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VVil/1dm Hallstein

Augustus, Agrippa und Olympia


Lokalisierung und Interpretation
einer augustez'scben Münzserie

In den letzten Jahrzehnten der Römischen Republik prägten die Römer ihre Mün—
zen nicht mehr ausschließlich in der Hauptstadt Rom. Ausschlaggebend dafür
waren die Bürgerkriege im I. ]ahrhundert v. Chr., die die römische Münzprägung in
weiten Teilen des Mittelmeerraumes zur Bezahlung der Truppen erforderlich mach-
ten. Am Anfang standen die Auseinandersetzungen zwischen Sulla und seinen
Widersachern (83—81 v. Chr.); es folgte der Konflikt zwischen Caesar und Pompeius
(49—48 v. Chr.). Die zum sogenannten zweiten Triumvirat zusammengeschlossenen
Antonius, Octavian und Lepidus setzten sich bei Philippi (42 v.Chr.) gegen die
Caesarmörder Brutus und Cassius durch. Die Seeschlacht von Actium im jahre
31 v. Chr. brachte schließlich gegen Antonius und Kleopatra die Entscheidung für
Octavian, den späteren Kaiser Augustus, und leitete das Ende der langen Bürger-
kriegswirren ein.
Obgleich die Münzprägung des Augustus zu der am besten erforschten gehört, sind
dennoch bis heute bei weitem nicht alle Probleme gelöst. So können zahlreiche
Münzrypen nicht mit Sicherheit einer bestimmten Münzstätte zugeordnet werden,
was zuweilen die Interpretation der Münzbilder erschwert.
Dazu zählt auch eine Serie von zwei Denaren und einem Quinar (Abb. 1—3), die
letztmalig in einem Artikel des englischen Numismatikers C.H.V. Sutherland
besprochen wurden? Das identische Porträt und dieselbe Anordnung der den Kopf
benennenden Legende AVGVSTVS auf allen drei Typen sowie Stempelverbin—
dungen zwischen den beiden Denartypen belegen zweifelsfrei, dass sie zu einer
Gruppe gehören und folglich nur einer Münzstätte zuzuweisen sind.1 Stilistische
Gründe sprechen gegen eine Münzstätte Rom und für eine östliche Münzstätte. In
diese Richtung weisen auch Funde aus Griechenland und Rumänien, die zudem
eine Datierung urn das Jahr 22 v. Chr. nahelegen.3 Die Frage der Münzstätte und der
Interpretation der Bilder ist eng mit der Darstellung auf der Rückseite des ersten
Typs (Abb. 1) verbunden. Zu sehen ist hier ein Tempel mit der erklärenden lateini-
schen Legende IOVI — OLV(M). Es ist also ein Tempel des Jupiter bzw. griechisch
Zeus Olympics dargestellt. Aus der Antike sind mehrere dern Zeus Olympics ge-
weihte Tempel bekannt, die bedeutendsten waren die. in Athen und in Olympia auf
der Peloponnes — letzterer beherbergte die zu den sieben Weltwundern zählende,
vom Bildhauer Phidias geschaffene Goldelfenbeinstatue des Zeus.4
Grueber und Mattingly sprachen sich allerdings für eine Prägung irn kleinasia-
tischen Ephesos aus und sahen folglich im Münzbild den ephesischen Tempel des
Zeus Olympics, Mattinglys aus stilistischen Motiven, Grueber6 erinnerte an eine
ephesische Provinzialprägung mit den Kultbildern der Artemis und des Zeus Olym-
Denar des Augustus Quinar des Augustus
mit Tempel mit der Siegesgöttin Victoria
des Zeus Olympics, auf einem SchiFfsvorderteil (Prora),
Silber, 0 19,0 mm, 3,99 g; Silber, 0 14,3 mm, 1,717 g;
«Auktion Leu 61, Mai 1995, Münzkabinett Dresden,
Nr. 211 Inv. 85

Sutherland" machte noch einmal daraufaufmerksam, dass der Zeustempel in Athen


nicht sechssäulig, sondern achtsäulig gewesen sei. Münzbild und tatsächliches Aus—
sehen stünden also im \Viderspruch. Der Tempel des Zeus in Olympia hingegen
pics und der Legende E®ECIQN ZEYC OAYMHIOC aus der Zeit Domitians wies tatsächlich sechs Säulen auf, wie auf dem Münzbild abgebildet. Diese Tatsache
(81—96 n. Chr.). Beide Argumentationen können letztendlich keine Sicherheit bie- stellte für Sutherland ein wichtiges Argument dar, sich für den Zeustempel in Olym—
