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Bayer. Staatsbibliothek

• Einführun~ • • in die • Von Perdinand Tiinniea Prasldent der Deutsdlen Gesellschaft für Sozlolo~le

Einführun~

• Einführun~ • • in die • Von Perdinand Tiinniea Prasldent der Deutsdlen Gesellschaft für Sozlolo~le
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Von

Perdinand Tiinniea

Prasldent der Deutsdlen Gesellschaft für Sozlolo~le

Prasldent der Deutsdlen Gesellschaft für Sozlolo~le • 1 o 3 1 • Verla~ von rerdinand Enke

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Prasldent der Deutsdlen Gesellschaft für Sozlolo~le • 1 o 3 1 • Verla~ von rerdinand Enke

Verla~ von rerdinand Enke in Stutt~art

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Meinem altesten Sohne

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V o r red e.

Gegen diese Einführung lassen sich vier Einwande erheben, die ich in Kürze erfirtern und wenn es angeht, erledigen will:

t. Es wird mit Recht gesagt werden, daB ich meine eigene Unterscheidung von Genereller und Spezieller Soziologie (siehe soziologische Studien und Kritiken li Nr. XLII) vernachUiBigt habe. Nur die Spezielle Soziologie komme in Frage, sogar nur in ihrem reinen, d. h. begriffliGhen Teile, wenn auch am Schlusse eine Hinweisung auf Angewandte und Empirische Soziologie geschehe. Ich gestehe durchaus zu, daB alle Lehren, die sich auf das men~chliche Zusammenleben beziehen, in einem groBen Zusammenhange gesehen werden müssen und behaupte selbst, daB die Generelle Soziologie, die also die physische Anthropologie in ihrer soziologischen Bedeutung und die Sozialpsychologie, in sidl sdtlieBt, einem vollstandigen System der Speziellen SoziologJe zugrundegelegt werden müBte. Gleichwohl halte ich für geraten, die Soziologie auch in ihrem besonder.en Sinne, n~mlich als Reine oder Theoretische zu verstehen, wie ja audl als Mathematik zunadlst nur die Reine Mathematik und als Psydlologie zunachst nur die Psydlologie des Mensdlen verstanden wird. Darum will ich nicht nur aus Gründen der Oekonomie des Denkens, sondern ·a ueh weil das menschliche Bewu6tsein hOchst a usgepragte Merkmale hat, alle Lehren vom Zusammenleben der Tiere, oder gar der Pflanzen, der Biologie zuweisen: wenn es neuerdings beliebt geworden ist, auch Studien dieser Art als soziologische zu bezeichnen, so ist das eine Ehre für die Soziologie; ich halte aber für geboten, auf Scheidung der Disziplinen anzutragen, was mit vollkommener Hochschatzung der Arbeiten von Alverdes, Ruoff, Thienemann, Wasmund zusammengehen kann. lch weiB, daB die Beschrankung auf reine T he ori e einige Leser abschrecken wird: solche namlich, die eine Lehre von Begriffen für Spekulation halten und

VI

als Spekulation etwas verstehen, was vielleicht besser als Schwarmerei sich bezeichnen lieBe. lch verhehle nicht, da6 ich ein System von Begriffen in jeder Wissenschaft für notwendig halte und zwar scheint mir, daB gerade fUr die festere GrUnd ung der soziologischen Theorie mathematisch-synthetische Begriffe notwendig sind, denen ich in meiner jugend den Namen Normalbegriffe gegeben habe, ohne daB idt versucht habe, eine Anerkennung dafür zu erzielen. Mit mehr Tatkraft und mit besserem Erfolge .hat viele jahre spater Max Weber im gleidlen Sinne den Begriff des ldealtypus und des idealtypischen Begriffs eingeführt: daran habe ich nur auszusetzen, daB das . ,Ideal" eine Vorstellung von etwas Vollendetem und Wert- vollem mit sidt ffihrt, worauf Webers Absicht nicht gerichtet war. Sogar bei einem Autor wie G. jellinek begegnet dies MiBverstandnis. Ich ziehe vor, von ideellen Typen und ideell- typischer Betradttungsweise zu sprechen, und es ist mir eine Genugtuung, daB in Anlehnung an midt Max Graf zu Solms (,Bau und Gliederung der Menschengruppen") diese Bezeich- nung angewandt hat. lch unterscheide am liebsten den Begriff als Normalbegriff und seinen Gegenstand als ideellen Typus. 2. Man wird mit Grund sagen kOnnen: Es sei nidtt eine EinfUhrung in die, sondern nur eine EinfOhrung in meine Soziologie, auch wenn man einverstanden ist mit der Beschrankung auf reine theoretische Soziologie. Man hat bisher als meine Soziologie fast ausschlieBiich die Bildung der Begriffe Gemeinschaft und Gesellschaft verstehen wollen, die ich als Grundbegriffe behauptet habe und noch

behaupte. Diese Lehre hat viele Anerkennung gefunden, ist aber auch z. B. dem MiBverstandnis begegnet, als ob es da eigentlich nur um eine synonymische Unterscheidung sich handelte, weil eben das Wesen des Normalbegriffs zu wenig erkannt wird. Von bedeutender Seite ist mir ferner die Ansicht begegnet, daB es sich da um eine Unterscheidung handele, die ihrem Wesen nadl parteiisch sei: als ob namlich Gemein- schaft als gut, Gesellsdlaft als hOse dargestellt werden sollte. Ich kenne den Schein, der zu soldter falschen Meinung geführt hat. Andere haben gerade die Objektivit!t gerUhmt, die in diesem meinem jugendwerke zutage trete, so u. a. Harald

VII

Hoffding, der diese mit einem guten danischen Wort ufors- tyrrethed {, Unbeirrtheit") nannte. Ich glaube, daB ich diese Eigenschaft mir auch ins Alter hinübergerettet habe, und daB sie auch in der vorliegenden Schrift erkennbar sein wird,

wenn man sie nur nicht mit Leidenschaftlosigkeit verwechseln will, deren ich allerdings nicht fahig bin auch wenn man sich über schlechtes Wetter argert, so wird man nicht verkennen, da8 das Wetter nach ewigen ehernen Gesetzen sich gestaltet, und solcher Gesetzlichkeit unterliegt auch das soziale Leben der Menschheit. 3. Man wird manche Er~rterungen als zeitlich bedingte z. T. sogar politische rügen, weil sie die Oefüge der Theorie durchbrechen. Ich habe diese für didaktisdl zweck- maBig gehalten, um die starren Formen der theoretisdten Darlegungen gelegentlich zu l~sen, und ich meine was freilich die Sache nidtt rechtfertigt daB ahnliche Bücher ahnlich zu verfahren pflegen. Vielleicht trifft midt aber der Vorwurf, daB ich von der etwaigen Erlaubnis zu weitgehenden Gebraudl gemacht habe. Wer ihn erhebt, wolle gütigst prUfen, ob nicht dodt die Digression einen Wert fllr das Verstandnis des eben in Rede stehenden Oegenstandes habe, was in der Regel wohl der Fall ist.

