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Philosophische Fakultät

Abteilung für Germanistik


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Der Sandmann: eine Anaylse


Seminararbeit

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Inhaltsangabe

1. Einleitung ....................................................................................................................... 3
2. Allgemein über die Erzählung und die Handlung .......................................................... 3
3. Analyse der Themen und Hauptmotive .......................................................................... 5
4. Das Nachtstück und das Automaten-Motiv ................................................................... 5
Konflikt zwischen der Romantik und der Aufkärung ........................................ 6
Das Augen-Motiv und das Feuer-Motiv ............................................................ 7
5. Schluss ............................................................................................................................ 8

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Einleitung

Der Sandmann ist eine Erzählung von Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, die 1816 im ersten
Band des zweibändigen Zyklus „Nachtstücke“ veröffentlicht wurde und als eines seiner
berühmtesten Werke gilt. Das oft interpretierte Werk entstand in einer Zeit, die später „Epoche
der Schwarzen Romantik“ genannt wurde; dabei wird die Erzählung auch als ein Schauerroman
betrachtet. Die Handschrift der Erzählung stammt aus dem Jahr 1815, während der Erstdruck
in der erwähnten Sammlung „Nachstücke“ 1816 erschien und inhaltlich einigermaßen geändert
war (Hofoff, 1988, S. 53). Da der Sandmann ein bedeutendes, relativ kurzes und
interpretationsreiches Werk ist, hat es viele Adaptationen in der Musik, im Film und im Theater.
Diese Seminararbeit verschafft eine Übersicht des Kunstmärchens sowie auch eine allgemeine
Beschreibung einzelner Aspekte und Motive des Werks, der Handlung, der Figuren und deren
Interpretation / Analyse.

Allgemein über die Erzählung und die Handlung

E. T. A. Hoffmann erzählt vom Schicksal des Studenten Nathanaels, der durch eine Begegnung
mit dem Wetterglas Händler Coppola an traumatische Geschehnisse aus seiner Kindheit
erinnert wird und langsam seine Vernunft verliert. Seine Verlobte, Clara, hält seine Gedanken
und Ängste für Einbildungen und meint, dass er sich von diesen nur befreien muss. Doch
Nathanael kann sich von seiner Unruhe und seinem Wahn nicht befreien und begeht am Schluss
Selbstmord. Es wird aber nicht klar, ob er dabei Opfer einer Intrige oder wirklich wahnsinnig
wurde. Das Werk wird in zwei Teile gegliedert: der erste Teil besteht aus drei Briefen und einer
Zwischenrede des Erzählers, während der zweite Teil von einem Er-Erzähler geschildert wird.

„Der Sandmann“ beginnt mit dem Brief von Nathanael an seinen Ziehbruder Lothar, welcher
mit seiner Schwester Clara nach dem Tod ihrer Eltern von Nathanaels Mutter aufgenommen
wurde. Im Brief schreibt Nathanael aufgeregt, dass er in Coppola den alten Advokaten
Coppelius erkennt hat. Dabei beschreibt er, warum der ihn beunruhigt. Der unangenehme
Advokat hat in Nathanaels Kindheit zusammen mit seinem Vater alchemistische Experimente
durchgeführt. Um die Kinder ins Bett zu bekommen, bevor der Advokat zu Besuch kam, hat

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die Mutter den Kindern gesagt, der Sandmann würde kommen. Von einer Amme hat Nathanael
herausgefunden, dass der Sandmann eigentlich dämonisch sei: „[Der Sandmann] ist ein böser
Mann, der kommt zu den Kindern, wenn sie nicht zu Bett gehen wollen und wirft ihnen
Händevoll Sand in die Augen, daß sie blutig zum Kopf herausspringen, die wirft er dann in den
Sack und trägt sie in den Halbmond zur Atzung für seine Kinderchen; die sitzen dort im Nest
und haben krumme Schnäbel, wie die Eulen, damit picken sie der unartigen Menschenkindlein
Augen auf.“ (Jahraus, 2016, S. 10) Bei Nathanael fuhrte das dazu, dass er den Advokaten mit
dem Sandmann verband. Als er seinen Vater und den Coppelius heimlich beobachtet, endeckt
ihn Coppelius und droht ihm, die Augen auszureißen. Etwa ein Jahr später kommt Coppelius /
der Sandmann ein letztes Mal zu Besuch, wobei der Vater wegen einer Explosion stirbt und
Coppelius spurlos verschwindet.