ten; denn für die Zeit des Augustus kann der Kult für Zeus Olympics in Ephesos pia auszusprechen.n
noch nicht belegt werden, und Stilkriterien sind nicht immer zuverlässig. Über das Aussehen des Zeustempels von Olympia ist man sehr gut durch den grie-
Gabrici7 hingegen favorisierte den Tempel des Zeus Olympics in Athen. Dabei ging chischen Schriftsteller Pausanias unterrichtet, der im z.]ahrhundert n.Chr. auch
er von einer Textstelle des Kaiserbiographen Sueton aus, die wohl ins jahr 19 v. Chr. Olympia besuchte. Er gibt eine detaillierte Beschreibung der östlichen Front des
gehört. Sueton schreibt nämlich in seiner Augustusvita (Aug. 60): Zeustempels. Pausanias wörtlich zu Dachfiguren und Giebelschmuck:
„Befreundete und verbündete Könige ..... beschlossen, den Tempel des Olym- „Von den Giebelfiguren ist vom das Wettfahren des Pelops gegen Oinomaos darge-
pischen jupiter in Athen, der seit langem unvollendet geblieben war, auf gemein— stellt, das erst stattfinden soll ..... Gerade in der Mitte des Giebels ist eine Zeus-
same Kosten fertigstellen zu lassen und ihn dem Schutzgott des Augustus zu weihen“ statue angebracht, und rechts von Zeus befindet sich Oinomaos mit einem Helm
(Übersetzung von A. Lambert). aufdem Kopf und neben ihm seine Frau Sterope (Paus. ;, 10, 6 £) ..... [Es] steht ein
Bedenklich stimmt hier allerdings, dass nichts von einer Fertigstellung des bereits im vergoldeter Kessel an jeder Ecke des Dachs, und eine Nike steht über der Mitte des
6. vorehristlichen Jahrhundert begonnenen athenischen Zeustempels in auguste— Giebels, auch diese vergoldet. Unter der Nikestatue ist ein goldener Schild ange—
ischer Zeit überliefert ist. Er wurde vielmehr erst über 100 Jahre später von Kaiser bracht mit der Medusa Gorgo darin“ (Paus. ;, IO, 4 f.; Übersetzung von E. Meyer).
Hadrian (117—138 n. Chr.) vollendet.8 Die Beschreibung des Zeustempels von Olympia durch Pausanias stimmt in den
Ein weiteres, schwerwiegendes Argument gegen eine Identifizierung des Münzbildes Details mit der Darstellung aufder Münze nicht überein. Ein direkter Vergleich des
mit dem Zeustempel in Athen dürfte das Verhältnis zwischen Augustus und Athen Münzbildes (Abb. 1) mit der zeichnerischen Rekonstruktion der Ostfront des Zeus-
sein, das aufgrund der Haltung Athens zugunsten des Antonius und der Kleopatra tempels (Abb. 4) macht dies noch einmal deutlich. Das Münzbild zeigt, wie es häu—
im Bürgerkrieg in der Zeit vor Actium schwer belastet war. So hielt sich Augustus
später überhaupt nur einmal, im Jahre 19 v. Chr., und dann auch nur Für kurze Zeit
in Athen auf;9 außerdem hatte der Kaiser bereits zwei Jahre zuvor bei seiner Durch-
reise von Rom nach Samos den Athenern deren Besitzungen Aigina und Eretria
genommen.lo

Denar des Augustus


mit Schiffskrone (carana rostmta). Ostfront
Silber. 0 19,0 mm, 4,14 g; des Zeustempels
ex Auktion in Olympia;
Münzen und Medaillen A. G. 81, zeichnerische
Sept. 1995, Rekonstruktion
Nr. I66 168 169 von P. Grunauer
figer bei Architekturdarstellungen auf Münzen zu beobachten ist, Vereinfachungen, Verbreitung
die auf Plaumangel zurückzufi'ihren sind. der regelmäßigen
Stern elstellung
Im Münzbild sind auf dem Dach lediglich Palmetten zu sehen, im Giebelfeld ein (dun el abgesetzt)
großer runder Gegenstand. Bei letzterem könnte es sich, wie schon Sutherland ver- im
mutete," urn den am originalen Tempel direkt unter der Nike befestigten goldenen Mittelmeerraum
Schild handeln, der hier ins Giebelfeld gerutscht ist. Diesen hatten die Spartaner um 50 v. Chr.,
nach
nach ihrem Sieg über die Athener in der Schlacht von Tanagra im Jahre 457 V. Chr. F. de Callata?
