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Die Stadt im späten Mittelalter


3. Handel, Handwerk, Marktgeschehen
Ein Film von Kurt Schneider
Beitrag: Christian Sepp, Simon Demmelhuber, Volker Eklkofer

Inhalt wird angesichts des vielfältigen Angebots mehr


und mehr durch die Bezahlung mit Geld ver-
Handwerker sorgen für drängt. Die Märkte sind auch ein wichtiger Treff-
wirtschaftliche Stabilität punkt, um Nachrichten auszutauschen. Nicht sel-
ten wird an Markttagen Recht gesprochen, man
Die selbstbewusste Einstellung des städtischen vollstreckt Urteile. Auch Bader und Schreiber
Handwerkers zu seiner Arbeit - er betrachtet sie bieten ihre Dienste an.
als Tugend, nicht mehr als Mühsal und Plage -
schafft eine Voraussetzung für das Aufblühen Der Fernhandel blüht
der mittelalterlichen Stadt. Die Arbeit sichert so-
zialen Aufstieg, Wohlstand und Ansehen. Das rasche
Wachstum der
Der Zusam- Städte fördert
menschluss in den Fernhan-
Handwerksge- del. Die Bürger
nossenschaf - können nicht
ten wiederum mehr allein
sorgt für den von der Über-
Erhalt des ein- schussproduk-
mal erworbe- ten der nähe-
nen Wohlstan- ren Umgebung
des. Die Zu- versorgt werden und stellen darüber hinaus hö-
lassung zum here Ansprüche an die Qualität der Waren. Fern-
Gewerbe, die Ausbildung, die Zahl der Lehrlinge, handelskaufleute schaffen mit Fuhrwerken oder
die Überwachung der Preise, der Menge und auf Schiffen Waren aus ganz Europa und dem
Qualität der Waren, all diese Dinge regelt die Orient heran. Reis, Zucker, und fremde Gewür-
Zunft und unterbindet damit den freien Wettbe- ze, Zinn und Kupfer, Waffen, Seide, Tuch und
werb. Pelze verkaufen sie mit Gewinn an reiche Bürger
oder Zwischenhändler.
Der Markt - Handelszentrum
und Nachrichtenbörse Kaufleute gründen Genossenschaften

Die Märkte in den Städten werden zu wichtigen Auch die Fernkaufleute schließen sich zu Genos-
Umschlagplätzen für handwerkliche Produkte. senschaften, in Norddeutschland zur so genann-
Der umständliche Tausch von Ware gegen Ware ten Hanse zusammen - vor allem, um an den

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Zielorten jeweils Schutz und Handelsrechte ge-


nießen zu können. Führende Stadt innerhalb der
Hanse ist Lübeck, deren Kaufleute den Ostsee-
handel beherrschen. Zur Steigerung ihrer Wirt-
schaftsmacht und zur Gewinnmaximierung bau-
en die Fernkaufleute eine moderne Handelsorga-
nisation auf. Die wichtigsten Kontore sind Brüg-
ge, London, Bergen und Nowgorod.

Fakten

Handwerkliche Produktion und


Berufsgruppen in der Quellenlage
spätmittelalterlichen Stadt
Die Quellen, die über die handwerklichen Berufe
Handwerkliche Produktion finden wir im Mittelal- Auskunft geben, sind spärlich, denn die schriftli-
ter bereits in den frühstädtischen Siedlungen. chen Zeugnisse der hochmittelalterlichen Stadt
Auch nachdem sich die Städte herausgebildet sagen weit mehr über die Kaufleute aus als über
hatten, war man weiterhin auf den Burgen, den die Handwerker. Dies ändert sich allmählich im
Pfalzen und im ländlich-dörflichen Bereich Spätmittelalter. Hinzu kommt, dass in der Stadt-
handwerklich tätig. In den Dörfern gab es ein mit geschichtsforschung lange Zeit das Interesse am
landwirtschaftlicher Tätigkeit verbundenes, auf Handel und den Kaufleuten überwog. Erst in
den eigenen Bedarf ausgerichtetes Hausgewer- jüngster Zeit hat sich die Mittelalterarchäologie
be, sowie ein Dorfgewerbe, das aber zumeist auf der gewerblichen städtischen Produktion zuge-
Müller und Schmied beschränkt war. Der Verkauf wandt und archäologische Zeugnisse für hand-
von überschüssigen Produkten über den Handel werkliche Tätigkeit in den Städten zusammenge-
bildete die Ausnahme. Kamen entsprechende stellt. Gerade für die Anfangsphase der hand-
Bodenschätze vor, so gab es aber auch auf dem werklichen Tätigkeit in der mittelalterlichen Stadt
Land Exportproduktion in der Form von Glashüt- ergänzt das archäologische Material das geringe
ten, Töpfereien, Eisengewinnung und -verarbei- Quellenmaterial. Für etliche Städte und Regio-
tung. Im Spätmittelalter organisierten die Städte nen ist es unsere einzige Quelle für diesen städ-
die Produktion von Halbfertigwaren auf dem Lan- tischen Wirtschaftszweig.
de. Die Produkte wurden in der Stadt veredelt
und über den dortigen Markt abgesetzt. Durch diese archäologischen Befunde konnten
folgende Handwerkszweige in den Städten um
Bestimmte Handwerke waren in jeder voll ausge- 1200 nachgewiesen werden:
bildeten mittelalterlichen Stadt vertreten, auch in • Keramik- und Ziegelherstellung
Kleinstädten. Dies betraf v. a. die Nahrungsge- • Verarbeitung von Leder, Häuten und Pelzen
werbe der Bäcker und Fleischer, mit Abständen • Bein- und Holzverarbeitung
folgten Weber, Schuhmacher und Schneider, die • Glasherstellung und -verarbeitung
weitere Grundbedürfnisse des Städters befriedig- • Bernsteinbearbeitung
ten. Besonders in den mittleren und größeren • Salzgewinnung
Städten setzte auch bei diesen Grundgewerben
• Chemie und Pharmazie
eine Spezialisierung ein. Sie hing ab von Nach-
• Nahrungs- und Genussmittel
frage und Absatzmöglichkeit und war durch fi-
nanzielle und ökonomische Bedingungen von • Textilherstellung
Stadt zu Stadt verschieden. Ein Beispiel ist die • Seilerei
Unterscheidung zwischen Weiß- und Semmelbä- • Holzbearbeitung
ckern und Roggenbäckern, so 1279 in Würzburg • Schiffbau
belegt. Neben den reichen Schuhmachern, die • Flößerei
neue Schuhe herstellten, gab es aber auch die • Buchbinderei
so genannten Altflicker, Schuster im heutigen • Metallverarbeitung (Eisen, Edelmetalle, Kup-
Sinne. In den meisten mittleren und in den weni- fer, Blei und Zink)
gen größeren Städten existierte eine breite Pa- • Glockengießerei
lette von 60 bis 100 verschiedenen handwerk- • Bauhandwerk mit Steinmetzen, Dachde-
lichen Berufen. ckern, Glasern und Kalkverbrennern

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Stadtkernausgrabungen dokumentieren durch Auf dem Textilsektor nahm die Wollweberei die
Fundgut, das besonders in ehemaligen Fäkalien- führende Position ein, es folgten das Seidenge-
gruben und Abfallschächten ans Tageslicht kam, werbe mit Weberei, Färberei und Stickerei, die
die zahlreichen aus Holz hergestellten Ge- Herstellung von Tirtey (einem Mischgewebe aus
brauchsgegenstände, ferner das Lederhandwerk, Leinen und minderwertiger Wolle), Barchent, Lei-
die Keramikherstellung, sowie vielfältige Produk- nen und Garn, ferner die textilen Hilfsgewerbe
te aus Knochen und Mark. Als Beispiel sei hier Walkerei und Färberei, in Köln vor allem die
die Ausgrabung einer hochmittelalterlichen Kno- Blaufärberei mit Waid und später Indigo.
chenschnitzerwerkstatt in Erfurt genannt, wo
man im Laufe der Grabungen auf Funde von Noch stärker differenziert war das Kölner Edel-,
Spielwürfeln, Tausende von Knochensplittern, Eisen- und Buntmetallgewerbe. Allein 43 ver-
Würfelstäbe, Knochenrohlinge und gespaltene schiedene Zweige im Schmiedebereich sind
Röhrenknochen gestoßen ist. überliefert, so gab es extra Grob-, Huf-, Nagel-,
Scheren-, Hauben-, Beil-, Messer-, Kessel- und
Aber es gibt auch Handwerke, die aus schriftli- Pfannenschmiede. In dieser Branche arbeiteten
chen, bildlichen und anderen Quellen bekannt weiterhin die Glocken- und Kannengießer, die
sind, da man sie archäologisch nicht nachweisen Kupferschläger, Nadel-, Sporen- und Speerma-
kann. Dazu gehören beispielsweise die Schnei- cher, die Schwertfeger (für die Feinarbeit an roh
der, Färber, Pergamenthersteller, Brauer, Bader, geschmiedeten Schwertern) und die Harnisch-
Kerzenmacher, Korbmacher, Müller, Tuch- und macher. Leder- und Pelzverarbeitung teilten sich
Seidenmacher sowie die Spiegelmacher. Oder in Loh- und Weißgerber, Schuhmacher und
die Handwerker sind uns durch die hergestellten Schuhflicker, Riemenschneider, Sattler, Beutel-
Produkte überliefert, wie die Waffenhersteller. und Taschen-, Gürtel- und Handschuhmacher
sowie Kürschner.
Schriftliche Aufzeichnungen über die Existenz
städtischer Handwerker finden sich z.B. in den Eine Folge dieser Spezialisierung des Hand-
ältesten Stadtrechten von Straßburg und Trier werks war eine Erhöhung der Produktion. Der
aus dem 12. Jahrhundert. größere Warenausstoß wurde nun nicht mehr al-
lein von den produzierenden Handwerkern selbst
abgesetzt, sondern von Kaufleuten. Die Speziali-
Spezialisierung im Handwerk sierung und das durch die Nachfrage bewirkte In-
teresse des Handels an so genanntem "Kauf-
Besonders in der Metallverarbeitung kann man mannsgut", d.h. an Qualitätsware, garantierten
im Mittelalter eine sehr hohe Spezialisierung be- die Güte der handwerklichen Erzeugnisse.
obachten. Schmiede, Schlosser, Klempner, Na-
delmacher, Drahtzieher, Harnischmacher, Gie- Diese Faktoren förderten und bedingten die An-
ßer und Kesselmacher stellten eine breite Pro- wendung verbesserter und neuer Produktionsin-
duktpalette her, die von Messingschalen, Mes- strumente. Beispiele sind:
sern und Stecknadeln über Zangen und Ringe
• Der horizontale Trittwebstuhl, der die Produk-
bis hin zu Glocken und vielem mehr reichte.
tion steigerte, da an ihm mit Händen und Fü-
ßen gearbeitet werden konnte - er ist seit
Hoch spezialisiert zeigte sich das Gewerbe in der
dem Ende des 12. Jahrhunderts belegt;
größten deutschen Stadt, in Köln. Das hing mit
der hohen Einwohnerzahl, der günstigen Lage in • Walk-, Zwirn-, Flachsbrechmühlen, die mit
Bezug auf Rohstoffe im Umland und mit der Ver- Wasser betrieben wurden und das
kehrssituation zusammen, die über den Handel • Handspinnrad (1280 in Speyer belegt).
die Produktion förderte.
Schon damals stand man solchen neuen Techni-
An der Spitze ken skeptisch gegenüber, wurde doch befürchtet,
stand hier das dass sie einzelne Handwerksgruppen überflüssig
T e x t i l g e we r b e und brotlos machen könnten. Aus diesem Grund
(das Bild zeigt verbot z.B. der Kölner Stadtrat die Einführung
eine Flachsmüh- der vielspindeligen Seidenzwirnmühle aus Luc-
le), gefolgt von ca. Technische Fortschritte in der Metallbranche
dem Metallge- sind der Schraubstock, die Wippendrehbank, die
werbe und der Drahtziehmaschine und die Drahtzieh- und
Leder- und Pelz- Schleifmühle, die mit Wasserkraft angetrieben
verarbeitung. wurde. Da die Anschaffung technischer Neuerun-

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gen meist die Finanzkraft des einzelnen Hand- oft im Gemeinbesitz der Zünfte oder es handelte
werkers überstieg, waren Textil- und Metallpro- sich um das Privateigentum des Stadtrates, ein-
duktion diejenigen Bereiche im mittelalterlichen zelner Ratsherren und Kaufleute, die sie an die
Handwerk, in die zuerst und bald massiv Kauf- Zünftler vermieteten. Das betraf Walkmühlen,
leute mit ihrem Handelskapital als Verleger ein- Backhäuser, Schmieden und in besonders star-
stiegen. kem Maße Verkaufsbuden und -stände. Werk-
statt und Wohnhaus gehörten vielfach dem
Vorhandene Rohstoffe, traditionelle und geogra- Handwerker, waren allerdings oft belastet. In den
phische Gründe sind dafür verantwortlich, dass Hamburger Stadtbüchern werden in der 2. Hälfte
einige Handwerke in manchen Gegenden und des 13. Jahrhunderts 324 Handwerker erwähnt,
Städten besonders stark vertreten waren. So in die 241 Häuser besaßen; von den 22 Böttchern
Esslingen die Küfer und Fassbinder (Böttcher), besaßen 21 - also fast ein jeder - sein eigenes
was mit dem dortigen Weinanbau und -handel zu Haus, während von den acht Zimmerleuten nur
tun hat. In denen der Küste nahen Hansestädten drei ein Haus besaßen.
trifft dies auf die Reepschläger (die Schiffsseile
herstellten) und die Böttcher zu, welche die für Andere Handwerker wohnten zur Miete, Mietver-
den hanseatischen Heringshandel benötigten hältnisse waren in den spätmittelalterlichen Städ-
Tonnen zum Einsalzen anfertigten. ten weit verbreitet, in Regensburg wohnten sie-
ben bis acht Mietparteien in einem Haus. War
Produktionsbedingungen die Stadt am Zuzug von weiteren Handwerkern
interessiert, wurden oftmals Mietshäuser neu er-
richtet, wie z.B. 1488 in Nürnberg für Barchent-
weber aus Augsburg.

