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Fachbereich Bauingenieurwesen

und Geodäsie

Institut und Versuchsanstalt für


Geotechnik

Prof. Dr.-Ing. Rolf Katzenbach

Petersenstraße 13
64287 Darmstadt
Tel. +49 6151 16 2149
Fax +49 6151 16 6683
E-Mail:
katzenbach@geotechnik.tu-darmstadt.de
www.geotechnik.tu-darmstadt.de

Umdruck zur Vorlesung

Anwendung der FEM in der


Geotechnik
Bearbeitung:

Prof. Dr.-Ing. Rolf Katzenbach


Dr.-Ing. Gregor Bachmann
Dipl.-Ing. Frithjof Clauß
Dr.-Ing. Christian Gutberlet
Dipl.-Ing. Jörg Gutwald
Dipl.-Ing. Steffen Leppla
Dipl.-Ing. Hendrik Ramm
Dipl.-Ing. Thomas Waberseck
Dr.-Ing. Stefan Wachter
Prof. Dr.-Ing. Rolf Katzenbach  Direktor des Institutes und der Versuchsanstalt für Geotechnik der TU Darmstadt

Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1 Grundlagen der Kontinuumsmechanik 1-1


1.1 Mehrphasensystem Boden 1-1
1.2 Vorzeichenkonventionen in der Kontinuumsmechanik 1-1
1.3 Spannungszustand 1-2
1.4 Koordinatentransformation 1-4
1.5 Spannungszustand in einem ausgedehnten Erdkörper 1-5
1.6 Hauptachsensystem und Invarianten 1-7
1.7 Deviator und Kugeltensor 1-8
1.8 Hauptspannungsraum und Deviatorebene 1-9
1.9 Verzerrungszustand 1-13
1.9.1 Verzerrungszustand für den ebenen Fall 1-13
1.9.2 Verzerrungszustand für den räumlichen Fall 1-14
1.10 Zusammenhang zwischen Spannungen und Verformungen - Stoffgesetze 1-16
2 Elastizität 2-1
2.1 Lineare Elastizität – HOOKEsches Gesetz 2-1
2.2 Spezialfall Isotropie 2-2
2.3 Grundgleichungen der linearen Elastizitätstheorie 2-4
2.3.1 Gleichgewichtsbedingungen 2-4
2.3.2 Kompatibilitätsbedingungen 2-5
2.3.3 Stoffgesetzgleichungen 2-5
3 Elemente 3-1
3.1 Ansatzfunktionen 3-2
3.2 Netztypen 3-4
3.2.1 Plane strain (Ebener Verzerrungszustand) 3-5
3.2.2 Axisymmetrischer Verzerrungszustand 3-5
3.2.3 Plan stress (Ebener Spannungszustand) 3-6
3.2.4 3D 3-6
3.3 Elementtypen 3-7
3.3.1 Kontinuums Elemente 3-10
3.3.2 Schalen-/Platten-Elemente 3-10
3.3.3 Infinite Elemente 3-10
3.3.4 MPC (Multi Point Constraints) 3-10
3.4 Nomenklatur der Elementtypen in ABAQUS 3-11
3.4.1 2D-Elemente 3-12
3.4.2 3D-Elemente 3-13
3.4.3 Shell-Elemente 3-14
3.5 Integrationspunkte 3-15
4 Anfangs- und Randbedingungen 4-1
4.1 Randbedingungen für den Verschiebungszustand 4-1

Inhaltsverzeichnis 09.07.2013
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4.2 Randbedingungen für den Spannungszustand 4-2


4.3 Infinite-Elemente 4-4
4.4 Auswahl der Berechnungsausschnittes 4-5
5 Elasto-plastische Materialmodelle 5-1
5.1 Grundlagen der Plastizitätstheorie 5-1
5.1.1 Grundbegriffe 5-1
5.1.2 Festigkeitshypothese im Hauptspannungsraum 5-2
5.1.3 Fließbedingungen und Fließregeln im Hauptspannungsraum 5-7
5.1.4 Verfestigung 5-8
5.2 Mohr Coulomb Modell in ABAQUS 5-14
5.3 Drucker Prager Modell in ABAQUS 5-15
5.4 Cam Clay Modell in ABAQUS 5-16
5.5 Cap Modell in ABAQUS 5-18
6 Parameteridentifikation I 6-1
6.1 Bestimmung elastischer Parameter 6-1
6.2 Bestimmung linear elastischer – ideal plastischer Parameter 6-4
6.3 Rahmenscherversuch 6-6
6.4 Triaxialversuch 6-7
6.5 Verfestigendes Materialverhalten (linear elastic, hardening plastic) 6-8
6.5.1 Drucker-Prager 6-10
6.6 Entfestigendes Materialverhalten (linear elastic softening plastic) 6-19
6.7 Modellierung von Laborversuchen mit der FEM 6-20
6.7.1 Ödometerversuch 6-20
6.7.2 Triaxialversuch 6-20
6.7.3 Einaxialversuch 6-22
6.7.4 Rahmenscherversuch 6-22
7 Modellierung geotechnischer Konstruktionselemente (Pfähle) 7-1
7.1 Benutzeroberfläche 7-1
7.2 Anwendungsbeispiel 7-3
7.3 Beispiel zur Modellierung von Kontaktflächen 7-22
8 Modellierung geotechnischer Konstruktionselemente (Pfähle) 8-1
8.1 Das Tragverhalten von Pfählen 8-1
8.2 Das Tragverhalten von Einzelpfählen 8-3
8.3 Strukturmodell 8-4
8.4 Erstellen des FE-Netzes 8-5
8.5 Simulationsablauf 8-5
8.5.1 Knotensätze und Elemente 8-6
8.5.2 Randbedingungen 8-8
8.6 Pfahl-Boden Interaktion 8-8
8.6.1 Idealer Kontakt 8-8
8.6.2 Kontaktfläche 8-9
8.7 Bodenparameter 8-10
8.8 Auswertung von Last-Setzungslinien für den Einzelpfahl 8-11

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9 Modellierung geotechnischer Konstruktionselemente (Verbauwände) 9-1


9.1 Allgemeines 9-1
9.2 Wahl des Berechnungsausschnitts und Festlegung der Randbedingungen 9-2
9.3 Modellierung des Baugrunds 9-5
9.4 Modellierung der Verbauwand 9-6
9.4.1 Spundwände 9-6
9.4.2 Bohrpfahlwände 9-6
9.4.3 Schlitzwände 9-7
9.4.4 Trägerverbau 9-7
9.5 Modellierung der Stützmittel 9-9
9.5.1 Steifen 9-9
9.5.2 Verpressanker 9-9
9.6 Modellierung des Baufortschritts 9-10
9.7 Auswertung und Darstellung der Berechnungsergebnisse 9-11
10 Modellierung geotechnischer Konstruktionselemente (Erdbauwerke) 10-1
10.1 Einleitung 10-1
10.2 Modellierung der lagenweise Aufschüttung in der FEM 10-3
10.2.1 Small Strain und Non Linear Geometry 10-3
10.2.2 Beispiel einer lagenweise Aufschüttung 10-4
10.3 Initiale Spannungszustände 10-8
11 Konvergenzprobleme 11-1
11.1 Einleitung 11-1
11.2 Nichtlineare Probleme 11-1
11.3 Gleichgewicht 11-1
11.4 Steps, Inkremente, Iterationen, Versuche 11-5
11.5 Lösungsverfahren nichtlinearer Probleme 11-6
11.5.1 Newton-Paphson 11-6
11.5.2 Quasi-Newton 11-8
11.6 Konvergenzkriterien in ABAQUS 11-8
11.6.1 Größe des Residuums 11-9
11.6.2 Größe der Verschiebungskorrektur c□ 11-9
11.7 Kontrollmöglichkeiten in ABAQUS 11-9
11.7.1 Message-File 11-10
11.7.2 Status-File 11-10
11.7.3 *PRINT und *MONITOR 11-11
11.8 Einflussmöglichkeiten auf das Konvergenzverhalten 11-12
11.8.1 Zeitschrittsteuerung 11-12
11.8.2 Extrapolation der Lösung 11-13
11.8.3 Unsymmetrischer Gleichungslöser 11-14
11.8.4 Veränderung der Konvergenzgrenzen 11-14
12 Anhang 12-1
12.1 *NODE,NSET=NAME 12-1
12.2 *NCOPY 12-1
12.3 *NGEN 12-1

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12.4 *NFILL 12-1


12.5 *NSET 12-2
12.6 *ELEMENT 12-2
12.7 *ELCOPY 12-2
12.8 *ELGEN 12-2
12.9 *ELSET 12-3
12.10 *MPC 12-3
12.11 *SOLID SECTION 12-4
12.12 *SHELL SECTION 12-4
12.13 *MATERIAL 12-4
12.14 Aufbringung von Lasten (*CLOAD/*DLOAD) 12-5
12.15 Knoten/Knotensatz in seiner aktuellen Position festhalten 12-5
12.16 Festhalten eines Knoten/Knotensatz ändern 12-6
12.17 Festhaltung (alle) löschen 12-6
12.18 Verschiebung vorgeben 12-6
13 Literatur 13-1
14 Stand der Bearbeitung 14-1

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1 Grundlagen der Kontinuumsmechanik


Ausgehend von beobachteten Phänomenen und experimentellen Ergebnissen an makro-
skopischen Objekten ist es Aufgabe der Kontinuumsmechanik, möglichst strukturgleiche
mathematische Modelle für das mechanische Verhalten eines deformierbaren Körpers zu
erstellen. Die wesentliche Idealisierung erfolgt durch die Einführung des Kontinuums als
Menge materieller Punkte mit identischen Eigenschaften.

1.1 Mehrphasensystem Boden

Boden und Fels sind Mehrphasenmedien, deren Verformungs- und


Festigkeitseigenschaften allgemein mit dem Konzept der Mischungstheorie beschrieben
werden. Vernachlässigt man die Wechselwirkung der einzelnen Phasen untereinander,
kann der Boden vereinfachend mit einem Einphasenmodell abgebildet werden (vgl.
Bild 1-1).

Abstraktion Abstraktion
Realität gemäß als
Mischungstheorie Einphasenmodell

Luft (gasförmige Phase) homogenes Medium

Wasser (flüssige Phase)

Korngerüst (feste Phase)

Bild 1-1: Mehrphasenmedium Boden

1.2 Vorzeichenkonventionen in der Kontinuumsmechanik

In der Kontinuumsmechanik werden Zugspannungen mit positivem Vorzeichen und


Druckspannungen mit negativem Vorzeichen gekennzeichnet. Analog hierzu erhalten
Längungen positive und Stauchungen negative Vorzeichen. In der Geotechnik werden
üblicherweise Druckspannungen und Stauchungen mit einem positiven Vorzeichen
gekennzeichnet. Das Programmsystem Abaqus verwendet auch bei geotechnischen
Problemstellungen für Druckspannungen negative Vorzeichen.

1 Grundlagen der Kontinuumsmechanik 03.12.2012


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1.3 Spannungszustand

Der Spannungszustand an einem Punkt im Kontinuum wird durch den CAUCHYschen


Spannungstensor ij beschrieben. Der Spannungstensor ist durch die Spannungsvektoren in
drei beliebigen, aufeinander senkrecht stehenden Schnitten festgelegt. Werden diese
Schnitte senkrecht zu den Achsen eines kartesischen x,y,z-Koordinatensystems gelegt und
die Spannungsvektoren in ihre kartesischen Komponenten zerlegt, dann entsteht der in
Bild 1-2 dargestellte Spannungszustand.

Bild 1-2: Kartesische Komponenten des Spannungstensors

Die Matrixdarstellung des Spannungstensors für das gewählte Koordinatensystem lautet:

 xx  xy  xz 
 
    yx  yy  yz  (1-1a)
  zx  zy  zz 
 

In Indexnotation werden die kartesischen Koordinaten an Stelle von x, y, z mit x1, x2, x3
gekennzeichnet und der Spannungstensor nimmt die folgende Form an:

 11  12  13 
   ij    21  22  23  (1-1b)
 31  32  33 

Hierbei werden Normalspannungen durch gleiche Indizes und Schubspannungen durch


ungleiche Indizes gekennzeichnet.

Aus Gleichgewichtsgründen (Momentengleichgewicht) ergibt sich die Gleichheit


paarweise zugeordneter Schubspannungen (Boltzmann-Axiom): ij = ji. Der CAUCHYsche
Spannungstensor ist also symmetrisch.

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Summationskonvention: Wenn in einem Term der gleiche Index doppelt vorkommt, ist
zu summieren. Der Index durchläuft dabei der Reihe nach die Werte 1,2,3. So ist z.B.:

3
 ii    ii   11   22   33 (1-2a)
i 1
3
 ji  n j    ji  n j   1i  n1   2i  n2   3i  n3 (1-2b)
j 1

In Zusammenhang mit der Indexnotation wird häufig das Kronecker-Symbol δij


verwendet. Es gilt:

1 für i = j
ij   (1-3)
0 für i  j

Somit ergibt sich z.B.

 ii  11   22   33  3 und  ij  n j  ni (1-4)

Ist der Spannungstensor σij bekannt, so kann der Spannungsvektor ti in einem beliebigen
Schnitt i, welcher durch den Normaleneinheitsvektor ni festgelegt ist, durch die
Betrachtung eines infinitesimalen Tetraeders angegeben werden (Bild 1-3).

Bild 1-3: Spannungszustand an einem infinitesimalen Tetraeder

Der Spannungsvektor t ergibt sich aus Gleichgewichtsüberlegungen nach der sogenannten


CAUCHYschen Formel zu:

ti   ij  n j (1-5)

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Die Zerlegung von t in seine Komponenten normal (Normalspannung ) und tangential


(Schubspannung ) zur Fläche i führt zu

  tn und (1-6a)

  t 2  2 . (1-6b)

1.4 Koordinatentransformation

Ausgehend davon, dass die Spannungskomponenten σij bezüglich des Koordinatensystems


x1, x2, x3 bekannt sind, lassen sich die Spannungskomponenten σ`kl bezüglich des
gedrehten Koordinatensystems x’1, x’2, x’3 (Bild 1-4) ermitteln. Die Richtungen der neuen
Achsen werden durch die Einheitsvektoren

 a11   a21   a31 


e1   a12  , e2   a22  , e3   a32  (1-7)
 a13   a23   a33 

festgelegt, wobei die Transformationskoeffizienten akl der Richtungskosinus zwischen den


entsprechenden Achsen z.B. a12= cos(x`1,x2) ist.

Bild 1-4: Ursprüngliches und gedrehtes Koordinatensystem

In Bild 1-4 ist ein Tetraeder dargestellt, dessen geneigte Fläche senkrecht zu x’1 steht. Ihr
Normalenvektor fällt mit e’1 zusammen: nk  a1 k . Damit erhält man nach der
CAUCHYschen Formel die Komponenten des Spannungsvektors bezüglich des x1, x2, x3-
Systems zu:

tl   kl  nk   kl  a1k

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Die Komponenten des Spannungsvektors tl bezüglich des gedrehten Koordinatensystems


lauten dann:

 11  t  e1  t1  a11  t2  a12  t3  a13  tl  a1l   kl  a1k  a1l


 12  t  e2  t1  a21  t2  a22  t3  a23  tl  a2l   kl  a1k  a2l
 13  t  e3  t1  a31  t2  a32  t3  a33  tl  a3l   kl  a1k  a3l

Analog hierzu ergeben sich die Spannungen für die Schnittflächen senkrecht zur x’2- bzw.
zur x’3- Achse und man erhält die folgende Transformationsbeziehung:

 ij   kl  aik  a jl (1-8)

1.5 Spannungszustand in einem ausgedehnten Erdkörper

Es wird ein Element in einem ebenen Schnitt eines ausgedehnten Erdkörpers mit
waagerechter Oberfläche in der Tiefe z betrachtet (s. Bild 1-5).

Bild 1-5a: Spannungszustand in einem ausgedehnten Erdkörper

Schubspannungen treten an dem betrachteten Element nicht auf: τ = 0 Die Spannungen σv


und σh sind zugleich die Hauptspannungen und lassen sich wie folgt bestimmen:

 v    z,  h  K 0    z

Somit ergibt sich:  3   x   h   K 0    z und  1   z   v   z

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Bild 1-5b: Gedrehtes Element am Verbauwandfuß

Mit  ij   kl  aik  a jl (Gl. 1-8) und aik=cos(x`i, xk) lassen sich die Spannungen an einem
Element in dem unter φ geneigten Schnitt folgendermaßen durch
Koordinatentransformation ermitteln:

    11  a 1  a '1   13  a 1  a 3   31  a 3  a 1   33  a 3  a 3
 
0 0

1 1
  11  cos 2    33  cos 2  90       11   33     11   33   cos 2
  2 2
2
 sin 

    11  a1  a 1   13  a1  a 3   31  a 3  a 1   33  a 3  a 3
 
0 0

1 1
  11  cos 2  90      33  cos 2     11   33     11   33   cos 2
  2 2
2
sin 

    11  a 1  a1   13  a 1  a '3   31  a 3  a '1   33  a 3  a 3


 
0 0

1
  11  cos   cos  90      33  cos  90     cos      11   33   sin 2
      2
 sin  sin 

Gegeben sei: φ = 10°;  = 20 kN/m³; z = 4 m und K0 = 0,5. Dann erhält man:

σ11 = σx = -0,5 · 20 kN/m³ · 4 m = -40 kN/m² = -e0


σ33 = σz = -20 kN/m³ · 4m = -80 kN/m²
σξξ = -41,21 kN/m²
σηη = -78,79 kN/m²
σξη = -20,52 kN/m²

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1.6 Hauptachsensystem und Invarianten

Der Spannungstensor kann in Bezug auf beliebig viele Achsensysteme angegeben werden.
Es existiert ein spezielles Koordinatensystem, das als Hauptachsensystem bezeichnet wird.
In den zugehörigen Schnitten sind die Vektoren t und n kollinear, d.h. es wirken nur
Normalspannungen, die in diesem Fall Hauptspannungen genannt werden;
Schubspannungen treten in diesen Schnitten nicht auf. Kennzeichnet der Normalenvektor
ni eine Hauptachsenrichtung, so lässt sich der Spannungsvektor durch ti=σni ausdrücken,
wobei σ die entsprechende Hauptspannung ist. Nach der CAUCHYschen Formel gilt
allgemein ti=σij·nj. Durch Gleichsetzen erhält man:

 ij  n j    ni bzw.  ij  n j    ni  0

Mit ni=δij*nj führt dies zu folgendem linearen Gleichungssystem:

 ij     ij  n j  0 (1-9)

Dieses Gleichungssystem hat für n nur dann eine nichttriviale Lösung, wenn seine
Koeffizientendeterminante verschwindet, also det ( ij     ij )  0 . Daraus ergibt sich die
charakteristische kubische Gleichung des CAUCHYschen Spannungstensors:

 3  I1   2  I 2    I 3  0 (1-10)

Sie hat die Koeffizienten:

I1   ii   11   22   33 (1-11a)

1
I 2    ij   ij   ii   jj     11   22   22   33   33   11    122   23
2
  312 (1-11b)
2

 11  12  13
I 3  det  ij    21  22  23 (1-11c)
 31  32  33
  11   22   33  2 12   23   13   11   232   22   132   33   122

Diese sind, ebenso wie die Lösungen von Gl. 1-10, unabhängig von der Wahl des
Koordinatensystems und werden deshalb als Invarianten des Spannungstensors
bezeichnet.

Die grundsätzlich existierenden drei Lösungen 1, 2 und 3 von Gl. 1-10 werden als
Hauptspannungen bezeichnet. Hierbei bezeichnet 1 die größte, 2 die mittlere und 3 die
kleinste Hauptspannung.

1 Grundlagen der Kontinuumsmechanik 03.12.2012


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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 1-8

Rein mathematisch betrachtet, erhält man die Hauptspannungen als Eigenwerte λi des
CAUCHYschen Spannungstensors σij und die Gleichung (1-9) lässt sich folgendermaßen
formulieren:
 11    12  13
det  ij     ij    21  22    23  0
 31  32  33  

Die drei Lösungen für λ entsprechen den Hauptspannungen σ1, σ2, σ3 wobei gilt: σ1>σ2>σ3.

Der Spannungstensor im Hauptachsensystem ist nur auf der Hauptdiagonalen besetzt:

 1 0 0 
   0  2 0  (1-12)
 0 0  3 

Die aus Gl. 1-9 folgenden Eigenvektoren n1, n2 und n3 sind die korrespondierenden
Richtungen der 3 Hauptspannungen. Die Invarianten des Spannungstensors lauten als
Funktionen der Hauptspannungen:

I1  1   2  3 (1-13a)

I 2    1   2   2  3  3  1  (1-13b)

I3  1   2  3 (1-13c)

1.7 Deviator und Kugeltensor

Für die Formulierung von Stoffgleichungen ist die Zerlegung des Spannungstensors
sinnvoll. Führt man die mittlere Spannung  m   11   22   33  / 3   kk 3 ein, so kann
man den Spannungstensor folgendermaßen in einen sphärischen Anteil (Kugeltensor) und
in einen deviatorischen Anteil (Deviator) aufspalten:

 kk
 ij    ij  sij (1-14a)
3
 
deviatorischer
 
sphärischer

Spannungstensor

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In Matrixschreibweise ergibt sich:

 11 12 13   m 0 0  11   m 12 13 


      23 
 21 22  23    0 m 0     21  22  m
 31 32 33   0 0  m   31 32 33  m 
m 0 0   s11 s12 s13 
  0 m 0   s 21 s 22 s 23 
 0 0  m  s31 s32 s33 
(1-14b)

Der erste Summand in Gl. 1-14a bzw. 1-14b ist der Kugeltensor (auch: sphärischer Anteil)
des Spannungstensors. Er beinhaltet den hydrostatischen, also in allen Richtungen in
gleicher Größe vorhandenen Spannungsanteil. Der zweite Summand beinhaltet die
Abweichung des Spannungstensors vom hydrostatischen Anteil und wird deshalb als
Spannungsdeviator bezeichnet. Der Spannungsdeviator besitzt dasselbe
Hauptachsensystem wie der gesamte Spannungstensor.

Die Invarianten des Spannungstensors lauten:

J1 = sii = s11 + s 22 + s33 = (σ11 - σ m ) + (σ 22 - σ m ) + (σ 33 - σ m ) = 0 (1-15a)

1 1
 sij  sij =   σ11 - σ 22  +  σ 22 - σ33  +  σ 33 - σ11   + σ12
2 2 2 2
J2 = + σ 223 + σ 31
2

2 6  
(1-15b)
1 
=   σ1 - σ 2  +  σ 2 - σ 3  +  σ3 - σ1  
2 2 2

6  

1
J3 =  sij  s jk  s ki =  σ1 - σ m  σ 2 - σ m  σ3 - σ m  (1-15c)
3

1.8 Hauptspannungsraum und Deviatorebene

Da die Richtung der Hauptspannungen bei isotropem Materialverhalten keinen Einfluss


auf die Beanspruchung des Materials hat, ist diese durch die Größe der drei
Hauptspannungen eindeutig und vollständig beschrieben. Aus diesem Grund werden
Spannungszustände unabhängig von der Richtung der Spannungen in einem
Koordinatensystem dargestellt, in dem die drei Hauptspannungen das Achsensystem
bilden. Es wird als Hauptspannungsraum oder auch Haigh-Westergaard stress space
bezeichnet (s. Bild 1-6).

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Prof. Dr.-Ing. Rolf Katzenbach  Direktor des Institutes und der Versuchsanstalt für Geotechnik der TU Darmstadt

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Deviatorebene
1
1 + 2 + 3 = konstant

T (1, 2, 3)



s
t Hydrostatische Achse

h
H (p, p, p) 1 = 2 = 3
e1
 3 
cos 1  
 3
 3 

2

Bild 1-6: Darstellung des Spannungszustandes im Hauptspannungsraum

Jeder Spannungszustand kann im Hauptspannungsraum als Spannungspunkt T mit dem


zugehörigen Ortsvektor t dargestellt werden. Die hydrostatische Achse schließt mit den 3
Koordinatenachsen jeweils gleiche Winkel ein und ist der geometrische Ort für alle
hydrostatischen Spannungszustände (1 = 2 = 3) im Hauptspannungsraum. Ebenen
normal zur hydrostatischen Achse werden als Deviatorebenen bezeichnet. Die
Deviatorebene durch den Ursprung heißt auch -Ebene.

Wie in Bild 1-6 zu sehen, kann t in den hydrostatischen Anteil h auf der hydrostatischen
Achse und in den deviatorischen Anteil s in der Deviatorebene durch T additiv zerlegt
werden (vgl. Gl. 1-14a und 1-14b). Die Beträge von h und s ergeben sich zu

3 3
h   1   2   3    I1 (1-15)
3 3

  s  s12 + s 22 + s32  2  J 2 (1-16)

Die Projektion des Spannungspunktes sowie der Hauptachsen in die -Ebene ist in
Bild 1-7 dargestellt.

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Bild 1-7: Projektion der Hauptachsen und des Spannungsvektors in die -Ebene

Der deviatorische Anteil des Spannungszustandes kann durch Angabe des Betrages  von
s und durch den Winkel , den der Spannungsvektor t mit der 1’-Achse einschließt,
eindeutig beschrieben werden. Der Winkel  wird als Lode-Winkel bezeichnet. Seine
Größe ergibt sich zu

3 3 J3
cos(3)  (1-17)
2 J 32 2

Jeder Spannungszustand kann durch die Größen ,  und  dargestellt werden. Sie stellen
geometrisch die Zylinderkoordinaten eines Spannungspunktes im Hauptspannungsraum
dar. Die Gleichungen 1-16 und 1-17 machen deutlich, dass der Spannungstensor durch
Angabe des hydrostatischen Anteils, ausgedrückt durch die 1. Invariante I1 und durch
Angabe der 2. und 3. Invarianten J2 und J3 seines Deviators eindeutig beschrieben werden
kann.

In den drei Schnitten senkrecht zu den Richtungen der Hauptspannungen ist der
Spannungszustand schubspannungsfrei. Im Hauptspannungsraum wird als Maß für die
Größe der Materialbeanspruchung die Schubbeanspruchung eines Materials im Vergleich
zur vorhandenen Normalspannung herangezogen. Hierzu wird der Spannungszustand in
einer der acht Oktaederebenen, welche mit allen drei Hauptachsen den gleichen Winkel
einschließen, betrachtet (Bild 1-8).

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Bild 1-8: Spannungszustand in der Oktaederebene

In der üblicherweise betrachteten Oktaederebene im 1. Quadranten des


Hauptachsensystems ergeben sich die Normalspannung oct und die Schubspannung oct
nach der CAUCHYschen Formel gem. Gl. 1-6 zu:

1 1
 oct    1   2   3    m   I1 (1-18a)
3 3

1 2
 oct    1   2  2   2   3  2   3   1  2   J2 (1-18b)
3 3

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1.9 Verzerrungszustand

1.9.1 Verzerrungszustand für den ebenen Fall

Es wird ein Rechteck in der Ebene betrachtet (s. Bild 1-9):

Bild 1-9: Unverzerrtes (gestrichelt dargestelltes) und verzerrtes Rechteckelement in der


Ebene

Es wird davon ausgegangen, dass keine Starrkörperverschiebungen und -drehungen


auftreten, was insbesondere bedeutet, dass der Eckpunkt A des Rechtecks im Ursprung
verbleibt. Die Verschiebungen der übrigen 3 Eckpunkte werden mit ux (x-Richtung) und uz
(z-Richtung) bezeichnet.

Für die Verzerrungen ergibt sich unter Beachtung von Bild 1-9:
u x u z
dx dz
u u
 x  x  x  z  z  z (1-19a)
dx x dz z

u z u x
dx dz
x u z u
1   z 2   x (1-19b)
dx x dz z

 2  1 1  u u 
 xz    x z (1-19c)
2 2  z x 

Die Verzerrungen x und z werden Dehnungen, die Verzerrung 2xz Gleitung


(Winkeländerung) genannt.

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1.9.2 Verzerrungszustand für den räumlichen Fall

In allgemeiner Form lautet der infinitesimale Verzerrungstensor:

 ij   ui , j  u j ,i 
1
(1-20a)
2

Hierbei kennzeichnet der Index j hinter einem Komma die Ableitung nach xj (siehe
Gleichung 1-20a).

u x1
dx1
x1 u x1
11  
dx1 x1
u x2
dx2
x2 u x2
 22  
dx2 x2
u x3
dx3
x3 u x3
 33  
dx3 x3
1  u x1 u x2 
12    
2  x2 x1 
1  u u 
 23   x2  x3 
2  x3 x2 
1  u x3 u x1 
 31    
2  x1 x3  (1-20b)

Seine Matrixdarstellung lautet:

 11 12 13    x 1


2  xy 1
2  xz 
 
 i j   21  22  23    12  yx y 2  yz 
1
(1-21)
 31  32  33   12  zx 2  zy
1
 z 

Der Verzerrungstensor ist wie der Spannungstensor symmetrisch (ij = ji). Wie für den
Spannungstensor, so existiert auch für den Verzerrungstensor ein Hauptachsensystem, in
dem die Gleitungen verschwinden und nur die Hauptdehnungen auftreten (s. Bild 1-10).

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Bild 1-10: Dehnungen eines Quaderelementes im Hauptachsensystem

Die Volumenänderung dV des Quaders bezogen auf das Ausgangsvolumen dV ergibt
sich bei kleinen Verformungen zu:

dV
 vol   1   2   3   kk . (1-22)
dV

Sie wird als Volumendehnung bezeichnet und ist identisch mit der 1. Invariante I1 des
Dehnungstensors. Der Dehnungstensor kann wie der Spannungstensor in einen sphärischen
und einen deviatorischen Anteil additiv zerlegt werden:

 11 12 13   m 0 0  11   m 12 13 


   0     21  23 
 21  22  23    0 m  22   m
 31  32  33   0 0  m    31  32  33   m 
(1-23)
 m 0 0   e11 e12 e13 
  0  m 0   e21 e22 e23 
 0 0  m   e31 e32 e33 

Hierbei wird m = kk/3 = vol/3 als mittlere Dehnung bezeichnet. Allgemein lautet Gl. 1-23
in Tensorschreibweise:

 kk
 ij    ij  eij (1-24)
3

Der erste Anteil in Gl. 1-23 bzw. 1-24 beschreibt eine reine Volumendehnung, der zweite,
deviatorische Anteil eij beschreibt die Verzerrung bei konstantem Volumen, die sogenannte
Gestaltsänderung. Dies soll für den ebenen Fall durch Bild 1-11 verdeutlicht werden.

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Bild 1-11: Volumenänderung und Gestaltsänderung im ebenen Fall

1.10 Zusammenhang zwischen Spannungen und Verformungen – Stoffgesetze

Das mechanische Verhalten eines Materials wird durch ein Stoffgesetz beschrieben. Durch
dieses werden die Spannungen mit den Verzerrungen verknüpft. Das Stoffgesetz kann nur
mit Hilfe von Experimenten gewonnen werden. Verhält sich dabei ein Material in allen
Punkten gleich, so nennt man es homogen, anderenfalls inhomogen. Sind die
Materialeigenschaften von der Richtung unabhängig, so bezeichnet man das Material als
isotrop. Bei anisotropen Materialien sind die Eigenschaften abhängig von der Richtung
(z.B. Holz).