geweiht.
Alles in allem spricht sich Sutherland zwar für den Tempel des Zeus Olympics in
Olympia und damit für einen Prägeort in der nördlichen Peloponnes aus, muss aber
eingestehen, dass seine Erkenntnis nicht gesichert ist” — wohl wissend, wie nach-
lässig oftmals Tempeldarstellungen von den Stempelschneidern im Münzbild wie-
dergegeben wurden.IS
Eine andere numismatisch—methodische Überlegung kann an dieser Stelle weiter-
helfen und die Identifikation sichern. Dabei muss, um des besseren Verständnisses
willen, etwas weiter ausgeholt werden. Es handelt sich um das Phänomen der regel-
mäßigen Stempelstellung, d.h., betrachtet man die Vorderseite einer Münze, und
wendet sie in der Horizontalen, sieht man die Rückseite wieder mit gerade ausge—
richteten Bild vor sich; dies entspräche einer Stempelsteilung, ausgedrückt nach
dem Zifferblatt, von 12 h. Stünde aber das Bild nach dem Umdrehen der Münze auf
dem Kopf, wäre es 6 h; usw. Bei 12 h und bei 6 h spricht man von regelmäßiger Ende des 3. Jh. v. Chr. 12 h-Stempelsrellung vorherrschte.19 Athen und Ephesos in
Stempelstellung. Dieser Effekt wurde erzielt, indem man Vs.- und Rs.—Stempel beim Kleinasien scheiden also als Prägeorte für die drei augusteischen Typen aus. Damit
Prägevorgang gezielt aufeinander ausrichtete. ist ebenfalls eine Darstellung des Athener bzw. des ephesischen Zeustempels aufdem
F. de Callataj'f‘6 hat in einer Untersuchung die Stempeistellung bei griechischen Denar auszuschließen. Andererseits ist der geographischen Karte aber auch zu ent—
Münzen seit den Anfängen nachgezeichnet. Er kann zeigen, dass sich die regelmä- nehmen, dass auf der gesamten Peloponnes mit unregelmäßiger Stempelstellung
ßige Stempelstellung von Kleinasien ausgehend seit dem Ende des 4. bis ins 1. vor- geprägt wurde.“ Anzunehmen ist folglich eine Münzstätte auf der Peloponnes“ und
christliche Jahrhundert immer mehr im gesamten Mittelmeerraum verbreitete. damit auch die Benennung des Tempels auf der Münze als der des Zeus Olympics
Es stellt sich grundsätzlich die Frage, wie dieses bei griechischen Münzen beobach- in Olympia.
