Sie sind auf Seite 1von 17

UGARIT-FORSCHUNGEN

Internationales Jahrbuch
für die Altertumskunde Syrien-Palästinas

begründet von Manfried Dietrich und Oswald Loretz †

unter Mitarbeit von Josef Tropper

herausgegeben von
Manfried Dietrich und Ingo Kottsieper

Beratergremium
J. Bretschneider • K. A. Metzler
R. Schmitt • W. H. van Soldt • J.-P. Vita

Band 47
2016
Manfried Dietrich : ugarit@uni-muenster.de
Ingo Kottsieper : Ingo.Kottsieper@mail.uni-goettingen.de
Josef Tropper : josef.tropper@t-online.de

Redaktion
Ugarit-Verlag, Salzstr. 45, D-48143 Münster
(Kai A. Metzler : metzler@ugarit-verlag.de)

Für unverlangt eingesandte Manuskripte kann keine Gewähr übernommen werden.


Die Herausgeber sind nicht verpflichtet,
unangeforderte Rezensionsexemplare zu besprechen.
Manuskripte für die einzelnen Jahresbände werden jeweils
bis zum 31. 12. des vorausgehenden Jahres erbeten.

© 2016 Ugarit-Verlag, Münster


(www.ugarit-verlag.com)
Alle Rechte vorbehalten
All rights reserved. No part of this publication may be reproduced,
stored in a retrieval system, or transmitted, in any form or by any means,
electronic, mechanical, photo-copying, recording, or otherwise,
without the prior permission of the publisher.

Printed in Germany

ISBN 978-3-86835-231-3
ISSN 0342-2356

Printed on acid-free paper


Inhalt

Artikel
Stefan Bojowald
Zum Gebrauch des Verbs „kochen“ im Sinne von „Pflanzen reifen“.
Eine Antwort auf Benjamin Kilchör ................................................................ 1
Manfried Dietrich
Beschreibungslieder von Mensch und Tier im Kirtu-Epos................................... 7
Meir Edrey
Phoenician Ethnogenesis. The Crucial Role of Landscape
in the Early Shaping of Phoenician Culture .................................................. 41
Betina I. Faist / Josué-Javier Justel / Ferhan Sakal /
Juan-Pablo Vita
Bibliografía de los estudios de Emar (7) ....................................................... 53
Israel Finkelstein
Comments on the Abimelech Story in Judges 9 ............................................ 69
Philippe Guillaume
Wonder Woman’s Field in Proverbs 31: Taken, not Bought!
Economic Considerations on Proverbs 31:16 ............................................... 85
Issam K. H. Halayqa / Mohammad Abu Rmilah
Middle Bronze II – Iron II Scarabs from Palestine...................................... 103
Giovanni Mazzini
The Expresion šḥr ṯlṯt in Ugaritic Legal Language and a Parallel
in Ancient South Arabian ........................................................................... 123
Nadav Na¬aman
Memories of Canaan in the Old Testament ................................................. 129
Hermann Michael Niemann
Juda und Jerusalem. Überlegungen zum Verhältnis von Stamm und
Stadt und zur Rolle Jerusalems in Juda ....................................................... 147
Łukasz Niesiolowski-Spanò
Functional Ethnicity. Or, How to Describe the Societies of Ancient
Palestine? .................................................................................................... 191
iv Inhalt [UF 47

Manfred Oeming / Keren Ras / Ido Koch / Anat Weinberg-Cohen /


Yuval Gadot / Oded Lipschits
Late Bronze Age Figurines from Tel Azekah.............................................. 205
T. M. Oshimia
A Babylonian Marduk Prayer found at Ugarit (RS 94. 2498) ..................... 221
Katsuji Sano
Die Eroberungen von Ägypten durch Asarhaddon und Aššurbanipal ......... 251
Michael Stahl
Ḥērem-Warfare at Ugarit? Reevaluating KTU 1.13 and KTU 1.3 II ........... 265
M. Justin Walker
The Wings of the Dove are Covered with Silver. The (Absent)
Presence of the Goddess in Psalm 68 .......................................................... 301
Manfred Weippert
„Veni de Libano, sponsa!“. Hoheslied 4,8 .................................................. 343
Nicholas Wernick
Ancient Near Eastern Battering Rams. Questioning their Penetrative
Power and Target Location ......................................................................... 371
Masamichi Yamada
Did terḫatu Mean “Dowry” in Emar? ......................................................... 415
Wolfgang Zwickel
Zwei Aramäerstaaten in der Beqa®-Ebene : Bet-Rehob und Aram-Zoba..... 431

Buchbesprechungen und Buchanzeigen


Davide NADALI / Jordi VIDAL (eds.): The Other Face of the Battle: The
Impact of War on Civilians in the Ancient Near East (Nicholas Wernick) . 449
Studia Mesopotamica, Bde. 1–3 (2014–2016) (Ludger Hiepel) ....................... 453
Pieter Gert VAN DER VEEN : The Final Phase of Iron Age II in Judah,
Ammon, and Edom: A Study of Prevenanced Official Seals and
Bullae as Chronological Markers (Rüdiger Schmitt) ................................. 464

Abkürzungsverzeichnis ..................................................................... 467

Indizes
A Stellen .................................................................................................... 475
B Wörter .................................................................................................... 478
C Namen .................................................................................................... 480
D Sachen.................................................................................................... 484
Die Eroberungen von Ägypten
durch Asarhaddon und Aššurbanipal

