Sie sind auf Seite 1von 4
LAND BRANDENBURG Landesamt fiir Umwelt Abtelung Wasserwirschat 1 Pottocn a T0es | s44taPotecem Birgernitiatve zur Erhaltung Bearb: des Sraussoo a Gesch-2:LFUWIt- a 0801300+6e10512112019 Fontane Strate 51 jepiai 16344 Strausberg Fox +4938201 442-662 Internet: wivaif.brandenbucg.de Cottbus, 25. April 2019 Wasserriickgang im Straussee in der Stadt Strausberg ltr Schreiben vom 27.03.2019 Sehr geehrte Damen und Herren, mit Schreiben vom 27.03.2019 bringen Sie Ihre Besorgnis zum Wasserstand des Straussees zum Ausdruck. Sie tibersandten dem LIU Fragen im Zusammenhang mit dem fallenden Wasserspiegel des Straussees, welche ich Ihnen nach erfolgter Prifung geme beantworte: Der Straussee gehért zu den berictspfichtigen Seen in Brandenburg. Zu diesen Seen wurden Steckbriefe im L{U erstlt. Diese Seensteckbriefe beinhalten Info. mationen zu den Seen des Landes Brandenburg mit iber 50 Hektar Wasserfié- che, fir die eine Berichtspficht im Sinne der EU-Wasserrahmenrichtinie (WRRL) besteht. Diese Seen werden in regemaiRigen Abstanden durch das LU limnolo- isch untersucht, d.n. es werden pysikalisch-chemische und ausgewahite biologi- ssche Parameter aulgenommen und bewertet. Die Steckbrefe sollen die wichtigs- ten dieser Parameter zusammenfassen und einen Uberblick Gber den dkolagi- schen Zustand des Sees geben. Auf der intemetseite des MLUL sind diese Steckbriefe verbtenticht hitps:fifu.brandenburg.de/cms/detall php/bb' .c.305410.de Somit wird die Forderung im Artikel 14 der WRRL zur Information und Anhérung der Ofentichkeit umgesetzt Zu Frage 4 Biologische und chemische Untersuchungsergebnisse zum Straussee liegen im IU seit 2005 vor. Fur 2008 und 2013 gibt es ebenfalls Ergebnisse. Der ékologi- sche Zustand des Straussees wurde in den Jahren 2014 und 2017 mit gut bewer- tet. Die Ergebnisse des biologischen Monitorings in diesem Jahr werden voraus- sichtich im Sommer 2020 ausgewertet sein In der Anlage erhalten Sie den aktuellen Steckbrief zum Straussee, Besucher Hite Von So8nSrate7 0 cots SeebuperChavsee2 1476 Fosien (OT G8 Giencke Landesamt fiir Umwelt Seite 2von 3 Abteiung Wessenvischat Zu Frage 2. Der Wasserverband Strausberg-Erkner besiizt seit 1976 ein rechtsgliliges Nut- zungsrecht zur Férderung von Grundwasser aus der Wasseriassung Bétzsee mit folgende Entnahmemengen: tZgich 9.000 md = 3.285.000 m? im Jahr. Bis 2013 wurde die WF Botzsee mit ca. 50 % ausgelastet. Seit 2014 ist ein Anstieg der ‘Ausiastung auf knapp 100 % der genehmigten Entnahmemenge zu verzeichnen, ln 2017 und 2018 gab es mit 130.000 m? und 324.000 m® Uberschreitungen der genehmigten Grundwasserentnahmemengen. Die WF Bétzsee wird durch den WSE regelmatig Gberwacht. Im Rehmen der Monitoringberichte wird auch der mengenmaige Zustand des Grundwasserkir- pers beurtellt. Unabhangig davon haben die WWV-Betreiber aller 2 Jahre die ent- sprechenden Daten an das LfU zu ibersendan. Bisher konnte noch kein Zusammenhang zwischen der Grundwasserférderung und dem Absinken des Wasserspiegels des Straussees hergestelt werden. Das Grundwasser in der WF Bétzsee wird aus dem zneiten bedeckten Grund- wasserleiter entnommen. Die Brunnen sind in einer Tiefe von ca, 50-70 m u. GOK verilter., Dieser Grundwasserkérper (GWK) ist bai der letzten Zustandsbewertung mengenmaitg in den guten Zustand eingeordnet worden. Da der GWK mengen- maig als gut eingestuft wurde, kann es bisher keine Beeintréchtigungen durch die Grundwasserentnahme gegeben haben. Die nachste Zustandsbewertung erfolgt in 2019, Im Ergebnis dieser Bewertung muss gof. auch eine Anpassung der Grundwasserentnahmemengen erfolgen. Die Reduzierung der Entnahmemengen kann dann zu Problemen bei der Trinkwasserversorgung im Versorgungsgebiet des WW Spitzmiihle fahren. Dass ein erhdhter Bedarf an Trinkwasser erforderlich und notwendig ist, zeigen jedoch die Entnahmemengen in 2017 und 2018. Die Uberschreitungen der