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KOMMUNIKATIONSGRUNDRECHTE

Rechtsquellen für Meinungs- und Informationsfreiheit in der EU

Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) Art. 10 Freiheit der


Meinungsäußerung

Charta der Grundrechte der Europäischen Union (GRC) Art. 11 Freiheit der
Meinungsäußerung und Informationsfreiheit

Grundgesetz (GG) Art. 5 Kommunikationsgrundrechte

(I) 1 Meinungsfreiheit,Informationsfreiheit, 2 Pressefreiheit, Freiheit von


Rundfunk- und Filmberichterstattung, 3 Zensurverbot
(II) deren Schranken liegen in den Vorschriften der allg. Gesetze, gesetzl.
Bestimmungen zum Schutz der Jugend und Recht der persönlichen Ehre
(III) Freiheit von Kunst, Wissenschaft, Forschung und Lehre (im Rahmen der
Verfassungstreue); diese unterliegen nicht den o.g. Schranken

Kommunikationsgrundrechte (Art. 5. I GG):

1. Freiheit der Meinungsäußerung und Verbreitung (Art. 5 I 1 HS. 1)

- Äußerungsfreiheit für wertungsfreie Stellungnahmen


- Ausgenommen falsche Tatsachenbehauptungen
- Kein Anspruch auf Verschaffung einer Zuhörerschaft
- Unabhängig von gewählter Ausdrucksform (Presse, Musik, Gesten etc.)

2. Informationsfreiheit (Art. 5 I 1 HS. 2)

- Schutzgut: Ungehinderte Unterrichtung aus allgemein zugänglichen Quellen


- Freiheit der Informationsauswahl
- Negative Informationsfreiheit: Schutz vor aufgedrängten Informationen
- Kein Anspruch auf kostenlose Unterrichtung

3. Pressefreiheit (Art. 5 I 2 HS. 1)

- Schutz aller wesensmäßig mit der Pressearbeit zusammenhängenden


Tätigkeiten (alle Tätigkeiten im Rahmen des Produktionsprozesses)
- Geschützt wird nicht nur die Produktion der Presse selbst, sondern auch
deren Vorbedingungen (insb. redaktionelle Recherche) und der Vertrieb der
Presseerzeugnisse
- Schutz der Presseinhalte
- Tendenzautonomie (Kompetenz des Verlegers die politische Zielrichtung des
Unternehmens zu bestimmen)
- Informantenschutz, Redaktionsgeheimnis (Aussageverweigerungsrechte)
- Schutz der Redaktionsräume (z.B. bei polizeilichen Durchsuchungen etc.)
- Informationsbeschaffung, Zugangsrechte zu öffentlichen Veranstaltungen
(Sport, Theater, Pressekonferenzen)

4. Freiheit von Rundfunk- und Filmberichterstattung (Art. 5 I 2 HS. 2)

- Programmfreiheit im Rundfunk, Schutz von Auswahl, Inhalt, Ausgestaltung der


Programme
- Duale Rundfunkordnung

5. Kunstfreiheit (Art. 5 III)

- Schrankenlos gewährt
- Keine eindeutige, allgemeingültige Definition von Kunst
- Folgende drei Kunstbegriffe in der Rechtsprechung des BVG entwickelt:
o Formeller Kunstbegriff
o Materieller Kunstbegriff
o Offener Kunstbegriff
- Bestimmung des Schutzbereiches im Einzelfall
- Umfassende Freiheit erstreckt sich nicht nur auf das Werk als solches
(„Werkbereich“) sondern auch auf die Darbietung und Verbreitung
(„Wirkbereich“)

6. Freiheit der Wissenschaft, Forschung und Lehre

- Schrankenlos gewährt

Zensurverbot (Art. 5 I 3)

- Umfasst nur die Vorzensur (Maßnahmen vor der Herstellung oder


Verbreitung)
- Gilt nur für staatliche Maßnahmen

Schranken der Kommunikationsgrundrechte (Art. 5 II)

1. Beschränkbarkeit durch allgemeine Gesetze

- Gesetz darf sich nicht gegen eine spezielle Meinung richten


- Gesetz darf sich nicht nur im Schutzbereich der Kommunikationsfreiheiten
auswirken
- Auch Verordnungen mit umfasst

2. Gesetze zum Schutz der Jugend (insbes. nach JuSchG)

3. Recht der persönlichen Ehre


- Schutz der Menschenwürde (Art. 1 GG)
- Insb. Äußerungsdelikte
- Allg. Persönlichkeitsrecht

4. Pflicht zur Verfassungstreue im Rahmen der Lehrfreiheit (Art. 5. III)

- Schutzgut: Demokratie und ihre Einrichtungen

Zusatz: Freiheitsgrundrechte nach Art. 5 III GG sind zwar grundsätzlich schrankenlos


gewährt, können aber trotz der systematischen Stellung durch Abwägung mit
Grundrechten Dritter und Rechtswerten von Verfassungsrang eingeschränkt werden.

Allgemeines Persönlichkeitsrecht

- Herleitung/ verfassungsrechtliche Verankerung Art. 1 I und Art. 2 I GG


o Kombination aus Menschenwürde als oberstes Schutzgut sowie Recht
auf freie Entfaltung der Persönlichkeit
- Absolut geschütztes Rechtsgut i.S.v. §823 BGB
- Steht allen natürlichen lebenden Personen zu, unabhängig von
Staatsbürgerschaft und Geschäftsfähigkeit
- Ausdehnung des Schutzbereiches als Unternehmenspersönlichkeitsrecht für
juristische Personen des Privatrechts (wenn diese in ihrem sozialen
Geltungsbereich als Arbeitgeber oder als Wirtschaftsunternehmen betroffen
sind)
- Normen des all. Persönlichkeitsrechts
o Namensrecht §12 BGB
o Schadensersatzvorschriften zu Kreditgefährdung §824 BGB und
sittenwidriger Schädigung §826 BGB
- Allg. Persönlichkeitsrecht = Rahmenrecht, d.h. die Reichweite steht nicht
absolut fest, sondern ist durch Güteabwägung im Einzelfall zu ermitteln
- Es geht stets um einen offenen Tatbestand

Ausprägungen des allg. Persönlichkeitsrechts

1. Intim-, Privat- und Geheimsphäre


2. Persönliche Ehre
3. Recht auf Darstellung der eigenen Person in der Öffentlichkeit
4. Recht am eigenen Bild und am gesprochenen Wort
5. Recht Strafgefangener auf Resozialisierung
6. Recht auf wahrheitsgemäße Berichterstattung
7. Recht auf Informationelle Selbstbestimmung
PRESSERECHT

Abgrenzung Tatsachenbehauptung / Meinungsäußerung

Zur Prüfung der Rechtmäßigkeit einer Berichterstattung ist zunächst die Einordnung
der gegenständlichen Äußerung als Tatsachenbehauptung oder Meinungsäußerung
vorzunehmen.

Mit §824 BGB (Kreditgefährdung) besteht Schutz vor unmittelbaren


Beeinträchtigungen durch unwahre Tatsachenbehauptungen.

Bei Meinungsäußerungen sind die Sanktionsmöglichkeiten des Betroffen gering;


lediglich Untersagung der Schmähkritik („Vermutung zu Gunsten der freien Rede“
gem. Art. 5 GG, meinungsbildende Funktion der Presse)

Tatsachenbehauptung = gegenständliche Aussage ist dem Beweis zugänglich;


Kriterien wahr/unwahr

Meinungsäußerung = Aussage ist nicht dem Beweis zugänglich, sondern von


Elementen der subjektiven Stellungnahme und des Dafürhaltens gekennzeichnet

„Im Zweifel Meinungsfreiheit“ – Elemente der Meinungsäußerung und der


Tatsachenbehauptung sind in einer Aussage untrennbar verbunden
→ Gesamtaussage ist im Zweifel zu Gunsten v. Art. 5 GG als Meinungsäußerung zu
behandeln

Verdeckte Aussagen („zwischen den Zeilen“) als Tatsachenbehauptung qualifiziert,


wenn:

- Sich dem Empfänger dadurch eine zwingende Schlussfolgerung aufdrängt


oder
- Ein unzutreffender Eindruck durch bewusst unvollständige Berichterstattung
erweckt wird.

Behauptungen über innere Tatsachen = Mitteilungen über Motive, Absichten,


Einstellungen, Gefühle, Hoffnungen von Personen, die diesen zugeschrieben werden
→ Einzelfallbezogene Abgrenzung zu Meinungsäußerung schwierig

Rhetorische Fragen = Tatsachenbehauptungen, wenn sie

- nicht auf eine Antwort gerichtet sind oder


- aus Empfängersicht nur eine Antwort zulassen.

Ermittlung des rechtlich relevanten Aussagegehalts bezogen auf den


„unbefangenen Durchschnittsleser/-zuschauer“ = den typischen Empfängerhorizont

Schlagzeilen sind isoliert justiziabel (sofern eigener Aussagegehalt vorhanden), da


der Haupttext nicht alle Leser erreicht („Kioskleser“)

Betrachtung der zu prüfenden Äußerung stets im Kontext; isolierte Betrachtung


unzulässig, da Gedankenführung des Beitrags für den „unbefangenen
Durchschnittsempfänger“ maßgeblich für das Verständnis der einzelnen
Sachaussage ist (ggf. auch Schlagzeile, Vorspann, Anmoderation)

Rechtswidrige Äußerungen (Fallgruppen)

Alle presserechtlichen Ansprüche (mit Ausnahme der Gegendarstellung) setzen eine


rechtswidrige Äußerung voraus.