tete Phänomen für die Interpretation römischer Münzen genutzr werden kann. Bei Warum aber hat Augustus den Tempel des Zeus in Olympia ins Münzbild
genauer Durchsicht der Münzrypen der Römischen Republik im 1. Jh. v. Chr. fällt gerückt?zl Im ersten vorchristlichen Jahrhundert hatte Olympia den Tiefpunkt sei—
auf, dass alle in der Hauptstadt Rom geprägten Denare regellos geprägt wurden, dass nes Niedergangs, der bereits in nachklassischer Zeit eingesetzt hatte, erreicht. Suilas
aber auch zahlreiche Typen aus den Zeiten der Bürgerkriegs mit 12 h/6 h-Stempel- Plünderung der Tempelschätze hatte sogar die Existenz Olympias und seiner Spiele
stellung ausgeprägt wurden. Nur ein Beispiel: Brutus und Cassius hatten ihre Trup- ernsthaft in Frage gestellt. Der Beginn der Friedensepoche nach der Schlacht bei
pen im Osten gesammelt und in Griechenland und Kleinasien ihre Münzen ausge- Actium brachte auch für Olympia einen erneuten Aufschwung.13 Es ist bislang kein
geben. Folgerichtig haben ihre Münzen regelmäßige Stempelstellung; denn die Zeugnis bekannt, das eine Beteiligung des Augustus an der Erneuerung des Zeus—
Römer ließen in den vor Ort existierenden Münzstätten prägen. Insgesamt ist fest— Heiligtums belegt. Doch scheint man sich in Olympia um die Gunst des Kaisers
zuhalten, dass die Stempelstellung bei römisch—republikanischen Münzen Rück— bemüht zu haben, indem schon unter Augustus der Kaiserkult eingerichtet wurde.
schlüsse aufderen Prägegebiet, ja u. U. sogar den Prägeort erlaubt; sie dient als „geo- Davon zeugt vor allem die Umbenennung des Metroons in einen Tempel Für Augus-
graphisches Definierungsmoment“.'7 tus mit einer überlebensgroßen Kultstatue des Kaisers als Zeus mit Zepter und Blitz-
Als bislang von der Forschung unbeachtetes Interpretationskriterium kann die bündel. Außerdem wurde Augustus ein Kult in der Altis und eine Bildnisstatue vor
Stempelstellung auch noch fiir römische Münzen aus augusteischer Zeit genutzt dem Zeustempel vom Achäischen Bund gestiftet. Pausanias erwähnt zudem ein
werden. Die hier zur Diskussion stehenden drei Typen des Augustus sind regellos Elektronbildnis im Zeustempel. Es lassen sich also durchaus Verbindungen zwi-
ausgeprägt worden. schen Augustus und Olympia aufieigen. Diese scheinen jedoch einseitig gewesen zu
Ein Blick auf die geographische Karte, die die Verbreitung der Stempclstellung im sein, Augustus nahm — quasi als Empfänger der Ehrungen — eine passive Rolle ein.14
Mittelmeerraum um das Jahr 50 v. Chr. zeigt (Abb. <5)‚'8 aber auch noch für die augus— Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Augustus als Dank für die ihm zuteil
teische Zeit gültig ist, dient als Interpretationshilfe. Münzstätten in den dunkel gewordenen Ehrungen den Zeustempel von Olympia ins Münzbild brachte. Der
abgesetzten Gebieten prägten mit regelmäßiger Stempelstellung (12 h/6 h). Dazu Schlüssel für das Erscheinen des Zeustempels von Olympia dürfte aber in der Rück-
gehörte auch die — neben Marseille — eigens eingetragene Stadt Athen, wo seit dem 170 171 seite des zweiten Denartyps (Abb. 2) liegen.
Agrippa war schon in jungen Jahren ein Wegbegleiter und Freund Octavians, der
ihn später zum Befehlshaber seiner Flotte machte. In dieser Funktion errang er für
Octavian die Seesiege von Naulochoi gegen Sex. Pompeius — dieser hatte ihm, wie
gesagt, den Schiffskranz eingebracht — und von Actium im Jahre 31 v. Chr. gegen
Antonius und Kleopatra. Die Propaganda der Octavier nach Actium ließ Agrippa als
großen Sieger erscheinen.”
Die Bedeutung beider Seesiege wird noch einmal verdeutlicht durch die Bilder des
zugehörigen Quinartyps (Abb. 3), der auf der Vs. das Porträt des Augustus und auf
der Rückseite die Siegesgöttin Victoria auf einem Schiffsvorderteil (Prora) zeigt.
Augustus erinnert also mit seiner Serie von zwei Denaren und einem Quinar zum
einen an die Rolle des Agrippa für das wiederaufblühende Olympia, zum anderen
Agrippa mit Corona rorrrata (l.) und Augustus (r.) auf einer Bronzemünzc aber auch an dessen militärische Erfolge zur See, die wichtige Marksteine auf dem
aus Nemausus (Nimcs),
auf der RS. ein an eine Palme gekettctes Krokodil, Weg zur eigenen Alleinherrschaft darstellten.