Man unterscheidet zwischen verschiedenen Stoffgesetzen. So gibt es z.B. elastisches,


plastisches und viskoses Materialverhalten, sowie Kombinationen davon. Z.B. verhält sich
Stahl bis zu einer gewissen Belastung linear elastisch; wird eine Spannung βs (Fließ- oder
Streckgrenze genannt) überschritten, so findet eine plastische Verformung statt (siehe
Bild 1-12).

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s


Bild 1-12: Spannungsverformungsverhalten von Stahl

Elastisches und plastisches Materialverhalten sind im Gegensatz zu viskosem


Materialverhalten zeitunabhängig. Während elastisches Materialverhalten reversible
Verformungen nach sich zieht, sind die Verformungen bei plastischem oder viskosen
Materialverhalten irreversibel.

In der Bodenmechanik kommen verschiedene Stoffgesetze zur Anwendung. Aufgrund des


komplexen Werkstoffverhaltens von Boden und Fels wird dieser bei den jeweiligen
Stoffgesetzen in unterschiedlicher Art und Weise idealisiert.

1 Grundlagen der Kontinuumsmechanik 03.12.2012


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2 Elastizität

Man spricht von elastischem Materialverhalten, wenn einer Dehnung  eindeutig eine
Spannung σ zugeordnet ist.       . Hierbei ist die Spannung σ unabhängig von der
Deformationsgeschichte und von der Zeit. Im dreiachsigen Fall erhält man:

 ij   ij   kl 

2.1 Lineare Elastizität – HOOKEsches Gesetz


Häufig besteht ein linearer Zusammenhang zwischen den Spannungen und den
Verzerrungen, der sich durch das HOOKEsche Gesetz

  E  (2-1)

beschreiben lässt. Hierbei steht E für den Elastizitätsmodul.

Im räumlichen Fall gilt:

 ij  Eijkl   kl (2-2)

Beispielsweise gilt:

 11  E1111  11  E1112  12  E1113  13  E1121   21  E1122   22 


E1123   23  E1131   31  E1132   32  E1133   33

Somit erhält man zunächst 81 unabhängige Komponenten des Elastizitätstensors. Wegen


der Symmetrie von σij und kl dürfen auch bei Eijkl die Indizes i,j bzw. k,l vertauscht
werden: Eijkl = Ejikl = Eijlk = Ejilk. Damit verbleiben für den allgemeinen Fall noch 36
unabhängige Komponenten.

 11   a11 a12 a13 a14 a15 a16   11 


   a a22 a23 a24 a25 a26    22 
 22   21
 33   a31 a32 a33 a34 a35 a36    33 
    (2-3)
 12   a41 a42 a43 a44 a45 a46   212 
 23   a51 a52 a53 a54 a55 a56   2 23 
    
 31   a61 a62 a63 a64 a65 a66   2 31 

Es kann gezeigt werden, dass auch dieser Tensor symmetrisch ist und somit verbleiben für
den allgemeinen Fall der Anisotropie noch 21 unabhängige Elastizitätskonstanten:

2 Elastizität 29.10.2012
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 11   a11 a12 a13 a14 a15 a16   11 


   a22 a23 a24 a25 a26    22 
 22  
 33   a33 a34 a35 a36    33 
    (2-4)
 12   a44 a45 a46   212 
 23   a55 a56   2 23 
    
 31   a66   2 31 

2.2 Spezialfall Isotropie

Im Fall, dass die Materialeigenschaften in alle Richtungen gleich sind, spricht man von
einem isotropen Material. In diesem Fall beinhaltet der Elastizitätstensor nur noch zwei
unabhängige Komponenten und die Gl. 2-4 nimmt die folgende Form an:

 11   a11 a12 a12 0 0 0   11 


    
 22   a11 a12 0 0 0    22 
 33   a11 0 0 0    33 
    (2-5)
 12    a11  a12  2 0 0   212 
 23    a11  a12  2 0   2 23 
    
 31    a11  a12  2   2 31 

Ersetzt man a12 und (a11 - a12)/2 durch die Laméschen Konstanten λ und μ erhält man die
folgende Gleichung:

 11    2    0 0 0   11 
     2  0 0 0    22 
 22  
 33     2 0 0 0    33 
    (2-6)
 12    0 0   212 
 23    0   2 23 
    
 31      2 31 

Der Elastizitätstensor lässt sich auch folgendermaßen schreiben:

Eijkl     ij   kl     ik   jl   il   jk  (2-7)

und das Elastizitätsgesetz nimmt die folgende Form an:

2 Elastizität 29.10.2012
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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 2-3

 ij     kk   ij  2     ij (2-8)

Unter Verwendung der Achsenbezeichnungen x, y und z und der Notation σx, τxy, x, ߛxy/2

an Stelle von σ11, σ12, σ11, σ12 etc. erhält man:

 x     x   y   z   2     x  xy     xy
 y     x   y   z   2     y  yz     yz (2-9)
 z     x   y   z   2     z  zx     zx

Man erkennt nun, dass µ gleich dem Schubmodul G ist. Weiterhin erhält man die
Querkontraktionszahl (Poisson-Zahl) υ zu υ = λ/2(λ + μ) und den Elastizitätsmodul E zu
E = μ(3λ + 2μ)/(λ + μ).

Für die Verzerrungen ergibt sich somit die folgende Formulierung:

1  
 ij    ij    kk   ij (2-10)
E E

Die verschiedenen Elastizitätskonstanten sind nicht unabhängig voneinander. Es gilt:

  3    2     E
E  G
 2      2  1  
(2-11)
2 E  E
K      
3 3  1  2   1    1  2  
Aus der Bedingung, dass die Materialkonstanten E, G und der Kompressionsmodul K
positiv sein müssen, folgt für die Querkontraktionszahl  :  1    0,5 . In der
Bodenmechanik sind negative Querkontraktionszahlen nicht sinnvoll.

Das Elastizitätsgesetz lässt sich auch getrennt für die Volumenänderung (durch den
Kugeltensor) und für die Gestaltsänderung (durch den Spannungsdeviator) formulieren.
Aus  ij     kk   ij  2     ij lässt sich die Spannungssumme bilden
(Es gilt: σii = σ11 + σ22 + σ33, ii = 11 + 22 + 33):

 kk
 ii  3     kk  2     ii   kk   3    2      kk   kk  (2-12)
3   2  

2 Elastizität 29.10.2012
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Mit σkk/3 = σm und kk = v ergibt sich unter Verwendung des Kompressionsmoduls K die
folgende Beziehung zwischen der mittleren Spannung und der Volumendehnung:

 m  K v (2-13)

Aus der Deviatorspannung erhält man die Deviatorverzerrung

 kk  2 
sij   ij    ij     kk   ij  2     ij          kk   ij (2-14)
3  3 
  2
 2     kk   ij  eij       kk   ij  2    eij
 3  3

σm beschreibt also eine reine Volumenänderung, während sij eine reine Gestaltsänderung
beschreibt.

2.3 Grundgleichungen der linearen Elastizitätstheorie

Im räumlichen Fall gibt es 15 unbekannte Größen: 6 Spannungen, 6 Verzerrungen, 3 Ver-


schiebungen. Es werden also auch 15 Gleichungen benötigt. Zur Verfügung stehen 3
Gleichgewichtsbedingungen, 6 Kompatibilitätsbedingungen und 6 Stoffgesetzgleichungen.

2.3.1 Gleichgewichtsbedingungen

An jedem Punkt im Inneren eines Körpers muss die Summe der äußeren Kräfte
verschwinden, damit der Körper im Gleichgewicht ist. Betrachtet man ein aus dem Körper
geschnittenes Teilvolumen V mit der Oberfläche A, das mit einer Volumenkraft fi und
einer Oberflächenbelastung ti (Spannungsvektor) belastet ist, so folgt

 t dA   f dV  0
A
i
V
i (2-15)

Kennzeichnet man mit dem Index j hinter einem Komma die Ableitung nach xj, so folgt
hieraus:

 ji , j  f i  0 (2-16)

Die Gleichgewichtsbedingungen gelten für jeden Punkt im Inneren des Körpers. An der
Oberfläche eines Körpers ist häufig die äußere Belastung durch eine gegebene Flächenlast
ti* vorgeschrieben. Dort muss die Randbedingung ti=ti* erfüllt sein und man erhält hier als
Gleichgewichtsbedingung:

 ji  n j  ti* (2-17)

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2.3.2 Kompatibilitätsbedingungen

Sind die drei Komponenten des Verschiebungsfeldes bekannt, so lassen sich daraus die 6
Verzerrungen durch Differenzieren bestimmen. Sind umgekehrt die Verzerrungen
gegeben, so stehen 6 Gleichungen für 3 Unbekannte zur Verfügung. Sollen die
Verschiebungen eindeutig sein, können demnach die Verzerrungen nicht voneinander
unabhängig sein. Überlappungen oder Fehlstehlen im Material sind nicht zulässig.

Es gelten die folgenden Kompatibilitätsbedingungen:

11,22   22,11  2  12,12

  23,1  13,2  12,3 ,1  11,23

 22,33   33,22  2 23,23


(2-18)
  31,2   21,3   23,1 ,2   22,31

 33,11  11,33  2   31,31

  12,3   32,1   31,2 ,3   33,12

2.3.3 Stoffgesetzgleichungen

Die Stoffgesetzgleichungen lauten in allgemeiner Schreibweise:

 ij   E   ij (2-19)

2 Elastizität 29.10.2012
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3 Elemente

Für die Finite Elemente Methode wird das Kontinuum in diskrete Teile - die Elemente -
unterteilt. An diesen Elementen werden die Gleichgewichtsbedingungen der Kräfte
(Spannungen) und der Verschiebungen angetragen und gelöst. Im Bild 3-1 sind die
Spannungen, die auf ein Element wirken, angetragen.

Bild 3-1: Spannungen an einen Element

Die Spannungen an einem Element lassen sich durch den Spannungstensor beschreiben
(vgl. Kapitel 1.3)

 x  xy  xz 
 
   yx  y  yz 
 zx  zy  z 
 

An jedem Element müssen die Gleichgewichtsbedingungen (vgl. Kapitel 2.3.1). erfüllt


sein. Da die Elemente ein Kontinuum abbilden sollen, müssen alle Elemente dicht
nebeneinander liegen und dürfen sich nicht überlappen oder Spalten haben. Das führt zu
den Verschiebungsbedingungen der Elemente, auch Kompatibilitätsbedingung genannt
(vgl. Kapitel 2.3.2). Hierzu werden an den Ecken der Elemente jeweils Knoten eingeführt
(später werden ggf. noch weitere Knoten eingeführt). Die Knoten erhalten die
Verschiebungen u, v, w in x-, y- und z-Richtung.

Als unbekannte Größen liegen nun sechs Spannungsgrößen (σx, σy, σz, τxy, τxz, τyz), sechs

Verzerrungsgrößen (x, y, z, ߛxy, ߛxz, ߛyz) und drei Verschiebungsgrößen (u, v, w) vor,

also 15 unbekannte Größen. Demgegenüber liegen drei Gleichgewichtsbedingungen, sechs

3 Elemente 29.10.2012
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Kompatibilitätsbedingungen und 6 Stoffgesetzgleichungen vor, also 15 Gleichungen. Das


Stoffgesetz verbindet die Spannungen mit den Verzerrungen (vgl. Kapitel 2.3.3).
3.1 Ansatzfunktionen
Ein Element ist durch Einführung eines Verschiebungsansatzes vollständig definiert. Die
Ansatzfunktionen beschreiben, wie die Verschiebung entlang einer Kante eines Elementes
verläuft. Die Ansatzfunktionen müssen zulässig sein, d.h. sie müssen die geometrischen
Randbedingungen erfüllen und bis zu einem gewissen Grade differenzierbar sein. Beispiele
für Ansatzfunktionen sind in Bild 3-2 dargestellt. Üblich und in ABAQUS verwendet sind
nur die Ansätze mit linearem und quadratischem Verschiebungsansatz.

Bild 3-2: Ansatzfunktion für die Verschiebungen

Die Ansatzfunktion in einem Rechteckelement im Bild 3-3a verläuft linear, die im


Bild 3-3b verläuft bilinear.

Bild 3-3: Linearer- und Bilinearer-Verschiebungsansatz

Parameter des bilinearen Verschiebungsansatzes sind die Funktionswerte in den vier


Elementeckpunkten. Die Parameter werden auch als Freiheitsgrade bezeichnet, die Punkte,
auf deren Funktionswerte sich der Ansatz abstützt werden als Elementknoten bezeichnet.
Die zu einem Parameter gehörende Ansatzfunktion nimmt in den jeweiligen Elementeck-
punkten den Wert 1, in allen anderen Eckpunkten den Wert 0 an. Derartige Ansatzfunktio-
nen werden auch als Formfunktionen bezeichnet. Beim Rechteckelement können die zwei-

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dimensionalen Formfunktionen l1 bis l4, die in einem lokalen, kartesischen Koordina-


tensystem formuliert werden, sehr leicht durch Produktbildung aus den eindimensionalen
Funktionen g1 und g2 entwickelt werden (Bild 3-4).

Bild 3-4: Formfunktionen l1 bis l4 bei einem Rechteckelement.


a) Abmessungen, Elementknotennummerierung, lokales Koordinatensystem;
b) eindimensionale Funktionen g1 und g2;
c) Ansatzfunktionen l1 bis l4

Elemente mit quadratischen Ansatzfunktionen ergeben in der Regel eine höhere


Genauigkeit als Elemente mit linearen Ansatzfunktionen, wenn es sich um Probleme
handelt die keine großen Verformungen erzeugen und bei denen Kontaktprobleme keine
Rolle spielen. Sie sind insbesondere in der Lage Spannungskonzentrationen besser
abzubilden.

Zu beachten ist auch, dass Dreieckselemente mit linearer Ansatzfunktion eine höhere
Steifigkeit als Rechteckelementen mit linearen Ansatzfunktionen besitzen. Das ist darauf

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zurückzuführen, dass für Rechteckelemente mehr Ansatzfunktionen benötigt werden und


sie daher einen „höherwertigeren“ Ansatz besitzen. Dementsprechend werden sich
Elemente mit quadratischen Ansatzfunktionen noch weicher verhalten.

In Problemen, bei denen Kontaktflächen eine wichtige Rolle spielen (z.B. Berechnung
eines Triaxialversuchs mit Abbildung des Kontaktes zwischen Kopf-/Fußplatte und Probe
oder Kontaktmodellierung zwischen einer Verbauwand und dem Boden) sollten Elemente
mit linearen Ansatzfunktionen verwendet werden, da hierbei die Kontaktkräfte konsistent
mit der zu definierenden Kontaktnormalen sind (das scheint ein Problem der
Kontaktformulierung in ABAQUS zu sein und ist evt. nicht allgemein gültig).

3.2 Netztypen

Um die o.e. Konzepte und Formeln auf geotechnische Fragestellungen anwenden zu


können müssen meist einige Annahmen und Vereinfachungen getroffen werden. So muss
das Materialverhalten so beschrieben werden, dass es in die mathematische Form der
Formeln 2-3 bzw. 2-19 passt. Außerdem ist es notwendig, die Geometrie und die
Randbedingungen des Problems zu vereinfachen und abbildbar zu machen. Im Bild 3-5
sind ausgehend vom dreidimensionalen Kontinuum einige Modellbildungen für spezielle
Probleme gezeigt.

Bild 3-5: Modellbildung

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3.2.1 Plane strain (Ebener Verzerrungszustand)

Zweidimensionales Problem als Sonderfall des dreidimensionalen Kontinuums bei dem die
Verzerrungen aus einer Ebene heraus gleich null sind (z = 0, xz = 0, yz = 0). Ein ebener
Verzerrungszustand liegt vor, wenn die aufgebrachten Kraft- oder
Verschiebungsrandbedingungen rechtwinklig und unabhängig zu einer der drei
Koordinatenrichtungen sind. Daraus ergibt sich, dass alle Querschnitte in den beiden
anderen Koordinatenrichtungen gleich bleiben. Geotechnische Aufgabenstellungen, die
mit diesem Berechnungstyp gelöst werden können sind z.B. Baugruben, Verbauwände,
Dämme, Verkehrswege (siehe Bild 3-6).

Bild 3-6: Beispiele für Plain strain

3.2.2 Axialsymmetrischer Verzerrungszustand

Sonderfall des ebenen Verzerrungszustand, der in Zylinderkoordinaten dargestellt wird (r


= radiale Richtung, z = vertikale Richtung,  = Umfangsrichtung). Aufgrund der
Symmetrie gibt es keine Verschiebung in Umfangsrichtung  (w = 0) und die
Verschiebungen in r- und z-Richtung sind unabhängig von . Daraus ergibt sich für die
Verzerrungen:

u
r  
r
v
z  
z
  0 (3-1)
v u
 rz   
r z
 r   z  0

Mit diesem Berechnungstyp können in der Geotechnik z.B. Kreisfundamente, Einzelpfähle


(Pfahlprobebelastungen) berechnet werden. Der axialsymmetrische Verzerrungszustand
eignet sich auch um einige Laborversuche abzubilden, wie z.B. Ödometerversuch,
Triaxialversuch, Durchlässigkeitsversuch.

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 3-6

Bild 3-7: Beispiele für Axialsymmetrie

3.2.3 Plane stress (Ebener Spannungszustand)

Zweidimensionales Problem als Sonderfall des dreidimensionalen Kontinuums bei dem die
Spannungen (Normal- und Schubspannungen) aus einer Ebene heraus gleich null sind (z
= 0, xz = 0, yz = 0). Klassisches Beispiel für diesen Berechnungstyp ist die Berechnung
einer Scheibe. In der Geotechnik tritt dieser Fall eher selten auf.

3.2.4 3D

Probleme, die eine dreidimensionale Formulierung erfordern und nicht so vereinfacht


werden können, dass sie in einen der o.g. Fälle passen.

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3.3 Elementtypen

Bild 3-8: Elementtypen

Zur Darstellung eines Kontinuums durch Finite Elemente muss die reale Geometrie meist
vereinfacht werden, um dann durch ein Finite Element Netz dargestellt werden zu können.
Für zweidimensionale Probleme werden meist Dreiecks- oder Viereckselemente
verwendet. Die Geometrie der Elemente wird durch Knoten(punkte) definiert. Für
Elemente mit geraden Seiten liegen diese Knoten in den Eckpunkten. Für Elemente mit
gekrümmten Seiten werden zusätzliche Knoten i.d.R. in der Mitte der Elementseiten
eingeführt (Bild 3-9). Die Elemente werden durch die Knoten, die dann zu mehreren
Elementen gehören, miteinander verbunden.

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Bild 3-9: Beispiele für 2D-Kontinuumselemente

Damit die Elemente numerisch einfach handhabbar sind, sollten die Knoten und Elemente
systematisch nummeriert werden. Ein häufig gebrauchtes Schema ist die Knoten und
Elemente Reihenweise von links nach rechts zu nummerieren. Die Knoten eines Elementes
werden meist entgegen dem Uhrzeigersinn angegeben, z.B. für Element zwei aus Bild 3-10
ist die Knotennummerierung 2, 3, 7, 6.

Bild 3-10: Knoten- und Elementnummerierung

Bei der Erstellung eines Finite Element Netzes sollten folgende Punkte berücksichtigt
werden:

 die reale Geometrie sollte möglichst genau abgebildet werden.


 gekrümmte Ränder oder Schichtübergänge lassen sich am besten mit Elementen
höherer Ordnung abbilden.
 das Netz sollte Unstetigkeiten im Untergrund (Schichtwechsel, Bauwerke) und am
Rand (begrenzte Lasten, Bauwerke) abbilden. Einzellasten sollten immer auf einen
Knoten wirken.
 die Anzahl und Größe der Elemente hängt u.a. vom verwendeten Stoffgesetz ab.
Für linear elastische Berechnungen können relativ wenige große Elemente gewählt
werden, während für nichtlineare Stoffgesetze kleinere Elemente vorteilhaft sind.

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 3-9

Ebenso sind Unstetigkeitsstellen und Lasteintragungspunkte besondere


Aufmerksamkeit zu widmen.
 Möglichst gleichmäßige Netze und Elemente lassen sich am schnellsten berechnen.
 lange schmale Elemente sollten vermieden werden, ein Seitenverhältnis von 1:5
sollte nicht überschritten werden.
 Dreiecks- und Quaderelemente haben unterschiedliche Steifigkeiten (siehe
Kap. 3.1)
 Elemente höherer Ordnung benötigen eine längere Rechenzeit.

Bild 3-11: Netzeinteilungen

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Mit dreieckigen Elemente und Tetraederelementen können fast alle Geometrien


näherungsweise abgebildet werden. Recht viele der automatischen Netzgenerierer
verwenden Dreieckselemente. Bei Problemen, die überwiegend rechte Winkel aufweisen
bieten Netze mit Rechtecken oder Quadern eine ebenso hohe Genauigkeit bei kleinerer
Elementzahl, sie sind daher zu bevorzugen. Rechteck- und Quader-Elemente haben
zumindest in ABAQUS eine bessere Konvergenzrate.

3.3.1 Kontinuums Elemente

Die Kontinuumselemente (SOLID) in ABAQUS können sowohl für lineare Berechnungen,


als auch für nichtlineare Berechnungen inkl. Kontaktprobleme, Plastizität und groß
Deformationen verwendet werden. Sie sind daher der in der Geotechnik am meisten
verwendete Elementtyp.

3.3.2 Schalen-/Plattenelemente

Schalenelemente können verwendet werden, um geotechnische Elemente abzubilden, die


überwiegend auf Druck und Zug in der Schalenebene beansprucht werden und keine oder
nur geringe Biegemomente aufweisen. Man kann z.B. schlaffe Gründungskörper damit
abbilden. Plattenelemente können auch Biegemomente aufnehmen und können daher zur
Abbildung von starren Gründungskörpern oder auch Verbauwänden verwendet werden.
Beide Elementtypen werden in ABAQUS durch Shell-Elemente abgebildet. Sie werden
häufig bei Kontaktproblemen verwendet, wenn eine belastete dünne Platte Kräfte auf das
Kontinuum übertragen soll.

3.3.3 Infinite Elemente

Infinite Elemente werden insbesondere an den Rändern von Netzen verwendet. Sinn und
Zweck dieser Elemente wird im Kapitel Randbedingungen erläutert.

3.3.4 MPC (Multi Point Constraints)

Die MPC’s sind im eigentlichen keine eigenen Elemente, sondern dienen zum Verbinden
von Elementen und Knoten. So können mittels einer MPC lineare und quadratische
Elemente direkt aneinander liegen und der „freie“ Knoten des quadratischen Elements wird
mittels MPC an die benachbarten Knoten „angebunden“. Das selbe kann man bei
Netzverfeinerungen anwenden. Es gibt in ABQUS zwei verschiedene gebräuchliche Typen
für MPC’s. Zum einen für die Anbindung von Knoten an lineare Elemente zum anderen an
quadratische Elemente. Beide Typen sind in Bild 3-12 dargestellt.

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Bild 3-12: linearer und quadratischer Typ von MPC

3.4 Nomenklatur der Elementtypen in ABAQUS

Bild 3-13: Nomenklatur der Elementtypen in ABAQUS

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3.4.1 2D-Elemente

Bild 3-14: 2D-Kontinuumselemente

2D-Elemente gibt es als Plane strain und als Plane stress Elemente. Die Bezeichnung der
Elementtypen ist:

CPE3 Plane strain, 3-Knoten Dreieckselement, linearer Ansatz


CPE4 Plane strain, 4-Knoten Viereckselement, linearer Ansatz
CPE6 Plane strain, 6-Knoten Dreieckselement, quadratischer Ansatz
CPE8 Plane strain, 8-Knoten Viereckelement, quadratischer Ansatz
CPS3 Plane stress, 3-Knoten Dreieckselement, linearer Ansatz
CPS4 Plane stress, 4-Knoten Viereckselement, linearer Ansatz
CPS6 Plane stress, 6-Knoten Dreieckselement, quadratischer Ansatz
CPS8 Plane stress, 8-Knoten Viereckelement, quadratischer Ansatz
CAX3 axisymmetrisch, 3-Knoten Dreieckselement, linearer Ansatz
CAX4 axisymmetrisch, 4-Knoten Viereckselement, linearer Ansatz
CAX6 axisymmetrisch, 6-Knoten Dreieckselement, quadratischer Ansatz
CAX8 axisymmetrisch, 8-Knoten Viereckelement, quadratischer Ansatz

Die Knotennummerierung ist aus der Abbildung zu erkennen. Die Face-Bezeichnung


(=Oberflächen) ist wichtig für das Aufbringen von Lasten und für Kontaktprobleme. Da
Streckenlasten z.B. entsprechend der Face-Bezeichnung auf eine Oberfläche aufgebracht
werden.

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3.4.2 3D-Elemente

Bild 3-15: 3D-Kontinuumselemente

Die Bezeichnung der Elementtypen ist:

C3D4 4-Knoten Tetraeder, linearer Verformungsansatz


C3D6 6-Knoten Prisma, linearer Verformungsansatz
C3D8 8-Knoten Quader, linearer Verformungsansatz
C3D10 10-Knoten Tetraeder, quadratischer Verformungsansatz
C3D15 15-Knoten Prisma, quadratischer Verformungsansatz
C3D20 20-Knoten Quader, quadratischer Verformungsansatz

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 3-14

Die Definition der Oberflächen ist aus der folgenden Abbildung ersichtlich.

Bild 3-16: Oberflächendefinition der 3D-Elemente

3.4.3 Shell-Elemente

Bild 3-17: Shell-Elemente für 2D (oben) und 3D (unten) mit Darstellung der Normalen

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Die Bezeichnung der gebräuchlichsten Elementtypen ist:

S3 3-Knoten Shell-Element
S3R 3-Knoten Shell-Element mit nur einem Integrationspunkt
S4 4-Knoten Shell-Element
S4R 4-Knoten Shell-Element mit nur einem Integrationspunkt
S8 8-Knoten Shell-Element mit quadratischem Verschiebungsansatz
S9R5 9-Knoten Shell-Element mit quadratischem Verschiebungsansatz,
reduzierter
Anzahl an Integrationspunkten und fünf Freiheitsgraden je Knoten
(Verschiebungen und Verdrehungen)
SAX1 2-Knoten Shell-Element für axisymmetrische Koordinatensysteme
SAX2 3-Knoten Shell-Element für axisymmetrische Koordinatensysteme,
quadratischer Verschiebungsansatz

3.5 Integrationspunkte

Um die Steifigkeitsmatrix und den Verformungsvektor zu bestimmen muss eine


Integration durchgeführt werden. Diese Integration kann nur in Sonderfällen direkt gelöst
werden, normalerweise bedarf es einer numerischen Näherungslösung. Für die Integration
wird üblicherweise ein besonderes Schema verwendet. Die einfachste Näherung, um das in
1
Bild 3-18a dargestellte Integral  f ( x)dx
1
zu lösen ist den Bereich in x-Richtung in eine

Anzahl gleicher Schritte der Größe a aufzuspalten und unter Annahme trapezförmiger
Einzelflächen der Größe a  f ( xi )  f ( xi 1 )  / 2 zu berechnen.

Bild 3-18: a) Integrationsschema Trapezregel; b) Gauß-Integration

3 Elemente 29.10.2012
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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 3-16

Um eine bessere Genauigkeit zu erzielen wird meistens ein Integrationsschema mit einer
gewichteten Summe ungleich großer Schritte an bestimmten Integrationspunkten gewählt.
Als Beispiel sei das gleiche Integral wie in Bild 3-17a gewählt, allerdings nun mit drei
Integrationspunkten (Bild 3-18b). Das gewichtete Integral lautet nun:

1 3

 f ( x)dx   Wi f ( xi )  W1 f ( x1 )  W2 f ( x2 )  W3 f ( x3 ) (3-2)
1 i 1

mit Wi als Gewichte und f(xi) als Funktionswerte am Integrationspunkt xi=1,2,3.

Der Wert des Gewichtes Wi und der Ort des Integrationspunktes xi hängt vom verwendeten
Integrationsschema ab. Die Anzahl der Integrationspunkte hängt von der Ordnung des
Integrationsschemas ab. Je höher die Ordnung ist, desto genauer ist die Integration,
allerdings steigt damit auch die Rechenintensität. Das am häufigsten verwendete
Integrationsschema ist die Gauß-Integration. Die zugehörigen Integrationspunkte werden
meistens als Gauß-Punkte bezeichnet. Die Lage der Gaußpunkte ist in Bild 3-19 für
viereckige Elemente dargestellt. Das linke Element mit neun Integrationspunkten wird
bezeichnet als vollständige (full) Integration, das rechte Element als reduzierte (reduced)
Integration. Für Elemente mit linearen Verschiebungsansatz werden die Gauß-Punkte bei
vollständiger Integration wie im rechtem Element bestimmt, bei reduzierter Integration
gibt es nur noch einen Integrationspunkt, der in der Mitte des Elementes liegt.

Bild 3-19: Integrationspunkte

Außerdem ist es wichtig, die Lage der Integrationspunkte zu kennen, da Spannungen eines
Elementes an den Integrationspunkten angegeben werden, während Verschiebungen und
Verdrehungen an den Knoten angetragen werden.

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 4-1

4 Anfangs- und Randbedingungen

Bei der Untersuchung von geotechnischen Problemstellungen mit Hilfe der Finiten
Element Methode ist es i.d.R. erforderlich, einen begrenzten Ausschnitt zu betrachten, um
Rechenzeit und Speicherkapazität des Computers zu optimieren. An den Grenzen dieses
Berechnungsausschnittes müssen Anfangs- und Randbedingungen für den Spannungs- und
den Verschiebungszustand festgelegt werden.

Bild 4-1: Anfangs- und Randbedingungen

Eine typische Anfangsbedingung für den Spannungszustand ist der linear mit der Tiefe
zunehmende Primärspannungszustand, infolge des Überlagerungsgewichtes des Bodens.
Eine typische Randbedingung für den Verschiebungszustand ist eine Festhaltung in
Normalenrichtung am Rand eines FE-Netzes (Bild 4-2).

Bild 4-2: Berechnungsausschnitt · Primärspannungszustand

4.1 Randbedingungen für den Verschiebungszustand

Die Randbedingungen für den Verschiebungszustand lassen sich mit Hilfe des in
ABAQUS verwendeten globalen Koordinatensystems beschreiben. An Schalen-, bzw.
Shell-Elementen kann es zusätzlich erforderlich sein, die Verdrehung zu blockieren, so
dass es für solche Elemente zusätzlich die Freiheitsgrade (engl.: Degree of freedom =

4 Anfangs- und Randbedingungen 29.10.2012


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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 4-2

DOF) 4,5,6 zur Verfügung stehen. Der Freiheitsgrad 4 ist die Drehung um die 1-Achse, 5
die Drehung um die 2-Achse und 6 die Drehung um die 3-Achse.

Freiheitsgrade:

1,2,3 Verschiebungsfreiheitsgrade
4,5,6 Verdrehungsfreiheitsgrade
7,8, etc. Temperatur, Porenwasserdruck, etc.