Aus den Testamenten der Handwerker ist aber


auch noch mehr abzulesen: Die meisten Hand-
werker betrieben neben ihrem Handwerk auch
Ackerbau und Viehzucht in Gärten und auf Land-
stücken in und vor der Stadt. Allerdings lässt sich
daraus nicht schlussfolgern, dass die Handwerks-
familien sich mit den Lebensmitteln aus diesem
Anbau alleine versorgen konnten.

Mit dem Wohnhaus verbunden war meist die


Werkstatt, wo der Handwerker auf Bestellung
und für den freien Verkauf herstellte. Die Waren
Der städtische Handwerker arbeitete in seiner wurden entweder direkt von zu Hause aus ver-
Werkstatt meist nur mit Familienangehörigen zu- kauft oder auf dem Marktplatz. Rat und Zünfte
sammen. Die Anzahl der bei einem Meister täti- der Stadt waren dabei daran interessiert, dass
gen Gesellen und Lehrlinge konnte erheblich die Handwerkserzeugnisse an einzelnen Punkten
schwanken. in der Stadt konzentriert verkauft wurden, denn
so erhoffte man sich eine bessere Kontrolle von
Eine Haushaltsliste aus Basel vom Jahre 1446 Qualität und Quantität der Produkte, sowie der
überliefert uns die Haushaltsgröße von 107 Preise.
Schmiedemeistern. An der Spitze stehen dabei
Zweipersonenhaushalte, also Meister und Frau Betrachtet man sich spätmittelalterliche Straßen-
mit 35%, gefolgt von den Dreipersonenhaushal- namen, hinter denen sich Berufsbezeichnungen
ten mit 24% und den Vierpersonenhaushalten verbergen (wie Gerbergasse, Webergasse), so
mit 21%. Dabei kann man die Bedeutung der lässt sich daraus schließen, dass die Handwerker
Mitarbeit der Familienangehörigen daran able- straßenweise nach Berufen geschieden in der
sen, dass sich nur 5 Gesellen, 2 Lehrlinge und 3 spätmittelalterlichen Stadt wohnten und arbeite-
Mägde auf die 26 Dreipersonenhaushalte verteil- ten. Besondere Voraussetzungen bei der Produk-
ten. tion oder Begleiterscheinungen eines Handwerks
konnten dazu führen, dass sich alle Meister in ei-
Die Produktionsinstrumente waren Eigentum des ner Straße oder an einer Ecke der Stadt konzen-
Meisters, dies kann daraus erschlossen werden, trierten. Dies betraf z.B. Färber und Gerber, die
dass sie per Testament weitervererbt werden auf fließendes Wasser für ihre Produktion ange-
konnten. Die Produktionsstätten waren hingegen wiesen waren und deshalb - von der Geruchsbe-

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lästigung einmal abgesehen - nicht verstreut die für die Vereinigung von Handwerkern in den
über die ganze Stadt ansässig sein konnten. Quellen auftauchen, sind Gilde, Amt, Innung, Ze-
che, Bruderschaft, Gesellschaft u.ä.
Geruchs- und Lärmbelästigung sowie Brand-
gefahr konnten Gründe für die Ansiedlung z.B. Entstehung
der Fassbinder (Böttcher), Fettmenger und
Schmiede an einer Stelle der Stadt sein; solche Für den Begriff Zunft stammen die ältesten Bele-
Handwerker erhielten vom Rat auch Auflagen, so ge aus Basler Urkunden von 1226 für die
z.B. dafür zu sorgen, dass der Rauch die Anwoh- Kürschner und von 1247 für die Bauleute, Fass-
ner nicht störe. So durften etwa Kesselmacher binder und Wagner. Hier ist die Rede von einer
und Töpfer in der Stadt wohnen, ihre Schmieden confraternitas (Bruderschaft), die in der Um-
und Brennöfen aber nur in den Vorstädten betrei- gangssprache zhunft hieß. Die Zunft als Instituti-
ben. 1477 mussten sich die Kerzenmacher in Lü- on ist allerdings schon älter als ihr Name; schon
beck wegen Brandgefahr und "dorch stankes wil- die Fischhändler in Worms hatten sich zu einer
len" vor den Toren der Stadt niederlassen. Auch Zunft zusammengeschlossen (1106). Frühe uns
geringeres soziales Ansehen wie bei den Badern überlieferte Urkunden stammen von der Zunft
und den Leinenwebern konnte Ursache dafür der Schuhmacher in Würzburg (1128) und der
sein, dass Handwerke in bestimmte Gegenden Bettenziechen (Bettbezug-)Weber in Köln
der Stadt abgedrängt wurden. (1149), denen noch im 12. Jahrhundert Zünfte
der Schuster (nach 1152) und Schilderer in Mag-
deburg, der Tuchmacher (1175) in Mainz und der
Das Zunftwesen in den Drechsler (1179/82) in Köln folgten. Für Zunft
spätmittelalterlichen Städten wurden hierbei die Ausdrücke fraternitas oder
consortium gebraucht; es finden sich schon eini-
ge Elemente, die später für die Zünfte charakte-
ristisch werden sollten, wie der Zunftzwang.

Zunftzwang

Der Zunftzwang ist ein wesentliches Element der


städtischen Handwerkergenossenschaften. Ziel
des Zunftzwanges war es, die kleineren Produ-
zenten zu schützen und ihnen ausreichend Nah-
rung zu sichern, indem nur Zunftmitglieder zum
Handwerksbetrieb zugelassen wurden. Die Kon-
kurrenz innerhalb und außerhalb der Stadt wurde
so ausgeschaltet oder doch wenigstens einge-
schränkt. Der Zunftzwang war v.a. gegen die
Konkurrenz der Handwerker auf dem Lande und
Definition der nichtzünftigen Stadthandwerker, der soge-
nannten "Bönhasen", Störer und Pfuscher, ge-
Bei einer Zunft handelt es sich um den genos- richtet. Bönhasen arbeiteten, um die Vorschriften
senschaftlichen Zusammenschluss der kleineren der Zünfte zu umgehen, auf dem Boden (bön) ei-
städtischen Warenproduzenten (Handwerker und nes Hauses; Störer arbeiteten im Haushalt der
anderen Gewerbetreibenden, z.B. Kleinhändler) Kunden im Stücklohn. Die oben erwähnte Urkun-
zur Regelung und Wahrnehmung von wirtschaft- de für die Kölner Bettziechenweber belegt schon
lichen, sozialen, politischen, karitativen, religi- diesen Zunftzwang: Alle mit der Bettziechenwe-
ösen, rechtlichen, militärischen, gesellschaftli- berei befassten Weber, die im Stadtgebiet leben,
chen und kulturellen Interessen und Funktionen. sollen sich anschließen oder - wenn sie dies
Im Spätmittelalter war die Zunft die Organisati- nicht wollen - zum Beitritt gezwungen werden.
onsform des städtischen Handwerks, fast in allen
Städten existierten Zünfte.
Organisation
Einer Zunft gehörten jeweils die Meister mit den
Gesellen und Lehrlingen eines einzelnen Hand- Die Leitung der Zünfte hatten die Zunftmeister
werks oder einer Gruppe von verwandten Hand- inne. In der Anfangszeit der Zünfte wurden diese
werks- und Gewerbezweigen an. Diese nannte oft von den Ratsherren der Stadt bestellt, später
man die "zünftigen" Handwerke. Andere Begriffe, dann wählten die Mitglieder der Zünfte ihre Meis-

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ter selber. In der Regel war der Zunftmeister Mit- den Stadtherren und/oder an den Stadtrat.
glied der von ihm geleiteten Zunft; manchmal Wachs brauchten die Zünfte für ihre Altäre, Pro-
standen aber auch Ratsherren und Kaufleute an zessionen und Begräbnisse, denn die Handwer-
der Spitze der Zünfte. kerzünfte verstanden sich als kirchliche Bruder-
schaften. Der Wein wurde gemeinsam in der
Unterschiede bei der Organisation der Zünfte Zunftstube verzehrt.
von Stadt zu Stadt zeigen sich schon in den -
oben bereits erwähnten - Urkunden von 1128 Ein neu aufzunehmendes Zunftmitglied musste
und 1149. Im Falle der Schuhmacher in Würz- über einen guten Leumund verfügen. Dazu ge-
burg genehmigte der bischöfliche Stadtherr die hörte eine eheliche Geburt von ehrlichen Eltern.
Zunft; auch in anderen Bischofsstädten des 12. Wer in Köln z.B. Mitglied der Kistenmacherzunft
Jahrhunderts waren die Handwerker eng an den werden wollte, musste von dort wo er gearbeitet
Bischof gebunden. In Köln hingegen erscheinen hatte "einen Brief beibringen (...), dass er ein un-
einige Weber als Gründer ihrer Zunft; ihr Zusam- bescholtener Mann sei". Zu den unehrlichen Be-
menschluss wurde durch die städtischen Organe rufen der Eltern, die einen Bewerber von der
anerkannt. Darin kommt eine mit der Zeit noch Zunft ausschlossen, konnten Müller, Zöllner, Lei-
wachsende genossenschaftliche Eigenverantwor- nenweber, Bader, Schäfer, Schankwirte und
tung der Handwerker zum Ausdruck, die sich in Spielleute gehören. Allerdings schwankte die
innerer Autonomie, selbständiger Gerichtsbar- Auffassung, was ein unehrlicher Beruf sei oder
keit, Wahl und Kompetenz ihrer Organe zeigte nicht, von Stadt zu Stadt.
(so genannte Zunftautonomie). So war bei-
spielsweise bei Streitigkeiten unter den Meistern In den gemischten deutsch-slawischen Gebieten
oder bei Verstößen gegen die Satzungen der kam der sogenannte Wendenparagraph hinzu:
Zünfte eine Art innere Gerichtsbarkeit zuständig. der neue Zunftgenosse musste deutscher Ab-
stammung sein, "rechter deutscher Art", wie es in
Im Allgemeinen bildeten sich selbst in Kleinstäd- den Quellen heißt.
ten Handwerkerzünfte. Waren nicht genügend
Meister in einem Handwerk tätig, schlossen sich
verwandte Zweige zu einer Großzunft zusam-
men. Deshalb ist die Zahl der Zünfte selten mit
der Zahl der in den Städten ausgeübten Hand-
werksarten identisch. Aber nicht nur die Hand-
werker waren in Zünften zusammengeschlossen,
sondern auch mit Acker-, Garten- und Weinbau
beschäftigte Städter konnten eine Zunft gründen.
In vielen Städten bildeten Krämer und andere im
Kleinhandel tätige Bürger Zünfte. Allerdings wa-
ren die Gewerbe, die im Spätmittelalter neu auf-
gekommen sind, nie zunftmäßig organisiert.

Zunftmitgliedschaft

Um Mitglied in einer Zunft werden zu können, Wichtigste berufliche Voraussetzung war die
mussten allerdings einige Bedingungen erfüllt handwerkliche Qualifikation (das Bild zeigt die
werden: Arbeit eines Goldschmiedes), die als Geselle er-
worben worden war. Ihr Ausweis war das Meis-
An erster Stelle stand die Erwerbung des Bür- terstück. Natürlich war dies von Handwerk zu
gerrechts. Bei diesem Vorgang musste der Handwerk unterschiedlich: So mussten die
Handwerksmeister einen Eid schwören (Bürge- Bäckergesellen "vor des Meisters Ofen backen,
reid), mit dem er sich dem Regiment des Stadt- damit man sieht, ob er sein Handwerk kann".
rates unterwarf. Gürtler (Riemenschneider) hatten je einen Frau-
en- und Männergürtel aus festgelegtem Material
Bei der Aufnahme in die Zunft musste ein be- mit besonderen Schnallen, Spangen und Verzie-
stimmtes Vermögen nachgewiesen und Gebüh- rungen anzufertigen. Tischler und Kistler hatten
ren entrichtet werden. Die Gebühren konnten in einen Schreibtisch als Meisterstück anzufertigen
Geld, Wachs oder Wein gezahlt werden. Das usw. Die Meisterstücke variierten je nach Zunft-
Geld floss teils in die Zunftkasse, teils ging es an verordnung.

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Hinzu kamen andere Traditionen, wie beispiels- So setzte der Rat


weise diese, dass ein neues Mitglied ein aufwen- der Stadt Speyer
diges Essen oder wenigstens ein Frühstück für "Warenbeschauer"
die Runde der Meister auszurichten hatte. Auch ein, die aus dem
musste sich der Handwerksmeister im Besitz ei- Handwerk und
ner Waffe befinden; auf diese Weise sicherten dem Rat stamm-
sich die Städte eine bewaffnete Bürgerwehr für ten, und Gewicht,
Notzeiten. Denn zum Schutz der Stadtmauern Länge, Breite und
und für Nachtwachen konnten die Handwerker Rohstof fzusam -
mit Hilfe der Zunftorganisation aufgebracht wer- mensetzung der
den. Tuche prüfen soll-
te. Nur unbean-
Zunftstatuten standete Tuche wurden versiegelt und in den
Mühlen zum Walken abgenommen. Verfälschtes
In den Zunftstatuten wurde das wirtschaftliche Tuch hingegen wurde vernichtet. Auch in Berlin
Leben geregelt. Die Arbeitszeit, der Zugang zum wurden beanstandete Tuche verbrannt, in Nürn-
Handwerk, die Zulassung zur Meisterprüfung, berg mussten Gürtel, die der Prüfung nicht
das Verhältnis der Meister, Gesellen und Lehrlin- standgehalten hatten, zerschnitten werden.
ge untereinander, die Rechte und Pflichten der Wenn die in Berlin von den obersten Zunftmeis-
einzelnen Zunftangehörigen, schließlich die Sor- tern und Ratsherren jeden Mittwoch und Sonntag
ge für einwandfreie Rohstoffe und für die Quali- angesagte Brotschau zu Beanstandungen führte,
tät der Verarbeitung, die Preisgestaltung und die wurde alles vorhandene Brot beschlagnahmt und
Regelung des Wettbewerbs wurden in den Statu- in die Armenhäuser der Stadt gebracht. In Leip-
ten genossenschaftlich festgelegt. Ziel der Statu- zig wurde als zu klein oder teuer empfundenes
ten war es, allen Meistern einer Zunft gleiche Brot an die Insassen des Spitals verteilt.
Chancen für Produktion und Absatz ihrer Waren
zu gewährleisten. Preis- und Lohnfestsetzungen
sollten den Gewinn der Handwerker möglichst
auf gleicher Höhe halten, aber vor allem den
Kunden und Käufer vor finanzieller Ausplünde-
rung schützen und die Versorgung der städti-
schen Bevölkerung gewährleisten. "Gerechter
Preis" für den Verbraucher und "rechte Nahrung"
für den zünftigen Handwerker - das waren die
Devisen mittelalterlicher städtischer Wirtschafts-
politik. Sie schlossen vom Ansatz her Konkur-
renz, Wettbewerb und Risiko aus.

