Sie sind auf Seite 1von 28

Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Ablauf eines Energieaudits nach


DIN EN 16247 16

16

16 DIN EN 16247-1, 4.2 Energieauditprozess

Seite 31
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Seite 32
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Die DIN EN 16247-1 beschreibt Vorgaben für die Durchführung und Qualität ei-
nes Energieaudits. Allgemein fordert die Norm von dem Energieaudit, dass es
nach einem Energieauditprozess ablaufen muss, der entsprechende Kriterien
erfüllt. Sie fordert einen angemessenen, vollständigen, repräsentativen, rückver-
folgbaren, zweckdienlichen und verifizierbaren Energieauditprozess.

Abb. 2: Eigenschaften des Energieauditprozesses, Quelle: TENAG GmbH

Seite 33
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Die Eigenschaften des Energieaudit werden im Folgenden kurz erläutert:

angemessen:

Jedes Energieaudit kann unterschiedlich ausgeprägt sein. Es hängt von den Er-
wartungen der zu auditierenden Organisation ab. Entscheidend sind dabei die
Gründlichkeit, die Ziele sowie der Anwendungsbereich. Vereinbarungen zu die-
sen Kriterien werden alle innerhalb des ersten Prozessschrittes des Energiepla-
nungsprozesses, dem einleitenden Kontakt, festgelegt. Entsprechend kann der
Umfang und der entsprechende Aufwand erst nach dem einleitenden Kontakt
festgelegt werden.

vollständig:

Durch das Energieaudit müssen das auditierte Objekt und die Organisation
dargestellt bzw. charakterisiert werden. Es soll die Ausgangssituation und be-
stehende Randbedingungen berücksichtigen, sodass umsetzbare Ergebnisse
abgeleitet werden können.

repräsentativ:

Die erfassten und ermittelten Daten sollen zuverlässige Aussagen über die In-
halte des Audits geben. Die Grundgesamtheit des auditierten Objektes soll an-
gemessen widergespiegelt werden. Dafür ist innerhalb von Energieaudits oft die
Reduzierung auf relevante Daten ausreichend.

rückverfolgbar:

Der Bericht muss Ergebnisse so darstellen, dass diese auch von Dritten nachvoll-
zogen werden können. Hierfür werden sowohl die Datengrundlage als auch de-
ren Aufbereitung dokumentiert.

zweckdienlich:

Innerhalb der Bearbeitung ist es wichtig, immer die Ziele, Erfordernisse und
Erwartungen der Organisation zu berücksichtigen und die Ergebnisse entspre-
chend aufzubereiten. Oft wird eine Analyse der Wirtschaftlichkeit der identifi-
zierten Möglichkeiten zur Energieeinsparung erwartet.

verifizierbar:

Mit den Ergebnissen des Energieaudits muss es möglich sein, das Erreichen der
erwarteten Ziele durch realisierte Maßnahmen zu überwachen.

Seite 34
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Der Energieauditprozess teilt das Energieaudit in Prozessschritte ein, die entspre-


chende Anforderungen enthalten, die umzusetzen sind. Die einzelnen Prozess-
schritte der DIN EN 16247-1 sind in der folgenden Abbildung zu sehen. Zusätz-
lich ist in dieser Abbildung der grobe Inhalt mit aufgeführt. In den nachfolgen-
den Kapiteln sind die einzelnen Prozessschritte noch einmal genauer erläutert.

Abb. 3: Energieauditprozess, Quelle: TENAG GmbH

Seite 35
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Obwohl der Energieauditprozess als einfache chronologische Abfolge dargestellt


ist, werden jedoch Wiederholungen bestimmter Schritte nicht ausgeschlossen.

Einleitender Kontakt
Der einleitende Kontakt dient der Festlegung des Auditumfangs und dem Aus-
tausch von Informationen. Der Kontakt findet zwischen der zu auditierenden
Organisation und dem geplanten Auditor statt.

Der Energieauditor muss mit der Organisation alle aus der Norm geforderten
Vereinbarungen (siehe nachstehende Tabelle) treffen. Zur Dokumentation eig-
net sich in der Praxis ein Protokoll (bei Dienstleistungsverträgen können die Ver-
einbarungen auch im Anhang des Vertrags festgehalten werden), das folgende
Inhalte umfasst:

Norm (DIN EN 16247-1, 5.1 Beispiel/Hinweis


Einleitender Kontakt a):
1) Ziele, Erfordernisse und Ziele: 10 Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffi-
Erwartungen in Bezug auf zienz/Einsparung von 10 % der Gesamtenergie/Erhö-
das Energieaudit hung der Ausfallsicherheit von Anlagen
Erfordernisse: Eignung zum Erhalt von Steuerrücker-
stattung oder zur Reduzierung von Umlagen/Einhal-
tung von rechtlichen oder anderen Vorgaben
Erwartungen: Sensibilisierung von Mitarbeitern/
Grundsteinlegung zur Einführung von Management-
systemen/Verbesserung von Managementsystemen/
Konzentration auf Prozesse/Bilden von geeigneten
Kennzahlen zur Überwachung der Energieeffizienz
2) Anwendungsbereich und BEISPIEL: Die gesamte Anlage und sämtliche energie-
Grenzen verbrauchenden Systeme oder die Kesselanlage oder
der Fuhrpark
3) Grad der geforderten Anteil des Energieverbrauchs an aufgenommenen
Gründlichkeit Anlagen bezüglich des Gesamtenergieverbrauchs/Kos-
tenschätzungen bzw. konkrete Angebote zur Amorti-
sationsrechnung
BEISPIEL: Anteil von Wohnungen in einem zu besichti-
genden Häuserblock; ob für die Investitionsentschei-
dungen eine bestimmte Genauigkeit erforderlich ist