4. Nichts ist an dieser Einführung offenbarer als ihre Unvoll-

standigkeit. Auch als Einführung in die Reine Soziologie ist sie unvollstandig. Die Lehre von den sozialen Wesenheiten müBte in einem S ys te m, um die feinere Klassifikation der Typen durdlzuführen, den Umfang der ganzen Schrift für sich in Anspruch nehmen und einen noch gr~Beren Umfang, wenn ich eingehend mit anderen systematischen Werken, die meine eigene Beachtung mit Grund in Anspruch nehmen, mich auseinandersetzen wollte. Es kamen dafür allein an deutschen Werken diejenigen Bücher und Abhandlungen in Betradtt, die im Laufe der letzten 1O bis 20 jahre im Sinne der Soziologie als einer systematischen Wissenschaft mehr oder minder lebhaft sich betatigt haben. Wer in dieser Lite- ratur bewandert ist, weiB, welche Autoren ich hier meine. Ich nenne nur, ohne auf bibliographische Vollstandigkeit Ansprudl zu madlen: zuerst Max Weber und G. Simmel, die

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VIII

beide zu früh ihrer bedeutenden Wirksamkeit entrissen wurden; ferner Alfred Vierkandt, Werner Sombart, Franz Oppenheimer, L. v. Wiese, David Koigen, Theodor Geiger, johann Plenge, Eugen Rosen stock, F. L. Stoltenberg, H. Freyer (die Reihenfolge bedeutet keine Wertung). AuBerdem denke ich noch an die frfiheren Leistungen von Albert Schaffle, R. v. jhering, und vor allem an die von Karl Marx, auf dessen soziologische Bedeutung neuerdings wieder, obschon nidtt zu den Partei- kreisen des sogenannten Marxism us geh~rig,P 1en g e bedeutend hingewiesen hat und dessen EinfluB keiner von den genannten Autoren, sich zu entziehen vermodtt hat. Als idl selber zuerst vor 50 jahren seinen Namen stark betonte, spradt idt von dem Halbdunkel, worin man ihn zu bOllen befJissen sei. lnsofern als mit dieser Einführung eine systematische Ordnung vorgelegt oder, wie man vielleidtt besser sagt, vorgeschlagen wird, wolle man sich gfitigst erinnern, daB die Absidlt des Verfassers nicht dahin gehen konnte, _das wirklidle Leben, also die Bewegungen und Veranderungen oder wie man jetzt zu sagen vorzieht, die Dynamik der sozialen Wesenheiten, Werte, Normen und Bezugsgebilde darzustellen, sondern es handelte sich um die Ordnung der Begriffe, mithin um die Dinge selber in ihrem Sein, ihrem Ruhezustande, ihrer Statik. Es gibt Kritiker, die aus dieser gewollten Einseitigkeit zu sdtlieBen . sich berechtigt halten, daB idl die Bedeutung des Zwistes, Streites, der Konkurrenz, des Krieges nicht hin- Uinglich kenne und nicht würdige. Wenn es mir verg~nnt sein sollte, durch eine Reihe von jahren meine Tatigkeit ffir die Soziologie fortzusetzen, so hoffe ich solche Kritiker nodl zu Oberzeugen, daB sie im lrrtum waren. lch vergesse nie- mals, und werde oft durch Schriften der genannten und anderer Autoren gemahnt, daB es in der Soziologie noch sehr viel zu tun gibt und daB wir eigentlidl mit ihr noch in den Anfangen uns befinden. lch zweifle aber nidlt, daB ihr eine bedeutende Zukunft bevorsteht, audl bei uns im Deutsdlen Reich: wenn dieses nicht geistig und moralisdl in v~lligen Verfall gerat, wozu allerdings die unweisen Manner, die uns ein Schuldbekenntnis und einen Friedensvertrag in Gestalt einer Kriminalstrafe, bei deren Verhangung Anklager und

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IX

Richter miteinander identisch waren, aufgezwungen haben, nach Kraften zu wirken mit Erfolg sich bemUht haben. lch glaube doch, daB vieles von dem Samen, der aus unseren Vorraten Uber die Felder der Erkenntnis und des Denkens ausgestreut worden ist, audl in den fernen Landern, in denen die englisdle Spradle den europaisdlen Geist zur Geltung und zur Entfaltung bringt, auf diesem fremden Boden auf- gehen und Frucht tragen wird, wenngleidl es heute in dieser Hinsicht nodl trUbe aussieht. Die allgemeine Bildung und die mit ihr verschwisterte Humanitat sind durch den Welt- krieg, in ihm und nach ihm, tief gesunken~ so tief, daB die Erhebung aus dem Sumpfe nur langsam vor sich gehen kann. Meine Hoffnung das bekennt audl diese Schrift offen - setze ich nur in die lnternationalitat der nationalen Arbeiter-

bewegungen, deren Wert ich um so hoher sdlatze, je we;niger ich gelten lassen kann, daB ihrer Entwickelung, ihrem Fort- sdlritt die Verwirklichung gUnstig sein wird, die in einem dafUr keineswegs vorbereiteten und reifen Boden ein Land, das jüngst erst anfing, aus rein agrarisdlen und durch die Aufpropfung eines modernen Staates nicht glüddicher gewordenen Zustanden sich zu erheben, mit freilich bewunderungswürdiger Energie und Konsequenz unternommen hat. Ich erwarte nidlt, daB das Schicksal Europas und gar des Erdballes durch dies, wenn auch noch so widltige Experiment bestimmt werden kann. Die hoher entwickelten Staaten mit ihren jetzt immer

mehr durchdringenden und vielleidlt audi sich vertiefenden demokratischen Verfassungen müssen, gerade wenn sie die politische und moralisdle Notwendigkeit des Sozialismus er- kannt haben, dies Vorbild ablehnen, weil die historisdle und soziologische Erkenntnis lehrt, daB so oft auch Revolution den Durchbrudl eines neuen Prinzips bedeutet ·hat, Evol ution unter afien UmstAnden heilsamer ist und daB dies für die ohnehin sdlwer gefahrdete Zukunft der edleren Gesittung heute mehr als je gilt. Im Sinne dieser Erkenntnis ist das gegenwartige Buch verfaBt worden. Auf dies aktuelle Problem, wie auf andere mit ihm ver- wandte fUhrt audl die soziologische Erwagung von Be g r iff en wie Volk, Nation, Staat, und ich bedaure, daB die Oekonomie