Katsuji Sano, Tübingen *

Es ist weithin bekannt, dass Asarhaddon im Jahre 671 v.Chr. und später auch
Aššurbanipal, der Nachfolger Asarhaddons, das Land Ägypten eroberten. Zwar
werden diese Eroberungen in der Literatur oft als historisch wichtige Erfolge dar-
gestellt, die den Höhepunkt des assyrischen Reiches markierten, aber meines Er-
achtens wird selbst in der Assyriologie nur vage wahrgenommen, wie beide Kö-
nige es konkret verstanden, das Land Ägypten zu beherrschen. Weil es keinen
deutlichen Beleg gibt, der einen Blick auf die vor Ort ausgeübte assyrische Herr-
schaftsweise erlaubt, sind wir auf Angaben angewiesen, die für den heutigen Le-
ser schwer verständlich sind. Um kurz auf das später Dargestellte vorzugreifen :
In den zu erörternden Texten wird berichtet, dass die assyrischen Könige nach der
Eroberung bzw. Wiedereroberung Vasallenkönige und assyrische Statthalter ein-
setzten. Das heißt, man kann aus diesen Angaben nicht klar ersehen, ob das be-
treffende Land zum Vasallenstaat gemacht oder unmittelbar als Provinz in Assy-
rien eingegliedert wurde. In dem vorliegenden Beitrag möchte ich meine Inter-
pretation der entsprechenden Angaben vorlegen und den Sachverhalt der assyri-
schen Herrschaft in Ägypten argumentativ darstellen.
Betrachten wir also die Umstände der Eroberungen Ägyptens durch Asarhad-
don und Aššurbanipal. Obwohl Asarhaddon im Jahre 674 v.Chr. seinen ersten
Feldzug gegen Ägypten durchführte, ist in seinen Königsinschriften davon keine
Rede, denn nach der babylonischen Chronik, iv 16, wurde das assyrische Heer am
5. Addaru (Feb./März) im siebenten Regierungsjahr Asarhaddons in Ägypten be-
siegt.1 Doch im Jahre 671 v.Chr. gelang es Asarhaddon in einem zweiten Feldzug,
Ägypten zu erobern, indem er Taharqa, dem König von Ägypten und Kusch, eine
Niederlage beibrachte und die Stadt Memphis einnahm. Auch wenn Asarhaddon
den geflohenen Taharqa nicht gefangen nehmen konnte, deportierte er dessen Fa-
milie und Sippe zusammen mit den Palastbediensteten und den Militärpersonen

*
Ich danke Herrn Prof. Dr. Andreas Fuchs für wichtige Hinweise.
1
Grayson, 1975, 84. Hierzu vgl. auch Kahn, 2006, 252.
252 K. Sano [UF 47

nach Assyrien.2 Die Information über die Situation des Landes Ägypten nach der
Eroberung durch Asarhaddon kann man insgesamt neun Königsinschriften ent-
nehmen. Die Übersetzungen der diesbezüglichen Nachrichten werden im Appen-
dix zusammengefasst, der zugleich einen Überblick über Art und Fundort der
Königsinschriften und das Jahr der Entstehung der Texte gibt. Die dort angeführ-
ten Beispiele 1–4 gehören zu den Inschriften Asarhaddons; die Beispiele 5–9 zäh-
len zu den Inschriften Aššurbanipals. Mit Ausnahme von Beispiel 4 berichten die
Königsinschriften Asarhaddons nur sehr knapp, wie Asarhaddon über Ägypten
herrschte. Die Königsinschriften Aššurbanipals hingegen sind diesbezüglich aus-
führlicher. Allerdings gibt es keine Widersprüche zwischen den Inschriften beider
Könige. Die im Appendix übersetzten Angaben zur Situation nach der Eroberung
von Ägypten, nämlich, dass Asarhaddon Könige und Statthalter einsetzte (Bei-
spiele 1, 2, 3, 5, 7, 8, 9), lassen vermuten, dass Asarhaddon einheimische Vasal-
lenkönige zusammen mit assyrischen Statthaltern einsetzte und sie gemeinsam
vor Ort die Regierungsgeschäfte führen ließ, indem er Ägypten als Provinz ins
assyrische Reich annektierte. Einige Wissenschaftler, unter anderem E. Forrer, M.
Cogan, J. N. Postgate, R. G. Morkot, P. Dubovský und G. B. Lanfranchi, gehen
davon aus, dass Ägypten durch Asarhaddon als assyrische Provinz eingerichtet
und unmittelbar ins assyrische Reich annektiert wurde, wobei sie auf die betref-
fende Formulierung nicht weiter eingehen.3
Es ist nötig, zunächst die Informationen in Prisma C ii 85–96 und Prisma A i
90–113 zu betrachten, wo die eingesetzten Könige namentlich jeweils für die ein-
zelnen Städte aufgelistet sind (Beispiele 8, 9). K. Radner schlägt vor, dass der in
einem Dokument (SAA 6, Nr. 142) im Zusammenhang mit einem Hauskauf in der
Stadt Ninive als einer der Zeugen bezeichnete “Šusanqu, Verschwägerter des Kö-

2
Insgesamt fünf Königsinschriften sowie die babylonische Chronik erwähnen die
Deportation aus der Stadt Memphis. In Bezug auf die aufgelisteten Deportierten gibt es
Unterschiede zwischen den Texten. Vgl. Leichty, 2011, 185–186 Nr. 98 [Mnm. A] Rs.
43–45 ; 192 Nr. 103 [Mnm. C] 12–13 ; 93 Nr. 38 [Frt. I] 17’–24’ ; 55 Nr. 9 [Nin. S] 6’–
17’ ; 63 Nr. 15 [Frt. K] 7’–8’ ; Grayson, 1975, 85 Bab.Chr. iv 27.
3
Forrer, 1920, 67–68, 70 ; Cogan, 1974, 52–55 ; Postgate, 1992, 251 ; Morkot, 2000, 272 ;
Dubovský, 2012, 450 ; Lanfranchi, 2011, 225. Zwar legt Forrer auf S.70 in seinem Buch
als Beweis für die Provinzialisierung von Ägypten die Einschreibung von KUR.mu-ṣu-r[i]
in der Bezirksliste K.4383 – jetzt auch SAA 11, Nr. 1 Rs. 5 (Fales / Postgate, 1992, 5’) –
vor, aber dieser Beleg ist nicht überzeugend, weil diese Liste nicht nur die assyrischen
Provinzen, sondern auch die Vasallenstaaten umfasst. Hier möchte ich betonen, dass K.
Radner in dem Artikel Provinz C im Reallexikon der Assyriologie das Land Ägypten nicht
für eine assyrische Provinz hält. Allerdings kann man den Grund nicht verstehen, weil in
diesem Artikel nur die assyrischen Provinzen behandelt werden. Vgl. Radner, 2006–2008,
42–68. Soweit ich weiß, hat Radner die Interpretation über die betreffende Formulierung
in anderen Büchern bzw. Abhandlungen noch nicht dargelegt.
2016] Die Eroberungen von Ägypten durch Asarhaddon und Aššurbanipal 253