1. Unwahre Tatsachenbehauptung

Unwahrheit einer Tatsachenbehauptung = automatisch Verletzung des


Persönlichkeitsrechts nach § 823 BGB

Weitere Anspruchsgrundlagen:

- § 824 BGB Kreditgefährdung


- § 826 BGB sittenwidrige vorsätzliche Schädigung
- § 823 BGB II i.V.M. § 186 ff. StGB (üble Nachrede und Verleumdung)

Mehrdeutige Äußerungen → alle nicht entfernt liegenden, eventuelle rechtswidrigen


Deutungsmöglichkeiten sind zu Grunde zu legen.

Vorliegen einer einzelnen Deutungsmöglichkeit, welche das Persönlichkeitsrecht des


Betroffenen nicht verletzt, steht dem Unterlassungsanspruch nicht zwingend
entgegen. → Abwendung der strafbewährten Unterlassungserklärung durch
Beseitigung der Mehrdeutigkeit durch schlichte Klarstellung gegenüber dem
Betroffenen möglich.

Bei verdeckten Aussagen kommt die Zugrundelegung der den Betroffenen mehr
belastenden Deutungsmöglichkeit nicht in Betracht.

Ausnahme: Wahrnehmung berechtigter Interessen

Rechtfertigung einer unwahren Tatsachenbehauptung gem. § 824 II BGB im Falle


des berechtigten Interesses an der Mitteilung bei gleichzeitiger Unkenntnis von der
Unwahrheit der Aussage

- Kommt nur in Betracht, wenn ein überwiegendes informationsinteresse der


Öffentlichkeit besteht (Fragen von allgemeiner Bedeutung)
- Voraussetzung ist die Einhaltung der publizistischen Sorgfaltspflicht
(Ausreichende Recherche vor Berichterstattung)

2. Wahre Tatsachenbehauptung bei Eingriff in geschützte Sphäre

Wahre Behauptungen können rechtswidrig sein, wenn sie in eine geschützte Sphäre
eingreifen, über die nur mit Einwilligung des Betroffenen berichtet werden darf.

→ insbesondere Intim- und Privatsphäre (in Abgrenzung zur Sozial- und


Öffentlichkeitssphäre)
Berichte aus der absolut geschützten Intimsphäre ohne Einwilligung des
Betroffenen sind stets unzulässig.

Soweit Berichterstattung oberflächlich, sind Sachverhalte ggf. lediglich der nicht


absolut geschützten Privatsphäre zuzuordnen

- Güterabwägung mit öffentlichem Informationsinteresse ist vorzunehmen


- Persönlichkeitsrecht überwiegt bei ausgrenzender oder stigmatisierender
Wirkung der Berichterstattung

Privatsphäre ist nicht absolut geschützt; stets im Einzelfall thematisch und räumlich
festzulegen

- Häuslich-familiärer Bereich
- Umfasst Angelegenheiten, die aufgrund ihres Informationsinhalts
typischerweise als privat eingestuft werden
- Räumlicher Bereich, in dem der Einzelne zu sich kommen und entspannen
kann
- Ausdehnung des räumlichen Schutzbereiches auch auf Alltagssituationen an
allgemein zugänglichen Orten
- Großzügiger Rahmen bei personenbezogener Prominentenberichterstattung
anlässlich zeitgeschichtlicher Ereignisse

Verbreitung zutreffender Umstände aus Sozialsphäre als sog. Prangerwirkung in


Ausnahmefällen unzulässig, wenn diese einer breiten Öffentlichkeit zugänglich
gemacht werden und sich die schwerwiegend auf Ansehen und
Persönlichkeitsentfaltung des Betroffenen auswirkt.

Auf dem Markt tätige Unternehmen operieren in der Sozial- und


Öffentlichkeitssphäre und können sich anders als natürliche Personen nicht auf den
presserechtlichen Schutz der Privat- oder Intimsphäre berufen.

3. Ehrverletzung, Schmähkritik

Abwägung der Meinungs-, Presse- oder ggf. Kunstfreiheit mit dem allgemeinen
Persönlichkeitsrecht.

Mit übersteigerter Polemik vorgetragene Kritik im Bereich der Meinungsäußerung


grundsätzlich hinzunehmen.

Grenze bildet die Schmähkritik

- Äußerung bei der die Diffamierung und Herabsetzung des Betroffenen im


Vordergrund stehen
- keine sachliche Auseinandersetzung in der Sache
- Äußerung wird nicht von sachlichen Argumenten getragen

Vorliegen von Anknüpfungstatsachen ist im Einzelfall Maßstab für die Reichweite


einer noch zulässigen Herabsetzung (u.a. Stellung des Betroffenen in der
Öffentlichkeit und Äußerungsform relevant)
Spezielle Äußerungsformen und deren Zulässigkeit

1. Verbreiten einer Äußerung

Verbreitungshaftung = Medien haften auch für Äußerungen Dritter, die nicht als
eigene Behauptung geäußert, sondern zur Vervollständigung oder als Beleg in
eigene Beiträge aufgenommen werden.

Unterstellung: Medium macht sich den Inhalt zu eigen, wenn Äußerung d. Dritten
in den eigenen Gedankengang eingefügt wird, sodass eigene Aussagen ergänzt,
unterstrichen oder ersetzt werden.

- Kein „zu Eigen machen“, wenn z.B. lediglich Äußerungen und Stellungnahmen
verschiedener Seiten zusammen-/gegenübergestellt werden.

Wer die Äußerung eines Dritten verbreitet, muss sich diese als eigene Äußerung
zurechnen lassen, wenn es an einer eindeutigen und ernsthaften Distanzierung
mangelt.

Einschränkung d. Verbreiterhaftung: spontane Äußerungen in Live-Talkshows


(nicht bei Wiederholungen) wegen mangelnder radaktioneller Einflussmöglichkeiten

2. Zitate

Beinhalten zwei inhaltliche Komponenten:

a) Inhalt der zitierten Äußerung, Tatsachenbehauptungen über Dritte können


enthalten sein; Grundsatz der Verbreiterhaftung gilt (Ausnahme: privilegierte
Quellen)
b) Tatsachenbehauptung der Zitierte habe sich in der wiedergegebenen Weise
geäußert, geringfügige Veränderungen (häufig z.B. redaktionelle Kürzungen)
können den Aussagegehalt eines Zitats verfälschen; Pflicht zur Zitattreue
besteht (gestützt auf Ausprägung des allg. Persönlichkeitsrechts)

3. Behauptungen aus privilegierten Quellen

Befreiung der Presse von Obliegenheit der eigenen Recherche bei privilegierten
Quellen:

- Offizielle Pressemitteilungen von Behörden (insb. Polizei, Staatsanwaltschaft)


- Mitteilungen seriöser Nachrichtenagenturen (z.B. dpa)

Es ist zu prüfen ob die Mitteilung ggf. überholt ist oder gar widerrufen wurde.

Privilegierung gilt nicht:

- Für andere Pressemitteilungen, z.B. von Wirtschaftsunternehmen


- Wenn die Agenturmeldung Zweifel an der Richtigkeit erkennen lässt oder sich
erkennbar nur auf unbestätigte Quellen beruft
4. Privilegierte Äußerungen

Privilegierte Äußerungen sind grundsätzlich nicht rechtwidrig, auch wenn sie in die
Rechte Dritter eingreifen.

a) Aussagen im Rahmen der Rechtsverfolgung (bzw. -Verteidigung) in


gerichtlichen oder behördlichen Verfahren

Grund: Möglichkeit für jede Prozesspartei Anspruch/Verteidigung uneingeschränkt


darzulegen

Einschränkungen:

- Unzulässig sind Schmähungen


- Privilegierung gilt nur innerhalb des jeweiligen Verfahrens
- Äußerungen aus Gerichtsverfahren dürfen daher nicht automatisch in der
Presse wiedergegeben werden

b) Äußerungen im Familienkreis (Schutzgarantie Art. 6 I GG) – familiärer Bereich


bildet Freiraum zur vertraulichen Aussprache ohne Rücksichtnahme auf Rechte
Dritter

c) Wahrheitsgetreue Berichte über öffentliche Sitzungen des Bundestags und


seiner Ausschüsse bleiben nach Art. 42 II GG von jeder Verantwortung frei, auch
wenn dort getätigte Aussagen in Rechte Dritter eingreifen

d) Laienprivileg für Privatpersonen ohne umfassende Erfahrungen im Bereich der


Berichterstattung und ohne Möglichkeit zur hinreichenden Prüfung der Tatsachen
beim gutgläubigen Aufgreifen von Presseberichten; Haftung auf Unterlassung und
Widerruf nur bei erkennbar überholter oder widerrufener Berichterstattung

5. Verdachtsberichterstattung

Verdachtsberichterstattung (bei begründetem Verdacht) als zulässige


Äußerungsform kommt bei für die Öffentlichkeit bedeutsamen Vorgängen (z.B.
politische Affären, schwere Straftaten) in Betracht

Voraussetzungen:

- Berechtigtes Informationsinteresse
- Mindestbestand an Beweistatsachen, Verpflichtung zur eigenen Recherche
- Keine Vorverurteilung des Betroffenen; ergebnisoffene Darstellung der
Sachlage
- i.d.R. Gelegenheit zur Stellungnahme des Betroffenen bei Recherche

6. Veröffentlichung von Testergebnissen

Veröffentlichung von Testergebnissen unterliegt konkreten Anforderungen bzgl.