X

der Schrift midl abgehalten hat, die beiden ersten Begriffe eingehender darzustellen, obschon diese Darstellung in meinen Vorarbeiten, zum Teil auch nffentlich, langst angelegt war. So hatte ich in dem jetzt vergriffenen Büchlein "Die Sitte" (Frankfurt a. M. Rütten und Loning 1909) den Sinn des Wortes Volk dahin gedeutet, da6 es nicht nur die Lebendigen sondern auch die Toten und die Nachkommen umfasse und zwar ,gerade die Verbindung und Einheit dieser drei Schichten, eine Oemeinschaft, worin die Toten bei weitem das Ueber- gewicht der Zahl über die Lebenden haben, denn sie sind in unbegrenzt vielen Oenerationen enthalten, und niemand kann · sich vermessen die Individuen statistisch zu erfassen, die in diesem Sinne zu einem Volke gehoren, weil sie dazu gehort haben"; heute füge ich hinzu: geschweige die Za'hl derer zu schatzen, die in Zukunft dazu gehoren werden. Da6 diese Frage der Bevolkerung für das Verhaltnis zwischen dem Osten und dem Westen Europas einmal eine fundamentale Bedeutung haben wird, wissen wir atle, und auf diese Wahr- sdteinlichkeit sidt einzurichten, hatte langst von allen westlichen Nationen als ein Oebot ihrer Selbsterhaltung erkannt werden müssen da6 es nicht geschah, ist die offenbare Ursache der unsaglichen Verworrenheit des offentlichen Lebens, der Finanzen und der Volkswirtschaften, die mehr oder minder das unent- rinnbare Schi<Xsal samtlicher am Selbstmord Europas (wie man schon im jahre 1914 dies Unheil genannt hat) beteiligt gewe- senen Volker ist. Leicht begreiflich, daB diese furchtbare Kata-

strophe eine Erschlaffung des Denkens und Wollens mehr im Westen als im Osten Europas zur Folge gehabt hat, wahrend sie die Ableger Europas jenseits der Ozeane viel weniger erfaBte. Aber mehr als je zuvor sind die wirtschaftlichen und sittlichen Zusammenhange der im Kulturzustande lebenden Bewohner des Erdballes für das Schi<Xsal jeder einzelnen ausschlaggebend geworden, wenn auch allzuviele Politiker und Diplomaten sogar heute das noch nicht eingesehen haben. Aber die Zukunft der Volker wird nur zu einem verhaltnism:i6ig kleinen Teile durch Politiker und Diplomaten bestimmt. Ent- scheidend wirkt vielmehr das allgemeine Leben und Treiben, also auch das Wohlbefinden und Uebelbefinden, das dadurch

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XI

bestimmte Wollen und Nichtwollen der groBen Menge des Volkes; und diese ist das werktatige Volk in seiner Verbindung mit dem geistig lebendig weitblickenden, erfahrenen und denkenden Teile, zumal insofern als dieser Teil mit vollem Ernste und FleiB das Wohl des Volkes, die Verbesserung seiner Zustande sich angelegen sein la6t. Man wei6, wie sehr und wie tief hier die Meinungen auseinandergehen und da6 die Zahl derer nicht gro6 ist, die in dieser Hinsicht anstatt im Sinne des Vorteils einer Schicht, einer Klasse oder gar eines Standes, nur im Sinne des zukünftigen Lebens und Oedeihens ihres Volkes und eben auch um ihres Volkes willen der Menschheit zu denken und zu wollen nicht nur entschlossen, sondern auch fahig sind. Die soziologische Erkenntnis wird sich am besten dadurch bewahren, da6 sie dazu hilft, die Zahl solcher Volks- und Menschenfreunde zu vermehren, ihre Erkenntnis zu starken und zu vertiefen.

zu vermehren, ihre Erkenntnis zu starken und zu vertiefen. KIEL, im juni 1931. Der Verfasser. •

KIEL, im juni 1931.

Der Verfasser.

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XII

Inhal ts-Verzei dlni s.

Seite

Vorwort

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V

lnhaltsverzeichnis

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XII

 

 

Erstes Buch.

 

Grundbegrlffe

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Thema

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§ 1. Voraussetzungen: Menschliches Zusammenleben als Tatsache -

Gefühle, Wollen -

gemeinsames Wollen -

teilung der Soziologie

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Wesenheiten - .

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Ein-

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3

. § 2. Wesenwille und Kürwille -

 

. soziales Handeln

 

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§ 3. Gelten de Dinge als Gegenstand der Reinen Soziologie- Den ken des Geltenden als Gegenstand von Verabredung oder Beschlu6

§ 4. Gemeinschaft und Gesellschaft

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Zweites Buch.

 

Soziale Wesenheiten oder Gestalten

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9

12 .

17

Erstes Kapitel: Allgemeine Charakteristik •

 

19

§ 5. BUndnis als rationaler und ideeller Typus sozialer Verhaltnisse-

Vertrag -

Gleichheit und Ungleichheit, freiheit und Unfreiheit

in sozialen Verh:tltnissen- Zusammenwesen, Zusammenwohnen,

Zusammenwirken

-

gemeinschaftliche

und

gesellschaftliche

Verh:tltnisse

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19

Soziale Samtschaften- Stand, Klasse, Volk, Oberschicht, Nation

 

- Partei als Wirklichkeit und ideeller Typus Soziale Ktsrperschaften - Verein als Typus - Entfernung der gemeinschaftlichen Ktsrperschaft vom ideellen Typus - herr-

22

schaftliche und genossenschaftliche K<Srperschaften - Bedin- gungen der Herrschaft- ihre familiale und religi<Sse Gestaltung

- Bruderschaft als Typ der Genossenschaft - gemeinschaft-

licher Charakter herrschaftl. und genossenschaftl. Verb:tnde - gesellschaftlicher Charakter der Vereine - ideeller Typus und ' Gattungsbegriff des Vereins ·- naturrechtliche Theorie- Hobbes

- lndividualismus - theoretische Kritik an der lehre des

Hobbes - Staat als ethischer Organismus nach Georg Waitz - Gemeinwesen - Staat als Mechanismus - Verwirklichung in

Kolonien

. Ka p i t e 1:

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Zw e i te s

. S o z i a 1e

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. V e r h a1t n i s s e

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A. Gemeinschaftliche Verhaltnisse.

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l. Herrschaftliche Verh:tltnisse. § 6. Urbild: Herrschaft der Mutter Uber ihr Kind - Matriarchalismus

- Patriarchalismus - Vaterwürde als Typ priesterlicher und

weltlicher Autorit::it - vaterliche Autorit:it als Autorit:tt des

Alters - Gerontotrophie - Charisma und néttUrliche Ueberlegen-

die Gruppen

heit des Alters- die Alten im politischen leben -

25

34

XIII

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Seite

der Beherrschten- Despotie- Theokratie- Hierarchie als Aus- druck unitarischer Herrschaft- SUindetum und foderalismus - Aristokratie - Verh:iltnis zum Alleinherrscher - das Alter in der Aristokratie- lnhalt der Herrschaft- ungemeinschaftlicher Gebrauch der Herrschaft - Tyrannei - Entwicklung gemein- schaftlicher zu gesellschaftlicher Herrschaft 11. Genossenschaftllche Verhaltnisse.

34

§ 7. Geschwister- BrUderlichkeit- Kampfgenossenschaft- Kame- radschaft- freundschaft- Schwesterlichkeit - MannerbUnde

-

Nachbarschaft - Berufsgenossenschaft - Stand - Entwick-

lung von gemeinschaftt. zu gesellschaftl. Genossenschaft -

Verwandlung der Genossenscñaft in feindseligkeit- Aktionen der Mas~e als genossenschaftlich von fiUchtiger Gestalt -

Genossenschaftswesen- genossenschaftlicher Geist als Reaktion auf gesellschaftliche Entwicklung

48

 

111.

