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Bürgerinitiative zur Erhaltung des Straussee e.V.

, Fontanestraße 51, 15344 Strausberg

Bürgerinitiative zur Erhaltung des Straussee e.V., Fontanestraße 51, 15344 Strausberg

Landesumweltamt Brandenburg (LUA)


Präsident des Landesamtes für Umwelt Dirk Ilgenstein
Berliner Str. 21-25

14467 Potsdam

Ihr Zeichen, Ihre Nachricht vom Unsere Zeichen, unsere Nachricht vom Telefon, Name Datum
20190326 VS Weber 03341-4705305, Frank Weber 26.03.2019

Sehr geehrter Herr Präsident Ilgenstein,

mit großer Sorge beobachten die Bürger und Gäste der Stadt Strausberg seit Jahren den dramatischen
Rückgang des Pegels unseres Straussees. Als Markenzeichen der Stadt und Identität stiftendes
Landschaftsmerkmal unterliegt unser See der Berichtspflicht nach Richtlinie 2000/60/EG („EU-
Wasserrahmenrichtlinie“) vom 23.10.2000 (Wasserkörper-Nr: 8000158278819).

Da der Prozess des womöglich unwiederbringlichen Wasserverlustes mit katastrophalen


Auswirkungen auf die Ufervegetation von den Verantwortlichen entweder nicht wahrgenommen oder
schulterzuckend hingenommen wird, hat sich am 23. Februar 2019 eine Bürgerinitiative gegründet,
die das alle Bürger bewegende Thema auf die Tagesordnung der Kommunal- und Landespolitik
bringt. Den ursprünglich 11 Gründungsmitgliedern haben sich binnen eines Monats schon etwa 120
Neumitglieder angeschlossen. Am 20. März 2019 haben wir die größte Bürgerdemonstration in
Strausberg seit 1989 organisieren können und Bürgerinnen und Bürger allen Alters dazu gebracht,
für unseren See auf die Straße zu gehen.

Anhand der durch die Stadt Strausberg veröffentlichten Pegelstände ist zu erkennen, dass
insbesondere nach dem Jahr 2014 eine Beschleunigung des Rückgangs zu verzeichnen ist. Wir sind
der Auffassung, dass die aktuelle Situation unseres Straussees eine ökologische Katastrophe darstellt!
Aus unserer Sicht kann dieser dramatische Pegelrückgang nicht allein durch die klimatischen
Veränderungen begründet werden. Das bestätigt auch ein durch die Stadt Strausberg beauftragtes
Gutachten aus dem Jahr 2009 „Vorstudie für eine Machbarkeitsstudie „Stabilisierung des
Wasserhaushaltes des Straussees“.

Bürgerinitiative zur Erhaltung des Straussee e.V. Vorstand: Eingetragen im Vereinsregister Amtsgericht Frankfurt/Oder VR6626 FF
Fontanestraße 51 Frank Weber (Vorsitzender) Steuernummer: 064/143/05952
15344 Strausberg Jens Mader (Stellvertreter) Bankverbindung: Berliner Volksbank
Tel: 03341-4705305 Frederick Kunze (Stellvertreter) IBAN: DE 19 1009 0000 2770 6880 03
www.erhaltet-den-straussee.de Kerstin Behlau (Schatzmeisterin) BIC: BEVODEBB
Email: info@erhaltet-den-straussee.de
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Zumindest ist ein zeitlicher Zusammenhang des Pegelrückgangs mit der Inbetriebnahme eines
neuen leistungsfähigen Wasserwerkes in Spitzmühle durch den Wasserverband Strausberg-
Erkner (WSE) im Jahre 2014 in unmittelbarer Nähe des Straussees offensichtlich.
Gegenwärtig wird im Auftrag der Stadt Strausberg ein neues Gutachten erarbeitet (Frist bis März
2020), welches insbesondere die hydrogeologischen Zusammenhänge der jeweiligen
Grundwasserleiter untersuchen soll. Daraus erhoffen wir uns weitere Erkenntnisse.
Wir wenden uns mit unserem Schreiben an Sie, sehr geehrter Herr Präsident, um mit Hilfe Ihrer
Behörde die Informations- und Beteiligungsrechte der Strausberger Bürger mit Leben zu erfüllen. So
verpflichtet Artikel 39 Abs. 7 der Verfassung des Landes Brandenburg das Land, die Gemeinden und
Gemeindeverbände, Informationen über gegenwärtige und zu erwartende Belastungen der
natürlichen Umwelt zu erheben und zu dokumentieren. Eigentümer und Betreiber von Anlagen haben
eine entsprechende Offenbarungspflicht. Jeder hat das Recht auf diese Informationen, soweit nicht
überwiegende öffentliche oder private Interessen entgegenstehen.
Die EU-Wasserrahmenrichtlinie fordert in Artikel 14 eine frühzeitige und umfassende Information
und Anhörung der Öffentlichkeit. Damit soll insbesondere auch die aktive Beteiligung aller
Interessierten am gesamten Umsetzungsprozess dieser Richtlinie sichergestellt werden.