Seite 36
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Norm (DIN EN 16247-1, 5.1 Beispiel/Hinweis


Einleitender Kontakt a):
4) Zeitraum zum Durchfüh- Produktionsstillstandszeiten/Produktionszeiten/Stich-
ren des Energieaudits probenzeiten/Inventurzeiten
Der Zeitraum des Audits ist oft abhängig von den aus-
geführten Tätigkeiten. Je nach Anforderung müssen
entsprechende Zeiten ohne oder auch während der
Produktion genutzt werden.
Für Zeiträume mit Produktion spricht die Beobachtung
üblicher Prozesse.
Audits in Zeiträumen ohne Produktion werden durch-
geführt, um wichtige Prozesse der Organisation nicht
zu stören.
5) Kriterien für die Evaluie- Verzinsung von Projekten/Einsparung von Treibhaus-
rung von Maßnahmen zur gasen
Verbesserung der Energie- Amortisationszeitraum
effizienz
6) Zeitliche Verpflichtungen Freistellung von Mitarbeitern/Stellen von Messungen
und andere Ressourcen der oder anderen Technologien/Stellen von Fachkompe-
Organisation tenzen/Stellen finanzieller Ressourcen
7) Anforderungen an vor Energieabrechnungen/Unternehmensdaten/Leis-
dem Beginn des Energieau- tungsdaten der zu auditierenden Anlagen/Tempera-
dits zu sammelnde Daten turaufzeichnungen
sowie die Verfügbarkeit, Daten können in verschiedenen Formaten zur Verfü-
Validität und das Format der gung gestellt werden. Zur späteren Bearbeitung emp-
Energie- und Betriebsdaten fehlen sich digitale Daten.
8) Absehbare Messungen Für ein Audit im Bereich Druckluft können beispiels-
und/oder Untersuchungen, weise Messungen der erzeugten Druckluft und der
die während des Energieau- verbrauchten Energie vorgenommen werden. Zudem
dits durchzuführen sind können mit Druckluftleckagedetektiergeräten Lecka-
gen ermittelt werden. Diese Messungen sollten im
Vorfeld abgestimmt werden, um entstehende Kosten
offenzulegen.

Folgende Informationen müssen zu Beginn des Energieauditprozesses aus-


getauscht werden. Für die Sicherstellung der Vollständigkeit ist der Auditor
zuständig.

Seite 37
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Die Organisation informiert über:

Norm (DIN EN 16247-1, 5.1 Einlei- Beispiel/Hinweis


tender Kontakt b):
Gesetzliche oder andere Bedingun- Energieeinsparverordnung/Genehmigungen/
gen, die den Anwendungsbereich interne Vorgaben der Organisation
oder andere Aspekte des beabsich-
tigten Energieaudits betreffen
Strategische, umfangreiche Pro- geplante Projekte, Management für das Ausglie-
gramme dern von Anlagen
Managementsystem Umwelt-, Qualitäts-, Energiemanagementsystem
oder andere
Änderungen, die einen Einfluss auf Umrüstungsmaßnahmen/Produktionserweite-
das Energieaudit und sein Ergebnis rung/Produktionsumstellungen
haben können
Alle bestehenden Meinungen, Ide- Oft sind zahlreiche Potenziale zur Steigerung
en und Einschränkungen bezüglich der Energieeffizienz innerhalb der Organisation
möglicher Maßnahmen zur Verbes- bereits bekannt. Diese werden oft nicht weiter-
serung der Energieeffizienz verfolgt, weil entsprechende Ressourcen fehlen.

Erwartete Ergebnisse und geforder- Die erwarteten Ergebnisse entsprechen in der


tes Format des Berichts Regel den definierten Zielen und Erwartung an
das Audit. Je nach Organisation kann es speziel-
Ob ein Entwurf des Abschlussbe-
le Anforderungen an den Bericht geben, die im
richts der Organisation zur Kom-
Vorfeld geklärt werden sollten. Ein Entwurf des
mentierung vorgelegt werden soll
Berichts zur Kommentierung ist oft gewünscht.

Der Energieauditor muss die Organisation informieren über:

Norm (DIN EN 16247-1, 5.1 Einlei- Beispiel/Hinweis


tender Kontakt c):
Wirtschaftliches oder anderes Inte- Der Energieauditor muss die Interessen der
resse, das ihre oder seine Schluss- Organisation als vorrangig ansehen und auf ob-
folgerungen oder Empfehlungen jektive Art und Weise behandeln.
beeinflussen könnte Falls der Energieauditor über Geschäftsziele,
Produkte und Prozesse oder Marketing-Bezie-
hungen verfügt, die mit dem Energieaudit in
Konflikt stehen könnten, muss der Energie-
auditor jegliche Interessenkonflikte in einer
transparenten Art und Weise offenlegen.

Seite 38
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Folgend ist ein Ausschnitt eines verwendeten Protokolls zum einleitenden Kon-
takt zu sehen.

Abb. 4: Ausschnitt Beispielprotokoll „Einleitender Kontakt", Quelle: TENAG GmbH

Nach dem einleitenden Kontakt kann der grobe Umfang und Ablauf des Audits
abgeschätzt werden. Der konkrete Zeitplan zur Umsetzung wird meistens aber
erst innerhalb der Auftaktbesprechung erstellt.

