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Forschungsbericht Alexander Bischoff

zuhanden des MFH- Regine Steinauer


Netzwerks Schweiz
Elisabeth Kurth

Dolmetschen im Spital:
Mitarbeitende mit
Sprachkompetenzen erfassen,
schulen und gezielt einsetzen

Institut für Pflegewissenschaft, Universität Basel


Basel, 6. März 2006
Dolmetschen im Spital

Inhalt

Zusammenfassung Deutsch 5
Zusammenfassung Französisch 9
Zusammenfassung Italienisch 14
Vorwort 19
1. Einführung 20
1.1 Dolmetschen im Spital 20
1.2 Begrifflichkeiten 20
1.3 Sprachenvielfalt im Spital 22
2. Vorgehen 26
3. Dolmetschen im Spital – eine Literaturübersicht 27
3.1 Auswirkungen von Sprachbarrieren 27
3.2 Überwinden von Sprachbarrieren 28
3.3 Nicht-professionelle Dolmetscherinnen 31
3.4 Dolmetschleistungen finanzieren 34
3.5 Professionelle Dolmetscherinnen 36
4. Dolmetschen im Spital – praktische Erfahrungen 38
4.1 Spitalregion St. Gallen- Rorschach 38
4.2 Kantonsspital Olten (KSO) 39
5. Dolmetschen im Spital - Pilotprojekt Psychiatrische Kliniken Basel 41
5.1 Sprachkompetenzen des Personals der psychiatrischen Kliniken
Basels 41
5.2 Fortbildung für Übersetzungshilfen 44
5.3 Schlussfolgerungen aus dem Pilotprojekt 45
6. Dolmetschen im Spital – Konsequenzen für die Praxis 47
6.1 Leitlinien für den Umgang mit fremdsprachigen Patienten 48
6.2 Leitfaden zum Aufbau einer spitalinternen Sprachdatenbank 49
6.3 Leitlinien für Ärzte und Pflegende für die Arbeit mit
Übersetzungshilfen 52

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Dolmetschen im Spital

6.4 Entscheidungshilfe: „Wann, wo und wie rufe ich eine/n


interkulturelle/n Übersetzer/in, wann eine interne
Übersetzungshilfe“? 53
6.5 Leitlinien: “Wie arbeite ich als Übersetzungshilfe?“ 58
7. Empfehlungen 59
Anhang 60
Fragebogen an Personal 60
Weiterbildungskurs 62
Vereinbarungsformular 63
Evaluationsfragebogen 65
Abkürzungen 68
Bibliographie 69

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Dolmetschen im Spital

Zusammenfassung
Die Kommunikation zwischen Patienten1 und Gesundheitspersonal trägt
entscheidend zum Verlauf einer Krankheit bei. Die für diese Studie durchgeführte
Literatur-Review zeigt, dass in Situationen, in denen die Interaktion erschwert ist,
weil Patient und Betreuungsperson keine gemeinsame Sprache sprechen, das
Risiko einer Fehldiagnose oder einer falschen Behandlung steigt. Auch eine tiefere
Patientenzufriedenheit und eine Gefährdung der Compliance können
Auswirkungen sein.
Um die Sprachbarrieren im Gesundheitswesen zu überwinden, gibt es
verschiedene Ansätze. Neben vermehrter Anstellung von mehrsprachigen Ärzten2
und Pflegefachpersonen in den Kiniken wurde in der Schweiz in den letzten Jahren
vor allem die Zusammenarbeit mit externen Dolmetscherdiensten intensiviert. Die
Erfahrungen der Kliniken zeigen jedoch auch, dass dieses Angebot infolge
fehlender Information, Unsicherheit beim Hinzuziehen der professionellen Dienste
und aufgrund finanzieller Aspekte nur zurückhaltend genutzt wird. So werden im
Klinikalltag oft Angehörige oder zufällig anwesendes Personal verschiedener
Berufsgruppen als Ad-hoc Dolmetschende hinzugezogen. Dass dies zu erheblichen
Problemen führen kann, ist in der Literatur mehrfach dokumentiert.
Patientengespräche mit professionellen Dolmetscherinnen3 (bzw. im Falle der
Schweiz eidgenössisch zertifizierten „interkulturellen Übersetzerinnen“, so die
Terminologie von Interpret4) liefern die besten Ergebnisse in der Übersetzung und
darüber hinaus in der interkulturellen Vermittlung. Dies geht aus zahlreichen
Studien hervor. Als Nachteil gibt das befragte Gesundheitspersonal hauptsächlich

1 mit Patienten und Migranten, sind im folgenden immer auch Patientinnen und Migrantinnen
gemeint
2 mit Ärzten sind im Folgenden immer auch Ärztinnen gemeint
3mit Dolmetscherinnen, interkulturellen Vermittlerinnen, Übersetzerinnen sind immer auch
Dolmetscher, Sprachmittler und Übersetzer gemeint. Die Erfahrung in den Kliniken zeigt, dass
mehr Frauen diese Tätigkeiten ausüben.
4 siehe www.inter-pret.ch

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Dolmetschen im Spital

die ungenügende Verfügbarkeit der professionellen Dolmetscherinnen und die


notwendige Vorausplanung für deren Einsätze an. Daneben äussern Fachpersonen
Unsicherheit in Bezug auf die Fähigkeit interkultureller Übersetzerinnen,
medizinische Fachausdrücke zu verstehen und adäquat zu übersetzen. Als
umständlich bezeichnen gewisse Fachpersonen zudem die Gesprächsführung in
Anwesenheit einer Dolmetscherin.
Im Gegensatz dazu werden die Vorteile der klinikinternen, geschulten
Übersetzungshilfen mit rascher Verfügbarkeit und Verstehen von medizinischem
Vokabular in Verbindung gebracht. Vor allem in Umfragen in Psychiatrischen
Kliniken wird die Vertrautheit der Übersetzungshilfe mit unterschiedlichen
Krankheitsbildern sehr geschätzt. Als Nachteile werden mögliche Rollenkonflikte
genannt. Auch kann es zu Spannungen im Team führen, wenn Teammitglieder die
Arbeit einer Kollegin übernehmen müssen, die zu einem Dolmetscheinsatz gerufen
wird.
Neben der Literaturarbeit wurde im vorliegenden Projekt in den Universitären
Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) und der Psychiatrischen Universitären
Polikliniken Basel (PUP) eine Umfrage durchgeführt. Fachpersonen mit
Fremdsprachenkenntnissen wurden erfasst und nach erfolgter Weiterbildung mit
ihrem Einverständnis als Übersetzungshilfen in der internen Sprachdatenbank
aufgeführt. Die rekrutierten 18 Mitarbeitenden sprechen 11 verschiedene Sprachen
und verfügen meist über Erfahrungen in der Arbeit als Ad-hoc Dolmetschende. Die
Sprachkompetenzen wurden im Rahmen dieses Projektes nicht überprüft. Die
„Leitlinien zum Aufbau einer spitalinternen Sprachdatenbank“ zeigen das
Vorgehen auf organisatorischer Management- Ebene und betonen die notwendige
Einbettung der Sprachdatenbank in ein umfassendes Konzept zur transkulturellen
Pflege.
Ein Ziel dieses Projektes war die Entwicklung von Entscheidungskriterien zu
der Frage: Wann rufe ich einen externen interkulturellen Übersetzer, wann eine
interne Übersetzungshilfe? Der Beantwortung dieser Frage dienten Diskussionen
in Fokusgruppen und eine gezielte Literatursuche. Dabei wurden neun Kriterien
gefunden, die wir zur einfacheren Handhabung in der Praxis in Form einer
Entscheidungswaage dargestellt haben. Bei Gesprächen, die planbar sind und deren
Inhalt komplex, emotional und/ oder von kulturellen Aspekten geprägt ist, zeigt die
Waage eher in Richtung einer externen interkulturellen Übersetzerin. Bei
einmaligen, dringlichen Gesprächen mit einfachem, konkreten Inhalt und kurzer
Dauer dagegen neigt sich die Waagschale zu den Übersetzungshilfen.

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Dolmetschen im Spital

gering ← Dringlichkeit → hoch


gut ← Planbarkeit → schlecht
lang ← Dauer → kurz
hoch, abstrakt ← Komplexizität → tief, konkret
hoch ← Tragweite/Konsequenz → gering
für den Patienten
gut, mittelfristig ← Verfügbarkeit der → gut, kurzfristig
dolmetschenden Person
hoch ← Emotionalität → tief
viele ← kulturelle & religiöse → wenige
Aspekte
vorgesehen ← Nachfolgetermin → nicht vorgesehen

externe/r interkulturelle/r interne


Übersetzer/in Übersetzungshilfe

Die Qualität des Trialog-Gespräches mit fremdsprachigen Patienten hängt aber


nicht nur von der Leistung der dolmetschenden Person ab. Die gesprächsführende
Fachperson kann einiges dazu beitragen, die Qualität der Übersetzung zu
verbessern. Die Information der Dolmetscherin über Hintergrund und Ziel des
Gesprächs und eine klare Gesprächsführung in kurzen und leicht verständlichen
Sätzen sind wesentliche Punkte der „Leitlinien für Ärzte und Pflegende im
Umgang mit Übersetzungshilfen“.

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Dolmetschen im Spital

Aufgrund der vorliegenden Studie formulieren wir folgende Empfehlungen


bzw. Verbesserungsvorschläge für Dolmetscheinsätze in der Praxis:
• Grundsätzlich: Aufbieten von und Zusammenarbeiten mit
professionellen Dolmetscherinnen bzw. interkulturellen Übersetzerinnen
(INTERPRET qualifizierte)
• Grundsätzlich: Vermeiden, Angehörige und ungeschulte
Spitalmitarbeiterinnen als Ad-hoc Dolmetschende beizuziehen.
• Mitarbeitende sollten nur dann beigezogen werden, wenn sie in einer
Schulung auf diese Tätigkeit vorbereitet wurden und die Klinik einen
strukturellen Rahmen bietet.
• Mitarbeitende dürfen nur mit ihrem Einverständnis als Übersetzungshilfe
zu Gesprächen herbeigerufen werden.
• Das Einrichten einer internen Sprachdatenbank mit fremdsprachigen
Mitarbeitenden darf nicht als isolierte Massnahme zum Thema
Sprachbarrieren gesehen werden. Eine interne Sprachdatenbank macht
nur dann Sinn, wenn die Mitarbeitenden sorgfältig rekrutiert und
geschult werden, die Liste regelmässig nachgeführt, erweitert und
evaluiert wird.
• In der internen Sprachdatenbank sollten die meist gebrauchten Sprachen
durch mehrere weibliche und männliche Übersetzungshilfen vertreten
sein. Nur so kann der grössten Vorteil – die rasche Verfügbarkeit –
gewährleistet werden. Somit ist das Einrichten einer internen
Sprachdatenbank für kleine Kliniken mit wenigen fremdsprachigen
Mitarbeitenden weniger zu empfehlen.
• Ein klinikinternes Dolmetschkonzept ist zu formulieren. Dieses
beinhaltet neben dem Einsatz von professionellen Dolmetscherinnen
eine Regelung über den Beizug von mehrsprachigen Mitarbeitenden als
Übersetzungshilfen. Auch die Verfügbarkeit von schriftlichen
Pateinteninformationen in den geläufigsten Sprachen ist in diesem
Konzept zu verankern.
• Die Sprachkompetenzen der interessierten fremdsprachigen
Mitarbeitenden sind bei der Rekrutierung zu Übersetzungshilfen zu
prüfen.

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Dolmetschen im Spital

Résumé
La communication entre les patients5 et le personnel de santé contribue de
manière déterminante à l'évolution d'une affection. L'analyse bibliographique
effectuée pour cette étude démontre que, dans les situations où l'interaction est
entravée parce que le patient et la personne soignante ne parlent aucune langue
commune, le risque de diagnostic erroné ou d'un traitement inapproprié est plus
élevé. Une satisfaction amoindrie du patient et une compliance compromise
peuvent également en être les conséquences.

Différentes approches ont été ébauchées dans le but de surmonter les barrières
linguistiques dans le domaine de la santé. Outre l'engagement accru dans les
cliniques de médecins6 et de personnes soignantes diplômées polyglottes, en Suisse
ces dernières années, la collaboration avec des services d'interprètes externes a été
intensifiée. Cependant, les expériences faites dans les cliniques démontrent que
cette offre n'est utilisée qu'avec réticence pour cause d'information insuffisante,
d'incertitude en faisant appel aux services spécialisés et d’aspects financiers. Il
arrive donc souvent que des membres de la famille ou du personnel de diverses
professions fortuitement présents soient mis à contribution comme interprètes ad
hoc. La bibliographie a démontré à maintes reprises que ceci peut donner lieu à de
considérables problèmes.

Les entretiens patient-médecin avec l'aide d'interprètes professionnelles7 (resp.


en Suisse "interprètes communautaires" certifiées) donnent les meilleurs résultats
de traduction et de médiation interculturelle. Ceci a été démontré par de

5Les termes patients et migrants dans ce texte sous-entendent toujours aussi les patientes et les
migrantes
6 Dans ce texte, le terme médecins s'applique toujours aussi aux femmes médecins
7 Les expressions interprètes, médiatrices interculturelles, traductrices sous-entendent toujours
aussi les interprètes masculins, médiateurs et traducteurs. L'expérience en clinique démontre
qu'un nombre plus élevé de femmes pratique cette activité.

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Dolmetschen im Spital

nombreuses études. Le personnel de santé interrogé indique que la disponibilité


restreinte des interprètes professionnelles et la nécessité d'une planification
anticipée de leurs interventions constituent le principal désavantage. En outre, les
professionnels expriment leurs doutes quant à la capacité des interprètes
communautaires de comprendre les termes médicaux spécialisés et de les traduire
de manière adéquate. Certains professionnels considèrent également que l'entretien
en présence d'une interprète est compliqué.

Contrairement à cela, les avantages d'aides à la traduction internes à la


clinique, ayant suivi une formation et disposant d'une grande disponibilité et d'une
compréhension du vocabulaire médical sont mis en valeur. C'est avant tout dans les
enquêtes auprès des cliniques psychiatriques que la familiarité de l'aide à la
traduction avec différents tableaux cliniques est très appréciée. Les désavantages
cités concernent les conflits de compétences possibles. Des tensions au sein de
l'équipe peuvent aussi naître si des membres de l'équipe doivent reprendre le travail
d'une collègue qui a été appelée pour servir d'interprète.

Une enquête a été menée dans la Clinique psychiatrique universitaire de Bâle


(UPK) et dans la Policlinique psychiatrique universitaire de Bâle (PUP) qui vient
s'ajouter au travail bibliographique au sein du présent projet. Les professionnels
possédant des connaissances d'une langue étrangère ont été recensés et, après avoir
suivi un perfectionnement, ont été enregistrés avec leur consentement dans la
banque de données linguistique comme aides à la traduction. Les 18 collaboratrices
et collaborateurs recrutés parlent 11 langues différentes et disposent pour la plupart
d'expériences de travail comme interprètes ad hoc. Les compétences linguistiques
n'ont pas été vérifiées dans le cadre de ce projet. Les "Lignes directrices pour la
mise en place d'une banque de données linguistique hospitalière" indiquent la
marche à suivre au niveau de la direction organisationnelle et insistent sur la
nécessité de l'intégration de la banque de données dans un concept global des soins
transculturels.