Bild 4-3: Verschiebungs- und Verdrehungsfreiheitsgrade im globalen Koordinatensystem von


ABAQUS

Für besondere Aufgabenstellung stehen Finite Elemente zur Verfügung, die weitere
Freiheitsgrade an oder zwischen den Knoten zur Verfügung stellen; beispielweise sei hier
an Simulationen von Energiepfählen (DOF = Temperatur) oder von
Konsolidationsvorgängen (DOF = Porenwasserdruck) gedacht.

4.2 Randbedingungen für den Spannungszustand

Der Primärspannungszustand entsteht aufgrund des Überlagerungsgewichtes des Bodens


und wird bei der Simulation mit Hilfe der Finiten Elemente Methode i.d.R. als
verformungsfreier Ausgangszustand betrachtet.

Zur Berechnung des verformungsfreien Primärspannungszustandes ist in ABAQUS eine


Routine vorhanden. Hierzu müssen an der Oberkante und der Unterkante des
Schichtenpaketes die vertikalen Spannungen und der Erdruhedruckbeiwert ko angegeben
werden. Die vertikalen Spannungen werden hierbei wie folgt ermittelt:

σ Primär (z) = γ×z

Im Einschichtsystem sind folgende Angaben erforderlich:

* INITIAL CONDITIONS, TYPE=STRESS, GEOSTATIC


Elementsatz, σ(z1),z1,σ(z2),z2,ko

Beispiel:

Bodenwichte :  = 20 kN/m³

4 Anfangs- und Randbedingungen 29.10.2012


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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 4-3

Schichtdicke : z =5m
Ruhedruckbeiwert : k0 = 0,5

* INITIAL CONDITIONS,TYPE=STRESS, GEOSTATIC


SOIL,0.,0.,100.,5.,0.5

Im Step 1 wird der Primärspannungszustand infolge Gravitation berechnet:

* STEP
* GEOSTATIC
* DLOAD
SOIL,GRAV,10.,0.,0.,1.
* END STEP

Die berechneten Knotenkräfte werden den vorgegebenen Knotenkräften aus der Initial
Condition Formulierung gegenüber gestellt. Sind die Spannungen an allen Knoten des
Schichtenpakets identisch, d.h. äußere (Gravitation) und innere (vorgegebener Primär-
spannungszustand) Kräfte im Gleichgewicht, entstehen in diesem Berechnungsschritt
k(l)eine ( 10-17) Vorformungen.

Für einen mehrschichtigen Baugrundaufbau müssen jeweils am Schichtübergang die


Spannungswerte angegeben werden. Neben dem Primärspannungszustand können weitere
Eingangsgrößen am Beginn der numerischen Simulation festgelegt werden, wie z.B.:

· die Porenzahl : INITIAL CONDITIONS, TYPE=RATIO


· der Porenwasserdruck : INITIAL CONDITIONS, TYPE=PORE PRESSURE
· die Sättigung : INITIAL CONDITIONS, TYPE=SATURATION

4 Anfangs- und Randbedingungen 29.10.2012


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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 4-4

4.3 Infinite-Elemente

Infinite Elemente ersetzen Regionen im FE-Netz, in denen kleine Verschiebungsbeträge


erwartet werden bzw. Regionen in weiter Entfernung (far field) von der betrachteten Stelle.
Sie haben ein linear Verformungsverhalten, wobei die Verformungen mit Hilfe eines
Verschiebungsansatzes interpoliert werden. Es werden lediglich Verformungen in
Richtung der Infiniten-Elemente ermittelt. Die Angabe einer Steifigkeit für die Infiniten-
Elemente ist nicht erforderlich, da Verschiebungen aus den letzten Knoten des Finiten-
Element-Netzes interpoliert werden.

Bild 4-4: Anordnung von Infinite Elementen im FE-Netz

4 Anfangs- und Randbedingungen 29.10.2012


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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 4-5

Infinite Elemente stehen in der ABAQUS Elementbibliothek für 2D- und 3D-Probleme zur
Verfügung; hierbei muss präzise auf die im Handbuch (Bild 5) vorgegebene Reihenfolge
bei der Knoteneingabe geachtet werden.

2D Infinite Elemente 3D Infinite Elemente

Bild 4-5: 2D- und 3D Infinite Elemente

4.4 Auswahl der Berechnungsausschnittes

Wenn keine Erfahrungen vorliegen, sollte der Einfluss der Größe des FE-Netzes vorher
durch Variation der Randbedingungen untersucht werden. Hierzu sind Empfehlungen des
Arbeitskreises „Numerik in der Geotechnik“ der DGGT für geotechnische
Randwertprobleme vorhanden. Für den Berechnungsausschnitt sollten ohne einer
vorherige Variationsuntersuchung folgende Abmessungen des Berechnungsausschnittes
eingehalten werden:

4 Anfangs- und Randbedingungen 29.10.2012


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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 4-6

· Flachgründung:

X > 2 – 3  Plattenlänge
Y > 1,5 – 2  Plattenlänge

· Pfahlgründung, KPP:

X > 1  1,5  max. Pfahllänge


Y > 1,5 – 2  max. Pfahllänge

· Tunnelquerschnitt:

X > 2  3  Tunneldurchmesser
Y > 4  5  Tunneltiefenlage

· Baugrube:

X > 2  3  Baugrubentiefe
Y > 2 – 3  Verbauwandlänge

4 Anfangs- und Randbedingungen 29.10.2012


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5 Elasto-plastische Materialmodelle

5.1 Grundlagen der Plastizitätstheorie

5.1.1 Grundbegriffe

Es ist typisch für Böden, für Stahl und Beton, dass große Formänderungen nach Entlastung
sich nicht ganz zurückbilden. Dieses Verhalten heißt „elasto-plastisch”. Betrachtet man
den Spannungs-Dehnungspfad in einem materiellen Punkt, so zeigt sich anfänglich ein
elastischer (reversibeler) Pfad bis an bzw. ab einer Grenze (Fließbedingung, yield
criteria) die Verformung in der Weise zunimmt, dass nach einer Entlastung die hierbei
entstandene irreversible plastische Dehnung verbleibt. Die Verformung kann somit in
elastische und plastische Verformungsanteile zerlegt werden. Die plastischen Dehnungen
können im Rahmen der Plastizitätstheorie durch eine Fließregel (flow rule) beschrieben
werden.

Das plastische Verhalten wird in 3 Fälle unterschieden:

Idealplastisch : Bei Erreichen der Fließbedingung kann das Material


keine zusätzliche Spannung aufnehmen. Nach
elastischer Ent- und Wiederbelastung hat sich die
Fließbedingung nicht verändert.

Verfestigung (Hardening): Nach Erreichen der Fließbedingung kann das Material


zusätzliche Spannung ertragen. Nach einer elastischen
Entlastung ist die Fließbedingung erst nach
vollständiger Wiederbelastung wieder erreicht. Die
Fließbedingung weitet sich also auf.

Entfestigung (Softening): Bei Erreichen der Fließbedingung kann das Material


keine zusätzliche Spannung aufnehmen, sondern die
aufnehmbare Spannung reduziert sich. Nach
elastischer Ent- und Wiederbelastung verbleibt die
reduzierte Fließbedingung.

5 Elasto-plastische Materialmodelle 27.6.2013


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Bild 5-1: Elastoplastische Spannungs-Dehnungspfade

Den Beginn der Plastizitätstheorie in der Bodenmechanik markieren ideal plastische


Grenzzustände in Verbindung mit Festigkeitshypothesen. Eine Festigkeitshypothese
markiert die Grenze des zulässigen Spannungszustandes des Materials. Diese Grenze ist
gleichzeitig eine Fließbedingung (ideal plastischer Fall).

5.1.2 Festigkeitshypothesen im Hauptspannungsraum

Wir betrachten den Boden als materielles Kontinuum. Seine Beanspruchung ist im
Allgemeinen eine Funktion des Ortes. Die Beanspruchung in einem Punkt des Baugrundes
ist gegeben durch den örtlichen Spannungszustand. Die Spannungszustände, die ein
materielles Teilchen ertragen kann, bilden einen zusammenhängenden Bereich. Dieser ist
aber nicht eindimensional wie bei einem Stab oder Seil, sondern – entsprechend den 6
Komponenten des Spannungszustandes – sechsdimensional.

Wenn das betrachtete Material homogen und isotrop ist und unter Beanspruchung so
bleibt, spielt die Orientierung der Hauptspannungsrichtungen gegenüber dem Material
keine Rolle. Der erträgliche Bereich lässt sich dann erschöpfend im Raum der 3
Hauptspannungen darstellen und muss sogar 3 Symmetrie Ebenen aufweisen.

Wegen dieser Symmetrie werden folgende Ebenen und zugehörige invariante Größen im
Hauptspannungsraum bedeutungsvoll:

Triaxialebene (triaxial plane): 2 3

1   2  3 I1
q – p Ebene (meridional plane): Ebene mit den Achsen p   
3 3
(equivalent pressure stress)

und

q  3 J2 
1
2

( 1   2 ) 2  ( 2   3 ) 2  ( 3   1 ) 2 
(Mises equivalent stress)

5 Elasto-plastische Materialmodelle 27.6.2013


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Deviatorebene (deviatoric plane):  1   2   3  konst.

Raumdiagonale (hydrostatic axis):  1   2   3 .

Bild 5-2: Wichtige Betrachtungsebenen im Hauptspannungsraum

Für die experimentelle Erkundung des Bereiches der erträglichen Spannungszustände


benötigt man viele gleiche, homogene Proben des betreffenden Bodens und Prüfgeräte, die
eine homogene Beanspruchung der Proben bewirken. Die letzte Forderung wird
weitgehend vom Triaxialgerät, aber z. B. nicht vom Rahmenschergerät erfüllt.

Hypothese von VON-MISES

Nach der Hypothese von VON-MISES wird die Festigkeit überwunden, wenn die
gespeicherte Gestaltsänderungsenergie einen bestimmten Grenzwert erreicht. Diese für
Stahl passende Hypothese bildet im Hauptspannungsraum einen Zylinder, dessen Achse
die Raumdiagonale ist. Der Zylinder erfüllt die Forderung nach drei Symmetrieebenen. Sie
werden sichtbar im Schnitt des Spannungsraumes mit der Deviatorebene.

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Bild 5-3: Festigkeitshypothese nach VON-MISES

Hypothese von MOHR und COULOMB

Für Böden sind andere Festigkeitshypothesen zutreffender. Die Festigkeitshypothese von


MOHR und COULOMB ist in der Geotechnik Grundlage auch heutiger numerischer
Berechnungsverfahren. In der ursprünglichen Formulierung ist der Spannungszustand in
einem Punkt dadurch beschränkt, dass in keinem Schnitt das von COULOMB in die
Bodenmechanik übernommene Reibungsgesetz verletzt werden darf. Aus der Darstellung
nach Mohr (Bild 5-4) ist der erträgliche Spannungsbereich mittels der größten und
kleinsten Hauptspannungen am Spannungskreis der die Bruchgeraden tangiert ersichtlich.
Die mittlere Hauptspannung σ2 spielt also nach dieser Hypothese keine Rolle für den
Verlust der Festigkeit. Sie hat mit anderen Worten keinen Einfluss darauf, ob ein
Spannungszustand ein Grenzspannungszustand ist oder nicht.

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Bild 5-4: Darstellung eines Spannungszustandes an der Festigkeitsgrenze nach Mohr

Im Hauptspannungsraum sind die Achsenbezeichnungen unabhängig von einer


Reihenfolge der Hauptspannungen nach der Größe. Bei der Verallgemeinerung im
Hauptspannungsraum benutzen wir wieder die in der Numerik übliche
Vorzeichenkonvention. Durch Einsetzen der jeweiligen Hauptspannung σ1, σ2, σ3 für die
kleinste (-σIII) bzw. größte Hauptspannung (-σI) in die Grenzbedingung für den zulässigen
Spannungsbereich

(-σIII)– (-σIII) = [ (-σI) + (-σIII) ] sin φ mit σIII  σII  σI 5-1

erhält man eine Flächenschar. Die innerste Einhüllende dieser Flächenschar ist die
verallgemeinerte Festigkeitsgrenze (failure surface) nach MOHR – COULOMB, da sie den
innen liegenden zulässigen Spannungsbereich begrenzt. Sie hat wie in der Deviatorebene
(Bild 5-5) zu sehen 3 Symmetrieebenen. Um Messergebnisse, die den Einfluss der
mittleren Hauptspannung nachweisen, besser nachzubilden, wird die Festigkeitshypothese
durch verschiedenste Ansätze modifiziert (Bild 5-6).

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Bild 5-5: Fließhypothese nach MOHR-COLOUMB in der Deviatorebene

Bild 5-6: Fließhypothese nach MOHR-COLOUMB, DRUCKER-PRAGER und LADE

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5.1.3 Fließbedingungen und Fließregeln im Hauptspannungsraum

Die Fließbedingung stellt sich wie o.g. Festigkeitsbedingung im Allgemeinen Fall als
sechsdimensionale Hyperfläche im Spannungsraum (Fließfläche, Yield surface), die rein
elastischen Spannungszustände umschließt, dar. Bei ideal plastischem Material sind
Spannungszustände, die außerhalb der Fließfläche liegen, nicht möglich, die Fließfläche
stellt somit gleichzeitig eine Grenzbedingung des Materials dar.

Als zweite Hypothese zur Beschreibung des plastischen Materialverhaltens neben der
Fließbedingung wird eine Fließregel benötigt, die eine Beziehung zwischen den
Spannungstensor und dem Tensor der Dehnungsinkremente herstellt.

Der Dehnungsinkrementtensor ist eine objektive Größe und eine Funktion von anderen
objektiven Größen (Spannungstensor, Materialparametern). Er kann bei einem homogenen
und isotropen Material nur koaxial zum Spannungstensor, dem Spannungsinkrementtensor
oder einer objektiven Kombination sein. Experimente bestätigen, dass der elastische Anteil
des Dehnungsinkrementtensors immer koaxial zum Spannungsinkrementtensor und der
plastische Anteil koaxial zum Spannungstensor ist.

Diese wichtige Tatsache der Plastizitätstheorie erlaubt es, den Hauptspannungsraum und
den Hauptdehnungsinkrementraum zur Darstellung der Fließregel zu überlagern.
Plastische Dehnungsinkremente werden als Vektoren eingezeichnet, um sie beliebig
platzieren zu können. Entscheidend ist dabei nur die Richtung und Länge. Die o.g.
Verknüpfung (Fließregel) des plastischen Dehnungsinkrements und Spannungszustandes
erfolgt durch die Einführung einer weiteren Fläche (Potentialfläche) eines plastischen
Potentials (flow potential), wobei der Vektor des plastischen Dehnungsinkrementes
immer normal zu dieser Fläche des plastischen Potentials (Normalitätsbedingung) steht.
Gekoppelt mit einer skalaren Größe liefert der Gradient des Potentials im
Hauptspannungsraum an der Stelle des betrachteten Spannungspunktes auf der Fließfläche
das plastische Dehnungsinkrement.

G
 ij  
 ij

Bild 5-7: Plastisches Potential und plastisches Dehnungsinkrement

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In der klassischen Plastizitätstheorie wird die Fließfläche gleichzeitig als plastisches


Potential verwendet. In diesem Fall wird von einer assoziierten Fließregel im Gegensatz
zur nicht assoziierten Fließregel, bei der das plastische Potential von der Fließfläche
verschieden ist.

Bild 5-8: Plastische Dehnungsinkremente in der Triaxialebene und in der Deviatorebene

5.1.4 Verfestigung

Bei plastisch verfestigendem Materialverhalten sind Spannungszustände außerhalb der


aktuellen Fließfläche möglich. Die Fließfläche ändert dabei im Allgemeinen ihre Größe,
Lage und Form, so dass der Spannungspunkt immer auf einer Fließfläche bleibt. Dazu ist
eine Verfestigungsbeziehung erforderlich, die die Größe der plastischen
Dehnungsinkremente in Abhängigkeit der Spannungsinkremente, dem Spannungstensor
und internen plastischen Variablen festlegt. Wird die Fließfläche während der
Verfestigung geometrisch ähnlich transformiert, ohne dass sich ihre Lage ändert, dann
spricht man von einer isotropen Verfestigung (isotropic hardening), verschiebt sich die
Fließfläche bei gleich bleibender Größe und Form im Spannungsraum, dann handelt es
sich um eine kinematische Verfestigung (kinematic hardening).

Die Verfestigungsbeziehung ist in der Regel in Abhängigkeit vom Tensor der plastischen
Dehnungen formuliert (Dehnungsverfestigung) und bedeutet, dass die Fließfläche vom
zurückliegenden Verformungspfad abhängt. Häufig werden in der Verfestigungsbeziehung
nur spezielle Komponenten des plastischen Dehnungstensors verwendet, wie z.B die
plastische Volumendehnung bei den „Cam Clay “ Modellen (volumetrische Verfestigung).
Ein Sonderfall liegt bei der Arbeitsverfestigung vor, bei der die Verfestigung nur von der
totalen plastischen Arbeit und nicht vom Spannungs- oder Verformungspfad abhängt.
Für eine stabile Verfestigung hat Drucker ein Kriterium postuliert, das fordert, dass die
plastische Arbeit aus Spannungs- und plastischen Dehnungsinkrementen positiv ist
(Stabilität im Kleinen) und dass die Arbeit, die zwischen dem aktuellen und einem
Spannungszustand innerhalb der Fließfläche geleistet wird, nicht negativ ist (Stabilität im
Großen). Aus den beiden Kriterien kann die Normalitätsbedingung und die Konvexität der

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Fließfläche abgeleitet werden. Bei den in der Bodenmechanik verwendeten


Materialgesetzen werden die Druckerpostulate nicht immer erfüllt z. B. für entfestigendes
Materialverhalten.

Bild 5-9: Postulate nach DRUCKER

Volumetrisches elasto-plastisches Verhalten

Neben der Eigenschaft mit zunehmender allseitiger Spannungskomponente immer größere


deviatorische Spannungsanteile aufnehmen zu können, weist Boden eine weitere wichtige
charakteristische Eigenschaft auf. Der Boden ändert sein Volumen unter Beanspruchung
elasto-plastisch. In Bild 5-10 ist die Reduzierung des spezifischen Volumens
( = 1+e) durch Erhöhung der vertikalen Spannung, die logarithmisch skaliert ist, bei der
eindimensionalen Kompression dargestellt.

Bild 5-10: Eindimensionale Kompression von Ton

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Bei einer Entlastung verbleibt der plastische Anteil der Volumenreduzierung.

Im Triaxialversuch wird bei Erhöhung der allseitigen Spannung p ebenfalls diese


logarithmische Abhängigkeit festgestellt. Bild 5-11 zeigt den idealisierten Zusammenhang
als Erstverdichtungslinie (normal consolidation line) und der elastischen Schwellkurve
(swelling line).

Bild 5-11: Erstverdichtungslinie und Schwellkurve

Die Erstverdichtungslinie stellt eine Grenzbedingung (boundary condition) dar, weil sie
die möglichen Volumenzustände mit zugehörigen Spannungszuständen begrenzt. So wie
die Festigkeitshypothese tritt bei Erreichen der Erstverdichtungslinie im Punkt B des
Bildes 5-11 eine Fließbedingung ein. Der Boden erträgt die weitere Lasterhöhung bis
Punkt C (Verfestigung) und die plastische Volumenänderung ist nach Entlastung auf die
Ausgangsspannung im Punkt E abzulesen.

Beim undrainierten Abscheren einer gesättigten Probe aus der Erstverdichtung im


Triaxialversuch (CU-Versuch) ist die Volumenänderung verhindert, so dass
Porenwasserüberdrücke und der effektive Spannungspfad wie in Bild 5-12 entstehen. Der
Pfad in der Ebene mit dem spezifischen Volumen ist darunter dargestellt.

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Bild 5-12: Spannungspfade und Volumenänderung des CU-Versuchs

Mehrere solcher Versuche (auch drainierte, CD-Versuche) ergeben die in Bild 5-13
aufgetragenen Versagenspunkte, die auf der sogenannten„critical state line“ (CSL) liegen.

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Bild 5-13: Versagenspunkte auf der Critical state line

Der Zusammenhang ist in einem Raum, der durch die Achsen p und q sowie dem
spezifischen Volumen aufgespannt wird, durch drei Punkte anschaulich abgebildet
(Bild 5-14).

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Bild 5-14: Normal consolidation line und Critical state line im “p-q- Raum”

Bild 5-15a zeigt die undrainierten, volumenkonstanten Pfade; Bild 5-15b die drainierten
Pfade. Alle Pfade ausgehend von der Erstverdichtungslinie bis zur „critical state line“
liegen auf einer Ebene, die nach ROSCOE als Roscoe-surface bezeichnet wird und die
Spannungszustände mit den dazugehörigen Volumenzuständen begrenzt.

Bild 5-15: a) Pfad der CU-Versuche b) Pfad der CD-Versuche

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Diese Fläche findet sich in vielen elasto-plastischen Modellen als Kappe (cap) wieder. Die
Verallgemeinerung im Hauptspannungsraum entsteht durch Rotation um die
Raumdiagonale. Die Fläche liegt somit mit der Spitze auf der Raumdiagonalen und endet
an der durch eine Festigkeitshypothese gebildeten critical state line.
Die zu einem spezifischen Volumen gehörende Kappe begrenzt den Spannungszustand
und ist eine Fließfläche, die sich aufweitet indem entsprechende plastische
Volumenänderungen eintreten. Elastische Spannungspfade, also innerhalb der Fließflächen
bewirken nur elastische Volumenänderungen. In Bild 5-16 und 5-16b sind Pfade, die erst
elastisch und dann entlang der Roscoe-surface verlaufen dargestellt.

Bild 5-16: Elastische Pfade im “p-q- Raum”

Die Fließregel ist neben der oben definierten Verfestigungsgesetzmäßigkeit erst durch
Einführung der assoziierten Fließregel auf der Kappe vollständig definiert. Dies entspricht
Messungen auf der Raumdiagonalen. Auf der Erstverdichtungslinie können aus
Symmetriegründen nur volumetrische plastische Verformungen eintreten und im Critical
State gilt definitionsgemäß volumenkonstantes Fließen.

5.2 Mohr Coulomb Modell in ABAQUS

Das Mohr Coloumb Modell in ABAQUS entspricht im Grundsatz der Festigkeitshypothese


nach MOHR-COULOMB. Das Materialverhalten wird durch die Option:

*MOHR COULOMB

definiert und bietet die Möglichkeit einer Verfestigung durch

*MOHR COULOMB HARDENING

Es ist keine Kappe definierbar.

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5.3 Drucker Prager Modell in ABAQUS

Das Drucker-Prager Modell in ABAQUS wird als extended Drucker-Prager Modell


bezeichnet, da die Möglichkeit der Anpassung der Fließbedingung in der Deviatorebene
abweichend von der Kreisform durch den Parameter K besteht. In ABAQUS wird daher
eine neue Spannungsgröße t definiert, die in der Deviatorebene entlang der angepassten
Fließfläche konstant und somit statt q mit p zusammen die Ebene aufspannt in der die
Fließflächen eindeutig definiert werden können.

Bild 5-18: Anpassung der Fließfläche in der Deviatorebene durch den Parameter K und
Definition der Spannungsgröße t

Für ebene Verformungsberechnungen wird K=1 empfohlen und die Anpassung der
Scherparameter aufgrund der Randbedingung keiner elasto-plastischer Verformungen. Bild
5-19 zeigt das der Bereich der ebenen Dehnung zwischen dem Kompressions und
Extensionsbereich liegt.

5 Elasto-plastische Materialmodelle 27.6.2013


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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 5-16

Bild 5-19: Bereich der ebenen Dehnung

Die Materialdefinition erfolgt mit

*DRUCKER PRAGER

und bietet die Möglichkeit einer Verfestigung durch

* DRUCKER PRAGER HARDENING

Es ist keine Kappe definierbar.

5.4 Cam Clay Modell in ABAQUS

HVORSLEV hatte durch seine direkten Scherversuche als erster erkannt, dass die
Scherfestigkeit eines bindigen Bodens nicht nur eine Funktion der in der Scherfläche
wirkenden wirksamen Normalspannung ist, sondern auch der Porenziffer e. Ende der
fünfziger Jahre wurde in Cambridge, das „Critical State Concept und das elasto-plastische
„Cam Clay “ Modell für normal und leicht überkonsolidierte bindige Böden („ wet clays “)
entwickelt.

Das ursprüngliche Cam Clay Modell überschätzt die Größe der plastischen
Dehnungsinkremente für Spannungszustände, die in der Nähe des Isotropen
Spannungszustandes liegen, und liefert zu grosse Ko-Werte für normalkonsolidierte
Böden. Dies liegt an der Form der Fließfläche im unterkritischen Bereich mit der Spitze an
der p-Achse. Durch eine Modifikation des Ansatzes kommt BURLAND zu einer
elliptischen Fließfläche des sogenannten „Modified Cam Clay‟ Modells“, das auch in
ABAQUS verwendet wird (Bild 5-20) unter der Bezeichnung „Clay Plasticity Model“.

5 Elasto-plastische Materialmodelle 27.6.2013


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Bild 5-20: Fließfläche des „Clay Plasticity Models“ in ABAQUS

Im sogenanten unterkritischen Bereich (wet side) kann der Fließellipsoid (Roscoue surface
bzw. Kappe) durch den Parameter  verändert werden. Im überkritischen Bereich (dry
side) geht das Fließellipsoid durch den Spannungsnullpunkt. Die Anpassung der
Fließfläche in der Deviatorebene erfolgt wie in Bild 5-18 durch den Parameter K. Die
volumetrische Verfestigung wie in 5.1.4.1 beschrieben erfolgt wie in Bild 5-21 zu sehen
durch die Parameter  (plastic slope) für die Erstverdichtung (normal consolidation), 
(elastic slope) für die Schwellkurve und die Porenziffer e1 bei ln p = 0.

Bild 5-21: Definition der Erstverdichtung und Schwellkurven

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 5-18

Die Materialdefinition erfolgt mit

*CLAY PLASTICITY

und

*CLAY HARDENING

5.5 Cap Modell in ABAQUS

Zur Beschreibung des Materialverhaltens von Sand haben sich elasto-plastische Modelle
wie das Cap Modell in ABAQUS mit einer konischen Fließfläche zur Erfassung der
dilatant plastischen Verformungsanteile und einer Kappe für die kontraktant plastischen
Verformung durchgesetzt.

Mit dem Parameter K wird wie in Bild 5-18 die Fließfläche in der Deviatorebene so
festlegt, dass diese die Mohr-Coulombsche Bruchbedingung im Kompressions- und im
Extensionsbereich erfüllt wird.

Bild 5-22 zeigt die Fließflächen und Versagensfläche in der p-t Ebene

Bild 5-22: Fließflächen und Versagensfläche des Cap Modells

Das dazugehörige Potential ist in Bild 5-23 zu sehen.

5 Elasto-plastische Materialmodelle 27.6.2013


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Bild 5-23: Plastisches Potential

Das Potential für den Konus wird durch Ellipsen gebildet. Die Fließregel ist hier nicht
assoziiert, während auf der Kappe assoziertes Fließen gilt. Es ist zu sehen das bei weiter
entfernter Kappe die dilatante (volumenvergrößernde) Komponente des plastischen
Dehnungsinkrements zunimmt. Wegen der Kopplung der Kappe mit dem plastischen
Volumen bewirken dilatante Dehnungsinkremente auf dem Konus eine Zurückziehung der
Kappe bis letzendlich der Spannungspunkt im critical state mit volumenkonstantem
Fließen verharrt. Die Beziehung der Kappenposition und des plastischen Volumens
(ähnlich der Erstverdichtungslinie) erfolgt durch die Definition der Kurve in Bild 5-24

Bild 5-24: Beziehung der Kappenposition und dem plastischen Volumen

Das Modell wird definiert durch:

*CAP PLASTICITY

und

*CAP HARDENING

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 6-1

6 Parameteridentifikation

In diesem Kapitel wird die Bestimmung von Materialparametern aus Laborversuchen für
einige Stoffgesetze beschrieben.

6.1 Bestimmung elastischer Parameter

Um ein linear-elastisches Verhalten zu beschreiben werden die Parameter


Elastizitätsmodul (E) und Querdehnzahl/Poissonzahl (/υ) benötigt. Der Elastizitätsmodul
ist mit dem Schubmodul (G) über folgende Gleichung verbunden.

2G(  1)
E (6-1)

Der Elastizitätsmodul (E) kann direkt aus dem Triaxialversuch oder dem Ödometerversuch
bestimmt werden oder aus einer Probebelastung in situ berechnet werden. Beim
Kompressionsversuch mit behinderter Seitendehnung (Ödometerversuch) wird der
Steifemodul bei behinderter Seitendehnung (Es) bestimmt, dieser kann gemäß Gl. 6-2a in
den Steifemodul bei unbehinderter Seitendehnung = Elastizitätsmodul (E) umgerechnet
werden. Mit einer Probebelastung in situ, also z.B. einem Plattendruckversuch, lässt sich
der Steifemodul des Baugrundes (Es’) bestimmen. Der Steifemodul des Baugrunds hängt
mit dem Elastizitätsmodul gemäß Gl. 6-2b zusammen:

1 
Es  E (6-2a)
1    2 2

1
ES'  E (6-2b)
1  2

Tabelle 6-1: Parameter des linear elastischen Modells

Linear elastisches Materialverhalten


Einheit
ABAQUS Keyword Parameter Bestimmung
(Vorschlag)
*DENSITY γ (Wichte des Bodens) [kN/m³] Feldvers.
*INITIAL CONDITION K0 (Erdruhedruckbeiwert) [-] triax. Komp.
*ELASTIC E (Elastizitätsmodul) [kN/m²] triax. Komp.
*ELASTIC υ (Poissonzahl) [-] triax. Komp.
*POROUS ELASTIC pZug (Zugfestigkeit) [kN/m²] triax. Ext.
*INITIAL CONDITION e0 (Anfangsporenzahl) [-] Feldvers.

triax. Komp. - triaxialer Kompressionsversuch


triax. Ext. - triaxialer Extensionsversuch
Feldvers. - Feldversuche nach DIN-Normen

6 Parameteridentifikation 24.10.2012
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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 6-2

Im Labor lässt sich der Elastizitätsmodul mit dem einaxialen Druckversuch und dem
Triaxialversuch bestimmen. Die Druck-Setzungslinie des einaxialen Druckversuchs liefert
den Elastizitätsmodul des Bodens. Man benutzt hierfür die Sehne zwischen dem Nullpunkt
und der Hälfte bzw. dem Drittel der Bruchlast (Bild 6-1). Die besseren Ergebnisse erhält
man aus dem Triaxialversuch; dabei sollte ein der Natur entsprechender Seitendruck (σ3)
verwendet werden. Eindeutiger lässt sich der Elastizitätsmodul aus dem Triaxialversuch
mit eingelegten Ent- und Wiederbelastungsschleifen entnehmen. In diesem Fall gibt die
Neigung der Sehne durch die Hysterese die Größe des Elastizitätsmoduls an (Bild 6-2).

q
/

Bild 6-1: Bestimmung des E-Moduls aus dem Einaxialversuch oder dem Triaxialversuch

Bild 6-2: Bestimmung des E-Moduls aus einer Ent-/Wiederbelastungsschleife im


Triaxialversuch

Die Poissonzahl (υ) liegt zwischen den Werten 0,5 (raumbeständiges Material) und 0
(querdehnungsfreies Material). Zur Bestimmung der Poissonzahl sind zwei Methoden
gebräuchlich:

1. Bestimmung mit dem triaxialen Ruhedruckversuch, der auch zur Bestimmung des
Ruhedruckbeiwerts für den Erddruck (K0) durchgeführt wird. Da der Ruhedruckbeiwert
sich auf das Verhältnis der wirksamen Spannungen bezieht, müssen etwa auftretende
Porenwasserdrücke gemessen und berücksichtigt werden:

6 Parameteridentifikation 24.10.2012
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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 6-3

3' 3'
K0  bzw. (6-3)
1' 1'

mit:
σ3 ’ - wirksamer Seitendruck
σ1 ’ - wirksamer lotrechter Druck

Zur Kontrolle der radialen Verformung, die während des ganzen Versuchs gleich Null
bleiben muss, werden die radialen Verformungen mit geeigneten Messmethoden, wie z.B.
Messbändern erfasst. Während der Erhöhung des lotrechten Drucks muss auch die radiale
Spannung fortlaufend so gesteigert werden, dass die Probe in radialer Richtung
verformungsfrei bleibt. Bei nicht bindigen Böden, welche unter Vakuum eingebaut werden
müssen und damit von Versuchsbeginn an einer Spannung unterliegen, wird der
Ruhedruckbeiwert aus der Zunahme Δσ der beiden Hauptspannungen bestimmt. Aus dem
Ruhedruckbeiwert kann dann die Poissonzahl abgeleitet werden:

K0
 (6-4)
1  K0

2. Methode zur Bestimmung der Poissonzahl: Die Poissonzahl kann auch im


konventionellen triaxialen Druckversuch bestimmt werden. Wenn in einem
Triaxialversuch die Vertikal-/Längsdehnung und die Radial-/Querdehnung gemessen
wurde ergibt sich die Poissonzahl aus dem Quotienten aus Vertikaldehnung zu
Radialdehnung zu:

längs 1   
   1  v  (6-5)
quer 2  1 

6 Parameteridentifikation 24.10.2012
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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 6-4

Bild 6-3: Bestimmung der Poissonzahl aus dem Triaxialversuch

Für das elastische Stoffmodell sind folgende Keywords in ABAQUS zu verwenden:

*ELASTIC
E., .
*DENSITY
.