nigs (Išu-sa-an-qu ḫa-at-na MAN)” mit einem ägyptischen Prinzen zu identifi-


zieren sei, der im Jahre 701 v.Chr. auf dem Schlachtfeld bei Altaqû durch San-
herib gefangengenommen worden war, und dass Šusanqu zusammen mit anderen
gefangengenommenen ägyptischen Prinzen bis in das Jahr 671 v.Chr., in dem er
als König der Stadt Busiris eingesetzt wurde, am assyrischen Hof als „royal
guest“ behalten worden sei, und dass ihm während des Aufenthaltes in Assyrien
die Tochter Sanheribs zur Frau gegeben worden sei.4 Obwohl Radners Vorschlag
in Bezug auf die Behandlung des Šusanqu am assyrischen Hof problematisch ist
(siehe unten), ist die Identifizierung des Šusanqu überzeugend. Folgt man den
Vorschlägen Radners zu seiner Identifizierung, wäre es naheliegend zu vermuten,
dass auch Šarru-lū-dāri, der einen assyrischen Namen hat, einer der von Sanherib
gefangengenommenen ägyptischen Prinzen war und durch Asarhaddon in der
Stadt Pelusium eingesetzt wurde. Zwar kann man unter den durch Asarhaddon
eingesetzten Vasallenkönigen nur diese beiden, Šusanqu und Šarru-lū-dāri, durch
die Quellen sichern, aber es besteht zumindest die Möglichkeit, dass auch die
anderen eingesetzten Vasallenkönige aus der Gruppe der zuvor durch Sanherib
gefangengenommenen ägyptischen Prinzen stammten. Allerdings tragen diese
Vasallenkönige außer Šarru-lū-dāri keine assyrischen Namen, somit läßt sich
durch die Quellen kein direkter Nachweis erbringen. In diesem Zusammenhang
sei Radners Darstellung bezüglich der Behandlung der ägyptischen Prinzen am
assyrischen Hof zitiert:
„According to our interpretation, Shoshenq was not placed in the hands of
the Assyrian king in a formal exchange of hostages but taken captive in
battle and then turned hostage. Once in Nineveh, Shoshenq and certainly
also the other princes, who are not attested elsewhere in the available
sources, would have been honoured according to their high status, enjoying
the king’s hospitality at court. Their treatment as royal guests culminated
in Shoshenq’s case – and very likely in alliance with the Assyrian royal
house. The Egyptian princes’ continued presence in Nineveh guaranteed
their families’ goodwill towards Assyria and kept the relationship of the
northern kings with Kush in balance.“5
Entgegen dieser Vermutung, dass die ägyptischen Prinzen trotz ihres Gefangenen-
status am Hof gut und ehrenvoll behandelt wurden, ist es eher plausibel anzu-
nehmen, dass sie am assyrischen Hof erzogen („educated“) wurden, mit dem
Zweck, ihnen eine neue Identität als Teil der assyrischen Elite zu vermitteln und
sie in Zukunft potentiell als assyrische Vasallenkönige einzusetzen. In ihrer Situ-
ation der Unfreiheit sollte ihnen zu verstehen gegeben werden, dass sie bei Loya-
lität gegenüber dem assyrischen König eine Chance hätten, in Zukunft in die

4
Radner, 2012, 471–479.
5
Radner, 2012, 476. Herv. von mir.
254 K. Sano [UF 47

Heimat zurückzukehren und als Mitglieder der assyrischen Elite mit der Ver-
waltung des Reiches befasst sein zu können. Dass sie als Könige, Statthalter be-
zeichnet werden, deutet an, dass ihnen die gleiche Position wie den assyrischen
Statthaltern gegeben wurde.6 So ist es logischer anzunehmen, dass den eingesetz-
ten Vasallenkönigen der Titel von assyrischen Statthaltern verliehen wurde und
dass sie als solche behandelt wurden, um Ägypten ins assyrische Reich nicht
realiter, sondern ideell zu annektieren.
Die Nachricht in Nin. S ii’ 1’–11’ (Beispiel 4) unterscheidet sich von anderen
Nachrichten, in denen die ägyptischen Städtenamen mit den eingesetzten Funkti-
onären – wegen der Beschädigung des Textes sind viele Personen mit wenigen
Ausnahmen nicht erkennbar – aufgelistet sind. Von den Städten Limmir-iššak-
Aššur und Kār-Banīte abgesehen, die als Städte Athribis und Pelusium identifi-
ziert werden können,7 sind es unklar, welche ägyptischen Städte mit den assy-
rischen Namen gemeint sind. In Bezug auf die eingesetzten Personen ist es schwer
vorstellbar, dass sie als Vasallenkönige anzusehen sind, weil Sîn-napišti-[ ...] in
der bereits vom Vasallenkönig Šarru-lū-dāri regierten Stadt Kār-Banīte (= Pele-
sium) eingesetzt wurde, und daher könnte man vermuten, dass die in Nin. S be-
zeichneten Personen die qēpu-Funktionäre “Beauftragte (des assyrischen Kö-
nigs)” sind, also solche, die die Vasallenkönige überwachen sollen.8 Somit inter-
pretiere ich den Ausdruck “Könige, Statthalter und Beauftragte” in den Beispielen
5 und 9 als “die als assyrische Statthalter eingesetzten und durch Beauftragte
überwachten Vasallenkönige”.
Auch deutet der Titel Asarhaddons in seinen Königsinschriften, nämlich
“König der Könige vom (unteren) Ägypten, oberen Ägypten (und) Kusch”9 an,
dass Ägypten als assyrischer Vasallenstaat eingerichtet wurde und die eingesetz-
ten Vasallenkönige und Statthalter dieselben Personen sind.
Obwohl sich auch die in Beispiel 5 ersichtliche Veränderung der Städtenamen
nach der Eroberung als Beleg für eine Annexion verstehen lässt, kann man diese
Praxis in Ägypten – wie D. Kahn richtig sagt – doch auch für Propaganda halten.10
Genauer gesagt wäre es plausibler, dass Asarhaddon die ägyptischen Namen nicht
komplett austauschte, sondern zusätzlich assyrischen Namen vergab. Dass die
Stadt Kār-bēl-mātāti beispielsweise die Übersetzung des ägyptischen Königstitels