Bronze, 0 26,4 mm, 13,271g: Zum Zeitpunkt der Prägung der Münzen — angenommen werden aufgrund von
Münzkabinett Dresden, Inv. 2778 Schatzfunden die Jahre um 22 v. Chr. — hatte Agrippa eine herausragende Stellung
im Staate erreicht. Einiges deutet darauf hin, dass Augustus ihn in diesen Jahren als
seinen Nachfolger auserkoren hatte. So übergab ihm etwa im Jahre 23 der schwer
erkrankte Kaiser seinen Siegelring.“ Nach der unerwarteten Genesung des Augustus
Er zeigt einen mit sechs Schiffsschnäbeln (oder Rammspornen), verzierten Lorbeer- setzte er Agrippa im gleichen Jahr als Generalstatthalter im Osten des Reiches ein,
kranz, eine sogenannte coronzz rasmzta oder coramz naualis. Agrippa fungierte damit neben Augustus als collega imperz'z'.” In seiner Leitungs-
Sutherlandls sieht in diesem Denarbild lediglich eine Anspielung auf den entschei— funktion über den Osten reiste Agrippa im Jahre 22 wohl auch nach Griechenland,
denden Seesieg von Actium und die Erinnerung an die daraus Folgende Befreiung wie einige Inschriften nahelegen, die ihn als Efiepvétng (Wohltäter) preisen.36 Viel—
Griechenlands von der Knechtschaft des Antonius. Bisweilen wurde hier jedoch leicht hat er auch Olympia besucht und die mit eigenen Mitteln finanzierte Instand—
präziser der goldene und mit Schiffsschnäbeln verzierte Kranz des M.Vipsanius setzung des Zeustempels begutachtet.
Agrippa erkannt,16 der ihm nach seinem Seesieg im Bürgerkrieg gegen Sex. Pom- Im Jahre 21 v. Chr. riefAugustus Agrippa wieder nach Rom. Besonders deutlich wird
peius bei Naulochoi an der Nordküste Siziliens im Jahre 36 v. Chr. verliehen worden jetzt die Nachfolgepolitik des Augustus, der im Jahre 21 seine Tochter Julia mit
war. Der Senat sprach ihm das Recht zu, diese einmalige Auszeichnung während Agrippa verheiratete?7 damit wurde er noch fester im Kaiserhause verankert.38
Triumphalprozessionen zu tragen.17 Augustus selbst aber begab sich von Rom nach Samos. Seine Reiseroute führte ihn
Mehrfach ist die corona rostrata literarisch belegt, etwa in der berühmten Schild- über die Peloponnes, bei dieser Gelegenheit erinnerte er an M. Vipsanius Agrippa,
beschreibung in Vergils Aeneis (8, 682—684),IS wo es heißt: „Drüben ragte Agrippa, seinen Freund, Schwiegersohn, militärischen Befehlshaber‚ Admiral, callega imperii
von Wind und Göttern begünstigt, / hoch als Führer des Zuges; als stolzes Zeichen und potentiellen Nachfolger durch die Ausgabe einer Münzserie, die dessen militäri—
des Krieges / glänzt um die Schläfen ihm rings des Seesiegs geschnäbelte Krone“ sche Leistungen zur See und verdienstvolles Wirken für Olympia propagierten.
(Übersetzung von Th. von Scheffer). Dieser einmaligen Auszeichnung Rechnung
tragend, erscheint Agrippa auf Münzen und Gemmen oftmals mit einer coromz
rorrrata. Ein Beispiel muss an dieser Stelle genügen. Eine zwischen 20 und 10 v. Chr.
in der Kolonie Nemausus (Nimes) geprägte Bronzemünze bildet auf ihrer Vorder-
Anmerkungen
seite links den bärtigen Agrippa mit der coromz rostrata und rechts den barhäuptigen
Augustus ab (Abb. 6).19 Beides, literarische Überlieferung und Ikonographie belegen
Dieser Beitr bietet eine geringfügi veränderte und ergänzte Fassung des Vertrages mit glei—
also, dass die coromz rortmta ausschließlich mit Agrippa in Verbindung gebracht wer— chem Titel, er am 4.1.1999 im Raimen des Kolloquiums anlässlich des 4ojähri en Dienst-
den darf. jubiläums von Dr. Paul Arnold, dem Direktor des Dresdener Münzkabinetts, geh ten wurde.