Un des objectifs de ce projet était le développement de critères de décision


face à la question: Quand dois-je solliciter un traducteur interculturel et quand une
aide interne à la traduction? Pour répondre à cette question des discussions au sein
de groupes focus et une recherche bibliographique ciblée ont été nécessaires. Neuf

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Dolmetschen im Spital

critères en ont été dégagés que nous présentons sous forme d'une balance
décisionnelle pour en faciliter l’application dans la pratique. Lors d'entretien qui
peuvent être planifiés et dont le contenu est complexe, qu'il présente un aspect
émotionnel et / ou culturel, la balance penche plutôt du côté d'une traductrice
communautaire externe. En revanche, s'il s'agit d'entretiens uniques, urgents et de
courte durée dont le contenu est simple et concret, la balance indique les aides à la
traduction.

Faible ← Urgence → Élevée


Bonne ← Planification → Mauvaise
Longue ← Durée → Courte
Élevée, abstraite ← Complexité → Basse, concrète
Élevée ← Portée/conséquence → Minime
pour le patient
Bonne, à moyen terme Disponibilité de →Bonne, à court terme
← l'interprète
Haute ← Émotivité → Basse
Nombreux ← Aspects culturels et → Peu nombreux
religieux
Prévu ← Entretien successif → non prévu

Traducteur/traductrice Aide interne à la traduction


interculturel/le externe

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Dolmetschen im Spital

La qualité du trilogue avec des patients de langue étrangère ne dépend


cependant pas exclusivement de la prestation de l'interprète. Le professionnel qui
dirige la conversation peut contribuer dans une grande mesure à améliorer la
qualité de la traduction. Des points importants présentés par les "Lignes directrices
à l'attention les médecins et infirmiers pour la collaboration avec les aides à la
traduction" sont l'information de l'interprète sur le fond et l'objectif de l'entretien,
ainsi que des phrases courte et faciles à comprendre.

Sur la base de la présente analyse, nous formulons ci-dessous les


recommandations ou propositions d'amélioration pour les interventions
d'interprètes:

• En principe: Faire appel et collaborer avec des interprètes professionnelles


(« interprètes communautaires », certifiées INTERPRET)

• En principe: Éviter de faire appel à des membres de la famille ou à des


collaboratrices de l'hôpital n'ayant pas été formées comme interprètes ad
hoc.

• Les collaboratrices et collaborateurs ne devraient être interpelés que s'ils


ont été préparés pour cette activité en suivant une formation et si la
clinique offre un cadre structurel adapté.

• Les collaboratrices et collaborateurs ne peuvent être interpelés comme


aides à la traduction pour les entretiens que s'il on donné leur consentement
dans ce sens.

• La mise en place d'une banque de données linguistique interne de


collaboratrices et collaborateurs de langue étrangère ne peut pas être
considérée comme une mesure unique face aux barrières linguistiques. Une
telle banque de données n'a un sens que si les collaboratrices et les
collaborateurs sont choisis soigneusement et reçoivent une formation et si
la liste est mise à jour, complétée et analysée régulièrement.

• Dans la banque de données linguistique interne, les langues les plus


utilisées devraient être représentées par plusieurs aides à la traduction des

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Dolmetschen im Spital

deux sexes. C'est le seul moyen d'en garantir le plus grand avantage, c'est à
dire la prompte disponibilité. La mise en place d'une banque de données
linguistique interne est donc moins recommandée pour les petites cliniques
ayant peu de collaboratrices et collaborateurs de langue étrangère.

• Il y a lieu de mettre sur pied un concept d'interprétariat propre à la clinique.


Celui-ci présente, outre l'intervention d'interprètes professionnelles, une
réglementation concernant l'interpellation de collaboratrices et
collaborateurs polyglottes comme aides à la traduction. La disponibilité
d'informations écrites concernant les patients dans les langues les plus
courantes devra également être définie dans un tel concept.

• Les compétences linguistiques des collaboratrices et collaborateurs de


langue étrangère concernés doivent être vérifiées lors de leur recrutement
comme aides à la traduction.

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Dolmetschen im Spital

Riassunto
La comunicazione tra i pazienti8 e il personale sanitario determina in maniera
decisiva il decorso della malattia. L’esame bibliografico condotto per questo studio
rivela, che in situazioni nelle quali l’interazione è più difficile perché paziente e
assistenti non parlano una lingua comune, il rischio di una diagnosi sbagliata o di
un trattamento errato aumenta. Altre ripercussioni possono essere una ridotta
soddisfazione dei pazienti e il pericolo della non rispondenza.

Per superare le barriere linguistiche nel settore sanitario ci sono varie


possibilità. Oltre ad incrementare l’assunzione di medici9 e personale
infermieristico che parlano più lingue, negli scorsi anni nelle cliniche svizzere è
stata intensificata la cooperazione con servizi esterni di interpretariato. Le
esperienze fatte nelle cliniche rivelano comunque che anche l’uso di questi servizi
è adottato solo moderatamente a causa della mancanza di informazioni, delle
incertezze nel coinvolgere servizi professionali esterni e anche per motivi
economici. È così che spesso nella quotidianità ospedaliera si richiede a parenti o
al personale disponibile ed occasionalmente ad altre categorie professionali di
intervenire nella funzione di interpreti istantanei. Nella documentazione
bibliografica è ampiamente dimostrato come questo può causare notevoli problemi.

Le conversazioni con i pazienti condotte da interpreti10 (e in Svizzera risp.


“interpreti interculturali” certificati dalla confederazione) professionali producono i
migliori risultati nella traduzione e oltre a ciò anche nella mediazione
interculturale. Ciò emerge da innumerevoli studi. Il personale sanitario interpellato
ha anche segnalato principalmente lo svantaggio dell’insufficiente disponibilità di

8 in seguito con l’espressione paziente e migrante si intendono sempre persone di entrambi i sessi

9 in seguito con l’espressione medici si intendono sempre persone di entrambi i sessi


10 in seguito con l’espressione interprete, mediatore interculturale, traduttore si intendono sempre persone di

entrambi i sessi. L’esperienza nelle cliniche, rivela che sono maggiormente le donne ad esercitare questa attività.

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Dolmetschen im Spital

interpreti professionali e la difficoltà dell’anticipata programmazione dei loro


interventi. Oltre a ciò il personale specializzato esprime la propria incertezza in
relazione alle capacità delle traduttrici interculturali nel capire le espressioni
mediche e nel tradurle adeguatamente. Alcuni del personale specializzato
considerano molto scomoda la conversazione in presenza di un interprete.

D’altra parte menzionano come vantaggio la celere disponibilità di personale


traduttore che ha ricevuto una formazione interna nel capire il vocabolario medico.
Soprattutto nei sondaggi condotti nelle cliniche psichiatriche è molto apprezzata la
famigliarità delle traduttrici con le varie patologie. Lo svantaggio menzionato è il
possibile conflitto di ruolo. Inoltre può causare tensioni entro i gruppi di lavoro
quando un membro del gruppo deve assumersi i compiti di una collega che è stata
chiamata a tradurre.

Oltre al lavoro bibliografico, nel presente progetto è stato anche fatto un


sondaggio nelle cliniche psichiatriche universitarie di Basilea (UPK) e nelle
policliniche psichiatriche universitarie di Basilea (PUP). Sono state rilevate le
persone con specializzazione che conoscono una lingua straniera e, in seguito ad
un perfezionamento professionale, sono state menzionate con il loro consenso quali
assistenti traduttori in una banca dati linguistica. I 18 collaboratori reclutati parlano
11 diverse lingue e per la maggior parte hanno fatto esperienza quali traduttori ad
hoc. Nell’ambito di questo progetto non è stata esaminata la competenza
linguistica. Le “Direttive per la costituzione di una banca dati linguistica
all’interno dell’ospedale” tracciano il procedimento a livello organizzativo e di
gestione ed evidenziano la necessità di includere la banca dati linguistica in un
ampio concetto per l’assistenza transculturale.

Un obiettivo di questo progetto era lo sviluppo dei criteri decisionali in


risposta alla domanda: Quando richiedo l’intervento di un traduttore interculturale
esterno, quando un assistente traduttore interno? Per rispondere a questa domanda
ci sono volute discussioni in gruppi tematici e una mirata ricerca bibliografica.
Sono stati trovati nuovi criteri che per la più semplice applicazione e praticità
hanno fatto pendere la bilancia dalla loro parte. In occasione di colloqui che si
possono programmare e dal contenuto complesso, emozionale e/o determinato da
aspetti culturali, la bilancia indica piuttosto nella direzione di una traduzione

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Dolmetschen im Spital

interculturale esterna. In singoli colloqui urgenti dal contenuto concreto e semplice


di breve durata invece il piatto della bilancia tende a indicare un assistente
traduttore.

esigua ← Urgenza → elevata


buona ← pianificabilità → scarsa
lunga ← durata → breve
elevata, astratta ← complessità → profonda, concreta
elevata ← portata/conseguenze → esigua
per i pazienti
buona, a medio disponibilità →buona, a lungo termine
termine ← dell’interprete
elevata ← emozionalità → esigua
molti ← aspetti culturale e → pochi
religiosi
previsto ← ulteriore incontro → non previsto

traduttore / traduttrice assistente traduttore interno


interculturale esterno/a

La qualità del trialogo con pazienti di origine estera non dipende


esclusivamente dalla prestazione del traduttore. La persona specializzata che
conduce la conversazione può contribuire molto a migliorare la qualità della

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Dolmetschen im Spital

traduzione. Le informazioni che riceve l’interprete in relazione ai retroscena e


all’obiettivo della conversazione e una chiara gestione del colloquio con frasi brevi
e semplici sono punti determinanti nelle “Direttive per medici e infermieri nella
collaborazione con assistenti traduttori”.

In base al presente studio formuliamo le seguenti raccomandazioni, risp.


proposte di miglioramento per il pratico intervento di interpreti:

• Fondamentalmente: richiesta di intervento e collaborazione con interpreti


professionisti (“interpreti/mediatori culturali; qualificati INTERPRET).

• Fondamentalmente: evitare di far intervenire parenti o collaboratori


ospedalieri non qualificati nella funzione i interpreti ad hoc.

• I collaboratori dovrebbero essere richiesti solo se con un corso di


formazione sono stati preparati per questa attività e se la clinica ne offre un
quadro strutturale.

• I collaboratori possono essere chiamati a fungere da assistenti traduttori in


un colloquio solo con il loro consenso.

• L’istituzione di una banca dati linguistica interna con collaboratori di


lingua straniera non deve essere considerato un provvedimento isolato
concernente il tema barriere linguistiche. Una banca dati linguistica interna
ha senso solo se i collaboratori sono reclutati e addestrati accuratamente e
se l’elenco è aggiornato, ampliato e analizzato regolarmente.

• Nella banca dati linguistica le lingue più in uso dovrebbero essere


rappresentate da più di un assistente traduttore maschile o femminile. Solo
in questo modo si può garantire il maggior vantaggio – la rapida
disponibilità. Di conseguenza non è raccomandabile realizzare banche dati
linguistiche interne per piccole cliniche con pochi collaboratori di lingua
straniera.

• Si dovrà formulare un concetto di traduzione per la clinica stessa. In esso si


disciplinano oltre che l’impiego di interpreti professionisti anche le

17
Dolmetschen im Spital

direttive per l’uso di collaboratori plurilinguistici come assistenti traduttori.


In questo concetto si dovrà stabilire anche la disponibilità di informazioni
per pazienti stampate nelle più correnti lingue.

• La competenza linguistica dei collaboratori interessati di lingua straniera


dovrà essere provata al momento del reclutamento quali assistenti
traduttori.

18
Dolmetschen im Spital

Vorwort
Dolmetschen im Spital: Durch die vorliegende Untersuchung und das darin
integrierte Pilotprojekt sollten Richtlinien für Schweizer Spitäler erarbeitet werden,
wie sie mit Sprachbarrieren umgehen und welche Dolmetschangebote eingerichtet
werden sollten. Die Studie wurde im Auftrag von „Migrant Friendly Hospitals –
Spitalnetzwerk für die Migrationsbevölkerung“ durch das Institut für
Pflegewissenschaft der Universität Basel durchgeführt.
Der Bericht enthält die Zusammenfassung mit den wichtigsten Ergebnissen
und Empfehlungen, sowie einen ausführlichen Hauptteil mit einer
Literaturübersicht, der Beschreibung des Pilotprojektes in der universitären
psychiatrischen Klinik Basels, und den Richtlinien zu den verschiedenen
Bereichen.
Verschiedenen Personen und Institutionen möchten wir an dieser Stelle
danken: Herrn Dr. Peter Saladin für die Beratung und Begleitung des Projektes,
sowie den Kolleginnen und Kollegen von „Migrant Friendly Hospitals –
Spitalnetzwerk für die Migrationsbevölkerung“ (MFH), dem MFH-Beirat, der
Kerngruppe und den Arbeitsgruppen. Wir danken dem BAG für die finanzielle
Unterstützung.
Ein besonderer Dank geht an die Verantwortlichen der Universitären
Psychiatrischen Kliniken und der Psychiatrischen Universitäts Poliklinik in Basel,
die GesprächspartnerInnen der verschiedenen Institutionen und anderen, die uns in
der einen oder anderen Weise geholfen haben: Kathrin Wolf, Elisabeth Troy,
Christoph Cassidy, Preziosa Martinez, Bernd Meyer, Hansjörg Vogel, Monika
Eicke, Nihal Karamonoglu, Nancy-Gaëlle Barras, Rahel Stuker, Natali Velert,
Miguel Rodriguez, Sefika Garibovic, Susana Fankhauser, Maguèye Thiam,
Gabriela Rutschmann, Dorothée Reutenauer, Vlora Mushla- Thaki, Silvia Graf,
Elisabeth Heeb, Doris Herter, Richard Simon, Rosalie Tuosto-Aeschlimann, Frank
Luck, Martina Kamm, Janine Dahinden, Franz Pöchhacker, und schliesslich den
TeilnehmerInnen des ersten Pilot-Projekt-Kurses .

19
Dolmetschen im Spital

1. Einführung

1.1 Dolmetschen im Spital


In den grossen Spitälern der Schweiz wurden in den vergangenen Jahren
Dolmetscherdienste eingerichtet, meist in Zusammenarbeit mit externen Anbietern
aus dem NGO-Bereich. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, (a) dass Spitäler
nicht genügend über das bestehende Angebot informiert sind, dass (b) Unklarheit
besteht, in welchen Situationen eine qualifizierte Dolmetschperson beigezogen
werden sollte, und dass (c) aus finanziellen Gründen grosse Zurückhaltung geübt
wird, angeblich teure Leistungen von ausserhalb des Spitals beizuziehen.
Es besteht Bedarf in zweifacher Hinsicht: Einerseits auf die bereitstehenden
Lösungen zur Überbrückung der Sprachbarrieren hinzuweisen, und andererseits zu
klären, in welchem Fall eine qualifizierte Dolmetscherin bzw. eine interkulturelle
Übersetzerin beigezogen werden sollte, und wann behelfsweise auf mehrsprachige
Mitarbeitende zurückgegriffen werden kann.
Mit diesem Projekt, das neben der Literatur-Revue auch als Pilotprojekt in den
Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) und der Psychiatrischen
Universitäts Poliklinik Basel (PUP) konzipiert ist, sollen Leitlinien erarbeitet
werden, die zu effizienter Arbeit, Pflege- und Behandlungsqualität für
fremdsprachige Patienten beitragen. Das Projekt soll auf die im Aufbau
begriffenen Vermittlungstellen im Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereich
abgestimmt sein (siehe EKA, Eidgenössische Ausländerkommission, und BAG).

