschlossenen Text oder allein vor einer Unterschrift stehen. Im Text, nach
Grußformeln, nach dem Namen einer Firma, Behörde o. dgl. wird der erste
Bestandteil dieser Abkürzungen dagegen kleingeschrieben, z. B.: Mit freund-
lichen Grüßen i. V. Karl Müller. ↑ Brief / E-Mail (5).
Abkürzungen und Kurzwörter 16

A 2.3 Groß- oder Kleinbuchstaben?


M
Abkü
Kurzwörter werden im Wortinneren immer nur mit Kleinbuchstaben ge-
schrieben: Aids, Azubi, Akku, Kripo. Abkürzungen, die ohne Punkt geschrie-
ben werden, können Merkmale eines Kurzwortes annehmen, indem sie eine
eigene Aussprache und einen Artikel erhalten (die UNO, die NATO) und flek-
tiert werden können (der PC, die PC[s]). So kommt es dazu, dass für manche
auch die Schreibung mit Kleinbuchstaben im Wortinneren zulässig ist: UNO,
(auch:) Uno, NATO, (auch:) Nato. Bei Lkw, (auch:) LKW und Pkw, (auch:) PKW
ist sie sogar üblicher. Während bei Schreibung mit Großbuchstaben keine
Worttrennung möglich ist, kann bei der Schreibung mit Kleinbuchstaben im
Wortinnern nach Sprechsilben getrennt werden (Na-to).

3 Deklination
3.1 Abkürzungen, die nicht gesprochen, sondern nur geschrieben
werden
Bei diesen Abkürzungen wird die Deklinationsendung im Schriftbild oft
nicht wiedergegeben: am 2. Dezember lfd. J. (= laufenden Jahres); gegen Ende
d. M. (= dieses Monats). Wird die Deklinationsendung jedoch gesetzt, gilt
Folgendes: Endet eine Abkürzung mit dem letzten Buchstaben der Vollform,
wird die Endung unmittelbar angehängt: Hrn. (= Herrn), Bde. (= Bände);
sonst steht sie nach dem Abkürzungspunkt: mehrere Jh.e (= Jahrhunderte),
B.s (= Bismarcks) Reden.
Der Plural wird gelegentlich durch Buchstabenverdopplung ausgedrückt:
Mss. (= Manuskripte), Jgg. (= Jahrgänge), ff. (= folgende).

3.2 Abkürzungen und Kurzwörter, die als solche auch gesprochen


werden
Grundsätzlich ist es auch bei diesen Abkürzungen (Pkw, BGB usw.) nicht nö-
tig, die Deklinationsendung im Schriftbild wiederzugeben, vor allem dann
nicht, wenn der Kasus durch den Artikel oder den Satzzusammenhang deut-
lich wird: des Pkw (seltener: des Pkws), des BGB (seltener: des BGBs). Im Plural
erscheint allerdings häufiger die Endung -s, und zwar auch bei solchen Ab-
kürzungen, deren Vollform im Plural nicht so ausgeht: die MGs (neben: die
MG; nicht: die MGe), die AGs (nicht: die AGen), die THs (nicht: die THen).
Aber: die Pkw (seltener: die Pkws, nicht: Pkwen). Bei femininen Abkürzungen
sollte im Plural immer dann ein -s angefügt werden, wenn eine Verwechslung
17 Abkürzungen und Kurzwörter

mit dem Singular möglich ist: die GmbHs (nicht sinnvoll, da mit dem Singular A
übereinstimmend: die GmbH). Abkürzungen, die auf Zischlaute enden, blei-
ben in der Standardsprache unverändert (50 PS, die SMS); in der Umgangs-
M
Abkü

sprache wird bei femininen Abkürzungen manchmal auch die Endung -en an-
gefügt (die SMSen).
Etwas anders ist es mit den Kurzwörtern, die ja nicht buchstabiert, son-
dern als Wörter ausgesprochen werden. Bei ihnen überwiegt die Deklinati-
onsendung -s:
der Akku, des Akkus, die Akkus; das Foto, des Fotos, die Fotos; die Uni, der Uni, die
Unis; die Lok, der Lok, die Loks; der Bus, des Busses, die Busse.

4 Genus
Das Genus (grammatische Geschlecht) der Abkürzungen und Kurzwörter
stimmt im Allgemeinen mit dem der Vollformen überein:
der Pkw / PKW (der Personenkraftwagen), der Akku (der Akkumulator), die Lok (die
Lokomotive), die Kripo (die Kriminalpolizei), der Bus (der Auto-, Omnibus), die Uni
(die Universität), das Labor (das Laboratorium) usw.
Ausnahmen: das Kino (obwohl: der Kinematograf), das Foto (obwohl: die Fotografie),
die Taxe, das Taxi (obwohl: der Taxameter).

5 Betonung
Abkürzungen, die buchstabiert werden, haben Endbetonung: ADAC [ade-
|atse], UKW [ukave]. Demgegenüber haben Abkürzungen und Kurzwör-
ter,die wie ein Wort ausgesprochen werden, auch eine normale Wortbeto-
nung: Info, Kita, Azubi (neben: Azubi). ↑ Wortakzent (2).
˙ ¯  

6 Abkürzungen als Apposition


6.1 An das / die Euro-Kreditinstitut AG
Treten Abkürzungen wie AG, GmbH, KG, e. V. in einer Firmenbezeichnung
o. Ä. auf, handelt es sich gewöhnlich um Appositionen. Es ist in diesen Fällen
aber schwer zu entscheiden, ob die Abkürzung oder ein anderes Element aus
der Firmenbezeichnung das grammatische Zentrum der Verbindung ist.
Folglich treten hier Schwankungen auf. Genus und Numerus richten sich
nach dem Firmennamen, wenn die Abkürzung den Status einer Appositon
hat (also eine zusätzliche, weglassbare Information ist): An das Euro-Kredit-
Ablaut – abnorm / abnormal 18

A institut AG. Die Flottmann-Werke GmbH suchen ... Wenn die Abkürzung je-
M
Abla doch Grundwort des Firmennamens ist, richten sich Genus und Numerus
nach ihr: An die Euro-Kreditinstitut AG. Die Flottmann-Werke-GmbH sucht ...
↑ Firmennamen (2); Kongruenz (1.2.8; 3.6).

6.2 Zeichensetzung
Gehören Abkürzungen als nachgestellte Appositionen zu einem Namen,
dann werden sie nicht durch ein Komma abgetrennt: Stahlwerke AG, Verei-
nigte Papiermühlen GmbH. Nachgestellte Abkürzungen von Titeln, akademi-
schen Graden u. dgl. werden ebenfalls nicht durch Komma abgetrennt: Vera
Müller M. A.

Ablaut: Unter Ablaut versteht man den ablöschen: ↑ Partikelverb (4.2).


Vokalwechsel in der Stammsilbe von ABM-Maßnahme: ↑ Abkürzungen und
Verbformen und mit ihnen etymologisch Kurzwörter (2.1).
verwandten Wörtern, z. B. werfen, warf, abnehmen: ↑ abgenommen.
geworfen, Wurf oder singen, sang, gesun- Abneigung: Nach Abneigung wird gewöhn-
gen. Innerhalb der gesamten Sprachent- lich mit der Präposition gegen ange-
wicklung kommt dem Ablaut große Be- schlossen: eine Abneigung gegen einen
deutung zu, weil er die Bildung zahlrei- Menschen haben; auch gegenüber einem
cher Wörter ermöglicht und damit zur Menschen ist möglich.
Vergrößerung des Wortschatzes beige- abnorm / abnormal / anomal / anormal: Der
tragen hat. Der Ablaut darf nicht mit Gebrauch dieser Wörter liegt nicht ein-
dem ↑ Umlaut verwechselt werden. deutig fest; scharfe Abgrenzungen sind
Ableitung: Die Ableitung (Derivation) ist nicht möglich. Gemeinsam ist allen die
neben der Komposition (↑ Kompositum) Kernbedeutung »vom Normalen, von
und der ↑ Konversion die wichtigste der Regel abweichend«. Das Adjektiv ab-
Wortbildungsart des Deutschen. Die Bil- norm ist entlehnt aus lat. abnormis »von
dungsmittel der Ableitung sind ↑ Präfixe, der Regel abweichend«. Das Wort wird
↑ Suffixe, Zirkumfixe und Vokalwechsel. im Bereich der Medizin und der Psycho-
Die Präfixbildung ist am stärksten bei logie auf ungewöhnliche Veranlagungen
den Verben entwickelt ( jmdn. grüßen I bezogen: eine abnorme Persönlichkeit;
jmdn. begrüßen; arm I verarmen). Die abnorme Anlagen haben; abnorm veran-
Suffixbildung ist besonders wichtig für lagt sein / reagieren. Außerhalb der Me-
die Bildung neuer Substantive und Ad- dizin und Psychologie wird abnorm im
jektive (meinen I Meinung; GlückI Sinne von »ungewöhnlich« verwendet:
glücklich). Die Zirkumfixableitung ist abnorm viele persönliche Daten; ein ab-
insgesamt selten (redenI Gerede). Auch norm kalter Winter. Das Adjektiv abnor-
Wortgruppen können Ableitungen zu- mal ist von abnorm abgeleitet. Es bedeu-
grunde liegen, z. B. blauäugig aus mit tet »krank, nicht normal, unsinnig«: ein
blauen Augen. abnormales Verhalten; sein Benehmen ist
19 abnutzen / abnützen – absichern

abnormal; das ist völlig abnormal. Das Hinzufügen auf die nächste runde Zahl A
Adjektiv anomal geht auf griech.-lat.
anomalus »ungleichmäßig, nicht regel-
bringen«), denn ab- bezeichnet hier ur-
sprünglich nicht eine Richtung nach un-
M
absi
mäßig« zurück. Es wird, wie abnorm, ten, wie etwa in abfallen oder absteigen,
ebenfalls im Bereich der Medizin und sondern verdeutlicht lediglich den Vor-
Psychologie gebraucht. Hier bezieht es gang des Rundens oder Glattmachens.
sich in erster Linie auf ins Auge fallende Obwohl deshalb aufrunden im Sinne von
Abweichungen im Körperbau und an- »durch Hinzufügen auf die nächsthö-
dere Entwicklungsbesonderheiten: ein here runde Zahl bringen« eigentlich
anomales Wachstum; eine anomale Ent- überflüssig ist, hat es sich heute den-
wicklung der Zellen; sich anomal verhal- noch weitgehend durchgesetzt und ab-
ten. Häufig wird es übertragen im Sinne runden auf die Bedeutung »durch Abzie-
von »ungewöhnlich, nicht normal« ver- hen auf die nächstniedrigere runde Zahl
wendet: anomales Wirtschaftswachstum; bringen« festgelegt. Möglich ist auch
anomale Verkehrsverhältnisse. Das Ad- die Verwendung von runden auf: Der
jektiv anormal beruht auf einer Zwitter- Bruttoarbeitslohn wird auf volle Euro ge-
bildung aus griech.-lat. anomalus und rundet.
mittellat. normalis und bedeutet »nicht Abscheu: Es heißt sowohl die Abscheu als
normal«: anormal veranlagt sein; ein auch (seltener:) der Abscheu.
anormales Gedächtnis haben; ein anor- abschildern: ↑ Partikelverb (4.2).
mal kalter Frühlingstag. Abschluss: Das Funktionsverbgefüge zum
abnutzen / abnützen: Neben abnutzen ist, Abschluss bringen betont eher den zeitli-
besonders in Süddeutschland, in der chen Verlauf eines Vorgangs als das ein-
Schweiz und in Österreich, die umgelau- fache Verb abschließen. ↑ Nominalstil.
tete Form abnützen gebräuchlich. Abschnittsnummern: Zu Abschnittsnum-
abonnieren: Das transitive Verb abonnie- mern wie 1, 1.1, 1.2 usw. ↑ 1 Punkt (2).
ren steht heute im Allgemeinen nur abschrecken: ↑ schrecken.
noch mit dem Akkusativ: Ich abonniere abschwören: ↑ schwören.
eine Zeitung. Früher konnte man auch ab sein (ugs.): Formen aus Verbzusatz +
sagen Er wurde auf eine Zeitung abon- sein werden immer getrennt geschrie-
niert oder Ich bin auf diese Zeitung abon- ben, also auch im Infinitiv und im Parti-
niert. Heute sagt man nur noch: Ich zip II: Der Knopf wird bald ab sein. Die
habe diese Zeitung abonniert. Farbe ist fast ganz ab gewesen. ↑ Ge-
abpatrouillieren: ↑ Partikelverb (4.2). trennt- oder Zusammenschreibung (1.5).
abraten: Das Verb abraten hat eine inhä- abseits: Die Präposition abseits steht mit
rente negative Semantik. Wenn von die- dem Genitiv: abseits des Weges; abseits
sem Verb eine Infinitivgruppe abhängt, größerer Städte; abseits allen Trubels. In
gilt die negative Semantik für die Infini- Verbindung mit der Präposition von
tivgruppe gleich mit, sie wird also nicht (abseits von jeder menschlichen Behau-
auch noch verneint. Es heißt deshalb Sie sung) ist abseits Adverb. Den Kasus des
riet ihrem Sohn davon ab, allein dorthin nachfolgenden Nominalausdrucks (Da-
zu gehen. ↑ Negation (1). tiv) bestimmt dann allein die Präposi-
Abreißblock: Der Plural zu Abreißblock tion von.
lautet die Abreißblocks , seltener die Ab- absenden: Die Formen des Präteritums
reißblöcke. ↑ Block. und des Partizips II lauten: sandte / sen-
abrunden / aufrunden: Eine Zahl kann dete ab und abgesandt / abgesendet. Die
man sowohl nach oben als auch nach Formen mit -a- sind häufiger.
unten abrunden (»durch Abziehen oder absichern: ↑ Partikelverb (4.2).
absieben – ach / Ach 20

A absieben: ↑ Partikelverb (4.2). die Gründe gegeneinander abgewogen /


M
absi absieden: ↑ Partikelverb (4.2).
absolut: Das Adjektiv absolut hat selbst
(vereinzelt:) abgewägt. Der nur verein-
zelt gebrauchte Konjunktiv II lautet ab-
schon superlativische Bedeutung. Es ist wöge. ↑ wägen (1).
also eigentlich überflüssig, um absolu- abwärts: Man schreibt abwärts mit dem
teste Ruhe statt um absolute Ruhe zu bit- folgenden Verb zusammen, wenn die
ten. Dennoch werden Adjektive wie die- Betonung nur auf dem Verbzusatz liegt:
ses gelegentlich gesteigert, wenn der Wir sind zwei Stunden lang nur abwärts-
höchste Grad noch verstärkt werden ˙
gegangen. Der Fahrstuhl wird abwärts-
soll. ↑ Vergleichsformen (3.1). fahren. Mit dem Unternehmen˙/ Mit ihrer
absoluter Superlativ: ↑ Elativ, ↑ Vergleichs- Gesundheit ist es im letzten Jahr ab-
formen (3.5). wärtsgegangen (= die Geschäfts-˙
absolutes Verb: ↑ Verb. lage / ihre Gesundheit hat sich ver-
abspalten: ↑ spalten. schlechtert). Getrennt vom folgenden
abstellen: Nach abstellen auf / in / unter Verb wird das (am Kontrastakzent er-
steht gewöhnlich der Dativ: Sie stellte kennbare) selbstständige Adverb ge-
das Gepäck auf dem Bürgersteig ab. Er schrieben: Wir wollen abwärts gehen,
stellte seinen Wagen in der Parkverbots- nicht fahren. ↑ Getrennt- 
˙ oder Zusam-
zone ab. Der Akkusativ ist als Rich- menschreibung (1.3), ↑ -wärts.
tungsangabe möglich, aber er ist sehr Abwasser: Der Plural lautet die Abwässer.
selten: Man stellt ihn in die Garage ab. ↑ Wasser.
abstempeln: ↑ stempeln. abwenden: Die Formen des Präteritums
Abstraktum: Unter einem Abstraktum und des Partizips II lauten sowohl wen-
(Begriffswort) versteht man ein Sub- dete ab, abgewendet als auch wandte
stantiv, das etwas Nichtgegenständli- ab , abgewandt: Er wendete / wandte sei-
ches wie Eigenschaften, Gefühle, Vor- nen Blick ab. Sie hatte sich rasch abge-
gänge, Handlungen, Zustände, Bezie- wendet / abgewandt.
hungen, Zeitangaben usw. benennt, z. B. Abziehen / Abziehung / Abzug: ↑ Nominal-
Leid, Treue, Nähe, Jugend, Musik. Ent- stil.
sprechende Ableitungen von Verben abzüglich: Die Präposition abzüglich, die
heißen Verbalabstrakta (Leistung, Wag- vor allem in der Kaufmannssprache ge-
nis), solche von Adjektiven heißen Ad- bräuchlich ist, wird mit dem Genitiv ver-
jektivabstrakta (Freiheit, Grausamkeit). bunden: abzüglich der Unkosten; abzüg-
Zur Pluralbildung bei Abstrakta ↑ Plu- lich des gewährten Rabatts. Ein folgen-
ral (4). des allein stehendes, stark dekliniertes
Abszess: Außer in Österreich heißt es Substantiv im Singular bleibt gewöhn-
standardsprachlich nur der Abszess . lich unflektiert: abzüglich Rabatt; die
Dort ist daneben auch das Abszess ge- Kosten abzüglich Porto. Im Plural wird
bräuchlich. abzüglich mit dem Dativ verbunden,
Abt, Äbtissin: Zur Anschrift wenn der Genitiv nicht erkennbar ist:
↑ Brief / E-Mail (7). der Preis für die Mahlzeiten abzüglich
abtauen: ↑ Partikelverb (4.2). Getränken.
abvermieten: ↑ Partikelverb (4.2). abzugsfähig: ↑ -fähig.
abwägen: Das Verb abwägen »genau be- ach / Ach: Klein schreibt man die Interjek-
denken, überlegen« kann stark oder tion: ach so!, ach ja!, ach je! Groß
schwach konjugiert werden Sie wog / schreibt man die Substantivierung: Er
(auch:) wägte das Für und Wider ab. Das hat es schließlich mit Ach und Krach ge-
Partizip II wird stark gebildet: Wir haben schafft. Wir hörten den ganzen Tag ihr
21 Achlaut – achten

Ach und Weh. ↑ Groß- oder Kleinschrei- hielt eine Karte. Er ist Achter geworden. A
bung (1.2).
Achlaut: Der Achlaut [x] ist im Gegensatz
Heute ist der Achte [des Monats]. Groß
schreibt man das Zahlwort auch in Na-
M
acht
zum ↑ Ichlaut das durch die Artikulation men: Heinrich der Achte. ↑ Eigennamen
der Hinterzunge gegen den weichen (4), ↑ Groß- oder Kleinschreibung (1.2.4).
Gaumen gesprochene ch z. B. in Bach. achtel / Achtel: Klein schreibt man, wenn
Achse / axial: ↑ axial. achtel vor Maßangaben attributiv steht:
Acht: 1. Rechtschreibung: Sowohl Zusam- ein achtel Zentner, ein / drei achtel Liter
men- als auch Getrenntschreibung ist Milch. Groß schreibt man die Substanti-
möglich bei achtgeben / Acht geben, vierung: Ein Achtel des Weges haben wir
achthaben / Acht haben. Getrennt zurückgelegt. Er hat zwei Achtel des Be-
schreibt man sich in Acht nehmen, außer trages gezahlt. Zusammen schreibt man,
[aller] Acht lassen. ↑ achtgeben / Acht ge- wenn achtel zum Erstglied allgemein ge-
ben, ↑ achthaben / Acht haben, ↑ Ge- bräuchlicher Zusammensetzungen, vor
trennt- oder Zusammenschreibung (1.4). allem fester Maßangaben, geworden ist:
2. Verneinung: Wenn sich in Acht nehmen ein / drei Achtelliter Milch; eine Achtel-
in Verbindung mit davor im Sinne von note. ↑ Getrennt- oder Zusammenschrei-
»sich vor etwas hüten« gebraucht wird, bung (4.1).
gilt die negative Bedeutung für einen ab- achten: 1. auf jmdn. , auf etwas ach-
hängigen Nebensatz bzw. eine abhängige ten / jmds. , einer Sache achten / jmdn., et-
Infinitivgruppe mit. Es heißt deshalb: Sie was achten: Im Sinne von »achtgeben,
nahm sich davor in Acht, zu schnell zu sein Augenmerk auf jmdn. oder etwas
fahren. Wenn die Wendung dagegen richten« wird achten im heutigen
ohne davor im Sinne von »aufpassen, auf Sprachgebrauch gewöhnlich mit der Prä-
etwas achten« gebraucht wird, wird der position auf verbunden: Sie achtete nicht
Nebensatz verneint: Nimm dich in Acht, auf den Weg / auf die Schmerzen. Er ach-
dass du dich nicht erkältest! Sie nahm tete auf die Kinder. Der Chef achtet auf
sich in Acht, dass sie keinen Fehler Pünktlichkeit. Die früher häufige Kon-
machte. ↑ Negation (1). struktion mit dem Genitiv kommt noch
acht / Acht: Klein schreibt man das Zahl- in der gehobenen Sprache (im Allgemei-
wort: wir sind zu acht; die letzten acht; nen nur in verneinten Sätzen) vor: Er
acht und acht macht sechzehn; die Zah- läuft wie einer, der auf der Flucht ist und
len von acht bis zwölf; das Mädchen ist der Gefahr nicht achtet, welche ihm über-
erst acht; es war um acht [Uhr]; es schlägt all droht (Langgässer). Anstelle des Ge-
eben acht; ein Viertel nach acht; Punkt nitivs kommt in gehobener Sprache ver-
acht; sie kam auf Platz acht. Groß einzelt auch der Akkusativ vor: Die Ge-
schreibt man das Substantiv: die Zahl fahr nicht achtend, war sie ins Wasser ge-
(Ziffer) Acht; eine Acht schreiben; eine sprungen.
Acht schießen / auf dem Eis laufen; mit 2. achten / beachten: auf etwas achten und
der Acht (= Straßenbahnlinie) fahren; etwas beachten können gleiche Bedeu-
eine Acht im Rad haben. ↑ Groß- oder tung haben: Sie sprach weiter, ohne auf
Kleinschreibung (1.2.4). die Zwischenrufe zu achten / ohne die
achte / Achte: Klein schreibt man das Zwischenrufe zu beachten. In diesem
Zahlwort in adjektivischer Verwendung: Satz haben achten und beachten den
das achte Kapitel. Jeder achte Bundes- Sinn »einer Sache Aufmerksamkeit
bürger hat diesen Film gesehen. Groß schenken« und sind austauschbar. Wird
schreibt man das substantivierte Zahl- achten jedoch transitiv gebraucht, dann
wort: Er ist der Achte. Nur jeder Achte er- hat es meist die Bedeutung von »etwas
achtgeben / Acht geben – Achtzigerjahre / achtziger Jahre 22

A respektieren, davor Achtung haben, es Adverb näher bestimmt wird: eine über-
M
acht ehren, schätzen«, während beachten im
Sinne von »etwas zur Kenntnis nehmen
aus achtunggebietende Leistung. Die Zu-
sammenschreibung gilt auch dann,
und danach handeln« verwendet wird. wenn die Verbindung als Ganzes ge-
Man beachtet deshalb Gesetze, Vor- steigert wird: Sie beeindruckte durch
schriften, Regeln, Hinweise usw. , aber eine noch bessere, noch achtunggebieten-
man achtet Rechte, Wünsche, Ansprü- dere Leistung als im letzten Jahr. ↑ Ge-
che, Beweggründe, Gesinnungen, das Al- trennt- oder Zusammenschreibung
ter, die Gefühle anderer usw. Die im Ver- (3.1.1).
kehrswesen häufig gebrauchte Verbin- Achtzig / achtzig: Groß schreibt man nur
dung Vorfahrt achten hieß ursprünglich das Substantiv Achtzig: Bei der Lotterie
das Vorfahrtsrecht achten und bedeutete wurde die Achtzig gezogen. Immer klein
»das Recht eines andern auf Vorfahrt schreibt man das Zahlwort achtzig, also
respektieren«. Die Verkürzung von Vor- auch in den Fällen, in denen es als Sub-
fahrtsrecht zu Vorfahrt bewirkt, dass stantivierung aufgefasst werden könnte:
man weniger an das Respektieren eines die Zahlen von zehn bis achtzig; wir wa-
Rechtes als vielmehr an das Beachten, ren achtzig Mann; er ist achtzig; Wein
Befolgen eines Gesetzes denkt. Es ist aus dem Jahre achtzig (= eines Jahrhun-
deshalb besser, achten hier durch beach- derts); wir fahren achtzig, gehen mit
ten zu ersetzen. achtzig in die Kurve; Tempo achtzig; auf
achtgeben / Acht geben: Man kann acht- achtzig kommen, auf achtzig sein (»wü-
geben oder Acht geben schreiben: Gib tend werden, sein«); Ende / Mitte der
acht! / Gib Acht! Die Verbindung wird achtzig; der Mensch über achtzig; mit
immer zusammengeschrieben, wenn es achtzig kannst du das nicht mehr. ↑ Groß-
eine adverbiale Bestimmung zu dem oder Kleinschreibung (1.2.4).
Verb gibt: sehr / gut / genau achtgeben; achtziger / Achtziger: Das von ↑ achtzig ab-
gib gut acht! Nur getrennt schreibt man: geleitete Wort schreibt man klein, wenn
große / allergrößte Acht geben. es attributiv gebraucht wird: achtziger
achthaben / Acht haben: Man kann acht- Jahrgang (in Ziffern: 80er Jahrgang); die
haben oder Acht haben schreiben: Habt achtziger Jahre (= eines Jahrhunderts;
acht! / Habt Acht! Die Verbindung wird die Lebensjahre von 80 bis 89); eine acht-
immer zusammengeschrieben, wenn es ziger Schraube. Groß schreibt man die
eine adverbiale Bestimmung zu dem Substantivierungen: ein Mann um die
Verb gibt: Habt gut acht! Nur getrennt Mitte der Achtziger; in den Achtzigern
schreibt man: große Acht haben. sein; eine Achtziger (= Glühbirne) ein-
Achtung: Standardsprachlich heißt es Ach- schrauben; einen milden Achtziger
tung vor jmdm. / vor etwas haben, also (= Wein) trinken; ein rüstiger Achtziger
z. B. Sie hatte keine Achtung vor ihren (= Mann von 80 Jahren und darüber).
Großeltern. Neben der Präposition vor ↑ Achtzigerjahre / achtziger Jahre, Groß-
war früher auch der Anschluss mit für oder Kleinschreibung (1.2 und 1.2.4),
durchaus üblich: Dazu habe ich viel zu ↑ Getrennt- oder Zusammenschreibung
viel Achtung für einen Offizier (Lessing). (4.1).
Achtung gebietend / achtunggebietend: Achtzigerjahre / achtziger Jahre: Das
Man kann Achtung gebietend oder ach- Kompositum Achtzigerjahre (80er-
tunggebietend schreiben: eine Achtung Jahre) bedeutet ebenso wie die getrennt
gebietende / achtunggebietende Leistung. geschriebene Fügung achtziger Jahre
Die Verbindung wird jedoch immer zu- (80er Jahre) »die Lebensjahre von 80 bis
sammengeschrieben, wenn sie durch ein 89« oder »die achtziger Jahre eines be-
23 a. c. i – Adieu / adieu sagen

stimmten Jahrhunderts«: Eingeladen der Vogelweide; der Parzival Wolframs A


sind nur Frauen in den Achtzigerjahren.
Gezeigt wird die Mode der Achtziger-
von Eschenbach. Wo Zweifel bestehen,
neigt man zur Deklination des Ortsna-
M
Adie
jahre. ↑ achtziger / Achtziger. mens: die Erfindungen Leonardo da Vin-
a. c. i. (accusativus cum infinitivo): ↑ Akku- cis; der Wahlspruch Ulrich von Huttens ;
sativ mit Infinitiv. daneben auch: der Wahlspruch Ulrichs
Ackerbauer: Das Wort kann sowohl von Hutten. Steht der Ortsname unmit-
schwach als auch stark dekliniert wer- telbar vor dem dazugehörigen Substan-
den: des Ackerbauern neben: des Acker- tiv, dann wird heute im Allgemeinen der
bauers; die Ackerbauern neben: die Ortsname dekliniert: Walther von der
Ackerbauer. In der Ethnologie ist es üb- Vogelweides Lieder; Hoffmann von Fal-
lich, Ackerbauer als Bildung mit -bauer lerslebens Gedichte; Christian Knorr von
(er baut [= bestellt] den Acker) aufzufas- Rosenroths Schriften. Als Grundregel gilt,
sen und wie Orgelbauer, Städtebauer dass der neben dem regierenden Wort
usw. stark zu deklinieren: Die Bewohner stehende Name die Genitivendung er-
dieses Landes sind vorwiegend Acker- hält (↑ Personennamen [2.2.1]). b) die Me-
bauer und Viehzüchter. moiren Baron Grotes / des Barons Grote:
a. D.: Nach dieser Abkürzung stehen Adelsbezeichnungen sind heute keine
Punkte, auch wenn a. D. heute häufig Titel mehr, sondern Bestandteile des Na-
nicht nur außer Dienst, sondern auch a mens. Ohne Artikelwort flektiert man
de gesprochen wird. ↑ Abkürzungen und den Familiennamen: die Memoiren Ba-
Kurzwörter (1.1). ron Grotes; die Verdienste Graf Schön-
Adelsnamen: 1. Deklination: a) die Bilder ecks; das Werk Freiherr von Taubes. Geht
Leonardo da Vincis / Leonardos da Vinci x ein Artikelwort unmittelbar voraus,
die Lieder Walthers von der Vogelwei- dann wird die Adelsbezeichnung dekli-
de / Walther von der Vogelweides Lieder x niert: die Memoiren des Barons Grote;
die Schriften Christian Knorrs von Rosen- die Verdienste des Grafen Schöneck; das
roth / Christian Knorr von Rosenroths Werk des Freiherrn von Taube. Geht der
Schriften: Bei Adelsnamen und ähnlich Adelsbezeichnung eine Berufsbezeich-
gebildeten anderen Namen wird heute nung oder ein Titel voraus, dann bleibt
meist der Familienname dekliniert: die sie unflektiert: die Memoiren des Profes-
Werke Ludwig van Beethovens; Marie von sors Baron Grote; das Werk des Dichters
Falkensteins beste Freundin. Setzt sich Freiherr von Taube.
der Familienname aus mehreren Be- 2. Schreibung des von in Adelsnamen am
standteilen zusammen, wird nur der Satzanfang: Am Satzanfang schreibt
erste dekliniert: die Schriften Christian man von groß: Von Gruber kam zuerst.
Knorrs von Rosenroth. Ist der Familien- Ad-hoc-Entscheidung: ↑ Bindestrich (3.1).
name jedoch noch deutlich als Orts- Adieu / adieu sagen: Beide Schreibweisen
name zu erkennen, dann wird der Vor- sind möglich: Sie mussten einander
name dekliniert: die Lieder Walthers von Adieu / adieu sagen.
Adjektiv 24

A Adjektiv
M
Adje

Häufig gestellte Fragen zum Adjektiv

Frage Antwort
Wann wird ein Adjektiv stark und wann (1.1) Deklination Grundsystem
schwach flektiert?
Welche Adjektive werden nicht dekli- (1.3) Nicht deklinierte Adjektive
niert, z. B. ein rosa Kleid?
Heißt es nach heftigem parlamentari- (1.4) Deklination aufeinanderfolgender
schem Streit oder nach heftigem parla- Adjektive
mentarischen Streit?
Setzt man bei nach langem[,] schwerem (1.4) Deklination aufeinanderfolgender
Leiden ein Komma zwischen die beiden Adjektive
Adjektive?
Wie dekliniert man Adjektive nach (1.5) Deklination nach speziellen Arti-
Wörtern wie alle, beide, sämtliche? kelwörtern
Warum wird das Adjektiv in Das Urteil (2) Prädikative Verwendung von Adjek-
war ein mildes dekliniert, in Das Urteil tiven
war mild aber nicht?
Sind Adjektivattribute wie in kleines (4.4) Adjektivattribute zu Komposita
Kindergeschrei möglich?

1 Starke / schwache Deklination


1.1 Das Grundsystem starker und schwacher Deklination
1.1.1 Starke Deklination
1.1.2 Schwache Deklination
1.2 Starke vs. schwache Deklination nach ein, kein, mein
1.3 Nicht deklinierte Adjektive: ein rosa Kleid / ein klasse Sprinter
1.4 Deklination mehrerer aufeinanderfolgender Adjektive: nach lan-
gem[,] schwerem / schweren Leiden
1.5 Schwankungen in der Adjektivdeklination nach speziellen Artikel-
wörtern: einige schöne Bücher / alle schönen Bücher
1.6 Adjektivdeklination nach Präpositionen: zu gewohnter Stunde / zur
gewohnten Stunde
1.7 Adjektivdeklination nach Personalpronomen: mir jungem / jungen
Menschen x wir Deutsche / Deutschen
1.8 Deklination des Adjektivs oder Partizips in der Apposition: mit einem
Blatt weißem Papier x ihm als bekanntem Künstler
25 Adjektiv

2 Prädikative und adverbiale Verwendung von Adjektiven: Das Urteil A


3
des Richters war mild x in einer ähnlich schwierigen Lage
Formenbildung: ein dunkler / dunkeler Gang x blöd / blöde
M
Adje

4 Attributiv verwendete Adjektive


4.1 Feste Verbindungen: künstliche Intelligenz x brennende Frage x
Whisky pur
4.2 Ausdrucksalternativen: hölzerner Tisch / Holztisch x weihnachtliche
Musik / Weihnachtsmusik x väterliches Geschäft / Geschäft des
Vaters
4.3 Reihenfolge mehrerer attributiver Adjektive: buschiges schwarzes
Haar / schwarzes buschiges Haar
4.4 Adjektivattribute zu Komposita und festen Substantivverbindungen:
deutsche Sprachwissenschaft x ein neues Paar Schuhe / ein
Paar neuer Schuhe
5 Verweise

Wörter wie einsam, flott, schön, blau und ungeschickt, mit denen man Lebe-
wesen, Dinge und Begriffe, Zustände, Vorgänge und Tätigkeiten charakteri-
sieren kann, nennt man Adjektive. Sie sind im Allgemeinen deklinierbar
(s. u.) und können normalerweise ↑ Vergleichsformen bilden. Ein Substantiv
können sie unmittelbar näher bestimmen (schöne Jacke, blaue Augen). Man
nennt das die attributive Verwendung des Adjektivs. Tritt ein Adjektiv in
Verbindung mit sein, werden oder bleiben auf (Sie ist, wird krank), dann
spricht man von prädikativer Verwendung des Adjektivs.
Adverbial nennt man demgegenüber den Gebrauch eines Adjektivs, das
ein Verb näher bestimmt (Der Motor läuft gleichmäßig). Undeklinierte Adjek-
tive können auch Adverbien (weit draußen) und andere Adjektive (abscheu-
lich kalt) adverbial bestimmen.

1 Starke / schwache Deklination


1.1 Das Grundsystem starker und schwacher Deklination
Wie auch beim Substantiv wird beim Adjektiv zwischen starker und schwa-
cher Deklination unterschieden. Gemeinsam ist der Unterscheidung beim
Substantiv und beim Adjektiv aber nur, dass von schwacher Deklination
dann gesprochen wird, wenn der Kasus mit -n gebildet wird. Zur schwachen
Adjektivdeklination gehören darüber hinaus aber auch Formen mit -e. Vor al-
lem die starke Adjektivdeklination umfasst mehr Kasusendungen als die De-
Adjektiv 26

A klination der starken Substantive (s. u.). Der entscheidende Unterschied zwi-
M
Adje schen der Einteilung in Deklinationsklassen bei Substantiv und Adjektiv be-
steht aber darin, dass die Deklinationsklassen beim Substantiv fest den je-
weiligen Substantiven zugeordnet werden, während die Deklinationsklassen
beim Adjektiv nicht von den einzelnen Adjektiven abhängen, sondern von
der jeweiligen syntaktischen Umgebung. So kann jedes Adjektiv je nach Kon-
text sowohl stark als auch schwach dekliniert werden (beispielsweise kalter
Kaffee – stark, der kalte Kaffee – schwach). Das liegt daran, dass in der ↑ No-
minalgruppe im Gegenwartsdeutschen entweder ein Artikel die Funktion
übernimmt, Genus, Kasus und Numerus zu kennzeichnen, oder ein Adjektiv
(↑ Nominalgruppenflexion). Zweifelsfälle in der Adjektivdeklination hängen
meistens mit dem Status des Adjektivs in der Nominalgruppe zusammen.
1.1.1 Starke Deklination

Maskulinum Femininum Neutrum


Nom. weich-er Stoff warm-e Speise hart-es Metall
Singular

Gen. (statt) weich-en Stoff[e]s (statt) warm-er Speise (statt) hart-en Metalls
Dat. (aus) weich-em Stoff (mit) warm-er Speise (aus) hart-em Metall
Akk. (für) weich-en Stoff (für) warm-e Speise (für) hart-es Metall
Nom. weich-e Stoffe warm-e Speisen hart-e Metalle
Plural

Gen. (statt) weich-er Stoffe (statt) warm-er Speisen (statt) hart-er Metalle
Dat. (aus) weich-en Stoffen (mit) warm-en Speisen (aus) hart-en Metallen
Akk. (für) weich-e Stoffe (für) warm-e Speisen (für) hart-e Metalle

Ein Adjektiv wird stark dekliniert, wenn ihm kein Artikelwort vorausgeht
oder wenn das vorausgehende Wort endungslos ist (kalter Kaffee, ein kalter
Kaffee). Das Adjektiv übernimmt in diesen Fällen die Funktion der Kenn-
zeichnung von Genus, Kasus und Numerus.
Das gilt auch, wenn ihm ein im Genitiv stehender Eigenname vorausgeht:
Leas neues Kleid. Die Deklination ist weitgehend formgleich mit der des ↑ De-
monstrativs diese (z. B. weich-er Stoff – dies-er Stoff), abgesehen vom Genitiv
Singular Maskulinum/Neutrum, der im heutigen Deutsch immer auf -en aus-
geht ( frohen Sinnes, guten Mutes, traurigen Herzens, die Abfüllung jungen
Weines). Die Ersetzung von -es durch -en beginnt schon im 17. Jahrhundert
und sie ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass das nachfolgende
Substantiv bereits ein -(e)s als Endung hat. Diese Tendenz weitet sich nun
auch auf ↑ dieses aus.
27 Adjektiv

1.1.2 Schwache Deklination A


M
Adje
Maskulinum Femininum Neutrum
Nom. der schnell-e Wagen die schnell-e Läuferin das schnell-e Auto
Singular

Gen. des schnell-en Wagens der schnell-en Läuferin des schnell-en Autos
Dat. dem schnell-en Wagen der schnell-en Läuferin dem schnell-en Auto
Akk. den schnell-en Wagen die schnell-e Läuferin das schnell-e Auto
Nom. die
Plural

Gen. der
schnell-en Wagen schnell-en Läuferinnen schnell-en Autos
Dat. den
Akk. die

Ein Adjektiv wird schwach dekliniert, wenn ihm der bestimmte Artikel oder
ein anderes Artikelwort mit Endung vorausgeht. Die nominalen Kategorien
Genus, Kasus und Numerus sind in diesen Fällen am Artikel erkennbar und
müssen deshalb nicht am Adjektiv gekennzeichnet werden. Das gilt auch für
solche Artikel, die mit einer Präposition verschmolzen sind: im schwarzen
Kleid, im getrockneten Zustand.

1.2 Starke vs. schwache Deklination nach ein, kein, mein


Im Prinzip wird ein Adjektiv entweder stark oder schwach dekliniert, je nach-
dem, ob ihm ein Artikelwort vorausgeht, das die nominalen Kategorien kenn-
zeichnet, oder nicht. Während Adjektive ohne Artikel immer stark dekliniert
werden und Adjektive mit bestimmtem Artikel und einigen anderen Artikel-
wörtern wie diese immer schwach, wird bei einer Reihe von Artikelwörtern
wie ein, kein und mein in manchen Kasus schwach flektiert und in anderen
stark. Das liegt daran, dass diese Artikelwörter in den meisten Kombinatio-
nen aus Genus, Numerus und Kasus wie der bestimmte Artikel die Funktion
übernehmen, die nominalen Kategorien durch eine Flexionsendung zu kenn-
zeichnen, in anderen nicht. Wenn das Artikelwort keine Endung hat, muss
das Adjektiv die Funktion übernehmen, die nominalen Kategorien sichtbar
zu machen: ein schneller Wagen, kein modernes Auto.
Für die possessiven Artikelwörter mein, dein, sein, unser, euer, ihr, Ihr gilt
ebenso wie für ein und kein, dass die Deklination des darauffolgenden Adjek-
tivs davon abhängt, ob das possessive Artikelwort die nominalen Kategorien
kennzeichnet oder nicht. Unsicherheit besteht hier aber vor allem bei den
Adjektiv 28

A Formen unser und euer, weil ihr auf -er ausgehender Stamm mit einer starken
M
Adje Endung verwechselt werden kann. Deshalb kommt es auch zu Formen wie
unser von mir selbst abgeschickte Brief (statt: abgeschickter Brief) und euer
von allen unterschriebene Brief (statt: unterschriebener Brief).

1.3 Nicht deklinierte Adjektive: ein rosa Kleid / ein klasse Sprinter
Adjektive, die auf einen unbetonten Vollvokal enden, können nicht wie an-
dere Adjektive dekliniert werden: die lila Hüte, ein prima Vorschlag, eine sexy
Bluse. Durch die Flexionsendung würden zwei unbetonte Vokale aufeinan-
derstoßen (lila-er, prima-e, sexy-es). Solche Strukturen werden vermieden.
Stattdessen werden in der Umgangssprache immer häufiger Formen mit ei-
nem eingeschobenen -n- zwischen den beiden Vokalen verwendet: die lilanen
Hüte; sie behält den rosanen (↑ Farbbezeichnungen 2.2). In der geschriebenen
Standardsprache wird eher auf Alternativformen wie lilafarben ausgewichen.
Adjektive mit einer eingeschränkten Deklinierbarkeit werden deshalb meist
auch nicht attributiv verwendet, sondern nur prädikativ: Der Läufer ist
groggy. Die Firma ist pleite.

1.4 Deklination mehrerer aufeinanderfolgender Adjektive: nach


langem[,] schwerem / schweren Leiden
Für mehrere aufeinanderfolgende Adjektive gilt die Grundregel, dass sie par-
allel flektiert werden, also alle entweder stark oder schwach, je nachdem, ob
und wenn ja was für ein Artikelwort ihnen vorangeht:
nach langem, schwerem Leiden (= parallel stark); mit dem langen, schweren Messer
(= parallel schwach).

Stehen also bei einem Substantiv zwei oder mehrere Adjektive oder Partizi-
pien ohne stark flektierendes Artikelwort, dann werden diese in gleicher
Weise (parallel) und in den meisten Fällen stark flektiert:
ein breiter, tiefer Graben; hochwertiges pflanzliches Fett; angesichts erneuter un-
glaublicher Ausdauer.

Hat das Substantiv selbst die starke Endung -s wie bei den meisten Masku-
lina und Neutra, dann werden beide Adjektive schwach flektiert (der Preis
hochwertigen japanischen Stahls; dieser Vogel bedarf täglich frischen saube-
ren Wassers). Im Genitiv Plural tritt gelegentlich eine schwache nach einer
starken Form auf (sog. Wechselflexion wie in die Bücher bekannter neueren
Dichter), aber häufiger ist auch hier die Parallelflexion (die Bücher bekannter
29 Adjektiv

neuerer Dichter; eine Bewertung alter schwieriger Fragen). Die meisten A


Schwankungen treten im Dativ Singular des Maskulinums und Neutrums
auf, wo die starke Form auf -m und die schwache auf -n endet. Als Grundregel
M
Adje

gilt hier: Bildet das zweite Adjektiv mit dem Substantiv eine Bedeutungsein-
heit, die als Ganzes vom ersten Adjektiv modifiziert wird, dann kann Wech-
selflexion eintreten. Das schwach deklinierte Adjektiv ist dann dem stark de-
klinierten Adjektiv untergeordnet. Das ist vor allem dann der Fall, wenn das
zweite Adjektiv eine Zugehörigkeit im weiteren Sinn bezeichnet (nach hefti-
gem parlamentarischen Streit; mit hellem elektrischen Licht). Sind beide Ad-
jektive dem Substantiv gegenüber nebengeordnet, tritt in der Regel Parallel-
flexion ein (nach langem, heftigem Streit, mit hellem, hartem Licht). In vielen
Fällen ist beides möglich, was auch daran liegt, dass unterschiedliche Lesar-
ten vorliegen können. Nur ein Komma kann zweifelsfrei deutlich machen,
dass Nebenordnung vorliegt: nach langem schweren Leiden oder nach langem
schwerem Leiden = Das schwere Leiden war lang (= Unterordnung). Nach
langem, schwerem Leiden = Das Leiden war lang und schwer (= Nebenord-
nung). Da mit und immer Gleichrangiges koordiniert wird, kann dieser Test
bei der Entscheidung helfen: Man entließ den Patienten in gebessertem psy-
chischen / psychischem Zustand. Hier kann man nicht sagen: in gebessertem
und psychischem Zustand. Also liegt ein Unterordnungsverhältnis vor (»der
psychische Zustand war gebessert«), das durch Wechselflexion gekennzeich-
net werden kann. Ein Komma führt zu keiner sinnvollen Lesart. Selbstver-
ständlich können die Schreibenden das Mittel der Parallel- und der Wechsel-
flexion bewusst einsetzen, um Neben- bzw. Unterordnung der Adjektive zu
signalisieren. Eine normative Regelung ist deshalb ausgeschlossen.
Die berlegungen zur Unter- und Nebenordnung sind aber nur ein infrage
kommender Erklärungsansatz zur Deklination mehrerer aufeinanderfolgen-
der Adjektive. So ist sowohl in diesem Bereich als auch bei der Flexion von
Adjektiven nach speziellen Artikelwörtern auffällig, dass es eine übergrei-
fende Tendenz gibt, bei aufeinanderfolgendem -er -er (-en) (wie z. B. im Geni-
tiv Plural) parallel stark zu flektieren, während bei aufeinanderfolgendem
-em -en (-em) die Wechselflexion etwas häufiger vorkommt. Möglicherweise
spielen also auch klangliche Gründe eine Rolle.
Die Unterscheidung zwischen starker und schwacher Deklination gilt
auch für substantivierte Adjektive und wie Adjektive gebrauchte substanti-
vierte Partizipien. Deshalb zeigen sich in diesem Bereich die gleichen
Schwankungsphänomene wie bei Adjektiven im Allgemeinen (↑ Substanti-
vierungen [2]).
Adjektiv 30

A 1.5 Schwankungen in der Adjektivdeklination nach speziellen


M
Adje Artikelwörtern: einige schöne Bücher / alle schönen Bücher
Nach speziellen Artikelwörtern wie alle, andere, beide, einige, folgende, man-
che, sämtliche, solche, viele, wenige (↑ Artikel, Artikelwörter, Pronomen sowie
die einzelnen Lemmata zu den genannten Artikelwörtern) schwankt die Ad-
jektivdeklination, d. h., Adjektive werden nach diesen Artikelwörtern teil-
weise schwach, teilweise stark dekliniert:
Beide alten / alte Häuser sind in gutem Zustand; der Zustand beider alter / alten Häu-
ser ist gut; ich habe sämtliche geliehenen / geliehene Bücher überprüft. Er hat vieles
Seltsame / Seltsames erlebt.

Die Schwankungen treten gleichermaßen bei Adjektiven, adjektivisch ver-


wendeten Partizipien und substantivierten Adjektiven auf. Sie deuten darauf
hin, dass der Wortartstatus dieser Artikelwörter nicht ganz klar ist: Wird das
darauffolgende Adjektiv stark dekliniert, bedeutet das, dass das vorange-
hende Artikelwort wie ein Adjektiv behandelt wird. Beide – Artikelwort und
Adjektiv – werden in diesem Fall parallel flektiert. Wird das darauffolgende
Adjektiv hingegen schwach dekliniert, dann übernimmt das spezielle Arti-
kelwort allein die Funktion, die nominalen Kategorien zu kennzeichnen, und
verhält sich folglich wie ein Artikel. Da der Sprachgebrauch bei diesen Arti-
kelwörtern prinzipiell beide Möglichkeiten zulässt, können hier keine allge-
meinen Entscheidungshilfen bereitgestellt werden. Bei den einzelnen Arti-
kelwörtern gibt es teilweise unterschiedliche Tendenzen bei unterschiedli-
chen Kasus, so wird z. B. nach beide und sämtliche im Genitiv Plural eher
stark dekliniert, sonst eher schwach. Zu den Tendenzen bei den einzelnen
Artikelwörtern siehe die jeweiligen Einzellemmata.
Dagegen sollte das Adjektiv oder Partizip nach den Demonstrativ- und
Relativpronomen dessen und deren (= Genitivformen des Demonstrativ-
und Relativpronomens der, die, das) stark flektiert werden, weil die Prono-
men als attributive Genitive keinerlei Einfluss auf die Deklination ausüben.
Sie kongruieren nicht mit dem Kasus der folgenden Nominalgruppe:
Anna sprach mit Katja und deren bester Freundin. Susi fragte nach Juliane und deren
kleinem Kind. Der Mann, auf dessen erschöpftem Gesicht sich Enttäuschung malte,
gab das Rennen auf.

Gerade weil es sich dabei um ein Sonderverhalten dieser Pronomina handelt,


kann es aber durchaus zu Schwankungen und Zweifeln kommen (↑ Demons-
trativ).
31 Adjektiv

1.6 Adjektivdeklination nach Präpositionen: zu gewohnter Stunde / zur A


gewohnten Stunde M
Adje
Nach einer Verschmelzung aus Präposition und Artikel wird das Adjektiv
oder Partizip schwach flektiert: im schwarzen Kleid, im getrockneten Zu-
stand, zur gewohnten Stunde. Nach der Präposition allein (ohne Artikel) wird
stark flektiert: in schwarzem Samt, in getrocknetem Zustand, zu früher
Stunde. Das liegt daran, dass Verschmelzungen die Flexionsendung des be-
stimmten Artikels enthalten. – Sind beide Ausdrucksweisen möglich, dann
besagen sie nicht dasselbe. Beispielsweise geht es bei der Entscheidung für
eine der beiden Varianten in schlechtem Zustand / im schlechten Zustand um
die Frage, ob es um einen bestimmten schlechten Zustand geht oder nur all-
gemein darum, dass ein schlechter Zustand vorliegt:
Das Haus befand sich in schlechtem Zustand. Wir haben das Haus bereits im denkbar
schlechtesten Zustand übernommen. In dem schlechten Zustand, den Sie mir be-
schrieben haben, kann der Patient nicht verlegt werden. ↑ Präposition (1.2.5).

1.7 Adjektivdeklination nach Personalpronomen: mir jungem / jungen


Menschen x wir Deutsche / Deutschen
Ein [substantiviertes] Adjektiv oder Partizip, dem ein Personalpronomen vo-
rangeht, wird im Allgemeinen stark dekliniert, weil diese Pronomen keine
starke Endung aufweisen: ich altes Kamel; du großer Held; du Geliebter. Es
treten jedoch gewisse Schwankungen im Dativ Singular aller drei Genera auf:
Neben standardsprachlich voll anerkannten Ausdrücken mit starker Dekli-
nation des Adjektivs stehen auch mir jungen Menschen, dir alten Mann, dir
Geliebten. Im Dativ Femininum wird sogar recht häufig die schwache Dekli-
nation bevorzugt, wodurch der Anklang an das Maskulinum vermieden wird:
mir alten Frau, dir treuen Seele, dir Geliebten.
Im Nominativ Plural wird heute im Allgemeinen schwach flektiert: wir al-
ten Kameraden, ihr treulosen Väter, wir deutschen Steuerzahlerinnen. Nach
wir kommt bei substantivierten Adjektiven oder Partizipien auch die starke
Deklination vor: wir Deutschen / (seltener stark:) Deutsche; wir Grünen / (sel-
tener stark:) Grüne; wir Fußballbegeisterten / (seltener stark:) Fußballbegeis-
terte.
Beim Akkusativ Plural gibt es nur die starke Flexion (Akkusativ: für uns
Deutsche; für uns fortschrittliche Studierende), wohl deshalb, weil er sich
sonst nicht vom Dativ unterscheiden würde (Dativ: von uns Deutschen, von
uns fortschrittlichen Studierenden).
Adjektiv 32

A 1.8 Deklination des Adjektivs oder Partizips in der Apposition: mit


M
Adje einem Blatt weißem Papier, ihm als bekanntem Künstler
Als Grundregel gilt, dass das artikellose Adjektiv oder Partizip in einer Appo-
sition stark flektiert wird: ein Blatt weißes Papier; mit einem Blatt weißem Pa-
pier; von Frau Dr. Schneider, ordentlicher Professorin an der Universität Trier;
mit Herrn Meier, ordentlichem Professor an der Universität Mainz. Dasselbe
gilt bei entsprechenden Verbindungen mit als: mir als jüngerer Schwester;
ihm als bekanntem Künstler.
Im Dativ wird das Adjektiv oder Partizip gelegentlich schwach flektiert:
mir als jüngeren Schwester; ihm als bekannten Künstler; mit einem Blatt wei-
ßen Papier. Dies gilt jedoch nicht als standardsprachlich.

2 Prädikative und adverbiale Verwendung von Adjektiven:


Das Urteil des Richters war mild x in einer ähnlich
schwierigen Lage
Adjektive werden immer dekliniert, wenn sie als Attribute verwendet wer-
den: Sie trinkt gern heißen Kaffee. In der Verwendung als Prädikative und Ad-
verbiale hingegen bleiben sie unflektiert: Der Kaffee ist heiß, Sie trinkt den
Kaffee gern heiß. Sie aß schnell das Brötchen.
Die prädikative Verwendung (Das Urteil des Richters war mild. Die Folgen
für die Wirtschaft werden katastrophal sein) steht manchmal in Konkurrenz
zu einer Verwendung des Adjektivs mit dem unbestimmten Artikel bzw. (im
Plural) ohne Artikeli:
Das Urteil des Richters war ein mildes. Die Folgen für die Wirtschaft werden katastro-
phale sein.

In diesen Fällen wird das Adjektiv dekliniert, weil es als Attribut zu einer El-
lipse des Substantivs (mildes Urteil, katastrophale Folgen) fungiert. Solche
Formulierungen sind sinnvoll, wenn das Adjektiv fokussierend gebraucht
wird↑ Fokus). Dabei ist es besonders betont und wird zu gedachten oder im
Kontext genannten Alternativen in Beziehung gesetzt:
Diese Linie ist eine gerade, jene eine gekrümmte. Diese Frage ist eine politische, keine
pädagogische.

In dieser Verwendung finden sich besonders sogenannte klassifizierende Ad-


jektive, die sich auf Besitz, Herkunft, Zugehörigkeit und Stoff beziehen:
Der Wein ist ein spanischer, der andere ein italienischer. Dieser Teppich ist ein orien-
talischer, jener ein chinesischer.
33 Adjektiv

Wenn ein Adjektiv adverbial gebraucht wird, wird es nicht flektiert: Sie aß A
schnell das Brötchen. Ein solcher adverbialer Gebrauch wird bei engen Ver-
bindungen aus Substantiv und Verb bevorzugt (sich Mühe geben; von etwas
M
Adje

Kenntnis nehmen; Gefahr laufen):


Sie gab sich höflich Mühe, ihm den Weg zu erklären. Er nahm nur flüchtig Kenntnis
von dem Brief.

Adverbial verwendete Adjektive können sich aber nicht nur auf Verben bzw.
den ganzen Satz beziehen, sondern auch auf andere Adjektive bzw. substan-
tivierte Adjektive und Partizipien: in einer ähnlich schwierigen Lage, der chro-
nisch Kranke, der einschlägig Vorbestrafte.
In Beispielen wie in einer ähnlich schwierigen Lage; ein frisch gebackenes
Brot; ein schneidend kalter Wind bleibt das Adjektiv unflektiert, weil es das
folgende Adjektiv oder adjektivisch verwendete Partizip näher bestimmt. Es
ist folglich kein gleichrangiges Adjektivattribut zu den übergeordneten Sub-
stantiven, sondern Adverbial zum Adjektiv. Wenn man sagt in einer ähnlich
schwierigen Lage, bezeichnet man die Schwierigkeit der Lage als ähnlich.
Wenn man hingegen sagt in einer ähnlichen[,] schwierigen Lage, dann spricht
man über eine Lage, die sowohl schwierig als auch ähnlich ist. Der adverbiale
Gebrauch kann folglich genutzt werden, um deutlich zu machen, worauf sich
das Adjektiv bezieht: In Du hast schön warme Hände wird ausgedrückt, dass
der Wärmegrad der Hände angenehm ist. Du hast schöne warme Hände hin-
gegen könnte man hingegen so verstehen, dass die Hände schön sind. Es geht
hier also wie bei der Unterscheidung zwischen Parallelflexion und Wechsel-
flexion bei mehreren aufeinanderfolgenden deklinierten Adjektiven (↑ 1.4)
um die Unterscheidung zwischen Unter- und Nebenordnung. Das bedeutet
aber nicht, dass man prinzipiell die Möglichkeit hätte, ein Unterordnungs-
verhältnis sowohl durch Wechselflexion als auch durch die Verwendung ei-
nes unflektierten, adverbial gebrauchten Adjektivs anzuzeigen. So kann man
beispielsweise nur sagen nach langem schweren Leiden, hier kann man lang
nicht adverbial verwenden. Umgekehrt kann man nicht jedes Unterord-
nungsverhältnis durch Wechselflexion kennzeichnen, sondern manchmal ist
nur der adverbiale Gebrauch möglich: mit angenehm knusprigem Brot.
Ein undekliniertes Adjektiv oder Partizip, das ein anderes Adjektiv oder
Partizip näher bestimmt, bleibt auch undekliniert, wenn das näher be-
stimmte Adjektiv oder Partizip substantiviert wird:
chronisch krank – die chronisch Kranke; einschlägig vorbestraft – der einschlägig
Vorbestrafte; ewig nörgelnd – ewig Nörgelnder; unmittelbar vergangen – unmittelbar
Vergangenes.
Adjektiv 34

A 3 Formenbildung: ein dunkler / dunkeler Gang, blöd / blöde


M
Adje
Bei den Adjektiven auf -el fällt das e dieser Buchstabenverbindung in der De-
klination und im Komparativ weg. Dadurch wird das Auftreten einer Häu-
fung unbetonter Silben vermieden: ein dunkler Gang, ein nobles Angebot, eine
eitle Frau. Früher ließ man bei solchen Adjektiven stattdessen häufig das e
der Flexionsendung -en weg: im dunkeln Hain usw.
Auch die Adjektive auf -abel und -ibel verlieren, wenn sie dekliniert oder
gesteigert werden, das e der Endsilbe: eine respektable Leistung, ein f lexibler
Bucheinband, eine praktikablere Lösung.
Demgegenüber behalten die Adjektive auf -er und -en (in der geschriebe-
nen Sprache) gewöhnlich das e bei: ein finsteres Gesicht, ein ebenes Gelände.
Endet jedoch der Stamm des Adjektivs auf -au- oder -eu-, dann wird das e
weggelassen: saures Bier, teure Zeiten. Auch bei vielen fremden Adjektiven
lässt man das e der unbetonten Endung -er in den flektierten Formen weg: eine
illustre Gesellschaft, integre Beamte, eine makabre Geschichte. Je stärker ein
solches Adjektiv in den deutschen Wortschatz integriert ist, desto unauffälli-
ger wirken Formen mit e: eine makabere Geschichte. Bei den Adjektiven leger
und peripher, die auf der letzten Silbe betont werden, bleibt das e immer erhal-
ten (legere Kleidung, periphere Blutgefäße). Auch bei dem aus dem Englischen
entlehnten Adjektiv clever lässt man das e nicht weg (eine clevere Lösung).
Früher fiel bei den Adjektiven auf -er häufig das e der Flexionsendung
weg: mit düstern Mienen, einen muntern Knaben.
Beim deklinierten Partizip II auf -en fällt aus metrischen Gründen oder
zur Erleichterung des Sprechens das e der Endung -en gelegentlich weg:
gefrornes Wasser statt gefrorenes Wasser; zerbrochner Krug statt zerbrochener Krug;
gezogne Linie statt gezogene Linie; gelungner Abend statt gelungener Abend.

Viele Adjektive hatten früher im Auslaut ein e. Bei einigen ist es im Laufe der
Zeit weggefallen; bei anderen kommen Formen mit e neben solchen ohne e
vor: blöd / blöde; trüb / trübe; feig / feige ; zäh / zähe; mild / milde; öd / öde. Nur
bei Adjektiven mit einem einzelnen stimmhaften Konsonanten vor dem e ist
die Form mit dem auslautenden e die standardsprachlich übliche: leise, trübe,
feige, bei den anderen die Form ohne e: dünn, dick (gegenüber den umgangs-
sprachlichen Wendungen sich dünnemachen, es nicht dicke haben).

4 Attributiv verwendete Adjektive


Adjektive können im Satz auf unterschiedliche Weise gebraucht werden. Sie
können prädikativ verwendet werden (Die Kinder sind laut), adverbial (Die
35 Adjektiv

Kinder schreien laut, Lisa raucht stark) und attributiv (die lauten Kinder, Lisa A
ist eine starke Raucherin). Prädikativ und adverbial verwendete Adjektive
werden nicht flektiert. Der attributive Gebrauch des Adjektivs ist am häu-
M
Adje

figsten. Dabei wird das Adjektiv dekliniert und steht vor dem Substantiv.

4.1 Feste Verbindungen: künstliche Intelligenz, brennende Frage,


Whisky pur
Adjektivattribute können in vielen Fällen frei zu einem beliebigen Substantiv
hinzugefügt werden und sind umgekehrt auch weglassbar: das [alte] Haus,
die [verschneite] Straße, die [renommierte] Zeitung. Viele Verbindungen aus
Adjektivattribut und Substantiv sind hingegen fest im Sprachgebrauch ver-
ankert: künstliche Intelligenz, schwarzer Kaffee. Manche dieser Verbindungen
sind floskelhaft: brennende Frage, bleibende Erinnerung, wohlverdiente Ruhe.
In einigen festen Verbindungen bleibt das Adjektiv unflektiert (auf gut
Glück, ruhig Blut, in ganz England, kölnisch Wasser). Bei festen Produktbe-
zeichnungen und in der Werbe- und Fachsprache kann das unflektierte Ad-
jektiv auch nachgestellt werden: Krönung light; Henkell trocken; Whisky pur;
Aal blau; 70 Nadelfeilen rund nach DIN 8342.
In der Pressesprache findet sich dieser Gebrauch als ausdrucksverstär-
kendes Stilmittel: Das war Leben pur (Hörzu). Sport total im Fernsehen
(Mannheimer Morgen). ber Fußball brutal reden alle (Hörzu).

4.2 Ausdrucksalternativen: hölzerner Tisch / Holztisch; weihnachtliche


Musik / Weihnachtsmusik; väterliches Geschäft / Geschäft des
Vaters
Der teilweise stark konventionalisierte Gebrauch von Verbindungen aus Ad-
jektivattribut und Substantiv rückt diese in die Nähe von Komposita. So ist
eine Verbindung aus Adjektivattribut und Substantiv oft austauschbar mit
einem Kompositum:
hölzerner Tisch / Holztisch; weihnachtliche Musik / Weihnachtsmusik; fachliche Bil-
dung / Fachbildung; berufliche Erfahrung / Berufserfahrung; terminliche Schwierig-
keiten / Terminschwierigkeiten.

Kompositum und syntaktische Fügung weisen meist einen Bedeutungsun-


terschied auf, besonders wenn das Kompositum lexikalisiert ist: Eine winter-
liche Landschaft braucht keine Winterlandschaft zu sein, sie braucht nur den
Anschein des Winterlichen (= wie im Winter) zu haben. Schulische Aufgaben
sind Aufgaben, die der Schule, der Schulbehörde zukommen; Schulaufgaben
sind Aufgaben, die die Schülerinnen und Schüler zu erledigen haben.
Adjektiv 36

A Oft wird das Adjektivattribut auch in ähnlicher Funktion wie ein Genitiv-
M
Adje attribut verwendet: das väterliche Geschäft vs. das Geschäft des Vaters oder
polizeiliche Anordnungen vs. Anordnungen der Polizei.

4.3 Reihenfolge mehrerer attributiver Adjektive: buschiges schwarzes


Haar / schwarzes buschiges Haar
Für mehrere attributive Adjektive gilt die folgende Faustregel: Das Adjektiv-
attribut, das einem Substantiv am engsten verbunden ist, steht ihm auch am
nächsten. Besonders gilt das in sachlichen Beschreibungen für klassifizie-
rende, verschiedene Arten oder Sorten unterscheidende Adjektive: ein glit-
zernder goldener Ring; herrliches weißes Mehl; buschige schwarze Haare. Die
Adjektive glitzernd, herrlich und buschig sind als qualifizierende Adjektive
weniger eng mit dem Substantiv verbunden und stehen deshalb vor dem
klassifizierenden Adjektiv. Teilweise ist die enge Bindung des Adjektivs an
das Substantiv auch daran erkennbar, dass es auch durch ein Kompositum
ersetzt werden kann: hölzerner Tisch / Holztisch. Am weitesten entfernt vom
Substantiv stehen quantifizierende und situative Adjektive: drei goldene
Ringe, verschiedene buschige schwarze Haare. Diese Grundregeln können
aber manchmal durchbrochen werden, wenn ein spezifisches Unterord-
nungsverhältnis hergestellt werden soll. So kann man auch von schwarzen
buschigen Haaren sprechen, wenn es vorrangig um die Art des Haarwuchses
geht und schwarz als ein zusätzliches Merkmal hinzugezogen wird. Die Rei-
henfolge der Adjektive kann also genutzt werden, um Unterordnungsverhält-
nisse deutlich zu kennzeichnen (die gute alte Zeit).

4.4 Adjektivattribute zu Komposita und festen Substantivverbindungen:


deutsche Sprachwissenschaft, ein neues Paar Schuhe / ein
Paar neuer Schuhe
Adjektivattribute zu Komposita modifizieren zwar das ganze ↑ Kompositum
(die große Eisfabrik = die Eisfabrik ist groß), beziehen sich aber in der Regel
auf das Zweitglied. Verbindungen wie kleines Kindergeschrei, anorganischer
Chemieprofessor, der vierstöckige Hausbesitzer, der siebenköpfige Familienva-
ter sollte man deshalb nur verwenden, wenn man damit einen bestimmten
stilistischen Effekt erzielen will (z. B. Ironie) oder wenn sie fest im Sprachge-
brauch verankert sind (z. B. deutsche Sprachwissenschaft). ↑ Komposi-
tum (2.4).
Bei festen Substantivverbindungen stellt sich nicht nur die Frage, auf
welchen Teil der Verbindung sich ein Adjektivattribut bezieht, sondern auch,
37 Adjektivabstraktum – Adress- / Adressen-

wo es stehen soll. So kann das Adjektiv unmittelbar vor dem Teil stehen, auf A
den es sich bezieht (ein Paar neuer Schuhe, ein Glas guter Wein / guten Wei-
nes, eine Tasse dampfender Kaffee / dampfenden Kaffees), aber – gerade in
M
Adre

Verbindungen aus Mengen- oder Maßangaben und Stoffbezeichnungen –


auch vor dieser Einheit (ein neues Paar Schuhe, ein gutes Glas Wein, eine
dampfende Tasse Kaffee). Die Varianten sind aber nicht beliebig austausch-
bar, wenn sich Sinnänderungen ergeben. So besteht zwischen ein Glas fri-
sche[r] Milch und ein frisches Glas Milch ein inhaltlicher Unterschied inso-
fern, als ein frisches Glas Milch mehr den Sinn von »ein neues, noch ein Glas
Milch« hat. Und bei einer schwarzen Tasse Kaffee ist die Tasse schwarz und
nicht der Kaffee.

5 Verweise
Zu Fragen der Groß- oder Kleinschreibung von Adjektiven ↑ Groß- oder
Kleinschreibung (1.2.1 und 1.2.2). Zur Deklination bei Verwendung als Sub-
stantiv ↑ Substantivierungen (2). Zu als Adjektivattribute gebrauchten Parti-
zipien ↑ Partizip und Partizipialgruppe. Zu Adjektivkomposita (schaumge-
bremst, gesundheitsschädigend, drehfreudig) ↑ Kompositum (3). Zu Verbin-
dungen wie Ekel erregend / ekelerregend, Eisen verarbeitend / eisenverarbei-
tend ↑ Getrennt- oder Zusammenschreibung (3.1.1). Zur Schreibung mit Bin-
destrich ↑ Bindestrich (4); ↑ Farbbezeichnungen (3.1).
Zu abgeleiteten Adjektiven: Zum Nebeneinander von Adjektiven auf -al
und -ell (personal / personell) ↑ -al / -ell. Zum Bedeutungsunterschied der Ad-
jektivbildungen auf -ig und -lich (vierwöchig / vierwöchentlich) und der Ad-
jektive auf -lich und -isch (kindlich / kindisch) ↑ -ig / -isch / -lich. Zum Bedeu-
tungsunterschied der Adjektivbildungen auf -bar und -lich (unaussprech-
bar / unaussprechlich) ↑ -lich / -bar. Zur Ableitung der Adjektive von Perso-
nennamen mit dem Suffix -[i]sch ↑ Personennamen (4).

Adjektivabstraktum: Unter einem Adjek- das substantivierte Adjektiv (↑ Substan-


tivabstraktum versteht man ein Sub- tivierungen [2]).
stantiv mit abstrakter Bedeutung, das Admiral: Neben der Pluralform die Ad-
von einem Adjektiv abgeleitet ist. Die mirale ist auch die Form mit Umlaut
wichtigsten Typen des Adjektivabstrak- die Admiräle gebräuchlich, wenn
tums sind die Substantive auf -heit auch seltener. Beide Formen sind
(schön – Schönheit), -keit (sauber – Sau- korrekt.
berkeit), -igkeit (neu – Neuigkeit) sowie Adress- / Adressen-: Unter den gebräuch-
Adresse – Adverb 38

A lichen Komposita mit Adress(en)- sind überwiegt jedoch die Variante mit dem
M
Adre die Bildungen Adressbestand, Adress-
buch, Adressverzeichnis und Adressän-
Fugenelement -en: Adressenlis-
te / Adressliste, Adressenpool / Adress-
derung häufiger als die ebenfalls korrek- pool, Adressensammlung / Adresssamm-
ten Varianten Adressenbestand, Adres- lung. ↑ Fugenelement.
senbuch, Adressenverzeichnis und Adres- Adresse: ↑ Brief / E-Mail.
senänderung. Bei einigen Komposita A-Dur / a-Moll: ↑ Dur / Moll.

Adverb
Wörter wie hier, bald, trotzdem, eilends, die den vom Satz bezeichneten Sach-
verhalt räumlich und zeitlich, im Hinblick auf Gründe und Folgen, Qualität
und Intensität u. Ä. näher bestimmen, nennt man Adverbien. Der Terminus
Adverb bedeutet »zum Verb gehörig«. In diesem Sinne beziehen sich Adver-
bien meist auf die Verbalhandlung und fungieren als adverbiale Bestimmun-
gen (Das Haus steht dort. Gestern haben wir einen Ausf lug gemacht. Draußen
ist Lärm). Zusätzlich zu dieser Grundfunktion können Adverbien als Attri-
bute verwendet werden (das Haus dort, der Ausflug gestern, der Lärm drau-
ßen). Adverbien sind nicht flektierbar und bilden im Allgemeinen keine Ver-
gleichsformen.

1. Adverbien als vorangestellte Attribute: sein baldes Kommen x das beinahe


Scheitern
Adverbien können – anders als ↑ Adjektive – im Allgemeinen nicht als At-
tribut einem Substantiv vorangestellt werden. In der gesprochenen und
informellen Sprache werden Adverbien jedoch vereinzelt wie Adjektive at-
tributiv verwendet:
eine balde Rückantwort, die bislangen Lehren, die neuliche Gesetzesänderung, die so-
gleiche Erledigung, das beinahe Zustandekommen, die zue Tür.

Dieser Gebrauch gilt nicht als standardsprachlich.


Schriftsteller verwenden solche Formen manchmal zur Kennzeichnung
umgangssprachlicher oder archaischer Ausdrucksweise:
... das aber, was immer da war, ist müde von zu oftem Erinnern (Rilke).

Zur attributiven Verwendung von Adverbien, die mit -weise gebildet sind
(probeweise, schrittweise, teilweise usw.) ↑ -weise.
39 Adverb

2. Varianten von Adverbien mit -s: öfter / öfters x durchweg / durchwegs x wei- A
ter / weiters
Manche Adverbien sind aus Genitivformen von Substantiven entstanden
M
Adve

(des Abends → abends) und lauten deshalb auf -s aus. Das Adverb nachts
hat sich in Analogie dazu herausgebildet, obwohl der Genitiv von Nacht
eigentlich der Nacht heißt. Das zeigt, dass sich das -s zur Bildung von Ad-
verbien sozusagen verselbstständigt hat: Es kann auch dann zur Kenn-
zeichnung von Adverbien verwendet werden, wenn diese nicht auf einen
Genitiv wie bei abends zurückführbar sind (vgl. z. B. auswärts, rückwärts).
Dadurch ist es auch erklärbar, dass es bei einigen Adverbien Varianten mit
und ohne -s gibt, z. B. öfter / öfters, weiter / weiters, durchweg / durchwegs.
Die Varianten mit -s sind insbesondere in Österreich und in der Schweiz
üblich.

3. Varianten bei Zeitangaben: Mittwoch / mittwochs x Dienstagabend / dienstag-


abends / dienstags abends usw.
Ob bei Zeitangaben das Substantiv (z. B. Mittwoch) oder das Adverb (z. B.
mittwochs) gebraucht wird, hängt davon ab, was ausgedrückt werden soll.
In dem Satz Er ist Mittwoch zu Hause ist von einem bestimmten Mittwoch
die Rede, während der Satz Sie ist mittwochs zu Hause besagt, dass die Be-
treffende regelmäßig am Mittwoch zu Hause ist. Der einmalige Zeitab-
schnitt wird durch das Substantiv, die Wiederholung durch das Adverb
ausgedrückt. Verbindungen aus Wochentag und Tageszeitangabe werden
zusammengeschrieben, wenn ihnen ein Artikel, ein Adjektiv, ein Prono-
men oder eine Präposition vorausgeht:
Am letzten Dienstagabend haben wir uns getroffen. Eines schönen Dienstagabends
war sie plötzlich verschwunden. Noch bis Dienstagabend bleibt die Durchfahrt ge-
sperrt.

Wenn die Verbindung aus Wochentag und Tageszeit allein (ohne ein vo-
rangehendes Begleitwort) steht, ist die Getrenntschreibung korrekt: Wir
feiern unseren Hochzeitstag Dienstag Abend. Die Preisverleihung fand
Dienstag Abend statt. Tageszeitadverbien in Verbindung mit einem be-
stimmten Wochentag können zum einen als Ableitung des Substantivs
(z. B. dienstagabends von Dienstagabend), zum anderen als zwei selbst-
ständige Adverbien – beide auf -s endend – (z. B. dienstags abends) gebil-
det werden. Beide Schreibweisen bedeuten »an jedem wiederkehrenden
Dienstag zur Abendzeit«. Die früher als Adverbien angesehenen Bezeich-
nungen für Tageszeiten in Verbindung mit gestern, heute und morgen wer-
den jetzt den Substantiven zugeordnet und deshalb großgeschrieben:
heute Morgen, gestern Nachmittag, morgen Abend. (Ebenso bei vorgestern
adverbial / adverbiell – Adverbialsatz 40

A und übermorgen.) ↑ Dienstag (2), ↑ Abend / abends, ↑ morgen (1), ↑ Mit-


M
adve tag / mittags.

4. Stellung des Adverbs in Präpositionalgruppen: spätestens in einer Stunde / in


spätestens einer Stunde x ungefähr nach acht Tagen / nach ungefähr acht Ta-
gen x fast in allen Fällen / in fast allen Fällen
Wenn Adverbien vor der Präpositionalgruppe stehen, beziehen sie sich
auf die gesamte Angabe:
(spätestens) in einer Stunde, (ungefähr) nach acht Tagen, (frühestens) in zwanzig Mi-
nuten, (fast) in allen Fällen.

Stehen sie dagegen innerhalb der Präpositionalgruppe, beziehen sie sich


stärker auf das unmittelbar folgende [Zahl]wort:
(in) spätestens einer (Stunde); (in) frühestens zwanzig (Minuten); (nach) ungefähr
acht (Tagen); (in) fast allen (Fällen).

