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Philosophisches Themendossier

“Sterbehilfe”
Dieses Dossier diskutiert die ethischen Aspekte der direkten aktiven Sterbe-
hilfe und die Legitimität des Suizids. Hervorgehoben wird dabei die Relevanz
der ethischen Perspektive und der Nutzen der philosophischen Diskussion hin-
sichtlich dieser brisanten gesellschaftlichen Frage.
Inhaltsverzeichnis

• Einleitung................................................................................................................. 3
• Suizid und Sterbehilfe im antiken Griechenland...................................................... 4
• Zum Begriff „Sterbehilfe“.......................................................................................... 5
• Legitime direkte aktive Sterbehilfe?......................................................................... 6
• Die Frage der Legitimität des Suizids...................................................................... 8
• Sterbehilfe in der Schweiz: Stand der Dinge........................................................... 9
• Sterbehilfe im Gespräch ....................................................................................... 10
• Die Rolle der Philosophie im Bereich Sterbehilfe.................................................. 14
• Glossar................................................................................................................... 16
• Quellen................................................................................................................... 17

Aufbau des Themendossiers Der Verein Philosophie.ch

Dieses Heft befasst sich mit dem Thema Der Verein Philosophie.ch erstellt die The-
Sterbehilfe und legt dabei einen Fokus auf mendossiers unter dem Aspekt der Wissen-
direkte aktive Sterbehilfe. Die systematische schaftskommunikation. Mehr Informationen
Herangehensweise der Philosophie zeigt zu Philosophie.ch finden Sie auf
auf, dass ohne eine klare Unterscheidung www.philosophie.ch/about.
zwischen den vier Grundformen der Sterbe-
hilfe keine konstruktive Untersuchung die- Es wird darauf Wert gelegt, die Herzstücke
ses komplexen Themas möglich ist. der philosophischen Debatten zu umreis-
Dabei wird ebenso untersucht, ob Suizid sen. Dabei werden z.T. einige Argumenta-
überhaupt legitim sein kann und unter wel- tionsschritte der einzelnen Theorien aus-
chen Voraussetzungen dies bei Sterbehilfe gelassen; der Leserschaft stehen jedoch
der Fall sein kann. Anschliessend führt ein mittels dem Quellenverzeichnis und den Li-
Gespräch zwischen dem SNF-Forscher Dr. teraturtipps (online) beste Möglichkeiten zur
des. Andreas Maier vom Ethik-Zentrum Zü- Verfügung, eigene Fragen zu den Theorien
rich und dem ehemaligen Präsidenten der selbstständig weiterzuverfolgen.
Gesellschaft EXIT, Dr. Hans Wehrli, weitere Die im Heft verwendete männliche Form be-
Fragen zum Stand der Dinge bezüglich der zieht sich ebenfalls auf das weibliche Ge-
direkten aktiven Sterbehilfe in der Schweiz schlecht.
und der Rolle der Philosophie aus.
Falls Sie einen Sonderdruck des Themen-
Das Themendossier steht online als PDF- dossiers wünschen, können Sie sich gerne
Download auf www.philosophie.ch/themen- mit uns in Verbindung setzen (Preis auf An-
dossiers zur Verfügung. frage): info@philosophie.ch

2
Einleitung

Sterbehilfe ist ein komplexes Thema, das differenziert und systematisch untersucht wer-
den sollte. Eine Vermischung zwischen den Grundformen der Sterbehilfe, der passiven
Sterbehilfe, der (indirekten und direkten) aktiven Sterbehilfe, der Palliativpflege sowie
der Beihilfe zur Selbsttötung nützen der konstruktiven Diskussion nicht. Im folgenden
Dossier wird deshalb ein Fokus auf die direkte aktive Sterbehilfe gelegt und untersucht,
ob Suizid überhaupt legitim sein kann.
Gibt es einen „guten Tod“? Stellt sich die Keineswegs können im vorliegenden Dos-
Frage der Sterbehilfe auch im Rahmen ei- sier diese Probleme auch nur annähernd
ner fortgeschrittenen Medizin? Was muss gelöst werden. Ziel und Zweck ist aber zu
man sich unter einem selbstbestimmten Tod zeigen, dass eine systematische Herange-
vorstellen? Gibt es einen legitimen Suizid? hensweise unerlässlich ist: Die Antworten
Alle diese Fragen liegen unter vielen ande- fallen demzufolge auch äusserst unter-
ren der Debatte zur Sterbehilfe zu Grunde. schiedlich aus, je nachdem, ob man sich
Geht man davon aus, dass Suizid niemals bspw. mit der Legitimität der reinen Sterbe-
legitim sein kann, da dadurch Rechte ge- hilfe, mit der indirekten aktiven oder der di-
genüber Gott oder den Mitmenschen ver- rekten aktiven Sterbehilfe befasst.
letzt werden, wird auch die Sterbehilfe für
unethisch gehalten. Doch auch wenn sich Die Rolle der Philosophie besteht nicht zu-
jemand durch gute Begründungen auf einen letzt darin, aufzuzeigen, dass einzelne Teil-
Standpunkt zum Suizid festlegt, sind damit begriffe, wie zum Beispiel „Selbstbestim-
noch nicht alle Fragen zur Sterbehilfe ge- mung“ bisher keineswegs klar genug sind,
klärt. um diese etwa in Gesetzestexte einzuflech-
Die Frage, ob es legitime Sterbehilfe geben ten. Die philosophische Auseinanderset-
kann, betrifft mehrere Grundwerte gleichzei- zung mit den Begriffen nützt daher massge-
tig, die untereinander abgewogen werden bend der Gesellschaft.
müssen: Der Wert des Rechts auf Selbst-
bestimmung, der Wert der körperlichen und Im Gespräch zwischen dem ehemaligen
seelischen Unversehrtheit und der Wert des Präsidenten von EXIT, Dr. Hans Wehrli, und
Lebens. Alle diese Grundwerte müssen auf dem am Ethik-Zentrum in Zürich beschäf-
den einzelnen Ebenen einzeln betrachtet tigten Schweizer Nationalfonds-Forscher
werden. Schliesslich betrifft die ethische Dr. des. Andreas Maier wird auch diskutiert,
Frage nicht nur die grundsätzliche Frage warum jeder Mensch sich mit dem eigenen
der Legitimität, sondern auch die gesetz- Tod befassen sollte, wie der Stand der Din-
liche und die medizinische Ebene. Ob sich ge rund um die Sterbehilfe in der Schweiz
bspw. eine gesetzliche Norm überhaupt mit ist und welches Ziel das aktuelle Teilprojekt
den medizinischen Normen und gleichzeitig „Selbstbestimmtes Sterben? Suizidbeihilfe
mit den genuinethischen Haltungen verein- und Autonomie“ verfolgt.
baren lässt, stellt dann die nächste Schwie-
rigkeit dar.

