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N I EDERSAC HSEN

N OV E M B E R 2 0 1 0 | W W W. S P D - N I E D E R S A C H S E N . D E

EDITORIAL
GEMEINSAM FÜR EIN ERFOLG-
REICHES NIEDERSACHSEN
Mit dem 2. kommunalpolitischen Kongress stimmte sich Niedersachsens SPD am 30. Oktober in
Hannover auf das Kommunalwahljahr 2011 ein.

Von Lothar Pollähne und Sebastian Schumacher

Geballte kommunalpoliti-
sche Kompetenz: Hannovers
OB Stephan Weil; Lüneburgs
OB Ulrich Mädge; Celles OB
Dirk-Ulrich Mende; Landrat
des Landkreises Osterode am
LIEBE GENOSSINNEN, Harz, Bernhard Reuter und
LIEBE GENOSSEN, Delmenhorsts OB Patrick de
La Lanne.
ein Jahr hat Schwarz-Gelb nur mit sich
Foto: lopo
selber gekämpft, jetzt bekämpfen sie
auch die Interessen der Bürger und Bür-
gerinnen in diesem Land. Die Verlänge- »Wir geben der Kommunalpolitik den gabe des Landes Niedersachsen sei die
rung der AKW-Laufzeiten ist durch den richtigen Platz«. Mit diesen Worten Interessenvertretung seiner Kommunen
Bundestag gepeitscht worden, beispiel- eröffnete die stellvertretende SPD-Lan- in Berlin und daran hapere es erheblich.
los in der bundesdeutschen Parlaments- desvorsitzende Gabriele Lösekrug-Möller So plant Bundesfinanzminister Schäub-
geschichte. Den Schaden tragen die vor über 700 Teilnehmern den 2. Kom- le, die Gewerbesteuer abzuschaffen.
Kommunen und ihre Bürger. Denn die munalkongress der niedersächsischen Widerspruch aus Niedersachsen? Fehl-
Stadtwerke werden im Wettbewerb mit SPD am 30. Oktober und meinte damit anzeige! Und das, obwohl die Berliner
den Energieriesen geschwächt, Strom- sel bstverständlich nicht nur den Gesetze bei den Gemeinden mit 6,5 Milli-
preiserhöhungen werden eine Folge Tagungsort Hannover. Der war auf jeden arden Euro jährlich zu Buche schlagen
sein. Die andere: Weniger Geld für die Fall richtig gewählt, um das erste Signal und obwohl allein die Städte, Gemein-
Kämmerer, weniger Leistungen für die für die Kommunalwahlen im kommen- den und Landkreise in Niedersachsen
Bürger. Wenn die Bundesregierung den Jahr zu setzen, denn »das eigentliche bereits mit Kassenkrediten von über fünf
glaubt, solche At tacken gegen das Fundament der SPD ist die Kommunal- Milliarden Euro belastet sind.
Gemeinwohl könnten unbemerkt blei- politik«, so Hannovers Oberbürgermei- Das von Bund und Land verursachte
ben, sind CDU und FDP schief gewickelt. ster Stephan Weil in seiner Eröffnungs- Finanzdesaster führt unweigerlich zu
Von unserem Kommunalkongress ist rede. Kommunalpolitiker brauchen einen gesellschaftlichen Kollateralschäden,
das starke Signal ausgegangen, dass es starken und verlässlichen Partner und wenn nicht alsbald gegengesteuert wird.
Zeit für eine neue Politik ist. »Vorfahrt das kann nur die SPD sein. »Integration gelingt eben nicht per
für die Kommunen« ist die Leitlinie der Beinhart bilanzierte Stephan Weil, Gesetzblatt oder durch Geschwätz in
SPD. der als Bundesvorsitzender der Sozialde- Talkrunden, sondern nur durch hand-
mokratischen Gemeinschaft für Kom- lungsfähige Städte und Gemeinden, die Erfolg im Landkreis
Euer munalpolitik weiß, welche Sorgen die das alles auf die Reihe bringen«, erklärte Schaumburg: Der neue
Kommunen haben und wer sie verur- Hannovers Oberbürgermeister und Landrat heißt Jörg Farr.
sacht hat: »Die Hälfte unseres Schlamas- endete unter dem Beifall der über 700 Mehr dazu auf S. V
sels wird durch falsche Politik in Berlin Teilnehmer des Kongresses mit den Wor-
verursacht«. Die andere Hälfte steuert ten: »Wir haben eine glasklare Forde- Im Niedersachsen-vorwärts:
die niedersächsische Landesregierung rung: Hände weg von der Gewerbesteu- »TiL – Themen im Landtag«
Olaf Lies bei, die im Bundestag nicht gegen die er!« (Mittelteil Seiten 1–4)
Landesvorsitzender schädlichen Gesetze gestimmt hat. Auf- Fortsetzung auf Seite 2
II NIEDERSACHSEN 11/2010 vorwärts

Fortsetzung von Seite 2


reiches Niedersachsen zu streiten, denn
»wir kennen die praktische Ebene, wir
wissen, wie wichtig der Erhalt von Kitas,
Schwimmbädern und Büchereien für
den Zusammenhalt der Gemeinden ist«.
Bei den Bürgerinnen und Bürgern im
Lande muss nach Olaf Lies Überzeugung
eines ankommen. Bei aller Kritik an vie-
len Entscheidungen lohnt es sich, für
Die Initiative »Volksbegehren etwas einzutreten: handlungsfähige, lie-
für gute Schulen« hat wäh- bens- und lebenswerte Städte und
rend des Kommunalkongres- Gemeinden. Genau da sind die Menschen
ses der SPD am 30. Oktober bei der SPD an der richtigen Adresse. ■
Anteilsscheine für eine Klage
vor dem Staatsgerichtshof
verkauft. Die Aktion war
erfolgreich: es kamen 1.300
Euro zusammen. Damit kann
die Klageschrift bezahlt Volles Haus mit mehr als 700 Teilnehmern beim Kommunalkongress II im Wienecke XI.
werden. Auf dem Foto: Der
SPD-Bundestagsabgeornete Wer die Kommunen schädigt, beschädigt dazu gehört die Beibehaltung der Stich-
Lars Klingbeil unterstützt die Demokratie. Das ist den vergangenen wahl. 39 Prozent im ersten Wahlgang sind
das Volksbegehren. Wochen nirgends so deutlich geworden, keine demokratische Legitimation. Das lie-
Fotos (2): Christoph Matterne wie bei geplanten Änderung der Kommu- fe in der Konsequenz darauf hinaus, »dass
nalverfassung. »Eine der ersten Amts- sich Kommunalpolitiker irgendwann
handlungen einer SPD-geführten Landes- durch ihre eigene Wahl legitimieren«,
regierung wird die sofortige Rücknahme monierte Olaf Lies sarkastisch: »Unsere
dieses Demokratieabbaugesetzes«, kün- Aufgabe muss es sein, Menschen dazu zu
digte der SPD-Landesvorsitzende Olaf Lies bringen, sich in die Entscheidungsprozesse
in seiner Rede an. »Wir werden den Bürge- in den Kommunen einzumischen«.
rinnen und Bürgern ihre demokratischen Olaf Lies plädierte an alle Gliederun- Solidarisch mit Gorleben: SPD-Landesvorsit-
Rechte auf Teilhabe sichern«, so Lies, und gen der SPD, gemeinsam für ein erfolg- zender Olaf Lies Foto: lopo