6
Der Aspekt der Erziehung (= education) am assyrischen Hof wird in meiner Dissertation
ausführlich betrachtet. Sano, 2014, 102–117.
7
Onasch, 1994, 30.
8
In Bezug auf die Rolle von qēpu-Funktionären siehe Elat, 1978, 29–30 ; Radner, 2004,
161.
9
Leichty, 2011, 68 Nr. 20 3–5 ; 145 Nr. 68 4–5 ; 146 Nr. 69 5–7 ; 166 Nr. 83 2–3 ; 178 Nr.
95.4–5 ; 182 Nr. 98 16 ; 192 Nr. 103 5–6 ; 227 Nr. 112 i 3–4.
10
Kahn, 2006, 254.
2016] Die Eroberungen von Ägypten durch Asarhaddon und Aššurbanipal 255

bedeutet,11 unterstützt diese Vermutung. Der Grund dafür, dass die in Prisma E
erhaltene Nachricht über die Annexion (Beispiel 5) nicht als unmittelbare Anne-
xion, sondern als Einrichtung von Vasallenverhältnissen zu verstehen ist, ergibt
sich aus der Tatsache, dass die Nachricht zusammen mit einer Information über
die Auferlegung von Tribut und Abgaben, die einem Vasallenstaat zukam, über-
mittelt wird. Zudem möchte ich hier darauf hinweisen, dass in den Texten bezüg-
lich der Eroberung von Ägypten keine Rede von einer Aufstellung der Waffe des
Gottes Aššur ist, die bei einer Annexion ins assyrische Reich erfolgt. M. Cogan
kommentiert dieses Problem folgendermaßen :
„As the symbol of Ashur, the weapon is known to have been set up only in
territories reorganized into Assyrian provinces by Tiglat-pileser III, Sar-
gon, and Sennacherib. During the reigns of Esarhaddon and Ashurbanipal,
on the other hand, scribes limited mention of the weapon to its portrayal as
the effective agent in battle, leading both monarchs to victory, thus neglect-
ing, for example, to tell whether the weapon was deposited in Egypt after
the final conquest of that country by Esarhaddon“.12
Allerdings lässt sich das Fehlen der Erwähnung nicht immer auf den anderen
Beschreibungsstil der Königsinschriften von Asarhaddon und Aššurbanipal zu-
rückführen. Denn in den Königsinschriften von Tiglatpilesar III., Sargon II. und
Sanherib ist bei der Annexion eines eroberten Landes zwar von der Aufstellung
der Waffe des Gottes Aššur in der Hauptstadt der Provinz die Rede, aber nicht in
allen betreffenden Beispielen wird davon berichtet. Also kann man den Grund
dafür, dass in den Königsinschriften von Asarhaddon und Aššurbanipal keine Auf-
stellung der Waffe des Gottes Aššur erwähnt wird, auch in der Tatsache sehen,
dass Ägypten als Vasallenstaat eingerichtet wurde.
Gegen die oben aufgezählten Gründe ließe sich der folgende Einwand vor-
bringen: sattukku- (und) ginû-Opfer, die den assyrischen Statthaltern in den Pro-
vinzen auferlegt werden,13 lassen sich in den Quellen (Beispiele 1, 3) beobachten,
also muss auch Ägypten unmittelbar annektiert worden sein. In Bezug auf diesen
möglichen Kritikpunkt möchte ich antworten: Es ist nicht verwunderlich, dass die
Auferlegung der Opfer an den Gott Aššur und die großen Götter in den Texten
von Asarhaddon und Aššurbanipal beschrieben ist, wenn – wie schon erläutert
wurde – die Vasallenkönige den Titel eines assyrischen Statthalters bekamen und
in der Repräsentationspraxis so behandelt wurden. Allerdings bleibt für mich un-
klar, ob die Vasallenkönige solche Opfer dann tatsächlich bezahlten oder nicht.
Nach der Rückkehr Asarhaddons nach Assyrien marschierte Taharka, der Kö-
nig von Ägypten und Kusch (= Äthopien), dem vorher durch Asarhaddon eine

11
Onasch, 1994, 35.
12
Cogan, 1974, 53.
13
Cogan, 1974, 52 ; Halloway, 2002, 100–101.
256 K. Sano [UF 47

Niederlage beigebracht wurde, gegen die von Asarhaddon eingesetzten Vasallen-


könige von Ägypten und eroberte die Stadt Memphis zurück.14 Angesichts dessen
marschierte Aššurbanipal im Jahre 667 v.Chr. nach Ägypten und eroberte es zu-
rück, indem er die durch seinen Vater eingesetzten „Könige, Statthalter und Be-
auftragten“ – in Prisma B als „Könige, Statthalter“ bezeichnet (Beispiel 7) – an
ihren Verwaltungsort zurückführte (Beispiele 8, 9). Diese Nachricht gibt uns einen
Hinweis darauf, dass Aššurbanipal wie auch schon sein Vater Ägypten als Va-
sallenstaat einrichtete, ohne es zu annektieren.
Auch bei der ab 667 v.Chr. entstandenen Rebellion versuchte Aššurbanipal,
Ägypten als Vasallenstaat zu halten. In den Informationen der Königsinschriften
bezüglich dieses Ereignisses kann man den entscheidenden Beleg dafür finden,
dass die einheimischen ägyptischen Könige mit Asarhaddon und Aššurbanipal
vorher Vasallenverträge geschlossen hatten: Nach den Königsinschriften brachen
Necho, Šarru-lū-dāri und Paquru, die durch Asarhaddon eingesetzt worden waren,
den Vasallenvertrag mit Aššurbanipal und planten, sich auf die Seite Taharkas zu
stellen. Die Eunuchen des Aššurbanipal, die deren Boten mit ihren Briefen er-
griffen und damit von der Rebellion gegen Assyrien erfuhren, nahmen Necho und
Šarru-lū-dāri gefangen.15 Und als Strafe wurden die Bewohner der Städte getötet
und Šarru-lū-dāri und Necho nach Assyrien deportiert.16 Danach verzieh Aššur-
banipal Necho und schloss mit ihm einen ebenso strengen Vasallenvertrag ab wie
zuvor, indem er ihm Kleidung und goldene Ringe sowie ein Gürtelschwert
schenkte. Er schickte seine Eunuchen und Statthalter zur Unterstützung von Ne-
cho und führte ihn nach der Stadt Sais, wo Asarhaddon ihn eingesetzt hatte, zu-
rück. Gleichzeitig setzte Aššurbanipal Nabû-šēzibanni (= Psammetich I.), den
Sohn von Necho in der Stadt Hathariba (= Athribis) ein.17 Hier ist es nötig, auf
eine mögliche Kritik gegen meine Idee zu antworten, die eingesetzten ägyptischen
Könige mit den Statthaltern zu identifizieren. So könnte man einwenden, dass die
assyrischen Eunuchen, die Necho und Šarru-lū-dāri gefangen nahmen, die bei den
ägyptischen Königen eingesetzten assyrischen Statthalter sein könnten und dass
die ägyptischen Könige zusammen mit assyrischen Statthaltern vor Ort regierten.
Aber man sollte in diesem Zusammenhang einen der Omentexte, die in Form von
Fragen an den Gott Šamaš verfasst sind, nämlich SAA 4, Nr. 88, in Betracht

