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I Das vorliegende Dokument ist ein „Verhaltensleitfaden zur Prävention und

Reduzierung von Diskriminierungsphänomenen in Jugendorganisationen


und Bildungseinrichtungen”. Es handelt sich um einen sogenannten
intellektuellen Output, der im Rahmen des Projektes „Equality in Diversity –
Social Inclusion in Youth Organizations” (2017-3-RO01-KA205-047122, KA2-
Strategic Partnerships-Youth) durch Erasmus+-Programm der Europäischen
Union kofinanziert und in diesem Zusammenhang erarbeitet wurde.

Das Projekt erfolgte unter Koordination des Studierendenverbandes


Mehedinti County und wurde in Zusammenarbeit mit den Projektpartnern
KulturLife (Deutschland), Club pour l' UNESCO Jean LAURAIN- Metz
(Frankreich) und Youth of Europe (Polen) umgesetzt.

Ziel des Projekts ist die Steigerung des Inklusionslevels junger Menschen und
die Vermeidung von Diskriminierung in Jugendorganisationen und
Bildungseinrichtungen.

Das Material wählt einen neuen Ansatz und folgt in diesem Zuge einer
normativen Analyse basierend auf den gedanklichen Voraussetzungen für die
Entstehung von Diskriminierungsphänomen – namentlich den Vorurteilen
und Stereotypen.

Die Arten von Diskriminierung, denen sich das Projekt widmete, sind:
kulturelle Diskriminierung, religiöse Diskriminierung, sexuelle
Diskriminierung, soziale Diskriminierung (hier seien bspw. auch Kriterien
mitzudenken wie Arbeitstätigkeit, Wohnort, Haltungen und Lebensweisen,
etc.), Diskriminierung von Immigranten und Geflüchteten, rassische und
ethnische Diskriminierung.

Jede dieser Diskriminierungsformen erfährt eine nähere Betrachtung durch


die Lupe der am häufigsten identifizierten Vorurteile. Diese wurde ausgehend
von Hauptursachen, Haupteffekten und Hauptmaßnahmen zur Vorbeugung
gewählt und analysiert.

Der Inhalt folgt den Ergebnissen, die in den abgehaltenen Aktivitäten mit
jungen Teilnehmer*innen der vier Partnerländer (Rumänien, Frankreich,

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Deutschland und Polen) gewonnen wurden. Diese Aktivitäten wurden durch
ein Team von Expert*innen der involvierten Partner durchgeführt.

Der Ansatz auf 3 Ebenen (Ursachen, Effekte, Maßnahmen zur


Prävention/Bewältigung) zielt auf das tiefe Verständnis eines jeden Vorurteils
ab, auf welchem dann eine Bemühung erfolgen kann, um dem Vorurteil
vorzubeugen und/oder es zu überwinden.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass der Ansatz auf 3 Ebenen keine


abschließende Analyse zulässt, sondern hier noch Raum für Betrachtung
weiterer Teilaspekte besteht. Dieses Material repräsentiert letztlich nur die
Beschreibung einer Perspektive des Phänomens. Die Autor*innen erheben
nicht den Anspruch, alle Ebenen gänzlich abzudecken, da dies unmöglich ist.
Die aufgezeigten Empfehlungen und Maßnahmen müssen dem individuellen
Kontext angepasst werden. Dabei können sie entweder nur teilweise oder
vollständig genutzt werden, eine Entscheidung hierüber obliegt der
jeweiligen Einrichtung, die eine Anwendung in Erwägung zieht.

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Religiöse Diskriminierung

Vorurteil: Personen einer Religionsgruppe hätten


einen negativen Einfluss auf andere.

Hauptursachen:
Nicht ausreichend informiert! Junge Menschen sind nicht über Religionen
informiert und aufgeklärt. Sie kennen und verstehen die Ausprägung anderer
Religionen nicht, was psychologisch betrachtet dazu führt, dass sie etwas,
was sie nicht kennen und verstehen, eher ablehnen.
Fehlinformationen und Manipulation durch Medien. Die exzessive und ein-
seitige Darstellung einiger Handlungen und Verhaltensweisen von Menschen,
die einer religiösen Minderheit angehören, können bei Anhängern einer
religiösen Mehrheitsgruppe zu feindlichen Einstellungen gegenüber der
Minderheitsreligion führen.

Religiöse Lehren. Religion hat einen monopolisierenden Stellenwert, sodass


alle äußeren, von einer anderen Religion stammenden Einflüsse als negativ
gegen die Standards der eigenen Religion aufgenommen werden, was ohne
eine genauere Analyse oder eines kritischen Reflektionsprozesses stark emo-
tional eingeordnet wird.

Falsche Generalisierungen. Die Tendenz zur Diskriminierung und Stigmatis-


ierung basiert auf bestehenden Stereotypen und falschen Annahmen.
Aufgrund dieser wird von der Norm abweichendes Verhalten schnell wahr-
genommen und gespeichert. Dadurch und somit auf stereotypischen
Denkweisen und Vorurteilen basierend tritt eine Generalisierung auf.

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Haupteffekte:
Zurückhaltung. Junge, einer religiösen Minderheit und/oder anderen Religion
angehörende Menschen können Zurückhaltung im Kennenlernen und in der
Interaktion mit anderen jungen Leuten, die einer anderen Religion an-
gehören, aufweisen.

Wenig Toleranz. Es besteht die Tendenz, das Handeln und Verhalten eines
Individuums einer anderen Religion vorschnell abzustempeln, während diese
Tendenz im Umgang mit Vertretern derselben Religion wie der eigenen
ausbleibt.

Beschränkung und Aggressivität. Junge Leute, die sich stigmatisiert und dis-
kriminiert fühlen, neigen dazu, in Gedanken und Verhaltensweisen gehemmt
zu werden, und/oder reagieren aggressiv, um sich zu schützen. Dieses
Verhalten kann einen Teufelskreis generieren und außerdem Vorurteile
bestätigen.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Religionsübergreifende Dialoge. Jugendorganisationen und/oder Lehreinrich-
tungen können ein Format und angemessene und sichere Rahmenbed-
ingungen für einen Austausch und Dialog zwischen jungen Leuten verschie-
dener Religionsangehörigkeit schaffen. Dies macht eine Änderung in der
Denkweise möglich, sofern diese Treffen und Dialoge gut und systematisch
organisiert sind.

Erklärung der wahren Ursachen. Kommt es zu einem gesellschaftsnonkon-


formen/asozialen Verhalten einer jungen Person, welche einer religiösen
Minderheit angehört, so ist es wichtig, den Kontext zu beleuchten. Es ist un-
bedingt klarzustellen, dass nicht die Religion der Auslöser dieser speziellen
Verhaltensweise ist und war.

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Vorurteil: Angehörige einer anderen Religion werden in einer Gesell-
schaft als gefährlich wahrgenommen, da ihre Religion auf gesellschaft-
lich nicht akzeptierten Werten und Prinzipien beruhe.

Hauptursachen:
Unantastbare Konzepte. Die Religion nimmt eine Stellung im menschlichen
Dasein ein, welche oft ohne eine weitere Überprüfung oder detaillierte Ana-
lyse angenommen wird. Alle Prinzipien und Werte, die nicht in der eigenen
Religion enthalten sind, werden zunächst abgelehnt. Diese Ablehnung baut
jedoch nicht auf keiner logischen Rechtfertigung auf.
Furcht. Extrem religiöse Menschen sind der Ansicht, dass Sie einen religiösen
Fehler begehen, wenn Sie mit Prinzipien akzeptieren, die nicht in der eigenen
Religionsausübung enthalten sind. Daher rührt die Furcht vor göttlicher Be-
strafung bzw. Furcht vor dem Begehen von Sünden im Angesicht einer
Gottheit.

Unfähigkeit einer vielseitigen Herangehensweise. Allgemein wäre es an die-


ser Stelle möglich, über den gefestigten Charakter von Religion zu sprechen,
der weder zum Verständnis anderer religiöser Auffassungen anregt, noch
diese gutheißt. Demnach wird ein einseitiger kognitiver Ansatz generiert, der
zu dem Aufbau eines starren Gedankenmusters beiträgt.

Diese Muster erlauben es den Menschen nicht, andere religiöse Prinzipien


und Werte nachzuvollziehen, auf denen anderes menschliches Dasein auf-
baut.

Haupteffekte:
Zu wenig Anpassungsfähigkeit im Denken. Eine strenge religiöse Ausbildung
könnte eine Offenheit für andere Blickwinkel und Lebensweisen verstellen.
Jugendliche mit dieser Art der Erziehung neigen möglicherweise zu Diskrimi-
nierung.

Ungerechtfertigte Angriffe/Verteidigung. Vorurteile können sowohl eine an-


greifende als auch eine abwehrende Einstellung einer jungen Person
gegenüber anderen hervorbringen, noch bevor die betroffene Person die
Möglichkeit hat, zu handeln oder überhaupt eine gesellschaftliche Regel
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bricht. Die diskriminierte junge Person wird verwirrt sein und kann die Reak-
tion ihrer/seiner Mitmenschen nicht verstehen und das Selbstbewusstsein
wird unter dieser Form der Diskriminierung leiden.

Zerstörung von Persönlichkeiten. Junge Menschen, die aufgrund von


Vorurteilen diskriminiert werden, erfahren häufig eine ,,Identitätskrise“. Es
ist ihnen unmöglich, zu verstehen, was mit ihren eigenen Werten und Prin-
zipien falsch sein soll. Um (wieder) integriert zu werden, versuchen sie mögli-
cherweise, ihre Werte und Prinzipien durch andere zu ersetzen, die oft nicht
zu ihnen passen. Dadurch verstärkt sich die Identitätskrise.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Zusammenhang zwischen religiösen Werten und Prinzipien. Es wird den Ju-
gendorganisationen und Bildungsinstitutionen empfohlen, von Experten
geleitete Aktivitäten umzusetzen. Diese können herausstellen, dass die Prin-
zipien und Werte sich grundsätzlich gleichen und sich nur in der Ausformung
unterscheiden. Diese Art der Aktivität soll zum Verständnis und zur
Akzeptanz der Werte und Prinzipien der verschiedenen Religionen führen.
Praktisches Verständnis. Es wird zudem vorgeschlagen, Kontakt mit dem
Umfeld und der Umgebung einer anderen Religion zu suchen (Besuche,
Camps, Ausflüge o. ä.), durch welchen Jugendliche und junge Erwachsene
lernen, andere soziale und religiöse Organisationen zu verstehen und zu
akzeptieren. Sie sollen erfahren, dass es sich bloß von dem, was sie kennen,
unterscheidet.

Die religiöse Ausgeglichenheit sicherstellen. Es sollte so weit wie möglich


gewährleistet sein, dass eine ungefähr gleiche Anzahl an Jugendlichen unter-
schiedlicher Religionen in einer Gruppe/Abteilung der Institution bzw. Organ-
isation vertreten ist. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Verbindung
gegen junge Mitglieder einer Religion in der Minderheit.

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Vorurteil: Anhänger/innen einer anderen Religion
gelten als unmoralisch, weil sie falsche Annahmen teilen.

Hauptursachen:
Die religiöse Wahrheit wird als die Höchste angesehen. Jede anderweitige
religiöse Meinung und Auffassung wird als falsche Information/Manipulation
angesehen. Die Leute, die das tun, werden als Lügner/unmoralisch angeseh-
en.
Falsche Annahmen über versteckte Wahrheiten. Die allgemeine Auffassung
über Personen einer anderen Religion enthüllt eine unreale Anschauung, die
den Glauben erzeugt, dass sich hinter jedem Wort dieser Person eine gefähr-
liche, versteckte Einstellung befindet.

Voreilige Verallgemeinerung. Diese Art der Verallgemeinerung führt zu dem


Schluss, dass, solange die Ideen und Werte einer jungen Person nicht akzep-
tiert sind, sein Handeln folglich auch falsch sein muss. Somit wird dieses als
inakzeptabel angesehen. Allgemein wird angenommen, dass, wenn eine Per-
son (die einer anderen Religion angehört) falsche Annahmen über Religion
verbreiten will, sie/er dies auch auf verschiedenen anderen Ebenen des Le-
bens tut.

Haupteffekte:
Schwierigkeiten beim zum Ausdruck bringen eigener Ideen. Junge Menschen,
die aufgrund von Vorurteilen diskriminiert werden, könnten Probleme oder
sogar Blockaden haben, wenn es darum geht, ihre eigenen Ideen und Argu-
mente preiszugeben. Dies tritt ein, weil sie denken, dass andere diese ignor-
ieren werden bzw. diese überdies als falsche Information oder Manipulation
aufgefasst werden könnten.

Unwille, Verantwortung zu tragen. Die Angst vor Ablehnung oder Missach-


tung (in einem Entscheidungsprozess) könnten junge Menschen (Opfer von
Diskriminierung) dazu bewegen, sich den Entscheidungen der anderen zu
fügen und keine Verantwortung für ihre eigenen zu tragen, auch wenn diese
vielleicht besser und angemessener sind.

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Das Verbergen. Durch die Angst vor Diskriminierung könnten junge Mensch-
en schützende Verhaltensweisen annehmen. Das heißt, sie akzeptieren die
Meinungen und Überzeugungen anderer als ihre eigene. Auf eine mittlere
und längere Zeitspanne hinweg könnte es durch dieses Verhalten zu schäd-
lichen Persönlichkeitsstörungen kommen, die sich über einen längeren Le-
benszeitraum der betroffenen Person in negativer Weise bemerkbar machen.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Entwicklung kritischen Denkens. Das Herantreten an Religion anhand von
logischen Antworten auf Fragen wie: „Warum?“, „Wie?“, „Was wäre,
wenn…?“, „Was würde passieren, wenn…?“, „Welche Argumente sprechen
für…?“ könnte ein mentales Denkschema hervorbringen, welches das starre
Denken überwinden könnte. Es wird empfohlen, die Jugendlichen durch di-
verse Aktivitäten (wie z. B. Diskussionen, Debatten und Analysen) dazu an-
zuregen, Argumente und Gründe zu finden und so Vorurteile aufzubrechen
und zu besprechen.

Klarheit schaffen über das Konzept von Desinformationen. Durch das


Schaffen von Klarheit werden Jugendliche und junge Erwachsene begreifen,
dass andere Meinungen und Wahrnehmungen existieren und diese nichts mit
falschen Informationen oder Manipulation zu tun haben. Dadurch werden
junge Menschen, die einer anderen Religion angehören, nicht weiter mit
negativen Assoziationen bezüglich Desinformation und Manipulation ver-
bunden. Es könnten organisierte Textanalysen oder Rollenspiele veranstaltet
werden, um den Unterschied zwischen diesen Konzepten zu verdeutlichen.

Klarheit über den Begriff der Moral. Die psychologische Herangehensweise


an das Konzept der Moral betont und klärt auf, dass Moral und Unmoral Ei-
genschaften eines Individuums und keinesfalls Eigenschaften einer Religion
sind.

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Vorurteil: Es werde angenommen, dass Angehörige einer Religion
nicht die gleichen Rechte wie die einer anderen erhalten können.

Hauptursachen:
Der Glaube daran, dass durch Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion
menschliche Überlegenheit gerechtfertigt sei. Dieses Vorurteil ist tatsächlich
aus der falschen Interpretation einiger religiöser Texte entstanden. Aus
diesem Glauben heraus legitimieren einige Menschen ihre erhöhte Stellung
auf Basis der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion und erklären die
niedrigere Stellung anderer durch deren Zugehörigkeit zu einer anderen Reli-
gion.
Der Glaube, dass die Rechte durch die Religion und eine Gottheit gegeben
werden. Die Rechte der Menschen seien von einer Gottheit gegeben und
nach diesem Recht gelten sie auch nur für diese, die der Religion angehören.
Nach dieser Idee ist es so, dass, wenn eine Person einer bestimmten Religion
angehört, diese Rechte hat und wenn Sie auf der Gegenseite dieser Religion
nicht angehört, hat sie keine Rechte.

Falsche Eindrücke von Gerechtigkeit und Moral. Menschen, die auf religiöser
Basis diskriminieren, handeln nach ihrem eigenen Verständnis moralisch,
wenn Sie die Rechte anderer -aufgrund deren Religionszugehörigkeit- nicht
anerkennen. Zudem könnte ein irrationales Gefühl der Genugtuung und Zu-
friedenheit durch den Glauben hervorgerufen werden, dass sie durch diese
Handlung ihre Religion respektieren.

Haupteffekte:
Den Aufbau und die Entwicklung eines Minderwertigkeitsgefühls. Junge
Menschen, vor allem Kinder, die aufgrund von Vorurteilen diskriminiert
werden, wachsen mit dem Gefühl einer Unterlegenheit auf. Diese Annahme
wird die Entwicklung ihrer Persönlichkeit beeinflussen. Ihr Motivationslevel
wird sinken und ihre Erwartungen an ihren Lebensweg niedrig sein. Ihre
Entwicklungsmöglichkeiten halten sich im Vergleich zu anderen gering.

Das Versäumnis. Die stetige Frustration, die durch eine Unausgeglichenheit


und die Nichtbedienung einiger Bedürfnisse hervorgerufen wird, kann sich in

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Gewalt äußern. Dadurch kompensieren diskriminierte Jugendliche die dis-
kriminierende Verhaltensweise anderer Menschen ihnen gegenüber.

Fehlende Motivation und Initiative. Diskriminierten jungen Menschen fehlt


möglicherweise die nötige Motivation, um sich an Aktivitäten zu beteiligen
bzw. sich in Verbände einzufügen. Sie befürchten, dass sie in diesen Ak-
tivitäten als Minderheit angesehen werden und eine Benachteiligung erfah-
ren würden.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Die aktive Thematisierung von Menschenrechten. Es ist hilfreich, wenn Ju-
gendorganisationen und Bildungseinrichtungen Trainings- und Lernrunden
organisieren, in denen Jugendliche über Menschenrechte aufgeklärt werden
und lernen, dass diese Rechte für alle gleich sind.

Direktes, organisatorisches Eingreifen. Es ist von Vorteil, wenn jede Ju-


gendorganisation/Bildungseinrichtung eine Person/Abteilung auswählt, die
über Kompetenzen hinsichtlich der direkten Intervention zum Schutz der
Grundrechte junger Menschen verfügen. Es ist für junge Personen wichtig,
eine/n Ansprechpartner/in zu haben, wenn sie sich diskriminiert fühlen.

Empathie anregen. Es wird empfohlen, Aktivitäten zu organisieren (z. B. Rol-


lenspiele, Theater, Filme, etc.), im Rahmen derer es jungen Menschen
möglich ist, reale Lebenssituationen zu erleben, in denen eine Diskriminier-
ung und/oder Grundrechtsverletzung stattfindet, um Empathie zu fühlen und
so zu lernen. Dadurch sind sie in der Zukunft umsichtiger und könnten dis-
kriminierende Einstellungen sogar vollständig ablegen, die sie gegen andere
Religionen und/oder (junge) Menschen haben.

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Vorurteil: Menschen einer anderen Religion seien unmoralisch, weil sie
versuchen würden, andere zu bekehren.

Hauptursachen:
Der Mythos der Notwendigkeit einer Weltreligion. Es kursiert die falsche
Überzeugung, dass Anhänger/innen einer Religion es darauf abgesehen
würden, die Religionsvorstellung anderer durch ihre eigene zu ersetzen. Da-
durch besteht die Gefahr, Fanatismus mit den Menschen einer anderen
Glaubensrichtung zu assoziieren. Das bedeutet, dass sich der Eindruck, dass
hinter jedem Handeln und Verhalten einer Person mit einer anderen Religion
(auch wenn dies positiv ist) ein Versuch zur religiösen Konvertierung stecken
würde, verfestigt.
Geschichte. Darstellung historischen Materials (Studien, Filme, etc.) kann
teilweise die Auffassung des Heroismus und Patriotismus einer Nation unter-
stützen. Die bestärkte Sichtweise auf die eigene Nation entbehrt dabei meist
einer rational begründeten Grundlage.

Ansätze religiösen Fanatismus. Fanatismus zielt auf eine strikte Befolgung


einer bestimmten Auslegung der Religion und dessen Durchsetzung hin.
Zudem werden bei Vorliegen fanatischer Verhaltensweisen andere Mensch-
en als Bedrohung für die eigene Religion erachtet.