6.2 Bestimmung linear elastisch - ideal plastischer Parameter

Bild 6-4 zeigt einen einaxial belasteten Körper eines linear elastisch – ideal plastischen
Materials, welches mit einer vertikalen Verschiebung belastet wird und die dazugehörige
Spannungs-Verformungskurve. Im ersten Bereich (A-B) verhält sich die Probe linear
elastisch und alle aufgebrachten Verformungen sind reversibel. Dieser Bereich kann mit
dem Elastizitätsmodul (Young’s modulus) beschrieben werden. Im Punkt B (Dehnung gB)
erreicht die Spannung die Fließgrenze (σY) und das Materialverhalten wird ideal-plastisch.
Wenn nun vom Punkt C aus wieder entlastet wird, folgt das Material dem Pfad C-D und
verhält sich in diesem Bereich linear elastisch.

6 Parameteridentifikation 24.10.2012
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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 6-5

Bild 6-4: Linear elastisch - ideal plastisches Materialverhalten

Zur Beschreibung eines linear elastisch – ideal plastischen Materials werden der
Elastizitätsmodul, die Poissonzahl und die Fließgrenze benötigt. Zu den Stoffgesetzen
dieses Materialverhaltens gehören u.a. Mohr-Coulomb und von Mises. Zur Bestimmung
der Fließgrenze werden üblicherweise die Scherparameter φ’ und c’ bzw. φu und cu
benötigt. Die Scherparameter können aus dem Rahmenscherversuch (Kap. 6.3) oder dem
Triaxialversuch (Kap. 6.4) gewonnen werden.

Tabelle 6-2: Parameter des Mohr-Coulomb Modell

Mohr-Coulomb
Einheit
ABAQUS Keyword Parameter Bestimmung
(Vorschlag)
*DENSITY γ (Wichte des Bodens) [kN/m³] Feldvers.
*INITIAL CONDITION K0 (Erdruhedruckbeiwert) [-] triax. Komp.
*ELASTIC E (Elastizitätsmodul) [kN/m²] triax. Komp.
*ELASTIC υ (Poissonzahl) [-] triax. Komp.
*POROUS ELASTIC pZug (Zugfestigkeit) [kN/m²] triax. Ext.
*INITIAL CONDITION e0 (Anfangsporenzahl) [-] Feldvers.
*MOHR COULOMB  (Reibungswinkel) [°] triax. Komp.
*MOHR COULOMB HARD. c (Kohäsion) [kN/m²] triax. Komp.
*MOHR COULOMB HARD. σc (Fließspannung) [kN/m²] Einachs.
*MOHR COULOMB HARD. g1pl (plast. Dehnung) [-] Einachs.
*MOHR COULOMB ψ (Dilatanzwinkel) [°] triax. Komp.

triax. Komp. - triaxialer Kompressionsversuch


triax. Ext. - triaxialer Extensionsversuch
Einachs. - einaxialer Kompressionsversuch
Feldvers. - Feldversuche nach DIN-Normen

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Für das Mohr-Coulomb Modell sind folgende Keywords in ABAQUS zu verwenden:

*MOHR COULOMB
., .
*MOHR COULOMB HARDENING
c., 0.
c1.,pl1.
c2.,pl2.
...

Das Keyword *MOHR COULOMB steht immer in Verbindung mit *MOHR COULOMB
HARDENING. Unter *MOHR COULOMB wird der Reibungswinkel und für
Berechnungen in 2D oder 3D ggfs. der Dilatanzwinkel eingegeben. Die Bestimmung des
Dilatanzwinkels wird im Kap. 6.5.1.1 erläutert.

Unter *MOHR COULOMB HARDENING können Wertepaare für eine Verfestigungs-


funktion eingegeben werden. Wenn man ideal plastisches Verhalten erreichen möchte,
wird nur in der ersten Zeile die Kohäsion und eine 0 für die plastische Dehnung
eingegeben, die folgenden Zeilen entfallen dann.

6.3 Rahmenscherversuch

Zur Bestimmung der Scherparameter aus dem Rahmenscherversuch müssen mindestens


drei Scherversuche bei gleichen Einbaubedingungen aber unterschiedlicher vertikaler
Auflast durchgeführt werden. Jeder Scherversuch wird zunächst als Scherspannungs-
Verschiebungsdiagramm aufgetragen (Bild 6-5).

Bild 6-5: Scherspannungs-Verschiebungs-Diagramm mit kennzeichnenden Punkten

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Man unterscheidet im Scherdiagramm die folgenden kennzeichnenden Punkte:

 die „Bruchgrenze B“, die den Scherwiderstand angibt;


 die „Gleitgrenze G“, die den Reibungswiderstand oder Restscherwiderstand angibt;
 die „Proportionalitätsgrenze P“.

Die letztere ist durch den geradlinigen Teil des aufsteigenden Astes gegeben, doch nur in
seltenen Fällen eindeutig erkennbar. Die Gleitgrenze ergibt sich durch Erreichen des
waagerechten Astes. Eine ausgesprochene Bruchgrenze ist nur vorhanden, wenn die
Scherlinie ein Maximum besitzt. Oft ist dies nicht der Fall. Als Bruchgrenze wird dann
entweder die Asymptote der Verschiebungslinie oder die Scherspannung bei einer
bestimmten Scherverschiebung angesehen.

Aus den drei Scherspannungs-Verschiebungsdiagrammen der Scherversuche bei


unterschiedlichen vertikalen Belastungen können die verschiedenen Bruch-
/Restscherfestigkeitswerte der Normal- und Schubspannung abgelesen werden. Diese
werden in ein eigenes Diagramm eingetragen, in dem die Bruchgerade bestimmt werden
kann. Daraus lassen sich der Reibungswinkel und die Kohäsion ablesen (Bild 6-6). Die
Verteilung der Normal- und Scherspannungen auf der Scherfläche ist sehr ungleichmäßig.
Daher ist die Auswertung des Versuches mit systematischen Fehlern behaftet, die sich
nicht vermeiden lassen.

Bild 6-6: Ermittlung der Schergeraden mit den Parametern ’ und c’

6.4 Triaxialversuch

Um die Ungenauigkeiten, die sich aus dem direkten Scherversuch ergeben, zu vermeiden,
bietet es sich an, die Schergerade mit Hilfe des Triaxialversuchs zu ermitteln. Der
Triaxialversuch wird ebenso wie der direkte Scherversuch bei mindestens drei
verschiedenen Spannungen durchgeführt, die beim Triaxialversuch durch unterschiedliche
Zelldrücke aufgebracht werden. Aus der Auftragung der lotrechten Spannungen über den
lotrechten Dehnungen können die Bruchfestigkeit und die Restscherfestigkeit abgelesen
werden. Die daraus ableitbaren Spannungen sind als größte Hauptspannungen anzusehen,
als kleinste Hauptspannungen kann der jeweils wirkende Zelldruck angesehen werden. Mit
diesen Werten können die Mohr’schen Kreise und die Schergerade als Tangente an die
Mohr’schen Kreise konstruiert werden (Bild 6-7).

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Bild 6-7: Mohr’sche Kreise und Schergerade mit den Parametern ’ und c’

Alternativ ist es auch möglich, die im Triaxialversuch gefahrenen Spannungspfade in ein


Diagramm einzutragen und daraus die Scherparameter abzuleiten (Bild 6-8).

Bild 6-8: Spannungspfade im Triaxialversuch (aus DIN 18137)

6.5 Verfestigendes Materialverhalten (linear elastic, hardening plastic)

Bild 6-9 zeigt ein Materialverhalten, das ähnlich dem linear elastisch – ideal plastischen
Materialverhalten ist, jedoch im plastischen Bereich noch ein Anwachsen der Spannungen
mit zunehmender Dehnung ermöglicht. Im Bereich A-B herrscht weiterhin linear
elastisches Materialverhalten, ebenso wie bei allen Ent-/Wiederbelastungsschleifen (C-D).
Am Punkt B ist die anfängliche Fließspannung (σYB) erreicht. Ab diesem Punkt verfestigt
das Material bei zusätzlichen Dehnungen und kann daher zusätzliche Spannungen
aufnehmen. Das bedeutet auch, dass die aktuelle Fließgrenze (σYC) eine Funktion der
Belastungsgeschichte ist. Die Spannungs-Dehnungskurve wird asymptotisch einem

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Endwert der Fließspannung zustreben. Ein solches Materialverhalten wird „linear elastic
hardening plastic“ genannt. Beispielhaft für ein solches Materialverhalten steht z.B. das
erweiterte Drucker-Prager-Stoffgesetz.

Bild 6-9: Linear elastisches plastisch verfestigendes Materialverhalten

Ein linear elastisch - plastisch verfestigendes Materialverhalten bildet das im


Ödometerversuch beobachtete Verhalten gut ab. Hierzu soll zunächst das Bild 6-9 so
aufgetragen werden, dass die Spannungsachse die horizontale Achse ist und im
logarithmischen Maßstab aufgetragen wird und an der vertikalen Achse die Dehnungen
angetragen werden. Daraus ergibt sich Bild 6-10a. Im Bild 6-10b ist eine Versuchskurve
eines Ödometerversuchs dargestellt. Auf der vertikalen Achse ist die Porenzahl
aufgetragen, die zu der vertikalen Dehnung aus Bild 6-10a für den Ödometerversuch
proportional ist.

Bild 6-10: Vergleich zwischen Stoffgesetz und Ödometerversuch

Das im Ödometerversuch beobachtete hysteretische Verhalten in der Ent- und Wieder-


belastungsschleife kann durch das Stoffgesetz nicht wiedergegeben werden. Hierzu sind
Stoffgesetze mit kinematischer Verfestigung notwendig. Allerdings wird in der Geotechnik
häufig die Vereinfachung des hysteretischen Verhaltens in einzelnen Zyklen durch eine
ausgleichende Sekante verwendet.

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6.5.1 Drucker-Prager

In der Gruppe der vom Drucker-Prager-Stoffgesetz abgeleiteten Formulierungen stellt


ABAQUS zwei Version zur Verfügung, das extended Drucker-Prager Model und das
modified Drucker-Prager Model.

Extended Drucker-Prager

Das extended Drucker-Prager Modell wird für Materialien mit Reibung und Kohäsion
verwendet, deren Fließgrenze spannungsabhängig ist. In der in ABAQUS implementierten
Version stehen drei verschiedene Ansätze für die Fließfläche zur Verfügung, über die die
Verfestigung definiert wird (Bild 6-11).

Im Weiteren wird nur auf den linearen Ansatz eingegangen, da nur dieser Ansatz eine
Berücksichtigung des unterschiedlichen Extensions- und Kompressionsverhaltens von
Böden ermöglicht. Dieses Verhalten wird durch den Faktor K beschrieben, der durch den
Quotienten der Deviatorspannung des triaxialen Kompressionsversuchs und des triaxialen
Extensionsversuchs bestimmt wird.

Die Fließfläche kann bei dem extended Drucker-Prager Model sowohl eine Bruchfläche als
auch eine Anfangsfließfläche darstellen. Bei Erreichen der Bruchfläche tritt ideal
plastisches Materialverhalten ein. Erreicht ein Spannungszustand jedoch die
Anfangsfließfläche hat dies eine Verfestigung des Materials zur Folge. In ABAQUS wird
das Verfestigungsgesetz in tabellarischer Form angegeben, wobei jeweils der einaxialen
Fließspannung σc der zugehörige Wert der axialen Dehnung g1pl zugeordnet wird.

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Bild 6-11: Ansätze für Fließflächen beim extended Drucker-Prager Model

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Die folgenden Parameter werden für das extended Drucker-Prager-Modell benötigt:

Tabelle 6-3: Modellparameter des extended Drucker-Prager Modell

Extended Drucker-Prager
Einheit
ABAQUS Keyword Parameter Bestimmung
(Vorschlag)
*DENSITY γ (Wichte des Bodens) [kN/m³] Feldvers.
*INITIAL CONDITION K0 (Erdruhedruckbeiwert) [-] triax. Komp.
*ELASTIC E (Elastizitätsmodul) [kN/m²] triax. Komp.
*ELASTIC υ (Poissonzahl) [-] triax. Komp.
*POROUS ELASTIC pZug (Zugfestigkeit) [kN/m²] triax. Ext.
*INITIAL CONDITION e0 (Anfangsporenzahl) [-] Feldvers.
*DRUCKER PRAGER β (Konuswinkel) [°] triax. Komp.
*DRUCKER PRAGER HARD. d (Konusachsabschnitt) [kN/m²] triax. Komp.
*DRUCKER PRAGER HARD. σc (Fließspannung) [kN/m²] Einachs.
*DRUCKER PRAGER HARD. g1pl (plast. Dehnung) [-] Einachs.
*DRUCKER PRAGER K (Konusformfaktor) [-] triax. Komp.
+ triax. Ext.
*DRUCKER PRAGER ψ (Dilatanzwinkel) [°] triax. Komp.

triax. Komp. - triaxialer Kompressionsversuch


triax. Ext. - triaxialer Extensionsversuch
Einachs. - einaxialer Kompressionsversuch
Feldvers. - Feldversuche nach DIN-Normen

Der Konuswinkel β und der Konusachsabschnitt d können aus den Scherparametern φ und
c ermittelt werden. Dabei gilt für den Konusachsabschnitt:

 1 
d  1  tan    c (6-6)
 3 

mit
σc Einaxiale Fließspannung

Für den Konuswinkel β gilt, wenn der Reibungswinkel φ im Triaxialversuch ermittelt


wurde:

6  sin  cos   1 
  arctan und d  2  c   1   tan   (6-7)
3  sin  1  sin   3 

Alternativ können Konuswinkel und Konusachsabschnitt auch aus plane strain Versuchen
bestimmt werden. Dann muss allerdings unterschieden werden, ob es sich um assoziiertes
Fließen (ψ = ) handelt oder um nicht assoziiertes Fließen (ψ ≠ ). Für assoziiertes Fließen
gilt:

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3 sin  d 3 cos 
tan   und  (6-8)
1 c 1
1  sin ² 1  sin ²
3 3

und für nicht assoziiertes Fließen gilt:

tan   3 sin  und d  3 cos   c (6-9)

Der Konusformfaktor K liegt im Wertebereich 0,778 ≤ K ≤ 1,0 und kann aus den
Bruchgeraden für Kompression und Extension bestimmt werden. Die Bruchgeraden
können jeweils durch eine Serie von mindestens drei Triaxialversuchen bestimmt werden
(Bild 6-12).

qt
K (6-10)
qc

Der Dilatanzwinkel legt die Richtung der plastischen Dehnungsinkremente fest. Der
Dilatanzwinkel wird durch den Quotienten von plastischer Volumendehnung und
plastischer Scherdehnung im Triaxialversuch bestimmt zu:

 plv 1pl  2  3pl


tan    (6-11)
spl 2   pl   pl
3
 1 3
mit:
gv - Volumendehnungsinkrement
gs - Scherdehnungsinkrement
g1 - Dehnung in axialer Richtung
g3 - Dehnung in radialer Richtung

Die plastischen Anteile der Dehnungen lassen sich aus einem triaxialen
Kompressionsversuch mit Ent-/Wiederbelastungsschleifen ermitteln. Für assoziiertes
Fließen wird ψ =  gesetzt.

Der Dilatanzwinkel (ψ) kann aus einem triaxialen Kompressionsversuch bestimmt werden.
Hierzu wird die Volumendehnung der Probe über der Vertikaldehnung aufgetragen. Die
Steigung der Kurve ergibt den Dilatanzwinkel.

Das Verfestigungsgesetz wird durch die Beziehung zwischen den


Kompressionsfließspannungen in axialer Richtung σ1C und den dazugehörigen plastischen
Dehnungen in axialer Richtung g1pl festgelegt. Diese Werte werden aus triaxialen
Kompressionsversuchen mit Entlastungsschleifen gewonnen. Wenn keine vollkommenen
Entlastungsschleifen gefahren wurden, kann ersatzweise eine Sekante durch die Hysterese
gelegt werden, so dass auf der Abszisse die plastische Dehnung abgelesen werden kann
(Bild 6-12). Jeder Höchstspannung σc1 vor einer Entlastung wird die verbleibende
Dehnung (also die plastische Dehnung) g1pl bei vollständiger Entlastung zugeordnet.

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Bild 6-12: Bestimmung des Verfestigungsgesetzes

Für jede Hysterese kann ein Wertepaar (ci, ipl) abgelesen werden, das in tabellarischer
Form in ABAQUS eingegeben wird.

Für das extended Drucker-Prager Modell sind folgende Keywords in ABAQUS zu


verwenden:

*DRUCKER PRAGER
., K.,.
*DRUCKER PRAGER HARDENING
d., 0.
c1.,1pl.
c2.,2pl.
...

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Dem Keyword *DRUCKER PRAGER folgt als Datenzeile die Angabe des
Reibungswinkels β, des Formfaktors K und des Dilatanzwinkels ψ. Dem Keyword
*DRUCKER PRAGER HARDENING folgen Wertepaare der Fließspannung und der
plastische Dehnung, wobei in der ersten Datenzeile die plastische Dehnung gleich 0. sein
muss und die zugehörige Fließspannung gleich dem Konusachsabschnitt d ist.

Modified Drucker-Prager

Das modified Drucker-Prager Modell besteht im Wesentlichen aus zwei Hauptteilen, dem
Konus und der Kappe. Die gegenüber dem extended Drucker-Prager Modell hinzugefügte
Kappe trägt der Tatsache Rechnung, dass eine Steigerung der hydrostatischen Spannung
nicht nur elastische Verformungen hervorruft, sondern auch plastische
Volumenänderungen auftreten. Ein weiterer Bereich, die Übergangsfläche, schafft einen
stetigen und stetig differenzierbaren Übergang zwischen Konus und Kappe (Bild 6-13 und
6-14). Spannungspfade, die innerhalb der Fließflächen verlaufen, ergeben linear elastische
Verformungen. Berührt ein Spannungspunkt den Konus, reagiert das Stoffgesetz im
Gegensatz zum extended Drucker-Prager nicht verfestigend, sondern ideal-plastisch.
Berührt ein Spannungspfad hingegen die Kappe, wird diese verschoben und es kommt zu
einer Verfestigung. Fließen auf der Kappe verursacht eine Volumenverkleinerung
(Kontraktanz), damit geht eine Verschiebung der Kappe in Richtung hydrostatischer Achse
(Raumdiagonale im Hauptspannungsraum) einher, woraus eine Verfestigung resultiert.

Das Verfestigungsgesetz steuert das plastische Verhalten der Kappe, es wird durch den
Zusammenhang zwischen hydrostatischer Spannung und zugehöriger plastischer
Volumendehnung beschrieben und kann aus einem hydrostatischen Triaxialversuch mit
Entlastungsschleifen bestimmt werden. Für die numerische Berechnung in ABAQUS wird
dieser Zusammenhang als bereichsweise linearer Polygonzug angegeben. Die
Anfangsposition der Kappe, über die das Erst- und Wiederbelastungsverhalten gesteuert
wird, ist aufgrund der Vorbelastung, die der Boden erfahren hat, festzulegen. Bei
normalkonsolidierten Böden ist sie gleich der Überlagerungsspannung.

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Bild 6-13: Fließfläche im Hauptspannungsraum

Bild 6-14: Fließfläche in der p-t Ebene

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Die folgenden Parameter werden für das modified Drucker-Prager-Modell benötigt:

Tabelle 6-4: Modellparameter des modified Drucker-Prager Modells

Modified Drucker-Prager
Einheit
ABAQUS Keyword Parameter Bestimmung
(Vorschlag)
*DENSITY γ (Wichte des Bodens) [kN/m³] Feldvers.
*INITIAL CONDITION K0 (Erdruhedruckbeiwert) [-] triax. Komp.
*ELASTIC E (Elastizitätsmodul) [kN/m²] triax. Komp.
*ELASTIC υ (Poissonzahl) [-] triax. Komp.
*POROUS ELASTIC pZug (Zugfestigkeit) [kN/m²] triax. Ext.
*INITIAL CONDITION e0 (Anfangsporenzahl) [-] Feldvers.
*CAP PLASTICITY β (Konuswinkel) [°] triax. Komp.
*CAP PLASTICITY d (Konusachsabschnitt) [kN/m²] triax. Komp.
*CAP HARDENING gvpl (plast. Vol.-Dehnung) [-] hydr. Triax.
*CAP HARDENING pb (hydrostatische Spannung) [kN/m²] hydr. Triax.
*CAP PLASTICITY K (Konusformfaktor) [-] triax. Komp. +
triax. Ext.
*CAP PLASTICITY R (Kappenformfaktor) [-] 0≤R≤1
*CAP PLASTICITY α (Konus-Kappen- [-] 0 ≤ α ≤ 0,05
Übergangsfaktor)

triax. Komp. - triaxialer Kompressionsversuch


triax. Ext. - triaxialer Extensionsversuch
hydr. Triax. - hydrostatischer triaxialer Kompressionsversuch
Einachs. - einaxialer Kompressionsversuch
Feldvers. - Feldversuche nach DIN-Normen

Der Konuswinkel β, der Konusachsabschnitt d und der Konusformfaktor K können aus den
Scherparametern φ’ und c’ wie beim extended Drucker-Prager Modell ermittelt werde.

Durch das Verfestigungsgesetz wird die Beziehung zwischen plastischer Volumendehnung


(gvpl) und hydrostatischer Spannung (pb) beschrieben. Dieser Zusammenhang lässt sich aus
hydrostatischen Triaxialversuchen mit vollkommenen Entlastungsschleifen bestimmen
(Bild 6-15). Jeder Höchstspannung pb1-5 vor einer Entlastung wird die verbleibende
Dehnung (also die plastische Dehnung) gv1-5pl vor erneuter Wiederbelastung zugeordnet.

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Bild 6-15: Auswertung einer hydrostatischen Versuchsserie an Sand

Die Wertepaare werden in tabellarischer Form in ABAQUS eingegeben.

Die Parameter R und α, die die Form der Kappe und die Größe der Übergangsfläche
festlegen, sind nur sehr schwer aus Laborversuchen direkt zu bestimmen. In der Regel
werden sie durch Nachrechnungen von Triaxialversuchen bestimmt.

Für das modified Drucker-Prager Modell sind folgende Keywords in ABAQUS zu


verwenden:

*CAP PLASTICITY
d., ., R., volpl|0.,.,K.

*CAP HARDENING
pb1.,v1pl.
pb2.,v2pl.

Dem Keyword *CAP PLASTICITY folgt eine Datenzeile mit den Angaben:
Konusachsabschnitt d, Konuswinkel β, Kappenformfaktor R, Anfangsposition der Kappe
εvpl, Konus-Kappen-Übergangsfaktor α, Konusformfaktor K. Dem Keyword *CAP
HARDENING folgen je Datenzeile Wertepaare mit dem hydrostatischen Druck an der
Position der Kappe (pb) und der zugehörigen plastischen Volumenverformung (vpl).

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6.6 Entfestigendes Materialverhalten (linear elastic softening plastic)

Eine dritte Klasse von plastischen Materialverhalten ist das entfestigende


Materialverhalten, bei dem die Fließspannung bei zunehmender Belastung abnimmt und
nicht zunimmt (Bild 6-16). Zu Beginn und während Ent- und Wiederbelastungsvorgängen
reagiert das Materialgesetz, wie bei den vorhergehenden Stoffgesetzen, linear elastisch.
Solche Stoffgesetze werden auch „linear elastic softening material“ genannt.

Bild 6-16: Linear elastisches plastisch entfestigendes Materialverhalten

Solche Stoffgesetze werden in der Geotechnik eher selten angewendet. Ein Beispiel für
eine Anwendung soll anhand des Scherversuchs dargestellt werden. Im Bild 6-17b ist das
typische Verhalten eines dicht gelagerten Sandes im Scherversuch dargestellt. Dieses nach
der Bruchspannung deutlich entfestigende Verhalten kann recht gut mit einem strain
softening Modell wiedergegeben werden. Interessant ist eine solche Modellierung
insbesondere dann, wenn die Kenntnis und Modellierung der Restscherfestigkeit von
Interesse sind. Es ist allerdings anzumerken, dass es sich bei Berechnungen, die mit der
Restscherfestigkeit durchgeführt werden sollen, um Modellierungen mit relativ großen
Verformungen handelt. Die Bestimmung großer Verformungen führt aber häufig in der
Methode der Finiten Elemente zu erheblichen numerischen Schwierigkeiten.

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a) Entfestigendes Stoffgesetz b) Scherversuch

Bild 6-17: Vergleich von Stoffgesetz und Versuchsergebnis

In ABAQUS können entfestigende Stoffgesetze im Prinzip mit den auf Drucker-Prager


basierenden Modellen abgebildet werden. Es muss dabei eine Entfestigungsfunktion
bestimmt werden. Dies geschieht analog den oben beschriebenen Methoden zur
Bestimmung einer Verfestigungsfunktion. Die Wertepaare werden analog unter dem
Keyword *DRUCKER PRAGER HARDENING angegeben.

6.7 Modellierung von Laborversuchen mit der FEM

6.7.1 Ödometerversuch

Bei dem Ödometerversuch handelt es sich um einen Versuch, der durch einen starren
Rand, eine starre Bodenplatte und einer vertikal verschieblichen Kopfplatte begrenzt wird.
Die Probe ist zylinderförmig und wird deshalb am besten in einem rotationssymmetrischen
Koordinatensystem abgebildet. Der eingebaute Boden kann sich nur gleichmäßig, also
homogen verformen und kann auch keine Scherflächen ausbilden. Es handelt sich um
einen Elementversuch. Die Messwerte (Belastung und vertikale Verformung) werden
außerhalb der Probe abgegriffen. Dieser Versuch kann aufgrund der Randbedingungen mit
einem Element, das unten und seitlich gehalten wird abgebildet werden. Oben wird das
Element durch eine Spannungs- oder Verschiebungsrandbedingung belastet. Die
Spannungen und Dehnungen im Element entsprechen den im Versuch gewonnenen
Messwerten. Das Eigengewicht und die Erdbeschleunigung brauchen i.d.R. nicht
berücksichtigt werden, da ihr Beitrag zu den Spannungen in der Probe nur gering ist.

6.7.2 Triaxialversuch

Die Triaxialprobe wir durch die Fußplatte vertikal gehalten. In horizontaler Richtung wird
eine Spannung auf die Probe aufgegeben und die Kopfplatte wird vertikal belastet. Die
Probe ist zylinderförmig und wird deshalb am besten in einem rotationssymmetrischen
Koordinatensystem abgebildet.

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 6-21

Die Messwerte werden bei der Versuchsdurchführung häufig als integrale Messwerte
außerhalb der Probe ermittelt. So werden beim konventionellen Triaxversuch die
Belastung durch eine außerhalb der Zelle angebrachte Kraftmessdose, die
Vertikalverschiebung anhand der Druckstempelverschiebung und die Volumenänderung
durch die Messung des ein- und ausströmenden Zellwassers ermittelt. Da bei einer solchen
Versuchsanordnung davon ausgegangen werden muss, das die ermittelten Werte überall in
der Probe gleich groß sind, wird der Triaxialversuch oft als Elementversuch bezeichnet
und auch so abgebildet, also mit einem Element mit unverschieblichen unteren Rand,
Kraftrandbedingung an den seitlichen Rändern und Belastung auf den oberen Rand.

Genauer ist es, den Triaxialversuch durch drei unterschiedliche Teile abzubilden: der
Kopfplatte, dem Probekörper und der Fußplatte. Die Fußplatte wird als unverschieblich
angenommen, auf die Kopfplatte wird die vertikale Last oder Verschiebung aufgebracht
und auf den äußeren Rand des Probekörper wirkt der Zelldruck als
Spannungsrandbedingung. Zwischen diesen Teilen sollte eine Kontaktfläche mit einem
Reibungsansatz definiert werden. Jedes dieser Teile muss durch eine ausreichende Anzahl
von Elementen abgebildet werden. Ob das Eigengewicht der Probe und die
Erdbeschleunigung angesetzt werden müssen, hängt von den Randbedingungen
insbesondere von der Größe der Probe und dem Zelldruck ab.

Während bei einem Probekörper von 7 cm Höhe und einem Zelldruck (kleinste
Hauptspannung) von 500 kN/m² die Änderung der aus Eigengewicht resultierenden
Spannung im Verhältnis zur kleinsten Hauptspannung vernachlässigbar klein ist, so spielt
sie doch bei einem Probekörper von 20 cm Höhe und einem Zelldruck von 50 kN/m² eine
nicht zu vernachlässigende Rolle. Unter Annahme einer Wichte von 20 kN/m³ wirkt auf
die Unterkante der Probe eine um 4 kN/m² (20%) höhere vertikale Spannung gegenüber
der Oberkante alleine aus Eigengewicht der Probe. Der Zelldruck – wenn die Zelle mit
Wasser gefüllt ist – steigt über die Probenhöhe um 2 kN/m² (20%) an. In einem solchen
Fall würde die Vernachlässigung des Eigengewichts also einen Fehler von 20% im
initialen Spannungszustand bedeuten.