5. Verweise:
Zur Verwendung von Adverbien als Konjunktion ↑ Konjunktion (2). Zum
Verhältnis von Adverb und Partikel ↑ Partikel. ↑ Getrennt- oder Zusam-
menschreibung (1.3).

adverbial / adverbiell: Zwischen den bei- Maßen. Sie zog das Gespräch aus takti-
den Formen besteht kein Bedeutungsun- schen Gründen in die Länge. Zum Wech-
terschied. Die Form adverbiell ist jedoch sel von einer Angabe der Art und Weise
weniger gebräuchlich. ↑ -al / -ell. zu einem attributiven Adjektiv (bitter
adverbiale Bestimmung: Adverbiale Be- Klage führen / bittere Klage führen) ↑ Ad-
stimmungen können sowohl an das Verb jektiv (2).
gebunden (valenzgebunden) als auch adverbialer Akkusativ: Nicht jeder Aus-
vom Verb unabhängig sein (↑ Valenz). Im druck im Akkusativ ist ein ↑ Akkusativ-
ersten Fall spricht man von adverbialen objekt. Es gibt auch Nominalgruppen
Ergänzungen, im zweiten von (freien) im Akkusativ in der Funktion einer
adverbialen Angaben. Beispiele für ad- ↑ adverbialen Bestimmung: Sie warteten
verbiale Ergänzungen: München liegt an den ganzen Tag. Einen Moment lang
der Isar. Die Beratung dauerte zwei Stun- glaubte sie, die Bemerkung sei ernst ge-
den. Wilhelm benimmt sich schlecht. Das meint.
Verbrechen geschah aus Eifersucht. Dem- Adverbialsatz: Adverbialsätze sind Neben-
gegenüber sind adverbiale Angaben sätze mit der Funktion einer adverbialen
nicht an das Verb gebunden und können Bestimmung. Sie werden meist durch
einem Satz frei hinzugefügt werden. Bei- eine bedeutungstragende Konjunktion
spiele: Ich besuchte meine Mutter für drei wie weil (kausal) oder nachdem eingelei-
Tage. Er lobte seinen Schüler über alle tet. ↑ Finalsatz, ↑ Kausalsatz, ↑ Konditio-
41 afroamerikanisch – Akkusativ mit Infinitiv

nalsatz, ↑ Konsekutivsatz, ↑ Konzessiv- schwach dekliniert: die Ahnen. ↑ Sub- A


satz, ↑ Modalsatz, ↑ Temporalsatz.
afroamerikanisch: Das Wort wird ohne
stantiv (1.2.3).
ähnlich: 1. Deklination: Das auf ähnlich fol-
M
Akku
Bindestrich geschrieben. gende [substantivierte] Adjektiv wird in
AG: 1. Deklination: Der Plural von AG lautet gleicher Weise (parallel) flektiert: ähnli-
die AGs , nicht die AGen. ↑ Abkürzungen che schöne Bilder, ein ähnliches großes
und Kurzwörter (3.2). Haus, mit ähnlichen alten Bildern, ähnli-
2. AG in Firmenbezeichnungen: Tritt AG in che Bekannte. Im Dativ Singular Masku-
Firmennamen auf, ist die Abkürzung Be- linum/Neutrum (mit ähnlichem Geschei-
standteil des Namens und wird nicht ten/Gescheitem) ist die schwache Dekli-
durch ein Komma abgetrennt: Baden- nation bei Unterordnung häufiger ↑ Ad-
werk AG, Vereinigte Stahlwerke AG. Ge- jektiv (1.4).
nus und Numerus der Firmenbezeich- 2. Rechtschreibung: Das substantivierte
nung richten sich meistens nicht nach Adjektiv wird großgeschrieben: Ähnli-
dem Namensbestandteil AG, sondern ches und Verschiedenes, das / alles Ähnli-
nach dem Zweitglied des Firmenna- che, [etwas] Ähnliches [erkennen],
mens: An das Euro-Kreditinstitut AG nichts / viel / wenig Ähnliches. Das gilt
(nicht: An die Euro-Kreditinstitut AG). auch dann, wenn ähnlich im Sinne von
An die Vereinigten Stahlwerke AG »solches« allein stehend gebraucht wird:
(nicht: An die Vereinigte Stahlwerke AG). Wir haben schon Ähnliches erlebt; Zeit-
Dagegen heißt es Bilanz der Deutschen schriften und / oder Ähnliches (Abk.:
Milchhof AG, weil hier AG das Zweitglied u. Ä. / o. Ä.).
des Firmennamens bildet. Allerdings Ahrweiler: Die Einwohner von Ahrweiler
sollte man in diesen Fällen die Abkür- heißen die Ahrweiler (nicht: Ahrweile-
zung besser ausschreiben: die Produk- rer). ↑ Einwohnerbezeichnungen auf -er
tion der Dichtungsring-Aktiengesell- (1).
schaft. ↑ Abkürzungen und Kurzwörter Akkusativ: zum Akkusativ ↑ Kasus; ↑ Akku-
(6.1). sativobjekt; ↑ adverbialer Akkusativ;
Agens: Bezeichnung für den (tätigen) Trä- ↑ Substantiv (1.2.3).
ger eines von einem Satz bezeichneten Akkusativ mit Infinitiv (lat. = accusativus
Sachverhalts, für die Rolle der handeln- cum infinitivo [a. c. i.]): Diese Konstruk-
den Person oder Instanz. Da ein Agens tion des Akkusativs mit Infinitiv, die im
an eine Handlung gebunden ist, muss Lateinischen sehr verbreitet war, wird
ein Handlungsverb vorhanden sein: Der als eine Vereinigung zweier Sachver-
Student verkauft seine Bücher. Die Bür- haltskerne angesehen, bei der das Akku-
germeisterin wirbt um Investoren. Sätze sativobjekt des ersten Verbs zugleich als
mit Zustands- oder Vorgangsverben semantisches Subjekt (Agens) des zwei-
(↑ Verb) haben kein Agens. Aber auch bei ten Verbs auftritt: Stefan hört seine
Handlungsverben muss das Agens nicht Schwester. Seine Schwester singt; a. c. i.:
immer genannt werden, vgl. ↑ Passiv. Zu Stefan hört seine Schwester singen. Auch
zweifelhaften Agensverwendungen vgl. zwei Sätze mit Akkusativobjekt können
↑ Subjekt und Agens. auf diese Weise zusammengefügt wer-
Ahn: Das früher nur stark deklinierte den: Stefan hört seine Schwester. Seine
Substantiv der Ahn wird heute im Sin- Schwester singt ein Lied; a. c. i.: Stefan
gular meist schwach flektiert: Genitiv: hört seine Schwester ein Lied singen. Der
des Ahns oder des Ahnen , Dativ und Akkusativ mit Infinitiv ist auf die Ver-
Akkusativ: dem, den Ahn oder dem, ben sehen, hören, fühlen, lassen, machen
den Ahnen . Der Plural wird nur und spüren beschränkt. Bei finden (Man
Akkusativ oder Dativ – all- 42

A fand ihn am Boden liegen), heißen (Er (↑ Agens), während das Passiv zur
M
Akku hieß ihn ein anständiger Mensch wer-
den), lehren (Sie lehrte ihn ein Freund des
Agensvermeidung genutzt werden kann:
Aktiv: Die Handwerker bauen das Haus.
Volkes sein) und wissen (Weißt du ir- Passiv: Das Haus wird gebaut.
gendwo ein schönes Plätzchen liegen?) ist Akzent: ↑ Wortakzent.
er unüblich geworden. Zur Wortstellung akzeptabel: Wenn akzeptabel dekliniert
beim Akkusativ mit Infinitiv ↑ lassen (2). oder gesteigert wird, fällt das e der En-
Akkusativ oder Dativ: ↑ Rektion. dungssilbe weg: ein akzeptabler Vor-
Akkusativobjekt: Das Akkusativobjekt ist schlag. ↑ Adjektiv (3).
eine Ergänzung im Akkusativ: Der Bauer -al: Zum Plural substantivischer Fremd-
pf lügt den Acker. Sie besucht ihren Vater. wörter auf -al vgl. die einzelnen Wörter
↑ Objekt. (↑ Admiral, ↑ General usw.).
Akkusativobjekt, doppeltes: zum doppel- -al / -ell: Die Adjektivsuffixe -al und -ell
ten Akkusativobjekt ↑ abfragen, ↑ abhö- treten gelegentlich konkurrierend ne-
ren, ↑ kosten, ↑ lehren. beneinander auf: personal – personell;
Akt / Akte: Als eine Akte bezeichnet man adverbial – adverbiell; virtual – virtuell.
die schriftliche[n] Unterlage[n] in einem Da die Sprache Doppelformen auf die
geschäftlichen oder gerichtlichen Vor- Dauer im Allgemeinen nicht bewahrt,
gang. Der Plural Akten bezeichnet dage- tritt eine von beiden Formen allmählich
gen Schriftstücke ganz allgemein, auch zurück, z. B. adverbiell gegenüber adver-
ohne gemeinsamen Bezug auf einen be- bial, oder es tritt eine Bedeutungsdiffe-
sonderen Fall: Hier ist die Akte [zum Fall renzierung ein: formal »auf die Form be-
Meier]. Hier sind die Akten (= die Unter- züglich«, formell »die [Umgangs]formen
lagen). Besonders in der süddeutschen beachtend, förmlich«; rational »ver-
und österreichischen Verwaltungsspra- nunftgemäß«, rationell »wirtschaftlich«;
che wird gelegentlich auch der Akt für ideal »den höchsten Vorstellungen ent-
die Akte gebraucht. Mit Akt in den Be- sprechend, vollkommen«, ideell »die
deutungen »Handlung«, »Teil eines Dra- Idee betreffend«; real »vorhanden, wirk-
mas« und »künstlerische Darstellung lich«, reell »ehrlich, redlich«.
des nackten Körpers« hat dieser Aus- Alb / Alp: Mit Alb bezeichnet man sowohl
druck der Verwaltungssprache nichts zu den unterirdischen Naturgeist als auch
tun. das gespenstische Wesen. Damit ist die
1
Aktiv: Das Wort Aktiv »Arbeitsgruppe zur Verwechslung mit Alp (= Bergweide)
¯
Beratung und Erfüllung besonderer Auf- ausgeschlossen. Bei den Komposita ist
gaben« hat zwei Pluralformen: die Ak- neben der Schreibung mit b auch die
tivs und (seltener) die Aktive. Schreibung mit p zugelassen: Albtraum ,
2 ¯ ¯
Aktiv: Unter dem Aktiv versteht man die Alptraum; Albdrücken , Alpdrücken.
˙
Normalform des Verbs. Der Terminus all-: 1. Rechtschreibung: Auch in Verbin-
Aktiv ist der Gegenbegriff zu ↑ Passiv. dung mit einem Artikelwort wird all-
Während das Passiv nur von bestimm- kleingeschrieben: Dem allen setzte sie
ten Verben gebildet werden kann und nichts entgegen (vgl. 4). Dasselbe gilt,
seine Verwendung an bestimmte kon- wenn all- als Pronomen allein steht: Es
textuelle Bedingungen gebunden ist, ist kamen alle. Es geht um alle. Es gibt je-
das Aktiv von allen Verben bildbar und doch eine Ausnahme: mein Ein und
als neutrale Form in allen Kontexten [mein] Alles. ↑ Groß- oder Kleinschrei-
verwendbar. Bei den Verben, die ein Pas- bung (1.2.4).
siv bilden können, richtet man mit dem 2. aller übertriebene / übertriebener Auf-
Aktiv den Blick auf den Handelnden wand x die Beteiligung aller interessier-
43 all-

ten / interessierter Kreise: Das auf all- keit nach; aus aller Welt; wider alles Er- A
folgende Adjektiv oder Partizip wird ten-
denziell schwach dekliniert: trotz allem
warten. Eine Ausnahme bildet nur der
Genitiv Singular Maskulinum und Neu-
M
all-
guten / (vereinzelt:) gutem Willen; die trum, wo all- aus klanglichen Gründen
Beteiligung aller interessierten / (manch- heute meist schwach dekliniert wird: al-
mal:) interessierter Kreise. Nur im Nomi- len Ernstes; die Grenzen allen Wissens;
nativ Singular Maskulinum ist die starke trotz allen Fleißes. Die starke Deklina-
Deklination häufiger: aller übertriebe- tion hat sich hier als Variante in alten
ner / übertriebene Aufwand. Demonstra- Redewendungen und Sprichwörtern
tive (dieser, diese etc.) und possessive (Geiz ist die Wurzel allen / alles bels)
(seine, ihre etc.) Artikelwörter behalten erhalten und in solchen Fällen, in denen
nach alle ihre starke Deklination: alle zwischen den Genitiv Singular von all-
diese wertvollen Bemühungen; alle seine und das maskuline bzw. neutrale Sub-
verzweifelten Anstrengungen. ↑ Adjektiv stantiv ein Adjektiv tritt: trotz allen / al-
(1.5). Zur Deklination von halb nach all- les guten Willens. Vor einem substanti-
↑ halb (1). vierten Adjektiv oder Partizip wird all-
3. alle Anwesenden / Anwesende x für alle jedoch stark dekliniert, weil der Genitiv
Reisenden / Reisende: Im Singular wird deutlich werden muss: der Urheber alles
das substantivierte Adjektiv oder Parti- Bösen.
zip nach all- meist schwach dekliniert: 6. all die Mühe / alle die Mühe x all meine
alles Fremde; die Beseitigung alles Tren- Freunde / alle meine Freunde: Vor einem
nenden; trotz allem Schönen. Auch im Substantiv mit Artikelwort kann all- so-
Plural wird im Allgemeinen schwach de- wohl dekliniert als auch undekliniert
kliniert: alle Abgeordneten, Angehörigen, stehen. Im Plural stehen die Formen im
Anwesenden, Beamten; aller Unzufriede- Nominativ und Akkusativ bei allen drei
nen, Beteiligten, Reisenden usw. Starke Genera gleichberechtigt nebeneinander,
Formen kommen nur vereinzelt vor: alle während im Genitiv und Dativ die unde-
Anwesende, alle Reisende. klinierte Form üblicher ist: all / alle
4. dem allem / allen x diesem allem / allen : meine Hoffnungen, Wünsche; das Krei-
Nach Personal- und Relativpronomen, schen all / aller ihrer Fans; bei all / allen
nach demonstrativen Artikelwörtern seinen Misserfolgen. Im Singular ist bei
(betontes der / die / das; dieser / diese / maskulinen und neutralen Substantiven
dieses) und nach Fragewörtern wird all- heute die undeklinierte Form in allen
im Allgemeinen stark dekliniert: Fällen üblich: All der Fleiß war verge-
das / dieses alles; die / diese alle; ihr alle, bens. All mein Zureden half nichts. Es be-
euer aller Wohl; was alles; welche alle. durfte all meines Mutes. Die deklinierte
Nur bei dem und diesem, Dativ Singular Form wird dagegen kaum mehr ge-
Neutrum, steht neben der starken häufig braucht: Wozu alles dieses Geschwätz
auch die schwache Form: dem allem (Lessing). Bei femininen Substantiven
oder (häufiger): dem allen ; diesem allem stehen im Nominativ und Akkusativ Sin-
oder: diesem allen ; bei Voranstellung: gular beide Möglichkeiten gleichberech-
allem dem, allem diesem (auch: tigt nebeneinander (all / alle meine Ar-
all[e]dem, all[e] diesem). beit), während im Genitiv und Dativ die
5. die Grenzen allen / alles Wissens x trotz undeklinierten Formen vorherrschen (all
allen / alles Fleißes: Vor artikellosen Sub- dieser Arbeit war er überdrüssig; ich in
stantiven wird all- in der Regel stark de- all meiner Unschuld und Unwissenheit).
kliniert: alle Freude, aller Schmerz, alle 7. alle zehn Schritte / aller zehn Schritte x
guten Menschen; aller Wahrscheinlich- alle drei Minuten / aller drei Minuten:
allein – aller guten Dinge sind drei 44

A Standardsprachlich korrekt ist heute der Allgemeinen als umgangssprachlich an-


M
alle Akkusativ: Er drehte sich alle zehn
Schritte um. Alle drei Minuten klingelte
zusehen ist.
2. Zeichensetzung: Vor allein im Sinne
das Telefon. Der Genitiv (aller zehn von »aber« steht immer ein Komma: Ich
Schritte, aller drei Minuten) ist noch re- hoffte darauf, allein ich wurde bitter ent-
gional, besonders in Sachsen, gebräuch- täuscht.
lich. 3. Getrennt- oder Zusammenschreibung:
8. alle Schüler: Das Wort all- wird kaum Man schreibt allein im Allgemeinen ge-
mit einem Genitivus partitivus verbun- trennt vom folgenden Verb: allein sein,
den. Nur vereinzelt: alle der Schüler bzw. allein stehen, allein reisen, allein erzie-
alle von den Schülern. Fast immer heißt hen. Nur bei idiomatisierter (vor allem
es: alle Schüler/all[e] diese Schüler . bei übertragener) Bedeutung schreibt
9. alles, was: Nach alles wird das Relativ- man zusammen: er hat mich alleingelas-
pronomen was verwendet, nicht das: Er sen (= im Stich gelassen); sie will im Al-
glaubte alles, was sie ihm erzählte. Alles, ter nicht alleinstehen (= ohne familiären
was ihm gefiel, kaufte er. ↑ Relativprono- Anhang leben). Steht allein als graduie-
men (4). In Sätzen wie Alles, was ich render Bestandteil bei einem Adjektiv,
brauche, bist du / ist ein gutes Fahrrad / kann getrennt oder zusammengeschrie-
sind zuverlässige Winterreifen bestimmt ben werden: allein gültig / alleingültig;
normalerweise das Subjekt die Form des allein verbindlich / alleinverbindlich.
finiten Verbs: Steht das Subjekt im Sin- Auch in Verbindung mit Partizipien sind
gular (ein gutes Fahrrad), so steht das beide Schreibweisen möglich: eine al-
Kopulaverb sein ebenfalls im Singular leinerziehende / allein erziehende Mut-
(ist). Bei mehrteiligen Subjekten steht ter; die Alleinerziehenden / allein Erzie-
das Verb im Plural (↑ Kongruenz 1.3 und henden. ↑ Getrennt- oder Zusammen-
1.4): Alles, was ich brauche, sind ein schreibung (1.2 und 3.1.2).
Computer und ein Telefon. Abweichun- 4. Worttrennung: Man trennt nach
gen sind hier jedoch möglich: Alles, was Sprechsilben al-lein, nicht: all-ein.
ich brauche, ist Kaffee und Leitungswas- allemal: Die korrekte Form ist allemal
ser. (nicht: allemals). ↑ Adverb (2).
10. alle Kinder / die ganzen Kinder: Der allerart / aller Art: Das unbestimmte Zahl-
Gebrauch von ganze anstelle von alle vor wort allerart »allerlei, vielerlei« steht vor
Substantiven im Plural kommt informell seinem Bezugswort (allerart Dinge), das
häufig vor. Zumindest in der geschriebe- getrennt geschriebene Genitivattribut
nen Sprache sollte er vermieden werden: aller Art »von vielerlei Sorte, Gattung«
alle (informell: die ganzen) Bewohner, folgt seinem Bezugswort (Mäntel aller
Kinder usw. Art, Tiere aller Art). ↑ Getrennt- oder Zu-
11. alles Politiker von hohem Rang: Zu- sammenschreibung (2.3).
sammenfassendes unveränderliches al- allerbeste / Allerbeste: Das substantivierte
les hat stets den Nominativ nach sich: Adjektiv schreibt man immer groß: Es
Die Delegation bestand aus Schweden, ist das Allerbeste, was ich je gesehen
Franzosen, Schweizern und Österrei- habe. Es ist das Allerbeste (= sehr gut),
chern, alles Politiker (nicht: Politikern) dass ... Klein schreibt man den Superla-
von hohem Rang. tiv mit »am«, nach dem man mit »wie?«
allein: 1. allein / alleine: Von den Doppel- fragen kann: Es ist am allerbesten,
formen allein und alleine gehört die kür- wenn ... ↑ Groß- oder Kleinschreibung
zere der standardsprachlichen Stil- (1.2.1).
schicht an, während die Form alleine im aller guten Dinge sind drei: Richtig ist
45 alles, was – Alphabet

diese Wendung nur mit dem Genitiv al- gen des Alltags. ↑ Groß- oder Kleinschrei- A
ler . Der Nominativ alle ist nicht korrekt,
da er die Aussage nicht nur verändern,
bung (1.1 und 1.2.1).
Alltagssprache: Im Unterschied zum Aus-
M
Alph
sondern sogar unsinnig machen würde. druck ↑ Umgangssprache, dem Gegenbe-
alles, was: ↑ all- (9). griff zu ↑ Standarddeutsch, ist Alltags-
Allgäuer: Die Einwohnerbezeichnung All- sprache der Gegenbegriff zu ↑ Fachspra-
gäuer wird immer großgeschrieben, che. In Fachsprachen werden definierte
auch wenn das Wort als flexionsloses Fachtermini verwendet, in der Alltags-
Adjektiv vor einem Substantiv steht: der sprache bezeichnet man dieselben oder
Allgäuer Abgeordnete; die Allgäuer ähnliche Sachverhalte mit nicht exakt
Berge. ↑ Einwohnerbezeichnungen auf definierten Ausdrücken. So ist z. B. Be-
-er (7). deutung ein alltagssprachlicher Aus-
allgemein: Klein schreibt man das Adjek- druck, Intension dagegen ein fachsprach-
tiv: die allgemeine Wehr-, Dienstpf licht, licher Terminus. Exakt definierte Ter-
das allgemeine Wahlrecht, allgemeine mini dienen in wissenschaftlichen Tex-
Hinweise usw. Bei substantivischem Ge- ten dazu, Ungenauigkeiten und Missver-
brauch wird immer großgeschrieben: et- ständnisse zu vermeiden. Ein derart
was Allgemeines, das Allgemeine, im All- exakter Sprachgebrauch ist in den meis-
gemeinen. Groß schreibt man das Adjek- ten Alltagssituationen unnötig und wird
tiv, wenn es Bestandteil eines Namens dort mitunter auch als unangemessen
ist: Allgemeiner Deutscher Automobil- empfunden.
Club; Allgemeiner Studentenausschuss; allzu: Das Adverb allzu schreibt man von
Frankfurter Allgemeine Zeitung. ↑ Groß- einem folgenden Adverb oder Adjektiv
oder Kleinschreibung (1.2.1). immer getrennt: Er beschäftigte sich
Allotria: Das Wort war früher ein Plural; allzu sehr mit seinem Auto. Er hätte allzu
man sagte die Allotria (= Unfug, gern Ja gesagt. Damit hat es nicht allzu
Dummheiten). Heute wird das Wort viel auf sich. Sie hatte allzu viele Beden-
weitgehend als Neutrum im Singular ken. Wir hatten allzu schlechte Erfahrun-
aufgefasst: das Allotria. gen gemacht. Zuerst hatte die Sache
alltags / Alltags: Klein schreibt man das keine allzu große Bedeutung für mich.
Adverb (Frage: wann?): alltags wie feier- Zusammen schreibt man nur das veral-
tags. Du kannst diesen Rock nur noch all- tete Wort allzumal (= alle zusammen,
tags tragen. Groß schreibt man den Ge- immer).
nitiv des Substantivs der Alltag: die Sor- Alp: ↑ Alb / Alp.

Alphabet
Zum deutschen Alphabet gehören die 26 Buchstaben des lateinischen Alpha-
bets in der überall verwendeten Reihenfolge:
a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Alphabet – alphabetische Anordnung 46

A Hinzu kommen ß (↑ s-Laute) und die Umlautbuchstaben:


M
alph ä ö ü
Ä Ö 

Vergleiche auch ↑ Schrift.

alphabetische Anordnung
Die alphabetische Anordnung der Stichwörter in Wörterbüchern, Lexika,
Nachschlagewerken allgemeiner Art und Registern folgt im Einzelnen fol-
genden Grundsätzen:

1. Bei Wörtern, die sich nur durch die Groß- bzw. Kleinschreibung des An-
fangsbuchstabens unterscheiden, steht das kleingeschriebene Wort voran
(mal – Mal).

2. Die alphabetische Anordnung gilt nicht nur für Einzelwörter, sondern


auch für Abkürzungen, Kurzwörter, feste Verbindungen, Zusammenset-
zungen mit Bindestrich u. Ä. (abbürsten – Abc-Buch – abchecken; Achim –
Achlaut – a. Chr.; Cherbourg – cherchez la femme – Cherry-Brandy).

3. Die Namenszusätze von, van, de usw. bleiben bei der Alphabetisierung un-
berücksichtigt (Stapler – Stappen – van Star), es sei denn, sie werden groß-
geschrieben (Vanbrugh – Van Buren – Vance) oder sind Bestandteil eines
Kompositums (Vanadiumstahl – Van Allen – Van-Allen-Gürtel).

4. Auch akademische Grade, Dienstbezeichnungen und Adelstitel sind im


Zusammenhang mit Personennamen beim Alphabetisieren nicht zu be-
rücksichtigen (Hatz – Hatzfeld, Franz Freiherr von – Hatzrüde), es sei
denn, sie sind Bestandteil eines Kompositums (Drogerie – Dr.-Otto-Mül-
ler-Straße – Druckerei). In Namenslisten werden akademische Grade weg-
gelassen oder hinter den Namen gestellt (Braun, Karin, Dr. – Braun, Tho-
mas von, Dr. – Braune, Wilhelm, Prof. Dr. – Bruhns, Mechthild, M. A.).

5. Diakritische Zeichen wie Umlautpunkte oder Akzente bleiben grundsätz-


lich unberücksichtigt, sodass ä, ö, ü, äu wie a, o, u, au behandelt werden
47 alphabetische Anordnung – als

(Harke – Härlein – Harlekin); nur in Konkurrenzfällen steht der einfache A


Buchstabe vor dem gleichen Buchstaben mit diakritischem Zeichen
(Bar – Bär, schon – schön). Namenschreibungen mit ae, oe, ue stehen nach
M
als

ad, od, ud (Godel – Goethe – Gof). (Hier machen Adress- und Telefonbü-
cher, Karteien und Bibliothekskataloge insofern eine Ausnahme, als sie ä,
ö, ü wie ae, oe, ue, also hinter ad, od, ud einordnen.)

6. ß wird wie ss eingeordnet, bei sonst gleicher Schreibung steht das Wort
mit ß nach dem mit ss (Masse – Maße).

als
Häufige Fragen zu als

Frage Antwort
Heißt es Als Assistent oder Als Assisten- (2) als-Gruppe mit schwach deklinier-
ten gefiel ihm die Regelung? tem Substantiv
Heißt es Die Bedeutung des Sonntags als (3) als-Gruppe nach attributivem Geni-
Einkaufstages oder als Einkaufstag? tiv
Heißt es Die Anerkennung des Landes (4) Bedeutungsdifferenzierung
als selbstständigen Staates oder als
selbstständiger Staat?
Heißt es Er klagte sich als Schuldiger an (6) als-Gruppe bei reflexiv gebrauchten
oder als Schuldigen an? Verben
Wann steht vor als ein Komma? (7) Kommasetzung bei als

Allgemeines
Die Konjunktion als hat vielfältige Verwendungsmöglichkeiten: Sie kann als
unterordnende Konjunktion in temporalen Nebensätzen fungieren (Als es
hell wurde, stand sie auf) oder auch für Vergleiche verwendet werden (Emil ist
kleiner als Emilie).
Im Folgenden geht es um die Verwendung von als als eine spezielle Form
der Konjunktion, mit der verschiedene Elemente im Satz oder in einer Nomi-
nalgruppe gleichgesetzt werden:
Herr Meier (Nom.) nimmt als Sachverständiger (Nom.) an der Beratung teil.
als 48

A Herr Müller hat Herrn Meier (Akk.) als Sachverständigen (Akk.) zur Beratung einge-
M
als laden.

Die als-Gruppe als Sachverständiger bezieht sich im ersten Satz auf das Sub-
jekt und im zweiten Satz auf das Objekt, in beiden Sätzen wird Herr Meier da-
mit als Sachverständiger ausgewiesen. Die Gleichsetzung der beiden Ele-
mente wird meist durch Kasuskongruenz kenntlich gemacht.
Von dieser Grundregel weichen die folgenden Fälle ab:
– Schwach deklinierte Substantive bleiben häufig endungslos:
mir als Dozent, ihm als Held (↑ 2).

– Auf einen attributiven Genitiv bezogene, mit als angeschlossene Nomi-


nalgruppen stehen häufig im Nominativ:
die Geltung des Landes als bedeutende Wirtschaftsmacht (↑ 3).

Wie als kann auch ↑ wie als gleichsetzende Konjunktion gebraucht werden:
In Zeiten wie den heutigen ist vieles möglich. Zwischen Freunden wie dir und mir
sollte es keinen Streit geben. Das ist nichts für Leute wie uns. Bei einer Frau wie Ihnen
würde ich mir das nie erlauben.

Auch bei wie kann es Abweichungen von der Grundregel geben.


Eine wie-Gruppe mit einem Personalpronomen oder einem Eigennamen
steht im Nominativ, wenn der Bezugsausdruck im Genitiv steht:
Die Verdienste eines Politikers wie er (nicht: wie seiner); die Anteilnahme guter Be-
kannter wie Sie (nicht: wie Ihrer); das Werk eines großen Dichters wie Hölderlin
(nicht: wie Hölderlins).

In der Redewendung an einem Tag wie jeder andere ist der Nominativ verfes-
tigt (der Dativ wie jedem anderen ist auch möglich, wird aber seltener ge-
braucht).

1. als-Gruppe mit schwach dekliniertem Substantiv: mir als Dozent x ihm als
Held
Schwach deklinierte maskuline Substantive haben im Dativ und Akkusa-
tiv Singular eigentlich eine Flexionsendung, die aber unter bestimmten
Bedingungen weggelassen wird. Damit werden sie den stark deklinierten
Substantiven angeglichen (↑ Substantiv [1.2.3]). Als-Gruppen mit diesen
Substantiven erhalten häufig keine Kasusendung:
mir als Dozent, ihm als Held, mit dem Sänger Meier als Graf von Luxemburg.

Man kann davon ausgehen, dass Dozent, Held, Graf keine Nominative,
sondern Dative ohne Flexionsendung sind. Genau genommen lassen sich
aber ohne Kasusendung keine zuverlässigen Aussagen über einen Kasus
treffen.
49 als

Vollständige Formen sind erforderlich, wenn dem Substantiv ein flektier- A


tes Wort vorausgeht:
mir als jüngerem Dozenten, ihm als großem Helden, mit dem Sänger Meier als verarm-
M
als

tem Grafen von Luxemburg.

Auch ohne vorausgehende Artikelwörter oder Adjektive sind die Formen


auf -en korrekt. Gebräuchlich sind sie allerdings nur dann, wenn die als-
Gruppe ihrem Bezugsausdruck folgt:
Ihm als Assistent / Assistenten gefiel die neue Regelung überhaupt nicht. Als Assistent
(seltener: Assistenten) gefiel ihm die neue Regelung überhaupt nicht.

2. als-Gruppe nach attributiven Genitiven: die Geltung des Landes als einer be-
deutenden Wirtschaftsmacht / die Geltung des Landes als bedeutende Wirt-
schaftsmacht
Nach der Grundregel der Kasuskongruenz müsste eine als-Gruppe, die auf
einen attributiven Genitiv folgt, ebenfalls im Genitiv stehen:
Ihr Prozessvertreter Philip Kunig schilderte die Bedeutung des Sonntags als eines Er-
lebnis- und Einkaufstages (Süddeutsche Zeitung). Doch woraus speist sich die Bedeu-
tung des Surrealismus als der vielleicht wichtigsten Kunstbewegung des 20. Jahrhun-
derts? (taz). Beide priesen an einer Medienkonferenz die Bedeutung des Sports als ei-
nes wichtigen Teils der Gesundheitsvorsorge und als Möglichkeit zur Begegnung mit
Mitmenschen (Neue Züricher Zeitung).

Wie die Beispiele zeigen, führt die Kasuskongruenz zu einer aufwändigen


Aneinanderreihung mehrerer Genitive.
Deshalb wird der Nominativ häufiger verwendet:
Die Hamburger Wirtschaftsförderung wertete die Untersuchung als eine weitere Be-
stätigung der Position als führender Standort für die digitale Wirtschaft Deutsch-
lands (taz). Wir greifen dieses Thema auf und wollen die Bedeutung des Lesens als
eine der vier Grundfertigkeiten des Spracherwerbs darstellen (Süddeutsche Zeitung).
Die Bedeutung des Hörfunks als Propagandainstrument hatte Joseph Goebbels früh
erkannt (Neue Züricher Zeitung).

Wenn dem auf als folgenden Substantiv kein Artikelwort oder Adjektiv
vorangeht, erhält es meist keine Kasusendung:
Er redete über die in Deutschland immer noch unterschätzte Bedeutung der Popmu-
sik als Wirtschaftsfaktor (Berliner Zeitung). Dazu kommt die wachsende Bedeutung
des Landes als Gaslieferant Europas (Handelsblatt). Zwei berraschungen gab es bei
der Bestätigung der Vorsitzenden der sieben Parteikreise als Vorstandsmitglieder
(taz). Der Bundesrat wollte nicht den Eindruck des Nachgebens erwecken und ver-
zichtete bisher auf eine Bestätigung des 18. Juli als Stichtag (Neue Züricher Zeitung).

Der Genitiv kommt in diesen Fällen nur vereinzelt vor:


Erklären Sie die Bedeutung des Bordsteins als Stoppsteins (Kölner Stadtanzeiger).
als 50

A Wie auch in anderen Fällen (↑ Attribut [3]) lässt sich auch bei als-Gruppen
M
als vereinzelt die Neigung beobachten, auf den Dativ auszuweichen:
Dies entspricht der Bedeutung Deutschlands als einem der führenden Innovations-
standorte weltweit (News Aktuell). Ungerer: »Die Stadt ist sich der Bedeutung Boch-
manns als einem ihrer großen Söhne bewusst« (Frankfurter Presse).

Nach der Grundregel der Kasuskongruenz steht die als-Gruppe hingegen


regulär im Dativ, wenn anstelle des attributiven Genitivs eine Präpositio-
nalgruppe mit von steht:
die Verhaftung von General Gomez als eigentlichem Drahtzieher der Erhebung; die
Bestrafung von Weidmann und Barns als [den] Hauptschuldigen des Verfahrens; die
Stellung von Schweden und der Schweiz als neutralen Ländern; der Anbau von Reis
als dem wichtigsten Nahrungsmittel der Bevölkerung.

3. Kasuskongruenz vs. Nominativ als Mittel der Bedeutungsdifferenzierung: die


Berufung von Dr. Radcliff als leitendem Arzt / als leitender Arzt
Die Unterscheidung von Kasuskongruenz und Nominativ kann bei den
als-Gruppen auch zur Bedeutungsdifferenzierung genutzt werden. Wenn
die als-Gruppe kasuskongruent ist, ist sie eng an den Bezugsausdruck ge-
bunden. Mit dem Nominativ hat man hingegen die Möglichkeit, die als-
Gruppe auch auf andere Elemente im Satz zu beziehen.
In Fällen, in denen die als-Gruppe nicht (nur) auf den attributiven Genitiv
(im folgenden Beispiel Landes), sondern (auch) als Attribut auf das über-
geordnete Substantiv (im folgenden Beispiel Anerkennung) bezogen wer-
den kann, ist sowohl der Genitiv als auch der Nominativ korrekt:
die völkerrechtliche Anerkennung des Landes als eines selbstständigen Staates
(= das Land als selbstständiger Staat [= Attribut, Genitiv] wird völkerrechtlich an-
erkannt);
die völkerrechtliche Anerkennung des Landes als ein selbstständiger Staat (= das
Land wird völkerrechtlich anerkannt als ein selbstständiger Staat [= Satzglied, Nomi-
nativ]).

Solche Möglichkeiten der Bedeutungsdifferenzierung bestehen gleicher-


maßen, wenn die als-Gruppe auf eine Präpositionalgruppe mit von folgt:
die Einstufung von Studenten als Intellektuellen ins Bildungsbürgertum (= die Stu-
denten als Intellektuelle werden ins Bildungsbürgertum eingestuft); die Einstufung
der Studenten als Intellektuelle ist weit verbreitet (= die Studenten werden als Intel-
lektuelle eingestuft);
die Berufung von Dr. Radcliff als leitendem Arzt in den Personalrat (= Dr. Radcliff als
leitender Arzt wird in den Personalrat berufen); die Berufung von Dr. Radcliff als lei-
tender Arzt (= Dr. Radcliff wird durch die Berufung leitender Arzt).
51 als

4. Bezug auf Subjekt vs. Objekt: wir begrüßen Sie als Reisenden x wir als Rei- A
sende begrüßen Sie
In manchen Fällen machen Wortstellung und Kasuskongruenz deutlich,
M
als

ob sich die als-Gruppe auf das Subjekt oder auf das Objekt bezieht:
Wir begrüßen Sie als Reisenden (= Sie sind der Reisende und wir begrüßen Sie).
Wir als Reisende begrüßen Sie (= Wir sind Reisende und begrüßen Sie).

Heißt es hingegen Wir begrüßen Sie als Reisende, ist nicht ganz klar, ob
sich als Reisende auf das Subjekt oder das Objekt beziehen soll. Deshalb
ist es sinnvoll, bei Bezug auf das Objekt die kasuskongruente Variante im
Akkusativ (als Reisenden) zu verwenden, wenn man Missverständnisse
vermeiden möchte.

5. Kongruenz in als-Gruppen bei reflexiv gebrauchten Verben: er klagt sich als


der / den Mörder an
Wenn bei reflexiven und reflexiv gebrauchten Verben (↑ reflexive Verben)
ein mit als oder wie angeschlossener Nominalausdruck steht, könnte die-
ser theoretisch mit dem Nominativ auf das Subjekt des Satzes bezogen
werden oder mit dem Akkusativ auf das Reflexivpronomen sich:
Er betrachtet sich als meinen Freund. / Er betrachtet sich als mein Freund.

Bei reflexiv gebrauchten Verben wird aber meist der Nominativ verwen-
det:
Er klagte sich als der eigentliche Schuldige an. Er stellt sich uns als hervorragender
Fachmann dar. Er präsentierte sich als ein echter Weinkenner. Er sieht sich schon als
großer Künstler.

Mit dem Akkusativ bezieht man sich hingegen regelmäßig auf das Akku-
sativobjekt, wenn das Verb nicht reflexiv gebraucht wird:
Er klagte ihn als den eigentlichen Schuldigen an. Er stellte ihn als hervorragenden
Fachmann dar. Er präsentierte ihn als einen echten Weinkenner. Er sieht ihn schon als
großen Künstler.

Anders verhält es sich bei echt reflexiven Verben, also solchen Verben, die
nur mit einem Reflexivpronomen, nicht aber mit einer anderen Ergän-
zung im Akkusativ verbunden werden können. Hier steht nach als oder
wie immer der Nominativ:
Sie fühlt sich wie ein Fisch im Wasser. Er spielte sich auf wie ein Narr. Er gab sich als
Deutscher zu erkennen. Er verhielt sich wie ein echter Idiot.

Die entsprechenden reflexiven Verben werden einzeln behandelt (↑ ankla-


gen; ↑ ansehen als; ↑ aufführen, sich; ↑ aufspielen, sich usw.).
als 52

A 6. Kommasetzung bei als


M
als Vor der Konjunktion als steht ein Komma, wenn sie einen Nebensatz ein-
leitet:
Sie sah das Unglück, als sie das Fenster öffnete. Sein Herz schlug schneller, als er sie
sah.

Vor der Vergleichspartikel als steht ein Komma, wenn ein vollständiger
Satz folgt:
Marie ist größer, als Lukas im gleichen Alter war.

Auch vor Infinitivgruppen setzt man ein Komma:


Du brauchst nichts zu tun, als ruhig zuzusehen.

Zu Einzelheiten der Kommasetzung bei als vgl. die unten stehende Tabelle.

Kommasetzung bei als


1. Die Konjunktion als leitet einen unterge- 1. Der Nebensatz beginnt nicht unmittelbar
ordneten Temporalsatz ein, der durch mit dem Wort als, sondern bereits davor.
Komma abgetrennt wird: Auch in diesem Fall wird der gesamte Ne-
bensatz mit Komma abgetrennt. Das
Komma steht also nicht direkt vor als.

Wir kehrten zurück, als es Abend Wir kehrten zurück, gerade als es
wurde. Abend wurde.
Als es Abend wurde, kehrten wir zu- Doch als es Abend wurde, kehrten wir
rück. zurück.
Wir kehrten, als es Abend wurde, zu- Erst als es Abend wurde, kehrten wir
rück. zurück.
Damals, als Jörg sein Examen machte,
war ich verreist.
2. Die Konjunktion als leitet mit Komma 2. Die Konjunktion als steht ohne Komma
einen untergeordneten Vergleichssatz oder vergleichend zwischen Satzteilen:
eine diesem entsprechende Infinitivgruppe
ein:

Er ist klüger, als du denkst. Er ist klüger als du.


Es ging besser, als sie erwartet hat- Es ging besser als erwartet.
te / als [es] zu erwarten war.
Das ist mehr, als ich brauche. Das ist mehr als genug.
53 als

A
Kommasetzung bei als
Sie ist reicher, als man angenommen Sie ist reicher als angenommen.
M
als

hat / als angenommen wurde.


Ich bleibe nicht länger hier, als bis sie Ich bleibe nicht länger als bis zu ihrer
kommt. Ankunft hier.
Er konnte nichts Besseres tun, als zu Er konnte nichts Besseres tun als reisen.
reisen.
Du brauchst nichts [anderes] zu tun, als Hier hilft nichts als ruhiges Abwarten.
ruhig abzuwarten.
Zu arbeiten ist besser, als in der Lotterie Arbeiten ist besser als in der Lotterie
zu spielen. spielen.
Da das Wirtschaftswachstum niedriger Da das Wirtschaftswachstum niedriger
ist, als es vorausgesagt wurde, sinkt ist als vorausgesagt, sinkt auch die Ar-
auch die Arbeitslosenzahl langsamer. beitslosenzahl langsamer.
Man kann dem Frierenden keine grö- Man kann dem Frierenden keine grö-
ßere Wohltat erweisen, als ihn in einen ßere Wohltat erweisen als ihn in einen
geheizten Raum zu führen. geheizten Raum führen.
Er kleidet sich, als wäre er ein Künstler.
Sie tut immer so, als hätte sie kein Geld
und keine Zeit.
3. Die Konjunktion als leitet nach einem
Komma einen aufzählenden Satz ein:
Was helfen uns jetzt unsere geheiligten
Wohlstandsgüter, als da sind Auto und
Tablet?
4. Ein mit als angeschlossener Nominalaus- 4. Die Konjunktion als schließt ohne Komma
druck kann als Einschub in Kommas einge- einen Nominalausdruck an (Frage: als
schlossen werden: wer / was?):
Dr. Schäfer, als Vertreter des Nebenklä- Dr. Schäfer als Vertreter des Nebenklä-
gers, beantragte die Vernehmung eines gers beantragte die Vernehmung eines
weiteren Zeugen. weiteren Zeugen.
5. Die Konjunktion als schließt – immer ohne
Komma! – einen Nominalausdruck bzw. ein
Adjektiv in prädikativer Funktion an (Frage:
wie?, als was?):
Frau Dr. Meier wirkte lange als Strafver-
teidigerin in Köln.
Er gilt als unzuverlässig.
als / denn – als / wie 54

A als / denn: ↑ als als / denn als. ten solche Spekulationen für verfrüht;
M
als als / für / wie: Es besteht bei manchen Ver-
ben eine gewisse Unsicherheit, mit wel-
... jeden für einen Trottel erklärend (Käst-
ner).
chem dieser Wörter ein folgendes Adjek- als / wenn: In einem temporalen Nebensatz
tiv oder Substantiv angeschlossen wird. wird mit wenn das wiederholte Eintreten
Oft gibt es mehrere Möglichkeiten, doch eines Sachverhalts bezeichnet: Wenn ich
handelt es sich dann im Allgemeinen um nach Hause kam, war niemand da. Dage-
Bedeutungsvarianten: 1. ansehen als (= gen bezeichnet man mit als das einma-
betrachten als): Sie wurden zeitlebens als lige Eintreten des Sachverhalts: Als ich
Fremde angesehen. Er sah diese Nach- nach Hause kam, war niemand da.
richt als verbürgt an. als / wie: 1. Sie ist älter als / wie ich x Die Sa-
2. ansehen für (= halten für): Sehen Sie che ist anders, als / wie er sie dargestellt
denn dieses Schreiben für echt an? hat: Die Vergleichspartikel beim Kompa-
3. betrachten als (= ansehen als): Man rativ ist in der heutigen Standardsprache
betrachtete es als etwas Unumgängliches. als. Es heißt also: Sie ist älter als ich. Es
Ich betrachte die Frage als erledigt. Sie ist schlimmer als gestern. Besser etwas
betrachtet ihn als Feind. als gar nichts. Ich reise lieber heute als
4. betrachten wie: Sie betrachtete ihn wie morgen. Sie wollten lieber sterben als un-
ein unbekanntes Insekt, wie ein seltenes frei sein. In der Umgangssprache ist der
Tier. Gebrauch von wie und als wie anstelle
5. empfinden als: Ich empfinde das als von als allerdings weit verbreitet: älter
Beleidigung. Er empfand den Aufwand wie du, älter als wie du. Die Vergleichs-
als albern. partikel als steht standardsprachlich
6. erklären als: In Verbindung mit als auch nach anders, niemand, keiner,
kann erklären dasselbe bedeuten wie be- nichts, umgekehrt: Er ist anders als ich.
zeichnen als oder ansehen als, betrach- Die Sache ist umgekehrt, als man sie dar-
ten als: Er erklärte sich höhnisch als gestellt hat. Es sind nichts als fadenschei-
»theoretischen Anarchisten« (Musil). nige Ausreden. Ich habe mit keinem Men-
... in der Frage ... des Privateigentums, schen als ihm darüber gesprochen.
das jene respektvoll noch als »unverletz- 2. so bald als / wie möglich x doppelt so
lich« erklärten (St. Zweig). Eine andere groß als / wie ...: Während in der heuti-
Verwendung von erklären als liegt vor, gen Standardsprache als die Ungleich-
wenn etwas erklärt, gedeutet, interpre- heit, das Anderssein bezeichnet, kenn-
tiert werden soll, indem es als etwas an- zeichnet wie die Gleichheit. Deshalb
deres bezeichnet wird: Dieser Gefühls- steht wie nach dem Positiv (der Grund-
ausbruch lässt sich nur als Angst vor Ge- stufe der Vergleichs), besonders in
sichtsverlust erklären. Wechselbeziehung mit so: Das Pferd ist
7. erklären für: Der Anschluss mit der weiß wie Schnee. Er ist so alt wie ich. Sie
Präposition für wird heute besonders ist [eben]so schön wie ihre Schwester. Die
dann gewählt, wenn etwas als durch die Sache ist so, wie er sie dargestellt hat.
Erklärung amtlich, rechtsgültig oder of- Diese Firma bietet die gleichen Aufstiegs-
fiziell bezeichnet werden soll: Die Gale- möglichkeiten wie die frühere. In einigen
ristin erklärte die Ausstellung für eröff- Verbindungen gelten wie und als beide
net. Der Vermisste wurde für tot erklärt. als korrekt: sowohl – als [auch] oder so-
Das Gericht erklärte das Vorgehen des wohl – wie [auch]; so bald wie möglich
Präsidenten für illegal. Daneben kann oder so bald als möglich; so wenig wie
aber auch eine bloße Meinung zum Aus- möglich oder so wenig als möglich; dop-
druck kommen: Die EU-Minister erklär- pelt so ... wie ... oder (seltener) doppelt
55 als / wo – alt

so ... als ... (Die Ernte ist doppelt so groß Nachtrag anschließt: Sie antwortete, also A
wie / als im vorigen Jahr; in diesem Som-
mer kamen doppelt so viele Touristen
schien sie interessiert zu sein. Ebenso
wird das bekräftigend aus dem Satz he-
M
alt
wie / als im letzten Jahr). Regional- und rausgehobene also durch ein Komma ab-
umgangssprachlich wird als auch noch getrennt: Also, es bleibt dabei! Also, bis
außerhalb dieser Verbindungen anstelle morgen! In Kommas eingeschlossen wird
von wie gebraucht: Mir geht es ebenso ein durch also als Nachtrag angeschlos-
schlecht als ihm. Er pf legte die Freund- senes Adjektiv dann, wenn der Satz wei-
schaft so lange, als es ihm nützlich tergeht: Er hat alle Kinder, also auch die
schien. frechen, gern gehabt.
3. Als / Wie ich im Krankenhaus war, hat sie Als-ob: Die zweiteilige Konjunktion als ob
mich oft besucht: ↑ wie (2). ist in Aneinanderreihungen wie Als-ob-
als / wo: ↑ wo (2). Philosophie und Substantivierungen wie
als als / denn als: Wenn man Dopplungen Hier gibt es kein Als-ob mit ↑ Bindestrich
von als wie in Er ist als Schriftsteller be- (3.1) zu schreiben. Auch bei anderen
deutender als als Kaufmann vermeiden mehrteiligen substantivierten Konjunk-
möchte, kann man anstelle des ersten tionen, die mit einem Bindestrich ge-
als das sonst veraltete denn einsetzen: schrieben werden, schreibt man nur das
Er ist als Schriftsteller bedeutender denn erste Wort groß: das Entweder-oder, das
als Kaufmann. Lieber sterben denn als Sowohl-als-auch.
Sklave leben. Selten erscheint denn al- als [ob] / als wenn / wie wenn: Die zusam-
lein: Montan-Europa scheint uns eher mengesetzten unterordnenden Kon-
ein Kartenhaus denn ein wachstumsfähi- junktionen als ob, als wenn und wie
ges Gebilde (R. Augstein). Der Ersatz des wenn werden in irrealen Vergleichssät-
als durch wie ist nicht standardsprach- zen verwendet: Ihm war, als ob / als
lich. wenn / wie wenn er durch die Prüfung
als dass: Das Komma steht vor als dass gefallen wäre. Der durch als ob / als
(wie vor dem einfachen dass), weil die wenn / wie wenn eingeleitete Nebensatz
Kombination von als und dass wie eine dient zum Ausdruck einer undeutli-
einfache Konjunktion verwendet wird: chen Wahrnehmung oder ungenauen
Der Plan ist viel zu einfach, als dass man Einschätzung. Eben weil nicht ganz
sich davon Hilfe versprechen könnte. klar ist, ob das im Nebensatz Ausge-
Als letzter Gruß / Als letzten Gruß: Beide drückte faktisch ist, eignet sich der
Formulierungen sind richtig. Beschrif- Konjunktiv II am besten für irreale Ver-
tungen auf Kranzschleifen sind als ver- gleichssätze. Wenn statt als ob nur als
kürzte Sätze aufzufassen. Die vollständi- verwendet wird, folgt das finite Verb
gen Sätze könnten etwa lauten: Wir direkt auf als und der Konjunktiv ist
bringen diesen Kranz als letzten Gruß obligatorisch: Es klingt, als wäre / sei er
(= Akkusativ) und Dieser Kranz ist als hingefallen. Letzteres gilt auch für al-
letzter Gruß gedacht (= Nominativ). Das lein stehende Als-ob-Sätze in entrüste-
Adjektiv letzter / letzten ist hier kleinzu- ten Ausrufen: Als ob wir nichts Besseres
schreiben. zu tun hätten!
also: Vor also steht ein Komma, wenn es als wie: ↑ wie (2).
einen Nachtrag in Form eines nachge- alt: Klein schreibt man alt in folgenden
stellten attributiven Adjektivs einleitet: Verwendungen: ein altes Kleid, die alten
Das ist ein veraltetes, also ungebräuchli- Griechen / Römer, das älteste Haus. Sie ist
ches Wort. Vor also steht auch ein die älteste von uns Geschwistern. Ich
Komma, wenn es einen satzförmigen sammle Bücher – besonders die alten ge-
Altbau – am / vom 56

A fallen mir. Groß schreibt man das sub- alters: Die Fügung seit alters her ist eine
M
Altb stantivierte Adjektiv: die Alte (= alte
Frau), Streit zwischen Alt[en] und
↑ Kontamination aus seit alters und von
alters her. Standardsprachlich korrekt
Jung[en] (= älterer und jüngerer Genera- heißt es: Seit alters wird ... oder Von al-
tion), ein Buch für Alt und Jung (= jeder- ters her wird dieses Fest im Herbst gefei-
mann), etwas / nichts Altes kaufen, aus ert.
Altem Neues machen, der Älteste (im Altertumskunde: ↑ Fugenelement (1.3).
Saal), meine Älteste (= älteste Tochter). altsprachig / altsprachlich: ↑ -spra-
Ebenso: Er ist immer noch der Alte (= chig / -sprachlich.
derselbe), immer beim Alten bleiben, am alttestamentarisch / alttestamentlich:
Alten hängen. Groß schreibt man das Während alttestamentlich »das Alte Tes-
Adjektiv auch, wenn es Bestandteil eines tament betreffend, auf ihm beruhend«
Namens oder einer namenähnlichen bedeutet (alttestamentliche Schriften,
Wortgruppe ist: der Alte Bund (= bib- alttestamentliche Theologie), drückt alt-
lisch), der Alte Fritz (= Preußenkönig testamentarisch »nach Art des Alten
Friedrich II., der Große), Alte Geschichte Testaments« einen Vergleich aus: alttes-
(= Geschichte des Altertums), Alter tamentarische Strenge. ↑ -ig / -isch / -lich
Herr (= Altmitglied einer Studentenver- (2).
bindung), das Alte Testament, die Alte altväterisch / altväterlich: Diese Wörter
Welt (= Europa). Groß- oder Klein- werden gelegentlich verwechselt. Das
schreibung ist möglich in: mein Al- Adjektiv altväterisch bedeutet »altmo-
ter / alter Herr (= mein Vater; ugs.). disch, altertümelnd«: altväterische An-
Groß oder klein kann man auch schrei- schauungen. Er ist recht altväterisch ge-
ben: aus Alt mach Neu oder aus alt kleidet. Dagegen bedeutet altväterlich
mach neu, aus Alt wird Neu oder aus alt »ehrwürdig, patriarchalisch«: Sein altvä-
wird neu. ↑ Groß- oder Kleinschreibung terliches Auftreten flößte allen Respekt
(1.2.1). ein.
Altbau: ↑ Bau. am / an: sich am köstlichen Wein / an köstli-
älter: Als Komparativ von alt braucht sich chem Wein laben: ↑ Adjektiv (1.6), ↑ Prä-
älter nicht immer auf dieses Adjektiv zu position (1.2.5).
beziehen, sondern kann auch im Sinne am / beim / im + Infinitiv + sein: In Ver-
von »nicht mehr ganz jung« gebraucht bindung mit sein und einem substanti-
werden: Er ist ein älterer Herr. Sie waren vierten Infinitiv bilden am, beim und im
schon älter, als sie heirateten. die sogenannte Verlaufsform, die einen
altern: Das intransitive Verb drückt eine Vorgang oder Zustand ohne zeitliche Be-
allmähliche Veränderung aus. Wie viele grenzung erscheinen lässt (»dabei sein,
andere solcher Verben bildet es das Per- etwas zu tun«). Im geschriebenen
fekt üblicherweise mit sein: In der Zeit Deutsch sind in dieser Verwendung vor
ist er stark gealtert. Zur allgemeinen Re- allem beim und im üblich: beim Arbei-
gel ↑ Tempus (3). ten, Schreiben, Gemüseputzen sein,
Alternative: Das Wort wird nicht nur im beim / im Weggehen sein. Das Fieber ist
Sinne von »Entscheidung zwischen zwei im Abklingen. Dagegen gehört die Ver-
Möglichkeiten« (vor die Alternative ge- laufsform mit am noch vorwiegend der
stellt sein) verwendet, sondern auch all- gesprochenen Sprache an: am Arbeiten,
gemeiner im Sinne von »Möglichkeit des am Weggehen sein. Das Feuer ist am Aus-
Wählens zwischen zwei oder mehreren gehen.
Dingen«: Es gibt verschiedene Alternati- am besten: ↑ Vergleichsformen.
ven zur Lösung dieses Problems. am / vom: Man kann sagen in der Sitzung
57 amen / Amen – Amerikanismen / Anglizismen

am 3. Mai oder in der Sitzung vom 3. Mai, stantiv: Er sagte sein Amen dazu. Das ist A
Letzteres aber nur mit Bezug auf die
Vergangenheit.
so sicher wie das Amen in der Kirche.
Groß oder klein kann man in der Wen-
M
Amer
amen / Amen: Klein schreibt man amen als dung Ja und Amen / ja und amen sagen
Schlusswort im Gebet (Herr, wir danken (= mit allem einverstanden sein) schrei-
dir, amen!). Groß schreibt man das Sub- ben.

Amerikanismen / Anglizismen
Als Amerikanismen oder Anglizismen bezeichnet man sprachliche Einheiten
(Sätze, Wortgruppen, Wörter, Wortbestandteile) mit Eigenschaften, die aus
dem amerikanischen bzw. britischen Englisch in eine andere Sprache über-
nommen wurden. Englische Wörter oder vom Englischen beeinflusste Wen-
dungen, die nach 1945 in die deutsche Sprache Eingang gefunden haben,
stammen überwiegend aus dem amerikanischen Englisch.
Die folgenden Beispiele erstrecken sich auch auf die Zeit vor 1945.

1 Wortschatz
1.1 Direkte (äußere) Entlehnungen
aus dem Englischen finden sich in allen Lebens- und Sprachbereichen:
(Politik, Wirtschaft:) Boom, Job, Hearing, Telebanking, Outsourcing, Event, Meeting;
(Forschung, Technik:) Blackout, Update, Hotline, E-Mail, Chat, Scan; (Kultur, Freizeit
usw.:) Sitcom, Inlineskate, Jazz, Rap, Jogging, Skateboard, Drop-out, Freak, Vamp,
Patchwork, Gameshow, Rave, Wellness, Rooming-in, Groupie, Babysitter.

Viele dieser Entlehnungen kamen mit der Sache selbst ins Deutsche und füll-
ten eine Wortlücke aus (Jeans, Jazz, Skateboard), andere treten in Konkur-
renz zu heimischen Wörtern, verdrängen diese oder aber bereichern das je-
weilige Wortfeld in inhaltlicher oder stilistischer Hinsicht. Man denke etwa
an Teenager (Teenie, Teeny) und Backfisch, Hobby und Steckenpferd, Job und
Arbeit(splatz), Jogging und Dauerlauf.
Von diesen echten Entlehnungen sind die sogenannten Scheinentlehnun-
gen zu unterscheiden, die zwar aus englischem Wortmaterial gebildet wur-
den, aber nicht Bestandteil der englischen Sprache sind (Twen, Dressman,
Showmaster, Pullunder). In anderen Fällen gibt es das betreffende Wortmate-
rial zwar in der englischen Sprache, es wird dort aber anders verwendet, ge-
Amerikanismen / Anglizismen 58

A hört manchmal sogar einer anderen Wortart an: Zum Beispiel existiert das
M
Amer Wort handy im Englischen als Adjektiv (»handlich«, »praktisch«).

1.2 Innere Entlehnungen


Eine große Gruppe von ↑ Lehnbildungen stellen die Wörter und Wortgrup-
pen dar, die nach ihren Bestandteilen aus dem Englischen ins Deutsche über-
setzt wurden. Man spricht von Lehnübersetzungen:
Gehirnwäsche (brainwashing), nasse Farbe (wet paint), Geburtenkontrolle (birth
control), Kabelfernsehen (cable television), schweigende Mehrheit (silent majority),
Halbleiter (semiconductor), einmal mehr (once more); (ebenso:) Kalter Krieg, Flut-
licht, Selbstbedienung.

Um Lehnübertragungen (also ›freie‹ bersetzungen) aus dem Englischen


handelt es sich bei
Luftbrücke (airlift), Untertreibung (understatement), Titelgeschichte (cover story),
gleitende Arbeitszeit (flexitime), Pferdeschwanz (ponytail), Schlafstadt (dormitory
town), Marschflugkörper (cruise missile), Urknalltheorie (big bang theory).

Noch weiter weg von der Form des englischen Wortes sind Lehnschöpfungen
wie
Nietenhose (blue jeans), kopflastig (top-heavy), Blockfreiheit (non-alignment), Kon-
terschlag (backlash), Helligkeitsregler (dimmer), Luftkissenboot (hovercraft), Was-
serglätte (aquaplaning).

Als Lehnwendungen sind zu betrachten:


im gleichen Boot sitzen (be in the same boat), jemandem die Schau stehlen (steal the
show), das Gesicht wahren (save one’s face), das Licht am Ende des Tunnels sehen (see
the light at the end of the tunnel).

Manche Wörter haben durch Einfluss des Englischen eine zusätzliche Bedeu-
tung, eine Lehnbedeutung, erhalten. So hat realisieren durch realize neben
seinen Bedeutungen »verwirklichen« und »in Geld umwandeln« noch die Be-
deutung »sich etwas ins Bewusstsein bringen, sich einer Sache bewusst wer-
den« bekommen; kontrollieren hat über control die Bedeutung »beherr-
schen« hinzugewonnen, dekorieren über decorate die Bedeutung »[militä-
risch] auszeichnen« und feuern über fire die Bedeutung »entlassen«. Das Ad-
jektiv vital bedeutet neben »voller Lebenskraft« auch »lebenswichtig« (vgl.
vital interests), und hässlich im Sinne von »böse« in Verbindung mit Nationa-
litätsbezeichnungen ist beeinflusst von ugly.
Doppelentlehnungen liegen z. B. in Hobby und fashionabel vor. Das sind
Wörter, die zuerst übersetzt oder eingedeutscht in die deutsche Sprache ge-
59 Amerikanismen / Anglizismen

kommen sind (Steckenpferd [= hobby horse] und fesch) und später noch ein- A
mal, und zwar unübersetzt, im Deutschen Aufnahme gefunden haben. M
Amer

1.3 Grammatische Integration


Die meisten Anglizismen werden weitgehend und ohne Probleme ins gram-
matische System des Deutschen integriert. Substantive erhalten in der Regel
das Genus eines bedeutungsähnlichen heimischen Wortes (der Bob, die Story,
das Baby). Viele von ihnen werden nach der s-Flexion dekliniert (des Jobs, die
Jobs), andere wählen den am weitesten verbreiteten heimischen Flexionstyp
(die Bosse, die Babysitter, die Stewardessen, die Sportdresse). Wörter auf -er
sind wegen der Ähnlichkeit mit der heimischen Endung -er oft Maskulina
(der Browser, der Beamer, der Tranquilizer, aber: die Power). Allgemein bilden
sich bei Fremdwörtern wie bei heimischen Wörtern Reihen mit gleichem
Wortausgang im selben Genus (das Skating, das Walking, aber: der oder das
Looping; die Publicity, die Community, aber: der Penalty).
Alle aus dem Englischen entlehnten Verben werden regelmäßig konju-
giert, folgen also der schwachen Konjugation (surfe – surfte – gesurft, jobben –
jobbte – gejobbt). Ein Partizip II wird gelegentlich in der englischen Form
übernommen und erst später orthografisch integriert; ↑ relaxed/relaxt. Diese
Integration dient zum einen dazu, die Einheitlichkeit der schwachen Verb-
konjugation sicherzustellen. Zum anderen erreicht man dadurch eine ein-
heitliche und der Standardlautung entsprechende Schreibung, wenn solche
Ausdrücke auch als attributive Adjektive verwendet und entsprechend dekli-
niert werden: ein relaxter Abend (nicht: ein relaxeder Abend), recyceltes Pa-
pier (nicht: recycledes Papier). Bei dem Verb ↑ downloaden wird der erste Be-
standteil in den finiten Verbformen nicht abgetrennt, also kaum: Wir loaden
das für dich down. Sehr verbreitet ist aber, dass solche Bestandteile wie bei
den Partikelverben durch zu- und ge- vom Stamm getrennt werden (downzu-
loaden, downgeloadet) ↑ Fremdwort (4.2); ↑ Partikelverb (2.4).

2 Wortbildung
Manche (Halb)präfixe und (Halb)suffixe werden unter dem Einfluss des Eng-
lischen besonders produktiv, z. B.:
best-: bestbekannt, bestinformiert, bestbezahlt, bestgehasst;
Mini-: Minigolf, Minikleid, Minibus, Ministaubsauger;
Monster-: Monsterprogramm, Monsterprozess, Monsterschau, Monsterveranstal-
tung;
Amerikanismen / Anglizismen 60

A super- / Super-: superschnell, supersanft; Superbombe, Supermacht, Supermarkt;


M
Amer Top-: Toplage, Topausstattung, Topleistung;
-bewusst (nach: -conscious): preisbewusst, körperbewusst, modebewusst;
-weit (nach: -wide): weltweit, bundesweit.

Das englische Suffix -ing ist mit zahlreichen Wörtern ins Deutsche entlehnt
worden. Häufig und insbesondere bei Komposita ist schwer zu entscheiden,
ob ein Anglizismus auf -ing entlehnt oder als Lehnbildung (neu) gebildet
wurde:
-ing: Jogging, Piercing, Grounding, Canyoning, Paragliding, Carsharing, Fitnesstrai-
ning.

Ähnliches gilt für das Suffix -er, das sowohl im heimischen deutschen Wort-
schatz als auch im Englischen produktiv ist:
-er: Beamer, Pinner, Styler, Surfer, Discounter, Standardbrowser, Politmanager, Hand-
scanner.

Die Beispiele zeigen schon, dass im Bereich der Komposition einmal auf eng-
lisch-deutsche Mischbildungen wie
Livesendung, Popsänger, Fußballfan, Discountladen, Werbespot, Spikesreifen

hinzuweisen ist. Ferner gehen auf englischen Einfluss bestimmte Formen


von Komposition anstelle präpositionaler Fügungen zurück (↑ Kompositum
3):
Tokioreise / die Reise nach Tokio, Berlinbesuch / Besuch in Berlin, Helsinkikonfe-
renz / Konferenz in Helsinki, EU-Beitritt / Beitritt zur EU.

Schließlich haben auch Verbableitungen aus Substantiven wie


leitartikeln, lichthupen, dauerparken, bausparen, not- / zwischenlanden, schutzimp-
fen

Parallelen in der Wortbildung des Englischen.

3 Syntax
Im Bereich der Syntax gibt es zahlreiche Muster, die im Englischen und Deut-
schen analog strukturiert sind. Dabei ist nicht ohne Weiteres klar, in welchen
Fällen tatsächlich von einem Einfluss des Englischen auf das Deutsche zu
sprechen ist. Mindestens in den folgenden Beispielen geht man von einem
Einfluss des Englischen aus.
Als Einzelerscheinung ist die wohl vom Englischen beeinflusste Fügung
in + Jahreszahl (in 2016) für im Jahre + Jahreszahl anzuführen. Auch die be-
61 am Montag, dem/den – Amsterdamer

sonders in Pressepublikationen zu beobachtende Verwendung von ↑ Verb- A


erstsätzen in Formulierungen wie Schimpfte Dortmunds Trainer H. Z.: ... ;
Schwärmte Regisseurin Agnès Varda schon jetzt: ... hat Parallelen im Eng-
M
Amst

lischen. Die Wendung Etwas macht Sinn anstelle von Etwas hat Sinn geht
wahrscheinlich ebenfalls auf den Einfluss des Englischen zurück.
Sodann wird die transitive Verwendung einiger eigentlich intransitiver
Verben auf englischen Einfluss zurückgeführt (einen Wagen fahren; jeman-
den boxen [für: gegen jmdn. boxen]; denken, dass [für: glauben, der Meinung
sein, dass]; Was fliegen deutsche Manager?).
Imperative wie Fliegen Sie ... ! für Fliegen Sie mit ... ! o. Ä. , die verstärkt in
der Werbesprache auftauchen, lassen sich ebenfalls mit englischen Vorbil-
dern in Zusammenhang bringen.
Auch vorangestellte ↑ Genitivattribute (2.1) wie Bayerns große Familien-
brauerei, Stuttgarts beliebteste Showband, Roms Priester wären ohne die ent-
sprechende englische Konstruktion gewiss seltener in der deutschen Zei-
tungssprache anzutreffen.
Schließlich kann auch der Ersatz des Passivs oder einer passivischen Er-
satzkonstruktion durch das Aktiv bei einigen Verben mit der Einwirkung des
Englischen erklärt werden:
Die BZ verkauft 160 000 Exemplare (nach: the book sells 10 000 copies). (Ähnlich:) Das
Geschäft öffnet morgen.

am Montag (Dienstag, Mittwoch usw.), denz aber sehr verbreitet. ↑ Datum; ↑ Ap-
dem / den: 1. dem oder den? Man kann position (2.3).
sagen Die Konferenz findet am Montag, 2. Kommasetzung:Variante 1 (also die Ap-
dem 7. März 2016[,] statt oder: Die Kon- position mit Kasuskongruenz) wird übli-
ferenz findet am Montag, den 7. März cherweise durch ein schließendes
2016[,] statt. Im ersten Satz ist der Mo- Komma vom übrigen Satz getrennt; das
natstag (7. März 2016) eine nachgetra- Komma kann aber auch weggelassen
gene ↑ Apposition (2.3). Die Datumsan- werden. Im zweiten Satz ist der Monats-
gabe ist deshalb im Kasus auf Montag tag eine selbstständige Zeitangabe im
abgestimmt (↑ Kongruenz). In der zwei- Akkusativ. Es handelt sich also um eine
ten Variante ist die Datumsangabe nicht Art Aufzählung, wobei nach der Angabe
kongruent mit Montag. Sie ist dadurch des Monatstages in der Regel kein
selbstständiger und kann auf den adver- Komma steht. Das Komma ist aber auch
bialen Akkusativ zurückgeführt werden: hier nicht falsch.
Die Konferenz findet Montag, den 7. Ampere: ↑ Personennamen (2.1.4).
März 2016[,] statt. Die Mischbildung am Amsterdamer: Die Einwohnerbezeichnung
Montag[,] den 7. März ist zwar nicht un- Amsterdamer (nicht: Amsterdammer)
umstritten, in der Geschäftskorrespon- wird immer großgeschrieben, auch wenn
Amt – Amts- und Verwaltungssprache 62

A das Wort als flexionsloses Adjektiv vor die beiden Plurale Amtmänner und
M
Amt einem Substantiv steht: der Amsterda-
mer Hafen. ↑ Einwohnerbezeichnungen
Amtleute (↑ Mann [2]). Die weibliche
Entsprechung lautet Amtfrau (früher:
auf -er (5 und 7). Amtmännin). In der Anrede hieß es frü-
Amt: Zu ein Amt bekleiden ↑ begleiten (2). her Frau Amtmännin, heute Frau Amt-
Amtmann, Amtfrau: Zu Amtmann gibt es frau .

Amts- und Verwaltungssprache


Mit Amts- und Verwaltungssprache wird im Allgemeinen ein fachsprachli-
cher Stil bezeichnet, der sich an den Notwendigkeiten des amtlichen Schrift-
verkehrs orientiert. Gemessen an alltagssprachlichen Kriterien wirken Sätze
der Amtssprache oft umständlich. Als Charakteristika gelten vor allem:

1. Der Gebrauch substantivischer Fügungen anstelle von einfachen Verben:


Viele dieser Fügungen (z. B. Funktionsverbgefüge mit Verbalabstrakta)
machen den Stil im Vergleich zur Alltagssprache schwerfällig und langat-
mig. Zu ihnen gehören vor allem in der Behördensprache übliche Verbin-
dungen wie in Weg fall kommen statt weg fallen, in Abzug bringen statt ab-
ziehen usw. , durch die nichts Zusätzliches gegenüber dem einfachen Verb
ausgesagt wird. ↑ Funktionsverbgefüge.

2. Der Gebrauch von Substantivierungen:


Eine Häufung von Zusammenbildungen mit Infinitiven wie das Außer-
achtlassen, das Inbetriebsetzen kann einen Text schwer lesbar machen.
Noch schwerfälliger wirken davon abgeleitete Substantive wie Außeracht-
lassung, Indienststellung, Inbetriebsetzung, Zurverfügungstellung, Inan-
griffnahme, Zuhilfenahme, Nichtbefolgung u. a. Im Sinne der besseren Ver-
ständlichkeit sollte man also z. B. nicht schreiben: Wegen Außerachtlas-
sung aller Sicherheitsmaßnahmen und Nichtbefolgung der Betriebsvor-
schriften wurden bei der Tieferlegung der Rohre drei Arbeiter verletzt.
Zu weiteren Informationen ↑ Nominalstil, ↑ -nahme, ↑ -ung.

3. Der Gebrauch bestimmter Präpositionen:


Einige besonders in der Behörden- und Geschäftssprache vorkommende
Präpositionen wie betreffs, mittels, zwecks sind umständlich und stilis-
tisch unschön. Sie können meist durch einfachere Präpositionen ersetzt
werden (↑ betreffs usw.).
63 an – Anakoluth

4. Bevorzugung des Passivs: A


Amtssprachlicher Stil ist häufig auch durch die unpersönliche Ausdrucks-
weise des Passivs (d. h. Passivsätze, in denen die handelnde Person nicht
M
Anak

genannt wird) gekennzeichnet: Der Plan wird durchgeführt statt: Wir füh-
ren den Plan durch. Es wird darauf hingewiesen statt: Wir weisen darauf
hin. ↑ Passiv.

an: 1. Die Präposition an kann mit dem Frankfurter Allee. Bei Damm steht an ,
Dativ oder Akkusativ verbunden wer- seltener auch auf: Ich wohne am (selte-
den. Der Dativ ist kennzeichnend für ner: auf dem) Kurfürstendamm. Bei
den Ort (Ich stehe [wo?] an der Tür), der Markt und Platz steht an: Ich wohne am
Akkusativ für die Richtung (Ich gehe Altmarkt. Das Geschäft befindet sich am
[wohin?] an die Tür). Manche Verben Herderplatz. Tritt bei einer Ortsangabe
mit an können sowohl mit einem Dativ die konkrete Ortsvorstellung z. B. zu-
als auch mit einem Akkusativ verbunden gunsten einer Institution zurück, dann
werden (↑ anbauen, ↑ anbringen, ↑ anhef- sind oft mehrere Präpositionen möglich:
ten, ↑ ankleben, ↑ anlöten usw.). Ich arbeite zurzeit auf dem / im / beim Fi-
2. von – an / ab: ↑ von (6). nanzamt. Zur Frage der Mengenlehre
an / am: sich am köstlichen Wein / an köstli- an / auf / in der Realschule.
chem Wein laben ↑ Adjektiv (1.6), ↑ Prä- an / auf / zu Ostern usw.: Der Gebrauch von
position (1.2.5). an in Verbindung mit den Namen der
an / auf: Die Berührung von oben, das Ver- Feste ist regional begrenzt. Er kommt
hältnis zu einem Ganzen als Basis wird vor allem in Süddeutschland vor, wäh-
heute meist durch auf ausgedrückt: auf rend in Norddeutschland zu gebräuch-
dem Wasser, auf der Straße, auf dem lich ist: an Ostern / Pfingsten gegenüber
Dach usw. Mittelhochdeutsches und zu Ostern / Pfingsten, an Weihnachten
frühneuhochdeutsches an hat sich in gegenüber zu Weihnachten. Vereinzelt
dieser Verwendung in bestimmten Fü- wird statt an oder zu die Präposition auf
gungen erhalten: an der Erde, am Boden, gebraucht. Dies ist nicht standard-
am Lager. Ein darüber hinaus ausgewei- sprachlich. Der Gebrauch ohne Präposi-
teter Gebrauch von an für auf ist regio- tion ist standardsprachlich möglich:
nalsprachlich sowie vor allem schweize- Ostern bleiben wir zu Hause.
risch und österreichisch: ... eine offene Anakoluth (griech. anakólouthon »das [der
Lade, wie sie die Verkäufer an Jahrmärk- Satzkonstruktion] nicht Folgende oder
ten tragen (H. Hesse). Die Veilchen stan- Entsprechende«): Der Ausdruck stammt
den am Tisch und dufteten ein wenig aus der antiken Rhetorik und bezeichnet
müde (V. Baum). ... während sie ... auf ei- ein stilistisches Mittel, bei dem der Red-
nem Bett am Rücken lag (R. Musil). ner oder Schreiber eine begonnene syn-
an / auf / in: Bei Straßennamen mit Straße, taktische Konstruktion verlässt, indem
Gasse, Allee wird eine Wohnung oder ein er diese abbricht oder in eine andere
anderer Ort mit in angegeben: Ich wohne wechselt: ... der Oheim habe sich durch
in der Hebelstraße, mein Freund in der den Abbé überzeugen lassen, dass, wenn
Brunnengasse. Das Geschäft liegt in der man an der Erziehung des Menschen et-
analog – anbelangen / anlangen 64

A was tun wolle, müsse man sehen (statt: des Marktes ergab Folgendes. Vereinzelt
M
anal dass ... man sehen müsse), wohin ...
(Goethe). Heute wird der Terminus Ana-
wird auch mit der Präposition über an-
geschlossen, was aber nicht als stan-
koluth vor allem in der Sprachwissen- dardsprachlich gilt: Die Analyse über den
schaft verwendet: Dort bezieht er sich in Markt ... Der Anschluss mit von hinge-
erster Linie auf die spontan geäußerte gen ist standardsprachlich, wenn das
mündliche Rede, bei der sich die Spre- folgende Substantiv im Plural steht: die
chenden während der Äußerung »um- strukturelle Analyse von Wählergruppen.
entscheiden« und sie anders weiterfüh- Ananas: Das Wort hat zwei Pluralformen:
ren, als es nach den schriftsprachlichen die Ananas und die Ananasse. Insbe-
Grammatikregeln erwartbar wäre. Auch sondere bei der Verwendung ohne Arti-
in literarischen Texten werden Anako- kel wird die mit dem Singular gleichlau-
luthe weiterhin eingesetzt, um mündli- tende Form Ananas häufiger gebraucht:
che, vor allem umgangssprachliche Rede Guaven, Ananas, Papayas, Mangos, Lit-
zu fingieren. Sie sind aber keine genuin schis – auf deutschen Wochenmärkten
umgangssprachlichen Formen, sondern liegen exotische Früchte, deren Geruchs-
haben allgemein mit den Produktionsbe- und Farbenspiel den Gaumen vor Vor-
dingungen mündlicher Äußerungen zu freude vibrieren lassen (Handelsblatt).
tun – auch in standardsprachlichen Ge- anaxial (nicht: anachsial): ↑ axial.
sprächen treten sie regelmäßig auf. anbauen: 1. anbauen an: anbauen an wird
↑ Umgangssprache, ↑ Standarddeutsch. im Allgemeinen mit dem Akkusativ ver-
Anakoluthische Formen sind der Echt- bunden: eine Veranda an das Haus an-
zeitproduktion dialogischer gesproche- bauen . Die Verbindung mit dem Dativ
ner Sprache geschuldet und insofern kei- ist seltener: Die Garage, die an dem
neswegs Zeichen mangelnder Sprach- Häuschen angebaut war, ist abgebrannt.
kompetenz. Oft werden sie durch Hörer- 2. anbauen / bauen: Getreide, Weizen,
reaktionen (z. B. Mimik, Gestik, verbale Mais, Kartoffeln, Kohl, Wein, Tabak
Rezeptionssignale) im Gespräch hervor- kann man sowohl anbauen als auch
gerufen, aber auch monologische Äuße- bauen; anbauen wird heute häufiger ge-
rungen können in spontaner Mündlich- braucht.
keit anakoluthische Züge aufweisen. Ins- anbaufähig: ↑ -fähig.
gesamt ist zwischen drei Arten von Ana- anbei: Das Substantiv in Verbindung mit
koluthen zu unterscheiden: a) dem Kon- anbei »als Anlage, in der Anlage« kann
struktionsabbruch (Ich weiß nicht, was sowohl im Nominativ als auch im Akku-
dann ... jedenfalls ist sie danach gegan- sativ stehen: Anbei gewünschter Verrech-
gen), b) der nachträglichen Bearbeitung nungsscheck / Anbei [übersenden wir Ih-
von gerade Gesagtem (Er wohnt in Bre..., nen den] gewünschten Verrechnungs-
in der Nähe von Bremen) und c) dem scheck. Gewünschter / (seltener:) Ge-
Konstruktionswechsel / Umstieg (Er hat wünschten Verrechnungsscheck anbei.
dann um zwölf Uhr ist er zu Hause gewe- Vgl. auch ↑ anliegend.
sen). anbelangen / anlangen – anbetreffen / be-
analog: Nach analog kann ein Dativobjekt treffen : anbetreffen ist entstanden aus
oder ein Präpositionalobjekt mit fakul- betreffen durch Hinzufügung der Verb-
tativem zu stehen: Wir arbeiten analog partikel an-, die von dem bedeutungs-
[zu] den bisherigen Richtlinien; analog verwandten anlangen übernommen
[zu] diesem Fall. wurde. Man kann also sagen: Was
Analyse: Das substantivische Attribut bei mich / was diese Sache betrifft, so bin ich
Analyse steht im Genitiv: Die Analyse einverstanden oder: Was mich / was
65 anberaumen – andere

diese Sache anbetrifft, so bin ich einver- al / aus anderem wertvollem Mate- A
standen. Anlangen seinerseits hat die
Vorsilbe be- von betreffen übernommen,
rial x mit anderem Neuen / mit anderem
Neuem: Das auf ander- folgende [sub-
M
ande
wodurch die Form anbelangen entstan- stantivierte] Adjektiv oder Partizip wird
den ist. Diese Form hat anlangen in der heute meist in gleicher Weise (parallel)
Gegenwartssprache stark zurückge- flektiert: anderes gedrucktes Material,
drängt. Zu der Fügung Die letzte Liefe- bei anderer seelischer Verfassung, eine
rung [an]betreffend / an[be]langend Menge anderer wertvoller Gegenstände;
↑ Partizip und Partizipialgruppe (1.3). ein anderer Abgeordneter, die anderen
anberaumen: Das Verb anberaumen wird Beamten, die Forderungen anderer Be-
als Partikelverb verwendet, d. h., die troffener. Nur im Dativ Singular Maskuli-
Verbpartikel an- wird in den finiten For- num und Neutrum wird häufig schwach
men des Verberst- und Verbzweitsatzes flektiert: aus anderem wertvollen Mate-
vom Verb getrennt und nachgestellt: Sie rial, zwischen anderem wertlosen Ge-
beraumte eine Krisensitzung an. ↑ Verb rümpel, mit anderem Neuen.
(3.2); Partikelverb 2a) wer anders / wer and[e]res / wer ande-
anbeten: ↑ Verb (3). rer: In Verbindung mit wer, jemand, nie-
anbetreffen / betreffen: ↑ anbelangen / an- mand wird heute überwiegend die Form
langen. anders (der zum Adverb umgedeutete
anbinden: ↑ Verb (3). Genitiv des Neutrums) gebraucht:
anbringen: Nach anbringen an steht fast wer / jemand / niemand anders; mit wem
immer der Dativ : Er brachte die Lampe anders; sie kennt hier niemand anders
an der Decke an. Vereinzelt tritt der Ak- als dich. Auch das Neutrum anderes
kusativ auf, wenn eine Richtung be- wird oft verwendet. Daneben werden,
zeichnet wird (Frage: wohin?): Das Bü- vor allem im Süddeutschen, wer, jemand,
cherbrett lässt sich an die Wand anbrin- niemand auch mit dem Maskulinum an-
gen. derer verbunden, und zwar seltener im
-and / -ant: Es bestehen oft Zweifel darü- Nominativ, häufiger in den anderen Ka-
ber, ob Personenbezeichnungen mit dem sus: wer / jemand / niemand anderer; mit
Suffix -and oder -ant gebildet werden jemand / niemand anderem; wen / je-
sollen. Das Suffix -and hat (entspre- mand / niemand anderen. ... dass nie-
chend dem lateinischen Gerundiv) passi- mand anderer ... erben werde als Mila
vische Bedeutung. Es steht in Bezeich- (F. Werfel). b) nicht viel anders: Nach
nungen für eine Person, mit der etwas nicht viel wird immer die Form anders
geschehen soll: Konfirmand, Diplomand, verwendet: Das ist heute nicht viel an-
Habilitand, Rehabilitand (= jemand, der ders.
konfirmiert / diplomiert / habilitiert / re- 3. Vergleichspartikel nach ander-: Nach
habilitiert werden soll oder der zu kon- ander- steht in der Standardsprache
firmieren usw. ist). Das Suffix -ant (ent- beim Vergleich die Partikel als: Es war
sprechend dem lateinischen Partizip alles andere als schön. Er konnte nichts
Präsens) hat dagegen aktivische Bedeu- anderes tun als rufen. Sie war ganz an-
tung: Fabrikant, Musikant, Intrigant, ders als bei unserer ersten Begegnung.
Kommunikant, Duellant, Emigrant, Sym- 4. Rechtschreibung: Die verschiedenen
pathisant u. a. (= jemand, der etwas fa- Formen von ander- werden im Allgemei-
briziert, der musiziert, intrigiert, kom- nen, auch in Verbindung mit einem Arti-
muniziert usw.). Vgl. auch ↑ Infor- kel, kleingeschrieben: der / die / das an-
mand / Informant. dere, die anderen, ein anderer, alles an-
andere: 1. aus anderem wertvollen Materi- dere, nichts anderes, keine andere, je-
andere / Dritte – aneinander 66

A mand anders / anderer, zum einen – zum anderes als: Wird nach anderes ein plura-
M
ande andern, unter anderem, wie andere mei-
nen ... Man kann es auch großschreiben,
lisches Attribut mit als angeschlossen,
dann kann das folgende Verb sowohl im
wenn hervorgehoben werden soll, dass Plural als auch im Singular stehen; der
andere nicht als unbestimmtes Zahlwort Plural wird im Allgemeinen bevorzugt.
gemeint ist: die Suche nach dem Ande- Anderes als leere Kartons fanden /fand
ren (= nach einer neuen Welt), der Dia- sich nicht in dem Verschlag. ↑ Kongruenz
log mit dem Anderen (= dem Gegenüber, (1.1.7).
dem Vertreter der Gegenpartei). ↑ Groß- andernorts / anderenorts / anderorts: Alle
oder Kleinschreibung (1.2.4). drei Formen des Adverbs sind richtig;
5. an einem Tag wie jedem anderen / wie anderorts ist die älteste Form. In den
jeder andere: ↑ als (1). jüngeren Bildungen ander[e]norts ist der
andere / Dritte: Die Bezeichnungen der an- Genitiv Singular Maskulinum von an-
dere und der Dritte werden fälschlicher- der- fest geworden (= anderen Ortes).
weise oft unterschiedslos gebraucht. Die Variante andernorts ist in der ge-
Wird der andere in Beziehung zu der schriebenen Standardsprache die häufi-
eine gesetzt, dann bedeutet es »der gere von beiden.
Zweite«: Der eine spielte Klavier, der an- anders: ↑ andere (2, 3 und 5).
dere Flöte. Mit der Dritte ist häufig »der anders als: ↑ andere (3).
Außenstehende, Unbeteiligte« gemeint: Andersdenkende / anders Denkende: Es
Er ist der lachende Dritte. Sie haben sich kann zusammen- oder getrennt ge-
auf Kosten eines Dritten geeinigt. Auch schrieben werden: der oder die Anders-
der Plural Dritte kommt vor: Sie hat Drit- denkende / der oder die anders Den-
ten (= Außenstehenden) gegenüber ge- kende.
äußert ... Der Satz Durch Verschulden ei- anderssprachig: ↑ -ig / -isch / -lich (1).
nes Dritten ist er verunglückt ist nur anderthalbmal: Zu anderthalb oder
dann richtig, wenn beispielsweise zwei ein[und]einhalb ↑ halb (2); zu andert-
Autos wegen Sichtbehinderung, die ein halbmal so groß / anderthalbmal größer
Bauer durch Kartoffelfeuer verursacht ↑ -mal so groß / -mal größer.
hatte, zusammengestoßen sind. Nicht an [die]: Wenn an [die] als Adverb im Sinn
korrekt ist es zu sagen: Durch Verschul- von »ungefähr, etwa« gebraucht wird,
den eines Dritten ist er an einen Baum übt es keinen Einfluss auf den Kasus
gefahren, wenn nur eine einzige weitere des folgenden Substantivs aus: An die
Person an diesem Unfall beteiligt ist. Es zwanzig Bekannten (nicht: Bekannte)
muss dann heißen: Durch Verschulden bin ich begegnet. Sie half an die 50 Kin-
eines anderen ist er an einen Baum ge- dern (nicht: Kinder). Dies gilt auch für
fahren. an [die] in einem Präpositionalattribut:
andererseits / andrerseits / anderseits: Gemeinden von an die 10 000 Einwoh-
Alle drei Formen des Adverbs sind üb- nern (nicht: Einwohner; der Dativ Ein-
lich und richtig; anderseits ist die älteste wohnern hängt von der Präposition von
Form. In den jüngeren Bildungen ab).
and[e]rerseits ist der Genitiv Singular Fe- aneinander: Man schreibt aneinander vom
mininum von ander- fest geworden folgenden Verb getrennt, wenn sowohl
(= anderer Seite). Die Variante mit -e- aneinander als auch das Verb betont
andererseits ist in der geschriebenen werden: aneinander denken, aneinander
Standardsprache die häufigere von bei- vorbeilaufen. Man schreibt aneinander
den. Zum Komma ↑ einerseits – anderer- mit dem folgenden Verb zusammen,
seits. wenn die Betonung nur auf dem Verbzu-
67 Aneinanderreihungen – Anfrage

satz liegt: aneinandergeraten, aneinan-


˙ ˙
gabe (Monatsname, Jahreszahl) oder mit A
derreihen.↑ Getrennt-
schreibung (1.3).
oder Zusammen- einer Zeitangabe im Genitiv (z. B. Jahr,
Monat, Woche) stehen: Anfang Februar,
M
Anfr
Aneinanderreihungen: ↑ Bindestrich (3). Anfang 2017, Anfang des Monats Mai,
an einem Tag wie jeder andere / wie je- Anfang des Jahres. Das Adverb anfangs
dem anderen: ↑ als (1). »zuerst, im Anfang« steht ohne weitere
an einer / eine Sache rühren: ↑ rühren. Zeitangabe: Anfangs war alles gut. Sie
anempfehlen / empfehlen: Das Verb an- war anfangs sehr zurückhaltend. Nur in
empfehlen wird gelegentlich anstelle des der Umgangssprache wird anfangs auch
einfachen empfehlen gebraucht, in der als Präposition mit dem Genitiv ge-
Absicht, einer Aussage besonderen braucht und wie das Substantiv Anfang
Nachdruck zu verleihen. Dabei ist in den mit einer Zeitangabe verbunden, also: Er
finiten Formen die Nichttrennung kam anfangs des Jahres zurück. Stan-
ebenso häufig wie der Gebrauch als dardsprachlich gilt: Er kam Anfang des
↑ Partikelverb: Er anempfahl seiner Jahres zurück.
Schwester dringend / Er empfahl seiner anfangen: 1. Stellung von an-: anfangen ist
Schwester dringend an, einen Arzt aufzu- ein trennbares Verb, d. h., in Aussage-
suchen. ↑ Partikelverb (4.2). hauptsätzen schließt die Verbpartikel an
-aner: ↑ Einwohnerbezeichnungen auf -er die ↑ Verbalklammer: Wir fangen morgen
(2). erst um 9 Uhr an. In solchen Fällen kön-
anerkennen: Das Verb anerkennen gehört nen abhängige Infinitive und Infinitiv-
(wie anberaumen und anvertrauen) zu gruppen nach der Verbpartikel realisiert,
den trennbaren Partikelverben, bei d. h. ausgeklammert werden (↑ Ausklam-
denen an- als Verbpartikel in den finiten merung): Danach fing sie an, bitterlich
Formen des Verberst- und Verbzweitsat- zu weinen. Neben: Danach fing sie bitter-
zes im Allgemeinen vom Verb getrennt lich an zu weinen. Neben: Danach fing
und nachgestellt wird: Er erkennt einige sie bitterlich zu weinen an. In der Stan-
ihrer Forderungen uneingeschränkt an. dardsprache ist es allerdings nicht üb-
Es besteht jedoch vor allem in juristi- lich, bei Infinitivgruppen mit Objekt le-
schen und theologischen Texten die Nei- diglich den Infinitiv auszuklammern.
gung, an- als Präfix anzusehen und des- Nicht: Wir fingen ein Haus an zu bauen.
halb nicht zu trennen. Auch im schwei- Sondern: Wir fingen an, ein Haus zu
zerischen und österreichischen Sprach- bauen. Neben: Wir fingen ein Haus zu
gebrauch findet man die ungetrennten bauen an.
Formen: Die Indios ... anerkannten Her- 2. Perfektbildung: Das Perfekt von anfan-
bert sofort als ihren nächsten Herrn gen wird standardsprachlich nur mit ha-
(M. Frisch). ↑ Verb (3.2). ben gebildet: Ich habe bei ihm angefan-
Anfahrts-: Die Komposita mit Anfahrt sind gen. Regionalsprachlich (norddeutsch):
mit Fugen-s gebräuchlich: Anfahrtskos- Ich bin bei ihm angefangen.
ten, Anfahrtsstraße, Anfahrtsweg.↑ Fu- 3. Zeichensetzung: Wenn anfangen mit
genelement. einer Infinitivgruppe verbunden ist,
anfällig: Das Adjektiv wird meist mit der kann man ein Komma setzen: Er fing an
Präposition für , seltener mit gegen ver- die Steine zu sortieren / Er fing an, die
bunden: Er ist anfällig für / (seltener:) Steine zu sortieren. ↑ Komma (5.2).
gegen Erkältungen. Beide Anschlüsse anfliegen: ↑ Partikelverb (4.2).
sind standardsprachlich. Anfrage: 1. Präposition nach Anfrage: An-
Anfang / anfangs: Das Substantiv Anfang frage wird in der Regel mit der Präposi-
kann mit einer nicht flektierten Zeitan- tion wegen verbunden: Ihre Anfrage we-
anfragen – Anführungszeichen 68

A gen des Termins haben wir erhalten. In ne / kleine Anfrage stellen; auf die Gro-
M
anfr der Amts- und Kaufmannssprache wird ße / große Anfrage antworten.
auch mit der Präposition bezüglich ange- anfragen: Das Verb anfragen ist intransitiv
schlossen: Ihre Anfrage bezüglich der und steht, wenn eine Person gefragt
Lieferungen beantworten wir folgender- wird, mit der Präposition bei: Sie fragte
maßen ... telefonisch bei ihm wegen der Bücher an.
2. Rechtschreibung: eine Kleine / kleine Das Partizip II angefragt wird heute zu-
bzw. Große / große Anfrage (= Interpel- nehmend auch als Adjektiv gebraucht
lation) im Parlament. In diesen Fügun- (die angefragten Firmen / Redner). ↑ Par-
gen können die Adjektive groß- oder tizip und Partizipialgruppe (2.1).
kleingeschrieben werden: eine Klei- anführen: ↑ Verb (3.2).