3
Sterbehilfe und Suizid
im antiken Griechenland
Sterbehilfe und Euthanasie sind keines- Platon vertrat die Meinung, dass es im Inte-
wegs unkomplizierte Begriffe. Das grie- resse des Staates (der Polis) sei, Schwer-
chische Wort „Euthanatos“ bedeutet „guter kranke nicht zu behandeln. In Bezug auf den
Tod“. Deshalb geht es bei der Euthanasie Arzt Asklepios – der scheinbar nur Personen
vom Begrifflichen her zwar um den „guten mit einer gesunden Lebensweise und einem
Tod“, aber es ist nicht klar, ob es sich um entsprechend gesunden Körper behandelt
die Herbeiführung oder das Eintreten eines hat – wird erzählt: „Mit Heilmitteln und Ope-
guten Todes handelt. Ähnlich verhält es sich rationen vertrieb er die Krankheit und trug
auch beim Begriff Sterbehilfe: Hier kann ge- ihnen dann ihre gewohnte Lebensweise auf,
nauso die Hilfe zum Sterben wie auch die um nicht das Leben des Staates zu stören.
Hilfe beim Sterben gemeint sein. (1) Um der Aber er versuchte nicht, durch Diätbehand-
geschichtlichen Entwicklung der Sterbehilfe lung innerlich ganz sieche Körper bald et-
Rechnung zu tragen, wird im Folgenden auf was zu schröpfen, bald wieder zu füllen und
Platon (428/27–48/47 v. Chr.) und Aristo- dadurch den Menschen ein langes, aber
teles eingegangen, die sich unter Anderen elendes Leben zu geben, ja noch Nachkom-
mit der Legitimität der Selbsttötung aus- men zu zeugen, die ihnen, wie anzunehmen
einandersetzten. Es sei vorangestellt, dass ist, ähnlich würden; sondern wer in dem
Platon und Aristoteles nicht die einzigen ihm bestimmten Leben nicht zu leben ver-
Philosophen im antiken Griechenland wa- mochte, den glaubte er nicht behandeln zu
ren, die sich mit diesen Fragen auseinan- müssen, weil er weder für sich selbst noch
dersetzten. Quellen weisen darauf hin, dass für den Staat einen Nutzen bedeutete.“ (3)
auch Pythagoras, Seneca und die späten Benzenhofer arbeitete aus der Schrift „No-
Stoiker sich mit Euthanasie befassten. moi“ heraus, dass wegen Platons Ausrich-
tung auf das Staatsinteresse Selbsttötung
Platon zur Euthanasie nur dann als Ausnahme gerechtfertigt sein
Texte, die auf Platons Auseinandersetzung kann, wenn eine unheilbare Krankheit den
mit der Frage des „guten Todes“ hinweisen, Suizidwillen trägt. (4)
finden sich in dreien seiner Schriften („Phai-
don“, „Politeia“ und „Nomoi“), wobei Udo Aristoteles zum Suizid
Benzenhöfer darauf hinweist, dass die In- Im Gegensatz zu Platon war für Aristoteles
halte vom Sinn her nicht einheitlich sind. (2) Suizid auch im Krankheitsfall unrechtens:
„(Die Tapferkeit) entscheidet sich und harrt
aus, weil es edel ist oder weil das Gegenteil
schimpflich ist. Dagegen zu sterben, um der
Armut oder einer Liebe oder irgendeinem
Schmerze zu entgehen, zeigt nicht Tapfer-
keit, sondern Feigheit.“ (5) Zu begründen ist
diese Haltung auf Grund des Staatsinteres-
ses, dessen wichtigstes Kapital seine Bür-
ger seien. Benzenhofer umschrieb Aristo-
teles Haltung folgendermassen: „Derjenige,
der sich [im Zorn] selbst tötet, begeht also
ein Verbrechen, das mit dem Verlust des
Bürgerrechts auf eine ordnungsgemässe
Bestattung einhergeht, denn er zerstört ein
Leben, das dem Staat gehört.“ (6)

4
Zum Begriff “Sterbehilfe”

Heutzutage werden unter „Sterbehilfe“ alle angelegt sind, die körperlichen Schmerzen
Massnahmen verstanden, die einem Men- eines Sterbenden zu lindern.“ (9) Als erster
schen zu einem möglichst schmerzfreien benutzte 1870 der britische Essayist Samu-
und selbstbestimmten Sterben verhelfen. el D. Williams Jr. „Euthanasia“ als Syno-
(7) Hierbei werden vier Grundformen unter- nym für die direkte aktive Sterbehilfe, die er
schieden, wobei die aktive Sterbehilfe in die bei einer klaren Willenäusserung eines un-
direkte und die indirekte unterteilt wird. „Die heilbar kranken Menschens befürwortet. Er
Ermöglichung eines selbstbestimmten und schrieb dazu: „(...) in all cases of hopeless
weniger schmerzhaften Sterbens geschieht and painful illness it should be recognized
• bei der Palliativpflege durch eine ange- duty of the medical attendant, whenever so
messene palliativmedizinische Versor- desired by the patient, to administer chlo-
gung des Sterbenden, seine Ernährung roform, or such other anaesthetics as may
und Pflege sowie zwischenmenschliche by and by supercede chloroform, so as to
und seelsorgerische Zuwendung, destroy consciousness at once, and put the
• bei der passiven Sterbehilfe durch den sufferer at once to a quick and painless de-
Verzicht auf die Einleitung oder auf die ath; all needful precautions being adopted
Fortführung lebenserhaltender Mass- to prevent any possible abuse of such duty;
nahmen, and means being taken to establish beyond
• bei der indirekten aktiven Sterbehilfe any possibility of doubt or question, that the
durch den Einsatz schmerzlindernder remedy was applied at the express wish of
Medikamente, deren Nebenwirkungen the patient“. (10)
die Lebensdauer des Patienten herab-
setzen oder herabsetzen könnten, In der Zeit des Nationalsozialismus wurde
• bei der direkten aktiven Sterbehilfe in Deutschland der Begriff auf das mas-
durch die gezielte Tötung eines Men- sivste missbraucht. Hierzu Ingo Hillebrand:
schen, „Im sogenannten ‚Euthanasieprogramm‘
• bei der Beihilfe zur Selbsttötung durch (...) wurde der Euthanasie-Begriff in gänz-
die Verschaffung von Gelegenheiten licher Pervertierung seiner ursprünglichen
oder die Zurverfügungstellung von Mit- Bedeutung als verschleiernder Euphemis-
teln zu einem Suizid.“ (8) mus zur Bezeichnung des rassistisch und
eugenisch motivierten Massenmords an für
Der Begriff der Euthanasie ‚lebensunwert‘ erklärten kranken oder be-
Im englischen Sprachraum ist es üblich, für hinderten Menschen missbraucht. (...) Es
den deutschen Ausdruck „Sterbehilfe“ „eu- scheint daher angezeigt und entspricht im
thanasia“ zu gebrauchen. Der Begriff Eu- Übrigen auch der herrschenden Meinung,
thanasie leitet sich aus dem Griechischen wenn zur Vermeidung von semantischen
„εὐθανασία“ (εὐ = gut und θάνατος = Tod) Uneindeutigkeiten und zur notwendigen
ab. Nach den teilweise sich widerspre- Abgrenzung von den verbrecherischen
chenden Bedeutungen in der antiken Phi- Morden der Nationalsozialisten bei der
losophie wurde der Euthanasie-Begriff erst folgenden Darstellung der gegenwärtigen
durch Francis Bacon im 17. Jahrhundert ethischen Sterbehilfediskussion auf die
wieder verwendet. Bacon gebrauchte ihn Verwendung des Euthanasie-Begriffs ver-
„für Massnahmen, die entweder als seelsor- zichtet wird.“ (11) Das vorliegende The-
gerische Massnahmen auf die seelische Un- mendossier schliesst sich dieser Position
terstützung eines Sterbenden abzielen, oder an, weshalb im Folgenden stets der Begriff
als medizinische Massnahmen, die darauf „Sterbehilfe“ verwendet wird.