Der zweite Brief kommt von Clara, da Nathanael seinen Brief versehentlich an sie, statt an
Lothar, adressiert hat. Darin versucht sie Nathanaels Wahnvorstellungen mithilfe der Vernunft
zu erklären. Clara bittet ihn, diese Besessenheit mit dem Sandmann loszulassen, damit er keine
Macht über Nathanael bekommt. Nathanael schreibt den dritten Brief an Lothar und meint,
Clara sei nicht im Recht. Er teilt ihm noch mit, dass er von dem Professor Spalanzani erfahren
hat, dass Coppola nicht Coppelius sein kann. Außerdem berichtet er von der schönen Tochter
des Professors, die er kurz gesehen hat und plant, seine Heimat bald zu besuchen.

Nach diesen Briefen ändert sich die Struktur, da sich der Erzähler meldet, sich als Freund
Lothars beschreibt und weiterhin die Geschichte erzählt. Zu Hause denkt Nathanael noch immer
an Coppola, Dämone und feindliche Mächte. Er schreibt ein Gedicht, in dem Coppelius seine
Hochzeit mit Clara unterbricht. Das führt zum Streit mit Clara (er nennt sie ein „leblosen,
verdammten Automat") und Lothar will sich sogar mit Nathanael duellieren, was Clara aber
verhindert. Nathanael kehrt nachdem an seinen Studienort zurück und zieht in eine neue
Wohnung (da die alte niedergebrannt war), die dem Haus von Professor Spalanzani
gegenüberliegt. Coppola kommt zu Nathanael und verkauft ihm ein Perspektiv, durch welches
er die Tochter, Olimpia, sehen kann. Er verliebt sich in sie, ohne zu bemerken, dass sie eine
leblose Automatenpuppe ist. Nach dem Ball, auf dem seine Liebe zu Olimpia immer stärker
wird, besucht er sie häufig. Als er sich mit ihr verloben will, sieht er einen Streit zwischen
Coppola und dem Professor und erfährt, dass Olimpia eine Puppe ist. Nathanael wird dann
wahnsinnig und wird ins „Tollhaus“ gebracht.

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Nach seiner Gesundung ist Nathanael entschlossen, seine geliebte Clara zu heiraten. Er besteigt
mit ihr kurz vor der Hochzeit den Rathausturm, um sich die Gebirge anzuschauen. Dabei schaut
er durch das Perspektiv und sieht Clara. Dies löst einen erneuten Wahnsinnsanfall aus und er
versucht Clara vom Turm zu werfen, da er sie im Wahn für eine Holzpuppe hält. Lothar kann
das gerade noch verhindern, aber Nathanael stürzt sich selbst vom Turm, als er in der
Menschenmenge unten den Coppelius erkennt. Die Erzählung endet damit, dass Clara einige
Jahre später glücklich verheiratet sei und Kinder habe.

Analyse der Themen und Hauptmotive

Das Nachtstück und das Automaten-Motiv

Dieses Werk wird as ein „Nachtstück“ bezeichnet. Es handelt sich um eine kurze Erzählung,
die sich zum Teil mit merkwürdigen und unheimlichen Erscheinungen auseinandersetzt. Es
zeigt also die „Nachtseite“ der Dinge, wobei sich das Fantastische mit dem Realistischen
vermischt. Bei dem Sandmann zeigt sich bereits in der Überschrift der Anklang an das
Nachtstück, weil der Sandmann eine Figur der Nacht ist. Dabei wird er durch die Geschichte
der Amme zu einer schrecklichen Gestalt, die bei Nathanael ein Trauma verursacht hat. Der
Begriff des Nachtstückes bezeichnet eine „effektvolle künstliche Beleuchtung eines in seinen
übrigen nichtbelichteten Teilen in nächtlichem Dunkel verliebenden Gegenstandes“ (Mühlher,
1964, S. 97). Im Sandmann ist die Olimpia ein Beispiel für diesen Gegenstand, der beleuchtet
und „lebendig“ wird, wenn Nathanael die Automatenpuppe durch das beleuchtende Perspektiv
anschaut (ebd., S. 98, 99).

Man kann bemerken, wie Nathanael die Olimpia zuerst als „unlebendig“ beschreibt: „[Olimpia]
schien mich nicht zu bemerken, und überhaupt hatten ihre Augen etwas Starres, beinahe möcht
ich sagen, keine Sehkraft, es war mir so, als schliefe sie mit offenen Augen. Mir wurde ganz
unheimlich (…)“ (Jahraus, 2016, S. 18); aber nachdem er sie durch das Perspektiv betrachtet,
bemerkt er ihren „verführerischen“ Anblick: „Nun erschaute Nathanael erst Olimpias
wunderschön geformtes Gesicht. Nur die Augen schienen ihm gar seltsam starr und tot. Doch
wie er immer schärfer und schärfer durch das Glas hinschaute, war es, als gingen in Olimpias
Augen feuchte Mondesstrahlen auf. Es schien, als wenn nun erst die Sehkraft entzündet würde;
immer lebendiger und lebendiger flammten die Blicke. Nathanael lag wie festgezaubert im
Fenster, immer fort und fort die himmlisch-schöne Olimpia betrachtend.“ (ebd., S. 26).