14
Borger, 1996, 177–178, 211 Prisma E 8.1–7 ; Novotny, 2014, 81, 100 LET 6’–12’ ;
Borger, 1996, 17–18, 212 Prisma B i 50–62, Prisma C ii 16–28, Prisma A i 52–61.
15
Borger, 1996, 179, 211 Prisma E 11.2–36 ; 21–22, 213–214 Prisma C ii 105–130 ; 21–
22, 213–214 Prisma A i 118–134 ; Frame, 2014, 82, 100–101 LET 37’–51’.
16
Borger, 1996, 179, 211–212 Prisma E 11.37–43 ; 22–23, 214 Prisma C ii 130 – iii 9 ;
Novotny, 2014, 82, 101 LET 52’–54’. Prisma B i 95 – ii 6 (Borger, 1996, 23, 214) ist von
der Deportation von Necho keine Rede. Hierzu vgl. Spalinger, 1974, 321.
17
Borger, 1996, 179–180, 212 Prisma E 11.44–50 ; 23–24, 214 Prisma C iii 10–25 ; 23–
24, 214 Prisma A ii 8–19 ; Novotny, 2014, 82–83, 101 LET 55’–69’.
2016] Die Eroberungen von Ägypten durch Asarhaddon und Aššurbanipal 257

ziehen. In diesem fragt Asarhaddon den Gott, ob der Haupteunuch namens Ša-
Nabû-šû, den Asarhaddon jetzt nach Ägypten geschickt hatte, durch die ägyp-
tischen Könige Necho und Šarru-lū-dāri in Ägypten angegriffen wird oder nicht.18
Dieser Text lässt erkennen, dass Asarhaddon nach seiner Eroberung von Ägypten
im Jahre 671 v.Chr. angesichts der Unruhe in Ägypten seinen Haupteunuchen
geschickt hatte, um die Rebellion im Keime zu ersticken. So ist es durchaus nahe-
liegend, dass auch Aššurbanipal nach der Wiedereinrichtung der Vasallenverhält-
nisse im Jahre 667 v.Chr. seine Eunuchen für diesen Zweck geschickt hatte. In
Bezug auf die für die Unterstützung von Necho gesandten Eunuchen betrachten
wir den betreffenden Text. Er lautet: šūt-rēšīja pāḫāti ana kitrīšu ittīšu ašpur.19
Borger übersetzt diesen Satz mit „Meine Generale schickte ich als Statthalter zu
seiner Unterstützung mit ihm“20; Novotny übersetzt: „(I) sent my eunuchs and
governors with him to [aid him].“21 Borgers Übersetzung lässt den Leser ver-
muten, dass die Eunuchen – Borger übersetzt šūt-rēšī nicht als „Eunuchen“, son-
dern als „Generale“– als Statthalter bei Necho eingesetzt wurden, weil er davon
ausgeht, dass pāḫātu „Statthalter“ die Ämter von šūt-rēšī „Eunuchen“ sind. Aber
beurteilt aus dem Kontext wäre es plausibler, wie Novotny šūt-rēšī und pāḫātu
nebeneinander zu stellen. Daher interpretiere ich diesen Satz so, dass Aššurbani-
pal seine Eunuchen und Statthalter – selbstverständlich ist anzunehmen, dass sie
eigene Truppen hatten – mit Necho zusammen losgeschickt hatte, um die Königs-
herrschaft von Necho in Ägypten gegen andere ägyptischen Könige und Bewoh-
ner zu sichern.22
Es ist zu vermuten, dass die im Jahre 668 v.Chr. aus dem Land Qirbit depor-
tierten Bewohner bei dieser Wiedereinrichtung von Vasallenverhältnissen durch
Aššurnbanipal in ägyptische Städte umgesiedelt wurden, um Zwist mit den ein-
heimischen Bewohnern zu stiften und dadurch die direkte Antipathie gegen As-
syrien umzulenken.23 Es ist nötig im Kopf zu behalten, dass die Anzahl der in
ägyptische Städte umgesiedelten Bewohner aus dem Land Qirbit sehr gering ge-
wesen sein muss.24

18
Starr, 1990, 102–104.
19
Borger, 1996, 24 Prisma C iii 17–18, Prisma A ii 15 ; Novotny, 2014, 83 LET 64’.
20
Borger, 1996, 214.
21
Novotny, 2014, 101.
22
Man darf nicht übersehen, dass Aššurbanipal bei seinem ersten Feldzug gegen Ägypten
den Haupteunuchen und alle assyrischen Statthalter mit ihren Truppen in Syrien usw. nach
Ägypten mitnahm. Vgl. Novotny, 2014, 82, 100 LET 29’–33’.
23
Borger, 1996, 181, 219 Prisma E 12.40–41 ; 94, 220 Prisma B iii 14–15 ; Novotny, 2014,
83, 102 LET 18.
24
In den Königsinschriften von Asarhaddon und Aššurbanipal wird die Anzahl der De-
portierten nicht genannt. Das deutet an, dass die Anzahl der Deportierten zu ihren Zeiten
im Unterschied zu jenen ihrer Vorgänger klein war. Es war nötig, diese Tatsache in ihren
258 K. Sano [UF 47