Meist kann mit einer FEM-Simulation der Belastungsvorgang nur bis kurz vor den Bruch
(Scherflächenbildung) abgebildet werden. In der Scherfläche entstehen große plastische
Inkremente und große Verschiebungen, die i.d.R. zu Konvergenzproblemen führen. Eine
Möglichkeit weiter zu rechnen besteht darin, dass im Bereich der Scherfläche das Netz
feiner diskretisiert wird. Da der Ort der Entstehung einer Scherfläche aber nicht vorher zu
sagen ist, würde hier nur eine adaptive Netzverfeinerung weiterhelfen, die in ABAQUS
nicht zur Verfügung steht.

Solange die Probe sich homogen verhält, ist die Modellierung als rotationssymmetrischer
Körper eine sinnvolle Vereinfachung. Sobald sich eine Scherfläche ausbildet, geht
allerdings die Symmetrie verloren, so dass der Versuch dann als 3D-Modell abgebildet
werden muss.

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6.7.3 Einaxialversuch

Der Einaxiale Druckversuch ist im Prinzip wie der triaxiale Druckversuch zu modellieren,
allerdings wird keine oder nur eine geringe horizontale Stützung auf den seitlichen Rand
aufgebracht. Beim Einaxialversuch werden die Einschränkungen der Modellierbarkeit
deutlicher als beim Triaxialversuch. Der Einaxialversuch wird im Labor meist
kraftgesteuert durchgeführt, dabei kommt es dann beim Erhöhen der Laststufen plötzlich
zum Versagen der Probe, es bildet sich eine Scherfläche aus. Die beim Versagen der Probe
entstehenden großen Verformungen lassen sich mit der FEM kaum abbilden, das heißt,
dass die Berechnung nur bis kurz vor dem Bruch durchgeführt werden kann.

6.7.4 Rahmenscherversuch

Der Rahmenscherversuch kann als plane strain Modell abgebildet werden. Da sich eine
erzwungene Scherfläche zwischen dem oberen und unteren Rahmen des Schergerätes
ausbildet, gelten für die Modellierbarkeit die schon beim Triaxialversuch und Einaxial-
versuch genannten Einschränkungen, allerdings mit dem Vorteil, dass man den Ort, an
dem sich die Scherfläche ausbildet, kennt. Mit einer entsprechenden Netzeinteilung in dem
Bereich der Scherfläche lässt sich der Scherversuch bis nahe an den Bruch heran
modellieren. Im FEM-Modell werden der untere Rand und die beiden unteren Hälften der
Seitenränder als unverschieblich modelliert, die oberen Hälften der Seitenränder werden
als Randbedingung verdrehungsfrei gehalten und in horizontaler Richtung parallel
verschoben, der obere Rand der Probe wird mit einer Spannungsrandbedingung
entsprechend der Auflast versehen.

6 Parameteridentifikation 24.10.2012
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7 Einführung in das Finite-Element-Programm ABAQUS

7.1 Benutzeroberfläche
Die Benutzeroberfläche des Finite-Element-Programms ABAQUS ist in Bild 7-1
dargestellt:

Bild 7-1: Benutzeroberfläche

Die wesentlichen Bereiche der Benutzeroberfläche sind:

Title bar: Auf der Titelleiste wird die aktuelle Version und der Verzeichnispfad der
geöffneten Datei.

Menue bar: In der Menüleiste können die verschiedenen Modellierungs- und


Auswertungsoptionen ausgewählt werden.

7 Einführung in das Finite-Element-Programm Abaqus 27.06.2013


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Toolbar: In der Werkzeugleiste sind die wichtigsten Funktionen für die


Darstellung und Ansicht enthalten.

Context bar: In der Kontextzeile kann innerhalb eines Projektes zwischen


Modul, Parts und Model gewählt werden.

Toolbox Area: Über die Werkzeugleiste erhält man Zugriff auf einzelne
Werkzeuge. Hält man den linken Mausknopf gedrückt, zeigt
sich eine Auswahl der einzelnen Werkzeugfunktionen.

Model Tree/Results Tree: Innerhalb dieser Baumstruktur lässt sich zwischen den einzelnen
Komponenten und Einstellungsmöglichkeiten wechseln.

Viewport: Im Arbeitsfenster wird das Modell grafisch dargestellt.

Message Area: In diesem Fenster werden Statusinformationen und Warnungen


ausgegeben. Ältere Informationen werden gespeichert und
könne später erneut angesehen werden. Während der
Berechnung eines Jobs, werden dort aktuelle Nachrichten über
den Fortgang des Jobs ausgegeben.

Folgende Eingabe-, Berechnungs- und Auswertungsschritte („Module“) sind zu


bearbeiten:

Module Erklärung
PART Erstellung der Geometrie des Körpers.
PROPERTY Eingabe der Materialeigenschaften
und Zuweisung zu Regionen der
Parts; ggf. Angabe von Querschnitten.
ASSEMBLY Zusammenfügen der Parts zu einem
Modell.
STEP Festlegung von Reihenfolge und Art
der Belastungsstufen.
INTERACTION Festlegung mechanischer und
thermischer Wechselwirkungen
LOAD Festlegung von Randbedingungen und
Lastfällen.
MESH Generierung des FE-Netzes
JOB Eingabe, Auslösen und überwachen
einer Berechnung.
VISUALIZATION Ausgabe und Darstellung von
Berechnungsergebnissen.

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 7-3

7.2 Anwendungsbeispiel

Im Folgenden wird der Umgang mit den einzelnen Modulen anhand eines Beispiels erklärt
(siehe Bild 7-2):

- Erstellung eines unendlich ausgedehnten Streifenfundamentes in 2D


- Auswertung der Sohlspannungsverteilung und Darstellung einer Last-Setzungs-
Linie des Fundamentes.

Bild 7-2: Modellskizze

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 7-4

Materialparameter:

Ton: Elastizitätsmodul 5000 MN/m²


Wichte 19 kN/m³
Poissonzahl 0,25
Konuswinkel 37,67 kN/m²
Konusachsabschnitt 42,42 kN/m²
Übergangsfaktor Konus-Kappe 0,1
Formfaktor Konus 0,795
Formfaktor Kappe 0,01
Initiale Kappenposition 0,001

Verfestigungsfunktion:

Belastung Dehnung
[kN/m²] [%]
1. 10 0,0
2. 50 0,04
3. 100 0,06
4. 500 0,30
5. 1000 0,39
6. 2000 0,48
7. 3000 0,51
8. 4000 0,58
9. 4500 0,60

Fundament (Beton):
Elastizitätsmodul 30000 MN/m²
Wichte 25 kN/m³
Poissonzahl 0,25

Auflast q: 500 kN/m in Längsrichtung (auf


den Querschnitt gleichmäßig
verteilt)

Als erstes wird der Boden erstellt. Hierzu wird mit Hilfe des „Part Managers“ ein
Bodenkörper mit den Maßen von 20,0 m x 25,0 m erstellt. Um den Bereich des
Fundamentes einzuzeichnen, wählt man in der Menüleiste unter Tools „Partition“ aus. Nun
öffnet sich ein Fenster mit dem Namen „Create Partition“, darin wählt man Face und
Sketch aus. Nun kann man den Fundamentbereich mit Maßen von 4,0 m x 1,0 m erstellen
(siehe Bild 7-3).

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Bild 7-3: Partitionierter Bodenkörper

Anschließend wird im Modul Assembly über „Instance Part“ eine neue Instanz erstellt,
diese ist independent, d.h. die Instanz ist unabhängig von den einzelnen Parts im Part-
Modul.

Anschließend werden im Part-Modul unter „Set Manager“ folgende Sets definiert:


Fundament, Aushub und Boden (siehe Bild 7-4).

Bild 7-4: Strukturbaum

Im Mesh-Modul wird ein quadratisches Netz mit einer Elementlänge und -breite von
jeweils 1,0 m generiert.

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Unter „Assign Mesh Controls“ soll das Netz quadratisch strukturiert vernetzt werden.
Dazu werden das gesamte Netz markiert und unter „Element Shape“ den Punkt Quad und
Structured gewählt (siehe Bild 7-5).

Bild 7-5: Modellkörper (grün ausgefüllt): Quadratische Elemente möglich

Unter „Assign Element Type“ wird den einzelnen Elementen noch ein Elementtyp
zugewiesen. Hierzu wird nach markieren des gesamten Modells unter Family Plane Strain
ausgewählt. Reduced Integration ist in diesem Fall auszuschalten (siehe Bild 7-6).

Bild 7-6: Dialogbox „Element Type“

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Mit Mesh Part wird nun ein Netz erzeugt und dargestellt (siehe Bild 7-7).

Bild 7-7: Erstelltes FE-Netz

Mit „Create Mesh Part“ wird ein zweiter Part mit dem Namen Part-1-mesh-1 erzeugt.

In diesem neuen Part werden drei neue Sets erzeugt. Den Sets Boden, Aushub und
Fundament werden die jeweiligen Elemente zugeordnet (siehe Bild 7-8).

Bild 7-8: Dialog Box „Create Set“

Anschließend wird der „Part-1-mesh-1“ kopiert und jeweils in „Fundament_mesh“ und


„Boden_mesh“ umbenannt (siehe Bild 7-9).

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Bild 7-9: Strukturbaum für erzeugten, neuen Modellkörper

Nun werden die nicht benötigten Sets und Elemente gelöscht. Im „Fundament_mesh“
erfolgt das Löschen der Sets, indem man die nicht benötigten Elemente ein-/ ausblendet.
Das Ausblenden von einzelnen Elementen erfolgt über den „Display Group Manager“ mit
dem Befehl Pick from viewport. Es werden die Elemente des Fundaments markiert und der
mit Remove ausgeblendet (siehe Bild 7-10). Die verbleibenden Elemente können gelöscht
werden.

Bild 7-10: Dialogbox „Create Display Group“

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Bild 7-11: Fundament ausgeblendet

Das Löschen der Elemente erfolgt über den Befehl „Edit Mesh“ und der Auswahl Element
und Delete. Hierzu werden alle verbliebenen Elemente markiert. Nun werden mit Hilfe des
„Display Group Manager“ die vorher ausgeblendeten Elemente wieder eingeblendet (siehe
Bild 7-12).

Bild 7-12: Einblenden aller Elemente

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Bild 7-13: Verbleibende Elemente des Fundamentes

Im Assembly-Modul werden nun die alte Instance gelöscht und zwei neue Instancen
erstellt. Diese werden in „Fundament“ und „Boden“ umbenannt. Die zwei Instancen
„Fundament“ und „Boden“ müssen nun zu einer Instance verbunden werden. Hierzu wird
unter „Merge/Cut Instance“ das gesamte Modell markiert (siehe Bild 7-14). Es entsteht so
ein neuer Part, der in „System_mesh“ umbenannt wird. Die alten Instancen werden
gelöscht.

Bild 7-14: Dialogbox „Merge/Cut Instances“

Im Anschluss werden nun im Property-Modul die Eigenschaften des Tones und des Betons
spezifiziert und dem jeweiligen Elementen zugewiesen. Dies geschieht mit dem „Material
Manager“ (siehe Bild 7-15).

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Bild 7-15: Dialogbox „Edit Material“

Für den Ton werden unter Cap plasticity und unter Cap Hardening die weiteren Parameter
eingegeben (siehe Bild 7-16).

Bild 7-16: Parametereingabe für den Ton

Mit dem „Section Manager“ wird den Materialien „Ton“ und Beton“ jeweils eine Region
zugewiesen (siehe Bild 7-17). Es werden eine Region „Fundament“ und eine Region
„Boden“ erstellt, die vom Typ Solid, Homogeneous sind und dem jeweiligen Material
zugeordnet werden.

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Bild 7-17: Zuordnung von Regionen und Materialien

Mit dem „Assign Section Manager“ werden dem Fundament und dem Boden die
zugehörigen Elemente zugeordnet. Die Elemente werden markiert und einer Section
zugordnet (siehe Bild 7-18). Hier erleichtert sich die Zuordnung der Materialien ebenfalls
durch ein- und ausblenden der einzelnen Elemente.

Bild 7-18: Dialogbox „Edit Section Assignment“

Im weiteren Schritt werden im Step-Modul mit dem „Step Manager“ die einzelnen
Belastungsschritte aufgetragen. Der erste Step gibt den Primärspannungszustand an, dieser
ist Geostatic.

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Der Step „EinbauFundament“ und „BelastungFundament“ ist Static/General. NlGeom


muss in allen drei Steps auf ON gestellt sein (siehe Bild 7-19).

Bild 7-19: Definition der Belastungsschritte

Der Aushub des Bodens und das Einbringen des Fundamentes muss mit Hilfe des
Keyword-Editors simuliert werden.

 
Screenshot:
Primärspannungszustand:

*Model Change, Remove


System_mesh-1.Fundament

EinbauFundament:

*Model Change, Remove


System_mesh-1.Aushub

*Model Change, Add


System_mesh-1.Fundament

Der Initiale Spannungszustand wird im Keyword-Editor folgendermaßen eingegeben:

*Initial Conditions, Type=Stress, geostatic


System_mesh-1.Boden,0,25,-475,0,0.5

Screenshot:

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0 475 σ [kN/m²]
Die Zahlen bedeuten: 0
0 = Vertikalspannung an Oberkante Modell
25 = Oberkante Modell
-475 = Vertikalspannung an Unterkante Modell
0 = Unterkante Modell 25
0,5 = Seitendruckverhältnis im Erdruhezustand
z [m]

Bei 2-dimensionalen Simulationen ist die vertikale Spannung in y-Richtung definiert. Bei
3-dimensionalen Simulationen ist die vertikale Spannung in z-Richtung definiert. Ggf. ist
das Modell bei 3-dimensionalen Simulationen entsprechend zu drehen.

Alternativ kann die Eingabe im Load Manager über das Predefined Field (geostatic stress)
erfolgen (siehe Bild 7-20).

Bild 7-20: Dialogbox „Edit Predefined Field“

Im Load-Modul werden nun die kinematischen und dynamischen Randbedingungen


definiert.

Im Load Manager wird die Gravitation im Primärzustand definiert. Component 2 ist die
Richtung der Schwerkraft und wird mit -10 angegeben (siehe Bild 7-21).

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 7-15

Bild 7-21: Dialogbox „Create Load“ und „Edit Load“

Für die Belastung des Fundamentes werden mehrere Einzellasten auf das Fundament
aufgetragen. Dies geschieht durch Markierung des oberen Randes des Fundaments.

Bild 7-22: Definition Belastung des Fundaments

Mit dem „Boundary Condition Manager“ werden die Randbedingungen für das Modell
definiert (siehe Bild 7-23). Der untere Rand wird in die Richtung U2 und der Linke und
Rechte Rand in die Richtung U1 gehalten.

x-Achse = 1
y-Achse = 2

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 7-16

Bild 7-23: Definition der Randbedingungen

Das fertige Modell zeigt Bild 7-23:

Bild 7-24: Fertiges Modell

Am Ende wird im Job-Modul mit Hilfe des „Job Managers“ ein neuer Berechnungsauftrag
erstellt (siehe Bild 7-25).

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 7-17

Bild 7-25: Dialogbox „Edit Job“

Im „Job-Monitor“ kann der Verlauf der Berechnung nachvollzogen werden (siehe


Bild 7-26).

Bild 7-26: Berechnungsverlauf im Job-Monitor

Im Modul Visualization können die Ergebnisse graphisch dargestellt werden. Unter Report
Field Output kann zwischen verschiedenen Ergebnisdarstellungen gewechselt werden.
Bild 7-27 zeigt die Verteilung der Vertikalspannung S22 im Primärspannungszustand.

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 7-18

Bild7-27: Darstellung Primärspannungszustand

Bild 7-28: Fundament ohne (links) und mit Belastung (rechts)

Über die Menue bar kann unter „Tools“ die Dialog-Box „Query“ aufgerufen werden. Über
das Visualization Modul „Query“ Probe values lassen sich nach Definition des
gewünschten Berechnungssteps, der Ergebnisvariablen und eventueller
Zusatzinformationen Ergebnisgrößen an den Knoten- bzw. Integrationspunkten des
Modells anzeigen, indem mit dem Mauszeiger der jeweilige Knoten bzw. das jeweilige
Element ausgewählt wird (siehe Bild 7-29).

7 Einführung in das Finite-Element-Programm Abaqus 27.06.2013


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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 7-19

Bild 7-29: Dialogbox „Probe Values“

Um sich die Sohlspannungsverteilung bei Belastung unterhalb des Fundamentes anzeigen


zu lassen, wird mit Hilfe von „Create Display Group“ nur der Boden eingeblendet, bzw.
die Fundamentplatte ausgeblendet (siehe Bild 7-30).

Bild 7-30: Fundament ausgeblendet

Mit Hilfe des „PATH-Managers“ wird nun, wie in Bild 7-31 zu sehen, ein neuer
Auswertungspfad durch das Modell gelegt. Es werden die entsprechenden Knoten
markiert.

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Bild 7-31: Dialogbox „Edit Node List Part“

Mit dem „X-Y-Manager“ wird der vorher erstellte Pfad aufgerufen und ausgewertet (siehe
Bild 7-32).

Bild 7-32: Dialogbox „Create XY Data“ und „XY Data from Path“

Über drücken des Buttons Plot erscheint nun ein Diagramm in dem die Ergebnisgrößen
dargestellt werden (siehe Bild 7-33).

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 7-21

Bild 7-33: Plot Sohlpannungsverteilung

Um eine Last-Setzungslinie des Fundaments zu erstellen wird über „Create Display


Group“ der Boden ausgeblendet. Mit dem „X-Y-Data-Manager“ wird unter „Source“ ODB
field output ausgewählt und die Verschiebung in vertikaler Richtung ausgewählt (siehe
Bild 7-34).

Bild 7-34: Dialogbox „XY Data from ODB Field Output“

Unter „Element/Nodes“ wird der Mittelpunkt unter dem Fundament ausgewählt. In


Steps/Frames werden, wie in Bild 7-35, alle Steps aktiviert.

7 Einführung in das Finite-Element-Programm Abaqus 27.06.2013


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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 7-22

Bild 7-35: Dialogbox „Active Steps/Frames“

Bild 7-36: Plot der Setzungen

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 7-23

7.3 Beispiel zur Modellierung von Kontaktflächen

Eine Möglichkeit das Kontaktverhalten zu simulieren, ist die Definition von


Kontaktflächen. Hierbei wird in ABAQUS das sogenannte Master-Slave Konzept
verwendet (siehe Bild 7-37).

Bild 7-37: Master-Slave Konzept

Diese Simulation wird am Beispiel, das in Bild 7-37 dargestellt ist, erklärt:

Bild 7-38: Systemskizze

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 7-24

Materialparameter:

Ton: Elastizitätsmodul 5000 MN/m²


Wichte 19 kN/m³
Poissonzahl 0,25

Fundament (Beton): Elastizitätsmodul 30000 MN/m²


Wichte 25 kN/m³
Poissonzahl 0,25

Als erstes werden zwei Parts „Boden“ und „Fundament“ erstellt (siehe Bild 7-39).

Bild 7-39: Dialogbox „Part Manager“

Im Property-Modul werden nun wie im Beispiel zuvor die Eigenschaften des Tones und
des Betons festgelegt.

Anschließend wird im Modul Assembly über „Instance Part“ eine neue Instanz erstellt,
diese ist dependend.

Bild 7-40: Modellkörper

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 7-25

Die richtige Anordnung von Boden und Fundament ist im Bild 7-41 zu sehen und erfolgt
ebenfalls im Assembly-Modul mit „Translate Instance“. Hierbei wird das zu
verschiebende Part ausgewählt und die Stelle markiert, an dem das Part verschoben werden
soll. Alternativ können auch die Koordinaten angegeben werden.

Bild 7-41: Fundament und Boden angeordnet

Im Modul Interaction werden die Kontaktbedingungen zwischen Boden und Fundament


definiert. Hilfreich ist es hierbei, wenn das Fundament oder der Boden ausgeblendet wird.

Unter „Constraint Manager“ wird „Tie“ ausgewählt und danach die Master-Surface
ausgewählt.

Die Master-Surface ist am starren unteren Rand des Fundaments angebracht (siehe
Bild 7-42).

Bild 7-42: Markierung der Master-Surface

Für die Slave-Surface werden der Boden wieder eingeblendet und das Fundament
ausgeblendet. Alle Knoten des angrenzenden weicheren Bodens die mit der Fläche in
Kontakt treten können, werden als Slave-Knoten bezeichnet und in einem entsprechenden
Knotensatz zusammengefasst (siehe Bild 7-43). Fundamentelemente und die angrenzenden
Bodenelemente haben daher eigene Knoten.

7 Einführung in das Finite-Element-Programm Abaqus 27.06.2013


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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 7-26

Bild 7-43: Markierung der Slave-Surface

Bild 7-44: Master-Slave-Surface

Im Step Modul wird mit dem „Step Manager“ der Belastungsschritt der
Fundamentherstellung erzeugt. Dieser ist Static/General. NlGeom muss auf ON gestellt
sein.

Die Randbedingungen werden analog zum ersten Beispiel definiert, man sollte nur
beachten, dass das System nun nicht mehr achsensymmetrisch ist. Es muss daher noch eine
Randbedingung für den linken Rand definiert werden.

Im Mesh Modul wird ein Netz erzeugt. Der Boden ist in ein gröberes Netz unterteilt als
das Fundament.

7 Einführung in das Finite-Element-Programm Abaqus 27.06.2013


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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 8-1

8 Modellierung geotechnischer Konstruktionselemente (Pfähle)


Als ein erstes Anwendungsbeispiel soll im Folgenden die
numerische Simulation des Tragverhaltens eines Bohr-
pfahles vorgestellt werden. Pfähle dienen u.a als
Gründungselemente, um Bauwerkslasten in tieferliegende
tragfähige Baugrundschichten zu übertragen. Prinzipiell
muss zwischen unterschiedlichen Pfahlmaterialien (Holz,
Stahl, Stahlbeton und Spannbeton) und Herstellungs-
prozessen unterschieden werden. In Bezug auf die
Herstellung erfolgt eine Einteilung der Pfähle in Bohrpfähle
mit Bodenentnahme und Verdrängungspfähle ohne
Bodenentnahme (Zilch et al.). Der Herstellungsprozess
kann in die drei Verfahrensschritte Bohren, Bewehren und
Betonieren aufgeteilt werden. Zur speziellen Simulation
von Schneckenbohrpfählen (screwed piles) oder
Verdrängungspfählen (displacement piles) sowie
komplexere Pfahlgründungen und Kombinierten Pfahl-
Plattengründungen (KPP) sei auf die entsprechenden Bild 8-1: Herstellung eines
Arbeiten des Institutes für Geotechnik der TUD verwiesen Schneckenbohrpfahles
(Hanisch et al. 2002),
(el-Massallamy 1996), (Holzhäuser 1998), (Reul 2000),
(5th Framework).

Das im Rahmen dieser Vorlesung vorgestellte Strukturmodell für einen einzelnen


Bohrpfahl basiert auf der Annahme eines homogenen und isotropen Bodens und eines
geometrisch allseitig gleich ausgebildeten Pfahles. Zum Einsatz kommt ein
axialsymmetrisches Finite Element Netz.

8.1 Das Tragverhalten von Pfählen


Bei allen Pfahltypen kann zwischen der inneren und der äußeren Tragfähigkeit
unterschieden werden. Für den Nachweis der inneren Tragfähigkeit wird geprüft, ob ein
Pfahl die einwirkenden Belastungen in allen Bauzuständen schadensfrei in den Baugrund
übertragen kann. Für den Nachweis der äußeren Tragfähigkeit ist zu überprüfen, ob die
Festigkeits- und Verformungseigenschaften des Bodens ausreichen, um die Pfahllasten
ohne unzulässig hohe Setzungen in den Baugrund einzuleiten. Der Lastabtrag erfolgt dabei
bei Pfählen über den Pfahlschaft (Mantelreibung) und den Pfahlfuß (Spitzenwiderstand). Je
nach Pfahltyp, Abmessung und Eigenschaften des umgebenden Bodens kann der Anteil der
Mantelreibung bzw. des Spitzenwiderstandes überwiegen. Um dem unterschiedlichen
Tragverhalten der Pfähle Rechnung zu tragen, kann eine Klassifizierung in Reibungspfähle
und Spitzendruckpfähle erfolgen (Bild 8-3a).

Als Mantelreibung werden die Schubspannungen zwischen der Mantelfläche des Pfahles
und des umgebenden Bodens bezeichnet. Der Spitzenwiderstand wird über die
Sohlspannung unter dem Pfahlfuß definiert. Die Art der Lastabtragung kann wie in Bild 8-
2 beispielhaft dargestellt anhand der Last-Setzungslinie wiedergegeben werden.

8 Modellierung geotechnischer Konstruktionselemente (Pfähle) 29.10.2012


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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 8-2

Mantelreibungspfähle können bei vergleichbar kleinen Setzungen Lasten bis zum


Erreichen des Bruchwertes der Mantelreibung aufnehmen. Nach Überschreiten des
Bruchwertes treten große Verformungen nahezu ohne weitere Laststeigerung auf. Im
Gegensatz dazu reagiert ein Spitzendruckpfahl bei Belastung sofort mit Setzungen.

Die Form der Last-Setzungslinie ist neben der Art der Lastabtragung von den
Bodeneigenschaften, den Grundwasserverhältnissen, der Pfahlgeometrie und der
Einbindung in tragfähige Schichten abhängig.

Bild 8-2: Einzelpfahl und typische Last-Setzungslinie (Quelle DIN 4014)

Wie in Bild 8-3c dargestellt treten z.B. bei locker gelagerten nichtbindigen Böden
erheblich größere Setzungen auf als in entsprechenden Böden mit höherer

Lagerungsdichte.
Bild 8-3: Pfahltragfähigkeiten in Abhängigkeit von Pfahltyp und Bodenverhältnissen (Rollberg
1976)

Der Unterschied zwischen Bohrpfählen mit Bodenentnahme und Verdrängungspfählen ist


in Form von Last-Setzungslinien in Bild 8-3b dargestellt. Weitere Erläuterungen und
Tragfähigkeitsvergleiche zwischen Bohrpfählen und Verdrängungspfählen können (Bruns
1998) entnommen werden.

8 Modellierung geotechnischer Konstruktionselemente (Pfähle) 29.10.2012


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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 8-3

8.2 Das Tragverhaltens von Einzelpfählen

Als Beispiel soll ein numerisches Modell für einen Einzelpfahl in


ABAQUS entwickelt werden. In Bild 8-4b ist die Form zweier
typischer Probepfähle nach dem Freilegen dargestellt. In Bild
8-4a sind beispielhaft die Last-Setzungslinien aus einem der
Pfahltests aufgetragen.

Bild 8-4a: Last-Setzungslinie aus einem Pfahltest Bild 8-4b: Schneckenbohrpfal


in locker bis mitteldicht gelagerten Sanden

Die dargestellten Pfähle wurden in einem mit Sand gefüllten Versuchskasten hergestellt.
Im Folgenden werden die einzelnen Teilschritte, die für die Erstellung eines
entsprechenden numerischen Modells erforderlich sind, für einen Einzelpfahl vorgestellt.
Ergänzend werden zu den in vorherigen Kapiteln behandelten Befehlsstrukturen neue
Befehle und die Umsetzung in den Programmcode von ABAQUS dargestellt.

8 Modellierung geotechnischer Konstruktionselemente (Pfähle) 29.10.2012


Prof. Dr.-Ing. Rolf Katzenbach  Direktor des Institutes und der Versuchsanstalt für Geotechnik der TU Darmstadt

Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 8-4

8.3 Strukturmodell

Das Strukturmodell setzt sich aus dem diskretisierten Modell für den Boden und den
Einzelpfahl zusammen. Neben dem eigentlichen geometrischen Modell des Einzelpfahles
müssen neben der räumlichen Ausdehnung geeignete Parameter für die stoffliche
Modellierung gefunden werden. Ein weiterer Baustein ist die präzise Erfassung des
Pfahlherstellungsprozesses. Erfahrungsgemäß hat eine realitätsnahe Simulation der
Pfahlherstellung einen erheblichen Einfluss auf das Spannungs-Dehnungsverhalten des
Bodens und damit auf die Pfahltragfähigkeit. Bei dem im Rahmen der Vorlesung/Übung
behandelten Beispiel wird der Pfahlherstellungsprozess nur stark vereinfacht abgebildet. In
Bild 8-5 sind die einzelnen Teilkomponenten eines numerischen Modells dargestellt.

Bild 8-5: Numerische Simulation und Prognose des Tragverhaltens eines Einzelpfahles

Bevor das numerische Modell zur Prognose eingesetzt werden kann, sollte eine
Kalibrierung und Verifizierung an Ergebnissen aus Testpfählen erfolgen. Basierend auf
diesen Ergebnissen kann eine Modifizierung bestimmter Teilaspekte des numerischen
Modells notwendig werden.

8 Modellierung geotechnischer Konstruktionselemente (Pfähle) 29.10.2012


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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 8-5

8.4 Erstellen des FE-Netzes

Im hier behandelten 2D axialsymmetrischen Modell wird der Pfahl zur Hälfte abgebildet
und um seine Symmetrieachse rotiert. Die räumlichen Abmessungen des FE-Netzes
werden oftmals in Abhängigkeit des Pfahldurchmessers (d) angegeben. Prinzipiell hängen
die Abmessungen des FE-Netzes jedoch von den Bodeneigenschaften, der
Bodenschichtung und dem simulierten Pfahltyp ab. Das FE-Netz ist in der Größe
ausreichend dimensioniert, wenn die Spannungsänderungen im Randbereich des Modells
nur noch zu vernachlässigbar kleinen Reaktionen in Form von Verformungen führen.

Bild 8-6: Axialsymmetrisches FE-Netz für einen Einzelpfahl und um 220° rotiertes Netz

8.5 Simulationsablauf

Die Simulation eines Einzelpfahles kann sich bedingt durch den Herstellungsprozess sehr
kompliziert gestalten und in viele Einzelschritte aufgliedern. Zur Einführung sollen hier
nur folgende Simulationsschritte beschrieben werden:

Step 1 : Primärspannungszustand
Step 2 : Entfernen der Bodenelemente im Pfahlbereich und Einbau der
Pfahlelemente
Step 3 bis n: Pfahlbelastung über mehrere Steps

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8.5.1 Knotensätze und Elemente

Bild 8-7: Modellkörper

Der Netzaufbau kann auf unterschiedliche Art und Weise vorgenommen werden. Für den
hier vorgestellten Einzelpfahl wird eine Knotenreihe auf der Symmetrieachse des
axialsymmetrischen Netzes vorgegeben (siehe Bild 8-7 und Bild 8-8). Hierbei ist zu
beachten, dass in dem Modell nur der halbe Pfahl zu sehen ist. Es wird nicht der
Durchmesser, sondern der Radius modelliert.

Bild 8-8: Dialogbox „Create Part“

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 8-7

Um das Modell genauer berechnen zu können, werden im Mesh-Modul die einzelnen


Elemente unterschiedlich groß dimensioniert. Um den Bereich des Pfahls sind die
einzelnen Elemente klein und werden in Richtung des Modellrandes immer größer (siehe
Bild 8-10). Hierzu wird unter „Seed Edges“ die horizontale Achse markiert. Nun wählt
man unter „Bias“ Single aus und gibt unter Sizing Control die gewünschte Mindest- und
Maximalbreite der Elemente ein.