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Konflikt zwischen der Romantik und der Aufklärung

E.T.A. Hoffmanns Erzählung gehört zur Epoche der Romantik und thematisiert sowohl die
gefühlsbetonte, als auch die rationale Weltanschauung. In dem Werk dominiert der Konflikt
zwischen dem Rationalen und dem Fantastischen, in denen die Aufklärung und die Romantik
erkennbar sind. Die besten Beispiele dafür sind die Personen im Werk: Nathanael ist einerseits
impulsiv und desorientiert, während Clara das Symbol der Vernunft ist (das kann man mit ihrem
Namen verbinden). Nathanael, als Protagonist, ist ein Dichter, der von seinen Gefühlen geleitet
ist. Er ist auch ein Physikstudent, der seine Erlebnisse in der Poesie verarbeitet, aber er findet
hier keine Lösungen. Seine Angst verschlimmern sich dadurch noch mehr, wie beim Gedicht
über Coppelius zu sehen ist (Koebner, 1993, S. 259); Hoffmann übt im Werk oft Kritik an der
Romantik und der Gefühlsbetontheit (ebd., S. 261).

Er übt aber auch Kritik an der Aufklärung, was daran erkennbar ist, dass Clara nicht in der Lage
ist, die Gefühle und Ängste von Nathanael zu verstehen. Sie nimmt ihn nicht ernst, sondern
meint, dass alles, was passiert ist, nur Teil seiner Imagination ist, und ermutigt ihn, Coppola zu
vergessen (ebd., S. 258). Bis zum Schluss schwankt Nathanael zwischen der dämonischen Welt
von Coppelius und der aufgeklärten Welt von Clara: „Die Unfähigkeit der Differenzierung
zwischen Einbildung und Realität, die zunehmende Vertiefung in die Dunkelzonen der eigenen
Psyche, das Fixiertsein auf das Wirken einer „dunklen“ oder „feindlichen Macht“, wird
[Nathanael] zur tödlichen Falle.“ (Hilldebrand, 1999, S. 29)

Das Perspektiv als Motiv, ist auch ein Beispiel, das sowohl mit der Romantik, als auch mit der
Aufklärung verbunden ist. Man kann es mit dem Sandmann verbinden, da man Glas aus Sand
bekommt. Während es normalerweise dazu dient, die Welt rational und objektiv
wahrzunehmen, schafft es für Nathanael eine verzerrte Welt, in der das Tote zum Lebendigen
wird. Es ist interessant, wie Nathanael durch das Perspektiv Clara als eine Puppe sieht und
Olimpia ihm sehr lebendig scheint, während es in der Wirklichkeit umgekehrt ist. Man kann
auch bemerken, dass die Gäste auf Spalanzanis Ball auch nicht erkennen, dass Olimpia kein
Mensch ist, obwohl sie aber schon meinen, dass Olimpia, trotz ihrer Schönheit, sehr
merkwürdig und still ist.

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Das Augen-Motiv und das Feuer-Motiv

Das Motiv der Augen ist ein zentrales Motiv im Werk. Dieses Motiv kommt im Werk vor als
ein wichtiges Symbol für die Vermischung von Wirklichkeit und Wahn: „Augen, die als Spiegel
der Seele und des Lebens gelten, dienen im Falle Olimpias tatsächlich als Spiegel der Seele,
aber der des Betrachters.“ (Koeber, 1993, S. 290). Man kann das Motiv in der Erzählung finden
bei der Beschreibung des Sandmanns; in den Experimenten von Coppelius und Nathanaels
Vater; in dem Gedicht von Nathanael, in dem Streit zwischen Coppola und Spalanzani; Coppola
sagt zu Nathanael „sköne Oke“; Nathanael beschreibt die Augen von Olimpia und Clara;
„coppo“ ist der italienische Ausdruck für die Augenhöhle (ebd., S. 265) … Beim Streit
zwischen Spalanzani und Coppola wirft der Professor die ausgefallenen Augen von Olimpia an
Nathanael, genau wie Coppelius das macht in dem Gedicht, dass Nathanael über sich und Clara
geschrieben hat, in dem Claras Augen geworfen werden (ebd., S. 263, 293). Vielleicht mag das
Augen-Motiv auch in der Ratsturm-Szene anwesend gewesen sein, wenn auch nicht explizit.
Man kann vermuten, dass Nathanael durch das Perspektiv die Augen von Clara gesehen hat,
genau wie er die Augen Olimpias gesehen hat, was in Nathanael diese Erinnerung erweckt hat.
„Sköne Oke“ verweist auf den Pakt mit Coppola, der ihm das Perspektiv verkaufte und somit
Nathanaels Wahrnehmung verzerrte (Kremer, 2007, S. 176). Augen sorgen im Werk auch für
Ungewissheit und Interpretationsmöglichkeiten. Der Leser weiß oft nicht genau, ob das, was er
gelesen hat, Wirklichkeit oder Imagination ist; wie z. B. als Nathanael schreibt, Coppelius habe
ihm die Glieder abgeschraubt und versetzt wie einer Puppe (Koebner, 1993, S. 263).

