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Regelwerk

Technische Regel
Arbeitsblatt W 400-1 Oktober 2004

Technische Regeln Wasserverteilungsanlagen (TRWV)


Teil 1: Planung
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ISSN 0176-3504
Preisgruppe: 13
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Art. Nr.: 00 760
Technische Regeln Wasserverteilungsanlagen (TRWV)
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Teil 1: Planung Regelwerk

Inhalt

Vorwort ..............................................................6 6 Trassierung ........................................21


6.1 Leitungsführung im Grundriss..............21
1 Anwendungsbereich ............................9 6.1.1 Grundsätzliches ..................................21
6.1.2 Zubringerleitungen ..............................21
2 Normative Verweisungen ....................9 6.1.3 Haupt- und Versorgungsleitungen........22
6.1.4 Anschlussleitungen..............................22
3 Begriffe ..............................................16 6.2 Leitungsführung im Längenschnitt ......22
3.1 Begriffe gemäß DIN EN 805, 6.2.1 Zubringerleitungen ..............................22
Abschnitt 3 ..........................................16 6.2.2 Hauptleitungen und
3.1.1 Druck und Durchmesser ......................16 Versorgungsleitungen ..........................23
3.1.2 System ................................................17 6.2.3 Anschlussleitungen..............................23
3.1.2.1 Allgemeines ........................................17 6.3 Führung von Leitungen durch
3.1.2.2 Hauptleitung ........................................17 Gebiete mit verunreinigtem
3.1.2.3 Trinkwasserbehälter ............................17 (kontaminiertem) Erdreich ....................23
3.1.2.4 Versorgungsleitung ..............................17 6.3.1 Grundsätzliches ..................................23
3.1.2.5 Wasserbehälter....................................17 6.3.2 Chemische Stoffe ................................23
3.1.2.6 Wasserverteilungssystem ....................17 6.3.3 Friedhöfe ............................................23
3.1.2.7 Zubringerleitung ..................................17 6.4 Besondere Sicherungsmaßnahmen
3.2 Begriffe gemäß DIN 4046 ....................17 für Leitungen bei ungünstigen Gelände-
3.2.1 Brunnensteigleitung ............................17 und Bodenverhältnissen ......................23
3.2.2 Entnahmeleitung..................................17 6.5 Mitverlegung von Kabeln zur Über-
3.2.3 Fernleitung ..........................................18 mittlung von Betriebsinformationen ......24
3.2.4 Formstück ..........................................18
3.2.5 Pumpensaugleitung ............................18 7 Mitbenutzung von öffentlichen
3.2.6 Rohrnetz..............................................18 Flächen, Verkehrswegen,
3.2.7 Rohwasserleitung ................................18 Gewässern und Deichen und
3.3 Weitere Begriffe ..................................19 privaten Grundstücken ......................24
3.3.1 Brunnenleitung ....................................19 7.1 Allgemeines ........................................24
3.3.2 Heberleitung ........................................19 7.2 Grundstücke und Anlagen
3.3.3 Ortsnetz ..............................................19 von Eisenbahnen..................................24
3.3.4 Ruhedruck ..........................................19 7.3 Öffentliche Flächen..............................24
3.3.5 Wasseranschlussleitung ......................19 7.3.1 Öffentliche Flächen der Gemeinden ......24
3.3.6 Wasserverteilungsanlagen ..................19 7.3.1.1 Mit Konzessionsvertrag........................24
3.3.7 Begriffe zum Wasserbedarf..................19 7.3.1.2 Ohne Konzessionsvertrag ....................25
7.3.2 Verkehrsflächen des Bundes,
4 Grundsätze und Ziele der Planung....19 des Landes und des Kreises ................25
7.4 Erwerb von Leitungsrechten zur Mit-
5 Wasserqualität ..................................20 benutzung privater Grundstücke..........25
5.1 Allgemeines ........................................20 7.5 Gewässer ............................................25
5.2 Werkstoffe ..........................................20 7.6 Rohrbrücken, Leitungen an Brücken....26
5.3 Verhinderung von Rückfluss ................20 7.7 Flussdeiche..........................................26
5.4 Stagnation ..........................................20 7.8 Küstenschutzanlagen ..........................26
5.5 Verbindungen zu anderen Systemen ....21