BAHN FREI FÜR FAIRE LÖHNE


Olaf Lies sprach auf der Betriebs- und Personalrätekonferenz der SPD-Betriebsgruppe Bahnen.

SPD-Landesvorsitzende Olaf Lies rheto- re hinaus spürbar. Überhaupt plädierte


risch in die Runde, um dann inhaltlich auf Olaf Lies für ein norddeutsches Hafenkon-
die Streiks einzugehen. »Es geht bei den zept, damit der Güterverkehr nicht in ande-
Warnstreiks um viel mehr als nur um Tarif- re Regionen ausweiche.
verhandlungen«, erklärte Lies. »Es kann Eng verknüpft mit dem Thema Güter-
nicht angehen, dass Löhne immer weiter verkehr ist die so genannte Y-Trasse, die
gedrückt werden.« Schlachtbetriebe mit von vielen Anliegern nicht gewünscht sei,
Hungerlöhnen von 2,09 Euro sind da nur vor allem, weil sie befürchten in Zukunft
die schlimmsten Ausbeuter. »So etwas vom Fernverkehr abgehängt zu werden.
muss verhindert werden«, so Olaf Lies, »Bei der Y-Trasse werden wir uns auf über-
»und insofern ist es zu begrüßen, dass die raschende Diskussionen einstellen müs-
Bahner für den Branchentarifvertrag strei- sen«, erklärte der SPD-Landesvorsitzende.
ken«. Es wird viel Überzeugungskraft nötig sein,
Bahnpolitisch setzte sich Olaf Lies mit um klarzumachen, dass die Trasse vor
Streiken für den Branchen- zwei für das Flächenland Niedersachsen allem dazu diene, dem gewollt steigenden
tarifvertrag. Dass sich rund 45 Eisenbahnerinnen und vorrangigen Projekten auseinander. Wer Güterverkehr im Sinne des Wortes Bahn zu
Foto: transnet Eisenbahner am 26. Oktober zur Betreibs- für die Verlagerung des Güterverkehrs auf verschaffen.
und Personalrätekonferenz der SPD- die Schiene plädiert, muss sich auch für In der Diskussion forderten die Anwe-
Betriebsgruppe Bahnen in der Stadthalle entsprechende Infrastrukturprojekte ein- senden klare Aussagen der niedersächsi-
Uelzen zusammenfanden war schon setzen. »Dazu gehört der zügige Ausbau schen SPD, dass das Thema Schieneninfra-
erstaunlich. Schließlich hatten die Bahn- der zur Zeit eingleisigen Bahnstrecke Wil- strutur nicht weiter verfolgt wird und dass
gewerkschaften bundesweit zu Warn- helmshaven – Oldenburg, denn ein solcher die SPD nach der Landtagswahl 2013 das
streiks für einen einheitlichen Branchen- Propf kann Güter nicht in ausreichendem Vergabegesetz wieder einführt. Die
tarifverttrag aufgerufen und ein solcher Maße ableiten«, so Olaf Lies. Auch wenn Zukunftsaufgabe heißt: Erhalt und Ausbau
Aufruf wird bei den kampferprobten Bah- der Ausbau 500 Millionen Euro koste und der Schiene bei angemessenen und fairen
nerinnen und Bahnern solidarisch befolgt. mit einer Vollsperrung der Strecke für 180 Löhnen, denn der Verkehr darf nicht über
»Gibt es einen besseren Tag als heute für Tage einhergehe, sei dies Geld gut angelegt Personalkosten und Arbeitszeiten geregelt
diese Veranstaltung«, fragte daher der und die positiven Auswirkungen über Jah- werden. ■ u.b./eb
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RASSISMUS DER MITTE:


GESELLSCHAFTSFÄHIG?
Sündenböcke, Volksgemeinschaft und die Sehnsucht nach dem starken Führer: Eine aktuelle Studie der
Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt beunruhigende Ergebnisse