Sachkunde und Neutralität
- als Förderung fremden Wettbewerbs ggf. wettbewerbswidrig
- Tatsachenbehauptungen im Rahmen eines Testberichts nach § 824 BGB auf
Zulässigkeit zu prüfen
- Regelmäßiger Verstoß gegen § 824 BGB bei negativen Bewertungen, wenn
das betreffende Produkt gar nicht getestet wurde
- Gesamthafte Testbewertung wird lt. Rechtsprechung i.d.R. als
Meinungsäußerung angesehen
- Verpflichtung zur Einhaltung eines hohen Sorgfältigkeitsmaßstabs (z.B.
Testberichte v. Stiftung Warentest, Fachmagazinen, etc.)
o Bei Gastrokritiken einzelfallabhängig – Äußerungen Privater in
Bewertungsportalen liegen im Schutzbereich der Meinungsfreiheit

Veröffentlichung eines Testberichts, der nicht zu Wettbewerbszwecken erfolgt, ist


zulässig, wenn:

- Untersuchungen neutral, objektiv, sachkundig durchgeführt wurden


- Das Vorgehen bei der Prüfung und die gezogenen Schlüsse vertretbar
erscheinen

...ist unzulässig, bei:

- Unwahren Tatsachenbehauptungen
- Rechtswidrigen Eingriff in Unternehmenspersönlichkeitsrecht durch als
Werturteil anzusehende Testaussage

Unzulässigkeit kann sich ergeben aus:

- Prüfungsmethode (z.B. Verwendung ungeeigneten Zubehörs beim Test)


- Unzulässiger Beurteilung

Bildnisveröffentlichungen

Recht am eigenen Bild (§ 22 ff. KUG) gesetzlich geregeltes besonderes


Persönlichkeitsrecht

Prüfung der Zulässigkeit der Bildnutzung:

1. Identifizierbarkeit des Abgebildeten (Bildnis nach § 22 KUG?)


2. Ausreichende Einwilligung des Abgebildeten?
3. Bildnis aus dem Bereich der Zeitgeschichte? (Ausnahme nach § 23 I KUG)
4. Verletzung berechtigter Interessen des Abgebildeten (§ 23 II KUG)

Einwilligung

- Ausdrücklich oder konkludent (z.B. Abgebildeter beantwortet vor laufender


Kamera Fragen eines Journalisten)
o Reine Duldung einer Aufnahme ohne Gegenwehr ist noch keine
Einwilligung
o Teilnahme an Veranstaltung mit Pressepräsenz stellt keine Einwilligung
in deren Veröffentlichung in anderem Zusammenhang dar
Ausnahmetatbestand „aus dem Bereich der Zeitgeschichte“ (§ 23 I KUG)

Fotoveröffentlichungen auch ohne Zustimmung der Abgebildeten ggf. rechtmäßig,


wenn sie in den Bereich der Berichterstattung der Zeitgeschichte fallen

Abgestuftes Schutzkonzept, das sich primär am Nachrichtenwert des Ereignisses


orientiert (Ausreichend: Bebilderung eines Textes, der einem zeitgeschichtlichen
Thema gewidmet ist.)

Berechtigte Interessen § 23 II KUG

1. Presseberichterstattung

Auch bei zeitgeschichtlichem Bezug ist zu prüfen, ob überwiegende berechtigte


Interessen des Betroffenen der Veröffentlichung im Einzelfall entgegenstehen
(Güterabwägung zw. Pressefreiheit und Persönlichkeitsrecht)

Unzulässig sind (auch bei zeitgeschichtlicher Relevanz):

- Sphärenbruch – Eingriffe in die Intimsphäre und engen Kreis d. Privatsphäre


- Verbreitung v. Aufnahmen beim Beten/Trauern am Grab
- Entstellende Aufnahmen
- Ggf. Bildmanipulation im Rahmen einer Satire
- Bildnisveröffentlichung bei Opfern von Straftaten und Unfällen (Opferschutz)
- Unnötige Prangerwirkung/Vorverurteilung entgegen den Prinzipien der
Unschuldsvermutung, des Resozialisierungsinteresses und der
Menschenwürde
- Personengefährdung

2. Werbung

Kommerzielle Nutzung eines Bildnisses ist nach § 23 II KUG grundsätzlich


unzulässig; auch bei nichtkommerzieller Werbung (z.B. für Parteien)

Mögliche Ausnahmen:

- Werbemaßnahmen, die insgesamt primär als satirische Auseinandersetzung


mit aktuellem Ereignis zu qualifizieren sind (Verwendung des Bildnisses
Prominenter ohne Einwilligung möglich)
- Werbung für Presseerzeugnisse – Werbung mit einer konkreten
Berichterstattung über eine prominente Person für das konkrete
Presseerzeugnis im Rahmen der Pressefreiheit zulässig
o Ledigliche Ausnutzung des Imagewertes ohne dahinterstehende
Berichterstattung unzulässig
Ansprüche des Verletzten

1. Unterlassung

Unterlassungsanspruch dient der Verhinderung der (wiederholten) Verletzung


geschützter Rechtspositionen.

- Besteht verschuldensunabhängig
- Besteht bei Erstbegehungs- und Wiederholungsgefahr

Anspruch des Verletzten auf:

- strafbewehrte Unterlassungserklärung
- Erstattung der Abmahnkosten

Anspruchsberechtigt ist, wer durch eine rechtswidrige Äußerung/Maßnahme


individuell betroffen wurde.

Auf Unterlassung in Anspruch genommen werden kann jeder „Störer“ im rechtlichen


Sinne → Buch und Zeitschriftenhändler haften i.d.R. erst ab Kenntnis der
Rechteverletzung auf Unterlassung; vorher lediglich auf Beseitigung (Einstellung des
Vertriebs)

2. Gegendarstellung

Anspruch auf Gegendarstellung in Bezug auf Tatsachenbehauptungen

= von der Erstmitteilung abweichende Tatsachendarstellung des Betroffenen

Anspruchsberechtigt sind durch in einem Druckwerk aufgestellte


Tatsachenbehauptungen betroffene Unternehmen und natürliche Personen

Anspruch auf Gegendarstellung gilt nicht für wahrheitsgetreue Berichte über


öffentliche Sitzungen der gesetzgebenden/beschließenden Organe des Bundes, der
Länder und der Gemeinden sowie der Gerichte.

Anspruchsinhalte:

- Verpflichtung des verantwortlichen Redakteurs/Verlegers eines Druckwerkes


die Gegendarstellung des Betroffenen zum Abdruck zu bringen
- Verpflichtung erstreckt sich auf alle Nebenausgaben des Druckwerks, in dem
die Tatsachenbehauptung erschienen ist
- Zeitnahe Veröffentlichung der von der Erstmitteilung abweichende
Tatsachendarstellung des Betroffenen
- Gegendarstellung hat eine Aufmerksamkeit zu erreichen, die der
Erstmitteilung gleichkommt

Anforderungen an eine Gegendarstellung:

- Erwiderung mit Tatsachen auf Tatsachen


- Individuelle Betroffenheit des Anspruchstellers erforderlich
- Gegendarstellung muss die Stelle, auf die sie sich bezieht, bezeichnen
- Angemessener Umfang der Gegendarstellung = darf den der Erstmitteilung
nicht überschreiten
- Gegendarstellung muss Erstmitteilung kurz aber zutreffend wiedergeben
- Kein strafbarer o. offensichtlich unwahrer Inhalt zulässig
- Mit Namen und Unterschrift abzuschließen
- Vom Berechtigten persönlich zu unterzeichnen
- Muss dem Verpflichteten unverzüglich (ohne schuldhaftes Zögern; spätestens
innerhalb v. 3 Monaten nach Veröffentlichung der Erstmeldung) zugeleitet
werden (Original erforderlich)

Durchsetzung:

- Möglich im Wege der einstweiligen Verfügung


- Zur Vollziehung ist diese nach Erlass durch den Antragsteller im Wege der
Parteizustellung zustellen zu lassen
o Auch bei Urteilsverfügungen nach mündlicher Verhandlung
- Kommt Antragsgegner gerichtlich Angeordneter Gegendarstellung nicht nach,
kann der Abdruck durch ein Zwangsgeld erzwungen werden

Zur Vermeidung einer Kommentierung der Gegendarstellung bei Veröffentlichung in


es sinnvoll den Gegendarstellungsanspruch zusammen mit
Unterlassungsanspruch geltend zu machen und ggf. durch einstweilige Verfügung
zu sichern.