5
Legitime direkte
aktive Sterbehilfe?
Die Fragen, ob es den humanen Tod gibt Wie man sieht, erhöht sich die Komplexität
und unter welchen Voraussetzungen Su- der Fragestellung sehr, sobald alle Teilas-
izid legitim sein könnte, berühren nicht pekte mit einbezogen werden. Sinnvoller-
nur die Ethik, sondern auch die Medizin, weise werden bei einer strukturierten Unter-
die Rechtswissenschaft und religiöse An- suchung der Legitimität von Sterbehilfe alle
sichten. Die Diskussion um die Sterbehilfe diese Ebenen und Werte gesondert nach
zeigt aber auch auf, welche Ambivalenz im den Grundformen (vgl. vorherige Seite) be-
menschlichen Umgang mit dem Tod und der trachtet.
Sterblichkeit besteht. Barbara Häcker argu-
mentierte, dass durch den medizinischen

Selbstbestimmung
Fortschritt die Angst wächst, „am Ende des Genuinethisch

Unversehrtheit
Lebens einer überbordenden Medizintech-

Leben
k. u. s.
nik hilflos ausgeliefert zu sein, ohne sich da-
gegen wehren zu können. Eine solche Vor-
Rechtsethisch
stellung widerspricht für viele dem Wunsch
nach einem würdevollen und natürlichen Standesethisch
Sterben, in dem sie selbst über ihr Ende be-
stimmen können. Nur so scheint für sie ein
humanes Sterben erreichbar.“ (12) Im vorliegenden Themendossier beschrän-
Um die ethische Zulässigkeit von Sterbehil- ken wir uns deshalb auf die Untersuchung
fe beurteilen zu können, müssen daher ver- der genuinethischen Ebene der direkten ak-
schiedene Ebenen unterschieden werden. tiven Sterbehilfe, die sich mit der gezielten
1. Ebene: Hier wird gefragt, ob eine lebens- Tötung eines Menschen auf dessen Verlan-
verkürzende Einwirkung grundsätzlich gen befasst.
ethisch unzulässig ist, oder ob es Um-
stände geben kann, die eine Sterbehilfe- Genuinethische Ebene der direkten ak-
form ethisch legitimieren. tiven Sterbehilfe
= genuinethische Ebene In Bezug auf die direkte aktive Sterbehilfe
2. Ebene: Es fragt sich auch, wie eine Ster- – die in einigen Ländern auch als „Tötung
behilfeform gesetzlich geregelt werden auf Verlangen“ bezeichnet wird und bspw. in
soll. den Niederlande straffrei gehandhabt wird –
= rechtsethische Ebene stellen sich hinsichtlich der genuinethischen
3. Ebene: Hier wird erwogen, ob eine Ster- Bewertung hauptsächlich die im Folgenden
behilfeform, sofern sie ethisch zulässig behandelten Diskussionsfelder.
und auch gesetzlich nicht ausnahmslos
verboten ist, sich mit den spezifischen Legitimität des Verlangens, getötet zu
(ärztlichen) berufsständischen Normen werden: Ausschlaggebend ist hier in erster
vereinbaren lässt. (13) Linie, ob das Verlangen ethisch zulässig
= standesethische Ebene ist. Folgendes wird argumentiert: „Es gebe
zwar keine unbedingte Pflicht, das eigene
Ebenso müssen jeweils folgende drei ethi- Leben stets und unter allen Umständen und
sche Grundwerte beachtet werden: mit allen nur denkbaren Mitteln zu verlän-
• der Wert der Selbstbestimmung gern bzw. verlängern zu lassen, sich um
• der Wert der körperlichen und see- willen eines möglichst schmerzfreien und
lischen Unversehrtheit selbstbestimmten Sterbens töten zu lassen
• der Wert des Lebens verstosse jedoch in unzulässiger Weise ge-

6
gen Pflichten, denen der Mensch gegenüber Gott, gegenüber sich selbst oder gegenüber
anderen Menschen unterstellt sei.“ (14) Hierbei muss hervorgehoben werden, dass nicht
nur die Existenz der beanspruchten Pflichten eine Rechtfertigung benötigt, sondern auch,
weshalb diese Pflichten zu einem grundsätzlichen Verbot der direkten aktiven Sterbehilfe
führen. Mehr hierzu erfahren wir im Kapitel zur Legitimität des Suizids.
Validität des Verlanges, getötet zu werden: Valide bedeutet in diesem Zusammenhang,
dass das Verlangen in einem entscheidungsfähigen Zustand, nach reiflicher Überlegung
und auch in Kenntnis aller relevanten Umstände und Konsequenzen geäussert wurde. Kri-
tiker äussern sich hierzu mit den Argumenten, dass die Validität des Verlangens niemals
gegeben sein könne, da diese Kriterien nie mit der nötigen Sicherheit überprüfbar seien.
Auch würden die Leidens- oder Schmerzzustände verunmöglichen, dass die Entschei-
dung autonom (also unbeeinflusst von den Schmerzen) stattfinden kann. Hingegen wird
argumentiert, dass der Patient den Tod als notwendiges Mittel erachtet, den Schmerzen
oder Gefühlen der Angst, Nutzlosigkeit o.a. zu entrinnen. Daher könne das Verlangen nur
dann valide sein, wenn keine Alternative – wie beispielsweise eine palliativmedizinische

“Der Tod ist die Befreiung und


das Ende von allen Übeln,
über ihn gehen unsere Leiden
nicht hinaus; er versetzt uns
in jene Ruhe zurück, in der
wir lagen, ehe wir geboren
wurden.

Seneca (1 v.Chr - 65 n.Chr.)


„Vom glückseligen Leben”

Versorgung – zur Erlösung von diesen Zuständen zur Verfügung steht. (15) Gegen diesen
Argumentationsansatz wird angeführt, dass es Fälle geben kann, in denen die Palliativ-
medizin das Leiden des Patienten nicht genügend zu reduzieren vermag oder nur unter
Nebenwirkungen, welche der Patient als unerträglich empfindet. Darüber hinaus verweist
bspw. Birnbacher darauf, dass es auch Leidenzustände geben kann, die nicht durch eine
palliativmedizinische Versorgung oder durch psychologische Betreuung behebbar sind,
wie bspw. das Empfinden, den Angehörigen zur Last zu fallen, oder das Gefühl der Wür-
delosigkeit oder des Autonomieverlusts. (16)
Legitimität der Tötung aufgrund eines legitimen und validen Verlangens: Nimmt man
die Legitimität und die Validität des Verlangens an, stellt sich stets noch die Frage, ob und
wie das Handeln der Person, die dem Verlangen entspricht, legitimiert sein kann. Die Po-
sition der Kritiker besagt, dass das Verfügen über den Tod eines anderen Menschen stets
als Verstoss gegen die Würde des Menschen zu werten ist, nicht zuletzt, da der Letztent-
scheid über die Tötungshandlung und daher die Tatherrschaft auf die Person entfällt, die
dem Verlangen entspricht. Dagegen wird jedoch argumentiert, dass die Tötung auf Ver-
langen keine Fremdverfügung darstelle, sondern eine arbeitsteilig vollzogene Selbstver-
fügung darstellt: „Die Subjektstellung des nach seiner Tötung Verlangenden werde nicht
missachtet, sondern im Gegenteil geachtet“. (17)

7
Legitimer Suizid?

Um beurteilen zu können, ob Sterbehil- Pflichten gegenüber anderen Menschen


fe legitim sein kann, muss ebenfalls dis- Aristoteles sah im Suizid ein Vergehen ge-
kutiert werden, ob es für einen Menschen gen die Gemeinschaft (vgl. Seite 4). Ähnlich
überhaupt ethisch gestattet sein kann, sich sieht auch die katholische Lehre darin die
selbst zu töten. Wie wir gesehen haben, „Flucht vor den Pflichten der Gerechtigkeit
reicht die Frage, ob es einen „guten“ oder und der Liebe, die den Nächsten, den ver-
„selbstbestimmten“ Tod gibt, bis in die An- schiedenen Gemeinschaften oder auch der
tike zurück. Die Standpunkte, die sich ge- ganzen menschlichen Gemeinschaft ge-
gen die ethische Legitimität des Suizids schuldet werden“. (20)
wenden, stützen mit dem Verweis auf ethi-
sche Pflichten, die entweder gegenüber Kritiker dieser Auffassung betonen, dass
Gott, anderen Menschen oder gegenüber sich hieraus kein unbedingtes Verbot ablei-
sich selbst existieren. Die andere Perspek- ten lasse: „Ethische Vorbehalte gegen die
tive, die die ethische Legitimität des Suizids Selbsttötung seien immer dann angezeigt,
als gegeben sieht, führt an, dass es solche wenn diese die Rechte oder die berech-
Pflichten nicht gibt oder diese nicht für ein tigten Interessen anderer in gravierender
grundsätzliches Suizidverbot geeignet sind. Weise verletze, etwa durch den Entzug ma-