Schließlich starb Taharka in seinem Fluchtort und anschließend bestieg Tanuta-


mon, der Sohn der Schwester von Taharka, den königlichen Thron. Er machte die
Städte Theben und Heliopolis zu seinem Stützpunkt und versammelte sein Heer,
um gegen die in der Stadt Memphis stationierten assyrischen Truppen zu kämp-
fen, und belagerte diese Stadt, weshalb ein Eilbote in die Stadt Ninive zu Aššur-
banipal geschickt wurde.25 Angesichts dieser Entwicklung marschierte Aššurba-
nipal im Jahre 664 v.Chr. wieder gegen Ägypten, wobei er die Stadt Thebe ero-
berte und die männlichen und weiblichen Bewohner nach Assyrien wegführte.26
Obwohl die über dieses Ereignis berichtenden Königsinschriften nichts über die
Situation Ägyptens nach der Eroberung der Stadt Thebe sagen, kann man aus der
Mitteilung, dass die vorher durch Aššurbanipal wiedereingesetzten Vasallenkö-
nige zu Aššurbanipal vor Ort gekommen waren, um ihre Ergebenheit darzubrin-
gen,27 schließen, dass auch nach 664 v.Chr. bis zur Rebellion des Psammetich I.
zwischen 663 und 645/644 oder 642 die Vasallenverhältnisse erhalten wurden.28
Bei der Betrachtung der Situation von Ägypten nach den Eroberungen durch
Asarhaddon und Aššurbanipal konnte ich in dem vorliegenden Beitrag keine ein-
deutigen Spuren einer unmittelbaren Annexion dieses Landes zu Assyrien, näm-
lich die Einsetzung assyrischer Statthalter, Veränderung der Städtenamen, Auf-
stellung der Waffe des Gottes Aššur in der Hauptstadt bestätigen. In Bezug auf die
Einsetzung der assyrischen Statthalter schlage ich vor, dass die eingesetzten Kö-
nige und Statthalter nicht voneinander verschiedene, sondern miteinander identi-
sche Personen gewesen sein müssen. Asarhaddon und Aššurbanipal planten,
Ägypten nicht mittels des Provinzialsystems, sondern ideell zu Assyrien zu an-
nektieren, indem sie ihren Vasallen den Titel von assyrischen Statthaltern gaben
und sie nominell als assyrische Statthalter behandelten, denn die Einrichtung von
Vasallenverhältnissen bringt selbstverständlich weniger ökonomische Belastun-
gen mit sich als die Einrichtung von Provinzen. Daher scheint es mir überzeugend,
dass Asarhaddon und Aššurbanipal diese Herrschaftsweise in dem in der weit ent-
fernten Peripherie des Reiches gelegenen Land Ägypten aufnahmen. Auf dieser
Basis möchte ich behaupten, dass die bisherige Auffassung von der assyrischen

Königsinschriften zu verbergen, weil die Höhe der Deportiertenzahl sowie die Größe der
Beute mit der Königsherrschaft verbunden wurden. Das wird in meiner Dissertation, die
jetzt für die Publikation vorbereitet wird, sowie in meinem Beitrag in StMes 3 (2016) 215–
236, ausführlich betrachtet. Daher soll hier dieser kurze Hinweis genügen.
25
Novotny, 2014, 83, 101 LET 71’ – Rs. 1 ; Borger, 1996, 24, 214–215 Prisma B ii 10–
17, Prisma C iii 28–37, Prisma A ii 22–27.
26
Borger, 1996, 24–26, 215 Prisma B ii 18–40, Prisma C iii 38–67, Prisma F i 35–55,
Prisma A ii 28–48 ; 190, 215 Prisma H 1 ii 7’–14’ ; Fuchs, 1996, 275, 293 IIT 80.
27
Borger, 1996, 25, 215 Prisma B ii 23–24, Prisma C iii 44–46, Prisma F i 41–41, Prisma
A ii 32–33.
28
Borger, 1996, 31, 219 Prisma A ii 114–115.
2016] Die Eroberungen von Ägypten durch Asarhaddon und Aššurbanipal 259

Herrschaft in Ägypten unter den Regierungszeiten von Asarhaddon und Aššur-


banipal korrigiert werden muss.

Appendix
1 Frg. I, Rs. 25’– 27’29; ein Fragment einer Tontafel aus Ninive; 671–669
v.Chr.
„Könige, Statthalter [in den Städten von Ägypten] setzte ich ein und [...]
mein Joch. [...] sattukku- (und) ginû-Opfer [...] acht Rinder, 370 [...] in
Tribut (und) Abgabe [...].“30

2 Ben Shemen 4’–7’31; ein Fragment der Stele aus Ben Shemen ; 671–669
v.Chr.
„[Könige], Statthalter [in den Städten von Ägypten] setzte ich ein [und
setzte ich] ... Opfer für den] Gott Aššur und die großen Götter auf ewig
fest.“32

3 Mnm. A Rs. 47–5033; Stele aus Sam¬al; 671–669 v.Chr.


„Über das ganze Gebiet von Ägypten setzte ich Könige, Statthalter, Kom-
mandanten, Zollamtbeamte, Beauftragte und Führer neu ein. Ich setzte sat-
tukku- (und) ginû-Opfer für den Gott Aššur und die großen Götter, meine
Herren auf ewig fest. Ich erlegte Tribut und Abgaben meiner Herrschaft
jährlich ohne Unterbrechung auf.“

29
Leichty, 2011, 93.
30
Auch wenn Leichty aufgrund der Handkopie von Bauer (Bauer, 1933: Tafel 36) das
Zeichen am Ende der Zeile 25’, die am Rand der Tafel bezeichnet ist, als šá liest, ist das
in der originalen Tontafel (CDLI http://cdli.ucla.edu/dl/photo/P394821.jpg) keine gesi-
cherte Lesart. Borger bezeichnet richtig das Zeichen šá nicht. Vgl. Borger, 1967, 114). So
übersetze ich die Zeile 26’ nicht als “(Nomen) der Könige, Statthalter”(Genitiv), sondern
“Könige, Statthalter” (Akkusativ).
31
Leichty, 2011, 292.
32
In Bezug auf das Ben Shemen Fragment schlage ich vor, die beschädigte Stelle in der
Zeile 5’–7’ durch die Analogie mit Mnm. A Rs. 48–50 (Leichty, 2011, 186 Nr. 98) fol-
gendermaßen zu ergänzen: 5’[ . . . ana eš-šú-ti] ⌈ap?⌉-qí-[id sat-tuk-ki gi-nu-u] 6’[ana AN.]
ŠÁR u DINGIR. [ME GAL.ME EN.MEŠ -ía] 7’f.[ú-kin] ⌈dà-re⌉-[e GUN ù man-da-at-tu
EN-ti-ía šat-ti-šam la na-par-ka-a e-mid-su-nu-ti].
33
Leichty, 2011, 186.
260 K. Sano [UF 47