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 03
8 Sicherheitsstreifen ............................27 12.3 Parallelverlegung von Rohrleitungen
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8.1 Allgemeines ........................................27 und Kabeln ..........................................41


8.2 Schutzstreifen ....................................27 12.4 Kreuzungen mit anderen Rohr-
8.3 Arbeitsstreifen ....................................28 leitungen und Kabeln ..........................41
12.5 Abstand zu Betonwiderlagern ..............41
9 Netzformen und Bauwerke................28 12.6 Abstand zu Hochspannungs-
9.1 Netzformen..........................................28 Freileitungen und elektrifizierte
9.2 Lage von Trinkwasserbehältern ............28 Bahnstrecken ......................................42
9.3 Sonstige Bauwerke..............................30 12.7 Abstand zu Fernwärmeleitungen..........42
9.3.1 Allgemeines ........................................30 12.8 Abstand zu Abwasserleitungen............42
9.3.2 Oberirdische Bauwerke ......................30 12.9 Bepflanzungen im Bereich der Rohr-
9.3.3 Unterirdische Bauwerke (Schächte)......30 leitungen..............................................42
9.3.4 Objektschutz........................................31 12.10 Abstand zu Eisenbahnanlagen..............42
12.11 Abstand zu Bundesfernstraßen............42
10 Versorgungsdruck/Druckregelung....31 12.12 Überbauung von Wasserleitungen ......42
10.1 Drücke in Ortsnetzen ..........................31 12.13 Sonderfall der Unterfahrung von
10.1.1 Allgemeines ........................................31 Gebäuden............................................43
10.1.2 Druckzonen ........................................31
10.1.3 Versorgungsdruck (SP) ........................31 13 Überdeckung von Rohrleitung ..........43
10.2 Druckerhöhung ....................................33 13.1 Allgemeines..........................................43
10.3 Druckminderung ..................................34 13.2 Schutz vor Einfrieren und Erwärmen ....43
10.3.1 Allgemeines ........................................34 13.3 Verkehrs- und Erdauflasten..................43
10.3.2 Druckminderer ....................................34 13.4 Übliche Überdeckungshöhen für
10.3.3 Druckunterbrecher ..............................34 Rohrleitungen und Kabel ......................43

11 Hydraulische Bemessung..................34 14 Besondere Hinweise für


11.1 Ermittlung des Wasserbedarfs einzelne Anlagenteile ........................44
als Planungsgröße zur Bemessung 14.1 Rohwasserleitungen ............................44
der Anlagen ........................................34 14.2 Energierückgewinnung ........................44
11.1.1 Planungszeiträume und Ausbaustufen..34 14.3 Übergabe aus Fernleitungen ................44
11.1.2 Zusammenstellung von Begriffen zum 14.3.1 Übergabestellen ..................................44
Wasserbedarf ......................................35 14.3.2 Anlagen zur Mischung von
11.1.3 Spitzenbelastung und Spitzenbedarf ....35 unterschiedlichen Wässern ..................45
11.1.4 Langfristige Bedarfsschätzungen..........36 14.4 Einrichtung zu Messzwecken ..............45
11.1.5 Mittlerer und maximaler Tagesbedarf....36 14.5 Zusätzliche Verteilungsnetze für
11.1.6 Maximaler Stundenbedarf....................36 Nicht-Trinkwasser (Brauchwasser) ........45
11.1.7 Bemessung nach Funktion 14.6 Versorgungstunnel ..............................45
der Leitung ..........................................38
11.1.8 Bereitstellung von Löschwasser durch 15 Auswahl von Rohren
die öffentliche Wasserversorgung ........38 und Formstücken ..............................46
11.2 Fließgeschwindigkeiten ......................39 15.1 Grundsätzliches ..................................46
11.3 Hydraulische Berechnung ....................39 15.1.1 Hygienische Anforderungen ................46
11.3.1 Allgemeines ........................................39 15.1.2 Allgemeine technische und
11.3.2 Berechnungsverfahren ........................39 wirtschaftliche Anforderungen..............46
11.3.3 Stationäre Zustände ............................39 15.1.3 Statische Bemessung ..........................47
11.3.4 Instationäre Zustände ..........................40 15.1.4 Innen- und Außenschutz gegen
11.3.5 Hydraulische Rauheit ..........................40 Korrosion ............................................47
15.1.4.1 Allgemeines ........................................47
12 Mindest- (Schutz) Abstände zu Bau- 15.1.4.2 Passiver Korrosionsschutz ..................47
werken und anderen Leitungen..........40 15.1.4.3 Aktiver Korrosionsschutz ......................47
12.1 Allgemeines ........................................40 15.2 Übersicht über einzusetzende Rohre
12.2 Abstand zu Bauwerken ........................41 und Formstücke ..................................48