1.2 Begrifflichkeiten
Im vorliegenden Bericht treten verschiedene Berufs- und/oder
Funktionsbezeichnungen auf für die Personen, die im Dolmetschbereich tätig sind.
Zur besseren Verständlichkeit wollen wir diese Bezeichnungen vorgängig näher
definieren. Eine einheitliche Bezeichnung lässt sich in der Literatur nicht finden.
Wir halten uns in der folgenden Begriffserklärung vorwiegend an die Definitionen
von Interpret (2005)11:

11 Cf www.inter-pret.ch

20
Dolmetschen im Spital

DolmetscherInnen sind Fachpersonen mit perfekter Kenntnis der eigenen


Muttersprache sowie einer oder mehrerer Fremdsprachen. Sie beherrschen die
notwendigen Dolmetschertechniken, um eine gesprochene Botschaft mündlich von
der Ausgangssprache in die Zielsprache zu übertragen. man unterscheidet
zwischen Simultandolmetschen (Dolmetschen erfolgt gleichzeitig) und
Konsekutivdolmetschen (Dolmetschen erfolgt zeitlich verschoben).
Interkulturelle ÜbersetzerInnen sind Fachpersonen für mündliches
Übersetzen in Trialogsituationen. Sie dolmetschen unter Berücksichtigung des
sozialen und kulturellen Hintergrunds der GesprächsteilnehmerInnen. Der Bergriff
der interkulturellen ÜbersetzerInnen ist nur in der Schweiz anzutreffen.
Interkulturelle VermittlerInnen informieren adressatengerecht MigrantInnen
und Fachpersonen öffentlicher Dienstleistungen über kulturelle Besonderheiten,
die unterschiedlichen Regeln des Polit- und Sozialsystems oder über
unterschiedliche Umgangsformen.
Bei diesen drei Gruppen handelt es sich durchgehend um ausgebildete,
qualifizierte Personen, welche folgende Kriterien erfüllen (zusammengetragen aus
www.inter-pret.ch, Dahinden, Fibbi, Moret, & Cattacin 2004, S. 88, Konzepte
Kantonsspital Olten, Spitalregion St. Gallen/Rorschach und Kantonsspital Baden).
Sie
- beherrschen die deutsche Sprache und die Muttersprache
- pflegen eine gute Beziehung zu Herkunftsland, kennen die aktuellen
Migrationsprobleme
- vermitteln, überbrücken Sprachbarrieren professionell
- kennen beide Kulturen und Gesundheitssysteme
- unterstehen der Schweigepflicht und nehmen eine neutrale Haltung ein
- bleiben dem Gesprächsinhalt treu, bleiben objektiv, können sinngemäss
übersetzen.
- halten ihre Rolle im Gespräch ein und kennen die Grenzen ihrer Aufgabe
- verfügen über eine abgeschlossene, anerkannte Ausbildung (Zertifikat)
Übersetzungshilfen sind klinikinterne Mitarbeiterinnen mit
Fremdsprachenkompetenzen. Die Bezeichnung Übersetzungshilfe haben wir als
neuen Begriff eingeführt. Er soll verdeutlichen, dass die Person, welche als
Übersetzungshilfe tätig ist, nur eine Unterstützung darstellt in der Kommunikation

21
Dolmetschen im Spital

mit fremdsprachigen Patienten und nicht über den fachlichen Hintergrund einer
interkulturellen Übersetzerin oder einer Dolmetscherin verfügt. Eine
Übersetzungshilfe sollte folgende Kriterien erfüllen: Sie
- haben gute sprachliche Fähigkeit in ihrer Muttersprache
- beherrschen die deutschen Sprache in Wort und Schrift
- haben eine offene und wertfreie Grundhaltung gegenüber Menschen mit
anderen Wertvorstellungen
- kennen die Institution und die organisatorischen Abläufe
- zeigen Interesse und Motivation an Einsätzen als Übersetzungshilfe
- kennen das Schweizer Gesundheitssystem
- besuchen eine interne Weiterbildung zum Thema „Übersetzen im Spital“
Ad Hoc Dolmetschende sind kurzfristig eingesetzte, zufällig anwesende
Person mit Kompetenzen in der fremden Sprache. Meist Angehörige oder
Mitarbeitende des Hausdienstes in der Klinik. Ad hoc Dolmetschende verfügen
über keine Vorkenntnisse in der Dolmetschtätigkeit. Ihre Kenntnisse der
Ausgangs- und Zielsprache können stark variieren. Zudem haben sie in der Regel
kein oder nur wenig medizinisches Fachwissen.

1.3 Sprachenvielfalt im Spital


Der Anteil der ausländischen Bevölkerung in der Schweiz beträgt ungefähr
20% (BAG, 2002). Die Aufenthaltsdauer ist sehr unterschiedlich, sie reicht von
vorübergehenden Kurzaufenthalten (Asylsuchende, Saisonarbeiter) bis zu
Migranten, welche sich für den Rest ihres Lebens in der Schweiz niederlassen.
Diese Heterogenität der Bevölkerung in der Schweiz zeigt sich natürlich auch im
Gesundheitswesen. Das vom BAG geforderte Prinzip der Chancengleichheit stellt
für die Institutionen des primären Gesundheitswesens eine grosse Herausforderung
dar. Die Gesundheitsbefragung von 1993 – 1997 zeigt, dass
„Personen ausländischer Herkunft häufiger ärztliche Dienste im
Bereich der Basismedizin, aber eher selten spezialisierte Angebote in
Anspruch nehmen. (….) und dass der Besuch einer Ärztin oder eines
Arztes seitens der Migrationsbevölkerung im Gegensatz zu
Schweizerinnen und Schweizer stärker an Krankheit und Unfall als an
Prävention oder Beratung gebunden ist. (BAG, 2002, S.19).

22
Dolmetschen im Spital

Die Verteilung der gesprochenen Fremdprachen in der Schweiz sieht laut des
erhobenen Census wie folgt aus: 34% Sprachen der Iberischen Halbinsel (Spanisch
und Portugiesisch), 18% Sprachen des Südslawischen Raums (Serbisch, Kroatisch,
Bosnisch, Slowenisch, Mazedonisch und Bulgarisch), 10% Türkisch, 10%
Englisch, 6% Albanisch. Die restlichen 22% beinhalten Ostslawisch,
Westslawisch, Arabisch, Holländisch, Skandinawisch, Ungarisch und Griechisch
(Bischoff & Loutan, 2002/2004)
Ausgehend von publizierten Berichten, Gesprächen mit Personen im
Gesundheitsbereich, Diskussionen in Focusgruppen und eigenen Erfahrungen zeigt
sich, dass die Kommunikation in Kliniken verschiedene Fragen für alle Beteiligten
aufwirft. So spiegelt sich die Sprachenvielfalt der Bevölkerung nicht nur in den
Patientenstatistiken, sondern ebenfalls bei den Mitarbeitenden der Kiniken.
Interessant dabei ist, dass nur 4% der Kliniken Statistiken führen über
fremdsprachige Patienten (Bischoff, Tonnerre, Eytan, Bernstein, Loutan; 1999).
Das Projekt Migrant Friendly Hospitals- Spitalnetzwerk12 für die
Migrationsbevölkerung (MFH) ist ein gemeinsames Projekt vom Bundesamt für
Gesundheit (BAG) und von H+ Die Spitäler der Schweiz. Es verfolgt folgende
Zielen:
- Bildung eines Netzwerkes von Spitälern, Psychiatrischen Kiniken,
Rehabilitationskliniken und Institutionen in der Langzeitpflege, die
sich durch eine besondere Kompetenz bei der Betreuung der
Migratinsbevölkerung auszeichenen.
- Vermittlung von Wissen durch Erfahrungsaustausch der direkt
betroffenen Ärzte und Ärztinnen, Pflegenden und
Verwaltungsfachleuten
- Erarbeitung von Empfehlungen und Standards
- Förderung und finanzielle Unterstützung von konkreten
Massnahmen in den Institutionen
Auf welche Art und Weise eine Verständigung bzw. eine Übersetzung auch
immer geschieht, Ziel bleibt das Verstehen der Aussagen der Patienten, der
Angehörigen und der Behandelnden. Wenn zwei Menschen mit verschiedenen

12 siehe auch http://www.hplus.ch

23
Dolmetschen im Spital

Sprachen sich begegnen, treffen gleichzeitig zwei unterschiedliche Vorstellungen


aufeinander. Damit die Kommunikation gelingt, ist deshalb nicht nur die
Sprachbarriere zu überwinden. Die beiden Gesprächspartner mit unterschiedlichen
kulturellen Hintergründen müssen eine gemeinsame Ebene finden, um sich zu
verständigen. Dies kann erschwert sein, wenn Vorurteile und rassistische
Einstellungen die Offenheit für das Gegenüber beeinträchtigen.
Auch über die Grenzen der Schweiz hinaus ist Migration und Sprachenvielfalt
im Gesundheitswesen Europas ein Thema. So haben sich im Jahr 2002
Krankenhäuser aus 12 europäischen Ländern zusammengefunden, um im Rahmen
des EU-Pilotprojekts „Migrant-Friendly-Hospitals“ eine systematische
Auseinandersetzung mit diesen Herausforderungen zu initiieren. Aus dieser
Projektgruppe wurde die „Amsterdamer Erklärung für migrantInnenfreundliche
Krankenhäuser in einem ethnisch und kulturell vielfältigen Europa“(2005)
entwickelt. Darin werden neben vielen anderen folgende Empfehlungen
abgegeben:
- „die Etablierung von Partnerschaften mit Betroffenen auf der
lokalen Ebene bzw. mit engagierten NGOs und ähnlichen
Organisationen, die mit den Problemen von MigrantInnen und
ethnischen Minderheiten vertraut sind, ist ein wichtiger Schritt zu
einem kulturell und sprachlich adäquateren Versorgungssystem“.
und
- „Investitionen in den Aufbau von Kapazitäten hinsichtlich der
kulturellen und sprachlichen Kompetenz des Personals (Auswahl,
Training, Evaluierung) sind notwendig.“
Weitet man die Suche nach Literatur geographisch weiter aus, so findet man
viele Studien in den USA, welche vor allem die Problematik der
Gesundheitsversorgung für die spanisch sprechende Bevölkerung untersuchen.
Auch in Australien und in Südafrika wurden Untersuchungen über die
gesundheitliche Betreuung nicht englisch sprechenden, genauer LEP („limited
english proficiency“) Patienten durchgeführt. Einzelne Studien kommen auch aus
asiatischen Ländern. Die gefundenen Resultate unterscheiden sich nur punktuell,
die Hauptergebnisse sind jedoch auffallend konsistent. Um eine nachhaltige
Verbesserung in der gesundheitlichen Betreuung fremdsprachiger Patienten zu
erzielen, muss eine migrantenfreundliche Haltung institutionalisiert werden, und
Massnahmen zur Überwindung der Sprachbarrieren müssen eingebettet sein in ein

24
Dolmetschen im Spital

politisches Gesamtkonzept und das Qualitätsmanagement der Kliniken (MFH-EU,


2003).

25
Dolmetschen im Spital

2. Vorgehen
Das Projekt, das wir in diesem Bericht näher vorstellen möchten, enthielt vier
Etappen: erstens eine Literaturreview, zweitens eine Umfrage, drittens ein
Ausbildungspilotprojekt und viertens die Erarbeitung von Richtlinien für den
Umgang mit fremdsprachigen Patienten im Spital.
Die Literaturreview untersucht, wie Gesundheitssysteme mit Sprachbarrieren
und Sprachendiversität umgehen.
In einem Pilotprojekt/Qualitätsprojekt im Rahmen des Pflegedienstes der UPK
und der PUP Basel, wurde das fremdsprachenkundige Personal erfasst und
anschliessend für den Einsatz als Übersetzungshilfe trainiert. So geschulte
Mitarbeitende wurden in einer Datenbank im Intranet (der „Sprachdatenbank“)
erfasst und abrufbar gemacht und können nun, mit ihrem Einverständnis, zum
Dolmetschen in unproblematischen Situationen beigezogen werden.
Im letzten Teil erarbeiteten wir Leitlinien, die den Umgang mit
fremdsprachigen Patienten erleichtern sollen:
• Leitlinien zum Aufbau einer spitalinternen Sprachdatanbank
• Leitlinien für Ärzte und Pflegende für den Umgang mit Übersetzungshilfen)
• Leitlinien zur Frage: „Wann, wo und wie rufe ich eine/n interkulturelle/n
Übersetzer/in, wann eine interne Übersetzungshilfe“? (Zusammenstellung
relevanter Kriterien als Entscheidungshilfe)
• Leitlinien: “Wie arbeite ich als Übersetzungshilfe im Spital?“
• Leitlinien für die Schulung von Übersetzungshilfen.

26
Dolmetschen im Spital

3. Dolmetschen im Spital – eine Literaturübersicht


In den folgenden Abschnitten wird neben den gut untersuchten Auswirkungen
von Sprachbarrieren der Fokus auf das Überwinden der Sprachbarrieren gelegt. So
liegen verschiedene Modelle vor, um Probleme im Umgang mit fremdsprachigen
Patienten zu lösen. Des Weiteren wird anhand von Studien der Einsatz von Nicht-
professionellen Dolmetscherinnen dargestellt und dem Einsatz von professionellen
Dolmetscherinnen gegenübergestellt.

3.1 Auswirkungen von Sprachbarrieren


Viele Wissenschaftler haben sich in den letzten Jahren mit der Problematik der
Kommunikation zwischen Patienten und Mitarbeitenden im Gesundheitswesen
auseinandergesetzt. Alle sind sich einig, dass mangelnde Verständigung und
Kommunikation eine gute Behandlung gefährdet (Campbell et al., 2000; Wensing
et al., 2000; Stewart et al, 2000)
Studien zeigen, dass fremdsprachige Patienten weniger Termine für
Nachsorgeuntersuchungen erhalten (Sarver & Baker, 2000), weniger zu
Nachsorgeterminen erscheinen (Pitkin & Baker, 2000) und sich weniger an die
Medikamentenverordnung halten (Manson, 1988; David & Rhee, 1998).
Sprachbarrieren führen zu vermehrten diagnostischen Untersuchungen (Hampers et
al, 1997), verringerter Nutzung präventiver Angeboten z.B. Brustuntersuchungen
(Woloshin et al, 1997) oder geringerer Adhärenz bzgl. Selbstüberwachung des
Blutzuckerspiegels (Karter et al, 2000). Die Verständigungsschwierigkeiten führen
ebenfalls zu einer tieferen Patientenzufriedenheit (Baker et al, 1998; Carasquillo et
al, 1999; Morales et al, 1999). und zu einer geringerer Therapietreue, was
schlechtere medizinische Ergebnisse zur Folge hat (Rivadeneyra, Elderkin-
Thompson, Cohen Silver, & Waiztkin, 2000).
Während Bernstein et al. (2002) den Effekt beschreiben, dass fremdsprachige
Patienten mit Verständigungsschwierigkeiten kürzere Zeit auf der Notfallstation
bleiben, dabei weniger Medikamente erhalten und weniger Abklärungen gemacht
werden, finden Woloshin et al. (1995) eine deutlich höhere Anzahl an verordneten
Abklärungen bei dieser Patientengruppe. Als Fazit aus den beiden Untersuchungen
lässt sich schliessen, dass fremdsprachige Patienten aufgrund fehlender
Informationsweitergabe eine der Situation unangemessene Behandlung erhalten.