Haupteffekte:
Wenig Kommunikationseffizienz. Bei Kommunikation zwischen jungen
Menschen verschiedener Religionsangehörigkeit tendiert dieses Gespräch
unfreiwillig zu einer gewissen Oberflächlichkeit. Die eigentliche Botschaft
wird oft ausgelassen und die Kommunikationsprobleme nehmen weiter zu.
Es kann zu Stress, Spannungen und Konflikten (in der Inter-
aktion/Zusammenarbeit) führen.
Gruppenzusammensetzung. In einer multireligiösen Gruppe könnte ein
erhöhtes Risiko von Spannungen zwischen Einzelpersonen bestehen. Gemäß
psychologischen Theorien bestehen solchen Spannungen nicht in der
Großgruppe, sondern nur innerhalb kleinerer Teile, was sich dann übertragen
kann.

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Nachlassende Effizienz in Gruppenaktivitäten. Dieses Problem basiert auf
dem vorherig genannten. Wenn eine Aufgabe die Zusammenarbeit der
gesamten Gruppe erfordert, besteht das Risiko, dass diese kleineren Gruppen
nur Verantwortung für ihre eigenen Aufgaben tragen. Die Zusammenarbeit
mit den anderen Mitgliedern der Gruppe rückt dabei oft in den Hintergrund
oder entsteht erst gar nicht.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Bewusste Arbeit mit gemischten Gruppen. Für eine effiziente interreligiöse
Interaktion wird den Jugendgruppen und Lehrinstitutionen empfohlen, viele
verschiedene, gemischte Gruppen zusammensetzen – sprich mindestens zwei
Leute mit verschiedenen Religionen. Auf mittlere und längere Zeit gesehen
verhilft diese Methode zu einem besseren, angemessenen Umfeld für Einfüh-
lungsvermögen, Vertrauen sowie Respekt und könnte auch Vorurteile
ausräumen. Wenn die Spannungen erst einmal vermindert bzw. eliminiert
worden sind, kann die Gruppenkonstellation geändert werden.

Respekt vor denselben Rechten jeder Religion. Jede Religion hat bestimmte
Rituale, Glaubens- und Verhaltensweisen. Es ist wichtig, sicherzustellen, dass
alle gleichermaßen respektiert werden. Das heißt, die Ausübung einer Reli-
gionsform darf bei der einen Religion nicht mehr oder weniger er-
laubt/akzeptiert werden als bei der anderen. Dadurch wird das religiöse
Gleichgewicht sichergestellt, wodurch Vorurteile vermindert werden können.

Sicherstellung gleicher Möglichkeiten für Freizeit. Interaktionen und Be-


gegnungen in einem anderen Umfeld als das bekannte (Organisation, Schule,
etc.) verhilft zu einem besseren gegenseitigen Verständnis der jungen Leute
verschiedener Religionen. Auf diese Weise werden verhärtete Ansichtswei-
sen aufgelockert und somit können Vorurteile verringert werden.

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Kulturelle Diskriminierung

Vorurteil: Menschen mit einer Minderheitskultur


werden diskriminiert, weil sie anders seien.

Hauptursachen:
Abneigung gegen das Verlassen der eigenen Komfortzone. Es besteht die
psychologische Tendenz, Neues zunächst abzulehnen. Wenn eine Situation
das Verlassen aus der Komfortzone erfordert, wird diese lieber umgangen.
Verschiedene Elemente eines kulturellen Kodexes. Viele Vorurteile des
menschlichen Bewusstseins werden in einer Kultur verbreitet oder sogar
durch kulturelle Elemente erst generiert. Die Konzeption von Gut und Böse
wird an Einstellungen und Werten gemessen, diese werden von Generation
zu Generation übermittelt. Hierbei besteht die Tendenz, alles aus der eigenen
Kultur als gut und alles nicht darin Enthaltene als schlecht anzusehen. Die
Abwägung ist nicht rational, sondern emotional geleitet.

Die empfundene persönliche Einschränkung. Menschen setzen Interven-


tionen in ihre eigene Kultur oft als Einschränkung der von ihrer Kultur geg-
ebenen Freiheiten gleich. Das Ergebnis dieser Wahrnehmung ist ein Ak-
tionsprinzip, mit dem sich der Philosoph Jean-Paul Sartre beschäftigt hat: Um
Freiheit zu haben, sei es nötig, andere der eigenen Person unterzuordnen.

Haupteffekte:
Bestärkung kultureller Unterschiede und Abgrenzung. Die Ablehnung einer
anderen Kultur (bzw. der dieser Kultur angehörigen Menschen) endet in
einem permanenten interkulturellen Konflikt und Spannungen auf beiden
Seiten. Es kann als Hindernis für die persönliche Entwicklung in jeglicher Hin-
sicht angesehen werden.
Die Geringschätzung einer Minderheitskultur. Junge Menschen, die aufgrund
ihrer Kultur diskriminiert werden und einer Minderheitskultur zuzuordnen
sind, tendieren dazu, Elemente ihrer Kultur abzulegen. Dabei könnte es zu
einer Kulturidentitätskrise bei den Betroffenen kommen. Diese wird durch
Aufgabe, Verwirrung und Misstrauen hervorgerufen.

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Vermeidung der Auslebung der eigenen Kultur. Aus Angst werden junge
Menschen, die einer Minderheitskultur angehören, vorsichtiger bei der Mani-
festation ihrer kulturellen Werte (Traditionen, Bräuche, Kleidung, etc.) Dieses
Verhalten ruft Frustrationen hervor und kann zu sozialer Selbstisolation,
mangelnde Integration und fehlender Motivation zu handeln führen.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Ausgeglichenes interkulturelles Gestalten von Aktivitäten. Es ist sowohl für
Jugendorganisationen als auch für Lehreinrichtungen zu empfehlen, eine
interkulturelle Herangehensweise auf der Grundlage interkultureller Fairness
zu haben. Zum Beispiel wird im Falle einer Show vorgeschlagen, bestimmte
kulturelle Aspekte, die besonders für alle jungen Menschen der Organisa-
tion/Schule sind, zu thematisieren, selbst wenn dies klare Show-Momente
beinhaltet (wie Musik, Tänze, Traditionen, etc.).
Ermutigung zum freien, kulturellen Ausdruck. Innerhalb organisierter Ak-
tivitäten der Organisation/Schule sollte der kulturelle Ausdruck junger
Menschen gefördert werden. Zur selben Zeit sollte die Standardisierung der
kulturellen Manifestationen (Kleidung, Bräuche, etc.) vermieden werden.

Dokumentaranalyse. Eine effiziente Methode gegen die Tendenz der


Ablehnung der jungen Menschen ist der direkte Kontakt mit Elementen einer
anderen Kultur, um diese zu verstehen. Zum Beispiel könnten Filme mit spät-
erer gemeinsamer Analyse vorgeführt werden. Ein/e Vermittler/in bringt
hierbei eine Diskussion in Gang, bei der sowohl der gemeinsame kulturelle
Grund, als auch der Fakt, dass sich nur die Mittel des kulturellen Ausdruckes
unterscheiden, vermittelt wird.

Vorurteil: Personen einer anderen Kultur


haben eine lsche Auffassung der Realität.

Hauptursachen:
Eingeschränkte Perspektiven. Perspektive bedeutet die Fähigkeit, die Realität
aus verschiedenen Blickwinkeln wahrzunehmen. Die Abwesenheit oder
Beschränktheit dieser Fähigkeit führt oft zu der falschen Annahme einer
einzigen Realität, an welche die Menschen durch Kultur geknüpft seien. Für
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manche Menschen bedeutet die Akzeptanz anderer Kulturen auch, dass die
Existenz anderer Realitäten akzeptiert wird, und nicht, dass verschiedene
Perspektiven in derselben Realität gebilligt werden.
Ausbleibende Recherche. Junge Menschen versuchen aus unterschie-
dlichsten Gründen (Material, Motivation etc.) nicht, eine Verbindung zu der
Bedeutung anderer Kulturen aufzubauen. Vielmals ist das religiöse Argument
der ausschlaggebende Faktor, welcher die einseitige Realitätssicht hervorruft
und Elemente anderer Kulturen ausschließt.

Bildungsmängel. Teilweise sind Praktiken in der Kinder-/Jugendbildung ex-


trem: Aussagen wie „das ist richtig“, „das ist nicht richtig“, „das muss ge-
macht werden“, „das darf nicht geschehen“ usw. bieten Kindern und Jugend-
lichen scheinbar absolute Antworten, die das kritische Denken nicht anregen
und zu Starrheit im Denkprozess führen.

Haupteffekte:
Verzerrung von Nachrichten. Von der Annahme einer falschen Re-
alitätswahrnehmung ausgehend, besteht die Gefahr, dass Diskriminierende
den Inhalt der Botschaften für ihre eigenen Interessen umwandeln. Dies
verstärkt die Mangelhaftigkeit der Kommunikation.

Ineffizienz bei den Teamaktivitäten. Das Vorurteil könnte zu einem geringen


Maß an Verantwortung bei den diskriminierten Jugendlichen führen, da sie
das Gefühl haben, dass ihre Ideen oder Vorschläge als falsch betrachtet
werden. Gleichzeitig kann es zu einer Überverantwortung der diskriminierten
Jugendlichen kommen, da sie der Meinung sind, dass sie die einzigen sind,
die bestimmte Situationen richtig lösen können. Sowohl ein geringer als auch
ein hoher Grad an Verantwortung führen zu einer psychologisch als Unord-
nung gesehenen Einzel- und Teamaktivität.

Begrenzung möglicher Lösungen. Die Zurückhaltung einiger junger Menschen


in Bezug auf die Fähigkeit anderer Menschen, die Realität richtig wahr-
zunehmen, könnte dazu führen, dass die Lösungen, die die diskriminierten
Jugendlichen vorschlagen, abgelehnt werden, selbst wenn diese Lösungen
optimal sind.

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Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:
Sitzungen/Module/Schulungen zu Themen wie „Kultur als Werkzeug zur
Annäherung an die Realität“. Der Ansatz basiert auf der Kulturgenealo-
gie/Kulturerscheinung als Werkzeug zum Bericht von Realität und Um-
welt/Anpassungsreaktion. Das kann für Jugendliche in Jugendorganisationen
oder Bildungseinrichtungen den Ursprung des Vorurteils erklären und
gleichzeitig einen Schritt zur Verminderung/Beseitigung sein.

Literatur/Diskussionsrunden. Jungen Menschen könnten Werke empfohlen


werden, in denen kulturelle Aspekte verschiedener in der
Schule/Organisation vertretenen Kulturen behandelt werden. Es ist empfeh-
lenswert, eine zeitliche Analyse dieser Werke anzusetzen, welche den jungen
Menschen dabei helfen würde, die kulturellen Aspekte besser zu verstehen.
So würde sich auch ihr Toleranzniveau verbessern.

Theater und Multikulturalität. Um das Bewusstsein, Verständnis und die


Akzeptanz der Multikulturalität zu stärken, könnten Theaterstücke inszeniert
werden (gleich für alle kulturellen Gruppen). Die Szenen würden von jungen
Menschen gespielt werden, die jede einzelne Kultur repräsentieren. Es würde
in einer bestimmten Reihenfolge aufgeführt werden und die anderen Grup-
pen würden zuschauen.

Vorurteil: Personen einer Minderheitskultur würden eine Belastung für


die Gesellschaft darstellen, weil die Gesellschaft ihre Traditionen und
Gebräuche akzeptieren müsse.

Hauptursachen:
Angst vor der Abwertung der eigenen Kultur. Menschen mit diesem Vorurteil
könnten ohne Grund annehmen, dass die Existenz einer anderen Kultur in
der Nähe einen negativen Einfluss auf ihre eigene Kultur haben könnte. Das
könnte als Angriff auf ihre Lebensweise oder sogar Existenz aufgefasst
werden.
Wahrnehmung eingeschränkter kultureller Freiheit. Das Bestehen einer an-
deren Kultur/anderer Kulturen mit bestimmten Manifesta-
tionen/Verhaltensweisen (Traditionen, Bräuche, Rituale, etc.) könnte fälschli-
cherweise das Gefühl hervorrufen, dass der eigene kulturelle Raum bee-
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influsst würde und die eigene Kultur nicht mehr wie zuvor ausgelebt werden
könne. Manifestationen anderer Kulturen könnten sodann als Einschränkung
für die eigene Kultur empfunden werden.

Mangelndes/Fehlendes Verständnis. Kulturelle Verhaltensweisen werden oft


nur oberflächlich wahrgenommen und analysiert, ohne die tiefgreifenden
Werte oder Prinzipien dahinter erkennen zu wollen.

Haupteffekte:
Vermeiden des kulturellen Kontakts. Da kulturelle Manifestationen als Gefahr
für die eigene Kultur wahrgenommen werden könnten, greift Vermeidung
des Kontakts mit Menschen anderen kulturellen Hintergrunds als Abwehr-
mechanismus. Dadurch erstarken die kulturellen Vorurteile nur noch weiter.

Kulturelle Befangenheit. Diese Form der Befangenheit könnte der Ausübung


von Traditionen, Ritualen, Verhalten, etc. schaden. Diskriminierte junge
Menschen tendieren dazu, kulturelle Manifestationen und Verhaltensweisen
zu vermeiden und zu unterdrücken.

Selbstwahrnehmung. Das Verhalten, das durch dieses Vorurteil erzeugt wird,


könnte junge Menschen dazu bringen, sich selbst als unsoziale Elemente
wahrzunehmen, die einen negativen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben
leisten. Daher misstrauen Sie der eigenen Selbstwirksamkeit, fühlen sich
nutzlos, leiden an mangelnder Zufriedenheit usw.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Thematisierung des Ursprungs von den Symbolen und Gebräuchen anderer
Kulturen. Es werden den Jugendorganisationen/Bildungseinrichtungen kul-
turell-künstlerische Veranstaltungen vorgeschlagen, auf denen sich junge
Menschen mit den Haupttraditionen und -besonderheiten anderer Kulturen
vertraut machen können. Die Veranstaltungen ergänzen die Erklärungen hin-
sichtlich ihrer Herkunft, ihrer Grundwerte und ihrer Bedeutung im kulturellen
Bezugssystem.
Gleichen Raum für die Darstellung der Traditionen/Bräuche bieten. Es wird
empfohlen, dieselbe Zeit für die Darstellung der Traditionen/Bräuche junger
Menschen zu nutzen, unabhängig von ihrer Kultur. Auf diese Weise lautet die
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übermittelte Botschaft, dass die kulturelle Manifestation einer bestimmten
Kultur den Freiraum einer anderen nicht beeinträchtigt.

Betonung der positiven Auswirkungen kultureller Manifesta-


tionen/Verhaltensweisen. Eine ausgewogene Darstellung, wie sich jeder
Brauch/jede Tradition/jedes Ritual positiv auf die Gesellschaft auswirkt, ver-
ringert die Vorurteile.

Vorurteil: Aggressiven Verhaltensweisen von kulturellen Minderheiten


müsse man entschieden entgegenwirken.

Hauptursachen:
Entstehung der Idee der Aggressivität durch politische Einflussnahme. Aktive
Lenkung von Stereotypen ist auf wirtschaftliche und politische Interessen
zurückzuführen. Die Unterstellung von Aggressivität von Seiten kulturel-
ler/religiöser Minderheiten verfestigt sich und verbreitet Spannungen.
Aufgrund der Manipulation besteht die Tendenz, kulturelles
Verhalten/Manifestationen als aggressiv anzusehen, auch wenn es diese
tatsächlich nicht sind.
Medial erzeugte Stereotypen. Die Tendenz, „Sensationen“ zu präsentieren,
ist für die Massenmedien zu einer Priorität geworden. Aus diesem Grund
könnte eine Übertreibung der Darstellung von Handlungen und Verhalten
von Angehörigen kultureller Minderheiten den Eindruck erwecken, dass Ju-
gendliche einer anderen Kultur aggressiv seien.

Überlegenheitshaltung. So besteht teilweise die Überzeugung, dass die An-


wendung von Gewalt gerechtfertigt und notwendig sei, da dies die einzige
Möglichkeit darstellen würde, um die von kulturellen Minderheiten angeblich
ausgehende Gefahr zu bannen. Die Wirkung von Ansätzen einer
freundschaftlichen, beidseitigen Lösung wird als unwahrscheinlich einges-
chätzt.

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Haupteffekte:
Minimierung von Dialog und Verhandlung. Dieses Vorurteil basiert darauf,
dass als primäres Lösungsmittel für (wahre oder falsche) Konflikte Gewalt
angesehen wird. Auf diese Weise tendieren die Chancen für friedliche Lö-
sungen (Dialog, Debatte, Empathie) gegen Null.
Fortführung der Spannung. Die Anwendung von Gewalt führt beim
Gegenüber nur zu einer ähnlichen Reaktion. Es wird weiterhin soziale und
interkulturelle Konflikte geben, die sich verstärken. Die Jugendlichen teilen
sich in Gruppen auf, die sich gegenseitig als Feinde wahrnehmen. Dieser An-
satz verringert die Effizienz und Funktionalität der Jugendorganisationen und
verringert die Homogenität innerhalb der Bildungseinrichtungen.

Entstehung extremer Gruppen/Organisationen. Das schnelle Anwachsen der


Spannungen, die durch dieses Vorurteil und seine Manifestationen erzeugt
werden, könnten insbesondere bei jungen Menschen dazu führen, dass ex-
treme, radikale Gruppen entstehen, die alle kulturellen Manifestationen von
Minderheiten mit Gewalt unterdrücken wollen.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Festigung der Politik gegen Gewalt. Sowohl in Jugendorganisationen als auch
in Bildungseinrichtungen wird empfohlen, die Aktivitäten zum Schutz vor
Gewalt zu stärken und zu verbessern. Wenn möglich empfiehlt es sich, eine
Abteilung einzurichten, die sich mit diesen Aspekten befasst (möglichst alle
Diskriminierungsaspekte) und einen Spezialisten (Psychologen, Soziologen)
für die Arbeit in dieser Abteilung einzustellen.
Eindeutige Darstellung der Folgen von Vorurteilen. Um auf die Folgen der
durch Vorurteile verursachten Verhaltensweisen aufmerksam zu machen,
wird empfohlen, konkrete Situationen darzustellen, in denen Jugendliche
betroffen sind. Es können Videoclips verwendet werden oder, noch besser
wäre es, junge Menschen einzuladen, die ihre Geschichten teilen. Es wird
empfohlen, sich auf die Auswirkungen auf körperliches und seelisches Wohl
der betroffenen Person zu konzentrieren.

Betonung von Alternativen zu Gewalt. Ausgehend von konkreten Situationen


empfiehlt sich die Befragungsmethode, um andere Lösungen für Situationen

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als den Weg der Gewalt zu identifizieren (Dialog, gemeinsame Jugendpolitik
usw.). So können die aggressiven Tendenzen vermieden und der Rahmen für
eine einvernehmliche Lösung kann geschaffen werden.

Vorurteil: Menschen einer anderen Kultur können nicht verstanden


werden, weil sie nicht verstanden werden wollen.

Hauptursachen:
Psychologische Projektion. Das Konzept wurde von S. Freud in der Psycholo-
gie eingeführt und konzentriert sich auf die Findung der eigenen Einstellung
in andere Menschen. Folglich könnten Menschen, die die Perspektiven der
Menschen mit einer anderen Kultur nicht verstehen wollen (oder dies nicht
geplant haben), denken, dass es tatsächlich die anderen sind, die nicht
verstanden werden wollen.
Fehlende Verantwortung. Durch die Aufnahme dieses Vorurteils wird das
Gefühl der Selbstschuld für die Situation verringert. Es kann auch verschwin-
den, aber die Verantwortung wird somit fälschlicherweise auf die Person mit
einer anderen Kultur übertragen. Wir sprechen hier über die Verantwortung
zu handeln, um von den anderen verstanden zu werden.

Urteile a priori. Meist prüfen Menschen mit Vorurteilen ihr Urteil nicht auf
Gültigkeit und Rationalität. Das bedeutet, dass sie nicht versuchen, mit
Menschen aus unterschiedlichen Kulturen in Kontakt zu treten, um
festzustellen, ob sie wirklich von den anderen nicht verstanden werden wol-
len.