04 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
15.3 Ergänzende Hinweise zu den Rohr- Anhang A (informativ) – Beispiele für
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werkstoffen..........................................50 günstige und ungünstige Führungen


15.3.1 Allgemeines ........................................50 von Fall- und Pumpendruckleitungen ............63
15.3.2 Stahl ....................................................50
15.3.3 Duktiles Gusseisen ..............................51 Anhang B (informativ) – Rechtlich be-
15.3.4 Polyethylen (PE 80 und PE 100)............53 stehende Möglichkeiten zur Inanspruch-
15.3.5 Vernetztes Polyethylen (PE-Xa) ............53 nahme von privaten Grundstücken für
15.3.6 Polyvinylchlorid (PVC-U) ......................54 die Verlegung von Trinkwasserleitungen........65
15.3.7 Glasfaser verstärkte Kunststoffe
(GFK) ..................................................54

16 Auswahl von Armaturen und An-


ordnung von Rohrleitungsteilen ........55
16.1 Hygienische Anforderungen ................55
16.2 Bauartnormen......................................55
16.3 Grundsätze für die Auswahl von
Serienarmaturen ..................................55
16.3.1 Dauerhaftigkeit ....................................55
16.3.2 Druckstufen..........................................55
16.3.3 Werkstoff der Dichtelemente................55
16.3.4 Innen- und Außenschutz ......................55
16.3.5 Besondere Hinweise für den Einsatz
und die Auswahl von Armaturen ..........55
16.4 Absperreinrichtungen in Fern- und
Zubringerleitungen ..............................56
16.4.1 Absperrarmaturen................................56
16.4.2 Regelarmaturen ..................................56
16.4.3 Rohrbruchsicherungen
[DVGW W 322 (A)]................................56
16.5 Absperreinrichtungen in Haupt-
und Versorgungsleitungen....................57
16.6 Hydranten............................................59
16.6.1 Zweck, Auswahl und Betrieb
von Hydranten......................................59
16.6.2 Anordnung von Hydranten....................59
16.7 Entleerung und Spülauslässe................59
16.7.1 Entleerungen........................................59
16.7.2 Spülauslässe........................................60
16.8 Be- und Entlüftung ..............................60

17 Dokumentation der Planung..............60


17.1 Allgemeines..........................................60
17.2 Entwurfs- und Genehmigungs-
planung................................................60
17.3 Ausführungsplanung und Aus-
schreibungsunterlagen ........................61

18 Planungsvorgaben für Bau


und Betrieb ........................................61
18.1 Desinfektion und Spülung von
Trinkwasserleitungen ............................61
18.2 Übergabe an den Bau und Betrieb ........61