Auftaktbesprechung
Das Ziel der Auftaktbesprechung ist es, alle interessierten Kreise über die Ziele, den
Anwendungsbereich, die Grenzen und die Tiefe des Energieaudits zu informieren
und die praktische Ausgestaltung des Energieaudits abzustimmen17

17 DIN EN 16247-1, 5.2 Auftaktbesprechung

Seite 39
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Die Auftaktbesprechung kann sowohl vor Ort als auch über verschiedene Medi-
en wie z.B. eine Telefonkonferenz erfolgen. Ähnlich wie bei dem Erstkontakt wer-
den Vereinbarungen getroffen. Zusätzlich werden das Team für die Bearbeitung
definiert und weitere betroffene Kreise über das Audit informiert. Ziel ist es, die
Mitarbeit aller Beteiligten zu sichern. Für die Gewährleistung eines reibungslo-
sen Ablaufs wird eine feste Ansprechperson durch die zu auditierende Organisa-
tion benannt, die dem Energieauditor zur Verfügung steht.

Um ungeplante Störungen oder Beeinflussungen während des Audits zu ver-


meiden, muss die zu auditierende Organisation den Auditor über jegliche unüb-
lichen Bedingungen, Wartungsarbeiten oder andere Aktivitäten informieren, die
während des Energieaudits auftreten.

Wenn das Energieaudit von mehreren Personen durchgeführt wird, muss inner-
halb des Teams ein führender Energieauditor nominiert werden.

Abb. 5: Personen, die an einem Energieaudit beteiligt sind, Quelle: TENAG GmbH

Nach der Norm muss der Energieauditor mit der zu autitierenden Organisation
nachstehende Vereinbarungen treffen, für die sich in der Praxis ebenfalls ein Pro-
tokoll eignet:

•• Vorkehrungen bezüglich des Zugangs für den Energieauditor


•• Sicherheits- und Datenschutzregeln
•• zu liefernde Betriebsmittel und Daten
•• Geheimhaltungsvereinbarungen (z.B. Mieter in einem Gebäude)

Seite 40
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

•• beabsichtigter Terminplan für Begehungen mit Prioritätensetzung für jede Bege-


hung
•• Anforderungen an spezielle Messungen
•• zu befolgende Vorgehensweisen für die Installation von Messausrüstung, falls
erforderlich18

Für die vollständige Umsetzung der Auftaktbesprechung und ihre Inhalte ist der
leitende Auditor zuständig.

Ein weiterer Bestandteil der Auftaktbesprechung ist die Darlegung eines Zeit-
plans des Energieaudits. Der Zeitplan umfasst in der Regel drei Phasen, die Vor-
bereitung, die Maßnahmenentwicklung und abschließend die Ergebnisdarstel-
lung. Die Auftaktbesprechung fällt in die Phase der Vorbereitung. Die folgende
Abbildung verdeutlicht den Aufbau und Inhalt des Zeitplans.

Abb. 6: Beispiel übergeordneter Zeitplan, Quelle: TENAG GmbH

Für den Außeneinsatz, auf den in den folgenden Kapiteln noch tiefer eingegan-
gen wird, ist hier beispielhaft ein Zeitplan dargestellt:

18 DIN EN 16247-1, 5.2 Auftaktbesprechung

Seite 41
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Tabelle 1: Zeitplan Außeneinsatz

Zeitplan Außeneinsatz – Technikzentrale am 15.07.2014


Auftraggeber: Muster GmbH
Standort: Bea-Beispiel-Straße 13
52499 Beispielweiler
Normen: Energieaudit nach DIN EN 16247-1
Ansprechpartner: Herr M. Mustermann
Head of Controlling
Tel.: (+49) (0)000 0000-03
E-Mail: m.mustermann@xxx.de
Kontakt Mitarbeiter TENAG: Max Müller, M.Sc.
TENAG GmbH E-Mail: max.müller@tenag.de
Platter Straße 158 Tel.: (+49) (0)611 000 000 00
65193 Wiesbaden Mobil: (+49) (0)162 000 000 0

10:00 – 10:15 Einführung und Beschreibung des Tagesziels

10:15 – 10:30 Klärung benötigter Ressourcen und Bereitstellung von Führer und
Begleitung für den Auditor

10:30 – 11:45 Abschließende Besprechung und Abstimmung bezüglich des


Messaufbaus und -ablaufs während der Ortsbegehung
ggf. Sicherheitseinweisung

11:45 – 12:30 Installation der Messungen:


Langzeitmessung an Kompressor 1
Durchführung der temporären Messungen an den definierten An-
lagenteilen (siehe Messplan)

12:30 – 13:00 Pause

13:00 – 14:00 Sichtung der Wartungsprotokolle, Handbücher und weiterer Doku-


mentationen

14:00 – 14:30 Beobachtung und Befragung der Mitarbeiter im Umgang mit


Druckluft

14:30 – 15:00 Zusammenfassung der Ergebnisse


erste Auswertung der Messergebnisse
einleitende Vorschläge zur Verbesserung der Energieeffizienz

15:00 – 15:30 Abschlussgespräch

Seite 42
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Datenerfassung
Die Datenerfassung ist die Grundlage für den Vor-Ort-Einsatz und die folgende
Analyse.

Hierbei sollen die folgenden Daten, sofern diese dem Auditor zur Verfügung ge-
stellt werden können, vom Auditor erfasst und ausgewertet werden. Die folgen-
de Auflistung enthält alle von der Norm geforderten möglichen Informationen
und Beispiele für übliche Quellen für diese.