Haupteffekte:
Ausschluss. Junge Menschen, die einer anderen Kultur/Minderheitskultur
angehören, werden ausgeschlossen, da es als unnötige Anstrengung
angesehen wird, sie einzubeziehen, solange sie entsprechend des oben ange-
führten Vorurteils nicht miteinbezogen und nicht verstanden werden wollen.

Schwierigkeiten, sich auszudrücken. Junge Menschen, die sich diskriminiert


fühlen, werden jede Handlung, sich verständlich zu machen, als nutzlos
betrachten. Dieser Eindruck könnte Hemmungen und emotionalen Rückzug

20
hervorrufen. Dadurch wird der psychologische Effekt erhöht, während sich
die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Situation verbessert, verringert.

Mangelndes Interesse an kulturell-künstlerischen Manifestationen anderer


Kulturen. Das Vorurteil erzeugt Skepsis, die auf der Ebene der Absicht oder
auf der Ebene des Interesses an kulturellen Veranstaltungen teilzunehmen,
wahrgenommen werden kann. Diese könnten aber Verständnis für andere
Kulturen unterstützen.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Medienpartnerschaften. Die Jugendorganisationen und Bildungseinrichtung-
en können Partnerschaften mit Massenmedien eingehen, wobei junge
Menschen die Reichweite ihrer eigenen kulturellen Überzeugungen und
Werte in Kulturgemeinschaften fördern. Sie können diese sowohl präsen-
tieren als auch erklären. Die Informationsmaterialien sind für junge Mensch-
en zugänglich, da der Zugang niedrigschwellig ist.
Häufige Aktivitäten zur interkulturellen Kommunikation (die Häufigkeit wird
von jeder Organisation/Institution bestimmt). Es wird empfohlen, klare kul-
turelle Themen zu haben, die junge Menschen vorbereiten und den anderen
präsentieren. Dadurch wird regelmäßiger Dialog gefördert.

Allgemeiner Wissenswettbewerb (kulturelle Elemente). Die Organisation


dieser Art von Wettbewerben kann das Interesse an Dokumentarfilmen über
andere Kulturen/Religionen fördern. Es wird empfohlen, die Jugendlichen mit
immaterieller Anerkennung.

21
Sexuelle Diskriminierung

Vorurteil: Frauen seien den Männern intellektuell unterlegen.

Hauptursachen:
Religiöse Interpretationen. Es wird basierend auf dem Schöpfungsakt davon
ausgegangen, dass der Mann als erster geschaffen wurde und dieser Akt
nicht zufällig war. Dieser chronologische Ansatz rechtfertigt die Überlegen-
heit von Männern gegenüber Frauen, einschließlich der intellektuellen Über-
legenheit. Zum Beispiel wird die Frau im Christentum aus der „Rippe“ des
Mannes geschaffen und dieser Aspekt wird auch fälschlicherweise oft als
Beweis für die Minderwertigkeit der Frau interpretiert.
Soziale Klischees. Das Modell der patriarchalischen Familie, in der der Mann
immer noch als „Oberhaupt“ der Familie betrachtet wird, könnte auf dem
Glauben beruhen, dass der Mann die familiären Entscheidungen trifft. Diese
Hierarchie wird durch die intellektuelle Überlegenheit angenommen, die er
der Frau gegenüber besitzen soll.

Die historische Entwicklung der Menschheit. Während der Zeit des Homo
Sapiens beschäftigten sich Frauen mit der Erziehung von Kindern und Hau-
sarbeiten, während Männer aufgrund ihrer körperlichen Merkmale für die
Nahrungsbeschaffung verantwortlich waren (Angeln, Jagen usw.). Das Muster
wurde lange Zeit mit ein paar Änderungen beibehalten. Die Anliegen des
Mannes und die Tatsache, dass er der Hauptfinanzierer ist, führen zu Unrecht
zu der Vorstellung, dass der Unterschied zwischen Mann und Frau auf der
intellektuellen Überlegenheit des Mannes beruht.

Haupteffekte:
Fehlerhafte Stellenvermittlung. In einigen Positionen (insbesondere in Füh-
rungspositionen) werden Männer bevorzugt, obwohl Frauen für diese bes-
timmten Positionen aufgrund ihrer Qualitäten und/oder Erfahrungen besser
geeignet sind. Diese Art diskriminierenden Verhaltens führt zu Frustration,
geringem Selbstwertgefühl und stellt ein Hindernis für die berufliche Entwick-
lung von Frauen dar.

22
Falsche Aufgabenverteilung. In einigen Organisa-
tionen/Bildungseinrichtungen/Unternehmen manifestiert sich dieses
Vorurteil darin, dass schwierigere Aufgaben an Männer/Jungen verteilt
werden. Dieser Aspekt kann zu Einschränkungen bei Frauen/Mädchen füh-
ren, da sich diese so nicht mehr weiterentwickeln können. Somit kann die
Motivation abnehmen, während Ablehnung für die Arbeitsumgebung
auftreten kann.

Niedrige Autorität. In den Organisationen/Bildungseinrichtungen, in denen


dieses Vorurteil besteht, kann die Gruppenaktivität in dem Fall, wenn sie von
einer Frau/einem Mädchen koordiniert wird, beeinträchtigt sein. Ihre
Entscheidungen werden von vornherein als falsch eingestuft, ohne dass zuvor
deren Qualität beurteilt wird.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Vorstellung der wissenschaftlichen Perspektive. In den Organisa-
tionen/Bildungseinrichtungen, in denen dieses Vorurteil besteht, sollten
Sitzungen/Konferenzen veranstaltet werden, um die wissenschaftlichen
Ergebnisse, die auf der Grundlage der Forschungen arbeiten und anhand von
Studien belegbar sind, vorzustellen. Hierbei handelt es sich um Ergebnisse,
die die intellektuelle Gleichheit der Geschlechter bestätigen.
Ausgewogene Belohnungen. In den Jugendorganisa-
tionen/Bildungseinrichtungen wird empfohlen, junge Menschen unabhängig
vom Geschlecht gleichermaßen zu belohnen und fair zu fördern. Die Be-
lohnung erfolgt objektiv, ausschließlich aufgrund der erzielten Ergebnisse
und des Engagements bei den verschiedenen Aktivitäten der Jugendlichen.
Dadurch wird das Bewusstsein für die intellektuelle Gleichheit erhöht.

Alternative Delegation von Aufgaben/Verantwortlichkeiten. Es wird


empfohlen, Jungen und Mädchen (Männer und Frauen) gleichermaßen die
Entscheidungsrollen zu geben. In diesem Prozess wird ein wichtiger Fokus auf
die persönlichen Qualitäten gelegt. Es wird empfohlen, die Aufgaben für
kurze Zeit nur einem Jungen/einem Mädchen zu geben, um Vorurteile nicht
zu vergrößern.

23
Aufgedecktes Vorurteil: Frauen seien als Führungskräfte nicht geeignet,
weil sie emotionaler seien als Männer.

Hauptursachen:
Falsch angenommene Verbindung zwischen körperlicher und emotionaler
Kraft. Dem liegt die körperliche Überlegenheit von Mann zu Frau zu Grunde.
Das trifft jedoch nicht auf die emotionale Kraft zu. Von dieser falschen Ver-
mutung ausgehend wurde dieses Vorurteil ausgelöst und geschaffen.
Statistiken zu den Koordinierungspositionen. Bis zur zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts und noch später wurden die Koordinierungsrollen/-positionen
den Männern zugewiesen. In der Gegenwart können wir ein Beharren auf
diesem Vorurteil bemerken. Das bedeutet, dass Frauen, weil sie falsch
wahrgenommen werden, diese Positionen gemäß des Vorurteils nicht haben
können, weil sie fälschlicherweise als emotional unterlegen angesehen
werden, was den letztendlich die Verteilung der Positionen und Entschei-
dungsprozess beeinflusst.

Politische Vorstellungen. Bereits früher gab es Vorurteile, nach denen nur


Männer in den politischen Prozess einbezogen werden sollten. Dieses
Vorurteil beruht auf zwei anderen Vorurteilen: Frauen sind einerseits emo-
tionaler und andererseits ist das intellektuelle Potenzial von Frauen dem der
Männern unterlegen. Ausgehend von diesem Punkt könnte eine höhere Emo-
tionalität von Frauen in ein Klischee verwandelt worden sein, das auf
Vorurteilen beruht.

Haupteffekte:
Einschränkungen. Solange dieses Vorurteil in Jugendorganisa-
tionen/Bildungseinrichtungen besteht, werden sich Mädchen/Frauen mit
Führungsqualitäten, die diese Art von Positionen nicht einnehmen,
eingeschränkt und frustriert fühlen. Das kann ihre Persönlichkeit und Leis-
tungsfähigkeit beeinflussen.
Spannungen innerhalb der Gruppe. Wenn Jungen/Männer dieses Vorurteil
verbal und verhaltensmäßig manifestieren, kann es zu einer Spaltung der
Gruppe und weiter zu Frauenfeindlichkeit kommen. Das führt zu Mängeln in

24
der Zusammenarbeit, Kommunikation und zwischenmenschlichen Bezi-
ehungen.

Emotionaler Missbrauch. Das Vorurteil kann Verhalten erzeugen, das als


Missbrauch in einer Konfliktsituation interpretiert werden kann. In diesen
beenden die Jungen/Männer den Konflikt nicht – im Gegenteil: Sie setzen ihr
Verhalten eher fort, da sie glauben, dass Mädchen/Frauen aufgrund ihrer
Emotionalität früher aufgeben.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Simulationen. Es können Simulationen und Rollenspiele organisiert werden,
bei denen die Rollen umgedreht werden, um zu unterstreichen, dass nicht
der geschlechtsspezifische Unterschied in der Führung relevant ist, sondern
die individuellen Qualitäten. Es wird empfohlen, diese Qualitäten junger
Menschen während der Reflexion am Ende der Aktivität hervorzuheben.
Lebende Bibliothek. Es wird empfohlen, in regelmäßigen Abständen weibli-
che und männliche Gäste einzuladen, die LeiterInnen/ ManagerIn-
nen/KoordinatorInnen/UnternehmerInnen in verschiedenen Bereichen sind.
Dies soll zeigen, dass es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt,
wenn wir über Emotionen sprechen, die dieselbe Intensität sowohl für Män-
ner als auch für Frauen haben können.

Workshops zum Thema Emotionale Intelligenz. Eine Mischung aus Theorie


und Praxis zu diesem Thema wird die Tatsache unterstreichen, dass es keinen
Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt, wenn es um die Bewälti-
gung einer stressbehafteten Situation geht. Sowohl Männer als auch Frauen
können ein niedriges oder hohes Maß an emotionaler Intelligenz besitzen –
nicht aufgrund des Geschlechts, sondern wegen der individuellen Besonder-
heiten.

25
Aufgedecktes Vorurteil: Menschen mit einer anderen sexuellen Orien-
tierung als die, die als normal angesehen wird, widersprechen den
religiösen Normen.

Hauptursachen:
Religiöse Erziehung. Die Starrheit im Denken junger Menschen kann auf die
Darstellung der Evolution der Menschheit als absolute Wahrheit
zurückzuführen sein, ohne dass die Möglichkeiten einer anderen Art der sex-
uellen Beziehung zwischen Menschen akzeptiert werden würden. Auch die
Klassifizierung anderer Formen der Beziehung oder sexuellen Orientierung
als die schlimmsten „Sünden“ führt zur völligen Ablehnung jeglicher anderer
Form der sexuellen Orientierung.
Bildungsmängel. Die Fokussierung auf die Wirkung und Bedeutung der sex-
uellen Orientierung, die als unnormal betrachtet wird, ohne dass wissen-
schaftliche Erklärungen/Argumente berücksichtigt werden, führt zu Miss-
verständnissen und folglich zu Abstoßung und Ablehnung.

Religiöser Extremismus. Es gibt organisierte Veranstaltungen/Kampagnen,


bei denen sich gegen Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung
ausgesprochen wird. Aufgrund des Mangels ausreichender Bildung können
diese Veranstaltungen/Kampagnen enorme Auswirkungen auf junge
Menschen haben, wenn man bedenkt, dass diese die beobachteten Einstel-
lungen übernehmen könnten.

Haupteffekte:
Mangelnde Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Junge Menschen, die
sich sexuell anders als das als normal Angesehene fühlen, haben große
Schwierigkeiten, die Verantwortung dafür zu übernehmen, die Beziehungen
öffentlich zu offenbaren oder sogar darüber zu sprechen.
Unterdrückung der Manifestation religiöser Einstellungen. Die Jugendlichen
mit einer nicht-traditionellen sexuellen Orientierung werden von Menschen
mit derselben Religion abgelehnt und zu Abtrünnigen erklärt. Oft werden
ihnen Glaubensfreiheit, Religion und Religionsausübung genommen.

26
Entzug des Rechts der religiösen Zeremonie. In einigen Religionen haben Ju-
gendliche, die eine Familie zusammen mit einer Person desselben Ges-
chlechts gründen wollen, nicht das Recht, diese Verbindung ritu-
ell/zeremoniell zu festigen. Das kann zu spiritueller Unvollständigkeit und
einer unsozialen Einstellung aufgrund von Frustration führen.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Ausgewogener Ansatz der religiösen Erziehung. Es wird empfohlen, Ausge-
wogenheit zwischen Workshops und religiöser Bildung in Schulen anzubieten.
Hierfür sollte ein breites Spektrum an Spezialisten (Psychologen, Soziologen)
an der Entwicklung des Lebenslaufs der jungen Menschen arbeiten.
Selbsthilfegruppen. Durch den Aufbau von Selbsthilfegruppen in Jugendor-
ganisationen/Bildungseinrichtungen für junge Menschen, die sich mit diesem
Thema befassen, kann ein vertrauensvolles Umfeld geschaffen werden, das
die Integration erleichtert, vermittelt, Verantwortung für die sexuelle Orien-
tierung zu übernehmen und lehrt, mit Frustration umzugehen. Es soll also ein
Umfeld erschaffen werden, das die positive Entwicklung junger Menschen
unterstützen kann.

Bruch des Tabus. Die kulturgeschichtliche Darstellung von Beziehungen


zwischen Menschen desselben Geschlechts oder großer Persönlichkeiten mit
dieser Art der sexuellen Orientierung und deren Beitrag zur Entwicklung der
Menschheit wird die Akzeptanz junger Menschen erhöhen und das Thema
wird immer weniger ein Tabu sein.

Aufgedecktes Vorurteil: Menschen mit einer anderen sexuellen Orien-


tierung als die, die als normal angesehen wird, dürfen in der Gesellschaft
nicht akzeptiert/toleriert werden.

Hauptursachen:
Verweis auf religiöse Normen. Nach der Kreationismustheorie waren die
ersten Menschen, die von Gott geschaffen wurden, ein Mann und eine Frau.
Daher wird die Idee eines Paares mit zwei Personen unterschiedlichen Ges-
chlechts, männlich und weiblich, in Verbindung gebracht. Der Bezug zur Reli-
gion erschafft das Vorurteil.

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Konzept der traditionellen Familie/Konformismus. Die Vorstellung, dass
Menschen mit einer nicht-traditionellen sexuellen Orientierung nicht in der
Lage seien, eine Familie aufzubauen, also keine Kinder haben/erziehen kön-
nen, führt zu dem Vorurteil, dass diese Menschen in der Gesellschaft nicht
akzeptiert werden. Ihr Profil ist mit dem herkömmlichen sozialen Profil un-
vereinbar.

Unzureichende/mangelnde Annäherung an dieses Thema in jüngeren Jahren.


Diese Themen werden normalerweise von den Eltern/Schulen während des
Bildungsprozesses von Kindern/Jugendlichen vermieden. Das gefühlte Un-
behagen der Eltern bei der Annäherung an dieses Thema zeugt von einer
Blockade im Aufzeigen der Realität. Auf diese Weise werden Kin-
dern/Jugendlichen keine vielfältigen Perspektiven in dieser sozialen Angele-
genheit aufgeboten.

Haupteffekte:
Ausschlussrisiko. In Gruppen, in denen Vorurteile vorhanden sind, besteht
die Tendenz, junge Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung an
den Rand zu drängen und zu diskriminieren. Die Stigmatisierung wirkt sich
auch negativ auf den Entwicklungsprozess junger Menschen mit unterschie-
dlicher sexueller Orientierung aus.
Mobbing. Es kann ein häufiges Phänomen bei Jugendlichen sein, dass es zu
einer verstärkten Anhäufung physischer und verbaler Aggressivität sowie
Demütigung gegen/von jungen Leute mit einer anderen sexuellen Orien-
tierung kommt.

Einschränkung der Entwicklungsmöglichkeiten. Die feindselige Haltung einig-


er junger Menschen bestimmt möglicherweise, dass Jugendliche mit einer
nicht-traditionellen sexuellen Orientierung nicht an Aktivitäten teilnehmen,
die zu ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung beitragen könnten. Auf
diese Weise sei ihre Entwicklung viel langsamer, wodurch Entwicklungslücken
zwischen Jugendlichen und diskriminierten Jugendlichen entstehen.

28
Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:
Darstellung der Beziehungsspezifität von Menschen mit unterschiedlicher
sexueller Orientierung durch kulturell-künstlerische Aktivitäten. Unterschie-
dliche Elemente, die für junge Menschen mit nicht-traditioneller sexueller
Orientierung spezifisch sind, können zu einem besseren Verständnis für diese
junge Menschen beitragen. Es ist erwiesen, dass durch Kunst gezeigte Ele-
mente besonders von Jugendlichen leichter akzeptiert und aufgenommen
werden können.
Darstellung aller Bedeutungen des Begriffs „Familie“ in Jugendorganisa-
tionen/Bildungseinrichtungen. Die klare Herangehensweise an die diversen
Formen, die eine Familie annehmen kann, wobei der Fokus auf den emotion-
alen und biologischen Bedürfnissen jedes einzelnen Mitglieds liegt, kann das
Verständnis und die Akzeptanz für junge Menschen mit einer anderen sex-
uellen Orientierung fördern.

Psychologische Unterstützung. Es wird empfohlen, dass die Jugendorganisa-


tionen/Bildungseinrichtungen allen Jugendlichen mit einer anderen sexuellen
Orientierung eine Beratung/psychologische Therapie anbieten. Die Wirkung
dieser Unterstützung kann zur erleichterten Findung der persönlichen Iden-
tität beitragen.

Aufgedecktes Vorurteil: Menschen mit einer anderen sexuellen Orien-


tierung als die, die als normal angesehen wird, können andere Mensch-
en beeinflussen, sodass diese ihre eigene sexuelle Orientierung ändern.

Hauptursachen:
Mangel an Informationen. Menschen, die dieses Vorurteil haben, ken-
nen/verstehen/akzeptieren die Tatsache nicht, dass die sexuelle Orientierung
einer Person durch genetische Faktoren bestimmt wird und nicht auf die Bee-
influssung durch andere Personen zurückzuführen ist.
Religiöse Angst. In manchen Religionen/Kulturen gibt es die Annahme des
Bösen, wonach alles Negative (Böse) versucht, „das Gute“ zu übernehmen,
um es zu bekehren (siehe die Erbsünde – die Schlange hat einen schlechten
Einfluss auf den Menschen, indem sie Adam, den menschlichen Prototypen,
zum Bösen bekehrt).
29
Übertreibungen in der Wahrnehmung. In einer Situation, in der eine Person
mit einer anderen sexuellen Orientierung etwas tut, was als sympathisch
angesehen wird, bestehe die Tendenz, diese Sympathie fälschlicherweise als
rein sexuell abzustempeln.

Haupteffekte:
Feindselige Einstellungen. Wenn junge Menschen mit einer anderen sexuel-
len Orientierung mit anderen Menschen in Kontakt treten wollen, bestehe
eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass diese Menschen distanziert, re-
serviert oder sogar aggressiv sind, da sie den Eindruck haben, dass ein Kon-
takt nur der Versuch ist, sie zu beeinflussen oder deren sexuelle Orientierung
zu verändern.
Hemmungen während der Interaktion. Gleichzeitig können junge Menschen
mit einer anderen sexuellen Orientierung ihrerseits aus Angst vor Ablehnung
zurückhaltend bei dem Versuch sein, interpersonale Beziehungen aufzubau-
en. Es besteht das Risiko, dass dieses Problem länger andauert.