Von Gabriele Lösekrug-Möller

Die FPÖ spielt mit der Idee, in Deutsch- Frauen auf. Hatten die Forscher noch vor Und die politischen Konsequenzen?
land ein Nationalbüro zu eröffnen. Es wenigen Jahren dem weiblichen »Noch! Mehr Demokratie wagen«. Das Gabriele Lösekrug-Möller,
ginge darum, in einer langfristigen Stra- Geschlecht eine deutlich geringere Nähe ist der Vorschlag der Autoren der Studie. MdB, stv. Landesvorsitzende
tegie eine patriotische Bewegung auf zu rechtsextremen Sichtweisen atte- Aber, neue Formen der Partizipation rei-
Bundesebene zu etablieren und mit der stiert, gibt es aktuell kaum noch Unter- chen nicht aus, Voraussetzung zur Teil-
rechtspopulistischen Pro-Bewegung zu schiede. Anlass zur Sorge in einer altern- habe am demokratischen Prozess und
kooperieren. Aber nicht nur Haiders den Gesellschaft gibt auch das Ergebnis, Schutzfaktor sind Bildung und der Mut,
Erben sind auf dem Vormarsch. Diese dass die Zustimmung zu rechtsextremen gesellschaftliche Prozesse nicht aus-
Nachricht ist alarmierend, ist sie doch Positionen mit dem Lebensalter steigt. schließlich ökonomischen Prämissen zu
einzuordnen in den europaweiten Auf- unterwerfen. Um entgegenzusteuern sei
bruch nationalistischer und rechtsradi- Alarmierende Befunde eine ernst gemeinte und tief greifende
kaler Politik. Ebenso beunruhigend sind Demokratisierung gesellschaftlicher
die Ergebnisse der soeben vorgelegten Der Vergleich zu den Erhebungen seit Institutionen dringend notwendig.
Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung »Die 2002 zeigt, Rechtsextremismus ist in der Demokratie muss erfahrbar sein – und
Mitte in der Krise« über rechtsextreme Mitte der Gesellschaft salonfähig gewor- zwar im Alltag der Menschen. Soweit
Einstellungen in Deutschland. Sie belegt, den. Wer rassistische und antidemokra- einige Ergebnisse der Studie. (Die ganze
dass rechtsradikale Haltungen in allen tische Einstellungen zu »randständigen« Studie unter http://library.fes.de/pdf-
Schichten und Milieus zu Hause sind. Phänomenen verharmlosen will, ver- files/do/07504.pdf).
kennt bundesdeutsche Wirklichkeit.
Die Mitte in der Krise Denn der Schaden ist weitaus größer. Keine Entwarnung in
Jede/r zehnte Befragte wünscht sich Niedersachsen
Rassismus, Chauvinismus, Ausländer- einen »Führer«, der Deutschland zum
feindlichkeit und Sozialdarwinismus Wohle aller mit »harter Hand regiert«. Und in Niedersachsen? Sigrid Leuschner,
machen nicht mehr Halt vor Kirchentü- Und gleich Viele halten eine »Diktatur« Landtagsabgeordnete und als Innenpoli-
ren, Gewerkschaftshäusern und den für die bessere Staatsform. 90% der tikerin ausgewiesene Expertin in Fragen
demokratischen Parteien. Wer glaubt, Befragten konnten keinen Sinn darin von Rechtsextremismus in Niedersach-
Bildung schütze vor Einstellungen wie erkennen, sich politisch zu engagieren sen, gibt keine Entwarnung. Nichts ist
»Volksgemeinschaft ist Schicksalsge- oder haben das Gefühl, keinen Einfluss besser in Niedersachsen, und die Landes-
meinschaft« oder der Unterscheidung auf die Regierung nehmen zu können. regierung schaut tatenlos zu. Das ist ein
von »wertvollem und unwertem Leben«, Soviel Abkehr von Demokratie war noch politischer Skandal. Die SPD Niedersach-
der/die irrt gewaltig. Nicht nur Angehö- nie. Dieser Befund muss Demokraten sen hat eigens ein Forum »Gegen Rechts-
rige sogenannter bildungsferner Schich- und Demokratinnen in Deutschland und extremismus« eingerichtet. Die SPD Land-
ten gehen rechtsextremer Argumentati- Europa in absolute Alarmbereitschaft tagsfraktion nimmt die Ergebnisse dieser
on auf den Leim. Leider holen auch die versetzen. Studie zum Anlass weiterer Initiativen. ■

ANGEBOT DES LANDESVERBANDES


ZUR KOMMUNALWAHL
Der Kommunalkongress II hat gezeigt, dass die
SPD in ganz Niedersachsen bereit ist, um die
Mehrheiten in den Parlamenten vor Ort zu kämp-
fen. Als unterstützendes Angebot hat der Lan-
desverband ein so genanntes Web-to-Print-
Angebot für niedersächsische SPD-Gliederungen
sowie SPD-Kandidatinnen und Kandidaten zur Michael Rüter,
Kommunalwahl 2011 aufgelegt. Landesgeschäftsführer der
Unter www.shop.spdnds.de können individu- SPD-Niedersachsen
elle Drucksachen im verbindlichen Corporate
Design (CD) der SPD in Niedersachsen erstellt und
für den eigenen Wahlkampf verwendet werden. Ab
Mitte November werden sämtliche Angebote im
Wahlkampf-Shop zur Verfügung stehen. Also:
anmelden, wahlkämpfen und gewinnen! ■ mr
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MACHTERHALT AUF KOSTEN