Pflichten gegenüber sich selbst terieller Lebensgrundlagen oder durch die


Das Suizidverbot wird auf die Menschen- Belastung mit Schuldgefühlen. Wie gross
würde abgestellt, welche durch einen Suizid die negative Betroffenheit anderer sein
missachtet werde. Gemäss Immanuel Kant müsse, um für den Sterbewilligen eine ethi-
liegt ein Verstoss gegen die Menschen- sche Pflicht zu begründen, um der anderen
würde immer dann vor, „wenn ein Mensch willen von der Selbsttötung abzusehen, sei
nicht als Zweck geachtet, sondern bloss als nur im Rahmen einer Einzelfallabwägung
Mittel benutzt wird. Wer seinen Tod absicht- zu bestimmen.“ (21) Damit wird auch der
lich herbeiführe, um einem beschwerlichen Fall beachtet, dass bspw. das nahe Umfeld
Zustand zu entfliehen, bediene sich seiner des Sterbewilligen dessen Wunsch respek-
selbst aber bloss als eines Mittels zur Er- tiert und auch deshalb deren Rechte nicht
haltung eines erträglichen Zustandes bis verletzt werden können.
zum Ende des Lebens und würde sich da- Zudem wird argumentiert, dass Sterbewil-
mit selbst in unbedingt unzulässiger Weise lige oftmals krankheitsbedingt ohnehin seit
zu einer Sache“ herablassen. (18) Gegen Längerem ihren Pflichten nicht mehr oder
diese Auffassung spricht jedoch, dass der nur geringfügig nachkommen können. Oder,
Zweck, den eigenen Tod herbeizuführen, um es in den Worten von David Hume zu
ein selbstgesetzter Zweck sei und ein Ster- sagen: „Ich bin nicht verpflichtet, der Gesell-
bewilliger sich somit höchstens als Mittel schaft ein geringfügiges Gutes auf Kosten
zum eigenen Zweck benutze, ohne sich zu eines grossen Übels für mich zu erweisen.“
versachlichen. (19) (22)

8
Sterbehilfe in der Schweiz:
Stand der Dinge
Wie wir gesehen haben, bewegen sich die Das bedeutet, dass Suizidhilfe (sofern sie
Argumente gegen die direkte aktive Sterbe- nicht selbstsüchtig ist) straffrei ist, und der
hilfe auf der genuinethischen, der rechtse- Bund versucht, die Angebote in der Pallia-
thischen sowie der standesethischen Ebe- tivmedizin bekannter zu machen, um das
ne. So hat der Bericht des Bundesrates aus Recht auf Selbstbestimmung der Bürge-
dem Jahr 2011 mit dem Titel „Palliative Care, rinnen und Bürger zu stärken.
Suizidprävention und organisierte Suizidhil-
fe“ ebenfalls Bezug auf alle diese drei Ebe-
nen genommen. Die Schlussfolgerung um-
fasst auch Folgendes: „Eine Änderung des
Strafrechts ist keine angemessene Lösung,
um dem Bedürfnis der Bevölkerung nach ei-
ner Stärkung des Selbstbestimmungsrechts
gerecht zu werden: Nach erneuter Prüfung
der Situation ist der Bundesrat überzeugt,
dass es möglich ist, Missbräuche bei der Su-
izidhilfe (Suizidhilfe bei nicht urteilsfähigen
oder bei gesunden Menschen, Abgabe von
NaP (Natriumpentobarbital) ohne ärztliche
Verschreibung, widerrechtliche Lagerung Wie die Bundesrätin Simonetta Sommaru-
von NaP oder gewinnorientiertes Handeln) ga in einem Interview im Sommer 2012 be-
mit den heutigen gesetzlichen Mitteln zu tonte, kommen dem Staat mehrere Pflichten
bekämpfen. Auch wenn das geltende Recht zugleich zu:
keine besonderen Bestimmungen über Su- „Der Staat hat gemäss Bundesverfassung
izidhilfeorganisationen enthält, bildet Artikel die Aufgabe, Leben zu schützen – das ist
115 StGB zusammen mit den anderen Arti- die erste Aufgabe. Der Staat hat gleichzei-
keln zu strafbaren Handlungen gegen das tig die Aufgabe, die Freiheit des Einzelnen
Leben (Art. 111 ff. StGB), dem HMG, dem zu gewährleisten. Damit hat er die Aufgabe,
BetmG und den standesrechtlichen Regeln das Recht auf Selbstbestimmung sicherzu-
ein ausreichendes und geeignetes Instru- stellen.“ (24)
mentarium, um diese Phänomene in den Auch deswegen trat per 1. Januar 2013 ein
Griff zu bekommen, sofern die Behörden neues Gesetz in Kraft, welches die Wirkung
entschlossen vorgehen. Je nach Fall wer- der Patientenverfügung verstärkt: Der Wille,
den unterschiedliche, d. h. strafrechtliche, wie er in einer Patientenverfügung festge-
administrative oder zivilrechtliche Sankti- halten will, ist für die behandelnden Ärzte
onen angewendet, was jedoch ihre Wirk- verbindlich, ausser wenn diese gegen ge-
samkeit nicht vermindert. Dieses Regelwerk setzliche Vorschriften verstösst oder wenn
hat ausserdem den Vorteil, dass es flexibel begründete Zweifel bestehen, dass sie auf
und praxisorientiert ist und ein sinnvolles freiem Willen beruht.
Gleichgewicht zwischen der staatlichen
Schutzpflicht und der Achtung des Selbst- Mehr zur Patientenverfügung erfährt man
bestimmungsrechts bildet. Deshalb vertritt Beispielsweise auf der Homepage der
der Bundesrat die Auffassung, dass darauf Schweizer Akademie der Medizinischen
verzichtet werden soll, die – private oder or- Wissenschaften (SAMW). (25)
ganisierte – Suizidhilfe über eine Änderung
des Strafrechts zu regeln.“ (23)

9
Sterbehilfe im Gespräch

Herr Dr. Hans Wehrli ist der vormalige Präsident der Organisation EXIT. Herr Dr.
des. Andreas Maier ist Mitarbeiter am UFSPE in Zürich im Rahmen des Teilprojektes
„Selbstbestimmt sterben?“ von NFP 67 „Lebensende“.
Welche Rolle/n spielt die Philosophie rsp. die Ethik hinsichtlich der Sterbehilfe?
Herr Wehrli: Sterben ist der Übergang vom Leben zum Tod. Für jeden Sterbenden, seine
Angehörigen und die Pflegenden stellen sich da grunsätzliche Fragen wie „Was ist der Sinn
meines Lebens?“, „Was sind meine Rechte und Pflichten als Sterbender beziehungsweise
als Pflegender?“ oder „Was ist die Verantwortung der Gesellschaft und des Staates?“. Seit
es Philosophen gibt, also seit mindestens 2500 Jahren, haben sie sich intensiv mit diesen
ethischen Grundsatzfragen auseinandergesetzt. Die immer wieder gleichen Fragen sind
dabei viel wichtiger als die Antworten. Jeder Sterbende und jede Gesellschaft muss die
Antworten dazu selbst finden. Da ist es hilfreich, die Antworten früherer Kulturen zu studie-
ren.
Herr Maier: Die Praxis der Sterbehilfe wirft eine Menge an fundamentalen moralischen
Fragen auf, die in ganz unterschiedlicher Weise beantwortet werden können – unter Rück-
griff auf religiöse Überzeugungen, traditionelle Werte und ähnliches. Die Aufgabe der philo-
sophischen Ethik sehe ich darin, vernünftige Antworten auf diese Fragen zu geben. Dabei
geht man von alltäglichen Intuitionen und Argumenten aus, die man in Bezug auf die Ster-
behilfe hat, und versucht dann, diese in vernünftiger Weise aufzuklären, zu hinterfragen
und zu begründen.