Die Zunftstatuten konnten die vielfältigsten Vor-


schriften enthalten. So mussten in Berlin die Flei-
scher ihre Verkaufsstände vierteljährlich unter Damit auch die des Lesens unkundigen Bürger
sich verlosen, um durch den Wechsel von güns- der Stadt Freiburg die Einhaltung der Vorschrif-
tigen und weniger günstig gelegenen Läden nicht ten prüfen konnten, waren an dem Münster der
ständig bevorteilt oder benachteiligt zu sein. In Stadt die Umrisse verschiedener Brote und Sem-
vielen Zünften setzte man die Zahl der pro Meis- meln angebracht.
ter zugelassenen Gesellen und Lehrlinge fest, in
anderen auch die Anzahl der Produktionsinstru- Um den Zusammenhalt innerhalb der Zünfte zu
mente, etwa der Webstühle pro Werkstatt. festigen, nahmen auch Geselligkeit und Fürsor-
ge eine wichtige Stellung ein. In Zunftstuben und
Wie sah nun die Realität aus? Zunftsälen - je nach Reichtum der Zünfte - fand
ein umfangreiches geselliges Leben statt, dass
Trotz der vielen Vorschriften sind die Quellen oft minutiös reglementiert war. In Not geratenen
voll von Beschwerden über Betrug am Kunden Handwerkern wurde durch Kredite aus der Zunft-
durch falsche Gewichte, überhöhte Preise oder kasse geholfen, die sich aus den Aufnahmege-
mindere Qualität. Die Stadträte versuchten dem bühren und den Geldstrafen speiste. Auch kam
entgegenzuwirken und die Interessen der Käufer die Zunft für die Begräbnisse verarmter Meister
und Kaufleute an Qualitätsware zu wahren. auf.

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Krise und Abstieg dert haben wir es überwiegend mit Fernhandel


zu tun - mit dem Austausch von Luxusgütern
Die gesamtwirtschaftliche Krise des Handwerks über große Entfernungen, ins Werk gesetzt von
im 15. Jahrhundert konnte durch die Zunftorgani- Kaufleuten, die mit ihren Waren in Karawanen
sation nicht abgewendet werden. Versuche, Ge- durch die Länder zogen. Danach kam der Handel
genmaßnahmen zu ergreifen, sind die Bildung von Massengütern hinzu und der Kaufmann saß
von überregionalen Zunftbünden und die Verein- nun in einem städtischen Kontor, von dem aus er
heitlichung der Zunftstatuten in den Territorien. rechnend und schreibend seine Vertreter aus-
sandte.
Mehr als diese Versuche bewirkte die neue Wirt-
schaftsform des Verlagssystems, welches die en-
gen Grenzen der Zunftstatuten auflöste und eine
Kooperation des produzierenden Gewerbes mit
dem Kaufmannsstand herbeiführen sollte. Ver-
bunden mit dieser Krise war ein wachsender
Wettbewerb, der die Zünfte veranlasste, ihre Be-
stimmungen über Zulassung zur Ausbildung zu
verschärfen. Im Allgemeinen wurden nun nur
mehr Meistersöhne zugelassen, so dass man im
15. Jahrhundert für die Handwerksbetriebe prak-
tisch von einem Numerus clausus sprechen
kann.

Bewertung
Der frühmittelalterliche Handel setzte unmittel-
Zunft und Handwerk eröffneten einer breiten bar den Handel des Altertums fort. Es bleibt ins-
Schicht von Städtern mehr als nur Existenzbe- besondere der Sklavenexport aus Nordeuropa
dingungen: ökonomische Sicherheit, kulturelle in den Süden, wobei sich das Herkunftsgebiet
Identität, politische Aktivität, sozialen Schutz, re- allmählich nach Osten verschiebt, in die später
ligiöse Gemeinschaft, Kommunikation, berufliche christianisierten slawischen Länder, für die das
Bildung, handwerkliche Erfahrung und Tradition. von der Kirche durchgesetzte Verbot des Han-
dels mit christlichen Sklaven einstweilen nicht
galt. Infolgedessen wurde in der deutschen eben-
so wie in den meisten europäischen Sprachen
von der Volksbezeichnung Slawe das Wort Skla-
ve abgeleitet.

Kontinuität gab es aber nicht nur bei den Waren,


die gehandelt wurden, sondern auch bei den
Händlern. In der Spätantike lag ebenso wie im
frühen Mittelalter der Mitteleuropa durchziehende
Handel zu einem wesentlichen Teil in den Hän-
den von jüdischen und orientalischen Kauf-
leuten. Außerdem beteiligten sich am Waren-
austausch die Wikinger, Franken und Slawen.
Besonders erwähnenswert sind auch noch die
friesischen Kaufleute, deren Handel ("Friesen-
handel") bis weit in das Binnenland hinein reich-
te.

Die Entwicklung des Handels im Mittelalter Diese Händler reisten, aber sie waren dennoch
nicht ohne Wohnsitz ständig unterwegs. Sie
Der Handel war für die mittelalterliche Bevölke- wohnten vielmehr an besonderen, verkehrsgüns-
rung stets von großer Bedeutung. Ein wichtiger tig gelegenen Orten wie Dorestad oder Haitabu
Einschnitt in der Entwicklung des Handels ist im bzw. an anderen Orten wo es stadtartige Sied-
12. Jahrhundert festzustellen, in der Zeit der lungen gab, z.B. bei den Residenzen der Bischö-
großen Städtegründungen. Vor dem 12. Jahrhun- fe. Die jüdischen Kaufleute in Köln und Mainz

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hatten ein eigenes Viertel, ebenso wie die friesi- nung mit ihnen nach Abschluss des Geschäftes.
schen in Worms im 9. Jahrhundert. Die Kaufleute hielten einen wachsenden Teil ih-
rer Transaktionen schriftlich fest, sie begannen
In erster Linie wurden Luxusgüter ausgetauscht. Buch zu führen. Das war zunächst nicht mehr als
Aus dem Norden kamen Bernstein, Wachs und ein Notieren von Schuld, Schuldner und Ver-
Honig, in umgekehrter Richtung wurden Edelme- handlungstermin, das aber schnell zu grundsätz-
talle, Waffen, Seide und Brokat, Wein und Ge- lichen Änderungen im Handel führte: zur Ver-
würze gehandelt. Hinzu kam das Salz, das schon rechnung der Schulden gegeneinander, d.h. zum
kein Luxusgut mehr war; es wurde im frühen Mit- bargeldlosen Zahlungsverkehr.
telalter aus der Salzburger Gegend nach Norden
gebracht. Einige dieser Güter kamen von weit- Die Aufzeichnung aller wesentlichen Geschäfts-
her, vor allem die Gewürze. Sie waren geradezu vorgänge, also die Führung eines Hauptbuches
das klassische Handelsgut nicht nur des frühen - es bildet heute noch den Kern jeder kaufmänni-
Mittelalters, sondern des gesamten Mittelalters schen Buchhaltung - und die Verzeichnung der
überhaupt (nur so ist auch der Spottname "Pfef- einzelnen Vorgänge nicht hintereinander, son-
fersack" für den Kaufmann verständlich). Aber dern nach Geschäftspartnern geordnet, d.h. auf
der Pfeffer war nur eines der gehandelten Ge- Konten, war in Italien seit dem 15. Jahrhundert
würze, auch Zimt und Mandeln und manche an- üblich. Damit konnte der Kaufmann jederzeit sei-
deren Zutaten unseres Weihnachtsgebäcks wä- ne zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erwarten-
ren zu nennen de Liquidität abschätzen. Und er konnte das
noch besser, wenn er nicht nur Zahlungen und
Im hohen und späten Mittelalter kamen noch Kreditaufnahme notierte, nicht nur Geld-, son-
andere Handelswaren hinzu. Neben den luxuri- dern auch Warenkonten führte. Jeder Geschäfts-
ösen Textilien wurden auch Textilien für den täg- gang wurde also zweimal notiert - der Kauf eines
lichen Gebrauch gehandelt: Wolltuche, Leinen- Ballens Baumwolle wurde nicht nur als Geldaus-
gewebe und Barchent. Insbesondere der hansi- gabe verbucht, sondern auch als Vermehrung
sche Ostseehandel ist ein Handel mit Massen- des Warenbestandes Baumwolle und beim Ver-
gütern, darunter auch mit Getreide und nicht zu- kauf dann umgekehrt.
letzt mit konservierten Fischen.
Der Effekt dieser - wie alle anderen modernen
Die hansischen Kaufleute konnten mit diesen kaufmännischen Techniken in Italien entwickel-
Massengütern handeln, weil sie ihre Ware auf ten - doppelten Buchführung ist die Bilanz,
Schiffen transportierten. Wer dagegen Waren also die Möglichkeit, sich jederzeit eine Übersicht
von Venedig nach Regensburg bringen wollte, über Geld- und Warenbestände zu verschaffen.
der hatte zu berücksichtigen, dass seine Ware Das früheste deutsche Zeugnis hierfür stammt
von Maultieren über die Pässe getragen oder auf aus dem Jahre 1484: die Bilanz des Nürnberger
kleinen Karren gezogen werden mussten. Denn Kaufmanns Langhans Tucher. Außerdem wusste
die Landwege im 15. Jahrhundert waren nicht der Kaufmann des späten Mittelalters die Risiken
weniger beschwerlich als im frühen Mittelalter. des Handels durch Teilhaber-Geschäfte zu redu-
zieren, verstand seine Gewinnchancen durch
Befestigte Straßen gab es auch jetzt nicht, so Kartell-Absprachen und im günstigsten Falle so-
dass die Wagen stets in der Gefahr waren umzu- gar durch Monopolstellung zu steigern und schuf
stürzen. Die hansischen Kaufleute hatten dem- sich Sicherheit dadurch, dass er einen Teil seiner
gegenüber nicht nur ein Schiff, sondern sogar Gewinne in Grundbesitz anlegte.
eine Art Frachter, die bauchige Kogge mit erheb-
lich mehr Fassungskraft als die schmalen Wikin- Von der Lebenswelt eines reichen Kölner Bür-
gerschiffe gehabt hatten. gers und von dem, was ein spätmittelalterlicher
Händler täglich brauchte, gewinnt man einen
Die hansischen Kaufleute und ihre süddeutschen Eindruck anhand der "Asservaten", die vom Köl-
und südeuropäischen Berufsgenossen unter- ner Rat nach der Hinrichtung des Finanzagenten
schieden sich von ihren frühmittelalterlichen Vor- und Bürgers Hermann von Goch (1398) aufgeho-
gängern auch dadurch, dass sie ihre Waren nicht ben wurden. Es handelt sich dabei um die Ge-
mehr begleiteten, sondern den Handel vom hei- genstände, die er an seinem Gürtel trug: neben
mischen Kontor aus dirigierten, durch die Aus- mehreren Beuteln zur Aufbewahrung der ver-
sendung von Vertretern - sie wurden meist Fak- schiedenen Münzen findet sich auch ein Probier-
toren genannt - durch geschriebenen Anweisun- stein, mit dessen Hilfe man versuchte, echte von
gen an diese und durch die schriftliche Abrech- falschen Münzen zu unterscheiden.

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mann kommt nicht weiter als bis nach Venedig


bzw. im Nordosten bis nach Nowgorod.

Vor allem aber erlauben Handelszentren wie der


Fondaco oder der Peterhof es den jeweiligen po-
litischen Gewalten, vom Handel zu profitieren.
Ebenso wie Gewerbefreiheit ist auch der Frei-
handel dem Mittelalter fremd. Der Handel ist
streng reguliert und eine der wichtigsten Einnah-
mequellen jener Machthaber, durch deren Herr-
schaftsbereich seine Straßen führen. An den
Straßen und Wasserwegen reiht sich Zollstelle
an Zollstelle. Im Gegenzug waren die Machtha-
ber für die Wegesicherheit verantwortlich, aber
es kann kaum Zweifel daran bestehen, dass die
Denn zur täglichen Wirklichkeit eines Kaufman- Einnahmen aus den Zöllen höher lagen als die
nes gehörte die Auseinandersetzung mit frem- Ausgaben, die dem Zoll-Berechtigten aus dem
den und falschen Münzen. Schutz des Handels erwuchsen.