27
Dolmetschen im Spital

3.2 Überwinden von Sprachbarrieren


Es findet sich in der Literatur keine einheitliche Lösung zur Überwindung von
Sprachbarrieren, welche für weltweit alle Kliniken zu empfehlen ist. Die
Forderungen der Klinikmitarbeitenden und auch der Patienten sind von Torres
(2000) in den „Best Practice Recommendations for Hospital-based Interpreter
Services“ formuliert mit:
- 24h Zugang zu Übersetzungsdiensten
- Übersetzung möglich in allen Sprachen
- einheitliches Training und Evaluation der Kompetenzen unabhängig von der
benutzten Variante
Um diesen Forderungen gerecht zu werden, benutzen viele Kliniken eine
Kombination von verschiedenen Modellen zur Überwindung von Sprachbarrieren.
Die von Ginsberg et al. (1995) in den USA durchgeführte Review beschreibt
folgende Modelle, die in Kliniken zur Anwendung kommen: a) Zusammenarbeit
mit externen, professionellen Übersetzungsdiensten, b) Hinzuziehen von
mehrsprachigen Angestellten und Freiwilligen, c) Berücksichtigung des Faktors
Sprachkompetenzen bei der Anstellung. Sie halten dabei fest, dass nur wenige
Kliniken die Einsätze der Dolmetschpersonen evaluieren oder eine Schulung für
die übersetzenden Angestellten anbieten.
Ähnliches finden Brach, Fraser & Paez (2005), wobei sie neben dem a)
Einsetzen von professionellen Dolmetscherinnen und b) Rekrutieren und Einsetzen
von mehrsprachigen Fachpersonen als dritte Möglichkeit das Angebot eines
telefonischen Dolmetschdienstes beschreiben.
Die Variante des Telefondolmetschens, welche in der Schweiz noch kaum
angewandt wird, bietet die Möglichkeit, ein Gespräch zu übersetzen ohne dass die
physische Anwesenheit einer qualifizierten Dolmetscherin notwendig ist. Die
Stärke dieses Angebotes liegt vor allem in der raschen Verfügbarkeit einer
Dolmetscherin zu allen Tageszeiten und in der Vielfalt des Sprachenangebots. Es
ist eine geegnete Variante für kleine Kliniken in ländlichen Gebieten. Mehr
Informationen zum Telefondolmetschen enthält der Bericht des MFH –Projekts Nr.
7 (Bischoff & Grossmann 2005)
Die Anstellung von professionellen Dolmetscherinnen in einer Klinik bewährt
sich vor allem bei sehr oft gebrauchten Sprachen. So bieten grössere Kliniken
beispielsweise Sprechstunden für türkisch sprechende Frauen an. Meist ist dieses

28
Dolmetschen im Spital

Angebot eingebettet in ein transkulturelles Konzept der Klinik. Dieses kann auch
beinhalten, dass bei der Neueinstellung von Personal vermehrt auf deren
Migrationshintergrund geachtet wird. Domenig (2004) betont die zentrale
Bedeutung der Fachpersonen mit Migrationshintergrund nicht nur in der
Behandlung von MigrantInnen sondern für die ganze Einrichtung.
Kaya, Kamm & Gabadinho (2005) kristallisieren in ihrem Forschungsbericht
zwei alternierende Funktionen der internen und externen Sprachressourcen heraus:
entweder interne Ressourcen (Übersetzungshilfen) kommen prioritär zur
Anwendung und externe Dienste übernehmen eine Zusatzfunktion, oder im
umgekehrten Fall kommen die Übersetzungshilfen komplementär zur Anwendung,
während in erster Linie auf externe Ressourcen zurückgegriffen wird.
Als Ergänzung zu den verschiedenen mündlichen Varianten zum Überwinden
der Sprachbarrieren ist die in der Literatur kaum erwähnte Arbeit mit übersetzten
Informationsbroschüren und mit Piktogrammen. Domenig (2004) meint dazu:
„damit PatientInnen bzw. KlientInnen nicht nur besser behandelt,
sondern auch besser über ihre Behandlung informiert sind, sollten
neben der Anstellung von Fachpersonen mit Migrationshintergrund
und dem Aufbau eines professionellen Systems von SprachmittlerInnen
auch schriftliche Informationsbroschüren in den wichtigsten Sprachen
zur Verfügung stehen. Der sehr erfolgreiche, in 19 Sprachen übersetzte
Gesundheitswegweiser Schweiz (BAG, SRK und Caritas Schweiz,
2001) ist ein Beispiel von good practice, wie auf eine verständliche,
anschauliche und migrationsspezifisch angepasste Weise Informationen
– hier zum schweizerischen Gesundheitssystem – vermittelt werden
können.“(S.67)
Das Einsetzen von Familienangehörigen als Ad-hoc Dolmetschende ist nach
wie vor die am meisten gewählte Variante (Bischoff & Loutan, 2002/2004). In
einer in 244 Kliniken der Schweiz erhobenen Umfrage im Jahre 1999 gaben 78%
der Kliniken an, Verwandte oft als Ad-hoc Dolmetschende einzusetzen. (94%
Akutspitäler versus 64% Psychiatrische Kliniken) Diese Tendenz wird in Studien
in anderen Ländern bestätigt (Bonacruz-Kazzi & Cooper, 2003, Ginsberg et al.
1995, Pöchacker 2000)
Trotz oben genannten Befunden sind sich alle Autoren in der Tatsache einig,
dass Angehörige und Freunde, sowie ungeschultes Personal eine Übersetzung des
Gesprächs nur ungenügend ausführen. So stellen Elderkin-Thompson und
Kollegen (2001) fest, dass der Einsatz von ungeschulten Ad-hoc Dolmetschenden

29
Dolmetschen im Spital

zu Verzerrungen der Information führt und dass zwischen 23% und 52% der
Fragen der Ärzte falsch oder nicht übersetzt wurden. Flores et al. (2003) kommen
aufgrund der Transkription von dolmetsch-vermittelten Gesprächen zum Schluss,
dass Fehler in der Übersetzung von Ad-hoc Dolmetschenden signifikant häufiger
zu medizinischen Konsequenzen führen als Übersetzungsfehler von klinikinternen
Übersetzungshilfen (77% vs. 53%). Free, Green, Bhavnani & Newman (2003)
berichten neben einigen positiven Erfahrungen auch von den emotionalen
Belastungen für junge Familienangehörige, welche als Ad-hoc Dolmetschende
eingesetzt werden. Sie fühlen sich unbeholfen, frustriert und verärgert in
schwierigen Situationen. Sie haben Mühe, schlechte Nachrichten zu überbringen
oder ihren Eltern zu sagen, was sie tun müssen.
Und doch gibt es im klinischen Alltag immer wieder Situationen, in denen die
Anwesenheit eines Familienmitglieds als Ad-hoc-Dolmetschender akzeptiert
werden muss. Bischoff & Loutan (2000) haben zum Thema Verwandte als Ad-
Hoc-Dolmetschende in „Mit anderen Worten“ folgendes Beispiel angeführt und
kommentiert:
Vor einem Jahr kam Familie Uzic in die Schweiz. Der zwölfjährige
Dinko hat sich schnell in der Schule eingelebt und problemlos
Französisch gelernt. Seine Mutter dagegen bleibt zu Hause und spricht
noch immer kein Französisch. Plötzlich wird sie krank und sucht
notfallmässig den Arzt auf. Da sie weiss, dass sie sich mit dem Arzt
nicht verständigen kann, nimmt sie ihren Sohn mit. Er soll
»übersetzen«. Der Arzt nimmt sorgfältig die Anamnese auf und
vermutet länger zurückliegende traumatische Erfahrungen im
Häftlingslager. Wird die Frau in Anwesenheit ihres zwölfjährigen
Sohnes über ihr traumatisches Erlebnis - eine Vergewaltigung -
sprechen?
Wohl eher nicht.
Deshalb sollten Verwandte von Patienten, wann immer es eine andere
Möglichkeit gibt, nicht als Dolmetscher beigezogen werden.
Zu oft müssen in Sprechstunden heikle Fragen angeschnitten werden,
die in Gegenwart eines Kindes, der Eltern, von Verwandten oder
Freunden kaum zu beantworten sind. Dann macht die Anwesenheit
eines Angehörigen die weitere Behandlung, Beratung oder Pflege
nachgerade unmöglich. In der Psychotherapie können Angehörige
einbezogen werden; dagegen ist selbstverständlich nichts zu sagen. Sie

30
Dolmetschen im Spital

ersetzen aber auch im Falle eines fremdsprachigen Patienten nicht die


unabhängige und ausgebildete Dolmetscherin.
Manchmal lässt sich die Anwesenheit eines dolmetschenden
Angehörigen während einer Konsultation allerdings kaum vermeiden.
In einigen Kulturen ist es unvorstellbar, dass Patienten alleine den Arzt
aufsuchen. Es ist vielmehr selbstverständlich, dass sich diese von ihrer
»Familie« begleiten lassen. Dies gilt insbesondere für Frauen, deren
Männer oft darauf bestehen, beim Gespräch anwesend zu sein und zu
übersetzen. Deshalb sollte man sich über die Möglichkeiten und
Grenzen einer solchen Konstellation im Klaren sein und, wenn eine
gewisse Vertrauensbasis einmal da ist, dem Patienten für weitere
Sprechstunden eine ausgebildete Dolmetscherin vorschlagen.
Übersetzt ein Angehöriger, ist es mehr die Regel als die Ausnahme,
dass dieser anstelle des Patienten spricht. So kommt es vor, dass
beispielsweise der Ehemann für seine Frau spricht, ohne sie nach ihren
Erwartungen, Ängsten und Symptomen zu befragen. Missverständnisse
und völlige Fehleinschätzung können die Folge sein (S.50).
Probleme, welche unabhängig von der Wahl der dolmetschenden
Person auftreten können, liegen in der Schwierigkeit eines Gesprächs zu
dritt. Nimmt in einigen Gesprächen die dolmetschende Person nur die Rolle
der „Schaltstelle“ zwischen den Aeusserungen eines patienten und eines
Arztes oder Pflegenden, so ermöglicht eine Kommunikation im Dreieck –
ein Trialog – eine Partnerschaft zwischen Arzt und der Dolmetscherin. Die
daraus entstehenden Rollenkonflikte, die noch immer unabhängig von der
Professionalität einer Dolmetscherin sind, nehmen Weiss & Stuker (1999)
Bezug:
„Potentielle Schwierigkeiten im übersetzten Gespräch betreffen u.a.
das Gefühl der Behandelnden, ihre Kompetenz werde beeinträchtigt
und ihre Kontrolle über die Kommunikation eingeschränkt. Besonders
bei mangelnder Erfahrung kann die Anwesenheit einer übersetzenden
Person als störend empfunden werden.“(S. 261)

3.3 Nicht-professionelle Dolmetscherinnen


Der Anteil ausländischer Arbeitskräfte (inklusive Personen mit asylrechtlichem
Status, GrenzgängerInnen, KurzaufenthalterInnen) im Schweizerischen

31
Dolmetschen im Spital

Gesundheits- und Sozialwesen lag im Jahre 2001 bei ca 20% (Dahinden et al.,
2004). Diese sind in den Kliniken in vielen verschiedenen Bereichen tätig und
verfügen über unterschiedliche Fähigkeiten sowohl in der Muttersprache als auch
in der deutschen Sprache.
Allein aufgrund ihrer Muttersprache wird häufig zufällig anwesendes Personal
des Hausdienstes, des Transportwesens etc. zu Gesprächen mit fremdsprachigen
Patienten hinzugezogen. Auch Pflegeassistentinnen und Pflegefachpersonen
werden spontan aus ihrer Tätigkeit abgezogen und zu Gesprächen gerufen. Diese
nicht-professionellen Ad-hoc Dolmetschenden verfügen kaum über Erfahrung in
der Rolle als übersetzende Person und haben teilweise einen nur kleinen deutschen
Wortschatz. Das medizinische Vokabular ist vielen nicht bekannt. Für
Mitarbeitende im Hausdienst ist zudem die Arbeit mit Patienten bzw. der Umgang
mit Ärzten, Psychologen und/ oder Pflegefachpersonen nicht vertraut und kann
Unbehagen auslösen. Dass dies ungünstige Voraussetzungen für eine gelungene
Dolmetschertätigkeit darstellen liegt auf der Hand.
Obwohl viele Studien die Auswirkungen von Sprachbarrieren aufzeigen, gibt
es nur wenige, welche die Einsätze von Nicht-professionellen Ad-hoc
Dolmetschenden den geschulten Übersetzungshilfen und auch den
professionellen Dolmetschern bzw. interkulturellen Übersetzerinnen
gegenüberstellen.
Bischoff et al. (2001) stellen in einer Untersuchung mit Asylsuchenden fest,
dass bei Anwesenheit einer professionellen Dolmetscherin viele verschiedene
Krankheitssymptome von den Patienten benannt werden. Ist ein Ad-hoc
Dolmetscher anwesend, werden zwar viele körperlichen Beschwerden, jedoch
kaum psychische Probleme angesprochen. Bei Abwesenheit einer dolmetschenden
Person werden deutlich weniger physische wie auch psychische Symptome
benannt.
Elderkin-Thompson, Cohen Silver & Waitzkin (2000) prüfen in einer in
Californien, USA durchgeführten Studie die Genauigkeit der mündlichen
Übersetzungen durch ungeübte, mehrsprachige Pflegefachpersonen. Die Resultate
zeigen, dass in unkomplizierten Gesprächen mit bereits bekannter Diagnose oder
einfach zu identifizierenden Problemen die Fehlerquote bei einem Drittel liegt. Bei
Gesprächen mit komplexen Sachverhalten sogar bei zwei Dritteln.
Ausschlaggebend für eine korrekte Übersetzung ist aber auch die
Gesprächsführung des Arztes. Kurze Sätze, langsam gesprochen und geduldiges
Zuhören erhöhen die Chance auf eine erfolgreiche Übersetzung. Die Autoren
empfehlen, die mehrsprachigen Pflegefachpersonen im Dolmetschen zu schulen,

32
Dolmetschen im Spital

um die Fehler zu minimieren. Sie berufen sich dabei auf eine Studie von Woloshin
et al (1997), welche gefunden hat, dass nach 70 Stunden Dolmetsch-Training die
Fehlerquote signifikant fällt.
In derselben Studie wird verwiesen auf eine Aussage von Putsch (1985),
welcher die berufseigenen Stärken der Pflegefachpersonen hervorhebt. Er hält fest,
dass Patienten oft wichtige Aussagen nur indirekt äussern und relevante
Informationen nur von einer medizinisch geschulten Person erkannt werden
können. Ähnliches finden Drennan & Swarzt (2002) in einer quantitativen Studie
in Psychiatrischen Kliniken in Südafrika. Sie betonen dabei den Vorteil einer
Psychiatrischen Pflegefachperson, die Aeusserungen eines Patienten besser
verstehen kann dank ihrem psychiatrischen Hintergrundswissen. Beim Übersetzen
gelingt es ihr deshalb leichter, die Inhalte auf eine Weise zu übermitteln, die dem
betreuenden Arzt die Diagnose erleichtert.
„They (psychiatric nurses) will probably be able to say he’s psychotic
whereas the interpreter may say ‘I can’t follow him“(S. 1859)
Drennan & Swartz stellen in ihrer Studie aber auch fest, dass die Entscheidung
für den Einsatz einer professionellen Dolmetscherin oder einer mehrsprachigen
Pflegefachperson nicht nach festgelegten Leitlinien erfolgt, sondern im Ermessen
des betreuenden Arztes liegt.
Meyer (2002) ist eher zurückhaltend in einer Empfehlung zu Gunsten eines
Einsatzes von Pflegefachpersonen als Übersetzungshilfe:
„insgesamt lässt sich feststellen, dass beim Dolmetschen im
Krankenhaus besondere Kompetenzen erforderlich sind, über die
Angehörige und Pflegepersonal in der Regel nicht oder nur zum Teil
verfügen.“
In einem anderen Artikel fügt er allerdings an:
„da jedoch Zweit- oder Fremdsprachenkenntnisse allein nicht
ausreichen, um gute Dolmetschleistungen zu erzielen, müssen
zweisprachige Pflegekräfte auf dies verantwortungsvolle Tätigkeit
vorbereitet werden,“ (Meyer, 2004)
So hat Meyer verschiedene Konzepte für Fortbildungen entwickelt, in denen er
das „Dolmetschertraining aus diskursanalytischer Sicht“ darstellt.