In dieser letzten Szene ist auch das Feuer-Motiv anwesend, unter anderen wichtigen Szenen,
die eine Veränderung andeuten: durch alchemistische Experimente stirbt Nathanaels Vater bei
der Explosion; das Feuer in seiner früheren Wohnung führt dazu, dass er in eine Wohnung
gegenüber Spalanzani einzieht; in seinem Gedicht wird er von Coppelius in einen Feuerkreis
geworfen; das Feuer kann man auch in Olimpias flammenden Augen finden … Der Höhepunkt
dieses Motivs wird erreicht, als Nathanael auf dem Turm mehrmals „Feuerkreis dreh dich –
Feuerkreis dich“ ruft und anschließend in den Tod springt. Dieser Ausruf bezieht sich auf die
Erfahrungen und Ereignisse in der Kindheit, als der Vater starb. Der Feuerkreis steht auch für
Nathanaels Illusion, dass die Augen blutig und feurig an seine Brust springen (Kremer, 2007,
S. 176).

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Schluss

E. T. A. Hoffmanns Nachtstückt, der Sandmann, ist ein höchst interessantes Werk, gerade weil
es so vieles zum Interpretieren offenlässt. Schon die Prämisse, dass Coppelius und Coppola
dieselbe Person sein können, ist unklar und bietet selbst in der Erzählung Argumente für und
gegen. Der Leser kann nie sicher sein, ob eine Szene oder Beschreibung echt ist oder ob sie aus
Nathanaels Imagination stammt, während Interpretationen und Analysen des Werks jedes Wort
und jede Möglichkeit untersuchen, um plausible Erklärungen zu liefern. Die Elemente des
Schauerromans schaffen eine dunkle und spannende Atmosphäre, die bis zum letzten Moment
vieles ungeklärt lässt. Die sich wiederholenden Motive sorgen für Kohärenz und geben dem
Leser keine andere Wahl, als immer wieder an die Motive und ihre Verbindungen
nachzudenken und die bisherigen Vermutungen zu ändern. Das Automaten-Motiv und die
Angst vor Maschinen, die schon in der Romantik vielen interessant waren, verleihen der
Erzählung eine gegenwärtige Dimension, da diese Thematik noch heute bearbeitet wird.
Hoffmann hat mit diesem relativ kurzen Kunstmärchen eine ganze Reihe an Themen seiner Zeit
bearbeitet und hat geschafft, ein aufregendes und zum Nachdenken anregendes Werk zu liefern.

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Literaturverzeichnis

1. Hohoff, Ulrich (1988). E. T. A. Hoffmann. Der Sandmann. Textkritik, Edition,


Kommentar. Berlin / New York: Walter de Gruyter.
2. Mühlher, Robert (1964). E. T. A. Hoffmann. Nachtstücke: mit einem Essay „Zum
Verständnis der Werke“. hrsg. von Kurt Martens. Leck / Schleswig: Rowohlt.
3. Jahraus, O. (2016). Zugänge zur Literaturtheorie: 17 Modellanalysen zu E.T.A.
Hoffmanns Der Sandmann. Stuttgart: Reclam.
4. Koebner, Thomas (1993). Interpretationen: Erzählungen und Novellen des 19.
Jahrhunderts, Band 1. Stuttgart: Reclam. (S. 257-307)
5. Kremer, Detlef (2007). Romantik: Lehrbuch Germanistik. Stuttgart: J.B. Metzler.
6. Hillebrand, Sabine (1999). Strategien der Verwirrung: Zur Erzählkunst von E.T.A.
Hoffmann, Thomas Bernhard und Giorgio Manganelli. Frankfurt am Main: P. Lang.
(S. 24-41)