Norm (DIN EN 16247-1, 5.3 Außenein- Mögliche Quelle


satz):
Liste der energieverbrauchenden Syste- Anlagenkataster
me, Prozesse und Einrichtungen BGV A3 Listen
Prozess- bzw. Systembilder
AfA-Tabellen
Ausführliche charakteristische Merkmale Schornsteinfeger-Protokolle, Typenschil-
des/der auditierten Objekts/Objekte der, Betriebsanweisungen
einschließlich bekannter Anpassungsfak- Abwärmepotenzial, Druckniveau Druck-
toren und wie die Organisation annimmt, luftleitung
den Verbrauch zu beeinflussen Strömungsgeschwindigkeiten
Witterungsbereinigung der Verbräuche,
Abhängigkeit der Verbräuche von der
Auslastung
Energieausweis
Historische Daten: Energierechnungen
1) Energieverbrauch Datenaufzeichnungen
2) Anpassungsfaktoren Produktionsdaten
3) relevante, in Beziehung stehende Mes- Kennzahlen
sungen Energieportale
Prozessleitsysteme
Alte Berichte von Energieaudits
Betriebliche Entwicklung und Ereignisse Produktionsdaten
in der Vergangenheit, die den Energiever- Produktionsänderungen
brauch in der Periode, über die gesam- Umbauten
melte Daten vorliegen, beeinflusst haben Anlagenwechsel
könnten
Konstruktions-, Betriebs- und Wartungs- Instandhaltung
dokumente Baupläne

Seite 43
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Norm (DIN EN 16247-1, 5.3 Außenein- Mögliche Quelle


satz):
Energieaudits oder vorherige Untersu- -
chungen in Bezug auf Energie und Ener-
gieeffizienz
Zustand des Energiemanagement-
systems
Derzeitiger und geplanter Tarif oder ein Energierechnungen
Referenztarif, der für den Schutz des wirt- Energieverträge
schaftlichen Vertrauens verwendet wird Standardpreise für nicht kostentechnisch
berechnete Medien
Andere relevante Wirtschaftsdaten Interne Verzinsung
Vorgaben für Amortisationszeiten
Mögliches Budget
Kosten für Fachkräfte (z.B. Elektriker)

Nach Erhalt der Daten werden diese von dem Auditor analysiert und aufbereitet.
In der folgenden Darstellung ist ein Ausschnitt einer Anlagenliste mit sinnvoll
ergänzten Daten zu sehen. Eine solche Aufbereitung entspricht auch den Anfor-
derungen der Spitzenausgleich-Effizienzsystemverordnung – SpaEfV.

Nr. Bereich Anlage Energieart Leistung Betriebs- Ausnut-


in kW dauer in h zungsgrad
1 Halle 1 Druckluftkom- Strom 35,4 5.256 –
pressor 1
2 Halle 1 Druckluftkom- Strom 32,0 5.256 80 %
pressor 2
3 Technik Vakuumpum- Strom 6,5 5.256 100 %
Geb. pe 1
4 Technik Heizungskes- Gas 748,0 8.760 –
Geb. sel 1

Abb. 7: Anlagenliste 1

Seite 44
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Eingesetzte Abwärme (Tempera- Messsystem/Messart/ Genauigkeit/


Energie in kWh turniveau) Ermittlungsart Kalibrierung
186.062 mittel kont. Messung kalibriert
134.554 mittel Berechnung +/- 10 %
34.164 - temp. Messung +/- 5 %
1.179.446 - kont. Messung geeicht

Abb.8: Anlagenliste 2

Außeneinsatz
Bei einem Außeneinsatz wird das zu beurteilende Objekt vor Ort durch einen
Auditor begutachtet. Die Begutachtung des Objekts richtet sich dabei am Ener-
gieeinsatz hinsichtlich des gesetzten Zieles, des Anwendungsbereichs und die
Gründlichkeit des Energieaudits aus. Um zur lückenlosen und allumfassenden
Begutachtung beizutragen, obliegt es der Organisation, für Unterstützung des
Auditors zu sorgen. Im Konkreten bedeutet dies, dass dem Auditor mindestens
eine orts- bzw. objektkundige Person zur Seite gestellt wird, die den Auditor
durch das Objekt führt und für offene Fragen zur Verfügung steht. Der Auditor
dagegen ist dafür verantwortlich, dass die Begehung gut vorbereitet angetreten
wird. Zu diesem Zweck sollte der Auditor auf Basis der vorhandenen Datenanaly-
sen und der im Vorfeld definierten Untersuchungskriterien einen konkreten Plan
zur Durchführung der Begehung erstellen. Dieser kann beispielsweise aufbau-
end auf einem Anlagenkataster oder einem Gebäudeplan, wofür oft der Feuer-
wehrplan verwendet wird, erstellt werden. Grundsätzlich gilt jedoch bei jedem
Audit, dass eine gute Vorbereitung die Dauer der Begehung und der Nachbe-
arbeitung erheblich reduzieren kann. Aus diesem Grund sollte sich der Auditor
nach dem Plan zur Durchführung auch über die notwendigen Hilfsmittel ausrei-
chend Gedanken machen. Mögliche Hilfsmittel für eine Begehung können u.a.
diverse Checklisten, ein Fotoapparat und ein Laptop sein, um die notwendigen
Dokumentationsarbeiten bereits während des Rundgangs festzuhalten, aber
auch diverse Messgeräte wie ein Infrarotthermometer, ein Luxmeter oder ein Di-
stanzmessgerät können wichtige Hilfsmittel darstellen. Je nach Bedarf kann der
Auditor auch auf Fachwissen eines Experten zurückgreifen, den er bei bestimm-
ten Problemen oder Bereichen helfend hinzuzieht. Neben den vorab planbaren
Vorbereitungen sollte der Auditor auch auf unvorhergesehene Feststellungen
und Erkenntnisse reagieren können. Zu diesem Zweck wird dem Auditor angera-
ten, genügend Infomaterial und Checklisten mitzuführen.