33
Dolmetschen im Spital

In einem Projekt der MFH-EU mit dem Namen „Verbesserung der


Übersetzungsleistungen in den Kliniken“ wird die Einrichtung einer internen
Sprachdatenbank unter bestimmten Bedingungen gut geheissen:
„falls gut gemanagt können Sprachdatenbanken eine effektive Methode
sein bei Abwesenheit von professionellen Dolmetschern“ (Schulze et al,
2003, S.20)
Interessant ist, dass der Bericht davon abrät, medizinisches Personal als
Übersetzungshilfen einzusetzen und eher dafür spricht, Personal ohne direkten
Patientenkontakt zu rekrutieren, zum Beispiel aus der Administration. Schulze et
al. begründen dies mit den auftretenden Rollenkonflikten der Übersetzungshilfen in
schlecht geführten Gesprächen, in denen sie nicht nur die Rolle der Übersetzerin,
sondern auch die der Gesprächsführung bzw. der Expertin einnehmen müssen.

3.4 Dolmetschleistungen finanzieren


Das Beiziehen von internen Übersetzungshilfen, meist mittels „Listen“, die
mehrsprachige Mitarbeitende aufführen, wird in erster Linie mit dem Argument
propagiert, damit wären Kosten zu sparen. Mitarbeitende, die „eine Fremdsprache
können“, verursachten keine zusätzlichen Kosten, während die Zusammenarbeit
mit einem Dolmetscherdienst und die entsprechend beigezogenen und entlöhnten
professionellen DolmetscherInnen bzw. interkulturellen Übersetzerinnen für ein
Spital zu teuer seien.
Dabei gilt es zu bedenken, dass Sprachbarrieren in jedem Fall ihren Preis
haben. Wenn gar keine Übersetzung vorhanden ist, verursacht das zwar keine
Dolmetscher-, dafür umso mehr Folgenkosten, wie zum Beispiel der Preis für
unnötige Untersuchungen, Missverständnisse bei der Behandlung, ungenügende
Therapietreue etc.
Wenn über eine externe Vermittlungsstelle qualifizierte DolmetscherInnen
beigezogen werden, sind diese Personen angemessen zu entlöhnen (zurzeit liegt
der Stundenansatz für Dolmetschleistungen in der Schweiz zwischen 60.- und 80.-
). Gleichzeitig hat die Klinik aber nichts aufzuwenden für die Ausbildung der
DolmetscherInnen. Die gesamte Qualitätssicherung der Dolmetscherleistungen ist
somit „ausgelagert“ (Stichwort Outsourcing). Das Spital kann sogar, als
Institution, die Dolmetschleistungen „einkauft“, in der Qualitätssicherung
mitreden, dh mitbestimmen, was von den Dolmetscherinnen verlangt wird
(Bischoff 2002).

34
Dolmetschen im Spital

In der Forschung gibt es bisher kaum Untersuchungen zu den finanziellen


Aspekten von Sprachbarrieren und Dolmetscharbeit. Jacobs ist eine der wenigen,
die die finanziellen Kosten einer Betreuungspraxis, die DolmetscherInnen einsetzt,
mit den Kosten einer Betreuung verglich, die auf Dolmetschleistungen verzichtet.
Dazu hat Jacobs über zwei Jahre zwei Gruppen von Patienten in einer HMO
verglichen, eine bestehend aus Portugiesisch und Spanisch sprechenden
PatientInnen (Dolmetschergruppe genannt) und eine Kontrollgruppe bestehend aus
anderen PatientInnen der gleichen HMO (Jacobs et al 2001). In der
Dolmetschergruppe wurde eine Intervention vorgenommen, indem den
PatientInnen, ab einem Zeitpunkt, systematisch DolmetscherInnen zur Verfügung
gestellt wurden. Die PatientInnen, die DolmetscherInnen zur Seite hatten, kamen
öfter zur verabredeten Sprechstunde, bekamen mehr
Medikamentenverschreibungen, und – dies ist das interessanteste – zeigten
grösseres Interesse an präventiven Massnahmen wie Krebs-Früherfassung (rektale
Untersuchungen) und Impfungen
Anhand dieses Datenmaterials rechneten Jacobs und ihre KollegInnen die
Kosten aus (Jacobs et al 2004). Diese Berechnungen sind Gegenstand einer
weiteren Publikation. Zwar ist klar, so zeigt die Autorin, dass die Einführung von
DolmetscherInnen zwar Mehrkosten verursacht hat ($ 279 pro Patient pro Jahr),
dass dies aber verglichen mit den jährlichen Ausgaben für einen Diabetes-
Patienten (1563 US-Dollar) oder Herzkrankheits-Patienten (2328 US-Dollar) eine
moderate Zunahme ist.
Zur dritten Option, den internen Übersetzungshilfen. Die Literaturübersicht hat
aufgezeigt, dass beim Zuziehen von nicht qualifizierten Dolmetschenden die
Standards einer guten Betreuungsqualität nur schwer eingehalten werden können.
Um bei solchen Dolmetschleistungen trotzdem eine gute Qualität anzustreben, sind
Übersetzungshilfen auf diese Aufgabe vorzubereiten. Für den effizienten Ablauf
ihrer Einsätze sind zudem organisatorische Strukturen notwendig, die wir im
Abschnitt über das Pilotprojekt näher beschreiben (siehe unten). Das Angebot von
Schulungen und der Aufbau einer angemessenen Organisation sind mit einigem
finanziellen Aufwand verbunden. Auch der Einsatz von internen Mitarbeitenden
als Übersetzungshilfen hat also seinen Preis, sofern minimale Qualitätsstandards
eingehalten werden.
Den Kostenfaktor beim Einsatz von Übersetzungshilfen hat Drennan
untersucht. Seine Studie aus Südafrika zeigt, dass der Einsatz von internen
Übersetzungshilfen sich als kostenungünstig herausgestellt hat. Man hatte
Pflegefachleute als Dolmetschende eingesetzt, aber da diese immer wieder ihre

35
Dolmetschen im Spital

eigene Station verlassen mussten, hinterliess dies empfindliche Lücken, die für die
Stationen teuer kamen. Die Pflegeprozesse waren unterbrochen, die Organisation
um diese Lücken herum kompliziert und eben letztlich kostspielig. Drennan
bezeichnet das als „cost in terms of lost clinical productivity” (Drennan 1996, p
344).

3.5 Professionelle Dolmetscherinnen


Die Notwendigkeit von Dolmetscherinnen im Gesundheitswesen ist seit
mehreren Jahren bekannt (Bischoff & Loutan , 2000, Weiss und Stuker, 1998). Das
BAG hat 1998 begonnen, die bislang unstrukturierten Angebote im Bereich der
professionellen Übersetzung und des interkulturellen Vermittelns zu koordinieren
und die Ressourcen zu konzentrieren (Dahinden & Chimienti, 2002). Diese
Bewegung führte zur Gründung des Vereins INTERPRET im März 1999.
INTERPRET ist die Schweizerische Interessengemeinschaft für
interkulturelles Übersetzen und Vermitteln. Ziel des Vereins ist es, MigrantInnen
den Zugang zum Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen in der Schweiz zu
erleichtern und die Verständigung zwischen ihnen und den entsprechenden
Fachpersonen sicherzustellen.
INTERPRET hat in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Verband für
Weiterbildung (SVEB) und mit Unterstützung des Bundesamtes für Gesundheit
(BAG) ein „schweizerisches Zertifikat für interkulturelle ÜbersetzerInnen“
geschaffen und ist die nationale Stelle für die Anerkennung der Ausbildungen in
diesem Bereich. Wer bereits über viel Erfahrung in der Begleitung
Fremdsprachiger zu Institutionen der öffentlichen Hand verfügt, kann seit April
2004 bei INTERPRET das "Zertifikat für interkulturelle/r ÜbersetzerIn" über ein
Gleichwertigkeitsverfahren erlangen.
INTERPRET stellt fest, dass ausgebildete interkulturelle Übersetzerinnen den
kulturellen Background vermitteln und als Brücke zwischen den Kulturen dienen,
indem sie neutral bleiben, die Vertraulichkeit des Gesprächs gewährleisten und
dem Gesprächsinhalt treu bleiben.
In einer Befragung von 244 Kliniken in der Schweiz im Jahre 1999 gaben ein
Drittel der Kliniken an, Zugang zu Dolmetscherdiensten zu haben (Bischoff &
Loutan, 2002/2004). Auch wenn dieser Zugang vorhanden ist, bleibt die
Zurückhaltung beim Aufbieten einer interkulturellen Übersetzerin gross. Dies
deckt sich mit Untersuchungsergebnissen aus anderen Ländern.

36
Dolmetschen im Spital

Kazzi &Cooper (2003) sehen die Gründe für diese Hemmung in einer geringen
Einsicht zur Notwendigkeit professioneller Dolmetscharbeit, hohe Akzeptanz der
Ad-hoc Dolmetscher, Unkenntnisse über den Zugang zu den Dolmetscherdiensten
und den Wunsch einiger Fachpersonen, das Gespräch mit dem Patienten ohne eine
Drittperson führen zu wollen. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen Burbane, O’Leary,
Frederico, & Hampers (2002). Die befragten Fachpersonen begründeten den
Verzicht auf den Beizug qualifizierter DolmetscherInnen mit deren fehlender
Verfügbarkeit und ungenügender Vertrautheit mit der medizinischen Fachsprache.
Zudem empfanden sie die Gesprächsführung ohne DolmetscherIn als weniger
umständlich.
Auch Gerrisch, Chau, Sobowale & Birks (2004) führen die Unwissenheit
betreffend eines bestehenden Dolmetscherdienstes als Ergebnis in ihren in England
durchgeführten Interviews mit Pflegefachpersonen auf. Sie empfehlen eine
Weiterbildung sowohl für Pflegefachpersonen als auch für Dolmetscherinnen, um
die Zusammenarbeit und somit die Übersetzungsleistung zu optimieren.
Interessant ist, dass in Psychiatrischen Kliniken der Schweiz das Verhältnis der
Einsätze von interkulturellen Übersetzerinnen zu Ad-hoc Dolmetschenden sich
deutlich unterscheidet zu dem in Akutspitälern. So finden Bischoff & Loutan
(2004), dass in Psychiatrischen Kliniken 37% aller Übersetzungen von
interkulturellen Übersetzerinnen vorgenommen wurden. In Akutspitälern nur 9% .
Ein Grund dafür mag sein, dass die Anforderungen beim Dolmetschen eines
inhaltlich komplexen Gespräches zu hoch sind für Ad-hoc Dolmetschende.

37
Dolmetschen im Spital

4. Dolmetschen im Spital – praktische Erfahrungen


In den letzten Jahren haben sich verschiedene Kliniken in der Schweiz mit der
Frage auseinandergesetzt, wie die Kommunikation mit fremdsprachigen
PatientInnen verbessert werden kann. Wir möchten im Folgenden am Beispiel
zweier Kliniken zeigen, wie die Einführung einer internen Sprachdatenbank in die
Praxis umgesetzt worden ist.
In der Spitalregion St. Gallen- Rorschach fand ein Treffen einer Focus-Gruppe
statt. Diese setzte sich zusammen aus der Qualitätsbeauftragten Pflege, welche das
Dolmetschkonzept der Klinik entwickelt hat und deren Umsetzung verfolgt, zwei
Abteilungsleiterinnen von einer Akut- bzw. Notfallstation, welche oft mit den
Schwierigkeiten der mangelnden Verständigung in dringenden Situationen zu
kämpfen haben, und einer geschulten internen Übersetzungshilfe mit kroatischer
Abstammung.
Das Kantonsspital Olten gehört dem Netzwerk „Migrant Friendly Hospital“ an
und hat sich in den letzten Jahren intensiv mit transkultureller Arbeit beschäftigt.
Das vorgestellte Dolmetschkonzept ist nur ein Teil des „Leitfadens für
transkulturelle Integration“

4.1 Spitalregion St. Gallen- Rorschach


Eine im Jahr 2001 durchgeführte Erhebung zeigte einerseits einen grossen
Bedarf an Übersetzungen in der Spitalregion St. Gallen- Rorschach. Andererseits
zeigte sich, dass das bestehende Angebot an Dolmetscherdiensten in dieser Region
nur spärlich genutzt wird. In der Folge wurde 2002 ein „Konzept für einen
funktionierenden Dolmetscherbetrieb am Kantonsspital St. Gallen“ erstellt.
Neben dem Beizug geschulter Übersetzerinnen über die Vermittlungsstelle für
Dolmetscher und DolmetscherInnen (VERDI) werden fremdsprachige
Mitarbeitende zu Einsätzen als Übersetzungshilfen geschult. Diese Schulung
erfolgt durch CARITAS Schweiz, dauert drei Tage und ist verpflichtend für alle
Mitarbeitenden, die sich als Übersetzungshilfe zur Verfügung stellen. Eine
jährliche Fortbildung von ½ Tag ist vorgesehen.

38
Dolmetschen im Spital

Die mehrsprachigen Mitarbeitenden gehören verschiedenen Berufsgruppen an.


Die Eignung als Übersetzunghilfe wird anhand erstellter Kriterien und einem
Anforderungsprofil überprüft. Eine Liste der zur Verfügung stehenden
Mitarbeitenden liegt sowohl in Papierform als auch im Intranet der Klinik vor. Die
Einsätze werden mittels Fragebogen von den Benutzern des Dolmetscherdienstes
evaluiert, eine Rückmeldung der nicht deutsch sprechenden Patienten erfolgt
anhand eines übersetzten Fragebogens.
Einzelne fremdsprachige Mitarbeitende können sogar in ihrer Freizeit
angefragt werden und erhalten dafür eine Vergütung.
Die Qualitätsbeauftragte Pflege berichtet positiv über die Nutzung dieses
Angebots am Kantonsspital St. Gallen. Viele Übersetzungshilfen werden
regelmässig und wiederholt von denselben Benutzern zum Einsatz gebeten.
Geschätzt wird vor allem die schnelle Verfügbarkeit. Übersetzungshilfen berichten
über eine Erweiterung ihres Fachwissens, eine persönliche Herausforderung und
eine fruchtbringende Auseinandersetzung mit ihrem Herkunftsland.
Schwierigkeiten sehen sie beim Dolmetschen für Patienten, die eine andere
Variante ihrer Sprache sprechen. Eine Herausforderung besteht auch darin,
Informationen angepasst an unterschiedliche Bildungsniveaus zu übermitteln.
Als Ziel formuliert ist die vermehrte Rekrutierung von Pflegefachpersonen als
Übersetzungshilfen, ist doch ein grosser Teil der derzeitigen Übersetzungshilfen
ohne medizinsches Fachwissen. Auch eine regelmässige Information an die
Benutzer des Angebots bildet einen Bestandteil des Konzeptes. Diskutiert wird,
den Nutzern eine Fortbildung zur Gesprächsführung im Trialog anzubieten.