Was oder wie könnte die philosophische Auseinandersetzung, bspw. im Rahmen


des Forschungsprojekts am Ethikzentrum, der Gesellschaft nützen?
Herr Maier: Meiner Ansicht nach ist die philosophische Auseinandersetzung Teil des ge-
sellschaftlichen Diskurses. Der Nutzen besteht darin, dass bestimmte Voraussetzungen
und Begrifflichkeiten gründlich hinterfragt und geklärt werden – dass man beispielsweise
genauer hinschaut, was man eigentlich damit meint, wenn man von der Autonomie der
Patienten spricht, oder was man meint, wenn man davon spricht, dass die Menschenwür-
de dies oder jenes gebietet. Durch den philosophischen Blick wird also zunächst klar, wie
komplex die Fragen in Wirklichkeit sind und dass sie oft komplexer sind, als sie auf den
ersten Blick zu sein scheinen. Und im besten Fall gewinnt man dann in einem zweiten
Schritt begriffliche Klarheit. Ziel speziell des Forschungsprojektes – welches ja zum Nati-
onalen Forschungsschwerpunkt Lebensende gehört – ist eine Orientierungshilfe für Ent-
scheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in der Politik und im klinischen Bereich zu
gewinnen. Die philosophische Arbeit stellt dabei gewissermassen die „Grundlagenarbeit“
dar und besteht zum Beispiel darin, sich nochmals Gedanken darüber zu machen, wie die
basalen Begriffe in der Debatte eigentlich funktionieren.

10
Wie muss man sich die philosophische Begriffsverwendung gibt, und andererseits,
Forschung im Bereich Sterbehilfe vor- auf dieser Grundlage dann die moralischen
stellen? Gibt es ein klares Ziel, welches Fragen zu bearbeiten.
verfolgt wird? Herr Wehrli: Das Projekt an sich ist sinnvoll.
Herr Maier: In dem Forschungsprojekt, Trotzdem mache ich dazu zwei Vorbehalte:
an dem ich beteiligt bin, ist es so, dass 1. Manche der gestellten Fragen sind in der
wir eine klare Ausgangsfrage haben, näm- Schweiz längstens fachlich breit diskutiert
lich in welcher Weise der Autonomiebegriff und publiziert, rechtlich geklärt und politisch
und Autonomie-basierte Argumente in der demokratisch entschieden worden. Das
Suizidbeihilfe-Debatte verwendet werden. gilt zum Beispiel für die seit 1942 rechtlich
Wenn man sich das anschaut, dann sieht geltende und seit 30 Jahren durch die Ster-
man, dass zwar überall von Autonomie und behilfeorganisationen praktizierte Suizidhil-
Selbstbestimmung die Rede ist, aber nie fe. 80 Prozent des Schweizer Volkes, das
richtig klar gemacht wird, was man eigent- Schweizer Parlament und der Bundesrat
lich genau damit meint und warum auto- wollen an der bewährten Regelung nichts
nom getroffene Entscheidungen zum Suizid ändern. Wozu will nun der Nationalfonds
überhaupt zu respektieren sind. Da scheint diese Regelung mit einem Aufwand von 15
es ein Defizit an begrifflicher Klarheit und Mio. Franken neu überprüfen?
zum anderen auch ein Defizit an einer phi- 2. Die Oberleitung des Projektes hat der
losophischen Begründung zu geben. Unklar deutsche katholische Suizidhilfegegner PD
ist beispielsweise, warum im Fall der Suizid- Markus Zimmermann-Acklin. Er hat sich
beihilfe überhaupt ernst zu nehmen ist, was wiederholt öffentlich gegen die Suizidhilfe
eine Person will, das heisst aus welchen geäussert, und er forderte Ärzte auf, kei-
Gründen ein Suizidwunsch respektiert und ne Gutachten über die Urteilsfähigkeit von
unterstützt werden sollte. Ich kann mich au- Sterbewilligen zu erstellen. Solche Gutach-
tonom zu ganz vielen Dingen entscheiden: ten werden vom Bundesgericht gefordert
Ich kann mich autonom entscheiden, die als Voraussetzung für die Sterbehilfe. Unter
nächste Bank zu überfallen, und niemand dieser Oberleitung muss die wissenschaft-
würde sagen, diese Entscheidung müssen liche Objektivität des Forschungsprojektes
wir respektieren oder gar unterstützen, weil angezweifelt werden.
sie autonom getroffen ist. Deshalb stellt sich
die Frage, wieso die autonome Entschei-
dung hinsichtlich des eigenen Lebensendes
so viel austrägt. Das ist das Ausgangspro- Welches sind die umstrittensten ethi-
blem. Die Forschung muss man sich in un- schen Fragen hinsichtlich der Sterbehil-
serem Fall so vorstellen, dass wir zunächst fe?
die verschiedenen Debattenbeiträge durch- Herr Wehrli: Stimmt es, dass vermehrt Per-
arbeiten – dazu gehören neben den phi- sonen ihr Leben beenden wollen, obwohl
losophischen Texten auch Gerichtsurteile sie nicht kurz vor dem Tod stehen? – Nein,
oder Publikationen der Suizidbeihilfeorgani- das sind seit 30 Jahren unverändert etwa
sationen, die allesamt ja auch oft mit dem 30 Prozent der Sterbewilligen. Es handelt
Selbstbestimmungsrecht operieren. Dann sich in der Regel um polymorbide, über 75
kann untersucht werden, in welcher Weise Jahre alte Menschen, die ihr ständig zuneh-
die Begriffe genau verwendet werden, wel- mendes Leiden (zum Beispiel Schmerzen,
che Gemeinsamkeiten und Unterschiede Blindheit, Taubheit, Demenz, Inkontinenz,
es gibt, ob Begründungen gegeben wer- Bewegungsbehinderung, Vereinsamung)
den oder ganz fehlen. Ziel des Ganzen ist nicht mehr länger ertragen und ihren Ange-
es, sich einerseits einen Überblick zu ver- hörigen nicht mehr zumuten wollen, auch
schaffen über die Verwendungsweisen des wenn sie noch zwanzig Jahre überleben
Autonomiebegriffs und dann zu schauen, könnten. Wer diese Leute am Bilanzsuizid
ob es vernünftige Kriterien für eine korrekte hindert, verletzt ihre Menschenwürde und