Bild 8-9: Dialogbox „Local Seeds“

Unter Flip Bias kann die Richtung eingestellt werden, ob die Elemente von rechts nach
links oder von oben nach unten größer oder kleiner werden. Der rote Pfeil zeigt dabei
immer in die Richtung, in welche die Elemente kleiner werden.

Bild 8-10: Flip Bias

Im Primärspannungszustand (STEP 1) sind zunächst nur Bodenelemente in dem FE-Netz


vorhanden.

Hierzu muss zuerst wie in Kapitel 7 schon beschrieben, mit Hilfe des Keyword-Editors der
Pfahl ausgeblendet werden. In STEP 2 ( EinbauPfahl) werden die Bodenelemente im
Pfahlbereich durch Betonelemente (Pfahl) ausgetauscht.

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8.5.2 Randbedingungen

Für das in Bild 8-7 dargestellte Modell sind 2 Randbedingungen (Boundary Conditions)
einzuführen:

 NSET RECHTS: Freiheitsgrad in x-Richtung


 NSET UNTEN: Freiheitsgrad in y-Richtung (siehe Bild 8-11)

Die Randbedingung an der linken Seite entfällt, da das Modell achsialsymmetrisch ist.

Bild 8-11: Dialogbox „ Edit Boundary Condition“

8.6 Pfahl-Boden Interaktion

Dem Übergangsbereich zwischen Pfahl und Boden kommt bei der numerischen Simulation
eine zentrale Bedeutung zu. Dieser Bereich kann durch unterschiedliche Stoffansätze oder
durch den Einbau verschiedener Kontaktbeziehungen und durch spezielle Interface-
Elemente im FE-Netz berücksichtigt werden.

In ABAQUS kann die Simulation des Tragverhaltens zwischen Pfahl und Boden unter
anderem durch „idealen Kontakt“ und durch den Einbau von Kontaktflächen erfolgen.

8.6.1 Idealer Kontakt

Bei der Modellierung mit idealem Kontakt wird angenommen, dass das Überschreiten der
Scherfestigkeit des Bodens in einer dünnen Bodenschicht am Pfahlmantel erfolgt - nicht in
der direkten Kontaktfläche Pfahl-Boden. Die Materialeigenschaften der Elemente im
Übergangsbereich (Mantelelemente) entsprechen denen der Bodenelemente im

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umgebenden Erdreich. Die Abmessungen der Mantelelemente in Relation zu den


Abmessungen des Pfahles spielen bei den meisten Bodenarten eine wesentliche Rolle.
Basierend auf der Nachrechnung verschiedener Gründungsstrukturen kann eine Breite des
Mantelelementes von d = 0,2r (r: Radius des Pfahls) für verrohrt und unverrohrt
hergestellte Bohrpfähle angesetzt werden (siehe Bild 8-12). Pfahlrandelemente und
angrenzende Bodenelemente haben die gleichen Knoten. Es existieren keine duplizierten
Knoten im Netz. Der Elementsatz für den Pfahl wird zu Beginn der Simulation im ersten
STEP entfernt und nach Aushub des Bodens in das bestehende Netz wieder eingesetzt. Zur
gleichen Zeit werden bedingt durch den Aushub die entsprechenden Bodenelemente aus
dem Netz entfernt.

Bild 8-12: Modellierung Pfahl

Eine weitere Möglichkeit, die Pfahl-Boden Interaktion zu berücksichtigen, ist der Einbau
von sogenannten Übergangselementen. Diese Möglichkeit entspricht prinzipiell dem
idealen Kontakt. Allerdings kann die Übergangsschicht von dem umgebenden Boden
abweichende stoffliche Eigenschaften haben, z.B. modifizierte K0-, ‘- oder E-Werte -
oder auf anderen Stoffgesetzen basieren.

8.6.2 Kontaktfläche

Die Interaktion zwischen Boden und Pfahl erfolgt auf Basis eines Reibungsgesetzes.
Durch das Reibungsgesetz wird mit Hilfe des Reibungskoeffizienten der Anteil der
übertragbaren Scherkraft in Abhängigkeit von der auf die Kontaktfläche normal
wirkenden Kraft definiert.

ABAQUS ermöglicht die Verwendung von drei verschiedenen in Bild 8-13 dargestellten
Reibungsansätzen.

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 8-10

Bild 8-13: Reibungsansätze in ABAQUS

Die Reibungsansätze lassen sich wie folgt beschreiben:

a) linearer Ansatz: Durch die Wahl eines konstanten Reibungskoeffizienten steigt mit
zunehmender Normalkraft auf der Kontaktfläche auch die übertragbare Scherkraft.

b) bilinearer Ansatz: Wahl eines Reibungskoeffizienten und einer maximal


übertragbaren Scherkraft. Wird die maximale Scherkraft erreicht, rutscht der Slave
Knoten auf der Masterfläche. Es wird jedoch weiterhin die maximale Schubkraft
übertragen.

c) exponentieller Ansatz (ab ABAQUS 6.2): Wahl eines „Peak“-


Reibungskoeffizienten und eines „Residual“-Reibungskoeffizienten sowie eines
Abminderungskoeffizienten (dc) für den Übergangsbereich. Nach überschreiten der
Anfangsscherfestigkeit (definiert durch den Peak-Wert) reduziert sich der
Reibungskoeffizienten auf einen Restwert. Der Übergang wird durch den
Abminderungskoeffizienten gesteuert.

Bei der Anwendung von Kontaktflächen sollte darauf geachtet werden, dass keine Slave-
Knoten hinter die Masterfläche rutschen können. Konvergenzprobleme sind ein erstes
Anzeichen dafür.

Bei der Knotengenerierung muss darauf geachtet werden, dass im Kontaktbereich


zwei Knoten mit gleichen Koordinaten aber unterschiedlichen Nummern generiert
werden. Ein Knoten gehört als Elementknoten des Pfahles der Master-Fläche an, der
zweite ist Bestandteil der Slave-Knoten und ist Teil eines Bodenelementes.

8.7 Bodenparameter

Die Bodenparameter werden in der Regel durch Laborversuche und in-situ Versuche
bestimmt. Die Schichtung des Bodens mit sich verändernden Bodenparametern muss auch
im FE-Modell berücksichtigt werden. Beispielhaft werden für ein einfaches Beispiel in der
zugehörigen Übung entsprechende Bodenparameter und Parameter für den Ortbetonpfahl
angegeben. Durch Variation der einzelnen Parameter und Unterteilung des Baugrundes in
verschiedene Bodenschichten kann die Abhängigkeit von Bodenverhältnissen auf die
Pfahltragfähigkeit beispielhaft nachvollzogen werden.

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 8-11

8.8 Auswertung von Last-Setzungslinien für den Einzelpfahl

Die Auswertung in Form von Last-


Setzungslinien kann mit Hilfe des X/Y
Data-Managers aufgerufen und
ausgeführt werden. Zur Erstellung der
Last-Setzungslinien müssen die
Spannungen an Integrationspunkten im
obersten und untersten Pfahlelement
ausgelesen werden. Die Spannungen
werden anschließend gemittelt und mit
der jeweiligen Pfahlfläche Bild 11: Erstellen der Last-Setzungslinie
multipliziert. Als Ergebnis erhält man
die durch die vertikale Verschiebung
induzierte Normalkraft am Pfahlkopf
und die durch Spitzendruck in den
Boden eingebrachte Pfahlfußkraft. Der
Differenzbetrag ist die
Pfahlmantelkraft. Die drei Kräfte
werden über die vertikale Bild 8-14: Erstellen der Last-Setzungslinie
Knotenverschiebung des obersten
Pfahlknotens aufgetragen.

8 Modellierung geotechnischer Konstruktionselemente (Pfähle) 29.10.2012


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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 9-1

9 Modellierung geotechnischer Konstruktionselemente (Verbauwände)

9.1 Allgemeines

Das vorliegende Kapitel entstand in großen Teilen auf der Grundlage des Abschnittes 3 der
Empfehlungen des Arbeitskreises 1.6 „Numerik in der Geotechnik“ der Deutschen
Gesellschaft für Geotechnik (DGGT) (Meißner 2002).

Das Bestreben der Bauherren, Grundstücke optimal zu nutzen, führt in Verbindung mit der
Entwicklung des modernen Spezialtiefbaus zu immer tieferen Baugruben. Diese
Baugruben entstehen zum Teil im Innenstadtbereich in unmittelbarer Nähe von
bestehenden Bauwerken und werden nach dem heutigen Stand der Technik so gesichert,
dass die in der Umgebung befindlichen Bauwerke infolge des Baugrubenaushubs nicht
beschädigt werden.

Die Bemessung der aus Wand-, Stütz- und gegebenenfalls Sohlelementen bestehenden
Baugrubensicherung erfolgt heute noch überwiegend mit einfachen Rechenmodellen, in
die der Boden zum Beispiel in Form des aktiven und passiven Erddrucks eingeht. Die
Lastansätze und Nachweisstrategien orientieren sich dabei vorwiegend an den
„Empfehlungen des Arbeitskreises Baugruben (EAB) der DGGT“. Dabei wird der Boden
im Grenzzustand betrachtet. Verschiebungen zum Beispiel an der Geländeoberfläche oder
an benachbarten baulichen Anlagen werden, wenn überhaupt, überschlägig abgeschätzt.

Der bisher üblichen Bemessung von Baugrubensicherungen liegt die Erfahrung zugrunde,
dass bei Einhaltung der einschlägigen Bemessungs- und Konstruktionsregeln, zum
Beispiel Erddruckansätze, verformungsarmer Verbau, in der Regel Verschiebungen
auftreten, die für benachbarte Bauwerke verträglich sind. Diese vereinfachende
Betrachtungsweise hat sich jedoch nur für Baugruben mit einfachem bis mittlerem
Schwierigkeitsgrad bewährt.

Zur Sicherung von Baugruben im innerstädtischen Bereich werden in der Regel steife
Verbaukonstruktionen wie Schlitz- oder Bohrpfahlwände eingesetzt. Weiträumige
Bodenverschiebungen infolge des Baugrubenaushubs bleiben bei diesen Wandarten gering,
können aber nicht vollständig verhindert werden. Bei sensibler Randbebauung wird ein
rechnerischer Nachweis der Gebrauchstauglichkeit notwendig. In der Regel wird dieser
Nachweis mit Hilfe der Beobachtungsmethode nach DIN 1054 (2003) erbracht, d.h. in der
Planungsphase wird eine rechnerische Verformungsprognose erarbeitet und während der
Bauausführung werden die Baugrube und die Bauwerke in der Umgebung der Baugrube
durch geotechnische und geodätische Messungen überwacht. Ein Ablaufschema für den
Nachweis der Gebrauchstauglichkeit auf der Grundlage der Beobachtungsmethode ist in
Bild 9-1 dargestellt.

9 Modellierung geotechnischer Konstruktionselemente (Verbauwände) 29.10.2012


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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 9-2

Bild 9-1: Ablaufschema für den Nachweis der Gebrauchstauglichkeit (Mayer 2000)

Ein geeignetes Werkzeug zur Durchführung des rechnerischen Nachweises der


Gebrauchstauglichkeit ist die Methode der Finiten Elemente (FEM), da, verglichen mit
herkömmlichen Berechnungsverfahren, eine wirklichkeitsnahe Abschätzung der zu
erwartenden Verformungen mit diesem Verfahren möglich ist. So können bei komplexen
Strukturen, die mit klassischen Ansätzen nicht mehr erfassbar sind, beispielsweise die
Größe und die Verteilung des Erddrucks berechnet werden. Diese Einwirkungen können
dann anschließend mit Stabwerksmodellen zur Bemessung des Baugrubenverbaus
herangezogen werden. Die Bemessungsschnittgrößen können auch alternativ mit der FEM
ermittelt werden. In der Praxis hat sich diese Vorgehensweise beim derzeitigen Stand der
Technik jedoch noch nicht durchgesetzt und ist häufig auf herausragende, schwierige
Fragestellungen beschränkt.

9.2 Wahl des Berechnungsausschnitts und Festlegung der Randbedingungen

Baugrubensicherungen sind in der Regel lotrechte flächige Tragwerke, bei denen in


Stützwandlängsrichtung aufgrund gleichförmiger Geometrie und nahezu gleichmäßiger
äußerer Einwirkung keine nennenswerten Verformungsunterschiede auftreten. Aufgrund
dieser Randbedingungen kann für die rechnerischen Untersuchungen in vielen Fällen
vereinfachend ein ebener Verformungszustand angenommen und die Berechnung
näherungsweise an einem zweidimensionalen Berechnungsausschnitt durchgeführt werden.
Ausnahmen stellen beispielsweise Baugrubenecken oder Bereiche mit örtlich
konzentrierten Bauwerkslasten dar, für die gesonderte Betrachtungen notwendig werden.

In Bild 9-2 ist exemplarisch ein 3D-Modell einer Baugrubenecke dargestellt. Die mit Hilfe
dieses Netzes ermittelten Erddrücke sind in Bild 9-3 den mit Hilfe einer 2D-Simulation
ermittelten Erddrücken gegenübergestellt. Das Bild verdeutlicht, dass im Bereich von
Baugrubenecken mit Hilfe einer 2D-Simulation keine zutreffenden Ergebnisse für den
Erdruck ermittelt werden können. Zu Beginn der numerischen Untersuchungen muss daher

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 9-3

stets geprüft werden, ob für die vorliegende Fragestellung die vereinfachende Annahme
eines zweidimensionalen Systems zulässig ist, oder ob räumliche Betrachtungen
notwendig sind. Im Rahmen dieser Vorlesung werden ausschließlich zweidimensionale
(ebene) Probleme behandelt.

1 2

Bild 9-2: Dreidimensionales FE-Netz zur Simulation einer Baugrubenherstellung (Ittershagen


1999)

Entfernung von der Symmetrieachse [m]

0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20
7000
Aushubtiefe z= -5m
Aushubtiefe z= -9m 6500
Aushubtiefe z = - 13 m 3D-Simulation
6000
Erddruck [kN/m]

Aushubtiefe z = - 17 m
Aushubtiefe z = - 20 m
Erdruhedruck E [kN/m]
5500
o

5000

4500
2D-Simulation
plain strain
Aushub –20 m
4000

3500
Aktiver Erddruck E = 3048 kN/m
Mitte A a Ecke

Bild 9-3: Berechnungsergebnisse einer 3D- bzw. einer 2D-Simulation

Der Berechnungsausschnitt für eine numerische Simulation sollte so gewählt werden, dass
die auf den Primärzustand folgenden Rechenschritte an den Netzrändern keine

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 9-4

nennenswerten Änderungen der Spannungen beziehungsweise Verformungen bewirken.


Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn die Abstände vom seitlichen und unteren Rand a
mindestens dem Zwei- bis Dreifachen der Baugrubentiefe h bzw. der Baugrubenbreite b
entsprechen. Der größere Wert ist jeweils maßgebend (siehe Bild 9-4). Der seitliche
Randabstand ist bei ausgesteiften Baugruben auf die Verbauwand und bei verankerten
Systemen auf das erdseitige Ende der Krafteintragungslänge der Anker zu beziehen. Der
Einfluss der Größe des Berechnungsausschnittes auf die Berechnungsergebnisse kann
durch den Einbau von infiniten Elementen am Netzrand stark reduziert werden.

Bild 9-4: Größe des Berechnungsausschnittes [Meißner 2002]

Baugruben in geneigtem Gelände oder eine zu berücksichtigende Grundwasserströmung


können erheblich größere Berechnungsausschnitte erfordern. Gleiches gilt auch für Fälle
mit besonderen geotechnischen und bautechnischen Gegebenheiten. So können
Abweichungen von den empfohlenen Randabständen erforderlich werden, wenn die
Steifigkeit einer vorhandenen Nachbarbebauung für die Ermittlung der aushubbedingten
Verformungen wesentlich ist und das vorhandene Gebäude vergleichsweise große
Abmessungen aufweist (siehe Bild 9-5). Der Berechnungsausschnitt muss in der Regel
vertieft werden, wenn in dem zu untersuchenden System Pfahlgründungen oder
Auftriebssicherungen mit Pfählen oder Ankern zu berücksichtigen sind.

Besteht bezüglich des Baugrundaufbaus und der Einwirkungen eine Symmetrie zur
Baugrubenachse, ist es ausreichend, lediglich eine Hälfte des Berechnungsausschnitts zu
diskretisieren. Die gleiche Vereinfachung kann bei breiten Baugruben mit
ungleichmäßigen seitlichen Einwirkungen eingeführt werden, wenn eine gegenseitige
Beeinflussung der Baugrubenwände ausgeschlossen werden kann.

Benachbarte bauliche Einrichtungen sind unter Berücksichtigung deren Steifigkeit in das


FE-Modell einzubeziehen. Auf eine Nachbildung von Konstruktionen mit geringer
Steifigkeit kann dabei in der Regel verzichtet werden. Der Berechnungsausschnitt endet in
diesem Fall in Höhe der Gründungssohle beziehungsweise in Geländehöhe, und die
Bauwerkslast wird durch äquivalente Knotenkräfte simuliert.

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 9-5

Bild 9-5: FE-Netz Baugrube mit Nachbarbebauung

9.3 Modellierung des Baugrunds

Bei der Diskretisierung von Baugruben müssen neben signifikanten Schichtgrenzen des
Baugrunds die temporären Aushubgrenzen abgebildet werden, d.h. in den jeweiligen
Tiefen sind Elementränder anzuordnen. Bereiche mit hohen Spannungsgradienten, in
denen die Diskretisierung verfeinert werden muss, treten bei Baugruben vor allem im
erdseitigen Nahbereich der Wand und unterhalb der Baugrubensohle am Fußauflager des
Verbaus auf.

Zur Modellierung des Baugrundes bei ebenen Problemen sollten Elemente mit 8 Knoten
und quadratischer Ansatzfunktion für die Verschiebungen (CPE8) verwendet werden.

Für die Simulation von Baugruben ist ein geeignetes elasto-plastisches Stoffgesetz zu
verwenden. Gemäß (Meißner 2002) sollten unterschiedliche Bodensteifigkeiten bei Erst-,
Ent- und Wiederbelastung berücksichtigt werden.

Die Grundwassersituation wirkt sich sowohl auf das Verformungsverhalten des


Baugrundes als auch auf die horizontalen Einwirkungen auf den Verbau aus. Die
Vorgehensweise zur Simulation von Grundwasserabsenkungsvorgängen und den damit
verbundenen Strömungsvorgängen wird im Rahmen dieser Vorlesung nicht behandelt.
Findet eine Grundwasserabsenkung nur innerhalb der Baugrube statt (Einbindung der
Baugrubenumschließung in eine dichte Bodenschicht beziehungsweise Herstellung einer
künstlichen Dichtsohle) und der Grundwasserspiegel außerhalb der Baugrube bleibt
weitgehend unverändert, so entstehen im Boden, abgesehen von der abdichtenden Sohle
keine nennenswerten hydraulischen Gradienten. In diesem Fall können die Verformungen
durch Berücksichtigung sich ergebender Änderungen von Bodenwichten ermittelt werden.

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 9-6

Zusätzlich ist der Differenzwasserdruck auf die Baugrubenumschließung als Last


anzusetzen.

9.4 Modellierung der Verbauwand

Der Verbau hat einen entscheidenden Einfluss auf die Verformungen und ist im
Berechnungsmodell zutreffend nachzubilden. Der Schubverbund zwischen Baugrund und
Verbau ist dabei wirklichkeitsnah zu berücksichtigen. Die hierfür erforderlichen
Diskretisierungen sind systemspezifisch zu wählen. Zur stofflichen Modellierung der
verschiedenen Verbauwandtypen ist ein linear-elastisches Stoffgesetz ausreichend.

9.4.1 Spundwände

Spundwände sollten im ebenen Fall mit Balkenelementen diskretisiert werden, denen eine
den Spundbohlen entsprechende, idealisierte Biege- und Normalsteifigkeit zugewiesen
wird. Im Übergang von der Spundwand zum Baugrund sollten schmale
Übergangselemente eingeschaltet werden. Vorteilhaft ist der Einsatz von Kontaktflächen,
mit denen das Verhalten durch definierte Stoffgesetze unter Berücksichtigung von Schlupf
und Restscherfestigkeit beschrieben werden kann.

9.4.2 Bohrpfahlwände

Für die Simulation der Pfähle sollten Flächenelemente verwendet werden. Die Elemente
sollten dabei einen quadratischen oder höherwertigen Verformungsansatz aufweisen
(CPE8). Die kreisförmigen Pfähle können in der Berechnung vereinfachend durch
Rechteckquerschnitte mit äquivalenter Dehn- und Biegesteifigkeit ersetzt werden. Wenn
bei Bohrpfählen von einem vollständigen Scherverbund zwischen Tragwerk und Boden
ausgegangen werden kann, ist die Modellierung einer definierten Wandreibung mit Hilfe
von Übergangs- beziehungsweise Kontaktelementen in der Regel nicht erforderlich. Falls
in Einzelfällen jedoch durch technische Maßnahmen, zum Beispiel Einsatz eines
Hüllrohrs, die Mantelreibung am Pfahlschaft reduziert wird, sind in den relevanten
Bereichen Kontaktflächen einzufügen, denen entsprechende mechanische Eigenschaften
zuzuordnen sind. Im Programmsystem ABAQUS kann es in Einzelfällen bei der
Verwendung von Kontaktflächen in Kombination mit Elementen mit quadratischer
Ansatzfunktion zu Konvergenzproblemen kommen.

Bei aufgelösten Bohrpfahlwänden stellt sich im Boden ein räumliches Traggewölbe ein. In
Abhängigkeit vom Abstand der Einzelpfähle der Wand entspannt sich der Baugrund
zwischen den Pfählen, wobei in die Baugrube gerichtete Verformungen auftreten. Dieses
Verhalten kann bei der globalen Untersuchung von Verbauwänden in der Regel
vernachlässigt werden, sofern der Wandbereich zwischen den Pfählen ausreichend
standsicher ist. Aufgelöste Bohrpfahlwände können daher im allgemeinen vereinfachend
wie durchgehende Wände behandelt werden. Bei der Festlegung der Verbausteifigkeit im
Modell ist der Pfahlabstand zu berücksichtigen.

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9.4.3 Schlitzwände

Bei der Herstellung von Schlitzwänden wird eine Schlitzwandlamelle ausgehoben, die
zunächst von einer Suspension gestützt wird. Um diese Lamelle bildet sich ein räumliches
Traggewölbe, das sich am Baugrund und an benachbarten bereits erhärteten Lamellen
abstützt (Bild 9-6). Die fertiggestellte Schlitzwand bildet hingegen ein linienförmiges
Tragwerk, bei dem keine räumlichen Effekte dieser Art mehr auftreten.

Bild 9-6: Hauptspannungstrajektorien nach Aushub einer Einzellamelle

Schlitzwände werden im allgemeinen für den Endzustand untersucht, in dem ein


Linienbauwerk mit quasi-ebenem Verformungszustand besteht. Die FE-Berechnungen
können mit dieser Voraussetzung dann wie für Bohrpfahlwände durchgeführt werden. Die
Verwendung von Kontaktelementen in der Grenzfläche zwischen Boden und Wand ist
dabei jedoch zu empfehlen, da infolge der Filterkuchenbildung bei der Wandherstellung
die Kontaktscherfestigkeit herabgesetzt wird. Eine detaillierte räumliche Simulation der
o.g. räumlichen Bauzustände erfolgt üblicherweise nicht. Es ist aber zu beachten, dass im
Bauzustand infolge der großen Nachgiebigkeit der Suspension in den Schlitzen größere
Verformungen auftreten können, die gegebenenfalls zu Schäden an benachbarten
Gebäuden führen können (siehe (Meyer 2002)).

9.4.4 Trägerverbau

Das Tragverhalten eines Trägerverbaus wird entscheidend vom räumlichen Erdwiderstand


vor den Trägerfüßen bestimmt. Zur Prognose auftretender Verschiebungen
beziehungsweise Setzungen an der Geländeoberkante werden jedoch üblicherweise
vereinfachend Berechnungen an einem ebenen System unter Vernachlässigung der
Verschiebungsanteile aus der Durchbiegung der Ausfachung zwischen den Trägern
durchgeführt. Die folgenden Erläuterungen zur Simulation des Trägerverbaus beschränken
sich auf diese ebenen Berechnungen. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass die
Ergebnisse der ebenen Berechnung umso mehr von der Realität (3D-Problem) abweichen,
je größer die Trägerabstände sind.

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Bei einer ebenen Simulation eines Trägerverbaus sollte das System aus Trägern und
Ausfachung durch einen ebenen Ersatzbalken mit Rechteckprofil und einer Breite b von
1 m abgebildet werden (siehe Bild 9-7). Die Dehn- und Biegesteifigkeit dieses
Balkenelementes (EErsatzAErsatz bzw. EErsatzIErsatz) sollte dabei äquivalent der Dehn- und
Biegesteifigkeit des Trägers (EStASt bzw. EStISt) unter Berücksichtigung des
Trägerabstandes a sein. Daraus folgt:

ESt  I St b  h3
 EErsatz  I Ersatz  EErsatz  (9-1)
a 12
ESt  ASt
 EErsatz  AErsatz  EErsatz  b  h (9-2)
a

ESt  ASt
aus (9-2) h
a  EErsatz

ESt  ASt
2 3

in (9-1) EErsatz 
12  a 2  I St

Bild 9-7: Ersatzbalken Trägerverbau

9.5 Modellierung der Stützmittel

9.5.1 Steifen

Steifen werden durch Stabelemente oder Federelemente simuliert. Unter Berücksichtigung


der Steifenabstände ist den Stab- bzw. Federelementen eine äquivalente Dehnsteifigkeit
zuzuordnen. Ein starres Auflager ist nur dann sinnvoll und zulässig, wenn die Abstützung
sehr steif ist, zum Beispiel Betonsteifen mit großen Querschnitten und geringer Länge, und

9 Modellierung geotechnischer Konstruktionselemente (Verbauwände) 29.10.2012


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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 9-9

somit elastische Verformungen vernachlässigt werden können und für die


gegenüberliegenden Verbauwände symmetrische Zustände bestehen.

9.5.2 Verpressanker

Verpressanker bestehen aus einem freien Stahlzugglied (freie Ankerlänge) und einem
Verpresskörper. Die Diskretisierung der freien Ankerlänge erfolgt durch ein Stabelement,
das den Ankerkopf und den Verpresskörperkopf miteinander verbindet. Für das
Stabelement ist unter Berücksichtigung des Ankerabstandes die äquivalente
Dehnsteifigkeit zu bestimmen. Entsprechend ergibt sich die Vorspannkraft des Ankers aus
der Division durch den Ankerabstand, die somit in eine Linienlast umgerechnet wird.

Wenn eine Verschiebung des Verpresskörpers ausgeschlossen ist, kann das oben
beschriebene Modell auf ein einzelnes Stabelement reduziert werden. Das Stabelement
wird dann am Ankerkopf und an einem festen Auflager im Bereich des Verpressköpers
angebunden (
Bild 9-8, Variante 1). Das Element wirkt als Feder, die Interaktion des Verpresskörpers mit
dem Boden wird auf diese Weise nicht berücksichtigt. Die Vorspannung des Ankers kann
durch eine Kraft am Ankerkopf berücksichtigt werden. Der Ankerstab wird im darauf
folgenden Step strain free (verformungsfrei) eingebaut.

Umfangreiche Arbeiten zum Tragverhalten einer verankerten Verbauwand u.a. von Weber
(1996) zeigen jedoch, dass das Tragverhalten von Anker und Verbauwand von der
Ankerspannung und dem Grad der Verspannung zwischen Verpresskörper und
Verbauwand abhängt. Eine einfache Möglichkeit, diese Interaktion im Modell
näherungsweise zu berücksichtigen zeigt Bild 8-9, Variante 2. Das Stabelement ist am
Ankerkopf mit der Verbauwand verbunden in der Mitte des Verpresskörpers mit einem
Bodenknoten. Der dadurch verursachte Krafteintrag an nur einem Punkt führt zu sehr
hohen Spannungsgradienten und somit häufig zu Konvergenzproblemen; diese können
vermindert werden, wenn in der Umgebung dieses Knotens linear-elastische Elemente
eingefügt werden.

Eine gleichmäßige Krafteinleitung im Bereich des Verpresskörpers kann erreicht werden,


wenn im Bereich des Verpresskörpers das Netz verfeinert und der Verpresskörper mit
linear-elastischen Elementen modelliert wird. Der Verpresskörper ist dabei in
Abhängigkeit vom Ankerabstand mit äquivalenter Dehnsteifigkeit abzubilden. Innerhalb
des Verpresskörpers wird das Stahlzugglied mit mehreren Stabelementen abgebildet, deren
Knoten mit den mittleren Knoten der Elemente des Verpresskörpers identisch sind. Eine
Simulation des Schubverbundes zwischen Verpresskörper und Boden kann durch den
Einbau von Kontaktflächen erreicht werden. Mayer (2000) und Weber (1996) weisen
jedoch darauf hin, dass bei ausreichend feiner Vernetzung im Verpresskörperbereich keine
signifikante Verbesserung der Berechnungsergebnisse durch den Einsatz von
Kontaktelementen erzielt wird.

Bei den Varianten 2 und 3 wird die Vorspannkraft durch ein entgegengesetzt orientiertes
Kräftepaar am Ankerkopf und am Verpresskörperkopf simuliert. Das Stabelement ist im
darauf folgenden Step strain free einzubauen.

9 Modellierung geotechnischer Konstruktionselemente (Verbauwände) 29.10.2012


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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 9-10

Elastische
Elemente

Stabelement für Stabelement für


freie Ankerlänge und freie Ankerlänge und
Verpresskörper Verpresskörper

Variante 1 Variante 2

Freie Ankerlänge
als Stabelement

Verpresskörper
(evtl. mit Kontaktflächen)

Variante 3

Bild 9-8: Varianten zur Modellierung eines Verpressankers

9.6 Modellierung des Baufortschritts

Aufgrund der Abhängigkeit des Materialverhaltens der Bodenelemente vom


Spannungszustand und der Belastungsgeschichte müssen im Zuge des Bauablaufs
auftretende charakteristische Spannungszustände in ihrer zeitlichen Reihenfolge möglichst
wirklichkeitsnah abgebildet werden. Alle wesentlichen Bauzustände werden deshalb im
Sinne einer Step-by-Step Analyse in der Simulation nachgebildet. Nachfolgend sind einige
häufig auftretende Bauzustände für eine 1-fach gestützte Baugrube aufgelistet:

Step 1: Primärspannungszustand
Step 2: Errichtung Nachbarbebauung
Step 3: Einbau Verbauwand
Step 4: Aushub bis Anker/Steifenlage 1
Step 5: Aufbringen Vorspannkraft Lage 1
Step 6: Einbau Anker/Steifenlage 1
Step 7: Endaushub

In Abhängigkeit von der jeweiligen Problemstellung können verschiedene weitere Steps


erforderlich werden.

9 Modellierung geotechnischer Konstruktionselemente (Verbauwände) 29.10.2012


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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 9-11

9.7 Auswertung und Darstellung der Berechnungsergebnisse

Die Auswertung und Darstellung der Berechnungsergebnisse erfolgt problemspezifisch,


die nachfolgende Aufzählung ist als Vorschlag zu verstehen und enthält jene Größen, die
in der Regel von Interesse sind.