3. Berichtigung

Voraussetzungen für Berichtigungsanspruch:

1. Vorliegen einer nachweislich unwahren Tatsachenbehauptung


2. Fortbestehen der Beeinträchtigung (Berechtigungsanspruch entfällt nur, wenn
der Verletzer von sich aus eine zweifelsfreie Korrektur veröffentlicht)
3. Erforderlichkeit einer Berichtigung (Berichtigung nicht als Mittel der
Genugtuung/ Rache, sondern nur als Mittel der Folgenbeseitigung)

Erscheinungsformen:

a) Widerruf → bei rechtswidrigen unwahren Tatsachenbehauptungen

b) Richtigstellung → wenn Erstmitteilung nicht in vollem Umfang wahrheitswidrig


war

c) Nachtrag, dass der Verlag die Behauptung nicht mehr aufrecht erhält → wenn die
Behauptung zum Zeitpunkt der Veröffentlichung zwar unwahr, aber nicht rechtswidrig
war (ordnungsgemäße Recherche, im Rahmen der Wahrnehmung berechtigter
Interessen; z.B. bei zulässiger Verdachtsberichterstattung)

d) Distanzieren des Mediums von der betreffenden Äußerung → wenn eine


Falschbehauptung nicht selbst aufgestellt (oder zu eigen gemacht) sondern nur
verbreitet wurde
4. Auskunft

Anspruch des Betroffenen Erkenntnisse über Inhalt und Umfang der Verbreitung
einer Äußerung zu erhalten

5. Schadensersatz

Anspruch auf Ersatz des materiellen Schadens gemäß §§ 823 ff. BGB

Anspruchsvoraussetzungen:

- Haftungsbegründender Tatbestand
- Schaden nach Differenztheorie (Betrachtung der Vermögenssituation vor und
nach dem Ereignis)
- Nachweisbare Kausalität (ursächlicher Zusammenhang) zwischen Tatbestand
und geltend gemachtem Schaden
o Daher oft Darlegungs-/ Beweisschwierigkeiten bei Verletzungen des
allg. Persönlichkeitsrechts/Rechts am eigenen Bild
- Verschulden

6. Geldentschädigung

Anspruch auf Ersatz des immateriellen Schadens bei herabsetzenden Äußerungen


über natürliche Personen

Funktion: Genugtuung des Betroffenen für die erlittene Verletzung einer geschützten
Persönlichkeitssphäre durch einen Ausgleich in Geld

Neben Genugtuungs- auch Präventivfunktion bei Persönlichkeitsverletzungen

Kommt in Betracht bei:

- Unwahren Tatsachenbehauptungen
- Schmähkritik
- Unzulässiger Bildnisveröffentlichung

Anspruchsvoraussetzungen:

- Geldentschädigungsanspruch nur als ultima ratio; Subsidiarität gegenüber


anderen äußerungsrechtlichen Ansprüchen, Unterlassungs-,
Gegendarstellungs- oder Widerrufsansprüchen.
o entfällt somit, wenn die Verletzung auf andere Weise hinreichend
ausgeglichen werden kann, diese Möglichkeit aber vom Betroffenen
nicht ergriffen wurde.
- Schwerwiegende Beeinträchtigung (ergibt sich aus der Bedeutung und
Tragweite der Verletzung) ODER schweres Verschulden (ergibt sich aus der
Motivation des Verletzers)
o Erforderliche Schwerebkann auch kumulativ als Ergebnis aus
wiederholten, gleich gelagerten Regelverstößen resultieren
URHEBERRECHT

Schutzbereich des Urheberrechts

§ 1 UrhG – Geltungsbereich; gilt für Werke der Literatur, Wissenschaft und Kunst

§ 2 UrhG – Werkbegriff/Reichweite des urheberrechtlichen Schutzes

§ 2 I – Katalog d. geschützten Werke ist nicht abschließend; keine eindeutige


Abgrenzung der Kategorien möglich

§ 2 II – Schutz d. UrhG begrenzt auf persönliche geistige Schöpfungen

Kriterien der urheberrechtlichen Schutzfähigkeit:

1. Persönliche Schöpfung; bedarf einer menschlich-gestalterischen Tätigkeit


des Urhebers
2. Geistige Schöpfung; muss einen geistigen Gehalt aufweisen, der im Werk
selbst zum Ausdruck kommt (z.B. Mitteilen eines Gedankens oder
Gefühlsinhalts durch das Werk)
3. Wahrnehmbare Formgestaltung; muss der Wahrnehmung durch die
menschlichen Sinne zugängliche geworden sein (auch Werke in digitaler oder
flüchtiger Form ausdrücklich möglich)
4. Individualität; die Individualität des Urhebers muss zum Ausdruck kommen,
o Niveau der Individualität = Gestaltungshöhe/Schöpfungshöhe
(zentrales Kriterium d. urheberrechtlichen Werkbegriffs)
o „kleine Münze“ = unterste Grenze des Schutzfähigen; einfache
Gestaltung mit minimaler Schöpfungshöhe, die aber noch schutzfähig
ist

Nicht schutzfähig sind:

- Geschmack/Duft von Lebensmitteln o. Produkten (mangels Möglichkeiten zur


objektiven Identifizierung als wahrnehmbare Formgestaltung)
- Ideen, Methoden, Theorien
- Motive
- Technisch bzw. logisch notwendige Gestaltungen
- Spielregeln, Fernsehformate
- Slogans und Grafiken ohne erforderliche Schöpfungshöhe

Weitere Schutzgegenstände und spezielle Rechte im UrhG

§§ 73 ff. Ausübender Künstler (§§ 77, 78)

§ 81 Veranstalter (§§ 77, 78)

§ 85 Tonträgerhersteller

§ 87 Sendeunternehmen
§§ 87 a ff. Datenbankhersteller

§§ 88 ff. Filmwerke

§ 94 Filmhersteller

§ 95 Laufbilder

§§ 69 a ff. Software

§ 70 wissenschaftliche Ausgaben

§ 71 nachgelassene Werke (erstmaliges Erscheinenlassen o. erstmalige öffentliche


Wiedergabe eines Werkes nach Erlöschen des Urheberrechts)

§ 72 Lichtbilder

§§ 87 f, 87 g Presseverleger

Erschöpfung

§ 17 II UrhG

Zulässige Weiterverbreitung (mit Ausnahme der Vermietung) eines urheberrechtlich


geschützten Werkes, wenn dieses mit Zustimmung des Berechtigten durch
Veräußerung in Verkehr gebracht wurde.

Erschöpfung umfasst nur die Verbreitung i.S.v. § 17 und nicht die öffentliche
Zugänglichmachung i.S.V. § 19 a → heruntergeladene Dateien unterliegen demnach
nicht der Erschöpfung; ihre Weiterveräußerung ist unzulässig

§ 23 Änderungsverbot – Veröffentlichungen von Bearbeitungen und


Umgestaltungen bedürfen der Zustimmung des Urhebers

Freie Benutzung

§ 24 UrhG

Veröffentlichung eines selbstständigen Werkes, das in freier Benutzung eines


anderen geschaffen wurde, ohne Zustimmung des Urhebers des benutzten Werkes
zulässig → entlehnte Züge des geschützten Werkes müssen innerhalb des neuen
Werkes verblassen/zurücktreten

Praktische Relevanz insbesondere bei Parodien oder sog. Kunstzitaten

Ggf. hat ein „angemessener Ausgleich“ zu erfolgen


Dauer des Urheberrechts und verwandter Schutzrechte

Berechnung der Fristen – § 69

Urheberrecht – 70 Jahre § 64

Weitere siehe Gesetzestext

Einzelne Schrankenbestimmungen im Urheberrecht

= Ausdruck der Sozialbindung des Urheberrechts

Das ausschließliche Recht des Urhebers über sein Werk ist durch die Vorschriften §§
44 a ff. UrhG (Abschnitt 6) einschränkbar

- Vorübergehende Vervielfältigungen (Proxy Cache) § 44 a


- Rechtspflege und öffentliche Sicherheit § 45
- Werkzugang für behinderte Menschen § 45 a
- Sammlungen für religiösen Gebrauch § 46
- Zeitungsartikel und Rundfunkkommentare § 49
- Berichterstattung über Tagesereignisse (Presseprivileg) § 50
- Zitate § 51
- Öffentliche Wiedergabe ohne Erwebszweck § 52
- Privater und sonstiger eigener Gebrauch § 53 I (Privatkopie) + II (sonstiger
Gebrauch)
- Unwesentliches Beiwerk § 57
- Werbung für Ausstellung und öffentlichen Verkauf § 58 (Wiedergabe in
Katalogen und Werkverzeichnissen)
- Werke an öffentlichen Plätzen § 59
- Unterricht und Lehre § 60 (bis zu 15% eines veröffentlichten Werkes)
- Nichtkommerzielle wissenschaftliche Forschung § 60 c
- Text und Data Mining zu nichtkommerziellen Forschungswecken § 60 d
- Bibliotheken § 60 e

Zulässigkeit eines Zitats, § 51 UrhG

Zitatrecht schützt die freie geistige Auseinandersetzung und dient damit der
kulturellen Entwicklung im weitesten Sinne.