Schwache Beteiligung. Basierend auf den oben beschriebenen Ergebnissen


bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass diskriminierte Jugendliche es
vermeiden, sich in Teamaktivitäten zu engagieren und Initiativen zu er-
greifen. Der Grund dafür ist, dass sie den Kontakt mit den anderen Menschen
als Ursache für Unbehagen, Marginalisierung, Aggression und Erniedrigung
wahrnehmen.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Interaktion. Um die Vorurteile abzubauen/zu überwinden, wird empfohlen,
dass die Jugendorganisationen/Bildungseinrichtungen Aktivitäten organ-
isieren, die auf die Interaktion zwischen Jugendlichen mit einer anderen sex-
uellen Orientierung und anderen Jugendlichen abzielen. Auch wenn es am
Anfang schwierig sein kann, können diese Aktivitäten die Überwindung von
Vorurteilen unterstützen.
Präsentation des Themas aus wissenschaftlicher Sicht. Die wissenschaftlichen
Erklärungen zur sexuellen Orientierung geben die Gewissheit, dass es keinen
Einfluss von Personen gibt, die eine andere sexuelle Orientierung haben.

30
Grundsätzlich ist eine plötzliche Veränderung der sexuellen Orientierung
nicht möglich.

Analytischer Ansatz der gedanklichen Muster. Den Jugendorganisationen/


Bildungseinrichtungen wird empfohlen, einen Spezialisten (einen Psy-
chologen) zur Hilfe zu holen, der die Jugendlichen mit diesem Vorurteil un-
terstützen kann, um diese auf Basis der Vernunft aufzuklären. „Was macht
dich sicher, dass die Absicht besteht, Einfluss zu nehmen?“, „Wie kannst du
dir sicher sein, dass bei der Interaktion ein Risiko besteht?“ sind Beispiele für
Fragen, die junge Menschen dabei unterstützen können, Vorurteile abzubau-
en.

31
Soziale Diskriminierung
Aufgedecktes Vorurteil: Menschen mit einem Job, der als minderwertig
eingestuft werde, üben beschämende Jobs aus.

Hauptursachen:
Verweis auf einen wünschenswerten sozialen Status. Manchmal werden
menschliche Werte ungerechtfertigt auf den Job eines Menschen reflektiert.
Dadurch bestehen die irrationale Jobhierarchie und die Überzeugung, dass
einige Jobs wichtiger sind als die anderen. Dies wird an (sozialer) Leistung
und Einkommen gemessen. Einige Jobs werden als nicht wünschenswert,
sogar als beschämend angesehen – diese werden der ,,minderwertigen sozi-
alen Klasse“ zugeordnet. Viele Menschen suchen zu vermeiden, als mind-
erwertig angesehen zu werden. Der Berufsvergleich ist dabei nicht rational
begründet und wird durch Subjektivität noch verstärkt.
Fehlerhafte Wahrnehmung der direkten Proportionalität zwischen der Art
der Tätigkeit und der Intelligenz. Obwohl die Verhältnismäßigkeit (in einigen
Situationen) nachgewiesen werden kann, kann sie nicht verallgemeinert
werden. Durch das Selbstwertgefühl und den Status (Maslow-Pyramide) of-
fenbart diese Art des Verweises auf einige Jobs in der Tat das Bedürfnis der
Menschen, als intelligent und wertvoll wahrgenommen zu werden. Daraus
folgt die fehlerhafte Rangfolge der Jobs.

Mangelhafte Bildung. Oft bringen die ErzieherInnen (Eltern, LehrerInnen


usw.) Kinder/Jugendliche auf die Idee, dass sie sich auf einige Jobs (Ärz-
tin/Arzt, LehrerIn, IngenieurIn usw.) konzentrieren sollten und andere ver-
meiden müssen. Diese Art der Beeinflussung kann zu einem mentalen Muster
einer ungerechtfertigten Kennzeichnung der Arbeitsplätze führen und zu
einer klaren Klassifizierung von „erwünschten“ und „unerwün-
schten/schändlichen“ Jobs führen.

32
Haupteffekte:
Verweis auf andere durch Jobs/Studien. Das Vorurteil kann Überlegen-
heit/Minderwertigkeitsgefühle erzeugen, die die Interaktion zwischen Ju-
gendlichen ernsthaft schädigen können. So könnten junge Menschen mit als
minderwertig eingestuften Arbeitsplätzen vermieden und ausgegrenzt
werden. Dies könnte zu einem geringen Selbstwertgefühl, Unzufriedenheit
über die eigene Person und Zurückhaltung bei der Übernahme von Verant-
wortung für berufliche Herausforderungen führen.
Vorschnelle Verallgemeinerung der persönlichen Qualitäten. Ein häufiges
falsches Denken beinhaltet, dass eine Person, die eine „gute Arbeit“ ausübt,
zweifelsfrei Qualitäten besitzt, während eine „schändliche Arbeit“ von einer
qualitätslosen Person ausgeübt wird.

Fehlerhafte berufliche Orientierung. Beeinflusst durch den starken Trend, die


Jugendlichen auf „gute Jobs“ zu lenken, können sie oder ihre Eltern Berufe
auswählen, für die sie keine Berufung oder Begabung haben, und somit auch
keine Zufriedenheit bringen. Außerdem besteht die Gefahr des Aufgebens
oder der Ineffizienz und einem hohen Stressniveau.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Die Theorie der multiplen Intelligenz – die spezifische Intelligenztheorie. Es
werden nicht-formale Aktivitäten empfohlen, die die vorherrschende Art der
Intelligenz von Kindern/Jugendlichen hervorheben. Auf diese Weise werden
junge Menschen ihr Potenzial in bestimmten Berufsfeldern erkennen. Es wird
empfohlen, die berufliche Orientierung nach dem Potenzial und nicht nach
dem Vorurteil zu richten.
Hervorhebung der Auswirkungen. Den Jugendorganisationen/ Bildungsein-
richtungen, in denen Vorurteile bestehen, wird die Organisation von Ak-
tivitäten empfohlen, die die Auswirkungen hervorheben und den sozialen
und wirtschaftlichen Beitrag der als „beschämend“ eingestuften Ar-
beitsplätze beleuchten. Für die Jugendlichen ist es auch wichtig, sich des
Bildes ihrer Gesellschaft ohne diese Jobs bewusst zu sein (Rollenspiele
werden zur Veranschaulichung empfohlen).

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Sicherstellung des Interaktionskontextes. Es ist wichtig, den informellen Kon-
text zu gewährleisten, in dem junge Menschen miteinander interagieren und
sich kennenlernen, um zu betonen, dass die Unterschiede bei den Ar-
beitsplätzen keine bestimmenden sind. Wichtiger sind die menschlichen Ei-
genschaften jedes einzelnen Jugendlichen, unabhängig von ihrem/seinem
Job.

Vorurteil: Die Menschen in den ländlichen Gebieten seien weniger pro-


fessionell vorbereitet als die Menschen in den städtischen Gebieten.

Hauptursachen:
Trägheit der Wahrnehmung. Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Bild der
Landbevölkerung, die ihre Existenz durch Landwirtschaft und Tierhaltung
sichert. Daher folgte die Verallgemeinerung, nach der die Landbevölkerung
keine anderen beruflichen Fähigkeiten besitzen als die oben genannten.
Unterschiede der Ausstattung/Ressourcen in ländlichen und städtischen Ge-
bieten. Durch die Annahme der Tatsache, dass die Ausstattung der länd-
lichen Bildungseinrichtungen den der städtischen Einrichtungen unterlegen
ist, wird davon ausgegangen, dass sich die ländlichen Jugendlichen nicht so
entwickeln und nicht die Fähigkeiten erlangen können, wie es die städtischen
Jugendlichen können. Dies ist ein weiteres Beispiel für vorschnelle Generalis-
ierung, da sie von einigen Einzelsituationen ausgeht, die auf alle Fälle in die-
ser Kategorie erweitert werden.

Zugang zu Bildung/Ausbildung. Es wird davon ausgegangen, dass die Bild-


ungschancen in den ländlichen Gebieten im Vergleich zu den städtischen
Gebieten viel geringer sind. Jugendliche im ländlichen Raum können also
nicht dieselben professionellen Fähigkeiten entwickeln (haben weniger Chan-
cen) wie Jugendliche in Stadtgebieten. Obwohl dies stimmt und insbesondere
in armen Ländern dieser Mangel zu beobachten ist, sollte eine Verbreitung
der Vorurteile eingedämmt werden.

Haupteffekte:
Präferenzbeurteilung. Das Vorurteil kann zu einem Mangel an Objektivität im
Bewertungsprozess führen. Denkbar sind Bildungseinrichtungen, Jugendor-

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ganisationen oder Jobs, die städtische Jugendliche aufgrund von Vorurteilen
befürworten und auf diese Weise Ungleichheit erzeugen.
Schwierigkeiten beim Einstellungsprozess. Wenn Vorurteile im Rekrutier-
ungs- und Auswahlprozess vorhanden sind, können Recruiter dazu neigen,
die tatsächlichen Qualitäten und Fähigkeiten der ländlichen Jugendlichen zu
unterschätzen, was für sie/ihn ein großer Nachteil ist.

Inhomogene Gruppen. Wenn sich die Vorurteile in den Jugendorganisationen


und/oder Bildungseinrichtungen manifestieren, kann es zu einer Gruppen-
teilung in städtische und ländliche Gebiete kommen. Die Spaltung verfestigt
sich in mangelnden Interaktionen, ineffizienter Zusammenarbeit und sogar in
feindseligen Einstellungen und Verhaltensweisen.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Sicherstellung eines objektiven Bewertungsrahmens. In Jugendorganisa-
tionen und Bildungseinrichtungen wird empfohlen, über ein Evaluierungsver-
fahren mit einem hohen Objektivitätsniveau zu verfügen, so dass sich die
Bewertungselemente/-kriterien ausschließlich auf die Bildungs- und Leistung-
sstandards beziehen, die die Jugendlichen erreichen müssen. Dieses Verfah-
ren zeigt, dass alle Jugendlichen ungefähr denselben Professionalitätslevel
aufweisen, wobei der Hintergrund nicht von Bedeutung ist. Die Hervorhe-
bung dieses Aspekts könnte zu einer Abnahme/Eliminierung des Vorurteils
führen.
Gemischte Teams/Abteilungen. Die Jugendorganisationen und/oder Bild-
ungseinrichtungen sollten gemischte Teams und Gruppen organisieren, wel-
che sowohl städtische als auch ländliche Jugendliche umfassen, um den Kon-
text für eine gleichberechtigte Manifestation junger Menschen zu schaffen.
Ihre Anerkennung erfolgt anhand ihrer persönlichen sowie beruflichen
Fähigkeiten und aufgrund des sozialen Hintergrunds.

Kontakt mit der ländlichen Umgebung. Für die städtischen Jugendlichen ist
die Realität in ländlichen Gebieten oft unbekannt. Dieses fehlende Wissen
schafft Raum für Vorurteile. Kontakt initiierende Aktivitäten wie Besuche,
Ausflüge und Camps in ländlichen Gebieten können dazu beitragen,
Vorurteile abzubauen oder zu beseitigen.

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Aufgedecktes Vorurteil: Jugendliche in ländlichen Gebieten
seien weniger gebildet als junge Menschen in Städten.

Hauptursachen:
Fortbestand einer alten Mentalität, die in der Vergangenheit verankert ist. In
der Geschichte der menschlichen Evolution gab es Zeiten, in denen die als
überlegen angesehenen sozialen Kategorien (zum Beispiel der Adel) bes-
timmte Verhaltensstandards auferlegten, von denen angenommen wurde,
dass sie eine besondere Erziehung widerspiegeln würden. Sie glaubten, dass
alle Menschen, die diese (oft irrelevanten) Standards nicht einhalten, unge-
bildet und wertlos seien. In manchen Regionen gilt dieser Ansatz auch heute
noch.
Lebensbedingungen. In vielen Fällen erlaubt der niedrige Lebensstandard
(vor allem in wirtschaftlich schwachen Ländern) nur eingeschränkten Zugang
zu Bildung für Jugendliche in ländlichen Gebieten. Wie die Maslow-Pyramide
es vorsieht, liegen die Bildungsbedürfnisse über den Grundbedürfnissen. In
einigen Fällen sind die Jugendlichen jedoch schon mit der Befriedigung der
Grundbedürfnisse ausreichend beschäftigt. Obwohl es viele dieser Situa-
tionen gibt, die auch im städtischen Umfeld vorhanden sind, ist die
Schlussfolgerung, dass dies die einzige Wahrheit ist, falsch.

Abwertender Gebrauch einiger Wörter/Wortgruppen/Begriffe. Vor allem im


Slang der Jugendlichen gibt es bestimmte Wörter/Ausdrücke, die eine Person
kennzeichnen, von der es keinen guten Eindruck gibt. Ausdrücke wie „Du bist
so ein Redneck“ oder „Du bist ein Landjunge/-mädchen“ werden als abwer-
tend aufgefasst und sind eine unterbewusste Assoziation mit allen auf dem
Land lebenden Menschen (jung oder nicht).

Haupteffekte:
Diskriminierung aufgrund der Herkunft. In den Bildungseinrichtungen oder
Jugendorganisationen werden Jugendliche aus ländlichen Gebieten aufgrund
dieses Vorurteils oft gemieden oder ausgeschlossen, da davon ausgegangen
wird, dass sie einen negativen Einfluss auf den anderen ausüben und das
Image beeinflusst werden könnte, wenn sie zusammen gesehen werden. Das

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Phänomen kann bei den diskriminierten Jugendlichen Angst oder sogar De-
pression auslösen.
Hindernisse in der Kommunikation/Zusammenarbeit. Jugendliche, die
aufgrund dieses Vorurteils Überlegenheit oder Minderwertigkeitsgefühle
aufweisen, riskieren in der Kommunikation einen unzureichenden Zugang zu
den anderen Personen. Die diskriminierten Jugendlichen werden zurückhal-
tend sein, weil sie der Meinung sind, dass ihre Meinung nicht berücksichtigt
wird. Die diskriminierenden Jugendlichen halten es für wertlos, ihre Argu-
mente zu berücksichtigen.

Schwierige soziale Integration. Angesichts des Übergangsprozesses der Ju-


gendlichen von Land zu Stadt sowohl in Bildungseinrichtungen als auch in
Jugendorganisationen ist es wahrscheinlich, dass der Integrationsprozess von
den Vorurteilen beeinflusst wird.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Hervorhebung des Wertreferenzsystems in ländlicher und städtischer Umge-
bung. In einer Situation, in der dieses Vorurteil vorliegt, wird empfohlen, die
Entwicklung der Werte und den Wertbegriff sowohl in ländlichen als auch in
städtischen Gebieten zu erläutern. Zum Beispiel passt ein prospektiver Kon-
servativismus der Werte im ländlichen Raum nicht zu der Wertedynamik im
städtischen Umfeld. In vielen Situationen werden die Werte in städtischen
Gebieten in einem Prozess der Veränderung und Säuberung beeinflusst.
Offenbarung der grundlegenden erzieherischen Werte. Ein Analyseprozess
der Jugendlichen in Jugendorganisationen/Bildungseinrichtungen wird ihnen
helfen, zu verstehen, dass tatsächlich alle dieselben Werte haben und nur die
Erscheinungsform sich manchmal unterscheidet. Dieser Aspekt meint keinen
Unterschied in der Bildung, sondern einem Unterschied in der Äußerung.

Festlegung von Integrationszielen. Jede Jugendorganisation möchte mögli-


cherweise auch in den ländlichen Gebieten aktiv werden oder zumindest eine
bestimmte Mindestanzahl junger Menschen mit ländlichem Hintergrund ha-
ben. Die Wahrnehmung der Jugendlichen in der Stadt kann sich mit dem In-
tegrationsprozess der Landbevölkerung ändern. Dadurch können Vorurteile
abgebaut werde

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Vorurteil: Jugendliche seien weniger verantwortlich.

Hauptursachen:
Der Glaube, dass Verantwortung sich nur mit der Zeit entwickelt. Es ist wahr,
dass mit zunehmendem Alter der Schwierigkeitsgrad der existenziellen
Probleme höher wird und im Allgemeinen „Learning by doing“ erforderlich
ist. Der Charakterzug der Verantwortung aber wird bereits während der
Kindheit und Jugend gebildet. Es ist möglich, einen sehr verantwortungsvol-
len Jugendlichen und umgekehrt auch einen unreifen Erwachsenen zu
treffen.
Die Vitalität junger Menschen. Für einige Erwachsene stellt das dynamische
Verhalten einiger Jugendlicher Oberflächlichkeit und geringes Verantwor-
tungsbewusstsein dar, da die Erwachsenen unbewusst und unwillkürlich
erwarten, dass die Jugendlichen dieselbe Reaktion auf Stress haben wie sie
selbst – so entsteht eine Projektion.

(Voraussichtlich) häufige Fehler. Jeder junge Mensch, der auf einem bes-
timmten Gebiet mehr oder weniger erfahren ist, kann Fehler machen. Im
Allgemeinen sind diese mangelnden Erfahrungen zuzurechnen, und werden
nur fälschlicherweise mit Unzuverlässigkeit in Verbindung gebracht.

Haupteffekte:
Diskriminierung junger Menschen während des Verteilungsprozesses von
Aufgaben/Verantwortlichkeiten. Bei Vorliegen dieses Vorurteils besteht das
Risiko, dass junge Menschen keine schwierigen/wichtigen Aufgaben/
Verantwortlichkeiten erhalten. Daher können junge Menschen nicht aus
Erfahrungen lernen und ihre persönliche/berufliche Entwicklung ist begrenzt.
Schwierigkeiten bei der Arbeitsmarktintegration. Die ArbeitgeberInnen, die
dieses Vorurteil haben, verweigern jungen Menschen grundsätzlich die
Chance, eine Position einzunehmen, die schwierige, verantwortungsvolle
Aufgaben mit sich bringt. Bei Wiederholung kann diese Art von Erfahrung
dazu führen, dass ein junger Mensch die Hoffnung auf diese Positionen
aufgibt.

38
Verursachung der Verantwortungslosigkeit. Falls die Jugendlichen diese Ein-
stellung wiederholt von ihrem Gegenüber wahrnehmen, besteht die Wahr-
scheinlichkeit, dass sie sich nicht mehr auf Aufgaben konzentrieren, da sie
wissen, dass die Wahrnehmung unabhängig von ihrem Beschäftigungsgrad
bestehen wird.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Delegation von Verantwortlichkeiten ab dem frühen Alter. Es wird
empfohlen, dass die Jugendorganisationen/Bildungseinrichtungen das
Verantwortungsbewusstsein junger Menschen bereits ab einem jungen Alter
ausbilden und entwickeln. Dies kann erreicht werden, indem die Jugend-
lichen bei Fehlern unterstützt werden oder die Fehler konstruktiv ange-
gangen werden, sodass keine Verantwortungsangst zu befürchten ist. Das
Vorurteil wird durch eine konkrete Manifestation von Verantwortung
gemindert/beseitigt.
Belohnung verdienter junger Leute. Eine nicht-materielle oder materielle
Belohnung von Jugendlichen, die nachweisen, dass sie bei den durch-
geführten Aktivitäten verantwortungsbewusst sind, ist erforderlich. Indem
sie ihre Ergebnisse bekannt machen, können die anderen Menschen ihre
Vorurteilshaltung ändern.

Ermutigung der Initiativen ausgehend von Jugendlichen. Es wird empfohlen,


dass die Jugendorganisationen/Bildungseinrichtungen die Initiativen der Ju-
gendlichen unterstützen, sodass die Identifikation mit ihren eigenen Ideen ihr
Verantwortungsbewusstsein erhöhen und dazu führen können, dass die
Verantwortung als die vorherrschende Haltung der Jugendlichen festgelegt
wird.

39
Aufgedecktes Vorurteil: Jugendliche mit einem nonkonformen Look (wie
Kleidung, Tätowierungen, von Jungen getragene Ohrringe usw.) sind
komisch und müssen vermieden werden.