Gemeinschaftliche Verhaltnisse, die herrschaftlichen und

 

genossenschaftlichen Charakter haben.

§ 8. Ehe - Verhaltnis zur Religion - im Wesenwillen beruhend, durch Vertrag begrUndet- Theorie der Ehe im Naturrecht - Einehe als Normaltypus - Gewissensehe und wilde Ehe (Konkubinat)- Ehe und Recht- Verhattnis der Ehe zu anderen sozialen Machten- andere Verhaltnisse herrschaftl.- genossen- schaftl. Struktur - Charakteristik ihrer Entstehung

· 55

B. Gesellschaftliche Verh:tltnisse.

§ 9. Definition - Vertrag- Entwicklung zu gesellschaftlichen Ver- h:.lltnissen- Beispiele- gesellschaftliche Verhaltnisse: Arbeits-

verhaltnis, Verhaltnis zwischen Staaten, Mieteverhaltnis,

Pachtverhaltnis, Verhaltnis von Glaubiger und Schuldner - . IdeellerTyp des gesellschaftl. Verhaltnisses - gemeinschaftlicher Geist in gesellschaftlichen Verhaltnissen

§ 10. Soziale Wesenheit und Beziehungslehre -

Oppenheimer Uber

Analogie zwischen nattlrlichem und sozialem Organismus

63

73

   

81

Drittes Kapitel: Soziale Samtschaften A. Oekonomische Samtschaften. § 11. Stande - - Herrenstande, Berufsstande

:

Standesbewu1Hsein-

bUrgerliche Gesellschaft- Klasse- besitzende Klasse, Arbeiter- klasse, Mittelstand (middle classes)- Stellung im Klassenkampf

-

Standek:impfe im Absolutismus - Klassenkampf als Partei-

kampf- Begriff der Gesellschaft in der staatsphilosophischen Literatur - bUrgerliche Gesellschaft

81

B. Politische Samtschaften.

Menschliche Gesellschaft - bUrgerliche Gesellschaft als Staats- bUrgerschaft- Volk- Nation- Staatsnation, Kulturnation -

Volk als mehr gemeinschaftliche, Nation als mehr gesellschaft- liche Samtschaft - Gegensatz von Nation und Volk und

XIV

Seite

Klassengegens:itze - AnknUpfung der Klassenk:impfe an SUinde- k:impfe- Lagerung des Nationalbewu6tseins - Partei als Samt- schaft - religiose und politische Parteien - Landsmannschaft - Sprach- und Sittengenossenschaft

89

C.

Geistig-Moralische Samtschaften .

 
 

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Christenheit -

Samtschaft des Protestantismus -

Kunstschule,

Philosophenschule -

Samtschaften

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St:inde und Klassen als geistig-moralische .

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94

Vie r t es

Ka p i t e 1:

S o z i a 1e

Ve r ba n d e

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95

§ 12. Charakterisierung der sozialen Korperschaft als ausschlie61ich sozialer Tatsache- Korperschaft als Person - Entstehung von Korperschaften aus natürlichen Verh:iltnissen (Typus: familie als familienverband) - durch tats:ichliches Zusammenleben und Zusammenwohnen - durch besonderen Willensakt (durch

GrUndungsakt oder fremden Willen)

o

95

§ 13. Verein als Normalbegriff der Korperschaft - sein gesellschaftlo Charakter- Handelsgesellschaft- Aktiengesellschaft- geheime

Gesellschaft- gemeinschaftliche Verb:inde - Clan - Gemein-

wesen - Brüderschaft -

Landsmannschaft o .

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97

§ 14. Zunft als Verbindung von Personen - Aktiengesellschaft als Verbindung von Geld - Gewerkschaft- Kartell- wirtschaft-

liche Verb:inde und Staat

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104

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§ 15o Normaltypus des Staates- Souver:init:it- seine funktionen-

vollkommener Staat als

verh:iltnisse - Mittel

o

voltkommene Ordnung aller Lebens- o

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112

§ 16. Normaltypus und Wirklichkeit des Staates - Weltrepublik - geographisch begrenzter Staat - Staatenbund, Bundesstaat, Einheitsstaat - Einheitlichkeit der souver:inen Gewalt und Gewaltenteilung - Begründung des Staates im Herrschafts- vertrag- in der Volkssouver:init:it- Nation.alversammlung- die Urversammlung des Hobbes- Rousseau und die permanente Revolution - Entwicklung des Staates in Richtung des ideellen Typus -Weltfriede- Merkmale der Entwicklung zur souver:inen Einheit in den bedeutenden Staaten

114

§ 17. Normalbegriff der Kirche

 

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122

§ 18. Priesterstand- Entwicklung d. Bischofsverfassung i.Christentum 123

§ 19. Streben der Kirche nach Allgemeinheit - ihre Heilsaufgabe- ihre zeitlichen Aufgaben - Kirche und Staat - Konkordat- protestantisches Schisma und Entwicklung des Staats - Be- sonderheit dieses Prozesses in England - Kirche und Sekten-

125

§ 20. Gemeinschaft als Sinn des religiosen Verbandes- gesellschaft- licher Charakter der Kirche als Anstalt - Gemeinde als reine gemeinschaftliche Wesenheit - gesellschaftliche form der religiosen Vereine ohne Anstaltscharakter- ethische Verb:inde 130

Richtlinien fUr die Entwicklung der Kirchen

Soziale Werte

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XV

Drittes Buch.

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Seite

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133

Erstes Kapitel:

Oekonomische Werte

 

135

§ 21. Soziale Wesenheit als Subiekt sozialer Werte - Eintracht und

Zwietracht im Streben. nach Wertgegenst:inden .

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135

§ 22. Eigentum - Samteigentum und Privateigentum - Priorit:its-

verh:lltnis beider -

logisch und sachlich -

 

durch verschiedenen sozialen Willen .

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ih re BegrUndung .

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§ 23. Soziale und individuale Grnnde des Eigentums -U rkommunis-

137

naturrechtliches

   

Entstehung

des

mus - Privateigentums .

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Sondereigentum - .