Unterscheidung in § 51 UrhG zwischen

(1) Wissenschaftlichem Großzitat,


(2) Kleinzitat
(3) Musikzitat
Kriterien für zulässiges Zitat:

- Pflicht zur deutlichen Quellenangabe § 63 UrhG


- Aufnahme nur in eigenständiges Werk aus erschienenem Werk zulässig
- Zitiertes Werk muss unterscheidbar zitiert werden; darf nicht der
Vervollständigung des eigenen Werkes dienen
- Zitatzweck erforderlich, reine Illustration unzulässig
- Nur im gebotenen Umfang zulässig
- Zitiertes Werk darf nicht abgeändert werden (Pflicht zur Zitattreue)

Verwertungsrechte des Urhebers

Verwertungsrechte des Urhebers sind ausschließliche (absolute) Rechte; diese


dienen dazu dem Urheber die Kontrolle über die Nutzung seines Werkes sowie
eine angemessene Vergütung für die Nutzung zu sichern.

Urheber hat das alleinige Recht sein Werk zu nutzen (positives Benutzungsrecht und
Dritte von dessen Nutzung auszuschließen (negatives Verbietungsrecht)

Verwertungsrechte sind:

- Vervielfältigungsrecht, §§ 15 I Nr. 1, 16
- Verbreitungsrecht §§ 15 I Nr. 2, 17
- Ausstellungsrecht §§ 15 I Nr. 3, 18 (nur Erstausstellung)
- Vortrags-, Aufführungs- und Vortragsrecht §§ 15 II Nr. 1, 19
- Recht der öffentlichen Zugänglichmachung §§ 15 II Nr. 2, 19 a
- Senderecht §§ 15 II Nr. 3, 20
- Recht der Wiedergabe durch Bild- und Tonträger §§ 15 II Nr. 4, 21

Besondere Rechte und Ansprüche des Urhebers

Veröffentlichungsrecht § 12

Recht auf Urhebervermerk § 13

Recht auf Verbietung von Entstellungen des Werkes § 14

Anspruch auf Zugang zu Werkstücken ggü. Besitzer § 25

Folgerecht (Anspruch auf Anteil am Veräußerungserlös durch Kunsthändler) § 26

Zwingende Vergütung bei Vermietung § 27

Anspruch auf angemessene Vergütung für Nutzungsrechte § 32

Weitere Beteiligung bei auffälligem Missverhältnis § 32 a

Anspruch auf Auskunft und Rechenschaft über Umfang der Werknutzung und Erlöse
- ggü. dem Urheber § 32 d
- sowie Dritten innerhalb der Lizenzkette § 32 e

Kündigung von Verträgen über zukünftige Werke § 40

Rückrufsrecht wegen Nichtausübung von Rechten § 41

Rückrufsrecht wg. Gewandelter Überzeugung § 42

Vergütungsanspruch des ausübenden Künstlers § 79 a

Rücktrittsrecht des Verfassers wg. Geänderter Umstände § 35 VerlG

§ 40 a UrhG: Bei Pauschalvergütung grundsätzliche Begrenzung der


Ausschließlichkeit eines Nutzungsrechts auf 10 Jahre ab Einräumung; Ausnahmen in
§ 40 a III

Einräumung von Nutzungsrechten, Lizenzverträge

Urheberrecht ist nicht übertragbar; Urhebernutzungsrechte am Werk sowie


Leistungsschutzrechte sind übertragbar

Differenzierung nach:

- einfachem Nutzungsrecht (§ 31 II UrhG); Nutzung nur neben dem


Urheber und ggf. weiteren Nutzungsrechteinhabern
- ausschließlichem Nutzungsrecht (§ 31 III UrhG); Nutzung unter
Ausschluss des Urhebers und sonstiger Dritter, ggf. zeitlich begrenzt auf
10 Jahre (§ 40 a UrhG)

Recht zu Übertragung weiterer Nutzungsrechte auf Dritte gesondert zu vereinbaren


(§ 35 I UrhG)

Vertragliche Begrenzung zeitlich, räumlich und inhaltlich möglich (§ 31 I UrhG),


Reichweite ggf. durch Vertragszweck bestimmt (§ 31 V UrhG)

Im Zweifel bleibt das Nutzungsrecht beim Urheber (§ 37 II UrhG)

Verträge über unbekannte Nutzungsarten zulässig (§ 31 a UrhG) aber Widerrufsrecht


eingeräumt (§ 31 a I S. 3 UrhG)

Recht zur Änderung des Werkes muss vereinbart werden (§ 39 I)

Ansprüche bei Rechteverletzungen

§§ 97 ff. UrhG – Schutzgegenstand: Urheberrecht einschl. Verwertungsrechten,


Urheberpersönlichkeitsrechte, Leistungsschutzrechte
Zentrale Ansprüche:

Unterlassung § 97 I – bei Wiederholungs- oder Erstbegehungsgefahr Anspruch auf


strafbewehrte Unterlassungserklärung, ansonsten Anspruch auf Beseitigung der
Beeinträchtigung

Abmahnung § 97 a i.V.m. Anspruch auf Erstattung der Abmahnkosten § 97 a III;


Abmahnung ist bei Nichtbeachtung der Formalien aus § 97 a II S. 1 unwirksam

Schadensersatz § 97 II S. 1-3

Geldentschädigung für immateriellen Schaden § 97 II S. 4

Vernichtung § 98 I auch bzgl. Vorrichtungen zur Vervielfältigung

Rückruf oder Entfernen aus d. Vertriebsweg § 98 II

Überlassung § 98 III – entgeltliche Überlassung von Vervielfältigungsstücken vom


Verletzer an den Verletzten

Auskunft bei gewerblichem Ausmaß § 101

Anspruch auf Vorlage und Besichtigung § 101 a – zu Beweiszwecken

Schadensberechnung

Wahlrecht des Verletzten zur Art der Berechnung des entstandenen Schadens

a) Differenzhypothese § 97 II – Nachweis des konkret entgangenen Gewinns

b) Lizenzanalogie § 97 II S. 3 – Anspruch auf Zahlung der angemessenen


Lizenzgebühr

c) Abschöpfung des Verletzergewinns § 97 II S. 2 – Auf Basis des aufgrund der


widerrechtlichen Nutzung erlangten Gewinns

d) Bereicherungsrechtliche Ansprüche § 812 ff. BGB


KENNZEICHENRECHT

Funktionen der Marke

Herkunftsfunktion (zentrale Funktion der Marke) – Herkunftshinweis bezüglich des


Produkts aufgrund der Qualität des Begriffs

Werbefunktion – Möglichkeit zum Einsatz der Marke als Element der


Verkaufsförderung

Unterscheidungsfunktion – zur Abgrenzung von anderen Produkten (insbesondere


auch Prestigefunktion bei Luxusmarken)

Garantiefunktion – Verbindung der Marke mit positiven Assoziationen zu den


Eigenschaften bzw. der Qualität des Produkts

Geschützte Kennzeichen nach MarkenG

Schutzgegenstand § 1 MarkenG

1. Marken
2. Geschäftliche Bezeichnungen
3. Geographische Herkunftsangaben

Marken § 4 MarkenG = Herkunftshinweis bezüglich eines Produkts

- Registermarken § 4 Nr. 1
- Benutzermarken § 4 Nr. 2
o Erhöhter Bekanntheitsgrad (Verkehrsgeltung) erforderlich;
Zuordnungsgrad von 20-25% als ausreichend erachtet
- Notorisch bekannte Marken § 4 Nr. 3
o Benutzung im Inland nicht erforderlich; erforderlicher Bekanntheitsgrad
i.d.R. > 60%

Geschäftliche Bezeichnungen § 5 MarkenG = primär Namensfunktion

- Firma, Name § 5 II S.1


- Besondere Geschäftsbezeichnung § 5 II S.1
- Sonstige Zeichen mit Verkehrsgeltung § 5 II S. 2
- Werktitel § 5 III
o Namensfunktion für das gekennzeichnete Werk

Bei fehlender Unterscheidungskraft (kein Herkunftshinweis aufgrund der Qualität des


Begriffs) besteht Schutz nur bei hinreichendem Zuordnungsgrad (Verkehrsgeltung)
Geographische Herkunftsangaben § 126 ff. MarkenG

Unterscheidung zwischen:

- Einfacher geographischer Herkunftsangabe und


- Qualifizierter geographischer Herkunftsangabe
o Aussage sowohl über Herkunft, als auch besondere Eigenschaften
oder bestimmte Qualität der gekennzeichneten Produkte

Ursprungsbezeichnungen

- Güte oder Eigenschaften überwiegend oder ausschließloch aufgrund der


geografischen Verhältnisse
- Erzeugung, Verarbeitung, Herstellung in einem bestimmten geografischen
Gebiet nach einem anerkannten und festgelegten Verfahren

Geographische Angabe

- Eine der Herstellungsstufen muss in einem bestimmten Herkunftsgebiet


erfolgen

Markenkategorien

- Wortmarken
- Bildmarken (Logos); Wort-/Bildmarken
- 3D-Marken; z.B. äußere Form Porsche 911
o Einschränkung nach § 3 II MarkenG
- Konturlose Farben (abstrakte Farbmarke); z.B. lila für Schokolade
- Abstrakte Farbkombinationen
- Hörmarken (Jingle)
- Buchstaben und Zahlen
- Positionsmarken (bestimmte räumliche Beziehung zur Ware)
- Claims, Slogans
- Bewegungsmarke (Bewegtbildsequenz)

Marken müssen in so dargestellt sein, dass der Gegenstand des Schutzes


eindeutig zu bestimmen ist. (z.B. Keine Geruchsmarken)

Absolute Schutzhindernisse § 8 II MarkenG

Fehlende Unterscheidungskraft § 8 II Nr. 1 – Zeichen wird vom Verkehr nicht als


Herkunftshinweis auf den konkreten Anbieter verstanden (lediglich als
Produktanpreisung, dekoratives Element, etc.)