- Horizontalverschiebung der Verbauwand


- Vertikalverschiebung der Geländeoberfläche
- Hebung der Baugrubensohle
- Verschiebung von benachbarten Bauwerken
- Horizontalspannung an der Verbauwand (aktiver und passiver Erddruck)
- Lage plastischer Zonen
- Schnittkräfte Verbauwand und Stützmittel

Die Darstellung der Spannungen und Verschiebungen an der Verbauwand sollte eine
Systemskizze der Baugrube enthalten, da auf diese Weise eine Bewertung und
Plausibilitätsprüfung erleichtert wird. In Bild 9-9 sind exemplarisch die Verschiebungen
einer 3-fach gestützten Verbauwand und der unterhalb des Wandfußes liegenden
Bodenknoten dargestellt.

Im Sinne der Beobachtungsmethode sollten die rechnerischen Verformungen der ersten


Bauzustände nach Baubeginn mit Messwerten verglichen werden. Bestehen signifikante
Abweichungen, sind getroffene Annahmen oder Bodenparameter innerhalb der Grenzen
möglicher Streubreiten so zu modifizieren, dass eine ausreichende Übereinstimmung
erzielt wird.

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 9-12

Die Berechnungsergebnisse sind stets auf Plausibilität zu prüfen. Unter anderem sind
folgende Punkte zu überprüfen:

- Sind die Verschiebungen im Initialspannungszustand annähernd Null?


- Entsprechen die Vertikalspannungen im Initialspannungszustand den Überlage-
rungsspannungen?
- Liegen die berechneten Verformungen im Bereich der Erfahrungswerte?
- Ist das Verschiebungsbild plausibel?
- Sind die Schnittgrößen der Stützmittel und Wände geringer als die zulässigen
Werte?
- Haben plastifizierte Zonen einen ausreichenden Abstand zu seitlichen und unteren
Netzrändern?

Bild 9-9: Horizontalverschiebung einer 3-fach gestützten Baugrubenwand

9 Modellierung geotechnischer Konstruktionselemente (Verbauwände) 29.10.2012


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10 Modellierung geotechnischer Konstruktionselemente (Erdbauwerke)

10.1 Einleitung

Unter dem Begriff Erdbau wird der Bereich des Ingenieurwesens verstanden, bei dem das
zu erstellende Bauwerk im Wesentlichen durch den Einsatz des Bodens als Werkstoff
entsteht. Erdbauwerke bestehen folglich aus dem Werkstoff Boden. Typische
Erdbauwerke sind beispielsweise:

- Dämme im Verkehrswegebau,
- Staudämme,
- Deiche,
- Deponien,
- Halden.

Bei dem Entwurf von Erdbauwerken sind stets zwei ingenieurtechnische Fragestellungen
relevant: Wie groß sind die Beanspruchungen im Baukörper und welchen Verformungen
sind der Baugrund und der Baukörper unterworfen. Häufig sind beide Fragestellungen
miteinander verknüpft, insbesondere dann, wenn der Baukörper aus Abschnitten
unterschiedlicher Steifigkeit besteht. So ergibt sich zum Beispiel beim Bau von zonierten
Staudämmen häufig die Problematik der unterschiedlichen Steifigkeit des Dichtungskerns
und des Stützkörpers, was zu einer Gewölbewirkung im Dichtungskern führt und unter
Umständen Risse im Dammkörper verursachen kann. In Bild 10-1 ist die Aabach-
Talsperre in Grundriss und Schnitt dargestellt. Sie wurde als zonierter Steinschüttdamm
hergestellt und besitzt einen Dichtungskern mit vorgezogener Schürze, der wasser- und
luftseitig durch Stützkörper gehalten wird. Durch die Talsperre führt der
Hochwasserentlastungsstollen .

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A
2
7
4 5
3

2
6 6
1

1:1,7
3
1:1,72

1:1,7
I II III IV V VI VII

1:1,3
1:1,3
+ 348.70
+ 349.50
+ 348.70
5
1:1,9

1:1,9
4

1:1,9
+ 306.90

1:1,9
Grundriss
1
A

0 20 40 60 80 100 m

+348.70 1:
+345.70 1.3

1:
1.9 1.7
1:
IIa
IIa Ia Ib Ia IIb
+320.30
+317.30
1.9
1: Ia +312.30
Ib IIb

1 2 4 3 1

Ia verwitterter Schluffstein

Ib Hanglehm und stark


verwitterter Schluffstein
Schnitt A - A
IIa Kalkstein

IIb verlehmter Kalkstein 0 10 20 30 40 50 m

Bild 10-1: Aabach-Talsperre in Grundriss und Schnitt

Mit Hilfe der FEM kann in einer Spannungs-Verformungsanalyse die Interaktion der
unterschiedlich steifen Materialien (Beton, Dichtungskern, Stützkörper) und die daraus
resultierenden Belastungen realitätsnah erfasst werden.

Dämme werden in der Regel durch lagenweises Aufbringen des Bodens mit
anschließender Verdichtung hergestellt. Der Boden erreicht dadurch die notwendige
Steifigkeit und Festigkeit. Für Simulationen mit der FEM muss daher das lagenweise
Aufschütten aufgrund des in der Regel nichtlinearen Materialverhaltens und der damit
verbundenen Abhängigkeit der Verformungen von der Spannungsgeschichte
nachvollzogen werden.

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10.2 Modellierung der lagenweise Aufschüttung in der FEM

Die Dicke der im Zuge der Dammherstellung aufgebrachten Lagen ist abhängig von den
geotechnischen Eigenschaften des Bodens, insbesondere von seiner Verdichtbarkeit, und
liegt in der Größenordnung von 10 cm bis rd. 1 m. Während der Bauzeit kommt es im
Baukörper (Deichen, Dämmen etc.) zu Eigensetzungen der zuletzt aufgebrachten Lagen
infolge Eigengewicht und zu Setzungen der darunter liegenden Schichten durch das
Überlagerungsgewicht. Unter Setzungen wird in diesem Zusammenhang die vertikale
Verschiebung des Bodens im Baukörper verstanden. Die Sollhöhe des Bauwerks wird
beim Bau dadurch erreicht, dass jede einzelne Lage wieder auf Sollhöhe aufgeschüttet
wird. Um das lagenweise Aufbringen des Bodens in einer FE-Berechnung zu simulieren,
werden bei der Generierung der Knoten und Elemente die Grenzen der Lagen
berücksichtigt. Durch eine Step-by-Step-Analyse kann dann mit Hilfe des stufenweisen
Netzumbaus (*MODEL CHANGE, ADD) das lagenweise Aufbringen simuliert werden.
Dabei muss folgendes beachtet werden: Der Einbau der Elemente in das Netz, also das
Aufbringen der Lagen, kann in ABAQUS auf zwei verschiedene Arten erfolgen:

- *MODEL CHANGE, ADD=STRAIN FREE


- *MODEL CHANGE, ADD=WITH STRAIN

Mit der Option “Strain Free” werden die Elemente in der verformten Konfiguration
reaktiviert, die zum Zeitpunkt der Reaktivierung vorliegt. Das Element erfährt dabei keine
Dehnungen und somit keine Spannungen bzw. Knotenkräfte. Allerdings ist das Volumen
gegenüber der ursprünglichen Modellierung verändert (vgl. Abb. 10-3). Durch die
Multiplikation mit der Dichte wird auch die Masse des reaktivierten Elementes verändert.

Bei einer Reaktivierung der Elemente mit der Option „With Strain“ erfahren die Elemente
durch die Verzerrung der Konfiguration bei der Reaktivierung gegenüber der
ursprünglichen Konfiguration eine Dehnung, die Spannungen bzw. Knotenkräfte
hervorruft. Wenn durch die verformte Konfiguration des Elementes das Volumen
gegenüber der Ausgangskonfiguration verändert ist, ist dies zugleich mit
Volumendehnungen verbunden. Die Masse des Elementes ändert sich daher nicht.

10.2.1 Small Strain und Non Linear Geometry

Einen wesentlichen Einfluss auf die Art der Reaktivierung hat die Art der
Berücksichtigung der Verformungen. Sie kann nach der Theorie der kleinen Verformungen
(„Small Strain“) oder nach der Theorie der großen Verformungen („Non Linear
Geometry“) erfolgen. Dazu zunächst eine kurze Erläuterung des Unterschieds:

Die Grundgleichung der FEM lautet:

u  F
K (10-1)

 : Steifigkeitsmatrix,
mit K

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u : Vektor der Knotenverschiebungen,


F : Vektor der Knotenkräfte

Die Steifigkeitsmatrix wird aus den Elementsteifigkeitsmatrizen ke gebildet, die sich
 und der Matrix des Stoffgesetzes D
wiederum aus der Ableitung der Ansatzfunktionen B 
zusammensetzt:

k e   B
 T DB
  d (vol ) (10-2)
V

Bei der Berechnung nach der Theorie der kleinen Verformungen wird die Matrix B  mit
den Knotenkoordinaten der Ausgangskonfiguration gebildet und ist daher unabhängig von
der Verformung des Elementes. Wird die Gleichung mit der Theorie der großen

Verformungen gelöst, wird die jeweils aktuelle Konfiguration für die Berechnung von B
zugrunde gelegt, so dass die Matrix von den Verformungen abhängt.

Small Strain:   f (u )
B
Non Linear Geometry:   f (u )
B

Das Ergebnis ist unterschiedlich und für große Verformungen bei der Berechnung nach der
Theorie der kleinen Verformungen entsteht ein systemimmanenter Fehler.

10.2.2 Beispiel einer lagenweise Aufschüttung

Der Einfluss der Modellierung wird in nachfolgendem Beispiel erläutert:


Gegeben sei ein Netz bestehend aus 4 Elementen, das aus einer unteren (Lage 1) und einer
oberen Lage (Lage 2) besteht (vgl. Bild 10-1). Im ersten Step wird die obere Lage
deaktiviert und die untere Lage durch das Eigengewicht belastet. In Step 2 wird auf die
durch das Eigengewicht verformte Lage 1 die obere Lage aufgebracht und ebenfalls durch
das Eigengewicht belastet (siehe Bild 10-3).

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Systemskizze

7 8 9

Lage 2

4 5 6

Lage 1

1 2 3

Bild 10-1: Systemskizze

Step 1:
Lage 2 wird inaktiviert (Model change, remove)
Lage 1 unter Eigengewicht

L age 2
( in a k t iv )
4

Lage 1

Step 2:
Lage 2 wird reaktiviert (Model change, add)
Lage 1+2 unter Eigengewicht
7

Lage 2

Lage 1

Bild 10-2: Belastung in Steps

Es werden vier Varianten der Belastung vorgestellt, die sich hinsichtlich der Methode der
Reaktivierung der Elemente („Strain Free“ und „With Strain“) und hinsichtlich der
Berechnung der Dehnungen (Theorie der kleinen Verformungen „Small Strain“ und
Theorie der großen Verformungen „Non Linear Geometry“) unterscheiden.

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Variante Model Change Option Berechnung der Dehnungen


A1 Strain Free Small Strain
A2 Strain Free Non Linear Geometry1)
B1 With Strain Small Strain
B2 With Strain Non Linear Geometry1)

Tabelle 10-1: Varianten der Berechnungen

1)
Wird durch die Angabe der Option nlgeom in der Step-Anweisung aktiviert
In Bild 10-3 ist der Zustand des Netzes zu Beginn des Steps 2 dargestellt, nachdem die
Lage 2 der Elemente reaktiviert wurde. Es sind die Varianten A1 und B1 dargestellt. Bild
10-3a zeigt die Konfiguration bei der Reaktivierung „Strain Free“. Die Elemente der Lage
2 werden der verformten Konfiguration angepasst, die unteren Knoten sind verformt, die
oberen Knoten sind in ihrer ursprünglichen Lage. Die damit einhergehende Volumen-
vergrößerung ist dehnungsfrei. Bei Berechnungen nach der Theorie der großen
Verformungen (Non Linear Geometry) führt dies daher zu einer größeren Masse der
eingebauten Lage. Wird die Berechnung nach der Theorie der kleinen Verformungen
(Small Strain) durchgeführt, legt das Programm die Annahme zugrunde, dass die
Verformungen so klein sind, dass keine Volumenvergrößerung und somit keine Zuname
der Masse stattfindet. Die Oberkante der neu hinzugefügten Lage entspricht bei beiden
Berechnungen der Ausgangskonfiguration.
Reaktivierung mit Option “Strain Free”

h Lage 2
h’

h<h’ Lage 1

Originalkonfiguration
Konfiguration
bei Reaktivierung

Bild 10-3a: Reaktivierung „Strain Free“

In Bild 10-3b ist die Konfiguration zu Beginn von Step 2 nach der Reaktivierung mit der
Option „With Strain“ dargestellt. Durch die Bedingung, das die mit der aktuellen
Konfiguration einhergehenden Dehnungen zu Spannungen führen, entzieht sich das
Element der Verformung, indem die oberen Knoten sich in gleicher Weise verformen, wie
die unteren, die ja zugleich die Oberkante der unteren Lage 1 bilden. Die Höhe h’ des
Elementes in der aktuellen Konfiguration ist daher gleich der Höhe h des Elementes in der

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Ausgangskonfiguration. Die Oberkante der neu aufgebrachten Lage entspricht nicht der
ursprünglich vorgesehenen.
Reaktivierung mit Option “With Strain”

h Lage 2
h’

h = h’ Lage 1

Originalkonfiguration
Konfiguration
bei Reaktivierung

Bild 10-3b: Reaktivierung „With Strain“

Da üblicherweise die Dicke der einzelnen Lagen bei Erdbauwerken klein ist gegenüber der
Gesamthöhe des Bauwerks, muss eine große Anzahl von Lagen aufgebracht werden. Der
mit der Option „With Strain“ gemachte Fehler bei der aufgebrachten Lagenhöhe summiert
sich daher bei großen Erdbauwerken wie z.B. Dämmen bis in Meter-Größenordnung.
Tabelle 10-2 gibt einen Überblick über die vertikale Verschiebung des Knotens 7 auf der
Oberseite der Lage 2 nach Beendigung des Steps 2, d.h. auch das Eigengewicht der Lage 2
ist jetzt aufgebracht.

Small Strain Non Linear Geometry


Add=Strain Free 0,75 0,74
Add=With Strain 1,00 0,94

Tabelle 10-2: Vertikale Verschiebung u (normiert) des oberen Randes der oberen Lage
(Knoten 7)

In Bild 10-4 ist die vertikale Verschiebung des Knotens 7 auf der Oberkante der oberen
Lage 1 aller vier Varianten über die Step-Time, also den Berechnungsfortschritt,
dargestellt. Für die Varianten A1 und A2 ist zu erkennen, dass die Verschiebungen im Step
2 (Step Time 1...2) beginnend von 0 zunehmen. Die Varianten B1 und B2 zeigen zu
Beginn des Steps 2 einen Sprung in der Vertikalverschiebung, der aus der Anpassung der
oberen Knoten an die aktuelle Konfiguration resultiert. Der Unterschied in der Steigung
der Geraden im Step 2 wird durch die, bei den Varianten A größere Masse bedingt.

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Bild 10-4: Vertikale Verschiebung des Knotens 7 über die Step-Time

10.3 Initiale Spannungszustände

Aufgrund des nichtlinearen, spannungsabhängigen Materialverhaltens von Boden, ist die


Definition eines initialen Spannungszustands im Baugrund als Anfangsbedingung für
Standsicherheits- und Verformungsbetrachtungen unerlässlich (vgl. auch Kap. 4). Dies
spielt bei Erdbauwerken insbesondere bei der Modellierung von Geländeeinschnitten eine
große Rolle.

Bei horizontaler Baugrundschichtung und horizontaler Geländeoberfläche hängt der


initiale Spannungszustand nur von der vertikalen Koordinate (2 im ebenen Fall, 3 in 3-D-
Berechnungen) ab. In diesen Fällen kann er durch den Befehl im Keyword-Editor

*INITIAL CONDITIONS, TYPE=STRESS, GEOSTATIC


ELEMENTSATZ, s22(z1), z1, s22(z2), z2, k0

gefolgt von einer Datenzeile, die mit der Angabe des Elementsatzes beginnt und sich
anschließend alternierend aus einer Angabe zur Spannung und der zugehörigen vertikalen
Koordinate in dieser Tiefe zusammensetzt, angegeben werden. Die Datenzeile wird durch
die Angabe des Seitendruckverhältnisses im Ruhezustand k0 abgeschlossen und lautet z.B.:

SOIL, 0., 100., 900., 50., 1900., 0., 0.7

Das zugehörige System ist 100 m hoch, der Koordinatenursprung liegt auf der Unterseite
des Modells. Die Geländeoberfläche ist daher auf 100 m, dort ist die Spannung 0. Bis in 50
m Tiefe befindet sich eine Schicht mit einer Wichte von =18 kN/m³, so dass die
Vertikalspannung in der Tiefe von 50 m 900 kN/m² beträgt. Bis zum unteren Modellrand
in 100 m Tiefe beträgt die Wichte des Bodens  = 20 kN/m³. Die Vertikalspannung am
unteren Modellrand bei der Koordinate 0 m ist daher 1900 kN/m². Das
Seitendruckverhältnis im Ruhezustand k0 beträgt 0,7.

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 10-9

Für unregelmäßige Geometrien oder geneigte Geländeoberflächen kann diese einfache


Methode nicht angewendet werden, da in diesem Fall der initiale Spannungszustand nicht
nur von der vertikalen Koordinate abhängt sondern ein räumlich verteilter
Spannungszustand vorliegt. In diesen Fällen muss der initiale Spannungszustand in einer
gesonderten Berechnung ermittelt werden und die Spannungen dann elementweise in die
eigentliche Berechnung eingelesen werden. Es existieren zwei Möglichkeiten diesen
Spannungszustand zu erzeugen:

 Option INPUT bei dem Befehl INITIAL CONDITIONS

Zunächst berechnet man in einer vorlaufenden Berechnung den Eigenspannungszustands


des Systems und extrahiert aus dem .dat-file die tabellarische Angabe mit den Spannungen
der Elemente in ein neues Text-file. Die Spannungen werden im .dat-file in folgendem
Format angegeben:

ELEMENT PT FOOT- S11 S22 S33 S12 MISES


NOTE
1000 1 - - - 2.5063E- 2145.
2145. 4289. 2145. 02

Der Text-file muss anschließend in der Syntax angepasst werden, da ABAQUS folgendes
Format voraussetzt (in ebenen Berechnungen):

Elementnummer, S11, S22, S33, S12

Bei dreidimensionalen Berechnungen werden zusätzlich noch die Schubspannung S13 und
S23 gefordert. Zur Umwandlung des Text-Files kann man z.B. das Tabellenkalkulations-
programm Excel oder andere geeignete Editoren zur Hilfe nehmen.

Es ist darauf zu achten, dass mit der INPUT-Option nur eine Spannung je Element
angegeben werden kann und die Spannungen ggf. im Element gemittelt werden müssen.
Bei ebenen Fällen kann man in der vorlaufenden Berechnung auf die CPE4R-Elemente
zurückgreifen, die ohnehin nur einen Integrationspunkt besitzen.

Das Einlesen der Spannungen erfolgt dann im Input-file der eigentlichen Berechnung wie
folgt:

*INITAL CONDITIONS, TYPE=STRESS, INPUT=<TEXT-FILE>

wobei <TEXT-FILE> durch den Namen des files ersetzt werden muss, in welchem die
Spannungen hinterlegt sind (das file muss im gleichen Verzeichnis liegen!).

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 11-1

11 Konvergenzprobleme

11.1 Einleitung

In der Finiten-Element-Methode werden die äußeren Kräfte mit den inneren Kräften für
das Modell ins Gleichgewicht gebracht. Bei nichtlinearen Problemen ist meist kein exaktes
Gleichgewicht möglich und es muss eine Toleranz für die Lösung angegeben werden. Eine
Lösung heißt konvergent, wenn die berechneten Größen innerhalb der vorher definierten
Toleranz liegen, wenn also z.B. der Unterschied zwischen inneren und äußeren Kräften
gering genug ist.

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den Grundlagen, die zum Verständnis der Vorgänge
notwendig sind, die zum Erreichen einer konvergenten Lösung in der Finiten-Element-
Methode führen. Darüber hinaus werden die Einflussmöglichkeiten auf das
Konvergenzverhalten von Berechnungen aufgezeigt, die im Programm ABAQUS zur
Verfügung stehen und die sich direkt aus den Grundlagen ergeben.

11.2 Nichtlineare Probleme

Jedes reale Problem ist nichtlinear. Häufig lässt sich das Verhalten von Strukturen jedoch
als näherungsweise linear beschreiben und die gewünschte Lösung mit ausreichender
Genauigkeit ermitteln. In allen anderen Fällen muss das Problem nichtlinear betrachtet
werden.

Die Ursachen für nichtlineares Verhalten lassen sich in drei Kategorien aufteilen:

- Nichtlineare Geometrie wegen großer Verformungen (geometrische Nichtlinearität)


- Nichtlineares Materialverhalten (physikalische Nichtlinearität)
- Kontaktprobleme mit diskontinuierlichem Verhalten der Struktur

In typischen Fragestellungen der Geotechnik liegt meist ein nichtlineares


Materialverhalten vor, kombiniert häufig mit Kontaktproblemen. In einigen Fällen muss
auch nach der Theorie der großen Verformungen gerechnet werden (vgl. Kapitel 10).

11.3 Gleichgewicht

Die Finite-Element-Methode stellt das Gleichgewicht zwischen inneren und äußeren


Kräften auf. In Bild 11-1 ist der Zusammenhang dargestellt: Äußere Kräfte P wirken auf
die Struktur und rufen im Finite-Element-Modell in den Knoten innere Kräfte I hervor.

11 Konvergenzprobleme 29.10.2012
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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 11-2

P Ia
P

Id I Ib

Ic

(a) externe Lasten in einer Simulation (b) innere Kräfte wirken an einem Knoten

Gleichgewicht: P-I=0

Bild 11-1: Gleichgewicht zwischen inneren und äußeren Kräften

In der Grundgleichung der FEM

Ku  F (11-1)

stehen die äußeren Kräfte im Kraftvektor F auf der rechten Seite. Die inneren Kräfte an
jedem Knoten ergeben sich aus der Steifigkeitsmatrix K, in der die Elementsteifigkeiten
jedes Elementes eingehen, und der Knotenverschiebung u. Die innere Knotenkraft I des im
Bild 11-1 dargestellten Knotens ergeben sich aus den inneren Kräften der vier
angrenzenden Elemente Ia, Ib, Ic und Id.

Bei linearen Problemen ist die Steifigkeitsmatrix konstant und die


Gleichgewichtsbedingung ist exakt erfüllt. Nichtlineare Probleme bedingen jedoch eine
Abhängigkeit der Steifigkeitsmatrix K von anderen Größen, die sich im Zuge der Lösung
ändern, z.B. der Verschiebung u oder von der Spannung . Trägt man die Last P über der
Verschiebung u in einem Diagramm auf, so wird der Unterschied deutlich (Bild 11-2).

lineare Probleme
Last K=const.

P nichtlineare
Probleme
K=K(....)

u Verschiebung

Bild 11-2: Last-Verschiebungs-Diagramm für lineare und nichtlineare Probleme

11 Konvergenzprobleme 29.10.2012
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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 11-3

Bei nichtlinearen Problemen ändert sich die Steigung des Zusammenhangs zwischen Last
und Verschiebung, die durch die Steifigkeitsmatrix beschrieben wird, mit steigender Last.
Daher können die inneren Kräfte I, die von der Steifigkeitsmatrix abhängen, nur
inkrementell berechnet werden und das Gleichgewicht kann nur näherungsweise bestimmt
werden. Die Grundgleichung der FEM wird dann inkrementell für das Inkrement i
beschrieben:
K i u i  F i (11-2)

Die Gesamtlösung ergibt sich aus der Summe der Inkremente. Um einen Lastfall bei
nichtlinearen Problemen zu berechnen, muss also die Gesamtlast in Inkremente unterteilt
werden. Die einfachste Möglichkeit der Lastaufteilung, die in ABAQUS standardmäßig
bei den Berechnungsprozeduren Static und Geostatic angewendet wird, ist ein
linearer Zusammenhang zwischen der Gesamtlast und der Step-Time (Bild 11-3). Die
Größe des Lastinkrementes P ist direkt proportional zur relativen Step-Zeit (relative Step-
Time). Üblicherweise beträgt die „Dauer“ eines Steps in ABAQUS eine Zeiteinheit. Wird
also ein Inkrement mit der „Dauer“ von z.B. 0.14 versucht zu berechnen, so beträgt das
Lastinkrement P für das Inkrement 14% der Gesamtlast.

Last

Relative
0 t 1
Step-Time

Bild 11-3: Inkrementierung der Last in einem Berechnungsschritt (Ramp-Funktion)

Die Größe des Inkrements, das berechnet wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Wird das
Inkrement zu groß gewählt, ist u.U. keine konvergente Lösung zu erzielen. Bei kleinen
Inkrementgrößen ist der anderen Seite der Berechnungsaufwand sehr viel höher. Der Wahl
der richtigen Inkrementgröße kommt daher für eine effiziente Berechnung eine bedeutende
Rolle zu.

11 Konvergenzprobleme 29.10.2012
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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 11-4

Last
a
Ra
Ia
p K0

u0 ua
Verschiebung
Bild 11-4: Inkrementelle Lösung und Residuum

In Bild 11-4 ist dargestellt, wie prinzipiell bei nichtlinearen Problemen eine Lösung
gefunden werden kann. Das System hat zu Beginn des Lastinkrements die Verschiebung
u0. Zugehörig zu dieser Verschiebung ist die Anfangssteifigkeitsmatrix K0. In diesem
Inkrement wird die Last p aufgebracht, die dazu führt dass sich das System nach Lösen
der Gleichung 11-2 im Punkt a mit der Verschiebung ua befindet. Die äußeren Kräfte in
diesem Fall sind P. Die innere Kraft, die zur Verschiebung ua gehört, ist durch die zur
Verformung ua auf der nichtlinearen Last-Verschiebungs-Funktion gehörende Kraft Ia
gegeben. Durch die Nichtlinearität der Last-Verschiebungsfunktion besteht in jedem Fall
ein Unterschied zwischen P und Ia, also den äußeren und inneren Kräften. Die Differenz
zwischen beiden wird als Residuum (R) bezeichnet:

R=P–I (11-3)

Damit ein Gleichgewichtszustand herrscht, muss das Residuum verschwinden. Bei


nichtlinearen Problemen wird dies nicht erreicht. Stattdessen wird ein Toleranzbereich für
die Größe des Residuums definiert, für den der gefundene Gleichgewichtszustand als
akzeptabel im Rahmen der Genauigkeit definiert wird:

P – I = R  Toleranz (11-4)

Wird bei einer Gleichgewichtsiteration die Toleranz nicht eingehalten, werden weitere
Iterationen durchgeführt, bis die Toleranz eingehalten ist. In diesem Fall hat die Lösung
konvergiert. Kann für das in diesem Inkrement vorgesehene Lastinkrement p keine
Lösung erzielt werden, muss das Lastinkrement verkleinert werden und es werden erneut
Gleichgewichtsiterationen durchgeführt.

Für die Lösung der Gleichung existieren verschiedene Lösungsverfahren, von denen in den
Kapiteln 11.5.1 und 11.5.2 zwei vorgestellt werden.

11 Konvergenzprobleme 29.10.2012
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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 11-5

11.4 Steps, Inkremente, Iterationen, Versuche

Die Berechnung eines nichtlinearen Strukturproblems mit der FEM erfordert die
Aufteilung der Berechnung in verschiedene Untereinheiten, die nachfolgend in einer Art
Glossar erläutert werden:

- Step Berechnungsschritt; beschreibt eine Lastkonfiguration, die berechnet


werden soll. Jeder Step besitzt eine Zeitdauer t, die bei zeitinvarianten
Problemen wie z.B. elastoplastischen Last-Verformungsanalysen lediglich
als Hilfsgröße für die weitere Unterteilung in kleinere
Berechnungseinheiten dient.

- Inkrement Ein Inkrement ist eine Untereinheit eines Steps. Bei linearen Problemen
kann die Lösung für den gesamten Step in einem Berechnungsschritt, also in
einem Inkrement, erreicht werden. Nichtlineare Probleme erfordern die
Zerlegung des Steps in Inkremente. Für jedes Inkrement muss ein
Gleichgewichtszustand erreicht werden. Ein Inkrement hat die Zeitdauer t.
Es muss gelten: t = t (die Summe der Dauer aller Inkremente eines Steps
ist gleich der Gesamtdauer des Steps). In ABAQUS kann die höchste
zulässige Zahl der Inkremente je Step angegeben werden.

- Iteration Eine Iteration ist eine Untereinheit eines Inkrementes. Um einen Gleich-
gewichtszustand innerhalb der vorgegebenen Toleranz zu erreichen, muss
bei nichtlinearen Problemen in der Regel iteriert werden. Es existieren zwei
Arten von Iterationen, die Gleichgewichtsiteration (Equilibrium Iteration)
und die Iteration infolge einer Veränderung der Kontaktbedingungen
(Severe Discontinuity Iteration). In ABAQUS ist die Anzahl der Iterationen
je Inkrement bzw. je Versuch auf einen Standardwert voreingestellt, kann
jedoch vom Benutzer verändert werden.

- Versuche Kann ein Inkrement eines Steps nicht mit der zu Beginn angegeben Größe
berechnet werden, da kein Gleichgewicht innerhalb der angegebenen
Toleranzgrenzen erzielt werden kann, kann das Inkrement verkleinert
werden und in einem neuen Versuch mit verkleinertem Lastinkrement
erneut versucht werden. In ABAQUS ist die Anzahl der Versuche je
Inkrement auf einen Standardwert voreingestellt, kann jedoch vom Benutzer
verändert werden.

11 Konvergenzprobleme 29.10.2012
Prof. Dr.-Ing. Rolf Katzenbach  Direktor des Institutes und der Versuchsanstalt für Geotechnik der TU Darmstadt

Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 11-6

11.5 Lösungsverfahren nichtlinearer Probleme

Lösungsverfahren für nichtlineare Probleme müssen folgende Anforderungen erfüllen:


- Robustheit
- schnelle Konvergenz
- geringer Rechenaufwand

Aus der großen Menge der Lösungsansätze werden hier beispielhaft zwei Ansätze
vorgestellt, die sehr weite Verbreitung gefunden haben und auch in ABAQUS verwendet
werden.

11.5.1 Newton-Raphson

Bei dem Lösungsansatz von Newton-Raphson wird die Steifigkeitsmatrix nach jeder
Iteration als Tangentensteifigkeit neu bestimmt. Der Iterationsvorgang in einem Inkrement
kann sehr anschaulich nachvollzogen werden (Bild 11-5):

Ka
Last
a
Ra
Ia
P K0

ca

u0 ua
Verschiebung

Bild 11-5: Berechnung des ersten Inkrements · Newton-Raphson

Zu Beginn des Inkrementes hat die Struktur die Verschiebung u0 und die zugehörige
Anfangssteifigkeitsmatrix K0. Mit dem durch die Inkrementgröße vorgegebenen P ergibt
sich nach Lösen der Gleichung

ca = K0-1 F (11-5)

die neue Verschiebung ua in Punkt a. Das Verschiebungsinkrement zwischen u0 und ua


wird als Korrektur (Displacement Correction) ca bezeichnet. Man geht bei der Berechnung
davon aus, dass sich die Steifigkeit innerhalb des berechneten Schrittes nicht sehr stark
ändert, so dass der Unterschied zwischen der nichtlinearen, „wahren“ Last-
Verschiebungsfunktion und der linearen Näherung nicht sehr groß wird.

