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Nachwort zu „War Jesus Caesar?

Das Gebiet, auf dem sich vor zwei Jahrtausenden die neue christliche Religion
verbreitete, läßt sich als Imperium Romanum bestimmen. Der Vorgang war von Erfolg
begleitet, denn nach drei Jahrhunderten machte der spätrömische Kaiser Konstantin
der Große das Christentum zum offiziellen Staatskult. Die enge Verflechtung dieser
Religion mit dem römischen Weltreich wurde von seiten der historischen Forschung
schon immer unterstrichen. Das vorliegende Buch knüpft an diese Tatsache an, geht
aber weiter und deckt neue, bisher nie so gesehene Zusammenhänge auf.

Der Verfasser zieht Parallelen zwischen dem Religionsgründer Jesus und Iulius
Caesar, dem Römer, der allen folgenden Kaisern den Namen gab. Obwohl der 44 v.
Chr. ermordete Caesar ein Jahrhundert älter als Jesus war, stellt Carotta
erstaunliche Übereinstimmungen zwischen den Berichten fest, die in der Antike über
den einen und den anderen umliefen. Dabei spielt die Verwandlung von Namen im
Volksmund – so konnte etwa Gallia zu Galilaea werden – eine wichtige Rolle.
Strenge Etymologen mögen hier den Kopf schütteln, aber ihre Einwände gehen ins
Leere: Die Schichten, in denen sich das Christentum verbreitete, hatten natürlich
nicht das im letzten Jahrhundert entstandene Fach Sprachwissenschaft studiert. Dem
Verfasser kam bei seinen Deutungen der Umstand zu Hilfe, daß er selbst in einer
Gegend mit mehreren Sprachen aufgewachsen ist.

Im Gegensatz zu Jesus war Caesar ein Heerführer, doch unter römischen Soldaten
erfolgte zu einem großen Prozentsatz die frühe Verbreitung der christlichen
Religion. Man denke an die vielen heiligen Legionäre der orthodoxen wie der
katholischen Kirche: Theodoros, Mauritius, Valentinus und so fort. Eine andere
Frage ist, ob sich mit den hier aufgewiesenen Ahnlichkeiten zwischen Caesar und
Jesus die Historizität des letzteren bestreiten läßt – was Carotta eigentlich
nicht tut, denn er meint, Jesus habe existiert, nur eben woanders und in einer
anderen Hülle gekleidet als man üblich denkt. Das Problem berührt sich mit der
«Abschaffung» angeblich unhistorischer Heiliger wie etwa des Ritters Georg durch
die katholische Kirche. Als ob eine durch lange Zeiten hin praktizierte
Heiligenverehrung nicht auch zur Geschichte gehörte! Ferner, um bei der römischen
Kirche zu bleiben: Obwohl sich die Konstantinische Schenkung als Fälschung
herausgestellt hat, ist der auf ihr beruhende Kirchenstaat durch viele
Jahrhunderte hin geschichtliche Wirklichkeit gewesen.

Religion ist etwas zutiefst Historisches wie auch Menschliches. Fundamentalismus


kann da nur schaden. Das Buch von Francesco Carotta möge dazu beitragen, daß wir
uns für Fragen, die das frühe Christentum betreffen, offenhalten.

Erika Simon