Seite 45
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Das Hauptziel eines Außeneinsatzes ist es, die Arbeitsabläufe und das Nutzerver-
halten zu verstehen, deren Einfluss auf den Energieverbrauch sowie die Effizienz
zu erkennen und daraus effizienzsteigernde Potenziale abzuleiten.

Aufgrund dessen sollten schon während der ersten Objektbegehung Vorschläge


zur Steigerung der Energieeffizienz gegeben oder zumindest jene Bereiche, die
Potenziale zur Steigerung der Effizienz aufweisen, hervorgehoben werden.

Für den Fall, dass der Auditor konkrete Einsparpotenziale direkt erkennt, ist es
wichtig, zusätzliche objektspezifische Daten aufzunehmen bzw. diese durch
von der beauftragenden Organisation anzufordern. Sollte der Auditor die ob-
jektspezifischen Daten aufnehmen, ist es auch hier ratsam, diverse Checklisten
zu verwenden (siehe Anhang), um die Vollständigkeit der Datenerhebung zu
gewährleisten.

Erfahrungsgemäß kristallisieren sich bei den meisten Objekten immer einige ty-
pische Einsparpotenziale, wie die Beleuchtung oder die Effizienz von Druckluft-
erzeugern, heraus. Grundsätzlich sind der Auditor und sein Team jedoch nach
den spezifischen Anforderungen des zu betrachtenden Objekts zusammenzu-
stellen, um so ein möglichst dicht gebündeltes Fachwissen auf den jeweiligen
Themengebieten bereitstellen zu können. Meist genügen aber schon einfachste
Prüfungen, um die Potenziale aufzudecken, besonders bei den Querschnitts-
technologien. Wird z.B. der Bereich der Beleuchtung betrachtet, so können mög-
liche Potenziale bereits durch simple Abfragen zu Leuchtmittel, Leuchtdauer,
Vorschaltgerät und Steuerung richtig abgeschätzt werden, wozu lediglich einige
für den Auftraggeber leicht zu beantwortende Fragen gestellt werden müssen.

Beispiele Fragen Beleuchtung:

•• Sind noch Quecksilberdampflampen oder T8-Röhren mit KVGs installiert?


•• Können einzelne Lichtbänder ausgeschaltet werden oder sind einzelne Be-
reich mit Dämmerungs- oder Präsenzmeldern ausgestattet?
•• Erscheint die Ausleuchtung der Räume/Hallen in Bezug auf die Mindestbe-
leuchtungsstärke zu hell oder zu dunkel?
•• Gibt es Probleme mit der Beleuchtungsanlage (z.B. schlecht eingestellte
Dämmerungsschaltung)?

Ein weiterer Bereich, der viele Potenziale insbesondere in der Industrie birgt,
ist die Drucklufterzeugung und die Druckluftverteilung. Zur Einschätzung der
vorhandenen Potenziale ist in der nachstehenden Tabelle die Anwendbarkeit,

Seite 46
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

die Einsparung und das Potenzial von möglichen Maßnahmen in diesem Bereich
dargestellt.19

Tabelle 2: Effizienzpotenziale und Einsparmöglichkeiten19

Effizienzmaßnahme Anwendbarkeit Einsparung Potenzial


Verbesserung des Antriebs durch Hoch- 25 % 2% 0,5 %
effizienzmotor
Verbesserung des Antriebs durch Regel- 25 % 15 % 3,8 %
barkeit
Effizienzsteigerung Kompressor 30 % 7% 2,1 %
Ausbauen Monitoring/Kontrollsystem 20 % 12 % 2,4 %
Abwärmenutzung 20 % 20 % 4,0 %
Verbesserte Kühlung/Trocknung/Filte- 10 % 5% 0,5 %
rung
Systemauslegung/mehrstufiges Druck- 50 % 9% 4,5 %
netzwerk
Reibungsdruckverluste reduzieren 50 % 3% 1,5 %
Optimierung Endnutzer (Druckniveau 4,0 % 40 % 2,0 %
anpassen/optimieren)
Leckagebeseitigung/ Wartung 80 % 20 % 16 %
Filterwechsel (Frequenz) 40 % 2,0 % 0,8 %
Totales Potenzial 32,9 %

Das dritte Untersuchungsgebiet einer jeden Begehung betrifft die Heizungs­anlage.

Auch im Bereich der Heizungsanlage lassen sich oft Verbesserungspotenziale


aufdecken:

Je nach Größe der beheizten Flächen kann die Heizenergie einen großen Anteil
am Gesamtenergieverbrauch eines betrachteten Objekts einnehmen. Aufgrund
dessen sollte auch bei jedem Außeneinsatz ein Blick in die Heizzentrale gewor-
fen werden. Der erste Schritt ist hier die Begutachtung des Kessels, der nicht älter
als Jahrgang 1978 (ab dem Jahr 2015 gilt Jahrgang 1985) sein sollte.20 In Schritt 2
erfolgt eine Prüfung der Vor- und Rücklauftemperaturen (Temperaturspreizung).

19 Siehe “Compressed Air Systems in the European Union”, 2001, Peter Radgen und Edgar Blaustein
20 Siehe EnEV 2014

Seite 47
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Die Temperaturspreizung sollte während des Heizbetriebs dabei möglichst groß


sein. Im dritten Schritt sollten die Heizungspumpen überprüft werden, da sie bei
älteren Verteilungssystemen meistens ungeregelt sind. Hier kann schon durch
geringfügige Umbaumaßnahmen in Form eines Austauschs der veralteten Pum-
pen durch neue geregelte und hocheffiziente Pumpen eine Einsparung erzielt
werden.

Neben den Pumpen sind ebenfalls sehr oft viel zu hohe Heizgrenzkurven oder
zu geringe Nachtabsenkungen eingestellt, die der Auditor stets erfragen sollte.