genehmigien Grundwasserentnahmemengen werden selbstverstandlich ordnungsrechtich durch die OWB verfolgt und zukiinftig unter- bunden 2u Frage 3, Die Erichtung eines neuen WW Spitzmihle wurde durch eine Baugenehmigung des zustandigen Bauamtes im Landkreis Markisch-Oderiand am 15.12.2014 ge- ‘nehmigt. Diese Baugenehmigung erging unabhangia vom bestehenden Nutzungs- recht zur Férderung von Grundwasser zur Trinkwasserversorgung und beinhaltet auch keine Bohrung von Brunnen oder Erhshungen der Grundwasserentnahme- mengen. Somit bendtigt das WW Spitzmiihle auch keine wasserrechtiche Eriaub- nis zur Grundwasserentaahme. Das WW Spitzmiihle ist seit 2014 in Betrieb und bereitet das gehobene Grundwasser aus der Wasserfassung nur aut. Eine Anpas- sung des bestshenden Nutzungsrechtes erfolgte nicht. Im Zusammenhang mit dem Bau des WW Spitzmiihle bedurfte es somit auch keiner Uberpriifung der Kriterien der GrwV. Zu Frage 4 Der Straussee ist ein mesotropher, geschichteter See mit einer durchschnttichen Gesamiphosphorkonzentration von ca. 24 ull P (siehe Steckbrief in der Anlage). Der durchschnittliche P-Wert im Ablauf der KA Minchehofe lag 2018 bei 348 gil P und damit um das ca, 1S-ache aber der Seskonzentration. Auch bei dem zu- kinfig geplanten Einsaiz einer Flockungsfitration auf der KA wird ein P-Wert von siabil < 100 gil P nicht zu gewahreisten sein. Hinzu kommen noch die anderen Inhaltssiofe (Slickstofie, Schwermetalle, endokrin wirkende Verbindungen u.a) Landesamt fiir Umwelt Seite 3 von 3 Abteiung Wesserwitschatt1 des geklérten Abwassers, die eine Einleitung in ein Standgewasser.generell aus- schlieBen. Diese Méglichkeit der Wasserstandsenhebung ist nicht in Ewagung 2u Ziehen, eine gravierende Verschlechterung der Gewasserqualitat ware die Folge und somit gabe es auch rechilich Keine Grunclage (WHG, WRRL) fir eine Einlei- tung, ‘Anmerkuna zur kimatischen Entwicklung in Strausbera Der Straussee hat eine Flache von 1,38 km? mit einem relativ groften Einzugsge- biet. Im Jahr 2011 hatte der Straussee, bedingt durch die Gberdurchschnittichen Niederschlage der Jahre 2009-2011, einen hohen Wasserspiegel. Der Zeitraum 2013-2018 war mit durchschnitlich 512 mm Niederschlag der trockenste 6-Jah- reszeitraum seit Beginn der Aufzeichnungen in Strausberg im Jahr 1964, Gleich- zelig weist dieser Zeitraum die héchste Durchschnittstemperatur seit Beginn der Aufzeichnung im Jahr 1930 an der Station Mincheberg auf. Im Jahr 2018 wurde mit 10,6 °C der héchste an dieser Station aufgezeichnete Jahresmittelwert der Temperatur erreicht. Die fehienden Niederschlage und die starke Verdunstung der Seeflache kdnnen somit eine Erk/arung fir die Entwicklung des Seewasserspie- gels im Jahr 2018 sein. Daher ist von einem erheblichen Kimatischen Einfluss auf die Wasserstandsentwicklung am Straussee auszugehen. Die langjahrigen Grundwasserbeobachtungen an unbeeinflussten Landesgrund- wassermessstellen in diesem Gebiet zeigen einen groSraumigen Rickgang der Grundwasserstnde seit dem Jahr 2012 bis Anfang 2017. Durch das nasse Jahr 2017 erfolgte ein Anstieg der Grundwasserstande, welche im extremen Trocken- jahr 2018 aber wieder fielen. Dieser Rickgang ist damit grofréumig und nicht nur auf den Straussee beschrénkt. Auffallend ist, dass der Wasserspiegelanstieg im Straussee 2017 vergleichsweise schwach ausfiel und mit dem Wasserspiegelab- fall im November ein neuer Tiefstand erreicht wurde. Von nicht unwesenticher Bedeutung ist in diesem Fall auch der zunehmende Zuzug nach Strausberg, der zu einem Bevolkerungswachstum und mithin zur Steigerung des Trinkwesserverbrauchs flinrt. Ein verantwortungsbewusster und sparsamer Umgang der Birger mit dem Schutzgut Wasser (Oberflachen- und Grundwasser) insbesondere in Kiimatischen Extremsituationen wie im letzten ‘Sommer, kann auch dazu beitragen, dass der Straussee geschiitz! wird. Mit freundlichen Gren im Autreg Rigo Valet Untershri git,