11
Autonomie und das führt letztlich zur Men- 1. Urteilsfähigkeit (wird durch den Arzt fest-
schenquälerei. Ich bin gegen Menschen- gestellt)
quälerei. 2. Autonomie (kein Druck Dritter, zum Bei-
Herr Maier: Aus meiner Sicht die genaue spiel von Pflegenden, Ärzten, Erben)
Bedeutung und Reichweite des Selbstbe- 3. Wohlerwogenheit (Alternativen, Wirkung
stimmungrechts. Hier ist, neben den bereits auf Angehörige und Einklang mit Wert-
genannten Punkten, nicht klar, wieso dieses haltung wurden geprüft)
im Fall der Sterbehilfe eingeschränkt wer- 4. Konstanz des Sterbewunsches (ange-
den sollte, beispielsweise durch zusätzliche passt an die Situation)
Bedingungen wie der, dass eine terminale
Erkrankung vorliegen muss. In der Regel Sind diese vier Bedingungen erfüllt, spricht
wird ja damit argumentiert, dass Personen man von Bilanzsuizid. Dies im Gegensatz
autonom über ihren eigenen Tod bestim- zum Affektsuizid, welcher in einer meist
men können sollten, und dann ist auf den vorübergehenden, schweren persönlichen
ersten Blick nicht klar, wie solche zusätz- Krise erfolgt. Sterbehilfeorganisationen hel-
lichen einschränkenden Bedingungen zu fen nur beim Bilanzsuizid. Seit dem Alter-
begründen sind. Das halte ich für eine der tum sind Bilanzsuizide moralisch geboten,
umstrittensten Fragen. Affektsuizide dagegen gelten als verwerf-
Eine weitere umstrittene Frage in der ethi- lich. Die einzige wesentliche Ausnahme ist
schen Diskussion ist die nach den Implika- Thomas von Aquin, welcher jede Form von
tionen des Tötungsverbots: wie weit reicht Suizid verbietet. Moralisch gelten die vier
das Tötungsverbot? Sind Sterbe- und Sui- Bedingungen auch für den einsamen Bi-
zidbeihilfe Ausnahmen zum Tötungsverbot, lanzsuizid ohne Freitodbegleiter. Rechtlich
ähnlich wie beispielsweise Notwehr eine ist heute dagegen jeder Suizid erlaubt. Die
ist? Hauptverantwortung trägt immer der Ster-
Ein dritter Punkt, der ebenfalls umstritten bewillige, eine sekundäre Verantwortung
ist, ist der Stellenwert von konsequentia- haben der Arzt und der Freitodbegleiter.
listischen Erwägungen. Man findet in der
Debatte immer wieder Argumente, die be- Herr Maier: Ich würde denselben Punkt in
sagen, dass, wenn man das eine erlaubt, ähnlicher Weise nennen. Die Bedingungen,
die Praxis so aufweicht, dass alles andere die man üblicherweise anführt, sind, erstens,
auch erlaubt ist: Wenn man Suizidbeihilfe dass die Person kompetent ist in Bezug auf
erlaubt, dann gelangt man dahin, dass am die Entscheidung und zweitens, dass die-
Ende auch unfreiwillige direkte aktive Ster- se Entscheidung authentisch ist. Was ich
behilfe erlaubt ist. In der ethischen Debatte beim Thema Bilanzsuizid noch wichtig finde
wird kontrovers diskutiert, ob und inwiefern oder bei der Frage, wie rational ein Suizid
man solche konsequentialistischen Überle- im Einzelfall ist: Wie sehen eigentlich die
gungen ernst nehmen sollte und wenn ja, äusseren Bedingungen aus, unter denen
warum. so eine Entscheidung getroffen wird? Man
kann die äusseren Bedingungen für jede
Person so schlecht machen, dass der Sui-
zid für sie rational ist. Deshalb scheint es mir
Unter welchen Voraussetzung sollte ein parallel zur Frage nach der Erlaubtheit der
Mensch über sein Leben rsp. seinen Tod, Suizidbeihilfe extrem wichtig zu sein, auch
verfügen dürfen? nach den gesellschaftlichen Bedingungen
zu fragen, innerhalb derer sich diese Frage
Herr Wehrli: Gemäss dem Bundesgerichts- überhaupt stellt. Wenn man sich den Pfle-
entscheid aus dem Jahr 2006 und der Ver- genotstand anschaut, die Vereinsamung
einbarung zwischen dem Kanton Zürich und von Menschen im Alter oder unser Bild des
Exit gelten die folgenden vier Bedingungen Alterns, das zunehmend pathologisiert wird,
für jede Freitodbegleitung: dann scheint mir das ein gesellschaftlicher

12
Kontext zu sein, in dem die Suizidentschei- Was hat Sterbehilfe mit Menschenwürde
dung vielleicht auch in einer Weise rational zu tun?
wird, wie sie es nicht sein müsste, wenn Herr Wehrli: Es gibt zwei sich widerspre-
diese Bedingungen bessere wären. Das chende Definitionen von Menschenwürde.
scheint mir ein wichtiger Punkt hinsichtlich Erstens: Der Mensch hat ein unveräusser-
der Voraussetzungen zu sein. Wichtig fin- liches Recht auf Freiheit und Würde. Das
de ich auch die Frage, ob die Entscheidung bedeutet, er ist frei zu denken, zu entschei-
über den eigenen Tod eine ist, die ich für den und zu handeln, wie er will, solange er
mich treffen und alleine ausführen kann, damit nicht die Freiheit und Würde anderer
oder ob ich andere dazu brauche, die mir in Menschen verletzt. In diesem Sinn ist die
irgendeiner Weise dabei helfen. Im letzteren Menschenwürde nach Immanuel Kant die
Fall handelt es sich um eine Entscheidung, Grundlage aller Menschenrechte.
die eine intersubjektive, soziale Dimensi- Zweitens: Der Mensch ist ein Ebenbild
on bekommt, und dann kann es sein, dass Gottes. Daraus leitet er seine Würde ab,
ausser den bereits genannten noch weitere indem er nach dem Willen Gottes handelt,
Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit der ihm das Leben geschenkt hat und der
ein Mensch über seinen eigenen Tod verfü- allein es auch wieder nehmen darf. Dies ist
gen darf.

Weitere Fragen, die im Gespräch disku- die mittelalterliche Definition, die seit der
tiert wurden: Aufklärung als überholt gilt, von der katho-
• Welches Argument gegen die Legitimi- lischen Kirche aber nach wie vor vertreten
tät von direkter aktiver Sterbehilfe halten wird.
Sie (aus welchen Gründen) für am we- Herr Maier: Die Beobachtung, dass der
nigsten oder am meisten stichhaltig? Begriff der Menschenwürde schwierig und
• Der Bundesrat hat 2011 Folgendes be- komplex ist und in der Debatte auch nicht
schlossen „Das EJPD und das EDI sind einheitlich verwendet wird, kann ich nur be-
zum Schluss gelangt, dass eine Ände- stätigen. Das zeigt sich dann unter anderem
rung von Artikel 115 StGB und von Arti- daran, dass in der Debatte um die Suizid-
kel 119 MStG gegenüber der aktuellen beihilfe sowohl die Befürworter als auch die
Situation keinen besonderen Mehrwert -gegner unter Rekurs auf den Menschen-
bringen würde.“ Was halten Sie von die- würdebegriff ihre Argumente zu stützen ver-
sem Vorgehen? suchen. Das ist auch einer der Punkte, an
• Der Artikel 115 StGB besagt: „Wer aus denen man sieht, dass noch dringend philo-
selbstsüchtigen Beweggründen je- sophische Klärung notwendig ist
manden zum Selbstmorde verleitet oder
ihm dazu Hilfe leistet, wird, wenn der
Selbstmord ausgeführt oder versucht Um sich das gesamte Interview online
wurde, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jah- anzuhören, klicken Sie bitte hier:
ren oder Geldstrafe bestraft.“ Inwiefern
findet der Artikel überhaupt Anwendung
auf die Sterbebegleitungen von Exit?