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 05
Vorwort
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Eine technisch einwandfreie Planung der Wasser- • DVGW W 400-1 (A), Technische Regeln Wasser-
verteilungsanlagen, also des Rohrnetzes einschließ- verteilungsanlagen TRWV; Teil 1: Planung
lich der Einbauten (z. B. Armaturen, Messeinrich-
tungen) sowie der zugehörigen Bauwerke, ist maß- • DVGW W 400-2 (A), Technische Regeln Wasser-
gebende Basis einer zuverlässigen Wasserversor- verteilungsanlagen TRWV; Teil 2: Bau und Prüfung
gung.
• DVGW W 400-3 (A), Technische Regeln Wasser-
Auf der Grundlage des Mandates der Kommission verteilungsanlagen TRWV; Teil 3: Betrieb und In-
der Europäischen Gemeinschaft vom 24. Mai 1991 standhaltung
hatte CEN (Comité Européen de Normalisation) die
Aufgabe übernommen, technische Regeln im Be- DVGW W 400-1 (A) enthält neben den Bestimmun-
reich der Wasserversorgung zu harmonisieren und gen der DIN EN 805 ergänzende und konkretisie-
zu den im Mandat genannten Bereichen europäi- rende Festlegungen für die Planung von Wasser-
sche Normen als Konkretisierung der grundlegen- verteilungsanlagen. Dies sind u. a. Festlegungen
den Anforderungen der europäischen Richtlinien
(z. B. Bauproduktenrichtlinie) zu erarbeiten. • zu den Begriffen

Im DVGW-Regelwerk waren von diesen Harmoni- • zu den Planungszielen


sierungsarbeiten vor allem die technischen Regeln
für die Planung von Wasserverteilungsanlagen • zur Wasserqualität
[DVGW W 403 (M)] und für den Bau bzw. die Prü-
fung von Wasserrohrleitungen [DIN 19 630 bzw. • zur Trassierung der Leitungen und zur Mitbenut-
DIN 4279] betroffen. Das Arbeitsergebnis auf CEN- zung von Verkehrswegen
Ebene besteht aus der europäisch verabschiede-
ten und in Deutschland als DIN EN 805 „Anforde- • zur Netzgestaltung, zum Versorgungsdruck und
rungen an Wasserversorgungssysteme und deren zur Druckregelung
Bauteile außerhalb von Gebäuden“ veröffentlichten
Systemnorm, deren Inhalt somit den allgemein an- • zur hydraulischen Bemessung der Anlagen
erkannten Stand der Technik in Europa beschreibt.
Mit der Veröffentlichung der DIN EN 805 im März • zu Mindestabständen zu anderen Anlagenteilen
2000 wurden vom DIN bereits die bisherigen Nor- und zur Überdeckungshöhe
men DIN 19630 sowie DIN 4279 komplett bzw. teil-
weise zurückgezogen (DIN-Anzeiger 4/2000), ob- • zur Auswahl und Anordnung von Anlagenteilen
wohl deren Inhalte durch die DIN EN 805 nicht
vollständig abgedeckt werden. • zur Übergabe neuerrichteter Anlagenteile an den
Betrieb
Es ist grundsätzlich möglich, ergänzende nationale
Festlegungen zu formulieren, die in Europäischen DVGW W 400-1 (A) ersetzt insbesondere DVGW
Normen nicht oder nicht vollständig bzw. ausrei- W 403 (M) und schreibt dies neben der Aktualisie-
chend konkretisiert enthalten sind, um national er- rung der normativen Verweisungen u. a. in folgen-
forderliche Inhalte abzudecken. Der DVGW deckt den Punkten fort:
für den Bereich der DIN EN 805 gemäß Beschluss
des Technischen Komitees „Wasserverteilung“ und Begriffe:
des DIN Normenausschuss Wasserwesen (NAW)
diese „Restnormung“ ab und fasst diese und die Harmonisierung der gängigen deutschen Begriffe
Inhalte der DIN EN 805 durch die Erarbeitung des mit den Begriffen der DIN EN 805, z. B. für Drücke
DVGW W 400 (A) „Technische Regeln Wasser- und Durchmesser.
verteilungsanlagen TRWV“ zusammen. Zum DVGW
W 400 (A) werden aktuell 3 Teile erarbeitet:

06 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
Wasserqualität: Zurückgezogene Ausgaben
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Zusammenfassung in einem gesonderten Abschnitt DVGW W 403 (M), Planungsregeln für Wasserleitun-
und Harmonisierung mit DIN EN 805 im Hinblick auf gen und Wasserrohrnetze.
Verhinderung von Rückfluss, Stagnation und Ver-
bindungen zu anderen Systemen

Trassierung:

Erweiterung bezüglich des Erwerbs von Leitungs-


rechten sowie Berücksichtigung der Umweltver-
träglichkeitsprüfungsrichtlinie (UVP)

Netzformen und Bauwerke:

Einbeziehung der Bauwerke in der Wasserverteilung

Hydraulische Bemessung:

Anpassung des Wasserbedarfs an die Entwicklung


der letzten Jahre, Aussagen zur Verhinderung von
Stagnation

Bauteile:

Einbeziehung der Werkstoffe PE 80, PE 100, PE-X


und GFK; Herausnahme der Werkstoffe Asbestze-
ment und Spannbeton; Aktualisierung der Anforde-
rungen bezüglich Innen- und Außenschutz gegen
Korrosion

Darüber hinaus finden in DVGW W 400-1 (A) auch


die von den Versorgungsunternehmen in den letz-
ten Jahren in diesem Bereich entwickelten Kosten-
einsparpotentiale (z. B. Trassierung, Bemessung,
Werkstoffe, Armaturen) entsprechend Berücksich-
tigung.

DVGW Deutsche Vereinigung


des Gas- und Wasserfaches e. V.
Technisch-wissenschaftlicher Verein

Bonn, im Oktober 2004

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 07
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1 Anwendungsbereich schutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutz-
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gesetz – BNatSchG) BGBl I 2002, 1193 ff.


Dieses Arbeitsblatt gilt für die Planung von Wasser-
verteilungsanlagen für die Trinkwasserversorgung. WHG, Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushalts
Die in DIN EN 805 enthaltenen und für die Planun- (Wasserhaushaltsgesetz-WHG).
gen in Deutschland relevanten Festlegungen sind
eingearbeitet. Zu den Wasserverteilungsanlagen WaStrG, Bundeswasserstraßengesetz (WaStrG).
zählen auch die Fern- und Zubringerleitungen von
Fernwasserversorgungssystemen. Soweit in an- ATB-BeStra, Allgemeine technische Bedingungen
deren DVGW-Regelwerksblättern, z. B. im DVGW für die Benutzung von Straßen.
W 404 (M) „Wasseranschlussleitungen“, weiterge-
hende Festlegungen und Detaillierungen bezüglich AVBWasserV, Verordnung über Allgemeine Be-
Planungsvorgaben enthalten sind, wird in diesem dingungen für die Versorgung mit Wasser (AVB-
Arbeitsblatt an den entsprechenden Stellen auf WasserV).
diese technischen Regeln verwiesen.
Bauproduktenrichtlinie, Richtlinie des Rates vom
Bezüglich Trinkwasserbehälter und Förderanlagen 21.12.1988 zur Angleichung der Rechts- und Ver-
sind nur die Anforderungen Gegenstand dieses waltungsvorschriften der Mitgliederstaaten über
Arbeitsblattes, die für die Planung von Wasserver- Bauprodukte (89/106/EWG) (ABl. EG Nr. L 40 vom
teilungsanlagen erforderlich sind. Die technischen 11.02.1998, S. 12), geändert durch die Richtlinie
Regeln für Trinkwasserbehälter enthält DVGW 93/68/EWG des Rates vom 22.07.1993 (ABl. EG Nr.
W 300 (A), für Förderanlagen gelten DVGW W 610 L 220 vom 30.08.1993, S. 1).
(M) und DVGW W 612 (M). Das Arbeitsblatt kann
sinngemäß auch für andere Druckrohrleitungs- FStrG, Bundesfernstraßengesetz, BGBl I 1953,
systeme, z. B. für Roh-, Brauch- oder Abwasser, 903, Neugefasst durch Bek. v. 20.2.2003 I 286.
angewendet werden.
TrinkwV, Verordnung zur Novellierung der Trink-
wasserverordnung (Artikel 1 Verordnung über die
2 Normative Verweisungen Qualität von Wasser für den menschlichen Ge-
brauch (Trinkwasserverordnung – TrinkwV 2001);
Die folgenden normativen Dokumente enthalten Artikel 2 Änderung anderer Rechtsvorschriften)
Festlegungen, die durch Verweisung in diesem Text BGBl I 2001, 959 ff.
Bestandteil des vorliegenden Teils des DVGW-
Regelwerks sind. Bei datierten Verweisungen gelten ZTVA-StB 1997, Zusätzliche technische Vertrags-
spätere Änderungen oder Überarbeitungen dieser bedingungen und Richtlinien für Aufgrabungen in
Publikation nicht. Anwender dieses Teils des Verkehrsflächen.
DVGW-Regelwerkes werden jedoch gebeten, die
Möglichkeit zu prüfen, die jeweils neusten Aus- KTW-Empfehlungen, Gesundheitliche Beurteilung
gaben der nachfolgend angegebenen normativen von Kunststoffen und anderen nichtmetallischen
Dokumente anzuwenden. Bei undatierten Verwei- Werkstoffen im Rahmen des Lebensmittel- und Be-
sungen gilt die letzte Ausgabe des in Bezug ge- darfsgegenständegesetzes für den Trinkwasserbe-
nommenen normativen Dokumentes. Aufgeführte reich (Kunststoff-Trinkwasser-KTW-Empfehlung),
DIN-Normen können Bestandteil des DVGW-Regel- Bundesgesundhb. 20, Nr. 1 vom 07. Januar 1977
werks sein. [BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung)].

