Sie sind auf Seite 1von 5

Geisteswissenschaft

Ralf Strauss

Interkulturelle Kommunikation und


Kulturstandards

Studienarbeit
Humboldt-Universität zu Berlin
Theologische Fakultät
Seminar für Religions- und

Missionswissenschaft sowie Ökumenik

Seminararbeit
„Interkulturelle Kommunikation und Kulturstandards“

zum
PS „Antirassismus, Fremdenfreundlichkeit und interkulturelle
Kommunikation“
im Sommersemester 2000
von Andrea Schultze

vorgelegt von

Ralf Strauss, stud. phil. et theol.

im Oktober 2000
Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung _______________________________________________________________ 3

2. Interkulturelle Kommunikation - was ist das? __________________________________ 4


a) Kommunikation _________________________________________________________________ 4
b) Kultur _________________________________________________________________________ 5
c) Interkulturelle Kommunikation ______________________________________________________ 6

3. Kulturstandards – ein Modell _______________________________________________ 6


a) Kultur _________________________________________________________________________ 7
b) Standard _______________________________________________________________________ 7
c) Kulturstandard __________________________________________________________________ 7

3.1. Wie entstehen Kulturstandards? ___________________________________________ 9

3.2. Wie lernt man Kulturstandards?__________________________________________ 10

4. Schlußbetrachtung _______________________________________________________ 12

5. Literaturverzeichnis ______________________________________________________ 15

2
1. Einleitung
„Ich möchte vorausschicken, daß ich das Problemfeld noch nicht ausführlich und tiefgehend genug
untersucht habe. Ich möchte an dieser Stelle nur einige oberflächliche Meinungen äußern, die
möglicherweise falsch sind. Für Unzulänglichkeiten und Fehler in meinen Äußerungen bitte ich um
Kritik und Verbesserungsvorschläge.“1

Das Zitat soll nicht als entschuldigender Beginn dieser Arbeit verstanden werden, schließlich
sind bei einer wissenschaftlichen Hausarbeit längere Recherchen und abgewogene
Äußerungen gefragt. Doch auch als Einstieg in einen öffentlichen Vortrag, zum Beispiel bei
einem Referat, scheinen die obigen Sätze nicht geeignet. Sie müßten in einer derartigen
Situation entweder als leicht durchschaubares fishing for compliments und daher als nicht
angemessen erscheinen, oder, die nicht minder bessere Alternative, sie treffen tatsächlich zu.
Dann aber ist dem Referenten vorzuwerfen, daß er seine ihm gestellte Aufgabe nicht adäquat
lösen konnte, denn wer öffentlich etwas von sich gibt, hat gut vorbereitet zu sein und seine
Äußerungen müssen korrekt sein.

Die oben zitierte Einleitung ist in China allerdings der übliche Beginn eines öffentlichen
Vortrags. In Deutschland hingegen würde durch diesen Beginn das Anspruchsniveau der
Zuhörer stark nach unten getrieben, da, wer sich schon im Vorhinein für das entschuldigt, was
er sagen wird, es besser ganz bleiben läßt, sich öffentlich zu äußern. Nun haben Chinesen,
wenn sie obige Eröffnung wählen, sicherlich kein Interesse daran, ihre Zuhörer gleich zu
Beginn der Rede zu enttäuschen und es ist überhaupt fraglich, ob sie wirklich so schlecht
vorbereitet sind, wie sie es scheinbar zum Ausdruck bringen. Ihre (chinesischen) Zuhörer
indes werden an dieser Redeeröffnung keinen Anstoß nehmen, ganz im Gegenteil: Wählte
man einen bei uns üblichen Einstieg, würde dieser „bei chinesischen Zuhörern dagegen häufig
den Eindruck des unhöflichen, schlecht erzogenen sozialen Barbaren“2 hinterlassen.

Als über das Thema der interkulturellen Kommunikation im Seminar zu referieren war,
wurde, als kleines Experiment, die „chinesische Vortragseröffnung“ gewählt. Wie erwartet
reagierten die Zuhörer überrascht. Es wurde gesagt, der Referent solle doch einfach beginnen,
man werde dann schon sehen. Andere äußerten ihre Verwunderung über diesen „gehemmten“
Beginn.

1
Yong Liang „Sprachroutinen und Vermeidungsrituale im Chinesischen.“ In: Alexander Thomas (Hrsg.) (1996)
Psychologie interkulturellen Handelns. Göttingen: Hogrefe, pp. 247-268, p. 247.
2
Stefan Kammhuber „Kulturstandards in der interkulturellen Kommunikation: Grobe Klötze oder nützliche
Denkgriffe?“ In: Ingrid Jonach (Hrsg.) (1998) Interkulturelle Kommunikation. München, Basel: Reinhardt, pp.
45-53, p. 45.
3