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§ 24. Auflosung der fcldgemeinschaft - als Entwicklung von Gemein- schaft zu Gesellschaft - Eigentum an Kapital als natürliches und allgemeines Privateigfntum - g-esellschaftliches Eigentum

140·

-

feldgemeinschaft und gemeine Weide als Ausdruck von

Gemeinschaft - rUckUtufige Tendenzen in der Schatzung des Privateigentums- Steuerstaat oder Staatseigen~m - individuell und sozial bedeutsames Eigentum - gesellschaftliches Privat- eigentum als Eigentum an Geld - Begriff des Geldes und des Vermogens - Entstehung des gesellschaftlichen Gemeineigen- tums aus Privateigentum und dessen Beharrung im gesellschaft- Jichen Ge:meineigentum - Bedeutung des gesellschaftlichen Eigentums als Macht des Kapitalismus

143

§ 25. Die theoretische Auffassung des Eigentum bedingenden sozialen Willens: NatUrliche Auffassung der Gestalten des sozialen Lebens- soziale Gestalt als gemeinsamer Gedanke und Wille

Wesenwille und KUrwille - die Bedeutung des rationalen Naturrechts fUr diese Unterscheidung

-

149

§ 26. Das Naturrecht des Altertums: natUrliche oder gesetzte Geltung der sittlichen Werte- Naturrecht der Kirche- absolutes und relatives Naturrecht- Skotismus und Nominalismus-natUrliche Auffassung des Sozialen im Vernunftrecht des Thomas Hobbes

- ihre Einseitigkeit als soziologische Theorie - Erganzung

durch den Begriff des Wesenwillens und der Gemeinschaft . 151

§ 27. Die historische Auffassung vom Gemeineigentum und Privat- eigentum: Auflosung des Agrarkommunismus in der Neuzeit-

Entwicklung zum kapitalistisch gefUhrten Jandwirtschaft1ichen GroBbetrieb- Buchenberger Uber Prioritat des Gemeineigentums 156

§ 28. G. v. Belows Theorie

Uber

die

UrsprUnglichkeit

des

Privat-

 

eigentums

 

159

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Zweites Kapitel:

Politische Werte

 

166

§

29. Politische Bedeutung -der okonomischen Werte -

der Wert des

 

gemeinsamen Vaterlandes -

 

der Wert des Staates und seiner

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Verfassung

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166

XVI

Drittes Kapitel:

Ethische soziale Wcrte

§ 30. 1. Jnstitutionen: Ethische Bedeutung der politischen Werte-

2. lebende Personen

religiose lnstitutionen als ethische Werte -

Selte

168

 

-

 

-

3. tote Personen - 5. Erinnerungen

4. Sachen als ideelle und ethische Werte .

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168

. § 31. Gemeinsame Erinnerungen

§

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173

32. Ruhm

 

 

173

§ 33. Zeichen: natUrliche Zeichen - gesetzte Zeichen - kUnstliche Zeichen - individuale Zeichen - soziale Zeichen - Entstehung sozialer Zeichen durch Beschlu6, Verabredung, natUrliche Geltung - Sprache - ihre Entstehung - soziale Zeichen als Normen -Signa le- offentliche Zeichen - geheime Zeichen - Zeichen der GUltigkeit von Entscheidungen und Gesetzen - Urkunde - Eid - Verkehrszeichen - Symbole - religiose Symbole- Fetischismus- Zauberworte - Bekenntnisschriften als Symbole -- Symbolik - Ehrenzeichen und Titel - Symbole

der Macht

 

177

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Viertes Buch•

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Soziale Normen

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187

E r s tes

§

K a p i te 1:

A11 g e m e i n e

C ha r a k te r i s ti k

. 34. Norm- Gebot- Verbot- Gebote und Verbote als Normen-

.

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189

soziale Normen- Gebieten und Verbieten -

Andere Arten der

Willensbestimmung anderer- Formen des Ge- und Verbietens

-

ihr Unterschied zu den anderen Arten der \Villensbestimmung

-

Recht und Pflicht

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189

§ 35. Wunsch, Bitte, Beschworung, Gebet, Bitte als Form des Befehls, Rat, Ermahnung, Warnung - die allgemeinsten Befehle de~ sozialen Verhaltnisses oder Kreises- personliche Befehle und Befehle des sozialen Verhaltnisses - BegrOndung von Normen in der generellen und individuellen Natur der sozialen Verhalt- nisse - z. B. der Normen in der Ehe Rechte und Pflichten in der Samtschaft - in der K6rperschaft

194

§

36. WillensUbereinstimmung als Voraussetzung des Normensystems - Formen der Willenseinigung in herrschaftlichen - in

genossenschaftlichen sozialen Wesenheiten

.

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200

Zweites Kapitel: Ordnung

203

§ 37. Ordnung als allgemeines Wesen sozialer Normen - Unter-

scheidung des Rechts und der Moral von der blo6en Ordnung 203

§ 38. Entstehung der Ordnung aus der Notwendigkeit des sozialen

Zweckes -

Ordnung

in

der

Familie -

Veranderung

dieser

Ordnung- Ordnung des Wohnhauses -

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Polizei als faktor der · .

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Ordnung § 39. BegrUndung von Ordnung,

204

. und Moral in Eintracht -

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Recht

BegrUndung von Sitte als sozialer Gewohnheit in Eintracht - Religion in ihrem Verhaltnis .zu Eintracht und Sitte- Normen

XVII

Seite

der Eintracht in sozialen Verhaltnissen und Kreisen (z. B. in der Familie) - Animalische Gestalt der Ordnung in der Samt- schaft - Behauptung der Ordnung in Streite_ntscheidung und

Schlichtung ~ Streitschlichtung durch Gericht als Wurzel des Rechts - VernUnftige Gestalt der Ordnung in der Korperschaft

- gesetzte Ordnung- Gesetz- Recht als Wollen des Richtigen, VernUnftigen - Volksrecht als Satzung und Gewohnheitsrecht 206

Dr i t t es

Ka p i t e1:

Re eht

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209

§ 40. Gewohnheitsrecht als Wirkung der Sitte- Weisung des Gesetzes in die Zukunft - Recht aus Zwang - aus .M.ehrheitswillen - Rechtfertigung der Neuerung als WiederherstelJung des Alten

-

UbernatUrliche

Rechtfertigung

erzwungener

Neuerung -

 

Kampf zwischen Neuerung und Gewohnheit - Richter- und Priestertum - Gewohnheitsrecht und Offenbarungsrecht

209

§ 41. Naturrecht -

theologisches und scholastisches Naturrecht -

 

rationales Naturrecht - Hobbes als BegrUnder des rationalen

 

Naturrechts -

Analogie zwischen Volkerrecht und rationalem

Naturrecht - Hobbes und Kants Idee vom Volkerbund

 

212

§ 42. Gemeinschaftliches Naturrecht- seine BegrUndung im Altruis-

mus -

Einheit von Recht

und Pflicht im gemeinschaftlichen

Naturrecht ·- Familie als seine Keimzelle - Rangordnung und Charakter der einzelnen Rechtsgebiete im gemeinschaftlichen Naturrecht - kommutative und distributive Gerechtigkeit im gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Naturrecht - Moral und Naturrecht - Scheidung von Recht und Moral als Ent- wicklung der rationalen Naturrechtslehre

217

Anmerkung: Moral und Strafrecht

224

§ 43. Einheit von Recht und Moral im gemeinschaftl. Na turrecht - Kritik an der gegenwartigen Eigentums- und Gesellschafts- ordnung als Tendenz zum gemeinschaftlichen Naturrecht - ZurUcktreten dieser moralisierenden Tendenz als Wirkung des Marxismus- Bedeutung von Eigentum und Erbrecht im dtsch. Privatrecht - Gierkes Kritik am Eigentumsrecht des ersten

Entwurfs

des

B.

G.

Wirltung der Kritik

B.

-

.

am

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.

Recht

.

.

des

.