Anführungszeichen
1 Formen
2 Gebrauch
2.1 Direkte Rede
2.2 Anführung von Zitaten
2.3 Anführung von einzelnen Wörtern, Buchtiteln u. Ä.
2.4 Halbe Anführungszeichen
2.5 Das Fehlen der Anführungszeichen
3 Das Zusammentreffen von Anführungszeichen und Satzzeichen

1 Formen
Die Anführungszeichen (alltagssprachlich auch: »Gänsefüßchen«) haben in
Hand- und Maschinenschrift folgende Formen: ” “, “ ” oder » «, als halbe An-
führungszeichen: , ‘, ‘ ’ oder › ‹. Im deutschen Schriftsatz werden vornehmlich
die Anführungszeichen ” “ und » «, als halbe Anführungszeichen , ‘ und › ‹ ge-
braucht. (Die französische Form « » ist im Deutschen weniger gebräuchlich;
in der Schweiz hat sie sich für den Antiquasatz eingebürgert.)
Während bei einzelnen aus fremden Sprachen angeführten Wörtern oder
Wendungen deutsche Anführungszeichen stehen, werden fremdsprachige
Sätze oder Abschnitte im Allgemeinen in die in der betreffenden Sprache gel-
tenden Anführungszeichen gesetzt.
69 Anführungszeichen

2 Gebrauch A
2.1 Direkte Rede
M
Anfü

Anführungszeichen stehen bei der direkten Rede und bei direkt wiedergege-
benen Gedanken am Anfang und am Ende der Aussage:
»Es ist unbegreiflich, wie ich das hatte vergessen können«, sagte er zu mir. »So – das
war also Paris«, dachte sie.

2.2 Anführung von Zitaten


Anführungszeichen stehen bei wörtlicher Anführung einer Textstelle aus ei-
nem Buch, Schriftstück, Brief u. Ä. am Anfang und Ende des Zitats:
ber das Ausscheidungsspiel zur Fußballweltmeisterschaft berichtet ein Journalist:
»Das Stadion glich einem Hexenkessel; Flaschen und faule Orangen und Tomaten flo-
gen auf das Spielfeld, das Publikum drängte bis an den Spielfeldrand und mit erhobe-
nen Fäusten und wüsten Beschimpfungen drohten sie dem Schiedsrichter und den
Spielern der gegnerischen Mannschaft.«

Dies gilt auch bei der Einfügung eines Zitats in eine andere Formulierung
(↑ 3):
Die Frage »Ist Rauchen gesundheitsschädlich?« wurde lange diskutiert.

Wird das Zitat durch einen Einschub unterbrochen, dann wird jeder der ge-
trennten Teile in Anführungszeichen gesetzt:
»Der Mensch«, so heißt es in diesem Buch, »ist ein Gemeinschaftswesen.«

2.3 Anführung von einzelnen Wörtern, Buchtiteln u. Ä.


Hervorhebende Anführungszeichen stehen bei einzelnen Wörtern, kurzen
Aussprüchen und Titeln von Büchern, Zeitungen, Kunstobjekten, Rundfunk-
und Fernsehsendungen u. Ä.
Das Wort »Doktorand« wird am Schluss mit »d« geschrieben. Mit den Worten »Mehr
sein als scheinen« hat Schlieffen Moltke charakterisiert. Die beste Aufführung von
Mozarts »Cosı̀ fan tutte« haben wir in Salzburg erlebt. »Die Zeit« ist eine Wochenzei-
tung. Der Film »Titanic« erhielt elf Oscars.

Wird dabei der zu dem Titel o. Ä. gehörende Artikel flektiert, muss er außer-
halb der Anführungszeichen stehen:
Der Umfang des Magazins »Der Spiegel« hat zugenommen. (Aber:) Der Umfang des
»Spiegels« hat zugenommen.
Anführungszeichen 70

A Auch bestimmte Arten von Eigennamen, z. B. die Namen von Gaststätten


M
Anfü und Schiffen, können durch Anführungszeichen hervorgehoben werden:
Hotel Europäischer Hof oder Hotel »Europäischer Hof« / Forschungsschiff Meteor
oder Forschungsschiff »Meteor« / die Reise der Bremen oder der »Bremen«.

Besondere Arten der Hervorhebung belegen die folgenden Beispiele, in denen


die Anführungszeichen Ironie, Distanzierung, übertragenen oder wortspiele-
rischen Sprachgebrauch anzeigen:
Ihr »treuster« Freund verriet sie als Erster. Das hat mit »Polizeiaktionen« nichts mehr
zu tun. Der Aufschwung ist »müde« geworden. Auf der Landwirtschaftsschau gab es
allerhand »Schweinereien« zu sehen.

2.4 Halbe Anführungszeichen


Halbe Anführungszeichen werden bei der Anführung innerhalb eines bereits
in Anführungszeichen stehenden Textes verwendet:
Goethe schrieb: »Wielands ›Oberon‹ wird als ein Meisterwerk angesehen werden.«;
»... dann verließ sie das Zimmer mit den Worten: ›Sie werden noch von mir hören!‹ «

2.5 Das Fehlen der Anführungszeichen


Anführungszeichen brauchen nicht gesetzt zu werden, wenn die hervorzuhe-
benden Textteile bereits auf andere Weise (durch den Zusammenhang, die
Schriftart, Sperrung, Farbigkeit) kenntlich gemacht sind:
Die Klasse liest Goethes Faust. Badetuch ist ein dreisilbiges Wort. Was für die einen
Kitsch ist, ist den anderen Kunst.

3 Das Zusammentreffen von Anführungszeichen und


Satzzeichen
Punkt, Fragezeichen und Ausrufezeichen stehen vor dem schließenden An-
führungszeichen, wenn sie selbst zu dem angeführten Textteil gehören. Nach
dem Schlusszeichen wird dann kein Punkt mehr gesetzt:
Er sagte: »Diese Behauptung ist unwahr!« Die kritisierte Textstelle lautet: »Ich muss
gestehen, dass mir die Nachricht über den Anschlag insgeheim Schadenfreude berei-
tet hat.« Hat sie wirklich gefragt: »Kommt Marlene morgen?«? Er kennt nicht den Ro-
man »Quo vadis?«!

Sonst stehen Punkt, Fragezeichen und Ausrufezeichen nach dem schließen-


den Anführungszeichen:
71 Angebinde / Gebinde – Angehörige

Er soll gesagt haben, die Nachricht habe ihm »insgeheim Schadenfreude bereitet«. Ist A
dies ein Zitat aus »Wallenstein«?
M
Ange
Wird das Zitat oder die angeführte Rede wie ein einfaches Substantiv ver-
wendet, so bleibt das Frage- oder Ausrufezeichen erhalten, und man setzt
nach dem schließenden Anführungszeichen zusätzlich einen Punkt:
Die Kinder kommentierten jede Straßenbiegung mit einem lauten »Sind wir bald
da?«. Mich beunruhigt sein ständiges »Ich kann nicht mehr!«.

Das Komma steht immer nach dem schließenden Anführungszeichen:


»Es ist möglich«, sagte sie, »dass ich morgen verreise.«

Auf einen Textteil mit Frage- oder Ausrufezeichen folgt nach dem schließen-
den Anführungszeichen ebenfalls immer ein Komma:
Als sie ihn fragte: »Weshalb darf ich das nicht?«, wurde er sehr verlegen. (Und:) »Wes-
halb darf ich das nicht?«, fragte sie ihn. Obwohl es aus dem Lautsprecher getönt hatte:
»Achtung, alles sofort zurücktreten!«, rührte sich niemand von der Stelle. (Und:)
»Achtung, alles sofort zurücktreten!«, tönte es aus dem Lautsprecher.

Wenn Zitate oder wiedergegebene Rede wie einfache Substantive verwendet


werden, steht kein Komma:
Sein ewiges »Ich kann nicht mehr« stört niemanden. Der Satz »Dem Manne kann ge-
holfen werden« hat kein Subjekt.

Angebinde / Gebinde: ↑ Blumenangebin- Angebot die Präpositionen auf oder für


de / Blumengebinde. nach sich haben: Ich habe ein Angebot
Angebot: Das Wort hat mehrere Bedeu- auf das Haus erhalten. Der Antiquar
tungen und wird jeweils mit anderen machte ihr ein günstiges Angebot für das
Präpositionen verbunden. In der Bedeu- seltene Buch.
tung »angebotene Warenmenge« wird angehen: In der Bedeutung »betreffen«
Angebot mit von oder an verbunden: wird angehen mit dem Akkusativ ver-
Das Angebot von / an Gemüse war ge- bunden: Das geht dich nichts an. Die
ring. In der Bedeutung »schriftliche oder Verbindung mit dem Dativ (Das geht dir
mündliche Bekanntgabe der Bedingun- nichts an) ist regional, besonders nord-
gen, unter denen man zu einer Warenlie- deutsch.
ferung oder Arbeitsleistung bereit ist« Angehörige, der und die: 1. oben genann-
kann Angebot mit über oder für verbun- tem Angehörigen / Angehörigem x ihr als
den werden: Wir bitten Sie um Ihr Ange- Angehöriger / Angehörigen einer angese-
bot über / für die Lieferung von ... Darü- henen Familie: Zur Deklination substan-
ber hinaus lässt sich eine Ausweitung tivierter Adjektive ↑ Abgeordnete; ↑ Sub-
des Gebrauchs von zu verzeichnen (Ihr stantivierungen (2).
Angebot zur Lieferung von ...). Im Sinne 2. einige Angehörige x alle Angehörigen x
von »Anerbieten, Preisvorschlag« kann solche Angehörige[n]: Zur Deklination
Angeklagte – angrenzen 72

A von Angehörige nach alle, beide, einige gentlich mit einer Enttäuschung gerech-
M
Ange usw. ↑ all- usw. net hatte.
Angeklagte, der und die: 1. die Angeklagte angenommen: Nach angenommen steht im
Schmidt / die angeklagte Firma: Wie Be- Allgemeinen ein Komma: Angenommen,
klagte und Beschuldigte wird auch Ange- sie kommt erst morgen, wer soll dann
klagte in der Sprache des Gerichts und heute die Sitzung leiten? In der Fügung
der Verwaltung als Substantiv ge- angenommen dass braucht vor dass kein
braucht. Das Wort bezeichnet die Per- Komma gesetzt zu werden. Man setzt es
son, Firma, Behörde o. dgl. , gegen die vorzugsweise dann, wenn die Fügung
Anklage erhoben worden ist. Obwohl in nicht als Einheit anzusehen ist, bei-
Verbindung mit dem Familiennamen spielsweise weil auf angenommen ein be-
überwiegend das Substantiv (Der / Die sonderes Gewicht gelegt wird: Angenom-
Angeklagte Schmidt sagt aus ...) ge- men[,] dass morgen gutes Wetter ist, wo-
braucht wird, ist auch die Formulierung hin wollen wir fahren? Wohin wollen wir
Der angeklagte Herr Uwe Meyer / Die an- fahren, angenommen[,] dass morgen gu-
geklagte Frau Ilse Schmidt ... gebräuch- tes Wetter ist?
lich. Ist eine Firma gemeint, dann heißt Angermünder: Die Einwohner von Anger-
es: Die Angeklagte behauptet ... oder mit münde heißen Angermünder (nicht: An-
dem Partizip II: Die angeklagte Firma be- germündener). ↑ Einwohnerbezeichnun-
hauptet ... gen auf -er (3).
2. der Angeklagte Schmidt / der Ange- angesehen: ↑ Adjektiv (3), ↑ Vergleichsfor-
klagte, Schmidt: In dem Satz Der Ange- men (2.2).
klagte Schmidt behauptete ... ist Schmidt Angestellte, der und die: 1. oben genann-
eine Apposition zu Angeklagte. Namen tem Angestellten / Angestelltem x ihr als
werden als Apposition häufig ohne Angestellter / Angestellten: Zur Deklina-
Komma an den Bezugsausdruck ange- tion substantivierter Adjektive ↑ Abge-
schlossen (↑ Apposition 3). Die Apposi- ordnete; ↑ Substantivierungen (2).
tion kann aber auch mit einem Komma 2. einige Angestellte x alle Angestellten x
abgesetzt werden: Der Angeklagte, solche Angestellte[n]: Zur Deklination
Schmidt, behauptete ... von Angestellte nach alle, beide, einige
3. oben genanntem Angeklagten / Ange- usw. ↑ all- usw.
klagtem x ihr als Angeklagter / Angeklag- angewandt / angewendet: ↑ anwenden.
ten: Zur Deklination substantivierter angleichen, sich: Das Verb sich angleichen
Adjektive ↑ Abgeordnete; ↑ Substantivie- kann mit einem Dativobjekt oder mit ei-
rungen (2). nem Präpositionalobjekt verbunden
4. einige Angeklagte x alle Angeklagten x werden: Er gleicht sich seiner Umgebung,
solche Angeklagte[n]: Zur Deklination seinen Mitmenschen an. Oder: Er gleicht
von Angeklagte nach alle, beide, einige sich an seine Umgebung, an seine Mit-
usw. ↑ all- usw. menschen an.
angemessen: ↑ Adjektiv (3), ↑ Vergleichs- Anglizismus: ↑ Amerikanismen / Anglizis-
formen (2.2). men.
angenehm enttäuscht: Die scherzhafte angrenzen: In der Gegenwartssprache
Wendung Ich bin angenehm enttäuscht wird angrenzen nur noch mit der Prä-
(statt: Ich bin angenehm überrascht), die position an verbunden: Das Grund-
den negativen Sinn des Verbs enttäu- stück grenzt an den Garten an. Früher
schen bewusst außer Acht lässt, soll zum wurde es auch mit dem Dativ verbun-
Ausdruck bringen, dass man in dem be- den: Das Grundstück grenzt dem Gar-
treffenden günstig verlaufenen Fall ei- ten an.
73 Angriff – ankaufen / kaufen

Angriff: Nach Angriff kann mit der Präpo- nur in bestimmten Verbindungen in der A
sition auf oder gegen angeschlossen wer-
den, die Präpositionen sind aber nicht in
Rechtssprache vor: ein anhängiges
(= schwebendes) Verfahren; ein Verfah-
M
anka
allen Fällen austauschbar. Die allgemei- ren ist anhängig (= steht vor Gericht zur
nere Verwendung hat auf: Der Angriff Entscheidung).
auf die Stadt, auf die Medien, auf das anheben: Wird anheben in gehobener
Buch des Konkurrenten. Die Verwendung Sprache im Sinne von »beginnen« ge-
von gegen ist eher zu finden, wenn der braucht, dann lautet das Präteritum hob
oder das Angegriffene etwas ist, das ei- an : Die Glocken hoben gegen Mittag zu
nen Gegenangriff unternehmen kann: läuten an . Der Geistliche hob an zu spre-
der Angriff gegen ein Land, gegen die Op- chen. Veraltet ist die Form hub / huben
position, gegen den Boxweltmeister. an (Die Glocken huben zu läuten an).
Angst / angst: Groß schreibt man das Sub- anheften: In Verbindung mit der Präposi-
stantiv: er hat [eine panische] Angst / ist tion an kann anheften mit dem Dativ
in Angst; aus Angst fliehen; vor Angst fast oder mit dem Akkusativ verbunden wer-
vergehen. Entsprechend gilt die Groß- den, je nachdem, ob der Ort, an dem et-
schreibung auch in der Wendung Angst was angeheftet wird (Frage: wo?), oder
[und Bange] machen. ↑ Groß- oder Klein- die Richtung (Frage: wohin?) bezeichnet
schreibung (1.1). Im brigen wird diese wird: Sie wollte eine Schleife an dem / an
Wendung mit dem Dativ gebildet. Es das Kleid anheften. Er hatte einen Zettel
heißt also richtig: jemandem (nicht: je- an der / an die Tür angeheftet. Wir heften
manden) Angst machen. Klein schreibt frische Blüten am / an den Hut an. ↑ Rek-
man das Adjektiv (Frage: wie?): mir tion (4).
ist / wird angst. anheim-: Der Ausdruck kommt nicht mehr
anhaben: Das Verb anhaben »ein Klei- als selbstständiges Wort, sondern nur
dungsstück tragen« schreibt man im In- noch als Verbzusatz vor. Er wird mit
finitiv (einen Mantel anhaben), im Parti- dem folgenden Verb zusammengeschrie-
zip II (Wer hat meine Jacke angehabt?) ben: anheimfallen (= zufallen, zum Op-
und in der finiten Form im Nebensatz fer fallen), anheimgeben (= anvertrauen,
(... weil sie Schuhe anhat) zusammen. überlassen), anheimstellen (= überlas-
Auch in der Redewendung jemandem sen).
nichts anhaben können (»jemandem kei- anheischig machen, sich: Die Fügung sich
nen Schaden zufügen können«) schreibt anheischig machen im Sinne von »sich
man das Verb zusammen. erbieten, sich verpflichten« kann sich
anhand: Man schreibt die Präposition zu- nur auf ein in der Zukunft liegendes,
sammen: ... anhand des Buches. Er kam nicht auf ein bereits abgeschlossenes Er-
anhand der Unterlagen zu dem Schluss, eignis beziehen. Es kann also nicht hei-
dass ... Neben dem Genitiv ist im Plural ßen: Ich mache mich anheischig, diese
auch der Anschluss mit von möglich (an- Aufgabe richtig gelöst zu haben, sondern
hand von Unterlagen). ↑ Hand (3), ↑ Ver- nur: Ich mache mich anheischig, diese
blassen des Substantivs. Aufgabe richtig zu lösen.
Anhang: Zu als / im Anhang ↑ Anlage. ankaufen / kaufen: Im Unterschied zu kau-
anhängig / anhänglich: Die Adjektive an- fen »für Geld erwerben« wird ankaufen
hängig und anhänglich sind nicht gleich- dann verwendet, wenn es sich um den
bedeutend. Während anhänglich »treu Kauf von Wertobjekten oder von größe-
ergeben« bedeutet (Sein anhänglicher ren Mengen handelt: Grundstücke, Ak-
kleiner Freund begleitete ihn. Der Hund tien, Getreide ankaufen. Die Galerie hat
ist sehr anhänglich), kommt anhängig mehrere kostbare Gemälde angekauft.
anklagen – anlässlich 74

A anklagen: Das Verb anklagen steht immer verbunden; der Dativ ist hier veraltet:
M
ankl mit einem Akkusativ. Dabei kann es sich
auch um ein Reflexivpronomen handeln:
Ein unbehagliches Gefühl kam mich an
(veraltet: kam mir an). Sie (veraltet: Ihr)
Er klagt ihn / sich an. Auf das Akkusativ- kam die Lust zu lachen an.
objekt kann ein Genitivobjekt folgen, 2. In Sätzen wie Es kommt ganz auf die
fast immer wird aber ein Präpositional- jeweiligen Umstände an wird in der ge-
objekt mit wegen angeschlossen: Man sprochenen Sprache, vor allem in der
hat ihn des Diebstahls / wegen Diebstahl Umgangssprache, oft drauf oder darauf
angeklagt. Wenn anklagen mit als ver- hinzugefügt: Es kommt ganz auf die je-
bunden wird, steht der auf als folgende weiligen Umstände drauf / darauf an.
Nominalausdruck bei reflexivem Ge- Solche Formulierungen sind im Ge-
brauch meist im Nominativ: Er klagte schriebenen nicht als standardsprach-
sich als der eigentliche Schuldige an. Der lich einzustufen, da die Position des
Akkusativ (Er klagte sich als den eigent- ↑ Präpositionalobjekts durch die ↑ Präpo-
lichen Schuldigen an) ist seltener. Bei sitionalgruppe (auf die Umstände) und
nicht reflexivem Gebrauch wird durch durch das ↑ Pronominaladverb (drauf /
einen Akkusativ nach als der Bezug auf darauf) doppelt besetzt ist. Davon zu
das Akkusativobjekt gekennzeichnet: Er unterscheiden sind standardsprachliche
klagte ihn als den eigentlichen Schuldi- Sätze wie Es kommt darauf an, dass die
gen an. ↑ als (6). Umstände passen, bei denen eine solche
anklammern: In Verbindung mit an kann Dopplung nicht erfolgt.
anklammern sowohl mit dem Akkusativ Anlage: 1. als Anlage / in der Anlage: Beide
als auch mit dem Dativ verbunden wer- Formulierungen sind möglich: Als An-
den: Das Kind klammerte sich ängstlich lage oder In der Anlage übersende ich Ih-
an die / an der Mutter an. Er klammerte nen zwei Gutachten.
eine Fotokopie an das / an dem Schreiben 2. Kongruenz: Bei Formulierungen wie
an. Anlage 1 bis 2 oder Anlage 1 und 2 kann
ankleben: In Verbindung mit an kann an- das Verb im Singular oder Plural stehen:
kleben sowohl mit dem Akkusativ Anlage 1 und 2 enthält / enthalten alles
(Frage: wohin?) als auch mit dem Dativ Wichtige zur Klärung all dieser Fragen.
(Frage: wo?) verbunden werden: Sie Aber: [Die] Anlagen 1 und 2 enthalten ...
klebte einen kleinen Zettel an die / an der 3. Anlage / Anlegung: ↑ Nominalstil (2).
Tür an. 4. ↑ Brief / E-Mail (5).
anknüpfen: Sowohl in konkreter (»anbin- anlangen: ↑ anbelangen.
den, befestigen«) als auch in übertrage- anlässlich: Die Präposition anlässlich »bei
ner Bedeutung (»inhaltlich an etwas an- Gelegenheit, aus Anlass« wird mit dem
schließen«) wird anknüpfen an mit ei- Genitiv verbunden: Anlässlich des Jah-
nem Nominalausdruck im Akkusativ restages der Befreiung waren alle Ge-
verbunden: Die Kunsthaare werden an bäude bef laggt. Die Präposition wird be-
die eigenen Haare angeknüpft. Er sonders in der Amtssprache verwendet.
knüpfte an die Bemerkung seiner Vorred- Andere Möglichkeiten sind bei, zu und
nerin an. Der Kurs knüpft an das Vor- aus Anlass: Er sprach bei seinem Besuch
wissen der Teilnehmer an. Der Dativ (... auch mit dem Oppositionsführer. Zum
knüpft am Vorwissen der Teilnehmer an) Jahrestag der Befreiung waren alle Ge-
kommt nur vereinzelt vor. bäude bef laggt. Aus Anlass ihres Jubilä-
ankommen: 1. Das Verb ankommen im ums erhielt sie ein wertvolles Buch. Nicht
Sinne von »befallen, überkommen« wird standardsprachlich ist die Vermischung
heute gewöhnlich mit dem Akkusativ von zwei Konstruktionen: ber die uns
75 Anlaut – Anrede

anlässlich zu unserer Silberhochzeit über- bunden: Diese Vorgänge muteten ihn A


mittelten Glückwünsche haben wir uns
sehr gefreut. Standardsprachlich heißt
seltsam an.
an’n: Umgangssprachlich für an den. ↑ Prä-
M
Anre
es: ... anlässlich unserer Silberhochzeit ... position (1.2.1), ↑ Apostroph (1.2).
oder: ... zu unserer Silberhochzeit ... anno / Anno: Das aus dem Lateinischen
Anlaut: Der Anlaut ist der erste Laut ei- übernommene Wort für »im Jahre« wird
nes Wortes oder einer Silbe. ↑ Ausspra- kleingeschrieben: anno elf, anno 1789,
che. anno dazumal, anno Tobak. Für Anno
anlegen: Im Sinne von »investieren« wird Domini (»im Jahre des Herrn«, d. h. nach
anlegen in mit dem Dativ verbunden: Er Christi Geburt; Abk.: A. D.) gilt aller-
legte sein Geld in Wertpapieren (nicht: dings nur die Großschreibung, ↑ Fremd-
Wertpapiere) an. Auch anlegen an »lan- wort (4.2). In der Geschichtswissen-
den, [am Ufer] festmachen« wird ge- schaft kommt zur Kennzeichnung von
wöhnlich mit dem Dativ verbunden: Das Jahreszahlen die Abkürzung a. vor: a.
Boot legte langsam am Ufer / an der 1232.
Schiffsbrücke an. Die Verbindung mit Annoncen: ↑ Anzeigen.
dem Akkusativ (an die Schiffsbrücke an- anomal / anormal: ↑ abnorm / abnor-
legen) ist nicht falsch, aber weniger ge- mal / anomal / anormal.
bräuchlich. ↑ Rektion (4). Anrede: 1. Anredepronomen: Die heute im
Anlegung / Anlage: ↑ Nominalstil (2). Deutschen üblichen Anredepronomen
anleimen: Bei anleimen an kann sowohl sind: die Höflichkeitsanrede Sie (3. Per-
der Akkusativ als auch der Dativ stehen: son Plural des Personalpronomens) im
Er leimte das abgeplatzte Stück an Singular und im Plural (Waren Sie schon
das / (seltener:) an dem Brett an. einmal in Berlin, Herr Wolf ? Jetzt dürfen
anlernen: ↑ lehren (5). Sie alle hereinkommen) und die Anrede
anliefern: ↑ Partikelverb (4.2). du, im Plural ihr, zwischen miteinander
anliegend: Die in Geschäftsbriefen häufig vertrauten Personen (Das darfst du nicht
gebrauchte Formulierung Anliegend tun! Habt ihr eure Schularbeiten ge-
übersende ich Ihnen ... ist zwar gramma- macht?). In verschiedenen Dialekten
tisch nicht eindeutig, kann aber nicht in und regionalen Umgangssprachen ist es
dem Sinne missverstanden werden, dass üblich, zwei oder mehr Personen mit ihr
der Absender »anliegt«. Eindeutig sind anzusprechen, auch wenn man sie ein-
z. B. als Anlage, in der Anlage oder an- zeln nicht duzt. Die Anrede in der 3. Per-
bei . ↑ Partizip und Partizipialgruppe (1). son Singular (Schweig Er! Höre Sie!) ist
anlöten: Bei anlöten an kann sowohl der veraltet.
Akkusativ als auch der Dativ stehen: Das 2. Groß- oder Kleinschreibung: Die Anre-
eine Ende des Drahtes muss fest an depronomen Sie und das entsprechende
die / an der Platte angelötet werden. Possessiv Ihr schreibt man immer, d. h.
anmahnen: ↑ Partikelverb (4.2). nicht nur in Briefen, sondern auch in
anmieten: ↑ Partikelverb (4.2). der wörtlichen Rede im Prosatext, groß:
anmontieren: Bei anmontieren an steht oft Lieber Herr Brandt, ich danke Ihnen für
der Dativ: Er montierte eine Steckdose Ihren Brief und freue mich, dass Sie ... Er
an der Wand an. Der Akkusativ tritt sagte: »Das kann ich Ihnen nicht ver-
auch auf: Er montierte eine Steckdose an sprechen.« Wir danken Ihnen allen und
die Wand an. wünschen Ihnen ein gutes neues Jahr.
anmuten: In der Bedeutung »erscheinen, (Aber klein, weil keine Anrede: Wir
vorkommen« wird anmuten mit dem danken allen Freunden und wünschen
Akkusativ und nicht mit dem Dativ ver- ihnen ein gutes neues Jahr oder: Wir bit-
Anredenominativ – anschreiben 76

A ten alle Betriebsangehörigen, dass sie Kolleginnen und Kollegen, Sie begrüßen
M
Anre ihre Anträge rechtzeitig einreichen. In
diesen beiden Beispielen sind ihnen und
zu können.
Anredepronomen: ↑ Anrede (1).
sie 3. Person Plural.) Die Anredeprono- anrufen: In der Standardsprache wird an-
men du, ihr und die entsprechenden rufen mit dem Akkusativ verbunden: Ich
Possessive dein, euer werden kleinge- rufe dich morgen an. Die Verbindung
schrieben. In Briefen, E-Mails und SMS mit dem Dativ gehört zur regionalen
ist sowohl die Groß- als auch die Klein- Umgangssprache, besonders in Südwest-
schreibung korrekt (Ich danke Dir / dir deutschland: Ich rufe dir morgen an.
für Deinen / deinen lieben Brief ! Wie ans: Diese Verschmelzung aus an und das
geht es Euch / euch?) Für Fragebogen wird ohne Apostroph geschrieben.
(z. B. bei schriftlich fixierten Prüfungs- ↑ Apostroph (1.2), ↑ Präposition (1.2.1).
fragen) gilt dies nicht; hier schreibt man anscheinend / scheinbar: Mit anscheinend
du, dein usw. wie sonst klein. Groß wird die Vermutung zum Ausdruck ge-
schreibt man das Possessiv bei histori- bracht, dass etwas so ist, wie es er-
schen Titeln wie Exzellenz, Hoheit, scheint: Er ist anscheinend krank. An-
Durchlaucht u. Ä.: Euer (Eure) Exzellenz, scheinend ist niemand im Haus. Sie hat
Euer (Eure) Hoheit, Euer (Eure) Durch- anscheinend Schweres erlebt. Das Adjek-
laucht; ebenso in der 3. Person: Seine tiv scheinbar sagt, dass etwas nur dem
Majestät, Seine Heiligkeit, Ihre Königli- äußeren Eindruck nach, aber nicht in
che Hoheit. – Das Reflexivpronomen Wirklichkeit so ist, wie es sich darstellt:
sich wird immer kleingeschrieben: Ma- Die Zeit stand scheinbar still. Der Wider-
chen Sie sich bitte keine Mühe! Auch die spruch ist nur scheinbar. Die Unterschei-
Pronomen alle und beide dürfen nicht dung zwischen den beiden Wörtern ist
großgeschrieben werden: Ich grüße euch relativ jung, sie wurden erst im 18. Jh. ge-
alle herzlich. Ich möchte Sie gern beide geneinander abgegrenzt und differen-
einmal wieder bei uns willkommen hei- ziert. So wird in der Alltagssprache wei-
ßen dürfen. (↑ Groß- oder Kleinschrei- terhin scheinbar im Sinne von »anschei-
bung [1.2.4]). nend« verwendet.
3. Formen der Anrede: Die Frage, ob man anschließen: Bei anschließen an in der Be-
eine Person mit ihrem Namen oder deutung »an etwas anbringen und da-
(auch) mit ihrem Titel, akademischen durch eine Verbindung herstellen« kann
Grad o. Ä. ansprechen soll, kann nicht der Dativ oder der Akkusativ stehen, je
allgemein beantwortet werden. Im Zwei- nachdem, ob der Ort, an dem etwas an-
felsfall sollte man den (höchsten) Titel geschlossen wird, oder die Richtung be-
verwenden. ↑ Titel und Berufsbezeich- zeichnet wird. Der Akkusativ ist hier al-
nungen; zu Anreden im Brief lerdings häufiger: Sie schloss den
↑ Brief / E-Mail (4). Schlauch an den / (auch:) am Wasser-
Anredenominativ: Der Anredenominativ hahn an. Das Haus wurde an die Fern-
ist ein Nominalausdruck im Nominativ, heizung angeschlossen. Nur im Sinne von
der in seiner Stellung frei ist und außer- »mittels eines Schlosses sichern« steht
dem auch weggelassen werden kann, gewöhnlich der Dativ: Er schloss sein
ohne dass dies für die Satzstruktur von Fahrrad am Zaun / an der Straßenlaterne
Bedeutung ist. Der Anredenominativ be- an. ↑ Rektion (4).
zeichnet die angeredete Person oder die anschreiben: Der Gebrauch von anschrei-
angeredeten Personen: Junge, pass bloß ben im Sinne von »sich [mit einem An-
auf ! Kommst du mit, Mutter? Liebe Ver- liegen] schriftlich an jmdn. wenden« fin-
wandte, es geht mir gut. Ich freue mich, det sich vornehmlich im Behörden- und
77 Anschrift – anstatt

Geschäftsbereich: eine Behörde, eine nicht) sein. Als Präposition hat es den A
Firma, einen Antragsteller anschreiben.
40 Prozent aller angeschriebenen Perso-
Genitiv nach sich: Anstatt des Geldes
gab sie ihm ihren Schmuck. Er wies die
M
anst
nen bejahten die Frage. ↑ Partikelverb Schwester anstatt des Stationsarztes zu-
(4.2). recht. (Nicht standardsprachlich: Anstatt
Anschrift: ↑ Brief / E-Mail (1). dem Geld ... , anstatt dem Stationsarzt ...)
anschweißen: Bei anschweißen an kann Nur wenn der Genitiv formal nicht zu er-
sowohl der Akkusativ als auch der Dativ kennen ist oder wenn ein weiteres star-
stehen: Der Bügel wird an die / an der kes Substantiv im Genitiv Singular hin-
Schiene angeschweißt. zutritt, wird anstatt mit dem Dativ ver-
anschwellen: ↑ schwellen. bunden: Anstatt Worten will ich Taten
Ansehen: ber die Apposition mit als nach sehen. Als Konjunktion regiert anstatt
dem Verbalabstraktum Ansehen (das keinen Kasus, d. h. , dass der folgende
Ansehen des Mannes als Kaufmann / als Kasus nicht von anstatt, sondern vom
ehrbarer Kaufmann oder ehrbaren Kauf- Verb abhängt: Er reichte ihr anstatt ih-
manns / als eines ehrbaren Kaufmanns rem Begleiter die Rechnung. Man zeich-
usw.) ↑ als (3). nete sie anstatt ihn aus. – Schwankungen
ansehen als: 1. Wenn das Verb ansehen als im Kasus erklären sich demnach daraus,
reflexiv gebraucht wird, steht der auf als dass man anstatt sowohl als Präposition
folgende Nominalausdruck meist im No- wie als Konjunktion verwenden kann, je
minativ: Er sieht sich als guter Autofah- nachdem, ob man ein Verhältnis ausdrü-
rer an. Der Akkusativ (Er sieht sich als cken will oder Satzteile (bzw. Sätze) ver-
guten Autofahrer an) ist seltener. Bei binden will: Er nahm seinen Freund an-
nicht reflexivem Gebrauch wird durch statt seiner mit (= Präposition), aber: Er
einen Akkusativ nach als der Bezug auf nahm seinen Freund anstatt ihn mit (=
das Akkusativobjekt gekennzeichnet: Er Konjunktion). Oder: Er traf den Pfahl an-
sah ihn als guten Autofahrer an. ↑ als (6). statt der Konservendose (= Präposition),
2. ↑ als / für / wie. aber: Er traf den Pfahl anstatt die Kon-
an sein : Man schreibt immer getrennt, servendose (= Konjunktion). Die Kon-
also auch im Infinitiv und Partizip: Das junktion anstatt verbindet sich auch mit
Licht muss immer an sein. Das Radio ist Infinitivgruppen: Sie arbeitet, anstatt zu
nicht an gewesen. Dasselbe gilt weiterhin verreisen. Gemeinsam mit dass bildet sie
bei den finiten Formen: Ich glaube, dass die mehrteilige Konjunktion anstatt
das Licht noch an ist / dass die Maschine dass. ↑ Präposition (2).
an war. ↑ Getrennt- oder Zusammen- 2. Komma: Das Komma vor anstatt dass
schreibung (1.6). steht wie vor dem einfachen dass, weil
Anspruch auf / an: Es heißt Anspruch auf beide Formen gemeinsam eine Konjunk-
etwas haben / erheben: Er hat Anspruch tion bilden: Sie lobte ihn, anstatt dass sie
auf Krankengeld. Wir erheben Anspruch ihn tadelte. Anstatt dass der Minister
auf dieses Gebiet. Mit an wird die Per- kam, erschien nur sein Staatssekretär.
son[engruppe] oder Sache angeschlos- Leitet anstatt eine Infinitivgruppe mit
sen, von der etwas gefordert oder erwar- zu ein, so wird diese immer durch
tet wird: Er hat / stellt hohe Ansprüche Komma abgetrennt: Er spielte, anstatt zu
an seine Mitarbeiterinnen und Mitarbei- arbeiten. Anstatt sich zu beeilen, bum-
ter / an das Leben. melte sie. Er ging, anstatt nach Hause zu
anstatt: 1. Rektion: Das nicht flektierbare kommen, in eine Kneipe. Er, anstatt nach
anstatt kann sowohl Präposition (= an- Hause zu kommen, ging in eine Kneipe.
stelle) als auch Konjunktion (= und ↑ Komma (5.1).
anstelle / an Stelle – anwandeln 78

A anstelle / an Stelle: Beide Schreibungen sund / krank; schwarz / weiß; schmut-


M
anst sind korrekt: Der Staatssekretär nahm
anstelle / an Stelle der Ministerin an den
zig / sauber; hell / dunkel; dick / dünn;
tot / lebendig; starten / landen; ableh-
Besprechungen teil. Neben dem Genitiv nen / genehmigen; hassen / lieben; Him-
ist auch der Anschluss mit von möglich: mel / Hölle; Tag / Nacht; mor-
Die meisten Kundinnen kauften Geflügel gens / abends; mit / ohne; Mor-
anstelle / an Stelle von Schweinefleisch. genrot / Abendrot; Mann / Frau; Bru-
↑ Verblassen des Substantivs. der / Schwester; Angebot / Nachfrage.
anstoßen: Bei anstoßen in den Bedeutun- Wörter mit mehreren Bedeutungen ha-
gen »zufällig an etwas stoßen« und »An- ben oft verschiedene Antonyme, z. B.
stoß, Ärgernis erregen« wird das Perfekt alt / jung, alt / frisch, alt / neu; ge-
mit sein gebildet: Er ist im Dunkeln an hen / kommen, gehen / stehen. Die Ver-
den Schrank (alltagssprachlich auch: am wendung von Gegenwörtern dient oft als
Schrank) angestoßen. Er ist bei seiner Ab- Stilmittel. Der Gegensatz zum Antonym
teilungsleiterin angestoßen. In allen an- ist ↑ Synonym.
deren Bedeutungen (»die Gläser vor dem Antrag: Nach Antrag wird mit der Präposi-
Trinken aneinanderstoßen«, »durch ei- tion auf angeschlossen: Er stellte einen
nen Stoß in Bewegung setzen«, »lispeln« Antrag auf Wohngeld. Der Anschluss
usw.) wird anstoßen im Perfekt mit ha- mit zu ist dann korrekt, wenn »betref-
ben gebildet: Wir haben auf euer Wohl fend« gemeint ist: ein Antrag zur Ge-
angestoßen. ↑ Tempus (3). schäftsordnung.
-ant / -and: ↑ -and / -ant. Antragsteller: Auf Antragsformularen und
antelefonieren: Das Verb antelefonieren -vordrucken war früher fast ausschließ-
ist eine umgangssprachliche, oft als un- lich die maskuline Form zu finden. Ge-
schön empfundene ↑ Kontamination aus gen diese in der Rechtssprache übliche
anrufen und telefonieren. Gepflogenheit wird immer häufiger ein-
Antibiotikum: Der Plural von das Anti- gewandt, sie berücksichtige nicht, dass
biotikum lautet die Antibiotika . Die in Antragsformulare und -vordrucke sich
der Umgangssprache vorkommende auch an Frauen richten. Daher gibt es
abweichende Pluralform die Antibioti- Empfehlungen, hier auch die feminine
kas lässt sich dadurch erklären, dass Form zu nennen (Antragstellerin / An-
der Plural häufiger vorkommt als der tragsteller) oder die Texte zu ändern,
Singular Antibiotikum und so Antibio- z. B. durch Formulierungen wie Der An-
tika irrtümlicherweise für eine Singu- trag wird gestellt von ... ↑ geschlechterge-
larform gehalten werden kann. Eben- rechter Sprachgebrauch.
falls umgangssprachlich ist die Anti- anvertrauen: Das Verb anvertrauen wird
biotikums. in der Regel als trennbares Partikelverb
Antonym: Antonyme (Gegenwörter, Ge- verwendet, d. h. , die Verbpartikel an-
gensatzwörter) sind Wörter mit gegen- wird in den finiten Formen meist vom
sätzlichen Bedeutungen. Es gibt ver- Verb getrennt und nachgestellt: Ich ver-
schiedene Arten von Gegensätzen: kon- traue dir dieses Geheimnis an. ↑ Verb (3);
tradiktorische oder polare wie Ehrlich- Partikelverb.
keit / Unehrlichkeit (nur das eine oder anvisieren: ↑ Partikelverb (4.2).
das andere ist möglich); konträre wie anwandeln: Das Verb wird heute nur noch
Maximum / Minimum (es ist auch das mit dem Akkusativ gebraucht: Ein Ge-
Weder-noch möglich); korrelative oder fühl der Entmutigung wandelte ihn an .
komplementäre wie Ebbe / Flut. Weitere Der Dativ (... wandelte ihm an) ist veral-
Beispiele für Antonympaare: ge- tet.
79 an was / woran – Anzahl

an was / woran : Die Verbindung an + wurde gestohlen. Wenn nach dem Sinn A
was (An was hast du das erkannt? Er
wusste nicht mehr, an was er sich erin-
konstruiert wird, wird das Verb in den
Plural gesetzt (= semantische Kongru-
M
Anza
nern sollte) kommt nicht nur in der ge- enz): Eine Anzahl Studierende standen
sprochenen, sondern auch in der ge- vor dem Haupteingang. Eine Anzahl kost-
schriebenen Standardsprache in Frage- barer Gegenstände wurden gestohlen.
sätzen vor. In der geschriebenen Stan- Der Plural findet sich vor allem dann,
dardsprache dominiert hier jedoch ein- wenn das Gezählte als ↑ Apposition im
deutig der Gebrauch des Pronominal- gleichen Kasus wie Anzahl steht: Es lie-
adverbs woran: Woran wollen wir noch gen eine Anzahl Bauaufträge vor. ↑ Kon-
glauben? Er verrät ungern, woran er ge- gruenz (1.1.3).
rade arbeitet. ↑ Pronominaladverb (4 2. eine Anzahl hübscher / hübsche Sa-
und 5). chen x eine Anzahl Abgeordneter / Abge-
anwenden: Die Formen des Präteritums ordnete: Nach Anzahl steht das Gemes-
und des Partizips II lauten: wendete an / sene im Plural und meist im Genitiv:
wandte an und angewendet / angewandt. Eine bemerkenswerte Anzahl hochkarä-
Alle diese Wortformen sind in der Stan- tiger Stars, die ihm die Treue halten, lie-
dardsprache gebräuchlich und korrekt. fern den Beweis (Neue Züricher Zei-
In bestimmten feststehenden Ausdrü- tung). Der Anschluss mit einer im Ka-
cken wird nur angewandt verwendet: sus kongruenten Apposition kommt
z. B. angewandte Sprachwissenschaft. nur vereinzelt vor: Es gibt dort seit vie-
↑ wenden. len Jahren eine große Anzahl unaufge-
Anwesende: Anwesende ist ein substanti- klärte Vergewaltigungen und Morde,
viertes Adjektiv, das standardsprachlich viele junge Frauen werden bis heute ver-
wie ein Adjektiv flektiert wird: Verehrte misst (taz). ↑ Apposition (4).
Anwesende! Vereinzelt kommt auch die 3. Anzahl / Zahl: Die alte Unterschei-
substantivische Deklination vor: Ver- dung, dass Zahl die Gesamtzahl, die
ehrte Anwesenden! ↑ Substantivierungen Gesamtmenge ausdrückt, Anzahl da-
(2.2). gegen einen Teil davon, ist auch im
Anzahl: 1. Eine Anzahl Studierende heutigen Sprachgebrauch noch nicht
stand / standen vor dem Haupteingang: verloren gegangen und sollte überall da
Auch wenn nach Anzahl das Gezählte beachtet werden, wo es auf eine prä-
im Plural folgt, steht das Verb häufiger zise Aussage ankommt: Die Zahl der
im Singular, weil das Kernnomen Sub- Zugezogenen liegt bei ungefähr 500 Per-
jekt (Anzahl) ein Singular ist (= gram- sonen, darunter eine erhebliche Anzahl
matische Kongruenz): Eine Anzahl Stu- Studierende. In der Alltagssprache wer-
dierende stand vor dem Haupteingang. den beide Wörter häufig gleichbedeu-
Eine Anzahl kostbarer Gegenstände tend gebraucht.
Anzeigen 80

A Anzeigen
M
Anze

Häufige gestelle Fragen zu Anzeigen

Frage Antwort
Wie kann ich mich am besten kurzfas- (1) Preiswerter MP3-Player gesucht /
sen? Preiswerten MP3-Player gesucht
Wie formuliere ich Stellenanzeigen ge- (4) Geschlechtergerechte Stellenaus-
schlechtsneutral? schreibungen
Wie gestalte ich den Schluss einer An- (6) Groß- und Kleinschreibung
zeige?

Der Zwang zur Kürze führt in Anzeigentexten nicht selten zu Verstößen ge-
gen die Grammatik, zu mehrdeutigen Konstruktionen, stilistischen Entglei-
sungen, unverständlichen Abkürzungen u. dgl. Auf einige besonders häufige
Fälle dieser Art gehen die folgenden Bemerkungen ein:
1 Preiswerter MP3-Player gesucht / Preiswerten MP3-Player gesucht
2 Die Geburt unserer Jennifer freuen wir uns / freuen sich anzuzeigen
3 Babysitter gesucht / Babysitter sucht F. Müller
4 Geschlechtergerechte Stellenausschreibungen
5 Todesanzeigen
6 Groß- oder Kleinschreibung

1. Preiswerter MP3-Player gesucht / Preiswerten MP3-Player gesucht


Anzeigen bestehen häufig aus elliptischen (unvollständigen) Sätzen. Er-
gänzt man diese Sätze, dann erkennt man gewöhnlich sofort, ob z. B. der
Akkusativ oder der Nominativ, die 1. oder die 3. Person stehen muss. So
muss es z. B. heißen:
Qualifizierter Koch (m/w) gesucht.
Hotel »Continental«, Braunschweig, Wallstraße 5
Oder:
Preiswerter MP3-Player gesucht.
Holger Albus, Berlin, Bachstraße 4
In beiden Anzeigen kann nur wird ergänzt werden. Man fragt: Wer oder
was wird gesucht? Nicht korrekt ist der Akkusativ (Qualifizierten Koch ge-
sucht. Preiswerten MP3-Player gesucht).
81 Anzeigen

Schwankungen treten dann auf, wenn der unvollständige Satz auf zweier- A
lei Art ergänzt werden kann:
Preiswerter MP3-Player zu verkaufen.
M
Anze

Holger Albus, Berlin, Bachstraße 4


MP3-Player ist in dieser Anzeige Subjekt (= ein preiswerter MP3-Player
ist zu verkaufen.)
Preiswerten MP3-Player zu verkaufen.
Holger Albus, Berlin, Bachstraße 4
In dieser Anzeige ist MP3-Player Objekt (= einen preiswerten MP3-Player
habe ich zu verkaufen).
Die Anzeige
Erfahrenen Mediengestalter (m/w) stellt ein.
Reproprint AG, Hannover, Spohrstr. 4
ist nicht korrekt, da nach dem ersten Teil ein Punkt steht, dieser aber kei-
nen vollständigen Satz abschließt. Richtig muss es heißen:
Wir stellen erfahrenen Mediengestalter (m/w) ein.
Reproprint AG, Hannover, Spohrstraße 4
Richtig ist auch die Formulierung:
Erfahrenen Mediengestalter (m/w) stellt ein
Reproprint AG, Hannover, Spohrstraße 4
Bei dieser Anzeige handelt es sich um einen fortlaufenden Text; nach stellt
ein darf also kein Punkt gesetzt werden.

2. Die Geburt unserer Jennifer freuen wir uns / freuen sich anzuzeigen
Auch in Anzeigentexten müssen wie in gewöhnlichen Sätzen die zusam-
mengehörigen Satzglieder oder Gliedteile formal aufeinander abge-
stimmt sein (↑ Kongruenz). Deshalb sind zwar die Formulierungen
Die Geburt unserer Jennifer freuen wir uns anzuzeigen
Die Geburt ihrer Jennifer freuen sich anzuzeigen
korrekt, nicht aber die ↑ Kontamination aus beiden:
Die Geburt unserer Jennifer freuen sich anzuzeigen.
Wird die Anzeige in der 3. Person abgefasst, dann stellt sie einen fortlau-
fenden Text dar; nach anzuzeigen darf also kein Punkt stehen:
Die Geburt ihrer Jennifer freuen sich anzuzeigen
Eva Wolf-Müller und Mark Müller
Anzeigen 82

A Nicht korrekt ist auch folgender Text:


M
Anze Wir bieten technisch interessierten Bewerber(inne)n,
auch ungelernte, eine attraktive Tätigkeit
Ungelernt ist, auch wenn es hier nachgestellt erscheint, wie interessiert At-
tribut zu Bewerber(in) und muss dieselbe Endung aufweisen, also nur:
Wir bieten technisch interessierten Bewerber(inne)n, auch ungelernten, eine attrak-
tive Tätigkeit.

3. Babysitter gesucht / Babysitter sucht F. Bayer


Auch in einem Anzeigentext müssen wie in einem gewöhnlichen Satz die
Beziehungen zwischen Subjekt, Prädikat und Objekt unmissverständlich
ausgedrückt sein. Deshalb ist die Anzeige
Babysitter sucht
F. Bayer, Berlin, Bachstraße 4
unglücklich formuliert (sucht hier der Babysitter oder F. Müller?). Besser:
Babysitter gesucht.
F. Bayer, Berlin, Bachstraße 4
Ähnlich ist es mit
Boten sucht
Intertrans-Spedition, Frankenthal
Sucht die Firma einen oder mehrere Boten? Besser:
Bote gesucht.
Intertrans-Spedition, Frankenthal

4. Geschlechtergerechte Stellenausschreibungen
Neutrale, nicht an ein Geschlecht gebundene Stellenausschreibungen las-
sen sich auf verschiedene Arten gestalten. Eine häufig genutze Möglich-
keit ist der Zusatz (m/w), der besagt, dass die Stelle sowohl für männliche
als auch für weibliche Personen ausgeschrieben ist. Andere Verfahren
sind die Verwendung von ↑ Klammern und ↑ Schrägstrich:
Renommiertes Unternehmen sucht zum 1. Oktober 2016 einen Senior Consultant
(m/w), der / die ...
Schweizer Verlag sucht zum 1. Oktober 2016 eine(n) Mitarbeiter(in), der / die ...
Spätestens zum 1. März 2016 ist die Stelle einer Abteilungsleiterin / eines Abteilungs-
leiters neu zu besetzen. Ihr / Sein Organisations- und Verkaufstalent ...
Auch hier ist auf die formale Abstimmung (↑ Kongruenz) der zusammen-
gehörenden Teile zu achten:
83 Anzeigen

Wir suchen zum nächstmöglichen Termin einen Redakteur(in) A


ist wegen der fehlenden Kongruenz zwischen einen und Redakteurin also M
Anze
nicht korrekt; richtig ist dagegen eine(n) Redakteur(in).
↑ geschlechtergerechter Sprachgebrauch.

5. Todesanzeigen
In Todesanzeigen finden sich häufig Formulierungen wie
Am 13. 2. 2016 starb mein geliebter Mann, Vater, Bruder, Onkel ...
Letzte Nacht entschlief nach schwerer Krankheit meine liebe, unvergessliche Frau,
Mutter und Schwester ...
Sie wären nur dann korrekt, wenn jede Verwandtschaftsbezeichnung nur
für einen einzigen der namentlich aufgeführten Angehörigen zuträfe.
Possessiv und Adjektiv[e] vor der ersten Bezeichnung könnten dann bei
den übrigen erspart werden (... mein geliebter Mann, [mein geliebter] Va-
ter ...). Da aber meist mehrere Kinder, Geschwister usw. genannt werden,
schreibt man richtig:
... starb mein geliebter Mann, unser Vater, Bruder, Onkel ...
... entschlief meine liebe, unvergessliche Frau, unsere Mutter und Schwester ...
In diesen Anzeigen wird die Witwe / der Witwer besonders hervorgeho-
ben. Richtig ist auch:
... starb unser geliebter Mann, Vater, Bruder ...
... entschlief unsere liebe, unvergessliche Frau, Mutter und Schwester ...,
wenn die Leidtragenden nicht einzeln genannt werden, wenn die Anzeige
also z. B. mit Die trauernden Hinterbliebenen unterzeichnet ist.
Zu der Fügung nach langem, schwerem / schweren Leiden ↑ Adjektiv (1.4).

6. Groß- oder Kleinschreibung


Der Artikel vor Unterschriften in Anzeigen wird mit großem Anfangs-
buchstaben geschrieben, wenn die Unterschrift nach einem abgeschlosse-
nen Text (mit schließendem Punkt) steht. Handelt es sich dagegen um ei-
nen fortlaufenden Text, in den die Schlussformel o. Ä. einbezogen ist,
richtet sich ihre Groß- oder Kleinschreibung nach der Wortart des ersten
Wortes:
Für die erwiesene Anteilnahme sagen herzlichen Dank
die trauernden Hinterbliebenen
Für die selbstlose Einsatzbereitschaft danken wir allen.
Der Vorstand
Anzug[s]- – Apostroph 84

A Anzug[s]-: Die Komposita mit Anzug im Aussprache und in der Bedeutung. Das
M
Anzu Sinne von »Kleidungsstück« haben kein
Fugen-s, z. B. Anzug jacke, Anzugstoff.
aus dem Englischen entlehnte Apart-
ment wird [apartm
nt] (engl.:
Sonst schreibt man mit Fugen-s: An- [
p tm
nt]) ausgesprochen und bedeu-
zugsvermögen (= des Motors), Anzugs- tet »kleinere Wohnung (in komfortab-
kraft usw. ↑ Fugenelement (2.3). lem Mietshaus)«. Dagegen stammt Ap-
Anzug / Verzug: Die Wendungen [Eine] Ge- partement aus dem Französischen, wird
fahr ist im Anzug und Es ist Gefahr im [apart[
]mã] (schweiz. auch: [...mnt])
Verzug bedeuten im heutigen Sprachge- ausgesprochen und bedeutet in der Re-
brauch beide »[eine] Gefahr droht«. Ur- gel nur noch »Zimmerflucht in einem
sprünglich meinte jedoch Gefahr ist im größeren [luxuriösen] Hotel«.
Verzug so viel wie »Im Zögern, im Hi- Apfelwein / Äpfelwein: Standardsprach-
nausschieben liegt Gefahr.« lich ist nur das Wort Apfelwein korrekt;
Apartment / Appartement: Die beiden Äpfelwein ist eine häufiger gebrauchte
Wörter unterscheiden sich nicht nur in regionale Form. ↑ Kompositum (2.1).
der Schreibung, sondern auch in der Apokope: ↑ Elision.

Apostroph
Häufig gestellte Fragen zum Apostroph

Frage Antwort
Muss bei der verkürzten Form von das (1) Der Apostroph beim Auslassen von
oder es ein Apostroph gesetzt werden, Buchstaben am Anfang eines Wortes
z. B. bei aufs, gehts, hats?
Ist der Apostroph bei Befehlsformen (2.1) Das Schluss-e bei Verben, Impera-
wie geh, such usw. korrekt? tiv (1.1)
Wie schreibt man Ableitungen von Per- (3.2) mozartsche / Mozart’sche Sona-
sonennamen auf -sche, z. B. mozartsche, ten x heusssche / Heuss’sche Schriften,
Grimm’sche? Groß- oder Kleinschreibung (1.2.2)
Muss der Apostroph bei Genitivformen (4.1) Grass’ Blechtrommel x Andrić’ Ro-
wie z. B. Hans’ Auto, Fritz’ Beruf gesetzt mane, Personennamen (2.1.3)
werden?

In den meisten Verwendungen dient der Apostroph als Auslassungszeichen.


Mit seiner Verwendung wird angezeigt, dass man bei einem gesprochenen
Wort im Vergleich zu einem Wort der geschriebenen Standardsprache einen
oder mehrere Buchstaben weglässt. Die Verwendung das Apostrophs ist in
85 Apostroph

den meisten Fällen fakultativ, nur in wenigen ist sie obligatorisch (vgl. 3.3 und A
4.1). Im Einzelnen sind folgende Fälle zu unterscheiden: M
Apos
1 Der Apostroph beim Auslassen von Buchstaben am Anfang eines
Wortes
1.1 Mir geht’s / gehts gut x komm raus / ’raus!
1.2 aufs x hinterm x übern
2 Der Apostroph beim Wegfall von Buchstaben am Ende eines Wortes
2.1 Das Schluss-e bei Verben
2.2 Das Schluss-e bei anderen Wortarten
2.3 Andere Buchstaben am Ende eines Wortes
3 Der Apostroph im Wortinnern
3.1 einige / ein’ge x irdische / ird’sche Güter
3.2 mozartsche / Mozart’sche Sonaten x heusssche / Heuss’sche Schriften
3.3 M’gladbach x Ku’damm
3.4 stehen / stehn x gegorener / gegorner Saft x Brettl
4 Der Apostroph bei der Bildung des Genitivs
4.1 Grass’ Blechtrommel x Andrić’ Romane
4.2 Ingeborg Bachmanns Lyrik
5 Der Apostroph bei der Deklination von Abkürzungen
6 Der Apostroph bei Jahreszahlen

1 Der Apostroph beim Auslassen von Buchstaben am Anfang


eines Wortes
1.1 Mir gehts / geht’s gut x komm raus / ’raus!
Der Apostroph steht häufig, wenn Buchstaben am Anfang eines Wortes aus-
gelassen werden und das Wort dadurch schwer lesbar oder missverständlich
ist. Dabei erscheint vor dem Apostroph der gewöhnliche Wortzwischenraum.
Die verkürzten Formen werden auch am Satzanfang kleingeschrieben:
Wirf die Decken und ’s (= das) Gepäck ins Auto. Wer ’s (= das) Geld hat, kann sich das
erlauben. ’s (= Es) ist nun mal nicht zu ändern. So ’n (= ein) Blödsinn! Sie hat ’ne
(= eine) Menge erlebt. Gehen S’ ’nauf ! (= Gehen Sie hinauf !).

Man kann einen Apostroph setzen, wenn das Pronomen es mit dem vorange-
henden Wort (Verb, Pronomen, Konjunktion) zusammengezogen wird.
Da diese Verbindungen im Allgemeinen nicht schwer lesbar sind, ist das je-
Apostroph 86

A doch nicht notwendig. Der Wortzwischenraum wird in diesen Fällen nicht


M
Apos gesetzt.
Wie gehts / geht’s? Mir gehts / geht’s gut. Nimms / Nimm’s nicht so ernst. Er macht
sichs / sich’s gemütlich. Wenns / Wenn’s eilt, kommen wir sofort.

Im Gegensatz zu ’nauf, ’naus, ’nein usw. werden die mit r- anlautenden Kür-
zungen ran, rauf, raus, rein, rüber, runter im heutigen Sprachgebrauch meist
als selbstständige Nebenformen von heran, herauf usw. angesehen und ohne
Apostroph geschrieben. Das gilt auch am Satzanfang und bei trennbaren wie
nicht trennbaren Zusammensetzungen mit diesen Formen: Runter vom Bal-
kon! Er ließ ihn rauswerfen. Sie hat ihn reingelegt. Reich mir mal das Buch rü-
ber. Er ist Rausschmeißer. War das ein Reinfall! Nur wenn eine dieser Formen
ganz bewusst als Auslassung gekennzeichnet werden soll, kann der Apo-
stroph stehen. Auch bei ugs. mal (= einmal) und was (= etwas) steht kein
Apostroph:
Kommen Sie mal rüber! Hast du noch was auf dem Herzen?

1.2 aufs x hinterm x übern


Auf den Apostroph wird im Normalfall verzichtet, wenn es sich um allgemein
übliche Verschmelzungen aus Präposition und Artikel handelt:
ans, aufs, durchs, fürs, hinters, ins, übers, ums, unters, vors; am, beim, hinterm, im,
überm, unterm, vorm, zum; hintern, übern, untern, vorn.

Werden mit Verschmelzungen bewusst umgangssprachliche oder dialektale


Formen wiedergegeben, die zu unüblichen Konsonantenverbindungen füh-
ren, schreibt man in der Regel mit Apostroph:
Er sitzt auf ’m Tisch. Wir treffen uns nach’m Essen. Wir gehen in’n Zirkus.

2 Der Apostroph beim Wegfall von Buchstaben am Ende


eines Wortes
2.1 Das Schluss-e bei Verben
In der 1. Person Singular des Präsens Indikativ ist die Endung -e im Allgemei-
nen fakultativ, es gibt lediglich stilistische Unterschiede (ich hole / ich
hol). Daher wird in den Formen ohne -e üblicherweise kein Apostroph ge-
setzt:
Ich find das schön. Ich lass es bleiben. Das hab ich nicht getan.
87 Apostroph

Der Apostroph wird gesetzt, wenn das -e für die Eindeutigkeit einer Form A
sorgt. Solche Formen treten besonders in dichterischen Texten auf:
Das Grauen packt’ ihn und ließ ihn nicht los. Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll
M
Apos

(Goethe). Ich schnitt’ es gern in alle Rinden ein.

Kein Apostroph steht in der Regel bei festen Grußformeln und bei allgemein
üblichen Imperativformen (Befehlsformen) ohne -e:
Grüß Gott!, bleib!, geh!, trink!, lass!, leg den Mantel ab!, führ den Hund aus!

Unübliche Imperative, die gelegentlich in der Dichtung auftreten, haben da-


gegen einen Apostroph: Fordr’ ihn auf !, Handl’ gefälligst danach!

2.2 Das Schluss-e bei anderen Wortarten


Kein Apostroph steht im Allgemeinen für das in poetischen Texten gelegent-
lich weggelassene Schluss-e bei Substantiven (↑ Elision) wie Lieb, Gebirg, Näh,
Freud, Hos, Treu, Sünd, Füß. Dies gilt auch für Doppelformen wie
Bursch / Bursche, Hirt / Hirte und Substantive in festen Verbindungen wie auf
Treu und Glauben, Hab und Gut, mit Müh und Not. Ebenfalls keinen Apo-
stroph haben die verkürzten Formen von Adjektiven und Adverbien auf -e,
weil sie als selbstständige Nebenform anzusehen und allgemein üblich sind:
blöd, bös, fad, gern, heut, leis, öd, trüb, eh usw.

2.3 Andere Buchstaben am Ende eines Wortes


Der Apostroph kann stehen, wenn bei der Wiedergabe umgangssprachlicher
oder dialektaler Formen Buchstaben am Ende eines Wortes weggelassen wer-
den (z. B. um den Wegfall einer Flexionsendung anzuzeigen):
Schauen S’ (= Sie) zu, dass es klappt. Sie begehrt kein’ (= keinen) Dank. Er ist gericht’
(= gerichtet).

Das gilt auch für das weggelassene -o von Santo und für das weggelassene -a
von Santa vor männlichen bzw. weiblichen italienischen Namen, die mit Vo-
kal anlauten:
Sant’ Angelo, Sant’ Agata usw.

Kein Apostroph steht im Allgemeinen bei unflektiert verwendeten Adjekti-


ven und Pronomen:
gut Wetter, solch Glück, manch schöne Stunde, ein einzig Wort, welch Freude usw.
Apostroph 88

A 3 Der Apostroph im Wortinnern


M
Apos
In folgenden Fällen darf der Apostroph nicht weggelassen werden, wenn er
bei Worttrennung zum letzten Zeichen auf einer Zeile wird:
ein’-ge, Grimm’-sche [Märchen], Ku’-damm.

3.1 einige / ein’ge x irdische / ird’sche Güter


Der Apostroph steht heute im Allgemeinen für das ausgelassene -i- der mit -ig
und -isch gebildeten Adjektive und Indefinita:
ein’ge Leute, wen’ge Stunden, heil’ge Eide, ew’ger Bund, ird’sche Güter, märk’sche Hei-
mat usw.

3.2 mozartsche / Mozart’sche Sonaten x heusssche / Heuss’sche Schriften


Ein Apostroph kann bei Ableitungen aus Eigennamen stehen, der Eigenname
wird dann großgeschrieben:
mozartsche / Mozart’sche Sonate
heusssche / Heuss’sche Schriften
grimmsche / Grimm’sche Märchen
schulze-delitzschsches / Schulze-Delitzsch’sches Gedankengut
hannoversche / Hannover’sche Industrie

Die amtliche Regelung der Rechtschreibung spricht hier nicht von Auslas-
sung eines Buchstabens (Mozartsche statt mozartische), sondern setzt ein ei-
genständiges Suffix -sche an. Der Apostroph ist in diesem Fall also kein Aus-
lassungszeichen.

3.3 M’gladbach x Ku’damm


Der Apostroph wird gesetzt, wenn – der Kürze wegen – größere Buchstaben-
gruppen von Namen weggelassen werden:
Lu’hafen (= Ludwigshafen), Borussia M’gladbach (= Mönchengladbach),
D’dorf (= Düsseldorf), Ku’damm (= Kurfürstendamm in Berlin) usw.

3.4 stehen / stehn x gegorener / gegorner Saft x Brettl


Der Apostroph steht nicht, wenn im Wortinnern ein unbetontes -e- wegfällt
und die entstehende Wortform allgemein gebräuchlich ist (↑ Elision):
89 Apostroph

stehn, sehn, befrein; ich wechsle, ich lindre; auf verlornem Posten, gegorner Saft; Ab- A
rieglung, Reglung, Wandrer, Englein; wacklig, wässrig (= wässerig); finstre Gestalten,
edle Menschen; ebnes Gelände; trockner, raschste; unsre, andre usw.
M
Apos

Dies gilt auch für Formen, in denen das e einer Endung weggelassen werden
muss, weil bereits die Grundform auf -ee oder -ie endet:
die Seen, nicht: die Seeen; geschrien, nicht: geschrieen.

Es gilt weiter für Wörter und Namenformen dialektaler Herkunft:


Brettl, Dirndl, Rosl usw.

Bei ungebräuchlichen Auslassungen dagegen setzt man einen Apostroph:


Well’n, g’nug, Bau’r usw.

4 Der Apostroph bei der Bildung des Genitivs


4.1 Grass’ Blechtrommel x Andrić’ Romane
Der Apostroph steht zur Kennzeichnung des Genitivs von Namen, die auf -s,
-ss, -ß, -tz, -z, -x, -ce enden und keinen Artikel o. Ä. bei sich haben:
Hans Sachs’ Gedichte, Le Mans’ Umgebung; Grass’ Blechtrommel; Voß’ bersetzun-
gen; Leibniz’ Philosophie, Bregenz’ Lage; Ringelnatz’ Gedichte; Giraudoux’ Werke, Bor-
deaux’ Hafenanlagen; das Leben Johannes’ des Täufers (↑ Personennamen [2.2.6]);
Anatole France’ Werke; Mendès-France’ Politik.
(aber:) die Gedichte des Hans Sachs, das Leben des Johannes.

Der Apostroph steht heute im Allgemeinen auch zur Kennzeichnung des Ge-
nitivs von Namen, die zwar anders geschrieben werden, aber ebenfalls auf [t ]
oder [ts] enden: 
Andrić’ Romane, Cyrankiewicz’ Staatsbesuch usw.

4.2 Ingeborg Bachmanns Lyrik


Kein Apostroph steht in der Regel vor dem Genitiv-s von Namen, auch nicht,
wenn sie abgekürzt werden:
Ingeborg Bachmanns (nicht: Bachmann’s) Lyrik, I. B.s Lyrik, Brechts Dramen, Bis-
marcks Politik, Hamburgs Hafen, Shelleys Briefe, Angela Merkels Europapolitik usw.

Gelegentlich wird in solchen Fällen ein Apostroph gesetzt, um die Grund-


form eines Namens zu verdeutlichen:
Andrea’s Boutique (zur Unterscheidung vom männlichen Vornamen Andreas), Carlo’s
Taverne, Meyer’s Vinothek usw.
App – Apposition 90

A 5 Der Apostroph bei der Deklination von Abkürzungen


M
App
Der Apostroph steht nicht bei Abkürzungen mit der Genitiv- oder Pluralform
-s (↑ Abkürzungen und Kurzwörter [3]):
des Jh.s, des Pkws, die Lkws, GmbHs usw.

6 Der Apostroph bei Jahreszahlen


Die im angelsächsischen Bereich verbreitete Schreibung der verkürzten Jah-
reszahl mit Apostroph ist im Deutschen nicht üblich:
Im Februar 15 erreichte der Ölpreis einen Tiefpunkt.

App: Das Substantiv App kann als Kurz- applaudieren: Das Verb applaudieren
form von Applikation betrachtet werden steht heute im Allgemeinen nur noch
und hat deshalb meist feminines Genus mit dem Dativ: jemandem applaudieren.
(die App), seltener neutrales (das App). Der Akkusativ gilt als veraltet, ebenso
Appartement / Apartment: ↑ Apart- das persönliche Passiv (Der Künstler
ment / Appartement. wurde applaudiert).

Apposition
Häufig gestellte Fragen zur Apposition

Frage Antwort
In welchen Fällen muss die Apposition (2.1) Kongruenz im Kasus vs. Apposi-
nicht im selben Kasus stehen wie der tion im Nominativ oder Dativ, (2.3) Ap-
Bezugsausdruck? position vs. adverbialer Akkusativ
Heißt es eine Gruppe Neugierige oder (4) Partitive Apposition, Maß-, Mengen-
eine Gruppe Neugieriger, ein Glas guter und Münzbezeichnungen (2.2)
Wein oder ein Glas guten Weines?
91 Apposition

1 Allgemeines A
2
2.1
Lockere Apposition
Kongruenz im Kasus vs. Apposition im Nominativ oder Dativ: Das
M
Appo

Wirken dieses Mannes, eines Vorkämpfers für ... / Das Wirken


dieses Mannes, Vorkämpfer für ...
2.2 Apposition vs. Parenthese: am Ufer der Enns (eines Nebenf lusses / ein
Nebenfluss der Donau)
2.3 Apposition vs. adverbialer Akkusativ: am Mittwoch, dem ... / am Mitt-
woch, den ...
3 Enge Apposition: Magistrat Berlin x Franz Meyer Nachfolger
4 Partitive Apposition: ein Glas Wein / Weines x eine Gruppe Neugieri-
ge / Neugieriger x für 10 Jahre treue Mitarbeit / treuer Mitarbeit
5 Verweise

1 Allgemeines
Unter der Bezeichnung »Apposition« fasst man eine Reihe unterschiedlicher
substantivischer ↑ Attribute zusammen:
– die sogenannte lockere Apposition. Diese Form der Apposition stimmt in
der Regel im Kasus mit dem Bezugsausdruck überein:
Das ist der alte Fritz (Nom.), mein Nachbar (Nom.). Ich habe dem alten Fritz (Dat.),
meinem Nachbarn (Dat.), den Spaten geliehen. Dahinten sehe ich den alten Fritz
(Akk.), meinen Nachbarn (Akk.).

Sie wird »lockere« Apposition genannt, weil sie in der gesprochenen Sprache
stimmlich und in der geschriebenen Sprache durch Kommas vom Bezugsaus-
druck abgesetzt wird. Die lockere Apposition steht nach dem Bezugsaus-
druck.
– die sogenannte enge Apposition. Diese Apposition ist morphologisch
nicht gekennzeichnet:
Präsident Maier, Tante Christa, das Land Hessen.

Diese Art der Apposition wird »enge« Apposition genannt, weil sie weder
stimmlich noch durch Kommas vom Bezugsausdruck abgesetzt wird.
– die partitive Apposition. Hierbei handelt es sich um Nominalgruppen, die
nach Maß-, Mengen-, Behälter und Sammelbezeichnungen stehen:
eine Tasse schwarzer Kaffee, ein Korb frische Äpfel.

Die partitive Apposition stimmt wie die lockere Apposition im Kasus mit
dem Bezugsausdruck überein.
Apposition 92

A 2 Lockere Apposition
M
Appo
2.1 Kongruenz im Kasus vs. Apposition im Nominativ oder Dativ: Das
Wirken dieses Mannes, eines Vorkämpfers für ... / Das Wirken
dieses Mannes, Vorkämpfer für ...
Die lockere Apposition übernimmt prinzipiell den Kasus von ihrem Bezugs-
ausdruck. Diese Grundregel gilt insbesondere dann, wenn die Apposition ein
Artikelwort enthält:
das Wirken dieses Mannes (Gen.), eines Vorkämpfers (Gen.) für die Meinungsfreiheit;
nach Meinung des Parteivorsitzenden (Gen.), des Bundesaußenministers (Gen.)
Schulze, wurde ... Man ernannte eine Frau zur Richterin am Supreme Court (Dat.), ei-
nem Hort (Dat.) amerikanischer Männlichkeit.

Sie steht aber häufig im Nominativ, wenn sie ohne Artikelwort angeschlos-
sen wird. Dies ist besonders dann der Fall, wenn der Bezugsausdruck der Ap-
position ein attributiver Genitiv ist:
das Wirken dieses Mannes (Gen.), Vorkämpfer (Nom.) für die Meinungsfreiheit; nach
Meinung des Parteivorsitzenden (Gen.), Bundesaußenminister (Nom.) Schulze, wurde
die Konferenz ... (↑ Titel und Berufsbezeichnungen [1]).

Sind jedoch Missverständnisse möglich, muss die lockere Apposition ohne


Artikelwort Kasusgleichheit mit dem Bezugsausdruck aufweisen:
der Sohn des Grafen, Günstling des Herzogs (= der Sohn ist Günstling) – der Sohn des
Grafen, Günstlings des Herzogs (= der Graf ist Günstling).

Dagegen muss die Apposition im Nominativ stehen, wenn sie in gehobener


Sprache von ihrem Bezugsausdruck getrennt und zur Hervorhebung voran-
gestellt wird:
In zahlreichen vornehmen Familien ein gern gesehener Gast, betraute man ihn mit
dieser Aufgabe (statt: Ihn, einen gern gesehenen Gast, ...).

Gelegentlich wird die Apposition in den Dativ gesetzt, obwohl der Bezugs-
ausdruck in einem anderen Kasus steht:
Der Preis für Brot, das / dem Grundnahrungsmittel der Bevölkerung, ist gestiegen.
Dies lässt sich am besten am Beispiel Brasiliens, des größten Landes / dem größten
Land des Subkontinents, zeigen.

Der Dativ ist hier eine Art »Ausweichkasus«. Vor allem in komplexen Nomi-
nalgruppen fällt diese Form der Apposition kaum auf, sie gilt aber nicht als
standardsprachlich. Sie kommt auch bei Anschluss mit als vor:
Die Bedeutung des Rheins als internationaler / internationalem Handelsweg ist be-
kannt.
93 Apposition

2.2 Apposition vs. Parenthese: am Ufer der Enns (eines A


Nebenflusses / ein Nebenfluss der Donau) M
Appo
Eine lockere Apposition kann nicht nur durch Kommasetzung vom Bezugs-
ausdruck abgetrennt werden, sondern sie kann auch in Klammern stehen.
Die in Klammern statt in Kommas eingeschlossene Apposition steht im
gleichen Kasus wie der Bezugsausdruck:
Am Ufer der Enns (eines Nebenflusses der Donau) machten sie Rast. Die Sitte, dem
Gast Tee mit Kluntjes (weißem Kandiszucker) zu servieren ... Mit diesem Buch (ihrem
besten Werk) hatte sie auch den größten Erfolg.

Häufig wird jedoch das Eingeklammerte nicht als Apposition, sondern als er-
klärender Zusatz (↑ Parenthese) aufgefasst und in den Nominativ gesetzt.
Während sich die eingeklammerte Apposition wie eine durch Kommas abge-
trennte Apposition syntaktisch in den Satz eingliedert, hat die Parenthese
keine syntaktische Bindung:
Am Ufer der Enns ([ein] Nebenf luss der Donau) machten sie Rast. Die Sitte, dem Gast
Tee mit Kluntjes (weißer Kandiszucker) zu servieren ... Mit diesem Buch (ihr bestes
Werk) hatte sie auch den größten Erfolg.

Diese syntaktische Isolierung einer Parenthese im Nominativ kann durch Ge-


dankenstriche anstelle von Klammern hervorgehoben werden:
Mit diesem Buch – ihr bestes Werk – hatte sie auch den größten Erfolg.

2.3 Apposition vs. adverbialer Akkusativ: am Mittwoch, dem ... / am


Mittwoch, den ...
Bei einer Datumsangabe kann die genauere Angabe zu einem Wochentag als
lockere Apposition realisiert werden. Sie ist in diesem Fall im Kasus kongru-
ent mit dem Bezugsausdruck:
Der Terroranschlag in Paris ereignete sich am Freitag, dem 13. November.

Die Datumsangabe kann aber auch quasi als eigenständige temporale An-
gabe, d. h. als adverbialer Akkusativ, auf die temporale Angabe aus am + Wo-
chentag folgen:
Der Terroranschlag in Paris ereignete sich am Freitag, den 13. November.

Diese Form kann also als eine Art Reihung erklärt werden. Sie ist zwar nicht
unumstritten, in der geschäftlichen Korrespondenz aber durchaus üblich.
Vgl. auch ↑ am Montag, dem / den und ↑ Datum.
Apposition 94

A 3 Enge Apposition: Magistrat Berlin x Franz Meyer


M
Appo Nachfolger
Vor allem Namen werden häufig als Apposition an ihren Bezugsausdruck an-
geschlossen. Dadurch entsteht eine kompaktere Konstruktion, als wenn ein
Genitiv- oder Präpositionalattribut verwendet wird. Der Name oder die Be-
zeichnung erhält dann keine Endung, die den Kasus anzeigt:
der Fall Dreyfus (statt: Dreyfus’ Fall bzw. Fall des Hauptmanns Dreyfus), Medizinische
Hochschule Hannover (statt: in / von / zu Hannover), Magistrat Berlin (statt: Berlins
oder in / von / zu Berlin), Antrag Müller (statt: Müllers Antrag bzw. Antrag des Herrn
Müller), Streitsache Huber–Häberle (statt: von Huber gegen Häberle), die Begegnung
Obama–Putin (statt: zwischen Obama und Putin).
Hierher gehört auch der geübte Brauch, bei Firmennamen oder Geschäftsbe-
zeichnungen Nachfolger / Sohn / Witwe usw. als Apposition hinter den Eigen-
namen zu setzen:
Franz Meyer Nachfolger (= F. Meyers Nachfolger), Hans Allgaier Söhne.
Zu Artikelgebrauch und Deklination in nach Präsident Meiers Ansicht – nach
Ansicht des Präsidenten Meier ↑ Titel und Berufsbezeichnungen (1.2 und 1.3).

4 Partitive Apposition: ein Glas Wein / Weines x eine Gruppe


Neugierige / Neugieriger x für 10 Jahre treue
Mitarbeit / treuer Mitarbeit
Die partitive Apposition nach Maß-, Mengen-, Behälter- und Sammelbe-
zeichnungen steht in direkter Konkurrenz zu anderen Formen partitiver At-
tribute, insbesondere zum partitiven Genitiv. So kann man sowohl sagen
Eine Tasse grüner Tee wird dir guttun (partitive Apposition) als auch Eine
Tasse grünen Tees wird dir guttun (partitiver Genitiv).
Im Gegensatz zum partitiven Genitiv ist die partitive Apposition mit dem
Bezugsausdruck kongruent im Kasus, ändert also den Kasus je nach der Ein-
bindung in den Satz:
Eine Tasse (Nom.) grüner Tee (Nom.) wird dir guttun. Gleich bringe ich dir eine Tasse
(Akk.) grünen Tee (Akk). Mit einer Tasse (Dat.) grünem Tee (Dat.) wird dir bald wieder
besser sein.
Ob der Anschluss im Genitiv oder als kasuskongruente Apposition erfolgt,
hängt vor allem davon ab, ob das Gemessene im Singular oder im Plural steht.
Als Grundregel gilt: Im Plural ist der Genitiv der Normalfall, im Singular die
kasuskongruente Apposition:
Nach einem Vortrag in Buenos Aires im Oktober 1991 habe ihm ein älterer Herr 600
Blatt privater Aufzeichnungen von Adolf Eichmann übergeben (taz). Fein säuberlich
95 Apposition

hat er zu Hause alle seine Gedanken und Argumente auf vier Blatt liniertem Papier no- A
tiert (Kölner Stadtanzeiger).
Dabei lassen viele der Substantive nur den Plural oder singularische Sammel-
M
Appo

bezeichnungen (wie Stroh, Geflügel) zu. Nach Substantiven wie Anzahl,


Gruppe, Bündel, Korb folgt deshalb meist der Genitiv:
Eine bemerkenswerte Anzahl hochkarätiger Stars, die ihm die Treue halten, liefern
den Beweis (Neue Züricher Zeitung). Lavendel wird ein ganzes Bündel positiver Ef-
fekte zugeschrieben (Berliner Zeitung). Die Folge ist, dass der Investor einen Korb ver-
schiedener Anlagestrategien ins Portfolio nehmen wird (Handelsblatt).
Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen partitivem Genitiv und partitiver Ap-
position findet sich bei klar zählbaren Maßangaben wie Dutzend oder Mil-
lion:
Mehr als ein Dutzend ehemalige Parlamentarier sitzen im Gefängnis, weil sie Geld aus
dem Kokainhandel angenommen haben (Süddeutsche Zeitung). Ein halbes Dutzend
anderer Gesetzesvorschläge aber wartet noch auf seinen Beschluss durch den Minis-
terrat (Süddeutsche Zeitung). Eine Million vietnamesischer Soldaten auf beiden Sei-
ten starb zwischen 1965 und 1975 (Süddeutsche Zeitung). Auf eine Million echte No-
ten kommen gerade zwölf Fälschungen (Süddeutsche Zeitung).
Mengenangaben, nach denen das Gemessene auch im Singular stehen kann,
sind z. B. die Behälterbezeichnungen Tasse und Glas; aber auch Substantive
wie Art, Blatt, Block, Zentner, Stück, Menge, Tropfen. Dabei handelt es sich bei
dem Substantiv häufig um ein nicht oder nur bedingt zählbares Substantiv
wie Kaffee, Öl, Geld, Kuchen oder Weizen:
Ein guter Manager fällt bis zu 200 Entscheidungen täglich – die meisten davon falsch
(was gute Manager bei einem Glas Rotem unumwunden zugeben) (Handelsblatt). Es
war der Beginn von einer Art alternativem Untersuchungsausschuss zum »National-
sozialistischen Untergrund« (taz).
Der Genitiv ist bei Angaben im Singular selten. Er wird nur verwendet, wenn
dem Substantiv ein Adjektivattribut vorangeht, und wird als gehoben emp-
funden:
ein Glas Wein / guter Wein / guten Wein[e]s; bei einer Tasse Kaffee / duftendem Kaf-
fee / duftenden Kaffees; mit einer Menge Geld / großem Geld / großen Geldes; bei einem
Stück Kuchen / frischem Kuchen / frischen Kuchens; auf einem Block weißem Pa-
pier / weißen Papier[e]s.

5 Verweise
Zur Deklination des Adjektivs in der Apposition ↑ Adjektiv (1.8); zur Deklina-
tion von Herr in der Apposition ↑ Herr (2c und d); zu Komma und Apposition
↑ Komma (3.3).
April – Armesünderglocke / Arme-Sünder-Glocke 96

A April: ↑ Monatsnamen. arger Sünder. Der Streich war sehr arg.