13
Die Rolle der Philosophie

Wie wir gesehen haben, führt uns die Phi- beihilfe als autonom gilt. So haben sowohl
losophie analytisch, unpolitisch und konfes- Befürworter als auch Gegner einer restrik-
sionslos an die diversen ethischen Frage- tiveren Regulierung ihre Positionen mit der
stellungen des Themas Sterbehilfe heran. Autonomie von Personen begründet.
Systematisch werden die Fragen geordnet Ziel
und, wenn nötig, voneinander abgesondert. Das Projekt soll klären, welche der in der
In Bezug auf die Sterbehilfe lässt sich fest- Debatte vorgeschlagenen Bedingungen
halten: Ohne eine systematische Herange- sinnvoll in einen Zusammenhang mit Auto-
hensweise und einen kühlen Kopf für die nomie gebracht und wie diese Bedingungen
Teilfragen ist jeder mit der Komplexität des spezifiziert werden können. In der Ausein-
Themas überfordert. Wie sich aber bei die- andersetzung mit den philosophischen,
ser Untersuchung auch herausstellt, handelt juristischen, psychologischen und öffent-
es sich um Fragen, die äusserst schwierig lichen Debatten sollen dabei zwei Arbeits-
zu beantworten sind. Beispielsweise wie, hypothesen überprüft werden. Erstens: Ein
wann und unter welchen Bedingungen eine anspruchsvoller Begriff der Autonomie, mit
Entscheidung als autonom gelten kann. Der dem sich Beschränkungen der Suizidbei-
universitärer Forschungsschwerpunkt Ethik hilfe begründen liessen, kann im liberalen
(UFSPE) der Universität Zürich hat deshalb Kontext nicht verteidigt werden. Zweitens:
durch den Schweizerischen Nationalfonds Einige der vorgebrachten Bedingungen
den Auftrag erhalten, sich genau dieser Fra- können auf andere, von Autonomie unter-
ge eingehend zu widmen. schiedene Werte wie zum Beispiel Wohler-
gehen, Lebensschutz oder Menschenwür-
NFP Lebensende: „Selbstbestimmt ster- de zurückgeführt werden. Sie sollten daher
ben? Suizidbeihilfe und Autonomie“ nicht in die Bestimmung der Bedingungen
„In der Debatte um Suizidbeihilfe ist das für Autonomie einfliessen.
Recht auf Selbstbestimmung weitgehend Bedeutung
anerkannt. Umstritten ist jedoch, unter wel- Eine Klärung der Bedingungen von Autono-
chen Bedingungen die Entscheidung ei- mie ist nicht nur für akademische Debatten,
ner Person, ihrem Leben mit Hilfe anderer sondern auch für die politische und öffent-
Personen ein Ende zu setzen, als autonom liche Diskussion um eine Regulierung der
gelten kann. Das Projekt soll klären, welche Suizidbeihilfe unverzichtbar. Durch die Be-
Bedingungen sinnvoll in einen Zusammen- stimmung eines Begriffs der Autonomie er-
hang mit Autonomie gebracht und wie sie öffnet das Projekt eine wichtige Perspektive
spezifiziert werden können. auf die gegenwärtige Debatte: Wenn sich
mit Autonomie kaum Einschränkungen be-
Hintergrund gründen lassen (zum Beispiel für gesunde
Im Verlauf der intensiv geführten Debatte Personen mit einem Sterbewunsch), wel-
um eine restriktivere Regulierung der Sui- cher Stellenwert sollte dann dem Prinzip des
zidbeihilfe in der Schweiz wurde dem Recht Respekts vor der Autonomie beigemessen
auf Autonomie von allen Seiten ein hoher werden? Sollten für die Frage nach einer
Stellenwert beigemessen. Dabei wurde al- Regulierung möglicherweise auch andere,
lerdings deutlich, dass grosse Unklarheit von Autonomie verschiedene Werte wie bei-
und Uneinigkeit hinsichtlich der Bedin- spielsweise Wohlergehen, Lebensschutz
gungen bestehen, die eine Person erfüllen oder Menschenwürde stärker berücksichtigt
muss, damit die Entscheidung für Suizid- werden?“ (26)

14
Anhand dieser Beschreibung des Teilpro- Literaturtipps
jekts „Selbstbestimmt sterben? Suizidbei- Georg Bosshard, Liberalisierung der Ster-
hilfe und Autonomie“ lässt sich unschwer behilfe: Erfahrungen in der Schweiz. In:
erkennen, dass die Philosophie keineswegs Grenzsituationen in der Intensivmedizin,
eine für die Gesellschaft nutzlose Disziplin Berlin, 2008, ISBN 978-3-540-75819-8, S.
ist. Durch die philosophische Arbeit wächst 245-250. Online verfügbar.
das Verständnis von komplexen gesell-
schaftlichen Problemstellungen. Die Phi- Brauer, S; Wiesemann, C; Biller-Andorno,
losophie ermöglicht daher die Herstellung N (2008). Selbstbestimmung und Selbstver-
einer soliden Entscheidungsgrundlage. ständnis: Themenschwerpunkte im Umgang
Auch dadurch, dass die philosophische Be- mit der Patientenverfügung. Ethik in der Me-
urteilung von politischen und religiösen Mei- dizin, 2008, 20(3):166-168. Online verfüg-
nungen entweder unabhängig ist oder diese bar.
zumindest klar kennzeichnet, trägt die Phi-
losophie dazu bei, dass sich alle Personen Udo Benzenhöfer, Der gute Tod? – Ge-
in einem Thema orientieren können. schichte der Euthanasie und Sterbehilfe,
Nicht nur in Bezug zur Sterbehilfe, sondern Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2009,
auch zu anderen Themen wie Migration, ISBN: 978-3-525-30162-3
Umweltverschmutzung, Demokratie, Wirt-
schaftsethik oder zu persönlichen Themen Ingo Hillebrand, Ethische Aspekte der Ster-
wie Vertrauen, Emotionen, Glück, Schön- behilfe, in: Sterbehilfe, Verlag Karl Alber,
heit oder ähnlichen Themen, bietet die Phi- Freiburg/München, 2009
losophie eine breite Grundlage an Orientie- ISBN 978-3-495-48345-9
rungsmöglichkeiten.
Dieter Birnbacher, Bioethik zwischen Na-
Sie möchten einen Sonder- tur und Interesse, Suhrkamp Taschenbuch,
druck dieses Themen- Berlin, 2006, ISBN 978-3-518-29372-0
dossiers bestellen?
Schreiben Sie uns eine Barbara Häcker, Die ethischen Probleme
E-Mail auf: der Sterbehilfe, LIT Verlag, Hamburg, 2008,
info@philosophie.ch ISBN: 978-3-8258-8951-7
(Preis auf Anfrage)

