Sie sind auf Seite 1von 3

Zeitepochen

9.1 Urgeschichte - Frühgeschichte - Mittel- Menschheitsgeschichte sind. Im folgenden sind exem-


alter - Neuzeit plarisch von der Urgeschichte bis zur Neuzeit wichtige
Perioden und Etappen des Zeitgeschehens stichwortartig
Die Einteilung der Men~chheits~eschichte in Perioden aufgeführt.
oder Epochen erfolgte auf unterschiedliche Weise und in
Abhängigkeit vom Kenntnisstand der kulturellen Hinter-
lassenschaften und des überlieferten Geschichtsbildes. 9.1 . I Urgeschichte
Dabei ist zu fragen, auf welchen Grundlagen diese Ein-
teilung entstanden ist und welche Kriterien dafür heran- Die im vergangenen Jahrhundert eingeführte Dreiteilung
gezogen wurden. Der Epochenbegriff basiert für die ur- der Urgeschichte in Stein-, Bronze- und Eisenzeit wurde
geschichtlichen Perioden vornehmlich auf den unter- ausschließlich nach den Materialgruppen und Formen
schiedlichen Werkstoffen, die zunächst eine Dreiteilung der antiquarischen Hinterlassenschaften durchgeführt.
in Stein-, Bronze- und Eisenzeit zur Folge hatten. Erst all- Die Modifizierung dieses Dreiperi~dens~stems führte zu
mählich traten kulturprägende Elemente hinzu, etwa die immer detaillierteren St~fen~liederungen und daraus ab-
des wirtschaftlichen und sozialen Wandels. Diese Aspek- geleiteten Chr~nolo~ieschemata.Die Ergebnisse der
te führten dazu, die Jungsteinzeit als erste bäuerliche Epo- Siedl~n~sforschung oder zunehmende Kenntnis der Be-
che mit ihren Kennzeichen wie Sesshaftigkeit, Ackerbau stattungssitten ermöglichten es, zusammen mit einer Viel-
und Viehzucht von der ,,reinenn Steinzeit abzulösen, Im zahl naturwissenschaftlicher Untersuchungen ein differen-
Kontrast dazu stehen die Jahrhunderte vom Mittelalter bis ziertes Bild der prähistorischen Perioden zu entwerfen.
zur Neuzeit, die aus heutiger Sicht und Überlieferung von W i r fragen nach gesellschaftlichem, wirtschaftlichem
einer Vielzahl anderer epochen- und kulturprägender Ele- oder ökologischem und klimatischem Wandel, der für
mente wie Religion, Architektur, Kunst und Politik bestimmt die Kulturentwicklung grundlegende Bedeutung hat.
sind. Heute ist das Dreiperiodensystem in viele Abschnitte ge-
Die Neuzeit oder gar die Moderne erschließen uns im gliedert, die meist ieweils in ältere, mittlere und jüngere
20.Jh. gewissermaßen im Zeitraffer einen kulturellen und aufgeteilt sind. Diese einzelnen Bereiche sind mit ,,Kunst-
politischen Wandel, wie er zuvor kaum erkennbar und namen" versehen, die oft von einem namengebenden
zu erschließen ist. Betrachten wir die technische, wirt- Fundort abgeleitet (Hallstattzeit) sind oder etwa einen
schaftliche und damit einhergehende gesellschaftliche Zierstil auf der Keramik (,,Bandkeramikn) beschreiben.
Entwicklung seit der zweiten Hälfte des 19.Jh., so er-
kennen wir insbesondere a b der industriellen Revolution
technische und kulturelle Errungenschaften, die sich im- 9.1.2 Frühgeschichte
mer schneller entwickeln und gegenseitig ablösen. Den-
ken wir an die Glühbirne, den Verbrennungsmotor, an Römische Kaiserzeit (1. bis 3. Jh. n.Chr.) und Völker-
die Herstellung der ersten Kunststoffe (Stichwort ,,Nylon- wanderungszeit (3./4. Jh. n. Chr.). Die römische Beset-
strümpfeU)bis hin zur Produktion immer kleiner werdender zung der Länder rings um das Mittelmeer führte seit dem
Chips und anderer elektronischer Bauteile, die unser Le- beginnenden 1 . Jh. auch nördlich der Alpen zu Verän-
ben an der Wende zum dritten Jahrtausend revolutionie- derungen der Lebensgrundlagen, des Lebensstils und der
ren und dominieren. Bauformen. Assimilation führte zu einer Romanisierung
Der Begriff ,,RevolutionMwird auch schon für prähistori- der einheimischen Bevölkerung. Erstmals entstand ein
sche oder urgeschichtliche Epochen zur Bezeichnung tief- straff organisiertes politisches System. Nach der Vertrei-
greifender Änderungen verwendet. Wiederum aus der bung der Römer durch die Germanen brach die politi-
Jungsteinzeit mag die ,,neolithische Revolution" als ein sche und soziale Organisation zusammen. Die in meh-
wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandel herausge- reren Etappen in den nordalpinen Raum eingedrungenen
griffen werden, der seit dem 10. Jt. V. Chr., ausgehend Germanen konstituierten sich während der sogenannten
vom fruchtbaren Halbmond des Vorderen Orients, in Eu- Völke~tanderungszeit und bildeten die Grundlage für
ropa in verschiedenen Etappen die bäuerliche Lebens- die frühmittelalterlichen gesellschaftlichen und politischen
weise verbreitete. Eine politische Revolution, stellten die Entwicklungen.
Ereignisse in Frankreich von 1 7 8 9 bis 1799 dar: Her-
vorgerufen durch politische und soziale Missstände, über-
nahm der bürgerliche, sogenannte dritte Stand die Herr- 9.1.3 Mittelalter
schaft der bevorzugten Stände des Adels und des Klerus
und schuf damit die Voraussetzungen für demokratische Die mittelalterliche Kulturentwicklung verlief in den ver-
Strukturen in der europäischen Staatenwelt. Die skizzier- schiedenen europäischen Regionen unterschiedlich, ins-
ten Beispiele mögen verdeutlichen, wie vielschichtig und besondere in Italien, Frankreich und Deutschland. Die an-
facettenreich die Grundlagen für eine Periodisierung der gegebenen Jahreszahlen sind Durchschnittswerte.
9.1 Zeitepochen