Einfachere Formen des Handels und der Buch- Und in den Städten herrscht das Stapelrecht:
führung zeigt das Hauptbuch der Regensburger ein Kaufmann ist bei Passierung solcher Orte ge-
Handelsfamilie der Runtinger aus den Jahren nötigt, seine Ware eine bestimmte Zeit zum Ver-
1383 bis 1407, des einzigen deutschen komplett kauf anzubieten. Wenn dazu - wie meistens - der
erhaltenen Kaufmannsbuches aus dieser Zeit, sogenannte Gasthandel verboten ist, d.h. wenn
das den Warenverkehr von Venedig nach Re- der Kaufmann am Stapelort nur mit einem Kauf-
gensburg und von dort weiter nach Osteuropa mann aus dieser Stadt Handel treiben kann,
und damit die für den Nordsüdhandel charakte- dann hat das zur Folge, dass der fremde Kauf-
ristischen Verkehrsformen zeigt. Die Runtinger mann über diesen Handelsplatz nicht hinaus-
kauften in Venedig die Waren aus dem Orient kommt und dass ein einheimischer Händler die
und Italien dort ein, wo auch ihre Landsleute kau- Waren weitervertreibt. Köln ist nicht zuletzt durch
fen bzw. gezwungen waren zu kaufen: im Fonda- seinen Stapel groß geworden.
co dei Tedeschi, einer Art Hotel, aber vor allem
einer Einrichtung, die es der Republik Venedig Was die Vertreter der Runtinger auf ihren Han-
erlaubte, den Handel zu kontrollieren und Ge- delswegen nach Norden bringen, ist ihnen meis-
bühren von ihm abzuschöpfen. tens vorgeschrieben. Ein halber Zentner Rosi-
nen, ein Zuckerhut, sechs Pfund grüner Ingwer
usw. - so steht es in ihren Instruktionen. Manch-
mal heißt es auch, sie sollten kaufen, was am
günstigsten sei - der Handel dieser Firma ist wie
der Handel dieser Zeit auch sonst im allgemei-
nen nicht auf bestimmte Warengattungen spe-
zialisiert, sondern im Kern Gelegenheitshandel.
Dem entspricht auch die Firmenverfassung. Bei
den Runtingern sind Vater und Sohn durch Jahre
hindurch fest verbunden, aber es begegnet auch
die für die Zeit typische kurzfristige Verbindung
mehrerer für das einzelne Geschäft. Im Falle der
Runtinger sind es die Vertreter der Firma, die
Faktoren, die sich an einzelnen Geschäften mit
einer Kapitalanlage beteiligen, und auch das ist
durchaus charakteristisch für das ausgehende
Entsprechende Einrichtungen gab es überall: im Mittelalter. Das Handelskapital ist nicht in der
hansischen Bereich etwa den Peterhof in Now- Hand einiger weniger, sondern breit gestreut.
gorod oder die Deutsche Brücke in Bergen -
Niederlassungen, die den Kaufleuten Schutz bie- So kaufte im Jahre 1501 der berühmte Lübecker
ten, aber auch den einheimischen Händler vor Bildschnitzer Bernd Notke eine Ladung Kupfer in
Konkurrenz schützen. Denn der deutsche Kauf- Stockholm, um sie auf eigenes Risiko nach Lü-

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beck zu bringen und dort verkaufen zu lassen. Niederlassung fanden. In Nowgorod diente die
Sein nicht weniger bekannter Nürnberger Kollege Kaufmannskirche zu St. Peter zugleich als Got-
Veit Stoß macht es ebenso - mit Verlust übrigens teshaus und Warenlager. Ähnliche Niederlassun-
-, und viele Unbekannte desgleichen. Wenn die gen finden sich im norwegischen Bergen ("Deut-
Sozialstruktur in den Handelsstädten ausgegli- sche Brücke") und im flandrischen Brügge. Auch
chener war als in den reinen Gewerbestädten, mit Dänemark standen die deutschen Kaufleute
dann hing das sicherlich mit diesen Möglichkei- in regem Handelsverkehr - hier war es v.a. der
ten zusammen, sich auch mit wenig Geld am Hering, der mit Salz aus Lüneburger Salinen
Handel zu beteiligen. haltbargemacht, besonderen Profit versprach,
denn mit dieser begehrten Fastenspeise verfüg-
ten die hansischen Fernhändler über eines der
Die Hanse bedeutendsten Handelsgüter im Mittelalter.

Hanse ist wie Gilde die Bezeichnung für eine, oft


durch die Leistung eines Eides zusammengehal-
tene Genossenschaft von Kaufleuten, die sich
auf weiträumigen Handelsreisen zu gegenseitiger
Unterstützung zusammenschlossen.

Die älteste bekannte Hanse deutscher Kaufleu-


te ist die der Kölner Englandfahrer, der auch
Händler aus anderen niederrheinischen Städten
angehörten. Um 1157 nimmt der englische König
Heinrich II. ihr Haus in London, die "Gildehalle",
in seinen Schutz, befreit die Händler von höhe-
ren Abgaben und gewährt günstige Bedingungen
für den Verkauf von Wein. 1194 gestattete Hein-
richs Sohn Richard I. Löwenherz den freien Ver-
kauf und Marktbesuch im ganzen Land. Mit dem Vordringen hansischer Kaufleute über
Lübeck und Hamburg nach Brügge und anderen
Als Fernhändler aus den deutschen Ostsee- Städten Flanderns und nach England in der zwei-
städten im 13. Jahrhundert in England erschie- ten Hälfte des 13. Jahrhunderts schloss sich der
nen und dort in Konkurrenz zu den Kölner Kauf- Kreis des hansischen Handelssystems. Daraus
leuten traten, auch Zollfreiheit und Schutz durch entwickelte sich Mitte des 14. Jahrhunderts die
den englischen König erhielten, und sich 1281 Deutsche Hanse; sie war nicht mehr ein Bund
mit der niederrheinisch-kölnischen Hanse zur ge- von Kaufherren, sondern ein Städtebund, dem
meinsamen Deutschen Hanse in London zusam- unter der Führung von Lübeck, Hamburg und
menschlossen, hatten sie schon eine fast hun- Köln in ihrer Blütezeit im 14. und 15. Jahrhun-
dertjährige Erfahrung im Aufbau eines Handels- dert mehr als 100 Städte in lockerer Organisati-
systems hinter sich. onsform angehörten. Hamburg als Nordseeha-
fen, Lübeck als wichtigster Hafen an der Ostsee
Mit Rückhalt an den im Zuge der Ostexpansion kooperierten in der Führung des Bundes und
an der Ostseeküste und in ihrem Hinterland ent- speziell in dessen wendischem Viertel, neben
standenen Städten - die Neugründung Lübecks dem es noch ein preußisches Viertel (Danzig),
1143 bzw. 1158/59 und die Gründung der Neu- ein sächsisches Viertel (Braunschweig), ein west-
stadt Hamburg zwischen 1186 und 1196 als fälisch-niederrheinisches Viertel (Köln) und einen
rechtselbischer Seehafen markieren hier wichtige Zusammenschluss der Städte des Ordenslandes
Punkte - drangen die deutschen Kaufleute auf ih- mit den hansischen Gründungsstädten Riga, Re-
ren Handelsreisen zunächst auf die Ostseeinsel val und Dorpat an der Spitze gab. Im Norwegen-
Gotland vor. Sie nannten sich "Genossenschaft handel mit dem Kontor in Bergen hatten Bremen
der Gotland besuchenden Kaufleute des Römi- eine wichtige Stellung.
sches Reiches" und hatten ihr Zentrum in der
Marienkirche in Visby auf Gotland. Von hier aus Das hansische Handelssystem beruhte auf
gingen die Handelsreisen weiter nach Schweden, dem Austausch von Waren zwischen Ost- und
Livland und nach Nowgorod, dem zentralen Westeuropa, die überwiegend auf dem Seeweg
Markt für Waren aus dem russischen Hinterland, transportiert wurden. Neben Salz und Hering wa-
wo die Hansekaufleute im Peterhof eine eigene ren hansische Handelsgüter Eisen und Kupfer

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aus Schweden, Fisch aus Norwegen, Getreide, fer weiter. Flussmündungen wurden vertieft, Hä-
Mehl, Malz und Bier aus Pommern, Mecklenburg fen ausgebaut und die Zufahrten zu ihnen ge-
und Brandenburg, flandrische Tuche, englische schützt, Kräne für die Bewegung der Waren auf-
Wolle, Kupfer, Blei und Zinn aus dem Harz, Pel- gestellt - in Brügge schon 1244, sonst vielfach
ze, Wachs und Leder aus russischen Gebieten, erst im 15. Jahrhundert -, Seezeichen an den
Holz, Flachs, Bernstein und zunehmend auch Küsten gesetzt und nachts mit Feuer bestückt.
Getreide aus Polen und Preußen, Wein vom 1316 wird in Lübeck erstmals ein Leuchtturmwär-
Rhein, Metallerzeugnisse aus rheinischen und ter in dem 1226 errichteten Turm von Travemün-
westfälischen Städten, später Meeressalz, das de erwähnt; dieser konnte nun auch nachts den
Baiensalz von der französischen Westküste Schiffen den Weg in den Lübecker Hafen wei-
(nach der Bai von Bourgneuf benannt) und aus sen.
Portugal.
Neben materiell-technischen Fortschritten kam
Die hansischen Kaufleute vermittelten diese dem hansischen Kaufmann die günstige Lage
Handelsgüter zwischen Ost-, West- und Nordeu- der Hansestädte, besonders von Lübeck und
ropa, ja es gelang ihnen, für Jahrhunderte ein Hamburg, am Handelsweg von Nowgorod und
Monopol auf diesen Zwischenhandel zu erlan- Reval nach Brügge und London zugute. Die Ost-
gen und die einheimischen Kaufleute aus ihm zu West-Linie war die Hauptroute des hansischen
verdrängen oder fernzuhalten. Wodurch die han- Handels, der auf See oder Wasserwegen verlief
sischen Kaufleute diese Monopolstellung errin- und nur zwischen Lübeck und Hamburg den
gen und so lange halten konnten, ist in der histo- Landweg nahm, wodurch ein aufwendiges Umla-
rischen Forschung noch nicht eindeutig geklärt. den der Waren von Schiffen auf Wagen notwen-
dig wurde. Ende des 14. Jahrhunderts eröffnete
Lange Zeit jedoch der Bau des Stecknitzkanals den Wasser-
sah man in weg zwischen Lübeck und Hamburg.
der Überle-
genheit der
Kogge die Die praktische Durchführung des Handelsver-
wesentliche kehrs und der Schifffahrt beruhte auf verschiede-
Ursache. nen Regelungen, die teils von den einzelnen
Doch jüngst Hansestädten, teils von der Gesamthanse getrof-
wurde Zwei- fen wurden. Die Auslandsprivilegien betrafen
fel an der v.a. folgende Punkte: Rechtsstellung der Kauf-
schiffbautechnischen Überlegenheit der Kogge leute im Ausland, Schutz der Waren, Fixierung
und damit der Hanse gegenüber dem nordeuro- des Zolls und anderer Abgaben, Befreiung vom
päischen Schiffbau geäußert angemeldet, denn Zweikampf als gerichtlichem Beweismittel, Ab-
dieser Schiffstypus stehe in einer bis Jahrhun- schaffung der Kollektivhaftung für Schulden ein-
derte vor der Zeitrechnung reichenden Tradition zelner Kaufleute, Regelung des Gästehandels
der Schiffsbautechnik; außerdem wird auf den sowie Befreiung vom Strandrecht. Letzteres be-
Widerspruch verwiesen, dass der Niedergang nachteiligte Schiffbrüchige und deren Erben, in-
der Hanse mit der Zeit ihres bedeutendsten dem es Anwohnern von Küsten und Flussufern
Schiffsbaus zusammenfällt. erlaubte, gestrandete oder auf Grund gelaufenen
Schiffe und ihre Ladung zu bergen und für sich in
Auf jeden Fall profitierte die hansische Schiffahrt Anspruch zu nehmen sowie angeschwemmtes
und der hansische Handelstransport auf dem Gut sich anzueignen. Eine Milderung oder Auf-
Meer und den Flüssen von technischen Neuerun- hebung des Strandrechts bedeutete es, wenn an-
gen und Erfindungen der Zeit. Dazu gehört seit geschwemmtes Strandgut "über Jahr und Tag"
dem 13. Jahrhundert der Kompass, dessen An- aufzubewahren und dem Schiffbrüchigen oder
wendung als Steuerkompass aber kompliziert seinen Erben zurückzugeben war. Diese muss-
und unzuverlässig blieb, so dass er noch im 15. ten dann durch die auf Ballen, Tonnen, Fässern,
Jahrhundert im hansischen Bereich nicht allge- Säcken und Kisten angebrachten Handelsmar-
mein gebräuchlich war. Eher dienten dem Schif- ken ihren rechtmäßigen Besitz nachweisen.
fer der Stand von Sonne, Mond und Sternen, fer-
ner Wind, Wolkenzug und Flutrichtung zur Navi- Während die Hanse und ihre Kontore genau dar-
gation. In Seebüchern enthaltene Segelanwei- auf achteten, dass ihre Kaufleute in der Nutzung
sungen mit Angaben über Entfernungen, Tiefen, der Privilegien nicht eingeschränkt wurden,
Kurse und Peilmarken gaben seit dem 9. Jahr- konnten sie selbst nur schwer dazu veranlasst
hundert Erfahrungen der Nord- und Ostseeschif- werden, den englischen und holländischen Händ-