Hauptursachen:
Assoziation des Looks mit bestimmten Verhaltensweisen. Es gibt immer noch
einen kollektiven Glauben, wonach – wenn eine Person tätowiert ist – diese
automatisch asozial ist, da Tätowierungen in der Vergangenheit unter in-
haftierten Menschen verbreitet waren. Auf diese Weise besteht eine un-
gerechtfertigte Assoziation zwischen dem physischen Aussehen der Haut und
dem Verhalten. Dasselbe ist bei untypischen Frisuren zu beobachten.
Etikett für sexuelle Orientierung. Vorurteile sexueller Orientierung beinhal-
ten, dass Jungen Ohrringe an verschiedenen Körperstellen tragen, da sie eine
andere sexuelle Orientierung haben als normal. Diese Assoziation ist nicht
gerechtfertigt. Es geht von den Standardnormen aus, dass nur Frau-
en/Mädchen Ohrringe tragen können. Dasselbe passiert mit der bunten Klei-
dung bei Männern/Jungen.

Fehlende Annahme der Identität. Einige der Menschen, die Diskriminierung


gegen Nicht-Konformisten praktizieren, tun dies häufig, weil sie frustriert
sind. Sie selbst haben nicht den Mut, Verantwortung für Nicht-Konformismus
zu übernehmen, obwohl sie ebenfalls nicht-konformistisch sein wollen. Sie
lehnen einen Stil ab, für den sie nicht mutig genug sind.

Haupteffekte:
Vermeidung. Einige Eltern raten ihren Kindern schon seit ihrer Kindheit, den
Kontakt mit Menschen mit Tätowierungen, atypischen Kleidern, Ohrringen
usw. zu vermeiden. Gleichzeitig verbieten viele Bildungseinrichtungen diese
Elementen/Zubehörteile durch interne Regelungen. Ohne wirkliche
Grundlage werden also die nicht-konformistischen jungen Menschen
gemieden, ausgeschlossen und oft als negative Elemente der Gesellschaft
betrachtet.

Irrtümliche Schuldzuweisung. Bei vielen negativen Ereignissen mit unbekann-


ten VerursacherInnen gibt es die Tendenz, zunächst die nonkonformen jung-

40
en Leute zu verdächtigen, da ihr Aussehen den Menschen, die dieses
Vorurteil haben, das Gefühl von Schuld vermittelt.

Probleme bei der Persönlichkeitsentwicklung. Die Persönlichkeit der Jugend-


lichen manifestiert sich durch Kleidung, Accessoires, Frisur usw. Wenn einige
Bildungseinrichtungen/Jugendorganisationen sie dazu zwingen, ihren indi-
viduellen Stil aufzugeben ist ihre Persönlichkeit nicht mehr authentisch, und
sie fühlen sich verloren. Manchmal werden sie einsam und sogar aggressiv.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Erklärungen zur Persönlichkeit, die sich durch das Aussehen manifestiert.
Eine methodische Darstellung der persönlichen Bedürfnisse in Bezug auf das
äußere Erscheinungsbild (Tätowierungen, Kleidung, Frisur usw.) einerseits
und die Darstellung, wie das innere Selbst gesund sein muss und sich dem
äußeren Selbst anpassen muss, andererseits, kann die Akzeptanz für die
nicht-konformistischen jungen Leute steigern.

Mein Stil. Für jeden Jugendlichen ist es wichtig, offen über den eigenen Stil zu
sprechen und warum sie/er diesen vertritt. Indem es verbal ausgedrückt
wird, wächst die Übernahme der Verantwortung darüber, wer sie sind, und
die anderen können sie auch besser verstehen. Gleichzeitig führt dies zu
einer höheren Empathie und einer besseren Interaktion innerhalb der
Gruppe.

Streichung der Normen, die keine Elemente zulassen, die als non-
konformistischen gelten. Es wird empfohlen, dass die Jugendorganisationen
und Bildungseinrichtungen die internen Regelungen bezüglich Tätowi-
erungen, Accessoires, Kleidung, Frisuren (sofern diese Regelungen ex-
istieren) aufheben, da die Normen selbst die Vorurteile erzeugen.

41
Diskriminierung Von Migranten Und Geflüchteten
Vorurteil: Migranten/Geflüchtete missachten Normen
und Gesetze des Landes, in welches die Migration erfolgt ist.

Hauptursachen:
Tendenz zu Generalisierung. Der Mensch neigt dazu, Annahmen über eine
Person/ Gruppe insbeosndere bei negativer Konnotation auf alle
Angehörigen einer solchen Gruppe auszuweiten. So erkennt man bei
genauerer Betrachtung leicht, dass nur ein kleiner Teil der
Migranten/Geflüchteten einige Normen nicht beachten und gegen diese
verstoßen. Ein weiterer Effekt von Generalisierung ist dabei, dass außerdem
oftmals die Unterstellung erfolgt, dass Verstöße absichtlich begangen
würden, obwohl das laut Statistik nur in äußerst wenig Fällen zutrifft.
Geringer Kenntnisstand der Rechtslage. Gesetzesbrüche könnten schlichtweg
aufgrund der fehlenden Kenntnis über die bestehende Rechtslage erfolgen.
Dabei ist zu beachten, dass aus dem Nichtwissen um Gesetze, keine generelle
Missachtung mit absichtlicher Komponente abzuleiten ist, sodass nicht
verallgemeinert von einer bewussten Absicht, die Gesetze/Rechtsnorm zu
brechen, gesprochen werden kann.

Unterschiede in Verhaltenskodexen. Gemeint seien an dieser Stelle nicht


schriftlich verankerte Gesetze sondern ungeschriebene Verhaltensnormen
einer Kultur. Ein Bruch solcher Normen erfolgt meist nicht absichtlich,
sondern vielmehr aufgrund des Nichtwissens um eben diese. Außerdem
bedarf es selbst bei Wissen um Normen für die tatsächliche Anwendung
regelmäßige Übung dieser sozialen Elemente, welche letztlich eine gewisse
zeitliche Spanne des Erlernens und Erprobens erfordert.

42
Haupteffekte:
Risiko der subjektiven Rechtsverwirkung. Das Vorurteil bringt eine direkte
Implikation mit sich: “Wenn er/sie die Normen nicht respektiert (keine
Verantwortung übernimmt), hat er/sie auch keinen Anspruch auf diese
Rechte.” Dies ist eine extreme Diskriminierung, die wesentliche
Auswirkungen sowohl auf die Integration(smöglichkeiten) der Betroffenen als
auch auf deren Persönlichkeitsentwicklung hat.
Erhöhte Wahrscheinlichkeit den Zugang zur Gesellschaft verweigert zu
bekommen. Das Vorurteil, dass Regeln absichtlich und mit Vorsatz gebrochen
würden, hat zur Folge, dass der Zugang zur Gesellschaft erschwert wird. Bei
Regelverstößen erfolgt nach menschlicher Natur eher ein Ausschluss aus der
Gemeinschaft als die Suche nach Lösungen für die Integration von eben
diesen Menschen.

Höhere Wahrscheinlichkeit der Bestrafungsforderung bei Gesetzesbruch. Das


angeführte Vorurteil führt dazu, bei Gesetzesverstößen durch Migranten/
Geflüchtete eine härtere Bestrafung zu fordern als bei Straftätern anderer
Gruppen. Daraus resuliert eine unfaire und inkonsequente Behandlung und
soziale Spannungen.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Interaktive Workshops/Kurse zu elementaren Rechtswissen. Für
Jugendorganisationen und Bildungseinrichtungen, in denen Migranten
und/oder Geflüchtete aktiv sind, wird empfohlen, durch unterschiedliche
Maßnahmen/Aktivitäten sicher zu stellen, dass diese mit den aktuellen
Gesetzesnormen vertraut sind.

Aktivitäten zur Integration. Einige Aspekte des Verhaltens können leicht


durch informelle Aktivitäten angepasst werden (Theaterforen, Rollenspiele).
Dabei ist es wichtig, dass die Integration so gestaltet wird, dass es keinen
Konflikt zwischen dieser und den fundamentalen Werten der jungen
Migranten/ Geflüchteten gibt. Je nach Möglichkeit wäre es wünschenswert,
die Integration an die Lebenserfahrung der jungen Menschen anzupassen.

Objektivität im Umgang miteinander. Um nicht zu diskriminieren, ist es


wichtig, ein eventuelles Fehlverhalten nur auf Grund von Fakten zu
43
bewerten, unabhängig vom sozialen Status der betroffenen Person. Dadurch
wird auch verdeutlicht, dass ein Fehler keinesfalls spezifisch für eine
bestimmte soziale Gruppe ist. Diese Erkenntnis wiederum führt zu einer
generellen Offenheit und zu einer positiveren Wahrnehmung einzelner
sozialer Gruppen.

Vorurteil: Migranten/ Geflüchtete seien aggressiv und/oder kriminell.

Hauptursachen:
Schwierigkeiten bei langfristiger Sicherung des Lebensunterhalts.
Migranten/Geflüchtete befinden sich aufgrund ihrer Migrationsgeschichte
und teilweise aufgrund einer Fluchtgeschichte dann im Land, in das migriert
wird, in einer menschlichen Ausnahmesituation. In dieser folgt Verhalten
meist einer anderen Logik als im regulären Alltag. Derartige
Verhaltensweisen werden bei einem Großteil der Fälle nicht zu
Gewohnheiten, sie treten viel mehr in bestimmten, konkreten Situationen zu
Tage. Eine Verallgemeinerung für alle Migranten/Geflüchtete ist hier jedoch
in jedem Fall falsch, da jeder Mensch unterschiedliche Reaktionsmuster auf
derartige Stress- und Ausnahmesituationen zeigt.

Aggressivität als Abwehrmechanismus. In kritischen, risikoreichen und


stressigen Situationen, jenseits der Selbstbeherrschung, können einige
Personen aggressiv reagieren, was letztlich als Defensivreaktion zu verstehen
sein sollte. Auch wenn dies nur bei wenigen der Gruppe der Fall sei, erfolgt
dennoch aufgrund vormals genannter Tendenz zur Generalisierung die
Verfestigung eines falschen Bildes einer gesamten Gruppe.

Verstöße und/oder Straftaten als Folge von Unkenntnis der Gesetzgebung. In


einigen Situationen werden die Regeln schlichtweg unbewusst gebrochen.
Migranten und/oder Geflüchteten ist unter Umständen nicht bekannt, dass
sie durch ihr Verhalten Gesetzesnormen, des Landes in dem sie sich
befinden, brechen könnten

44
Haupteffekte:
Abstandnahme von Teilhabe in gesellschaftlichen Systemen. Das genannte
Vorurteil erzeugt Feindseligkeit, die, wenn sie für junge
Migranten/Geflüchtete ständig präsent ist, dazu führen kann, dass sich
diejenige Person dem System entzieht, um eine Konfrontation mit den
negativen Haltungen zu vermeiden. Das kann dazu führen, dass entweder der
Besuch einer Bildungseinrichtung abgebrochen wirde oder gar nicht erst
aufgenommen wird. Nicht, weil die betroffene Person sich nicht
(weiter)bilden möchte, sondern letztlich um dem Unbehagen, das durch
Einstellungen und Verhaltensweisen von Kollegen/ Mitschüler/studenten
und/oder anderen involvierte Personen hervorgerufen werden kann, zu
entgehen.
Unbehagen gegenüber Networking. Das Vorurteil erzeugt irrationale Ängste,
die dazu führen können, dass Kontakte mit jungen Migranten/ Geflüchteten
vermieden oder auf kurze, formale Kontakte beschränkt werden. Dieses
Verhalten erschwert die Integration von jungen Migranten/ Geflüchteten.

Erschwerte Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Das angeführte Vorurteil führt


nicht nur zu Ungleichheit im Bewerbungsverfahren für Arbeitsplätze, sondern
auch zu Ungerechtigkeiten im gesamten Integrationsprozess des jungen
Migranten/Geflüchteten am Arbeitsplatz. Mit anderen Worten, die
Entscheidung über Anstellung und Beschäftigung junger
Migranten/Geflüchteter sollte auf objektiver Grundlage erfolgen und die
jungen Migranten und Geflüchteten sollten im Prozess nicht benachteiligt
werden.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Erhöhte Medienaufmerksamkeit in Bezug auf Verhalten von
Migranten/Geflüchteten mit positiver Wirkung. Das könnten z.B.
herausragende Verhaltensweisen sein (wie Aktionen zur Unterstützung der
Gemeinschaft/ Gemeinde). Diese Vorgehensweise könnte eine
ausgeglichenere öffentliche Wahrnehmung des Verhaltens von Migranten/
Geflüchteten nach sich ziehen. Diese Maßnahme ist in Jugendzentren und
Bildungseinrichtungen leicht durchführbar.

45
Betrachtung der psychologischen Umstände in Krisensituationen. Eine
angemessene Darstellung von Umständen innerhalb einer Situation könnte
das Vorurteil entkräften und auf Empathie und Verständnis für individuelles
menschliches Verhalten stimulieren. Die wisschenschaftliche Erklärung in
Kombination mit Empathie könnte neue, ausgeglichenere Wahrnehmungen
hervorbringen.

Förderung zwischenmenschlicher Beziehungen unter jungen


Migranten/Geflüchteten und “Locals”. Jugendorganisationen und
Bildungsinstitutionen sollten dabei als optimaler Rahmen für regelmäßigen
Kontakt und Interaktion zwischen den genannten Gruppen fungieren. Denn
nur wenn sich diese miteinander befassen und in Kontakt miteinander treten,
können Vorurteile abgebaut werden und letztlich gänzlich verschwinden.

Vorurteil: Migranten/ Geflüchtete seien beruflich nicht


gut/ausreichend ausgebildet/vorbereitet.

Hauptursachen:
Unterschiede in der Arbeitskultur und der Einstellung zum Job. Ebenso wie es
kulturelle Unterschiede gibt, existieren unter Umständen auch Unterschiede
in der Arbeitskultur, welche zwischen der lokalen Bevölkerung und den
Migranten/Geflüchteten wahrgenommen werden könnten. Dabei gibt es
unterschiedliche Wahrnehmungen, aber keine “guten” oder “schlechten”
Ansätze, keine Arbeitskultur ist besser als die andere. Oft führen diese
unterschiedlichen Wahrnehmungen jedoch zu der fälschlichen Annahme,
dass Migranten/Geflüchtete beruflich nicht gut vorbereitet seien.
Verschiedene Arbeitsweisen. Es können technische oder
Ausbildungsbedingte Unterschiede bestehen; im gleichen Feld /in der
gleichen Branche können unterschiedliche technische und betriebliche
Ansätze in verschiedenen Ländern existieren.

Unterstellung von niedrigeren Standards. Dies ist ein anderer Aspekt des
Problems der Diskriminierung der Migranten/Geflüchteten, da negative
Wahrnehmung im Hinblick auf Arbeitskontexte größtenteils die betrifft, die
aus finanziell schwächer gestellten Ländern kommen. Andere
46
Lebensstandards werden häufig und fälschlicherweise mit schwacher
beruflicher Vorbereitung in Verbindung gebracht, ohne weitere Faktoren
miteinzubeziehen.

Haupteffekte:
Geringe Integration von Migranten/ Geflüchteten in den Arbeitsmarkt. Hier
beziehen wir uns größtenteils auf Arbeitsplätze im Fachkräftebereich, da oft
fälschlicherweise angenommen wird, dass schon dadurch, dass es sich um
Migranten/ Geflüchtete handelt, die Kompetenzen für diese Art von Job nicht
gegeben seien.

Hindernisse im Bezug auf professionelle Entwicklung. Das Vorurteil könnte


ein Hindernis für die professionelle Entwicklung junger
Migranten/Geflüchteter darstellen. Es besteht die Gefahr, dass sie auf einem
niedrigeren Level stehen bleiben, das ihrem wahren Potential nicht
entspricht, wenn der Zugang zu Jobs versperrt/ erschwert ist, in denen ihr
Potential ausgeschöpft werden könnte.

Geringes Einkommen. Bei Auftreten von durch entsprechende Vorurteile


geleitetes Verhalten (bewusst oder unbewusst) besteht die Gefahr, dass
junge Migranten/Geflüchtete schlechter bezahlt werden, da vorschnelle und
auch falsche Annahmen über ihre Arbeitsweise zugrunde gelegt werden.
Dieser Ansatz führt zu einem Teufelskreis, da der niedrigere Lebensstandard
in vielen Situationen der Grund für zukünftige Verhaltensweisen und
Einstellungen ist.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Bereitstellung von Möglichkeiten zur Anpassung an die Technologie/Abläufe.
Die Migranten und Geflüchteten im Gebrauch bestimmter
Technologien/Methoden/Arbeitsabläufe zu trainieren ist essentiell. Wie das
Sprichwort sagt: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Dabei ist die
Berücksichtigung individueller Bedürfnisse und Bedarfe von zentraler
Wichtigkeit.
Optimale Länge der Integrationsphase. Das Vorurteil entsteht durch die
hohen Erwartungen des Arbeitgebers an die Migranten/Geflüchteten, das

47
diese/r sich sofort an die neuen Anforderungen anpassen können muss.
Diese Vorgehensweise löst Stress aus und verringert die Effektivität, sodass
das genaue Gegenteil bewirkt wird. Es wird empfohlen, beim Abstecken des
Integrations/Anpassungszeitraumes ausreichend Zeit einzuplanen und
individuell angemessen vorzugehen, damit der junge Mensch die benötigten
Fähigkeiten aufbauen kann.

Objektivität im Bewertungsprozess. Es ist nötig, auch im Zuge von


Unterstützungsmaßnahmen objektiv Fähigkeiten und Fertigkeiten
einzuschätzen, während zeitgleich eine individuelle Betreuung erfolgen
sollte.

Vorurteil: Die Migranten/Geflüchteten müssen


die Werte des Landes, in dem sie leben, akzeptieren.

Hauptursachen:
Die Ansicht, dass Anpassung die einzige Art und Weise ist um
Migranten/Geflüchtete zu integrieren. Tatsächlich kann in diesem Fall nicht
von Integration, sondern nur von durch außen herbeigeführte Anpassung
geredet werden. Daraus folgt ein weiteres Vorurteil, wonach Migranten und
Geflüchtete im Vergleich zu der lokalen Bevölkerung schlechter gestellt sind.
Verwechslung von „akzeptieren“ und „respektieren“. Generell besteht häufig
der Wunsch, dass Migranten/Geflüchteten eine kulturelle Wandlung
vollziehen. Das ist ein Prozess, bei dem sich die Migranten/Geflüchteten von
einem Tag auf den anderen mit den Werten der „Locals“ identifizieren
müssten. Diese Tendenz wächst aus dem Wunsch, die Unsicherheit bei der
Interaktion mit Menschen aus anderen Kulturen zu reduzieren. Jemandem
seine Werte „aufzudrängen“ ist eine fehlerhafte Denkweise. Die Werte einer
Kultur können von Angehörigen einer anderen Kultur akzeptiert werden,
aber diese zu verinnerlichen und als persönliche Werte anzunehmen ist ein
langwieriger Prozess und kein zwingendes Erfordernis für Integration und
Teilhabe in einer Gesellschaft.

Geringe Toleranz von Vielfalt. Manchmal kann Vielfalt mit Unbehagen


assoziiert werden. Eine Gesellschaft in der sich alle wohlfühlen, ist nicht
unbedingt eine, in der alle Individuen die gleichen Werte und Ansichten
48
teilen. Man kann sich auch mit Vielfalt sehr wohl fühlen, allerdings dauert es,
diese Sichtweise für sich anzunehmen.

Haupteffekte:
Ablehnung anderer/fremder Werte. Ein auf Zwang basierender Ansatz kann
zu einer Abwehrreaktion führen, die sich in der Ablehnung und fehlendem
Verständnis für die lokalen Werte zeigen kann. Daraus folgen Konflikte,
Spannungen und die Annahme, dass Migranten/ Geflüchtete die Werte des
Landes ablehnen würden.

Identitätswirren/ Zweifel hinsichtlich der eigenen Identität. Junge


Migranten/Geflüchtete, die sich im Entwicklungsprozess ihrer eigenen
Identität befinden, könnten Schwierigkeiten mit ihren eigenen Werten und
Prinzipien haben. Einige Werte als aufgezwungen wahrzunehmen, kann zur
Infragestellung eigener Werte führen. Dabei wird häufig fälschlicherweise
zwischen guten und schlechten Werten unterschieden. Werte können nur im
Zusammenhang mit anderen Mustern (z.B. Verhalten) als gut oder schlecht
gelten, während tatsächlich alle Werte in sich selbst positiv belegt sind
(daher der Name).