Lohnvertrages - .

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225

§ 44. Aequum et bonum im Romischen Recht - Equity - Bedeutung des Naturrechts fUr sie - ihre Bedeutung fUr das Handelsrecht 230

§ 45. Recht und Sittlichkeit bei Gierke- Freirecht- Zusammenhang mit Billigkeit und Naturrecht- Kritik des Freirechts - Wand- lung der Grundsatze des B. G B. durch Rechtsprechung und Gesetzgebung - besonders des Arbeitsrechts - internationaler Charakter der Entwicktung - Staatshilfe statt Selbsthilfe - Kampf der liberalen Vertreter des Kapitals gegen Selbsthilfe 232

§ 46. Prognose fUr die kUnftige Rechtsentwicklung: 1. gro6ere Beach- tung des werktatigen Menschen gegenUber dem individuellen

XVIII

Seite

EigentUmer- 2. st~rkere Betonung des Rechts zur Erzi chung-

3. besondere Regelung der Rechte und Pflichten der Alten

.

236

§

47. Bedeutung der Wirtschaftsentwicklung fUr diese Rechtsentwick-

lung - Genossenschaftswesen

 

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239

Viertes Ka pite 1: Mora1i Uit

 

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240

und

Ethik -

offentliche Meinung als

Subjel(t

der

 

§ 48. Moralit::it Moralit:it -

Wesen und lnhalt der Moralitat -

das Verhalten

der Geschlechter -

Tugendea -

·

 

Moralit:lt und Strafgesetz

§ 49. Ethica complementaria -

   

240

Reaktion der Gesellschaft - .

. Wurzel im GefUhl der Zusammen-

.

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gehorigkeit -

im SchamgefUhl -

Anstand- Abwandlung der

Anstandsregeln nach Geschlecht, Lebenskreis, Samtschaft usw.,

im Wandel der Zeit

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247

§ 50. Hoflichkeit- Unterschied zum Anstand - Schein und Wahrheit

in der Hoflichkeit -

Hoflichkeitsformen -

gemeinschaftliche

und gesellschaftliche Umgangsformen

   

gleichheit -

Takt -

Schicklichkeit

.

fünftes Buch.

bei Gleichheit und Un- .

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249

Soziale Bezugsgebilde .

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259

E r s t es K a p i t e 1: Cha r a k t e r i s ti k

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261

§ 51. Der Begriff- Gegens:itzlichkeit und gegenseitige Erg::tnzung - Begriffspaare sich scheidender Bezugsgebilde im okonomischen, politischen, geistig-moralischen Leben - Zusammenh~nge und Wechselwirkungen zwischen diesen Grundkategorien und im einzelnen Begriffspaar - Unterschiede - Gegens:Uze - der dialektische Charakter der Begriffspaare - ideologische und reate Synthese der entsprechenden Wirklichkeit

261

§ 52. Verhaltnis der Grundkategorien zueinander - weiblicher und m:innlicher Geist in Wirtschaft und Politik - Bedeutung des weiblichen Geistes fnr das geistig-moralische Leben - weiblicher und m:innlicher Geist und Gemeinschaft und GeseJJschaft - notwendige Gleichzeitigkeit von Wirtschaft, Politik und Geist

in der sozialen Wirklichkeit

. de r Fa k to re n

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Z w e i tes K a pite 1:

W ir k s a m k e i t

. § 53. Unabh:ingige Variabilitat der einzelnen Grundkategorien - fUr die spekulative Philosophie - Marx - Auffassung des Wirklich- keitcharakters von Fundament und Ueberbau § 54. Wirkung des Wirtschafts- auf das Rechtsleben § 55. Kapitalismus und Rechtsgestaltung- Minderung des Bauerntums durch Verst:idterung des Adels - Lockerung der rechtlichen Sicherheit der bauerlichen Besitzst:inde durch romisches Erb- recht - Rechtseinheit durch Handel und Verkehr - - durch

fUrstliche Gewalt - Reception des romischen Rechts - - das absolute FUrstentum- Bauernschutz - Kampf des Absolutismos gegen politische und private Herrenrechte --- Steigerung der

.

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264

269

269

272

XIX

Seite

gutsherrlichen Macht nach Aufhebung der sUindischen Ge- bundenheit des Bodens- besonders in Ostelbien- Entwicklung in England - Kampf ums Recht aus der Veranderung der

materiellen Grundlagen - Stellung der Richter in diesem Kampf

- Wandlung des geistigen Lebens und der MoraliUit- Kampf

als disputare- zwischen Machten der Beharrung und Verande- rung - unter Berufung auf Glauben und auf Vernunft - Wiederkehr dieses Kampfes - Verhaltnis zwischen materiellen Grundlagen und hoheren Erscheinungen - seine Analogie - S eh ill e r über dies Verhaltnis- der Kampf der wirtschaftlich Unterdrückten - Form dieses Kampfes in der Demokratie - Ausdruck im politischen Parteienkampf - Verbindung der bisherigen Machte der Beharrung und Veranderung in diesem Kampf- Materialismus und Idealismus bei den einzelnen Klasscn 273

283

Dr i t te s Ka p i te 1: Die Be g r i f f s p a a re - d e r f a k t o r Wi r t s eh a f t §.56. Quantitative Bestimmung - Gegensatzlichkeit - Kooperation der Wirklichkeiten qualitativ bestimmter Begriffspaare - von Dorf und Stadt in einfachen ZusUinden - von Mutterland und Kolonie- allmahliches Ueberwiegen der jüngeren Erscheinung

 

-

Perspektiven der Entwicklung

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283

§

57. Kampf zwischen Kapital und Arbeit als Kampf zwischen einer ilteren und jüngeren Schicht- als freiheitskampf - als Streben

 

nach Gemeinschaft auf neuer okonomischer Basis -

Genossen-

schaftswesen

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287

V i e r t es Ka p it e1: De r Fa k t o r Po1i t i k

 

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289

§58. Kampf - Monarchie -

Die neue Herren-Klasse gegen Herrenstande und

Umgruppierung durch den politischen Kampf der

Arbeiterklasse - Demokratie als Mittel sozialer Umgestaltung 289

§ 59. Vereinheitlichung des politischen Machtwillens im modernen Staat- besondere Entwicklung in England - Staatsomnipotenz

und Gestaltung des Eigentums

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. 290

fU n f tes

Ka pite l : De r

. fa k t o r Ge i s t

 

292

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§ 60. Mannlicher und weiblicher Geist- weiblicher Geist und Religion

und Priestertum -

Kampf zwischen Glaubigkeit und wissen-

schaftlicher Denkungsart .

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292

§ 61. Gestaltung der Sittlichkeit - Wurzel im Streben nach sozialem Frieden - okonomischer Friede in der genossenschaftlichen Gestaltung des Wirtschaftslebens - Handelsgeist und genossen- schaftlicher Geist - zunehmende Einsicht als Bedingung sozia- listischer Wirtschaft - als Voraussetzung neuer Sittlichkeit -

Tendenzen in dieser Richtung als tiygiene und Eugenik

 

.