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lern ähnliche Rechte in den Hansestädten ein- fahren, sondern in ihrer weltweiten Wirkung,
zuräumen. Das Prinzip der Gegenseitigkeit hat- denn nun konnten Bücher massenweise herge-
ten in der Handelspolitik der Hanse nur einen ge- stellt und in alle Welt verbreitet werden. So er-
ringen Stellenwert. Die Unterbrechung der Schiff - oberte die Erfindung des Mainzer Patriziersoh-
fahrt von November bis Februar diente ebenfalls nes Johannes Gutenberg den gesamten Globus
der Reglementierung des Handelsverkehrs, und trug dazu bei, dass das bisherige und künfti-
konnte in den Nordseehäfen aber weniger konse- ge Wissen der Menschheit erhalten, unzerstörbar
quent durchgesetzt werden, als in denen der Ost- und unverlierbar gemacht wurde.
see.
Johannes Gutenberg
Von der Hanse gingen zahlreiche Städtegrün-
dungen am südliche Ostseeufer und in dessen Über die Persönlichkeit und das Leben Guten-
Hinterland aus. In der Blütezeit im 14. Jahrhun- bergs wissen wir nicht viel, denn es gibt nur we-
dert organisierte der Bund Flottenfahrten (Kon- nige stichhaltige Nachrichten. So ist schon sein
vois), erhob Abgaben, fasste bindende Beschlüs- genaues Geburtsdatum unbekannt. Hingegen
se (Hanserezesse) und griff in die politische Ent- wissen wir, dass er in Mainz geboren wurde und
wicklung in den nordischen Königreichen ein. zwar als Sohn des aus einer vermögenden Patri-
Deren zunehmend erstarkende politische Selb- zierfamilie stammenden Friele Gensfleisch zur
ständigkeit einerseits und die fürstliche Territori- Laden genannt Gutenberg († 1419) und dessen
alherrschaft über viele, nicht zur Reichsstand- Gemahlin Else Wirich zum steinernen Krame (†
schaft aufgestiegene Hansestädte andererseits 1433).
bewirkten seit dem 15. Jahrhundert den Rück-
gang der politischen und wirtschaftlichen Bedeu- Johannes Gutenberg wird zum ersten Mal schrift-
tung der Hanse als Städtebund, als dessen letzte lich in einer Urkunde belegt, die einen Streit zwi-
Mitglieder die Hansestädte Lübeck, Hamburg schen Patriziern und Zünften in Mainz abschloss
und Bremen die mittelalterliche Tradition in der (1430), in den sein Vater verwickelt gewesen
Stadtbezeichnung tragen. war. Deshalb verließ Gutenberg seine Vaterstadt
und ging nach Straßburg, wo er zwischen 1334
und 1344 als "Johannes Gensfleisch zu Guten-
Gutenberg und der Buchdruck berg aus Mainz" nachweisbar ist. Hier ist er ver-
zeichnet in Listen der Patrizier und in denen der
Vor der Mitte des Goldschmiedemeister, sowie in Gerichts- und
15. Jahrhunderts Steuerakten. Er lebte in der Vorstadt St. Arbo-
wurde das Wissen gast, wo er unterstützt von einem Fachgesellen
der Menschheit und einem Diener, eine Goldschmiedewerkstatt
fast ausschließlich betrieb. Bürger der Stadt Straßburg ist er jeden-
durch Schreiber in falls nie geworden. Vielleicht wäre er es aber
Einzelexemplaren gerne gewesen, denn es scheint, dass er der Pa-
nur lückenhaft und triziertochter Ennelin zu der Iserin Türe die Ehe
ungenau überlie- versprochen hatte. Auf jeden Fall verklagte sie
fert. Seit dem 5. ihn wegen eines gebrochenen Eheversprechens
Jahrhundert druck- 1436.
ten die Chinesen
und seit etwa 1420 1438 gründete Gutenberg mit drei Straßburger
auch die Europäer Bürgern eine Geheimgesellschaft zur Ausnut-
Texte von ausge- zung einer Kunst, die Gutenberg erfunden hatte
schnittenen Holztafeln. Diese Technik hat eben- und die selbst den Erben der Teilhaber verbor-
so wenig auf Gutenbergs Erfindung eingewirkt gen bleiben sollte. Die Teilhaber wurden gegen
wie das Abdrucken von Typen aus Ton bei den Bezahlung eingeweiht, den Gewinn wollte man
Chinesen um 1050 und von gegossenen Kupfer- untereinander aufteilen, wobei der größte Teil an
typen bei den Koreanern (um 1300). Gutenberg selbst fallen sollte. Allerdings starb ei-
ner der Teilhaber schon nach wenigen Monaten
Durch die Erfindung des Buchdruckes durch und dessen Brüder wollten in die Geheimgesell-
Johannes Gutenberg trat eine völlige Verände- schaft aufgenommen werden. Es kam schließlich
rung ein. Der Buchdruck ist ein Hochdruckver- zu einem Prozess, der vom Straßburger Rat ab-
fahren, mit dem Texte mechanisch vervielfältigt gewiesen wurde (12.12.1439). Aus dem Urteil
werden konnten. Die Größe der Erfindung Gu- und aus den Zeugenaussagen geht hervor, dass
tenbergs lag nicht in ihrem relativ einfachen Ver- Gutenberg wiederholt Blei angekauft und "For-

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men" hergestellt hatte. Auch hatte er sich von ei- stand die Matrize. Die Technik, in das Eisen
nem Drechsler eine Presse mit Geheimteilen oder Kupfer der Münz- oder Siegelstempel stäh-
bauen lassen, die in dem Haus eines der Teilha- lerne Buchstaben einzuschlagen, war bei den
ber stand, der sie auch bediente. Gutenberg Goldschmieden schon seit langem bekannt. Gu-
selbst beschrieb seine ersten Experimente vor tenberg nützte diese Technik aber für einen neu-
dem Gericht als "afentür [Abenteuer] und kunst". en wichtigen Zweck.
Es handelte sich anscheinend um wichtige Vor-
stufen für den Buchdruck, die Gutenberg mit sei- Nun kam das "Gießinstrument", vielleicht das
ner Geheimgesellschaft in Straßburg ausprobier- Kernstück der Erfindung Gutenbergs, zum Ein-
te. Das Problem ist nur, dass bis zum heutigen satz. Dieses bestand aus zwei verstellbaren Me-
Tage nicht das geringste Bruchstück eines typo- tallwinkeln, die zusammen einen rechtwinkligen
graphischen Druckes aufgefunden wurde, der in Hohlraum ergaben und zum Schutz vor Hitze mit
die Zeit des Straßburger Aufenthaltes zurück- Holz verkleidet war. Unten in das Gerät wurde
reicht. die Matrize eingeschoben, die als Hohlform für
die Buchstaben diente. Auf der anderen Seite
Zur Anwendungsreife brachte Gutenberg seine war das Gerät offen, damit eine Legierung aus
Kunst erst in Mainz, wohin er spätestens 1448 Blei, Zink und Antimon, eingegossen werden
zurückgekehrt ist. Hier richtete er sich mit Hilfe konnte. So entstanden nach dem schnellen Er-
eines Darlehens, das er von dem Mainzer Geld- kalten der Blei-Legierung spiegelverkehrte
makler Johann Fust (ca. 1400-1466) erhielt, eine Schriftzeichen, sogenannte Lettern oder Typen.
Werkstatt ein, die dem Geldgeber verpfändet Mit dem Gießinstrument konnte man in kürzester
wurde (1450). Zwei Jahre später wurde Fust Zeit beliebig viele genau zueinander passende
durch weitere Geldeinlagen zum Teilhaber an Lettern, also einen für den Satz eines ganzen
Gutenbergs "Werk der Bücher". Allerdings kam Buches reichenden Typenvorrat herstellen. Trotz
es 1455 zu einem Bruch zwischen den beiden, verschiedener Breite passten die Buchstaben
aus welchem Grund wissen wir nicht genau. Je- alle zusammen.
denfalls erhielt Fust schließlich durch Gerichts-
beschluss die Hauptdruckerwerkstatt Guten- Die Typen wurden nun in den Setzkasten sortiert,
bergs, um aus dem Absatz der Druckproduktion damit der Setzer sie blind herausgreifen konnte.
sein vorgeschossenes Geld zurück zu bekom- Mit der Hilfe des Setzerschiffes, das der Setzer
men. Dort richtete er zusammen mit Peter in der linken Hand hielt und auf dem eine Vor-
Schöffer († 1502/03), einem Gesellen Guten- richtung das Manuskript festhielt, wurden die Ty-
bergs, ein erfolgreiches Druckereiunternehmen pen nun zu Seiten bzw. zu Spalten zusammen-
ein. Gutenberg war seitdem ein geschlagener gefügt.
Mann und musste unter weniger günstigen Um-
ständen weiterarbeiten, aus Geldmangel konnte Nun kam die Buchdruckerpresse zum Einsatz,
er keine weiteren Experimente mehr unterneh- ebenfalls eine Weiterentwicklung Gutenbergs,
men. Ca. 70jährig verstarb er, vielleicht erblin- die wohl nach dem Vorbild der Traubenpresse
det, am 3. Februar 1468 in seiner Geburtsstadt. für diesen Zweck konstruiert worden war. Sie be-
saß einen ausschiebbaren Wagen, der aufge-
Das älteste mit Hilfe des Ausgabedatums zu da- klappt werden konnte. Auf der einen Seite befan-
tierende Druckerzeugnis Gutenbergs waren Ab- den sich die zu einem Satz zusammengefügten
lassbriefe von Ende 1454. Sein wichtigstes Werk Typen, die der Drucker mit sogenannten Ballen
war jedoch die sogenannte "42-zeilige Bibel", die mit der Druckerschwärze (einer Mischung aus
in dem Zeitraum zwischen 1452 und 1455 ent- Leinöl und Ruß), einfärbte, auf der anderen Seite
stand. Sie ist ein Meisterwerk der Buchdrucker- das zu bedruckende Material. Durch Herüber-
kunst aller Zeiten und demonstriert, dass Guten- klappen des Papierbogens auf den eingefärbten
berg nicht nur ein erfindungsreicher Techniker Satz und durch ein gleichmäßiges Andrücken
war, sondern auch ein begnadeter Künstler. 150 des Papiers durch die mittels Schwengelbewe-
Bibeln wurden auf Papier gedruckt, 30 auf Per- gung niedergelassene Presse entstand das ferti-
gament, 47 Exemplare sind uns erhalten geblie- ge Produkt: bedrucktes Papier (bzw.
ben. Pergament).

Gutenbergs Erfindung Diese und weitere kleine Erfindungen ermöglich-


ten einen schnellen, reibungslosen Druck mit
Zunächst einmal stichelte Gutenberg die Buch- harmonischem Ineinandergreifen verschiedener
staben des Alphabets spiegelverkehrt in Stahl Arbeitsgänge. Das musste erst einmal in lang-
aus und schlug sie in Kupferblöcke ein; so ent- wierigen Experimenten ausprobiert werden, war

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dann aber von jedem Drucker zu erlernen. Die aus, d.h. es war ihnen erlaubt, ihre Badegäste
benötigten kleineren und größeren Instrumente mit Salben zu behandeln, Blutegel und Schröpfe
konnten überall hergestellt werden. anzusetzen, Zähne zu ziehen, zur Ader zu lassen
und ähnliches mehr. Daneben bewirtete man die
Als Bedruckstoffe benutzte man am Anfang häu- Badebesucher mit Speisen und Getränken und
fig noch Pergament, das aber allmählich vom unterhielt sie mit Spiel und Gesang. Die Tätigkei-
Papier verdrängt wurde. Dieses wurde als einmal ten, die über das eigentliche Badewesen im en-
(Folioformat), zweimal (Quartformat) oder drei- geren Sinne hinausgingen, wurden den Badern
mal (Oktavformat) gefalteter Bogen bedruckt und von der Berufsgruppe der Barbiere streitig ge-
jeweils zu Lagen zusammengefasst. macht, die den Badern v.a. die Ausübung der
Wundarzneikunde untersagen wollten.
Wie ein zündender Funke griff die Druckkunst
bald auf alle europäischen Länder über. Im Jahre Viele Badestuben waren darüber hinaus auch
1500 gab es etwa 63 deutsche Druckorte, in Eu- Bordelle. Diese Nähe zu Kuppelei und Prostituti-
ropa 200. Damals waren rund 27.000 Werke ge- on war der Hauptgrund dafür, dass die Bader und
druckt erschienen, die meisten noch in lateini- ihre Angestellten (Baderknechte, wie der Scher-
scher Sprache (77,5%). Aber immerhin ein knap- knecht und Badermädge, wie die Reiberin und
pes Viertel (22%) waren in den Landessprachen die Gewandhüterin) als "unehrlich" galten. Man-
gehalten. Neben kirchlichen Druckwerken (Bi- cherorts waren die Bader auch Leichenschauer
beln, Missalien) gab es das illustrierte Buch für und -wäscher.
den gebildeten Laien und das illustrierte Volks-
buch für größere Kreise. Ohne die Mobilisierung Vermutlich wegen ihrer "Unehrlichkeit" waren die
breiterer Leserschichten wäre die publizistische Bader vielfach nicht organisiert, jedoch gab es in
Wirkung der Reformationszeit nicht möglich ge- manchen Städten Bruderschaften, in anderen
wesen. (wie Lübeck und Hamburg) auch Ämter (Zünfte).

Barchent
Glossar
Bei Barchent handelt es sich um ein Mischgewe-
Bader be aus Baumwolle und Leinen. Die deutsche Be-
zeichnung Barchent stammt von arabischen
Als hauptberufliche, selbständig Gewerbetreiben- Wort barakàn, was "grober Stoff" oder "mantelar-
de hat es die Bader seit dem Hochmittelalter tiges Gewand" bedeutet.
wohl in allen Städten und in den bekannten Heil-
bädern gegeben. Bis in das 19. Jahrhundert ha- Die Herstellung des Barchents, die schon im 2.
ben sich die Bader um die Körperpflege und die Jahrhundert bekannt war, breitete sich nach ara-
wundärztliche Versorgung der Bevölkerung bischen Mustern im 12. und 13. Jahrhundert
gekümmert. Besonders im Spätmittelalter finden rasch in Europa aus; v.a. in Südost-Spanien, in
wir sehr viele Bader in den großen Städten vor, Oberitalien und stellenweise in Süd- und Nord-
so verfügte Wien über 29, Paris über 26 Bade- frankreich und den Niederlanden, d.h. meist in
stuben. Gebieten mit stark wachsender Bevölkerung, mit
Leinenproduktion und mit guten Handelsverbin-
Das Badewesen dürfte wohl zur Zeit der Kreuz- dungen zum Mittelmeer bzw. zu den Hauptim-
züge entstanden sein, als die zurückkehrenden porthäfen von Baumwolle (Venedig, Pisa, Ge-
Kreuzfahrer nicht nur die Badekultur des Orients nua, Marseille u.a.).
mitbrachten, sondern auch die arabische Lepra
(Aussatz). Heilung versprach das Schwitzbad, Als im 14. Jahrhundert die Baumwolle auf den
das gegenüber den bisher gebräuchlichen Was- mitteleuropäischen Märkten auftauchte, nahm
serbädern in Badewannen und Zubern an Attrak- zunächst das süddeutsche Leinengewerbe die
tivität und Verbreitung gewann. Möglichkeit wahr, mit einem Mischgewebe aus
Baumwolle und Leinen anspruchsvollere Qualität
In ihren oft recht komfortabel mit Ruhebetten anzubieten. Neben dem Vorteil, dass die Baum-
ausgestatteten Badestuben boten die Bader ne- wolle körperfreundlicher war, steigerte die zuneh-
ben Schwitz- und Wannenbädern auch andere mende Bevorzugung farbenfroherer Kleidungs-
Dienste an. Dazu gehörten das Kopfwaschen stücke seit dem späten Mittelalter die Nachfrage
und Kämmen, das Haare schneiden und Rasie- nach Barchent, da Baumwolle leichter Farbe auf-
ren. Außerdem übten sie die Wundarzneikunde nahm als Leinen. Schon bald stieg das Mischge-