DER DEMOKRATIE
Von Matthias Stoffregen

Ein Blick in aktuelle Umfragen zur politi- derartige Vorschläge auf massive Kritik sto- reich einzureichen. »Die Änderungen der
schen Stimmung in Deutschland macht ßen würden, war den Regierungsfraktio- Wahlbereiche begünstigen natürlich auch
deutlich, dass CDU und FDP in den Ländern nen offenbar schon vorher klar. Sie verein- die Wahlchancen der FDP «, erklärte Bach-
Klaus Peter Bachmann, MdL, und im Bund schweren Zeiten entgegenge- barten deshalb, auf mündliche Anhörun- mann den Gästen der SPD-Veranstaltung.
Braunschweig, hen. Aus Angst vor Wahlniederlagen greift gen der kommunalen Spitzenverbände Der Verein »Mehr Demokratie e.V.« hat
innenpolitischer Sprecher der das schwarz-gelbe Lager jetzt in Nieders- und der kommunalen Unternehmen zu die Abschaffung der Stichwahlen ebenfalls
SPD-Fraktion im Niedersäch- achsen auf demokratisch fragwürdige Mit- verzichten, verlagerten die ersten Beratun- unter die Lupe genommen und untermau-
sischen Landtag tel zum Machterhalt zurück: Im Schweins- gen in den Innenausschuss (zunächst ert Bachmanns Befürchtungen mit Zahlen:
galopp ändern sie Kommunalverfassungs- geplant in nichtöffentlicher Sitzung!) und In 26 von 82 Stichwahlen konnte sich im
recht und Wahlrecht zu ihren Gunsten, wollten bereits im November den verän- Jahr 2006 der beim ersten Wahlgang Zweit-
denn 2011 wird in den niedersächsischen derten Gesetzentwurf mit den Änderun- platzierte durchsetzen. In über 65 Prozent
Kommunen gewählt. gen im Kommunalwahlrecht im Landtag dieser 26 Stichwahlen erhielten die Gewähl-
ten eine größere Zustimmung als der Erst-
platzierte beim ersten Wahlgang. Von den
26 »betroffenen« Kandidaten gehörten elf
der SPD und vier der CDU an. »Die Zahlen
belegen, dass vor allem die CDU mit der
Abschaffung der Stichwahl künftige SPD-
Bürgermeister verhindern will«, kommen-
tierte Bachmann.
In einer Stellungnahme kommt der Ver-
ein »Mehr Demokratie e.V.« zu dem Schluss,
dass »zukünftig Bürgermeister und Landrä-
te ins Amt kommen, die nicht von der Mehr-
Großes Interesse: Viele heit der Wahlberechtigen getragen werden
Zuhörer bei der Info-Veran- und dass den Wählern Partizipationschan-
staltung in Braunschweig. cen genommen werden, da sie nicht alle
Foto: SPD-Bezirk Braunschweig ihre Präferenzen zum Ausdruck bringen
können bzw. sie an der Wahlentscheidung
Die skandalöse Geschichte von Machtgier verabschieden.DieKommunalverfassungs- gehindert werden.« Der Verein möchte jetzt
und Bürgerentmündigung begann relativ änderungen sollen dann im Dezember fol- mit einer landesweiten Unterschriftenakti-
harmlos im Juni diesen Jahres. Der damali- gen. on im Internet Druck auf die Landesregie-
ge Ministerpräsident Christian Wulff legte Die SPD-Opposition im Niedersächsi- rung mit dem Ziel ausüben, um die Abschaf-
einen von der Landesregierung beschlosse- schen Landtag wird die Vorhaben von CDU fung der Stichwahlen noch zu verhindern.
nen Gesetzentwurf »zur Zusammenfas- und FDP zwar nicht verhindern können, Auf kräftige Gegenwehr aller Kommu-
sung und Modernisierung des niedersäch- aber sie hat sich vorgenommen, Bürger und nen im Land setzt Klaus-Peter Bachmann
sischen Kommunalverfassungsrechts« für Kommunen über die massiven Folgen der bei der von CDU und FDP geplanten Ein-
die Beratungen im Landtag vor. Neben einer Vorhaben im Rahmen von fünf Regional- schränkung der wirtschaftlichen Betäti-
zaghaften Stärkung von Ehrenämtern sah konferenzen zu informieren. Eine dieser gung der Kommunen. Die Einschränkun-
dieser Entwurf unter anderem vor, die Nie- Konferenzen fand im SPD-Bezirk Braun- gen könnten bewirken, dass Städte und
dersächsische Gemeindeordnung (NGO) in schweig statt. Über 60 Gäste, darunter viele Gemeinden ihre Beteiligungen an Ver-
der neuen Kommunalverfassung aufgehen kommunale Mandatsträger aus der Region, kehrsbetrieben, Krankenhäusern, Energie-
zu lassen und Begrifflichkeiten in den Regel- ließen sich von Klaus-Peter Bachmann die versorgern oder Müllentsorgern privaten
werken anzugleichen. Änderungen erläutern. »Die Abschaffung Unternehmen überlassen müssten. »Wer
»Mit dem Entwurf hatte selbst die der Stichwahl und die Erweiterung der in Zeiten, in denen die kommunale Hand-
Opposition kaum Probleme«, erinnert sich Wahlbereiche sind deutliche Zeichen eines lungsfähigkeit ohnehin massiv bedroht ist,
Klaus-Peter Bachmann, innenpolitischer politischen Kuhhandels zwischen CDU und Städten, Kreisen und Gemeinden auch noch
Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Es sei FDP«, kritisierte Bachmann. jede Möglichkeit zum Wirtschaften versagt,
zwar mehr als fragwürdig, warum man die Der Verzicht auf die Stichwahl bedeute, betreibt eine kommunalfeindliche Politik«,
gewachsenen eigenständigen Kommunal- so der Landtagsabgeordnete weiter, dass findet Bachmann.
verfassungsgesetze, wie die NGO, »neutra- zukünftig ein Bürgermeister mit einer Der Braunschweiger Landtagsabgeord-
lisieren« muss. Aber grundsätzlich hätte unterhalb der absoluten Mehrheit liegen- nete unterstütz die Unterschriftenaktion
man sich sicher verständigen können. Ende den Stimmenzahl gewählt werden könne. von »Mehr Demokratie e.V«. Er rief die Gäste
September ließen jedoch CDU und FDP im Von einer breiten demokratischen Legiti- beiderAbendveranstaltungdesSPD-Bezirks
Landtag die Katze aus dem Sack: Sie haben mation könne dann keine Rede mehr sein. dazu auf, für die Aktion zu werben. Außer-
sich darauf geeinigt, Stichwahlen abzu- Die größeren Wahlbereiche führten wie- dem versprach Bachmann den Anwesen-
schaffen und die einzelnen Wahlbereiche derum dazu, dass es extremistische Partei- den, dass eine SPD-geführte Landesregie-
erheblich zu vergrößern. Ferner wollen sie en, die in der Fläche nicht verankert sind, rung nach der Landtagswahl 2013 die
die Möglichkeiten wirtschaftlicher Betäti- Dank CDU und FDP nun deutlich einfacher schwarz-gelben Beschlüsse wieder kassie-
gungen für Kommunen einschränken. Dass hätten, eine gültige Liste für einen Wahlbe- ren wird. ■
11/2010 vorwärts NIEDERSACHSEN V

EINE LANZE FÜR


DIE KOMMUNALPOLITIK
Sigmar Gabriel unterstützt den parteilosen SPD-Landratskandidaten Jörg Farr

Von Michael Meißner »


Die SPD muss und
Im bis auf den letzten Platz besetzten
wird die Städte
Großen Rathaussaal in Bückeburg
und Gemeinden
haben über 400 Besucher einer öffentli-
finanziell so aus-
chen Veranstaltung der SPD Schaum-
statten, dass sie
ihre Aufgaben er-
burg dem SPD-Bundesvorsitzenden Sig-
mar Gabriel und dem parteilosen SPD-
füllten können. «
Sigmar Gabriel
Landratskandidaten Jörg Farr einen
stürmischen Empfang bereitet. »Ich
möchte die Bürgerinnen mit Qualifika-
tion und Erfahrung überzeugen und
nicht mit Marketingspielchen und Ide-
enskizzen«, sagte Farr. Er kündigte an, Sigmar Gabriel (l.) unter-
»um jeden Arbeitsplatz im Landkreis stützte den Landratskandida-
kämpfen zu wollen, auch um den Preis ten der SPD Schaumburg,
einer Kreditaufnahme«. Jörg Farr, im Wahlkampf.
Sigmar Gabriel brach eine Lanze für Foto: Michael Meißner
die Kommunalpolitiker. »Ihr seid am
dichtesten am Bürger dran, macht alles
ehrenamtlich, und zwar aus Liebe zur
Heimat«. Er forderte alle auf, »aus Respekt FARR IST
dem Ehrenamt gegenüber, an Landrats- und Gemeinden 2,8 Milliarden Euro 70.000 Jugendlichen so zu fördern, dass LANDRAT
und Kommunalwahlen« teilzunehmen. kostet. sie vom Handwerk schließlich eingestellt Am 31. Oktober um 19.25
Die SPD muss nach den Worten von Sig- »Lernmittelfreiheit, Laptop und ein werden können. Gabriel stimmt Jörg Farr Uhr war alles klar: Mit