4 Nin. S ii 1’–11’34; ein Fragment des Tonprismas aus Ninive; 671–669 v.Chr.
„[ ...] den ...-an; den P[N über die Stadt Mu]kīn-palê-kussīšu; den A[...
über die Stadt] Maḫri-gārê-šarri; den Ṣa[ ...] über die Stadt Aššur-māssu-
urappiš; den Ṣi-Ḫur[u...] über die Stadt Aššur-nāsiḫ-gallî; den Puṭi-[...]
über die Stadt Limmir-iššak-Aššur (= Athribis); den Šulmu-[ ...] über die
Stadt Kār-Banīte (= Pelusium); den Sîn-napišti-[ ...] über die Städte Bīt-
Marduk, Ša-Aššur-tāru, (und) [ ...]; den Urdu-Nanāja, meinen Marschall
über [ ...]; den Uarbīsi über die Stadt [ ...]; den Kiṣir-Ištar über die Stadt
Ša-emūq-Aššur [setzte ich als qēpu ein].“35

5 Prisma E iii 8–2236; Tonprismen aus Ninive; ca. 666–664 v.Chr.


„Asarhaddon, der König von Assyrien, der Vater, mein Erzeuger, war (nach
Ägypten) gezogen und dort einmarschiert. Er hatte Taharqa, dem König
von Kusch, eine Niederlage beigebracht, seine Truppen zerstreut, Ägypten
und Kusch unterworfen und Beute ohne Zahl weggeführt. Dieses ganze
Land beherrschte er und verleibte es Assyrien ein. Die früheren Städtena-
men änderte er und gab neue Namen. Seine Diener ernannte er darin als
Könige, Statthalter und Beauftragte. Tribut und Abgaben für seine Herr-
schaft erlegte er ihnen [alljährlich] auf. 55 ihrer Königsstatuen [...] irgend-
wohin.“

6 LET 10’–12’37; Tontafeln aus Ninive; ca. 663–662 v.Chr.


„[Ge]gen die Assyrer im Inneren Ägyptens, (und) meine Diener, (d.h.)
meine Untertanen, [die] Asarhaddon, der König des Landes Aššur, mein
Erzeuger, darin für die Königsherrschaft beauftragt hatte – um zu töten, zu
rauben und zu plündern, schickte er (= Taharqa) sein Heer.“38

34
Leichty, 2011, 55.
35
In Bezug auf die in den Texten in (4, 8, 9) vorfindbaren Personennamen folge ich den
Bezeichnungen in der Prosopography of the Neo-Assyirn Empire.
36
Onasch, 1994, Teil 1, 94–95 ; Borger, 1996, 177.
37
Onasch, 1994, Teil 1, 104–105 ; Novotny, 2014, 81, 100.
38
Es ist nötig, hier die Übersetzung dieses Texts zu erläutern. Der akkadische Text in LET
10’–12’ lautet: eli nišī māt Aššur ša qereb māt Muṣur ardānī dāgil pānīja ša Aššur-aḫḫu-
iddina šar māt Aššur abu bānûja ana šarrūti ipqidu ina libbi ana dâki ḫabāte šalāl
uma¬¬era ummānšu. Onasch und Novotny übersetzen diesen Text jeweils folgendermaßen:
„[Ge]gen die Assyrer im Inneren Ägyptens, mir ergebener Diener, [die] Asarhaddon, der
König des Landes Assyrien, der Vater, mein Erzeuger, darin mit dem Königstum beauf-
tragt hatte, [u]m zu töten, zu rauben und plündern, schickte er sein Heer“ ; „and (he) sent
his army against the citizens of Assyria who were in Egypt, and my servants and vassals,
whom Esarhaddon, king of Assyria, who engendered me, had appointed there, in order to
2016] Die Eroberungen von Ägypten durch Asarhaddon und Aššurbanipal 261

7 Prisma B ( = Prisma D) i 87–9339; Tonprismen aus Ninive; 649/648 v.Chr.


„Die Könige und Statthalter, die mein leiblicher Vater in Ägypten einge-
setzt hatte, die angesichts des Angriffs Taharkas ihren Posten verlassen und
das Feld gefüllt hatten, führte ich zurück an ihren Verwaltungsort, an ihrer
Stätte ließ ich sie ihren Dienst leisten. Ägypten und Kusch, die mein leib-
licher Vater erobert hatte, reorganisierte ich.“

8 Prisma C ii 85–9640; Tonprismen aus Ninive; ca. 647 v.Chr.


„Nikkû (= Necho I.), König der Städte Memphis und Sais, Šarru-lū-dāri,
König der Stadt Ṣi¬nu (= Pelesium), Pišanḫuru, König der Stadt Natho,
Paqruru, König der Stadt Pišaptu, [ ...], König der Stadt Atribis, Naḫkē,
König der Stadt Heracleopolis parva. Diese Könige, Statthalter und Be-
auftragte, die mein leiblicher Vater in Ägypten eingesetzt hatte, die an-
gesichts des Angriffs Taharkas ihren Posten verlassen und das Feld gefüllt
hatten, führte ich zurück an ihren Verwaltungsort, an ihrer Stätte ernannte
ich sie. Ägypten und Kusch, die mein leiblicher Vater erobert hatte, reorga-
nisierte ich.“

9 Prisma A i 90–11341; Tonprismen aus Ninive; 644 od. 642 v.Chr.


„Nikkû (= Necho I.), König der Städte Memphis und Sais, Šarru-lū-dāri,
König der Stadt Ṣi¬nu (= Pelesium), Pi-šan-Ḫuru, König der Stadt Natho,
Paqruru, König der Stadt Pišaptu, Bukunanni¬pi, König der Stadt Atribis,
Naḫkê der Stadt Heracleopolis parva, Puṭu-Bāšti, König der Stadt Tanis,
Unamunu, König der Stadt Natho, Ḫarsi(ia)ešu, König der Stadt Seben-
nytos, Bu/Pu-ú-a-a-ma, König der Stadt Mendes, Susinqu, König der Stadt
Busiris, Tap-naḫte, König der Stadt Punubu, Bukunanni¬pi, König der Stadt
A/I/Uḫni, Ip-ti-ḫar/mur-d/ṭe-e-šú, König der Stadt Piḫattiḫurunpiki, Naḫti-
ḫuru-ansini, König der Stadt Pišapd/ṭi¬a, Bukurninip, König der Stadt Paḫ-
nuti, Ṣi-ḫû, König der Stadt Siut, Lamintu, König der Stadt Hermopolis,
Išpimāṭu, König der Stadt Thi(ni)s, Manti-me-ḫē, König der Stadt Theben.
Diese Könige, Statthalter und Beauftragte, die mein leiblicher Vater in