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294

§ 62. Religion und Wissenschaft - allgemeine Züge der religiosen

Vorstellungs- und Glaubenswelt

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301

§ 63. Monotheismus als neuer religioser Geist - Vorstellungs- und

Glaubenswelt des Christentums -

des Islam

 

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303

XX

§ 64. Wissenschaftliches Denken - Kampf zwischen Glauben und

um die Herrschaft m:innlichen oder weib-

lichen Geistes in den sozialen Wesenheiten - z. B. in der familie

Wissen

als

Kampf

Seite

-

historische Entwicklung des wissenschaftlichen Denkcns

.

306

§ 65. Kampf zwischen Glauben und Wissen und Moral -

Schwachung

des

sittlichen Bewu6tseins mit zunehmender Ungl:lubigkeit

-

Notwendigkeit wissenschaftlich-philosophischer BegrOndung

der Ethik

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309

 

Sechstes Buch.

t\ngewandte und Empirische Soziologie

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313

9 66. Bestimmung

der Angewandten

 

reinen Soziologie

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§ 67. Angewandte Soziologie

die Objekte der .

als Beschreibung der Dynamik dieser

'

Soziologie - .

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315

Objekte

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316

§ 68. Angewandte

Soziologie

und

Geschichte,

Philosophie

schichte, Universalgeschichte

der

Kulturen

als

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Gegenstand

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der

.

der Ge- .

Angewandten

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317

§ 69. Betrachtung Soziologie

MOndung

- Studium der Gegenwart

der Angewandten Soziologie

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in

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das

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319

. § 72. Soziographie

§ 73. Methode

§ 71. Statistik

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. . . . . . . . . . . 321 323 326 • Drud<fehler:

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Seite

34.

Vor A. Gemeinschaftliche Verhaltnisse:

 

Zweites Kapitel. Verhaltnisse.

Seite

108.

9. Zeile von unten: statt ,ihr" ,ihre".

Seite

112.

5.

Zeile von unten:

B. fa lit fort.

Seite 157.

.

15. Zeile von unten: hinter wollte einzu- schalten: gro6e Aufmerksamkeit.

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Erstes Bu

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Erstes Bu ------- • • • • Ton n i es, Einführung in die Soziologie. 1
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Thema.

§ 1. Voraussetzungen. Soziologie ist dem Wortsinne nach die Lehre von sozialen Tatsachen. Soziale Tatsachen kann man mannigfach ausdeuten; am einfachsten werden wir ihren Sinn wiedergeben, wenn wir das Soziale als Zusammenleben übersetzen und ihm eine besondere Beziehung zum Menschentum geben, also die Soziologie als Lehre vom menschlichen Zusammenleben bestimmen. Die Beschrankung auf das Mensdlliche muB zunachst als ganz willkürlich \ erscheinen; daB es auch ein Zusammenleben anderer Organismen, also der Tiere untereinander, der Pflanzen unter- eiqander, und etwa auch der Pflanzen mit den Tieren, der Tiere mit den Pflanzen gibt, Symbiose Mutualismus, wird dad urch nicht in Frage gestelit. Das menschliche Zusammenleben kann als ein ganz auBerliches verstanden werden: in diesem Sinne dilrfte man von einem Zusammenleben aller gleichzeitig lebenden menschlichen Individuen sprechen. Unterscheidend wird man 1 aber dies besser als ein Zusammen-Dasein verstehen. Aehnlich ' wie dieses, das über den ganzen Erdball sich ausbreitet, gibt es auch ein raumliches Zusammensein irgendwelcher Teile der Menschheit, z. B. der Europaer und der vielen einzelnen Volker, die in Europa vorhanden sind; innerhalb der Volker wiederum der Stamme; der Einwonner irgendeines Gebietes, irgendeines Ortes, endlich der aus irgendwelcher Ursache zusammenstehenden, zusammengehenden oder -fahrenden, zusammensitzenden, oder einer zufallig zusammengelaufenen Menge. Das wirkliche Zusammen 1e be n ist etwas anderes, wenn

~

1*

4 es auch vielfach in unmittelbarem Zusammenhang steht mit diesen Arten des Zusammenseins. Als Leben

4

es auch vielfach in unmittelbarem Zusammenhang steht mit diesen Arten des Zusammenseins. Als Leben ist es wesentlich E in he it, ein gemeinsames Dasein von lndivid uen, die auf- einander wirken, also in einem VerhaJtnis der Wechselwirkung miteinander sid1 befinden. jede lebende oder organische Einheit hat das Merkmal, daB sie beharrt im Wedlsel ihrer Teile. Dies ist nur dadurch moglich, daB nicht aiJe Teile gleichzeitig entstehen und vergehen, sondern daB gleidlzeitig einige vergehen, andere entstehen; und es tiberwiegt das eine oder das andere, das Wachsen oder der Zerfall. In diesem Sinne konnen lebende Einheiten zusammenlebender Mensdlen nicht nur mit Organismen ver g 1i eh en werd en, sondern werd en mit Recht als hyper-organische Lebewesen gedacht und ver- standen. In diesem Sinne kann die ganze Menschheit als ein Lebewesen aufgefaBt werden, und innerhalb ihrer ihre Teile, insbesondere solche, von denen angenommen wird, daB sie durch AbstammuQg, also in Verwandtschaft naher miteinander zusammenhangen, als etwa die gesamte Menschheit, sofern sie als eine einzige Art im naturhistorischen Sinne begriffen wird. Hier ist also zu unterscheiden: die lebendige Einheit · der genealogisch zusammenseienden, zusammengehorigen von der raumlichen Einheit der nebeneinander lebenden Menschen eines bestimmten Oebietes, z. B. Asiens oder Chinas, Europas oder Deutschlands. Als Tatsache der Erfahrung wird dabei im Auge behalten, daB in sehr weitem Umfange die beiden Arten der Einheit sich decken. Das hier betrachtete Zusammenleben bedeutet worauf eben \ gemeinsame Abstammung hinweist mehr, als das bloBe \ Zusammensein. Denn die Entstehung neuer zum Ersatz der 1 vergehenden Teile bedingt Reproduktion, und diese ist nur durch geschledltliche Akte moglich, zu denen die Menschen gleich anderen organischen Wesen sich angetrieben fühlen - Oeftihle sind aber psychische Tatsadlen, die also sicherlidl unter den Menschen und wenigstens auch bei den hoher- entwickelten Tieren unmittelbar mit den Tatsadlen des Lebens verbunden sind: des Lebens einer ,Oruppe", wie wir eine solche Einheit zusammenlebender Menschen nennen mogen; wie die psychische Tatsache des gefühlten Bedürfnisses, d. i.