Der letzte standardmäßig zu untersuchende Bereich betrifft das Objektgebäude.


Hier sind vor allem die Fassade, die Fenster und die Dämmung der obersten Ge-
schossdecke zu untersuchen, die mitunter enorme Auswirkungen auf den Heiz-
energieverbrauch des Untersuchungsobjekts haben können.

Grundsätzlich sollte der Auditor bei jeder Begehung auch auf die Aktualität der
Wartungsintervalle sowie die vorgeschriebene BGV-A3-Prüfung achten und die
Organisation ggf. auf Miss- oder Wartungsrückstände hinweisen.

Gebäude: Potenziale im Bereich des Gebäudes haben ebenfalls Auswirkungen


auf den Heizenergieverbrauch des untersuchten Objekts. Hier sollte bei der Be-
gehung auf die Fassade, die Fenster und besonders auf die Dämmung der obers-
ten Geschossdecke geachtet werden. Des Weiteren können oft nicht isolierte
wärmeführende Rohrleitungen in unbeheizten Räume als Potenzial entdeckt
werden.

Bei jeder Begehung sollte der Auditor auch auf die Aktualität der Wartungen ver-
schiedener Anlagen sowie die vorgeschriebene BGV-A3-Prüfung achten und die
Organisation auf Missstände hinweisen.

In der Regel ist nach der Begehung und dem Aufzeigen möglicher Verbesse-
rungspotenziale eine weitere Datenerfassung für die entsprechenden Bereiche
notwendig.

Wie bereits erwähnt, ist es in der Praxis ratsam, die Datenerfassung und den Au-
ßeneinsatz zu wiederholen.

Analyse
Der Analyseteil ist das Kernelement des Energieaudits. Hier wird die bestehende
Situation des Untersuchungsobjekts hinsichtlich der energiebezogenen Leis-

Seite 48
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

tung analysiert. Die bestehende Situation dient dabei als Bezugspunkt, an dem
die möglichen Optimierungsmaßnahmen später gemessen werden.

Die Analysephase umfasst insgesamt fünf Punkte:

1) Aufschlüsselung des Energieverbrauchs auf der Verbrauchs- und Versorgungsseite21

Der erste Schritt beinhaltet die Auflistung aller Bezugsmedien im Bereich


Energie, welche von der Organisation genutzt werden. Zu den verschiedenen
Energiemedien werden die bezogenen Mengen und die entstandenen Kosten
gelistet. In der Regel werden Strom, Heizöl, Gas, Fernwärme und Dampf in ir-
gendeiner Art und Weise bereits durch die Organisation erfasst, sodass dies oft-
mals nicht eigens durchgeführt werden muss. Die dazugehörigen Mengen und
Kosten lassen sich durch die einzelnen Abrechnungen daher auch relativ leicht
bestimmen. Ein oft vernachlässigter, aber zum Energiebedarf dazugehöriger
Posten ist der Dieselverbrauch der Dienstwagen. Je nach Anforderungen der Or-
ganisation bzw. der Art der Bewertung ist dieser Verbrauch bei der Betrachtung
der Gesamtenergie im Rahmen des ersten Audits zwingend zu berücksichtigen.
Dies ist insbesondere dann zu beachten, wenn das Audit für den Erhalt des Spit-
zenausgleichs benötigt wird.

Nachfolgend werden einige Grafiken zur Energieversorgung dargestellt. Diese


sollen als mögliche Beispiele fungieren.

Abb. 9: Energieversorgung über die Zeit, Quelle: TENAG GmbH

21 DIN EN 16247-1, 5.5 Analyse 1)

Seite 49
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Abb. 10: Prozentuale Energiekosten über die Zeit, Quelle: TENAG GmbH

Abb. 11: Prozentuale Energieversorgung über die Zeit, Quelle: TENAG GmbH

Im zweiten Schritt ist eine Analyse auf der Verbrauchsseite durchzuführen, die
den Auditor teilweise vor erhebliche Herausforderungen stellen kann, denn
hierbei handelt es sich um Abschätzungen über Leistung, Laufzeit und Auslas-
tung der Anlage. Neben Schätzungen können aber auch temporäre Messungen
durchgeführt werden, um die Anforderungen der Analyse zu bewältigen. Am
Ende der Analyse sollten die Summe der Energieverbraucher und die Summe
der Versorgungsseite dann ansatzweise übereinstimmen. Zur allgemeinen Ver-
einfachung und Erleichterung werden die einzelnen Verbraucher oft verschie-
denen Gruppen zugeordnet. Durch die Gruppeneinteilung ist es so einfacher,
den Energieverbrauch von bestimmten Prozessen abzuschätzen und zudem zu
veranschaulichen, wie in folgender Abbildung dargestellt.

Seite 50
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Stromanteil nach
Verbrauchergruppe
Beleuchtung
6%

Sonstige
14% Öfen
14%

Autoklav
7%
Pressen
24%
Kälteanlage
4%
Druckluft
7%

Klimaanlage
24%

Abb. 12: Beispiel für die Darstellung der Verbrauchsseite

2) Energieflüsse und Energiebilanz des auditierten Objekts22

Die Erstellung von Energieflüssen und Energiebilanzen sollen verdeutlichen, wo


Energien verbraucht und wo eingespart werden können. Oft hat das Erstellen
von Energieflüssen den angenehmen Nebeneffekt, dass so das Bewusstsein der
Beteiligten gesteigert wird. Auch für Außenstehende ist diese Art der Darstel-
lung gut nachvollziehbar, denn sie zeigt, wo entsprechende effizienzsteigernde
Maßnahmen sinnvoll einzusetzen sind. Als Werkzeug zur grafischen Verdeutli-
chung der Energieflüsse wird in der Regel ein sogenanntes Sankey-Schaubild,
wie es in Abbildung 13 dargestellt ist, verwendet.