kill, rob and plunder (them)“ (Herv. von mir). Meines Erachtens ist es besser, den Sam-
melbegriff nišū „Menschen, Leute“ nicht mit „the citizens of Assyria“, sondern mit
„Assyrer“ zu übersetzen, weil assyrische Bürger nicht nach Ägypten umgesiedelt wurden.
Ich vermute, dass nišū die qēpu-Funktionäre sowie ihre Untergebenen umfasst, und dass
ardānū „Diener“ die Vasallenkönige sind. ardānū „Diener“ und dāgil pānīja „meine Un-
tertanen“ müssen eine Apposition sein.
39
Borger, 1996, 21, 213.
40
Borger, 1996, 20–21, 213.
41
Borger, 1996, 20–21, 213.
262 K. Sano [UF 47

Ägypten eingesetzt hatte, die angesichts des Angriffs Taharkas ihren Posten
verlassen und das Feld gefüllt hatten, führte ich zurück an ihren Verwal-
tungsort, an ihrer Stätte ernannte ich sie.“

Literatur
Bauer, T., 1933 : Das Inschriftenwerk Assurbanipals. Leipzig.
Borger, R., 1956: Die Inschriften Asarhaddons, Königs von Assyrien. AfOB 9.
Graz.
Borger, R., 1996: Beiträge zum Inschriftenwerk Assurbanipals. Wiesbaden.
Cogan, M., 1974: Imperialism and Religion: Assyria, Judah and Israel in the
Eighth and Seventh BCE. Missoula.
Dubovský, P., 2012 : King’s Direct Control: Neo-Assyrian Qēpu Officials. In G.
Wilhelm (Hrsg.): Organization, Representation, and Symbols of Power in the
Ancient Near East. Proceedings of the 54th Rencontre Assyriologique Interna-
tionale at Würzburg 20–25 July 2008. Winona Lake. 447–458.
Elat, M., 1978: The Economic Relations of the Neo-Assyrian Empire with Egypt.
JAOS 98/1, 20–34.
Fales, F. M. / Postgate, J. N., 1995: Imperial Administrative Records, Part II. SAA
11. Helsinki.
Forrer, E., 1920: Die Provinzeinteilung des assyr. Reiches. Leipzig.
Fuchs, A., 1996 : Die Inschrift vom Ištar-Tempel. In R. Borger: Beiträge zum In-
schriftenwerk Assurbanipals. Wiesbaden. 258–296.
Grayson, A. K., 1975 : Assyrian and Babylonian Chronicles. TCS 5. New York.
Halloway, S. W., 2002 : Aššur is King! Aššur is King! Religion in the Exercise of
Power in the Neo-Assyrian Empire. CHANE 10. Leiden.
Kahn, D., 2006: The Assyrian Invasion of Egypt (673–663 B.C.) and the Final
Expulsion of the Kushites. SAK 34, 251–267.
Kitchen, K. A., 1986 : The Third Intermediate Period in Egypt (1100–650 BC).
Warminster.
Kwasman, T. / Parpola, S., 1991 : Legal Transactions of the Royal Court of Nine-
veh, Part I. SAA 6. Helsinki.
Lanfranchi, G. B., 2011 : The Expansion of the Neo-Assyrian Empire and Its Peri-
pheries: Military, Political and Ideological Resistance. In C. Ulf / R. Rollinger
(Hrsg.): Lag Troia in Kilikien? Darmstadt. 225–239.
Leichty, E., 2011 : The Royal Inscriptions of Esarhaddon, King of Assyria (680–
669 BC). RINAP 4. Winona Lake.
Morkot, R.G., 2000 : The Black Pharaohs. Egypt’s Nubian Rulers. London.
Novotny, J., 2014: Selected Royal Inscriptions of Assurbanipal. L3, L4, LET,
Prism I, Prism T, and Related Texts. SAACT 10. Winona Lake.
Onasch, H.-U., 1994: Die assyrischen Eroberungen Ägyptens Teil 1: Kommenta-
re und Anmerkungen. Teil 2: Texte in Umschrift. ÄAT 27. Wiesbaden.
2016] Die Eroberungen von Ägypten durch Asarhaddon und Aššurbanipal 263

Postgate, J. N., 1992 : Land of Assur and the Yoke of Assur. WA 23/3, 247–263.
Radner, K., 2004: Assyrische Handelspolitik. Die Symbiose mit unabhängigen
Handelszentren und ihre Kontrolle durch Assyrien. In R. Rollinger / C. Ulf
(Hrsg.): Commerce and Monetary Systems in the Ancient World. Means of
Transmission and Cultural Interaction. Proceedings of the Fifth Annual Sym-
posium of Assyrian and Babylonian Intellectual Heritage Project. Held in Inns-
bruck, Austria, October 3rd–8th, 2002. Stuttgart. 152–169.
— 2006–2008: Provinz C. Assyrien. In RlA 11, 42–68.
— 2012: After Eltekeh: Royal Hostages from Egypt at the Assyrian Court. In
H. Baker / K. Kaniuth / A. Otto (Hrsg.): Stories of Long Ago. Festschrift für
Michael D. Roaf. AOAT 397. Münster. 471–479.
Radner, K., u. a. (Hrsg.): 1998–2011: The Prosopography of the Neo-Assyrian
Empire. Helsinki.
Sano, K., 2014 : Die auf der Bewegung von Menschen basierenden assyrischen
Herrschaftsmittel in neuassyrischer Zeit (Dissertation).
— 2016: Die Repräsentation der Königsherrschaft in neuassyrischer Zeit: Ideo-
logie, Propaganda und Adressaten der Königsinschriften. StMes 3, 215–236.
Spalinger, A., 1974: Assurbanipal and Egypt: A Source Study. JAOS 94/3, 316–
328.
Starr, I., 1990 : Queries to the Sungod. Divination and Politics in Sargonid Assyria.
SAA 4. Helsinki.