1

1

5 des Hungers und Durstes, der Begattung und der Wehr gegen Vemichtung mit der Tatsache

5

des Hungers und Durstes, der Begattung und der Wehr gegen Vemichtung mit der Tatsache des individ uellen Lebens unl5slich verbunden ist. Das psychische Leben einer Gruppe von Menschen kann aber audl, auBer sofern dasjenige von Individuen das bloBe Leben bedingt, als ein gemeinsames betrachtet werden, und , zwar einmal, insofern als mehrere gleichartig und gleichzeitig \ fühlen, empfinden, vorstellen, denken, und sodann insofern sie füreinander, in bezug aufeinander, in Wechselwirkung gegenseitiger Lebensf5rderung fühlen, empfinden usw. Daraus wird das Füreinanderwollen und Miteinanderwollen. Diese Erscheinungen rufen aber unmittelbar ihren Gegensinn hervor, ja sie k5nnen nur d urdl ihr Gegenteil, und dieses kann nur durdl sie verstanden werden: namlidl alle gegenseitige Bejahung durch gegenseitige Verneinung, die Gefühle der Zuneigung, des Wohlwollens, der Liebe durch das Wider- spiel der Abneigung, des Uebelwollens und Hasses; ebenso das Denken gemeinsamer Werte, Angelegenheiten, Interessen durch das Denken widerstreitender Werte, Angelegenheiten, lnteressen. Nur aus dem gemeinsamen Wollen, also aus gegenseitiger Bejahung kann das im engeren und strengeren Sinne sogenannte Soziale Leben abgeleitet werden. Dieser Sinn bedeutet, da6 , durch ein soldles gemeinsames Wollen besondere Wesen- heiten im denkenden BewuBtsein der solche wollenden Mensdlen vorhanden sind; die also zunachst und unmittelbar durch die in solchem Wollen sidl zusammenfindenden Menschen . gesetzt werden. Und hierauf beziehen sidl die Grundbegriffe der reinen Soziologie. Die reine Soziologie aber bildet den ersten und Hauptteil der speziellen Soziologie. Die all- g e mein e· Soziologie umfa6t auBer und vor der speziellen Soziologie die Lehre vom blo6en Zusammenleben, von der man audl sagen kann, da6 sie die Lehre vom sozialen Sterben in sich begreift, und die Lehre von der sozialen Seele, innerhalb deren id1 schon den Gegensatz heraus- gehoben habe, den man auch als den der positiven und den der negativen Motive oder Elemente deuten mag. Die spezielle Soziologie teile ich ein in die reine Soziologie, die

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1

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6 angewandte Soziologie und die empirische Soziologie. Die beiden letzteren also sind nur innerhalb der

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angewandte Soziologie und die empirische Soziologie. Die beiden letzteren also sind nur innerhalb der speziellen Soziologie vorhanden und setzen die reine Soziologie voraus. - Als Einführung in die Soziologie verstehe ich hier Ein- führung in die reine Soziologie.

§

2.

Wesenwille und Kürwitle

soziales Handeln.

Ma x Weber definiert die Soziologie als eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursachlich erkHiren will. Handeln soll dabei ein menschliches Verhalten. einerlei ob auBerliches oder innerliches Tun, Unterlassen oder Dulden heiBen, wenn und insofern der oder die Handelnden mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden. Soziales Handeln aber soll ein solches Handeln heiBen, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten Sinne nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Abla uf orientiert ist. lch bemerke dagegen: Handeln muB jedenfaJis als eine v~rnünftige Tatigkeit verstanden werden; wenn aber Unter- lassen oder Dulden bei Max Weber darunter mitbegriffen wird, so haben sie in Wirklid.lkeit mit dem sonst verstandenen Handeln nur das gemein, daB sie Ausdrücke eines Wollens sind. Und ohne Wollen gibt es auch kein Handeln. Wollen aber ist als menschliches durch die menschliche Kraft des D e n k e n s bedingt. Und das in ihm enthaltene Denken bezieht sich wesentlich auf das Verhaltnis von Zweck und
t. Mitteln. Auf dies Verhaltnis bezieht sich meine Bildung der Begriffe von Wesenwillen und Kürwillen, an deren Stelle Max Weber setzt 2) die Unterscheidung von 1) zweck- .rationaler, 2) wertrationaler, 3) affektueller, insbesondere emotionaler, 4) traditionaler Bestimmung des sozialen Handelns wie jedes Handelns. Für mich sind 2., 3. und 4. im Begriff des Wesenwillens eingeschlossen. Dieser schlieBt aber audt den Gedanken des Zweckes und der Mittel ein, der von der Motivation unabhangig ist. lch betrachte vielmehr die Ent- wickelung des Weseitwillens in den drei Stufen, von denen die des überwiegend durch Denken bestimmten Wollens die h5chste und vollendete ist. Von ihm aber gehen auch Rück-

7 - wirkungen auf die niedrigeren Stufen des Wollens aus, und es werden daraus die

7

-

wirkungen auf die niedrigeren Stufen des Wollens aus, und es werden daraus die h5heren Ausdrücke des Wesenwillens, durch welche die bewuBte ganze Pers5nlichkeit des Menseben

charakterisiert wird. So erhebt sich das Wollen und also das Handeln aus Gefallen, das triebmaBig, unmittelbar, kindlich,

naiv, also durch

Handeln aus Gesinnung, z. B. einer begründet freundlichen oder begründet feindlicheri Oesinnung, worin ein Oedachthaben als Ueberzeugung enthalten ist. So erhebt sich das Wollen als Oewohnheit und das dem entsprechende Handeln zum Handeln aus dem Gemüt, das von der Oesinnung nur da- d urch sieh unterscheidet, daB in ihm die Anhanglichkeit an eine gewohnte Umgebung, gewohnte Verhaltnisse, die Treue, besonders hervortritt und in freundlichem oder feindseligem Sinne sich geltend macht. So erhebt sich endlidt das in h5herem Grade durch Denken bestimmte, also auf richtige und zweckmaBige Mittel gerichtete Wollen und somit dieser Ausdruck des Wesenwillens zum Gewissen, das eben darum die h5chste, in einem naher zu bestimmenden Sinne edelste Gestalt des WesenwiJiens ist: das gewissenhafte Handeln vereinigt in sich das Handeln aus der Oesinnung und aus dem Oemtite, schlieBt aber auBerdem die Ideen der Selbst- beurteilung und Selbstbilligung oder MiBbilligung ein, die Ideen des forum internum, woraus Ka n t den epoche- machenden Begriff des kategorischen Imperativs gebildet hat, der etwas in seiner Vollendung darstellen soll, was in jeder Gewissensregung, in jedem guten wie b()sen Oewissen, jeder Oewissensruhe, wie jedem GewissensbiB sich auBert, wenn- gleich es seinem Inhalte nach sehr versdtieden ist, je nadt- dem, was eben ein Mensch weiB und denkt, also was er für ,gut" und für , b5se" halt. Von allen Gestaltungen des Wesenwillens unterscheidet sidJ nun das denkende Wollen, indem und insofern als es von diesen Motivationen sich abJ()st und eventuell sich ihnen ent- gegensetzt, infolge davon, daB es sdtledtthin a uf den Zweck sich konzentriert, daB es die Faden, die sonst naturgemaB Zweck und Mittel verbinden, durchschneidet: Faden, durdt deren Wirkung beide in eins gefa.Bt und in ihrer Einheit bejaht werden,

Atfekte

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bestimmt wird, zum Wollen und