22 DIN EN 16247-1, 5.5 Analyse 2)

Seite 51
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Abb. 13: Beispielhaftes Sankey, Quelle: e!SankeyPro Beispiel

3) Muster der Energienachfrage im Zeitverlauf

Aus der Energienachfrage über die Zeit können zahlreiche Schlussfolgerungen


gezogen werden.

Hinweis: Ab einem Stromverbrauch von 100.000 kWh stellt der Energiever-


sorger dem Kunden den Lastverlauf (15-Minuten-Durchschnittswerte) kos-
tenlos zur Verfügung.

Der Kunde kann neben dem Gesamtenergieverbrauch, den er anhand der mo-
natlichen Abrechnung erhält, zusätzlich beim Versorger eine Lastganganalyse
seiner Verbrauchsdaten anfordern. Will der Kunde anhand der Lastganganalyse
seinen durchschnittlichen Energiebedarf zu bestimmten Zeiten bzw. den Ener-
gieverbrauch seiner Anlagen, Beleuchtungen oder Wärmeerzeuger ermitteln, ist
es empfehlenswert, dass er die Lastganganalysen verschiedener Tage sowohl im
Winter als auch im Sommer betrachtet. Ein konkretes Beispiel einer Tageslast-
ganganalyse ist in Abbildung 14 dargestellt, bei der eine Grundlast von 4,5 kW
anliegt (grüne Linie).

Seite 52
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Die Grundlast in diesem Beispiel beinhaltet alle in Betrieb befindlichen Anlagen


und Geräte, wie die Kompressoren und die Kühlaggregate, sowie alle anderen
Geräte, die sich im Standby-Modus befinden, während eines gesamten Tages-
zyklus (24 Std.). Neben der kontinuierlich anfallenden Grundlast sind außerdem
stark schwankende Verbräuche zu unterschiedlichsten Tages- bzw. Nachtzeiten
zu erkennen. Dies kann unterschiedlichste Ursachen haben. In dem dargestell-
ten Beispiel ist die erste Lastspitze gegen 6:00 Uhr in der Früh zu erkennen, die
bei einem produzierenden Gewerbe mit dem Beginn der Frühschicht zu erklären
ist, da dort neben den Beleuchtungen auch sämtliche Anlagen und Maschinen
angeschaltet werden. In der Zeitspanne zwischen 6:00 Uhr morgens und 22:00
Uhr abends herrscht dann ein leicht schwankender, aber kontinuierlich hoher
Energieverbrauch vor. Lediglich um die Mittagszeit gegen 12:00 Uhr verzeichnet
die Lastganganalyse eine erneute Leistungsspitze, die auf das Anschalten der
Autoklaven und den Beginn der Mittagspause zurückzuführen ist. Ab 22:00 Uhr,
was gleichermaßen das Schichtende und Ausschalten der Anlagen bedeutet,
fällt die Lastkurve schließlich sprungartig ab. Zu erkennen ist hier die Grundlast
von ca. 4,5 kW. Diese beinhaltet alle Geräte, die Tag und Nacht in Betrieb sind
und Energie verbrauchen. Dazu zählen Standby-Geräte, Kühlgeräte sowie die
Kompressoren. Ab dem Schichtbeginn um 5:00 Uhr wird die Innenbeleuchtung
und kurze Zeit später die Außenbeleuchtung angeschaltet. Nach Schichtbeginn
läuft der Betrieb mit einem hohen Energieverbrauch an. Dies ist auf das Hoch-
fahren der Öfen zurückzuführen. Die hohen Spitzen im Lastgang lassen sich auf
das Inbetriebnehmen des Autoklaven zurückführen. Ab 22:00 Uhr (Schichtende)
reduziert sich der Verbrauch sprungartig.

Seite 53
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Abb. 14: Beispielhafter Lastgang mit Auswertung

Neben den detaillierten Informationen zu den Verbräuchen liefert eine Lastgang-


analyse also auch Details über Leistungsspitzen, anhand derer die Verbrauchs-
problematiken des Unternehmens verdeutlicht werden. Gelingt es schließlich,
diese Leistungsspitzen zu senken, ist das gleichbedeutend mit einer Reduzie-
rung der Energiekosten. Ein weiterer möglicher Nutzen kann das Erkennen von
Lastspitzen sein. Wenn diese reduziert werden, können die Leistungskosten
ebenfalls reduziert werden. In der nachfolgenden Darstellung ist eine beispiel-
hafte Lastverteilung zu sehen (15-Minuten-Werte, der Größe nach sortiert). Der
gelb markierte Bereich zeigt die möglichen Einsparungen.

Seite 54
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Abb. 15: Beispielhafte Lastverteilung mit Auswertung

4) Beziehungen zwischen Energieverbrauch und Anpassungsfaktoren23

Korrekturfaktoren sind für die Vergleichbarkeit einzelner Messungen in der Re-


gel unerlässlich. In der Praxis werden Korrekturen hauptsächlich beim Heizener-
gieverbrauch vorgenommen (Witterungsbereinigung), um die Verbräuche der
einzelnen Heizperioden besser vergleichen zu können.

Hinweis: Die standortspezifischen Gradtagzahlen lassen sich beim Deut-


schen Wetterdienst (http://www.dwd.de) online abrufen.