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webe zum großen Konkurrenten der bisher ver- steins das Regal besaß und den Absatz des Roh-
breiteten Stoffe aus Wolle und Leinen auf. Die produktes monopolisierte. Die Bernsteinfischer
Barchente des Mittelalters variierten dabei vom mussten den gewonnen Bernstein an bestimm-
groben Kleiderstoff bis hin zum feinen Schleier ten Stellen einem sog. Bernsteinmeister ablie-
und zum Schiffssegel. fern, der diesen nach Königsberg weiterleitete.
Dort wurde der Bernstein nach Größe und Quali-
Möglicherweise gibt es eine Parallele zwischen tät sortiert und für den Export in Säcke gefüllt,
der Verbreitung des Spinnrades und der Ausbrei- von denen wiederum jeweils zwei in genormte,
tung der Barchentweberei. Einen großen Auf- von einem Königsberger Böttchermeister gefer-
schwung nahm die Barchentweberei in Schwa- tigte Tonnen verpackt wurden. Absatzmärkte wa-
ben, wo die Zentren Augsburg und Ulm waren, ren in erster Linie Lübeck und Brügge, wo der
aber auch in Böhmen und Schlesien. Die Dynas- Bernstein von sog. Liegern eingelagert und zum
tie der Fugger (das Bild zeigt Jakob Fugger gen. Verkauf übernommen wurde. Abnehmer waren
"den Reichen”, unter dem die Dynastie um 1500 die Bernsteindreher in Lübeck und Brügge, die
ihren Zenit erreichte) legte in Augsburg mit der aus dem Rohstoff Paternoster herstellten.
Leinen- und Barchentweberei den Grundstein für
ihren sagenhaften Reichtum.
Böttcher
(Bender, Fassbinder, Büttner, Küfer, Kübler)
Bernstein
Das Böttcherhandwerk gehört wohl zu den ältes-
Ein von obereozänen Koniferen stammendes ten speziellen Gewerben des holzverarbeitenden
fossiles Harz, das vornehmlich an Ost- und Sektors. Es dürfte von den Kelten und Germa-
Nordsee, selten im Mittelmeerraum (Sizilien) in nen zu den Römern gekommen sein und ist an-
den Schichten der sogenannten blauen Erde ge- scheinend auch im Mittelalter nördlich der Alpen
funden bzw. angespült wird. bedeutender geblieben als im Mittelmeerraum.

Neben anderen organischen Substanzen (Koral- Böttcher stellten Großgefäße wie Weinkufen,
len, Perlen) wird der Bernstein zu den Edelstei- Gär- und Maischbottiche für Bier, Badezuber und
nen gerechnet und war seit dem Frühneolitikum -wannen her. Zum Hilfsgewerbe des Handels
als Schmuckstein und Amulett beliebt. Seit 1600 wurden sie durch die Produktion von Tonnen, die
v. Chr. ist der Handel mit Bernstein mit dem Nor- als universelles Verpackungsmaterial im Mittelal-
den (Bernsteinstraßen) nachgewiesen. ter sehr gefragt waren. Daneben verfertigten die
Die antike Kenntnis des Bernsteins als Baumharz Böttcher Eimer, Schüsseln, Tröge und andere
(selbst die mythologische Überlieferung als Trä- hölzerne Haushaltsartikel.
nen der in Schwarzpappeln verwandelten Helia-
den deutet darauf hin) verlor sich im Mittelalter, Die Böttcher untergliederten sich stellenweise
wo der Bernstein als Erdsaft oder als Luchs- noch in die Groß- und Kleinböttcher und die Rot-
harn gedeutet wurde (so z.B. bei Hildegard von und Weißböttcher (nach dem für Gefäße und
Bingen). Tonnen verwendeten "roten" Eichenholz und
dem für Kleingefäße und Trockenfässer verwen-
Außer als Schmuck wurde Bernstein im Mittelal- deten "weißen" Pappel-, Tannen- und Fichten-
ter als Räuchermittel gegen Asthma und als Heil- holz).
mittel (stillend bei Blutungen, Harnbeschwerden,
Magenleiden, Rheumatismus, Hals- und Zahn- Im Regelfall bezogen die Böttcher des Hoch- und
schmerzen) verwendet. Spätmittelalters als Rohstoff das sogenannte
"Böttcherholz", wohl auf Standardgrößen vorge-
Über den Bernsteinhandel in vorhanseatischer sägte Bretter, die oft aus großen Entfernungen
Zeit ist aus dem nord- und mitteleuropäischem importiert wurden (die Hamburger Zunftordnung
Bereich nicht viel mehr bekannt, als dass Haitha- nennt z.B. Königsberger "Böttcherholz”). Daraus
bu für den im Ostseeraum vorkommenden Roh- entstanden durch Schneiden, Wässern und/oder
stoff und für die daraus angefertigten Spielsteine Feuern Dauben und Böden, aus denen die Ge-
und Amulette ein wichtiger Umschlagplatz gewe- fäße zusammengesetzt wurden. Neben den
sen ist. In hanseatischer Zeit war der einzige schon erwähnten Holzarten Eiche, Pappel, Fich-
Rohstofflieferant der Deutsche Orden, der für te und Tanne wurden Föhren- und Buchenholz,
das Sammeln des v.a. am West- und Nordstrand in Südeuropa auch Kastanienholz zu Dauben
der Halbinsel Samaland vorkommenden Bern- und Böden verarbeitet. Für die Fassreifen ver-

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wendete man Weiden- und Haselruten, seltener vielfach blieb das Färben eng mit der Tuchma-
eiserne Bänder, die dann wohl von Schmieden cherei verbunden und löste sich nur langsam aus
geliefert wurden. der Weberei heraus.

Mit der Färberei (Waschen, Beizen, Spülen, Fär-


Dorestad ben) war meist auch eine erhebliche Gewässer-
verunreinigung verbunden. So wurden in Nürn-
Ehemaliger karolingischer Handelsplatz in den berg Klagen laut, dass der "Waidmost" das Was-
Niederlanden, südlich von Utrecht, an der Gabe- ser der Pegnitz verschmutze. Ähnliches ist aus
lung von Rhein und Lek. Als castrum duristate ist Zwickau überliefert, wo mehr als hundert kleine
der Ort um 690 zum ersten Mal schriftlich belegt Färbereien die Gewässer des Stadtgebietes be-
- vielleicht das Relikt einer römischen Befesti- lasteten. Bezeichnung wie "Blauhandgasse"
gung am Limes. (Frankfurt) und "Blaubach" (Köln) deuten dieses
Problem an.
Der Aufstieg von Dorestad wurde insbesondere
begünstigt durch seine Verkehrslage an Rhein Die Prägung des Stadtbildes und die Konzentra-
und Lek, d.h. an einem sehr wichtigen Kreu- tion der Färbereibetriebe an den Wasserläufen
zungspunkt von Wasserwegen. In der Karolin- wird an der vielfach anzutreffenden Färbergasse,
gerzeit blühte die Stadt so als Handelsplatz auf, dem Färbergraben oder gar dem Färbertor er-
besonders in der Zeit zwischen ca. 750 und dem kenntlich.
Ende des ersten Drittel des 9. Jahrhunderts. Ne-
ben der günstigen Lage spielte der Schutz durch
den König eine zentrale Rolle. Dorestads Bedeu- Fondaco dei Tedeschi
tung geht aus archäologischen und numismati- (italienisch; "Haus der Deutschen")
schen Funden hervor sowie aus der Tatsache,
dass hier einer der wichtigsten Grenzzölle des Fondaco ist eine alte Bezeichnung für die Kauf-
Karolingerreiches erhoben wurde (779 belegt). häuser in den Mittelmeerländern und dem Ori-
ent, v.a. die Niederlassungen ausländischer
Nach wiederholten Verwüstungen durch die Nor- Kaufleute. Bei dem Fondaco dei Tedeschi han-
mannen (erstmals im Jahre 834, zuletzt 863) zer- delt es sich um die Handelsniederlassung der
fiel jedoch das Schutzverhältnis mit dem König, deutschen Kaufleute in Venedig (um 1200
womit auch die Rolle von Dorestad als internatio- erstmals urkundlich erwähnt).
naler Handelsplatz ein Ende fand. Vielleicht sind
aber auch die Veränderungen der Flussbetten In Venedig übernahm der Staat schon früh die
von Rhein und Lek dafür ausschlaggebend, dass Beherbergung Fremder in eigens dazu bestimm-
die Siedlung in der zweiten Hälfte des 9. Jahr- ten Häusern, auch mit dem Ziel einer Kontrolle
hunderts aufgegeben wurde. fremder Kaufleute und ihrer Geschäfte. Der Fon-
daco dei Tedeschi, am Canal Grande gelegen,
wurde als Wohn-, Lager- und Kaufhaus den deut-
Färber schen Kaufleuten überlassen und stellte einen ei-
genen Rechtsbezirk dar, in dem die Kaufleute
Im 12. und 13. Jahrhundert brachte der Levante- bruderschaftlich organisiert lebten. Die Anlage ist
handel die Verbreitung von neuer Farben und nahezu quadratisch, mit fünfbogiger Loggia zum
Techniken mit sich. Aus der Levante kamen u. a. Canal Grande hin und einem von drei Oberge-
Indigo, Farbhölzer (Rot- und Brasilholz), Safran, schoßen gesäumten Innenhof. Stand er am An-
Saflor (gelber Farbstoff aus der Färberdistel) und fang allen Deutschen offen, so sicherten sich je-
Krapp (natürlicher roter Farbstoff). Als Beizmittel doch im Laufe die Oberdeutschen eine gewisse
fand Alaun (Salz) Verbreitung, doch auch Vormachtstellung.
Aschenaufgüsse, Kalklaugen und Urin blieben
als Beizen in Gebrauch. Die neuen Beizenfarb- Der transalpine Handel, der den deutschen Kauf-
stoffe und die neuen Färbetechniken bildeten die leuten überlassen blieb, entwickelte sich sehr
Grundlage einer blühenden handwerklichen Fär- günstig; so wurde im Jahre 1472 der jährliche
berei. Umsatz mit 1 Million Dukaten angegeben.

Erste Färber werden in den Quellen um 1200 er- Eine erste Feuersbrunst wütete 1338; 1505
wähnt, aber erst seit dem 14. Jahrhundert kam brannte der Fondaco erneut ab, drei Jahre später
es zu zünftigen Zusammenschlüssen der Färber; konnte er wieder bezogen werden. Bis zum Jah-

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re 1805 sollte der Fondaco dei Tedeschi die geistlichen Stand bestimmt gewesen war. Jakob
Handelszentrale der deutschen Kaufleute in Ve- Fugger wurde am 6. März 1459 in Augsburg ge-
nedig bleiben. boren. Nach einer kaufmännischen Ausbildung in
Venedig leitete er ab 1485 an der Spitze seiner
Brüder das Familienunternehmen. Bereits 1505
Die Fugger beteiligte er sich unter Umgehung des veneziani-
schen Zwischenhandels am Ostindienhandel. Er
Schon im Jahre 1367 wird der Name des Web- machte die Fugger zum größten Bankhaus Euro-
meisters Hans Fugger in den Büchern der Stadt pas. Großzügige Darlehen an deutsche Fürsten
Augsburg verzeichnet. Die Familie arbeitete sich brachten ihn in den Besitz ertragreicher Kupfer-,
während der folgenden Generationen von We- Blei- und Silberbergwerke in Tirol, in Kärnten in
bern zu Verlegern hoch. Ursprünglich kauften die Spanien und auf dem Balkan - zeitweise verfügte
Weber die Rohstoffe, also die Garne, selbst auf die Familie über ein fast vollständiges Kupfermo-
dem Markt und verarbeiteten sie zu Tuchen. Die nopol. Schon bald lieh er auch den Habsburgern
Fertigwaren boten sie selbst auf dem Markt an, sein Geld: 1507 erhielt er als Pfand für ein Darle-
um von dem Erlös nach Abzug eines Gewinns hen an Kaiser Maximilian I. mehrere Herrschaf-
wieder Rohstoffe einzukaufen. Die Fugger als ten. Die Fugger sind ein Beispiel für die Anfänge
neuer Unternehmertyp, als Verleger, schalteten des Kapitalismus, der wiederum einen Schlüssel
sich zwischen die Weber und den Markt. Sie zur Macht bedeutete. Die Macht der Kapitalher-
kauften die Rohstoffe und teilten sie den Webern ren beinhaltete gleichzeitig die politische Macht.
zu. Deren produzierte Ware verkauften sie im 1504 geadelt, wurde Jakob Fugger 1514 in den
großen Stil wieder auf dem Markt. Die Weber Reichsgrafenstand erhoben.
gerieten so in Abhängigkeit von den Unterneh-
mern, die ihnen die Preise diktieren konnten. Das große Kapital wurde gezielt für politische
Zwecke genutzt. Fuggers größter Coup war die
Finanzierung der Wahl von Kaiser Karl V.
(1519). Als mit dem Tod Kaiser Maximilians I.,
dem Großvater Karls, die Frage nach der Nach-
folge im Kaisertum anstand, trat der schwelende
Konflikt der beiden Häuser Habsburg und Valois
um die Hegemonie in Europa offen zutage. Der
enorme Einsatz, mit dem sowohl Karl als auch
Franz I. von Frankreich ihre Kandidatur um die
Kaiserwürde betrieben, zeigt, dass beide Seiten
vom Vorrang ihres eigenen Hauses überzeugt
waren. Der Erfolg Karls bei der Wahl von 1519
bedeutete einen gewaltigen Prestigegewinn für
die Habsburger. Die Wahl Karls war nur mit Hilfe
des Reichtums von Jakob Fugger möglich ge-
worden, der eine enorme Summe zur Beste-
chung der Kurfürsten des Reiches aufbrachte.
Mit zunehmendem wirtschaftlichen Wohlstand Die Summen, die die Kurfürsten als Beste-
dehnten die Fugger ihre Aktivitäten über Augs- chungsgelder erhielten, sind nur noch ungefähr
burg und die Landesgrenzen hinaus aus. Jakob zu taxieren, aber es handelte sich nach unseren
heutigen Begriffen um Millionenbeträge.
I. (gest. 1479), der Stammvater der Linie der
"Fugger von der Lilie” mit ihrem Wappen in Gold
Jakob Fugger war außerdem am Ablasshandel
und Blau, gründete das Fuggersche Handels-
beteiligt, er finanzierte Kriege und beteiligte sich
haus, beteiligte sich am Tiroler Bergbau in
mit seinem Geld an kolonialen Unternehmungen.
Schwaz und erweiterte das Vermögen der Fami-
In seiner Heimatstadt Augsburg baute er als Un-
lie beträchtlich. Nun handelten die Fugger nicht
ternehmer für bedürftige Bürger eine Wohnsied-
nur mit Wolle, Seide, Barchent, Gewürzen und
lung, die "Fuggerei”, die auch heute noch be-
Luxuswaren aller Art, sondern wurden auch
steht. Hier konnten in Not geratene Arbeiter für
Großindustrielle. Ihre Vertreter saßen in allen
eine symbolische Jahresmiete leben.
wichtigen europäischen Handelszentren.
Jakob Fugger starb am 30. Dezember 1525 und
Chef des Hauses war seit 1510 Jakob II. Fugger, vererbte, da er kinderlos war, das Imperium sei-
bald der Reiche genannt, der eigentlich für den nen Neffen Anton (1492-1560) und Raymund