M
Apri Ar: Die Bezeichnung des Flächenmaßes
wird gewöhnlich als Neutrum verwen-
Groß schreibt man Substantivierungen
wie vor dem Ärgsten bewahren, das
det: das Ar . Doch es kommt auch als Ärgste verhüten, an nichts Arges denken,
Maskulinum der Ar vor. Arges im Sinne haben. Ebenso: Die Dinge
Araber: Die übliche Aussprache ist lagen im Argen. Das Ärgste war, dass ...
[arab ], also mit kurzem Anfangsvokal, ↑ Groß- oder Kleinschreibung (1.2.1).
der betont ist. Besonders in der Schweiz Arg: Das Substantiv ist ein Neutrum. Es
gilt die Aussprache [arab ]. heißt also: Sie fand kein (nicht: keinen)
arabisch: Klein schreibt man das Adjektiv: Arg daran, dass er so spät kam.
die arabischen Ziffern, die arabischen ärgern, sich: Nach sich ärgern wird mit der
Völker, das arabische Vollblut. Groß Präposition über angeschlossen: sich
schreibt man das Adjektiv in ↑ Eigenna- über jmdn. / über etwas ärgern: Wir är-
men: die Arabische Liga, das Arabische gerten uns über ihn. Die Verknüpfung
Meer, Arabische Republik Ägypten, die mit an (sich an jmdm. / an etwas ärgern)
Vereinigten Arabischen Emirate. gilt als veraltet.
arbeiten: Zu du arbeitest ↑ Indikativ (2). Argot: Es kann sowohl das Argot als auch
Arbeit suchend / arbeitsuchend / arbeits- der Argot heißen.
suchend: Es kann Arbeit suchend (wie arm: Klein schreibt man das Adjektiv:
die zugrunde liegende Fügung Arbeit su- arme Leute, arme Ritter (= ein Gericht),
chen) oder arbeitsuchend geschrieben der arme Lazarus usw. Groß schreibt
werden: Arbeit suchende / arbeitsu- man das substantivierte Adjektiv: Die
chende Leute. Nur Zusammenschrei- Arme ist krank. Reiche und Arme freuten
bung ist möglich, wenn ein Kompositum sich darüber. Wir Armen leiden immer
mit Fugen-s gebildet wird: arbeitssu- darunter. Die Kluft zwischen Arm und
chend. Reich (= zwischen Armen und Reichen)
Arbeitsuchende / Arbeit Suchende / Ar- ist sehr groß. Das gilt für Arm und Reich
beitssuchende: Die Substantivierung der (= für jedermann, für alle Menschen,
oder die Arbeitsuchende kann zusam- ohne Unterschied). ↑ Groß- oder Klein-
mengeschrieben werden. Man kann aber schreibung (1.2.1).
auch der oder die Arbeit Suchende wie Arm: Der Gebrauch von Arm im Sinne von
die zugrunde liegende Fügung Arbeit su- »Ärmel« ist aus der Fachsprache des
chen getrennt schreiben. Nur Zusam- Textilgewerbes auch in die Gemeinspra-
menschreibung ist möglich, wenn ein che gedrungen: ein Kleid mit halbem
Kompositum mit Fugen-s gebildet wird: Arm, ein Oberhemd mit langem Arm.
Arbeitssuchende. Armbrust: Der Plural lautet Armbrüste .
Architekt: Das Substantiv Architekt wird Die Pluralform Armbruste kommt nur
in der geschriebenen Standardsprache sehr vereinzelt vor.
schwach dekliniert (↑ Substantiv [1.2.1]), armdick, armlang: Zusammen schreibt
weist also in allen Kasus bis auf den No- man das Adjektivkompositum: Der Ast
minativ die Endung -en auf. Dativ und ist armdick / armlang. Getrennt schreibt
Akkusativ Singular bleiben vereinzelt man, wenn zu Arm noch ein Attribut
auch endungslos: dem/den Architekten / tritt: das einen Arm lange Tau. ↑ Ge-
Architekt. ↑ Substantiv (1.2.3) Zur Dekli- trennt- oder Zusammenschreibung (4.2).
nation in Verbindung mit Herr und / Armesünderglocke / Arme-Sünder-Glo-
oder einem Namen ↑ Herr (2); zur An- cke / Armsünderglocke: Bei Schreibung
schrift ↑ Brief / E-Mail (7). ohne Bindestriche wird folgendermaßen
arg: Klein schreibt man das Adjektiv: ein flektiert: die Arm[e]sünderglocke, we-
97 Armutszeugnis – Artikel, Artikelwörter

gen / mit der Arm[e]sünderglocke; die geschlossen werden, es kann aber auch A
Arm[e]sünderglocken. Bei Flexion des
ersten Bestandteils muss mit Bindestri-
unmittelbar als ↑ Apposition oder (selte-
ner) im Genitiv folgen: Es war der Beginn
M
Arti
chen durchgekoppelt werden: wegen / von einer Art alternativem Untersu-
mit der Armen-Sünder-Glocke; die Ar- chungsausschuss zum »Nationalsozialis-
men-Sünder-Glocken. ↑ Kompositum tischen Untergrund« (taz). Da wurde der
(2.3). Sozialstaat zu einer Art inneren antifa-
Armutszeugnis: Das Kompositum ist nur schistischen Schutzwalls (ZEIT). Im Da-
mit ↑ Fugenelement (2.1) gebräuchlich. tiv wird das attributive Adjektiv manch-
Armvoll / Arm voll: Man kann zusammen- mal schwach flektiert: Das Traditional
oder getrennt schreiben: ein Arm- »Loch Lomond« wurde zu einer Art zwei-
voll / ein Arm voll Holz, zwei Arm- ten Nationalhymne (Mannheimer Mor-
voll / Arm voll Reisig. Aber nur getrennt: gen). Meist wird jedoch stark flektiert: In
sie hatte beide Arme voll Reisig. ↑ Ge- harmonischen Zeiten gerieten die Gipfel
trennt- oder Zusammenschreibung (4.2). zu einer Art gemeinsamer Arbeitssitzung
Aroma: Das Wort hat die Pluralformen (Süddeutsche Zeitung). Zu einem Kon-
Aromen und (vereinzelt:) Aromas. gruenzproblem wie welche Art bungen
Arrhythmie: Das Wort ist mit zwei r zu zu absolvieren ist / sind ↑ Kongruenz
schreiben (griech. arryumı́a). (1.1.3).
Art: An die Fügung eine Art ... kann das Artangabe / Artergänzung: ↑ Umstandsbe-
folgende Substantiv mit von + Dativ an- stimmung.

Artikel, Artikelwörter, Pronomen


Häufig gestellte Fragen zum Artikel

Frage Antwort
In welchen Fällen muss kein Artikel ge- (2) Artikellose Verwendung des Sub-
setzt werden? stantivs
Warum wird das Possessivpronomen (3) Artikelwörter und Pronomen
heute Possessiv genannt?
Wird nach sämtliche stark oder (4) Spezielle Artikelwörter
schwach dekliniert?

Der Artikel tritt gemeinsam mit einem Substantiv auf. Er steht im Deutschen
am Anfang einer ↑ Nominalgruppe. Am Artikel sind die nominalen Katego-
rien Genus, Kasus und Numerus erkennbar. Der Artikel kongruiert (↑ Kon-
gruenz) mit dem Substantiv im ↑ Numerus und ↑ Kasus. Hinsichtlich des Ge-
nus wird er vom Substantiv regiert (↑ Rektion). Er zeigt an, ob etwas Be-
stimmtes oder Unbestimmtes, etwas Spezifisches oder Allgemeines bezeich-
Artikel, Artikelwörter 98

A net wird. Dementsprechend unterscheidet man den bestimmten Artikel der,


M
Arti die, das und den unbestimmten Artikel ein, eine, ein. Dem Artikel lässt sich
in vielen Fällen auch das ↑ Genus des Substantivs entnehmen: der Mann, die
Frau, das Haus. Er wird deshalb manchmal als »Geschlechtswort« bezeich-
net. Dieser Ausdruck ist allerdings irreführend, da sich natürliches Ge-
schlecht (Sexus) und grammatisches »Geschlecht« (Genus) sehr oft unter-
scheiden (z. B. das Mädchen, das Kind).

Maskulinum Femininum Neutrum


Nom. der / ein Tisch die / eine Mütze das / ein Brett
Singular

Gen. des / eines Tisch[e]s der / einer Mütze des / eines Brett[e]s
Dat. dem / einem Tisch der / einer Mütze dem / einem Brett
Akk. den / einen Tisch die / eine Mütze das / ein Brett
Nom. die Tische / Mützen / Bretter
Plural

Gen. der Tische / Mützen / Bretter


Dat. den Tischen / Mützen / Brettern
Akk. die Tische / Mützen / Bretter

1. Bestimmter oder unbestimmter Artikel


Im Allgemeinen steht vor einem Substantiv der unbestimmte Artikel (im
Plural ein Substantiv ohne Artikel), wenn etwas zum ersten Mal genannt,
etwas Unbekanntes eingeführt wird:
Stephans Mutter hat ein neues Auto. Vera hat mir gestern ein Buch geschenkt. Im Gar-
ten standen Bäume.

Demgegenüber ist der bestimmte Artikel in seiner Hauptverwendung


dem in der jeweiligen Sprech- oder Schreibsituation bereits Bekannten
oder Vorerwähnten vorbehalten:
Das Buch, das sie mir geschenkt hat, ist ausgezeichnet. Der Monat Mai ist vielen be-
sonders lieb. Die Bäume im Garten stehen in voller Blüte.

Darüber hinaus kann sowohl durch den bestimmten als auch durch den
unbestimmten Artikel ausgedrückt werden, dass mit einem Substantiv
alle Exemplare einer Gruppe von Lebewesen oder Dingen gemeint sind
(generalisierende Funktion):
Der / Ein Baum ist eine Pflanze. Auch der / ein Mensch ist leider sterblich.

2. Die artikellose Verwendung des Substantivs


Im Allgemeinen ohne Artikel stehen Substantive in folgenden Fällen:
– Abstrakta, die ganz allgemein eine Eigenschaft, einen Zustand oder
Vorgang bezeichnen:
99 Artikel, Artikelwörter

Tugend besteht, Schönheit vergeht. Widerstand ist zwecklos. Er braucht Ruhe. Sie A
hatte Geduld.
M
Arti
– Stoffsubstantive werden ohne Artikel verwendet, außer wenn eine be-
stimmte Sorte gemeint ist:
Deutschland importiert Kupfer. Wasser ist teuer geworden. (Aber:) Dieses Wasser
ist gesünder.
– Zeitausdrücke mit Adjektiv, aber ohne Präposition; präpositionslose
Wochentagsangaben:
Ihre Ausbildung beginnt nächstes Jahr, nächsten Herbst (aber: im nächsten Jahr).
Mitte Oktober, Ende der Woche beginnt die Tagung. Nächsten Dienstag bekommen
wir Besuch. Es wird Winter. Morgen ist Freitag.
– Feste Wendungen, Wortpaare und -gruppen, Aufzählungen, Sprich-
wörter:
Fuß fassen, Widerstand leisten, Frieden schließen, Feuer machen, Atem holen,
Wurzeln schlagen, Verdacht schöpfen, Vertrauen fassen, Hunger haben, Schritt
fahren;
höheren Orts, frohen Mutes, guter Laune sein, schnellen Schrittes über die Straße
gehen;
guten Tag sagen, auf Wiedersehen!, jmdm. frohe Feiertage wünschen;
Mann und Frau, Haus und Hof, Ebbe und Flut, in Form und Inhalt ungenügend,
weder Baum noch Strauch, Woge auf Woge, in Büro und Werkstatt. Der Beruf ist
ihr wichtiger als Privatleben, Familie, Partner und Kinder.
Not kennt kein Gebot. Zeit ist Geld. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
– Angeführte Wörter, Kommandos, Ausrufe, Anreden:
Wie heißt Auto im Italienischen? Das Wort Liebe hat viele Bedeutungen.
Hände hoch! Kopf hoch! Hilfe! Feuer! Er hat gelogen, Chef !
Hallo, Alter! He, Junge!
– ber- und Aufschriften, Titel, Schlagzeilen, Anzeigen:
Saal im Schloss (Szenenanweisung).
Lok wirft Intercity aus Gleis (Schlagzeile).
Zu Wörtern mit wechselndem Artikel (der / die Abscheu) vgl. die einzel-
nen Stichwörter an der entsprechenden Alphabetstelle und unter
↑ Fremdwort (2). Zum Gebrauch des Artikels vor ↑ Verwandtschaftsbe-
zeichnungen ([die] Tante), ↑ Personennamen ([die] Heidrun), ↑ Titeln und
Berufsbezeichnungen ([die] Ministerpräsidentin Schneider), ↑ geogra-
fischen Namen ([der] Iran) und in Verbindung mit ↑ Präpositionen (auf
[die] Jagd gehen, an dem / am, nach dem / nach'm) vgl. die einzelnen Stich-
wörter.
Artikel, Artikelwörter 100

A 3. Artikelwörter und Pronomen


M
Arti Außer von Artikeln im engeren Sinn spricht man auch von Artikelwörtern
und zählt dazu neben den Artikeln solche Wörter, die wie der bestimmte
und der unbestimmte Artikel die nominalen Kategorien Genus, Kasus
und Numerus in einer Nominalgruppe kennzeichnen (dieser Baum, man-
che Stadt, seine Schwester).
Wörter wie der, dieser und manche können also sowohl als Artikelwörter
wie auch als Pronomen verwendet werden. Im Unterschied zu Artikeln
und Artikelwörtern treten Pronomen selbstständig auf. Sie stehen »für
ein Nomen« und wurden deshalb früher auch »Fürwörter« genannt. Da
Wörter wie sein und diese sowohl als Artikelwörter wie auch als Prono-
men verwendet werden können, sind die traditionellen Bezeichnungen
Possessivpronomen und Demonstrativpronomen ungenau. Man verwendet
deshalb heute Termini wie Possessiv[um] und Demonstrativ[um] als Ober-
begriffe, die sowohl den pronominalen Gebrauch wie auch den Gebrauch
als Artikel umfassen.
Die folgende Darstellung bietet eine kurze bersicht über den Gebrauch
der entsprechenden Wörter als Artikel oder Pronomen.

Gebrauch als Artikel Gebrauch als Pronomen


Possessiv Wir treffen uns in eurer Das ist nicht meins! Das ist
mein – unser; dein – Wohnung. Dies macht sie nicht dein Löffel, sondern sei-
euer; sein – ihr für ihre Freundin. Das ist ner.
mein Heft!
Demonstrativ Ja, mit dem Argument über- Dies ist ein guter Einfall. Mit
der, die, das; dieser – zeugst du mich allerdings. denen rede ich nicht mehr! Sie
jener; derjenige; der- Mit diesen Leuten rede ich war noch ganz dieselbe. Ich
selbe nicht mehr! Es passierte an verwende nur das.
jener Kreuzung, an derselben
Kreuzung wie damals.
Relativum (Seltener:) Sie möchte sich Das ist das Buch, das ich dir
(Auswahl:) der, die, die Haare färben lassen, mit empfohlen habe. Das ist die
das; wer, wie, was; welcher Absicht er gar nicht Person, derer er sich annahm.
welcher, welche, wel- einverstanden ist. Das ist alles, was ich weiß.
ches
Interrogativum Welches Buch soll ich neh- Welches ist der bessere Vor-
(Auswahl:) wer, was; men? Was für ein Buch willst schlag? Was für einer kommt
welcher; was für (ei- du kaufen? Was für Leute denn da hergelaufen? Was soll
ner) kennst du? ich nehmen? Wem bist du be-
gegnet?
101 Arzt – Arzt

A
Gebrauch als Artikel Gebrauch als Pronomen
Indefinitum Du musst noch einige Minu- Da kann ja jeder kommen.
M
Arzt

(Auswahl:) man, je- ten warten. Anna kommt Anna kommt mit allen gut aus.
mand, niemand, et- mit allen Leuten gut aus. Man ärgert sich darüber. Das
was, jeder, sämtliche, Daniela trifft sich heute mit ärgert einen. Ich denke mir et-
beide, einige, etliche, irgendwelchen Kolleginnen. was aus.
manche Alles Gute zum Geburtstag!

Zu einzelnen Phänomenen siehe ↑ Possessiv, ↑ Demonstrativ, ↑ Relativpro-


nomen, ↑ interrogative Artikelwörter und Pronomen, ↑ Indefinitprono-
men, Indefinitum.

4. Spezielle Artikelwörter
Als spezielle Artikelwörter wird hier eine Gruppe indefiniter Artikelwör-
ter wie ↑ alle, ↑ beide, ↑ einige, ↑ folgende, ↑ manche, ↑ sämtliche, ↑ solche,
↑ viele, ↑ wenige bezeichnet, die deshalb »speziell« sind, weil aufgrund ih-
res grammatischen Verhaltens nicht immer ganz klar ist, ob sie Artikel-
wörter oder Adjektive sind. Dieser heterogene Status zeigt sich daran,
dass die Adjektive nach diesen Artikelwörtern teils stark, teils schwach
dekliniert werden (↑ Adjektiv [1.5]). So deutet schwache Adjektivdeklina-
tion (manche klugen Leute, der Weg beider Reisenden, sämtliches ge-
druckte Material) darauf hin, dass das vorausgehende Wort den Status ei-
nes Artikels hat. Bei starker Deklination hingegen (manche kluge Leute,
der Weg beider Reisender, sämtliches gedrucktes Material) verhalten sich
die speziellen Artikelwörter wie Adjektive, da sie mit dem darauffolgen-
den Adjektiv parallel flektiert werden (d. h., beide werden entweder
schwach oder stark flektiert; ↑ Adjektiv [1.4]). Dieses prinzipiell schwan-
kende Verhalten der speziellen Artikelwörter erklärt, warum es in diesen
Bereichen zu vielen Zweifelsfällen kommt. Es bedeutet umgekehrt aber
nicht, dass es hier völlige Wahlfreiheit gäbe. So überwiegt z. B. bei sämtli-
che im Nominativ Plural die schwache Deklination (sämtliche alten Bü-
cher), im Genitiv Plural hingegen die starke (sämtlicher alter Bücher).

Arzt: Meine beiden Töchter sind Ärztin- Subjektsprädikativ im Numerus kongru-


nen / (seltener:) Ärztin. Alle drei sind ent sind, ist bei Arzt sein / werden auch
Arzt / Ärzte geworden. Obwohl in Kopu- der Singular üblich. ↑ Kongruenz (1.4.6).
lasätzen im Allgemeinen Subjekt und Zur Anschrift ↑ Brief / E-Mail (7).
Arzt, Ärztin – Atlas 102

A Arzt, Ärztin: Eine verkürzte Schreibung werber« ist Ende der 1970er-Jahre ge-
M
Arzt mit Schrägstrich oder Klammern, die
weibliche und männliche Personen glei-
bräuchlich geworden. Gelegentlich wer-
den damit auch »Asylbewerber« und
chermaßen bezeichnen soll, ist im Falle »Asylberechtigte« ohne die nötige Diffe-
von Arzt und Ärztin wegen des Umlauts renzierung gleichermaßen angespro-
und der unterschiedlichen Flexionsen- chen. In jüngerer Zeit gibt es vermehrt
dungen nicht möglich. In Fällen wie die- Kritik an der Verwendung des Wortes;
sen müssen beide Personenbezeichnun- man ist der Meinung, es sei zu einer Art
gen ausgeschrieben werden. ↑ geschlech- Schimpfwort geworden, und möchte es
tergerechter Sprachgebrauch (2.1). deshalb im Sinne der ↑ Political Correct-
Asch- / Asche- / Aschen-: Die Komposita ness nicht mehr gebrauchen.
mit Asche als Erstglied haben teils kein -at: Von den Fremdwörtern auf -at, die aus
Fugenelement, teils -e (Endung des No- dem Lateinischen, und zwar abgeleitet
minativs Singular) und teils das Fugen- von den auf -atus ausgehenden Masku-
element -en: 1. Aschbecher, Aschkasten, lina, entlehnt sind, werden einige sowohl
aschblond usw. 2. Aschegehalt, Asche- mit maskulinem als auch mit neutralem
fangschieber usw. 3. Aschenbecher , Genus gebraucht, z. B. der / das Episko-
Aschenbahn, Aschenregen, aschenfarbig pat, der / das Pontifikat, der / das Pri-
usw. Eine alte Form ist Aschermittwoch. mat, der / das Prinzipat, der / das Zöli-
↑ Fugenelement. bat.
Ass: Das Substantiv das Ass wird mit zwei atemberaubend / atemraubend: Von den
s geschrieben. beiden bedeutungsgleichen Wörtern ist
Assoziation / Assoziierung: ↑ Nominalstil atemberaubend das allgemein üblichere.
(2.2). Äther / Ether: In der Fachsprache der Che-
assoziieren: Das Verb assoziieren »verbin- mie wird – im Unterschied zu der Ge-
den, verknüpfen, hervorrufen« kann meinsprache – als Bezeichnung für eine
transitiv (mit dem Akkusativ) und dazu bestimmte Verbindungsklasse häufig
auch in Verbindung mit den Präpositio- Ether verwendet. Die Form mit e gilt
nen bei und mit (seltener: zu) gebraucht aber auch in der chemischen Fachspra-
werden: Dieser Name assoziiert [in mir] che nicht für das Adjektiv ätherisch in
liebe Erinnerungen. Mit / Bei der Farbe der Verbindung ätherische Öle, da diese
Schwarz assoziiert man oft Tod und Ver- Öle nichts mit dem chemischen Ether zu
wesung. Der Redakteur assoziierte zu tun haben.
»klammheimlich« sofort »hinterrücks«. -ation / -ierung: Bei der Substantivierung
In Verbindung mit sich kann assoziieren von Verben auf -ieren stehen häufig Bil-
mit dem Dativ oder mit den Präpositio- dungen auf -ation und -ierung neben-
nen mit und an gebraucht werden: sich einander, teils gleichbedeutend, teils in
einer Gemeinschaft assoziieren; sich mit der Bedeutung differenziert. Im Allge-
einer oder an eine Gemeinschaft assoziie- meinen bringen die Bildungen auf -ie-
ren; die der EG assoziierten Staaten; die rung stärker den Vorgang zum Ausdruck
mit der oder an die EG assoziierten Staa- als die Bildungen auf -ation: Konzentrie-
ten. rung – Konzentration, Kanalisierung –
AStA: Das Kurzwort für Allgemeiner Stu- Kanalisation, Restaurierung – Restaura-
dentenausschuss hat den Genitiv des tion. ↑ Nominalstil (2.2).
AStA / AStAs und den Plural die AStA, Atlas: Der Genitiv Singular lautet des At-
die AStAs und die ASten . las oder des Atlasses, der Plural die At-
Asylant: Diese Bezeichnung für »Asylbe- lanten , auch: die Atlasse.
103 Attribut

Attribut A
M
Attr
1. Allgemeines
Attribute sind nähere Bestimmungen zu Substantiven (das alte Haus, das
Haus dort), aber auch zu Pronomen (keine von beiden), Adjektiven (außer-
ordentlich schöne Tage) und Adverbien (ein Schmerz tief innen). Attribute
zu Substantiven kommen mit Abstand am häufigsten vor. Attribute sind
ein geeignetes Mittel, um den Geltungsbereich eines Substantivs einzu-
schränken: das Auto bezeichnet eine unendlich große Menge an Autos.
Mit dem Attribut das grüne Auto ist der Geltungsbereich schon einge-
schränkt. Durch das Attribut das Auto mit dem Kennzeichen KS-Y 1392
wird genau klar, welches Auto gemeint ist. Vor diesem Hintergrund ist es
gut nachvollziehbar, dass von der Möglichkeit der Attribution sowohl in
der Alltagssprache als auch in spezielleren Kommunikationsbereichen
umfassend Gebrauch gemacht wird. Gerade in Bereichen wie in der Fach-
und Wissenschaftssprache, in der Amts- und Verwaltungssprache sowie
im juristischen Sprachgebrauch tragen Attribute stark zum ↑ Nominalstil
bei.
Attribute werden nach ihrer Form klassifiziert. Die wichtigsten Attribut-
typen sind:
– Adjektivattribute: bunte Blumen, eine eindrucksvolle Rede, katastro-
phale Folgen;
– Partizipialattribute: aufgebrachte Bürger, schreibende Frauen, ein ge-
glückter Versuch (↑ Partizip und Partizipialgruppe);
– ↑ Genitivattribute: Petras Imbiss, der Süden Europas, die Hauptstadt
der Mongolei;
– Präpositionalattribute: der Traum von einem eigenen Zuhause, das
Verhältnis zwischen Männern und Frauen;
– Attributsätze: die Unfähigkeit, zu trauern; die Schmerzen, die ich im
Rücken spüre (↑ Relativsatz); die Hoffnung, dass es regnet.
Auch ↑ Appositionen können als eine Form des Attributs betrachtet wer-
den: am Montag, dem 13. Juli; die Stellung des Landes als wichtiger Han-
delspartner.
Ob ein Attribut voran- oder nachgestellt ist, hängt von der Art des Attri-
buts ab. Adjektiv- und Partizipialattribute sind bis auf wenige Ausnah-
men (↑ pur) immer vorangestellt, Präpositionalattribute und Attribut-
sätze immer nachgestellt. Genitivattribute werden meist vorangestellt,
Attribut 104

A wenn es sich um artikellose Eigennamen handelt: Petras Imbiss, Frank-


M
Attr reichs Weine, sonst fast nur noch nachgestellt (↑ Genitivattribut [2.1]):
das erstaunte Gesicht der glücklichen Petra, die Weine des modernen Frankreichs, die
Unterzeichnung des Vertrags.

2. Komplexe Attributionen: die Genehmigung zum Ausbau der Richtlinien zur


Raumgestaltung
Attribute können insbesondere deshalb zum Nominalstil beitragen, weil
sie selbst wieder erweitert werden können und dadurch maßgeblich am
Ausbau von ↑ Nominalgruppen beteiligt sind:
das beantragte Sonderprüfungsverfahren → das im August 2001 von Happel beim
Amtsgericht Frankfurt beantragte Sonderprüfungsverfahren;
die Genehmigung zum Ausbau → die Genehmigung zum Ausbau der Richtlinien → die
Genehmigung zum Ausbau der Richtlinien zur Raumgestaltung.

Die Beispiele zeigen, dass einerseits Erweiterungen zu Partizipialattribu-


ten zu komplexen Strukturen führen können, andererseits aber auch dem
Substantiv nachgestellte Attribute selbst wieder Attribute an sich binden
können. Von solchen Möglichkeiten komplexer Attribution wird vor al-
lem dann Gebrauch gemacht, wenn im Rahmen entsprechender Kommu-
nikationsbereiche wie Amts- und Fachsprache der Nominalstil gegenüber
dem Verbalstil bevorzugt wird. Allerdings sind den Ausdrucksmöglich-
keiten im nominalen Bereich Grenzen gesetzt, d. h. , nicht alles, was man
in Sätzen mit Verben ausdrücken kann, kann man auch im Nominalstil
realisieren:
Der Boss war seit 2004 flüchtig und stand auf der Liste der 30 meistgesuchten Mafiosi
des Innenministeriums in Rom (Hellweger Anzeiger 2008, aus: Hohlspiegel).

Wenn mehrere Genitivattribute aufeinanderfolgen, ist das folgende Geni-


tivattribut dem vorangehenden untergeordnet. Das heißt, es gibt keine
Möglichkeit, mehrere Genitivattribute gleichrangig auf ein Substantiv zu
beziehen. Deshalb können hier nicht sowohl der 30 meistgesuchten Ma-
fiosi als auch des Innenministeriums Genitivattribute zu Liste sein. Das
Genitivattribut des Innenministeriums in Rom wäre also Attribut zu Ma-
fiosi, was sicherlich nicht der Intention des Autors entspricht.

3. Koordinierte Attribute: in Gegenwart des Versicherungsnehmers, seiner Ehe-


frau, Herrn Müllers von der Firma X sowie des Unterzeichners
Bei mehreren Attributen, die nicht alle im Genitiv stehen, kann ebenfalls
ein Unterordnungsverhältnis entstehen (der Mann mit dem alten Hut aus
Stroh). Es können sich aber auch mehrere Attribute auf ein Substantiv be-
105 attributiv – auch im Namen ...

ziehen: der Mann aus Spanien mit dem alten Hut; der Mann mit dem alten A
Hut und dem neuen Fahrrad. Durch Konjunktionen wie und oder sowie
können mehrere Attribute gleichen Typs verknüpft (= koordiniert) wer-
M
auch

den. Dabei kann es auch zu längeren Aufzählungen kommen:


die Besichtigung erfolgte in Gegenwart des Versicherungsnehmers, seiner Ehefrau,
Herrn Müllers von der Firma X sowie des Unterzeichners.

Durch ihre Länge wird diese Attribution unübersichtlich, sodass das Be-
dürfnis entstehen könnte, das letzte Glied der Koordination in den Dativ
zu setzen (dem Unterzeichner). In der geschriebenen Standardsprache gilt
aber die Grundregel, dass nur Attribute gleichen Typs koordiniert wer-
den.
Wenn Attributkoordinationen auch noch mit anderen komplexen Attri-
buten kombiniert werden, wird es nicht nur schwierig, überall die korrek-
ten Endungen zu setzen, sondern es wird auch schwierig, die Nominal-
gruppe zu verstehen:
Die Lieferungen erfolgen unter Zugrundelegung unserer Allgemeinen Geschäftsbedin-
gungen sowie der auf der Preisliste angeführten Lieferbedingungen.

Solche komplexen Attribute kann man auflösen:


Den Lieferungen liegen unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen zugrunde sowie
die Lieferbedingungen, die auf der Preisliste angeführt sind.

4. Verweise
Zu Attributen zu Komposita ↑ Kompositum.
Zur Deklination von Adjektivattributen ↑ Adjektiv. Zu Besonderheiten
des Partizipialattributs ↑ Partizip und Partizipialgruppe.
Zu Typen und Stellung des Genitivattributs ↑ Genitivattribut. Zu satzför-
migen Attributen ↑ Relativsatz. Zu Apposition und als-Apposition ↑ Appo-
sition, ↑ als.

attributiv: Das Wort bedeutet »in der ten, wie ich sie im Traum gesehen habe
Rolle eines Attributs«; ↑ Attribut. (Vergleichssatz). Das geschah zu der
Attributsatz: Unter einem Attributsatz Zeit, als man noch zu Pferde ritt (Tempo-
versteht man einen Nebensatz in der ralsatz).
Rolle eines Attributs: Diejenigen Hunde, auch im Namen ...: 1. Komma: ↑ Komma
die bellen, beißen nicht (Relativsatz). Die (3.3).
Ungewissheit, ob sie kommt, beunruhigt 2. Kongruenz: In Sätzen wie Ich sage auch
mich (indirekter Fragesatz). Die Voraus- im Namen meiner Frau unseren Dank
sage, dass die Wirtschaft wächst, trifft zu wird mit dem Possessivartikel im Plural
(Inhaltssatz). Oft erschienen mir Gestal- ausgedrückt, dass das Subjekt als plura-
auch wenn – auf / um 106

A lisch aufgefasst wird: Wir (= meine Frau steht auf die Frage »wohin?« häufig
M
auch und ich) sagen ... Aus grammatischer
Sicht ist auch meinen Dank möglich.
nicht in, sondern auf oder zu: Ich gehe
aufs / zum Rathaus, auf die / zur Post,
auch wenn: Das Komma vor auch wenn aufs / zum Amtsgericht, auf die / zur Wa-
steht wie vor dem einfachen wenn, wenn che. Aber: Ich gehe auf / in mein Zimmer,
beide Wörter gemeinsam eine Konjunk- aufs / ins Gymnasium. Gehst du schon in
tion bilden: Er freut sich über jede Nach- die / zur Schule? Auch auf die Frage
richt, auch wenn du ihm nur eine Karte »wo?« steht hier gewöhnlich auf, nicht
schreibst. Ist aber das auch betont, dann in: Ich habe noch etwas auf dem Rathaus,
gehört es zum Hauptsatz, und das auf der Post, auf dem Bürgeramt zu erle-
Komma steht vor wenn: Er freut sich digen. Aber: Wie gefällt es dir denn auf
auch, wenn du ihm nur eine Karte dem / im Gymnasium / in der Schule? In
schreibst. Verbindung mit Länder- und Städtena-
auf: 1. Rektion: Die Präposition auf kann men steht auf die Frage »wo?« die Prä-
mit dem Dativ oder mit dem Akkusativ position in (in England, in Paris), bei In-
verbunden werden, je nachdem, ob die selnamen steht auf (auf Sylt, auf der Mai-
Präpositionalgruppe eine Ortsangabe nau), bei Inselnamen, die zugleich Län-
(Dativ) oder eine Richtungsangabe (Ak- dernamen sind, kann auf oder in stehen
kusativ) darstellt: Ich sitze auf dem Stuhl. (auf / in Jamaika). ↑ in / nach / zu / bei.
Ich setze mich auf den Stuhl. Er baute die 2. auf / in Deutsch / Englisch ...: ↑ deutsch
Geschenke auf dem Tisch auf. Er legte die (3).
Geschenke auf den Tisch. Die Entschei- auf / offen: Während auf in Verbindung
dung für Dativ oder Akkusativ kann im- mit Verben den Vorgang des Auseinan-
mer dann eindeutig getroffen werden, dergehens, Sichöffnens oder die Tätig-
wenn eine Orts- oder Richtungsangabe keit des Öffnens ausdrückt (aufgehen,
im konkreten (wörtlichen) Sinne vor- -platzen, -brechen, -drehen), bedeutet of-
liegt. Zweifelsfälle treten hingegen bei fen »geöffnet, nicht geschlossen oder
Verben mit abstrakterer Bedeutung auf, verschlossen«; es drückt das Ergebnis
z. B. ↑ bestehen, ↑ verschwinden. des Öffnens aus und steht dementspre-
2. Rechtschreibung: Getrennt schreibt chend bei Zustandsverben: offen stehen,
man das selbstständige Adverb: ... wäh- offen bleiben, offen lassen, offen sein. – In
rend sie auf und ab gingen. Getrennt der Umgangssprache ist diese Unter-
schreibt man auch auf sein: Soll die Tür scheidung allerdings weitgehend aufge-
auf sein? Muss das Kind jetzt noch auf geben worden. Neben aufgehen und auf-
sein? Bist du gestern noch lange auf ge- machen werden auch aufstehen, auf blei-
wesen? Zusammen schreibt man, wenn ben, auflassen, auf sein usw. gebraucht,
auf Verbzusatz ist: Der Mond wird bald in denen auf wie offen den bleibenden
aufgehen. Wir werden heute auf- und ab- Zustand bezeichnet. Diese Entwicklung
steigen. Groß schreibt man die Substan- ist so weit gegangen, dass auf in salop-
tivierung: Das ständige Auf und Ab ließ per Umgangssprache (ebenso wie ↑ zu)
ihn gleichgültig. Es war ein ewiges Auf als attributives Adjektiv verwendet wird:
und Nieder. ↑ Getrennt- oder Zusammen- eine aufe Flasche, ein aufes Fenster. ↑ Ad-
schreibung (1.3), ↑ aufhaben, ↑ auf sein, verb (1).
↑ Groß- oder Kleinschreibung (1.2). auf / um: In Fällen, bei denen es um ein Er-
auf / an: ↑ an / auf. höhen oder Senken, ein Aufwerten oder
auf / für / zu: ↑ Aufgaben auf / für /zu. Abwerten o. Ä. geht, bezieht sich die
auf / in / zu: 1. Vor den Bezeichnungen von Präposition auf auf das Ergebnis, den
Behörden und anderen Dienststellen Endwert u. dgl. , die Präposition um be-
107 aufbauen – Aufforderungssatz

zieht sich dagegen auf das, worum etwas In älteren Texten wird das Verb auch als A
zu- oder abnimmt, erhöht oder gesenkt
wird. Die Dividende wurde um 5 % erhöht
Präfixverb gebraucht: Eine zur Herr-
schaft gelangte Gruppe von Menschen
M
Auff
besagt, dass die Dividende jetzt 5 % auferlegt den anderen einfach die Vor-
mehr beträgt als vorher. Wie hoch sie ge- schriften und Grundsätze (Musil). ↑ Verb
nau ist, geht daraus nicht hervor. Die Di- (3); Partikelverb.
vidende wurde auf 5 % erhöht besagt da- auf es / darauf: ↑ Pronominaladverb (4 und
gegen, dass die Dividende jetzt 5 % be- 5).
trägt, aber nicht, um wie viel Prozent sie Auffahrts-: Die Komposita mit Auffahrt
erhöht worden ist. Nicht korrekt: Die sind mit Fugen-s gebräuchlich, z. B. Auf-
Gebühren wurden von 3,– EUR auf fahrtsrampe und Auffahrtsstraße.
10,– EUR, also um mehr als das Dreifache ↑ -fahrt[s]-, ↑ Fugenelement.
erhöht. Richtig: Die Gebühren wurden auffallen: 1. Rechtschreibung: Da Verbzu-
von 3,– EUR auf 10,– EUR, also um mehr sätze grundsätzlich vom Rest der Verb-
als das Doppelte (oder: auf mehr als das form trennbar sind (auffällt – fällt auf)
Dreifache ) erhöht. und manche Eigenschaften selbstständi-
aufbauen: Bei aufbauen auf steht heute ger Wörter bewahrt haben, werden sie
üblicherweise der Dativ, weil mit dem gelegentlich wie Satzglieder vor die fi-
folgenden Nominalausdruck ein Ort nite Verbform ins Vorfeld gestellt. Sie
(wörtlich oder übertragen) bezeichnet werden dann getrennt geschrieben, bei
wird (Frage: wo?): Geschenke auf dem auffallen z. B. Auf fällt, dass ... ↑ Partikel-
Präsentiertisch aufbauen; ein System auf verb (4.1).
einer Annahme auf bauen. 2. Präposition: Nach auffallen wird ge-
auf das / darauf: ↑ Pronominaladverb (4 wöhnlich mit der Präposition durch an-
und 5). geschlossen: Er fiel durch seinen Fleiß,
aufdrängen / aufdringen: ↑ drängen / drin- durch sein sonderbares Benehmen auf.
gen. Neben durch ist in einigen Fällen die
Aufdruck: Der Plural lautet die Aufdrucke. Präposition mit möglich: Er fiel überall
↑ Druck. durch seine hohe Stimme / mit seiner ho-
aufeinander: Man schreibt aufeinander hen Stimme auf.
mit dem folgenden Verb zusammen, Aufforderung: Der Genitiv in Sätzen wie
wenn die Betonung nur auf dem a von Die Aufforderung der Politiker wurde
aufeinander liegt: Die Autos sind aufei- nicht beachtet kann missverständlich
nandergeprallt. Du kannst die Pullover sein (die Politiker fordern selbst zu et-
˙
aufeina nderlegen. Liegt eine zweite Be- was auf, oder sie werden aufgefordert);
tonung ˙ auf dem Verb, so schreibt man ↑ Genitivattribut (1.5.1). Soll gesagt wer-
getrennt: Sie wollen aufeinander achten. den, dass eine Aufforderung an die Poli-
Die Wissenschaftlerinnen werden˙ ˙sich tiker ergangen ist, so bietet sich als ein-
aufeinander beziehen. Beide Seiten ha- deutiger Ausdruck die / seine / ihre Auf-
ben sich ˙ in entscheidenden Punkten auf- forderung an die Politiker an.
einander zubewegt. ↑ Getrennt- oder Zu- Aufforderungssatz: Der Aufforderungssatz
˙ 
sammenschreibung (1.3). drückt eine Aufforderung oder Bitte,
auferlegen: Das Verb auferlegen wird in eine Anweisung oder einen Befehl aus
der Regel als Partikelverb verwendet, (↑ Imperativ). In Aufforderungssätzen
d. h. , die Verbpartikel auf- in auferlegen mit Imperativ steht das Verb in Erstposi-
wird in den finiten Formen im Allgemei- tion. Eine Aufforderung kann aber auch
nen vom Verb getrennt und nachgestellt: mit anderen Mitteln ausgedrückt wer-
Man erlegte mir eine harte Prüfung auf . den: (Verb des Aufforderns:) Ich wün-
aufführen, sich – aufgrund / durch 108

A sche, fordere, verlange, dass das ge- Artikel oder Attribut wird mit von ange-
M
auff schieht! (Modalverb:) Ihr müsst sofort
aufstehen! (Infinitiv:) Langsam fahren!
schlossen: Er wurde aufgrund / auf
Grund zahlreicher Indizien verurteilt,
Einsteigen! (Indikativ Präsens:) Du siehst aber: Er wurde aufgrund / auf Grund von
dich vor! Es zieht! (= Mach bitte das Indizien verurteilt. Es geschah auf-
Fenster zu!) Der Aufforderungssatz wird grund / auf Grund von Nachlässigkeit
häufig durch ein ↑ Ausrufezeichen abge- und Unachtsamkeit.
schlossen, sonst mit einem ↑ 1 Punkt: aufgrund deren / derer / dessen: Verbin-
Folge ihr! Fangen wir jetzt an! Aber: Ver- dungen aus der Präposition aufgrund
gleiche Artikel 15. Bitte geben Sie mir das und den Genitivformen
Buch. Er rief ihr zu, sie solle sich nicht deren / derer / dessen werden immer ge-
sorgen. In aneinandergereihten Auffor- trennt geschrieben: der Haftbefehl, auf-
derungssätzen wird der Aufforderung grund dessen er festgenommen worden
mehr Nachdruck verliehen, wenn man war; die Tatsachen, aufgrund deren /
das Anredepronomen Sie im zweiten derer wir vermuten ...
Teil nicht einspart: Bitte schnallen Sie aufgrund / durch / infolge / von / vor / we-
sich an und stellen Sie das Rauchen ein ! gen / zufolge: Diese kausalen Präpositio-
(statt: ... und stellen das Rauchen ein!) nen werden häufig nicht richtig verwen-
↑ Satzarten. det oder verwechselt: 1. aufgrund (auf
aufführen, sich: Das Substantiv nach sich Grund): Der dieser Präposition folgende
aufführen wie (oder als) steht heute im Nominalausdruck bezeichnet die Grund-
Nominativ (nicht im Akkusativ): Er lage für das Eintreten eines Sachver-
führte sich wie ein Narr auf. Er führt sich halts. Ohne diese Grundlage würde der
als großer Schlaumeier auf. Sachverhalt nicht eintreten: jmdn. auf-
Aufführung: ber die Fügung zur Auffüh- grund bestimmter Aussagen verhaften.
rung gelangen ↑ gelangen. Aufgrund der Tatsache, dass ... Es kann
Aufgaben auf / für / zu: Man sagt: Aufga- daher weder einen Sachgrund direkt be-
ben für , seltener auch zu Dienstag auf- zeichnen (wie durch) noch die Quelle für
haben. Keine [Schul]aufgaben für den , eine Angabe einführen (wie nach, laut,
seltener zum 3. Februar aufhaben usw. gemäß). Also nicht: Aufgrund des Blitz-
Der Gebrauch von auf in diesem Zusam- schlages wurde das Haus zerstört, son-
menhang ist regionalsprachlich. dern: Durch den Blitzschlag ... Nicht:
aufgehen: Im Sinne von »seine Erfüllung Aufgrund seiner Aussage wurden ihm
finden, mit jmdm. / etwas eins werden« 100  entwendet, sondern: Laut seiner
wird aufgehen in mit dem Dativ verbun- Aussage ... Nicht: Aufgrund amtlicher
den: in den Kindern, in der Familie, im Erhebungen wurden fast 10 kg Fleisch je
Beruf aufgehen. Sie wollte nicht in der Kopf der Bevölkerung verzehrt, sondern:
Masse aufgehen. Ebenso: Eine Zahl geht Gemäß / Laut amtlichen Erhebungen ...
in einer anderen auf, d. h. , es bleibt kein 2. Durch gibt ein Mittel oder Werkzeug
Rest. Bedeutet aber aufgehen in »sich in als Ursache an (Instrumental). Die Ver-
etwas auflösen, in etwas übergehen«, knüpfung der Sachverhalte ist unmittel-
dann steht es mit dem Akkusativ: in bar: Durch den Blitzschlag wurde das
blauen Dunst, in weiße Dämpfe aufgehen. Haus zerstört. Wir haben durch die Zei-
Das Pulver ging in duftenden Schaum auf. tung von dem Unglück erfahren. Also
aufgrund / auf Grund: Beide Schreibungen nicht: Durch den Kälteeinbruch werden
sind korrekt (↑ Verblassen des Substan- wir den Saisonstart verschieben müssen,
tivs). Die Präposition steht gewöhnlich sondern: Wegen / Infolge des Kälteein-
mit dem Genitiv; ein Substantiv ohne bruchs ... Nicht: Diese Anthologie, her-
109 aufhaben – Aufnahme- / Aufnahms-

ausgegeben durch O. Meyer, sondern: ... hängt. Es heißt also: Ich hängte (verein- A
herausgegeben von O. Meyer . ↑ Passiv (2).
3. Infolge weist mittelbar auf den zu-
zelt: hing) die Wäsche auf. Ich habe die
Wäsche aufgehängt (vereinzelt: aufge-
M
Aufn
rückliegenden Grund. Der ihm folgende hangen). ↑ hängen (2).
Nominalausdruck bezeichnet einen aufhauen: ↑ hauen.
Sachverhalt, nicht aber eine Sache oder Aufheben: In der Wendung [nicht] viel
eine Person: Infolge dichten Schneetrei- Auf hebens machen ist Aufhebens ein al-
bens konnte die Maschine nicht starten. ter partitiver Genitiv (↑ Genitivattribut
... so leicht war er infolge seiner Abmage- [1.2]), der außerhalb solcher festen Wen-
rung geworden (Nigg). Also nicht: Infolge dungen kaum noch gebräuchlich ist.
des genossenen Weines schwankte er hin Hier kann statt des Genitivs der Akkusa-
und her, sondern: Wegen des genossenen tiv stehen: Sie machten von dem Missge-
Weines ... schick nicht viel Aufhebens / Aufheben.
4. Von deutet auf den Täter oder den Ur- aufhören: 1. Die Verwendung von sich in
heber eines Sachverhalts (auf das Agens) der umgangssprachlichen Wendung Da
hin. Es steht deshalb in der Passivkon- hört [sich] doch alles auf ist eine regio-
struktion: Er wurde von ihr gelobt. Ich nalsprachliche Ausdrucksweise, die
bin von Eifersucht gepeinigt. Die Brücke möglicherweise auf gelegentlichen refle-
ist von Soldaten gesprengt worden. ↑ Pas- xiven Gebrauch des spätmittelhochdeut-
siv (2). schen ufhœren zurückgeht.
5. Vor nennt in festen Verbindungen den 2. Wenn auf hören mit einer Infinitiv-
Auslöser für das Bestehen eines Zustan- gruppe verbunden ist, kann man das
des und insbesondere den Stimulus für Komma setzen oder weglassen: Er hörte
physisch-psychische Zustände: vor Kälte endlich auf, den Vorgesetzten zu spie-
zittern, vor Sauberkeit glänzen, starr vor len / Er hörte endlich auf den Vorgesetz-
Schreck; vor Sorge keinen Schlaf finden, ten zu spielen. ↑ Komma (5.1.4). Das
vor Hunger umkommen. Komma muss jedoch gesetzt werden,
6. Wegen bezeichnet den Sachgrund wenn ein Wort auf die Infinitivgruppe
ganz allgemein, ohne Rücksicht auf zeit- hinweist: Er hörte endlich damit auf, den
liche Verknüpfung: Er wurde wegen des Vorgesetzten zu spielen. ↑ Komma (5.2).
Mangels an Beweisen freigesprochen. We- aufladen: ↑ 1 laden.
gen Umbau ist das Geschäft geschlossen. auflauern: Das Verb wird standardsprach-
Seiner Gläubigkeit wegen begegnet man lich mit dem Dativ verbunden: Er hat
ihm mit Respekt. ihm auf dem Heimweg aufgelauert. Der
7. Zufolge kann anstelle von gemäß oder Akkusativ ( jemanden auflauern) ist re-
laut stehen. Im Unterschied zu infolge ist gional- bzw. umgangssprachlich.
zufolge seinem Nominalausdruck in der auflösen, sich: Im Sinne von »sich zertei-
Regel nachgestellt (↑ Postposition): Einer len, zergehen« wird sich auflösen in mit
internen Regelung zufolge darf er das Fa- dem Dativ verbunden: Die Tablette löst
brikgelände nicht mehr betreten. sich in lauwarmem Wasser auf. Bedeutet
aufhaben: Das Verb aufhaben wird im In- aber sich auf lösen »in etw. übergehen,
finitiv (einen Hut auf haben), im Parti- sich in etw. verwandeln«, steht es mit
zip II (sie hat einen Hut aufgehabt) und dem Akkusativ: Wolken lösen sich in
im Nebensatz (weil sie einen Hut aufhat) prasselnden Regen auf.
zusammengeschrieben. ↑ Getrennt- oder auf’m, auf’n: ↑ Apostroph (1.2), ↑ Präposi-
Zusammenschreibung (1.3). tion (1.2.1).
aufhängen: Die Stammformen von auf- Aufnahme- / Aufnahms-: Statt der Kompo-
hängen lauten: hängte auf, hat aufge- sita mit Aufnahme- wie aufnahmefähig,
Aufnahmefähigkeit – aufschrecken 110

A Aufnahmeprüfung u. a. werden in Öster- zeichnet wird: Das Flugzeug prallte auf


M
Aufn reich entsprechende Formen mit Fu-
gen-s (aufnahmsfähig, Aufnahmsprüfung
das Wasser / auf dem Wasser auf und
zerschellte. Der Dativ kommt seltener
u. a.) gebraucht. ↑ Fugenelement. vor.
Aufnahmefähigkeit: Zur Beurteilung von aufrecht: Getrennt vom folgenden Verb
Fügungen wie die Aufnahmefähigkeit der schreibt man aufrecht im Sinne von »ge-
Luft für Wasserdampf ↑ Kompositum rade, in aufrechter Haltung«: Er soll auf-
(2.4). recht sitzen. Ich konnte mich nicht mehr
Aufnahmeprüfung: In Fügungen wie die aufrecht halten. Zusammen schreibt
Aufnahmeprüfung ins Gymnasium wird man, wenn aufrecht in Verbindung mit
fälschlicherweise das Präpositionalattri- dem Verb die Bedeutung »bestehen las-
but (ins Gymnasium) vom Zweitglied sen, an etwas festhalten« hat: Er wird
(-prüfung) statt vom Erstglied (Auf- seine Meinung aufrechterhalten. Sie ver-
nahme-) abhängig gemacht. Richtig suchte den Kontakt, die Verbindung, ihre
muss es heißen: die Prüfung zur Auf- Ansprüche aufrechtzuerhalten. Getrennt
nahme ins Gymnasium . ↑ Kompositum oder zusammen kann man schreiben:
(2.4). Die Hoffnung hat sie bis zuletzt aufrecht
aufnehmen: Nach jmdn. / etwas aufnehmen gehalten / aufrechtgehalten. ↑ Getrennt-
in / unter / auf ... steht fast immer der oder Zusammenschreibung (1.3).
Akkusativ, vereinzelt auch der Dativ: Je- aufrunden / abrunden: ↑ abrunden / auf-
der neue Gast wurde so in seine Familie runden.
aufgenommen (Süddeutsche Zeitung). aufs: Diese Verschmelzung aus auf und
Der Dativ wird nur vereinzelt gebraucht: das wird ohne Apostroph geschrieben.
Als jemand, der glaubt, er müsse den ar- ↑ Apostroph (1.2); ↑ Präposition (1.2.1).
men Europäern helfen, dass sie in einer Aufsatzgliederung: ↑ 1 Punkt (2).
Familie aufgenommen werden (taz). aufschlagen: 1. In der Bedeutung »sich er-
aufoktroyieren: Die Neigung, fremde Ver- höhen, teurer werden« wird das Perfekt
ben durch den Gebrauch deutscher von aufschlagen meistens mit haben ,
Verbpartikeln zu verdeutlichen, zeigt seltener mit sein gebildet: Die Preise ha-
sich auch bei aufoktroyieren, das die ben / (seltener:) sind aufgeschlagen. Wie-
Verbpartikel auf- von Verben wie auf- der hatte / (seltener:) war die Butter auf-
zwingen und aufdrängen übernommen geschlagen. ↑ Tempus (3).
hat. Diese Mischbildung wird im ge- 2. Bei aufschlagen auf kann der Dativ
schriebenen Standard seltener ge- oder der Akkusativ stehen, je nachdem,
braucht als das einfache, aber für viele ob der Ort, an dem etwas aufschlägt,
schwerer verständliche fremde Verb ok- oder die Richtung bezeichnet wird: Er ist
troyieren, das schon allein dasselbe be- beim Sturz mit dem Kopf auf die / auf der
deutet wie aufoktroyieren. ↑ Partikelverb Bordkante aufgeschlagen. Das Flugzeug
(4.2). schlug auf der Wasseroberfläche / auf die
Aufprall: Nach Aufprall auf kann sowohl Wasseroberfläche auf. ↑ Rektion (4).
der Akkusativ als auch der Dativ stehen: aufschrecken: Bei dem intransitiven Verb
Die Maschine explodierte beim Aufprall aufschrecken lauten die Stammformen
auf das Wasser / auf dem Wasser. Der schreckte / (auch:) schrak auf, ist aufge-
Dativ kommt seltener vor. schreckt: Er schreckte / schrak aus seinen
aufprallen: Nach aufprallen auf kann so- Gedanken auf. Die Rehe waren aufge-
wohl der Akkusativ als auch der Dativ schreckt. Das transitive Verb hat die For-
stehen, je nachdem, ob der Ort, an dem men schreckte auf, hat aufgeschreckt: Ein
etwas aufprallt, oder die Richtung be-
111 aufsehenerregend / Aufsehen erregend – Auftrag

Geräusch schreckte ihn auf. Er hatte das wendet werden: Dies festzustellen sei A
Wild aufgeschreckt.
aufsehenerregend / Aufsehen erregend:
nun Aufgabe der Regierung von Oberbay-
ern als aufsichtsführende Instanz (Süd-
M
Auft
Beide Schreibungen sind zugelassen: ein deutsche Zeitung). Tut er dies aber nicht,
aufsehenerregender / Aufsehen erregen- sollte die aufsichtführende Behörde ein-
der Fall. Die Fügung wird jedoch immer geschaltet werden (taz). ↑ Fugenelement.
zusammengeschrieben, wenn sie durch Auch die Getrenntschreibung der / die
ein Adverb näher bestimmt wird: ein äu- Aufsicht Führende ist korrekt.
ßerst aufsehenerregender Fall. Die Zu- Aufsichtsrat[s]-: Zusammensetzungen mit
sammenschreibung gilt auch dann, Aufsichtsrat haben im Allgemeinen ein
wenn die Fügung als Ganzes gesteigert Fugen-s: Aufsichtsratsvorsitzende[r], Auf-
wird: Es trat ein noch aufsehenerregende- sichtsratssitzung, Aufsichtsratsmitglied
rer Fall ein. ↑ Getrennt- oder Zusammen- und Aufsichtsratsvergütung. Ohne Fu-
schreibung (3.1.1). gen-s steht Aufsichtsratsteuer. ↑ Fugen-
auf sein : Es wird in allen Formen getrennt element.
geschrieben, also auch im Infinitiv und aufspalten: ↑ spalten.
im Partizip II: Die Kranke ist gestern aufspielen, sich: Bei sich aufspielen
schon auf gewesen (ugs.). Das Fenster als / wie steht heute der dem als oder wie
muss auf sein. Ich weiß nicht, ob die Tür folgende Nominalausdruck im Nomina-
auf war.↑ Getrennt- oder Zusammen- tiv, d. h. , er wird auf das Subjekt bezo-
schreibung (1.6). gen: Er spielte sich auf wie ein Narr.
aufseiten / auf Seiten: Beide Schreibungen Glaub nicht, dass ich mich vor dir als der
sind korrekt. Die frühere Schreibung auf Gerechte aufspielen möchte (Musil). Der
seiten gilt nicht mehr. ↑ Verblassen des Akkusativ ist hier veraltet (Er spielte sich
Substantivs. als Helden auf). ↑ als (6).
aufsetzen: Bei transitivem Gebrauch steht aufständisch / aufständig: Die Form auf-
aufsetzen auf üblicherweise mit dem Ak- ständig ist veraltet. ↑ -ig / -isch / -lich (3).
kusativ, weil eine Richtung bezeichnet aufstützen: Bei [sich] aufstützen auf steht
werden soll: ein Stockwerk, den Dach- gewöhnlich der Akkusativ, selten der
stuhl auf das Haus aufsetzen. Das Pro- Dativ: Die Ellenbogen auf den (selten:
gramm setzt auf die vorhandene Software dem) Tisch aufstützen. ↑ Rektion (4).
auf. Der Pilot setzte die Maschine sicher aufteilen: Bei aufteilen in steht der Akku-
auf die Piste auf. Bei intransitivem Ge- sativ (nicht der Dativ): Die Spieler wur-
brauch steht meist der Dativ, seltener den in zwei große Gruppen aufgeteilt. Der
der Akkusativ: Das Flugzeug setzte sanft Teppich ist in gleich große Felder aufge-
auf dem Boden / (seltener:) auf den Bo- teilt.
den auf. Das Beiboot setzte hart auf dem Auftrag: 1. Auftrag über / auf: Im Ge-
Wasser / (seltener:) aufs Wasser auf. schäftsverkehr ist es üblich, Auftrag mit
↑ Rektion (1). der Präposition über zu verbinden: ein
Aufsicht: Nach Aufsicht wird gewöhnlich Auftrag über Maschendraht. Daneben
mit der Präposition über angeschlossen: kommt aber auch der Anschluss mit auf
Sie hat die Aufsicht über die Schulklasse. vor: Wir haben Ihren Auftrag auf Liefe-
Er führt die Aufsicht über die Bauarbei- rung von 10 Schreibtischen erhalten.
ten. 2. die erteilten Aufträge: In bestimmten
Aufsicht[s]führende / Aufsicht Führende: Zusammenhängen wird Auftrag pleo-
Das Kompositum wird als Adjektiv und nastisch mit dem Partizip II erteilt ver-
als Substantiv gebraucht und kann in bunden: Wir danken Ihnen für den erteil-
beiden Fällen mit oder ohne Fugen-s ver- ten Auftrag statt lediglich: ... für den Auf-
auftragen – aus 112

A trag . ↑ Partizip und Partizipialgruppe selbst nicht klar. ↑ Pronominaladverb (4


M
auft (2.1).
auftragen: Bei auftragen auf kann sowohl
und 5).
Aufweis / Aufweisung: ↑ Nominalstil (2).
der Akkusativ als auch der Dativ stehen. aufwenden: Die Formen des Präteritums
Häufiger ist der Akkusativ (Frage: wo- und des Partizips II lauten sowohl wen-
hin?), weil meist eine Richtung bezeich- dete auf, aufgewendet als auch wandte
net wird: Sie trug die Salbe auf die (sel- auf, aufgewandt: Er wendete / wandte
tener: auf der) Wunde auf. sein ganzes Geld auf, um ihm zu helfen.
auftreffen: Nach auftreffen auf steht der Sie hatte sehr viel Mühe dafür aufgewen-
Akkusativ : Kleine Meteoriten trafen auf det / aufgewandt. Die schwachen Formen
das Raumschiff auf. Der Dativ ist selte- sind häufiger.
ner: Nur wenige Sekunden, nachdem er aufwendig / aufwändig: Man kann das
auf dem Boden aufgetroffen ist, wird der Adjektiv mit e (zu aufwenden) oder mit ä
Blitz registriert und gespeichert (Süd- (zu Aufwand) schreiben.
deutsche Zeitung). aufwerfen, sich: Das reflexive Verb sich
Auftreten / Auftritt: ↑ Nominalstil. aufwerfen wird mit zu verbunden: sich
Auf und Ab: Die Substantivierung (↑ auf zum Richter / zum Vormund aufwerfen.
[2]) bleibt im Genitiv meist ohne Flexi- Aufzählung: Unter einer Aufzählung ver-
onsendung: des ewigen Auf und Ab über- steht man die Aneinanderreihung
drüssig sein (selten: des ewigen Auf und gleichartiger und gleichwertiger Satz-
Abs ...). teile. Zur Zeichensetzung bei Aufzäh-
auf Urlaub / im Urlaub / in Urlaub: ↑ Ur- lungen, Tabellen, Listen, Gliederungen
laub. u. Ä. ↑ Komma (3.1), ↑ 1 Punkt (2), ↑ Dop-
aufwändig / aufwendig: ↑ aufwendig / auf- pelpunkt (2), ↑ Semikolon (3).
wändig. Augenblick: In dem Augenblick, wo ...
aufwärts: Man schreibt aufwärts mit dem ↑ da / wo.
folgenden Verb zusammen, wenn die Augenzeuge: Wenn Augenzeuge Prädikativ
Betonung nur auf dem Verbzusatz liegt: ist, steht es in der Regel im Plural: Drei
Wir sind zwei Stunden lang nur auf- SPIEGEL-Journalisten waren Augenzeu-
wärtsgegangen. Mit dem Unterneh- gen der Katastrophe in New York (Spie-
men / ihrer Gesundheit wird es wieder gel). Manchmal wird aber auch der Sin-
aufwärtsgehen. Wir wollen von hier aus gular verwendet: 22.500 fanatische Fans
aufwärtsfahren. Getrennt wird das (am wurden Augenzeuge eines denkwürdigen
Kontrastakzent erkennbare) selbststän- Skispringens (Freie Presse). ↑ Kongruenz
dige Adverb geschrieben: Wir wollen auf- (1.4.7).
wärts gehen, nicht fahren. ↑ Getrennt- Augsburger: Die Einwohnerbezeichnung

oder Zusammenschreibung (1.3), wird immer großgeschrieben, auch wenn
↑ -wärts. das Wort als flexionsloses Adjektiv vor
auf was / worauf : Die Verbindung auf + einem Substantiv steht: ein Augsburger
was (Auf was stützt sich Ihre Annahme?) Kennzeichen, die Augsburger Bevölke-
kommt nicht nur in der gesprochenen, rung. ↑ Einwohnerbezeichnungen auf -er
sondern auch in der geschriebenen Stan- (7).
dardsprache in Fragesätzen vor. In der August: ↑ Monatsnamen.
geschriebenen Standardsprache domi- aus: 1. Rechtschreibung: Getrennt schreibt
niert hier jedoch eindeutig der Gebrauch man aus in den Wendungen bei jmdm.
des Pronominaladverbs worauf: Worauf aus und ein gehen »verkehren« und nicht
stützt sich Ihre Annahme? Doch worauf aus und ein / weder aus noch ein wissen
genau sie warten, ist den Beteiligten oft »ratlos sein«: Die Typen, die ständig bei
113 aus aller Herren Ländern / aus aller Herren Länder – auseinander

ihr aus und ein gingen, gefielen ihm ausbezahlen / auszahlen: Die Bedeutungen A
nicht. Es sind arme Menschen, die weder
ein noch aus wissen. Anders ist es bei der
»einen Geldbetrag aushändigen« und
»finanziell abfinden« haben ausbezahlen
M
ause
zusammenfassenden Verbindung von und auszahlen gemeinsam: Gehälter,
Verben mit dem Verbzusatz aus-, wo ein Prämien, ein Erbteil ausbezahlen / aus-
↑ Bindestrich (1.1) gesetzt werden muss: zahlen; Teilhaber, Erben ausbezah-
die ausgehenden und eingehenden / die len / auszahlen. Dagegen kann im Sinne
aus- und eingehenden Sendungen; tief von »entlohnen« standardsprachlich nur
ausatmen und tief einatmen / tief aus- auszahlen gebraucht werden: Die Saison-
und einatmen. Getrennt schreibt man arbeiter wurden ausgezahlt und entlas-
aus sein: Das Licht muss um 10 Uhr aus sen. Auch in reflexivem Gebrauch gilt
sein. Er wird wohl auf die Belohnung aus nur auszahlen: Verbrechen zahlen sich
sein. Sie sind gestern aus gewesen. ↑ Ge- nicht aus.
trennt- oder Zusammenschreibung (1.3). ausbleichen: ↑ bleichen.
Groß schreibt man die Substantivierung ausbreiten: Nach ausbreiten auf steht
das Aus: Der Ball ging ins Aus / ist im meist der Dativ, weil der Ort, an dem et-
Aus. Der Schiedsrichter pfiff Aus. was ausgebreitet wird, bezeichnet ist:
2. aus ... heraus: Verstärkendes heraus die Decke auf dem Rasen, eine Straßen-
kann nur zu loseren Gefügen aus karte auf dem Tisch ausbreiten. Bei sich
aus + Substantiv hinzutreten (aus einer ausbreiten über kommt auch die Rich-
Notlage, aus einer Laune heraus), nicht tung ins Spiel, daher kommen sowohl
aber zu festen Verbindungen wie aus Er- der Dativ als auch der Akkusativ vor:
fahrung, aus Liebe. Nebel breitete sich über dem / über das
3. aus / von: Länder- und Städtenamen Land aus. Im Sinne von »sich über etwas
stehen als Herkunftsangaben mit der weitschweifig äußern« steht sich aus-
Präposition aus, besonders wenn mit ih- breiten über nur mit dem Akkusativ:
nen der Lebensbereich oder Geburtsort Stundenlang breitete er sich über die
eines Menschen gemeint ist: Ich komme Schädlingsbekämpfung aus.
aus Stuttgart, bin aus Bayern. Sie ist aus aus dem / daraus: ↑ Pronominalad-
Sachsen. Die Präposition von (ich bin verb (4).
von Mannheim) ist in dieser Verwen- ausdienen: ↑ ausgedient.
dung regionalsprachlich. Jedoch wird Ausdruck: 1. In der Bedeutung »Wort, Be-
von mit Städtenamen gelegentlich dann zeichnung« hat Ausdruck den Plural die
verbunden, wenn es um die Angabe ei- Ausdrücke, in der Bedeutung »fertig ge-
nes (kürzlich) verlassenen Aufenthalts- drucktes Werk, ausgedruckter Text« den
ortes geht: Ich komme gerade aus Stral- Plural die Ausdrucke. ↑ Druck.
sund / von Stralsund. 2. Zu zum Ausdruck bringen ↑ Nominal-
aus aller Herren Ländern / aus aller Herren stil.
Länder : Heute wird im Allgemeinen die auseinander: Man schreibt auseinander
unflektierte Form aus aller Herren Län- mit dem folgenden Verb zusammen,
der gebraucht. ↑ Substantiv (1.2.3). wenn die Betonung nur auf dem a von
ausbaufähig: ↑ -fähig. auseinander liegt: Das Bündnis wird
ausbedingen: Das Verb kann in allen For- auseinanderbrechen. Die Schülerinnen
men stark konjugiert werden, jedoch werden˙ auseinandergesetzt. Sie müssen
wird heute fast nur das Partizip II ver- ˙
sich mit dem Thema auseinandersetzen.
wendet: Sie hat sich ausbedungen, dass Liegt eine zweite Betonung˙auf dem
nichts von den Vorfällen in die Presse ge- Verb, so schreibt man getrennt: Die bei-
langt. ↑ bedingen. den Theorien sind auseinander hervorge-
˙ 
auseinanderklappbar – ausgenommen 114

A gangen. ↑ Getrennt- oder Zusammen- 2. Zu zur Ausführung gelangen ↑ gelan-


M
ause schreibung (1.3).
auseinanderklappbar: Dieses Adjektiv
gen.
ausgedient, ausgelernt: Diese Partizipien
wird zusammengeschrieben. können auch attributiv gebraucht wer-
auserkoren: ↑ kiesen / küren. den: ein ausgedienter Kinderwagen, ein
Ausfahrt[s]-: Einige Komposita mit Aus- ausgelernter Bäcker. Vgl. aber ↑ Partizip
fahrt haben meist ein Fugen-s: Aus- und Partizipialgruppe (2.1).
fahrtsschild, Ausfahrtsstraße. Bei ande- ausgenommen: 1. Stellung und Rektion:
ren schwankt der Gebrauch stärker: Aus- Das dem Wort ausgenommen vorange-
fahrt[s]erlaubnis, Ausfahrt[s]gleis, Aus- stellte Substantiv (die Bezeichnung der
fahrt[s]weiche. Meist ohne Fugen-s steht: ausgenommenen Person oder Sache)
Ausfahrtsignal. ↑ -fahrt[s]-. ↑ Fugenele- steht meist im Akkusativ, weil ausge-
ment nommen bei dieser Stellung noch als
Ausfall von Lauten: ↑ Elision. Partizip II des Verbs ausnehmen anzuse-
Ausflucht: ↑ Flucht. hen ist, das den Akkusativ regiert. Die
ausführen / durchführen: Das Verb aus- Konstruktion entspricht dann einer ge-
führen bedeutet »etwas [auftragsge- wöhnlichen Partizipialkonstruktion: Ich
mäß] verwirklichen, erledigen«, es be- muss dem ganzen Buch widersprechen,
tont gegenüber durchführen mehr, dass den Schluss ausgenommen. (Entspre-
das erwartete Ergebnis, der weisungs- chend: Sie stand da, den Arm ausge-
gemäß herzustellende Zustand usw. er- streckt.) Der Nominativ steht bei dieser
reicht wird. Dagegen richtet durchfüh- Konstruktion nur, wenn auch das zuge-
ren den Blick mehr auf das Organisato- hörige vorangehende Wort diesen Kasus
rische einer erforderlichen Tätigkeit, aufweist: Alle sind da, er (veraltet: ihn)
bei der etwas verwirklicht und zu Ende ausgenommen. Demgegenüber ist die
gebracht werden soll. In manchen Fäl- Nachstellung des Substantivs ein Zei-
len kann man beide Verben einsetzen: chen dafür, dass ausgenommen nicht
Es sind regelmäßige Messungen und mehr als Partizip, sondern als Konjunk-
Prüfungen auszuführen / durchzuführen. tion anzusehen ist, die auf die Deklina-
Die Vorschriften für die Ausfüh- tion des Substantivs keinen Einfluss hat.
rung / Durchführung der Messungen Das Substantiv wird dann vom Verb des
sind auf der Karte angegeben. Ebenso Satzes regiert: Ich muss dem ganzen
kann man ein Vorhaben, eine Aufgabe, Buch widersprechen, ausgenommen dem
Arbeit, Operation, Untersuchung, Ana- Schluss.
lyse, einen Plan, Beschluss ausführen 2. Zeichensetzung: Wenn ausgenommen
oder durchführen. Aber Bauten z. B. als Konjunktion im Sinne von »außer«
kann man nur ausführen, nicht durch- gebraucht wird, steht immer ein Komma
führen lassen. Ebenso nur: eine Bestel- davor: Alle sind da, ausgenommen er. Sie
lung, einen Befehl, Auftrag, Entschluss, kommt bestimmt, ausgenommen es reg-
Weisungen ausführen. net. Ich muss dem ganzen Buch wider-
Ausführungen: 1. In bestimmten Zusam- sprechen, ausgenommen dem Schluss. In
menhängen wird Ausführung pleonas- den Fügungen ausgenommen dass und
tisch mit dem Partizip II gemacht ver- ausgenommen wenn braucht vor dass
bunden: Die [vom Vorsitzenden] gemach- oder wenn kein zusätzliches Komma ge-
ten Ausführungen beeindruckten die Zu- setzt zu werden: Er ist ganz nett, ausge-
hörer statt: Die Ausführungen [des Vor- nommen[,] dass er gern übertreibt. Sie
sitzenden] ... ↑ Partizip und Partizipial- kommt bestimmt, ausgenommen[,] wenn
gruppe (2.1). es regnet.
115 ausgeruht – Ausklammerung

ausgeruht: Das Wort gehört zu den For- Ableitungen von dieser Bestimmung A
men des Partizips II, die aktivischen Sinn
bekommen haben und zu Adjektiven ge-
aus, sodass gilt: du [um]gibst, er
[um]gibt, [um]gib!, aber: ausgiebig, ergie-
M
Ausk
worden sind, weil sie prädikativ mit sein big usw.
verbunden werden können: Der Wande- 2. ausgiebig / ergiebig: Ursprünglich be-
rer hat sich ausgeruht. – Der Wanderer ist zeichnete ausgiebig etwas, was gut aus-
ausgeruht. – Der ausgeruhte Wanderer. gibt, d. h. reichen Ertrag, Gewinn gibt:
↑ Partizip und Partizipialgruppe (2.1). eine ausgiebige Sorte. Dieses Fett ist sehr
ausgiebig: 1. Schreibung: Das lange i in den ausgiebig. In dieser Bedeutung veraltet
mit geben zusammenhängenden Formen ausgiebig; an seine Stelle ist ergiebig ge-
und Ableitungen wurde früher mit ie ge- treten. Heute wird ausgiebig gewöhnlich
schrieben: (du giebst, er giebt, ausgiebig, verstärkend im Sinne von »reichlich,
ergiebig, nachgiebig u. a.). Als 1901 auf recht viel« verwendet: Sie macht ausgie-
der staatlichen Rechtschreibkonferenz big vom Recht auf freie Meinungsäuße-
die i-Schreibung für verbindlich erklärt rung Gebrauch.
wurde, nahm man die adjektivischen Aushängeschild: ↑ Schild.

Ausklammerung
Man spricht von Ausklammerung, wenn ein Satzglied oder ein Attribut, das
auch in der ↑ Verbalklammer stehen könnte, nach deren schließendem Teil in
das ↑ Nachfeld des Satzes rückt.
Formulierungen ohne Ausklammerung:
Susanne sucht für ihren Freund ein Geschenk aus. Susanne hat für ihren Freund ein
Geschenk ausgesucht. ... dass Susanne für ihren Freund ein Geschenk aussucht.

Formulierungen mit Ausklammerung:


Susanne sucht ein Geschenk aus für ihren Freund. Susanne hat ein Geschenk ausge-
sucht für ihren Freund. ... dass Susanne ein Geschenk aussucht für ihren Freund.

1 Vorkommen und Varianten der Ausklammerung


Traditionell gelten Ausklammerungen als grammatisch oder stilistisch mar-
kiert (d. h. auffällig) bzw. – bei sehr konservativer schulgrammatischer Be-
trachtung – sogar als nicht korrekt. Im heutigen Deutsch kommen sie aber
auch standardsprachlich vor. Sie sind keineswegs unkorrekt und werden
nicht nur in der gesprochenen, sondern auch in der geschriebenen Standard-
sprache verwendet.
Ausgeklammert werden können z. B. adverbial verwendete Präpositional-
gruppen:
Ausklammerung 116

A Wir haben dort Urlaub gemacht im letzten Sommer. Neben: Wir haben dort im letzten
M
Ausk Sommer Urlaub gemacht.

Auch attributive Infinitivgruppen und Attributsätze lassen sich ausklam-


mern:
Sie hat die Gewohnheit beibehalten, vor dem Frühstück zu joggen. Neben: Sie hat die
Gewohnheit, vor dem Frühstück zu joggen, beibehalten.
Man ließ die Nachricht verbreiten, dass er gestorben sei. Neben: Man ließ die Nach-
richt, dass er gestorben sei, verbreiten.
Hier stehen wissenschaftliche Analysen im Vordergrund, die mit aktuellen For-
schungsarbeiten abgeglichen werden. Neben: Hier stehen wissenschaftliche Analysen,
die mit aktuellen Forschungsarbeiten abgeglichen werden, im Vordergrund.

Zudem können auch einfache Infinitive mit zu ausgeklammert werden:


Danach fing sie bitterlich an zu weinen. Neben: Danach fing sie bitterlich zu weinen
an. Danach fing sie an, bitterlich zu weinen.

Bei adverbialen Infinitivgruppen mit um zu ist die Ausklammerung ebenfalls


möglich:
Schon immer sind Menschen ins Ausland gegangen, um eine bessere Arbeit zu finden.
Neben: Schon immer sind Menschen, um eine bessere Arbeit zu finden, ins Ausland
gegangen.

Auch Ausdrücke, die mit wie oder als eingeleitet werden, lassen sich aus-
klammern:
Sie sieht wirklich aus wie ihre Mutter. Neben: Sie sieht wirklich wie ihre Mutter aus.
Er hat mehr Geld verdient als sein Vater. Neben: Er hat mehr Geld als sein Vater ver-
dient.

Zu den Satzgliedern, die in der Regel nicht ausgeklammert werden, gehören


vor allem nominale Subjekte und Objekte. Formulierungen wie diese sind in
der geschriebenen Standardsprache nicht korrekt:
Gestern hat uns besucht der Onkel. Ich kann wirklich gut leiden unseren neuen Mitar-
beiter.

2 Funktionen der Ausklammerung


Funktional betrachtet, werden Ausklammerungen häufig verwendet, um
Sätze übersichtlich zu gliedern und damit das Verstehen zu erleichtern oder
um einzelnen Satzgliedern Gewicht zu geben. Im Einzelnen gilt Folgendes:
1. Besonders umfangreiche Satzglieder werden gern ausgeklammert, um
den Hörenden oder Lesenden das vollständige Prädikat nicht zu lange vorzu-
enthalten:
117 Ausklammerung

Der Einfluss der Kunst dauert jedoch fort in der Gefühlsstruktur des Publikums, der A
großen und der kleinen Diktatoren, der demokratischen Politiker und Regierungsleute.
Vgl.: Der Einfluss der Kunst dauert jedoch in der Gefühlsstruktur des Publikums, der
M
Ausk

großen und der kleinen Diktatoren, der demokratischen Politiker und Regierungs-
leute fort.

In einzelnen Fällen bietet es sich aus Verständlichkeitsgründen sogar an, be-


sonders umfangreiche nominale Subjekte oder Objekte auszuklammern:
Auf Gleis 3 fährt gleich ein der verspätete Intercity 2374 nach Hamburg über Göttingen,
Hannover, Celle, Uelzen und Lüneburg. Vgl.: Auf Gleis 3 fährt gleich der verspätete In-
tercity 2374 nach Hamburg über Göttingen, Hannover, Celle, Uelzen und Lüneburg
ein.

2. Einzelne Satzglieder können ausgeklammert werden, wenn man sie


nachtragen will, z. B., um sie besonders hervorzuheben:
Viel Zeit ging verloren bei der Suche. Ich habe lange gewartet auf diesen Brief. Sie kann
einfach nicht froh sein über ihren Erfolg. Wir haben mit unseren Freunden gefeiert den
ganzen Abend lang.

3 Ähnliche Phänomene
Ein mit der Ausklammerung verwandtes, aber doch von ihr abzugrenzendes
Phänomen sind Aussage-Referenz-Strukturen, auch ›Rechtsversetzungen‹
genannt. Dabei wird das, was in der Aussage z. B. durch ein Pronomen be-
zeichnet wird, durch eine Nominalgruppe wieder aufgegriffen. Die Nominal-
gruppe referiert dann noch einmal deutlicher auf etwas oder jemanden. Es
findet also eine Dopplung statt:
Ich kann ihn wirklich gut leiden, unseren neuen Mitarbeiter.

Aussage-Referenz-Strukturen kommen vor allem im Gesprochenen häufig


vor und sind dort als standardsprachlich einzustufen. Sie werden im Münd-
lichen benutzt, um Aussage und Referenz (Bezugnahme) voneinander zu
trennen, was für den Adressaten eine Verständnishilfe sein kann. Zum Bei-
spiel kann das Subjekt oder Objekt (oft in Verbindung mit einer Zeigegeste)
dadurch hervorgehoben werden:
Könnte ich mir das vielleicht ausleihen, das Buch da?

Da es sich bei diesen Formen also eher um gesprochensprachliche Phäno-


mene handelt, die im Mündlichen die oben genannte Funktion der Trennung
von Aussage und Referenz erfüllen können, ist der Terminus Aussage-Refe-
renz-Struktur treffender als die geläufigere Bezeichnung Rechtsversetzung,
die ausschließlich an der schriftlichen Realisierung orientiert ist. Aussage-
ausklingen – Auslaut 118

A Referenz-Strukturen kommen zwar auch im Geschriebenen vor, sind dort je-


M
ausk doch in vielen Fällen stilistisch auffällig. In bestimmten Bereichen der Pres-
sesprache (z. B. im Feuilleton) sind sie allerdings durchaus üblich:
So öde wie befürchtet ist es dann aber gar nicht, das freizeitreiche Rentnerdasein
(Süddeutsche Zeitung).
Ein Naturfreund ist er nicht, der hessische Ministerpräsident (taz).
Zwei Monate später lag er auf dem OP-Tisch und hatte das neue Organ in der Brust,
OP gut verlaufen, Patient stabil, und dann schlug es nicht, das neue Herz (Der Spie-
gel).

ausklingen: In konkreter Bedeutung wird Satzteilen oder Sätzen zu bezeichnen.


das Perfekt von ausklingen mit haben Mit Auslassungszeichen also: »Ich heiße
oder sein gebildet: Der Ton war / hatte Paul!«, schloss er seinen Bericht ... und
ausgeklungen. Wenn das Verb übertra- schritt ... hinaus. Ohne Auslassungszei-
gen im Sinne von »enden« gebraucht chen: »Ich heiße Paul!«, schloss er seinen
wird, ist dagegen nur sein möglich: Alles Bericht, den er mit lexikalischer Sachlich-
ist in eine freundliche und versöhnliche keit gab, lächelte gewinnend, machte ei-
Stimmung ausgeklungen. Seine Rede war nen gezierten, ironischen Diener und
in der Mahnung ausgeklungen ... ↑ Tem- schritt mit steigenden, gleichwie aufgezo-
pus (3). genen Schritten vogelartig hinaus (Erhart
Auslad: ↑ Nominalstil. Kästner). Hinter den Auslassungspunk-
Auslands-: Komposita mit Ausland als ten steht kein besonderer Satzschluss-
Erstglied werden im Allgemeinen mit punkt: Ehen werden im Himmel geschlos-
↑ Fugenelement geschrieben: Aus- sen ... Aber mit Klammern: Sie erinnerte
landsabteilung, Auslandsbeziehungen, sich an die Redensart (Ehen werden im
Auslandsgeschäft, Auslandsschule Himmel geschlossen ...). Der Schluss-
usw. punkt eines vorangehenden Satzes darf
Auslassung: ↑ Ellipse. nicht in die Auslassungspunkte einbezo-
Auslassungspunkte: Drei Auslassungs- gen werden: Der Kontokorrentkredit
punkte werden gesetzt, wenn eine Rede wird ... als gedeckter Kredit gewährt.
abgebrochen oder ein Gedankenab- ... ein Kredit, der in laufender Rechnung ...
schluss verschwiegen wird: Der Horcher zur Verfügung gestellt wird. Dasselbe gilt
an der Wand ...; Sie sagte: »Am besten für den Abkürzungspunkt: Frankfurt
wäre es, ich würde ...«; »Du bist ein ver- a. M. ...
dammtes A... !«, brüllte er. (Vor und nach Auslassungssatz: ↑ Ellipse.
den Auslassungspunkten lässt man den Auslassungszeichen: ↑ Apostroph.
normalen Wortzwischenraum, wenn sie Auslassung von Lauten: ↑ Elision.
für ein oder mehrere Wörter stehen. Bei auslaufen: Bei auslaufen in steht fast im-
Auslassung eines Wortteils schließt man mer der Akkusativ, nicht der Dativ, weil
sie unmittelbar an den Rest des Wortes in der Regel eine Richtung bezeichnet
an.) Die Auslassungspunkte stehen fer- ist: Der Krug läuft in einen engen Hals
ner bei Zitaten, um die Weglassung von aus.
entbehrlichen Wortteilen, Wörtern, Auslaut: Der Auslaut ist der Laut, mit dem
119 auslernen – Ausrufezeichen

ein Wort oder eine Silbe endet. ↑ Aus- Auspuff-Flamme. ↑ Zusammentreffen A


sprache (4).
auslernen: ↑ ausgedient, ausgelernt.
dreier gleicher Buchstaben.
ausreichend: ↑ Zensuren.
M
Ausr
aus’m: ↑ Apostroph (1.2), ↑ Präposition ausringen / auswringen: ↑ auswrin-
(1.2.1). gen / ausringen.
ausmünden: Bei ausmünden in kann der Ausrufesatz: Im Ausrufesatz wird ein
Akkusativ oder der Dativ stehen: Der Sachverhalt mit besonderem Nachdruck
Gang mündet in ein Gewölbe / in einem versehen. Das Finitum (die Personalform
Gewölbe aus. des Verbs) kann dabei an zweiter, erster
ausnutzen / ausnützen: Neben ausnutzen oder letzter Stelle stehen: Du hast aber
ist, besonders in Süddeutschland, in der lange Skier! Hast du aber lange Skier!
Schweiz und in Österreich, die umgelau- Wie schön das alles ist! Das übliche
tete Form ausnützen gebräuchlich. ↑ Ausrufezeichen steht nicht, wenn der
Auspuffflamme: Das Kompositum aus Ausrufesatz ein Nebensatz ist: Sie rief
Auspuff und Flamme wird mit drei f ge- ihm zu, wie schön es heute sei. ↑ Satz-
schrieben. Es kann ein Bindestrich ge- arten.
setzt werden: Auspufff lamme , auch: Ausrufewort: ↑ Interjektion.

Ausrufezeichen
Das Ausrufezeichen gehört zu den Schlusszeichen. Es steht nach Sätzen so-
wie nach Wortgruppen und Wörtern, die als vollständige Äußerungen fun-
gieren. Das Ausrufezeichen dient dazu, einer Äußerung besonderen Nach-
druck zu verleihen. Im Einzelnen gilt:

1. Das Ausrufezeichen steht nach Interjektionen:


Ach! Oh! Au! Na! Hallo! Pfui! Buh! Ahoi! Pst! Brr! – Na! Na!