In Olympia ist eine monumentale lateinische Bauinschrift mit dem Namen des 1 C. H. V. Sutherland, L'attribution des deniers augustéens aux types du «temple», de la «cou-
Agrippa erhalten, die die archäologische Forschung einhellig auf die Instandsetzung ronne> et du «jeune taureaur. In: RN 1974, S. 49—67. Dieser Aufsatz stellt die Grundlage
der folgenden Ausführungen dar. Zuvor waren die drei Münztypen in folgenden Beiträ—
des Daches des Zeustempels bezieht.30 Die Reparatur war notwendig geworden, gen erörtert worden: E. Gabrici, La numismatica di Auguste. In: Studi e materiali di
nachdem um das Jahr 40 v. Chr. ein starkes Erdbeben gewütet hatte. Damit ist ein archeologia e numismatica II, 1902, S. 148 Ff. (lag nicht vor). — H. A. Grueber, in: Coins of
direkter Bezug zum ersten Denartyp mit dem Tempel des Zeus Olympics selbst the Roman Republic in the British Museum, Vol. II, London 1910, S. 540. —— H. Mattingly,
gegeben. Denn Agrippa muss seine Reparatur durch größere finanzielle Zuwen— in: Coins of the Roman Empire in the British Museum, Vol. I: Augustus to V11ellius, Lon-
don 1923, S. C)O(IV. — P. V. Hill, The Temple of Zeus Olympics on Augustan Coins. In:
dungen ermöglicht haben." Mit seinem Engagement Für den Zeustempel in Olym- NCirc 1960, S. 23—24. — C. H.V.Sutherland, in: The Roman Imperial Coinage, Vol. I‘,
pia setzte Agrippa ein Zeichen seiner pietar gegenüber den Göttern.32 172 I73 London 1984, S. 34—35
Sutherland. wie Anm.1, 5.49, 53 das Jahr 36 v. Chr. der ttrminm ame quem — oder ob es sich um Ziegel des beschädigten
Sutherland. wie Anm.1, 5.58; vgl. dazu M. H. Crawford. Roman Republican Coin Tempels handelt (Herrmann. Anm. 24, 5.183) — in diesem Fall könnte die Instandsetzung

Hoards, London 1969. Taf. XVIII auch einige Jahre später begonnen haben. Es läge nahe, an das Jahr 22 v. Chr. zu denken,
W. H. Rascher, Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Literatur, 6 Bände, als Agrippa während seiner Generalstatthalterschaft auch Griechenland bereiste und in
1884—1937. s. v. Olympics. Sp. 841 einigen Inschriften als 131'15pyé11ng (Wohltäter) gepriesen wird (vgl. R. Hanslik, M. Vipsa-
H. Matringly, wie Anm. 1, S. CXXIV. Vorbehalte bei Sutherland, wie Anm. 1, 5.57 nius Agrippa, in: RE 9 A1, Sp. 1253).
(n\l O\m

Grueber, wie Anm. 1, 5.540 32 Möglicherweise können Umbau und Fertigstellung der sogenannten Echohalle ebenfalls
Gabrici, wie Anm. 1; Vorbehalte dagegen schon bei Mattingly. wie Anm. 1. S. CXXIV auf die Bautätigkeit des Agrippa in Olympia zurückgeführt werden; vgl. Mallwitz, wie
Vgl. Sutherland, wie Anm.l. 5.55. — H. Bengtson. Griechische Geschichte. München Anm. 23, 5.198. Ob Augustus ebenfalls an der Reparatur beteiligt war. ist möglich, aber
1950, 5.117. 507 derzeit wohl nicht nachweisbar.