4.2 Kantonsspital Olten (KSO)


Im Jahre 2003 wurde ein „Konzept für Sprachmittlung und dessen Umsetzung
am Kantonsspital Olten und der Höhenklinik Allerheiligenberg“ erstellt. Als
Ausgangslage stand eine interne Liste mit Übersetzungshilfen zur Verfügung.
Diese besass jedoch keinen offiziellen Charakter, wurde selten aktualisiert und die
aufgeführten Mitarbeitenden wurden für ihre Tätigkeit als Übersetzungsshilfe nicht
geschult.
Das Konzept beinhaltete einerseits die Zusammenarbeit mit der Fachstelle für
Integration Solothurn, welche externe, professionelle Übersetzerinnen vermittelt,
andererseits eine Rekrutierung der klinikinternen, fremdsprachigen
Mitarbeitenden, eine zweitägige Schulung und die Bekanntmachung an das

39
Dolmetschen im Spital

Personal beider Kliniken. Die praktische Umsetzung des Konzeptes wurde im Jahr
2004 evaluiert. Erste Anpassungen sind bereits erfolgt
Die durch die Beauftragte für Migrationsfragen des Kantonsspitals Olten in
einem persönlichen Gespräch rekrutierten fremdsprachigen Mitarbeitenden
gehören verschiedenen Berufsgruppen an. So kommen nicht nur Mitarbeitende mit
direktem Patientenkontakt in das Auswahlverfahren. Die diesbezügliche Haltung
ist im Konzept folgendermassen formuliert: „..dass der Arbeitsplatz nicht
unbedingt über die Bildung und sprachlichen Kompetenzen der einzelnen
MitarbeiterInnen etwas aussagen muss.“ (Di Bernardo, 2003)
In der Evaluation werden die Dolmetscheinsätze der Übersetzungshilfen
positiv bewertet. Die in der Liste aufgeführten fremdsprachigen Mitarbeitenden
identifizieren sich mit ihrer Rolle als Übersetzungshilfe und tauschen in
regelmässig stattfindenden Treffen ihre Erfahrungen untereinander aus. Die Liste
wird regelmässig aktualisiert, neue Mitarbeitende rekrutiert, Schulungen
durchgeführt. Hierfür verantwortlich ist die Beauftragte für Migrationsfragen.
Eine sorgfältige Rekrutierung und Prüfung der geforderten Eigenschaften der
Mitarbeitenden, die als Übersetzungshilfe arbeiten möchten, wird als wichtige
Grundlage für erfolgreiche Gespräche angesehen.
Im Jahr 2005 folgte das Projekt „Implementierung Interkulturelle
Kommunikation am Kantonsspital Olten“ durch die neu gebildete Kerngruppe
Migration und Pflege. In dem Projekt werden folgende Zielvorgaben formuliert:
„Die Dolmetscherliste ist jederzeit aktuell und vollständig und steht im
Intranet dem ganzen Fachpersonal zur Verfügung. Beinhaltet den
Support und die Fortbildung der Laiendolmetscher KSO/AHB sowie die
Koordination und Zusammenarbeit mit qualifizierten interkulturellen
Vermitlern des Amtes für Ausländerfragen. Das Fachpersonal beider
Betriebe besucht Fortbildungen zum Thema Kommunikation und
Dolmetschen und erwirbt so interkulturelle Kompetenzen im Umgang
mit fremdsprachigen Patienten. Dolmetschergespräche werden von den
Fachpersonen zunehmend effizient und kompetent geführt. Das Konzept
interkulturelle Kommunikation wird in beide Betriebe implementiert. Es
entstehen Netzwerke mit Partnerorganisationen, Schwierigkeiten und
Missverständnisse in der interkulturellen Begegnung werden
angegangen und kompetent nach Lösungen gesucht.“ (Strub
&DiBernardo, 2005, S.3)

40
Dolmetschen im Spital

5. Dolmetschen im Spital - Pilotprojekt


Psychiatrische Kliniken Basel
Im Rahmen eines Pilotprojektes wurden mehrsprachige Mitarbeitende durch
eine Umfrage erfasst und anschliessend in einer zweitägigen Weiterbildung für
Dolmetscheinsätze geschult. Mit ihrem Einverständnis wurden diese
Übersetzungshilfen in einer Datenbank registriert und können nun zum
Dolmetschen in unproblematischen Situationen (siehe Leitlinien) beigezogen
werden.

5.1 Sprachkompetenzen des Personals der


psychiatrischen Kliniken Basels
In den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) werden verteilt auf 22
Abteilungen pro Jahr ca 3000 Patienten stationär, teilstationär und ambulant
behandelt. Die Psychiatrisch Universitären Polikliniken (PUP) betreuen in ihren 3
Ambulatorien und der Kriseninterventionsstation pro Jahr ca. 3500 PatientInnen.
Nachdem das Projekt den AbteilungsleiterInnen der UPK und der PUP Basel
vorgestellt wurde, begann die Umfrage bei den Mitarbeitenden. Dazu wurde ein
kurzer Fragebogen versandt, und zwar zuhanden der ÄrztInnen (nur PUP),
Pflegefachkräften, PsychologInnen (nur PUP), SozialarbeiterInnen und
SozialpädagogInnen.
Der Fragebogen sollte neben den Fremdsprachenkenntnissen hauptsächlich das
Interesse der fremdsprachigen Mitarbeitenden an Einsätzen als Übersetzungshilfe
erfassen.
Die 218 Fragebögen (Rücklaufrate 54%) wurden von folgenden Berufsgruppen
ausgefüllt:
• Pflegefachpersonen 175 (78%)
• SozialarbeiterInnen 12 (6%)
• ÄrztInnen 5 (3 %)
• SozialpädagogInnen 9 (5%)
• andere, bzw. fehlende Angabe 16 (8%)

41
Dolmetschen im Spital

Sie zeigen folgende Resultate, welche in der folgenden Graphik aufgeteilt nach
Geschlecht ersichtlich sind.
• 162 Mitarbeitende geben als Muttersprache deutsch an
• die 56 fremdsprachigen Mitarbeitenden sprechen 17 verschiedene
Sprachen
• französisch ist die meistgenannte Muttersprache (19), gefolgt von
italienisch und spanisch (je 6), englisch und kroatisch (je 3), bosnisch,
malayam, philippinisch und taglog (je 2), finnisch, holländisch, kurdisch,
persisch, rumänisch, serbisch, tigrina, tschechisch, türkisch, ungarisch
und „jugoslawisch“ (je 1)

Fremdsprachige Mitarbeitende
16

14 15

12

10

5 GESCHL
4
4 4
2 männlich
2 2 2 2 2 2
0 1 1 1 1 1 11 1 1 1 1 1 1 1 w eiblich
Malayam

Türkisch
Englisch
Französisch
Finnisch
Holländisch
Italienisch

Philippinisch

Tagalog
Tigrina

Ungarisch
Tschech.
Bosnisch

Kroatisch
Kurdisch

Serbisch
Spanisch

"Jugoslawisch"

• die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der fremdsprachigen


Mitarbeitenden in der Schweiz beträgt 17 Jahre, die durchschnittliche
Berufserfahrung 10 Jahre.

42
Dolmetschen im Spital

• Interesse an Einsätzen als Übersetzungshilfe und an einer Schulung


innerhalb der Klinik zeigen 32 fremdsprachige und 17 deutschsprachige
Mitarbeitende mit Fremdsprachenkenntnissen.

Interesse an Schulung
160

140

120

100
FUNKTION
80
Pflege

60
Soz.arbeit

40 Aerzte
Anzahl

20 Soz.pädag.

0 Andere
nein ja

Interesse

Gemäss den Angaben der deutschsprachigen Mitarbeitenden zu ihren


Fremdsprachenkenntnissen verfügen viele über beachtliche Sprachkompetenzen.
Englisch sprechen 63% der Antwortenden, französisch 50% und italienisch
23%. Interessanterweise bekunden auch deutschsprachige Mitarbeitende
Interesse an Dolmetscheinsätzen, die ihre Fremdsprachenkenntnisse als
„einigermassen“ einschätzen. Zur Schulung für Einsätze als Übersetzungshilfe
wurden jedoch nur Mitarbeitende eingeladen, die ihre Kenntisse einer
Fremdsprache als fundiert einschätzten. Diese Einschätzungen sind natürlich
subjektiv. Zur objektiven Einschätzung wären Sprachteste notwendig, die im
Rahmen dieses Projektes nicht durchzuführen waren.
Obwohl das mündlich ausgedrückte Interesse am Einrichten einer
klinikinternen Sprach-Datenbank gross ist, liegt die Rücklaufquote des
Fragebogens mit 54% eher tief.
Die Umfrage zeigt einen Ist-Zustand der Sprachkompetenzen der
Mitarbeitenden, welche die Bögen retourniert haben. Nicht erfasst wurde der
Bedarf nach Dolmetschleistungen bei fremdsprachigen PatientInnen.
Erfahrungsgemäss ist der Bedarf für Übersetzungen relativ gross bei albanisch

43
Dolmetschen im Spital

und türkisch sprechenden PatientInnenn. Bei den rekrutierten


Übersetzungshilfen sprechen jedoch nur je eine Person kurdisch bzw. türkisch,
Albanischkenntnisse hat niemand angegeben. Demzufolge wird das Angebot
von Dolmetschleistungen durch interne Übersetzungshilfen dem Bedarf im
Klinikalltag nur teilweise entsprechen.

5.2 Fortbildung für Übersetzungshilfen


Die zweitägige Fortbildung wurde von 16 fremdsprachigen und zwei
deutschsprachigen Mitarbeitenden besucht. Die deutschsprachigen Mitarbeitenden
hatten sich während einem mehrjährigen Auslandaufenthalt fundierte
Fremdsprachenkenntnisse erworben. Neben 15 Pflegefachpersonen waren je ein
Sozialpädagoge und eine Sozialpädagogin und eine Ergotherapeutin anwesend. Die
meisten der Teilnehmenden verfügten über langjährige Erfahrung in der Klinik und
wurden bereits öfters kurzfristig zum Übersetzen in Gesprächen mit
Verständigungsschwierigkeiten hinzugezogen.
Aufgrund von Nachtwache, Urlaub, Dienstplanengpässen etc. konnten die
restlichen 17 eingeladenen Mitarbeitenden nicht teilnehmen. Fast alle bekundeten
ihr Bedauern darüber und meldeten Interesse an einer baldigen Wiederholung der
Fortbildung an.
Der Fokus der Fortbildung lag auf dem Trialog, dem Dialog zu dritt (siehe
Anhang: Weiterbildungskurs). Als Grundlage dafür diente der von Bischoff und
Loutan (2000) herausgegebene Leitfaden „Mit anderen Worten - Dolmetschen in
Behandlung, Beratung und Pflege“ und der Videofilm „Trialog“(Pickel et al,
2000).
Während der Vorbereitungsphase der Fortbildung zeigte sich, dass viele
Mitarbeitende keine Kenntnis hatten von der Möglichkeit, über die
Vermittlungsstelle von HEKS interkulturelle Übersetzerinnen beizuziehen.
Fremdsprachige Mitarbeitende waren also teilweise zum Übersetzen
eingesprungen in der Annahme, dass es keine andere Möglichkeit gab um die
Sprachbarrieren zu überwinden. Sie haben deshalb kaum daran gedacht, eine
Anfrage abzulehnen, auch wenn sie sich von einer komplexen Gesprächsituation
überforder fühlten. Solche Einsätze wurden als unbefriedigend erlebt.
Um die Rolle der Übersetzungshilfe neu zu definieren, erhielten die
Teilnehmenden während der Fortbildung den Raum, die Unterscheidung zwischen
professioneller Dolmetscherin bzw. interkultureller Übersetzerin und interner

44
Dolmetschen im Spital

Übersetzungshilfe (siehe auch Leitlinien) ausführlich zu diskutieren. In


Rollenspielen wurden positive Gesprächsverläufe wie auch unbefriedigende
Situationen nachgestellt und analysiert. Oft lag die Ursache des schlechten
Verlaufs in der Überforderung der Ad-hoc Dolmetschenden in Gesprächen, welche
aufgrund ihrer Komplexizität eine professionelle interkulturelle Übersetzerin
benötigt hätten. Ebenso oft aber lag die Überforderung auch beim
Gesprächsleitenden, welcher in der Trialog- Situation nicht geübt war.
In einem zweiten Teil der Weiterbildung wurden Gesprächsverläufe analysiert,
in denen eine professionelle Dolmetscherin schwierige Gespräche zwischen einer
Frau und einem Arzt mit zwei unterschiedlichen kulturellen Hintergründen
übersetzen musste. Die Schlüsselstellen für den befriedigenden Verlauf der
Gespräche und die grossen Anforderungen an die übersetzende Person wurden
herauskristallisiert.
Ebenfalls vorgestellt und diskutiert wurde eine Masterarbeit zum Thema
„Erfahrungen von Pflegenden mit fremdsprachigen Patienten“.
Die Teilnehmenden beteiligten sich sehr aktiv an den Rollenspielen und in den
Diskussionen. Auch das Interesse an den Referaten war gross.
Trotzdem zeigen die Rückmeldungen der Teilnehmenden, dass in den zwei
Tagen nur ein Teil der Bedürfnisse befriedigend bearbeitet werden konnte. Trotz
der bereits vorhandenen Erfahrung als Ad-hoc Dolmetschende blieben viele Fragen
offen. Mehrfach wurde der Wunsch geäussert, sich mit einer Fachperson für
Dolmetschfragen regelmässig über die geleisteten Einsätze auszutauschen.
Nach einem erfolgten Einsatz unterstützt ein auszufüllendes
Evaluationsformular die Teilnehmenden dabei, Verlauf und Qualität ihrer
Übersetzungsarbeit systematisch zu reflektieren.