X
mar Gabriel die Partei sein, die dafür warmes Mittagessen für die Schulkinder zu, dass Arbeitgeber, die Aufträge haben 60,4 Prozent der abgebe-
sorgt, dass die Städte und Gemeinden sind besser als alle paar Jahre 10 oder 20 wollen, Tariflöhne und Sozialabgaben nen Stimmen ist Jörg Farr
finanziell so ausgestattet werden, dass Euro mehr für die Familien«, sagte Gabriel zahlen müssen. »Die SPD wird sich darum zum Landrat des Kreises
sie ihre Aufgaben erfüllen können. Die unter dem Beifall der Zuhörer. 70.000 kümmern, dass die anständigen Betriebe Schaumburg gewählt
Bundesregierung mache das Gegenteil. Jugendliche würden jedes Jahr die Schule geschützt werden und Recht und Ord- worden. Der Niedersach-
CDU und FDP hätten die Mehrwertsteu- ohne Schul- oder Berufsschulabschluss nung auf dem deutschen Arbeitsmarkt sen-vorwärts gratuliert.
er für Hoteliers gesenkt, was den Städten verlassen. Für die SPD habe Vorrang, diese herrschen«, versprach Gabriel. ■

11 AM 11.11. UM 11.11 UHR CASTOR-CAMP 2010


BEZIRKSKONFERENZ Vergesst Eiswetten, Grünkohlkönigs- Ab dem 05.11.2010 startet der Castor-Transport seine Reise von der französi-
DER AG 60+ WESER-EMS mahle oder anderweitig zweifelhafte schen Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague in das niedersächsische Gor-
Die Bezirkskonferenz der Arbeits- Veranstaltungen; die einzig wahre Wür- leben. Dies nimmt der SPD-Unterbezirk Lüchow-Dannenberg zum Anlass,
gemeinschaft 60plus im Bezirks digung der bedeutendsten norddeut- um neben der traditionellen Auftaktdemo zahlreiche Aktionen, Blockaden
Weser-Ems findet turnusgemäß am schen Kulturpflanze findet am 11.11.2010 und Veranstaltungen durchzuführen. Neben diesen Initiativen stellt das
15. November 2010 in Oldenburg um 11.11 Uhr in Gifhorn statt. Das liegt Castor-Camp der SPD den Mittelpunkt der Kampagne »Castor-Camp 2010«
statt. Neben der Neuwahl des Vor- mitten im Braunkohl-Korridor, wo Ken- dar. Es befindet sich auf einer riesigen Fläche des Landkreises Lüchow-Dan-
stands, der bisherige Vorsitzende nern zufolge die besten Variationen des nenberg an der Nordstrecke des Straßentransports. Abgesehen von einem
Dieter Sündermann kandidiert für regionalen Spitzengerichts aufgetischt Verpflegungs- und Übernachtungsstützpunkt bietet es einen Dialog- und
eine weitere zweijährige Periode, werden. Ausgerichtet wird das Gifhorner Informationspunkt der SPD sowie Guides mit Ortskenntnissen und Erfah-
steht ein umfangreiches Antragspa- Braunkohl-Spektakel von der AG 60plus rungen im Umgang mit Polizeieinsätzen. Viele Abgeordnete der Landtage
ket auf der Tagesordnung. Als Haupt- aus 11 SPD-Ortsvereinen im Umkreis von und des Bundestages werden hier für Gespräche zur Verfügung stehen und
referent konnte die AG 60plus den Gifhorn. In diesem Jahr zu Gast ist der selber die Protest- und Blockadeaktionen begleiten. Ein weiteres Highlight
SPD-Landesvorsitzenden Olaf Lies schleswig-holsteinische SPD-Landesvor- sind die SPD-Fleece Mützen, Banner und Fahnen, die es den TeilnehmerInnen
gewinnen, der sich mit dem Thema sitzende Ralf Stegner. Dem Vernehmen des Camps ermöglichen, als ein geschlossenes, starkes Kollektiv aufzutreten.
»Alt werden können in einem nach wird er auch aus den Niederungen Gemeinsam werden sie als die »Rotkäppchen« die Präsens der Partei bei allen
zukunftsorientiertem Niedersach- der Tagespolitik berichten. Der Gifhorner Aktionen enorm steigern. Auch Kurzentschlossene können noch in das Camp
sen« auseinandersetzen wird. Braunkohlschmaus findet am 11.11.2010 kommen, die Proteste werden sich bis Montag, 8. 11. 2010, hinziehen.
um 11.11 Uhr im Bürgerschützensaal in MEHR INFORMATIONEN:
Die Bezirkskonferenz findet statt am Gifhorn am Schützenplatz 3 statt und im Internet: www.gorleben-soll-leben.de
15.November 2010, um 10.00 Uhr kostet elf Euro. bei Facebook: Rotkäppchen gegen Castor
im Hotel »Zum Lindenhof« in ANMELDUNGEN sind noch bis zum 7.11.2010 bei Twitter: X_Rotkaeppchen
Bloherfelder Straße 210, Oldenburg, (täglich ab 18.00 Uhr) möglich bei oder SPD Uelzen/Lüchow-Dannenberg
H.A. Müller unter 05376/7654. Lüneburger Straße 42, 29525 Uelzen, Telefon 0581/5281
VI NIEDERSACHSEN 11/2010 vorwärts