Frühmittelalter (5. bis 1 1 . Jh.): Merowinger, Karolinger 9.1.4 Neuzeit


und Salier. In der Merowingerzeit Herausbildung eines
Staatsgefüges und Königstümer, Adel~~eschlechter. Reformation: Im 16. Jh. von Luther ins Leben gerufene
christliche Erneuerungsbewegung, die zur Gründung der
Franken und Alamannen: Unter Chlodwig I. um 500 ein- protestantischen Kirche führte.
geleitete Großmachtausbildung, das Fränkische Reich
wurde zum wichtigsten politischen Faktor des beginnen- Barock: 1 600 bis 1 770, Kultur der Gegensätze: Abso-
den Mittelalters. lutistischer Pracht- und Ma~htentfaltun~ stehen Krieg und
Leiden des Volkes gegenüber. Die historischen Wurzeln
Karolinger: seit dem frühen 8. Jh. fränkische Adels- und liegen in der Gegenreformation und im Absolutismus. Ba-
Herrschergeschlechter der Karolinger - bekanntester Ver- rocker Kunststil: Begriff für Formenreichtum und Zierfreu-
treter war Kar1 der Große - und Salier. digkeit.

Hochmittelalter (um 1 0 0 0 bis gegen Ende des


13. Jh.): Romanik: A b Ende des 10. Jh. bis 1250, Bau- Dr. Rüdiger Krause
und Kunststil, besonders in Sakralarchitektur, Plastik so- Landesdenkmalamt Baden-Württemberg
wie Wand- und Buchmalerei. In der Spätromanik staufi- Archäologische Denkmalpflege
sche Kunst. Hochphase des mittelalterlichen Burgenbaus. Silberburgstraße 1 93
Stichwort Minnesänger. 70 1 7 8 Stuttgart

Gotik: Stilepoche, Kunststil entwickelte sich bereits seit


der Mitte des 1 2 .Jh. Weiterentwicklung der romani-
schen Baukunst, Verschmelzung, Durchlichtung und
Höhensteigerung des Raums. Prachtvolle Kirchenbauten.

Spätmittelalter (Ende des 13. Jh. bis 1500): Übergang


vom Mittelalter zur Neuzeit (14. bis 16. Jh.): Renais-
sance, von Italien ausgehende kulturelle Bewegung in Eu-
ropa. Rückbesinnung auf antike Werte und Formen der
griechisch-römischen Antike. Umformung des geistigen
Lebens, unterstützt durch den Humanismus. Diese Ent-
wicklung mündet in die Reformation.
Steinzeit

Altsteinzeit Paläolithikum
Alt- Heidelberger Mensch
Steinheimer Mensch
Mittel-
Neandertaler
Jung- Aurignacien, Gravettien,
Magdalenien
Homo sapiens sapiens

Mittelsteinzeit Mesolithikum Jäger und Sammlei

Jungsteinzeit Neolithikum Ackerbauern


Alt- Bandkeramik
Mittel- Rössen, Großgartach
Jung- viele regionale Gruppierungen
End- Bechergruppen der Schnurkeramik
und Glockenbecherkultur

Bronzezeit

Altbronzezeit Frühbronzezeit Aunietitz-Kultur, nordalpiner Frühbronzezeitkreis

Mittelbronzezeit H~gel~räberbronzezeit zahlreiche lokale Gruppen

J~n~bronzezeitSpätbronzezeit Urnenfelderkultur

Eisenzeit

ältere Eisenzeit Hallstattzeit


ältere-
mittlere-
jüngere-

jüngere Eisenzeit Latenezeit


früh- keltischer Kunststil
mittlere- Stammeswesen, ,,Oppidum-Zivilisation"
spät- Viereckschanzen