Freihaltebedürftigkeit rein beschreibender Angaben § 8 II Nr. 2 – keine


Monopolisierung einer Bezeichnung, die von Mitbewerbern als beschreibende
Angabe im Wettbewerb benötigt wird
Üblich gewordene Bezeichnung § 8 II Nr. 3 – Bezeichnung hat produktbezogene
Unterscheidungskraft verloren; Ursprünglich unterscheidungskräftige Zeichen, durch
Verwendung als beschreibende Angabe vom Verkehr nicht mehr als kennzeichnend
wahrgenommen

Überwindung der Eintragungshindernisse aus § 8 II Nr. 1-3 durch Nachweis


eines besonderen Zuordnungsgrades (deutlich mehr als 50%) möglich.

Täuschende Angaben § 8 II Nr. 4

Verstoß gegen öffentliche Ordnung und gute Sitten § 8 II Nr. 5

Staatliche Hoheitszeichen § 8 II Nr. 6

Prüf- und Garantiezeichen § 8 II Nr. 7

Bösgläubige Markenanmeldung § 8 II Nr. 10 – Anmeldung nur aus


rechtsmissbräuchlichen Erwägungen

Relative Eintragungshindernisse

Ältere Marken und Markenanmeldungen §§ 9 – 12 MarkenG; Möglichkeiten der


Löschung der Marke

- Widerspruchsverfahren (§ 42 MarkenG)
- Nichtigkeits- / Verfallsverfahren (§§ 50, 51 MarkenG)

Sonstige ältere Rechte § 13 MarkenG

Soweit eine neu angemeldete Marke mit einer bestehenden Marke oder einem
sonstigen Kennzeichenrecht (§ 13 MarkenG) kollidiert, steht das ältere Recht der
Eintragung der neuen Marke entgegen.

Eintragungsverfahren – bei Vorliegen eines relativen Eintragungshindernisses

Verletzungsverfahren – bei Verwendung einer mit der bestehenden Marke


identischen oder verwechslungsfähigen Bezeichnung im Geschäftsverkehr (und
entsprechender Beanstandung)

Löschung einer Marke

1. Wegen Verfalls (§ 49 MarkenG) für bereits eingetragene Marken

- Fehlende rechtserhaltende Benutzung nach § 26; grundsätzlich 5 Jahre


ununterbrochen nach Eintragung § 49 I
- Entwicklung zur üblich gewordenen Bezeichnung durch Verhalten oder
Untätigkeit des Markeninhabers § 49 II Nr. 1
- Eignung zur Täuschung § 49 II Nr. 2
- Fehlen der Voraussetzungen zur Markeninhaberschaft (nach § 7) § 49 II Nr. 3

2. Nichtigkeitsverfahren – Wegen absoluter Schutzrechte (§ 50) oder älterer


Rechte (§ 51)

- Bei Eintragung trotz fehlender Unterscheidungskraft oder


Beschreibungseignung (§ 8 II Nr. 1, 2) muss Antrag auf Löschung innerhalb
von 10 Jahren ab Eintragung gestellt werden (§ 50 II S. 2)
- Keine Löschung wegen älterer Rechte möglich wenn Benutzung während
eines Zeitraumes von 5 aufeinanderfolgenden Jahren in Kenntnis geduldet
wurde

Schutzschranken

1. Benutzungszwang § 25 MarkenG

Rechtserhaltende Nutzung binnen 5 Jahren ab Eintragung, sonst mögl. Löschung


wegen Verfalls (§ 49)

2. Erschöpfung der Marke § 24 MarkenG

Soweit unter der eingetragenen Marke Produkte mit Zustimmung des


Markeninhabers in den Verkehr gebracht werden, kann die weitere
Markenbenutzung für diese Produkte durch Dritte im genannten Territorium nicht
mehr untersagt werden.

Markenbenutzung für rechtmäßig erworbene Produkte ggf. auch in der


Werbung/Kommunikation zulässig. (z.B. Gewinnspiel mit Ferrari als Hauptpreis)

Ausnahme: Markeninhaber kann sich der Markenbenutzung aus berechtigten


Gründen widersetzen (§ 24 II), insbesondere wenn bei
Veränderung/Verschlechterung des Zustands der Ware

3. Zulässige Benutzung unter Lauterkeitsvorbehalt § 23 MarkenG

Markenbenutzung zulässig, wenn dies zur Angabe von Namen oder Anschrift des
Dritten, zur beschreibenden Angabe von Eigenschaften oder Hinweis auf die
Bestimmung eines Produkts (insbesondere als Zubehör/Ersatzteil) dient.

Marken als Vermögensgegenstand

Rechtsübergang § 27 – Möglichkeit die Marke als Ganzes oder in Teilen (§§ 40, 46)
an Dritte zu übertragen/übergeben
Lizenzierung § 30 – Markenrecht kann Gegenstand einer ausschließlichen oder
nicht ausschließlichen Lizenz sein; Möglichkeit der Einschränkung bzgl. Dauer, Form
der Markennutzung, Art der Produkte, Gebiet, Qualität (§ 30 II Nr. 1-5)

Markenverletzungen

Voraussetzungen:

1. Bestehen von Markenschutz


2. Bessere Priorität ggü. angegriffenem Zeichen (älteres Recht)
3. Widerrechtlichkeit (keine Zustimmung des Markeninhabers; insb. auch keine
Duldung über 5 Jahre, da ansonsten Verwirkung § 21)
4. Verletzungshandlung im territorialen Schutzbereich der Marke
5. Zeichennutzung im geschäftlichen Verkehr
6. Benutzung für Waren/Dienstleistungen als Marke (Herkunftshinweis);
abzugrenzen von redaktioneller Nutzung oder Formen der Markenparodie
7. Keine ununterbrochene Nichtbenutzung über 5 Jahre §§ 25, 26

Beurteilungskriterien

Ohne Zustimmung des Markeninhaber ist die Benutzung der geschützten Marke im
geschäftlichen Verkehr untersagt.

Verletzungstatbestände § 14 MarkenG:

Nr. 1 – identische Zeichen und gleichzeitig Ware/Dienstleistung

Nr. 2 – Verwechslungsgefahr aufgrund von Identität oder Ähnlichkeit der Zeichen und
Waren/Dienstleistungen

Nr. 3 – Unlautere Ausnutzung der Unterscheidungskraft oder Wertschätzung


(Identität oder Ähnlichkeit der Zeichen; keine Ähnlichkeit der Ware/Dienstleistung)

→ Nicht abschließender Katalog verbotener Benutzungen in § 14 III

Verwechslungsgefahr

a) Unmittelbare Verwechslungsgefahr

- Zeichenverwechslung
- irrtümliche Vorstellung beide Zeichen kämen vom gleichen Hersteller

b) Verwechslungsgefahr im weiteren Sinne

- irrtümliche Vorstellung es bestünden gesellschaftliche, organisatorische oder


sonstige Beziehungen zwischen den Zeicheninhabern
Indizien zur Beurteilung

1. Ähnlichkeit der sich gegenüberstehenden Zeichen, insbesondere

a. Schriftbildliche Ähnlichkeit

b. Klangliche Ähnlichkeit

c. Ähnlichkeit von Bedeutung/Inhalt (z.B. Bildmarke, die den Inhalt der


Wortmarke darstellt)

→ Wortbestandteil i.d.R. als prägender Bestandteil erachtet

2. Ähnlichkeit der sich gegenüberstehenden Waren/Dienstleistungen (bei Marken)


bzw. Branchen (bei geschäftlichen Bezeichnungen)

Auf eine Ähnlichkeit deuten hin:

- Angehörigkeit zur gleichen Produktklasse


- Bestehen Regalnähe
- Vertrieb typischer im Sortimentsverbund
- funktionelles Ergänzungsverhältnis

3. Kennzeichnungskraft des prioritätsälteren Zeichens

Gesteigerte Kennzeichnungskraft kann sich ergeben aus:

- einem hohen Bekanntheitsgrad


- Originalität und Prägnanz der Kennzeichnung

Maßgeblich ist der Gesamteindruck der genannten Wahrnehmungsbereiche.