Liegt kein Nachdruck auf der einzelnen Interjektion, dann tritt das Aus-
rufezeichen ans Ende des Gesamtausdrucks:
Na, na, na! Doch, doch! Ach, das ist schade!

2. Das Ausrufezeichen steht in der Regel nach Aufforderungs-, Wunsch- und


Ausrufesätzen sowie vergleichbaren Ausdrücken:
Komm sofort zurück! Nehmen Sie doch bitte Platz und fühlen Sie sich wie zu Hause!
Hätte ich ihm doch nicht geglaubt! Rauchen verboten! Einfahrt frei halten! Bitte nicht
stören! Einsteigen! Ruhe!
Kein Wunder! Das hätte ich nicht gedacht! Achtung! Kein Kommentar! Vertraulich!
Vorsicht, bissiger Hund! Guten Tag! Guten Appetit! Alles Gute! (In Fragesatzform:)
Wie lange soll ich denn noch warten! Was erlauben Sie sich!
Ausrufezeichen 120

A Abhängige Aufforderungs- und Ausrufesätze (Nebensätze) und solche


M
Ausr ohne besonderen Nachdruck werden ohne Ausrufezeichen geschrieben:
Man befahl ihm, sofort zu kommen. Sie wünschte, alles wäre vorbei.
Vergleichen Sie die Anmerkung 5 auf Seite 60. Geben Sie mir bitte das Buch.

3. Das Ausrufezeichen steht nach der Anrede bei Reden und Ansprachen
(zur Anrede im Brief ↑ Brief / E-Mail [4]):
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!
Sie alle sind dazu aufgerufen, ...
Verehrte Frau Vorsitzende, meine Damen und Herren!
Es ist mir eine Ehre ...

4. Das Ausrufezeichen steht eingeklammert innerhalb eines Satzes nach


Ausdrücken, auf die eine besondere Aufmerksamkeit gerichtet werden
soll:
Er will 100 Meter in 10,2 (!) Sekunden gelaufen sein. Der Einbrecher arbeitete früher
als Schweißer (!).

5. Beim Zusammentreffen von Ausrufezeichen mit anderen Satzzeichen ist


das Folgende zu beachten:
Ausrufezeichen und Anführungszeichen
Das Ausrufezeichen steht vor dem schließenden Anführungszeichen,
wenn es zur Anführung gehört. Wenn der übergeordnete Satz folgt oder
weitergeführt wird, dann muss ein Komma gesetzt werden:
»Komm mir nicht mehr unter die Augen!«, rief sie wütend. »Entweder der Plan wird
angenommen«, rief er den Vereinsmitgliedern zu, »oder ich lege sofort mein Amt nie-
der!« Er reagierte mit einem beleidigten »Dann lege ich eben mein Amt nieder!«.

Das Ausrufezeichen steht nach dem schließenden Anführungszeichen,


wenn es nicht zur Anführung, sondern zum ganzen Satz gehört:
Spiel doch nicht immer Franz Liszts »Ungarische Rhapsodie«!

Gehört sowohl zur Anführung als auch zum übergeordneten Satz ein Aus-
rufezeichen, dann müssen beide gesetzt werden:
Lass doch dieses ewige »Ich will nicht!«!

Ausrufezeichen und Gedankenstrich


Das Ausrufezeichen steht vor dem zweiten Gedankenstrich, wenn es zu
dem eingeschobenen Satz oder Satzteil gehört:
Ich fürchte – hoffentlich zu Unrecht! –, dass du krank bist.
121 ausruhen – ausschließlich

Ausrufezeichen und Klammern A


Das Ausrufezeichen steht vor der schließenden Klammer, wenn es zum
eingeklammerten Text gehört:
M
auss

Der Antrag ist vollständig ausgefüllt an die Bank zurückzusenden (bitte deutlich
schreiben!).

Gehört ein Ausrufezeichen zu einem Satz und nicht zu einem am Satz-


ende in Klammern stehenden Text, dann steht das Ausrufezeichen vor
dem eingeklammerten Text. Nach der schließenden Klammer steht dann
noch ein Punkt:
Wie herrlich leuchtet mir die Natur! Wie glänzt die Sonne, wie lacht die Flur! (Goe-
the).

Ausrufezeichen und Fragezeichen


Nach einem Fragezeichen kann noch ein Ausrufezeichen stehen, wenn
der Fragesatz gleichzeitig als Ausrufesatz verstanden werden soll:
Warum denn nicht?! Das soll auch für mich gelten?!

ausruhen: ↑ ausgeruht. soll: das ausschließlichste Recht auf et-


Aussagesatz: Der Aussagesatz dient in sei- was haben. Das Adverb ausschließlich
ner Grundverwendung der neutralen wird im Sinne von »nichts als, ganz al-
Wiedergabe von Sachverhalten: Die lein, nur« gebraucht: Das ist ausschließ-
Sonne scheint. Der Himmel ist blau. Karl lich ihr Verdienst. Er war ausschließlich
trägt den Koffer zum Bahnhof. Julia fährt Gelehrter. Die Präposition ausschließlich
morgen nach Frankfurt. Ein typischer »ohne, außer« wird mit dem Genitiv ver-
Aussagesatz wird durch einen Punkt ab- bunden, wenn der Kasus durch ein Be-
geschlossen und hat das Finitum (die gleitwort des abhängigen Substantivs
Personalform des Verbs) an zweiter deutlich wird: die Kosten ausschließlich
Stelle. ↑ Satzarten. des genannten Betrags, die Miete aus-
Aussageweise: ↑ Modus. schließlich der Heizungskosten, Geräte
Ausscheid / Ausscheidung: ↑ Nominalstil ausschließlich privat genutzter Radios.
(2). Das allein stehende starke Substantiv
ausschenken: ↑ ä / e. nach ausschließlich bleibt im Singular
ausscheren: Das Perfekt von ausscheren im Allgemeinen ohne Kasusendung: die
wird mit sein gebildet: Der Wagen ist aus Kosten ausschließlich Porto. Im Plural
der Kolonne ausgeschert. weicht man bei allein stehenden stark
ausschließlich: Das Adjektiv ausschließlich deklinierten Substantiven auf den Dativ
»alleinig, uneingeschränkt« gehört zu aus, wenn der Genitiv nicht erkennbar
den Adjektiven ohne ↑ Vergleichsformen ist: der Preis für die Mahlzeiten aus-
(3.1). Dennoch werden Adjektive wie schließlich Getränken (statt: Getränke),
dieses gelegentlich gesteigert, wenn der das Mobiliar ausschließlich Tischen und
höchste Grad noch verstärkt werden Stühlen (statt: Tische und Stühle). Wenn
Ausschließung / Ausschluss – außerhalb 122

A Numerus und Kasus undeutlich sind, tun. Bei geraten allerdings steht der Da-
M
Auss weil sowohl der Genitiv Singular als
auch der Dativ Plural ein s hat, z. B. in
tiv noch mit dem Akkusativ in Konkur-
renz: Ich geriet außer mir / außer mich
Formulierungen wie ausschließlich pri- vor Wut. Wenn das Bezugswort des auf
vat genutzten Radios, setzt man ein Arti- außer folgenden Substantivs im Nomi-
kelwort hinzu, wenn man den Singular nativ, Genitiv oder Akkusativ steht, ist
deutlich machen möchte: ausschließlich es möglich, dieses in den gleichen Kasus
eines / Ihres privat genutzten Radios . zu setzen; außer ist dann Konjunktion.
↑ Präposition (2). Nominativ: Niemand kann es herausbe-
Ausschließung / Ausschluss: ↑ Nominalstil kommen außer ich selbst. Genitiv: Ich
(2). entsinne mich all dieser Vorfälle nicht
aus sein : In allen Formen wird getrennt mehr außer eines einzigen. Akkusativ:
geschrieben, also auch im Infinitiv und Ich kenne niemanden außer ihn. Auf
im Partizip: Das Kino wird etwa um 23 Bettwäsche, außer Streifsatin und Mat-
Uhr aus sein, ist um 23 Uhr aus gewesen. ratzenschonbezüge, gewähren wir Rabatt.
Er wird wohl auf die Belohnung aus sein. In allen diesen Beispielen kann man au-
Wir sind gestern aus gewesen. Ich weiß ßer auch als Präposition (mit dem Dativ)
nicht, ob sie aus waren. ↑ Getrennt- oder verwenden: Niemand kann es herausbe-
Zusammenschreibung (1.6). kommen außer mir usw. Leitet außer als
außen: Klein schreibt man das Adverb: Konjunktion einen Infinitiv mit zu ein,
von außen her; eine Farbe für außen und so setzt man immer ein Komma: Ihr
innen; er spielt außen. Groß schreibt braucht nichts zu tun, außer abzuwarten.
man die sportsprachliche Substantivie- Aber ohne Komma: Ihr könnt nichts tun
rung der Außen: Er spielt in unserer außer abwarten. ↑ Komma (5.1).
Mannschaft als Außen. außer dass; außer wenn; außer um u. a.:
aussenden: Die Formen des Präteritums Das Komma steht wie vor dem einfa-
und Partizips II lauten: sendete chen dass, wenn oder um, weil diese Fü-
aus / sandte aus und ausgesendet / aus- gungen als zusammengesetzte Konjunk-
gesandt . Die starken Formen mit a tionen verwendet werden: Wir gehen
kommen häufiger vor. ↑ senden. täglich spazieren, außer wenn es regnet.
außer: Die Präposition außer regiert in der Ich habe nichts erfahren können, außer
Bedeutung »ausgenommen, abgesehen dass sie abgereist ist. Er ist, außer um
von« den Dativ: Man hörte nichts außer Freunde zu besuchen, nie im Kranken-
dem Ticken der Uhr. Auch in der Bedeu- haus gewesen. Außer um einzukaufen,
tung »außerhalb« regiert außer gewöhn- geht sie nicht mehr aus dem Haus.
lich den Dativ: Sie können auch außer Äußeres: Wenn Äußeres einem stark dekli-
der Zeit kommen. Der Kranke ist außer nierten Adjektiv folgt, dann wird es
aller Gefahr. Ich bin außer mir über sein heute gewöhnlich ebenfalls stark flek-
Verhalten. Der veraltete Genitiv kommt tiert: ein anmutiges Äußeres (nicht
nur noch in den Verbindungen außer mehr üblich: Äußere). Im Dativ Singular
Landes gehen, außer Landes sein / leben kommt neben der starken auch die
und außer Hauses sein (selten neben: schwache Flexion vor: mit jugendlichem
außer Haus[e] sein ) vor. In Verbindung Äußerem / (seltener schwach:) Äußeren.
mit Verben der Bewegung hat sich in außerhalb: Die Präposition außerhalb wird
neuerer Zeit der Akkusativ durchge- heute mit dem Genitiv (nicht mehr mit
setzt: etwas außer jeden Zusammen- dem Dativ) verbunden: außerhalb des
hang, außer jeden Zweifel stellen; jeman- Hauses, außerhalb des Bereichs, außer-
den außer allen Stand setzen, etwas zu halb der Landesgrenzen. Das gilt auch für
123 außer Kraft setzen / sein – Aussprache

Orts- und Landesnamen: außerhalb Bay- und mit großem K geschrieben: eine Ver- A
erns, außerhalb Kölns. In diesen Fällen
kann auch von mit dem Eigennamen ver-
ordnung außer Kraft setzen. Die Zusam-
menschreibung außerkraft ist also nicht
M
Auss
wendet werden: außerhalb von Bayern, korrekt.
von Köln. – Mit der Präposition außer- außerstande / außer Stande: ↑ Verblassen
halb und den mit ihr verbundenen Ver- des Substantivs.
ben wird gewöhnlich auf einen Ort äußerste: Klein schreibt man das Adjektiv:
(Frage: wo?) Bezug genommen: Der Flug- die äußerste Grenze, im äußersten Fall,
platz liegt außerhalb dieses Geländes. Sie mit äußerster Konzentration. Groß
möchte außerhalb der Parteien arbeiten. schreibt man die Substantivierung: Sie
Zuweilen jedoch wird außerhalb mit muss das Äußerste befürchten. Er ging
Richtungsverben (Frage: wohin?) ver- bis zum Äußersten. Es ist das Äußerste,
bunden: Er stellte sich außerhalb der Ge- was sie zugestehen will. Sie war auf das
sellschaft. Man kann als Erklärung für Äußerste gefasst. Ebenso: Er war bis zum
diesen (korrekten) Gebrauch eine Ellipse Äußersten erregt. Groß oder klein: Er
annehmen: ... [in den Raum] außerhalb ... war auf das / aufs Äußerste oder auf
außer Kraft setzen / sein: In diesen Fügun- das / aufs äußerste (= sehr) erschrocken.
gen wird außer Kraft immer getrennt ↑ Groß- oder Kleinschreibung (1.2.1).

Aussprache
Im Folgenden werden einige immer wiederkehrende Zweifelsfälle bei der
Aussprache von Wörtern behandelt. Es werden Empfehlungen gegeben, die
sich an der Aussprache deutscher Berufsssprecher orientieren. Ansonsten
gehört zur deutschen Standardaussprache mehr Variation. (Ein Verzeichnis
der Lautschriftzeichen findet sich am Anfang des Buches unter den Hinwei-
sen für die Benutzung.)
1. Lang gesprochenes ä
Das lang gesprochene ä wird offener artikuliert als das lang gesprochene e,
also Träne nicht wie [tren
], sondern wie [trn
]. (Die Aussprache von
lang gesprochenem ä wie e ist vor allem in Norddeutschland verbreitet.)
2. Die Aussprache von oi und oe
In Fremdwörtern und Namen spricht man oe wie den Buchstaben ö:
Foerster, Goetheanum. In bestimmten norddeutschen Namen spricht man
langes, geschlossenes o [o]: Coesfeld, Itzehoe, Soest. Die Schreibung oi
spricht man grundsätzlich als Diphthong (Zwielaut) [y]: ahoi!, Konvoi, in

französischen Wörtern [oa] oder [oa]: Memoiren, Toilette, aber in be-
 
stimmten, besonders rheinischen Ortsnamen als langes, geschlossenes o
[o]: Grevenbroich, Roisdorf, Voigt.
Aussprache 124

A 3. Nasalvokale
M
Auss Weil die französische Aussprache in vielen Fällen gekünstelt klingt, wer-
den die Nasalvokale in Fremdwörtern aus dem Französischen heute selbst
in gehobener Umgangssprache meist wie -eng / -ang / -öng / -ong gespro-
chen. Allerdings hat die Angleichung an die heimische Aussprache nicht
alle Fremdwörter gleichmäßig und gleichzeitig erfasst. Es sind vor allem
die viel gebrauchten Wörter der Alltagssprache, die so gesprochen wer-
den, während seltenere Fremdwörter und solche des Bildungswortschat-
zes noch die französische Aussprache verlangen: Beton lautet gewöhnlich
[bet] und würde in der französischen Aussprache [betõ] bei vielen
Sprechern geziert klingen, aber Impromptu, das die Umgangssprache
nicht kennt, kann man nur französisch aussprechen [˜prõty]. Die Grenze
ist im Einzelfall schwer zu ziehen.

4. Die Aussprache von g wie j oder ch


Bei Berufssprechern nicht anzutreffen ist die in der Umgangssprache und
in Dialekten häufig anzutreffende Aussprache von g wie j: Gans wie [jans],
lege wie [lej
], Sorge wie [zrj
]; ebenso wenig lege wie [lec
], Waage wie
[vax
], gelegt wie [
lect], Sarg wie [zarc], Zug wie [tsux]¸ bzw. [tsx].
¸ ¸  
5. Die Aussprache von auslautendem -ng und -ig
Am Wortende wird -ng ohne [k] gesprochen. Also nicht [tsaitk] (Zei-
tung), sondern [tsait], nicht [rk] (Ring), sondern [r]. Dasselbe gilt

für die Buchstabenfolge -ig. Also nicht [aink] (einig), sondern [ainc],
 ¸
nicht [tsvantskst
] (zwanzigste), sondern[tsvantscst
], nicht [kønk]
    ¸
(König), sondern [kønc]. Wenn jedoch die Ableitungssilbe -lich unmit-
telbar folgt, dann wird [k]¸ gesprochen: königlich [kønklc]. Die Ausspra-
che mit [k] gilt für ein einziges weiteres Wort, Königreich ¸[kønkraic].

6. Die Aussprache von auslautendem -ow
↑ -ow.

7. Die Aussprache von n vor f


Man spricht [fnf] statt [fmf].

8. Stimmhafte Aussprache von s am Wortanfang und im Wortinnern


Berufssprecher sprechen s am Wortanfang vor Vokalen stimmhaft
(»weich«) aus: (Saal [zal]). Genauso im Wortinnern zwischen Vokalen
(Base [baz
]), ferner wenn ein l / m / n / r vor dem s steht (Bremse
[brmz
]), in den Suffixen -sal und -sam (Mühsal [myzal], langsam
[lazam]) sowie im Suffix -sel nach Vokal sowie nach l / m / n / ng / r (Ge-
125 Aussprache

rinnsel, Streusel). Dasselbe gilt auch für Fremdwörter, die bereits weitge- A
hend in den deutschen Wortschatz integriert sind, wie System, Satellit u. a. M
Auss

9. Stimmhafte Aussprache von sch in Fremdwörtern


In Fremdwörtern aus dem Englischen und Französischen kommt neben
dem stimmlosen [ ] (Shake, Chablis) auch ein stimmhaft gesprochenes
[] vor (in heimischen Wörtern gibt es diesen Laut nicht). Es heißt also
[blamae] (Blamage), nicht [blama
].

10. Stimmhafte Aussprache von dsch in Fremdwörtern


Ebenso muss dsch in Fremdwörtern stimmhaft sein, also [dk
]
(Dschunke), nicht [t k
]; [dn] (Gin), nicht [t n]. 
  
11. pf- am Wortanfang
Die Buchstabenfolge pf- wird am Wortanfang nicht wie bloßes [f] ausge-
sprochen, also nicht [fail] (Pfeil), sondern [pfail].
 
12. ch in [fremden] Namen und Fremdwörtern
Das ch in [fremden] Namen und Fremdwörtern macht oft Schwierigkei-
ten, besonders am Wortanfang. Man spricht den Ichlaut [c] meist in
Fremdwörtern griechischer Herkunft am Wortanfang, besonders ¸ vor
e / i / y, also [cirrk] (Chirurg), nicht [kirrk]. Den k-Laut spricht man in
den bekannteren ¸ Fremdwörtern griechischer Herkunft, besonders am
Wortanfang vor a / l / o / r, also [kolera] (Cholera), [krom] (Chrom) u. a. In
heimischen geografischen Namen wie [kmnts] (Chemnitz), [kimze]

(Chiemsee), [kam] (Cham) wird ebenfalls [k] gesprochen. Man spricht da-
gegen [cina] (China).
¸
13. Die Aussprache von r
Nach den kurzen Vokalen i, ä, a, ü, ö, u, o soll r am Wortende oder vor Kon-
sonant tatsächlich als [r] und nicht nur als abgeschwächtes a [ ] ausge-

sprochen werden, also [vr] (wirr) und nicht [v ]. Man spricht rauch nicht

als Achlaut [x]; also nicht [fxt] ( fort), sondern [frt].

14. Die Aussprache von v


In heimischen Wörtern und einigen häufig gebrauchten Fremdwörtern
wird der Buchstabe v als [f] gesprochen: Vater, Vogel, viel, hieven; Nerven,
Vers; ebenso im Auslaut aller Wörter und vor stimmlosem Konsonant:
aktiv, Luv, hievt. Die Aussprache [f] gilt auch in Ortsnamen wie Hanno-
ver, Villach (aber: Greven mit [v]). In den meisten Fremdwörtern wird je-
doch der w-Laut [v] gesprochen: nervös, aktive, Vokal, Malve. Bei eini-
gen Fremdwörtern (vor allem Namen) schwankt der Gebrauch: Kurve
austeilen – ausweisen als 126

A [krv
] / [krf
], Pulver [plf ] / [plv ]; Eva [efa] / [eva], David
M
aust [daft / dafit] / [davt / davit].

15. Die Aussprache von sp / st / sk


Bei Fremdwörtern ist es gelegentlich schwierig, zu entscheiden, ob anlau-
tendes [sp] / [st] oder [ p] / [ t] gesprochen werden soll. Es gilt die Faust-
regel, dass Fremdwörter, die bei uns schon lange im Gebrauch sind und
nicht mehr als fremd empfunden werden, wie heimische Wörter behan-
delt werden, also [ petsialitt] (Spezialität), [ tudnt] (Student), aber
(stretto). Allerdings ist die Frage, ob ein Wort als
[spit ] (Speech), [strto]

völlig integriert betrachtet werden darf, gar nicht so leicht zu entscheiden,
weil hier subjektiver Auffassung ein weiter Spielraum gewährt ist. Die
Folge ist, dass für viele Fremdwörter beide Aussprachen als gleich korrekt
angesehen werden müssen:
[spahi] / [ pahi] (Spahi), [spktral] / [ pktral] (spektral), [spina] / [ pina]
(Spina), [splenits] / [ plenits] (Splenitis), [spndes] / [ pndes] (Spondeus),
[sptnk] / [ ptnk] (Sputnik), [stakato] / [ takato] (staccato), [stenoz
] / [ te-
noz
] (Stenose), [stimulans] / [ timulans] (Stimulans), [stola] / [ tola] (Stola).

In anderen Fällen ist die eingedeutschte Aussprache schon häufiger, z. B.


bei spinal, splendid, Stil, stupid u. a.
Inlautendes -sp- / -st- wird nicht [ p] / [ t] gesprochen, also nur [pro-
spkt] (Prospekt), nicht [pro pkt], nur [knstant] (konstant), nicht
[kn tant].
Auch die Buchstabenfolge Sk- wird [sk], nicht [ k] gesprochen, also [skat]
(Skat), nicht [ kat], [skandal] (Skandal), nicht [ kandal]. Eine Aus-
nahme ist das Wort Ski [ i:] mit seinen Ableitungen und Komposita.

austeilen: Nach austeilen unter kann so- nicht nur in der gesprochenen, sondern
wohl der Akkusativ als auch der Dativ auch in der geschriebenen Standard-
stehen: Sie teilten die Lebensmittel unter sprache in Fragesätzen vor. In der ge-
die Flüchtlinge / unter den Flüchtlingen schriebenen Standardsprache dominiert
aus. hier jedoch eindeutig der Gebrauch des
auswärts: Zur Bedeutung von auswärts Pronominaladverbs woraus: Woraus fol-
↑ -wärts; zur Schreibung von auswärts in gerst du das? Woraus diese Legierung be-
Verbindung mit Verben oder Partizipien steht, weiß ich nicht. Das ist etwas, wo-
↑ Getrennt- oder Zusammenschreibung raus man schließen kann, dass ... ↑ Pro-
(1.3 und 3.1.3). nominaladverb (4 und 5).
aus was / woraus : Die Verbindung aus + ausweisen als: Wenn das Verb ausweisen
was (Aus was folgerst du das?) kommt als reflexiv gebraucht wird, steht der auf
127 ausweislich / nach Ausweis – Autotypenbezeichnungen

als folgende Nominalausdruck meist im Automat / den Automat). ↑ Substantiv A


Nominativ: Er wies sich als Kriminalbe-
amter aus. Der Akkusativ (Er wies sich
(1.2.3).
Automation / Automatisierung: Während
M
Auto
als Kriminalbeamten aus) ist seltener. Automatisierung heute gewöhnlich im
Bei nicht reflexivem Gebrauch wird Sinne von »laufende Umstellung auf Me-
durch einen Akkusativ nach als der Be- chanisierung in technischen Bereichen«
zug auf das Akkusativobjekt gekenn- gebraucht wird, bezeichnet Automation
zeichnet: Er zeichnete ihn als umsichti- eher den erreichten Zustand, eine Ent-
gen Politiker aus. ↑ als (6). wicklungsstufe der Mechanisierung.
ausweislich / nach Ausweis: Die aus der Autor: 1. Deklination: Das Substantiv wird
Amtssprache stammende Präposition in der geschriebenen Standardsprache
ausweislich »wie aus den Unterlagen im Singular stark flektiert. Es heißt also
o. Ä. ersichtlich ist« regiert wie das des Autors, dem Autor, den Autor . Verein-
gleichbedeutende nach Ausweis den Ge- zelt tritt auch die schwache Flexion auf:
nitiv: Sie war ausweislich / nach Ausweis des Autoren, dem Autoren, den Autoren.
der vorliegenden Akten vorbestraft. ↑ Substantiv (1.2.4), ↑ Fremdwort (3.2).
auswiegen: ↑ wägen (2). 2. Komposita mit Autor: Die Komposita
auswringen / ausringen: Als standard- mit Autor als Erstglied sind fast aus-
sprachlich gilt nicht ausringen, sondern schließlich mit dem Fugenelement -en-
auswringen . Das Verb wringen »nasse gebräuchlich. Es heißt: Autorenverzeich-
Wäsche auswinden« stammt, wie andere nis, Autorenverband, Autorenregister,
mit wr- anlautende Wörter (z. B. Wrack), aber auch: Autorenlesung, Autorenexem-
aus dem Niederdeutschen. plar, Autorenhonorar, auch Autorenkor-
auszahlen / ausbezahlen: ↑ ausbezah- rektur. Komposita ohne Fugenelement
len / auszahlen. liegen vor in Autorkorrektur (neben: Au-
auszeichnen als: Wenn das Verb auszeich- torenkorrektur ) und in Autorreferat (ne-
nen als reflexiv gebraucht wird, steht der ben: Autorenreferat ). ↑ Fugenelement.
auf als folgende Nominalausdruck meist Autotypenbezeichnungen: 1. Schreibung:
im Nominativ: Er zeichnete sich als um- Autotypenbezeichnungen wie VW Golf,
sichtiger Politiker aus. Der Akkusativ (Er Opel Astra, Ford Mondeo u. a. werden
zeichnete sich als umsichtigen Politiker ohne Bindestrich geschrieben (↑ Apposi-
aus) ist seltener. Bei nicht reflexivem tion [3]).
Gebrauch wird durch einen Akkusativ 2. Deklination: Auch im Genitiv Singular
nach als der Bezug auf das Akkusativob- und im Plural stehen Autotypenbezeich-
jekt gekennzeichnet: Er zeichnete ihn als nungen in der Regel ohne Deklinations-
umsichtigen Politiker aus. ↑ als (6). endung, also: des Opel Astra, des Fiat
Autobus: Der Genitiv lautet des Autobus- Punto, 5 VW Golf; die Innenausstattung
ses, der Plural lautet die Autobusse. des Fiesta; die neuen Passat.
↑ Omnibus. 3. Genus: Autotypenbezeichnungen bzw.
Auto fahren: ↑ Getrennt- oder Zusammen- Markennamen von Autos sind – von weni-
schreibung (1.4). gen Ausnahmen (die Dauphine [Renault],
Automat: Das Substantiv wird in der ge- die Isabella [Borgward], das Goggomobil)
schriebenen Standardsprache schwach abgesehen – maskulin: der Ford Mondeo,
dekliniert. Bis auf den Nominativ Singu- der Opel Astra, der VW, der Mercedes, der
lar haben also alle Formen die Endung BMW. Die Bezeichnungen von Motorrad-
-en, z. B.: Sie zog sich Zigaretten am Au- typen bzw. Markennamen von Motorrä-
tomaten . Dativ und Akkusativ Singular dern sind dagegen feminin: die Zündapp,
bleiben vereinzelt auch endungslos (am die Honda, eine schwere BMW 500.
Auto und Rad fahren – backen 128

A 4. Coupé, Cabrio: An eine Autotypenbe- Azalien) in Analogie zu den vielen auf -ie
M
Auto zeichnung kann die Bezeichnung der
Ausführung (ebenfalls ohne Deklinati-
endenden Blumenbezeichnungen ent-
standen. Sie ist schon im 19. Jh. belegt.
onsendung) angeschlossen werden, ohne n-Zeichen: Das im Internetjargon auch als
dass sich am Genus etwas ändert: der »Klammeraffe« bezeichnete n-Zeichen
Mercedes CLK Coupé, des VW Golf Ca- hat, so vermutet man, seinen Ursprung
brio. Man kann aber auch Komposita im Mittelalter in der handschriftlichen
bilden. Dann richtet sich das Genus Verschmelzung (Ligatur) der Buchsta-
nach der Bezeichnung der Ausführung; ben a und d des lateinischen Wortes ad
sie wird dekliniert, und man setzt Binde- »zu; zu etwas hin«. Mit der Verbreitung
striche zwischen die einzelnen Bestand- des Buchdrucks wurden etliche Ligatu-
teile: zwei Audi-A4-Cabrios, des Audi- ren nicht mehr benötigt. Das n-Zeichen
A4-Cabrios, das Mercedes-CLK-Coupé. allerdings überlebte in einigen Kultur-
Auto und Rad fahren: ↑ Getrennt- oder Zu- kreisen. So wurde es in der spanisch-por-
sammenschreibung (1.4). tugiesischen Kaufmannsschrift für die
axial: Der Grund, warum man Achse, aber Maßeinheit arroba benutzt. ber diese
axial schreibt, liegt darin, dass Achse Schrift ist das n unter anderem auf eine
schon im Althochdeutschen als ahsa be- amerikanische Schreibmaschinentasta-
legt ist, während axial eine fachsprachli- tur gelangt, und zwar als Zeichen für
che Bildung neuerer Zeit zu lat. axis »(commercial) at«, d. h. à, das man bei
»Achse« ist. Preisauszeichnungen benutzte (z. B. in
Azalee / Azalie: Die Fachleute sagen Azalee 10 Säcke à 5 $). Im Laufe der Sechziger-
(Plural: die Azaleen ) entsprechend der jahre wurde es in den Computerzeichen-
linnéschen Form Azalea. Vermutlich ist satz ASCII aufgenommen. Heute dient
die seltene Nebenform Azalie (Plural: die es der Gliederung von E-Mail-Adressen.

Bb
b: Zur Schreibung und Deklination ↑ Bin-
destrich (2.4) (b-Laut); ↑ Einzelbuchsta-
lich – besonders in Süddeutschland –
wird auch noch das Maskulinum der
ben (des B, zwei B); ↑ Groß- oder Klein- Backen (Genitiv: des Backens) ge-
schreibung (1.2.5) (Wer A sagt, muss braucht.
auch B sagen; das b in gab). backen: Das ursprünglich starke Verb
Baby: Der Plural von Baby lautet die Babys. (buk; gebacken) zeigt schwankende Kon-
↑ y. jugation. Die starken Präteritumsformen
Babysitter: ↑ Amerikanismen / Anglizis- und die schwachen Formen halten sich
men (1.1). insbesondere bei buken / backten in etwa
Backe / Backen: In der Standardsprache die Waage. Bei buk / backte kommt die
heißt das Wort mit der Bedeutung starke Form buk noch etwas häufiger
»Wange« die Backe . Regionalsprach- vor als die schwache Form. In der 2.
129 Bad – Bambino

und 3. Person Singular Präsens werden dort. Bald lachte das Kind, bald weinte
statt der umgelauteten (starken) For-
men du bäckst, er bäckt immer häufiger
es, bald schrie es nach der Mutter.
Balg: In der abwertenden Bedeutung »[un-
M
B
die nicht umgelauteten Formen du
backst, er backt gebraucht: Der Kuchen
artiges] Kind« ist Balg ein Neutrum, sel-
tener auch ein Maskulinum: das (selte- M
Bamb
bäckt / backt bereits 20 Minuten. Dieser ner: der) Balg. Der Plural lautet die Bäl-
Herd bäckt / backt ganz hervorragend. ger. Im Sinne von »Tierhaut« ist das
Bad: Die Ableitungen von Ortsnamen mit Wort Maskulinum: der Balg. Der Plural
vorangehendem Bad werden ohne oder lautet die Bälge.
mit Bindestrich geschrieben: Bad Hers- Balkon: Das Wort kann französisch
felder / Bad-Hersfelder Festspiele. [balkõ] ausgesprochen werden oder
Bad[e]-: Komposita mit dem Verbalstamm aber integriert (deutsch) als [balk],
von baden haben den Fugenvokal -e: Ba- auch (vor allem in Süddeutschland) [bal-
deanstalt, Badeanzug, Badehose, Bade- kon]. Bei der Aussprache [balkon] ist
meister. Regionalsprachlich, besonders die Pluralform die Balkone gebräuchlich,
in Süddeutschland, sowie in der Schweiz sonst die Pluralform die Balkons. Die
und Österreich, sind Formen ohne Fu- Pluralform Balkone kommt häufiger vor.
gen-e gebräuchlich: Badanstalt, Badzim- ↑ Fremdwort (3.4).
mer. Noch im Badkleid sieht man ihnen Balletttheater: Das Kompositum aus Bal-
an, dass sie Dollar haben ... (Frisch). ↑ Fu- lett und Theater schreibt man mit drei t.
genelement. Zur besseren Lesbarkeit kann ein Binde-
Baden-Badener: Die Einwohnerbezeich- strich gesetzt werden: Balletttheater ,
nung Baden-Badener wird immer groß- auch: Ballett-Theater. ↑ Zusammentref-
geschrieben, auch wenn das Wort als fle- fen dreier gleicher Buchstaben.
xionsloses Adjektiv vor einem Substan- Balletttruppe: Das Kompositum aus Bal-
tiv steht: die Baden-Badener Einwohner, lett und Truppe schreibt man mit drei t.
die Baden-Badener Rennwochen. ↑ Ein- Zur besseren Lesbarkeit kann ein Binde-
wohnerbezeichnungen auf -er (7). strich gesetzt werden: Balletttruppe ,
Badenweilerer: Die Einwohner von Baden- auch: Ballett-Truppe. ↑ Zusammentreffen
weiler heißen Badenweilerer. ↑ Einwoh- dreier gleicher Buchstaben.
nerbezeichnungen auf -er (1). Ballon: Das Wort kann französisch [balõ]
Baedeker: ↑ Personennamen (2.1.4). ausgesprochen werden oder aber inte-
bairisch: ↑ bayerisch / bayrisch / bairisch. griert (deutsch) als [bal], auch (vor al-
bald: 1. Vergleichsformen: Zum Adverb lem in Süddeutschland) [balon]. Bei
bald kann man Formen von ehe als Ver- der Aussprache [balon] ist die Plural-
gleichsformen stellen: bald – eher – am form die Ballone gebräuchlich, sonst die
ehesten . Die regelmäßigen Vergleichsfor- Pluralform die Ballons. ↑ Fremdwort
men bälder / balder – am bäldesten / am (3.4).
baldesten (vgl. z. B. aus der älteren Lite- Bamberger: Diese Einwohnerbezeichnung
ratur: Ich sterbe. Das ist bald gesagt und wird immer großgeschrieben, auch
bälder noch getan [Goethe]) kommen wenn das Wort als flexionsloses Adjek-
nur noch gelegentlich regionalsprachlich tiv vor einem Substantiv steht: die Bam-
vor. ↑ Vergleichsformen (5). berger Bevölkerung. ↑ Einwohnerbezeich-
2. Komma bei bald – bald: Die mehrglied- nungen auf -er (7).
rige Konjunktion bald – bald verbindet Bambino: Der Plural dieses Substantivs
aufgezählte Satzteile oder Sätze. Vor aus dem Italienischen lautet die Bam-
dem zweiten (und jedem weiteren) bald bini . Umgangssprachlich ist auch die
steht ein Komma: Bald ist er hier, bald Bambinos gebräuchlich.
Band – Bär 130

Band: 1. das Band / der Band / die Band: Im und mit machen gebraucht wird: Ich
MB konkreten Sinne von »Gewebestreifen
(zum Binden)« hat Band neutrales Ge-
habe keine Bange, dass ... Nur keine
Bange! Sie hat mir ganz schön Bange ge-
MBand nus: das Band. Der Plural dazu lautet die
Bänder: ein Kleid mit Bändern und
macht! Sonst schreibt man klein: Mir ist
angst und bang[e]. Ihm wird bang.
Schleifen. Auch im übertragenen Sinne 3. Ich mache ihm Bange: Die Fügung
von »Bindung, enge Beziehung« ist Band Bange machen wird in der Regel mit dem
ein Neutrum: das Band. Der Plural dazu Dativ verbunden: Willst du mir Bange
lautet aber die Bande: verwandtschaftli- machen? ↑ Angst / angst.
che Bande; die Bande der Liebe. Dieser bangen: In Verbindung mit der Präposi-
Plural wird außerdem (in der älteren Li- tion um wird bangen persönlich ge-
teratur) als gehobener Ausdruck für braucht (im Sinne von »in großer Sorge
»Fesseln« verwendet: Ihn schlugen die sein um ...«): Wir bangen um sein Leben.
Häscher in Bande (Schiller). Im Sinne Ich bange um die Flüchtlinge. Regional-
von »Eingebundenes, Buch« hat Band sprachlich kommt auch reflexiver Ge-
maskulines Genus: der Band. Der Plural brauch vor (das Reflexivpronomen steht
dazu lautet die Bände. ↑ Abkürzungen dabei im Akkusativ): Ich bange mich um
und Kurzwörter (3.1). Der Anglizismus das Kind. In Verbindung mit der Präpo-
mit der Bedeutung »Musikgruppe« ist sition vor wird bangen dagegen unper-
ein Femininum: die Band. sönlich mit dem Dativ gebraucht (im
2. Band 1 –3 / die Bände 1– 3: Bei Hinwei- Sinne von »Angst haben vor ...«): Ihm
sen auf mehrere Bände (= Bücher) eines bangt [es] vor der Zukunft. Es bangt
mehrbändigen Werkes bleibt das Wort mir / mir bangt vor diesem Unternehmen.
Band (Abk.: Bd.) unflektiert, wenn es Bank: Das heimische Wort Bank »Sitzgele-
ohne Artikel unmittelbar vor den Zahlen genheit« hat die Pluralform die Bänke.
steht: Band 1–3; Band 1, 2 und 3. Geht Zu dem aus dem Italienischen entlehn-
dem Wort Band ein Artikel voran, steht ten Wort Bank »Geldinstitut« lautet der
es im Plural: die Bände 1–3; die Bände 1, Plural die Banken. Neuere Komposita
2 und 3. wie Blutbank, Organbank, Datenbank,
Bändel: Man schreibt Bändel mit einem ä, die Auf bewahrungsstellen für be-
weil es zu Band gestellt wird (frühere stimmte auf Abruf verfügbare Dinge be-
Rechtschreibung: Bendel). Dies betrifft zeichnen, schließen an Bank »Geldinsti-
auch Zusammensetzungen wie Hutbän- tut« an; ihr Plural lautet deshalb die
del, Schuhbändel. Blutbanken, Organbanken, Datenbanken.
bang[e]: 1. banger / bänger x bangste / bankrott / Bankrott: Das Adjektiv bankrott
bängste: Der Komparativ und Superlativ bedeutet »zahlungsunfähig« und wird
von bang[e] können ohne und mit Um- kleingeschrieben: Er ist, wird bankrott.
laut gebildet werden. In der Standard- Das Substantiv der Bankrott bedeutet
sprache werden die nicht umgelauteten »Zahlungsunfähigkeit«, man schreibt es
Formen banger , bangste vorgezogen. groß: Das ist betrügerischer Bankrott.
Die umgelautete Form ist aber fester Be- Die Firma steht vor dem Bankrott. Der
standteil der Redewendung bang und Kaufmann hat Bankrott gemacht. Zu-
bänger: Den Cinemaxx-Betreibern wurde sammengeschrieben wird bankrottge-
es bang und bänger (taz). ↑ Vergleichsfor- hen: Die Firma wird bankrottgehen. Ent-
men (2.1); Umlaut (2.1). sprechend wird der Verbzusatz kleinge-
2. bange / Bange: Neben bang[e] existiert schrieben: Die Firma geht bankrott.
auch das Substantiv die Bange »Angst, Bär: Die Tierbezeichnung wird in der ge-
Furcht«, das in Verbindung mit haben schriebenen Standardsprache schwach
131 -bar – basieren

dekliniert, bis auf den Nominativ Singu- (richtig: beeinf lussbares ) Kind. Zu
lar haben also alle Formen die Endung
-en. Der Genitiv lautet des Bären, der
streichfähige Butter ↑ -fähig.
-bar / -lich: ↑ -lich / bar.
M
B
Dativ und Akkusativ lauten dem, den
Bären (manchmal: dem/den Bär). ↑ Sub-
Barbar: Das Substantiv wird schwach de-
kliniert, bis auf den Nominativ Singular M
basi
stantiv (1.2.3); ↑ Rammbär; ↑ Teddybär. haben also alle Formen die Endung -en.
-bar: Adjektive auf -bar werden heute fast Der Genitiv lautet des Barbaren, der Da-
ausschließlich zu transitiven Verben tiv und der Akkusativ lauten dem, den
(↑ transitiv) gebildet. Das Suffix -bar gibt Barbaren. ↑ Substantiv (1.1.2).
an, was mit der im Bezugsausdruck ge- Barmer: Die Einwohner von Barmen hei-
nannten Person oder Sache getan wer- ßen Barmer (nicht: Barmener). ↑ Ein-
den kann: lieferbare Waren sind Waren, wohnerbezeichnungen auf -er (1 und 7).
die geliefert werden können, befahrbare Barock: Das Substantiv kann Maskulinum
Wege sind Wege, die befahren werden ( der Barock ) oder Neutrum (das Barock)
können. Die Beliebtheit solcher Bildun- sein. Der Genitiv Singular von Barock
gen rührt daher, dass sie überaus sprach- lautet des Barocks, in der Kunstwissen-
ökonomisch sind, z. B.: Die Firma stellt schaft meist ohne Genitiv-s des Barock.
abwaschbare Tapeten her gegenüber Die Barometer: Es heißt das, regionalsprach-
Firma stellt Tapeten her, die abgewa- lich sowie in Österreich und der Schweiz
schen werden können. Daneben gibt es auch der Barometer.
eine Reihe von meist älteren oder fach- Baron, Baronin, Baronesse: Als Bestand-
sprachlichen -bar-Adjektiven, die zu in- teil des Familiennamens steht Baron
transitiven Verben (d. h. Verben, die kein hinter dem Vornamen: Hans Baron von
persönliches Passiv bilden können, ↑ in- Grote. Das Genitiv-s wird nur an den ei-
transitiv) gebildet sind: verfügbare Mittel gentlichen Namen angehängt: der Wa-
sind z. B. Mittel, über die verfügt werden gen Hans Baron von Grotes; Baron von
kann, unverzichtbare Forderungen sind Grotes Wagen. Nur wenn der Artikel un-
Forderungen, auf die nicht verzichtet mittelbar vorangeht, wird Baron selbst
werden kann. Teilweise haben diese Bil- flektiert: der Wagen des Barons von
dungen auch aktivische Bedeutungen: Grote. Die feminine Form lautet Baronin,
brennbares Material ist z. B. Material, eine unverheiratete weibliche Angehö-
das brennen kann, ein unsinkbares Schiff rige der Familie wird Baronesse genannt.
ist ein Schiff, das nicht sinken kann. In Diese Bezeichnungen werden im Famili-
der Gegenwartssprache ist die Bildung ennamen wie die maskuline Form ver-
von -bar-Adjektiven zu intransitiven wendet: Eva Baronin / Baronesse von
Verben – von fachsprachlichen Ausnah- Grote; Baronin / Baronesse von Grotes
men abgesehen – weitgehend blockiert. Wagen. Die persönliche Anrede lautet
-bar / -fähig: Die von Verben abgeleiteten (offiziell) Herr Baron von Grote, Frau Ba-
Adjektive auf ↑ -bar haben meist passivi- ronin von Grote oder Herr Baron, Frau
schen Sinn, die auf ↑ -fähig sind im Allge- Baronin. Jedoch lässt man das Herr oder
meinen aktivisch: Die Ware ist nicht lie- Frau heute gewöhnlich weg; man
ferbar besagt, dass die Ware nicht gelie- schreibt im Brief: Sehr geehrter Baron
fert werden kann, dagegen wird mit dem von Grote oder Sehr geehrte Baronin von
Satz Die Firma ist nicht lieferfähig ausge- Grote und sagt im Gespräch Baron Grote,
drückt, dass die Firma nicht liefern Baronin Grote. ↑ Brief / E-Mail (7).
kann. Man kann also z. B. nicht sagen: basieren: Nach basieren auf im Sinne von
ein lenkfähiger (richtig: lenkbarer ) »fußen, beruhen, sich stützen auf« steht
Schlitten oder ein leicht beeinflussfähiges der Dativ: Ihre Ausführungen basierten
Basler – Bayer 132

auf genauer Kenntnis der Verhältnisse. im Genitiv fast immer, im Dativ und Ak-
MB Im Sinne von »gründen auf, auf bauen«
kann sowohl der Dativ als auch der Ak-
kusativ meist schwach flektiert: des
Bauers / Bauern ; dem, den Bauer / Bau-
MBasl kusativ stehen: Er basierte seine Theorie
auf zahlreichen Versuchen / auf zahlrei-
ern . Der Plural lautet die Bauern, die ab-
geleitete feminine Form die Bäuerin.
che Versuche . 2. Bauer / Bauerin: Der Bauer im Sinne
Basler: Die Einwohner von Basel heißen von »Bauender, Erbauer« – in Komposita
Basler. In der Schweiz gilt nur diese wie Städtebauer, Orgelbauer, Tiefbauer –
Form, sonst ist auch die dreisilbige Form hat starke Deklination. Der Genitiv Sin-
Baseler gebräuchlich. Die Einwohnerbe- gular lautet des Bauers, der Plural die
zeichnung Basler wird immer großge- Bauer. Hierzu lautet die abgeleitete femi-
schrieben, auch wenn das Wort als flexi- nine Form die Bauerin, also z. B. die
onsloses Adjektiv vor einem Substantiv Städtebauerin, die Obstbauerin. ↑ Acker-
steht: die Basler Tram; Basler Leckerli. bauer.
↑ Einwohnerbezeichnungen auf -er (7). 3. das / der Bauer: Auch im Sinne von
Bau: 1. Plural: Das Substantiv der Bau hat in »Vogelkäfig« wird Bauer stark dekliniert.
der Bedeutung »Bauwerk« den Plural die In dieser Bedeutung hat es im Allgemei-
Bauten, der eigentlich zu dem veralteten nen neutrales, selten auch maskulines
Kanzleiwort die Baute »das Gebäude« Genus: das (selten: der) Bauer.
gehört. Es heißt daher auch: die Neubau- Bauklotz: Der Plural lautet die Bauklötze ,
ten, Altbauten, Hochbauten. Im Sinne von umgangssprachlich auch Bauklötzer. Die
»Erdwohnung bestimmter Tiere« lautet umgangssprachliche Wendung Bauklöt-
dagegen der Plural die Baue: Fuchsbaue, ze[r] staunen bedeutet »äußerst erstaunt
Dachsbaue. Auch die Fachausdrücke des sein«.
Bergbaus haben diesen Plural: die Tage- Baulichkeit: ↑ Gebäulichkeiten.
baue, die Abbaue. ↑ Bauten. bausparen: Von bausparen werden nur fi-
2. in / im Bau: Beide Formen sind üblich nite Formen verwendet, bei denen bau-
und bedeuten dasselbe: die Brücke ist nicht wie eine Verbpartikel für sich al-
bereits in / im Bau. ↑ in / im (1). lein steht: Wir wollen bausparen. Wer
bauchreden: Von bauchreden werden im bauspart, ist klug. ... weil du bausparst.
Allgemeinen nur Formen verwendet, bei Beim Infinitiv wird aber die Partikel zu
denen bauch- nicht wie eine Verbparti- wie bei einem Partikelverb eingescho-
kel für sich allein steht: Er kann bauch- ben: Es lohnt sich, bauzusparen. ↑ Ge-
reden. Es war sehr lustig, wenn er bauch- trennt- oder Zusammenschreibung (1.4);
redete. ↑ Getrennt- oder Zusammen- Verb (3); Partikelverb (2.3).
schreibung (1.4); Verb (3); Partikelverb Bauten: Bauten ist der Plural zu der Bau in
(2.3). der Bedeutung »Gebäude« (↑ Bau). Es
Baudenkmal: Der Plural lautet meist die heißt in Deutschland: In einem der Bau-
Baudenkmäler und manchmal die Bau- ten befand sich die Verwaltung. In der
denkmale. ↑ Denkmal. schweizerischen Amtssprache gibt es
bauen: Nach bauen auf im Sinne von »sich das Femininum die Baute, dort also: In
verlassen auf, sein Vertrauen setzen in« einer der Bauten ...↑ einer (1).
steht der Akkusativ: Du kannst auf mein Bayer: Bayer wird meist schwach dekli-
Wort bauen. Ich baue auf ihn. ↑ Rektion niert. Der Genitiv Singular lautet des
(4). Bayern (vereinzelt: Bayers). Im Dativ
bauen / anbauen: ↑ anbauen (2). und Akkusativ Singular wird meist
Bauer: 1. Bauer / Bäuerin: In der Bedeutung schwach, aber auch stark flektiert: dem,
»Landwirt« wird der Bauer im Singular den Bayern /Bayer. ↑ Substantiv (1.2.3).
133 bayerisch / bayrisch – bedeuten

bayerisch / bayrisch / bairisch: Das Adjek- Beantwortung: Die Fügung in Beantwor-


tiv zu Bayern lautet bayerisch oder bay-
risch. Die Form mit -e- wird in der Stan-
tung Ihres Schreibens gehört der Amts-
und Kaufmannssprache an und gilt als
M
B
dardsprache und in offiziellen Namen
bevorzugt verwendet: eine bayerische
stilistisch unschön. Man kann stattdes-
sen formulieren: Auf Ihr Schreiben oder M
bede
Tracht, die bayerische Regierung; der Zu Ihrem Schreiben vom ...
Bayerische Rundfunk, der Bayerische Bebraer: Die Einwohnerbezeichnung Be-
Wald, Bayerisch Eisenstein. In der braer wird immer großgeschrieben, auch
Sprachwissenschaft wird bairisch mit -i- wenn das Wort als flexionsloses Adjek-
verwendet, wenn es um die Sprache des tiv vor einem Substantiv steht: der Be-
Bayern und Österreich umfassenden braer Bahnhof. ↑ Einwohnerbezeichnun-
Dialektraumes geht. gen auf -er (7).
beachten / achten: ↑ achten (2). Becher: ↑ Glas, ↑ Apposition (4).
Beamte, der: 1. tüchtigem Beamten / Beam- bedanken: Die passivische Form Sei be-
tem x ihm als Beamten / Beamtem : Das dankt! gehört nicht zu dem Verb sich be-
Wort Beamte ist eine Substantivierung danken, das als reflexives Verb kein per-
des 17. Jh.s von frühneuhochdeutsch be- sönliches Passiv bilden kann. Sie gehört
am[p]t »mit einem Amt betraut, beam- vielmehr zu dem veralteten, noch regio-
tet«. Wegen dieser ursprünglichen Ver- nalsprachlich gebräuchlichen transitiven
wendung als substantiviertes Partizip Verb jmdn. bedanken (Der Künstler
wird Beamte noch heute im Allgemeinen wurde herzlich bedankt) und ist durch-
wie ein attributives ↑ Adjektiv (1.1) dekli- aus korrekt.
niert: Er ist Beamter geworden. Der Be- Bedarf: 1. Es heißt im Allgemeinen Bedarf
amte wurde versetzt. Die Beamten waren an etwas : Wir haben keinen Bedarf an
nicht einverstanden. Zwei Beamte erstat- Getränken . Im Sinn von »Verwendung
teten Bericht; ein kleiner Beamter, der für etwas« wird jedoch häufig auch Be-
kleine Beamte. a) Im Genitiv Plural ist darf für etwas gebraucht: Es gibt keinen
heute nach einem stark deklinierten Ad- Bedarf für dieses Produkt.
jektiv die parallele Flexion üblich: die Er- 2. Das Wort wird fachsprachlich auch im
nennung städtischer Beamter (verein- Plural gebraucht: die Bedarfe. ↑ Plural
zelt: Beamten). b) Ausnahmen und (4).
Schwankungen treten beim Dativ Singu- Bedenken: Ein Satz wie Ich habe Bedenken,
lar auf. Nach einem stark deklinierten den Brief zu schreiben drückt aus, dass
Adjektiv wird heute meist schwach flek- ich den Brief lieber nicht schreiben
tiert: Tüchtigem Beamten (manchmal: möchte. Der Satz Ich habe Bedenken, den
Beamtem) wurde Auszeichnung verlie- Brief nicht zu schreiben besagt dagegen,
hen. In Konjunktionalgruppen wie den dass ich es doch für besser halte, wenn
folgenden kommt neben der starken De- der Brief geschrieben wird. Die Vernei-
klination auch die schwache vor: Ihm als nung der abhängigen Infinitivgruppe ist
Beamten ... , (besser:) Ihm als Beam- also keine Verstärkung. In der Infinitiv-
tem ... ↑ Substantivierungen (2.1.4). gruppe bei Bedenken steht immer das
2. einige Beamte x alle Beamten x solche Gegenteil von dem, was der Sprecher
Beamte[n]: Zur Deklination von Beamte oder die Sprecherin für richtig hält.
nach alle, einige, beide usw. ↑ all- usw. bedeuten: 1. Diese Ernennung bedeutet
Beamtin: Die abgeleitete feminine Form zu schnellen Aufstieg / schneller Aufstieg: Im
der Beamte wird mit der Endung -in ge- Sinne von »besagen, heißen, einen be-
bildet. Es heißt also: die Beamtin (nicht: stimmten Sinn haben« hat bedeuten ge-
die Beamte). wöhnlich den Akkusativ bei sich: Dieses
bedeutend – bedingen 134

Engagement bedeutete für sie den ersten als angeschlossene Wortgruppe meist
MB Erfolg. Das bedeutet einen Eingriff in
meine Rechte. Wenn solche Sätze den
im Nominativ: Er redete über die in
Deutschland immer noch unterschätzte
Mbede bestimmten oder unbestimmten Artikel
enthalten, darf nach bedeuten kein No-
Bedeutung der Popmusik als Wirt-
schaftsfaktor (Berliner Zeitung). Dazu
minativ stehen (also nicht: Das bedeutet kommt die wachsende Bedeutung des
der erste Erfolg. Dieses bedeutet ein Ein- Landes als Gaslieferant Europas (Han-
griff). Weil aber bedeuten auch im Sinn delsblatt). Der Genitiv ist selten; die Vor-
von »so viel sein wie« eine Gleichset- aussetzung für seinen Gebrauch ist, dass
zung ausdrücken kann (round table be- dem Substantiv ein flektiertes Wort vo-
deutet »runder Tisch«), kommen Sätze rausgeht: Von der Bedeutung Europas als
ohne Artikel auch mit dem Nominativ eines ernstzunehmenden Machtfaktors
vor, z. B. Mord bedeutet elektrischer wird zwar seit Jahrzehnten geredet (Stan-
Stuhl. Diese Ernennung bedeutet für sie dard). Aber auch bei vorausgehendem
schneller Aufstieg. Der Nominativ ist hier Artikelwort oder Adjektiv ist der Nomi-
korrekt. nativ häufiger: Wir greifen dieses Thema
2. er bedeutete mir / er bedeutete mich auf und wollen die Bedeutung des Lesens
...: Im Sinne von »zu verstehen geben« als eine der vier Grundfertigkeiten des
steht bedeuten mit dem Dativ: Er bedeu- Spracherwerbs darstellen (Süddeutsche
tete mir zu schweigen. Sie bedeutete ihm, Zeitung). Das Engagement steht in kei-
er solle den Wagen holen. Die Verbin- nem Verhältnis zur Bedeutung der KfW
dung mit dem Akkusativ im Sinne von als ein Eigentümer unter vielen (Handels-
»belehren« ist veraltet: Jedenfalls will er blatt). ↑ als (3).
mich dahin bedeuten, die Myrte sei ein bedienen, sich: Bei sich jmds. , einer Sache
Opferschmuck ... (Th. Mann). als etwas bedienen steht das unmittelbar
bedeutend: Groß schreibt man das sub- mit als angeschlossene Substantiv im
stantivierte Adjektiv: das Bedeutende; Nominativ: Sie bedienten sich dieser
etwas Bedeutendes. Die Großschreibung Wiese als Flugplatz. Er bediente sich sei-
gilt auch dann, wenn bedeutend mit vo- nes Bruders als Dolmetscher. Mit Artikel
rangehendem Artikel für ein einfaches und / oder adjektivischem Attribut ist
Adverb steht: Ihr Zustand hat sich um auch der Genitiv möglich: Sie bedienten
ein Bedeutendes (= sehr) verbessert. sich dieser Wiese als eines Flugplatzes.
↑ Groß- oder Kleinschreibung (1.2.1). Er bediente sich seines Bruders als ge-
bedeutend / bedeutsam: Das Adjektiv be- schickten Dolmetschers. ↑ als (3). Zu ei-
deutend heißt so viel wie »bemerkens- nem Satz wie Er lässt sich bedienen wie
wert, groß, außergewöhnlich, hervorra- ein Fürst / wie einen Fürsten ↑ wie (5);
gend« und drückt Lob, Wertschätzung als (6).
und Anerkennung aus: Sie ist eine be- Bedienstete, der und die: 1. tüchtigem Be-
deutende Verlegerin. Dies war ein bedeu- diensteten / Bedienstetem x ihr als Be-
tendes Ereignis. Das Adjektiv bedeutsam diensteten / Bediensteter : Zur Deklina-
gebraucht man in Bezug auf etwas, was tion substantivierter Adjektive ↑ Abge-
sich als wichtig erweist. Es wird in der ordnete; ↑ Substantivierungen (2).
Regel nicht auf Personen bezogen: Das 2. einige Bedienstete x alle Bediensteten x
ist eine bedeutsame Entdeckung. Die solche Bedienstete[n]: Zur Deklination
Rede des Präsidenten war für uns alle be- von Bedienstete nach alle, beide, einige
deutsam. usw. ↑ all- usw.
Bedeutung: Nach Bedeutung mit attributi- bedingen: In den Bedeutungen »voraus-
vem Genitiv steht eine unmittelbar mit setzen« und »zur Folge haben« wird be-
135 Bedingungssatz – befinden / finden

dingen heute nur schwach konjugiert: rekte Rede [2]). Es heißt also: Er sagte, er
Diese Aufgabe bedingte Fleiß und Kön-
nen. Der Produktionsausfall ist durch den
befehle ihm mitzuhelfen. Er fragte, zu
welchem Zeitpunkt er die Sprengung der
M
B
Streik bedingt. Er gab uns nur eine be-
dingte (= eingeschränkte) Zusage. In der
Brücke befehle. Der Konjunktiv II (be-
föhle oder befähle) steht vor allem im M
befi
veralteten Bedeutung »als Bedingung ↑ Konditionalsatz (2 und 3). Daher heißt
stellen, vereinbaren« wird bedingen da- es: Der Vormarsch könnte gestoppt wer-
gegen stark konjugiert. Hier kommt al- den, wenn er ihm befähle, die Brücke zu
lerdings nur noch das Partizip II vor: der sprengen. – Zum Konjunktiv II in der in-
bedungene Lohn. Sonst wird statt des direkten Rede (↑ indirekte Rede [2]).
einfachen Verbs das Partikelverb ↑ aus- befallen: Das Partizip II von befallen wird
bedingen gebraucht. als Attribut nur in passivischem Sinn
Bedingungssatz: ↑ Konditionalsatz. verwendet: Die [von der Seuche] befalle-
bedünken: ↑ dünken (2). nen Schweine wurden geschlachtet. Akti-
bedürfen: Das Verb bedürfen gehört zu vischer Gebrauch ist nicht üblich. Also
den wenigen Verben, die ein Genitivob- nicht: die ihn befallene Krankheit, son-
jekt bei sich haben: Er bedarf der Scho- dern: die Krankheit, die ihn befallen hat .
nung. Es bedurfte nur eines Wortes und ↑ Partizip und Partizipialgruppe (2.1).
alles war gut. Wenn dem Substantiv kein befassen: Das Verb befassen wird heute
flektiertes Artikelwort oder Adjektiv vo- nicht nur reflexiv gebraucht (sich mit je-
rangeht, bleibt es immer endungslos: mandem, mit etwas befassen), sondern
Dazu bedarf es Geld / Mut. kommt nach dem Muster von beschäfti-
beeiden, beeidigen / vereidigen: Die Ver- gen auch transitiv vor. Diese Verwen-
ben beeidigen und beeiden werden ohne dung gehört der Amtssprache an und
Bedeutungsunterschied im Sinne von gilt als stilistisch unschön, z. B.: Sie be-
»durch einen Eid bekräftigen, beschwö- fasste die Gerichte mit Klagen.
ren« gebraucht. Darüber hinaus wird be- befehlen: 1. befehlen / befiehl!: Im Indika-
eidigen in der österr. Amtssprache auch tiv des Präsens heißt es: ich befehle, du
wie vereidigen »unter Eid nehmen« be- befiehlst, er befiehlt. Der Imperativ lau-
nutzt, allerdings meist unter Verwen- tet: befiehl! (nicht: befehle!). ↑ e / i-Wech-
dung des Partizips II: eine beeidigte sel.
Sachverständige. Sonst ist dieser Ge- 2. beföhle / befähle: Im Konjunktiv II sind
brauch veraltet. die Formen beföhle und befähle möglich,
beeinflussbar / beeinflussfähig: ↑ -bar / -fä- beide kommen aber nur sehr selten vor.
hig. ↑ Konjunktiv (1.3).
beerben: Das Verb beerben wird heute all- 3. befehle / befähle: ↑ befähle / befehle.
gemein in der Bedeutung »jemandes Befehlsform: ↑ Imperativ.
Erbe antreten, bekommen« gebraucht: Befehlssatz: ↑ Aufforderungssatz.
Der Neffe hat seinen verstorbenen Onkel befestigen: Nach befestigen an ... und be-
beerbt. In der Rechtssprache hat sich festigen auf ... steht heute der Dativ
vereinzelt auch der ältere Gebrauch von (Frage: wo?): Sie befestigte die Girlande
beerben im Sinne von »jemanden zum an der Wand. Die Decke wird auf dem
Erben einsetzen« erhalten (Der Verstor- Sattel befestigt.
bene hat seine einzige Tochter beerbt). befinden / finden: Die beiden Verben kom-
Beete: ↑ Bete / Beete. men sich in der Bedeutung »beurteilen«
befähle / befehle: Die Form des Konjunk- relativ nahe, werden aber unterschied-
tivs I ist befehle. Der Konjunktiv I steht lich gebraucht. Das Verb befinden be-
vor allem in der indirekten Rede (↑ indi- deutet »nach eingehender Prüfung zu ei-
befindlich – begleiten 136

ner Erkenntnis kommen« und wird mit nung bezeichnen: Ich habe im Urlaub ei-
MB für oder als verbunden: Der Verräter
wurde für / als schuldig befunden. Man
nen alten Bekannten getroffen. Wo kann
ich dich morgen treffen? Sie trafen sich zu
Mbefi befand mich für / als würdig, in die Ge-
meinschaft aufgenommen zu werden. Das
einer Unterredung.
Begehr: Es heißt sowohl das Begehr als
Verb finden hat mehr den Sinn »eine be- auch (seltener) der Begehr.
stimmte persönliche Ansicht über je- beginnen: 1. Konjunktiv: Im Konjunktiv II
manden oder etwas haben«: Ich finde wird heute meist die Form begänne , sel-
ihn wirklich entsetzlich langweilig. Er tener begönne gebraucht. ↑ Konjunktiv
fand das ganz in Ordnung. (1.3).
befindlich: Das Adjektiv befindlich gehört 2. Gebrauch des Partizips II: Die Möglich-
zwar zu sich befinden, es wird aber nicht keit des attributiven Gebrauchs beim
wie dieses Verb mit sich verbunden. Also transitiv gebrauchten Verb (das begon-
nicht: der sich im Kasten befindliche nene Projekt, die begonnene Sanierung)
Schmuck, sondern: der im Kasten be- wird auch auf den intransitiven Ge-
findliche Schmuck oder (stilistisch weni- brauch übertragen: begonnene Erholung,
ger schön): der sich im Kasten befin- begonnene Talfahrt. Teilweise kann die
dende Schmuck. Grenze zwischen transitivem und in-
befleißen / befleißigen : Statt sich einer Sa- transitivem Gebrauch nicht eindeutig
che befleißigen »sich eifrig um etwas be- gezogen werden: der begonnene Frie-
mühen« kam früher auch das starke densprozess (intransitiv: der Friedens-
Verb sich bef leißen (er bef liss sich, hat prozess hat begonnen, transitiv: der
sich bef lissen) vor: Und gerade dann, Friedensprozess wurde begonnen). ↑ Par-
wenn Julika sich besonderer Zärtlichkeit tizip und Partizipialgruppe (1.3).
bef liss ... (Frisch). 3. Komma: Wenn beginnen mit einer Infi-
befriedigend: ↑ Zensuren. nitivgruppe verbunden ist, kann man
Befriedigung / Befriedung: Befriedigung ein Komma setzen: Er begann ein Loch
entspricht in der Bedeutung dem Verb zu bohren / Er begann, ein Loch zu boh-
befriedigen »zufriedenstellen«, Befrie- ren. ↑ Komma (5.2).
dung dagegen entspricht befrieden begleichen: Das Verb begleichen mit der
»Frieden bringen«. Die beiden Verbal- Bedeutung »bezahlen« bezieht sich nur
abstrakta werden gelegentlich miteinan- auf etwas, was für eine Ware oder Leis-
der verwechselt, so in folgendem Bei- tung in Rechnung gestellt wird, also z. B.
spiel: Die Glaubwürdigkeit internationa- auf eine noch offene Rechnung oder eine
ler Aussprachen ... werde gewinnen, wenn Summe, die man für etwas entrichtet,
das Eingreifen der UN zu einer Befriedi- nicht aber auf die Ware oder die Leis-
gung auch für die Zukunft führe (Wiesba- tung selbst: Man sagt also richtig: eine
dener Kurier). Richtig muss es heißen: ... Rechnung, einen Betrag begleichen, seine
wenn das Eingreifen der UN zu einer Be- Schulden begleichen, die Zeche beglei-
friedung ... führe. chen, aber nicht: die Lebensmittel, die
begegnen / treffen: Bei der Verwendung Lieferung, die Reparatur begleichen.
von begegnen und treffen ist Folgendes begleiten: 1. jemanden auf einer Reise be-
zu beachten: Mit begegnen wird ein zu- gleiten / auf eine Reise begleiten: Bei be-
fälliges Zusammentreffen bezeichnet: gleiten steht die Angabe des Ziels ge-
Wir begegneten uns auf der Straße. Ich wöhnlich im Akkusativ (Frage: wohin?):
bin ihm erst kürzlich begegnet. Das Verb Er begleitete mich auf die Straße, vor das
treffen kann dagegen sowohl eine zufäl- Tor, in den Park. In Verbindung mit der
lige als auch eine beabsichtigte Begeg- Präposition auf steht jedoch meist der
137 begriffliches Substantiv – behindern / hindern

Dativ, wenn ausgedrückt wird, dass man man das Adjektiv mit ä (frühere Recht-
eine Reise o. Ä. gemeinsam unternimmt:
Ich begleite ihn auf dieser (seltener: auf
schreibung: behende). ↑ ä / e.
2. Weglassen des e: Der Superlativ von
M
B
diese) Reise. Das gilt besonders bei über-
tragener Bedeutung: Unsere besten Wün-
behänd[e] lautet behändeste, am behän-
desten. Das e der vorletzten Silbe fällt im M
behi
sche begleiten ihn auf seinem ferneren Allgemeinen nicht weg. ↑ Vergleichsfor-
Lebensweg. In der Bedeutung »ein Solo men (2.3).
auf einem oder mehreren Instrumenten behangen / behängt: Das Partizip II des
unterstützen« ist nur der Dativ möglich: transitiven Verbs behängen lautet meist
Er begleitete den Sänger auf dem Klavier. behängt (manchmal: behangen): Sie hat-
2. begleiten / bekleiden: Es heißt ein Amt ten den Vorbau mit bunten Girlanden be-
(eine Stellung, einen Posten u. Ä.) beklei- hängt . Die Wände waren mit Teppichen
den (nicht: ... begleiten). behängt. Die Dachrinne war mit Eiszap-
begriffliches Substantiv: ↑ Abstraktum. fen behangen. ↑ hängen.
begründen / gründen: Zwischen beiden beharren: In Verbindung mit der Präposi-
Verben besteht ein Bedeutungsunter- tion auf steht nach beharren fast immer
schied. Das Verb begründen hat – abge- der Dativ: Ich beharre auf meinem An-
sehen von anderen Verwendungswei- spruch . Vereinzelt tritt auch der Akku-
sen – die Bedeutung »eine Grundlage sativ auf: Ich beharre auf meinen An-
schaffen für etwas«. Es wird im Allge- spruch.
meinen auf etwas Abstraktes bezogen: beheizen / heizen: Man kann nur das Verb
jmds. Ruhm, Reichtum, Ruf, eine Theorie, heizen verwenden, wenn kein Objekt ge-
Herrschaft, Schule (= Denkrichtung) be- nannt ist: Wir heizen (nicht: beheizen)
gründen. Dagegen hat gründen die Be- elektrisch. Bei uns wird ab 15. September
deutung »ins Leben rufen, etwas neu geheizt. Die Verwendung von beheizen
schaffen«. Es wird im Allgemeinen auf statt heizen ist dann üblich, wenn ange-
Einrichtungen, auf Formen menschli- geben wird, womit oder auf welche Art
cher Gemeinschaft u. Ä. bezogen: eine geheizt wird, oder wenn ausgedrückt
Stadt, eine Firma, ein Unternehmen, ein werden soll, dass etwas mit Wärmeener-
Netzwerk, einen Verein, eine Familie, ei- gie versorgt wird. Es gehört also vor al-
nen Hausstand, eine Existenz gründen. lem der technischen und der Verwal-
Anstelle von gründen wird in diesen tungssprache an: Der Kessel kann mit Öl
Fällen häufig auch begründen gebraucht, oder Kohle beheizt werden. Es waren 13
wobei dann das Präfix be- im Sinne einer Räume zu beheizen. Man beheizte das
Verstärkung zu verstehen ist. So z. B.: ei- Haus durch Fernwärme. Sonst ist auch
nen Hausstand, einen Verein grün- heizen gebräuchlich: Der Vater heizt den
den / begründen. Ofen. Der Saal war schlecht geheizt.
Begründungsangabe / Begründungsergän- behelfen: Während helfen nur mit dem
zung: ↑ adverbiale Bestimmung. Dativ verbunden wird (ich helfe dir; ich
Begründungssatz: ↑ Kausalsatz. helfe mir selbst), kann bei sich behelfen
begrüßen: Bei begrüßen als steht das dem das Reflexiv im Akkusativ oder im Dativ
als folgende Substantiv im Akkusativ, stehen: Ich behalf mich (oder: mir) not-
wenn es sich auf den Begrüßten bezieht: dürftig mit einem alten Mantel. Kannst
Wir begrüßen Sie als neuen Kunden. ↑ als du dich (oder: dir) so lange behelfen?
(5). behend[e]: Alte Schreibung für ↑ be-
behänd[e]: 1. Rechtschreibung: Aufgrund händ[e].
seiner sprachgeschichtlichen Zugehörig- behindern / hindern / verhindern: Beim Ge-
keit zur Wortfamilie von Hand schreibt brauch dieser Verben treten gelegentlich
Behinderte – beide 138

Schwierigkeiten auf. Das Verb behindern bei) er verunglückte. ↑ Pronominal-


MB bedeutet »hemmen; störend aufhalten«;
es drückt aus, dass etwas erschwert
adverb (4).
3. bei was / wobei : Die Verbindung von

MBehi wird, aber nicht, dass es unmöglich ge-


macht wird: Der Betrunkene behinderte
bei + was (Bei was hast du dich denn
verletzt?) kommt nicht nur in der ge-
den Verkehr. Die Spielerinnen behinder- sprochenen, sondern auch in der ge-
ten sich gegenseitig. Das Verb verhindern schriebenen Standardsprache in Frage-
bedeutet dagegen »bewirken, dass etwas sätzen vor. In der geschriebenen Stan-
nicht geschieht oder getan wird«. Wer dardsprache dominiert hier jedoch ein-
etwas verhindert, macht es unmöglich: deutig der Gebrauch des Pronominalad-
Sie verhinderte ein Unglück. Der Chef war verbs wobei: Wobei hast du dich denn
dienstlich verhindert (= er konnte nicht verletzt? Er wollte ihr nicht sagen, wobei
kommen). Das einfache Verb hindern er solche Probleme hatte. ↑ Pronominal-
schließlich kann sowohl im Sinne von adverb (4 und 5).
»behindern« als auch im Sinne von »ver- beide: 1a) wir beide / wir beiden x ihr bei-
hindern« eingesetzt werden: Der Ver- de / ihr beiden : Nach den verschiedenen
band hinderte sie sehr beim Schreiben. Formen des Personalpronomens wird
Der Nebel hinderte ihn schneller zu fah- beide stark dekliniert, nur im Nominativ
ren. In Verbindung mit der Präposition nach wir und ihr tritt daneben die
an hat hindern immer die Bedeutung schwache Flexion auf. Nach wir ist sie
»verhindern«: Der Lärm hinderte mich seltener: Wir beide (seltener: wir beiden)
am Einschlafen. Niemand kann mich da- werden jetzt die Sache bereinigen. Nach
ran hindern, morgen abzureisen. ihr hat beide meist die schwache Form,
Behinderte, der und die: Gelegentlich wird besonders wenn es als Anrede herausge-
das Wort Behinderte als zu unpersönlich hoben ist: Ihr beiden , seid ihr wieder ver-
und damit diskriminierend kritisiert. söhnt? Seid ihr beiden / ihr beide wieder
Um nicht den Eindruck von Diskrimi- versöhnt? Zwischen wir bzw. ihr und ei-
nierung zu erwecken, kann man von be- nem Substantiv wird beide wie ein ge-
hinderten Personen, behinderten Men- wöhnliches Adjektiv schwach dekliniert:
schen oder Menschen mit Behinderung wir beiden Armen, ihr beiden Diebe. Die
sprechen. Zur Deklination ↑ Substanti- übrigen Formen lauten: Nominativ: sie
vierungen (2.1). beide. Genitiv: unser, euer, ihrer beider.
bei: 1. bei mit dem Dativ: Die Präposition Dativ: uns, euch, ihnen beiden. Akkusa-
bei regiert standardsprachlich aus- tiv: uns, euch, sie beide. Beispiele: Sie
schließlich den Dativ. Regional- und um- beide waren schuld. Mit unser beider
gangssprachlich kommt noch der (früher Hilfe. Euer beider Anteilnahme wird sie
gebräuchliche) Akkusativ vor: Komm bei getröstet haben. Der Gegenstand ihrer
mich! Die Fliegen gehen bei die Wurst. beider Interesses ... Für uns beide allein ...
Heute gehen wir bei Tante Emma. Stan- Euch beide unartigen Kinder kann ich
dardsprachlich heißt es hier zu oder an: nicht mitnehmen. b) dies[es] beides, diese
Komm zu mir! Die Fliegen gehen an die beiden / alles beides, alle beide: Nach
Wurst. ↑ in / nach / zu / bei. dem Neutrum Singular dies[es] und alles
2. bei dem, bei der / wobei: Bei relativi- sowie nach alle wird beide stark dekli-
schem Gebrauch steht bei mit dem Rela- niert: dies[es] beides, alles beides, alle
tivpronomen, nicht das Pronominalad- beide. Man bedarf aller beider. Nach den
verb wobei. Es heißt also z. B.: Der Pluralformen diese, jene wird dagegen
Freund, bei dem (nicht: wobei) ich schwach dekliniert: Diese beiden habe
wohnte. Die Fahrt, bei der (nicht: wo- ich gesehen. Jene beiden kamen zurück.
139 beiderseitig / gegenseitig

c) beide jungen Mädchen / beide junge dann gebraucht man beide: Das Werk
Mädchen x beide Abgeordneten / beide Ab-
geordnete: Ein attributives Adjektiv wird
und die Aufführung, beide gaben den Kri-
tikern Rätsel auf.
M
B
nach beide meist schwach dekliniert:
beide jungen Mädchen. Die starke Fle-
4. die beiden ersten ... / die ersten bei-
den ...: Die Fügung die beiden ersten ...
M
beid
xion überwiegt aber im Genitiv Plural: bezieht sich auf das erste Element
die Bürger beider deutscher Staaten. Bei zweier verschiedener Größen: die beiden
den substantivierten Adjektiven und ersten Strophen zweier Gedichte. Im Ge-
Partizipien kommen starke und schwa- gensatz dazu bezieht sich die ersten bei-
che Formen gleichermaßen vor: beide den ... auf die Elemente eins und zwei ei-
Abgeordneten/Abgeordnete, Angestellten/ ner einzigen Größe: die ersten beiden
Angestellte, Beamten/Beamte, Reisen- Gesänge der Odyssee; die ersten beiden
den/Reisende, beider Kranken/Kranker, Verse (= das erste Verspaar) eines Ge-
Toten/Toter. ↑ Adjektiv (1.5), ↑ Substanti- dichts. Nicht so deutlich ausgeprägt ist
vierungen (2.1). der Unterschied, wenn die zeitliche Rei-
2a) beide / die beiden: Sowohl beide wie henfolge gemeint ist: die ersten beiden
die beiden bezieht sich auf zwei schon Besucher / die beiden ersten Besucher.
bekannte oder genannte Lebewesen 5. Rechtschreibung: Das Wort beide wird
oder Dinge. Die Form beide wird im auch in Verbindung mit einem Artikel
Satz besonders betont und drückt aus, immer kleingeschrieben: Es waren die
dass die Aussage die zwei in gleicher beiden dort. Einer von beiden / Einer von
Weise betrifft: Beide Brüder sind gefan- den beiden muss es gewesen sein. Auch
gen (= alle zwei, nicht nur einer). Es gibt bei der Anrede im Brief ist beide kleinzu-
darüber zwei Theorien; sie sind beide schreiben: Ich grüße Sie beide herzlich.
falsch. Der Ausdruck die beiden ist ↑ Groß- oder Kleinschreibung (1.2.4).
meist nicht betont. Er nimmt Vorer- beiderseitig / gegenseitig: Das Adjektiv
wähntes auf und fasst die Aussage über beiderseitig drückt aus, dass etwas für
die zwei nur zusammen: Die beiden zwei Partner in gleicher Weise gilt, wäh-
Brüder sind gefangen (nicht entkom- rend gegenseitig zwei Partner unmittel-
men). Ich habe die beiden (= sie, die bar zueinander in Beziehung setzt. So
zwei) gestern gesehen. b) wir zwei bei- sagt z. B. der Satz Sie handelten in gegen-
de[n]: Da zwei und beide gleichbedeu- seitigem Einverständnis aus, dass zwei
tend sind, sind Fügungen wie die zwei Partner wechselseitig mit ihrem Han-
beiden oder wir zwei beide[n] ein ↑ Pleo- deln einverstanden sind. Dagegen meint
nasmus. Sie werden manchmal verstär- der Satz Wir lösen den Vertrag in / mit
kend oder auch scherzhaft in der nord- beiderseitigem Einverständnis, dass
und mitteldeutschen Umgangssprache beide Partner mit der Lösung des Vertra-
gebraucht. ges einverstanden sind; beiderseitig be-
3. beide / beides: In bestimmten Fällen zieht sich also auf das Verhältnis zweier
(aber nicht, wenn es sich um Personen Partner zu einer Sache, gegenseitig be-
handelt) kann man statt der allein ste- zieht sich auf das Verhältnis zweier Part-
henden Pluralform beide das Neutrum ner zueinander in Bezug auf eine Sache.
Singular beides verwenden. Damit wird Es ist zu beachten, dass beiderseitig im
die Zusammenfassung der genannten Unterschied zu gegenseitig nicht als ad-
Dinge zu einer Einheit bezeichnet: Buch verbiale Bestimmung verwendet werden
und Regenschirm, beides hatte er im Ab- kann; in diesem Fall muss beiderseits ge-
teil liegen lassen. Werden dagegen die braucht werden: Sie beschuldigten sich
betreffenden Dinge für sich gesehen, gegenseitig des Verrats. Aber: Man war
beiderseits – beisammen 140

beiderseits (nicht: beiderseitig) nicht be- dass der Sender beigefügt sei. Andere
MB reit nachzugeben. ↑ beiderseits.
beiderseits: Als Präposition wird beider-
Formulierungen sind: Hiermit übersende
ich Ihnen ... oder Anbei erhalten Sie ...
Mbeid seits mit dem Genitiv verbunden: beider- ↑ Partizip und Partizipialgruppe (1).
seits des Weges, des Flusses; die Autobah- Beilage / Beilegung: Die beiden Wörter ha-
nen, die Wälder beiderseits Heidelbergs. ben nicht dieselbe Bedeutung. Beilage
Nicht korrekt ist es, einen Ortsnamen bedeutet »Zutat zu einem Gericht« (z. B.
unflektiert zu lassen. Man kann aber Gemüsebeilage) und »beigelegtes Blatt
von verwenden: die Wälder beiderseits oder Heft« (z. B. Lokalteil einer Zeitung),
von Heidelberg. ↑ geografische Namen österr. auch »Anlage zu einem Brief«.
(1.1.1), ↑ beiderseitig / gegenseitig. Beilegung schließt sich in der Bedeutung
beieinander: Vom folgenden Verb sein an beilegen »schlichten, aus der Welt
schreibt man beieinander immer ge- schaffen« an (einen Streit beilegen). Da-
trennt: Wir werden heute beieinander her heißt es: Die Beilegung (nicht: Bei-
sein. Sie soll noch gut beieinander sein (= lage) des Streites ist gelungen. Sonst
gesund sein). Mit einem anderen folgen- empfiehlt es sich, als Bezeichnung des
den Verb schreibt man beieinander zu- Vorgangs den substantivierten Infinitiv
sammen, wenn der Hauptakzent auf zu verwenden: Das Beilegen von Briefen
dem a von beieinander liegt: Sie wollen ist nicht erwünscht. ↑ Nominalstil.
beieinanderbleiben. Sie werden das Geld beiliegend: Die in Geschäftsbriefen häufig
˙
bald beieinanderhaben. Aber getrennt gebrauchte Formulierung Beiliegend
bei Akzent˙auf dem Verb: sich beieinan- übersende ich Ihnen ... ist zwar gramma-
der ausweinen.↑ Getrennt- oder Zusam- ˙ tisch nicht eindeutig, kann aber nicht in
menschreibung (1.3). dem Sinne missverstanden werden, dass
Beifügung: ↑ Attribut. der Absender beiliegt. Andere Formulie-
Beifügungssatz: ↑ Attributsatz. rungen sind: Hiermit / Als Anlage über-
beige: 1. ein beige Kleid / ein beiges sende ich Ihnen ... ↑ Partizip und Partizi-
Kleid / ein beigefarbenes Kleid: Das ur- pialgruppe (1).
sprünglich nicht flektierbare Farbadjek- beim: Diese Verschmelzung aus bei und
tiv wird heute in attributiver Funktion dem wird ohne Apostroph geschrieben.
sowohl unflektiert als auch flektiert ge- ↑ Apostroph (1.2); ↑ Präposition (1.2.1).
braucht: ein beige Kleid / ein beiges beinhalten: Das Verb beinhalten wird
Kleid . Will man die Wahl zwischen der schwach konjugiert. Es heißt also: Der
flektierten und der unflektierten Form Vertrag beinhaltete den Austausch diplo-
umgehen, kann man auf Komposita mit matischer Vertretungen. Sein Vorschlag
-farben oder -farbig ausweichen: ein hat beinhaltet, dass ...
beigefarbenes Kleid, beigefarbige Schuhe. beisammen: Getrennt schreibt man bei-
↑ Farbbezeichnungen (2.2). sammen in Verbindung mit sein: Wir
2. in Beige: In Verbindung mit einem Ar- werden bald beisammen sein. Sie sind
tikel oder einer Präposition wird beige lange beisammen gewesen. Die alte
großgeschrieben: das Beige in der Ta- Dame soll noch gut beisammen sein (ugs.
pete, Kostüme in Beige. ↑ Farbbezeich- für: »noch rüstig sein«). Zusammen
nungen (3.2). schreibt man beisammen in Verbindung
beigefügt: Die in Geschäftsbriefen häufig mit anderen Verben: Wir wollen gemüt-
gebrauchte Formulierung Beigefügt lich beisammensitzen. Wir werden das
übersenden wir Ihnen ... ist zwar gram- Geld bald beisammenhaben. Er kann sie
matisch nicht eindeutig, kann aber nicht nicht alle beisammenhaben (ugs. für:
in dem Sinne missverstanden werden, »kann nicht richtig bei Verstand sein«).
141 Beisatz – Bekannte