Korrekturfaktor: Witterungsbereinigung

EVH = EVgH * Gm/G

Mit:

EVH = bereinigter Heizenergieverbrauch [kWh/a]

EVgH = außentemperaturabhängiger Heizenergieverbrauch [kWh]

23 DIN EN 16247-1, 5.5 Analyse 4)

Seite 55
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

G = Gradtage [K • d]

Gm = langjähriges Mittel der Jahresgradtage in [K • d/a]

5) Eine oder mehrere Energieleistungskennzahlen, die zur Evaluierung des auditier-


ten Objekts geeignet sind24

Oft sagt der reine Energieverbrauch jedoch wenig über die Veränderung der
Energieeffizienz aus. Um diese darzustellen, ist es oft notwendig, eine geeignete
Bezugsgröße zu finden, mit der dann Energieleistungskennzahlen gebildet wer-
den können. In der folgenden Tabelle sind einige solcher Kennzahlen dargestellt.

Hinweis: Übliche Kennzahlen wie Heizenergieverbrauch pro Quadratmeter


können gut für Benchmarks verwendet werden.

Tabelle 3: Beispiele für Kennzahlen

Kennzahl Einheit
Jahresstromverbrauch/verbaute Tonnen Stahl im Jahr kWh/t Stahl
Jahreserdgasverbrauch (bereinigt um Verbrauch für Prozesswärme kWh/t Stahl
und Witterung)/verbaute Tonnen Stahl im Jahr

Einsparpotentiale bei Querschnittstechnologien


100
90
-25%
80 -30% -30% -30%
70
60 -50%
50
40 -70%
30
20
10
0
Beleuchtung Druckluft Kälte- und Pumpensysteme Wasser- Lüftungsanlage
Kühlwasseranlage versorgung

Abb. 16: Beispielhaftes Energieeinsparpotential

24 DIN EN 16247-1, 5.5 Analyse 5)

Seite 56
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Infolge der ausführlichen Situationsanalyse und der Objektbegehung werden


die entwickelten Ideen und Vorschläge zur Verbesserung der Energieeffizienz
ausführlich geprüft und bewertet. Entscheidend für die Bewertung der Maßnah-
men ist dabei der Vergleich zwischen Einsparpotenzial und Investitionssumme.
Bei den Einsparungen müssen sowohl die direkten Einsparungen, die durch die
Einsparung von Energie erzielt werden, als auch alle weiteren Einsparungen be-
rücksichtigt werden.

Für die Entscheidungsfindung der Organisation müssen die Anlagenrenditen


und sämtliche anderen vereinbarten ökonomischen Kriterien in der Analyse Be-
rücksichtigung finden.

Zur Vergleichbarkeit der verschiedenen Maßnahmen ist es notwendig, neben


den festgesetzten ökonomischen Kriterien auch die potenzielle Einsparung und
die möglichen Kosten zu ermitteln. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn
mehrere alternative Maßnahmen zur Verfügung stehen. Ebenfalls müssen mög-
liche Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Maßnahmen analysiert wer-
den. Nach der Auswertung der Maßnahmen müssen diese noch für die Organi-
sation gelistet werden. Die Reihenfolge der Listung ergibt sich dabei aus den von
der Organisation gewünschten Vorgaben.

Wenn angemessen und notwendig, kann der Auditor darauf hinweisen, dass für
die Zukunft zusätzliche Daten benötigt und wie diese beschafft werden sollen.
Des Weiteren kann der Auditor definieren, welcher Bedarf an zusätzlichen Ana-
lysen besteht. Er sollte aber darauf achten, dass die im Vorfeld abgestimmten
Ergebnisse und Anforderungen an das Audit mit den erwarteten Ergebnissen
der weiterführenden Analysen übereinstimmen.

Der Energieauditor muss für die Analyse transparente und technisch angemes-
sene Berechnungsverfahren anwenden. Die von ihm angewendeten Methoden
und getroffenen Annahmen müssen sorgfältig und vollständig dokumentiert
und im folgenden Bericht dargestellt werden. Für die Bildung von Maßnahmen
müssen gesetzliche und sonstige Einschränkungen berücksichtigt werden.

Nach der Analyse müssen die erzielten Ergebnisse einer geeigneten Qualitäts-
und Validitätskontrolle unterzogen werden. Dabei wird die Zuverlässigkeit der
gelieferten Daten bestimmt und auf bestehende Fehler oder Abweichungen
aufmerksam gemacht.

Seite 57
Ablauf eines Energieaudits nach DIN EN 16247

Abschlussbesprechung
Mit der Abschlussbesprechung findet das Energieaudit sein Ende. In dieser
Besprechung müssen alle Ergebnisse der auditierten Organisation übergeben
werden. Dies erfolgt in der Regel nach der Präsentation durch die Übergabe des
Abschlussberichts.

Wegen der Gefahr, dass der Abschlussbericht von den Entscheidungsträgern


nicht ausführlich gelesen wird, sollte in der Präsentation der Auditergebnisse da-
rauf geachtet werden, dass die wichtigsten Informationen für eine Entscheidung
übermittelt werden. Dazu zählen beispielsweise die Kosten für vorgeschlagene
Maßnahmen, die erwarteten Einsparungen pro Jahr und die daraus resultieren-
den Amortisationszeiten. Zusätzlich kann auch ein Maßnahmenüberblick ge-
geben werden, der darstellt, wie sich die Energiekosten für bestimmte Bereiche
durch die vorgestellten Maßnahmen verändern.

Abb. 17: Darstellung der möglichen Maßnahmen, Quelle: TENAG GmbH

Der Auditor muss in der Lage sein, alle Maßnahmen zu erläutern und Fragen
bezüglich des Audits zu beantworten. Falls es notwendig ist, müssen Nachar-
beitungen erfolgen, ansonsten ist das Audit mit diesem Termin abgeschlossen.

Seite 58