Zwischen den Faktoren besteht eine Wechselwirkung (z.B. kann ein geringerer
Grad an Warenähnlichkeit durch einen höheren Grad der Zeichenähnlichkeit oder
besondere Kennzeichnungskraft ausgeglichen werden)

Kein Schutz für Gestaltungselemente die (z.B. mangels Verfremdung) eher


beschreibenden oder dekorativen Charakter haben → kein Schutz für das zu Grunde
liegende Motiv

Schutz der bekannten Marke § 14 II Nr. 3

Bekanntheitsgrad v. mind. 23-30% erforderlich

- Ausbeutung der Wertschätzung (Rufausbeutung)


- Ausbeutung der Unterscheidungskraft (Aufmerksamkeitsausbeutung)
- Beeinträchtigung der Wertschätzung (Rufschädigung)
- Beeinträchtigung der Unterscheidungskraft (Verwässerung)
Ansprüche bei Markenrechtsverletzungen

Unterlassung § 14 V

- Anspruch besteht bei Wiederholungs- und Erstbegehungsgefahr (i.d.R. schon


bei Registrierung der Marke ohne vorherige Benutzung gegeben)
- Kann durch Löschungsantrag entfallen
- Anspruch auf strafbewährte Unterlassungserklärung

Schadensersatz § 14 VI

- Schuldhafte Rechteverletzung (vorsätzlich oder fahrlässig) erforderlich


- nach „dreifacher Schadensberechnung“
o Verletzergewinn oder (§ 14 VI S. 2)
o Lizenzanalogie (§ 14 VI S. 3)
o Konkret entstandener Schaden

Vernichtung § 18 I

- Vernichtung der widerrechtlich gekennzeichneten Waren im Besitz der


Verletzers
- Gilt auch für Vorrichtungen/Geräte zur widerrechtlichen Kennzeichnung

Rückruf/Entfernung aus dem Vertriebsweg § 18 II

Auskunft § 19

- Anspruch auf Auskünfte über Namen, Anschrift von Herstellern, Lieferanten,


Vorbesitzern sowie Mengen und Preise

Vorlage von Urkunden und Besichtigung §§ 19 a, 19 b

Urteilsbekanntmachung § 19 c

Hinweis in Nachschlagewerk § 16

Optionen für internationalen Markenschutz

- Anmeldung beim jeweiligen nationalen Markenamt


- Erweiterung nationaler Marken als IR-Marke über Madrider
Markenabkommen
- Anmeldung als Unionsmarke für EU-weiten Schutz
o Schutzhindernis in einem Vertragsstaat lässt Schutz insgesamt
entfallen; dann Umwandlung in jeweilige Nationalmarken möglich
Typische Inhalte eines Markenlizenzvertrags

- Lizenzdauer
- Ausschließliche/nicht ausschließliche Lizenz
- Vergütung (pauschal/anteilig); Abrechnungsmodus
- Begrenzung der Waren/Dienstleistungen
- Qualitätsstandards
- Überlassung von Produktinformationen
- Vorgabe zur Art der Markenbenutzung
- Vertriebsstandards
- Geheimhaltungspflichten
- Auflösende Bedingunge/Sonderkündigungsrechte
WETTBEWERBSRECHT

Ziele des harmonisierten Wettbewerbsrechts

- Unverfälschter Wettbewerb
- Hohes einheitliches Verbraucherschutzniveaus in den Mitgliedsstaaten
- Schutz rechtmäßig handelnder Unternehmen
- Reibungsloses Funktionieren des Binnenmarktes

Anwendbarkeit des Wettbewerbsrechts

Wettbewerbsrechtliche Ansprüche sind bei Vorliegen der folgenden


Voraussetzungen gegeben:

1. Geschäftliche Handlung § 2 I Nr. 1 UWG


2. Aktivlegitimation des Anspruchstellers § 8 III UWG
3. Unlauterkeit der Handlung i.S.v. § 3 UWG

1. Geschäftliche Handlung § 2 I Nr. 1 UWG

= jedes Verhalten einer Person zugunsten des eigenen oder eines fremden
Unternehmens vor, bei oder nach einem Geschäftsabschluss, das mit der
Förderung des Absatzes oder Bezugs von Waren/Dienstleistungen oder dem
Abschluss/der Durchführung eines Vertrages über Waren/Dienstleistungen objektiv
zusammenhängt.

2. Aktivlegitimation § 8 III UWG

Aktivlegitimiert (anspruchsberechtigt) sind:

- Mitbewerber (Definition § 2 I Nr. 3) § 8 III Nr. 1


- Interessenverbände § 8 III Nr. 2
- Qualifizierte Verbraucherschutzeinrichtungen § 8 III Nr. 3
- Industrie- und Handelskammern oder Handwerkskammern § 8 III Nr. 4

Ein Unternehmer kann auch gegenüber einer Person aktivlegitimiert sein, die nicht
Waren oder Dienstleistungen gleicher Art vertreibt, jedoch den unlauteren
Wettbewerb Dritter mit Waren oder Dienstleistungen gleicher Art fördert.

Ausreichend ist ebenfalls, dass der Vertrieb des einen Produkts den Vertrieb des
andern Produkts behindern oder stören kann.

3. Unlauterkeit der Handlung § 3 UWG

Generalklausel § 3 I – Unlautere geschäftliche Handlungen sind unzulässig, wenn sie


geeignet sind den Wettbewerb zum Nachteil der Mitbewerber, Verbraucher oder
sonstiger Marktteilnehmer spürbar zu beeinträchtigen. (Spezielle Regelung bzgl.
Verbraucher in § 3 II)
Spürbarkeitsschwelle → Bagatellklausel; Tatbestände nach § 3 III und Anhang zu
§ 3 III fallen ausdrücklich nicht darunter

Verbraucherschutz durch Wettbewerbsrecht

Aus Sicht der Gerichte ist von einem tendenziell mündigen Verbraucher
auszugehen, der sich nicht ohne weiteres täuschen lässt.

Eine Werbung ist irreführend, wenn den angesprochenen Verkehrskreisen durch die
betreffende Angabe ein unzutreffender Eindruck vermittelt wird.

„Black List“ – Anhang zu § 3 III UWG

Tatbestände der „Black List“ sind per-se Verbote von Maßnahmen ggü.
Verbrauchern; in Beispielkatalogen der §§ 4, 5 und 7 UWG bereits enthalten

Nr. 1-24 – Irreführungsschutz in der Werbung

Nr. 25-30 – Schutz vor aggressiven Praktiken

Unlautere Handlungen

Aggressive geschäftliche Handlungen § 4a UWG

Nr. 1 – Belästigung

Nr. 2 – Nötigung

Nr. 3 – unzulässige Beeinflussung

Ausübung von physischem Druck oder menschenverachtenden Darstellungen in der


Werbung zur Beeinträchtigung der Entscheidungsfreiheit sind unlauter. Im Zuge des
geänderten Verbraucherleitbildes deutlich reduzierter Anwendungsbereich.

- Werbung mit sozialem Verantwortungsgefühl („Social Sponsoring“)


grundsätzlich zulässig
- Schockwerbung – Darstellung von Krieg, Leid, Katastrophen in der Werbung
durch Pressefreiheit gerechtfertigt und zulässig
- Wertzugabe i.d.R. erlaubt

Ausnutzung von Zwangslagen, Angst, Unerfahrenheit, Gruppenzwang insbesondere


ggü. Kindern ist unzulässig

§ 28 Anhang zu § 3 III UWG – an Kinder gerichtete Kaufaufforderung stets


unlauter; grundsätzlicher Verbot von Werbung mit dieser Zielrichtung (Indiz z.B.
Ansprache in 2. Person Singular mit überwiegende kindertypischen Begrifflichkeiten)
Schleichwerbung

§ 4 Nr. 3 UWG verbietet grundsätzlich jede Form verschleierter Werbung

Schleichwerbung stellt irreführende Werbung nach § 5 UWG dar, soweit der


Eindruck entsteht es handle sich um objektive Informationen und nicht um die
Informationen eines Werbetreibenden

Gegenüber Verbrauchern fällt redaktionell getarnte Werbung dem per-se Verbot


nach Nr. 11 im Anhang zu § 3 III UWG

Bei entgeltlicher Werbung ist die eindeutige Erkennbarkeit oder Kennzeichnung mit
„Anzeige“ erforderlich

Reichweite der Pressefreiheit (etwa bei „Advertorials“ oder Ranglisten) ist im


Einzelfall zu bestimmen

Vorgabe für Kennzeichnung werblicher Beiträge in Telemedien im


Rundfunkstaatsvertrag – werbliche Inhalte müssen „klar erkennbar“ und „eindeutig
getrennt“ vom übrigen Inhalt der Angebote sein

→ Trennungsgebot und Kennzeichnungsgebot für Werbung

Hinweis muss so deutlich sein, dass aus Sicht eines durchschnittlichen Verbrauchers
kein Zweifel am Vorliegen eines kommerziellen Zwecks besteht

Preisnachlässe, Zugaben, etc.