Einschränkungen des eigenen Handelns. So lange die Freiheit anderer nicht


berührt/ eingeschränkt wird, hat jede/r das Recht entsprechend seiner
eigenen Werte und Überzeugungen zu handeln. Häufig wird jungen
Migranten/ Geflüchtete dieses Recht abgesprochen, sie werden praktisch
dazu angehalten, bestimmte Verhaltensweisen abzulegen und andere
anzunehmen. Daraus können Probleme im persönlichen Entwicklungsprozess
folgen, aber auch soziale Spannungen.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Schaffung von Formaten für Migranten/ Geflüchtete, in denen ein Handeln
gemäß eigener Werte ermöglicht wird. Das Vorurteil resultiert aus der
falschen Annahme, dass fremde Werte nicht erwünscht seien. Indem jungen
Migranten/Geflüchteten die Möglichkeit gegeben wird, frei / ohne Zwang zu
handeln, können ihre Werte von anderen Mitgliedern der Gemeinschaft

49
kennengelernt, verstanden, respektiert und toleriert werden (zum Beispiel
durch kultuelle Veranstaltungen, Darstellung von Bräuchen, etc).

Einführung in die Geschichte religiöser Kulte und Glaubensvorstellungen.


Eine objektive, korrekte Darstellung über die gesellschaftliche Verwurzelung
von Werten zu geben, könnte die Reflektion, Toleranz und Verständnis
anregen.

Kultur des Respekts im Miteinander. Eine Umgebung, die von gegenseitiger


Toleranz und gegenseitigem Respekt für alle Werte jedes Mitglieds der
Gemeinschaft geprägt ist, ist ideal für eine axiologische Symbiose /
Lebensgemeinschaft (funktionelle Koexistenz der Werte in einer
Gesellschaft). Dieses Konzept zeigt, dass ohne Zwang jede/r selbst die Werte
wählt, die für ihn/sie die richtigen sind.

Vorurteil: Migranten/ Geflüchtete verließen ihr Heimatland, um einen


Vorteil aus dem Leben in einem anderen Land zu ziehen.

Hauptursachen:
Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes/ Schwierigkeiten beim Finden eines
Arbeitsplatzes. Das Vorurteil ist letztlich die Folge eines anderen Vorurteils,
welches Angst schürt und Migranten/Geflüchtete als diejenigen darstellt, die
für die lokale Bevölkerung eine große Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt
bedeutet. Statistisch ist erwiesen, dass Migranten/Geflüchtete sich in freier
Martkwirtschaft auf freie Stellen bewerben, was letztlich jedem/jeder offen
steht und somit mit ihrer Arbeitskraft zum Wirtschaftswachstum beitragen.

Unprofessionelle Herangehensweise an dieses Thema von den


Massenmedien. Ein einseitiger Ansatz in der Berichterstattung über die
Gruppe der Migranten/Geflüchteten ruft eine negative Stimmung hervor.

Fehlender Blick „hinter die Kulissen“. Die Migranten/Geflüchteten verlassen


ihre Länder oftmals, um ihr Leben zu sichern (Konflikte, ein drohender
Konflikt, totalitäre oder autokratische Regime, etc.). Dabei steht zunächst im
Fokus, den Umständen im Heimatland zu entgehen.

50
Haupteffekte:
Marginalisierung/Stigmatisierung. Insbesondere bei angespannter Lage im
Land, in das migriert wurde, hat dieses Vorurteil weitreichende Folgen und
schürt letztlich Hass und Missgunst. Die Unterstellung, dass die
Migranten/Geflüchteten nur die Ergebnisse der Arbeit anderer genießen und
davon profitieren wollen, folgt dem Vorurteil auf dem Fuße.

Tendenz zu exzessiver Kritik. Das Vorurteil ist ein Hindernis für die
Chancengleichheit, wenn die Handlungen oder Intentionen der jungen
Migranten/Geflüchteten in Frage gestellt werden. Zum Beispiel könnte ein
temporärer Leistungsabfall anders und falsch interpretiert werden, wenn
junge Migranten/ Geflüchtete betroffen sind.

Misstrauen hinsichtlich der der Migration zugrundeliegenden genannten


Gründe. Das Vorurteil könnte Skepsis hinsichtlich der Gründe des Verlassens
der Heimatländer hervorrufen. Sogar wenn die Gründe wahrheitsgemäß
dargestellt werden, bleibt das Misstrauen und die Annahme, dass diese nur
vorgeschoben seien, um die lokale Bevölkerung zu manipulieren.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Objektive Darstellung der Gründe für Migration. Jugendorganisationen und
Bildungsinstituten wird empfohlen, die Gründe für Migration darzustellen
und zu thematisieren (wie z. B. Lebensbedingungen, Kriege, etc.) Diese Art
der Darstellung kann Menschen sensibilisieren, Empathie stimulieren und
Vorurteile reduzieren oder ganz beseitigen.

Thematisierung von Realeffekte der Präsenz von Migranten/ Geflüchteten.


Die realistische und objektive Präsentation des ökonomischen, sozialen und
kulturellen Beitrages, den die Migranten/ Geflüchteten leisten, mit einem
besonderen Fokus auf dem Beitrag zur Steigerung der
Lebensbedingungen/qualität könnte dazu beitragen, das Vorurteil zu
schwächen und den Umstand verdeutlichen, dass Migranten/ Geflüchtete
auch viel zur Gesellschaft beitragen.

Medienaufmerksamkeit für gute Praxis. Um die Beiträge der


Migranten/Geflüchteten zum Gemeinschaftsleben deutlich zu machen, wäre
51
es hilfreich, wenn die Medien über die Fälle der optimal gelungenen
Integration und beträchtlichen Beiträge zur Entwicklung der Gemeinde
(haben sich an der Entwicklung der Gemeinschaft beteiligt, sie tragen zu dem
Prestige einer Institution bei) berichten würden, um die öffentliche
Wahrnehmung ausgewogener zu gestalten.

Vorurteil: Migranten/ Geflüchtete bedrohten


die gesellschaftlichen Strukturen.

Hauptursachen:
Angst vor Überlastung des Systems. Der Zeitpunkt der Aufnahme einer
großen Anzahl an Migranten/Geflüchteten traf auf mehrheitlich schlecht auf
diese Situation vorbereitete Gesellschaften. Unter diesen Bedingungen
(geringes Vermögen, auf basale Bedürfnisse wie Hunger, Bekleidung,
Unterkunft, etc. schnell und angemessen zu reagieren) entwickelte sich der
Flüchtlingsstrom zur oftmals in Medien und Gesellschaft sogenannten
„Flüchtlingskrise“. U.A. die allgegenwärtige Verwendung dieser Begrifflichkeit
trug zur Schürung von Angst und dem Gefühl der Überforderung in der
Bevölkerung bei.
Kritische Handlungen von Migranten/Geflüchteten. In einigen Situationen hat
der Besonderheit der Lebenssituation zu schwierigen Verhaltensweisen
mancher Migranten/Geflüchteter geführt. Daher rührt ein Misstrauen einiger
Teile der Bevölkerung im Bezug auf alle Migranten/Geflüchteten
(Generalisierung!), eine Angst die nicht logisch gerechtfertigt ist, sondern auf
dem Konzept der Verallgemeinerung beruht.

Unwissen über die Gesetze des Landes, in das migriert wird. Wie oben
erwähnt, kann die Unkenntnis der juristischen und sozialen Normen des
Landes, in das migriert worden ist, dazu führen, dass diese ohne Intention
gebrochen werden.

52
Haupteffekte:
Assoziation von Migranten/Geflüchteten mit Ängsten. Diese Verhaltenweise
hat starken emotionalen Einfluss, vor allem auf junge Migranten/Geflüchtete.
Der Anpassungsprozess wird schwieriger, da junge Menschen
Ungerechtigkeiten und Diskriminierung vor allem auf einer emotionalen
Ebene wahrnehmen.

Bildung von jungen Migranten/ Geflüchteten. Obwohl die Intention der


jungen Menschen ist, in dem neuen Land zur Schule zu gehen, besteht ein
hohes Risiko, dass die Schule abgebrochen wird, da sie unter Umständen mit
der eigenen Lebenssituation, Traumata, Erinnerung und Erfahrungen
kämpfen, wodurch die Fortführung eines Bildungsganges erschwert wird.

Mangelndes Vertrauen. Das Vorurteil führt zu geringem Vertrauen der


lokalen Bevölkerung gegenüber Migranten/Geflüchteten auf der einen Seite
und andererseits auch zu geringem Selbstvertrauen der
Migranten/Geflüchteten. Daher ist das Risiko groß, dass junge
Migranten/Geflüchtete unterhalb ihrer Möglichkeiten und Leistungsfähigkeit
bleiben, das führt zu geringeren Beiträgen/Beteiligung und verschwendetem
Potential.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Rollenspiele/Forumtheater. In Jugendorganisationen oder
Bildungsinstitutionen, wo junge Migranten/ Geflüchtete vertreten sind,
könnten Aktivitäten organisiert werden, die gezielt Empathie für die
Lebensituationen anderer Menschen fördern sollen. Eine Methode zur
Erreichung dieses Ziels könnte in Rollenspielen oder der Nutzung von
Forumtheater bestehen, da diese von realen Lebenssituationen ausgeht, die
dann aufgearbeitet werden. Auf diese Weise könnte gegenseitiges
Verständnis gefördert werden.
Fallstudien. In Jugendorganisationen oder Bildungsinstitutionen, die
insbesondere mit Migranten/Geflüchteten arbeiten, könnte eine Plattform
zur Darstellung der Lage im Heimatland geschaffen werden, welche dann
auch ermöglicht, Beweggründe für die Migration aufzuzeigen. Solche
Maßnahmen haben einerseits informativen Charakter, fördern aber ebenso
das Bewusstsein für die Situation und schaffen Empathie. Auf diese Weise
53
könnte eine andere Positionierung gegenüber Migranten/Geflüchteten
erzielt werden.

Kurse/Workshops zu der Legislatur des Aufnahmestaates. Auch ein solcher


Lösungsansatz ist denkbar: Gesetze können in angenehmer Umgebung
gemeinsam kennengelernt und verstanden werden, sodas ein Gefühl für
Recht und Gesetzgebung im Aufnahmestaat gefördert wird.

Vorurteil: Migranten/Geflüchtete sollten nicht mit der


lokalen Bevölkerung rechtlich gleich gestellt sein.

Hauptursachen:
Schutzmentalität. Grundsätzlich erfolgt zunächst tendenziell eher eine
Ablehnung von Personen, die sich neu in einem Gebiet ansiedeln. Hier
können Spannungen mit vorher ansässigen Gruppen bestehen. Daher
konnten sie die Gleichheit vorm Gesetz nicht verstehen.
Man kann ein solches Verhalten mit einer Art Reflex, die kollektive Mentalität
zu bewahren, in Verbindung bringen, außer in den Fällen in denen es zu
Konflikten zwischen einer migrierenden Gruppen und lokalen Gruppen
gekommen ist.

Direkte Proportionalität zwischen Pflichten und Rechten. So lange die


sozialökonomischen Beiträge der Migranten/Geflüchteten geringer seien als
die der lokalen Bevölkerung, könne die Rechtsgleichheit als nicht fair
angesehen werden. Daraus folge, dass man die Rechte nur durch Beiträge zur
Entwicklung der Gesellschaft verdienen kann. In dieser Folgerung wird
allerdings nicht beachtet, dass die geringen Beiträge zur Entwicklung der
Gesellschaft durch den Mangel an Rechten sogar verstärkt werden können.

Angst vor Ressourcenknappheit. Teilweise wird Rechtsgleichheit als ein Risiko


wahrgenommen, wenn nämlich die Angst besteht, dass die lokalen
Ressourcen hinsichtlich der erhöhten Zahl der daraugf Zugreifenden knapp
werden könnten. Mediale Berichterstattung schüren dabei zum Teil diese
diffusen Ängste.

54
Haupteffekte:
Komplexe in der eigenen Betrachtung. Junge Migranten/ Geflüchtete
könnten Gefahr laufen, mit der Zeit einen Minderwertigkeitskomplex zu
entwickeln, der auch so weit gehen kann, dass sie die Situation einer
Nichtgleichstellung akzeptieren.
Motivationsminderung. Das Vorurteil kann einen Abfall der Motivation
bewirken, z. B. wenn die Jugendlichen der Auffassung sind, dass sie niemals
als gleich angesehen/wahrgenommen werden, egal, wie sehr sie sich auch
anstrengen und dafür einsetzen.

Segregation. Das Vorurteil befördert das Risiko einer radikalen Trennung


zwischen Migranten/ Geflüchteter und der lokalen Bevölkerung. Auch die
Kooperation und Effizienz zwischen diesen Gruppen nimmt Schaden, die
Qualität der menschlichen Beziehungen leidet.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Darstellung des Verhältnisses zwischen Pflichten und Rechten. Es ist gerecht,
dass junge Migranten/Geflüchtete, die die gleichen bürgerlichen Pflichten
und Verantwortungen haben wie die lokale Bevölkerung, auch über
dieselben Rechte verfügen. In Jugendorganisationen und Bildungsinstituten
kann es Sinn machen, dies bewusst und gezielt zu thematisieren, um zu
zeigen, dass nur die Beziehung Pflicht/Recht objektiv und fair ist, während
alle anderen, subjektiven Gründe keine Gleichheit und soziale Fairness
garantieren können.

Einrichten von effizienten, internen Strukturen, um Rechte von


Migranten/Geflüchteten zu schützen. In Jugendorganisationen und
Bildungsinstituten wird empfohlen, Strukturen einzurichten und wirksam zu
halten, die explizit für die Gleichstellung zuständig sind. So können die jungen
Migranten/Geflüchteten schnell Hilfe bekommen, wenn ihre Rechte verletzt
werden. Wenn nötig, sollte die Abteilung fähig sein, in Eigeninitiative zu
handeln. Eine solche Anlaufstelle kann zur Rechtseinhaltung und fairem
Umgang beitragen.

Objektive Interventionen. Bei Manipulationen der öffentlichen Meinung


bezüglich Migranten/Geflüchteter durch die Massenmedien, wird für
55
Jugendorganisationen und Bildungsinstitutionen empfohlen, schnell
einzuschreiten und objektiv die Situation zu klären. Dadurch wird dem
Entstehen von fehlerhaften Wahrnehmungen vorgebeugt, die die Vorurteile
verstäken würden. Ein Aufstehen und ein Stimme erheben gegen
Ungerechtigkeiten und Falschdarstellung ist unbedingt erforderlich.

56
Ethnische Diskriminierung
Aufgedecktes Vorurteil: Menschen dunkler Hautfarbe würden als
unterlegene und aggressive Bevölkerungsgruppe wahrgenommewerden.

Hauptursachen:
Mythologische Spekulationen. Es gibt mythologische Theorien ohne
wissenschaftliche Begründung, nach denen die Bevölkerungsgruppen mit
dunkler Hautfarbe aus den Genen eines unterlegenen Wesens genau für die
Arbeit auf der Erde entstanden sind. Wir unterstreichen die Tatsache, dass
diese Theorie keine wissenschaftliche Basis hat. Die Idee an sich ist im
Rahmen von Manipulation und aus der fälsch angenommenen
Unterlegenheit dieser Gruppe entstanden.
Sklavenhandel. Die Annahme der Unterlegenheit der Bevölkerungsgruppe
mit dunkler Hautfarbe ist als eine ethnische Rechtfertigung von den
christlichen (zumindest kundgetan) Sklavenhändlern aufgetaucht. Diese
falsche Annahme rechtfertigte ihre Handlungen. So glaubten sie, dass es
keinen Zusammenstoß zwischen den Handlungen und den Prinzipien der
Christenheit gab.

Religiöse Einflüsse. Die Bezeichnung „Heide“ wurde auf manche


Bevölkerungsgruppen mit heller Hautfarbe von den Anführern der Römisch-
Katholischen Kirche (beginnend mit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts)
angewendet. Dies generierte und rief die Idee einer menschlichen und
religiösen Unterlegenheit durch Bevölkerungsgruppen (außer die mit heller
Hautfarbe) hervor. Folglich wurden die unmenschlichen Behandlungen auf
Menschen anderer Bevölkerungsgruppen mit anderer Hautfarbe
angewendet, was nicht nur als normal betrachtet wurde, sondern auch als
religiös gerechtfertigt.

Die Annahme von Aggressivität ist eng verknüpft mit der Idee der
Unterlegenheit, da Aggressivität als ein Beweis von Unterentwicklung
gesehen wird. Abschließend gibt es eine enge Komplementarität zwischen
zwei Stereotypen (unterlegene und aggressive Gruppe).

57
Haupteffekte:
Blockade in der Persönlichkeitsentwicklung von jungen Menschen. Die
Annahme einer Unterlegenheit kann eine Unterentwicklung des wahren
Potenzials der psychologischen Prozesse und infolgedessen eine
Unterentwicklung der Persönlichkeit generieren. Folglich sei es für diese
jungen Menschen schwierig, ihr wahres Potenzial aufzudecken.

Diskriminierung bei der Aufgabenverteilung. Beginnend bei der Idee der


ethnischen Unterlegenheit gemäß dessen ihre Repräsentanten nichts
anderes als unterlegene Aktivitäten ausführen können, kann es sein, dass
sich eine Diskriminierung (freiwillig oder nicht) in der Aufgabenverteilung
zeigt. Wenn ja, dann kann sich das Unterlegenheitsgefühl verstärken.
Frustrationen, Unzufriedenheit und Mangel an Effizienz können die Folge
sein.

Rechtsverletzungen. Die fehlende/schwache Wahrnehmung von Gleichheit


zwischen den Repräsentanten aller menschlichen Gruppen könnte Haltungen
und Verhaltensweisen generieren, die ungerechtfertigt die Rechte derjenigen
Gruppe, die als unterlegen gilt, verletzen (freiwillig oder nicht). Es beginnt
alles mit dem Vorurteil „eine unterlegene Gruppe hat überhaupt
wenige/keine Rechte“.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Präsentation der Ursachen des Vorurteils. Um den Stereotyp zu
verhindern/vermindern wird eine kritische Annäherung der Ursachen, die es
generierten, empfohlen, beginnend mit einer historisch-religiösen
Perspektive. Es wird empfohlen, die Handlung so zu lenken, dass all die
Voraussetzungen, die dieses Vorurteil aufgebaut haben, eine nach der
anderen bekämpft werden.

Präsentation der kulturellen Errungenschaften der diskriminierten Gruppe.


Die Idee der Unterlegenheit basiert auch auf dem
mangelnden/unzureichendem Wissen über die
kulturellen/wissenschaftlichen Errungenschaften, gemäß der Implikation
„wenn sie keine Errungenschaften haben, sind sie unterlegen“. Eine

58
realistische Präsentation ihrer Beiträge zur Entwicklung der Menschheit
könnte die Stereotypen und infolgedessen das Vorurteil zunichtemachen.

Wissenschaftliche Erklärung. Eine Präsentation der wissenschaftlichen


Perspektive gemäß derer Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen keine
Überlegenheit oder Unterlegenheit einer von ihnen gegenüber den anderen
bedeuten (es gibt keine intellektuellen Unterschiede zwischen
Bevölkerungsgruppen), könnte eine Lösung sein, um das Vorurteil zu
verhindern/überwinden.

Aufgedecktes Vorurteil: Menschen des asiatischen Kontinents würden in


erster Linie diskriminiert werden, weil sie zahlenmäßig die größte
Gruppe sind (es herrschen Ängste bezüglich einer potenziellen
Domination dieser Gruppe).