FÜR EINE NEUAUSRICHTUNG


EUROPÄISCHER INDUSTRIEPOLITIK
Von Bernd Lange

Spätestens die Finanz- und Wirtschafts- dass sich Stabilität, Wettbewerbsfähig- chen zu verankern. Ideen und Kompe-
krise verlangt eine Rückbesinnung auf keit und damit Arbeitsplätze in der euro- tenzen der Beschäftigten müssen bei der
die Industrie in Europa. 75% des Exports päischen Industrie entwickeln. Erneuerung der Industrie mehr genutzt
Bernd Lange, MdEP aus der EU und 25% der Wertschöpfung Die Arbeitsproduktivität hat sich in werden, deshalb sollte eine möglichst
Foto:Anette Gilke kommen aus der Industrie und fast ein den letzten Jahrzehnten wesentlich große Beteiligung stattfinden, die über
Drittel aller Arbeitsplätze, mit denen schneller entwickelt als die Produktivität die EU-Mindestregelungen hinausge-
etwa 57 Millionen Menschen ihren der Ressourcen (Roh,- Hilfs-, und Betriebs- hen.
Lebensunterhalt verdienen, sind in der stoffe und Material). In der Industrie Gerade für das Industrieland Nieder-
Industrie angesiedelt. Die konservativ- machen die Arbeitskosten etwa 20% und sachsen mit starker Mobilitäts- und
liberale Mehrheit in der EU hat die Indu- die Kosten für Ressourcen 40% aus. Eine Ernährungswirtschaft, Chemie-, Werft-
striepolitik in den letzten Jahren sträflich deutliche Steigerung der Ressourceneffi- und Stahlindustrie aber auch wachsen-
vernachlässigt. Der Fokus der Politik lag zienz durch Anreizsysteme, durch Vorga- der Industrie im Bereich der erneuerba-
einseitig auf der Selbstregulierung der ben und durch Verbreitung von guten ren Energien ist, eine sinnvolle und ver-
Märkte, auf Finanz- und Dienstleistungs- Praxisbeispielen verbessert die Nachhal- lässliche EU-Industriepolitik elementar.
tigkeit und stärkt die Position der euro- Die Sozialdemokraten im EP sind hier der
päischen Industrie. Ihre Leistungsfähig- Motor.
keit im globalen Wettbewerb kann nur Das Europäische Parlament stimmt
durch neue Technologien und Lösungen, Anfang 2011 über den Bericht ab, der zu
eine gut organisierte Lieferkette, verbes- finden ist unter www.bernd-lange.de. ■
serte Effizienz, qualifizierte und kreative
ArbeitnehmerInnen sowie gute Logistik
VERANSTALTUNGSHINWEIS
und Infrastruktur bewahrt werden. Ein-
deutige Lohnkürzungen und pauschale
Ausgabensenkungen sind nicht der rich-
KLIMASCHUTZ UND
tige Weg. Zentral in der Industriepolitik ARBEITSPLÄTZE
ist daher u.a. die europaweite Förderung
von Innovationen, was sowohl Produkte
aber auch Dienstleistungen, Prozesse
und Organisation umfasst und die die
gesamte Prozess- und Wertschöpfungs-
kette mit in den Blick nimmt. Also z.B.
nicht nur das saubere Auto, sondern von
der Entwicklung, über die Zulieferer, die
Nutzung im intelligenten Verkehrssy- Sichert der Handel mit Emissions-
stem bis hin zum Recycling. Die Stärkung rechten Arbeitsplätze in der Indu-
von Leitmärkten wie der Umweltindu- strie? Was ist technisch möglich? Was
strie (ca. 3,5 Mio. Beschäftigte und bis zu bedeutet das für die Entwicklung
Industrie und Umweltschutz 50 % weltweiter Marktanteil) oder der Erneuerbarer Energien? Welches sind
müssen ineinander greifen bereichen, eine Deindustriealisierung Mobilitätswirtschaft sowie Antworten die Instrumente der Zukunft?
Foto:Katrin Reich wurde in Kauf genommen. auf globale Herausforderungen durch Der Europaabgeordnete Bernd Lange
Damit wir auch zukünftig qualifizier- Klimawandel, demographische Verän- und der SPD-UB Salzgitter laden ein
te Arbeitsplätze und eine nachhaltige derungen oder wachsende Städte müs- zu Information und Diskussion mit
Produktion mit industrieller Wertschöp- sen angepackt werden. Sinnvolle regio- den Experten: Bernd Lange, MdEP
fung in der EU erhalten, muss die EU nale Strukturen können zudem ein wich- (Einführung), Dr. Matthias Miersch
zügig eine Politik für eine nachhaltige, tiger Beitrag zu Stärkung der Industrie in (MdB), Umweltpolitischer Sprecher
ökoeffiziente, wissensbasierte und glo- Europa sein. Cluster, Innovationszusam- der SPD-Bundestagsfraktion; Dr-Ing.
bal wettbewerbsfähige Erneuerung der menhänge und Vernetzungen (Betriebe, Jens Traupe, Leiter Umweltschutz-
industriellen Basis auf den Weg bringen. Universitäten und Forschungszentren) und Energiepolitik der Salzgitter AG;
Jetzt gibt es erste Ansätze eines Umsteu- sind wesentlich für Investitionsentschei- Dietmar Schütz, Präsident des Bun-
erns. Das Europäische Parlament ent- dungen und Technologietransfer. Des- desverbands Erneuerbarer Energien
Impressum wickelt eine industriepolitische Strate- wegen sollten innovative Cluster und e.V.; Moderation: Dr. Michael Ahlers,
Herausgeber: gie und hat mich zum Berichterstatter regionale Netzwerkstrukturen wie Braunschweiger Zeitung. Die Veran-
SPD Niedersachsen
ernannt. Die EU-Kommission wird nun Metropolregionen weiter gefördert wer- staltung ist öffentlich & kostenlos.
Verantwortlich: Michael Rüter
Redaktion: Lothar Pollähne, auch endlich im Rahmen der EU 2020 den Donnerstag, 18.11.2010, 19.00 Uhr,
Sebastian Schumacher Strategie mit einer Mitteilung zur Indu- Der Erfolg einer neuen nachhaltigen Gewerkschaftshaus Salzgitter;
Anschrift: Odeonstraße 15/16, striepolitik aktiv. Industriepolitik hängt davon ab, dass INFOS unter: www.bernd-lange.de
30159 Hannover Und in der Tat, wir brauchen klare insbesondere die ArbeitnehmerInnen ANMELDUNG erbeten unter:
E-Mail: lopo.vorwaerts@gmx.de
Zielvorstellungen für die europäische und ihre Gewerkschaften eingebunden mail@bernd-lange.de oder
Layout & Satz: Anette Gilke
mail@AnetteGilke.de Industrie in 2020 mit Orientierungen z.B. werden. Die EU ist aufgefordert, ein kla- telefonisch: 0511/1674-210
für Energie- und Ressourceneffizienz, so res Partnerschaftsprinzip in allen Berei-
11/2010 vorwärts NIEDERSACHSEN VII