Den ku1zen Aufenthalt des Augustus in Athen aufseiner Durchreise von Samos nach Rom 33 Hanslik, wie Anm. 31. Sp. 1245
bezeugt Cassius Dio 54. 9, 10. Dazu H. Bengtson (Anm.8. 5.495): „Eine offizielle Aus- 34 Cassius Die 53. 30, 2
söhnung Athens mit Augustus. wie man sie für das Jahr 19 v. Chr. angenommen hat, ist 35 Vgl. Hanslik, wie Anm. 31, Sp. 1252. Zur staatsrechtliehen Stellung des A rippa vgl. jerzr
unwahrscheinlich.“ W. Ameling. Augustus und Agrippa. Bemerkungen zu PKöln VI 249, in: hiron 24, 1994.
10 Vgl. Sutherland. wie Anm. 1, 5.54 5.1—28; V 1. auch Christ, wie Anm. 27, S. 90, 179
II Sutherland, wie Anm.1. 5.55 F. 36 R. Hansiii, M. Vipsanius Agrippa, wie Anm. 31, Sp. 1253
12 Sutherland, wie Anm.1. 5.56 37 Dass es Augustus bei dieser Heirat auf männliche Erben ankam, ist nicht notwendiger-
13 Sutherland. wie Anm. 1. S. 56 weise anzunehmen;__vielmehr dürfte hiermit die erhöhte Machtposirion des Agrippa,
14 Sutherland. wie Anm. 1, S. 56: „On ne peut pas vraiment prouver que les monnaies repro— besonders nach der Ubertragung der Generalstatthalterschaft im Osten zwei jahre zuvor.
duisent le temple de Zeus ä Olympic mais c'est trüs probable.“ zum Ausdruck kommen. Vgl. Ameling, wie Anm. 35, S. 22. Anm. 84
Hill, wie Anm. 1, 5.23 F., weist daraufhin, dass sowohl die dorische Ordnung der Säulen 38 Bereits vor dieser Hochzeit war A rippa mit dern Kaiserhaus verbunden. Seit dem jahre 28
(?) als auch der dreistufige Unterbau des Münzbildes mir den Gegebenheiten des Tempels v. Chr. war er mit Claudia Marce la, einer Tochter der Octavia. der älteren Schwester des
übereinstimmen. späreren Kaiser Augustus verheirater. Im Jahre 25 v. Chr. war Agrippa in die damns/iugwm
16 F. de Callatajh Les monnaies grecques et I'orientation des axes. Mailand 1996 umgcsiedeit.
17 R. Göbl, Antike Numismatik, Band 2, München 1978, 5.50, Anm. 739. Vgl. dazu dem-
nächst W. Hollstein. Die Srempelstellun — ein ungenutztes Interpretationskrirerium für
die Münzprägung der Römischen Repub ik. In: Akten des 12. Internationalen Numisma-
tischen Kongresses in Berlin (im Druck).
18 Karte aus de CaiiataY, wie Anm. 16. S. 116
19 De Callata7. wie Anm.16. 5.60. Die Gültigkeit der 12 h-Stempelstellung in Athen noch
in afugusreischer Zeit wurde an den Bronzemünzen des Dresdener Münzkabinetts über-
ru t.
€/gl. dazu de Callatajh wie Anm.16. S. 63 €.
Es ist unwahrscheinlich, dass Augustus über eine wandernde Münzstätte verfügte, die ihn
auf seinen Reisen begleitete und bei Bedarf Münzen rägte. Vielmehr benutzten die
Römer die vor Ort behndlichen Münzstä1ten. Zur Zeit d>es Augustus waren aufder Pelo- NUMISMATISCHE VORTRAGSREIHE
ponnes Folgende Münzstätten aktiv: Sparta, Patras, Korinth und Dymo. Es ist nicht mit
Sicherheit zu sagen, in welcher dieser Münzstätten die Serie geprägt wurde. Im Rahmen der vom Münzkabinett Dresden und vom Numismatischen Verein zu Dresden
Resigniert stellte G. Fuchs (Archirekturdarsrellungen aufrömischen Münzen der Republik veranstalteten Vortragsreihe sprach am 9. September 1999 Dr. RALF WIECHMANN. Leiter
und der Frühen Kaiscrzcir, Berlin 1969. 5.37) Fest: ..Der Sinngehalt des Bildes ist nicht des Münzkabinetrs am Museum Für Hamburgische Geschichte, zum Thema „Geschichte in
mehr festzustellen.“ Gold — Die Hamburger Portugaleser“. König Manuel I. von Portugal (1495—1521) ließ als erster
Zur Geschichte des Heiligtums von Olympia vgl. A. Mallwitz, Olympia und seine Bauten, im Jahre 1499 große Goldmünzen im Wert von zehn Dukaten rägen. Diese zeigen auf der
München 1972, S. 77 FF. Vorderseite das Wappen von Portugal. auFder Rückseite ein groiiits Kreuz mit breiten Enden.