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(1489-1535). Wie Jakob unterstützten die Erben • Die Weißgerber stellten vor allem aus
den Kaiser, mussten jedoch durch Zerrüttung der Kalbs-, Schafs- und Ziegenfellen durch Mine-
spanischen Finanzen schwere Verluste hinneh- ralgerbung mit Alaun und Kochsalz die edle-
men. Mit dem aktiven Vermögen verringerte sich ren und dünneren Ledersorten (Bekleidungs-
auch der politische Einfluss. Anton gelang es leder) her.
aber, das Territorium der Fugger noch weiter
auszubauen (Erwerb von Babenhausen und Glött • Die Rot- oder Lohgerber stellten durch Ger-
1537 und von Kirchheim 1551). Dann zog er sich bung der großen und schweren Leder mit
schrittweise aus dem Finanzierungsgeschäft zu- Loh (Eichen- und Fichtenrinde) Leder für Sat-
rück. tel und Zaumzeug, Sohl- und Schuhleder her
(vegetabilische Gerbung) Rotgerber waren
Die Fugger und Luthers Thesenanschlag ferner spezialisiert auf die Herstellung von
Luxusleder. Sie zählten - im Gegensatz zu
Luthers Veröffentlichung seiner 95 Thesen gegen den Weißgerbern - meist zu den wohlhaben-
den Ablasshandel (31. Oktober 1517) wird heute den und sozial angesehenen, oft im Rat einer
als Beginn der Reformation betrachtet. Ob Lu- Stadt vertretenen Handwerken.
ther allerdings tatsächlich seine Thesen an der • Daneben gab es noch die Sämischgerber,
Wittenberger Schlosskirche, dem akademischen die den Weißgerbern eng verbunden waren.
Brauch entsprechend, angeschlagen hat, ist um- Als Gerbstoffe verwendeten sie tierische Fet-
stritten und vielleicht auf eine missverstandene te, vor allem Trane (Robben-, Wal-, Seehun-
Überlieferung zurückzuführen. In jedem Fall ver- d-, Leber- und Fischtrane), die in die Haut
sandte Luther seine Thesen gegen den Miss- der Kalbs-, Ziegen-, Schafs- und Rotwildfelle
brauch des Ablasses an Erzbischof Albrecht II. gewalkt wurden. Das auf diese Art gegerbte
von Mainz (1490-1545) und andere hohen Wür- Sämisch- oder Waschleder war angenehm
denträger. Der Erzbischof von Mainz hatte zahl- weich und widerstandsfähig gegenüber Was-
reiche kirchliche Ämter angehäuft und sich dies ser und Hitze und wurde vorzugsweise für
durch das Bankhaus Fugger finanzieren lassen. Handschuhe, Reithosen, Wämser, Schürzen
Die Rückzahlung dieses Kredites ermöglichte der und Putzleder verwendet.
Papst in Rom höchstpersönlich, in dem er dem
Erzbischof den Verkauf von Ablässen in seinem Zunächst waren die Rot- und Weißgerber meist
Gebiet auf mehrere Jahre hin gestattete. Gegen mit den übrigen Ledergerbern in einer Zunft zu-
diesen Misstand des Sündenfreikaufs richteten sammengefasst. In größeren Städten wie Lübeck
sich die Thesen Luthers, die dieser in einer aka- und Frankfurt traten Rotgerber bereits seit dem
demischen Disputation diskutieren wollte. Doch 14. Jahrhundert als eigenständige Kooperation
es sollte ganz anders kommen. auf, in Straßburg bestanden bereits seit 1390
drei gesonderte Gerberzünfte.
Da die frischen Häute einige Tage zur Reinigung
Gerber (Lederer) und zum Aufquellen im Wasser liegen mussten
und auch sonst Unmengen von Wasser ge-
Die Gerber oder Lederer verarbeiteten tierische braucht wurde lagen die Häuser der Gerber übli-
Häute und Felle mit Gerbstoffen zu Leder. Das cherweise an Flüssen und Bächen, was zu ei-
Handwerk wurde zunächst auch von Kürschnern, ner starken Verschmutzung der Gewässer führte.
Schuhmachern, Riemenschneidern, Sattlern und Der scheußliche Gestank, der von Gerbereien
Säcklern, meist für den eigenen Bedarf, ausge- ausging, zwang sie häufig zur Ansiedlung am
übt, und gelegentlich waren die einen oder ande- Stadtrand, oder es wurden ihnen bestimmte
ren mit den Gerbern in einer Zunft vereint. Un- Quartiere bzw. Straßen zugewiesen. In Prag wur-
klare Abgrenzungen zwischen den einzelnen den die Gerber im Spätmittelalter schlicht als
Handwerken und ökonomische Probleme führten "Stänker" verunglimpft.
an vielen Orten immer wieder zu heftigen Strei-
tigkeiten, wie ein Vielzahl von Verordnungen be- Die Arbeit der Ledergesellen war strapaziös und
legt. bedrohte die Gesundheit. Am meisten gefährdet
waren jene, die mit rohen Häuten zu tun hatten,
Im Norden und in den Küstenstädten konnten weil davon häufig Milzbrandinfektionen ausgin-
sich die Gerber erst relativ spät das ausschließli- gen, die fast stets tödlich endeten. Außerdem litt
che Recht der Lederherstellung sichern. Hinsicht- die Haut durch die Ätzwirkung des Kalks, das
lich der Produktionstechniken zerfällt das Ger- lange Stehen im kalten Wasser und die Durch-
berhandwerk nach den in Mitteleuropa gebräuch- nässung führten zu andauernden Erkältungen
lichen Gerbverfahren in 3 Gruppen: und rheumatischen Leiden.

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Haithabu Farbe ("Teufelsfarbe") setzte er sich durch. In


kristallisierter Form wurde er in die Werkstätten
Ehemaliger Siedlungsplatz aus der Wikingerzeit; geliefert und dort zerkleinert bzw. gerieben. Mit
verkehrsgeographisch günstig gelegen am in- dem Siegeszug des Indigo hörte der Anbau von
nersten Ende der Sohlei, einer ca. 40 km ins Waid auf.
Landesinneren reichenden Ostseeförde im nörd-
lichen Schleswig-Holstein. Bei Haithabu handelt Kogge
es sich um einen bedeutenden Fernhandels-
platz. Er war bevorzugtes Ziel christlicher Kauf- Als Kogge bezeich-
leute, z.B. aus Dorestad und aus dem sächsisch- net man einen an
norddeutschen Raum. Außerdem lässt sich in der friesischen Wat-
Haithabu - fasst man alle strukturellen und funk- tenküste entwickel-
tionalen Bedeutungskriterien zusammen - das ten Schiffstypus. Ar-
erste Mal in Nordeuropa eine städtische Sied- chäologisch ist er
lungsorganisation erkennen. seit dem 7./8. Jahr-
hundert greifbar,
Aus den archäologischen Grabungen hat man schriftlich seit dem
folgendes Bild der Siedlung entwickelt: 9. Jahrhundert. Dabei handelt es sich um ein Se-
• Die Besiedlungsdauer von Haithabu reichte gelschiff mit hohen Bordwänden; es wurde zum
vom mittleren 8. bis ins 11. Jahrhundert. typischen, auf allen Fahrtgebieten eingesetzten
Schiff der Hanse, weshalb auch viele Hansestäd-
• Anhand der verschiedenen Bestattungssitten te die Kogge im Wappen führten. Die Kogge war
ist die Anwesenheit von Sachsen, Friesen, größer und mit geklinkerten Planken stabiler ge-
Slaven und Schweden neben der überwie- baut als bisherige Typen, dadurch wurde sie
genden Mehrzahl von einheimischen Dänen tragfähiger und war mit einer größeren Ladeflä-
in Haithabu verbürgt. che ausgestattet. Außerdem war die Kogge mit
• Die Siedlung umfasste ca. 1.000 Einwohner. einem Heckruder ausgestattet, durch das die Ma-
növrierfähigkeit wesentlich verbessert wurde.
Außerdem wird Haithabu als Bischofsstadt erst- Verwendung fand die Kogge in dieser Funktion
mals 948 erwähnt; von ca. 835-860 und von ca. bis in das 15. Jahrhundert.
900-985 war es Münzstätte. Die Bedeutung von
Haithabu ging im 11. Jahrhundert wegen der Die größte bisher bekannte Kogge, die ca. aus
Verlandung des Hafens zugunsten von Schles- dem Jahre 1380 stammt, wurde 1962 im Bremer
wig zurück, wo größere Schiffe landen konnten. Hafen gehoben und ist 23,67 m lang, 7,62 m
Der Niedergang der Siedlung wurde beschleunigt breit und mittschiffs 4,62 m hoch. Sie verfügte
durch die Zerstörungen in der Mitte des 11. Jahr- über eine Ladefähigkeit von 120 Tonnen und
hunderts (Norweger 1050 und/oder Slaven brauchte 15 bis 20 Mann Besatzung.
1066).
Im 15. Jahrhundert
kamen als neue
Indigo Schiffstypen der
Holk (größeres
Bei Indigo handelt es sich um die, aus den rosa- Schiff mit 300 Ton-
roten bzw. purpurnen Blüten eines tropischen nen Zuladung und
Schmetterlinsgblüters gewonnene Textilfarbe mehrstöckigen Auf-
Blau, die auch in Waid enthalten ist. Im Mittelal- bauten auf dem Vor-
ter wurde Indigo aus den indisch-persischen An- der- und dem Ach-
baugebieten meist über Bagdad in das Mittel- terdeck) und das Krawel (Dreimaster mit 400
meergebiet transportiert. Seit Mitte des 12. Jahr- Tonnen Ladefähigkeit) hinzu.
hunderts wurde Indigo von oberitalienischen
Kaufleuten nach Europa eingeführt; spätestens Kontor
seit Anfang des 14. Jahrhunderts war er in Ober-
deutschland bekannt. Nach 1500 waren die Por- Ursprünglich die Bezeichnung für einen pultarti-
tugiesen die wichtigsten Träger des Handels mit gen Schreib- oder Laden-/Zahltisch, der ein Fach
indischem Indigo nach Antwerpen. Erst nach zur sicheren Aufbewahrung wertvoller Gegen-
1500 konnte der Indigo den Waid verdrängen. stände (Geschäftsbriefe, Rechnungsbücher,
Trotz obrigkeitlicher Verbote der "fressenden" Geld) besaß.

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Kontor kennzeichnet darüber hinaus die Schreib- Der Umgang mit den Fellen toter Tiere hatte zur
und Geschäftsstube eines Kaufmanns, die mit Folge, dass die Kürschnerei zu den unreinen
zunehmender Schriftlichkeit, entwickelteren For- Handwerken gerechnet wurde. Die starke Ge-
men des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und der ruchsbelästigung und das laute Getöse, womit
Buchführung sowie dem Sesshaftwerden der ihre Arbeit verbunden war, führte zu bestimmten
Kaufleute zum organisatorischen Mittelpunkt ei- Auflagen: mancherorts durften sich die Kürsch-
nes manchmal weit verzweigten Geschäftsbetrie- ner nur am Stadtrand niederlassen. Trotz der
bes wurde. "Unreinheit" ihrer Arbeit zählten die Kürschner zu
den angesehensten und oft ratsfähigen Handwer-
Im 16. Jahrhundert wurden im hanseatischen kern. Auch waren sie meist wohlhabend, da sie
Raum auch die im 13. und 14. Jahrhundert ent- den Fernhandel selbst in der Hand hatten und
standenen Niederlassungen der norddeutschen auch die Fertigwaren direkt an die Verbraucher
Kaufleute im Ausland, speziell in Novgorod, Ber- verkauften. Gemessen an der Zahl der Meister
gen, London und Brügge, Kontoren genannt. Sie bildeten die Kürschner ein starkes Handwerk.
waren die wichtigsten Stützpunkte des hanseati-
schen Handels, galten selbst jedoch nicht als Neben den Fellen von in Mitteleuropa verbreite-
Mitglieder der Hanse. Das Zusammenleben und ten Haus- und Wildtieren (Fuchs, Dachs, Hams-
die Beziehungen zu den ausländischen Ge- ter, Iltis, Otter, lange auch Bär, Wolf und Luchs)
schäftspartnern waren streng geregelt. An der verwendete der Kürschner fremdländische Felle,
Spitze der Kontoren standen gewählte Aldermän- die er in der Regel konserviert (durch Einsalzen)
ner, zu deren Hauptaufgaben die Vertretung der erwarb. Hauptlieferant war hier Russland, von
hanse-kaufmännischen Interessen gegenüber wo aus neben dem kostbaren Zobel die Felle von
den örtlichen Obrigkeiten, die Aufrechterhaltung Biber, Feh (Eichhörnchen) und Wolf importiert
der Ordnung innerhalb der Kontore und - v.a. in wurden.
London und Brügge - die Übernahme diplomati-
scher Missionen in gesamthanseatischen Ange- Kleiderordnungen legten im Mittelalter übrigens
legenheiten gehörten. fest, welche Pelzarten die einzelnen Stände tra-
gen durften.