vo r wä r t s KU LTU RG UT

IN DIE SPD HINEINGEBOREN


Das Motto stammt von Willy Brandt. dungsmitgliedern des SPD-Ortsvereins
»Politik hat nur einen Sinn, wenn sie dem Lebenstedt. Dass er die Partei in Salzgit-
Menschen und dem Frieden dient«. Das ter jahrzehntelang prägen soll, ahnt er
Grußwort hat Sigmar Gabriel verfasst, mit 17 Jahren nicht. Gert Metell hätte
der dem Buch das Prädikat »absolut eigentlich Bundestagsabgeordneter
lesenswert« verpasst hat. Über den Autor werden müssen, zumindest aber Land-
Gert Metell schreibt der Bundestagsab- tagsabgeordneter, aber er ist mit vollem
geordnete für Salzgitter, Wolfenbüttel Herzen Kommunalpolitiker, einer, der
und den Vorharz: »So oder so gilt aber – über Jahrzehnte als »Kraftzentrum« der
ein ›guter Sozialdemokrat‹ ist aus dem SPD in der Hüttenstadt angesehen wird.
Salzgitteraner Urgestein in jedem Fall Noch heute, mit über 80 Jahren, ist Gert
geworden«. Wie man das wird, beschreibt Metell für viele Menschen seiner Hei-
Gert Metell in seinen Erinnerungen an matstadt ein gefragter Gesprächpartner,
die Kindheitsjahre in Hildesheim und einer, der über die Grenzen der SPD hin-
den Großvater Wilhelm Witte: »Wenn aus anregend wirkt. Seine Erinnerungen
Du ein guter Sozialdemokrat werden »Leben in und für Salzgitter« sind ein
willst, musst Du Dir den Berg von unten, kraftvolles Beispiel für sozialdemokrati-
die Kneipe von innen und die Kirche von sches Auf und Ab. Gert Metells präzises
außen an sehen«. Gert Metell ist, wie er Erinnerungsvermögen und sein humor-
auf Fragen nach dem Grund für seine voller Stil, der selbst trockene Themen
Parteimitgliedschaft gefragt häufig nicht langweilig werden lässt, rechtferti- Gert Metell,
geantwortet hat, »in die SPD hineingebo- gen Sigmar Gabriels Urteil: »Pflichtlek- Leben in und für Salzgitter, 2010,
ren«. Mit seinem Vater August Metell türe für jeden, der wissen will, wie Par- 270 S., 15.00 Euro
gehört er am 5. Mai 1945 zu den Grün- teiarbeit vor Ort funktioniert«.. ■ lopo
VIII NIEDERSACHSEN 11/2010 vorwärts