Vgl. dazu H.-V. Herrmann. Olym ia. Heiligtum und Wettkampfstätte, München 1972, Verschiedene norddeutsche Städte, insbesondere die Hansestadt Hamburg, aber auch Kur-
5.183 ff. mit Anmerkungen. — Mal Witz, wie Anm. 23, 5.107 brandenburg und Kursachsen nahmen diesen Typ zum Vorbild und prägten zwischen 1550 und
Sutherland, wie Anm. 1, S. 58 1590 Portugaleser. Zwar Emden diese Verwendung für größere Zahlungen, entsprachen jedoch
Hill. wie Anm.1. S. 24. — M. Grant, Roman Imperial Money, Amsterdam 1972, 5.39 F. nicht der Reichsmünzordnung. so dass 1577 ein Verbot der Portugaleserprä ung erfolgte, an
Cassius Die 49, 14. 4. Zur Bedeutung der Seeschlachr von Naulochoi vgl. K.Christ. das sich Hamburg zunächst nicht hielt. In erster Linie waren die schweren G0deünzen Reprä-
Geschichte der römischen Kaiserzeit, München 1988, S. 71 F. scntationsprägungen und dienten als Geschenke. Die Portugalesertradition lebte in der Hanse-
Vgl. außerdem Liv. per. 129; Vell. 2, 81. 3 stadt im 17. jahrhundert wieder auf, als Medaillen mir dem Kreuz auf der Rücksei1e geprägt
RIC 11 Aug. 157. Das an eine Palme angekettete Krokodil auf der RS. bezieht sich aufdie wurden. Im Jahre 1653 gab schließlich die Hamburger Bank den ersten so . Bankportu aleser
Ansiedlung von Veteranen in Nemausus. die an der Eroberung Agyprens beteiligt waren. aus. Das Gewicht von zehn Dukaten - gelegentlich kommen auch Teiistücke und ilber-
Vgl. weitere Münzen mit dem Bildnis des Agrippa und mrwm rostmta: RIC I‘ Aug. 154 FE; abschläge vor — wurde beibehalten, die Motive begannen jetzt jedoch zu variieren. Zahlreiche
397 und 409 (mit Mauer- und Rosrralkrone); Cal. 58; RPG 80 F. (Gades); 381 und 386 berühmte Medailleure schnitten vor allem im Barock prächtige Medaillen. Neben den Bank-
(Caesaraugusta); 533 (Arausio?). portugalesern gaben die Admiralität die Admiralitärsportugalescr und die Versicherungen die
30 Herrmann, wie Anm. 24, S. 183. — Mallwitz, wie Anm. 23, 5.107 Assekuranzportugaleser heraus. Seit dem 19. jahrhundert wurden noch die Kommerzportuga-
31 Der genaue Zeitpunkt der von Agrippa veranlassten Reparatur des Zeustempels scheint Ieser ausgegeben. Der Begriff Portugaleser ist bis in die Gegenwart in Hamburg lebendig und
nicht gesichert zu sein. Wichti sind die Marmorziegel, aufdenen sich ab 36 v. Chr. Listen zwar bei den vom Senat seit 1956 anlässlich von Staatsbesuchen oder ]ubiläen vergebenen
des Kultpersonals erhalten haEen. Fraglich ist, ob es sich dabei um nach der Repararur Medaillen. Die Zuhörer erlebten einen sehr informativen und reich bebilder1en Vortrag.
überzählige Marmorziegel (vgl. Mallwitz, Anm. 23, 5.107; Hill,Anm.1. S. 24) — dann wäre 174 175 W. H.