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Für die neue Konfiguration wird die Steifigkeitsmatrix Ka als Tangente und die Last-
Verschiebungsfunktion berechnet. Mit dieser aktualisierten Steifigkeitsmatrix werden dann
die inneren Kräfte Ia berechnet

Ia = Ka ua (11-6)

Aus der Differenz der äußeren Kräfte P und der inneren Kräfte Ia erhält man das Residuum
für die erste Iteration Ra = P - Ia. Es wird nun überprüft, ob das Residuum innerhalb der
Toleranzgrenzen liegt. Dazu wird i.d.R. eine normierte Größe herangezogen. In ABAQUS
dient dazu die Größe „time average force“ q~  für Last-Verschiebungs-Probleme. Diese
Vergleichsgröße wird durch die Mittelung aller Knotenkräfte über das gesamte Modell und
über die gesamte Berechnungszeit ermittelt (vgl. Kap. 11.6). Ist das Residuum klein genug,
wird die Lösung als konvergent bezeichnet und das Inkrement ist beendet.

Wenn das Residuum zu groß ist, wird eine weitere Gleichgewichtsiteration durchgeführt.

P a 1. Iteration 2. Iteration
Ia
P K0 Ka
Last
ua a b
u0
Rb
Ib
Ia
K0

cb

ua ub Verschiebung

Bild 11-6: Berechnung der zweiten und jeder weiteren Iteration · Newton-Raphson-Verfahren

Dazu wird das nächste Verschiebungsinkrement cb mit der aktualisierten Steifigkeitsmatrix


Ka und dem Residuum aus der vorhergehenden Iteration errechnet:

cb = Ka-1 Ra (11-7)

Die „fehlende“ Kraft (das Residuum) aus der vorhergehenden Iteration wird mit der
aktuellen Steifigkeit auf die Struktur aufgebracht. Es ergibt sich die neue Konfiguration in
Punkt b mit der aktuellen Verschiebung cb. Erneut wird die Steifigkeitsmatrix aktualisiert
und die inneren Kräfte Ib berechnet. Das Residuum Rb in b ergibt sich dann aus

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 11-8

Rb = P - Ib (11-8)

Die Beurteilung der Konvergenz erfolgt dann auf Basis der Größe des Residuums und der
Größe der Verschiebungskorrektur ci der i-ten Iteration im Verhältnis zur
Gesamtverschiebung u des Inkrements.

Das Lösungsverfahren nach Newton-Raphson ist robust und konvergiert schnell.


Allerdings ist der Rechenaufwand bedingt durch das Aktualisieren der Steifigkeitsmatrix K
in jeder Gleichgewichtsiteration relativ hoch. In einigen Fällen kann es daher sinnvoll sein,
den Quasi-Newton-Gleichungslöser zu verwenden.

11.5.2 Quasi-Newton

Der Quasi-Newton-Gleichungslöser unterscheidet sich vom Lösungsverfahren nach


Newton-Raphson dadurch, dass die Steifigkeitsmatrix K nicht für jede
Gleichgewichtsiteration neu berechnet wird, sondern über die Berechnung des Inkrements
konstant bleibt. Dies bedingt eine u.U. größere Zahl von Iterationen für die Berechnung
des Inkrements. Dem steht der geringere Aufwand für die Berechnung eines Inkrements
gegenüber, da die Steifigkeitsmatrix nicht angepasst wird.

11.6 Konvergenzkriterien in ABAQUS

Die Konvergenz einer Lösung wird in ABAQUS in der Regel durch zwei Kriterien
überprüft.

1. Überprüfen der Größe des Residuums


2. Überprüfen der Größe der Verschiebungskorrektur

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11.6.1 Größe des Residuums

Das Konvergenzkriterium für die Größe des Residuums lautet:


Rmax
~ 
 Rn (11-9)
q

mit Rmax größtes Residuum im FE-Modell in der Iteration
q~  „time average force“ – über die Zeit und das Modell gemittelte Kraft

Rn Toleranzgröße, Standardwert ist 5·10-3

Die Berechnung der „time average force“ erfolgt aus der „average force“ q  , die aus der
Summe der an allen Knoten angreifenden inneren und äußeren Kräfte, dividiert durch die
Summe der Anzahl der Freiheitsgrade und der äußeren Kräfte gebildet wird. Die „average
force“ q  wird für jedes Inkrement berechnet, die „time average force“ ergibt sich dann als
arithmetisches Mittel der „average force“ über die Inkremente:

q
q~   i
(11-10)
i
Im Message-File (.msg-File) werden die „average force“, die „time average force“ und das
maximale Residuum (largest residual force“) ausgegeben.

 Größe der Verschiebungskorrektur c


Die größte Verschiebungskorrektur cmax darf nicht größer sein als ein gewisses Fraktil des

maximalen Verschiebungsinkrements u max des Inkrements. Der Standardwert des
zulässigen Fraktils liegt bei 1%.

Im Message-File (.msg-File) werden die Größe der Maximalen Verschiebungsinkrements


(largest increment of displacement) und die Größe der maximalen Verschiebungskorrektur
(largest correction to displacement) ausgegeben.

11.7 Kontrollmöglichkeiten in ABAQUS

Für die Kontrolle des Konvergenzverhaltens gibt ABAQUS dem Benutzer Informationen
in das Message-File (Endung .msg) und das Status-File (Endung .sta).

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11.7.1 Message-File

Im Message-File werden standardmäßig Informationen zu jeder Gleichgewichtsiteration in


jedem Inkrement jedes Steps ausgegeben. Es werden sowohl die Informationen zu den
Verschiebungen als auch zu den Residuen angeben (vgl.

Bild 11-7). Zu den jeweiligen maximalen Größen der Verschiebung bzw. des Residuums ist
jeweils die Knotennummer mit angegeben, bei der die Größe auftritt.

EQUILIBRIUM ITERATION 1 q
AVERAGE FORCE 314. TIME AVG. FORCE 314.
LARGEST RESIDUAL FORCE 1.220E-03 AT NODE 1000030 DOF 2
LARGEST INCREMENT OF DISP. -2.208E-02 AT NODE 2000091 DOF 2
LARGEST CORRECTION TO DISP 3.016E-03 AT NODE 2000113 DOF 2
THE FORCE EQUILIBRIUM EQUATIONS HAVE CONVERGED


Rmax u max q~ 

a
cmax

Bild 11-7: Auszug aus dem Message-File

In Bild 11-7 ist zusätzlich an der letzten Zeile zu erkennen, dass die gefundene Lösung
innerhalb der vorgegebenen Toleranzen liegt („The Force Equilibrium Equations have
converged“). Anderenfalls würde als nächstes eine Information über die nächste Iteration
folgen. Der Message-File wird bei jeder Iteration aktualisiert.

11.7.2 Status-File

Im Status-File werden die Informationen über den Fortschritt der Berechnung kurz
zusammengefasst. Er wird am Ende jedes Inkrements aktualisiert und enthält Angaben
über die Anzahl der Iterationen (INC) und ggf. Versuche (Attempts ATT) die für jedes
Inkrement benötigt wurden. Dabei wird nach Iterationen, die durch Änderungen der
Kontaktbedingungen entstehen (SEVERE DISCONUITY ITERS) und
Gleichgewichtsiterationen (EQUIL ITERS) unterschieden. Es wird die Dauer des
Inkrements (INC OF TIME), die bereits gerechnete Zeit im Step (STEP TIME) und die
gesamte berechnete Zeit (TOTAL TIME) angegeben. Zur Angabe des Monitor-Knotens
vgl. Kap. 11.7.3.

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SUMMARY OF JOB INFORMATION:


MONITOR NODE: 185449 DOF: 1
STEP INC ATT SEVERE EQUIL TOTAL TOTAL STEP INC
OF DOF IF
DISCON ITERS ITERS TIME/ TIME/LPF
TIME/LPF MONITOR RIKS
ITERS FREQ
1 1 1 3 1 4 5.00e-06 5.00e-06
5.000e-06 -0.0667
1 2 3 1 1 2 5.31e-06 5.31e-06
3.125e-07 -0.0667
1 3 1 1 2 3 5.78e-06 5.78e-06
4.688e-07 -0.0667
1 4 1 0 1 1 6.48e-06 6.48e-06
7.031e-07 -0.0667
1 5 1 1 1 2 7.54e-06 7.54e-06
1.055e-06 -0.0667
1 6 1 0 1 1 9.12e-06 9.12e-06
1.582e-06 -0.0667
1 7 1 0 1 1 1.15e-05 1.15e-05
2.373e-06 -0.0667
1 8 1 0 1 1 1.51e-05 1.51e-05
3.560e-06 -0.0667

Bild 11-8: Auszug aus dem Status-File

11.7.3 *PRINT und *MONITOR

Zusätzliche Informationen kann man durch die Angabe der Befehle *PRINT und
*MONITOR im Eingabe-File erhalten. Der *PRINT-Befehl steuert die Ausgabe der
Informationen in den Message-File. Bei Konvergenzproblemen ist es sehr wichtig,
ausreichend Informationen über das Verhalten der Struktur zu haben, daher sollte dieser
Befehl unbedingt verwendet werden. Durch die Angabe verschiedener Optionen kann man
wesentlich mehr Informationen über die Lösung der Gleichungen bzw. über das
Konvergenzverhalten erhalten.

Die wesentlichen Optionen sind:

*PRINT, SOLVE=YES Gibt detailliertere Informationen zum Lösen der


Gleichung aus
*PRINT, RESIDUALS=YES Gibt die Informationen zu Residuen und
Verschiebungskorrekturen aus (ist der Standard-Wert)
*PRINT, Gibt detailliertere Informationen zur Lösung mit
PLASTICITY=YES Plastizität aus
*PRINT, CONTACT=YES Gibt detailliertere Informationen über die
Kontakbedingungen aus

Über die Option Frequency kann die Häufigkeit der Ausgabe in den Message-File
gesteuert werden.

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Mit *Monitor kann die Entwicklung des Wertes eines Freiheitsgrads eines Knotens im
Status-File mitgeschrieben werden. So kann man z.B. die Setzung eines wichtigen Punktes
direkt mitprotokollieren. Der Befehl lautet:

*MONITOR, NODE=...., DOF=....

11.8 Einflussmöglichkeiten auf das Konvergenzverhalten

Die Standardeinstellungen von ABAQUS sind so gewählt, dass der


Berechnungsalgorithmus möglichst robust funktioniert und in den meisten Fällen
Konvergenz erreicht wird. Ein Eingriff des Benutzers ist daher in der Regel nicht
notwendig. Gleichwohl existieren einige Möglichkeiten, das Konvergenzverhalten durch
den Benutzer zu beeinflussen, von denen nachfolgend einige vorgestellt werden.

Es sei jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Eingriffe auf das


Konvergenzverhalten u.U. zu ungewollten Veränderungen des Ergebnisses und
insbesondere der Genauigkeit des Ergebnisses führen können.

11.8.1 Zeitschrittsteuerung

Die Zeitschrittsteuerung in ABAQUS ist wesentlich für das Konvergenzverhalten. Bei


nichtlinearen Berechnungen muss die Lösung inkrementell berechnet werden und die
Größe des Inkrementes ist entscheidend für das Erzielen einer konvergenten Lösung.
Wegen der Rechenzeit sind große Inkremente gewünscht, die aber häufig nicht zu
konvergenten Lösungen führen und dann in einem zweiten Versuch mit kleiner Größe
nachgerechnet werden müssen.

ABAQUS bietet eine automatische Zeitinkrementierung, die in Abhängigkeit des


Konvergenzverhaltens die Inkrementgröße anpasst. Der Benutzer kann jedoch bei dem
Prozedur-Aufruf in der STEP-Anweisung (z.B. STATIC) einige Parameter beeinflussen.

Zunächst ist es jedoch wichtig, dass im Step ausreichend Inkremente zugelassen werden,
da ABAQUS standardmäßig nur 10 Inkremente je Step zulässt und bei Erreichen des 11.
Inkrements eine Fehlermeldung ausgibt (too many increments) und die Berechnung
abbricht. Die zulässige Inkrement-Anzahl wird direkt hinter die STEP-Anweisung
geschrieben.

Die Anweisung lautet beispielsweise:

*STEP, INC=1000

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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 11-13

*STATIC
1.E-3, 1., 1.E-8, 1.E-2
.....

Der erste Wert, der in der Datenzeile nach dem Prozeduraufruf STATIC steht, gibt die
Größe des Startinkrementes an. Standardmäßig versucht ABAQUS zunächst den gesamten
Step in einem Inkrement zu rechnen, was bei nichtlinearen Problemen in der Regel nicht
klappt. Dies führt ohne weitere Angabe dazu, dass ABAQUS nach 12
Gleichgewichtsiterationen einen neuen Versuch startet und die Inkrementgröße um den
Faktor 4 verkleinert. Falls ABAQUS auch im zweiten Versuch kein Gleichgewicht findet,
muss ein dritter Versuch gestartet werden usw. Nach 6 Versuchen bricht ABAQUS mit
einer Fehlermeldung ab (too many attempts). Die Zeit, die ABAQUS für diese Berechnung
benötigt kann durch die Angabe eines sinnvollen Startinkrements gespart werden.

Die zweite Angabe in der Datenzeile gibt die gesamte Dauer des Steps an. Sie ist
standardmäßig 1., kann jedoch beliebig verändert werden, wenn eine zeitinvariante
Berechnung durchgeführt wird.

Die dritte Angabe gibt den minimale zulässige Größe des Inkrements an, in diesem Fall
1.E-8. Standardmäßig nimmt ABAQUS an, dass die Inkrementgröße nicht kleiner werden
darf als 1/1000 der Dauer des Inkrements. Wenn dies nicht ausreicht, bricht ABAQUS die
Berechnung mit einer Fehlermeldung ab (time increment needed is less than specified).

Die vierte Angabe gibt eine zulässige obere Grenze für die Dauer des Inkrementes an.

11.8.2 Extrapolation der Lösung

Standardmäßig extrapoliert ABAQUS die Lösung des vorangegangen Inkrements um die


Lösung für das folgende Inkrement zu erhalten. Bei einigen Problemen führt dies zu einer
langsameren Konvergenz. Durch die Eingabe von

*STEP, EXTRAPOLATION=NO (bei Versionsnummern kleiner als 5.8:


MONOTONIC=NO)

wird die Extrapolation ausgeschaltet.

11 Konvergenzprobleme 29.10.2012
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11.8.3 Unsymmetrischer Gleichungslöser

Einige Materialroutinen (z.B. Mohr-Coulomb mit nicht-assozierter Fließregel) erzeugen


eine unsymmetrische Materialmatrix D. Wird die Gleichung dann mit dem standard-
Gleichungslöser gelöst, ist das Konvergenzverhalten unter Umständen sehr langsam. In
diesem Fall kann bei der Step-Anweisung folgende Option angegeben werden:

*STEP, UNSYMM=YES

Es wird dann der unsymmetrische Gleichungslöser verwendet.

11.8.4 Veränderung der Konvergenzgrenzen

Es besteht in ABAQUS die Möglichkeit die Konvergenzgrenzen, also die Toleranzen, zu


verändern. Dies ist jedoch mit äußerster Vorsicht durchzuführen und ist die Ultima Ratio
bei Konvergenzproblemen.

Der Befehl *CONTROLS beinhaltet eine Vielzahl von Optionen um das


Konvergenzverhalten zu beeinflussen, insbesondere die automatische Zeitschrittsteuerung
und die Konvergenzgrenzen. Um die Toleranzen für das Residuum und die Verschiebung
zu verändern gibt man den Befehl wie folgt ein:

*CONTROLS, PARAMETER=FIELD, FIELD=DISPLACEMENT


TOLERANZ DES RESIDUUMS, TOLERANZ DER VERSCHIEBUNG

z.B.
*CONTROLS, PARAMETER=FIELD, FIELD=DISPLACEMENT
0.02, 0.03

Hier würde die Toleranzgrenze der Residuen auf 2% und die Toleranz des
Verschiebungskriteriums auf 3% gesetzt.

11 Konvergenzprobleme 29.10.2012
Prof. Dr.-In enbach  Dire
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D

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A der FEM inn der Geotecchnik Seite 12-1

12 Anhang

12.1 *NODE,N
NSET=NAM
ME
ODE,NSET=
*NO =NAME
KN, x., y., z.

Knotten der Knootennummer KN wird an der Stellle x, y, z generiert.


g D
Der Knoten wird
w der
Knottensatz NA AME hinzu ugefügt. DDer Knoten nsatzname NAME daarf höchsteens acht
Buchhstaben langg sein. Es können
k mehhrere Zeilen (KN, x., y., z.) direkt aufeinander folgen.
Der P
Parameter NSET=NAM
N ME ist optioonal.

12.2 *NCOPY
Y
*NCOPY, CHA ANGE NUM
MBER=xxx,, OLD SET=
=NAME, NEW
N SET=N
NEU, SHIF
FT
x., y.., z.
a., b.., c., d., e., f.,
f g.

Der Knotensatz NAME wird um x., y., z. z verschob ben kopierrt und erh hält den
Knottensatznameen NEU, wo obei jede K Knotennumm mer um den Wert xxx eerhöht wird. Bei der
Kopiieroption füür die drittte Zeile 0. , 0., 0., 0., 0., 0. haandelt es ssich um ein ne reine
Trannslation. Umm eine Rotation
R duurchzuführenn wird eine Rotatioonsachse mit m dem
Anfaangspunkt a.,
a b., c. (in x-, y-, z-Kooordinaten)) und dem Endpunkt
E d.., e., f. (in x-,
x y-, z-
Koorrdinaten) definiert,
d um
m die einee Rotation um g-Graad durchgeeführt wird d. Durch
CHA ANGE NUM MBER kan nn man seehr leicht versehentlicch doppeltte Knotenn nummern
erzeuugen.

12.3 *NGEN
*NG
GEN, NSET==NAME
KN1, KN2, a

Es w
werden Knooten in gleicchmäßigen a-er Schrittten zwischeen den Knooten KN1 und
u KN2
erzeuugt. Diese werden
w dem
m Knotensatzz NAME hiinzugefügt.

12.4 *NFILL
*NFIILL, NSET=ALL
SET1, SET2, a, b

Es w
werden Knottenreihen zwwischen denn Knotensäätzen SET1 und SET2 aaufgefüllt, wobei
w a-
1 Knnotenreihen eingefügt werden.
w Diee Knotennu
ummern werrden von Reeihe zu Reiihe um b
erhöhht und dem Knotensatzz ALL hinzuugefügt.

12 Anhanng 29.10.20122
Prof. Dr.-Ing. Rolf Katzenbach  Direktor des Institutes und der Versuchsanstalt für Geotechnik der TU Darmstadt

Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 12-2

12.5 *NSET
*NSET,NSET=NAME
NODE1,NODE2,...

Hiermit werden die Knoten NODE1, NODE2 dem Knotensatz NAME hinzugefügt.

*NSET,NSET=NAME,GENERATE
NODE1,NODE2,INC

Hiermit werden alle Knoten zwischen NODE1 und NODE2 im Knotennummernabstand


INC dem Knotensatz NAME hinzugefügt.

12.6 *ELEMENT
*ELEMENT, TYPE=TYP, ELSET=NAME
EN, a, b, c, d, …

Es wird ein Element des Elementtyps TYP mit der Elementnummer EN erzeugt. Die
Zahlen a, b, c,... stellen die Knotennummern dar. Die genaue Folge der
Knotennummerneingabe hängt vom Elementtyp ab (siehe dort). Das Element wird dem
Elementsatz NAME hinzugefügt. Der Elementsatzname darf aus höchstens acht
Buchstaben bestehen.

12.7 *ELCOPY
*ELCOPY, OLD SET=NAME, NEW SET=NEU, ELEMENT SHIFT=x, SHIFT
NODES=y

Es werden alle Elemente des Elementsatzes NAME kopiert und dem Elementsatz Neu
zugeordnet, wobei die Elementnummern um die x erhöht werden. Es werden dabei die
Knoten verwendet, die eine um y höhere Nummer aufweisen, als die die für den
Elementsatz NAME verwendet wurden.

12.8 *ELGEN
*ELGEN, ELSET=NAME
ME, a, b, c, d, e, f, g, h, i

Es werden Elemente nach dem Beispiel des Musterelements mit der Nummer ME erzeugt
und dem Elementsatz NAME hinzugefügt, wobei:

a = Anzahl der Elemente in der ersten Reihe einschließlich des


Musterelements
b = Erhöhung der Knotennummer von Element zu Element in der ersten
Reihe

12 Anhang 29.10.2012
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Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 12-3

c = Erhöhung der Elementnummer von Element zu Element in der ersten


Reihe
d = Anzahl der Elementreihen einschließlich der ersten Reihe
e = Erhöhung der Knotennummern von Elementreihe zu Elementreihe
f = Erhöhung der Elementnummern von Elementreihe zu Elementreihe
g = Anzahl der Elementlagen einschließlich der ersten Lage
h = Erhöhung der Knotennummer von Elementlage zu Elementlage
i = Erhöhung der Elementnummer von Elementlage zu Elementlage

12.9 *ELSET
*ELSET,ELSET=NAME
EL1,EL2,...

Hiermit werden die Elemente EL1, EL2 dem Elementsatz NAME hinzugefügt.

*ELSET,ELSET=NAME,GENERATE
EL1,EL2,INC

Hiermit werden alle Elemente zwischen EL1 und EL2 im Elementnummernabstand INC
dem Elementsatz NAME hinzugefügt.

12.10 *MPC
*MPC
TYPE, NODE1, NODE2, NODE3,…

Es wird ein Multi Point Constraint des Typs TYPE mit den Knoten NODE1, NODE2,
NODE3,… definiert. Der Typ der MPC ist aus der nachfolgenden Tabelle zu bestimmen.

MPC Typ Beschreibung


LINEAR Standardmethode zur Netzverfeinerung von linearen Elementen. Die
Knoten werden in der Reihenfolge p, a, b (siehe Bild 3-12a) angegeben.
QUADRATIC Standardmethode zur Netzverfeinerung von quadratischen Elementen.
Die Knoten werden in der Reihenfolge p, a, b, c (siehe Bild 3-12b)
angegeben, wobei p entweder p1 oder p2 ist.
BILINEAR Standardmethode zur Netzverfeinerung von linearen, dreidimensionalen
Kontinuumselementen. Die Knoten werden in der Reihenfolge p, a, b, c,
d (siehe Bild 3-20a) angegeben
C BIQUAD Standardmethode zur Netzverfeinerung von quadratischen,
dreidimensionalen Kontinuumselementen. Die Knoten werden in der
Reihenfolge p, a, b, c, d, e, f, g, h (siehe Bild 3-20b) angegeben

12 Anhang 29.10.2012
Prof. Dr.-In enbach  Dire
ng. Rolf Katze ektor des Instittutes und der Versuchsansttalt für Geotecchnik der TU Darmstadt
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A der FEM inn der Geotecchnik Seite 12-44

Bild 112-1: linearerr und quadra


atischer Typ vvon MPC’s fü
ür 3D-Kontin
nuumselemennte

12.111 *SOLID
D SECTION
N
*SOL
LID SECTIION,ELSET
T=NAME,M
MATERIAL
L=BODEN

Mit ddiesem Beffehl werden n Kontinuum mselementeen Materialeeigenschafteen zugewiesen. Die


Mateerialeigenscchaften selb
ber werdenn mit den zu *MATE ERIAL gehhörenden Befehlen
B
angegeben. HierH werdden den Elementen n des Elementsatz
E zes NAM ME die
Mateerialeigenscchaften des Materials
M B
BODEN zug geordnet.

12.122 *SHELL
L SECTION
*SHE ELL SECTIION, ELSE
ET=NAME, MATERIA
AL=MAT2
a., b

Mit diesem Befehl


B werdden Shelleelementen eine Dicke und Maaterialeigen nschaften
zugewiesen. DieD Materiaaleigenschaaften selber werden mit den zu *MAT TERIAL
gehöörenden Beffehlen angeegeben. Hieer werden dend Elementen des Eleementsatzess NAME
die D
Dicke a., diee Anzahl vo on b Integraationspunktten über diee Dicke dess Shellelements und
die MMaterialeigeenschaften des Materiials MAT2 zugeordneet. Die Vorreinstellung g für die
Anzaahl der Integgrationspun
nkte b ist fünnf.

12.133 *MATE
ERIAL
Dem
m Material BODEN
B weiist man wie folgt Param
meter zu:

*MA ATERIAL,N NAME=BODEN


*ELA ASTIC
E, p
*DEN NSITY
g
Mit dem Keyw word *MAT TERIAL weerden dem Material BODEN B diee in den foolgenden
Zeileen definierteen Materialleigenschaftten zugewieesen. Beispiielsweise ellastisches Verhalten
V
mit ddem E-Moddel E und der d Poissonzzahl (Querd dehnzahl) p.
p Dem Matterial wird mit dem

12 Anhanng 29.10.20122
Prof. Dr.-Ing. Rolf Katzenbach  Direktor des Institutes und der Versuchsanstalt für Geotechnik der TU Darmstadt

Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 12-5

Keyword *DENSITY eine Dichte der Größe g zugewiesen. Achtung! Wenn man Längen
in [m] und Kräfte in [kN/m²] eingibt muss die Dichte in [t/m³] eingegeben werden.

12.14 Aufbringen von Lasten (*CLOAD/*DLOAD)


mit den Befehlen *CLOAD und *DLOAD können Einzel- und Streckenlasten aufgebracht
werden. Hierbei werden mit dem Keyword *CLOAD Einzellasten auf Knoten aufgebracht
und mit *DLAOD Streckenlasten auf Elemente.

*CLOAD, OP=TYPE
NODE, DOF, MAG

Mit *CLOAD wird eine Last der Größe MAG auf den Knoten NODE (oder auf alle
Knoten des Knotensatzes NODE) in Richtung DOF (Degree of freedom) aufgebracht. Die
Richtung DOF richtet sich nach dem verwendeten Koordinatensystem und ist in der Regel
(kartesische Koordinaten) 1 = x-Richtung, 2 = y-Richtung und 3 = z-Richtung. Mit der
Option OP=TYPE kann angegeben werden ob, die Last zusätzlich zu den schon
vorhandenen Lasten aufgebracht werden soll (OP=MOD) oder ob alle im Modell
vorhandenen Lasten gelöscht werden sollen und die angegebenen Lasten als neue Lasten
aufgebracht werden sollen (OP=NEW).

*DLOAD, OP=TYPE
EL,LTYPE,MAG

Mit *DLOAD wird eine Belastung der Größe MAG auf das Element EL (oder auf alle
Elemente des Elementsatzes EL) aufgebracht. Mit LTYPE wird der Belastungstyp
angegeben, der vom Elementtyp abhängt. Bei fast allen Elementen gibt es die Möglichkeit
eine Strecken-/Flächenlast auf eine der Oberflächen (face) des Elements aufzubringen.
Hierzu wird LTYPE zu Pn gesetzt, wobei n die Oberflächennummer angibt. Mit der
Option OP=TYPE kann angegeben werden ob, die Belastung zusätzlich zu den schon
vorhandenen Belastungen aufgebracht werden soll (OP=MOD) oder ob alle im Modell
vorhandenen Belastungen gelöscht werden sollen und die angegebenen Belastungen als
neue Belastungen aufgebracht werden sollen (OP=NEW).

12.15 Knoten/Knotensatz in seiner aktuellen Position festhalten


Um einen Knoten/Knotensatz in seiner aktuellen Position festzuhalten:

* BOUNDARY, OP=FIXED
Knoten oder Knotensatz, erster Freiheitsgrad, letzter Freiheitsgrad

12 Anhang 29.10.2012
Prof. Dr.-Ing. Rolf Katzenbach  Direktor des Institutes und der Versuchsanstalt für Geotechnik der TU Darmstadt

Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 12-6

Beispiel: 1,2- und 3-Richtung: * BOUNDARY, OP=FIXED


Rand_x,1,3
1- und 3-Richtung: * BOUNDARY, OP=FIXED
Rand_x,1
Rand_x,3

12.16 Festhaltung eines Knoten/Knotensatz ändern


Um eine vorgegebene Randbedingung an einem Knoten/Kontensatz zu verändern:

* BOUNDARY, OP=MOD (default)


Knoten oder Knotensatz, 1.DOF, 2.DOF

12.17 Festhaltung (alle) löschen


Um alle vorgegebene Randbedingung zu löschen:

* BOUNDARY, OP=NEW
Knoten oder Knotensatz, 1.DOF, 2.DOF

12.18 Verschiebungen vorgeben


Um einen Knoten/Knotensatz zu Verschieben :

* BOUNDARY
Knoten oder Knotensatz, 1.DOF, 2.DOF,Verschiebungsbetrag

Beispiel: Verschiebung um 0,5 m * BOUNDARY, OP=MOD


Rand_x,1,1,0.5

12 Anhang 29.10.2012
Prof. Dr.-Ing. Rolf Katzenbach  Direktor des Institutes und der Versuchsanstalt für Geotechnik der TU Darmstadt

Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 13-1

13 Literatur

Robbins, A. (2000): Unix in a Nutshell, deutsche Ausgabe, O’Reilly, 2. Aufl.

Alex, W. (2002): Einführung in UNIX, Skript der Universität Karlsruhe,


http://www.ciw.uni-karlsruhe.de/skriptum/

Gross, D.; Hauger, W.; Wriggers, P.(2011): Technische Mechanik 4 – Hydromechanik,


Elemente der Höheren Mechanik, Numerische Methoden

13 Literatur 13.12.2012
Prof. Dr.-Ing. Rolf Katzenbach  Direktor des Institutes und der Versuchsanstalt für Geotechnik der TU Darmstadt

Studienunterlagen Anwendung der FEM in der Geotechnik Seite 14-1

14 Stand der Bearbeitung

1 Grundlagen der Kontinuumsmechanik (Stand: 29.10.2012)


2 Elastizität (Stand: 29.10.2012)
3 Elemente (Stand: 29.10.2012)
4 Anfangs- und Randbedingungen (Stand: 29.10.2012)
5 Elasto-plastische Materialmodelle (Stand: 29.10.2012)
6 Parameteridentifikation (Stand: 29.10.2012)
7 Einführung in Abaqus (Stand: 29.10.2012)
8 Modellierung geotechnischer
Konstruktionselemente (Pfähle) (Stand: 29.10.2012)
9 Modellierung geotechnischer
Konstruktionselemente (Verbauwände) (Stand: 29.10.2012)
10 Modellierung geotechnischer
Konstrutionselemente (Erdbauwerke) (Stand: 29.10.2012)
11 Konvergenzprobleme (Stand: 29.10.2012)
12 Anhang (Stand: 29.10.2012)
13 Literatur (Stand: 29.10.2012)
14 Stand der Bearbeitung (Stand: 29.10.2012)

14 Stand der Bearbeitung 29.10. 2012