↑ Getrennt- oder Zusammenschreibung risch ist jedoch die Perfektbildung mit


(1.3).
Beisatz: ↑ Apposition.
sein gebräuchlich. ↑ Tempus (3).
Beistrich: ↑ Komma.
M
B
beiseite: Das Adverb beiseite wird in ei-
nem Wort geschrieben: Spaß beiseite!
beitragen: In den Verbindungen das Sei-
ne / das Seinige (= seinen Teil) beitragen M
Beka
Mit einem folgenden Verb schreibt man und das Ihre / das Ihrige beitragen kann
beiseite in der Regel zusammen: Der man das Pronomen groß- oder klein-
Mörder hat die Leiche beiseitegeschafft. schreiben. Also auch möglich: das sei-
Er hat ihr in dieser schwierigen Situation ne / seinige oder das ihre / ihrige beitra-
beiseitegestanden. Würden Sie bitte mal gen.
beiseitetreten? Aber getrennt bei Akzent bekannt: 1. bekannt wegen / durch / für:
auf dem Verb: den Karton beiseite abstel- Wie berüchtigt und berühmt wird be-
˙
len. ↑ Verblassen des Substantivs; vgl. kannt mit der Präposition wegen ver-
auch ↑ Seite; ↑ Getrennt- oder Zusam- bunden, wenn der bloße Grund für die
menschreibung (1.3). Bekanntheit angegeben werden soll:
beispielsweise[,] dass: In Verbindung mit Er ist wegen seines Ehrgeizes (nicht:
der Konjunktion dass wird nach bei- durch seinen Ehrgeiz) bekannt. Häufi-
spielsweise gewöhnlich ein Komma ge- ger wird die Präposition für ge-
setzt: Nach dem Unfall wurden einige braucht: Er ist bekannt für seine gute
Details bekannt, beispielsweise, dass die Ware. Sie ist bekannt dafür, dass sie
Beifahrerin nicht angeschnallt war. Man geizig ist. Die Präposition durch be-
kann die Fügung aber auch als kon- zeichnet dagegen das Mittel, mit dem
junktionale Einheit ansehen und das sich eine Person bekannt gemacht hat
Komma weglassen: Nach dem Unfall oder durch das sie bekannt geworden
wurden einige Details bekannt, bei- ist: Er ist durch seinen Ehrgeiz be-
spielsweise dass die Beifahrerin nicht kannt geworden, hat sich durch seinen
angeschnallt war. Ehrgeiz bekannt gemacht.
beißen: 1. Der Hund beißt ihm / ihn ins Bein: 2. die Maßnahmen des als harter Sparer
Bei dem Verb beißen kann ein Ausdruck bekannten Ministers: ↑ Attribut (1).
im Akkusativ allein als Objekt stehen 3. Rechtschreibung: In Verbindung mit
(Der Hund beißt den Fremden) oder zu- dem Verb sein wird getrennt geschrie-
sätzlich zu einer adverbialen Bestim- ben: bekannt sein; er ist mit ihr gut be-
mung, die sich auf einen Körperteil be- kannt gewesen. In Verbindung mit allen
zieht: Der Hund beißt den Fremden ins anderen Verben kann getrennt oder zu-
Bein. Der Dativ tritt nur zusammen mit sammengeschrieben werden: Er hat sie
der adverbialen Bestimmung auf: Der miteinander bekannt gemacht / bekannt-
Hund beißt dem Fremden ins Bein. Mit gemacht. Das Ergebnis der Wahl wird
auf steht immer der Dativ: Ich habe mir morgen bekannt gegeben / bekanntgege-
auf die Lippe gebissen. ben. Das Vergehen ist bekannt gewor-
2. Der Rauch beißt mir / mich in die Augen: den / bekanntgeworden. ↑ Getrennt- oder
Auch bei übertragenem Gebrauch wird Zusammenschreibung (1.2).
meist der Dativ verwendet: Der Rauch Bekannte, der und die: 1. oben genanntem
biss mir (selten: biss mich) in die Augen. Bekannten / Bekanntem x ihr als Bekann-
Vgl. auch ↑ schlagen, ↑ schneiden, ↑ treten ten / Bekannter : Zur Deklination sub-
u. a. stantivierter Adjektive ↑ Abgeordnete;
beistehen: Das Perfekt wird mit haben ge- ↑ Substantivierungen (2).
bildet: Er hat mir beigestanden. Süd- 2. einige Bekannte x alle Bekannten x sol-
deutsch, österreichisch und schweize- che Bekannte[n]: Zur Deklination von Be-
bekennen, sich – benedeien 142

kannte nach alle, beide, einige usw. ↑ all- belemmert: Alte Schreibung für ↑ beläm-
MB usw.
bekennen, sich: Bei sich bekennen als steht
mert.
beleuchten / erleuchten: Das Verb beleuch-

Mbeke der dem als folgende Nominalausdruck


heute gewöhnlich im Nominativ, d. h. , er
ten wird gelegentlich mit erleuchten ver-
wechselt, etwa: die Fenster des Hauses
wird auf das Subjekt bezogen: Er be- waren noch beleuchtet (statt richtig: ...
kannte sich als eigentlicher Urheber des erleuchtet ). Das Verb beleuchten bedeu-
Streites. Der Akkusativ, d. h. die Bezie- tet »[von außen] Licht auf etwas werfen«
hung auf sich, ist veraltet: Er bekannte (Die Bühne wird mit Scheinwerfern be-
sich als eigentlichen Urheber. ↑ als (6). leuchtet) oder »etwas mit Licht ver-
Beklagte, der und die: ↑ Angeklagte. sehen« (ein Fahrzeug beleuchten). Dage-
bekleiden / begleiten: ↑ begleiten (2). gen bedeutet etw. wird erleuchtet, dass
bekommen: In Verbindung mit dem Par- etwas von innen mit Licht erfüllt wird:
tizip II bestimmter Verben kann be- Der Saal war festlich erleuchtet. Im Un-
kommen als Hilfsverb des sogenannten terschied zu beleuchten kann bei kon-
bekommen-Passivs gebraucht werden: kreter (nicht übertragener) Bedeutung
Die Bücher wurden ihm geschenkt – Er von erleuchten nicht der Mensch, son-
bekam die Bücher geschenkt. ↑ Passiv dern nur die Lichtquelle im Subjekt ste-
(2). hen. Nicht richtig: Der Mann erleuchtete
Belag: Der Plural zu Belag lautet die Be- das Zimmer. Richtig ist: Viele Kerzen er-
läge. leuchteten das Zimmer .
belämmert: Das umgangssprachliche Ad- belieben: Das Verb belieben kann man
jektiv belämmert »verlegen, betreten; persönlich (ich beliebe) oder unpersön-
übel, schlimm« (Er macht ein beläm- lich (es beliebt mir) gebrauchen. Es wirkt
mertes Gesicht. Die Sache ist ziemlich leicht gespreizt und wird heute im Allge-
belämmert) hat nichts mit Lämmern zu meinen nur noch ironisch verwendet. Es
tun, sondern ist das Partizip II des nie- beliebt mir heißt so viel wie »es gefällt
derdeutschen Verbs belemmern »hin- mir, es macht mir Spaß oder Freude«
dern, in Verlegenheit bringen«. Trotz- (z. B.: Ihr könnt meinetwegen tun, was
dem wird es nach den neuen Recht- euch beliebt); ich beliebe bedeutet dage-
schreibregeln mit ä geschrieben, da der gen »ich wünsche, ich pflege, ich lasse
sprachhistorische Hintergrund nicht mich herbei« (z. B.: Er beliebte, lange zu
allgemein bekannt ist und das Wort schlafen. Sie beliebte, sich meiner zu erin-
deshalb mit Lamm in Verbindung ge- nern). ↑ Komma (5.2).
bracht wurde. beliebig: Das Adjektiv beliebig wird klein-
belasten: Das transitive Verb belasten be- geschrieben: jedes beliebige Buch; eine
deutet »beschweren, mit einer Last ver- beliebige Stadt. Groß schreibt man hin-
sehen«, in der Kaufmannssprache »mit gegen die Substantivierung: Du kannst
einem Sollbetrag belegen«. Man kann dir etwas Beliebiges (= etwas nach dei-
deshalb nicht Wir haben diesen Betrag nem Belieben) aussuchen; ein Beliebiger,
Ihrem Konto belastet schreiben, denn jeder Beliebige, alle Beliebigen, alles Be-
man kann nur das Konto, aber nicht den liebige. ↑ Groß- oder Kleinschreibung
Betrag belasten. Hier liegt eine unrich- (1.2.4).
tige Analogie zu gutschreiben vor (Wir Bendel: Alte Schreibung für ↑ Bändel.
haben diesen Betrag Ihrem Konto gutge- benedeien: Das Partizip II zu benedeien
schrieben). Bei belasten kann es nur hei- lautet gebenedeit oder benedeit. Als Be-
ßen: Wir haben Ihr Konto mit diesem Be- zeichnung für die Jungfrau Maria ist nur
trag belastet . die Gebenedeite gebräuchlich.
143 Bengel – Berg- / Berges-

Bengel: Standardsprachlich lautet der Plu- ich ihr Telefon gebrauchen?, wenn man
ral die Bengel . Die Pluralform die Ben-
gels ist umgangssprachlich.
das sagen will, was mit benutzen ausge-
drückt wird.
M
B
Benummerung: ↑ 1 Punkt (2).
benutzen: 1. benutzen / benützen: Zwischen
Bereich: Sowohl der Bereich wie das Be-
reich sind richtig. Im heutigen Sprachge- M
Berg
diesen beiden Formen besteht in der Be- brauch überwiegt jedoch der Gebrauch
deutung kein Unterschied; die Form mit des Maskulinums eindeutig: der private
Umlaut (benützen) wird bes. in Süd- Bereich, der Bereich des Erotischen .
deutschland, in der Schweiz und in Ös- bereit: In Verbindung mit dem Verb sein
terreich gebraucht. ↑ nutzen / nützen. schreibt man getrennt: Er wird bereit
2. benutzen / gebrauchen / verwenden: Das sein. Ansonsten wird zusammenge-
Verb benutzen hat drei voneinander ab- schrieben: Ich habe das Buch bereitge-
weichende Bedeutungen: 1. »sich einer legt. Er muss das Geld bereithalten. Wir
Sache ihrem Zweck entsprechend bedie- sollten uns bereithalten. Sie hat die Sa-
nen«: ein Handtuch benutzen; jmds. Tele- chen bereitgestellt. Die Bücher werden
fon benutzen; den Vordereingang benut- bereitliegen. Wir werden alles rechtzeitig
zen; die Bahn benutzen (= mit der Bahn bereithaben. Getrennt oder zusammen
fahren). 2. »jemanden oder etwas für ei- kann man schreiben: sich zu etwas bereit
nen bestimmten Zweck einsetzen«: ei- machen / bereitmachen; sich zu etwas
nen Jungen als Boten benutzen; eine bereit erklären / bereiterklären. ↑ Ge-
Pause zum Rauchen benutzen; eine Idee trennt- oder Zusammenschreibung (1.2).
für einen Film benutzen. 3. »jemanden bereits schon: Die Verwendung von bereits
oder etwas für seine Zwecke ausnut- schon sollte vermieden werden, da beide
zen«: eine Krankheit als Vorwand benut- Wörter dieselbe Bedeutung haben.
zen; ein Kind als Alibi benutzen. Soweit ↑ Pleonasmus. Man sollte also nicht sa-
Personen das Objekt sind, stehen sich gen: Sie ist bereits schon angekommen,
die Bedeutungen 2 und 3 sehr nahe; man sondern nur Sie ist bereits angekommen
sollte daher benutzen vermeiden, wenn oder Sie ist schon angekommen.
nur gemeint ist, dass man eine Person bereit- und zur Verfügung halten: ↑ Binde-
für eine bestimmte Aufgabe einsetzt. strich (1.1).
Hier sagt man besser verwenden (oder Berg- / Berges-: In Komposita mit Berg
einsetzen): Er verwendete ihn als Boten. schwankt bei einigen Wörtern die Bil-
Das Verb verwenden wird vor allem dann dungsweise mit oder ohne Fugenele-
gewählt, wenn es um den Gebrauch in ment. So stehen Berggipfel , Berghang
einem bestimmten Zusammenhang geht und Bergrücken neben Bergesgipfel, Ber-
(ein Buch im Unterricht verwenden) oder geshang und Bergesrücken. Die Formen
wenn ein Zweck angegeben wird. Wie- mit -es- klingen ein wenig poetisch. Nur
der anders ist es mit gebrauchen. Dieses mit Fugenelement ist Bergeshöhe ge-
Verb bezieht sich meist auf Dinge, die je- bräuchlich, auch das übertragen ge-
mand selbst besitzt oder zur Verfügung brauchte Substantiv Bergeslast wird nur
hat. Dabei wird der Zweck jedoch nicht mit -es- gebraucht. Kein Fugenelement
angegeben: Er gebraucht einen Kugel- enthalten u. a. folgende Substantive:
schreiber. Sie gebrauchte ihren Verstand. Bergadler, Bergbahn, Bergbau, Berg fahrt,
Auch: Er gebrauchte harte Worte, als er Berg fex, Berg führer, Berghotel, Berg-
davon sprach. Man kann gebrauchen krankheit, Bergkristall, Bergkuppe, Berg-
nicht mit allen Objekten verbinden, die mann, Bergpredigt, Bergrutsch, Bergstei-
bei benutzen möglich sind. Man sagt z. B. ger, Berg-und-Tal-Bahn, Bergwacht, Berg-
nicht: Er gebrauchte die Bahn oder Kann werk. ↑ Fugenelement.
bergab, bergan – bersten 144

bergab, bergan, bergauf: Diese drei Wör- Verb berichten hat ein Akkusativobjekt
MB ter sind selbstständige Adverbien, sie
werden nicht mit einem Verb zusam-
und ein Dativobjekt (jmd. berichtet
jmdm. etwas): Er hat seinem Vater alles
Mberg mengeschrieben: Wir sind bergab gelau-
fen; ... weil es hinter dem Dorf bergauf
berichtet. Mir wurde berichtet, dass ...
Früher wurde berichten nur mit dem Ak-
geht. Wir müssen eine halbe Stunde kusativ im Sinne von jmdn. berichten (=
bergan steigen. jmdn. unterrichten oder informieren)
bergen: 1. bergen / birg!: Im Indikativ des verbunden. Auf diesen Gebrauch geht
Präsens heißt es: ich berge, du birgst, er die Verwendung des Partizips II in Ver-
birgt. Der Imperativ lautet: birg! (nicht: bindung mit sein zurück: Wenn ich recht
berge!). ↑ e / i-Wechsel. berichtet bin, ist der Minister erkrankt.
2. Konjunktiv: Im Konjunktiv II wird Da bist du falsch berichtet.
heute ausschließlich (aber auch nur sehr 2. berichten über / berichten von: Der Un-
selten) die Form bärge gebraucht. Die terschied im Gebrauch der beiden Prä-
Formen börge und bürge sind veraltet. positionen ist nur gering. Man kann sa-
↑ Konjunktiv (1.3). gen, dass über jemanden, über etwas be-
Bergmann: Als Plural wird gewöhnlich die richten einen umfassenden, eingehenden
Bergleute (selten: die Bergmänner) ge- Bericht meint, während von jemandem,
braucht. ↑ Mann (2). von etwas berichten sich mehr auf Ein-
Bergnamen: ↑ Gebirgsnamen. zelheiten bezieht.
bergsteigen: Von bergsteigen werden nur Berliner / berlinerisch / berlinisch: Die Zu-
finite Formen verwendet, bei denen gehörigkeit zu Berlin und den Berlinern
berg- nicht wie eine Verbpartikel für sich wird heute überwiegend mit dem Wort
allein steht: Wollen wir in diesem Urlaub Berliner ausgedrückt, das als flexionslo-
bergsteigen? Wenn ich bergsteige, be- ses attributives Adjektiv gebraucht, aber
komme ich Herzklopfen. Beim Infinitiv immer großgeschrieben wird: der Berli-
und beim Partizip II wird aber die Parti- ner Verkehr, die Berliner Mundart, eine
kel zu bzw. das Präfix ge- wie bei einem Berliner Weiße, eine Berliner Firma
Partikelverb eingeschoben: In meiner Ju- (↑ Einwohnerbezeichnungen auf -er [7]).
gend bin / habe ich auch berggestiegen. Die Adjektive berlinisch und berlinerisch
Wir fahren nach Südtirol, um bergzustei- beziehen sich dagegen auf charakteristi-
gen. ↑ Getrennt- oder Zusammenschrei- sche Eigentümlichkeiten des Berliners,
bung (1.4); Verb (3); Partikelverb (2.3). vor allem auf seine Sprache. Die Form
Bericht: Die Person oder Sache, auf die berlinisch ist die ältere, sie wird beson-
sich ein Bericht bezieht, wird mit der ders in der Sprachwissenschaft ge-
Präposition über oder auch mit von an- braucht: Berlinisch, das Berlinische, die
geschlossen: Der Reporter gab einen Be- berlinische Mundart, ein berlinischer
richt über das Derby , von dem Derby. Ausdruck. Allgemeiner gebräuchlich ist
↑ berichten (2). Besonders vor Lage oder berlinerisch: ein typisch berlinerisches
Situation kann aber auch die Präposition Wort; er spricht ganz berlinerisch.
zu stehen: Bericht zur Lage der Nation; Berner: Die Einwohner von Bern heißen
ein Bericht zur Situation der Landesbüh- Berner. Die Einwohnerbezeichnung Ber-
nen. Es ist wenig sinnvoll, vom Bericht ner wird immer großgeschrieben, auch
des Patienten zu sprechen, wenn man wenn Berner als flexionsloses Adjektiv
den Bericht meint, den ein anderer über vor einem Substantiv steht: die Berner
den Patienten erstattet. ↑ Genitivattribut Altstadt. ↑ Einwohnerbezeichnungen auf
(1.5.2). -er (7).
berichten: 1. Dativ oder Akkusativ?: Das bersten: 1. bersten / birst: Im Indikativ des
145 berüchtigt – bescheren

Präsens heißt es: ich berste, du birst, er rühmt geworden ist (Sie wurde durch
birst. Der Imperativ lautet: birst! (selte-
ner: berste!). ↑ e / i-Wechsel.
ihre Romane berühmt).
2. ↑ Vergleichsformen (2.3).
M
B
2. Konjunktiv: Im Konjunktiv II wird
heute ausschließlich die Form bärste ge-
besagt: Das aus der Amtssprache stam-
mende besagt »genannt, bereits er- M
besc
braucht; die Form börste ist veraltet. wähnt« wird wie ein gewöhnliches Ad-
berüchtigt: 1. berüchtigt wegen / durch / für: jektiv behandelt; das folgende Adjektiv
Wenn der Grund für das Berüchtigtsein wird deshalb parallel flektiert: besagter
genannt werden soll, dann wird berüch- äußerer Umstand; besagte äußere Um-
tigt mit der Präposition für verbunden: stände; aus besagter wichtiger Ursache.
Sie war berüchtigt für ihre scharfen Fra- Im Dativ Singular Maskulinum / Neu-
gen. Das Land ist berüchtigt für Vettern- trum ist jedoch die schwache Form häu-
wirtschaft und Korruption. Statt für wird figer: aus besagtem wichtigen / wichti-
auch wegen gebraucht: Er ist wegen sei- gem Grund. ↑ Adjektiv (1.4).
ner Brutalitäten berüchtigt. Das Viertel Besäufnis: Das umgangssprachliche Sub-
ist wegen seiner Kneipen berücksichtigt. stantiv Besäufnis kann feminines oder
Die Präposition durch würde dagegen neutrales Genus haben. In der Bedeu-
das Mittel bezeichnen, mit dem jemand tung »Sauferei, Zechgelage« ist das Be-
oder etwas berüchtigt wurde (Er wurde säufnis gebräuchlich. In der selteneren
durch seine Brutalitäten berüchtigt). Bedeutung »[Voll]trunkenheit« heißt es
2. ↑ Vergleichsformen (2.3). aber nur die Besäufnis: In seiner Besäuf-
Berufsbezeichnungen: ↑ Titel und Berufs- nis hat er die Türen verwechselt.
bezeichnungen. Beschäftigte, der und die: 1. oben genann-
Berufung: Zu die Berufung des Mannes als tem Beschäftigten /Beschäftigtem xihr als
neuer Vorsitzender / als neuen Vorsitzen- Beschäftigten/ Beschäftigter : Zur Dekli-
den ↑ als (3). nation substantivierter Adjektive ↑ Ab-
beruhen: In Verbindung mit der Präposi- geordnete; ↑ Substantivierungen (2).
tion auf wird beruhen heute nur mit dem 2. einige Beschäftigte xalle Beschäftig-
Dativ verbunden: Seine Ansicht beruht ten xsolche Beschäftigte[n]: Zur Deklina-
auf einem Irrtum . Ihr Aufsatz beruht auf tion von Beschäftigte nach alle, beide, ei-
gründlicher Kenntnis des Materials. Frü- nige usw. ↑ all- usw.
her war auch der Akkusativ gebräuch- Bescheid: Das Substantiv Bescheid wird
lich: Denn die beruht ... nicht auf äußer- immer großgeschrieben, auch in Verbin-
liche Verbindungen ..., sondern auf das dungen wie Bescheid erhalten, geben, sa-
Gefühl gemeinschaftlich sympathisieren- gen, tun, wissen: Hast du schon Bescheid
der Geister (Lessing). erhalten? Bitte sage mir gleich Bescheid
berühmt: 1. berühmt wegen / durch / für: usw.
Wenn der Grund für das Berühmtsein bescheren: Das Verb bescheren wird in der
genannt werden soll, dann wird be- Regel mit dem Dativ und dem Akkusativ
rühmt mit der Präposition für verbun- verbunden: Das Christkind hatte dem
den: Sie war berühmt für ihre treffenden Jungen eine Eisenbahn beschert. In über-
Antworten. Der Ort ist berühmt für tragener Verwendung: Das Schicksal hat
seine Sanatorien und Thermen. Statt für ihnen keine Kinder beschert. Nach dem
wird auch die Präposition wegen ge- Vorbild von beschenken wird bescheren
braucht: Das Lokal ist wegen seiner gu- häufig auch mit dem Akkusativ der Per-
ten Küche berühmt. Die Präposition son verbunden, jedoch wird dann das
durch bezeichnet dagegen das Mittel, Geschenk meist nicht genannt: Wir be-
mit dem eine Person oder Sache be- scheren die Kinder um 5 Uhr. Bescheren
beschließen / schließen – besitzen 146

kann auch als intransitives Verb ge- er beschwert sich, ihr beschwert euch, sie
MB braucht werden: Wir bescheren um
17 Uhr.
hat sich beschwert.
beschwören: Die Stammformen von be-

Mbesc beschließen / schließen: Das Verb beschlie-


ßen bedeutet nicht nur »entscheiden«,
schwören lauten beschwor und beschwo-
ren: Er beschwor sie, nicht abzureisen. Er
sondern wie das einfache schließen auch hat seine Aussage beschworen. Vereinzelt
so viel wie »beenden«. Dabei wird das werden im Präteritum auch schwache
Verb durch das Präfix be- deutlich als Formen gebraucht: Früher waren es die
Handlungsverb ausgewiesen. (Das Glei- Schamanen, die mit viel Tamtam und
che gilt für die Substantive Beschluss Trommeln die Dämonen beschwörten.
und Schluss.) Man kann also durchaus ↑ schwören.
sagen: eine Versammlung beschließen besessen: Das Partizip II von besitzen »als
(neben: eine Versammlung schließen), Besitz haben, zu eigen haben« wird ver-
aber nur seine Tage beschließen, sein Le- einzelt attributiv gebraucht, obwohl das
ben beschließen. Verb nicht passivfähig ist: Ein Erbe kann
Beschreibung und Arbeitsweise ...: Eine weiterhin eine vom Erblasser legal beses-
Formulierung wie Beschreibung und Ar- sene Waffe unter gewissen Vorausset-
beitsweise der Maschine wird teilweise zungen wie Zuverlässigkeit, Unbeschol-
als problematisch angesehen, weil darin tenheit, Volljährigkeit erben (Süddeut-
zwei verschiedenartige Genitivverhält- sche Zeitung). Das Verb besitzen kann,
nisse zusammengefasst werden: Be- obwohl es ein Akkusativobjekt bei sich
schreibung der Maschine (= ich be- hat, nicht passivisch gebraucht werden.
schreibe die Maschine = Genitivus ↑ Partizip und Partizipialgruppe (2).
obiectivus) und Arbeitsweise der Ma- ↑ Passiv (1).
schine (= die Maschine arbeitet in einer besinnen: 1. Formen: Die Vergangenheits-
bestimmten Weise = Genitivus subiecti- formen von sich besinnen lauten er be-
vus). Man kann auf Formulierungen aus- sann sich, er hat sich besonnen. Der Kon-
weichen wie: Beschreibung der Maschine junktiv II lautet besänne ; die Form be-
und ihrer Arbeitsweise (wenn es tatsäch- sönne ist veraltet. ↑ sinnen.
lich jeweils um die Beschreibung geht) 2. sich auf etwas besinnen / sich einer Sa-
oder die Koordinationsellipse auflösen: che besinnen: Das Verb wird im Allge-
die Beschreibung der Maschine und die meinen mit der Präposition auf verbun-
Arbeitsweise der Maschine. ↑ Ellipse (3.1). den: Ich kann mich nicht mehr auf die-
Beschuldigte, der und die: ↑ Angeklagte. sen Namen besinnen. Der Genitiv
beschützen: Das Verb beschützen wird mit kommt nur noch selten und meist in
der Präposition vor verbunden: Er be- Verbindungen vor: sich eines Besseren
schützte ihn vor seinen Feinden. besinnen. Jetzt besinne ich mich dessen
beschweren: Gelegentlich wird die Ansicht wieder.
vertreten, dass das Verb sich beschweren besitzanzeigendes Fürwort: ↑ Possessiv.
eigentlich sich beschwerden lauten besitzen: 1. Partizip II: ↑ besessen.
müsste, weil man Beschwerde erhebe, 2. besitzen / haben: Die Grundbedeutung
wenn man sich über etwas beschwere. In von besitzen ist »auf etwas sitzen«. Die
Wirklichkeit ist aber Beschwerde von be- Bedeutungsentwicklung zu »als Eigen-
schweren abgeleitet, ähnlich wie Ge- tum, als Besitz haben« geht von Fällen
bäude zu bauen und Gemälde zu malen aus, wo diese Grundbedeutung noch
gebildet worden sind. Die Flexionsfor- durchschimmert: einen Hof, Land, ein
men des Verbs werden nach dem norma- Haus besitzen. Schließlich bezieht sich
len Konjugationsschema mit -t gebildet: besitzen auf alles, was man als materiel-
147 besondere / Besondere – besorgt

len oder geistigen Besitz erwerben und (= vornehmlich) für die Bilder Goyas. Sie
zu eigen haben kann und worüber man
mehr oder minder frei verfügen kann.
prüfte alles bis aufs Einzelne und Beson-
dere (= ganz genau). ↑ Groß- oder Klein-
M
B
Dazu gehören auch Eigenschaften meist schreibung (1.2.1).
positiver, aber auch negativer Art, sofern besonders: Vor besonders steht ein M
beso
sie nur fest mit dem betreffenden Men- Komma, wenn es einen Zusatz einleitet:
schen verbunden sind und ihn für die Er liebt den Alkohol, besonders den Wein.
Dauer oder wenigstens für eine gewisse Äpfel und andere Früchte, besonders
Zeit charakterisieren: viele Bücher, ein aber Feigen, isst sie gern. Tritt zu diesem
Auto, eine Waschmaschine, Wertpapiere, besonders noch ein wenn (als, weil o. Ä.),
die Mittel besitzen, Talent, Fantasie, je- dann steht zwischen besonders wenn im
mandes Vertrauen, Geschmack, die Allgemeinen kein Komma: Sie geht gern
Frechheit, die Dreistigkeit besitzen. Das spazieren, besonders wenn die Sonne
Verb haben hat eine allgemeinere Bedeu- scheint. In Ausnahmefällen kann auch
tung. Es stellt zunächst nur ein Vorhan- hier ein Komma stehen, und zwar dann,
densein fest und sagt über den Besitz als wenn besonders nachdrücklich hervor-
solchen nichts aus: Er hat Geld bei sich gehoben wird: Ganz besonders, wenn Ne-
(= dabei), aber: Er besitzt viel Geld (= er bel auf kommt, kann diese Strecke gefähr-
ist reich). Es tritt überall dort auf, wo die lich werden.
Vorstellung eines Besitzes (gleich wel- besorgniserregend / Besorgnis erregend:
cher Art) nicht zutreffend ist. So sagt Beide Schreibungen sind möglich: ein
man nicht: Sie besitzt einen guten Posten, besorgniserregender , Besorgnis erregen-
sondern: Sie hat einen guten Posten . der Zustand. Die Fügung wird jedoch
Nicht: Er besitzt eine nette Frau und drei immer zusammengeschrieben, wenn sie
reizende Kinder, sondern: Er hat eine durch ein Adverb näher bestimmt wird:
nette Frau und drei reizende Kinder . In ein äußerst besorgniserregender Zustand.
den meisten Fällen kann haben für besit- Die Zusammenschreibung gilt auch
zen eintreten, nicht aber umgekehrt. dann, wenn die Fügung als Ganzes ge-
Nicht korrekt ist es, besitzen statt haben steigert wird: Es trat ein noch besorgnis-
zu verwenden, wenn nur ein Vorhanden- erregenderer Zustand ein. ↑ Getrennt-
sein und nicht die speziellere Beziehung oder Zusammenschreibung (3.1.1).
des Verfügens ausgedrückt werden soll. besorgt: Präpositionen, die sich mit be-
Man kann also nicht sagen: Er besaß sorgt »von [Für]sorge erfüllt« verbinden,
Schulden. Sie besitzt blaue Augen. Das sind um, wegen, seltener auch für oder
Zimmer besitzt drei Fenster. Auch in fes- über. Die Präposition um steht dann,
ten Wendungen kann man haben nicht wenn das Objekt genannt ist, auf das
durch besitzen ersetzen. Also nicht: Er sich die Sorge bezieht: Die um ihr Kind
besaß ein Ohr / kein Herz für die Not des besorgten Eltern riefen einen Arzt. Im
einfachen Mannes. Sie besitzt keine Ah- Schweizerischen steht gelegentlich an-
nung. stelle von um auch für: Wir ersuchen Sie,
besondere / Besondere: Klein schreibt für eine baldige Regelung besorgt zu sein.
man das Adjektiv besondere: ganz beson- Die Präposition wegen steht dann, wenn
dere Stücke; zur besonderen Verwendung der Grund der Sorge genannt wird: Sie
(Abk.: z. b. V.). Groß schreibt man Sub- wich Tag und Nacht nicht von ihres
stantivierungen: Sie liebt das Besondere. Großvaters Seite, denn sie war sehr be-
Wir bieten Ihnen etwas Besonderes. Es sorgt wegen seiner Krankheit. Die Eltern
war nichts Besonderes an ihm. Ebenso: waren wegen der schlechten Leistungen
Wir interessierten uns im Besonderen ihres Sohnes besorgt. Anstelle von wegen
besser – Bestätigung 148

steht gelegentlich auch über: Sie war be- sivischem Sinn verwendet werden, d. h.
MB sorgt über sein langes Ausbleiben. ↑ auf-
grund / durch / infolge / von / vor / we-
nur im Zusammenhang mit dem transi-
tiven bestehen »etwas erfolgreich hinter
Mbess gen / zufolge.
besser: 1. Rechtschreibung: a) besser ge-
sich bringen«: das bestandene Examen;
bestandene Kämpfe. Zweifelhaft sind
hen / bessergehen: Nur getrennt schreibt hingegen Verbindungen, bei denen das
man: Mit den neuen Schuhen wirst du be- intransitive bestehen »existieren, vor-
stimmt besser gehen. Nur zusammen handen sein« zugrunde liegt (der bestan-
schreibt man: Familien sollen finanziell dene Verein, die bestandenen Verhält-
bessergestellt werden. Getrennt oder zu- nisse). Man kann hier auf einen Relativ-
sammen kann man schreiben: Dir wird satz ausweichen: der Verein, der 15 Jahre
es bald besser gehen / bessergehen. Dies lang bestanden hat; die Verhältnisse, wie
gilt auch für das Partizip: die besser ver- sie bis 1989 bestanden haben. ↑ Partizip
dienenden / besserverdienenden Ange- und Partizipialgruppe (2.1).
stellten. Ebenso: die Besserverdienen- 2. das mit Schilf bestandene Ufer: In die-
den / besser Verdienenden. ↑ Getrennt- ser Verwendung ist bestanden das Parti-
oder Zusammenschreibung (1.2). b) bes- zip II eines nicht mehr gebräuchlichen
ser / das Bessere: Klein schreibt man das transitiven Verbs bestehen mit der Be-
Adjektiv: Es ist besser, wenn ...; ein viel deutung »auf, an, in etwas stehen«: das
besseres Argument. Groß hingegen mit Schilf bestandene Ufer, mit Wald be-
schreibt man die Substantivierung des standene Berghänge.
Adjektivs: Es ist das Bessere, wenn ...; je- bestätigen: In der Kaufmannssprache
manden eines Besseren belehren; sich ei- wird bestätigen im Sinne von »mitteilen,
nes Besseren belehren lassen; sich eines dass man etwas erhalten hat« verwen-
Besseren besinnen. Das Bessere ist des det: Wir bestätigen den Eingang Ihres
Guten Feind. Ich habe etwas Besseres. Briefes vom ... Dabei wird die Bezeich-
↑ Groß- oder Kleinschreibung (1.2.1). nung des Vorgangs gelegentlich ausge-
2. bessere / bessre Pläne: Bei den dekli- lassen: Wir bestätigen dankend Ihr
nierten Formen von besser wird das e Schreiben vom ...
der zweiten Silbe gewöhnlich nicht weg- Bestätigung: Nach Bestätigung mit attri-
gelassen: bessere Pläne, seltener bessre butivem Genitiv steht eine unmittelbar
Pläne. ↑ s-Laute (1.1., Punkt 5), ↑ Adjektiv mit als angeschlossene Wortgruppe
(3). meist im Nominativ: Die Hamburger
3. ein besseres Buch / bessere Leute: Die Wirtschaftsförderung wertete die Unter-
Komparativform zu gut braucht sich suchung als eine weitere Bestätigung der
nicht immer auf dieses Adjektiv zu be- Position als führender Standort für die
ziehen, z. B. einfache Leute – bessere digitale Wirtschaft Deutschlands (taz).
Leute. Ironisch: Diese Abhandlung ist Der Bundesrat wollte nicht den Eindruck
auch nur ein besserer Schulaufsatz des Nachgebens erwecken und verzich-
(= nicht viel mehr als ein gewöhnlicher tete bisher auf eine Bestätigung des
Schulaufsatz). Genauso kann Er ist ein 18. Juli als Stichtag (Neue Züricher Zei-
besserer Geiger bedeuten, dass er nicht tung). Der Nominativ folgt auch dann
so gut wie ein guter Geiger ist oder dass auf als, wenn sich die als-Gruppe auf ei-
er kein professioneller Musiker mit soli- nen Possessivartikel bezieht: Zudem hat
den theoretischen Grundkenntnissen er nach seiner Bestätigung als LDP-Par-
ist. teichef mit jungen Köpfen Stimmen für
bestanden: 1. das bestandene Examen: Das die Regierungspartei sichern können
Partizip II von bestehen kann nur in pas- (Handelsblatt). ↑ als (3).
149 bestbewährt – Bestellung

bestbewährt: Bei Adjektivkomposita wird Beste: Die adverbiale Bestimmung bei


in der Regel nur ein Glied gesteigert. Da
best bereits der Superlativ von gut ist, er-
Weitem (ähnlich: weitaus, mit Abstand)
sollte nach Möglichkeit nicht zum Attri-
M
B
folgt keine weitere Komparation an be-
währt. Es heißt deshalb: die bestbe-
but von das Beste gemacht, d. h. zwi-
schen das und Beste gestellt werden: M
Best
währte Waschmaschine. ↑ Vergleichsfor- Das war bei Weitem das Beste , was ich
men (2.5.4). gesehen habe (nicht: das war das bei
bestbezahlt: Bei Adjektivkomposita wird Weitem Beste, was ...). ↑ weit (3).
in der Regel nur ein Glied gesteigert. Da 3. Steigerung von Bildungen mit best- als
best bereits der Superlativ von gut ist, ist erstem Bestandteil: ↑ Vergleichsformen
eine weitere Komparation an bezahlt (2.5.4).
nicht nötig: der bestbezahlte Job. Den- Besteck: Der Plural lautet korrekt: die Be-
noch kommt die doppelte Steigerung bei stecke . Die Pluralform auf -s (die Be-
diesem Adjektiv in der Pressesprache stecks) ist umgangssprachlich. ↑ Plural
vor: Damit dürfte Ackermann der bestbe- (3).
zahlteste Bankchef Deutschlands bleiben bestehen: 1. Konjunktiv: Der Konjunktiv II
(taz). Das könnte hier daran liegen, dass von bestehen lautet meist bestünde , ver-
das Adjektiv gar nicht mehr als Kompo- einzelt bestände. ↑ Konjunktiv (1.3).
situm wahrgenommen wird.↑ Vergleichs- 2. Er besteht auf seiner Forderung / auf
formen (2.5.4). seine Forderung: Heute wird bestehen auf
beste: 1. das beste / das Beste: Klein überwiegend mit dem Dativ verbunden:
schreibt man beste dann, wenn es als ad- Bayerns Brauer bestehen auf einem Bier-
jektivisches Attribut verwendet wird: preis in seiner jetzigen Höhe (Süddeut-
ihre besten Freundinnen; das beste sche Zeitung). Manchmal wird auch der
[Buch] seiner Bücher. Dieses Restaurant Akkusativ verwendet: Aber nicht alle von
ist das beste in der Stadt. Groß hingegen ihnen bestehen auf eine gesetzliche Rege-
schreibt man die substantivierten For- lung (taz). ↑ Rektion (4).
men: Es ist das Beste in seiner Art. Das 3. ↑ bestanden.
Beste vom Besten ist für sie gut genug. bestehen bleiben; bestehen lassen: Die
Das Beste in unserem Urlaub waren die Verbindungen bestehen bleiben und be-
Spaziergänge am Meer. Sie ist die Beste in stehen lassen werden immer getrennt
der Klasse. Das ist zu deinem Besten. Er geschrieben: bestehen zu bleiben, beste-
hat sein Bestes getan. Es wird sich noch hen bleibend, bestehen geblieben; wenn
alles zum Besten wenden. Es ist das Beste die Vereinbarung bestehen bleibt; beste-
(= am besten), du schweigst! Dies gilt hen zu lassen, bestehen lassend, bestehen
auch für feste Wendungen: jemanden [ge]lassen; wenn wir dies bestehen lassen.
zum Besten halten / haben; etwas zum ↑ Getrennt- oder Zusammenschreibung
Besten geben; nicht zum Besten stehen. In (1.1).
festen adverbialen Wendungen aus »auf Bestellliste: Man schreibt mit drei l: Be-
das« oder »aufs« und Superlativ, nach stellliste . Zur besseren Lesbarkeit kann
denen man mit »wie?« fragen kann, ein Bindestrich gesetzt werden: Bestell-
kann das Adjektiv auch großgeschrieben Liste. ↑ Zusammentreffen dreier gleicher
werden: Es war alles auf das / aufs Beste Buchstaben.
oder auf das / aufs beste bestellt. Ich bin Bestellung: Das Substantiv Bestellung wird
auf das / aufs Beste oder auf das / aufs in der Kaufmannssprache mit den Prä-
beste vorbereitet. ↑ Groß- oder Klein- positionen auf, über und von, seltener
schreibung (1.2.1). mit der Präposition für verbunden.
2. bei Weitem das Beste / das bei Weitem Wenn vor dem Bestellten eine Zahl-
beste Lösung / Bestlösung – betrachten 150

angabe steht, kann für nicht verwendet manchmal auch eine adverbiale Bestim-
MB werden: Wir bestätigen Ihre Bestellung
von 5 000 Exemplaren. Wir haben eine
mung konkurrieren: Die Schülerin betei-
ligt sich nicht am Unterricht (wo-
Mbest Bestellung auf / über 3 000 Liter Heizöl
erhalten. Es sind viele Bestellungen für
ran?) / nicht im Unterricht (wo?).
Beteiligte, der und die: 1. oben genanntem
Bücher eingegangen. Beteiligten / Beteiligtem x ihr als Beteilig-
beste Lösung / Bestlösung: Zum Nebenei- ten / Beteiligter : Zur Deklination sub-
nander von Bestlösung und beste Lösung stantivierter Adjektive ↑ Abgeordnete;
↑ Kompositum (2.3). ↑ Substantivierungen (2).
Bestimmungswort: ↑ Kompositum. 2. einige Beteiligte x alle Beteiligten x sol-
bestmöglich: Bei Adjektivkomposita wird che Beteiligte[n]: Zur Deklination von
in der Regel nur ein Glied gesteigert. Da Beteiligte nach alle, beide, einige usw.
best bereits der Superlativ von gut ist, ist ↑ all- usw.
eine weitere Komparation an möglich 3. die an etwas Beteiligten: Nach Betei-
nicht nötig: mit bestmöglicher Genauig- ligte wird mit der Präposition an ange-
keit. Dennoch kommt die doppelte Stei- schlossen. Es heißt also: Die an dem Un-
gerung bei diesem Adjektiv in der Pres- fall Beteiligten wurden vernommen .
sesprache vor: Doch dazu müssen alle Auch die Verbindung mit dem Genitiv
Spieler wieder die bestmöglichste Leis- ist möglich: Die Beteiligten des Unfalls
tung abrufen (Frankfurter Presse). Das wurden vernommen.
könnte hier daran liegen, dass das Ad- 4. der Beteiligte Schmidt: Zu der wenig
jektiv gar nicht mehr als Kompositum gebräuchlichen Verbindung mit einem
wahrgenommen wird. ↑ möglich (1), Familiennamen ↑ Angeklagte (1 und 2).
↑ Vergleichsformen (2.5.4). Beton: 1. Aussprache: Das Wort kann fran-
Bestrafung: Zu die Bestrafung des Generals zösisch [betõ] ausgesprochen werden
als eigentlicher Drahtzieher / als eigentli- oder aber integriert (deutsch) als [be-
chen Drahtziehers ↑ als (3). t], auch [beton].
bestreiten: Wenn von bestreiten ein Ne- 2. Plural: Beton wird in der Allgemein-
bensatz oder eine Infinitivgruppe ab- sprache nur im Singular gebraucht. In
hängt, muss deren Verneinung beson- den Fachsprachen kommen auch Plural-
dere Aufmerksamkeit geschenkt wer- formen vor: die Betons oder (bei der
den: Sie bestritt immer wieder, diese Äu- Aussprache [beton]) die Betone. ↑ Plural
ßerung gemacht zu haben bedeutet, dass (4).
sie diese Äußerung nicht gemacht haben Betonblock: Der Plural lautet die Betonblö-
will. Dagegen bedeutet Sie bestritt immer cke. ↑ Block.
wieder, diese Äußerung nicht gemacht zu Betonung: ↑ Wortakzent.
haben, dass sie diese Äußerung gemacht Betr.: ↑ Betreff.
haben will. ↑ Negation (1). betrachten: 1. betrachten als / betrachten
Bete / Beete: Die Bezeichnung für die Rü- wie: In Verbindung mit als wird betrach-
benart Rote Be[e]te (von lat. beta »rote ten im Sinne von »für etwas ansehen,
Rübe«) kann man mit einem oder halten« gebraucht: Er betrachtete sie als
mit zwei e schreiben: Rote Bete / Rote seine Feindin. Ich betrachte das als einen
Beete. misslungenen Versuch. In Verbindung
beteiligen: Nach beteiligen wird ein Präpo- mit wie kann betrachten dagegen nur im
sitionalobjekt mit der Präposition an an- Sinne von »ansehen, anblicken« ge-
geschlossen: Er hat sich nicht an dem braucht werden: Sie betrachteten ihn wie
berfall beteiligt. Wer war daran betei- ein Ungeheuer (= wie man ein Unge-
ligt? Mit dem Präpositionalobjekt kann heuer betrachtet).
151 betrachtet – betroffen

2. Er betrachtet sich als mein Freund / als den Briefinhalt stehen: Unser Werbetext
meinen Freund: Wenn das Verb betrach-
ten als reflexiv gebraucht wird, steht
»Autolacke«; Beschwerde über ...; Ihre
Bestellung vom 22. 04. 2016.
M
B
der auf als folgende Nominalausdruck
meist im Nominativ: Er betrachtet sich
↑ Brief / E-Mail (3).
betreffen: ↑ betreffend, ↑ betroffen.
M
betr
als mein Freund , als großer Künstler . betreffend: Das Partizip I des Verbs betref-
Er betrachtet sich als Verbündeter der fen wird mit dem Akkusativ verbunden.
Regierung. Der Akkusativ (Er betrachtet Das gilt auch dann, wenn man betreffend
sich als meinen Freund, als großen voranstellt und als Präposition verwen-
Künstler, als Verbündeten) ist seltener. det: Unser letztes Schreiben betreffend
Bei nicht reflexivem Gebrauch wird den Bruch des Vertrages ist ... Die nor-
durch einen Akkusativ nach als der Be- male Wortstellung beim Partizip I wäre:
zug auf das Akkusativobjekt gekenn- Unser letztes Schreiben den Bruch des
zeichnet: Er betrachtet ihn als großen Vertrages betreffend ist ... Bei nachge-
Künstler. ↑ als (6). stelltem betreffend kann man ein
betrachtet: Zum Komma bei formelhaften Komma setzen, weil die Wortgruppe
Partizipialgruppen wie so betrachtet und auch als Partizipialgruppe angesehen
anders betrachtet ↑ Partizip und Partizi- werden kann: Unser letztes Schreiben[,]
pialgruppe (4). den Bruch des Vertrages betreffend[,]
beträchtlich: Klein schreibt man das Ad- ist ... ↑ Partizip und Partizipialgruppe
jektiv: Es handelt sich um eine beträchtli- (1.3), ↑ Komma (4.1).
che Summe. Groß schreibt man die Sub- betreffs: Die schwerfällige Präposition
stantivierungen: etwas Beträchtliches, des Kanzleistils und der Kaufmanns-
nichts Beträchtliches. Ebenso: Der Weg sprache, die leicht durch wegen zu er-
ist um ein Beträchtliches (= bedeutend) setzen ist, steht mit dem Genitiv: Be-
weiter. ↑ Groß- oder Kleinschreibung treffs des Bahnbaues teilen wir Ihnen
(1.2.1). mit, dass ...
Betrag: Standardsprachlich heißt es: ein Betrieb: Es heißt in Betrieb setzen, in Be-
Betrag von 200,– . Der Anschluss mit trieb nehmen, in Betrieb sein.
über kommt auch vor: Ein Betrag über Betrieb[s]-: Komposita mit Betrieb als
5000 Euro wurde ... ohne Mehrwertsteuer Erstglied werden überwiegend mit Fu-
verrechnet (Der Standard). In diesem gen-s geschrieben: Betriebsangehörige,
Beispiel kann »Betrag über« im Sinne Betriebsfest, Betriebsnudel, Betriebsver-
von »mehr als« verstanden werden. »Be- fassung; betriebsblind. Eine Ausnahme
trag über« ist also nicht synonym zu ist etwa das behördliche Betriebstätte
»Betrag von«. Wohl aber kann man sa- neben gemeinsprachlich Betriebsstätte.
gen ein Scheck über 200,– , weil mit ↑ Fugenelement (2.3).
dem Scheck »über« diesen Betrag ver- betroffen: 1. die vom Erdbeben betroffenen
fügt wird. Gebiete: In der Bedeutung »widerfahren,
betragen: Die auf betragen folgende Maß- heimsuchen« wird das transitive Verb
angabe steht im Akkusativ: Die Summe betreffen heute nur noch in Formen mit
beträgt den vierten Teil der vorgesehenen dem Partizip II gebraucht: Das Land
Ausgaben. wurde von einem schweren Erdbeben be-
Betreff: Das Leitwort Betreff (Abkürzung: troffen. Ein schweres Unglück hat, hatte
Betr.) ist heute für den Schriftverkehr in die Familie betroffen (nicht mehr üblich:
Wirtschaft und Verwaltung nicht mehr ein Unglück betrifft, betraf die Familie).
üblich. In der Betreffzeile des Schrei- Dieses Partizip II kann nur in passivi-
bens sollte ein eindeutiger Hinweis auf schem Sinn verwendet werden: die vom
Betroffene – Bevollmächtigte 152

Erdbeben betroffenen Gebiete (aber nicht weihte Erde. Man bettete den Kranken
MB aktivisch: das ihn betroffene Unglück,
sondern: das Unglück, das ihn betroffen
auf das (seltener: dem) Sofa. Sie bettete
ihren Kopf an seine (seltener: seiner)
MBetr hat ).
2. ein betroffenes Gesicht; betroffen aus-
Schulter.
Betttruhe: Das Wort Betttruhe wird mit
sehen: In der Bedeutung »bestürzt, un- drei t geschrieben. Zur besseren Lesbar-
angenehm überrascht« hat betroffen keit kann auch ein Bindestrich gesetzt
keine Beziehungen zum heutigen Ge- werden: Bett-Truhe. ↑ Zusammentreffen
brauch des Verbs betreffen – es ist eine dreier gleicher Buchstaben.
isolierte Form. Man kann deshalb betref- Betttuch: 1. Das aus Bett und Tuch zusam-
fen nicht im Sinne von »betroffen ma- mengesetzte, besonders süd- und mittel-
chen« verwenden; also nicht: Ein Un- deutsche Wort Betttuch »Laken« wird
glück betraf mich (im Sinn von »machte mit drei t geschrieben. Auch die Schrei-
mich betroffen«). bung mit Bindestrich (Bett-Tuch) zur
Betroffene, der und die: 1. oben genanntem besseren Lesbarkeit ist möglich. Um eine
Betroffenen / Betroffenem x ihr als Betrof- Verwechslung zwischen der nach alter
fenen / Betroffener : Zur Deklination sub- Orthografie verbindlichen Schreibung
stantivierter Adjektive ↑ Abgeordnete; mit zwei t (Bettuch) und dem Bettuch der
↑ Substantivierungen (2). Juden (aus bet[en] und Tuch) zu vermei-
2. einige Betroffene x alle Betroffenen x den, kann auch in diesem Fall mit Binde-
solche Betroffene[n]: Zur Deklination strich geschrieben werden: Bet-Tuch.
von Betroffene nach alle, beide, einige ↑ Zusammentreffen dreier gleicher Buch-
usw. ↑ all- usw. staben.
3. die von der Maßnahme Betroffenen: Ein 2. ↑ Bindestrich (2.2).
Attribut zu Betroffene wird mit von an- beugen / biegen: Im heutigen Sprachge-
geschlossen: Die von der Maßnahme Be- brauch wird als heimischer grammati-
troffenen haben Einspruch erhoben. Auch scher Terminus für f lektieren, deklinie-
die Verbindung mit dem Genitiv ist ren, konjugieren gelegentlich das Verb
möglich: Die Betroffenen dieser Maß- beugen verwendet. Der Gebrauch von
nahme haben Einspruch erhoben. biegen in diesem Sinne gilt nicht mehr
4. der Betroffene Dr. Meyer: Zu der we- als korrekt: Das Substantiv beugt
nig gebräuchlichen Verbindung mit ei- (nicht: biegt) stark. Das Wort wird wie
nem Familiennamen ↑ Angeklagte (1 ein Adjektiv gebeugt (nicht: gebogen).
und 2). ↑ konjugieren, ↑ deklinieren, ↑ flektie-
Bett: Die heute übliche Singularform ist ren.
Bett. Die ältere Form Bette (mhd. bette), Beugung: ↑ Verb (2), ↑ Deklination, ↑ Fle-
die bei Goethe noch vorkommt, ist heute xion.
nicht mehr lebendig. ↑ Substantiv (2.3). Bevollmächtigte, der und die: 1. oben ge-
Auch der starke Plural die Bette ist durch nanntem Bevollmächtigten / Bevollmäch-
die schwache Form die Betten verdrängt tigtem x ihr als Bevollmächtigten / Bevoll-
worden. In Komposita wie Flussbett und mächtigter : Zur Deklination substanti-
Nagelbett hält sich neben dem schwa- vierter Adjektive ↑ Abgeordnete; ↑ Sub-
chen Plural die Flussbetten, die Nagelbet- stantivierungen (2).
ten auch noch die starke Pluralform: die 2. einige Bevollmächtigte x alle Bevoll-
Flussbette, die Nagelbette. mächtigten x solche Bevollmächtig-
betten: Nach betten an / auf / in steht ge- te[n]: Zur Deklination von Bevoll-
wöhnlich der Akkusativ, seltener der mächtigte nach alle, beide, einige usw.
Dativ: Sie betteten den Toten in die ge- ↑ all- usw.
153 bevor – bevor

bevor: 1. bevor / bevor nicht: Die Konjunk- Ich treffe keine Entscheidung, bevor ich
tion bevor leitet einen Adverbialsatz ein
und besagt, dass der vom Adverbialsatz
nicht mit ihm gesprochen habe (besser:
... bevor ich mit ihm gesprochen habe ).
M
B
bezeichnete Sachverhalt nicht vor dem
vom übergeordneten Satz bezeichneten
Ist der bevor-Satz dem übergeordneten
Satz vorangestellt, so ist diese zusätzli- M
bevo
Sachverhalt eintritt: Ich kam nach che Verneinung zu empfehlen: Bevor du
Hause, bevor Vater da war (d. h. , Vater nicht unterschrieben hast, lasse ich dich
war noch nicht da, als ich nach Hause nicht fort. ↑ Negation (2).
kam). Neben dieser rein zeitlichen Aus- 2. drei Wochen bevor ... : Ein mit bevor
sage kann man aber mit bevor zugleich eingeleiteter Nebensatz wird immer
auch eine Bedingung ausdrücken. Nur in durch Komma vom Hauptsatz getrennt.
diesem Fall kann auch der bevor-Satz Zu Einzelheiten vgl. die unten stehende
noch einmal zusätzlich verneint werden: Tabelle.

Kommasetzung bei bevor


1. Die Konjunktion bevor leitet einen unter- 1. Die Konjunktion bevor steht nicht am
geordneten Temporalsatz ein, der durch Anfang des Temporalsatzes: Dann wird
Komma abgetrennt wird: der Temporalsatz als Ganzes durch
Komma abgetrennt. Vor bevor steht kein
Komma:
Ruf mich bitte an, bevor du kommst. Sie rief mich an, schon bevor du
kamst.
Bevor du noch kamst, rief er mich schon Schon bevor du kamst, rief sie mich an.
an.
Er musste sich, bevor er schreiben Denn bevor er schreiben konnte, musste
konnte, erst Papier suchen. er sich erst Papier suchen.
Ein ganzes Jahr, bevor ich die Rente be- Drei Wochen bevor der Sohn zurück-
kam, habe ich von meinen Ersparnissen kehrte, starb die Mutter (= Die Mutter
gelebt. starb, drei Wochen bevor der Sohn zu-
rückkehrte, nicht: Die Mutter starb drei
Wochen, bevor ...).
Die Gurte nicht lösen, bevor die Ma- Lange bevor es Autos gab, ist diese Ge-
schine ausgerollt ist. schichte passiert.
2. In einigen Fügungen kann vor bevor ein
zusätzliches Komma gesetzt werden:
Ich habe sie öfter gesehen, zum Bei-
spiel[,] bevor wir gestern ins Kino gin-
gen.
Weitere Beispiele für solche Fügungen:
besonders[,] bevor; beispielsweise[,]
bevor; nämlich[,] bevor; vor allem[,]
bevor
bewahren – bezahlen / zahlen 154

bewahren: Das Verb bewahren drückt aus, wird gelegentlich anstelle des einfachen
MB dass etwas unterbleibt, unterlassen oder
verhindert wird, also nicht eintritt. Das
Verbs beweisen gebraucht, um einer
Aussage mehr Nachdruck zu verleihen.
Mbewa Verb enthält demnach bereits eine nega- ↑ Nominalstil.
tive Aussage. Wenn von ihm ein Neben- bewohnt: Das Partizip II bewohnt hat als
satz oder eine Infinitivgruppe abhängt, Attribut präsentische Bedeutung, d. h. ,
muss besonders auf die Negation geach- dass der im übergeordneten Satz be-
tet werden. So bedeutet der Satz Er be- zeichnete Sachverhalt gleichzeitig mit
wahrte mich davor, einen falschen Schritt dem Bewohnen bestehen sollte. Das von
zu machen, dass ich keinen falschen mir bewohnte Haus wird renoviert. Das
Schritt gemacht habe. Dagegen würde von meinen Großeltern bewohnte Haus
der Satz Er bewahrte mich davor, keinen wurde damals renoviert. Da die Perfekt-
falschen Schritt zu machen bedeuten, form von Partizipien aber nur sehr ver-
dass ich mindestens einen falschen einzelt attributiv verwendet wird (das
Schritt gemacht habe. ↑ Negation (1). bewohnt gewesene Haus), wird das Parti-
bewähren, sich: Bei sich bewähren als zip II auch in Vergangenheitskontexten
steht das dem als folgende Substantiv gebraucht: Das von dem Verstorbenen
heute gewöhnlich im Nominativ, d. h., es bewohnte Haus wird heute abgerissen.
wird auf das Subjekt bezogen: Er hat sich Da ein Verstorbener ja kein Haus mehr
als zuverlässiger Mitarbeiter bewährt. bewohnen kann, kann das Bewohnen
Der Akkusativ ist veraltet: Er hat sich als des Hauses zweifelsfrei in die Vergan-
zuverlässigen Mitarbeiter bewährt. ↑ als genheit eingeordnet werden. Man kann
(6). das bei Bedarf aber auch durch eine zu-
bewegen: Das schwach flektierte bewegen sätzliche Zeitangabe präzisieren: Das
(bewegte, bewegt) hat die Bedeutung von dem Verstorbenen bis zu seinem To-
»eine Orts- oder Lageveränderung be- de / lange Jahre bewohnte Haus wird
wirken oder vornehmen«, übertragen heute abgerissen.
»eine Gemütsbewegung hervorrufen«: Bewunderer / Bewundrer: Die feminine
Der Wind bewegte die Fahnen. Sie hatte Form zu Bewunderer lautet Bewunderin.
kaum die Hand bewegt. Er hat sich stets Lässt man beim Maskulinum das e der
völlig ungezwungen auf dem diplomati- dritten Silbe weg (Bewundrer), dann lau-
schen Parkett bewegt. Seine Worte beweg- tet die weibliche Form Bewundrerin.
ten uns tief. Das stark flektierte bewegen Beide Formen sind korrekt, das e der
(bewog, bewogen) hat die Bedeutung dritten Silbe bleibt jedoch meist erhal-
»jmdn. zu einem Entschluss bestimmen, ten.
zu etwas veranlassen«: Ihre Mahnungen bewusst machen / bewusstmachen, be-
bewogen ihn zum Verzicht. Diese Vor- wusst werden / bewusstwerden: Ge-
gänge haben ihn bewogen, seinen Dienst trennt schreibt man: sich einer Sache be-
zu quittieren. Was hat dich zu diesem Ur- wusst sein: ... weil ich mir dessen bewusst
teil bewogen? Die beiden Verben bedeu- war. Getrennt oder zusammen kann
ten also nicht dasselbe. man schreiben: sich einer Sache bewusst
-bewehrt: In der juristischen Fachsprache werden / bewusstwerden; sich die Lage
übliche Komposita wie straf bewehrt, bewusst machen / bewusstmachen. Aber
bußgeldbewehrt werden mit e geschrie- nur getrennt: Hast du den Fehler bewusst
ben. Sie gehen zurück auf bewehren in (= mit Absicht) gemacht? ↑ Getrennt-
der veralteten Bedeutung »zum Schutz oder Zusammenschreibung (1.2).
(gegen etwas) mit etwas versehen«. bezahlen / zahlen: Zwischen bezahlen und
Beweis: Die Fügung unter Beweis stellen zahlen besteht ein Bedeutungsunter-
155 bezeichnen als – beziehungsweise

schied, der jedoch vielfach nicht mehr Furcht, Respekt bezeigen (= ausdrücken,
bewusst ist, sodass beide Verben weitge-
hend unterschiedslos gebraucht werden;
zu erkennen geben), aber: jmds. Un-
schuld, die Wahrheit, einen Tatbestand
M
B
bezahlen kann man eine Ware, eine [Ar-
beits]leistung o. Ä., indem man einen
unter Eid bezeugen (= davon Zeugnis ab-
legen). In einigen Fällen berühren sich M
bezi
Geldbetrag dafür hingibt: Er hat die Bü- bezeigen und bezeugen inhaltlich so eng,
cher bezahlt. Diese Arbeit wird schlecht dass der Gebrauch beider Verben mög-
bezahlt. Demgegenüber wird zahlen lich ist: Er bezeigte mir seine Dankbarkeit
sinngemäß nur auf Wörter bezogen, die (= gab seiner Dankbarkeit Ausdruck). Er
einen Geldbetrag bezeichnen, einen bezeugte (= legte Zeugnis ab, bekundete)
Preis, eine Summe o. Ä.: Sie zahlte einen auf diese Art seine Dankbarkeit.
hohen Preis. Die Stadt zahlte Unsummen Beziehung / Bezug: Die beiden Substantive
für Gemälde und Skulpturen berühmter sind auch in der Bedeutung »Verhältnis,
Meister. In manchen Fällen kann sowohl Zusammenhang« nur bedingt aus-
das eine als auch das andere gemeint tauschbar. Beziehung meint häufig eine
sein. Dann sind beide Verben möglich: wechselseitige Abhängigkeit oder auch
Ich habe die Steuern schon gezahlt / be- eine innere Verbindung, eine Einstel-
zahlt. Haben wir die Miete schon ge- lung. Bezug verwendet man eher, wenn
zahlt / bezahlt? (Im Restaurant:) Ich das Verhältnis einer Sache oder Person
möchte zahlen / bezahlen. Umgangs- zu einer anderen auch neutral mit sich
sprachlich wird zahlen auch gebraucht, auf etw. beziehen umschrieben werden
wenn die Ware oder [Arbeits]leistung könnte. Man sagt demnach: die Bezie-
das Objekt ist: eine Reparatur, das Taxi, hung (nicht: der Bezug) zwischen Ange-
seinen Kaffee zahlen. bot und Nachfrage; Julian hat keine Be-
bezeichnen als: Wenn das Verb bezeichnen ziehung (auch möglich: keinen Bezug)
als reflexiv gebraucht wird, steht der auf zur Kunst. Es heißt aber nur: In dieser
als folgende Nominalausdruck meist im Beziehung (= was dies betrifft) hat sie
Nominativ: Er bezeichnete sich als der recht. Es gibt einige feste Wendungen
Retter der Kinder . Der Akkusativ (Er be- mit Bezug: auf etwas Bezug nehmen
zeichnete sich als den Retter ...) ist selte- (nicht: Beziehung nehmen); in / mit Be-
ner. Bei nicht reflexivem Gebrauch wird zug auf (nicht: in / mit Beziehung auf)
durch einen Akkusativ nach als der Be- Ihr Schreiben ... Auch in der Bedeutung
zug auf das Akkusativobjekt gekenn- »das Beziehen, das regelmäßige Emp-
zeichnet: Er bezeichnete ihn als den Ret- fangen« steht Bezug: der Bezug von Zei-
ter der Kinder. ↑ als (6). Nach sich be- tungen und Zeitschriften durch die Post.
zeichnen kann nur mit als, nicht mit für ↑ Nominalstil (2).
angeschlossen werden: Sie bezeichnete beziehungsweise: 1. beziehungsweise / oder
sich als unzuständig. vielmehr / genauer gesagt: Die aus der
bezeigen / bezeugen: Die beiden Verben Amtssprache stammende Konjunktion
werden sowohl ihrer lautlichen als auch beziehungsweise (abgekürzt: bzw.) kann
ihrer Bedeutungsähnlichkeit wegen häu- in vielen Fällen– meist stilistisch besser–
fig nicht streng auseinandergehalten. durch oder, [oder] vielmehr, genauer / bes-
Während bezeigen im Sinne von »zeigen, ser gesagt ersetzt werden: Er war mit ihm
ausdrücken, zu erkennen geben« ge- bekannt beziehungsweise befreundet.
braucht wird, hat bezeugen den Sinn Besser: Er war mit ihm bekannt oder viel-
»Zeugnis ablegen von etwas«: jmdm. Res- mehr befreundet. Sie wohnt in Frankfurt
pekt, Ehrerbietung, seine Teilnahme be- beziehungsweise in einem Vorort von
zeigen (= zeigen, erweisen); Freude, Frankfurt. Besser: Sie wohnt in Frankfurt
beziffern, sich – Biedermann 156

oder genauer gesagt in einem Vorort von Wendung in Bezug auf: Sie war in Bezug
MB Frankfurt. Die Firma Müller bzw. die
Firma Meier wird die Ware liefern. Bes-
auf ihre Kleidung nicht sehr sorg fältig.
Ebenso: Mit Bezug auf / Bezug nehmend
Mbezi ser: Die Firma Müller oder die Firma
Meier wird die Ware liefern. (↑ Kongruenz
auf unser Schreiben ... Die Fügung Bezug
nehmend kann auch zusammenge-
1.3.12). In Fällen, wo ein wirklicher Bezug schrieben werden: bezugnehmend. ↑ Ge-
auf zwei verschiedene Substantive vor- trennt- oder Zusammenschreibung
liegt, kann beziehungsweise, wenn man (2.2.1).
es vermeiden will, durch und im andern Bezugswortsatz: ↑ Relativsatz.
Fall oder einfach durch und ersetzt wer- bezweifeln / zweifeln: Das Verb bezweifeln
den: Die Fünf- und Zweicentstücke sind bedeutet »an einem Sachverhalt Zweifel
aus gelblichem bzw. rötlichem Me- hegen, ihn infrage stellen«: Ich bezweifle
tall / ... sind aus gelblichem und im an- seine Angaben. Dagegen bedeutet zwei-
dern Fall aus rötlichem Metall. Ihr Sohn feln »sich in Bezug auf etwas im Zustand
und ihre Tochter sind 10 bzw. 14 Jahre der Unsicherheit befinden«. Nach be-
alt / ... sind 10 und 14 Jahre alt. zweifeln wird meist mit dass angeschlos-
2. Komma bei beziehungsweise: Die Kom- sen: Ich bezweifle, dass sie das getan hat.
masetzung bei beziehungsweise ist die Manchmal wird auch mit ob angeschlos-
gleiche wie bei und und oder. sen: Doch Berater Föller bezweifelt, ob
beziffern, sich: Die Fügung sich beziffern das wirklich stimmt (Süddeutsche Zei-
auf im Sinne von »sich belaufen auf, be- tung). Auf zweifeln kann sowohl ein indi-
tragen« sollte nicht bei unbestimmten rekter (mit ob angeschlossener) Frage-
Angaben gebraucht werden. Also: Der satz als auch ein mit dass eingeleiteter
Sachschaden beziffert sich auf 3 Millio- Inhaltssatz folgen: Ich zweif le, ob sie
nen Euro. Aber nicht: Der Betrag bezif- kommt / [daran], dass sie kommt.
ferte sich auf eine große Summe. BGB: ↑ Wortakzent (2).
bezirzen / becircen: Das Verb bezirzen, das Bibliophile, der und die: Das substanti-
auf den Namen der sagenhaften grie- vierte Adjektiv Bibliophile »Bücherlieb-
chischen Zauberin Circe (Kirke) zurück- haber[in]« wird im Allgemeinen wie ein
geht, kann auch mit c geschrieben wer- attributives ↑ Adjektiv flektiert: ein Bi-
den. Richtig sind die folgenden Flexions- bliophiler, eine Bibliophile, zwei Biblio-
formen: du bezirzt / becirct. Er ist be- phile, die Bibliophilen usw. In der Fach-
zirzt / becirct worden. sprache der Antiquare kommt jedoch
Bezug / Beziehung: ↑ Beziehung / Bezug. auch die schwache Flexion nach dem
bezüglich: Die besonders in der Amtsspra- Muster von ↑ Invalide vor: ein Bibliophile,
che gebräuchliche Präposition bezüglich zwei Bibliophilen.
»in Bezug auf«, die in vielen Fällen bes- Bibliothekar: Das Substantiv wird stark,
ser durch wegen, in, über, nach, von u. a. nicht schwach flektiert: der Bibliothekar,
ersetzt wird, steht mit dem Genitiv: Ihre des Bibliothekars, dem, den Bibliothekar.
Anfrage bezüglich / wegen der Bücher. Der Plural lautet: die Bibliothekare.
Mehr kann ich bezüglich dieses Brie- ↑ Substantiv (1.1.1).
fes / zu diesem Brief nicht sagen. Zum bieder: Bei bieder bleibt, wenn es dekli-
korrekten Ausweichen auf den Dativ in niert oder gesteigert wird, das e der En-
Fällen wie bezüglich Entwicklungspro- dungssilbe gewöhnlich erhalten: ein bie-
grammen ↑ Präposition (2). derer Mensch. Sie war noch biederer.
bezügliches Fürwort: ↑ Relativpronomen. ↑ Adjektiv (3), ↑ Vergleichsformen (2.2).
Bezug [nehmend] / in Bezug: Bezug wird Biedermann: Der Plural lautet: die Bieder-
immer großgeschrieben, also auch in der männer. ↑ Mann (2).
157 Biedermeier – Bindestrich

Biedermeier: Diese kunst- und literatur- Wirkungen zu erzielen: Der Zahn der
wissenschaftliche Bezeichnung hat
neutrales Genus: das Biedermeier. Der
Zeit, der schon manche Träne getrocknet
hat, wird auch über diese Wunde Gras
M
B
Genitiv Singular lautet gemeinsprach-
lich des Biedermeiers, in der Kunstwis-
wachsen lassen.
Bildunterschrift: Kurze Bildunterschrif-
M
Bind
senschaft meist ohne Genitiv-s des Bie- ten – auch wenn sie aus einem ganzen
dermeier. Satz bestehen – werden in Bezug auf die
biegen: ↑ beugen / biegen. Interpunktion wie ↑ berschriften be-
Bielefelder: Die Einwohnerbezeichnung handelt und ohne Schlusspunkt gesetzt.
Bielefelder wird immer großgeschrieben, Sie erhalten jedoch die erforderlichen
auch wenn das Wort als flexionsloses Kommas. Bildunterschriften, die aus
Adjektiv vor einem Substantiv steht: Bie- mehreren Sätzen bestehen, erhalten die
lefelder Leinen. ↑ Einwohnerbezeichnun- üblichen Kommas und Schlusspunkte,
gen auf -er (7). sie werden also wie gewöhnlicher Text
Bildbruch: Als Bildbruch, Bildmischung behandelt. Haben sie eine berschrift,
oder Katachrese bezeichnet man die dann steht diese ohne Punkt. Das erste
Verquickung nicht zusammenpassender Wort einer Bildunterschrift wird immer
bildlicher Ausdrücke (Metaphern), wo- großgeschrieben.
durch die Aussage unsinnig oder zum Billett: Das Wort hat zwei Pluralformen:
Mindesten schief wird: Herr K. versuchte die Billetts und (häufiger:) die Billette .
uns einen braunen Fleck anzuhängen Das Wort Billeteur (schweizerisch für:
(Vermischung von jmdm. etwas anhän- Schaffner, österreichisch für: Platzan-
gen und einen Fleck auf der Weste ha- weiser) schreibt man französierend mit
ben). Der Bildbruch wird gelegentlich einem t (nach frz. billet).
mit Absicht angewandt, um komische Binde-s: ↑ Fugenelement.

Bindestrich

Häufig gestellte Fragen zum Bindestrich

Frage Antwort
Sind Fügungen wie Privat- und öffent- (1.1) Feld- und Gartenfrüchte x Privat-
liche Mittel zulässig? und öffentliche Mittel x Geld- und an-
dere Sorgen, Ellipse (4)
Sind Fügungen wie Textilgroß- und -ein- (1.2) Textilgroßhandel und Textileinzel-
zelhandel, bei denen in jedem der Kom- handel / Textilgroß- und -einzelhandel
posita ein Bestandteil fehlt, überhaupt
korrekt?
Ab wie vielen Bestandteilen muss bei ei- (2) Der Bindestrich zur Hervorhebung,
nem Kompositum ein Bindestrich ge- Fremdwort (4)
setzt werden?
Bindestrich 158

Häufig gestellte Fragen zum Bindestrich


MB
Frage Antwort
MBind Wie schreibt man Verbindungen aus (2.4) i-Punkt x n-fach x CO2-gesättigt x
Zahlen und einem Wort, z. B. 3-Tonner, 3-Tonner
5-mal, 17-jährig?
Wie schreibt man Verbindungen aus (2.5) km-Zahl x TV-geprüft x Lungen-
Abkürzungen und einem Wort, z. B. Kfz- Tbc, Abkürzungen und Kurzwörter
Papiere, US-amerikanisch? (2.1)
Wo setzt man Bindestriche bei Verbin- (3) Der Bindestrich zur Aneinander-
dungen aus mehreren Wörtern und ei- reihung, Zahlen und Ziffern (3)
nem Zweitglied, z. B. Friedrich-Schiller-
Straße, Do-it-yourself-Bewegung, 2-kg-
Dose?
Wird das erste Wort in solchen Verbin- (3.1) September-Oktober-Heft x DIN-
dungen auch dann großgeschrieben, A4-Blatt, (3.2) das In-den-April-Schi-
wenn es kein Substantiv ist? cken
Werden bei Verbindungen aus zwei Ad- (4) Der Bindestrich bei Komposita mit
jektiven Bindestriche gesetzt, z. B. grie- adjektivischen Bestandteilen, (6.4)
chisch-orthodox, bitterböse, deutsch- deutschschweizerisch / deutsch-
amerikanisch? schweizerisch x frankokanadisch
Setzt man bei Verbindungen aus einem (5.1) Schillermuseum / Schiller-Mu-
Eigennamen und einem anderen Sub- seum, (5.2) Mozart-Konzertabend, Per-
stantiv, z. B. Opel-Vertretung, Schiller- sonennamen (5.1.1)
Museum, einen Bindestrich?
In welchen Fällen setzt man bei geogra- (6) Der Bindestrich in Komposita mit
fischen Namen einen Bindestrich? einem geografischen Namen

Der Bindestrich stimmt in seiner Form mit dem Trennungsstrich überein


(↑ Worttrennung). Muss ein mit Bindestrich geschriebenes Wort am Binde-
strich getrennt werden, dann wird kein besonderer Trennungsstrich gesetzt.
In den folgenden Abschnitten werden Besonderheiten der Bindestrichschrei-
bung behandelt:
1 Der Bindestrich zur Ergänzung (Ergänzungs[binde]strich)
1.1 Feld- und Gartenfrüchte x Privat- und öffentliche Mittel x Geld- und
andere Sorgen
1.2 Textilgroßhandel und Textileinzelhandel / Textilgroß- und -einzel-
handel
2 Der Bindestrich zur Hervorhebung
2.1 Stadtverwaltungs-Oberinspektorin
159 Bindestrich

2.2 Druck-Erzeugnis / Drucker-Zeugnis


2.3
2.4
Teeernte / Tee-Ernte x Schifffahrt / Schiff-Fahrt
i-Punkt x n-fach x CO2-gesättigt x 3-Tonner
M
B
2.5 km-Zahl x TV-geprüft x Lungen-Tbc M
Bind
2.6 Ichlaut / Ich-Laut x dass-Satz / Dasssatz
2.7 Hochzeit / Hoch-Zeit
2.8 Kl.-A. x röm.-kath.
3 Der Bindestrich zur Aneinanderreihung
3.1 September-Oktober-Heft x DIN-A4-Blatt
3.2 das In-den-April-Schicken
3.3 2-kg-Dose x 4×100-m-Staffel x 5 %-Klausel
3.4 Verlagsnamen
4 Der Bindestrich bei Komposita mit adjektivischen Bestandteilen
5 Der Bindestrich bei Komposita mit einem Personennamen
5.1 Schillermuseum / Schiller-Museum
5.2 Mozart-Konzertabend
5.3 Max-Planck-Gesellschaft
5.4 Möbel-Meier
6 Der Bindestrich in Komposita mit einem geografischen Namen
6.1 Nildelta x Großglocknermassiv
6.2 Bodensee-Interessengemeinschaft
6.3 Dortmund-Ems-Kanal
6.4 deutschschweizerisch / deutsch-schweizerisch x frankokanadisch
7 Der Bindestrich in Anglizismen
7.1 Sit-in, Take-off
7.2 Komposita

1 Der Bindestrich zur Ergänzung (Ergänzungs[binde]strich)


1.1 Feld- und Gartenfrüchte x Privat- und öffentliche Mittel x Geld- und
andere Sorgen
Der Bindestrich steht als Ergänzungs[binde]strich bei Komposita oder Ablei-
tungen, wenn ein gemeinsamer Bestandteil nur einmal genannt wird:
Feld- und Gartenfrüchte, Hin- und Rückfahrt, Lederherstellung und -vertrieb, Bal-
kon-, Garten- und Campingmöbel, Geld- und andere Sorgen, kraft- und saftlos, vor-
oder rückwärts, ab- und zunehmen, drei- und mehrfach, ein- bis zweimal (in Ziffern:
1- bis 2-mal), Gemeinde-(Amts-)Vorsteher (= Gemeindevorsteher oder Amtsvorste-
her), Polyethylen(PE)- und Polypropylen(PP)-Weichschaum.
Bindestrich 160

Ein solcher Ergänzungsstrich darf nicht stehen, wenn gemeinsame Wortbe-


MB standteile hinsichtlich Zusammen- oder Getrenntschreibung nicht überein-
stimmen, beispielsweise, wenn eine getrennt geschriebene Fügung (z. B. öf-
MBind fentliche Mittel, zur Verfügung halten) vorliegt und diese in Verbindung mit
einem Kompositum (z. B. Privatmittel, bereithalten) als Erste steht. Man
schreibt demnach:
öffentliche und Privatmittel, aber: Privat- und öffentliche Mittel; ebenso: syntheti-
sche und Naturgewebe / Natur- und synthetische Gewebe; die Mittel zur Verfügung
und bereithalten / bereit- und zur Verfügung halten; individuelle und Standardlösun-
gen / Standard- und individuelle Lösungen; diagonal, voraus- oder zurückfahren / zu-
rück-, voraus- oder diagonal fahren; mittelständische und Kleinunternehmen / Klein-
und mittelständische Unternehmen (= Kleinunternehmen und mittelständische Un-
ternehmen; aber: klein- und mittelständische Unternehmen = kleinständische und
mittelständische Unternehmen).

Mit Suffixen abgeleitete Wörter sollten im Allgemeinen nicht mit dem Ergän-
zungsstrich verkürzt, sondern ausgeschrieben werden. Also besser nicht: Be-
kannt- und Freundschaften, Klar- und Wahrheit, sondern: Bekanntschaften
und Freundschaften, Klarheit und Wahrheit (vgl. Ellipse [4]).
Schreibungen wie ein/-e stellvertretende/-r Abteilungsleiter/-in kann man
vermeiden, indem man statt der Schrägstriche runde Klammern wählt: ein(e)
stellvertretende(r) Abteilungsleiter(in).
Zu Verbindungen wie Geld- und andere Sorgen ↑ Ellipse [4].

1.2 Textilgroßhandel und Textileinzelhandel / Textilgroß- und


-einzelhandel
Stimmen bei drei- und mehrgliedrigen Komposita die ersten und die letzten
Glieder überein, so können beide weggelassen werden (↑ Ellipse [4]). In die-
sem Fall muss nach dem zweiten Ergänzungsstrich kleingeschrieben werden:
Textilgroß- und -einzelhandel, Warenein- und -ausgang
aber: Werkzeugmaschinen-Import- und -Exportgeschäfte.

2 Der Bindestrich zur Hervorhebung


Komposita werden im Allgemeinen zusammengeschrieben, ganz gleich, ob
ihre Bestandteile einfach oder selbst schon zusammengesetzt sind. (Zum
Bindestrich in Anglizismen ↑ 7.)
Klimaanlage, Rotwild, Unfallversicherung, Unfallversicherungsgesetz, Windschutz-
scheibe, Fahrkartenschalter, Leinenjeans, Ichsucht, Jawort, Dreikönigsfest, Diplom-
ingenieur.
161 Bindestrich

Im Einzelnen sind dabei folgende Fälle zu unterscheiden:


M
B
2.1 Stadtverwaltungs-Oberinspektorin
M
Bind
In unübersichtlichen Komposita kann ein Bindestrich gesetzt werden. Der
Bindestrich ist in solchen Wörtern dort zu setzen, wo sich bei sinngemäßer
Auflösung des Kompositums die Hauptfuge ergibt. Diese Regel sollte auch
bei Komposita aus weniger als vier Wortgliedern angewendet werden:
Stadtverwaltungs-Oberinspektorin, Haftpflicht-Versicherungsgesellschaft, Gemein-
degrundsteuer-Veranlagung; Umsatzsteuer-Tabelle, Lotto-Annahmestelle, Midlife-
Crisis, Desktop-Publishing.

Bei der Bindestrichschreibung von unübersichtlichen adjektivischen Kom-


posita mit einem Substantiv ist besonders auf die Großschreibung am Wort-
anfang zu achten:
Euronorm-gerecht, Datenbank-gestützt.

2.2 Druck-Erzeugnis / Drucker-Zeugnis


Um Missverständnisse zu vermeiden, kann man Zweit- und Erstglied ent-
sprechend der Bedeutung des Kompositums voneinander trennen, z. B. beim
Wort Druckerzeugnis, das sowohl Druck-Erzeugnis als auch Drucker-Zeugnis
bedeuten könnte.

2.3 Teeernte / Tee-Ernte x Schifffahrt / Schiff-Fahrt


Beim Zusammentreffen von drei gleichen Vokalbuchstaben in der Wortfuge
substantivischer Komposita kann mit oder ohne Bindestrich geschrieben
werden. Die Schreibung mit Bindestrich wird als lesefreundlicher empfun-
den:
Kaffee-Ersatz / Kaffeeersatz, Tee-Ernte / Teeernte, See-Elefant / Seeelefant, Hawaii-
Insel / Hawaiiinsel.

Bei zusammengesetzten Adjektiven und Partizipien schreibt man üblicher-


weise ohne Bindestrich, um irritierende Wortbilder zu vermeiden:
seeerfahren, schneeerhellt (besser nicht: See-erfahren, Schnee-erhellt).

Treffen verschiedene oder nur zwei gleiche Vokalbuchstaben zusammen,


steht im Allgemeinen auch kein Bindestrich:
Gewerbeinspektor, Seeufer, Bauausstellung, Reimport, polizeiintern, Klimaanlage,
Werbeetat.
Bindestrich 162

Beim Zusammentreffen von drei gleichen Konsonantbuchstaben darf eben-


MB falls ein Bindestrich gesetzt werden. Bei der Zusammenschreibung, die die
Lesbarkeit in aller Regel nicht beeinträchtigt, bleibt der dritte Konsonant-
MBind buchstabe auch dann erhalten, wenn ihm ein Vokal folgt:
Schifffahrt / Schiff-Fahrt, Auspuffflamme / Auspuff-Flamme, Betttuch / Bett-Tuch.
Auf den Bindestrich sollte aber verzichtet werden, wenn die sich ergebende
Auflösung der Verbindung nicht die Hauptfuge des Kompositums trifft (z. B.
nicht: Schiff-Fahrtslinie, Seeschiff-Fahrt). Von der Bindestrichsetzung ist
ebenso abzuraten, wenn das zweite (die Wortart bestimmende) Glied des
Kompositums ein Adjektiv oder Partizip ist, also besser: sauerstofffrei, fett-
triefend und nicht: Sauerstoff-frei, Fett-triefend.

2.4 i-Punkt x n-fach x CO 2-gesättigt x 3-Tonner


Ein Bindestrich steht in Komposita mit einzelnen Buchstaben, mit Formel-
zeichen und mit Ziffern:
i-Punkt, A-Dur, a-Moll, Es-Dur, fis-Moll, O-Beine, V-Ausschnitt, x-beliebig, T-förmig,
n-Eck, y-Achse, pH-Wert, CO2-gesättigt, u-Laut, Fugen-s, Zungen-R, 3-Tonner, 8-Zy-
linder, 5-mal, 100-prozentig, 17-jährig, mehrere 17-Jährige.
Vor Suffixen steht nur dann ein Bindestrich, wenn sie mit einem Einzelbuch-
staben verbunden werden:
n-fach, 2p-fach, n-tel, die x-te Wurzel.
Ohne Bindestrich jedoch:
5 %ig, ver307fachen, der 68er, 32stel.
Komposita mit Ziffern + fach können mit oder ohne Bindestrich geschrieben
werden, da fach als selbstständiger Wortbestandteil oder als Ableitungssuf-
fix aufgefasst werden kann:
8-fach / 8fach, 106-fach / 106 fach, 1,5-fach / 1,5fach.
Bei Komposita aus Ziffern, einem Suffix und einem Wort wird der letzte Be-
standteil mit einem Bindestrich angeschlossen (zu Schreibungen ohne Bin-
destrich ↑ Achtzigerjahre).
ein 10er-Schlüssel, eine 100stel-Sekunde.
Zu 5 %-Klausel, 3/8-Takt ↑ 3.3.