5.3 Schlussfolgerungen aus dem Pilotprojekt


Die Durchführung der Umfrage, sowie die Rekrutierung und Schulung von
fremdsprachigen Mitarbeitenden hat die im direkten Patientenkontakt stehenden
Berufsgruppen für die Thematik „Migration“ sensibilisiert.
Es zeigte sich, dass auf den verschiedenen Abteilungen der Klinik ein
unterschiedlicher Bedarf an Dolmetscheinsätzen besteht. So ziehen einzelne
Abteilungen regelmässig professionelle interkulturelle Übersetzerinnen zu

45
Dolmetschen im Spital

Gesprächen hinzu, wohingegen auf anderen Abteilungen das Angebot eines HEKS
Dolmetschdienstes nicht bekannt war.
Die im Pilotprojekt geschulten 18 Übersetzungshilfen sprechen 11
verschiedene Sprachen. Viele Sprachen (kroatisch, niederländisch, serbisch,
tschechisch, türkisch, ungarisch) sind nur durch eine Person vertreten. Wenn sie
zukünftig zu einem Dolmetscheinsatz beigezogen werden, können Präferenzen des
Patienten bezüglich des Geschlechts der Übersetzungshilfe also nicht
berücksichtigt werden. Und natürlich ist die Chance relativ klein, dass die gerade
gesuchte Übersetzungshilfe verfügbar und bereit ist, den Einsatz zu übernehmen.
Anzustreben ist deshalb die Schulung von weiteren mehrsprachigen
Mitarbeitenden, da ein Ausbau der Sprachdatenbank die Auswahl und
Verfügbarkeit von Übersetzungshilfen erhöht.
Die Teilnehmenden äusserten einen Bedarf nach Literatur mit Fachbegriffen in
den jeweiligen Sprachen. Denn fachspezifische Begriffe sind Mitarbeitenden in
ihrer Muttersprache nicht unbedingt geläufig, auch wenn sie diese Sprachen
perfekt beherrschen. Die Spitalregion St. Gallen-Rorschach hat ein
Spitalwörterbuch herausgegeben, welches Fachbegriffe in viele verschiedene
Sprachen übersetzt und relativ einfach mittels Computer zu bedienen ist. Ein
solches Instrument zur Verfügung zu haben wäre aus der Sicht der Teilnehmenden
ein wichtiges Instrument um die Qualität ihrer Übersetzungsarbeit zu verbessern
Bei der Evaluation der zweitägigen Fortbildung formulierten verschiedene
Teilnehmende, dass sie bei ihren kommenden Einsätzen als Übersetzunshilfe
bewusster vorgehen werden. Bereits bei der Anfrage wollen sie abschätzen, ob ihre
Kompetenzen als Übersetzungshilfe den Anforderungen der Gesprächssituation
entsprechen, oder ob der Beizug einer professionellen interkulturellen Übersetzerin
sinnvoller wäre.
Als Fazit der zweitägigen Weiterbildung lässt sich sagen, dass die angebotenen
Themen den Bereich des Gespräches im Trialog abdecken, dass aber die
Weiterbildung keinen Hinweis gibt, ob die so geschulten Übersetzungshilfen
sowohl ihre Muttersprache als auch die deutsche Sprache genügend beherrschen,
um die Rolle einer dolmetschenden Person einnehmen zu können.

46
Dolmetschen im Spital

6. Dolmetschen im Spital – Konsequenzen für die


Praxis
Ausgehend von den oben angeführten Resultaten aus der Literatur, den
Erfahrungen in anderen Kliniken, dem durchgeführten Pilotprojekt in
Psychiatrischen Kliniken Basel und Diskussionen in den Focusgruppen
erarbeiteten wir Leitlinien, die die Arbeit mit Übersetzungshilfen in der Praxis
erleichtern sollen. Nach einigen grundsätzlichen Leitlinien für den Umgang mit
fremdsprachigen Patienten stellt der Leitfaden zur Erstellung einer internen
Sprachdatenbank eine organisatorische Checkliste dar, und die Entscheidungshilfe
„Wann rufe ich eine interne Übersetzungshilfe, wann eine externe interkulturelle
Übersetzerin?“ enthält die relevanten Kriterien, die bei dieser Entscheidung zu
beachten sind.
Wie bereits erwähnt, tragen die Fähigkeiten der Gesprächsführenden ebenfalls
zum Gelingen eines Gesprächs mit fremdsprachigen Patienten bei. Der Leitfaden
„zum Umgang mit Übersetzungshilfen“ enthält deshalb wichtige Hinweise für die
Fachpersonen, die Mitarbeitende zum Übersetzen beiziehen.

47
Dolmetschen im Spital

6.1 Leitlinien für den Umgang mit fremdsprachigen


Patienten
Das Ziel eines jeden Gespräches sollte sein, den Patienten zu verstehen. Ist dies
aufgrund unterschiedlicher Sprachen nicht möglich, so muss eine Lösung gefunden
werden. Es bieten sich folgende Möglichkeiten an:

• Organisieren Sie eine professionelle Dolmetscherin bzw. interkulturelle


Übersetzerin, welche Ihnen die Verständigung mit dem fremdsprachigen
Patient ermöglicht.
• Ziehen Sie eine in der internen Sprachdatenbank aufgeführte Übersetzungshilfe
bei, welche die gesuchte Sprache spricht (siehe unten)
• Falls ihre Klinik über einen Telefondolmetscherdienst verfügt, lassen Sie sich
telefonisch mit einer Dolmetscherin verbinden
• Führen Sie das Gespräch in einer Ihnen und dem Patienten geläufigen
Drittsprache

48
Dolmetschen im Spital

6.2 Leitfaden zum Aufbau einer spitalinternen


Sprachdatenbank

• Im Gespräch mit der pflegerischen und ärztlichen Leitung der Klinik die
Rahmenbedingungen für das Erstellen einer klinikinternen Sprachenbank
festlegen.
• Bestimmen einer verantwortlichen Person/Gruppe zwecks Monitoring und
Koordination der Sprachenbank
• Information und Kontaktaufnahme mit externem Dolmetscherdienst.
Ergänzung des Angebots des externen Dolmetscherdienstes durch interne
Übersetzungshilfe erläutern, Zusammenarbeit definieren.
• Festlegen der Anforderungen an mehrsprachige MitarbeiterInnen, die als
Übersetzungshilfe eingesetzt werden (MA) (Berufsgruppen,
Aufenthaltsdauer in der Schweiz, Sprachkenntnisse etc.)
• Erfassen der mehrsprachigen Mitarbeitenden mittels Umfrage (Name, Alter,
Geschlecht, Berufsbezeichnung, Arbeitsort, Muttersprache,
Aufenthaltsdauer CH, Interesse an Einsätzen als Übersetzungshilfe,
Erfahrung als Ad-hoc Dolmetschende)
• Beurteilung der Sprachkenntnisse der MA
• Auswahl der MA
• Weiterbildung der interessierten, mehrsprachigen Mitarbeitenden
• Einrichten einer Datenbank mit den Daten aus der Umfrage
• Information an alle Mitarbeitenden der Klinik, Vorstellung des Konzeptes
einer Sprachdatenbank
• Errichten einer Datenbank im Intranet der Klinik (verknüpft mit dem
Hinweis, wie beim Zuziehen von professionelle DolmetscherInnen
vorzugehen ist) Die Sprachenbank sollte Rubriken enthalten:
-Name, Geschlecht und Sprache der Übersetzungshilfe
-Erreichbarkeit
-Vorgehen bei Anfragen (siehe Anhang)
-Evaluationsbogen
• Evaluation der Dolmetsch-Interventionen
-durch den Aufbieter (Ärzte, Pflegende)
-durch den MA (Übersetzungshilfe)

49
Dolmetschen im Spital

-durch den Patienten


• regelmässiges Aufdatieren der Angaben mindestens nach jeder erfolgten
Weiterbildung.
• jährliche Weiterbildungen für neue, mehrsprachige MitarbeiterInnen

Profil einer Übersetzungshilfe (siehe auch unter 1.1. Begrifflichkeiten)

• Alle Angestellten einer Institution, welche Fremdsprachenkompetenzen


vorweisen und Interesse an Einsätzen als Übersetzungshilfe haben.
• Teilnahme an der mehrtägigen Schulung für Übersetzungshilfen
• Einverständnis des direkten Vorgesetzten zur Ausübung der
Übersetzungstätigkeit. Die Organisation der Arbeit auf der Abteilung
muss gesichert sein.
• Die Anzahl der Stunden, die eine MitarbeiterIn maximal als
Übersetzungshilfe arbeitet, muss mit dem Vorgesetzten vereinbart sein
und darf 10% der Gesamtarbeitzeit nicht überschreiten.

Verwaltung der Sprachenbank und Betreuung der Übersetzungshilfen

• ist gesichert durch eine/n Verantwortliche/n


• diese/r führt folgende Aufgaben aus:
- bearbeitet Anfragen der Mitarbeitenden zur Arbeit als
Übersetzungshilfe
- erstellt eine Liste der geschulten Übersetzungshilfen
- macht diese Liste verfügbar im Intranet der Klinik
- ist das Verbindungsglied zwischen den Vorgesetzten der jeweiligen
Abteilungen
- ist zuständig für die Koordination
- klärt und schlichtet bei Konflikten und Klagen im Zusammenhang mit
dem Einsatz von Übersetzungshilfen.
• Der Aufbau einer Sprachdatenbank ist eingebettet in ein Gesamtkonzept,
das folgende Bereiche beinhaltet:

50
Dolmetschen im Spital

- Gesamtkonzept Migration (ausführliche Informationen dazu in den


Strategischen Ausrichtungen des Bundes 2002-2006, BAG und in der
Homepage des MFH Netzwerkes Schweiz13)
- Konzept interkulturelle Kommunikation
- Dolmetscherkonzept
- Ausbildung nicht nur der spitalinternen MA, sondern auch deren
Aufbieter (Ärzte, Pfleger)
- Intranet-Auftritt
- Berücksichtigung bzw. Zusammenarbeit mit den externen
Dolmetscherdiensten (HEKS, CARITAS, VERDI etc.)
- Schaffen einer Koordinations-Stelle (Stichworte: Infoträger,
Netzwerk, Kolloquien, Weiterbildungen, Oeffentlichkeitsarbeit)

13 siehe www.hplus.ch

51
Dolmetschen im Spital

6.3 Leitlinien für Ärzte und Pflegende für die Arbeit mit
Übersetzungshilfen
Die folgenden Leitlinien basieren auf der Broschüre „Mit anderen Worten“
(Bischoff & Loutan 2000). Die darin enthaltenen Empfehlungen wurden dem
Kontext dieses Projektes angepasst.

• Holen Sie die Zustimmung des Patienten sowie der Übersetzungshilfe (die
ihrerseits die Zustimmung der Vorgesetzten braucht) ein
• Weisen sie die Übersetzungshilfen darauf hin, dass sie der Schweigepflicht
unterstehen
• Informieren sie die Übersetzungshilfe kurz über Inhalt und Ziel des
Gespräches
• Lenken Sie das Gespräch direktiv. Bemühen Sie sich um eine klare und
unmissverständliche Sprache, die eine genaue Übersetzung erlaubt.
Vermeiden sie abstrakte Formulierungen
• Bitten Sie die Übersetzungshilfe, klar darzustellen, was der Patient gesagt
hat und was Interpretation oder Ergänzungen sind, die sie selber hinzugefügt
hat
• Schneiden Sie möglichst keine Themen an, die den Patienten oder die
Übersetzungshilfe peinlich berühren könnten
• menschliche Anteilnahme und Humor können über Schüchternheit
hinweghelfen
• Seien Sie geduldig
• Planen Sie nach dem Gespräch Zeit für einen Austausch mit der
Übersetzungshilfe ein
• Machen Sie, wenn möglich, einen zusätzlichen Termin aus, an dem das
Gespräch zusammen mit einer erfahrenen, professionellen Dolmetscherin
bzw. interkulturellen Übersetzerin fortgesetzt werden kann.

52
Dolmetschen im Spital

6.4 Entscheidungshilfe: „Wann, wo und wie rufe ich


eine/n interkulturelle/n Übersetzer/in, wann eine
interne Übersetzungshilfe“?

Im klinischen Alltag haben Ärzte und Pflegeperson laufend zu entscheiden,


wie sie bei Gesprächen mit einem fremdsprachigen Patienten die Sprachbarrieren
überwinden können. Wann ist es angezeigt, eine interne Übersetzungshilfe
hinzuziehen, und wann ist der Einsatz einer qualifizierten interkulturellen
Übersetzerin notwendig? Dahinden & Chimienti (2002) haben in ihrer
Untersuchung Kriterien beschrieben, die bei dieser Entscheidung zu beachten sind:
„mit steigendem Komplexizitätsgrad von Kommunikations-situationen
erhöhen sich gleichzeitig die Anforderungen an das sprachliche
Repertoire (Humankapital und perfekte Bilingualität) der
SprachmittlerInnen. Dies verweist einmal mehr darauf, dass diese
Tätigkeiten nach grossen Fähigkeiten verlangen.“ (Dahinden
&Chimienti, 2002, S. 27)
Je komplexer der Inhalt eines Gesprächs, desto höher sind demnach die
Anforderungen an die Sprachkompetenz der übersetzenden Person.
Eine Fachperson, die mit einem fremdsprachigen Patienten ein Gespräch
führen möchte, hat sich demzufolge zu überlegen, welche Person zum Übersetzen
in der jeweiligen Situation geeignet wäre. Dazu muss sie neben der Komplexität
des Gesprächsinhaltes auch die momentane Situation des Patienten einschätzen.
Braucht es eine rasche Intervention, da eine Verschlechterung der physischen oder
psychischen Verfassung in kurzer Zeit zu erwarten ist, oder kann der Patient bzw.
der Gesprächsführende warten mit der Informationsweitergabe. Auch gilt es
abzuschätzen, wie lange das notwendige Gespräch dauern wird. Externe
interkulturelle Uebersetzerinnen haben in der Regel einen Anfahrtsweg von
mindestens 15 Minuten und treten diesen ungern für ein zehnminütiges Gespräch
an. Zudem wird der Klinik auch für kürzere Einsätze mindestens eine Stunde
Dolmetschleistung in Rechnung gestellt.
Ein weiteres Kriterium bei der Entscheidung, eine externe interkulturelle
Übersetzerin beizuziehen, ist die unterschiedliche Planbarkeit von Gesprächen im
Klinikalltag. Einige Gespräche und Abläufe sind im Voraus planbar. Dies ist der
Fall bei Behandlungen, die nach einem gewissen Schema verlaufen, oder bei
Gesprächen, deren Termin frei festsetzbar ist, wie zum Beispiel bei einem

53
Dolmetschen im Spital

Austrittsgespräch. Auch die Termine im ambulanten Bereich sind meist im Voraus


vereinbart. Anders sieht es aus bei Komplikationen und Notfällen. Sie treten
spontan auf und verlangen oft nach einer sofortigen Reaktion. Es muss z.B. eine
weitere Untersuchung vorgenommen werden. Und damit die Angst des Patienten
nicht unnötig wächst, muss ihm das Vorgehen und die Gründe dafür erklärt
werden.
Ebenfalls in die Überlegung miteinbezogen werden muss die Tragweite, die
Konsequenzen, welche ein Gespräch für den Patienten haben kann. Geht es
beispielsweise um die Verlängerung eines fürsorgerischen Freiheitsentzugs (FFE)
in der Psychiatrie, so hängt viel von der korrekten Wiedergabe des
Gesprächesinhaltes ab.
Ausgehend von diesen Überlegungen haben wir ein Schema ausgearbeitet,
welches Fachpersonen dabei unterstützt, situationsgerecht zu entscheiden, wann
der Beizug einer interkulturellen Übersetzerin und wann der Beizug einer internen
Übersetzungshilfe angemessen ist. Bei dieser Entscheidung geht es darum,
sorgfältig abzuwägen (deshalb das Symbol der Waage), welche Wahl den
Erfordernissen der jeweiligen Situation am besten entspricht. Durch das
Gewichten der verschiedenen Kriterien wird eine Tendenz erkennbar, auf welche
Seite die Waagschalen sich neigen.