Hauptursachen:
Prophezeiungen. Während der Zeiten von geringer wissenschaftlicher
Entwicklung, wurden die Prophezeiungen als absolute Wahrheiten
betrachtet. Manche von ihnen (zum Beispiel die Prophezeiung von Saint
Serafim de Virita) nannten die apokalyptische Invasion der Menschen des
asiatischen Kontinents. Die Prophezeiung basierte auf der Tatsache, dass
diese Gruppe die größte war. Die dürftigen Ideen wurden von einer
Generation zur nächsten übermittelt und beeinflussen immer noch das
kollektive Bild.
Arbeitsmigration aus Asien. Die letzten Jahrzehnte waren mehr und mehr
von einer konsistenten Migration von mongoloiden Gruppen zu
einflussreichen ökonomischen Gebieten mit der Intention, einen Job zu
finden, gezeichnet. Nichtsdestotrotz können wir nicht über eine „Intention
einer Domination“ reden, aber über ein Phänomen, das verschiedene
Gruppen beinhaltet. Es ist für jede Person normal und natürlich, auf legale
und ethische Weise einen höheren Lebensstandard zu erzielen.

Natürlicher demografischer Anstieg. Gemäß den Analysen gibt es einen


natürlichen demografischen Anstieg der mongoloiden Gruppe. Das Vorurteil
könnte auf dieser Analyse basieren, dennoch gibt es kein begründetes Motiv
dafür
59
Haupteffekte:
Niedriges Einkommen. Besonders in Europa besteht die Tendenz,
mongoloiden Gruppen weniger Geld für denselben Job, verglichen zu den
Angeboten, die europäische Bürger bekommen, anzubieten. Folglich wirkt
sich das Vorurteil auf das Leben der mongoloiden Gruppen aus und stellt
außerdem einen Verstoß gegen die demokratischen Prinzipien dar.

Schwierige Inklusion. Das Vorurteil generierte Haltungen und


Verhaltensweisen von Exklusion und Marginalisierung. Die diskriminierten
jungen Menschen könnten ein hohes Level an negativem Stress haben, der
sich durch Schwierigkeiten im Anpassungsprozess und einer harten sozialen
Interaktion manifestiert hat. Außerdem könnte die Tendenz bestehen, das
soziale Umfeld zu meiden, in dem junge Menschen denken, sie würden
diskriminiert werden. Auf diesem Weg beenden sie ihre eigenen
Entwicklungsmöglichkeiten.

Niedrige Rate von Inklusion in Jugendorganisationen. Das Vorurteil könnte


eine schwache Inklusionsrate der diskriminierten jungen Menschen in
Jugendorganisationen/-strukturen generieren. Das Phänomen wird auf der
einen Seite durch die diskriminierenden Haltungen und Verhaltensweisen
von manchen jungen Menschen und, auf der anderen Seite, durch die
Verteidigungsmechanismen der diskriminierten jungen Menschen, die
vermeiden, sich Diskriminierung auszusetzen, hervorgerufen.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Kampf gegen alle nicht-wissenschaftlichen Perspektiven. Sowohl den
Jugendorganisationen als auch den Bildungseinrichtungen wird empfohlen,
jegliche Theorie/Prophezeiung, die die Basis dieses Vorurteils ist, methodisch
zu bekämpfen. Der Kampf könnte die Form von
Diskussionen/Analysen/Debatten mit einem besonderen Fokus auf Analyse
und Logik basierend auf wissenschaftlichen Mitteln/Ergebnissen annehmen.
Stimulation der Interaktion zu jungen Mongoloiden. Den
Jugendorganisationen und Bildungseinrichtungen, die mit diesem Vorurteil
konfrontiert sind, wird empfohlen, Aktivitäten/Maßnahmen für junge
Menschen zu implementieren, um eine Interaktion zwischen all den jungen

60
Menschen sicherzustellen. Durch eine komplexe Interaktion könnte das
Vorurteil abgebaut oder vollständig abgebaut werden.

Beweis des Fehlens von irgendeiner logischen Intention bezüglich des


natürlichen Anstiegs der mongoloiden Bevölkerung und ihrer Intention einer
Domination. Fälschlicherweise ist der natürliche Anstieg der Bevölkerung
verbunden mit der Existenz der Intention einer Domination. Aus
psychologischer, politischer oder irgendeiner anderen Perspektive gibt es
kein gültiges Argument, das helfen könnte, zu diesem Schluss zu gelangen.

Aufgedecktes Vorurteil: Es werde angenommen, dass


Bevölkerungsgruppen mit heller Hautfarbe, verglichen
zu anderen Gruppen, ungerechtfertigt reicher werden.

Hauptursachen:
Historische Vorgehensweisen. Vor langer Zeit gab es historische Episoden, wo
die Bevölkerungsgruppen mit heller Hautfarbe als überlegene und als
Ausbeuter der anderen Gruppen (zum Beispiel der Sklavenhandel und ihre
Ausbeutung) betrachtet wurde. Das Vorurteil existiert immer noch als eine
Erinnerung des kollektiven Gedächtnisses.
Migration von Arbeitskräften. Das Phänomen der Migration von
Arbeitskräften in Gebiete, wo die Bevölkerungsgruppen mit heller Hautfarbe
vorherrschend sind, könnte den falschen Eindruck generieren, dass immer
noch das Phänomen von Ausbeutung existiert und dass Menschen mit heller
Hautfarbe dadurch reich werden.

Ungleiche Gehälter. Dieser Aspekt (bereits vorher erwähnt) ist eine der
Ursachen des Vorurteils. Konkret gibt es immer noch viele Situationen, in
denen Menschen mit heller Hautfarbe für denselben Job höhere Gehälter
haben als Menschen mit anderer Hautfarbe. Diejenigen, die diese Praktiken
implementieren, argumentieren, dass es sich ganz einfach um eine
ökonomische Angelegenheit handelt und dass das, was sie tatsächlich in
Betracht ziehen, die individuellen Zahlungsaufforderungen sind, ungeachtet
der Gruppe.

61
Haupteffekte:
Soziale Spannungen. Es gibt immer noch viele Teile auf der Welt, wo
Menschen mit weißer Hautfarbe mit Skepsis und wenig Vertrauen behandelt
werden. Auf einem Mikrolevel ist dieses Phänomen ebenfalls in
Städten/Nachbarschaften mit einer Mehrheit von Menschen mit heller
Hautfarbe präsent. In Extremsituationen gab es physische und verbale
Aggressionen, die Menschen mit heller Hautfarbe trafen.
Schwierigkeiten in der Teamarbeit. Dieses Vorurteil könnte zu dem Gefühl
führen, dass Menschen mit heller Hautfarbe versuchen, Menschen einer
anderen Hautfarbe auszunutzen. Das bedeutet, sie wollen die Lorbeeren und
die damit verbundenen Vorteile für die Arbeit anderer Leute einheimsen.
Folglich könnte die Effizienz der Teamarbeit erheblich beeinflusst werden.

Nicht-homogene Gruppen. Es gibt möglicherweise einen Mangel an


Homogenität in den Gruppen, die aus Menschen mit heller Hautfarbe und
Menschen mit einer anderen Hautfarbe bestehen. Dieses Vorurteil könnte
eine der Ursachen sein. Es könnte auch eine Komplementarität zwischen
diesem eigentlichen Vorurteil und einem anderen vorherrschen, gemäß
dessen die jungen Menschen mit heller Hautfarbe denken, dass die anderen
einer unterlegenen Gruppe angehören.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Gerechtigkeit bei der Vergabe von Belohnungen, Noten, Gehältern etc. Um
die Erwartungen unwirksam zu machen, die durch dieses Vorurteil ausgelöst
werden, ist es wichtig, dass die Vergabe von Schulnoten/Preisen/anderen
Belohnungen anhand von objektiven, klaren Kriterien erfolgt und mit der
realen Leistung eines jeden jungen Schülers übereinstimmt (sowohl in
Jugendorganisationen als auch in Bildungseinrichtungen). Den Arbeitgebern
wird derselbe Ansatz empfohlen. Die Art, wie die Gehälter kalkuliert und
bewilligt werden, ist auch sehr wichtig (objektive Prinzipien/Indikatoren sind
sehr empfohlen). Da die negativen Erwartungen basierend auf dem Vorurteil
nichtig sind, wird dieses folglich verringert, sogar beseitigt.
Präsentation der sozial-politischen Perspektive, beginnend mit der Zeit, als
die Bevölkerungsgruppe mit heller Hautfarbe als überlegen angesehen
wurde, bis heute, der Zeit von Gleichberechtigung in Rechten und Chancen.

62
Das Vorurteil könnte ebenfalls auf den mangelnden/schwachen
Informationen und Desinformationen bezüglich der fundamentalen sozial-
politischen Veränderungen basiert sein. Was eine Neupositionierung der
jungen Menschen mit diesem Vorurteil bestimmen kann, ist eine klare
Demonstration der menschlichen Harmonie zwischen Gruppen mit einem
Fokus auf die Zeitperioden und Veränderungen der sozial-politischen
Ansätze.

Beispiele des alltäglichen Leben und der Statistiken. Das Vorurteil könnte
verringert werden, wenn es eine klare Demonstration gibt, dass bestimmte
Lebensstandards (sozialer Status, professioneller und finanzieller Standard)
spezifisch für alle Menschen sind, ungeachtet der Bevölkerungsgruppe.
Konkret gibt es gleichzeitig sowohl hellhäutige, dunkelhäutige und
mongoloide reiche Menschen als auch hellhäutige, dunkelhäutige und
mongoloide arme Menschen.

Aufgedecktes Vorurteil: Generell können Menschen einer anderen


Bevölkerungsgruppe nicht dieselben Leistungen/Vorteile haben als
diejenigen, die sie diskriminieren.

Hauptursachen:
„Wir“ und „Die“-Klischee. Da wir nun einen allgemeinen Überblick über den
Prozess haben, ist es einfach zu verstehen, dass die Evolution der Menschheit
eine Evolution von diskriminierendem Denken beinhaltete. Seit den
urbildlichen Mikrogruppen (die Stämme) als Formen der Organisation von
Menschen entwickelte sich die Angst vor den Elementen, die sie von uns
unterscheiden, also die Angst vor anderen Menschen. Es gibt bekannte
Kämpfe um die Ressourcen und das Überleben zwischen Stämmen,
Bevölkerungen und Gruppen. Folglich basiert das Vorurteil auf Instinkten, die
nicht Teil der bewussten Kontrolle sind.

Fälschliche Evaluation von Leistungen. Das Vorurteil ist sehr stark und ist in
sozialen Gruppen manifestiert, in denen sich Angehörige verschiedener
Bevölkerungsgruppen befinden. Es wird ungerechtfertigt angenommen, dass
die Repräsentanten von immigrierten Gruppen nichts für sich bezüglich der
Entwicklung des Landes verbuchen können, in dem sie jetzt leben. Also
63
können sie nicht dieselben Vorteile genießen wie die Beitragenden. Das
Urteil ist fehlerhaft, weil es keine objektive Anerkennung/Evaluation der
Beiträge von migrierten Menschen in den Gemeinschaften gibt. Sie tragen zu
der Entwicklung der Gemeinschaft durch ihre eigene Arbeit bei, seit dem
Moment, in dem sie in dieser Gemeinschaft angekommen sind.

Korrigierende Gerechtigkeit. Dies ist der Grund, der spezifisch für die
Situationen von diskriminierten Menschen einer anderen
Bevölkerungsgruppe ist, von denen angenommen wird, dass sie andere
Gruppen in der Vergangenheit ausgebeutet haben. Folglich wird
angenommen, dass eine bestimmte Balance wiederhergestellt ist. Die
Ungerechtigkeiten sind „fest“ und „repariert“.

Haupteffekte:
Demotivation. In den Fällen, in denen das Vorurteil in Jugendorganisationen
und Bildungseinrichtungen aktiv ist, können sich die jungen Menschen
frustriert fühlen, was folglich zu einem niedrigen Level an Motivation führt –
ein Level unter dem optimalen Level, das Motivation unterstützt. Unter
diesen Umständen wird die Effizienz niedriger sein. Es hat sich auch gezeigt,
dass Demotivation zu einem Rückzug führt, der die persönliche und
professionelle Entwicklung beeinflusst.
Konflikte. Ein hohes Level an Frustration generiert Spannungen, die in der
Form von Konflikten „entladen“ werden. Die Konflikte können eskalieren,
folglich entsteht die Möglichkeit eines größeren sozialen Phänomens mit
bestimmten negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität.

Rückzug im Entwicklungsprozess. Der Effekt ist sichtbar in dem Fall der


Mehrheit der diskriminierenden Vorurteile und Stereotypen, weil die
Ungerechtigkeit die jungen Menschen dazu bringen kann, die Idee der
Unterlegenheit verglichen zu anderen Jugendlichen zu verstehen. Die
wissenschaftlichen Experimente und Beobachtungen bewiesen, dass diese
Wahrnehmung zu einer niedrigen Effizienz von jungen Menschen führt sowie
eine Beeinträchtigung im Anzeigen von Zuneigung (psychologische
Stimmungen) hervorrrufen kann.

64
Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:
Fokus auf Teamarbeit. Den Jugendorganisationen und Bildungseinrichtungen
wird empfohlen, Teamaktivitäten für junge Menschen verschiedener
Bevölkerungsgruppen zu organisieren. Das aktive Mitmachen bei
gemeinsamen Aktivitäten mit einem gemeinsamen Ziel und einer gleichen
Aufgabenverteilung ist die Lösung für die Beseitigung/Verringerung des
Vorurteils. Die jungen Menschen werden dieselben Ziele verfolgen, sie
werden ein Solidaritätsgefühl erleben und sie werden die Lorbeeren für ihre
Erfolge gemeinsam sammeln. Das Klischee „Wir“ und „Die“ werden dadurch
zerstört.
Highlight des Beitrags von den (jungen) Menschen, die der
Minderheitsgruppe angehören, zur Entwicklung der
Gemeinschaften/Gesellschaft. Ein konstantes Highlight der
Verdienste/Errungenschaften/Beiträge/Mehrwerte der Minderheiten könnte
ein effektives Mittel sein, um das Vorurteil zu verhindern/reduzieren. Der
bedeutende Beitrag wird eine notwendige und ausreichende Annahme für
die Zuschreibung von Vorteilen/Verdienste.

Prävention von Generalisierung. Es wird empfohlen, jungen Menschen zu


vermitteln, dass ungeachtet der historischen Geschichte erstrebenswerte
oder nicht erstrebenswerte Verhaltensweisen nur individuell und nicht durch
die Bevölkerungsgruppe manifestieren werden. Zusammenfassend können
wir nicht über eine negative Verhaltensweise einer Gruppe gegenüber einer
anderen reden, sondern nur über individuelle/kleine Gruppen und deren
Haltungen/Verhaltensweisen

Aufgedecktes Vorurteil: Menschen einer anderen


Bevölkerungsgruppe seien nicht vertrauenswürdig.

Hauptursachen:
Kontinuität historischer fundierter Ängsten. Wie in dem Fall von anderen
Vorurteilen, diese Angst und Misstrauen sind, chronologisch gesprochen, sind
in den ersten Abschnitten der menschlichen Evolution anzuordnen. Diese
haben sich später während all der Konflikte zwischen verschiedenen
Bevölkerungsgruppen über die Vormachtstellung und/oder Ressourcen

65
verstärkt. In diesen Zeiten wurde jede andere Gruppe als die eigene
psychisch als Gefahr wahrgenommen, folglich entsteht ein Mangel an
Vertrauen.
Einfluss von Massenmedien. Das Fehlen von Professionalität und/oder
andere Interessen von Massenmedien generiert und erhöht das Vorurteil
durch die aggressive Präsentation einiger Situationen, wenn die Moral oder
legalen Normen durch Menschen einer anderen Bevölkerungsgruppe als die
eigene verletzt worden sind. Mehrfach hatten die Präsentationen nichts mit
der Realität zu tun – sie waren entweder inexistent, oder sehr verzerrt.
Außerdem werden die prosozialen Handlungen von Repräsentanten anderer
Bevölkerungsgruppen nicht in den Massenmedien präsentiert, folglich zeigt
sich ein Ungleichgewicht in den Darstellungen.

Einfluss von Extremismus. Der Anlass des Vorurteils basiert auf der Existenz
von einigen bestimmten extremistischen Ideologien. Ohne logische
Argumente fördern die Repräsentanten der extremistischen Bewegung die
Immoralität anderer Ethnien, indem sie emotionale Manipulationen als meist
frequentiertes Werkzeug nutzen.

Haupteffekte:
Anstieg des Diskriminierungsphänomens. Verbunden mit anderen
Vorurteilen aus demselben Bereich, ist einer der Effekte dieses Vorurteils die
strenge räumliche Abgrenzung, wo Angehörige von Minderheitsgruppen
leben müssen. Diese Bereiche sind getrennt von denen der lokalen
Bevölkerung, sie sind bestimmt für eine neue Ansiedlung. Diese Art von
Wohnen steigert das Diskriminierungsphänomen, folglich ist das Muster
„Wir“ und „Die“ mehr und mehr offensichtlich.

Vermeidung von Sozialisierung mit (jungen) Menschen einer anderen


Bevölkerungsgruppe. In dem Fall von jungen Menschen wird diese Art des
Verhaltens durch die elterlichen Haltungen generiert. Die diskriminierten
jungen Menschen sehen sich einem intensiven emotionalen Missbrauch
gegenüber, der zu einem verbalen und physischen Missbrauch eskalieren
kann (mit einem offensichtlichen emotionalen Einfluss).

66
Schwierigkeiten beim Zugang zum Arbeitsmarkt. Das Vorurteil bestimmt das
Auftreten von Auswahlkriterien, denen es komplett an Objektivität mangelt.
Folglich ist der Zugang zu einem bestimmten Job gebunden an eine
Bevölkerungsgruppe.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Teambuildingaktivitäten. Auf mittlerer und langer Sicht können diese Arten
von Aktivitäten mit einem besonderen Fokus auf die Erhöhung des
Vertrauenslevels unter den Teammitgliedern eine Maßnahme zur
Prävention/Reduzierung/sogar Bewältigung des Vorurteils darstellen.

Workshops/Übungen mit einem besonderen Fokus zur Bekämpfung der


Manipulation durch Massenmedien. Diese Arten von Aktivitäten können das
kritische Denken der jungen Menschen erschaffen und entwickeln, mit einem
Augenmerk auf das Verständnis des Themas und den Gewinn einer
ausgewogenen Perspektive darüber. Informationen von Massenmedien
werden so gefiltert sein, dass es zu keinen radikalen Schlüssen basierend auf
verzerrten Präsentationen kommt.

Gemeinsame Freizeitaktivitäten. Um den Charakter eines jeden jungen


Menschen zu beobachten, ist es wichtig, sich mit ihnen außerhalb des
organisationalen/institutionellen Rahmens zu sozialisieren. Folglich werden
die diversen Interaktionsformen zu einem besseren Wissen über andere
Menschen führen und das Vorurteil wird überwunden.

Aufgedecktes Vorurteil: Es gäbe Ethnien


mit einem niedrigen Zivilisationslevel.

Hauptursachen:
Wenig Verständnis für die kulturellen Besonderheiten. Es gibt keine
objektiven Kriterien, die eine Klassifizierung der Ethnien als überlegen oder
unterlegen erlauben. Dass eine Kultur als unterlegen angesehen wird, ist nur
das Ergebnis eines Vorurteils basierend auf einer Angst verbunden mit
Axiologie (eine Theorie der Werte), die wir nicht verstehen.
Die Genetik der Gruppenmentalität. Seit Beginn der bekannten Geschichte
können wir die Maßstäbe dieser Art von Vorurteilen einfach erkennen. Sogar
67
die großen Zivilisationen (diese Beschreibung gehört nicht zu uns) zeigten die
Existenz von dem Vorurteil auf. Zum Beispiel nahmen Griechen all die
anderen Ethnien als Barbaren wahr (bar-bar, eine Sequenz von Lauten, die
keinen Sinn ergeben; unverständliche Laute mit einer Referenz zu den
anderen Ethnien/Gruppe, die nicht verstanden werden). Die Römer, Ägypter
und Chinesen hatten dieselben Ansichten bezüglich ihrer Überlegenheit.

Korrelation mit Rassismus. Wir haben uns in diesem Leitfaden bereits dem
Vorurteil der überlegenen und unterlegenen Bevölkerungsgruppen
angenähert. Beginnend von diesem Punkt wird fälschlicherweise
angenommen, dass einige Ethnien ein unterlegenes Zivilisationslevel haben,
weil sie einer unterlegenen Gruppe angehören.