Als zuständige Landesbehörde sind Sie mit der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie befasst und
haben im September 2005 den Bericht zur Bestandsaufnahme für das Land Brandenburg (C-Bericht)
veröffentlicht.

Daran anknüpfend und der aktuellen Entwicklung geschuldet, haben wir an Ihre Behörde folgende
Fragen, deren Beantwortung zur Versachlichung der weiteren Diskussion beitragen wird:

1. Wie bewertet Ihre Behörde aus umweltpolitischer Sicht den aktuellen Zustand des
ökologischen Systems des Straussees? Verfügt Ihre Behörde über eine Dokumentation?
Leider konnten wir gemeinsam mit der Bürgermeisterin der Stadt Strausberg, Frau Stadeler,
zu diesem Thema mit dem Verbandsvorsteher des Wasserverband Strausberg-Erkner, Herrn
Haferkorn, nicht ins Gespräch kommen. In einem Schreiben an die Bürgermeisterin vom
18.03.2019 erklärte Herr Haferkorn, dass der WSE für die Oberflächengewässer nicht
zuständig sei, sondern wir uns dazu zuständigkeitshalber an die Landesbehörden wenden
sollten. Wir bitten Sie zu dieser Aussage um Ihre Bewertung.

2. Ist es richtig, dass die aktuelle wasserrechtliche Nutzungsgenehmigung für die


Wasserfassung Spitzmühle (vormals Bötzsee) aus dem Jahre 1976 stammt? Welche ist die
aktuell zulässige Höchstfördermenge und mit welcher Kapazitätsauslastung erfolgt die
Grundwasserförderung seit Inbetriebnahme? Wie bewertet Ihre Behörde aktuell die
mengenmäßige Zulässigkeit von Grundwasserförderung durch das Wasserwerk Spitzmühle?
Wurde bei der Prüfung einer Verschlechterung des mengenmäßigen Zustands des für den
Straussee hydrologisch relevanten Grundwasserkörpers die Auswirkung des Bauvorhabens
Wasserwerk Spitzmühle auf jedes der in § 4 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 2 Buchst. a bis d GrwV
aufgeführten Kriterien überprüft?
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3. Sind sämtliche Kriterien nach § 4 Abs. 2 Nr. 1 und 2 Buchst. a bis d GrwV bei Genehmigung
des Wasserwerks Spitzmühle erfüllt gewesen und aktuell erfüllt? Kann das durch
Veröffentlichung der aktuellen Wasserentnahmemengen objektiviert werden (vgl.
Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, Anleitung zur
Auslegung des wasserrechtlichen Verschlechterungsverbots, Stand Juni 2017)?

4. Ihrem Haus ist sicherlich gekannt, dass das Abwasser im Einzugsbereich des WSE nach der
Klärung im Klärwerk Münchehofe in die Spree abgeleitet wird und damit für die Oberflächen-
und Grundwasserbildung im Einzugsbereich seiner Förderung durch die Wasserfassungen
Spitzmühle und Strausberg nicht mehr zur Verfügung steht. Nach den uns vorliegenden
Unterlagen werden damit ca. 5 Mio. Kubikmeter Grundwasser in unmittelbarer Nähe des
Straussees jährlich gefördert, die durch die aktuelle Abwasserableitung dem
Gesamtkreislauf der Wasserentstehung im Einzugsbereich entzogen werden. Das entspricht
ca. einem Drittel des Wasservolumens des Straussee. Wie bewerten Sie aus ökologischer
und umweltpolitischer Sicht diesen Sachverhalt?

Zur Erarbeitung überzeugender Antworten auf diese drängenden Fragen unserer Mitglieder und der
Bürgerinnen und Bürger der Stadt Strausberg, aber auch zur Diskussion über die
Mitwirkungsmöglichkeiten der Bürgerschaft sind Sie herzlich eingeladen, an einer öffentlichen
Mitgliederversammlung unserer Bürgerinitiative in Strausberg teilzunehmen.

Wir wären Ihnen für eine Rückantwort bis zum 11.April 2019 sehr dankbar, da an diesem Termin
die Strausberger Stadtverordnetenversammlung tagen wird und die vorgenannten Themen dort
behandelt werden sollen. Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen

Frank Weber Kerstin Behlau Frederick Kunze Jens Mader


Vorsitzender Schatzmeisterin stellv. Vorsitzender stellv. Vorsitzender