2.5 km-Zahl x TV-geprüft x Lungen-Tbc


In Komposita mit Abkürzungen stehen Bindestriche:
UKW-Sender, NATO-Staaten, TV-geprüft, UN-Vollversammlung, US-amerikanisch,
163 Bindestrich

Kfz-Papiere, Tbc-krank, K.-o.-Schlag, km-Zahl, dpa-Meldung; Rohstoffverwer-


tungs-AG, Lungen-Tbc, Blitz-K.-o.
M
B
Keinen Bindestrich haben dagegen fachsprachliche Kurzformen wie BStMdI,
RücklVO usw. und Ableitungen von Abkürzungen wie FKKler, ÖVPler. M
Bind

2.6 Ichlaut / Ich-Laut x dass-Satz /Dasssatz


Mit oder ohne Bindestrich kann man schreiben:
Aha-Erlebnis / Ahaerlebnis, Ichlaut / Ich-Laut, Sollstärke / Soll-Stärke, Kannbestim-
mung / Kann-Bestimmung, dass-Satz / Dasssatz.

2.7 Hochzeit / Hoch-Zeit


Einen Bindestrich kann man setzen, um Teile eines Wortes besonders her-
vorzuheben:
die Hoch-Zeit der Renaissance, etwas be-greifen, ein bisschen ver-rückt.

2.8 Kl.-A. x röm.-kath.


Werden Komposita oder Teile von ihnen abgekürzt, so steht ein Bindestrich:
Reg.-Rat (Regierungsrat), Abt.-Leiterin (Abteilungsleiterin), Kl.-A. (Klassenaufsatz),
Bestell-Nr. (Bestellnummer); röm.-kath. (römisch-katholisch), ev.-luth. (evangelisch-
lutherisch).

Wenn nur der letzte Teil eines Kompositums abgekürzt wird, ist kein Binde-
strich nötig:
Blumenstr. (Blumenstraße), langfr. (langfristig).

3 Der Bindestrich zur Aneinanderreihung


3.1 September-Oktober-Heft x DIN-A4-Blatt
Wenn mehrere Wörter oder Buchstaben vor einem Zweitglied stehen, dann
wird die ganze Fügung durch Bindestriche verbunden (durchgekoppelt):
September-Oktober-Heft, Preis-Leistungs-Verhältnis, Rhein-Main-Halle, Goethe-
Schiller-Denkmal, Mitte-links-Regierung, Frage-und-Antwort-Spiel, Meyer-&-Neu-
mann-Gruppe (↑ Et-Zeichen), Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Sankt-Josefs-Kirche, S-Bahn-
Wagen (aber: S-Bahnhof), ↑ DIN-A4-Blatt, A-Dur-Tonleiter, E.-T.-A.-Hoffmann-
Straße, K.-o.-Schlag, CO-Gehalt-geführte Feuerung, Chrom-Molybdän-legiert, Vita-
min-C-haltig.
Bindestrich 164

In substantivischen Aneinanderreihungen wird das erste Wort auch dann


MB großgeschrieben, wenn es selbst kein Substantiv ist:
Do-it-yourself-Bewegung, Ad-hoc-Bildung, In-dubio-pro-reo-Grundsatz.
MBind bersichtliche Aneinanderreihungen dieser Art kann man jedoch zusam-
menschreiben: Rotgrünblindheit.
Werden die Bestimmungswörter in Anführungszeichen gesetzt, kann auf
die Durchkoppelung ebenfalls verzichtet werden:
»25 Jahre CCI«-Feier.

3.2 das In-den-April-Schicken


Stehen mehrere Wörter als Bestimmung vor einem substantivierten Infinitiv,
dann wird die ganze Fügung durchgekoppelt:
das In-den-April-Schicken, kein Auf-die-lange-Bank-Schieben, beim Ins-Blaue-Fah-
ren, das Für-sich-haben-Wollen.

Einfache Komposita mit nur zwei Bestandteilen schreibt man jedoch zusam-
men:
das Sichausweinen, das Motorradfahren, das Menschsein, das Infragestellen (zu: in-
frage stellen).

bersichtliche Komposita mit drei Bestandteilen kann man zusammen- oder


mit Bindestrich schreiben:
das Außerachtlassen / Außer-Acht-Lassen, das Inkrafttreten / In-Kraft-Treten.

Vgl. ↑ Substantivierungen (3.1).

3.3 2-kg-Dose x 4×100-m-Staffel x 5 %-Klausel


Aneinanderreihungen mit Zahlen (in Ziffern) werden durch Bindestriche
verbunden:
3
/8-Takt, 10-Cent-Marke, 2-kg-Dose, 80-kW-Motor, 1.-Klasse-Kabine, Formel-1-Renn-
wagen, 4- bis 5-Zimmer-Wohnung (= eine 4-Zimmer-Wohnung bis 5-Zimmer-Woh-
nung), 4–5-Zimmer-Wohnung, 3 : 1(2 : 0)-Sieg, 400-m-Lauf, 4×100-m-Staffel, 5-km-
Gehen, 3/4-Liter-Flasche (aber: 1/2 Flasche, 1/1 Flasche).

Zusammen schreibt man hingegen, wenn die Zahl in Buchstaben geschrie-


ben und nicht zu unübersichtlich ist:
Dreiachteltakt, Zehncentmarke, Dreikaiserjahr; (aber:) Null-Komma-sieben-Liter-
Flasche.
165 Bindestrich

Vgl. 2.4.
Für Fünfprozentklausel existieren neben der Schreibung in einem Wort
noch die Schreibung mit einer Ziffer und dem Wort Prozent (5-Prozent-Klau-
M
B
sel) sowie die Schreibung mit dem Prozentzeichen %. Aus grafischen Grün- M
Bind
den wird das Prozentzeichen ohne Bindestrich hinter die Ziffer gesetzt:
5 %-Klausel.

3.4 Verlagsnamen
Auch Verlagsnamen sollten durchgekoppelt werden: Emil-Meyer-Verlag. Aus
typografischen Gründen unterbleibt dies jedoch häufig.

4 Der Bindestrich bei Komposita mit adjektivischen


Bestandteilen
Zweigliedrige Adjektivkomposita aus gleichrangigen Adjektiven werden nor-
malerweise zusammengeschrieben:
süßsauer, nasskalt.
Bei längeren Zusammensetzungen ist der Bindestrich einer Zusammen-
schreibung vorzuziehen:
heiter-verspielt, griechisch-orthodox, südost-nordwestlich.
Es steht aber kein Bindestrich, wenn ein Fugenelement wie -o- erscheint oder
das erste Wort nur bedeutungsverstärkende Wirkung hat bzw. das zweite nä-
her bestimmt:
audiovisuell, bitterböse, lauwarm.
Zu blaurot / blau-rot ↑ Farbbezeichnungen (3.1). Zu original französisch / ori-
ginal-französisch ↑ original.

5 Der Bindestrich bei Komposita mit einem Personennamen


5.1 Schillermuseum / Schiller-Museum
Komposita, deren Erstglied ein Personenname ist, werden im Allgemeinen
zusammengeschrieben (↑ Kompositum [2.2]). Das gilt besonders, wenn es
sich um lexikalisierte Bezeichnungen handelt:
Goethehaus, Schillermuseum, Hermannsdenkmal, Barbarazweige, Bachkantate,
Marshallplan, Dieselmotor, Thomasmehl, Röntgenstrahlen, Litfaßsäule.
Bindestrich 166

Komposita mit Personennamen können aber mit einem Bindestrich ge-


MB schrieben werden, wenn der Name hervorgehoben werden soll. Das ist beson-
ders der Fall, wenn das Kompositum als Name eines Gebäudes, einer Organi-
MBind sation o. dgl. gebraucht wird oder wenn der Personenname zum Firmenna-
men geworden ist:
Schiller-Museum, Lessing-Gymnasium, Humboldt-Gesellschaft, Paracelsus-Ausgabe,
Opel-Vertretung, Leitz-Ordner, Dior-Modell.

5.2 Mozart-Konzertabend
Mit Bindestrich kann man – um die bersichtlichkeit zu verbessern – ein
Kompositum schreiben, wenn dem Personennamen als Erstglied ein zusam-
mengesetztes Zweitglied folgt:
Mozart-Konzertabend, Beethoven-Festhalle.

5.3 Max-Planck-Gesellschaft
Mit Bindestrich schreibt man ein Kompositum, wenn die Bestimmung zu
dem Zweitglied aus mehreren oder aus einem mehrgliedrigen Eigennamen
besteht:
Max-Planck-Gesellschaft, Johannes-Gutenberg-Universität, Goethe-und-Schiller-Ge-
denkstunde, Sankt-(St.-)Marien-Kirche, Van-Allen-Gürtel, Annette-von-Droste-Hüls-
hoff-Ausgabe.

Auf die Durchkoppelung wird häufig verzichtet, wenn der Name in Anfüh-
rungszeichen steht:
»John Wayne«-DVD, »Lady Gaga«-Fanklub.

5.4 Möbel-Meier
Mit Bindestrich schreibt man Geschäftsbezeichnungen, in denen der Name
als Zweitglied steht (aus typografischen Gründen wird darauf häufig verzich-
tet):
Möbel-Meier, Tapeten-Weber.

Ein Bindestrich steht auch, wenn Vor- und Familienname umgestellt sind
und der Artikel vorangeht (die Hofer-Marie, der Huber-Anton). Zu weiteren
Einzelheiten ↑ Personennamen (5.1).
167 Bindestrich

6 Der Bindestrich bei Komposita mit einem geografischen


Namen M
B
6.1 Nildelta x Großglocknermassiv M
Bind

Im Allgemeinen schreibt man Komposita aus Zweitglied und einfachem oder


zusammengesetztem Erstglied zusammen:
Rheinwein, Manilahanf, Nildelta, Großglocknermassiv, Rapallovertrag, Koreakrieg.
Aber mit Hervorhebung des Namens: Jalta-Abkommen.

6.2 Bodensee-Interessengemeinschaft
Einen Bindestrich setzt man oft bei einem Kompositum als Zweitglied an der
Hauptfuge, um die bersichtlichkeit des Kompositums zu verbessern:
Donau-Dampfschifffahrtsgesellschaft, Bodensee-Interessengemeinschaft.

Bleibt die bersicht gewahrt, dann schreibt man zusammen:


Weserbergland, Rheinseitenkanal.

6.3 Dortmund-Ems-Kanal
Bindestriche setzt man, wenn die Bestimmung zu dem Zweitglied aus einem
mehrteiligen Eigennamen oder aus mehreren geografischen Namen besteht:
Dortmund-Ems-Kanal, Rhein-Main-Flughafen, Rio-de-la-Plata-Bucht, Sankt-
(St.-)Gotthard-Gruppe, König-Christian-IX.-Land.

6.4 deutschschweizerisch / deutsch-schweizerisch x frankokanadisch


Bei adjektivischen Komposita aus geografischen Namen, in denen jeder Be-
standteil seine Eigenbedeutung bewahrt, beide zusammen aber eine spezifi-
sche Gesamtbedeutung haben, darf der Bindestrich auch weggelassen wer-
den:
deutsch-amerikanische / deutschamerikanische Beziehungen, deutsch-schweizeri-
sche / deutschschweizerische Wirtschaftsverhandlungen.

Kein Bindestrich steht, wenn der zweite Bestandteil durch den ersten näher
bestimmt wird oder ein Fugenelement wie -o- erscheint:
schweizerdeutsche Mundart, deutschamerikanisches (= von Deutschamerikanern
verfasstes) Schrifttum, frankokanadische Familien; indogermanisch, baltoslawisch,
finnougrisch.
Bindestrich 168

7 Der Bindestrich in Anglizismen


MB Prinzipiell wird der Bindestrich in Fremdwörtern nach denselben Regeln ge-
MBind setzt wie in heimischen Wörtern. Bei den Anglizismen gibt es aber einige Be-
sonderheiten. Sie hängen damit zusammen, dass Wortverbindungen aus dem
Englischen in deutschen Texten vereinheitlicht bzw. den Regeln der deut-
schen Orthografie angepasst werden.

7.1 Sit-inxTake-off
Substantive aus Verbform und Präposition oder Adverb sind im Englischen
weit verbreitet und werden dort häufig mit Bindestrich geschrieben, z. B. sit-
down (Verschnaufpause), roll-on (Deoroller), roll-up (selbst gedrehte Ziga-
rette). Im Deutschen werden solche Entlehnungen und analog gebildete Aus-
drücke daher oft ebenfalls mit Bindestrich geschrieben:
Come-back, Fall-out, Kick-down, Check-in, Make-up, Start-up, Hang-over,
Rooming-in.

Ist die Lesbarkeit nicht beeinträchtigt, kann auch zusammengeschrieben


werden, also Blackout, Comeback, aber nicht Checkin, Makeup.
blicherweise zusammengeschrieben werden Verbindungen, in denen
die Reihenfolge der Bestandteile umgekehrt ist:
Output, Upgrade, Downsizing.

7.2 Komposita
Komposita mit zwei oder mehr substantivischen Bestandteilen werden im
Deutschen zusammen- oder mit Bindestrich geschrieben. Im Englischen
kommt häufig auch Getrenntschreibung vor. Dort finden sich beispielsweise
nebeneinander house arrest (Hausarrest), house-warming (Einzugsfeier) und
housework (Hausarbeit). Getrenntschreibungen wurden früher teilweise ins
Deutsche übernommen, man schrieb z. B. Beat generation und Cherry
Brandy. Heute sind auch hier nur noch die Schreibungen Beat-Generati-
on / Beatgeneration und Cherry-Brandy / Cherrybrandy möglich. Insbeson-
dere bei Komposita mit mehreren komplexen Bestandteilen verbessert die
Schreibung mit Bindestrichen häufig die Transparenz der Anglizismen:
Assessment-Center / Assessmentcenter, Desktop-Publishing / Desktoppublishing,
Facility-Management / Facilitymanagement; Investment-Consulting, Service-Com-
pany, Tuning-Technology
169 Bindewort – bis

Die Schreibung mit Bindestrich beruht hier nicht auf einer besonderen Regel.
Vielmehr gestaltet sie die Wörter übersichtlicher und gleichzeitig ist sie ein
Merkmal ihrer partiellen Fremdheit.
M
B
Zu weiteren Einzelheiten ↑ geografische Namen (3.2), ↑ Straßennamen M
bis
(1.4), ↑ Völker- und Stammesnamen (4), ↑ Fremdwort (4.2). Vgl. auch ↑ Unter-
führung. Zum Aufeinandertreffen von Bindestrich und Fugen-s ↑ Fugen-s
(3.6). Zur Worttrennung am Zeilenende ↑ Worttrennung (1.2).

Bindewort: ↑ Konjunktion. ner von Birma heißen Birmanen , das zu-


Bindewortsatz: ↑ Konjunktionalsatz. gehörige Adjektiv lautet birmanisch . Zu
Binger: Die Einwohner von Bingen heißen der Namensform Burma dagegen lautet
Binger (nicht: Bingener). Binger wird die Einwohnerbezeichnung die Burme-
immer großgeschrieben, auch wenn das sen, das Adjektiv burmesisch.
Wort als flexionsloses Adjektiv vor ei- Birne / Lampe: ↑ Glühbirne / Glühlampe.
nem Substantiv steht: das Binger Loch. bis: 1a) bis Berlin x bis nächsten Sonntag:
↑ Einwohnerbezeichnungen auf -er (1 Gewöhnlich steht bis vor Präpositionen,
und 7). die den Kasus des folgenden Substan-
binnen: Die Präposition binnen regiert tivs bestimmen: bis zum Abend, bis zum
überwiegend den Dativ: binnen wenigen 31.12. , (in der Schweiz auch:) bis am
Augenblicken, binnen drei Jahren, binnen 31.12. , bis an den Hals, bis über die
Kurzem . Das gilt vor allem dann, wenn Mauer. In bestimmten Fällen steht bis
der Kasus nicht an einem Attribut deut- aber wie andere Präpositionen unmit-
lich werden kann. Ist dies jedoch der telbar vor einem Nominalausdruck. Es
Fall, dann wird in gehobener Sprache ge- regiert dann den Akkusativ. Diese be-
legentlich auch der Genitiv gebraucht: stimmten Fälle sind artikellose Fügun-
binnen knapper zwei Stunden; binnen ei- gen mit Ortsnamen (bis Berlin), Ortsad-
nes Jahres. verbien (bis hierher) und Zeitbestim-
Binnen-I: ↑ geschlechtergerechter Sprach- mungen (bis jetzt, bis sechs Uhr, bis
gebrauch (2.2). Ende August, bis nächsten Sonntag, von
Binnenmajuskel: ↑ Groß- oder Kleinschrei- 16 bis 18 Uhr). Der Akkusativ wird da-
bung (3). bei nur deutlich, wenn zu einem sub-
Biografie / Biographie: ↑ f / ph. stantivischen Zeitbegriff wie Monat,
Birma / Burma: Bei beiden Schreibungen Jahr oder zu den Namen der Wochen-
handelt es sich um Entstellungen des tage, Monate und Feste ein Attribut
einheimischen Namens Myanmar. tritt: bis nächste Woche, bis kommen-
Burma ist die Schreibung des angelsäch- den Sonntag, bis nächsten Monat, bis
sischen Sprachraums, dem sich ganz fünfzehnten Januar, bis letztes Jahr, bis
Skandinavien, die Schweiz und Ungarn vorige Ostern, bis diese Weihnachten
angeschlossen haben, Birma die des ro- u. a. Die Zahl dieser substantivischen
manischen Sprachraums. Die Form Zeitbegriffe, die sich mit bis verbinden
Birma ist derzeit in Deutschland am ge- können, ist jedoch begrenzt. Schon die
läufigsten; für den amtlichen Gebrauch Verbindung mit Tag (bis diesen Tag) ist
wird Myanmar empfohlen. Die Einwoh- wenig üblich. Auch eine nachgetragene
bis 170

Apposition bei bis steht, wenn es sich Jahre alt oder: ... sind zwischen 25 und
MB um eine substantivische Zeitbestim-
mung handelt, im Akkusativ: bis
40 Jahre alt oder: ... sind zwischen 25
und 40 Jahren .
Mbis [nächsten] Dienstag, den 3. September.
In anderen Fällen wird jedoch der Dativ
3. bis, bis auf, bis zu: einschließend oder
ausschließend?: Da bis die räumliche
vorgezogen, besonders bei Ortsnamen: oder zeitliche Erstreckung (wie weit?,
bis heute, dem 29. September 1950 (Kan- wie lange?) ausdrückt, kann es in be-
torowicz); bis 1954 (dem Jahr des Todes) stimmten Fällen zweifelhaft sein, ob der
(F. Maurer); bis Landquart, einer kleinen dem bis folgende Begriff ein- oder ausge-
Alpenstation (Th. Mann). Das einfache schlossen ist. Bei Zeitangaben ist es üb-
bis wird hier so verwendet, als stünde lich, bis einschließend zu verstehen:
bis zu oder bis nach. b) vom 1. bis Weihnachtsferien vom 22. Dezember bis
15. April: In Verbindung mit von ist bis [zum] 5. Januar (der 5. Januar ist letzter
Präposition mit dem Akkusativ, wenn Ferientag). Der Schlosspark ist von April
Anfang und Ende eines Zeitabschnitts, bis Oktober geöffnet (im Oktober ist er
einer Zahlenreihe u. dgl. angegeben noch geöffnet). Der Rasen muss bis Mitt-
werden: vom 1. (ersten) bis 15. ( fünf- woch gemäht werden (es kann auch noch
zehnten) April; von Freitag, dem 1. Okto- am Mittwoch geschehen). Hier treten
ber, bis Montag, den 4. Oktober. Der Ap- keine Zweifel auf, jeder versteht es im
parat ist regulierbar von 3 500 bis 10 000 angegebenen Sinn. Kaum Schwierigkei-
Drucke je Stunde. Vgl. aber das Fol- ten machen auch feste Redewendungen,
gende. deren Sinn von vornherein bekannt ist:
2. Städte von 20 000 bis 100 000 Einwoh- Sie wurden bis auf den letzten Mann nie-
nern x Artikel 22, erster bis dritter Ab- dergemacht (auch der letzte Mann
satz: Keine Rektion übt bis aus, wenn es wurde niedergemacht). Sie hat alles bis
als nebenordnende Konjunktion (wie auf den letzten Cent bezahlt. Wir wurden
und) auftritt und einen ungefähren nass bis auf die Haut. Es gibt aber Fälle,
Wert, einen Zeitabschnitt, den Umfang die durchaus zweifelhaft sind: Das um-
eines Zitats o. Ä. angibt: Ich komme in fangreiche Gedicht ist bis auf die letzte
zwei bis drei Stunden. Städte von 20 000 Strophe vorzüglich gelungen. Ist die
bis 100 000 Einwohnern. Der Baum hat letzte Strophe nicht gelungen? Ist das
eine Höhe von 4 bis 6 Metern. (Der Dativ ganze Gedicht gelungen? Hier kann nur
Einwohnern bzw. Metern ist von der eine andere Formulierung Klarheit
Präposition von abhängig, ↑ Meter [4].) schaffen. Besonders bei Zeit- und Rei-
Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jah- henfolgeangaben ist auch ein zusätzli-
ren. (Der Dativ Jahren ist von der Präpo- ches einschließlich (regionalsprachlich,
sition von abhängig.) Bündel mit 20 bis bes. in Bayern auch: mit) verdeutlichend:
30 Stäben (Der Dativ Stäben ist von der Die Ausstellung ist bis einschließlich (re-
Präposition mit abhängig.) Deutsche gionalsprachlich [bis] mit) 15. Mai geöff-
Dichter des 10. bis 15. Jahrhunderts (Der net. Die Mannschaft ist in den Zimmern
Genitiv Jahrhunderts gehört zu des und 20 bis einschließlich 35 untergebracht.
bildet zusammen mit dem Artikel ein ↑ mit (4).
Attribut zu Dichter). Artikel 22, erster 4. Jugendliche bis zu 17 Jahren x bis zu 8
bis dritter Absatz (Nominativ bei einfa- Mitglieder: In Verbindung mit zu gibt
cher Aufzählung). – Nicht korrekt ist es, bis vor Zahlen die obere Grenze eines
bis mit zwischen zu verbinden. Nicht: Zahlenwerts an. Dabei steht gewöhn-
Die Bewerber sind zwischen 25 bis 40 lich der Dativ, den die Präposition zu
Jahre alt, sondern: ... sind 25 bis 40 verlangt: Gemeinden bis zu 10 000 Ein-
171 bis auf Weiteres / weiteres – bisher

wohnern. Jugendlichen bis zu 17 Jahren nur auf die Frage »wie lange?«: Die Ta-
ist der Zutritt verboten. Darauf steht Ge-
fängnis bis zu zehn Jahren. In der Um-
gung dauert bis Sonnabend. Es ist daher
falsch, mit bis auf die Frage »wann?« zu
M
B
gangssprache wird das zu in solchen
Sätzen oft weggelassen; dann tritt der
antworten, wie es umgangssprachlich
geschieht: Er hoffte, dass bis Dienstag in M
bish
Akkusativ ein: Kinder bis 12 Jahre zah- einer Woche die Trauung sein könnte.
len die Hälfte. – Anders steht es mit ei- b) bis steht falsch für sobald oder wenn :
nem Satz wie: Der Vorstand kann bis zu Standardsprachlich nicht korrekt ist die
8 Mitglieder umfassen. Hier ist bis zu Verwendung von bis im Sinn von sobald
eine adverbiale Fügung, die einen nicht oder wenn, wie sie umgangssprachlich in
genau angegebenen Wert begrenzt: Es Österreich vorkommt. Es heißt also
können 3, 5 oder mehr, im Höchstfall nicht: Sie soll mich anrufen, bis sie wie-
aber 8 Mitglieder sein. Der Kasus wird der da ist, sondern: ... , wenn (sobald) sie
dann in der Regel nicht von bis zu be- wieder da ist .
stimmt, das hier auch durch höchstens, 7. bis / bis nicht: Als unterordnende Kon-
rund oder ungefähr ersetzt werden junktion kennzeichnet bis die zeitliche
könnte, sondern vom Verb (bei umfas- Grenze, an der ein Vorgang endet:
sen ist das der Akkusativ). Wenn die Warte, bis ich komme. Enthält der
Unbestimmtheitsangabe wegfällt, Hauptsatz einen verneinten Komparativ,
bleibt der Satz völlig erhalten: Der Vor- dann wird bis mit als verbunden: Das
stand kann 8 Mitglieder umfassen. Der Kind hörte nicht eher zu weinen auf, als
Dativ kommt zwar auch dann vor, wenn bis es vor Müdigkeit einschlief. Neben der
bis zu gestrichen oder durch höchstens zeitlichen Aussage kann bis aber in Ver-
ersetzt werden könnte (Das dauert bis bindung mit einem verneinten überge-
zu einem Jahr), aber der vom Verb be- ordneten Satz auch eine Bedingung zum
stimmte Kasus ist in solchen Fällen vor- Ausdruck bringen. Nur in diesem Fall ist
zuziehen: Das dauert [bis zu] ein Jahr es zulässig, aber nicht notwendig, auch
(Akkusativ). Gelegentlich werden auch den bis-Satz zu verneinen: Du darfst
andere Präpositionen so verwendet: Die nicht gehen, bis nicht die Arbeit gemacht
Auf lage der Zeitung betrug 2010 bis ist. (Besser: ... bis die Arbeit gemacht
über eine halbe Million Exemplare. Wei- ist .) Ist der bis-Satz dem übergeordneten
tere Beispiele mit bis zu: Wir können Satz vorangestellt, so ist die zusätzliche
nur bis zu zehn Schülern Prämien geben. Negation zu empfehlen: Bis nicht die Ar-
Bis zu sechs Kinder schlafen in einem beit gemacht ist, darfst du nicht gehen.
Zimmer. Viele Elefanten haben bis zu ↑ bevor, ↑ Negation (2). Vgl. auch ↑ bis-
drei Meter lange Stoßzähne. Zeichen.
5. bis zu ... und mehr o. Ä.: Die Wendung bis auf Weiteres / weiteres: ↑ weit.
bis zu gibt schon die obere Grenze an, Bischof: Zur Anschrift ↑ Brief / E-Mail (7).
sodass der Anschluss mit und mehr, und bisher: 1. bisher / seither, seitdem: Der Ge-
öfter o. Ä. nicht möglich ist. Unlogisch brauch von seither oder seitdem anstelle
sind daher Sätze wie: Mit dieser Rasier- von bisher beruht auf einer Vertau-
klinge können Sie sich bis zu 15-mal und schung der verschiedenen Zeitaspekte
öfter perfekt rasieren. Oder: Bis zu fünf- dieser Wörter. Die Adverbien seither und
hundert Besucher und mehr haben in seitdem verlangen den deutlichen, be-
dem Saal Platz. stimmten Ausgangspunkt eines Gesche-
6a) bis steht falsch auf die Frage »wann?«: hens in der Vergangenheit: Ich habe sie
Da bis immer eine Erstreckung aus- im April gesprochen, seitdem habe ich sie
drückt, antwortet auch das zeitliche bis nicht mehr gesehen. Dagegen gibt bisher
bislang – bitte 172

die Erstreckung von einem nicht näher braucht ein Brett mit 6–8 Meter[n]
MB genannten, unbestimmten Ausgangs-
punkt bis zu einem ganz bestimmten
Länge. Er hat 4–5-mal angerufen. Wenn
der bis-Strich an das Ende oder an den
Mbisl Zeitpunkt, nämlich bis zur Gegenwart,
an: alle bisher untersuchten Fälle. Sie
Anfang einer Zeile zu stehen käme,
wird bis ausgeschrieben. Das bis-Zei-
war bisher (nicht: seither) Professorin in chen ist nicht zulässig, wenn bis in Ver-
Münster und ist jetzt in Bonn. Dasselbe bindung mit von die Erstreckung eines
gilt für die Adjektive bisherig und seithe- Zeitraumes bezeichnet: Die Tagung
rig: Der bisherige (nicht: seitherige) dauert vom 5. bis 9. Mai (nicht: vom
Wirtschaftsminister trat zurück. So ist es 5.–9. Mai). Sprechstunde von 9 bis 11
auch nicht richtig, von seitherigen Erfol- Uhr (nicht: von 9–11 Uhr). Bei verkürz-
gen zu reden, wenn gar kein Ausgangs- ter Wiedergabe eines Zeitraums ohne
punkt in Betracht kommt. die Präposition von kann dagegen der
2. bisher / bis heute: Da das Adverb bisher Strich gesetzt werden: Sprechstunde
sich auf den Ablauf der Zeit in der Ver- täglich 8–12, 15–17 Uhr.
gangenheit bezieht, sollte es nicht mit bis zu 12 Jahren / bis 12 Jahre: Zur Flexion
dem Präsens verbunden werden. Also in Fällen wie bis zu 12 Jahren / bis 12
nicht: Die Presse schweigt bisher zu die- Jahre ↑ bis (4).
sen Ereignissen, sondern: Die Presse bitte: 1. Stellung und Komma: Das auffor-
schwieg bisher, hat bisher geschwiegen . dernd betonte bitte kann in vielen Ver-
Will man deutlich den gegenwärtigen wendungen als Ellipse aufgefasst wer-
Zeitpunkt betonen, so heißt es bis heute: den; es ist ja aus ich bitte entstanden. In
Die Presse schweigt bis heute zu diesen diesem Sinn kann bitte zu Beginn des
Ereignissen. Satzes, innerhalb des Satzes oder am
bislang: Das Adverb bislang (= bis jetzt) Ende des Satzes stehen. Es wird dann
kann nicht als Attribut vor einem Sub- durch ein Komma abgetrennt oder in
stantiv verwendet werden; also nicht: Kommas eingeschlossen. Meist aber
die bislangen Ergebnisse, sondern: die wird bitte als bloße Höflichkeitsformel
bisherigen Ergebnisse . ↑ Adverb (1). gebraucht und steht dann ohne Komma
bisschen: 1. Schreibung: Das Wort bedeutet zu Beginn des Satzes oder innerhalb des
eigentlich »kleiner Bissen« und wird mit Satzes (vgl. unten stehende Tabelle).
Doppel-s geschrieben. Die Kleinschrei- 2. bitte + Infinitivgruppe: Bitte wird häu-
bung ist die Folge davon, dass der ur- fig zusammen mit Infinitiven verwen-
sprünglich substantivische Begriff zu ei- det, die den Charakter einer Aufforde-
nem Indefinitpronomen im Sinne von rung haben: Bitte nicht rauchen! Beim
»wenig« wurde. Verlassen der Kabine bitte die Tür auf-
2. Deklination: Auch in Verbindung mit lassen! Bitte die Rückseite beachten! Der
dem bestimmten und dem unbestimm- Gebrauch von zu in solchen Sätzen
ten Artikel bleibt bisschen immer en- kommt nur vereinzelt vor: Bitte die
dungslos: das / ein bisschen Stoff, des / ei- Rückseite zu beachten!
nes bisschen Stoffes, dem / einem biss- 3. Bitte[,] seien Sie so freundlich: Stan-
chen Stoff; wegen des bisschen schmutzi- dardsprachlich heißt es: Bitte[,] seien Sie
ger Arbeit, nur ein klein bisschen / ein so freundlich und öffnen Sie mir die Tür.
kleines bisschen Geduld!; mit ein / einem Die Formulierung Bitte[,] sind Sie so
bisschen Geduld. freundlich ... verzichtet zwar auf den Im-
bis-Zeichen: Das bis-Zeichen, ein Strich perativ, kann aber in einem entspre-
(–), kann gesetzt werden, wenn ein chenden Kontext auch als Aufforderung
Zwischenwert angegeben wird: Man verstanden werden. ↑ Imperativ (3).
173 bitten – Blackout / Black-out

Kommasetzung bei bitte


Betontes bitte wird durch Komma[s] abge- Formelhaftes bitte ist ohne Komma in den
M
B
trennt: Ablauf des Satzes einbezogen: M
Blac
Bitte, kommen Sie einmal herüber. Bitte kommen Sie einmal herüber.
Legen Sie, bitte, einige Entwürfe vor. Legen Sie bitte einige Entwürfe vor.
Unterschreiben Sie, bitte! Unterschreiben Sie bitte!
Bitte die Rückseite beachten!
Bitte nicht rauchen!

bitten: 1. doppelter Akkusativ: Gewöhnlich bitterböse, bitterernst, bitterkalt: Die


steht bitten mit der Präposition um: Ich verstärkten Adjektive bitterböse und bit-
bitte dringend um Ruhe. Ich muss Sie um terernst werden heute sowohl in attribu-
eine kleine Gefälligkeit bitten. In be- tiver Stellung als auch in der Aussage zu-
stimmten Fällen hat sich der doppelte sammengeschrieben: ein bitterböser
Akkusativ erhalten, der an die Stelle ei- Blick; er ist bitterböse; eine bitterernste
nes alten Genitivs getreten ist und meist Situation; es ist bitterernst. Auch das Ad-
aus einem Pronomen oder einer prono- jektiv bitterkalt (ein bitterkalter Morgen)
minalen Fügung besteht: Ich habe dich wird zusammengeschrieben: Es war bit-
vorhin etwas gebeten. Eines bitte ich euch terkalt.
inständig ... Ich bitte dich nur dies (Goe- bitter Klage führen: Die feste Verbindung
the). (über etwas) Klage führen kann nur als
2. sein-Passiv (Zustandspassiv): Nicht kor- Ganzes durch ein Adjektiv erweitert
rekt ist es, bitten im ↑ sein-Passiv (3) zu werden: Er führte bitter (= verbittert)
verwenden: Die Gäste werden (nicht: Klage über die Behandlung in der Ka-
sind) gebeten, pünktlich um 20 Uhr zu er- serne. In dieser festen Verbindung kann
scheinen. bitter nicht als Attribut von Klage (bit-
3. Komma: Wenn bitten mit einer Infini- tere Klage) stehen. ↑ Adjektiv (2).
tivgruppe verbunden ist, kann man das bituminieren: Dieses fachsprachliche Verb
Komma setzen: Ich bitte die Türen zu geht in seiner Form auf lat. bituminare
schließen / Ich bitte, die Türen zu schlie- »mit Pech ausstreichen« zurück.
ßen. ↑ Komma (5.2). Blackout / Black-out: Bei Substantivierun-
bitter: Bei bitter bleibt, wenn es dekliniert gen aus dem Englischen, die auf eine Ver-
oder gesteigert wird, das e der letzten bindung aus Verb (black) und Partikel
Stammsilbe gewöhnlich erhalten: ein (out) zurückgehen, kann man einen Bin-
bitterer Geschmack, bittere Tränen; die destrich setzen, wobei der erste Bestand-
Not wurde noch bitterer. Nur in der dekli- teil groß-, der zweite kleingeschrieben
nierten Form des Komparativs wird das wird: Black-out. Daneben ist aber auch
e der letzten Stammsilbe manchmal die Zusammenschreibung möglich. Bei
weggelassen: eine noch bitt[e]rere Not. Wörtern, die bereits im Englischen übli-
↑ Adjektiv (3), ↑ Vergleichsformen (2.2). cherweise zusammengeschrieben wer-
blamabel – blau 174

den, bietet sie sich auch an: Blackout . dung blass und blässer bevorzugt: Nach
MB ↑ Fremdwort (4), ↑ Bindestrich (7.1).
blamabel: Bei blamabel fällt, wenn es de-
spätestens 10 000 Betriebsstunden wer-
den die Farben blass und blässer (Wirt-
Mblam kliniert oder gesteigert wird, das e der
letzten Stammsilbe weg: ein blamables
schaftswoche). ↑ Vergleichsformen (2.1);
Umlaut (2.1).
Ergebnis. Etwas Blamableres kann man Blässhuhn / Blesshuhn: ↑ Blesshuhn / Bläss-
sich kaum denken. ↑ Adjektiv (3), ↑ Ver- huhn.
gleichsformen (2.2). Blatt: Nach Mengenangaben mit Zahlen
blank: 1. Umlaut: Die Vergleichsformen von kann das Substantiv die numeruslose
blank werden ohne Umlaut gebildet: Form Blatt haben: zwanzig Blatt Schreib-
blanker, blankste. ↑ Vergleichsformen maschinenpapier. Sonst lautet der Plural
(2.1). die Blätter: Er riss mehrere Blätter aus
2. Rechtschreibung: Getrennt schreibt dem Heft. ↑ Maß-, Mengen- und Münzbe-
man blank vom folgenden Verb sein: Du zeichnungen (1). Nach Blatt kann das
wirst doch nicht schon wieder blank sein Gezählte entweder im Genitiv ange-
(= kein Geld mehr haben)? Steht blank schlossen werden (tendenziell im Plural)
vor einem Verb und bezeichnet es das oder auch als Apposition im gleichen
Ergebnis der Verbalhandlung, dann Kasus wie das Bezugswort (tendenziell
kann sowohl getrennt als auch zusam- im Singular): Nach einem Vortrag in Bue-
mengeschrieben werden: das Besteck nos Aires im Oktober 1991 habe ihm ein
blank putzen / blankputzen, blank rei- älterer Herr 600 Blatt privater Aufzeich-
ben / blankreiben, blank polieren / blank- nungen von Adolf Eichmann übergeben
polieren; die Drähte blank legen / blank- (taz). Fein säuberlich hat er zu Hause alle
legen. Getrennt- oder Zusammenschrei- seine Gedanken und Argumente auf vier
bung ist auch möglich, wenn der zweite Blatt liniertem Papier notiert (Kölner
Bestandteil der Fügung ein Partizip ist: Stadtanzeiger). ↑ Apposition (4).
blank poliert / blankpoliert. Immer zu- blau: 1. der blaue Montag x der Blaue Nil x
sammen schreibt man blankziehen in, mit Blau: Klein schreibt man das Ad-
(= aus der Scheide ziehen): Sie haben jektiv blau: sein blaues Wunder erleben,
[die Säbel] blankgezogen. ↑ Getrennt- die blaue Blume der Romantik, ein blauer
oder Zusammenschreibung (1.2). Brief (= Brief auf blauem Papier, in
Blasebalg: Es heißt der (nicht: das) Blase- blauem Umschlag), unsere blauen Jungs,
balg. Der Plural lautet die Blasebälge. die blaue Mauritius, der blaue Montag.
↑ Balg. Klein- oder großgeschrieben werden
blasen: Im Indikativ des Präsens heißt es: kann bei idiomatisierter Gesamtbedeu-
ich blase, du bläst, er bläst. Der Stamm- tung: der blaue / Blaue Brief (= Mahn-
vokal [a] wird also bei diesem Verb um- schreiben von der Schule; Kündigung).
gelautet. ↑ Verb (2.2.2). Die Form du blä- Immer groß schreibt man das Adjektiv,
sest ist veraltet, aber im Präteritum wird wenn es Teil eines Namens ist: das Blaue
das -e- nicht weggelassen, hier ist du Band des Ozeans, die Blaue Grotte von
bliesest richtig. ↑ Indikativ (3). Capri, der Blaue Nil, der Blaue Reiter, das
blass: Komparativ und Superlativ von Blaue Kreuz, der Blaue Planet. ↑ Eigenna-
blass können ohne und mit Umlaut ge- men (4 und 5). Groß schreibt man auch
bildet werden. Neben blasser steht die die substantivierte Farbbezeichnung
Form blässer. In der Standardsprache Blau: ein helles Blau; Berliner Blau.
werden heute fast nur noch die Formen Meine Lieblingsfarbe ist (was?) Blau. Mo-
blasser, blasseste gebraucht. Die umge- delle in Blau und Schwarz; weißes, mit
lautete Form wird aber in der Redewen- Blau abgesetztes Leder. Ebenso das
175 bläuen – bleichen

Blaue: Die Farbe spielt ins Blau / ins dem Adjektiv blau (vgl. die Fügung je-
Blaue. Wir fahren ins Blaue. Er lügt das
Blaue vom Himmel herunter. Groß- oder
manden grün und blau schlagen). Des-
halb wird jetzt auch dieses Verb mit äu
M
B
kleingeschrieben werden kann: Die
Farbe seiner Augen ist Blau /blau.
geschrieben: bläuen (früher: bleuen).
Dies gilt entsprechend auch für die Ver- M
blei
2. blau streichen / blaustreichen: Steht ben durchbläuen, einbläuen und ver-
blau vor einem Verb und bezeichnet es bläuen.
das Ergebnis einer Verbalhandlung, bläulich: Man schreibt getrennt: bläulich
dann kann sowohl getrennt als auch zu- rot, bläulich grün, gelblich grün, rötlich
sammengeschrieben werden: das Kleid blau, grünlich gelb usw.
blau färben / blaufärben; das Fahrrad blaurot / blau-rot: ↑ blau (4).
blau streichen / blaustreichen. In Verbin- Blauweißporzellan: ↑ blau (4).
dung mit dem Partizip II kann ebenfalls Blei: Als Bezeichnung des Metalls ist Blei
getrennt oder zusammengeschrieben ein Neutrum: das Blei. Die umgangs-
werden: blau gefärbte / blaugefärbte Tü- sprachliche Kurzform für ↑ Bleistift dage-
cher, blau gefiederte / blaugefiederte Vö- gen kann ein Maskulinum oder ein Neu-
gel, ein blau gestreifter / blaugestreifter trum sein: ein harter Blei / ein hartes
Stoff. Immer zusammen schreibt man Blei.
blaumachen (= ohne Grund von der Ar- bleiben lassen / bleibenlassen: Die Verbin-
beit fernbleiben; ugs.). ↑ Getrennt- oder dung aus zwei Verben wird in der Regel
Zusammenschreibung (1.2 und 3.1.2). getrennt geschrieben: Er wird uns nicht
3. des Blaus / Blaux die beiden länger bei sich bleiben lassen. Getrennt
Blau / Blaus: Das Substantiv das Blau er- oder zusammenschreiben kann man
hält im Genitiv Singular meist ein -s, es aber: Sie sollte das besser bleiben las-
kann aber auch ohne Endung bleiben: sen / bleibenlassen (= unterlassen). Mit
des Blaus / Blau, eines tiefen Blaus / dem Partizip II: Das hat er hübsch blei-
Blau. Alle anderen Kasus und der Plural ben lassen (seltener: bleiben gelas-
sind in der Standardsprache endungslos. sen ) / bleibenlassen (seltener: bleibenge-
Die Pluralform mit -s ist umgangs- lassen). ↑ Getrennt- oder Zusammen-
sprachlich: die beiden Blau /Blaus. schreibung (1.1).
↑ Farbbezeichnungen (2.3). bleichen: Das transitive Verb bleichen
4. ein blau-weißes Kleid: Komposita aus »bleich machen, aufhellen« wird
blau und einer anderen Farbbezeich- schwach flektiert: Man bleichte die Wä-
nung schreibt man meist mit Binde- sche. Die starken Formen des intransiti-
strich, wenn verdeutlicht werden soll, ven Verbs bleichen »bleich werden, Farbe
dass es sich um verschiedene Farben verlieren« (Präteritum blich, Partizip II
und nicht um eine Farbmischung han- geblichen) sind veraltet. Hier treten
delt: ein blau-weißes Kleid, die blau- meist ebenfalls die schwachen Formen
weiß-rote Fahne. Soll hingegen eine ein: Muschelschalen bleichten rings auf
Farbmischung bezeichnet werden, so dem Gerölle (Carossa). Sie hatte früh ge-
schreibt man zusammen: eine blaurote bleichtes Haar (R. Herzog). Aber auch
Vase. Ebenfalls zusammen schreibt man stark: Noch war das Gras ... fahl gebli-
in der Regel Substantive wie Blauweiß- chen (Viebig). Auch bei den Präfix- und
porzellan. ↑ Farbbezeichnungen (3.1). Partikelverbbildungen mit -bleichen ge-
bläuen: Neben dem Verb bläuen mit der winnt die schwache Konjugation mehr
Bedeutung »blau machen, färben« ver- und mehr an Boden: ausbleichen: Das
bindet man in neuer Rechtschreibung Mittel bleichte die Farben aus, hat die
auch das Verb bläuen für »schlagen« mit Farben ausgebleicht. Aber: Der Teppich
Bleistift – blöd / blöde 176

ist ausgeblichen. Bei erbleichen sind blindspielen (im Schach, ohne Brett und
MB heute nur noch schwache Formen üb-
lich: Der aber erbleichte wie Kalk
Figuren). ↑ Getrennt- oder Zusammen-
schreibung (1.2).
MBlei (Winckler). »Was ist geschehen?« – und
er war tief erbleicht (H. Mann). Die For-
Blitzesschnelle / blitzschnell: Es heißt Blit-
zesschnelle (in Blitzesschnelle war er da),
men von verbleichen werden noch häufi- aber blitzschnell (er reagierte blitz-
ger stark gebildet, besonders das Parti- schnell). ↑ Fugenelement (2.2).
zip II: Ich sah sie liegen ... in verblichenen Block: 1. Blöcke / Blocks: Das Substantiv hat
Soldatenröcken (Schnabel). Auch das zwei verschiedene Plurale, einen umge-
substantivierte Partizip II ist in der Be- lauteten mit der Endung -e (Blöcke) und
deutung »Verstorbener« noch im Ge- einen nicht umgelauteten auf -s (Blocks).
brauch: der liebe Verblichene. Die Doppelformen werden zur Bedeu-
Bleistift: Es heißt standardsprachlich der tungsdifferenzierung benutzt. Die Ten-
Bleistift , nicht das Bleistift, wie regional- denz geht dahin, für klotzförmige, kom-
und umgangssprachlich oft, besonders pakte Gegenstände oder massive Bro-
in Süddeutschland, gesagt wird. Vgl. cken den Plural Blöcke zu verwenden.
aber ↑ Blei. Den Plural Blocks (neben: Blöcke) wählt
Blesshuhn / Blässhuhn: Für beide Varian- man für zusammengesetzte, komplexe
ten gilt die Schreibung mit Doppel-s. Bei Dinge, insbesondere für zusammenge-
dem Erstglied dieser Vogelbezeichnung heftete, geschichtete Papiere jeder Art.
handelt es sich um das Substantiv Blesse Nach englisch-amerikanischem Vorbild
»weißer [Stirn]fleck«. Die Schreibung wird der Plural Blocks in der Regel auch
Blesshuhn wird in der Fachsprache be- auf Gebäudekomplexe angewandt. Man
vorzugt, korrekt ist aber auch die all- gebraucht also -blöcke vorzugsweise in
tagssprachliche Variante Blässhuhn. Zusammensetzungen mit Beton-, Eis-,
bleu: Das aus dem Französischen ent- Eisen-, Fels[en]-, Gesteins-, Granit-, Holz-,
lehnte Farbadjektiv bleu kann nicht de- Lava-, Marmor-, Metall-, Motor-, Richt-,
kliniert oder gesteigert werden. Will Stahl-, Stein-, Zylinder- sowie in der Fü-
man beim attributiven Gebrauch die un- gung erratische Blöcke. Neben -blöcke ist
flektierte Form umgehen, kann man auf -blocks möglich in Komposita mit Ab-
Zusammensetzungen mit -farben oder reiß-, Brief-, Briefmarken-, Formular-, No-
-farbig ausweichen: ein bleufarbenes tiz-, Papier-, Rezept-, Schreib-, Zeichen-.
Kleid, bleufarbige Handschuhe. ↑ Farbbe- In Komposita mit Häuser-, Miet-, Wohn-
zeichnungen (2.2). Häufig wird die sub- ist -blocks üblicher. Schwankungen kom-
stantivierte Form (Verbindung mit Arti- men auch hier gelegentlich vor, beson-
kel oder Präposition) verwendet: ein zar- ders aber bei einer letzten, vierten
tes Bleu; Stoffe in Bleu und Rosé. ↑ Farb- Gruppe von Komposita, in denen -block
bezeichnungen (3.2). die Bedeutung »Zusammenschluss poli-
bleuen: ↑ bläuen. tischer oder wirtschaftlicher Einheiten«
blind: Vom Verb sein wird das Adjektiv angenommen hat. In Verbindung mit
blind immer getrennt geschrieben: blind Bündnis-, Macht-, Militär-, Staaten-,
sein. Ebenfalls getrennt schreibt man Währungs-, Wirtschafts- u. a. gilt sowohl
jmdm. blind vertrauen; sich blind verste- -blöcke als auch -blocks. ↑ Plural (2 und
hen. Zusammen schreibt man hingegen 3.2).
Verbindungen mit idiomatisierter Ge- 2. fünf Blöcke / Block[s] Schreibpapier:
samtbedeutung: Die Pilotin musste we- ↑ Maß-, Mengen- und Münzbezeichnun-
gen des dichten Nebels blindfliegen; auf gen (1).
der Computertastatur blindschreiben; blöd / blöde: Beide Formen sind gebräuch-
177 blond – Boden

lich. Bei der umgangssprachlichen Be- braucht. In den Fachsprachen kommt


deutung »dumm, töricht« überwiegt die
Form ohne -e. ↑ Adjektiv (3).
auch der Plural die Blute vor. ↑ Plural (4).
Blut- / Bluts-: Komposita mit Blut in der
M
B
blond: In Verbindung mit dem Partizip II
kann getrennt oder zusammengeschrie-
konkreten Bedeutung »zirkulierende
Flüssigkeit in den Adern des menschli- M
Bode
ben werden: blond gefärbte / blondge- chen oder tierischen Organismus« ha-
färbte Haare, blond gelocktes / blondge- ben kein Fugen-s: Blutader, Blutarmut,
locktes Haar. ↑ Getrennt- oder Zusam- Blutdruck, Blutvergiftung usw. (Aus-
menschreibung (1.2 und 3.1.2). nahme: Blutstropfen). Dasselbe gilt für
Blonde: Sowohl der / die Blonde »blonder bertragungen, denen der konkrete Be-
Mensch« als auch ugs. das / die Blonde griff noch zugrunde liegt: Blutbuche,
»helles Bier, [Berliner] Weißbier« werden Blutsauger, blutvoll usw. Auch in Wör-
wie ein attributives ↑ Adjektiv flektiert: tern, bei denen blut-, Blut- verstärkend
eine Blonde, zwei kleine Blonde (nicht: gebraucht wird, steht kein Fugen-s:
Blonden). Sie tanzte mit einem Blonden. blutarm (= sehr arm), blutjung. Dage-
Er trank ein kühles Blondes / eine kühle gen steht das Fugen-s überall dort, wo
Blonde. Das feminine Genus bei der Be- es sich um [verwandtschaftliche] Bin-
deutung »Weißbier« ist von dem gleich- dungen durch das Blut handelt: Bluts-
bedeutenden Berliner Ausdruck die bande, Blutsbrüderschaft, blutsverwandt
Weiße beeinflusst. usw. (Ausnahme: Blutschande). ↑ Fu-
Blondine: Im Gegensatz zu die Blonde ist genelement.
Blondine keine Substantivierung, son- blutiger Ernst: ↑ Adjektiv (4.1).
dern ein mit dem Suffix -ine abgeleitetes blutstillend / Blut stillend: Es kann blut-
Substantiv. Der Genitiv Singular lautet stillend oder Blut stillend geschrieben
der Blondine, der Nominativ Plural die werden: ein blutstillendes / Blut stillen-
Blondinen. Es heißt also auch zwei Blon- des Mittel. Die Verbindung wird jedoch
dinen. immer zusammengeschrieben, wenn sie
bloß legen / bloßlegen: Man kann getrennt durch ein Adverb näher bestimmt wird:
oder zusammenschreiben, wenn bloß ein besonders blutstillendes Mittel. Die
das Ergebnis einer Handlung bzw. einen Zusammenschreibung gilt auch dann,
veränderten Zustand bezeichnet: Mau- wenn die Fügung als Ganzes gesteigert
ern, Leitungen bloß legen / bloßlegen. In wird: dieses Mittel hat eine noch blutstil-
übertragener Bedeutung schreibt man lendere Wirkung als jenes. ↑ Getrennt-
zusammen: Hintergründe bloßlegen (= oder Zusammenschreibung (3.1.1).
enthüllen). ↑ Getrennt- oder Zusammen- Bochumer: Die Einwohner von Bochum
schreibung (1.2). heißen Bochumer. Die Einwohnerbe-
Bluejeans: Es wird zusammengeschrieben: zeichnung wird immer großgeschrieben,
Bluejeans. ↑ Fremdwort (4). auch wenn das Wort als flexionsloses
Blumenangebinde / Blumengebinde: Die Adjektiv vor einem Substantiv steht: das
beiden Wörter bedeuten nicht dasselbe, Bochumer Rathaus, die Bochumer Uni-
obwohl sie häufig dieselbe Sache be- versität. ↑ Einwohnerbezeichnungen auf
zeichnen. Der Unterschied liegt in dem -er (7).
jeweiligen Zweitglied: das Angebinde ist Boden: Die nicht umgelautete ältere Plu-
ein Geschenk, das Gebinde ein [vom ralform (die Boden) kommt heute nur
Gärtner] sorgfältig, fachmännisch ge- noch sehr vereinzelt vor. Fast immer
bundener Strauß. wird die umgelautete Form die Böden
Blut: Das Substantiv das Blut wird in der gebraucht, die seit dem 15. Jahrhundert
Allgemeinsprache nur im Singular ge- belegt ist.
Bogen – böse 178

Bogen: Das Substantiv hatte im Plural ur- schen stammende Plural die Boni ge-
MB sprünglich keinen Umlaut. Die Form die
Bögen ist seit dem 17. Jahrhundert belegt
braucht.
Boot: 1. die Boote / die Böte: Neben dem

MBoge und heute vor allem in Süddeutschland,


Österreich und der Schweiz gebräuch-
standardsprachlichen Plural die Boote
kommt regionalsprachlich in Nord-
lich. Sie kommt auch in der Literatur deutschland auch die Böte vor.
vor: durch die Bögen der Loggia (Th. 2. im gleichen Boot sitzen: Diese Redens-
Mann); Maria, die ... Lebensmittelmarken art ist aus dem amerikanischen Englisch
auf Zeitungsbögen klebte (Grass). Die üb- entlehnt worden (to be in the same boat).
liche Pluralform der heutigen Standard- ↑ Amerikanismen / Anglizismen (1.2).
sprache ist aber die Bogen : ... die großen Bord: Man unterscheidet der Bord
Bogen auf der Via triumphalis (Winck- »Schiffsrand, Schiffsdeck« und das Bord
ler). Ein Füllhorn ... warf den krachenden »Bücher-, Wandbrett«. Komposita mit
Regen der Sterne in riesigen Bogen empor dem Maskulinum Bord »Schiffsrand«
(Langgässer). ↑ Plural (3.1). Das Kompo- sind dagegen wieder Neutra: das Steuer-
situm Ell[en]bogen hat nur die alte Plu- bord, das Backbord.
ralform die Ell[en]bogen. borgen / leihen: Beide Verben werden seit
bohnen / bohnern : Die ältere Form bohnen Langem gleichbedeutend sowohl im
wird heute regional- und umgangs- Sinne von »etwas mit dem Versprechen
sprachlich im nördlichen und mittleren der Rückgabe von jemandem nehmen«
Deutschland gebraucht. Die ursprüng- als auch im Sinne von »jemandem etwas
lich nordostdeutsche Bildung bohnern unter dem Versprechen der Rückgabe
ist heute die standardsprachlich übliche geben« gebraucht: Ich habe mir das Geld
Form: gebohnertes Parkett. Er bohnert für die Reise [bei ihr] geborgt / geliehen. –
die Fußböden. Kannst du mir 20 Euro leihen / borgen?
bolognese: Zu Spaghetti bolognese ↑ Spa- Ein Unterschied besteht lediglich inso-
ghetti / Spagetti (3). fern, als nur leihen, nicht aber borgen im
Bolz / Bolzen : Die standardsprachlich übli- übertragenen Sinn von »gewähren« ge-
che Form ist Bolzen . Das ältere Bolz braucht wird. Es heißt (in gehobenem
wird nur noch vereinzelt als historische Stil): jmdm. seinen Beistand leihen,
Bezeichnung für »Geschoss der Arm- jmdm. seine Aufmerksamkeit, sein Ohr
brust« verwendet. leihen (= jmdm. zuhören).
Bonbon: Es heißt der oder (häufiger und Bosch: Das zum Namen des Erfinders Ro-
österr. nur) das Bonbon . Beides ist kor- bert Bosch gebildete Adjektiv auf -sch
rekt. schreibt man klein: die boschsche Zünd-
Bonner: Die Einwohnerbezeichnung Bon- kerze. Man kann jedoch auch einen Apo-
ner wird immer großgeschrieben, auch stroph setzen, um die Grundform des
wenn das Wort als flexionsloses Adjek- Namens zu verdeutlichen; dann schreibt
tiv vor einem Substantiv steht: das Bon- man groß: die Bosch’sche Zündkerze.
ner Münster. ↑ Einwohnerbezeichnungen ↑ Apostroph (3.2).
auf -er (7). böse: 1. Rechtschreibung: Klein schreibt
Bonus: Im Singular kann das Wort in allen man das Adjektiv: die bösen Buben, der
Kasus unverändert gebraucht werden: böse Blick, böses Wetter; der böseste mei-
des Bonus , dem, den Bonus. Mit heimi- ner Feinde. Groß schreibt man das sub-
schen Endungen heißt es daneben ver- stantivierte Adjektiv: jmdm. [etwas] Bö-
einzelt im Genitiv Singular: des Bonus- ses wünschen; das Böseste, was mir pas-
ses, im Plural: die Bonusse. Fast immer sieren kann; nichts Böses ahnen. Er kann
wird allerdings der aus dem Lateini- nicht Gut und Böse unterscheiden.
179 Bösewicht – brauchen

Ebenso: im Bösen (= im Streit) aus- Brandmal: Der Plural von Brandmal lautet
einandergehen; im Guten wie im Bösen;
jenseits von Gut und Böse. ↑ Groß- oder
die Brandmale , selten die Brandmäler.
↑ 1 Mal.
M
B
Kleinschreibung (1.2.1).
2. böse auf / böse mit: Wird böse im Sinn
braten: Im Indikativ des Präsens heißt es:
ich brate, du brätst, er brät. Der Stamm- M
brau
von »ärgerlich« gebraucht, dann kann vokal [a] wird also bei diesem Verb um-
die Person, gegen die sich der Ärger rich- gelautet. ↑ Verb (2.2.2).
tet, im Dativ stehen oder mit den Präpo- brauchen: 1. Dazu braucht es keines Bewei-
sitionen auf und mit angeschlossen wer- ses / keinen Beweis: Bei der unpersönli-
den: Sie war ihm böse. Er ist böse auf chen Konstruktion von brauchen kann
mich , mit mir, weil ... Richtet sich der Är- das Objekt im Genitiv stehen: Dazu
ger gegen eine Sache, so sind die Präpo- braucht es keines Beweises. Es brauchte
sitionen über und wegen möglich: Sie keiner weiteren Worte. Diese Aus-
war böse über mein langes Fortbleiben / drucksweise ist heute selten, sie gehört
wegen meines langen Fortbleibens. der gehobenen Sprache an. blicher ist
Bösewicht: Das Wort hat zwei Pluralfor- der ursprünglich regional- und um-
men: die Bösewichter und die Böse- gangssprachliche Akkusativ geworden:
wichte . Es besteht kein Bedeutungsun- Dazu braucht es keinen Wahrsager
terschied zwischen den beiden Formen. (Frisch). Dazu braucht es einfach wieder
Botschaft: Zur Schreibung des Adjektivs in einen Glauben oder eine berzeugung
deutsche Botschaft ↑ Eigennamen (5). (Musil).
Botschafter, Botschafterin: Zur Anschrift 2. Du brauchst nicht zu kommen / Du
eines Botschafters oder einer Botschaf- brauchst nicht kommen: Verneintes oder
terin ↑ Brief / E-Mail (7). durch nur, erst u. a. eingeschränktes
bourgeois: Das aus dem Französischen brauchen + Infinitiv mit zu drückt aus,
stammende Adjektiv bourgeois »bürger- dass ein Sachverhalt nicht oder nur un-
lich« wird wie ein deutsches Adjektiv de- ter bestimmten Bedingungen realisiert
kliniert: Deine Ansichten sind ziemlich werden muss: Du brauchst nicht zu kom-
bourgeois! Ist die Gewaltenteilung ein men (= hast es nicht nötig zu kommen,
bourgeoises Prinzip? es besteht für dich keine Notwendigkeit
boxen: Wird boxen auf einen Körperteil zu kommen). Besonders in der gespro-
bezogen, kann die betroffene Person mit chenen Sprache wird das zu vor dem In-
einem Nominalausdruck im Dativ oder finitiv oft weggelassen, d. h. , verneintes
(seltener) im Akkusativ bezeichnet wer- oder eingeschränktes brauchen wird wie
den: Er boxte ihm / ihn in den Magen. verneintes oder eingeschränktes müssen
Ähnlich wie boxen werden auch andere verwendet: Du brauchst nicht kommen =
Verben der körperlichen Berührung ver- Du musst nicht kommen. Du brauchst
wendet, vgl. im Einzelnen z. B. ↑ schla- erst morgen anfangen = Du musst erst
gen, ↑ schneiden, ↑ treten. morgen anfangen. Damit schließt sich
Bozner: Die Einwohner von Bozen heißen brauchen an die Reihe der Modalverben
Bozner. Das -n- gehört hier zum Stamm (müssen, dürfen, können, sollen, wollen,
des Ortsnamens (8. Jahrhundert: Bauza- mögen) an, die ebenfalls mit dem reinen
num). Die Einwohnerbezeichnung Infinitiv verbunden werden (vgl. auch ↑ 3
Bozner wird immer großgeschrieben, und 4). In der geschriebenen Sprache
auch wenn das Wort als flexionsloses wird das zu vor dem Infinitiv meistens
Adjektiv vor einem Substantiv steht: die noch gesetzt: Du brauchst nicht zu kom-
Bozner Industrie. ↑ Einwohnerbezeich- men. Du brauchst erst morgen anzufan-
nungen auf -er (1 und 7). gen.
braun – brav 180

3. Das hättest du nicht zu tun brauchen: braun streichen / braunstreichen. Auch


MB Wie bei den Modalverben wird brauchen
nach dem Infinitiv eines Vollverbs nicht
in Verbindung mit dem Partizip II kann
getrennt oder zusammengeschrieben
Mbrau im Partizip II, sondern im Infinitiv einge-
setzt: Das hättest du nicht zu tun brau-
werden: ein braun gestreifter / braunge-
streifter Stoff; braun gebrannte / braun-
chen (nicht: gebraucht). Er hat nicht zu gebrannte Urlauberinnen. ↑ blau (2),
schießen brauchen. ↑ Getrennt- oder Zusammenschreibung
4. er braucht: In der gesprochenen Spra- (1.2 und 3.1.2).
che wird zuweilen das -t der 3. Person 2. des Brauns / Braun x die beiden
Singular (er brauch statt er braucht ) Brauns / Braun: Das Substantiv das
weggelassen, besonders wenn brauchen Braun kann im Genitiv Singular und im
ohne zu verwendet wird. Obwohl brau- Plural mit und ohne die Endung -s ste-
chen dadurch ebenfalls den Modalver- hen: des Brauns / Braun, eines hellen
ben angeglichen wird (vgl. die t-losen Brauns / Braun; die beiden dunkleren
Formen er darf, er muss, er soll), ist diese Brauns / Braun, das Nebeneinander ver-
Form doch nicht zulässig. Verben mit schiedener Brauns / Braun (besser:
zwei so unterschiedenen finiten Formen Brauntöne). Alle anderen Kasus sind en-
gibt es im Deutschen generell nicht. Es dungslos. ↑ Farbbezeichnungen (2.3).
kann nur heißen: Er braucht das nicht 3. das braun-grüne / braungrüne Kleid:
[zu] bezahlen. Komposita aus braun und einer anderen
5. brauchte / bräuchte: Der Umlaut bei der Farbbezeichnung schreibt man meist
schwachen Form bräuchte entspricht mit Bindestrich, wenn verdeutlicht wer-
zwar nicht dem allgemeinen Schema der den soll, dass es sich um zwei verschie-
Konjunktivbildung bei schwachen Ver- dene Farben und nicht um eine Farbmi-
ben. ↑ Konjunktiv. Er ist aber sehr ge- schung handelt: ein braun-grünes Kleid.
bräuchlich und auch standardsprachlich Soll hingegen eine Farbmischung be-
korrekt. Durch den Umlaut lässt sich der zeichnet werden, so schreibt man zu-
Konjunktiv II hier vom regulär gleichlau- sammen: ein braungrünes Kleid. ↑ Farb-
tenden Indikativ Präteritum (brauchte) bezeichnungen (3.1).
unterscheiden. Braunschweiger: Die Einwohnerbezeich-
6. brauchen / gebrauchen: Das Verb brau- nung Braunschweiger wird immer groß-
chen wird außer im Sinne von »nötig ha- geschrieben, auch wenn das Wort als fle-
ben, benötigen« auch im Sinne von »be- xionsloses Adjektiv vor einem Substan-
nutzen, von etwas Gebrauch machen« tiv steht: eine Braunschweiger Bürgerini-
verwendet: seine Ellbogen, seinen Ver- tiative ↑ Einwohnerbezeichnungen auf
stand brauchen. Nicht korrekt ist dage- -er (7).
gen die Verwendung des Verbs gebrau- Braut: Zu Ihr Fräulein Braut ↑ Fräulein (3).
chen im Sinne von »nötig haben, benöti- Bräutigam: Der Plural lautet die Bräuti-
gen, bedürfen«. Es heißt richtig: ich game (umgangssprachlich manchmal
brauche (nicht: gebrauche) noch etwas die Bräutigams).
Geld zum Ankauf des neuen Baugrund- Brautpaar: Die Anschrift An das Braut-
stückes. paar wird in der Regel bei einer Hochzeit
braun: 1. Rechtschreibung: Steht braun vor und nicht bei einer Verlobungsfeier ver-
einem Verb und bezeichnet es das Er- wendet.
gebnis einer Verbalhandlung, dann brav: Die Vergleichsformen von brav wer-
kann sowohl getrennt als auch zusam- den ohne Umlaut gebildet: braver,
mengeschrieben werden: das Kleid bravste (nicht: brävste). ↑ Vergleichsfor-
braun färben / braunfärben; den Zaun men (2.1).
181 brechen – Briefblock

brechen: 1. brechen / brich!: Im Indikativ Breite: Es heißt Das Tor misst 3 m in der
des Präsens heißt es: ich breche, du
brichst, er bricht. Der Imperativ lautet:
Breite (nicht: in die Breite). ↑ messen (2).
Bremer: Die Einwohner von Bremen hei-
M
B
brich! (nicht: breche!). ↑ e / i-Wechsel.
2. In der Wendung den Stab über jeman-
ßen Bremer (nicht: Bremener). Bremer
wird immer großgeschrieben, auch M
Brie
den brechen »jemanden [voreilig] verur- wenn das Wort als flexionsloses Adjek-
teilen« wird der Akkusativ gesetzt, weil tiv vor einem Substantiv steht: der Bre-
die Präposition über im übertragenen mer Senat, die Bremer Stadtmusikanten.
Gebrauch den Akkusativ regiert. In älte- ↑ Einwohnerbezeichnungen auf -er (1
ren Texten, wenn an die ursprüngliche und 7).
Handlung des Stabbrechens als Rechts- brennbar: ↑ -bar.
brauch angeknüpft wird, findet sich ver- brennen: 1. Flexion: Bei dem Verb brennen
einzelt der Dativ: den Stab über jeman- ändert sich der Stammvokal: brennen,
dem brechen. brannte, gebrannt. Der Konjunktiv II lau-
Breisgau: Es heißt der Breisgau (regional- tet jedoch ich brennte usw. (nicht ich
sprachlich auch: das Breisgau). brännte usw.).
breit: 1. Groß- oder Kleinschreibung: Das 2. Die Füße brennen mir: Nennt das Sub-
Adjektiv wird kleingeschrieben: ein brei- jekt zu brennen (im übertragenen Sinne
ter Wagen, eine breite Straße, ein breites von »schmerzen«) einen Körperteil,
Band. Groß schreibt man das substanti- dann regiert brennen den Dativ: Die
vierte Adjektiv: ins Breite fließen. Sie Füße brennen mir. Mir brennen die Au-
wollte den Vorgang des Breiteren (= aus- gen. Ihm brannte der Kopf.
führlich) darlegen. Er erläuterte diesen 3. Der Pfeffer brennt mir auf der Zunge:
Vorgang des Langen und Breiten (= um- Auch wenn das Subjekt zu brennen eine
ständlich); ein Langes und Breites Substanz bezeichnet, steht heute der
(= viel) sagen. ↑ Groß- oder Kleinschrei- Dativ: Die scharfe Tunke brennt mir auf
bung (1.2.1). der Zunge. Der Schnaps brannte mir wie
2. Getrennt- oder Zusammenschreibung: Feuer im Hals.
Steht breit vor einem Verb und bezeich- brennende Frage: ↑ Adjektiv (4.1).
net es das Ergebnis der Verbalhandlung, Brennnessel: Die Zusammensetzung aus
kann sowohl getrennt als auch zusam- Brenn- und Nessel wird mit drei n ge-
mengeschrieben werden: Er hat die schrieben. Zur besseren Lesbarkeit kann
Schuhe breit getreten / breitgetreten. Zu- ein Bindestrich gesetzt werden: Brenn-
sammen aber schreibt man: Die Sache nessel , auch: Brenn-Nessel. ↑ Zusammen-
wurde in der Presse breitgetreten (= weit- treffen dreier gleicher Buchstaben.
schweifig dargelegt). Wieder habe ich Breslau: Der polnische Name der Stadt
mich breitschlagen (= überreden) lassen, lautet Wrocław.
ihr zu helfen. Immer musst du dich so Breslauer: Die Einwohner von Breslau hei-
breitmachen (= viel Platz beanspru- ßen Breslauer. Die Einwohnerbezeich-
chen). In Verbindung mit dem Partizip II nung Breslauer wird immer großge-
kann getrennt oder zusammengeschrie- schrieben, auch wenn das Wort als flexi-
ben werden: ein breit gefächertes / breit- onsloses Adjektiv vor einem Substantiv
gefächertes Angebot; breit getrete- steht: das Breslauer Rathaus. ↑ Einwoh-
ne / breitgetretene Schuhe. ↑ Getrennt- nerbezeichnungen auf -er (7).
oder Zusammenschreibung (1.2 und Briefblock: Der Plural lautet die Briefblö-
3.1.2); ↑ fingerbreit / zwei Finger- cke oder (seltener:) die Briefblocks.
breit / zwei Finger breit. ↑ Block.
Brief / E-Mail 182

Brief / E-Mail
MB
MBrie Häufig gestellte Fragen zu Briefen und E-Mails

Frage Antwort
Schreibt man in der Anschrift Herr (1) Anschrift/Verteiler
Meier oder Herrn Meier?
Wer kommt bei einer E-Mail wohin in (1) Anschrift/Verteiler
den Verteiler?
Wie gestaltet man die Anschrift bei Brie- (1.1) Anschrift von mehreren Personen
fen an ein Ehepaar oder eine Familie?
Wird in Firmenanschriften zuerst die (1.2) Anschrift von Firmen usw.
Person oder die Firma genannt?
Wie erreicht man, dass ein Brief in einer (1.2) Anschrift von Firmen usw.
Firma nur von der Person geöffnet wird,
an die er gerichtet ist?
Wie gestaltet man die Datumsangabe? (2) Datumsangabe
Schreibt man Sehr geehrte[r], Liebe[r] (4) Anrede
oder Hallo?
Wird nach der Grußformel (z. B. Mit (5) Briefschluss
freundlichen Grüßen) ein Komma ge-
setzt?
Wie spricht man einen Bischof, eine (7) Wichtige Adressaten in Auswahl
Professorin, einen Fürsten usw. an?

1 Anschrift / Verteiler
Die Anschrift auf Briefen in Papierform steht gewöhnlich im Akkusativ. Der
Dativ ist weithin unüblich, er kommt nur noch im diplomatischen Schriftver-
kehr vor und hat sich bei bestimmten Ehrentiteln erhalten (Seiner Hochwür-
den Monsignore ...). Bei Anschriften, die einer oder mehreren Personen gel-
ten, wird heute auf An, An den / die / das verzichtet, in der Regel auch bei An-
schriften in Schreiben an Firmen. Trotzdem sollte man in Deutschland und
Österreich die Form Herrn (früher: An Herrn ...) verwenden, in der Schweiz
gilt mittlerweile auch die Form Herr als zulässig. Bei Anschriften, die einem
Amt, einer Institution und dergleichen gelten, wird dagegen An den / die / das
noch häufiger gesetzt. Die Anrede Frau bzw. Herrn kann in einer eigenen
183 Brief / E-Mail

Zeile oder in der Namenszeile geschrieben werden. Titel und Berufsbezeich-


nungen sind nur zu flektieren, wenn sie vor dem Namen stehen. Bis auf Dr.,
Prof. und die üblichen Abkürzungen der Diplomgrade (Dipl.-Ing. , Dipl.-Kfm.
M
B
u. Ä.) sollte man Abkürzungen vermeiden: M
Brie

Herrn Frau Studienrätin Frau Abgeordnete


Werner Müller Dr. Vera Scholz Eva Meier-Schulze
Prokurist
An das Hesselbach GmbH Amt für
Finanzamt Mitte Wohnen und
Kassenabteilung Stadterneuerung
Nürnberg

In E-Mails gibt es statt einer Anschrift eine E-Mail-Adresse; häufig stehen


auch mehrere E-Mail-Adressen im Verteiler: In die »An«-Zeile schreibt man
die Adresse der tatsächlich angesprochenen Person; die Adressen anderer,
die lediglich über diesen Vorgang informiert werden sollen, werden in die
»cc«-Zeile (ursprünglich für: carbon copy, heute schlicht für »Kopie«) einge-
tragen. Dabei sollte man prüfen, wer die betreffende Information tatsächlich
benötigt, und nur diese Personen in den Verteiler aufnehmen. Da diese
Adressen für alle anderen Empfänger sichtbar sind, kann es aus Datenschutz-
oder anderen Gründen auch sinnvoll sein, weitere Empfänger statt in die
»cc-« in die »bcc«-Zeile (blind carbon copy für »Blindkopie«) zu setzen.
Adressen in der bcc-Zeile sind für alle anderen nicht sichtbar.

1.1 Anschrift von mehreren Personen


Schwierigkeiten bereitet oft die Anschrift von [Ehe]paaren. Die allgemein üb-
lichen Formen sind in der folgenden Tabelle aufgelistet. Dabei ist grundsätz-
lich zu beachten: Wenn man es als unhöflich empfindet, den Mann vor der
Frau zu nennen, kann man auch zuerst die Frau nennen (Frau Eva und Herrn
Hans Richter usw.):
Hans und Eva Richter Herrn Hans und Herrn Hans Richter
Frau Eva Richter Frau Eva Richter
Herrn und Frau Eheleute Hans
Hans Richter und Eva und Eva Richter
Richter

Die Anrede Eheleute wird heute kaum noch verwendet.


Brief / E-Mail 184

Trägt einer der Ehepartner einen Doppelnamen, kann man folgenderma-


MB ßen schreiben:

MBrie Herrn Hans Richter und


Frau Eva Hansen-Richter

Haben die Eheleute jeweils ihren Namen behalten, so ist auch die folgende
Anschrift möglich:
Herrn und Frau
Hans Richter und Eva Lose

Die folgenden Formen werden heute zwar noch vereinzelt gebraucht, gelten
aber als unhöflich, da die Frau nur als »Anhängsel« ihres Mannes erscheint:
Herrn Herrn
Hans Richter und Frau Dr. Hans Gerster
und [Frau] Gemahlin

Will man einen Brief an eine Familie mit mehreren Mitgliedern richten, kann
man die Anschrift folgendermaßen gestalten:
Familie Richter
Familie Familie
Hans und Eva Richter Hans, Eva, Simon und Julia Richter

Schwierig ist es auch, wenn z. B. mehrere Rechtsanwältinnen und Rechtsan-


wälte in der Adresse erfasst werden sollen. Dies kann entweder über den
Kanzleinamen (ohne Nennung der einzelnen Namen) geschehen oder man
verwendet eines der folgenden Muster:
Herren Rechtsanwälte Frau Vera Vogel
Dres. H. Meier und M. Schulze Frau Dr. Inge Schubert
Rechtsanwältinnen

1.2 Anschrift von Firmen usw.


Bei Firmenanschriften wird das Wort Firma heute kaum noch benutzt, auch
wenn diese Information nicht aus dem Namen selbst hervorgeht. Wenn der
Personenname (mit oder ohne den Zusatz ↑ z. H., z. Hd.) nach der Firmen-
adresse steht, darf das betreffende Schreiben auch von einem anderen als
dem genannten Firmenangehörigen geöffnet werden. Durch die Voranstel-
185 Brief / E-Mail

lung des Personennamens wird das meist verhindert. Sicherer ist es, Sendun-
gen mit dem Vermerk »persönlich« oder »vertraulich« zu markieren; auch sie
dürfen dann ausschließlich von dem benannten Empfänger geöffnet werden.
M
B
Die Abkürzungen ↑ i. H. , i. Fa. und c / o werden heute noch bisweilen verwen- M
Brie
det. Da viele diese als überflüssig empfinden, wird häufig von ihrer Verwen-
dung abgeraten. Gleiches gilt auch für die Abkürzung z. H. , z. Hd.
Metzgerei Vereinigte Stahlwerke GmbH
Hans Große Berlin
Herrn Bankdirektor Ortmann & Philipp KG
Dipl.-Kfm. Wolfgang Berger Frau Dr. Erika Müller
i. H. (i. Fa. , c/o) Regionalbank AG
persönlich
Herrn
Ewald Schuster
Reisebüro Hansen

2 Datumsangabe
Nach den Zahlen für Tag und Monat setzt man einen Punkt; bei internatio-
naler Datumsangabe sind Jahr, Monat und Tag (in dieser Reihenfolge) durch
Bindestriche verbunden. Ein Schlusspunkt wird nicht gesetzt. In Privatbrie-
fen führt man den Ort und die Datumsangabe häufig zusammen auf. Zwi-
schen Orts- und Zeitangabe steht ein Komma. Der Anschluss Berlin, dem ...
ist nicht korrekt (↑ Datum). Bei E-Mails erübrigt sich die Angabe, da das Da-
tum automatisch vorhanden ist.
Berlin, den 10. November 2016 Berlin, [den] 20.06.2016 Berlin, 5. Sept. 2016
Berlin, am 13.02.16 Berlin, im Juli 2016 2016-09-26

3 Betreff

Unser Werbetext »Autolacke« Beschwerde über ...


Ihre Bestellung vom ... Unser Gespräch vom ...

Der Betreff ist eine stichwortartige Inhaltsangabe, die in Geschäftsbriefen


u. Ä. über der Anrede steht. Das Leitwort Betreff ist heute im Schriftverkehr
in Papierform in Wirtschaft und Verwaltung nicht mehr üblich. Das erste
Brief / E-Mail 186

Wort der Betreffzeile wird sowohl in Briefen als auch in E-Mails großge-
MB schrieben, ein Schlusspunkt wird nach dem Betreff nicht gesetzt.
In E-Mails ist der Betreff in der Kopfzeile vorgesehen und sollte auch im-
MBrie mer ausgefüllt werden, weil diese Angabe für die Bearbeitung und Verwal-
tung der E-Mail eine zentrale Bedeutung hat. Die Formulierung des Betreffs
sollte knapp, aber präzise sein. Antwortet man mit der Antwortfunktion auf
eine E-Mail, erscheint der alte Betreff mit dem Zusatz »Re:« oder »AW:«;
wenn bei einem E-Mail-Verkehr nach mehrmaligem Hin und Her aber das
Thema wechselt, sollte ein neuer Betreff angegeben werden.

4 Anrede

Sehr geehrte Damen, Firmen o. Ä. mit ausschließlich weibli-


Sehr geehrte Herren, chem bzw. männlichem und mit ge-
Sehr geehrte Damen und Herren, mischtem Personal
Sehr geehrte Frau Dr. Schulze,
[Ehe]paar
sehr geehrter Herr Schulze,
Sehr geehrte Frau [Dr.] Meier,
Guten Tag, Herr Huber,
Liebe Frau Müller, Hallo[,] Klaus, Einzelpersonen
Sehr geehrte Frau Präsidentin,
Sehr verehrter Herr Professor,

Nach der Anrede steht heute üblicherweise ein Komma, nicht mehr ein Aus-
rufezeichen: Das erste Wort des eigentlichen Briefes schreibt man nach dem
Komma klein, wenn es kein Substantiv oder Anredepronomen ist (nur in der
Schweiz, wo nach der Anrede kein Komma steht, beginnt die nächste Zeile
mit einem Großbuchstaben):
Sehr geehrte Damen und Herren, Hallo[,] Petra,
hiermit bestätige ich ... Deinen Brief habe ich erhalten ...
Liebe Frau Müller, Lieber Papa,
heute erhielt ich Ihr ... heute kam Dein ...

Als Anreden sind das ursprünglich vertraute, inzwischen auch neutral ver-
wendete Liebe[r] und das förmlichere Sehr geehrte[r] üblich; das neutrale
Hallo setzt sich besonders in E-Mails immer mehr durch. Auch unter Ge-
schäftsleuten, die sich siezen, ist es – anders als in Briefen – weithin akzep-
tiert, wenn der Umgangston nicht ganz so förmlich ist. Die Anrede Sehr ver-
ehrte[r] sollte man nur verwenden, wenn man den Adressaten persönlich
187 Brief / E-Mail

kennt und ihm gegenüber besonders ehrerbietig sein möchte. Veraltet ist die
Anrede mit Werte[r].
Gebraucht man die Amts- oder Berufsbezeichnung des Adressaten, so
M
B
wird der Name meist weggelassen: Sehr geehrter Herr Präsident / Sehr geehrte M
Brie
Frau Senatorin. Lediglich bei der Anrede eines Professors oder einer Profes-
sorin wird der Name oft mit genannt: Sehr geehrter Herr Professor / Sehr ge-
ehrter Herr Professor Schmidt; Sehr geehrte Frau Professorin / Sehr geehrte
Frau Professorin Schmidt (auch: Sehr geehrte Frau Professor / Sehr geehrte
Frau Professor Schmidt). Titel werden im Normalfall ausgeschrieben. (Im
Falle von Professor / Professorin ist die Kurzform Prof. allerdings inzwischen
ebenfalls gebräuchlich, wenn man sie mit Dr. kombiniert: Sehr geehrte Frau
Prof. Dr. Meier.) Der Doktorgrad wird gewöhnlich abgekürzt vor den Famili-
ennamen gesetzt (↑ Doktor [2]). Redet man mehrere Doktorinnen und Dok-
toren (z. B. in einer Gemeinschaftspraxis) an, so ist nach wie vor die Anrede
Sehr geehrte Damen und Herren Doktoren üblich; handelt es sich nur um
Männer, heißt die Anrede Sehr geehrte Herren Doktoren.
Ein Adjektiv in der Anrede sollte sich nicht auf mehrere Namen o. Ä. be-
ziehen, wenn es grammatisch nur zu einem passt (↑ Ellipse [3.1]):

Nicht: Sondern:
Sehr geehrte Frau und Herr Müller, Sehr geehrte Frau Müller,
sehr geehrter Herr Müller,
Liebe Erika und Peter, Liebe Erika, lieber Peter,
Liebe Tante und Cousinen, Liebe Tante, liebe Cousinen,
Liebe[r] Klaus und Peter, Lieber Klaus, lieber Peter,
Meine lieben Inge und Sonja, Meine liebe Inge, meine liebe Sonja,

Anrede und fortlaufender Text werden sowohl im Brief als auch in der E-Mail
durch eine Leerzeile getrennt.

5 Briefschluss

Mit freundlichem Gruß Mit freundlichen Grüßen Mit den besten Grüßen
Hochachtungsvoll Freundliche Grüße Herzliche Grüße

Die Grußformel beginnt normalerweise mit einem großen Anfangsbuchsta-


ben und steht ohne Punkt, Komma oder Ausrufezeichen. Wird sie jedoch in
Brief / E-Mail 188

den Briefschluss einbezogen, gilt die reguläre Zeichensetzung und Groß- und
MB Kleinschreibung:
Ich hoffe, Ihnen damit geholfen zu haben,
MBrie und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
[Handschriftliche Unterschrift]

Bilden Schlusssatz und Unterschrift[en] eine grammatische Einheit, ist auf


die ↑ Kongruenz zwischen Subjekt und Prädikat zu achten:
Ein gutes neues Jahr wünscht Ihnen
Fritz Müller mit Frau und Tochter
Ein gutes neues Jahr wünschen Ihnen
Eva Müller und Familie

Bei Geschäftsbriefen unterschreibt der Ranghöhere gewöhnlich links. Zu-


sätze wie i. A. (im Auftrag – der / die Unterzeichnende hat für diesen Brief, den
er / sie unterschreibt, eine Vollmacht), i. V. (in Vollmacht bzw. in Vertretung –
der / die Unterzeichnende hat vom Inhaber eine allgemeine Handlungsvoll-
macht erhalten) oder ppa. (per procura – der / die Unterzeichnende hat Pro-
kura / ist Prokurist/-in) können entweder vor der handschriftlichen Unter-
schrift oder vor der gedruckten Wiedergabe des Namens stehen.
Der Zusatz nach Diktat verreist (in Verbindung mit der Abkürzung gez.)
wird in der modernen Korrespondenz immer seltener gebraucht.
Der Briefschluss kann folgende Form haben:
Freundliche Grüße Mit freundlichen Grüßen
PRINTA Karl Meier GmbH
Druckerei und Verlagshaus KG
Werner Schulze ppa. Claudia Walter i. V. Peter
Schneider

Anlage 6 Anlagen
189 Brief / E-Mail

Mit freundlichem Gruß Mit freundlichem Gruß

Buchhandlung Buchhandlung
M
B
Thekla Schiller Thekla Schiller M
Brie
für Thekla Schiller, gez. Dr. Thekla Schiller
Geschäftsführerin, (nach Diktat verreist)
Sonja Rosenbaum, Sekretariat i. A.
i. A.