Kürschner
Papier
Der Kürschner, der im deutschen Sprachraum
auch Pelzer, Buntfütterer, Wild- und Grauwerker (von lat. papyrum für ägpt. papyrus)
genannt wird, beschränkt heute seine Tätigkeit
auf das Schneidern von Pelzwerk und den Ver- Erfunden wurde das Papier, ein Beschreibstoff
aus natürlichem Faservlies, im 1. oder 2. Jahr-
kauf von Konfektionsware. In der Vergangenheit
lag in seiner Hand aber auch der Handel mit ro- hundert v. Christus im Südwesten Chinas. Im 8.
hen Fellen sowie deren Zubereitung zu Pelzen, Jahrhundert trat es im westlichen Kulturkreis in
zu Rauh- und Rauchwerk sowie die Einfärbung. Erscheinung, wobei die Übermittlung durch die
Bereits im 9. Jahrhundert ist althochdeutsch und Araber erfolgte, deren Herrschaft im 7. Jahrhun-
altsächsisch das Wort "kursinna" (Pelzrock) be- dert bis an die Westgrenzen Chinas reichte. Im
legt, vom dem sich die Handwerksbezeichnung 10. Jahrhundert kann man die Herstellung von
(auch Kürsner, Kursener) ableitet. Papier in den Mittelmeerländern beobachten.

Bereits früher als die meisten anderen Handwer- Wann genau das erste Mal in Europa Papier her-
ke lässt sich für die Kürschner ein Zusam- gestellt wurde, ist kaum nachzuweisen. Im arabi-
menschluss zu Zünften nachweisen; die ältesten schen Cordoba, in dem im 10. Jahrhundert
bekannten Satzungen sind 1160 im französi- große Bibliotheken entstanden, war der Ge-
schen Raum in Rouen bestätigt wurden. Im deut- brauch von Papier weit verbreitet, so dass das
schen Raum finden sich in folgenden Städten Bestehen von Papiermühlen am Ende des 10.
Kürschnerzünfte: Basel (1226), Breslau (1273), Jahrhunderts hier als gesichert gelten kann.
Braunschweig (1277) und Berlin (1280). Man-
cherorts bildeten sie eine gemeinsame Zunft mit Die erste deutsche Papiermühle wurde von Ul-
verwandten Handwerkern; in Braunschweig zeit- man Stromer 1390 in Nürnberg gegründet. In Ra-
weise mit den Weißgerbern (Gerber) und den vensburg (1393), Lübeck (1420), Straßburg und
Handschuhmachern, in Basel mit den Schnei- Augsburg (1445), Ulm (vor 1476) und an weite-
dern. ren Orten entwickelten sich Papierwerke. Um

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1450 gab es in Deutschland ca. 10 und um 1500 (v.a. für in Paris hergestellte Taschenbibeln), das
rund 60 Orte mit Papiermühlen. wohl aus Häuten von totgeborenen Tieren oder
sehr jungen Schafen und Ziegen gewonnen wur-
Die arabische Papierherstellung stellte eine wich- de.
tige Stufe der technischen Fertigung dar. Im Ge-
gensatz zu China, wo v.a. Bambusfasern als Pergament wurde zunächst im Umkreis von klös-
Rohstoff dienten, wurden bei den Arabern Textil- terlichen Skriptorien zu eigenen Zwecken herge-
abfälle zum Hauptrohstoff (Gewebe, Stricke). stellt. Im Verlaufe des Mittelalters wurde das Per-
gament schließlich zu einem bürgerlichen Ge-
Der Beginn der Papierherstellung im Süden Eu- werbe, deren Betreiber man 'pergamentarii', 'par-
ropas traf mit großen technischen Innovationen cheminiers', buchfeller o.ä. nannte.
zusammen. Neben den wissenschaftlichen Fort-
schritt traten auch kulturelle Veränderungen: Ge-
werbestädte und - landschaften, Handelsgesell- Riemenschneider
schaften mit Fernhandel, Geldverkehr und dop-
pelte Buchführung sowie neue Produktionsgüter Riemenschneider verarbeiteten Rind-, Schweins-
wie das Papier bedingten sich gegenseitig. So und Wildleder zu Gürteln, Zaumzeug und Zugge-
waren die Handelszentren auch Orte der Papier- schirr von Pferden, aber auch zu Modeprodukten
herstellung. wie Strumpfbändern. Die Riemenschneider stan-
den dabei in Konkurrenz zu einer Reihe anderer
Berufe, die mit der Verarbeitung von Leder be-
schäftigt waren, besonders zu den Sattlern, den
Pergament
Gürtlern bzw. Riemenschlägern, aber auch zu
den Beutlern und Nestlern; letztere durften Beu-
Das Pergament ist benannt nach der antiken
tel nur aus Lederstreifen herstellen, außerdem
Stadt Pergamon (heute Bergama) in Kleinasien,
waren sie als Lederfärber tätig. Beutler und Nest-
in hellenistischer und römischer Zeit eines der
ler hatten ihre Blütezeit im 14. und 15. Jahrhun-
wichtigsten Kulturzentren, wo König Eumenes II.
dert, als man zu den enganliegenden Kleidern
(197-159 v. Chr.) zur Herstellung von Schriftrol-
Beutel trug. Häufig waren diese Berufe in einer
len dünne, rasierte Schafshäute verwendet ha-
Zunft vereint, so etwa 1375 in Hamburg die Rie-
ben soll.
menschneider, Glaser, Maler, Sattler, Beutel-
Pergament ist enthaarte und auf einem Spann-
und Taschenmacher. Nur in größeren Städten
rahmen getrocknete, nicht gegerbte Haut von
wie Lübeck oder Köln waren Riemenschneider
verschiedenen Tieren. Im Gegensatz zum Papy-
und Gürtler (Riemenschläger) in getrennten
rus ist Pergament glatt, reißfest und nicht brü-
Zünften organisiert. Aber auch hier werden Rie-
chig sowie auf beiden Seiten beschreibbar. Dar-
menschneiderzünfte erst am Ende des 14. Jahr-
über hinaus bietet es bessere Möglichkeiten für
hundert und Anfang des 15. Jahrhundert er-
die Buchmalerei.
wähnt. Sie gehörten nirgends zu den großen und
reichen Zünften.
Als ältestes beschriebenes Pergamentblatt gilt
ein Vertrag aus Dura-Europos von der Wende
Mehr Informationen als über die Riemenschnei-
des 3. zum 2. Jahrhundert vor Christus. Gegen-
der haben wir über die Gürtler, deren Arbeit in
über dem Papyrus setzte sich das Pergament im
erster Linie im Anfertigen der metallenen Schlie-
weströmischen Reich im 4. Jahrhundert nach
ßen und Beschläge und im Versilbern und Ver-
Christus durch, parallel zum Sieg des Christen-
golden lag; daraus ist zu schließen, dass die Ar-
tums. Durch die vergleichsweise geringe Schrift-
beit der Riemenschneider mehr das Schneidern,
lichkeit des Mittelalters konnte das Pergament
Verzieren und eventuell das Färben des Leders
bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts seine Mo-
betraf. Die Riemenschneider erhielten - ebenso
nopolstellung halten. Nach dem Siegeszug des
wie die Sattler - mitunter Großaufträge: Die
Papiers wurde Pergament hauptsächlich noch für
Wiener Riemenschneider des 14. Jahrhunderts
anspruchsvollere Handschriften und Bildträger
waren geradezu ein Exportgewerbe und lieferten
verwendet.
nach Polen, Siebenbürgen und Ungarn.
Das Rohmaterial, aus dem Pergament im Mittel- Zunftordnungen der Riemenschneider und der
alter hauptsächlich hergestellt wurde, waren Gürtler lassen erkennen, dass sie nicht nur unter-
Häute von Ziegen, Schafen und Kälbern. Im einander in Konkurrenz standen, sondern auch
Spätmittelalter wurde dann ganz dünnes, feines oft mit den Krämern ihrer Städte, die eingeführte
Pergament ("Jungfernpergament") gebraucht Waren anboten.

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Sattler Kunde übers Land und erledigten vor Ort die Ar-
beit. Gegen Ende des Mittelalters und im Laufe
Die Geschichte des Sattlerhandwerks ist geprägt der Frühen Neuzeit gingen die Riemenschneider
von vielen Berufsspaltungen und wechselvollen im Sattlerhandwerk auf.
Anpassungen an die jeweiligen Bedürfnisse. Ne-
ben dem Handwerk der Sattler entwickelte sich
Das Verlagssystem
im 14. Jahrhundert das der Riemenschneider zu
einem ebenbürtigen Gewerbe. Da ihre Aufgaben-
Bei dem Verlagssystem handelt es sich um eine
gebiete sich überschnitten, lagen die beiden Be-
Organisationsform der Gewerbeproduktion im
rufszweige ständig in Rivalität. Im Allgemeinen
Mittelalter. Seit der Zeit um 1400 wurde es nach
grenzten sich die Aufgabenbereiche zwischen
französischen und italienischen Vorbildern zu-
Sattlern und Riemenschneidern so ab, dass der
nächst in Oberdeutschland (vor allem bei der
Sattler eben Sättel anfertigte, der Riemenschnei-
schwäbischen Tuchproduktion und im Nürnber-
der eben Zaumzeug, d.h. Gurte und Riemen.
ger Metallgewerbe) üblich, dass ein meist dem
Kaufmannsstand angehöriger Verleger dem pro-
Der Werkstoff der Sattler war das Leder in ver- duzierenden Handwerker Herstellungsaufträge
schiedenen Zubereitungsarten. Die Zubereitung erteilte, das Rohmaterial vorstreckte ("verlegte"),
und Gerbung des Rohmaterials besorgten häufig die Produktion gegen Festpreis abnahm und auf
die Sattler selbst, wobei sie Rücksicht auf die der Grundlage entsprechender Marktkenntnisse
Gerber zu nehmen hatten. In der Praxis hatten den Absatz der Waren im größeren Stil organi-
die Sattler gegen die Riemenschneider den Vor- sierte.
teil, dass sie neben der schwierigen Art des Sat-
telmachens auch noch das Riemerhandwerk be- Produzierende Handwerke, deren Meister sich
herrschten, umgekehrt scheiterten die Riemen- dem Verlagssystem anschlossen, erlangten da-
schneider am Sattel. durch erhebliche Wettbewerbsvorteile gegenüber
den Handwerken, die in der Organisationsform
Das Sattlerhandwerk erfuhr stets starke Konkur- der Zunft verharrten und dadurch, je länger umso
renz durch Landhandwerker und so genannte mehr, in der wirtschaftlichen Entwicklung behin-
Pfuscher; die Sattler waren ein Störgewerbe, d.h. dert waren. Die Verleger beschäftigen häufig
sie zogen mit ihren Werkzeugen von Kunde zu Heimarbeiter, die keinerlei Zunft angehörten.

Didaktische Hinweise

Die Sendung kann im Geschichts- und GSE-Unterricht ab der 7. Jahrgangsstufe eingesetzt werden.

Lernziele

Die Schülerinnen und Schüler sollen

• das Handwerk als bedeutendsten Wirtschaftszweig der spätmittelalterlichen Stadt erkennen;


• die vorgestellten Handwerksberufe und ihre Produkte nennen können;
• Einblick in die Arbeitsbedingungen im Handwerk erhalten;
• über die Zünfte und ihre Aufgaben Bescheid wissen;
• einen Überblick über das Angebot auf einem mittelalterlichen Markt bekommen;
• wichtige Vorschriften und Dienstleistungen der Stadt für ihren Markt kennen lernen;
• Einblick in die mittelalterliche Geldwirtschaft erhalten;
• über die Arbeit der Groß- und Einzelhandelskaufleute Bescheid wissen;
• das neu aufkommende Handwerk der Papiermacher und seine Bedeutung kennen lernen;
• den Einfluss der Buchdrucker und Verleger auf die Kommunikation und Wissensvermittlung im
ausgehenden Mittelalter kennen und beurteilen.

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Arbeitsaufträge

Beobachtungsaufträge

Welche Berufsgruppe lieferte den größten Beitrag zur Wirtschaftskraft der mittelalterlichen Städte?

Notiere die gezeigten Handwerksberufe und die zugehörigen Produkte!

Welche Mitarbeiter beschäftigte ein Handwerksmeister? Wie lange währte die tägliche Arbeitszeit?

In welchen Verbänden waren die Handwerker organisiert? Was waren die Aufgaben dieser
Verbände?

Notiere die Waren, die auf dem mittelalterlichen Markt angeboten wurden!

Welche Einrichtungen bot der Rat der Stadt den Markthändlern?

Womit wurden die Waren auf dem Markt bezahlt? Wer war für die Herstellung dieser Währung
zuständig?

Wer war für die Beschaffung von Importwaren zuständig?

Welche Handwerksberufe führten zu einer Verbesserung der überörtlichen Verbreitung von


Nachrichten und Wissen?

Links

http://www.planet-schule.de/sf/php/02_sen01.php?sendung=4115
Möglichkeit zum Download der Sendung bei Planet Schule

http://www.planet-schule.de/wissenspool/die-stadt-im-spaeten-mittelalter/inhalt/sendungen/die-stadt-
im-spaeten-mittelalter/handel-handwerk-marktgeschehen.html
Informationen zur Sendung bei Planet Schule; mit Lernsoftware

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