54
Dolmetschen im Spital

Entscheidungskriterien: „Externe oder interne Übersetzung?“

gering ← Dringlichkeit → hoch


gut ← Planbarkeit → schlecht
lang ← Dauer → kurz
hoch, abstrakt ← Komplexizität → tief, konkret
hoch ← Tragweite/Konsequenz → gering
für den Patienten
gut, mittelfristig ← Verfügbarkeit der → gut, kurzfristig
dolmetschenden Person
hoch ← Emotionalität → tief
viele ← kulturelle & religiöse → wenige
Aspekte
vorgesehen ← Nachfolgetermin → nicht vorgesehen

externe/r interkulturelle/r interne


Übersetzer/in Übersetzungshilfe

55
Dolmetschen im Spital

Externe/r professionelle/r Interne Übersetzungshilfe


interkulturelle/r Übersetzer/in
• planbare Gespräche • ungeplante, kurzfristige Gespräche
• Sprache bei internen Übersetzungshilfen • kurze Gespräche (<20 Min.)
nicht im Angebot • Nacht
• bei jedem komplexen (technischer • Notfall, Akutsituation
Wortschatz) oder emotionalen Gespräch • Informationsgespräche (Abt.info,
• Migrationsspezifische Anamnese Tagesplan, Regeln etc.)
• Erklärung einer komplexen Behandlung • Erklärung einfacher, medizinischer oder
• Gespräch mit z.B. juristischer Tragweite diagnostischer Massnahmen
• Veränderung einer Situation, welche die • schnelle Klärung der Situation notwendig
Information des patienten (auch deren • Rekonstruktion des Verlaufs der
Angehörigen nötig macht) Krankheit oder Hergang der Verletzung
• Einwilligung des patienten zur weiteren • Wenn keine Risiken zu erwarten sind:
Behandlung -Veränderung einer Situation,
• Einverständniserklärung vor welche die Information des
chirurgischer Intervention Patienten (auch deren
• Überbringen einer schlechten Nachricht Angehörigen) nötig macht
• Schwangerschaftsabbruch - Einwilligung des Patienten zur
• Häusliche Gewalt weiteren Behandlung
• Behandlungen , Beratungen im Zs.hang - Einverständniserklärung vor
mit Asyl, Traumatisierung, Gewalt, chirurgischer Intervention
PTSD • Eintrittsanamnese
• schwierige soziale Situation • Begleitung zu anderen Diensten
• Koordination mit spitalexternen Diensten (Ergotherapie, Physiotherapie, Röntgen
• Präventive Arbeit etc.).
• Follow up, d.h. mehrmalige
Sprechstunden, in denen gedolmetscht
werden muss
• Gespräch mit vielen beteiligten Personen
bzw. Institutionen

Nicht berücksichtigt in diesem Schema ist die bestehende Beziehung zum


Patienten. Sie kann jedoch durchaus als zusätzliches Kriterium in die Überlegung
miteinbezogen werden. Dies vor allem dann, wenn die Übersetzungshilfe den
Patienten bereits kennt und sein Vertrauen geniesst. In einigen Fällen mag die
Vertrautheit mit dem Patienten ein unvoreingenommenes Übersetzen erschweren.
Meistens ist eine bereits vorhandene Vertrauensbasis zwischen Patient und
Übersetzungshilfe jedoch eine günstige Bedingung für das Gelingen des
Gespräches. Kamm (2005) beschreibt dazu Erfahrungen auf einer
Rehabilitationsstation:

56
Dolmetschen im Spital

„Das Verständnis von Gesundheit und Krankheit nimmt hier einen zentralen
Stellenwert ein. Ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen internem Dolmetscher,
der zugleich PflegendeR ist und PatientIn kann dazu beitragen, die
Gesprächsinhalte über Therapieformen adäquater zu übersetzen, wenn er die
PatientIn während des Aufenthalts in der Reha mehrfach sieht. Es gibt Rehas, die
interne Dolmetscher entsprechend in transkultureller Kompetenz ausbilden, so dass
sie auch Gespräche übersetzen resp. beratend tätig sind, wenn es um eine Re-
integration in den Alltag nach dem Klinikaufenthalt geht. Gerade wenn sich die
reine Übersetzertätigkeit mit anderen – wie z.B. transkulturellen
Dolmetscheraufgaben – mischt, macht der Rückgriff auf interne Ressourcen Sinn,
während externe Übersetzer aufgrund der fehlenden Beziehung und kurzen
Anwesenheit kaum in der Lage sind, mehr als rein informative Inhalte zu
übersetzen. Dasselbe mag für die Psychiatrie oder auch Altersheime gelten (aus der
Studie von Kaya, Kamm & Gabadinho, 2005)

57
Dolmetschen im Spital

6.5 Leitlinien: “Wie arbeite ich als Übersetzungshilfe?“


Die folgenden Punkte sind hauptsächlich aus der Broschüre „Mit anderen
Worten“ (Bischoff & Loutan, 2000) und den „god tolksed“, den Leitlinien für
gutes Übersetzen in Schweden (Niska, 2004) entnommen.

• Holen Sie bei der Anfrage durch den Aufbieter eine kurze Information über
den Inhalt des Gespräches ein.
• Beachten Sie die Schweigepflicht,
• Treffen Sie eine Entscheidung, ob Sie die Anfrage annehmen oder ablehnen
(sie müssen hierfür keine Gründe angeben). Trauen Sie sich „Nein“ zu
sagen.
• Holen Sie das Einverständnisses Ihres direkten Vorgesetzten ein,
• Vorgehen im Trialog, entsprechend („Mit anderen Worten“: Ablauf des
dolmetschervermittelnden Gesprächs, Bischoff & Loutan 2000, S 11-17)
• Bemühen Sie sich um textgetreue Übersetzung des Gesagten.
• Machen Sie die GesprächsleiterIn darauf aufmerksam, wenn Sie etwas von
sich aus ergänzen, oder genauer erklären.
• Fragen sie nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben.
• Vermeiden Sie Interpretationen.
• Seien sie neutral und ergreifen Sie weder die Partei für den Patienten noch
für den Behandelnden.
• Achtung Rollenkonflikte: Seien Sie sich bewusst, welche Rolle Sie während
dem Gespräch einnehmen. Legen Sie innerlich den Hut der Fachperson ab,
und konzentrieren Sie sich auf ihre Aufgabe als Übersetzerin. Denken Sie
daran: die Verantwortung für das Gespräch liegt bei der Person, die Sie zum
Übersetzen beigezogen hat.
• Besprechen Sie nach dem Gespräch kurz mit dem Auftraggeber, wie das
Gespräch gelaufen ist.
• Füllen sie den Evaluationsbogen aus.

58
Dolmetschen im Spital

7. Empfehlungen
Aufgrund der Literaturevidenz und den Ergebnissen des Pilotprojektes
empfehlen wir den Aufbau einer internen Sprachdatenbank unter Beachtung
folgender Bedingungen:
• Das Einrichten einer Sprachenbank ist nur ein Baustein im Konzept der
Interkulturellen Pflege. Um diesen mit den anderen Bausteinen zu einem
Gesamtkonzept transkulturelle Pflege zu vernetzen, empfehlen wir die
Schaffung einer Stelle „Beauftragte für Migrationsfragen“.
• Die Zusammenarbeit mit dem externen Dolmetscherdienst der Klinik ist
unabdingbar. Die Sprachdatenbank ist als Ergänzung zum
professionellen Angebot der interkulturellen Übersetzerin gedacht, nicht
als Konkurrenz.
• Evaluation der Sprachkompetenzen in der Muttersprache der
Übersetzungshilfen.
• Evaluation der Dolmetschleistungen auch von Seiten der Patienten. Dies
setzt ein Übersetzen der Evaluationsformulare in die verschiedenen
Sprachen voraus.
• Ein erfolgreiches Gespräch, sei es mit einer interkulturellen Übersetzerin
oder einer Übersetzungshilfe, setzt die Fähigkeit des
Gesprächsführenden voraus, ein Trialog-Gespräch angemessen zu
führen. Wir empfehlen deshalb, Fortbildungen anzubieten, um Ärzten,
Sozialarbeitenden und Pflegefachpersonen das nötige Wissen zur Arbeit
mit dolmetschenden Personen zu vermitteln,
• Der grosse Vorteil der internen Übersetzungshilfen ist die rasche
Verfügbarkeit. Diese ist jedoch nur gegeben, wenn für eine gesuchte
Sprache mehrere Personen beiderlei Geschlechts angefragt werden
können. In kleinen Kliniken mit wenigen fremdsprachigen
Mitarbeitenden ist das Einrichten einer Sprachdatenbank deshalb nur
bedingt sinnvoll.

59
Dolmetschen im Spital

Anhang

Fragebogen an Personal
Name, Vorname: Geschlecht:

Funktion:

Arbeitsort/Institution und Station: seit:

Telefonnummer G: Email:

geboren bin ich in……………………………………..(Land /Region) im Jahre……………

Ich bin seit……… Jahren in der Schweiz.

Meine Muttersprache ist: ……………

Ich spreche ausserdem noch folgende Sprachen

…………………………………….. ( sehr gut, gut, einigermassen)

…………………………………….. ( sehr gut, gut, einigermassen)

…………………………………….. ( sehr gut, gut, einigermassen)

Ich habe Interesse an gelegentlichen Einsätzen als Sprachhilfe: ja nein

60
Dolmetschen im Spital

Ich habe bereits Erfahrung im Einsatz als Sprachhilfe: ja nein

Falls ja, welche: ……………………………………………………………………………….

…………………………………………………………………………………………………

Ich kann auch schriftliche Übersetzungen anfertigen: ja nein

In folgenden Sprachen …………………………………………………………….

Ich bin interessiert an einer Schulung/Weiterbildung zum Einsatz als Sprachhilfe:

ja nein

Bemerkungen:

Unterschrift: Datum:

61
Dolmetschen im Spital

Weiterbildungskurs

Programm Weiterbildung Übersetzungshilfen in der Psychiatrie BS

Montag, 24. Oktober Dienstag, 25.Oktober


9.00 • Begrüssung (Alexander • (I) Arbeit mit
Bischoff, Regine Steinauer) Transkriptionen von
• Einführung in Trialog dolmetscher-vermittelten
(Alexander Bischoff) Gesprächen: Anamnese
(Bernd Meyer)
10.30 • Trialog, 2.Teil, AB • (II) Arbeit mit
• Übung zu Trialog Transkriptionen von
(Alexander Bischoff, dolmetscher-vermittelten
Preciosa Martinez) Gesprächen:
Patientenaufklärung (Bernd
Meyer)
12.00 • Mittagspause • Mittagspause

13.30 • Zur Zusammenarbeit mit • (III) Arbeit mit


dem Dolmetscherdienst des Transkriptionen von
HEKS (Doris Herter) dolmetscher-vermittelten
• Aus der Perspektiven einer Gesprächen:
Dolmetscherin (Elisabeth Befundmitteilung (Bernd
Kurth) Meyer)
15.00 • Guidelines-Einführung (I) • Guidelines (II) (RS)
(RS) • Verbesserung der
• Erfahrungen von Kommunikation mit
Pflegenden mit fremdsprachigen Patienten in
fremdsprachigen Patienten, den psychiatrischen
Input (Frank Luck) Diensten,
• Evaluation
• Information über Pilotphase
(Intranet etc.) (RS, AB)
16.30 • Abschluss • Abschluss

62
Dolmetschen im Spital

Vereinbarungsformular
Vereinbarung zum Einsatz als Übersetzungshilfe

Einverständnis der Vorgesetzten / des Vorgesetzten

Die / der Vorgesetzte14 ist einverstanden, dass sich

Name:.........................................................Vorname:.............................................

bei sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten mit PatientInnen für


Übersetzungsgespräche zur Verfügung stellt. Dies heisst, dass sie / er an einer
jährlichen Schulung teilnehmen wird und in die Sprachenbank im Intranet der
UPK aufgenommen wird.

Verfügbarkeit

Die Übersetzungshilfe verpflichtet sich, seine / ihre Verfügbarkeit für einen


Einsatz genau zu prüfen. Eine Zusage erfolgt nur unter Rücksichtnahme der
Abläufe auf der eigenen Abteilung und in Absprache mit dem / der Vorgesetzten

14 AbteilungsleiterIn, FachbereichleiterIn, Chefarzt / Chefärztin

63
Dolmetschen im Spital

Meldung einer Übersetzungsleistung

Nach jeder Übersetzungsleistung muss die Übersetzungshilfe dafür sorgen, dass


die Vorlage „Meldung einer Übersetzungsleistung“15 korrekt ausgefüllt wird und
der Aufbieter die Leistung mit Unterschrift bestätigt.

Datum / Unterschrift

Vorgesetzte/Vorgesetzter Übersetzungshilfe Leitung Pflege und Qualität

Name:

Datum:

Unterschrift

15 Siehe Intranet: Formulare/Dolmetscherdienst/Vorlage Meldung einer Uebersetzungsleistung

64
Dolmetschen im Spital

Evaluationsfragebogen
Meldung einer Übersetzungsleistung

Abteilung / Bereich
➜ bitte ankreuzen

A L Spektrum

ADA P1 U1

ADS P2 U2
B PTA U3

C PTK Sozialdienst

E R2 Med. therap. Dienste

J R3 PUP

Janus R4 KIS
JPA S3 Andere:.................
KPA Soc

Aufbietende Person

➜ bitte ankreuzen

Name:………………………………………………….Vorname:……………………………………………..

Ärztlicher Dienst Pflegedienst Andere:...............................

Übersetzende Person

➜ bitte ankreuzen / ausfüllen

65
Dolmetschen im Spital

Name:...................................................................... Vorname:.............................................................

Übersetzungshilfe
Dolmetscher/In HEKS

Sprache:..................................................................................................................................

Evaluation des Einsatzes

➜ bitte ankreuzen / ausfüllen

Dauer zwischen Aufbietung der Übersetzungshilfe und dem Gespräch:

Bis 4 Std.
Bis 12 Std.
Bis 24 Std.
Mehr als 24 Std.

Dauer des Gesprächs: Art des Gesprächs:

Bis 15 Min Eintrittsgespräch


15 bis 30 Min Informationsgespräch
30 bis 45 Min Befundmitteilung
über 45 Min Einverständniserklärung
anderes:……………………………

Gesprächsverlauf: Übersetzung:

Gut unproblematisch
Zufriedenstellend einfach
Unbefriedigend schwierig

Problematisch unmöglich

Vor/ Nachbesprechung stattgefunden: Weitere Termine geplant:

Ja, ausreichend Ja
Ja, ungenügend Nein
Nein

Bemerkungen:………………………………………………………………………………………………….………

…………………………………………………………………………………………………………………………

66
Dolmetschen im Spital

…………………………………………………………………………………………………………………………

…………………………………………………………………………………………………

Unterschrift

Unterschrift:………………………………………………………………………………………….

Dieses Meldeformular ist nach jeder Leistung zu schicken an: Regine Steinauer ADS16

16 bis 31. 12. 05. später: Name Qualitätsbeauftragte Migration

67
Dolmetschen im Spital

Abkürzungen

BAG Bundesamt für Gesundheit


EKA Eidgenössische Ausländerkommission
HEKS Hilfswerk Evangelischer Kirchen der Schweiz
HUG Hopitâl Universitaire de Genève
KSB Kantonsspital Baden
KSO Kantonsspital Olten
LEP Limited English Proficiency
MA Mitarbeitende
MAW “Mit anderen Worten”: Leitfaden
MFH Migrant Friendly Hospitals
MFH-EU Migrant Friendly Hospitals Europa
NGO Non governmental Organisation (nicht staatlich)
PUP Psychiatrisch Universitäre Polikliniken
SVEB Schweizerischer Verband für Weiterbildung
UPK Universitäre Psychiatrische Kliniken
VERDI Vermittlungsstelle von Dolmetscher und
Dolmetscherinnen

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Dolmetschen im Spital

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