VORWÄRTS
RÄTSEL »PRELLBOCK POLITISCHER
FEHLENTSCHEIDUNGEN«
vorwärts-Redakteur Sebastian Schumacher besuchte den stellvertretenden Vorsitzen- deren Aufmärsche zu schützen – falls sie
den der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Niedersachsen, Dietmar Schilff, und sprach mit nicht gerichtlich untersagt werden. So bit-
ihm über mangelnden Respekt gegenüber Polizisten, schlechte Arbeitsbedingungen und ter das auch ist. Viele Kollegen stecken sich
Ihr erstes großes Werk ist nicht die Bekämpfung der Ursachen von Gewalt. Die GdP ist die größte Polizeigewerkschaft. dann Stöpsel in die Ohren, um die unsägli-
wegweisend für ihre schrift- vorwärts: Polizistinnen und Polizisten Sicherheitsabbau auf den Gewässern. chen Parolen der Nazis nicht hören zu müs-
stellerische Laufbahn, bringt sowie die GdP äußern vermehrt Unmut Außerdem hat die Landesregierung die sen. Oder wenn die Bundesregierung
dem Fräulein Reiling 1924 über ihre derzeitige Situation, die Lan- dringend notwendige Verjüngung in der durch die Verlängerung der AKW-Laufzei-
jedoch den Doktortitel in desregierung schwingt weiter den Rot- Fläche behindert, da 100 Nachwuchskräfte ten einen Großkonflikt schürt oder mit
Kunstgeschichte ein. Im selben stift. Welche Einschnitte kommen auf zum 01.10.2010 weniger eingestellt wur- harten Maßnahmen die soziale Spaltung
Jahr veröffentlicht sie in der die Polizisten in Niedersachsen zu? den. Das Durchschnittsalter bei der Polizei vorantreibt, bekommen das die Polizisten
Frankfurter Zeitung ihre erste Dietmar Schilff: Seit 2003 haben sich die beträgt schon jetzt ca. 48 Jahre. direkt zu spüren. Mit dem sogenannten
Erzählung und legt sich ein Arbeitsbedingungen und die Bezahlung vorwärts: Die GdP bemängelt eine Ver- Atom-Deal und der Androhung von Ent-
Pseudonym zu, das sie mit für Polizistinnen und Polizisten erheblich schlechterung der Aufstiegschancen eignungen hat die Bundesregierung den
leichter Abwandlung ihr Leben verschlechtert: Streichung von Urlaubs- für Polizistinnen und Polizisten in Nie- Widerstand gegen ihre eigene Politik
lang benutzen wird. Lange Zeit und Weihnachtsgeld, Verlängerung der dersachsen. Was hat es damit auf sich? gestärkt. Als Polizist merkst du direkt,
wird sie für einen männlichen Lebensarbeitszeit, weitere Einsparungen, Schilff: Die GdP ist der Überzeugung, dass wenn die Menschen unzufrieden sind.
Autor gehalten, selbst als sie die schwierige und komplexe polizeiliche Diese Unzufriedenheit entlädt sich leider
1928 für ihren Debütroman Arbeit eine Bezahlung nach A 11 nach ange- immer häufiger durch Gewalt gegen Poli-
den Kleistpreis erhält, wollen messener Zeit auf allen Dienstposten zisten, die als Symbol des Staates gesehen
manche Kritiker nicht glauben, rechtfertigt. Gegen große Widerstände werden.
dass Frau Radvanyi, wie sie und trotz Kompromissangeboten durch vorwärts: Es wird ein Anstieg der
mittlerweile heißt, diesen ver- die GdP hat der Innenminister das »Dienst- Gewalt, auch gegen Polizisten, beobach-
fasst hätte. Aus der Überzeu- postenfestschreibungskonzept« durchge- tet. Die Bundesregierung hat die Höchst-
gung heraus, dass das Künstle- drückt. Die Auffassung von nahezu allen strafe bei Widerstand um 1 Jahr angeho-
rische und das Politische Personalvertretungen, die das neue Kon- ben. Ein richtiger Weg, um Gewalt ein-
zusammengehören, tritt die zept ablehnen, hat den Innenminister zudämmen?
Mainzer Bürgerstochter 1924 nicht interessiert. Gerade für diejenigen, Schilff: Die GdP dringt auf Folgendes: Ursa-
der KPD bei und wird Mitglied die als sehr gut geschulte Sachbearbeiter chen bekämpfen! Soziale Verwerfungen,
des Bundes proletarisch-revo- im ermittelnden Bereich und im Einsatz- die in einer höheren Gewaltbereitschaft
lutionärer Schriftsteller. Nach- und Streifendienst tätig sind, rückt die münden, müssen eingedämmt werden.
dem auch ihre Bücher im Mai Möglichkeit, eine Beförderung nach A 11 zu Dazu gehört eine bessere Bildungspolitik
1933 verbrannt werden, flieht erlangen, in noch weitere Ferne als derzeit. – vor allem längeres gemeinsames Ler-
sie mit Mann und Kindern über Aber auch die Zeit bis zur ersten Leistungs- nen–, dazu gehören Maßnahmen gegen
die Schweiz nach Paris. Dort Dietmar Schilff Foto: Sebastian Schumacher beförderung von A 9 nach A 10 ist viel zu Gettoisierungen, abgestimmte Integrati-
beginnt sie 1937 mit der Nie- hoch. In der freien Wirtschaft wird gute onsmaßnahmen und größere Investitio-
derschrift ihres berühmtesten mehrere Umorganisationen und höhere Arbeit belohnt, bei uns hat man den Ein- nen in der Kinder- und Jugendpolitik. Das
Romans, der allerdings erst Belastungen. Die Überstundenkonten druck, dass gute Leistung nichts zählt. Das sind staatliche Aufgaben, wenn diese wie-
1942 im Exilverlag »El libro lib- platzen aus allen Nähten. Wir sind zu alt Konzept sieht außerdem vor, dass Lei- der besser erfüllt werden, dann verbessert
re« in deutscher Sprache und haben eine zu hohe Krankenquote tungstätigkeiten und besonders heraus- sich auch das Zusammenleben in unserer
erscheint. Zwei Jahre nach von ca. acht Prozent. Mit anderen Worten: gehobene Tätigkeiten stärker berücksich- Gesellschaft. Hierfür setzt sich die GdP ein,
Kriegsende zieht sie nach Die Stimmung innerhalb der Polizei ist tigt werden. Das ist in Ordnung, darf aber hierfür setzten sich viele Polizisten durch
Deutschland zurück. »Ich will katastrophal. Die Maßnahmen der Lan- nicht dazu führen, dass die anderen gänz- privates und ehrenamtliches Engagement
durch die Bücher, die hier ent- desregierung, u.a. das Kürzen bei Wasser- lich abgetrennt werden. Durch das neue ein. Wir fordern aber auch einen besonde-
stehen werden, verhindern schutzpolizei (WSP) und Hubschrauber- Konzept werden diejenigen negativ betrof- ren Schutz, denn Gewalttaten gegen Polizi-
helfen, dass die Fehler der Ver- staffel, sowie schlechtere Aufstiegschan- fen, die tagtäglich auf der Straße für die sten sind in den letzten Jahren um 60 Pro-
gangenheit jemals wiederholt cen für die Mehrheit der Polizisten, tragen Sicherheit der Bevölkerung sorgen. Wir zent angestiegen. Das Anheben der
werden«, erklärt sie bei ihrer nicht zu einer Verbesserung der Stim- bemängeln die geringe Wertschätzung Höchststrafe bei Widerstand reicht nicht
Ankunft Im geteilten Berlin. mungslage bei. der polizeilichen Arbeit durch den Innen- aus. Es hilft nur eine eigenständige Straf-
1948 wechselt sie die Seiten vorwärts: Finanzminister Möllring minister, die sich hier ausdrückt. norm bei Gewalt gegen Polizei und Ret-
und zieht nach Berlin Adlers- begründet die Kürzungen bei der WSP vorwärts: Castor-Transport, Demon- tungskräfte. Viele Gewaltdelikte sind halt
hof, wo sie bis zu ihrem Tod am damit, dass die Kollegen eh nur an der strationen wegen Stuttgart 21, Gewalt keine Widerstandshandlungen, sondern
1. Juni 1983 leben wird. Wer Schleuse sitzen und die Beine baumeln bei Fußballspielen – Der Einsatz von direkte physische und psychische Angriffe
war‘s? Zu gewinnen gibt es lassen… Polizisten vermittelt sich medial häufig gegen die Hoheitsträger. Für Gesellschaft
ihren Debütroman. ■ lopo Schilff: Die Aussagen von Möllring zeu- als Kampfeinsatz. und Politik sollte klar sein, dass diejenigen,
gen von absoluter Unkenntnis dieser spe- Schilff: Die Polizei wird immer mehr zum die auf Kosten ihrer Gesundheit und auch
Die Lösung bitte an den
ziellen polizeilichen Arbeit und von man- Prellbock politischer Fehlentscheidungen. mit ihrem Leben für ein sicheres Leben in
vorwärts, Odeonstr. 15/16,
gelndem Respekt gegenüber den Kollegin- Als Normalbürger sehen meine Kollegin- unserem Land sorgen, auch entsprechend
30159 Hannover
nen und Kollegen. Auch eine angespannte nen und Kollegen viele Entwicklungen kri- geschützt und gewürdigt werden.Und
Im Oktober-vorwärts war Haushaltslage darf nicht dazu führen, dass tisch und gehen selbst demonstrieren, z.B. zwar nicht nur in Sonntagsreden. Innere
John Lennon gesucht. Menschen als reine Kostenstellen betrach- gegen Nazis. Wenn es die Politik aber nicht Sicherheit darf es nicht nach Kassenlage
Gewonnen hat Nikolaus tet und deren Arbeit abgewertet wird. schafft, die NPD zu verbieten, dann ist die geben und gute Arbeit gibt es nicht zum
Joseph aus Wunstorf Fachlich ist die Maßnahme ein reiner Polizei rechtsstaatlich verpflichtet, auch Billigtarif.