Bedingungen für Inanspruchnahme von Preisnachlässen, Zugaben oder


Geschenken sind klar und eindeutig anzugeben

§ 21 im Anhang zu § 3 III UWG – per-se Verbot wenn für angepriesene „Gratis“-


Angeboten gleichwohl Kosten zu tragen sind

Gewinnspiele

Klare Angaben zu Teilnahmebedingungen sowie ausgelobten Preisen erforderlich

Zu beachten sind §§ 16, 17 im Anhang zu § 3 III UWG

Herabsetzung / Verunglimpfung von Wettbewerbern § 4 Nr. 1 UWG

Unzulässig ist unlautere Schmähkritik i.S.v. § 4 Nr. 1 – Handlungen im Wettbewerb,


die den Konkurrenten [...] herabsetzen oder verunglimpfen; durch abwertende
Meinungsäußerungen/Werturteile, aber auch durch wahre Tatsachenbehauptungen
möglich

Verbot der Verunglimpfung innerhalb vergleichender Werbung § 6 II Nr. 5 UWG


Zulässigkeit: Werbeaussage als humorvolles Wortspiel, bei dem der Sprachwitz im
Vordergrund steht; ggf. auch überspitzte/drastische/ironische Formulierungen von
Meinungsfreiheit gedeckt

Gezielte Verunglimpfung des Wettbewerbs dagegen unzulässig

Unwahre Tatsachenbehauptungen § 4 Nr. 2

Herabsetzende/verunglimpfende, nicht erweislich wahre Tatsachenbehauptungen lt.


§ 4 Nr. 2 unlauter

Beweiserleichterung zu Gunsten des Betroffenen

Bei Vorliegen eines berechtigten Interesses an einer vertraulichen Mitteilung ist die
Handlung nur unlauter, soweit die Tatsachen nachweislich wahrheitswidrig behauptet
oder verbreitet wurden § 4 Nr. 2 HS. 2

Nachahmungen / Wettbewerbsrechtlicher Leistungsschutz

Grundsatz der Nachahmungsfreiheit – die Nachbildung eines nicht besonders


geschützten Erzeugnisses ist grundsätzlich erlaubt; die Idee als solche ist nicht
monopolisierbar

Besonders zu beachten sind:

Urheberrecht – bei Vorliegen der erforderlichen Gestaltungshöhe; auch im Bereich


Produktdesign

Markenrecht – insbesondere Schutz vor Ruf- und Aufmerksamkeitsausbeutung (§ 14


II Nr. 3 Marken G)

Designrecht – Designschutz ohne Registereintragung für 3 Jahre ab Erstbenutzung

Wettbewerbsrechtlicher Leistungsschutz für bestimmte Leistungsergebnisse, soweit


die konkrete Auswertungshandlung als unlauter zu qualifizieren ist.

Ein solcher ergänzender wettbewerbsrechtlicher Schutz kommt in Betracht für:

a) Herkunftstäuschung § 4 Nr. 3 a) UWG

- Setzt wettbewerbliche Eigenart des nachgeahmten Erzeugnisses voraus


o Konkrete Ausgestaltung, die geeignet ist im Verkehr auf die
betriebliche Herkunft oder die Besonderheit des Produktes
hinzuweisen
- Bei frei austauschbaren Gestaltungsmerkmalen ist Schutz auch dann ggf.
möglich, wenn es sich um technisch bedingte Merkmale handelt
b) Unangemessene Rufausbeutung § 4 Nr. 3 b) UWG

- umfasst primär Anlehnung an Prestigeprodukte von wettbewerblicher


Eigenart außerhalb des Markenrechts
o Rufausbeutung ohne Herkunftsverwirrung beim Käufer
o Typischerweise „Blendwirkung“ des vermeintlichen Prestigewertes
ggü. Dritten
- Grad der Annäherung an die Gestaltung bei Rufausbeutung gegenüber
Herkunftstäuschung regelmäßig geringer
- Anforderungen an den Prestigewert („Ruf“) des Produktes tendenziell
höher
- Übernahme prägender Bestandteile der Produktaufmachung als Verstoß
gegen § 4 Nr. 3 b) unlauter
- Übernahme eines gestalterischen Grundkonzepts genügt nicht für
unangemessene Rufausbeutung

c) unredliche Kenntniserlangung § 4 Nr. 3 c) UWG

Nachahmung ist unlauter, wenn der Anbieter die dazu erforderlichen Kenntnisse
bzw. Unterlagen in vorwerfbarer Weise erlangt hat

Gezielte Behinderung § 4 Nr. 4 UWG

Ausdrückliches Verbot wettbewerblicher Hinderungshandlungen nach § 4 Nr. 4 UWG

- Boykottaufruf (grundsätzlich unzulässig; in Einzelfällen ggf. durch Art. 5 GG


als freie Meinungsäußerung geschützt)
- Vernichtungswettbewerb
- Missbrauch von Nachfragemacht zur Ausschaltung von Mitbewerbern

Tatbestandsmerkmal gezieltes Handeln – Behinderung als bloße Folge des


Wettbewerbs nicht ausreichend

Irreführungsbestände §§ 5, 5a UWG

Produktbezogene Irreführung § 5 I Nr. 1

Irreführung über

- Beschaffenheitsangaben
- Geografische Herkuftsangaben
- Herstellungsart

Alleinstellungsbehauptung muss wahr sein, der behauptete Vorsprung muss


deutlich sein und Aussicht auf gewisse Stetigkeit haben.
Preis- und bedingungsbezogene Irreführung § 5 I Nr. 2

Grundsatz der Preisklarheit und Preiswahrheit

Verbote nach Nr. 15 und Nr. 19 im Anhang zu § 3 III UWG

Insbesondere Irreführung über

- vermeintlichen Preisvorteil sowie und


- Lieferbedingungen

Anbieterbezogen Irreführung § 5 I Nr. 3 UWG

Insbesondere Alleinstellungswerbung relevant, z.B. bezogen auf Größe, Tradition,


Marktanteile bzw. Auflagenzahlen, Reichweiten, Strukturdaten

Irreführung durch Unterlassung § 5a UWG

Beeinflussung der Entscheidungsfähigkeit von Verbrauchern durch das


Vorenthalten wesentlicher Informationen unlauter; Beispiele in § 5a II Nr. 1-5

Vergleichende Werbung § 6 UWG

Kritisierende vergleichende Werbung nach § 6 UWG grundsätzlich zulässig

Vergleichende Werbung ist nach § 6 II unlauter, wenn sie:

- sich nicht auf Waren/Dienstleistungen für den gleichen Bedarf / Zweck bezieht
(Nr. 1)
- nicht objektiv auf wesentliche, relevante, nachprüfbare und typische
Eigenschaften oder den Preis der Waren/Dienstleistungen bezogen ist (Nr. 2)
- zu einer Verwechslungsgefahr mit dem Mitbewerber bzw. dessen
Waren/Dienstleistungen oder Kennzeichen führt (Nr. 3)
- den Ruf des von einem Mitbewerber verwendeten Kennzeichen in unlauterer
Weise ausnutzt oder beeinträchtigt (Nr. 4)
- verunglimpfend ist (Nr. 5)
- eine Nachahmung / Imitation eines Produktes unter geschützter Marke
darstellt (Nr. 6)

Unzumutbare Belästigungen § 7 UWG

- Werbung, die der angesprochene Marktteilnehmer erkennbar nicht wünscht ist


unzulässig § 7 I
- Zwingender Grundsatz der sog. „Opt-in-Lösung“ nach § 7 II Nr. 1-3
- Anrufe, E-Mail- oder Faxwerbung nur mit Einwilligung des Adressaten
o Ausnahme: E-Mail-Werbung im Rahmen bestehender
Kundenbeziehungen § 7 III; die genannten Voraussetzungen müssen
kumulativ vorliegen)
- Werbung mit einer Nachricht, bei der die Identität des Absenders verschleiert
ist, ist unzulässig § 7 II Nr. 4
- Bei Unternehmen mutmaßliche Einwilligung für Werbeanrufe erforderlich
(Streng ausgelegt; mutmaßliches Einverständnis nicht nur mit Werbung
allgemein, sondern gerade mit Telefonwerbung)
- Direktansprache an öffentlichen Orten zu Werbezwecken unzulässig, wenn
der Werbende für den Angesprochenen nicht eindeutig als solcher zu
erkennen ist
- Bußgeld für unerlaubte Werbeanrufe ggü. Verbrauchern nach § 20 II UWG bis
zu 300.000€
- Verantwortliche Behörde: Bundenetzagentur

Rechtsfolgen von Wettbewerbsverletzungen

Beseitigung und Unterlassung § 8 UWG

- Bei Wiederholungs- und Erstbegehungsgefahr


- Anspruch auf strafbewehrte Unterlassungserklärung
- Als rechtsmissbräuchlich unzulässig, wenn dies primär der Generierung von
Abmahnkosten dient (§ 8 IV)
- Angemessene Kosten der berechtigten Abmahnung sind zu erstatten (§ 12 I
S. 2)

Schadensersatz § 9 UWG

- Anspruch steht nur Mitbewerbern zu


- Schuldhaftes Handeln erforderlich
- Bei verantwortlichen Personen periodischer Druckerzeugnisse Vorsatz
erforderlich (§ 9 S. 2)

Urteilsbekanntmachung § 12 III UWG

- Auf Kosten der unterliegenden Partei


- Bei berechtigtem Interesse

Verjährung und Verfahrensvorschriften

- Kurze Verjährung, 6 Monate ab Kenntnis für alle Ansprüche § 11 I


- Ausschließliche Zuständigkeit der Landgerichte § 13 I
- Obliegenheit der außergerichtlichen Abmahnung § 12 I
- Regelung zur Anspruchssicherung durch einstweilige Verfügung § 12 II
- Strafvorschriften §§ 16 – 19
- Bußgeldvorschrift § 20