Sonja Rosenbaum
Sonja Rosenbaum (Sekretärin)

Anlagen Anlagen
Auftragserteilung Auftragserteilung
Freiumschlag Freiumschlag

Wie in der Anrede (↑ 4) darf auch im Briefschluss das Weglassen von Dein(e),
Euer, Eure oder Ihr(e) nicht zu ungrammatischen Formulierungen führen:

Nicht: Sondern:
Deine Mama und Papa Deine Mama und Dein Papa
Eure Renate und Peter Eure Renate und Euer Peter
Dein Klaus und Rolf Dein Klaus, Dein Rolf
Ihre Eva Müller und Max Müller Ihre Eva Müller und Ihr Max Mül-
ler / (auch:) Ihre Eva und Max Müller

Wird dagegen die an zweiter Stelle genannte Person[engruppe] auf die Brief-
schreiber (und nicht auf den Empfänger) bezogen, bezieht sich Dein(e), Euer,
Eure, Ihr(e) nur auf den zuerst genannten Briefschreiber:
Dein Onkel Emil und Familie (elliptisch für: ... und seine Familie)
Eure Renate und Kinder (elliptisch für: ... und ihre Kinder)
Ihre Vera Bellmer und Sohn (elliptisch für: ... und ihr Sohn)

In E-Mails wird der Briefabschluss häufig als elektronischer Textbaustein


hinzugefügt. Im geschäftlichen E-Mail-Verkehr ist es wichtig, auf die Pflicht-
angaben (Firmenname samt Rechtsform, Anschrift des Firmensitzes, ggf.
Brief / E-Mail 190

Handelsregisternummer und das zuständige Registergericht etc.) zu achten;


MB diese sind bei Geschäftsbriefen in Papierform meist bereits auf dem Briefbo-
gen eingedruckt. Wenn E-Mails höheren rechtlichen Ansprüchen genügen
MBrie müssen, benötigen sie eine qualifizierte elektronische Signatur als eindeu-
tige Identifizierungsmöglichkeit. Sie enthält eine per Gesetz vorgeschriebene
technische Verschlüsselung.

6 Elliptische Formulierungen
Zu Formulierungen wie Für Ihre Sendung danken wir und [wir] bestellen ...
↑ Ellipse (2.2).

7 Wichtige Adressaten in Auswahl


Die folgende alphabetische Liste (X = Vorname, Y = Familienname) kann
nicht vollständig sein; es gibt aber spezielle Literatur zum Thema, auf die hier
verwiesen sei. Zusammengesetzte Titel und Berufsbezeichnungen (Vizekon-
sul) findet man unter dem Grundbestandteil (Konsul). Zu ihrer Flexion in der
Anschrift ↑ 1; zu den femininen Formen auch ↑ Titel und Berufsbezeichnun-
gen (3). Wenn – etwa bei Adelstiteln – noch eine andere Form der Anrede an-
gegeben ist, kann man auswählen, welche man benutzen möchte.

Anschrift Anrede
Abgeordnete(r) des
Deutschen Bundestages: s. Mitglied des
Deutschen Bundestages
[Dem Hochwürdigsten] Hochwürdigster Herr Abt (oder:
Herrn Abt von ... Sehr geehrter Herr Abt)
XY
[Der Ehrwürdigen] Ehrwürdige Frau Äbtissin (oder:
Äbtissin der ... (Name des Ordens) Sehr geehrte Frau Äbtissin)
Frau X Y
Frau / Herrn Sehr geehrte Frau Dr. Y /
Dr. med. X Y Sehr geehrter Herr Dr. Y
[Fachärztin/Facharzt für ...]
Frau / Herrn Sehr geehrte Baronin von Y /
X Baronin / Baron von Y Sehr geehrter Baron von Y
(oder: Frau von Y / Herr von Y)
191 Brief / E-Mail

Anschrift Anrede
Seiner Exzellenz [dem Hochwürdigsten] Exzellenz (oder: Sehr geehrter Herr
M
B
Herrn X Y Bischof von ... (kath.) Bischof) M
Brie
Landesbischöfin / Landesbischof Sehr geehrte Frau Landesbischöfin /
der ... Frau / Herrn Sehr geehrter Herr Landesbischof
X Y (evang.)
Ihrer / Seiner Exzellenz der Botschafterin / Exzellenz (oder:
dem Botschafter von ... / der ... / des ... Sehr geehrte Frau Botschafterin /
Frau / Herrn X Y Sehr geehrter Herr Botschafter)
Frau / Herrn Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin /
Bundeskanzlerin / Bundeskanzler Sehr geehrter Herr Bundeskanzler
[(nur im internationalen Schriftverkehr
mit dem Zusatz:) der Bundesrepublik
Deutschland]
XY
Bundesministerin / -minister des ... / der Sehr geehrte Frau Bundesministerin /
... / für ... Frau / Herrn X Y Sehr geehrter Herr Bundesminister
Frau / Herrn Sehr verehrte Frau Bundespräsidentin /
Bundespräsidentin / Bundespräsidenten Sehr verehrter Herr Bundespräsident
[(nur im internationalen Schriftverkehr
mit dem Zusatz:) der Bundesrepublik
Deutschland] X Y
Bürgermeisterin / Bürgermeister Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin /
von ... / der ... Frau / Herrn X Y Sehr geehrter Herr Bürgermeister
Frau Dekanin / Herrn Dekan Sehr geehrte Frau Dekanin /
X Y (evang.) Sehr geehrter Herr Dekan
Dekanin / Dekan der Fakultät / des Sehr geehrte Frau Professorin [Y] /
Fachbereichs ... der Universität / Hoch- Sehr geehrter Herr Professor [Y]
schule ...
Frau Prof. / Herrn Prof. Dr. X Y
Herrn Diakon Sehr geehrter Herr Y
XY
Frau / Herrn Sehr geehrte Frau Y /
Dipl.-Ing. X Y Sehr geehrter Herr Y
Frau Direktorin / Herrn Direktor Sehr geehrte Frau Direktorin /
XY Sehr geehrter Herr Direktor
Frau / Herrn Sehr geehrte Frau Dr. Y /
Dr.-Ing. X Y Sehr geehrter Herr Dr. Y
Frau Sehr geehrte Freifrau von Y (oder:
X Freifrau von Y Sehr geehrte Frau von Y /
Sehr geehrte Baronin von Y)
Brief / E-Mail 192

Anschrift Anrede
MB Herrn Sehr geehrter Herr Freiherr von Y
MBrie X Freiherr von Y (oder: Sehr geehrter Herr von Y /
Sehr geehrter Baron Y)
Frau Sehr geehrte Frau von Y (oder:
X Freiin von Y Sehr geehrte Baronesse Y)
Frau / Herrn Sehr geehrte Fürstin von Y /
X Fürstin von Y / X Fürst von Y Sehr geehrter Fürst von Y
Herrn General Sehr geehrter Herr General Y
XY
Frau / Herrn Sehr geehrte Gräfin von Y /
X Gräfin von Y / X Graf von Y Sehr geehrter Graf von Y
Frau / Herrn Sehr geehrte Herzogin von Y /
X Herzogin von Y / X Herzog von Y Sehr geehrter Herzog von Y
Herrn Kaplan Sehr geehrter Herr Kaplan
XY
Seiner Eminenz [dem Hochwürdigsten] Eminenz (oder:
Herrn X Kardinal Y Sehr verehrter Herr Kardinal)
Erzbischof / Bischof von ...
Konsulin / Konsul von ... / des ... / der ... Sehr geehrte Frau Konsulin /
Frau / Herrn X Y Sehr geehrter Herr Konsul
Ministerin / Minister des ... / der ... / für ... Sehr geehrte Frau Ministerin /
des Landes ... Sehr geehrter Herr Minister
Frau / Herrn X Y
Ministerpräsidentin / Ministerpräsidenten Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin /
des Landes ... Sehr geehrter Herr Ministerpräsident
Frau / Herrn X Y
Mitglied des Deutschen Bundestages Sehr geehrte Frau Abgeordnete /
Frau / Herrn X Y Sehr geehrter Herr Abgeordneter
(oder: Sehr geehrte Frau Y /
Sehr geehrter Herr Y)
[Der Ehrwürdigen] Ehrwürdige Frau Oberin (oder:
Oberin der ... Sehr geehrte Frau Oberin)
Frau X Y
Oberstudienrätin / -rat:
s. Studienrätin / -rat
[Dem Hochwürdigsten] Hochwürdigster Herr Pater /
Herrn Pater X Y Sehr geehrter Herr Pater
Herrn Pfarrer Sehr geehrter Herr Pfarrer
X Y (kath.)
193 Brief / E-Mail

Anschrift Anrede
Präsidentin / Präsidenten Sehr geehrte Frau Präsidentin /
M
B
des ... / der ...
Frau / Herrn X Y
Sehr geehrter Herr Präsident M
Brie

Frau / Herrn Sehr geehrte Prinzessin von Y /


X Prinzessin / Prinz von Y Sehr geehrter Prinz von Y
(Dem Hochwürdigsten) Hochwürdiger Herr Pater Prior (oder:
Herrn Prior X Y Sehr geehrter Herr Pater Prior)
Frau / Herrn Sehr geehrte Frau Professorin [Y] /
Prof. Dr. X Y Sehr geehrter Herr Professor [Y]
Frau Prokuristin / Herrn Prokuristen Sehr geehrte Frau Y /
XY Sehr geehrter Herr Y
Herrn Rabbiner Sehr geehrter Herr Rabbiner
XY
Frau Rechtsanwältin / Herrn Rechtsanwalt Sehr geehrte Frau Y /
XY Sehr geehrter Herr Y
Rektorin / Rektor der Universität / Sehr geehrte Frau Rektorin /
Hochschule ... Sehr geehrter Herr Rektor (oder:
Frau / Herrn Prof. Dr. X Y Sehr geehrte Frau Professorin [Y] /
Sehr geehrter Herr Professor [Y] oder
gelegentlich auch: Magnifizenz)
[Der Ehrwürdigen] Schwester Ehrwürdige Schwester (oder:
X Y (kath.) Sehr geehrte Schwester Y)
Staatssekretärin / -sekretär des Bundes- Sehr geehrte Frau Staatssekretärin /
ministeriums des ... / der ... / für ... / Sehr geehrter Herr Staatssekretär
Frau / Herrn X Y
Stadträtin / Stadtrat von ... / der ... Sehr geehrte Frau Stadträtin /
Frau / Herrn Sehr geehrter Herr Stadtrat
XY
Frau Studienrätin / Herrn Studienrat Sehr geehrte Frau Studienrätin /
XY Sehr geehrter Herr Studienrat
Frau Superintendentin / Sehr geehrte Frau Superintendentin /
Herrn Superintendenten Sehr geehrter Herr Superintendent
XY
Herrn Vikar X Y Sehr geehrter Herr Vikar
Vorsitzende / Vorsitzender des Vorstan- Sehr geehrte Frau Y /
des der ... / des ... Sehr geehrter Herr Y
Frau / Herrn X Y
Brigadier – Bruchzahlen 194

Brigadier: Das Wort hat zwei Pluralfor- bruchgelandete Do 27. Vereinzelt kom-
MB men: die Brigadiers [briadies] und die

Brigadiere [briadir
]. Im ursprüngli-
men auch andere Formen vor: ... wenn
die Maschine bruchlandet. ↑ Getrennt-
MBrig chen Sinn von »Befehlshaber einer Bri-
gade« wird nur die Pluralform Brigadiers
oder Zusammenschreibung (1.4); Verb
(3); Partikelverb.
gebraucht. Im Sinn von »Leiter einer Ar- bruchrechnen: Von bruchrechnen ist nur
beitsbrigade« sind beide Pluralformen der Infinitiv gebräuchlich: Ich kann gut
gebräuchlich. bruchrechnen. Vereinzelt können auch
bringen: 1. Konjugation: Das Verb bildet andere Formen vorkommen: Störe sie
seine Stammformen unregelmäßig: Im nicht, wenn sie bruchrechnet! ↑ Getrennt-
Präteritum und im Partizip II hat es oder Zusammenschreibung (1.4).
Wechsel des Stammvokals und Verände- Bruchteil: Das Wort hat nur maskulines
rung des Stammauslautkonsonanten: Genus: Sie zögerte nur den Bruchteil
bringen, brachte, gebracht. (nicht: das Bruchteil) einer Sekunde. Die
2. bringen / erbringen: Zwischen den bei- Einnahmen deckten nur einen Bruchteil
den Verben besteht ein feiner Unter- (nicht: ein Bruchteil) der Kosten.
schied. Das Präfixverb erbringen drückt Bruchzahlen: 1. ein Viertel des Weges / ein
besonders die Erzielung eines Ergebnis- viertel Zentner: Groß schreibt man, wenn
ses aus und wird sachlich feststellend ge- die Bruchzahl als Substantiv gebraucht
braucht: Die Lotterie erbrachte (=brachte wird: ein Drittel, drei Fünftel, ein Achtel
als Ergebnis) einen Reingewinn in Höhe des Betrages, ein Viertel des Weges, drei
von ... Die Untersuchung erbrachte den Tausendstel von dieser Summe, mit drei
Nachweis (= wies nach), dass ... Viertel(n) der Stimmen usw. Klein schreibt
3. etwas zum Abschluss bringen x etwas in man, wenn die Bruchzahl vor Maß- und
Erfahrung bringen: Das Verb bringen Gewichtsangaben attributiv gebraucht
steht oft mit abstrakter Bedeutung in wird: ein viertel Zentner Mehl, ein achtel
Nominalfügungen: etwas zum Abschluss Kilo, drei tausendstel Sekunden usw.
bringen (= abschließen); etwas in Erfah- 2. drei achtel Liter / drei Achtelliter: Zu-
rung bringen (= durch Nachforschen er- sammen schreibt man, wenn Bruchzah-
fahren). ↑ Nominalstil, ↑ Funktionsverb- len zum Erstglied allgemein gebräuchli-
gefüge. cher fester Maßbezeichnungen gewor-
Brösel: Es heißt im Singular der Brösel, im den sind: ein Viertelpfund, drei Achtel-
Plural die Brösel (nicht: Bröseln). Das liter, eine Viertelstunde, zwei Zehntel-
Neutrum das Brösel ist vor allem in Bay- sekunden usw. Die Getrenntschreibung
ern und Österreich üblich. bleibt aber immer möglich, wenn man
Brot: Der Plural lautet die Brote . In der einzelne Bruchteile zählen will: drei ach-
Umgangssprache wird – meist scherz- tel Liter; zwei viertel Zentner.
haft – bisweilen die Pluralform die Bröter 3. Ein Drittel der Mitglieder stimmte nicht
gebraucht. ab x Zwei Fünftel Kernenergie decken /
Bruch: Das Wort Bruch »Sumpfland, deckt den Bedarf: Wenn das Subjekt des
sumpfige Niederung« kann maskulin Satzes aus einer Bruchzahl und einem
(der Bruch) oder neutral (das Bruch) Substantiv im Genitiv besteht, dann
sein. Der Plural lautet die Brüche , regio- richtet sich das Verb bei grammatischer
nalsprachlich auch: die Brücher. Kongruenz in seinem Numerus nach der
bruchlanden: Von bruchlanden werden im Bruchzahl. Es heißt also standard-
Allgemeinen nur der Infinitiv und das sprachlich: Ein Drittel der Mitglieder
Partizip II gebraucht: Wir mussten stimmte nicht ab. Zwei Drittel der Mann-
bruchlanden, sind bruchgelandet; die schaft wurden gerettet. Sieben Achtel der
195 Bruder – buchen / verbuchen

Energie gingen verloren. Bei pluralischer Er sah zwei Brünette. Gewöhnlich wird
Angabe kommt der Singular nur verein-
zelt vor. Bei einem Drittel / Viertel / Fünf-
das Femininum Brünette jedoch wie ein
echtes Substantiv behandelt und nach
M
B
tel wird der Plural insbesondere dann
verwendet, wenn die Bruchzahl durch
dem Muster von ↑ Blondine im Singular
endungslos, im Plural schwach dekli- M
buch
eine Angabe wie knapp, fast, mehr als niert: am Arm einer Brünette, mit einer
modifiziert wird: Knapp ein Drittel der Brünette, zwei Brünetten . ↑ Substantivie-
Banken verschlüsseln vertrauliche Daten rungen (2.2).
ihrer Web-Kunden bei der bertragung Brunft / Brunst: Beide Wörter bedeuten
nicht (Handelsblatt). ↑ Kongruenz (1.2.3). »Zeit der Paarung[sbereitschaft] bei
Zur Deklination von Drittel, Viertel u. a. Säugetieren«. Das jägersprachliche Wort
(mit zwei Drittel / Dritteln der Summe die Brunft (bes. vom Schalenwild) geht
kommen wir nicht aus) ↑ Drittel, ↑ Maß-, zurück auf mhd. bremen, ahd. breman
Mengen- und Münzbezeichnungen (1). »brummen, brüllen«. Dagegen gehört
Zu Dezimalzahlen (z. B. 0,1 oder 0,5) die Brunst zu mhd. , ahd. brunst »Brand,
↑ Dezimalzahlen (2). Glut«; dieses Wort wird auch allgemein
Bruder: 1. Ihres Herrn Bruders: In der (geho- im Sinne von »geschlechtliche Erre-
benen) Verbindung mit Herr erhält Bru- gung« gebraucht.
der im Genitiv immer das Genitiv-s: der brustschwimmen / Brust schwimmen: Es
Besuch Ihres Herrn Bruders. ↑ Herr (2 b). kann sowohl zusammen- als auch ge-
2. Brüder / Gebrüder: Während Brüder le- trennt geschrieben werden: brust-
diglich die Mehrzahl bezeichnet, bezieht schwimmen / Brust schwimmen. Bei
sich Gebrüder auf die Gesamtheit der Nachstellung wird Brust großgeschrie-
Brüder einer Familie (veraltet) bzw. ben: Er schwimmt Brust. ↑ rücken-
(kaufmännisch) auf Brüder, die gemein- schwimmen / Rücken schwimmen, ↑ Ge-
sam ein Unternehmen leiten. Es heißt trennt- oder Zusammenschreibung (1.4).
im brigen richtig die Brüder (nicht: Bub / Bube: Die beiden Nominativformen
Gebrüder) Grimm , denn Jacob und Wil- haben sich in der Bedeutung so stark
helm Grimm waren die beiden ältesten differenziert, dass sie im heutigen
von fünf Brüdern und nannten sich Sprachgebrauch als zwei verschiedene
selbst Brüder Grimm. Wörter empfunden werden: 1. Bub
Bruderschaft / Brüderschaft: Die beiden (südd., österr., schweiz. für:) »Junge,
Wörter werden nur selten gleichbedeu- Knabe«. 2. Bube (veraltend für:)
tend verwendet. Im Allgemeinen bedeu- »Schurke, Schuft«. Allgemein üblich ist
tet Bruderschaft »kirchliche Körper- die Verwendung von Bube als Spielkar-
schaft (von Geistlichen und Laien)«, tenbezeichnung. Auch die kürzere Form
Brüderschaft wird dagegen im Sinne von Bub wird in der geschriebenen Standard-
»enge Freundschaft« gebraucht: mit je- sprache meist schwach dekliniert. Dativ
mandem Brüderschaft schließen oder und Akkusativ Singular bleiben verein-
trinken usw. Nur landschaftlich, vor al- zelt auch endungslos: dem, den Buben /
lem in Österreich, wird auch Bruder- Bub. ↑ Substantiv (2.3).
schaft in diesem Sinne gebraucht. buchen / verbuchen / abbuchen: Die Bedeu-
Brünette: Dieses Wort kann auf zweierlei tungen der Verben überschneiden sich
Weise dekliniert werden. Fasst man es teilweise. Sowohl buchen als auch verbu-
als Substantivierung von brünett auf, chen können im Sinne von »[in die Ge-
dann wird es wie ein attributives ↑ Ad- schäftsbücher] eintragen, registrieren«
jektiv flektiert: der oder die Brünette, ein verwendet werden: einen Betrag auf ein
Brünetter. Er tanzte mit einer Brünetten. Konto buchen, eine Summe im Haben
Buchfink – buchstabieren 196

verbuchen. Dabei betont verbuchen stär- haben sich in der Bedeutung so stark
MB ker die (Rechts)verbindlichkeit des Vor-
gangs. Auch abbuchen wird gelegentlich
differenziert, dass sie als zwei verschie-
dene Wörter empfunden werden. Das
MBuch in diesem Sinne verwendet; seine Haupt-
bedeutung ist jedoch »von einem Konto
technische Fachwort Buchse bedeutet
»Hohlzylinder zur Aufnahme eines Zap-
wegnehmen«: Die Bank buchte den Be- fens o. Ä.; Steckdose« (z. B. Schmier-
trag von meinem Konto ab. – Im Sinne buchse, Cinchbuchse , nicht: Schmier-
von »vorbestellen, reservieren lassen« büchse, Cinchbüchse). Das Wort Büchse
wird nur buchen gebraucht: Ich habe ei- wird dagegen für »verschließbares, zy-
nen Schiffsplatz gebucht. Sie hat den Flug linderartiges Gefäß, Dose« und für
nach Rom bereits gebucht. »Jagdgewehr (mit gezogenem Lauf)« ge-
Buchfink: ↑ Substantiv (1.2.3). braucht.
Buch führen: Man schreibt getrennt: Buch Buchstabe: Das Wort Buchstabe wird im
führen (nicht: buchführen). Das Partizip I Genitiv Singular heute meist stark und
kann dagegen getrennt oder zusammen- mit zusätzlichem n ( des Buchstabens ),
geschrieben werden: die Buch führen- aber auch manchmal schwach (des
de / buchführende Geschäftsstelle. ↑ Ge- Buchstaben) gebildet. ↑ Substantiv (1.2.1
trennt- oder Zusammenschreibung und 1.2.2). Zur Groß- und Kleinschrei-
(3.1.1). bung und zur Deklination einzelner
Buchloer: Die Einwohner der bayerischen Buchstaben (des, die A[s]) ↑ Einzelbuch-
Stadt Buchloe [buxlo
] heißen Buch- staben, ↑ Alphabet, ↑ Groß- oder Klein-
loer. Das Endungs-e des Ortsnamens schreibung (1.2.5).
fällt also aus. ↑ Einwohnerbezeichnun- buchstabieren: Zum Buchstabieren von
gen auf -er (3). Eigennamen und schwierigen Wörtern
Buchse / Büchse: Die beiden Wortformen (besonders beim Telefonieren und beim
(Buchse ist eigentlich eine umlautlose Sprechfunk) verwendet man folgende
oberdeutsche Dialektform von Büchse) Buchstabiertafel:

Fernsprech-Buchstabiertafel (Inland)
A= Anton, Anna1 O= Otto
Ä= Ärger Ö= Ökonom, Österreich2
B= Berta P= Paula, Peter1
C= Cäsar Q= Quelle
Ch = Charlotte, Christine2 R= Richard, Rosa1
D= Dora, Daniel1 S= Samuel, Sophie1, Siegfried2
E= Emil Sch = Schule
F= Friedrich T= Theodor
G= Gustav U= Ulrich
H= Heinrich = bermut, bel2
I= Ida V= Viktor
J= Julius, Jakob1 W= Wilhelm
K= Kaufmann, Kaiser1, Konrad2 X= Xanthippe, Xaver1, 2
L= Ludwig, Leopold1 Y= Ypsilon, Yverdon1
M= Martha, Marie1 Z= Zacharias, Zürich1
N= Nordpol, Niklaus1, Norbert2
1
= in der Schweiz, 2 = in Österreich
197 Buchtitel – Bund

Buchtitel: 1. Anführungszeichen: a) Zitierte »Dreißigsten Jahr« von Ingeborg Bachmann


Buchtitel werden in Anführungszeichen
gesetzt, wenn sie hervorgehoben werden
vor. Er fand das Zitat in Büchmanns »Ge-
flügelten Worten«. Aber häufig will man ei-
M
B
sollen oder in Verbindung mit einem Sub-
stantiv (Roman, Werk usw.) stehen: Er
nen solchen Titel unverändert wiederge-
ben. Dazu umschreibt man ihn mit einem M
Bund
kaufte sich den Roman »Das Boot«. Der entsprechenden Substantiv: Er fand das
Gedichtband »Die gestundete Zeit« fand Zitat in Büchmanns Werk »Geflügelte
viel Beachtung. Er las gerade »Billard um Worte«. Notwendig ist das bei Titeln, die
halb zehn«. Sie schenkte ihm »Die Blech- mit einem Possessiv wie mein oder unser
trommel«. Bei bekannten Buchtiteln kön- beginnen: Er liest aus dem Buch »Mein Le-
nen die Anführungszeichen auch fehlen: ben« (statt: Er liest aus »Meinem Leben«).
Heinrich Bölls Billard um halb zehn lag auf 4. Kongruenz: Ein pluralischer Buchtitel
dem Tisch. b) Der zu einem Buchtitel ge- mit Artikel verlangt in der Regel auch
hörende Artikel wird in die Anführungs- ein pluralisches Prädikat: »Die Räuber«
zeichen einbezogen, wenn er im Nomina- haben eine starke Wirkung ausgeübt.
tiv steht: Anna Seghers’ bekanntestes Werk Aber auch der Singular ist möglich, ins-
ist »Das siebte Kreuz«. Er kann einbezo- besondere, wenn der Titel keinen Artikel
gen oder ausgeschlossen werden, wenn enthält: »Gespenster« erregte großes In-
Akkusativ und Nominativ des Artikels teresse. Anders ist es, wenn ein Titel
gleich lauten: Er las »Die Blechtrommel« mehrere Einzelsubjekte enthält. Er wird
oder: Er las die »Blechtrommel«. Ändert dann gewöhnlich als Einheit aufgefasst
sich der Artikel durch die Flexion des und das Prädikat steht im Singular: »Ro-
Buchtitels (↑ 3), dann bleibt er außerhalb meo und Julia« wird neu inszeniert.
der Anführungszeichen und wird kleinge- Auch hier kann man Kongruenzpro-
schrieben: Der Verfasser des »Grünen bleme umgehen, indem man ein passen-
Heinrichs« ist Gottfried Keller. des Substantiv vor den Titel setzt: Der
2. Groß- oder Kleinschreibung: Groß Film »Die Unglaublichen« heißt in der
schreibt man das erste Wort eines Buchti- englischen Originalfassung »The Incredi-
tels, wenn er in Anführungszeichen ge- bles«. ↑ Kongruenz (1.2.5 und 1.3.6).
setzt wird: Sie schenkte ihm Frischs Ro- 5. Zeichensetzung: Bei der Angabe von
man »Mein Name sei Gantenbein«. Er Buchtiteln kann nach dem Verfasserna-
kaufte sich »Das Glasperlenspiel« von Her- men entweder ein Komma oder ein Dop-
mann Hesse. Adjektive, Zahlwörter, Arti- pelpunkt stehen: Franz Kaf ka, Das Ur-
kelwörter und Pronomen, die im Innern teil, Frankfurt a. M.[,] 1958 (oder: Franz
des Buchtitels stehen, werden gewöhnlich Kaf ka: Das Urteil ...).
kleingeschrieben: Das siebte Kreuz, Das bummeln: Das Perfekt von bummeln im
verlorene Paradies, Die drei Musketiere. Sinne von »langsam, ziellos spazieren ge-
Fällt aber der Artikel aus und rückt da- hen« wird heute überwiegend mit sein
durch das Adjektiv usw. an den Anfang gebildet: Wir sind durch die Straßen, über
des Titels, dann wird es – mit oder ohne den Markt gebummelt. Dagegen wird das
Anführungszeichen – großgeschrieben: Perfekt mit haben gebildet, wenn bum-
Sie las das »Siebte Kreuz« (oder: »Das meln die Bedeutung »trödeln« oder »fau-
siebte Kreuz«) von Anna Seghers. Kennst lenzen« hat: Sie hat bei den Schularbeiten
du Miltons Verlorenes Paradies? Das ist gebummelt. Er hat mehr als ein Semester
eine Episode aus den Drei Musketieren. lang gebummelt. ↑ Tempus (3).
3. Deklination: Buchtitel sollten stets flek- Bund: Im heutigen Sprachgebrauch werden
tiert werden, auch dann, wenn sie in An- der Bund und das Bund in der Bedeutung
führungszeichen stehen: Sie las aus dem und in der Pluralbildung unterschieden.
Bündel – bzw. 198

1. der Bund (Plural: die Bünde): Dieses vierte ↑ Farbbezeichnung: Stoffe in Grau
MB Wort bedeutet »enge Verbindung mit ei-
ner gleich gesinnten Person oder einer
und Bunt; Vergrößerungen in Bunt.
2. bunt färben / buntfärben: Steht bunt bei

MBünd Anzahl von Personen; organisierter Zu-


sammenschluss, Bündnis« und »das Ver-
einem Verb und bezeichnet es das Ergebnis
der Verbalhandlung, dann kann sowohl ge-
bindende, Bindestück, bes. oberer, fester trennt als auch zusammengeschrieben
Rand an Röcken und Hosen«. Dazu gehö- werden: die Kleider bunt färben / buntfär-
ren die gleichfalls männlichen Zusam- ben. Dasselbe gilt für die Verbindung mit
mensetzungen Freundschafts-, Ehe-, Ge- dem Partizip II: die bunt gefärbten / bunt-
heim-, Sport-, Staaten-, Völkerbund usw. gefärbten Kleider; bunt gefiederte / buntge-
und Hosen-, Hemden-, Rockbund. fiederte Vögel. ↑ Getrennt- oder Zusam-
2. das Bund (Plural: die Bunde): Dieses Wort menschreibung (1.2 und 3.1.2).
bedeutet »etwas, was zu einem Bündel zu- 3. bunteste / buntste: Das -e- des Superla-
sammengebunden ist«, z. B. ein Bund Stri- tivs fällt bei bunt nur sehr selten aus. Bes-
cke, ein Bund Radieschen. Dazu gehören die ser ist es, die volle Form, also bunteste ,
sächlichen Zusammensetzungen Reisig-, zu verwenden. ↑ Vergleichsformen (2.3).
Stroh-, Garbenbund usw. und als Ausnahme Bürgerliches Gesetzbuch: Das Adjektiv in
der und das Schlüsselbund. Zur Flexion des dieser Fügung wird großgeschrieben,
Gemessenen nach Bund (der Preis eines weil es sich um den Namen der Gesetzes-
Bund[e]s Rettich) ↑ Bündel. sammlung handelt (Abk.: BGB). Vgl. auch
Bündel: Das Gemessene nach Bündel wird ↑ Kompositum (2.4).
meist im Genitiv angeschlossen, insbe- Bürgermeister, Bürgermeisterin: Zu des
sondere dann, wenn die auf Bündel fol- Bürgermeisters Schneider / Bürgermeister
gende Nominalgruppe ein Adjektivattri- Schneiders, der Bürgermeisterin Schnei-
but enthält: Lavendel wird ein ganzes der / Bürgermeisterin Schneiders ↑ Titel
Bündel positiver Effekte zugeschrieben und Berufsbezeichnungen (1.2 und 1.3);
(Berliner Zeitung). Ein Anschluss mit ei- zur Anschrift ↑ Brief / E-Mail (7).
ner im Kasus mit Bündel übereinstim- Burma: ↑ Birma / Burma.
menden Apposition kommt seltener vor, Büro: Das Wort wird standardsprachlich
und zwar eher in Sätzen ohne Adjektivat- auf der zweiten Silbe betont, landschaft-
tribut: Dafür können Halter ein Bündel lich auch auf der ersten Silbe.
Stroh oder Schilfrohr in den Teich stellen, Bursch / Bursche : Neben der Bursche
bevor sich Eis bildet (Kölner Stadtanzei- kommt landschaftlich und im Verbin-
ger). ↑ Apposition (4). dungswesen auch der Bursch vor; ↑ Sub-
Bundeskanzler, Bundeskanzlerin: Zur An- stantiv (2.3). Beide Formen werden
schrift ↑ Brief / E-Mail (7). schwach dekliniert: des Burschen,
Bundespräsident, Bundespräsidentin: dem / den Burschen. ↑ Substantiv (1.1.2).
↑ Präsident; ↑ Brief / E-Mail (7). Bus: Der Genitiv der Kurzform lautet des
Bundestagsabgeordnete, der und die: Busses, der Plural die Busse. ↑ Omnibus.
↑ Abgeordnete; ↑ Brief / E-Mail (7). Busch: Das zum Namen des Dichters Wil-
Bündnisblock: Der Plural lautet die Bünd- helm Busch gebildete Adjektiv auf -sch
nisblöcke oder die Bündnisblocks. schreibt man klein: die buschschen Bil-
↑ Block. dergeschichten . Man kann jedoch, um die
bunt: 1. der bunte Abend x Abzüge in Bunt: Grundform des Personennamens zu ver-
Klein schreibt man das Adjektiv bunt deutlichen, auch einen Apostroph setzen;
auch in Fügungen wie ein bunter Abend, dann schreibt man groß: die Busch’schen
der bunte Teller, bekannt wie ein bunter Bildergeschichten. ↑ Apostroph (3.2).
Hund. Groß schreibt man die substanti- bzw.: ↑ beziehungsweise.
199 c – Centre-Court / Centrecourt

c: Zur Schreibung und Deklination ↑ Bin-


destrich (2.4) (c-Schreibung), ↑ Einzel-
Cc
der cc-Funktion Kopien der E-Mail zur
Kenntnisnahme an weitere Empfänger
M
M
C
M
Cent

buchstaben (des C, zwei C), ↑ Groß- oder als den eigentlichen Adressaten gesendet
Kleinschreibung (1.2.5) (das c in Sauce). werden. ↑ Abkürzungen und Kurzwörter.
č: ↑ Háček. Cedille: Die Cedille ist ein kommaähnli-
Cabrio[let]: Die Kurzform das Cabrio ( Ge- ches ↑ diakritisches Zeichen unter einem
nitiv: des Cabrios, Plural: die Cabrios) Buchstaben; vgl. franz. c, das als [s] ge-
wird auf dem langen a betont, die Voll- sprochen wird (↑ c, k oder¸ z), oder türk. s
form das Cabriolet (Genitiv / Plural: für [ ]. In der internationalen Laut- ¸
des / die Cabriolets) bei integrierter schrift bezeichnet das Zeichen [c] den
(»deutscher«) Aussprache auf dem kurz Ichlaut. ¸
gesprochenen e, bei französischer Aus- Cello: Der Plural von Cello lautet meist die
sprache (besonders österr.) auf dem lang Celli und manchmal die Cellos.
gesprochenen e (mit stummem t). ↑ Au- Celsius: ↑ Grad.
totypenbezeichnungen (4). Cent: 1. Aussprache: Die Münzbezeichnung
Café / Kaffee: Mit dem Wort das Café wird Cent (Abk.: c oder ct) wird [tsnt] oder
eine Gaststätte bezeichnet, die in erster [snt] ausgesprochen. Bei der  Ausspra-
Linie Kaffee und Kuchen anbietet (die che [snt] wird das Wort als Anglizismus
Schreibung das Kaffee ist in diesem Zu- verstanden.
sammenhang nicht mehr üblich). Dem- 2. Weglassen der Flexionsendung: Cent
gegenüber bezieht sich der Kaffee (mit bleibt als Währungseinheit unflektiert:
Betonung auf der ersten oder zweiten Das kostet zwanzig Cent. Der Plural tritt
Silbe) auf die Kaffeepflanze bzw. deren aber ein, wenn einzelne Münzen gezählt
bohnenförmigen Samen und das daraus werden: Es sind dreißig Cents in der Dose.
gewonnene Getränk und auch auf die 3. Kongruenz: Bei einer pluralischen
Kaffeemahlzeit am Morgen oder am Centangabe steht das Finitum (die Per-
Nachmittag. sonalform des Verbs) in der Standard-
Calwer: Die Einwohner von Calw [kalf] sprache im Plural. Es heißt also richtig:
heißen Calwer [kalv ]. Die Einwohner- Achtzig Cent reichen nicht aus. Nur au-
bezeichnung Calwer wird immer groß- ßerhalb der Standardsprache besteht die
geschrieben, auch wenn das Wort als fle- Neigung, das Verb in die Singularform
xionsloses Adjektiv vor einem Substan- zu setzen (Achtzig Cent reicht nicht aus),
tiv steht: die Calwer Bibel; eine Calwer weil Zahl und Gezähltes als Einheit auf-
Firma. ↑ Einwohnerbezeichnungen auf gefasst werden. ↑ Kongruenz (1.2.1).
-er (7). Centre-Court / Centrecourt: Bei Fremd-
Cartoon: Es heißt sowohl der Cartoon als wörtern wird genau wie bei heimischen
auch das Cartoon. Wörtern eine Verbindung aus zwei Sub-
cc: Diese Abkürzung aus dem Englischen stantiven zusammengeschrieben bzw.
(= carbon copy) bedeutet »Durchschlag, mit Bindestrich geschrieben: Centre-
Kopie« und wird besonders in geschäftli- Court / Centrecourt. Bei der Bindestrich-
cher Korrespondenz verwandt. In der schreibung schreibt man beide Bestand-
E-Mail-Kommunikation können mithilfe teile groß. ↑ Fremdwort (4).
ch-, Ch- – Chor / Korps 200

ch-, Ch-: ↑ Aussprache (10). (vgl. schwäbisch -le, schweizerisch -li) ist
M chamois: 1. ein chamois Hemd / ein chamois-
farbenes Hemd: Das Farbadjektiv cha-
heute -chen. ↑ Diminutiv.
chic, Chic / schick, Schick: ↑ schick,

MC mois »gämsfarben, gelbbräunlich« kann


nicht flektiert werden. Will man beim
Schick / chic, Chic.
Chiemsee: Der Name wird anlautend mit

Mch- attributiven Gebrauch die unflektierte


Form umgehen, kann man auf das Kom-
[k] gesprochen: [kimze]. Die Schrei-
bung des k-Lautes mit ch, Ch war in alt-
positum mit -farben ausweichen: ein und mittelhochdeutscher Zeit im Bairi-
chamoisfarbenes Leder, Hemd. ↑ Farbbe- schen und Alemannischen nicht selten
zeichnungen (2.2). und hat sich in einigen Namen bis heute
2. in Chamois: In Verbindung mit einem gehalten.
Artikel oder einer Präposition wird cha- China: Die Wörter China, Chinese usw.
mois großgeschrieben: eine Vergröße- werden in der Standardlautung mit dem
rung in Chamois. Das Chamois gefiel mir Ichlaut [c] ausgesprochen: [cina], [ci-
nicht. ↑ Farbbezeichnungen (3.2). ¸ Die Aussprache ¸mit [k], ¸also
nez
] usw.
Chanson: Es heißt das Chanson, aber: die [kina] usw., ist in Süddeutschland, in
Chanson de Geste (altfranzösisches epi- der Schweiz und in Österreich gebräuch-
sches Heldenlied). Auch das mehrstim- lich. Regional ist auch [ ina] usw. ge-
mige weltliche Lied des 15.– 17. Jh.s wird bräuchlich.
als die Chanson bezeichnet. Chinchilla: Das südamerikanische Pelztier
checken: Das aus dem Englischen über- heißt die Chinchilla (in Österreich nur:
nommene Verb checken [t kn] hat zwei das Chinchilla). Sein Fell wird als das
Bedeutungen: »anrempeln, 
 behindern« Chinchilla bezeichnet. Ein Neutrum ist
(Eishockey) und »nachprüfen, kontrol- auch die Bezeichnung für die Kanin-
lieren« (besonders in der Technik: Das chenrasse das Chinchilla.
Flugzeug wurde vor dem Start gründlich Chinin: Das Wort wird in der Standardlau-
gecheckt). In salopper Ausdrucksweise tung mit dem Ichlaut gesprochen: [ci-
wird es auch im Sinne von »begreifen« nin]. ↑ Chemie, ↑ China. ¸
verwendet: Hast du das nicht gecheckt? Chirurg: Das Wort kann nach den Sprech-
Chemie: Die Wörter Chemie, Chemiker silben Chi-rurg oder etymologisch nach
usw. werden in der Standardlautung mit den Bestandteilen Chir-urg getrennt
dem Ichlaut [c] ausgesprochen: [cemi], werden. ↑ Worttrennung (2.2).
[cemik ] usw.¸ Die Aussprache mit
¸ [k], ch-Laut: ↑ Aussprache (12).
¸ [kemi] usw., ist in Süddeutsch-
also Chor: Das Wort hat verschiedene Bedeu-
land, in der Schweiz und in Österreich tungen. In den Bedeutungen »[Sän-
verbreitet. Regional ist auch [ emi] ger]gemeinschaft; Komposition für ge-
usw. gebräuchlich. meinsamen, mehrstimmigen Gesang«
Chemnitz: Dieser Ortsname wird mit [k] heißt es der Chor, Plural: die Chöre. In
ausgesprochen: [kmnts]. der Bedeutung »erhöhter Kirchenraum
 -chen und
-chen / -lein: Substantive auf hinter dem Altar« kommt neben der
-lein sind Neutra und haben neben dem maskulinen Form der Chor selten auch
Bedeutungselement »klein« auch Merk- noch die neutrale Form das Chor vor.
male wie »bekannt« und »vertraut«, die Der Plural lautet auch hier die Chöre .
eine besondere gefühlsmäßige Einstel- Die Form die Chore ist veraltet.
lung, eine persönliche Beziehung zum Chor / Korps: Die beiden gleichlautenden
Ausdruck bringen (das Häuschen, Städt- Wörter werden nach Schreibung, Bedeu-
chen; Lämmlein, Wässerlein). Häufiger tung und Herkunft unterschieden.
als das ursprünglich oberdeutsche -lein 1. Chor (↑ Chor): Das Wort kommt von
201 Choral – c, k oder z

griechisch chorós »Tanz, Reigen«, das ende: Mac, Aerobic. Im Lateinunterricht


über lat. chorus ins Deutsche entlehnt
wurde. Es entwickelte im Althochdeut-
werden auch die Namen Caesar und Ci-
cero mit [k] ausgesprochen (vgl. aber
M
schen aus einer erweiterten Bedeutung
»singende und tanzende Schar« ein in
↑ 2 d). b) wie ß [s] vor e, i, y in englischen,
französischen und spanischen Wörtern M
C
den sakralen Bereich übertragenes chor
»gemeinsamer Gesang der Geistlichen in
(Namen) und in der Schreibung c (↑ Ce-
dille) vor a, o, u: Aktrice, Apercu,¸Cedille,
¸
M
c, k
der Kirche«. Im Mittelhochdeutschen Cent, Cinéma, City, Curacao, Braban-
(kor) bezeichnete das Wort einerseits conne. c) wie tsch [t ] vor¸ e und i in
den Chorraum (als den Ort, an dem sich ¸Fremdwörtern italienischer
 Herkunft:
der Chor aufstellt), andererseits allge- Cello, Cembalo, Cicerone, Cinquecento.
mein jede Sängerschar. d) verschiedentlich wie z [ts] vor ä (ae), e,
2. Korps (das Korps [ko ], Plural: die 
i, ö (oe), y vor allem in Wörtern (Namen),
Korps [ko s]): Das Wort  ist aus dem die aus dem Griechischen oder Lateini-
 entlehnt, es kommt von
Französischen schen kommen oder nach dem Grie-
corps »Körper; Körperschaft; Heerhau- chischen oder Lateinischen gebildet
fen; Abteilung«, das auf lateinisch cor- sind: Cäsar, Cäsium / Caesium, Cello-
pus »Körper« zurückgeht. Ein Korps ist phan, Celsius, Cicero, Circe, Coelestin,
ein durch Gesetz, Beruf oder Gebräuche Cyclonium (vgl. aber ↑ 2 a).
fest verbundener Personenkreis oder ein 3. integrierte (eingedeutschte) Schreibung
größerer Truppenverband: Offiziers- von Fremdwörtern: Fremdwörter, die im
korps, diplomatisches Korps; Korps (= Deutschen zum Alltagswortschatz gehö-
eine Studentenverbindung). ren und häufig gebraucht werden, wer-
Choral: Der Plural lautet die Choräle. den oft schon integriert, d. h. den nor-
Christus: Zur Flexion dieses Namens ↑ Je- malen Regeln für heimische Wörter ent-
sus Christus. sprechend, geschrieben. Das gilt beson-
Chronometer: Es heißt das Chronometer , ders für deutsche Neubildungen aus
umgangssprachlich auch der Chronome- fremden Bestandteilen. Das c wird dann
ter. je nach der Aussprache durch k, z, ß oder
cif: Die Abkürzung cif (= cost, insurance, ss ersetzt. a) k für c vor a, o, u und den
freight »[Verlade]kosten, Versicherung, Konsonanten l, r: Kaffee, Kopie, akut, ex-
Fracht [im Preis eingeschlossen]«) wird klusiv, Kruzifix. b) ß für c vor e und i:
im berseehandel wie eine Präposition Soße, soßieren. c) z für c vor ä, e, i, ö, y:
mit dem Akkusativ gebraucht: cif deut- Zäsur, Akzent, Fazit, Zölibat, Zyklus. d) ss
schen Bestimmungshafen. ↑ frei / fob. für c: Fasson.
City: Der Plural von City lautet die Citys. ¸ Schreibung der Fremdwörter in den
4. Die
↑ -y. Fachsprachen: Die Fachsprachen wei-
c, k oder z: 1. c in Fremdwörtern: Mit c chen – oft im Rahmen der Festlegung ei-
schreibt man Fremdwörter wie Café, Co- nes allgemein anerkannten Fachwort-
mic, Copyright, comme il faut, Cornflakes, schatzes – häufig von der üblichen
Crack, Annonce, Service, die oft noch an- Rechtschreibung ab. Damit die Schrei-
dere dem deutschen Kernwortschatz bungen international verständlich sind,
fremde Buchstaben[verbindungen] be- wird das c in Fremdwörtern weitgehend
wahrt haben und meist auch anders als erhalten: Cadmium, Calcium, Carotin,
heimische Wörter ausgesprochen werden. cyclisch, Nicotin, Silicon.
2. die Aussprache des c: a) wie k [k] vor a, 5. Fremdwörter und ihre Abkürzungen in
o, u und vor den Konsonanten l, r: Cam- verschiedener Schreibung: Häufiger ha-
corder, clever, Crew, Curé; auch am Wort- ben Abkürzungen, denen ein Fremdwort
ck – Countdown / Count-down 202

zugrunde liegt, die ursprüngliche Schrei- Constructio ad Sensum: ↑ Kongruenz.


M bung bewahrt, während die ausgeschrie-
benen Wörter auch in ihrer Schreibung
Controlling: Der Genitiv Singular lautet
des Controllings. Eine Pluralform ist
MC in den heimischen Wortschatz integriert
werden: Tbc / Tuberkulose, WC / Wasser-
nicht üblich.
Corned Beef / Cornedbeef: Bei Fremdwör-

Mck klosett, Co. / Kompanie.


ck: Bei der Worttrennung wird ck nicht
tern werden viele Verbindungen aus Ad-
jektiv und Substantiv so wie in ihrer
mehr wie früher in k-k aufgelöst, son- Herkunftssprache getrennt geschrieben.
dern bleibt ungetrennt: Zu-cker, ba-cken, Anders als bei heimischen Wortgruppen
f le-ckig, in Namen: Ha-ckendörfer. schreibt man dann nicht nur das Sub-
Clementine / Klementine: ↑ Klementine / stantiv, sondern auch das erste Wort
Clementine. groß: Corned Beef . Neben dieser Schrei-
Club / Klub : Sowohl die Schreibung mit K bung ist auch die Zusammenschreibung
(Klub) als auch die Schreibung mit C richtig, weil Corned Beef / Cornedbeef
sind korrekt. In Vereinsnamen wird das mit einem einzigen Hauptakzent auf
Wort oft mit C geschrieben, weil zur Zeit dem ersten Bestandteil ausgesprochen
der Vereinsgründung diese Schreibung werden kann. ↑ Fremdwort (4.2).
üblich war. Corpus: In medizinischen Fachtexten ist
c / o: Zu dieser englischen Abkürzung die Schreibung mit C üblich; zu weiteren
(= care of »[wohnhaft] bei, per Adresse«) Bedeutungen und Verwendungen vgl.
↑ Brief (1.2). ↑ Korpus.
Co. / Co: Diese Abkürzung für Kompanie in Cottbuser / Cottbusser: 1. Die Einwohner-
Firmennamen kann mit oder ohne bezeichnung auf -er kann mit einem s
Punkt geschrieben werden. ↑ Abkürzun- oder mit Doppel-s geschrieben werden:
gen und Kurzwörter (1.1 und 1.2). Die Cottbuser oder Cottbusser. Beides wird
Schreibung mit C rührt von der alten mit einem stimmlosen [s] gesprochen.
Schreibung Compagnie her. 2. Cottbuser / Cottbusser wird immer
Codex / Kodex: ↑ Kodex. großgeschrieben, auch wenn das Wort
Cognac: ↑ Kognak / Cognac. als flexionsloses Adjektiv vor einem Sub-
Cola: Es heißt das oder die Cola. Richtig stantiv steht: die Cottbuser / Cottbusser
ist also ein Cola wie eine Cola bestellen. Innenstadt; die Cottbuser / Cottbusser In-
Comeback / Come-back: Bei Substantivie- dustrie. ↑ Einwohnerbezeichnungen auf
rungen aus dem Englischen, die auf eine -er (5 und 7).
Verbindung aus einem Verb (come) und 3. Der geografische Name Cottbuser Tor
einem nicht flektierbaren Wort (back) in Hoyerswerda wird mit C und mit ei-
zurückgehen, kann man einen Binde- nem s geschrieben. Den Namen Kottbus-
strich setzen, wobei der erste Bestand- ser Tor in Berlin schreibt man mit K und
teil groß-, der zweite kleingeschrieben Doppel-s.
wird: Come-back. Bei Comeback emp- Countdown / Count-down: 1. Rechtschrei-
fiehlt sich die Zusammenschreibung bung: Bei Substantivierungen aus dem
ohne Bindestrich, weil das Wort so aus Englischen, die auf eine Verbindung aus
dem Englischen entlehnt wurde. einem Verb (count) und einem nicht
↑ Fremdwort (4), Bindestrich (7.1). flektierbaren Wort (down) zurückgehen,
Concerto grosso: Der Genitiv der Fügung kann man einen Bindestrich setzen, wo-
das Concerto grosso lautet des Concerto bei der erste Bestandteil groß-, der
grosso, der Plural lautet die Concerti zweite kleingeschrieben wird: Count-
grossi. down. Bei Countdown empfiehlt sich die
Consecutio Temporum: ↑ Zeitenfolge. Zusammenschreibung ohne Bindestrich,
203 creme – da

weil das Wort so aus dem Englischen Bedeutungen (»Salbe, Paste; feine Süß-
entlehnt wurde. ↑ Fremdwort (4), Binde-
strich (7.1) .
speise; Torten- / Pralinenfüllung«) mit
oder ohne Akzentzeichen geschrieben
M
2. Genus: Es heißt der Countdown , selten
auch das Countdown.
werden: Creme / Crème. Die Pluralfor-
men lauten die Cremes und die Crèmes, M
creme: 1. ein creme Hut / ein cremefarbener
Hut: Es ist standardsprachlich nicht kor-
österreichisch und schweizerisch auch
die Cremen und die Crèmen. Allein im M
D
rekt, das Farbadjektiv creme zu flektie-
ren. Will man beim attributiven Ge-
Singular gebräuchlich ist Creme / Crème,
wenn damit ironisierend »die gesell- M
da
brauch die unflektierte Form umgehen, schaftliche Oberschicht« gemeint ist
kann man auf Komposita mit -farben (nach französisch crème »Rahm,
oder -farbig ausweichen: ein cremefarbe- Sahne«); nur mit Akzentzeichen wird die
ner Hut, cremefarbige Schuhe. ↑ Farbbe- französierende Bildung Crème de la
zeichnungen (2.2). Crème geschrieben.
2. in Creme: In Verbindung mit einem Curry: Als Bezeichnung für eine Gewürz-
Artikel oder einer Präposition wird die mischung ist der oder das Curry korrekt.
Farbbezeichnung Creme großgeschrie- Mit dem Neutrum das Curry wird meis-
ben: Handschuhe in Creme. ↑ Farbbe- tens das indische Gericht bezeichnet;
zeichnungen (3.2). das Maskulinum der Curry ist hier aber
Creme / Crème: Das Wort kann in allen auch nicht falsch.

d: Zur Schreibung und Deklination ↑ Bin-


destrich (2.4) (d-Laut); ↑ Einzelbuchsta-
Dd
dahaben. Wir wollen den Koffer dalassen.
 haben faul dagelegen, untätig dage-
Sie
ben (des D, zwei D); ↑ Groß- oder Klein- 
sessen. Wie die Tage  Er
nur dahingehen!
schreibung (1.2.5) (das d in Rad). ˙
hat nur so dahergeredet. Sie sind in
da: 1. Getrennt- oder Zusammenschreibung

Shorts dahergekommen. In manchen Fäl-
mit Verben: Ob da (dabei, dafür, dahin ...)  dableiben im Vergleich zu
len, etwa bei
Adverb (mit Getrenntschreibung) oder da bleiben, geht mit der Betonung und
Verbzusatz (mit Zusammenschreibung) der Entscheidung für Getrennt- oder Zu-
ist, zeigen die Betonung und die Ver- sammenschreibung auch ein (meist ge-
wendung im Satz an. ↑ Getrennt- oder ringer) Bedeutungsunterschied einher
Zusammenschreibung (1.3). Getrennt- (↑ dableiben / da bleiben). In anderen
schreibung: Ich würde gern dabei blei- Fällen, wie bei dafürkönnen und dafür
ben. Du sollst genau da bleiben, wo du können, ist ein solcher Bedeutungsun-
jetzt bist. Es wird daher kommen, dass ... terschied kaum auszumachen (↑ dafür-
Zusammenschreibung: Kannst du nicht können / dafür können). Verbindungen
noch ein bisschen dableiben? Sie will die mit sein werden immer getrennt ge-
Bücher dabehalten.Er muss noch etwas schrieben: Könntest du bitte da sein,

da / weil – da / wo 204

wenn die Handwerker kommen? ↑ Ge- auch alles berichten. Die Konjunktion
M trennt- oder Zusammenschreibung (1.6).
2. Kommasetzung: Als Konjunktion leitet
weil ist allgemeiner verwendbar. Sie
steht auch dann, wenn der Sachverhalt
M da kausale Nebensätze ein. Wie alle Ne-
bensätze werden sie durch Komma ab-
im Nebensatz gewichtig ist und neue In-
formation enthält. Der Nebensatz steht
MD getrennt: Ich kann nicht laufen, da ich
mich verletzt habe. Da er schon älter war,
dann oft nach dem übergeordneten Satz:
Sie mussten sich melden, weil sie durch
Mda wollte ihn niemand anstellen (↑ da / weil).
Da kann auch temporal verwendet wer-
den Häuptling in Acht und Bann gewor-
fen waren: der eine, weil er während der
den wie in Jetzt, da sie (statt oft: wo sie)
Liegestunde gesprochen, der andere, weil
alles verloren hat, kümmert sich niemand er gepetzt, der Dritte, weil er den ihm ...
um sie (↑ da / wo). zuerteilten Dienst ... vernachlässigt hatte
3. ↑ nun [da], ↑ zumal. (Jens). Wenn im Hauptsatz durch Wör-
4. Da kann ich nichts für / Dafür kann ich ter wie darum, deshalb, deswegen, beson-
nichts : Die mit da zusammengesetzten ders, vor allem auf die Gewichtigkeit des
Pronominaladverbien werden in der ge- Grundes verstärkt hingewiesen wird,
schriebenen Standardsprache nicht steht nur weil: ... wenn man bedenkt,
durch andere Wörter oder Wortgruppen dass er das Französische schon deshalb
voneinander getrennt. Die Trennung (Da beherrschen musste, weil er das Werk
habe ich mir nichts bei gedacht) kommt Marcel Prousts im Urtext lesen wollte
vor allem in der gesprochenen Sprache (Jens). Auch auf die direkte Frage mit
vor und ist dort auch als standardsprach- warum? antwortet man mit weil (nicht
lich einzustufen. In der Standardsprache mit da): Warum hat sie nicht wenigstens
schreibt man: Dabei habe ich mir nichts die Rechnung bezahlt? Weil sie kein Geld
gedacht . ↑ Pronominaladverb (2). mehr hat.
da / weil: Zwischen den kausalen Konjunk- da / wo: Beide Relativadverbien beziehen
tionen da und weil bestehen im Ge- sich in der Regel auf ein Substantiv oder
brauch feine Unterschiede, die sich auch Adverb, das entweder Ort oder Zeit be-
auf die Stellung der von ihnen eingeleite- zeichnet: ... im Meer, da es am tiefsten ist
ten Nebensätze auswirken können. Die (Matth. 18, 6; revidierter Text von 1956:
Konjunktion da wird meist verwendet, wo es am tiefsten ist). Kein Tag vergeht,
wenn der vom Nebensatz bezeichnete da du nicht weinst (Frisch). Ein Torweg,
Sachverhalt als bekannt vorausgesetzt wo Antiquare ihre Tische aufgestellt ha-
wird. Der Nebensatz steht dann oft vor ben ... (Koeppen). Es kommt die Stunde,
dem übergeordneten Satz: Es ist kurz vor wo es keine Lösung mehr gibt (Frisch).
Mittag, und da heute Sonnabend ist, ma- Das Relativadverb da ist allerdings im
che ich Schluss (Remarque). Da Fiechtner Veralten begriffen und wird nur noch in
schon bald von Verlobung und Hochzeit gewählter Sprache gebraucht; gelegent-
sprach, hatte Maria ... keine Bedenken, lich auch, weil die Meinung besteht, man
dem Deutschen in seine Heimat zu folgen dürfe wo nicht bei Zeitangaben verwen-
(Jens). Durch Wörter wie ja, doch, be- den. Das trifft nicht zu. Verbindungen
kanntlich und durch Bemerkungen wie wie in dem Augenblick, wo ...; zu dem
wie schon gesagt oder wie bereits be- Zeitpunkt, wo ...; der Tag, wo ...; jetzt,
merkt kann dabei auf die Bekanntheit wo ... sind durchaus korrekt. Auch
verstärkt hingewiesen werden. Auch Schriftsteller verwenden dieses tempo-
wenn der Hauptsatz mit so eingeleitet rale wo: An Abenden, wo ... der Mond
wird, steht da: Da du einmal angefangen seine Bahn beschrieb (Hesse). ... als lebte
hast davon zu sprechen, so kann ich dir er im 14. Jahrhundert, wo das Handwer-
205 da- / dar- – dafürkönnen / dafür können

kertum ... (Th. Mann). Nun, wo es mit wir da (= dort) geblieben, dann könnten
dem Kunstfahren für immer vorbei war,
verlor Carlo das Interesse (Jens). Und
wir jetzt am Strand liegen! Der andere
Strand war schöner als dieser hier – wä-
M
jetzt schreien sie, wo es zu spät ist!
(Musil). ↑ wo (2).
ren wir da [nur] geblieben! ↑ da (1). Der
 da bleiben, wo er jetzt steht.
Tisch sollte M
da- / dar-: 1. dabei / daran: In zusammenge-
setzten Adverbien steht dar- heute nur
Zusammenschreibung: Wir sollten lieber
dableiben (= nicht weggehen), solange
 Waschmaschine läuft. ↑ Getrennt-
M
D
noch, wenn der zweite Bestandteil mit
einem Vokal beginnt: daran, darein, da-
die
oder Zusammenschreibung (1.3). M
dafü
rin, darüber usw. Formen wie darnach, -dachig: In Zusammenbildungen mit Dach
darneben, darnieder sind nicht mehr ge- (Adjektiv + Dach + -ig) ist die umlaut-
bräuchlich. Man kann diese Wörter nach lose Form üblich: f lachdachig (nicht:
Sprechsilben oder nach ihren Wortbil- f lachdächig).
dungsbestandteilen trennen: da- dadurch, dass / dadurch, weil: ↑ dass (4).
ran / dar-an, da-rüber / dar-über. ↑ Pro- dafür: 1. Vor dafür steht ein Komma, wenn
nominaladverb (1), ↑ Worttrennung (1.2). es Sätze verbindet: Hans ist begabt, da-
2. dableiben, darbieten: In zusammenge- für ist Karl viel fleißiger. Aber auch ein
setzten Verben steht da-, wenn die Lage Punkt ist möglich, und häufig steht in
ausgedrückt werden soll (Frage: wo?): diesen Fällen ein Semikolon: Anna ist
dableiben, dasitzen, dastehen. Es steht ungeschickt; dafür tanzt Regine umso
dar-, wenn eine Richtung ausgedrückt besser.
werden soll (Frage: wohin?): darbieten, 2. Getrenntschreibung: Auch wenn man
darreichen. Diese räumliche Beziehung sie nicht dafür halten würde – sie ist die
ist aber vielfach schon verblasst, so bei ˙
Chefärztin. Zusammenschreibung: Ich
darlegen, dartun »erklären«, darstellen würde sehr dafürhalten, das Angebot
»abbilden, schildern, bedeuten«. 
noch einmal genauer zu prüfen. ↑ dafür-
dabehalten / da behalten: Getrenntschrei- können / dafür können, ↑ Getrennt- oder
bung: Sie werden sie da (= dort) behal- Zusammenschreibung (1.3).
ten, wo sie jetzt ist. Zusammenschrei- ˙ dafür / da ... für: ↑ da (4), ↑ Pronominalad-
bung: Sie haben ihn gleich dabehalten. verb (2).

↑ da (1), ↑ Getrennt- oder Zusammen- dafürkönnen / dafür können: Abhängig
schreibung (1.3). von der Betonung ist sowohl die Ge-
dabei: Getrenntschreibung: Sie will unbe- trennt- als auch die Zusammenschrei-
dingt dabei sein. ↑ Getrennt- oder Zu- bung korrekt. Getrenntschreibung bei
sammenschreibung (1.6). Er wird unter deutlicher Betonung des Verbs: Sie be-
allen Umständen dabei (= bei seiner hauptet, nichts dafür (= für den eben er-
Meinung) bleiben. Sie muss dabei (= bei wähnten Fehler) zu können / dass sie
dieser Arbeit u. Ä.) sitzen / stehen. Zu- ˙
nichts dafür kann. Zusammenschrei-
sammenschreibung:˙ Hoffentlich  kann ˙
bung bei stärkerer Betonung des Verb-
ich dabeibleiben, bis alles fertig ist. Sie zusatzes: Sie behauptet, nicht dafürzu-
wird das Geld dabeihaben. Er hat wäh- können; dass sie trotzdem nichts dafü r-
rend der Unterhaltung dabeigeses- kann. Nur die Getrenntschreibung ist 
sen / dabeigestanden. ↑ da (1), ↑ Getrennt- richtig, wenn der Verbzusatz an den
oder Zusammenschreibung (1.3). Satzanfang (ins Vorfeld) rückt: Dafür
dabei / da ... bei: ↑ da (4), ↑ Pronominalad- kann sie nichts. ↑ Getrennt- oder Zusam-
verb (2). menschreibung (1.3 und 1.7). Neben Er
dableiben / da bleiben: Getrenntschrei- kann nichts dafür gibt es regional
bung: Auf der Insel war es schön – wären (nordd.) auch Er kann nichts dazu.
dagegen – damit / da ... mit 206

dagegen: 1. dagegen halten / dagegenhal- hin (= dorthin) gestellt. Zusammen-


˙
M ten: Getrenntschreibung: Er wird dage-
gen sein. Du kannst ihr Fahrrad ruhig be-
schreibung: Der Schwerkranke ist tage-
lang dahingedämmert. Wie die Stunden
˙
M nutzen, sie wird nichts dagegen haben. Er
wird dagegen kämpfen. Du sollst das
˙
dahinfliegen! Das bleibt dahingestellt.
↑ da˙(1), ↑ Getrennt- oder Zusammen-
˙

MD Brett dagegen halten,



hier ist kein Bohr-
loch. Zusammenschreibung: Sie hat da-
schreibung (1.3).
dahin fahren / fliegen / gehen usw. / da hin-

Mdage gegengehalten (= erwidert), dass ... Wir



wollen uns dagegenstellen und kämpfen.

fahren / hinfliegen / hingehen usw.: An-
stelle von standardsprachlich dahin
↑ da (1), ↑ Getrennt- oder Zusammen- (Richtungsadverb) + Bewegungsverb
schreibung (1.3). wird regional- oder umgangssprachlich
2. Zeichensetzung: Vor dagegen steht ein häufig da (Lageadverb) + Bewegungs-
Komma, wenn es Sätze verbindet: Er ist verb mit hin- gebraucht: Im Engadin ist
leichtsinnig, dagegen lässt sich nichts es schön. Da solltet ihr auch einmal hin-
machen. Aber auch ein Punkt ist mög- fahren. Das ist eine nette Bar. Da werde
lich, und häufig steht in diesen Fällen ich öfter einmal hingehen.
ein Semikolon: Sie gibt sich viel Mühe; dahin gehend / dahingehend: Man
dagegen kann man nichts sagen. schreibt getrennt oder zusammen: Sie
dagegen / da ... gegen: ↑ da (4), ↑ Pronomi- äußerte sich dahin gehend / dahinge-
naladverb (2). hend, dass ...
dahaben / da haben: Zusammenschrei- dahinter: Getrenntschreibung: Das war
bung: Ich weiß nicht, ob wir noch genug die zweite Ampel, und die Tankstelle,
Honig dahaben. ... weil wir zwei Wochen nach der wir abbiegen sollen, müsste
 Mutter dahatten. Getrennt-
lang meine gleich dahinter ( = hinter der Ampel)
schreibung: Darf ichsehen, was du da kommen. Das ˙ Geschenk wird wohl noch
hast? Ich habe sie endlich da gehabt, wo ˙
dahinter versteckt sein. Hinter diesem
˙ sie haben wollte. ↑ da (1), ↑ Getrennt-
ich ˙
Buch ist der Umschlag nicht; habe ich
oder Zusammenschreibung (1.3). ihn vielleicht dahinter gesteckt? Zusam-
daher: 1. daher kommen / daherkommen:

menschreibung: Sie wird schon noch
Getrenntschreibung: Er soll auch daher dahinterkommen. Ich habe den Um-
sein. Sie ist daher (= aus der Richtung) ˙ vorsichtig dahintergesteckt. Ich
schlag
gekommen. Es  wird daher kommen, möchte wissen, was dahi ˙ ntersteckt. ↑ Ge-

dass ... Zusammenschreibung: Ich sah ˙
trennt- oder Zusammenschreibung
ihn lässig daherkommen. Wie sie immer (1.3).
daherredet! ↑ da (1), ↑ Getrennt- oder Zu- dalassen / da lassen: Zusammenschrei-

sammenschreibung (1.3). bung: Sie hat ihren Mantel dagelassen.
2. Zeichensetzung: Vor daher steht ein Getrenntschreibung: Kann ich  den Wa-
Komma, wenn es Sätze verbindet: Ich gen da (= dort) lassen, wo er jetzt steht?
kenne ihn zu gut, daher traue ich ihm al- ˙ oder Zusammen-
↑ da (1), ↑ Getrennt-
les zu. Aber auch ein Punkt ist möglich, schreibung (1.3).
und häufig steht in diesen Fällen ein Se- daliegen / da liegen: Zusammenschrei-
mikolon: Sie war sehr müde; daher ist sie bung: Er hat völlig erschöpft dagelegen.
verunglückt. Getrenntschreibung: Weißt du,  dass
daher, dass / daher, weil: ↑ dass (4). deine Brille noch da (= an dieser Stelle)
dahin: Getrenntschreibung: Er hat den liegt? ↑ da (1), ↑ Getrennt- oder Zusam-
Stein bis dahin (= bis zu der Stelle dort) menschreibung (1.3).
 wird dahin fliegen und
gebracht. Sie damit / da ... mit: ↑ da (4), ↑ Pronominal-
nicht nach London. Sie hat die Leiter da-
˙ adverb (2).

207 damit / mit ihm – daran

damit / mit ihm / mit dem: ↑ Pronominalad- mit etwas Negativem sollte dank nur iro-
verb (3).
danach / da ... nach: ↑ da (4), ↑ Pronominal-
nisch verwendet werden: Dank deiner
Hilfe haben wir es nicht geschafft.
M
adverb (2).
danach / darnach; daneben / darneben; da-
dankbar: Die Fügung dankbar sein kann
nur dann mit einem zu-Infinitiv verbun- M
nieder / darnieder: ↑ da- / dar- (1).
daneben: Getrenntschreibung: Er wollte
den werden, wenn das Subjekt das glei-
che bleibt: Ich bin dankbar, das erleben M
D
daneben (z. B. neben dem Fahrrad) her-
gehen. Er wollte daneben gehen (und 

zu können (= dass ich das erleben kann).
Wechselt das Subjekt, dann muss man M
dara
nicht laufen). Es wird sicher daneben einen Nebensatz anschließen: Wir wä-
(= neben dem Regal und nicht neben ren Ihnen dankbar, wenn Sie uns die Un-
dem Schrank) liegen. Hier ist ein Brief- terlagen sofort übersenden würden
kasten; würdest du kurz daneben halten? (nicht: Wir wären Ihnen dankbar, uns die
Zusammenschreibung: Er hat dane ˙ ben- Unterlagen sofort zu übersenden).
gehauen (z. B. am Nagel vorbei). Siehat danke schön / Dankeschön: Man schreibt
danebengeschossen. Der Kuchen wird da- getrennt: Er sagte: »Danke schön!«

nebengeraten (= missglücken). Der Ver- Wenn Grußformeln ohne Anführungs-

such ist danebengegangen. Sie hat mit zeichen bei einem Verb wie sagen, rufen

dieser Bemerkung danebengegriffen. Er stehen, können sie als substantiviert

darf sich nicht danebenbenehmen. oder als adverbial betrachtet werden.

... wenn man das vorjährige Ergebnis da- Man kann sie deshalb groß- oder klein-
nebenhält. ↑ da (1), ↑ Getrennt- oder Zu- schreiben: Ich möchte ihr nur Danke

sammenschreibung (1.3). schön / danke schön sagen. Man schreibt
dank: 1. dank seinem Einfluss / dank seines zusammen, wenn die Formel als Ganzes
Einflusses : Der Dativ bei dank entspringt substantiviert wird: Er lässt dir ein herz-
dem besonderen syntaktischen Verhält- liches Dankeschön für deine Hilfe sagen.
nis, das hier zugrunde liegt: Dank sei sei- danksagen / Dank sagen: Sowohl die Zu-
nem Einfluss wurde zu dank seinem Ein- sammenschreibung danksagen als auch
f luss. Da man aber bei einer aus einem die Getrenntschreibung Dank sagen ist
Substantiv entstandenen Präposition korrekt: Sie wollten Gott danksa-
den Genitiv erwartet (vgl. kraft, laut, gen / Dank sagen. Nur zusammen und
statt, infolge u. a.), wird dieser vielfach klein: Sie danksagte allen Teilnehmen-
auch bei dank verwendet: Dank eines den. Nur getrennt und mit großgeschrie-
Zufalls ... kam ich rasch und mühelos vo- benem Substantiv: Sie sagte allen Teil-
ran (Jens). Besonders im Plural über- nehmenden Dank. Hat Dank ein Artikel-
wiegt heute der Genitiv: dank sehr kom- wort oder Attribut bei sich, dann muss
plizierter Verfahren (seltener: dank sehr getrennt geschrieben werden: Ich will
komplizierten Verfahren); dank der Fort- ihm meinen Dank sagen. Er hat mir auf-
schritte der Wissenschaft (seltener: dank richtigen Dank gesagt. ↑ Getrennt- oder
den Fortschritten der Wissenschaft). Die- Zusammenschreibung (1.4).
ser Genitiv gilt auch standardsprachlich dann / denn: Dann steht in Sätzen wie: Na,
als korrekt. Folgt auf dank ein allein ste- dann geht es eben nicht! (Norddeutsch
hendes stark flektiertes Substantiv im umgangssprachlich: Na, denn geht es
Plural, dann wird der Dativ gewählt, weil eben nicht!).
der Genitiv den Kasus nicht erkennen dar- / da-: ↑ da- / dar.
lässt: dank Fortschritten der Wissen- daran: 1. daran gehen / darangehen: Ge-
schaft. trenntschreibung: Sie soll daran gehen
2. dank seiner Fehler: Im Zusammenhang

und nicht hieran. Es ist ihr Tisch, sie darf
darauf – darein / darin 208

sich daran setzen. Wir können nichts da- 4. darauf / auf dem, auf das: ↑ Pronominal-
ran machen.˙ Er will nicht daran rühren.
M ˙
Zusammenschreibung: Wir wollen da-
adverb (4).
daraufhin: Zusammen schreibt man, wenn

M rangehen / uns daranmachen (= damit


˙
beginnen). Sie hat ˙alles, alle Kräfte
es sich um das Pronominaladverb (im
Sinne von »unter diesem Gesichtspunkt;
MD darangesetzt (= aufgeboten). ↑ da (1),
˙
↑ Getrennt- oder Zusammenschreibung
infolgedessen, danach«) handelt: Wir
haben unsere Kartei darauf hin überprüft,
Mdara (1.3).
2. Worttrennung: Man kann da-ran (nach
ob sie noch vollständig ist. Ihr Vermögen
wurde daraufhin beschlagnahmt. Ge-
Sprechsilben) oder dar-an (nach sprach- trennt schreibt man, wenn es sich um
lichen Bestandteilen) trennen. ↑ da- / das Pronominaladverb darauf und den
dar- (1). Verbzusatz hin- handelt: Alles wird da-
3. daran / dran: Die Form dran ist meist rauf hindeuten. Er hat darauf hingewie-
umgangssprachlich. Das gilt auch für sen, dass alle zu erscheinen hätten.
Verben wie drangehen, dranhängen, daraus: 1. Worttrennung: Man kann da-
dransetzen. raus (nach Sprechsilben) oder dar-aus
darauf: 1. darauf gehen / draufgehen: Ge- (nach sprachlichen Bestandteilen) tren-
trenntschreibung: Das Buch wird mor- nen. ↑ da- / dar- (1).
gen darauf (auf dem eben Erwähnten) 2. daraus / draus: Die Form draus ist um-
liegen. Was wird darauf folgen? Er wird gangssprachlich: Ich mache mir nichts
nicht darauf (= auf diesen Gedanken) draus.
kommen. Er muss darauf losgehen. Ich 3. daraus, dass / daraus, wenn: Die Ver-
˙
würde nichts darauf / (ugs.:) drauf geben. bindung von daraus und wenn ist nicht
Zusammenschreibung: Du darfst dich  korrekt. Es kann nur heißen: Der Streit
auch einmal daraufsetzen / (ugs.:) drauf- entsteht daraus, dass die Begriffe miss-
setzen. Darf ich auch meine Jacke darauf- verstanden werden. ↑ dass (4).
legen / (ugs.:) drauf legen? Sie muss noch darein: 1. sich darein ergeben / sich darein-
etwas draufgeben / drauflegen (= etwas finden: Getrenntschreibung: Sie wollte
hinzugeben, erhöhen; ugs.). Er ist dabei sich nicht darein (= in ihr Schicksal) er-
beinahe draufgegangen (= daran zu- geben. Sie versprach, sich noch einmal
grunde gegangen; ugs.). Kannst du mal 
darein zu vertiefen. Zusammenschrei-
den Finger draufhalten? Sie wird drauf- bung: Er soll mir nicht dareinreden /
losgehen /drauflosarbeiten / drauf los- (ugs.:) dreinreden. Sie wird sich schon

schimpfen. 
↑ Getrennt- 
oder Zusammen- dareinfinden. Sie hat ihren Ehrgeiz dar-
schreibung (1.3). In Verbindung mit dem eingesetzt.↑ da (1), ↑ Getrennt- oder Zu-
Partizip I wird getrennt oder zusammen- sammenschreibung (1.3).
geschrieben: Ihr Schreiben und der da- 2. Worttrennung: Man kann da-rein
rauf folgende Briefwechsel. Am darauffol- (nach Sprechsilben) oder dar-ein (nach
genden Tag. sprachlichen Bestandteilen) trennen.
2. Worttrennung: Man kann da-rauf ↑ da- / dar- (1).
(nach Sprechsilben) oder dar-auf (nach 3. darein / drein: Die Form drein ist meist
sprachlichen Bestandteilen) trennen. umgangssprachlich: Sie hat sich drein er-
↑ da- / dar- (1). geben. Das gilt auch für Verben wie
3. darauf / drauf: Die Form drauf ist dreinhauen oder dreinschlagen.
meist umgangssprachlich, kommt aber darein / darin, worein / worin: Die Adver-
in einigen Wendungen auch in der ge- bien darin und worin bezeichnen die
sprochenen Standardsprache häufig vor: Lage. Sie können nicht zur Angabe der
Es kommt drauf an, was er sagt. Richtung verwendet werden wie früher
209 darf – darüber hinaus

und in gehobener Sprache darein und ses Adjektiv vor einem Substantiv steht:
worein. Man sagt also nicht: Hier ist das
Papier, worin ich Geld gewickelt hatte,
eine Darmstädter Buchhandlung. ↑ Ein-
wohnerbezeichnungen auf -er (7).
M
sondern: das Papier, in das (geh.: wo-
rein) ich Geld gewickelt hatte. Nicht: Das
darnach, darneben, darnieder: ↑ da- / dar.
darstellen als: Wenn das Verb darstellen
M
ist nun einmal mein Los. Ich muss mich
darin fügen, sondern (geh.): ... darein fü-
als reflexiv gebraucht wird, steht der
auf als folgende Nominalausdruck M
D
gen . Ebenso auch: sich dareinfinden; sei-
nen Stolz dareinsetzen, -legen; sich dar-
meist im Nominativ: Er stellt sich uns
als hervorragender Fachmann dar. Der M
darü
einmengen; dareinreden u. a. Akkusativ kommt seltener vor. Bei
darf: ↑ ich darf / möchte / würde sagen. nicht reflexivem Gebrauch wird durch
darin: 1. darin sitzen / drinsitzen: Getrennt- einen Akkusativ nach als der Bezug auf
schreibung: Ein schöner Wagen – wir ha- das Akkusativobjekt gekennzeichnet:
ben auch schon einmal darin gesessen. Er stellte ihn als hervorragenden Fach-
Der Schlüssel blieb darin stecken.˙ Sie hat mann dar. ↑ als (6).
nicht in diesem Haus, sondern ˙ darin ge- darüber: 1. darüber stehen / darüberstehen:
wohnt. So hat es darin gestanden (= war Getrenntschreibung: Das Muster kommt
˙ ˙
im Text zu lesen). Zusammenschrei- nicht zur Geltung, weil Bücher darüber /
bung: Sie hat ganz schön dringesessen (ugs.:) drüber stehen. Er hat darüber (=
(= in der Patsche gesessen;˙ugs.). Man über dieses Thema) geschrieben. Die Be-
sagt, dass er in dieser Affäre mit drin- merkung sollte darüber (= über dieser
steckt. So hat es dringestanden (= war˙ im  darunter. Die Be-
Grafik) stehen, nicht
Text zu lesen; ugs.). ˙ ↑ Getrennt- oder Zu- merkung sollte darüber stehen, nicht über
sammenschreibung (1.3).  Zusammenschrei-
der anderen Grafik.
2. Worttrennung: Es kann da-rin (nach bung: Das Muster kommt nicht zur Gel-
Sprechsilben) oder dar-in (nach sprach- tung, weil die Bücher darüberstehen /
lichen Bestandteilen) getrennt werden. (ugs.:) drüberstehen und es verdecken.
↑ da- / dar- (1). Man muss  darüberstehen / (ugs.:) drüber-
3. darin / drin: Die Form drin kommt in stehen können.Sie hat ihre Bemerkungen
der Umgangssprache, aber auch in der darübergeschrieben. Ich wollte mit der
gesprochenen Standardsprache häufig Hand darüberfahren / (ugs.:) drüberfah-
vor: Es ist schon jemand drin. Zudem  ↑ Getrennt- oder Zusam-
ren. ↑ da (1), 
tritt sie in festen Fügungen auf: In dem menschreibung (1.3).
Spiel ist noch alles drin (= noch nichts 2. Worttrennung: Man kann da-rüber
entschieden). (nach Sprechsilben) oder dar-über (nach
4. darin / in ihm / in dem: Zum relativi- sprachlichen Bestandteilen) trennen.
schen Gebrauch von darin ↑ Pronominal- ↑ da- / dar- (1).
adverb (3 und 4). 3. darüber / drüber: Die Form drüber ist
Darlehen / Darlehn: Die Vollform Darle- meist umgangssprachlich (z. B. drüber-
hen ist heute üblicher als die kürzere wischen), kommt aber in bestimmten
Form Darlehn. Diese trifft man aber Wendungen auch in der gesprochenen
noch häufig in Komposita: Darlehnsver- Standardsprache häufig vor: Ich habe
trag, Darlehnshingabe, Spar- und Dar- noch mal drüber nachgedacht.
lehnskasse u. a. Beide Formen sind rich- darüber hinaus: Die Fügung darüber hin-
tig. aus wird getrennt geschrieben: Er wird
Darmstädter: Die Einwohnerbezeichnung längst darüber hinaus sein. Sie hat darü-
Darmstädter wird immer großgeschrie- ber hinaus (= außerdem) viel Neues zu
ben, auch wenn das Wort als flexionslo- sagen. Das gilt auch für darüber vor hin-
darum – das / dass 210

aus- als Verbzusatz: Alles, was darüber darunter [befindet sich] die Bundesre-
M hinausweist / darüber hinausführt.
darum: 1. darum kommen / darumkommen:
publik ... Beide Konstruktionen sind
korrekt. Ebenso: Mehreren Schülern,
M In der Bedeutung »deshalb« ist darum
Adverb und wird von einem nachfolgen-
darunter zwei Zehnjährige[n], wurden
Buchpreise verliehen.
MD den Verb getrennt geschrieben: Mach
dir keine Sorgen wegen deiner Schulden,
2. darunter liegen / darunterliegen: Ge-
trenntschreibung: Unter das Auto sind
Mdaru ich bin nicht darum gekommen. Man

schreibt auch getrennt: Ich werde ihn
wir nur gekrochen, weil unser Ball darun-
ter liegt. Der Tisch wackelt immer noch;˙
darum (z. B. um einen Gefallen) bitten. wir sollten den Holzkeil darunter (= un-
Man schreibt zusammen: Sie ist daru˙ m- 
ter den Tisch) legen. Es sollen auch Kin-
gekommen (= hat es nicht bekommen). ˙  Zusammenschrei-
der darunter sein.
Ebenso: Er hat den Verband darumge- bung: Ihre Schätzungen werden darun-
legt / darumgewickelt. ↑ da (1). ˙ ˙
terliegen (= sie werden niedriger sein).
˙
2. Worttrennung: Man kann da-rum Du hast mit deinen Leistungen darunter-
(nach Sprechsilben) oder dar-um (nach gelegen (= sie waren schlechter). Du ˙ soll-
sprachlichen Bestandteilen) trennen. test einen Pullover darunterziehen. Sollen
↑ da- / dar- (1). ˙
wir vielleicht einen Holzkeil darunterle-
3. darum / drum: Die Form drum ist meist ˙
gen? ↑ da (1), ↑ Getrennt- oder Zusam-
umgangssprachlich. Das gilt auch für menschreibung (1.3).
drumlegen, drumwickeln, das ganze 3. Worttrennung: Man kann da-runter
Drum und Dran usw. (nach Sprechsilben) oder dar-unter
4. Zeichensetzung: Vor darum steht ein (nach sprachlichen Bestandteilen) tren-
Komma, wenn es Sätze verbindet. Sie nen. ↑ da- / dar- (1).
kennt alle Wege hier, darum haben wir sie 4. darunter / drunter: Die Form drunter
mitgenommen. Häufig steht vor darum ist oft umgangssprachlich: Es ging alles
aber auch ein Semikolon oder ein Punkt: drunter und drüber. Es kommt aber auch
Hoffentlich schreibt er bald; darum habe in der gesprochenen Standardsprache
ich ihn dringend gebeten (oder: ... bald. vor: Da kann ich mir nichts drunter vor-
Darum habe ...). stellen.