Haupteffekte:
Erscheinen des Unterlegenheitskomplexes. Die jungen Leidtragenden dieses
Vorurteils können einen Unterlegenheitskomplex entwickeln, der
Auswirkungen auf ihr ganzes Leben hat. Diese Art der Unterlegenheit könnte
den Glauben generieren, dass der Verstoß gegen einige Rechte ist eine
normale Konsequenz ihrer Unterlegenheit.

Schwierige Integration in das Bildungssystem. Das Vorurteil könnte eine


Ablehnung gegenüber Kindern/jungen Menschen einer Ethnie hervorrufen,
die als unterlegen wahrgenommen wird. Dies würde in dem Fall passieren, in
dem sie sich in Gemeinschaften integrieren und die Kurse einer
Bildungseinrichtung besuchen wollen. Meistens wird das Vorurteil durch die
Eltern an Kinder/junge Menschen weitergegeben.

Mobbing. Das Phänomen basiert auf diesem Vorurteil, wonach es möglich ist,
dass es in Jugendorganisationen und Bildungseinrichtungen vorkommt. Die
jungen Mobbing Opfer könnten Ironie, Beleidigungen, direkte oder indirekte
Drohungen gegenübersehen – all dies sind Formen von emotionalem
Missbrauch.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Aktivitäten/Maßnahmen/Programme für Eltern. Die Anstrengungen, dieses
Vorurteil unter jungen Menschen zu verhindern/verringern, sind vergebens,
68
wenn sie nicht von den Eltern mitgetragen werden. Folglich könnte eine
Veränderung der elterlichen Wahrnehmung eine Garantie für die
Vermeidung/Reduzierung des Vorurteils unter jungen Menschen sein.

Präsentation der historischen Perspektive der Evolution von Zivilisationen.


Eine Vertiefung in diese Thematik kann hilfreich für die jungen Menschen
sein. Sie würden verstehen, dass es keine unterlegenen oder überlegenen
Zivilisationen gibt und dass diese Klassifizierung rein subjektiv ist.

Präsentation der Hauptwerte und ihre Manifestationen einer


Zivilisation/Kultur. Um die Barriere, die durch das geringe Verständnis über
die Zivilisation/Kultur von einer Minderheitsethnie errichtet wurde, zu
überwinden, ist es wichtig, den jungen Menschen Zugang zu den
Hauptelementen dieser Kulturen zu gewähren. Ihnen diese Elemente zu
erklären wird ein guter Start sein, das Vorurteil zu verhindern/zu reduzieren.

Aufgedecktes Vorurteil: Es gäbe gefährliche Ethnien. Sie seien


gefährlich, weil ihre aggressiven/gewalttätigen Verhaltensweisen
nicht geändert werden könnten.

Hauptursachen:
Geschichte. Es gibt Situationen, wenn das Vorurteil tief in historischen
Konflikten zwischen bestimmen Ethnien „verwurzelt“ ist. Beginnend bei
diesen Ereignissen findet eine Ableitung statt. Das bedeutet, dass die
Bezeichnung von Aggressivität und Gewalt immer noch auf die Ethnien
angewendet wird, mit denen die Kriege ausgetragen wurden. Folglich werden
manche Ethnien als aggressiv charakterisiert, ungeachtet des tatsächlichen
Kontextes.
Reaktion auf diskriminierende Verhaltensweisen und Haltungen. Einige der
Repräsentanten der diskriminierten Ethnie, die permanent diskriminierenden
Verhaltensweisen und Haltungen gegenübersehen, könnten aggressive und
gewalttätige Reaktionen, ausgelöst durch Spannungen und Frustrationen,
zeigen. Dies ist eine Manifestation des inneren Verteidigungsmechanismus.

Manipulation. Es gibt Situationen, in denen aggressives/gewalttätiges


Verhalten von einigen Repräsentanten der ethnischen Minderheit übermäßig
69
veröffentlicht, sogar verzerrt wird, um emotionale Reaktionen gegen alle
Repräsentanten dieser Ethnie zu erzeugen.

Haupteffekte:
Stigmatisierung. Das Vorurteil basiert auf einem akuten Phänomen der
Stigmatisierung. Es wird fälschlicherweise geglaubt, dass die
Verhaltensweisen, die als unzivilisiert, irrational und gefährlich gelten, der
gesamten Ethnie zugehörig seien. Für einige Menschen sind dies berechtigte
Gründe für ein Stigma (in diesem Sinne bedeutet „Stigma“ öffentliche
Verachtung/Schande).
Vermeidung, Marginalisierung. Die jungen Leidtragenden dieses Vorurteils
werden sich ausgeschlossen fühlen, sie werden es schwer damit haben, sich
die Gründe selbst für solch eine Behandlung zu erklären. Während der
vorpubertären und jugendlichen Zeit besteht das Risiko, dass die
Selbstwahrnehmung angesichts dieser Ausgrenzungsverhaltensweisen und -
haltungen aufgebaut wird. Dies könnte einen langfristigen Einfluss haben,
sogar für die gesamte Lebenszeit.

Tendenz, junge Menschen anderer Ethnien zu beschuldigen, ungeachtet des


Kontextes. Oft werden die antisozialen Taten eines Unbekannten einem
Repräsentanten einer bestimmten Ethnie zugeschrieben, obwohl es keine
objektiven Beweise dafür gibt. Dies geschieht im Rahmen des Vorurteils.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Den Interaktionsrahmen sicherstellen. Den Jugendorganisationen und
Bildungseinrichtungen wird empfohlen, verschiedene Interaktions-
/Zusammenarbeitskontexte für junge Menschen verschiedener Ethnien
sicherzustellen. Sich gegenseitig zu kennen könnte zu einer
Vermeidung/Reduktion oder sogar zum Verschwinden des Vorurteils führen.

Wissenschaftliche Argumente. Während der Veranstaltungen/Kampagnen zu


der Prävention und dem Kampf von ethnischer Diskriminierung sollten
wissenschaftliche Argumente präsentiert werden, die die Gleichheit
hinsichtlich Aggressivität/Gewalt zwischen Ethnien unterstützt. Dies könnte
zu der Vermeidung/Reduktion des Vorurteils beitragen.

70
Rollenspiel/Forumtheater. Diese Methoden stimulieren Empathie und
schärfen das Bewusstsein für die Effekte des Vorurteils. Zur gleichen Zeit
belebt das Forumtheater den Identifikationsprozess von Lösungen
(Haltungen, Verhaltensweisen), womit

Aufgedecktes Vorurteil: Die ethnischen Repräsentanten


aus einigen Ländern, die als arm angesehen werden,
seien eine soziale Gefahr; sie seien faul.

Hauptursachen:
Angst vor sozio-ökonomischer Destabilisierung. Es wird oft geglaubt, dass die
ethnischen Repräsentanten der Länder mit einem niedrigen
Entwicklungslevel nur Ressourcennutzer sind, ohne etwas zu beizusteuern.
Folglich entstehen Ängste bezüglich einer möglichen Verschlechterung der
Gesellschaft, hauptsächlich ökonomische Verschlechterung.
Falsche Assoziation miteinem Einzelfall. Es wird fälschlicherweise geglaubt,
dass das niedrige Entwicklungslevel einiger Länder durch die
Erwerbsunfähigkeit einiger ethnischer Repräsentanten bestimmt wird, oder
durch die vermeintliche Beobachtung, dass sie nicht arbeiten wollen, oder
dass sie nicht verantwortungsbewusst arbeiten. Nichtsdestotrotz gibt es
andere Faktoren, die ein niedriges Entwicklungslevel eines Landes
generieren: die Spezifität der Ressourcen, das politische Regime, historische
oder aktuelle Ereignisse, die die Wirtschaft beeinflussen können (Aufstände,
Kriege, etc.).

Xenophober Nationalismus (Chauvinismus) ist eine Ideologie, die Angehörige


von Minderheiten ablehnt. Es werden viele Argumente hervorgebracht, um
sich selbst zu rechtfertigen. Dieses Vorurteil wird oft als ein Argument
benutzt, das diese Ideologie unterstützt.

Haupteffekte:
Verstoß des Prinzips der gleichen Möglichkeiten. Junge Menschen, die von
diesem Vorurteil betroffen sind, können dieses Prinzip nicht genießen,
insbesondere wenn sie einen Job bekommen wollen. Ebenso kann dieses
Vorurteil in Jugendorganisationen und Bildungseinrichtungen zu einem

71
Verstoß des Prinzips der gleichen Möglichkeiten, wenn es um
Aufgabenverteilungen geht.

Effekte auf den Bildungsprozess von Selbstwahrnehmung. Die


Selbstwahrnehmung von Kindern/jungen Menschen, die von diesem
Vorurteil betroffen sind, kann ernsthaft beschädigt werden, in dem Sinne,
dass sie eine starke Selbstwahrnehmung von Unterschätzung und
Unterbewertung ihres wahren Potenzials haben.

Schwierigkeiten in der beruflichen Entwicklung. Der berufliche


Entwicklungsprozess (beruflicher Aufstieg entsprechend der Verdienste) kann
von diesem Vorurteil beeinflusst werden. Folglich haben die jungen
Menschen, die von diesem Vorurteil betroffen sind, Schwierigkeiten,
befördert zu werden oder Verantwortlichkeiten für Aufgaben entsprechend
ihrer wahren beruflichen Kapazitäten zu übernehmen.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Objektive Informationen bezüglich des generellen Kontextes, die zu dem
ökonomischen Entwicklungslevel führen. Um dieses Vorurteil
herunterzubrechen, wird den Jugendorganisationen und
Bildungseinrichtungen empfohlen, eine objektive Präsentation zu machen, in
der diejenigen Elemente gezeigt werden, die ein gewisses Entwicklungslevel
der Länder bestimmen, aus denen die diskriminierten jungen Menschen
kamen (zum Beispiel die verfügbaren/nicht verfügbaren natürlichen
Ressourcen dieser Länder, ungünstige Klimaeinflüsse, die Spezifität der
geografischen Landschaft, historische Zeitperioden, in denen die Länder
besetzt/dominiert waren, politische Situationen, etc.).

Medienberichterstattung der Ergebnisse und Anstrengungen der


Repräsentanten der ethnischen Minderheit. Die objektive Präsentation der
Ergebnisse und Anstrengungen, die von den Repräsentanten der
diskriminierten Ethnien erreicht wurden/gemacht werden, könnten die
Wahrnehmung der anderen ändern und dieses Vorurteil verringern.

Verantwortlichkeit von jungen Menschen, die von dem Vorurteil betroffen


sind, innerhalb der Aktivitäten der Jugendorganisationen und
72
Bildungseinrichtungen. Es ist sehr wichtig, einen Kontext zu schaffen, der
eine Ungültigkeitserklärung des Vorurteils ermöglicht. Diskriminierte junge
Menschen können während der Aktivitäten zeigen, dass es keine objektiven
Gründe dafür gibt, dieses Vorurteil zu unterstützen.

Aufgedecktes Vorurteil: Die Repräsentanten einiger Ethnien seien eine


soziale Gefahr, weil sie die Jobs der Mehrheitsethnie ausführen/ihren
Lebensunterhalt verdienen, indem sie anderen Ethnien schaden.

Hauptursachen:
Historische Ereignisse. Wie in diesem Leitfaden bereits erwähnt wurde,
basiert das Vorurteil der Verletzung von anderen Ethnien auf verschiedenen
historischen Konflikten über Ressourcen. Es gab Situationen, in denen einige
Ethnien anderen Ethnien Schaden zugefügt haben. Beginnend von diesem
Punkt wird fälschlicherweise angenommen, dass die Repräsentanten der
diskriminierten Ethnien darauf zielen, ihren Lebensunterhalt durch dasselbe
Verhalten zu bestreiten.
Spekulationen von einigen politischen Parteien/Interessengruppen. Es gibt
Situationen, wenn politische Parteien/Interessengruppen darauf abzielen,
ihre Kampagne und Wahlargumente auf nationalistisch-extremistischer Basis
zu bauen. Folglich hebt die Manipulation hervor, dass der Lebensunterhalt
von der lokalen Bevölkerung in Gefahr ist, welches selbst ein sehr sensibles
Thema ist.

Vorschnelle Generalisierung. Dieser Urteilsfehler ist die Ursache von vielen


Stereotypen und Vorurteilen, auf denen Diskriminierung basiert. Es beginnt
mit einer bestimmten, einmaligen Situation und endet mit Schlüssen über die
ganze Kategorie – in diesem Fall – einer ganzen Ethnie.

Haupteffekte:
Feindseligkeit. Das Vorurteil könnte Verteidigungsverhaltensweisen und -
haltungen hervorrufen, obwohl die Gefahr nicht objektiv ist. Sie
manifestieren sich selbst durch Feindseligkeit gegenüber den Repräsentanten
der Ethnie(n), die von dem Vorurteil betroffen sind.

73
Assoziation mit radikalen/extremistischen Gruppen. Neben der
Manifestierung auf der individuellen Ebene kann sich Feindseligkeit auf
organisierter Gruppenebene manifestieren. Generell nutzen die
radikalen/extremistischen Gruppen Maßnahmen, die darauf zielen, einige
der Rechte der diskriminierten Ethnien unterdrücken. Manchmal gibt es
gewalttätige Manifestationen.

Verstoß des Bildungsrechts. Der Effekt könnte auch mit anderen Vorurteilen
auftauchen. Dieser wird durch Einschränkungen bezüglich des Zugangs der
diskriminierten jungen Menschen zum Bildungsgesetz, das von den
Jugendorganisationen/Bildungseinrichtungen durchgesetzt wird, generiert.
Manchmal ist dieser Verstoß indirekt. Die jungen Menschen brechen die
Bildungsangebote wegen der Demütigungen seitens anderer junger
Menschen und/oder ihrer Eltern ab.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen:


Grundlegende Vorstellungen über den Arbeitsmarkt. Der Ansatz basierend
auf der Klarstellung eines ausgeglichenen Arbeitsmarktmechanismus würde
die Tatsache hervorheben, dass die Besetzung einiger Positionen direkt durch
die Arbeitsnachfrage bestimmt wird. Als eine Schlussfolgerung besetzen die
Repräsentanten anderer Ethnien nicht diese Positionen von der heimischen
Bevölkerung, sondern in Wirklichkeit die verfügbaren Positionen, was aus
ökonomischer Perspektive ein Vorteil ist. Die verfügbaren Positionen, wenn
nicht besetzt, könnten große Ungleichheiten schaffen.

Geschichts-Workshops (Präsentationen der historischen Perspektive). Den


Jugendorganisationen/Bildungseinrichtungen, in denen es mindestens eine
diskriminierte Ethnie gibt, wird empfohlen, sicherzustellen, dass die jungen
Menschen die wichtigen historischen Ereignisse dieser Ethnie kennen, sodass
sie den ganzen Kontext verstehen. Folglich würden sich sie nicht mehr in
isolierte Situationen/Verhaltensweisen begeben, die von dem Vorurteil
ausgelöst werden.

Präsentation von Modellen von gutem Zusammenleben/Zusammenarbeiten.


Das Vorurteil kann durch eine nachhaltige Präsentation der Situation, in der
die lokale Bevölkerung und die Minderheitsethnie schon seit langer Zeit gut
74
zusammenarbeiten/zusammenleben,vermieden/verringert/bekämpft
werden. Wenn die Präsentation von der lokalen Bevölkerung gehalten wird,
wird die Aufnahmebereitschaft der Minderheiten größer sein.

Aufgedecktes Vorurteil: Auf ihrem Arbeitsplatz haben die


Repräsentanten der Minderheitsethnien Schwierigkeiten, in Teams zu
arbeiten (ein Grund, bei der Jobsuche diskriminiert zu werden).

Hauptursachen:
Falsche Rechtfertigung. Der Glaube ist tatsächlich eine Rechtfertigung der
Arbeitgeber, die Repräsentanten anderer Ethnien diskriminieren. Sie
glauben, sie können ihre Haltung objektiv erklären. Es gibt Situationen, wenn
der Anpassungsprozess für manche Menschen länger dauert, aber das ist
definitiv nicht die Regel. Der Anpassungsprozess ist individuell/spezifisch für
jede Person und abhängig von vielen Faktoren: das Sprachniveau, der
Fachexpertise in dem Bereich, organisatorische Einzelheiten etc.
Schwaches/kein vorbereitetes organisatorisches Umfeld. Die
Organisationen/Institutionen könnten auf die Einführung/Integration von
Angestellten anderer Ethnien nicht vorbereitet sein. Es gibt Situationen,
wenn der Arbeitgeber nicht genügend vorbereitet ist/keine
Einführungsstrategien für die Repräsentanten anderer Ethnien in die
Aktivitäten der Organisation/Institution hat.

Diskriminierung von Minderheiten aus Ländern, die als unterlegen


wahrgenommen werden. Es wurde bemerkt, dass das Vorurteil nicht auf die
Minderheiten zielt (oder es tut es, aber in einem geringen Umfang), die aus
Ländern kommen, deren Entwicklungslevel überlegen ist oder zumindest
gleich zu dem Land, in dem sie arbeiten wollen. Tatsächlich basiert dieses
Vorurteil auf einem anderen Vorurteil – das, das sich an Minderheiten
richtet, die aus einem Land mit einem niedrigen Entwicklungslevel kommen
(wir haben uns diesem Vorurteil bereits gewidmet).

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Haupteffekte:
Barrieren in dem Prozess der Arbeitseinführung. Die jungen Menschen, die
basierend auf diesem Vorurteil diskriminiert werden, könnten große
Schwierigkeiten im Beschäftigungsprozess haben oder dabei, ein bestimmte
Gehalt zu bekommen. Dies kann zu negativen Konsequenzen führen, wie eine
Kettenreaktion (Unmöglichkeit, einen Lebensunterhalt sicherzustellen;
Unmöglichkeit, sich effektiv in diese Umgebung zu integrieren,
Bildungsbarrieren für die Kinder und jungen Menschen, etc.).

Spannungen am Arbeitsplatz. Das Vorurteil könnte Einfluss auf die Kollegen


der diskriminierten jungen Menschen haben. Deren Wahrnehmung könnte
durch das Vorurteil beeinflusst sein. All die negativen Aspekte der Aktivitäten
könnten als eine Ursache für die Anpassungsschwierigkeit der jungen
Menschen, die einer Minderheit angehören, wahrgenommen werden.

Stress und niedriges Motivationslevel. Wenn sich das Vorurteil bei den
Kollegen der diskriminierten jungen Menschen manifestiert, können letztere
zusätzlichen Druck, Stress und wenig Motivation empfinden. All diese
negativen Aspekte ihrer Aktivität würden als ihre eigene Verantwortlichkeit
übertragen werden, was nicht fair ist.

Mittel zur Prävention und Überwindung von Vorurteilen


Funktionale Inklusionsstrategien sicherstellen. Wie bereits erwähnt wurde,
haben manche organisationale Einrichtungen keine Inklusionsmaßnahmen
für Angestellte einer anderen Ethnie. Diese Strategie kann effektiv sein. Das
Vorurteil würde vermieden, reduziert oder sogar beseitigt werden.

Objektive Rekrutierungskriterien. Der Auswahlprozess sollte auf objektiven


und messbaren Indikatoren beruhen. Diese würde die Beschäftigung von
ethnischen jungen Menschen unterstützen, die denselben
Integrationsrythmus hätten wie junge einheimische Menschen. Zum
Beispiel: Anzahl der Jahre der Erfahrung, gesprochene Sprache(n) und deren
Levels, genutzte Technologien, Testergebnisse, etc..

Die informelle Interaktion sicherstellen. Für jede Arbeitsumgebung wird


empfohlen, Interaktion in einer anderen Art als die im Arbeitskontext
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sicherzustellen. Dieser Ansatz führt zu einem Anstieg im Integrationslevel
aller Angestellten, inklusive der ethnischen. Der Zusammenhalt der
interpersonalen Beziehungen wird verbessert. Die Ergebnisse würden auch
auf einer professionellen Ebene sichtbar sein.

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Website: www.aemh.ro
E-mail: asociatia_elevilor_mehedinti@yahoo.com / office@aemh.ro
Telefon: 0740 027 145
Adresse: Drobeta Turnu Severin, bulevardul Revolutiei 16-22 Decembrie
1989, numarul 25, Bl. A1, Sc. 1, Ap. 25. , Romania

E-mail: unescometz@gmail.com
Telefon: +33 9 84 44 11 46
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