15
Glossar

• Ambivalenz • Legitimität
gleichbedeutend mit „Doppeldeutigkeit“ oder „Zwie- Legitimität (lat. legitimus, gesetzmäßig) bezeich-
spältigkeit“. Es handelt sich hier um ein „Sowohl/ net die Anerkennungswürdigkeit beziehungsweise
als auch“ von Einstellungen. Der Begriff „Hassliebe“ Rechtmäßigkeit von Personen, Institutionen, Vor-
ist ein Beispiel für eine solche untrennbare Ver- schriften etc. Ein Legitimität besitzender Sachver-
knüpfung gegensätzlicher Wertungen. Herkunft aus halt ist legitim.
dem lateinischen von ambo (beidseitig) und Valenz
(Wertigkeit). • Suizid
(von neulateinisch suicidium: aus sui ‚seiner‘ und
• Autonomie -cidere ‚töten‘, das ‚Töten seiner selbst‘, auch
Als Autonomie (altgriechisch αὐτονομία, autonomía, Selbsttötung, Selbstmord oder Freitod) ist die be-
„Eigengesetzlichkeit, Selbständigkeit“, aus αύτός, absichtigte Beendigung des eigenen Lebens durch
autos, „selbst“ und νόμος, nomos, „Gesetz“) be- eine aktive Handlung.
zeichnet man den Zustand der Selbständigkeit,
Selbstbestimmung, Unabhängigkeit, Selbstverwal- • Synonym
tung oder Entscheidungsfreiheit. Sie ist in der idea- Der Ausdruck stammt von griechisch συνώνυμος
listischen Philosophie die Fähigkeit, sich als Wesen (synōnymos), bestehend aus σύν (syn) ‚zusammen‘
der Freiheit zu begreifen und aus dieser Freiheit und ὄνομα (ónoma) ‚Name‘. Als synonym bezeich-
heraus zu handeln. Auch wird Existenz von Auto- net man verschiedene sprachliche oder lexikalische
nomie in der Ethik als ein Kriterium herangezogen, Ausdrücke oder Zeichen, die den gleichen oder
nach dem Individuen ethische Rechte und Pflichten einen sehr ähnlichen Bedeutungsumfang haben.
zugeordnet werden können. Insbesondere verschiedene Wörter mit gleicher
oder ähnlicher Bedeutung sind Synonyme oder
• Ethik Ersatzwort zu einander.
Die Ethik (griechisch ἠθική (ἐπιστήμη) ēthikē
(epistēmē) „das sittliche (Verständnis)“, von ἦθος • Valide
ēthos „Charakter, Sinnesart“, vergleiche lateinisch Mit Validität (lat. validus ,kräftig‘, ,wirksam‘; engl. va-
mos) ist eines der großen Teilgebiete der Philoso- lidity ,Gültigkeit‘) wird in erster Linie das argumenta-
phie. Die philosophische Disziplin Ethik (die auch tive Gewicht einer (vornehmlich wissenschaftlichen)
als Moralphilosophie bezeichnet wird) sucht nach Aussage, Untersuchung oder Theorie bezeichnet.
Antworten auf die Frage, wie in bestimmten Situa-
tionen gehandelt werden soll – also: „Wie soll ich • Wert
mich in dieser Situation verhalten?“ Die einfachste In diesem Zusammenhang = In der Gesellschaft an-
und klassische Formulierung einer solchen Frage erkannte, wünschenswerte, ideelle Vorstellung, der
stammt von Immanuel Kant: „Was soll ich tun?“ die positiven Eigenschaften einer Sache zu Grunde
Ihre Ergebnisse bestehen in anwendbaren ethi- liegen.
schen (bzw. moralischen) Normen, die beinhalten,
dass unter bestimmten Bedingungen bestimmte Alle Einträge aus Internetquellen entnommen. (27)
Handlungen geboten, verboten oder erlaubt sind.
Insofern als in der Ethik nach allgemeingültigen Ant-
worten auf die Frage nach dem richtigen Handeln
gesucht wird, stellt sich die Frage nach der Möglich-
keit allgemeingültiger ethischer Normen und deren
Begründung. Diese Diskussion über die Grundlagen
der Ethik, ihre Kriterien und Methoden, ist ein wich-
tiger Teil der philosophischen Disziplin Ethik, der
auch als Metaethik bezeichnet wird.

16
Quellen
(1) Udo Benzenhöfer, Der gute Tod? - Geschichte der Eutha- (17) Vgl. Ingo Hillebrand, S. 112
nasie und Sterbehilfe, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, (18) Ingo Hillebrand, S. 131 mit Bezug auf Immanuel Kant,
2009, ISBN: 978-3-525-30162-3, S. 9 Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Hrsg. Karl Vorländer,
(2) ebenda, S. 23 Meiner, Hamburg, 1994, S. 52
(3) Platon, Der Staat (Politeia). Übersetzt und herausgegeben (19) Vgl. Ingo Hillebrand, S. 131
von Karl Vretska. Reclam, Stuttgart, 1991, S. 191 (20) Konkregation für die Glaubenslehre, Erklärung der römischen
(4) Udo Benzenhöfer, S. 28 Glaubenskongregation zur Euthanasie, 1980, Online auf
(5) Aristoteles, Die Nikomachische Ethik. Übersetzt und heraus- http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/docu-
gegeben von Olof Gigon. 6. Auflage, dtv, München, 1986, S. ments/rc_con_cfaith_doc_19800505_euthanasia_ge.html
116 (21) Ingo Hillebrand, S. 134 mit Bezug auf Dieter Birnbacher,
(6) Udo Benzenhöfer, S. 29 Suizid und Suizidprävention aus ethischer Sicht, in: Bioethik
(7) Ingo Hillebrand, Ethische Aspekte der Sterbehilfe, in: Sterbe- zwischen Natur und Interesse, Suhrkamp Taschenbuch,
hilfe, Verlag Karl Alber, Freiburg/München, 2009, S. 85 Frankfurt a.M., S. 206
(8) Ingo Hillebrand, S. 86 (22) David Hume, Die Naturgeschichte der Religion. Meiner,
(9) Ingo Hillebrand, S. 90 Hamburg, 2000, (S. 89-99 Über Selbstmord), S. 97
(10) S.D. Williams, Euthanasia, in: Popular Science Monthly, May (23) Bericht des Bundesrates, „Palliative Care, Suizidprävention
1873, S. 91. Entnommen aus: Markus Zimmermann-Acklin, und organisierte Suizidhilfe“, Online auf http://www.ejpd.
Euthanasie - Eine theologisch-ethische Untersuchung, 2. admin.ch/content/dam/data/gesellschaft/gesetzgebung/ster-
erweiterte und überarbeitete Auflage, Universitätsverlag, behilfe/ber-br-d.pdf
Freiburg im Brs., 2002, ISBN 3-7278-1401-2, S. 48 Teile (24) Welche Aufgabe, welche Rolle hat der Staat, wenn es um
davon online auf: Google Books Suizidhilfe geht?, Reden, EJPD, 15.06.2012. Bundesrätin
(11) Ingo Hillebrand, S. 91 Simonetta Sommaruga. Es gilt das gesprochene Wort. Online
(12) Barbara Häcker, Die ethischen Probleme der Sterbehilfe, LIT auf: http://www.ejpd.admin.ch/content/ejpd/de/home/doku-
Verlag, Hamburg, 2008, ISBN: 978-3-8258-8951-7, S. 40 mentation/red/2012/2012-06-15.html
(13) Vgl. Kapitel 1.2.1. in Ingo Hillebrand, S. 87 (25) http://www.samw.ch/de/Ethik/Patientenverfuegung.html
(14) Ingo Hillebrand, S. 107 (26) Entnommen: http://www.nfp67.ch/D/projekte/regelungen-und-
(15) Vgl. Ingo Hillebrand, S. 108 handlungsvorschlaege/selbstbestimmt-sterben-suizidbeihilfe-
(16) Dieter Birnbacher, Sterbehilfe - Eine philosophische Sicht. In: und-autonomie/Seiten/default.aspx
Aktive und passive Sterbehilfe. Medizinische, rechtswissen- (27) http://de.wiktionary.org/wiki/Wiktionary:Hauptseite und http://
schaftliche und philosophische Aspekte, Hrsg. Felix Thiele, de.wikipedia.org/wiki/
Fink, München, 2005, ISBN-10: 3770550897, S. 31-48 und
Vgl. Ingo Hillebrand, S. 110

17
Impressum

Philosophie.ch
Turnweg 6
CH-3013 Bern

Verfasst von Anja Leser


info@philosophie.ch
Projektleitung: Dr. Philipp Blum

© Philosophie.ch, 2013
7. Themendossier, März 2013
ISSN 1662937X Vol. 103

Cartoon: Max Nöthiger


Fotos: Martina Walder

Zitiervorschlag:
„Sterbehilfe - Philosophisches The-
mendossier“, Swiss Philosophical
Preprint Series #103, 27.03.2013,
ISSN 1662937X