UVPG, Gesetz über die Umweltverträglichkeits- RiLeiBrü, Allgemeines Rundschreiben Straßenbau


prüfung (UVPG) BGBl I 2002, 2350. Nr. 25/1996; Sachgebiet 05.1: Brücken- und In-
genieurbau, Verwaltung; Sachgebiet 15.4: Kreu-
BNatSchG, Gesetz zur Neuregelung des Rechts zungs- und Leitungsrecht, Leitungen der öffent-
des Naturschutzes und der Landschaftspflege lichen Versorgung; Richtlinien für das Verlegen und
und zur Anpassung anderer Rechtsvorschriften Anbringen von Leitungen an Brücken (RI-LEI-BRÜ);
(BNatSchGNeuregG); (Artikel 1 Gesetz über Natur- Ausgabe 1996.

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 09
BGV, Berufsgenossenschaftliche Vorschriften. DIN 2616, Formstücke zum Einschweißen; Redu-
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zierstücke; Verminderter Ausnutzungsgrad.


DIN 855-1, Halbrund- Profilfräser, konkav; Maße.
DIN 2880, Anwendung von Zementmörtel-Ausklei-
DIN 1072, Straßen- und Wegbrücken; Lastannah- dung für Gussrohre, Stahlrohre und Formstücke.
men.
DIN 3475, Armaturen und Formstücke aus Guss-
DIN 1626, Geschweißte kreisförmige Rohre aus un- eisen mit Kugelgraphit für Roh- und Trinkwasser;
legierten Stählen für besondere Anforderungen; Korrosionsschutz durch Innenemaillierung; Güte-
Technische Lieferbedingungen. anforderungen, Prüfungen.

DIN 1628, Geschweißte kreisförmige Rohre aus DIN 3476, Armaturen und Formstücke für Roh- und
unlegierten Stählen für besonders hohe Anforde- Trinkwasser – Korrosionsschutz durch EP-Innen-
rungen; Technische Lieferbedingungen. beschichtung aus Pulverlacken (P) bzw. Flüssig-
lacken (F) – Anforderungen und Prüfungen.
DIN 1629, Nahtlose kreisförmige Rohre aus un-
legierten Stählen für besondere Anforderungen; DIN 4046, Wasserversorgung; Begriffe.
Technische Lieferbedingungen.
DIN 4056, Wasserleitungen; Straßenkappen für Ab-
DIN 1988-1, Technische Regeln für Trinkwasser-In- sperrarmaturen; Technische Regel des DVGW.
stallationen (TRWI); Allgemeines; Technische Regel
des DVGW. DIN 4066, Hinweisschilder für die Feuerwehr.

DIN 1989-1, Regenwassernutzungsanlagen – Teil 1: DIN 4067, Wasser; Hinweisschilder, Orts-Wasser-


Planung, Ausführung, Betrieb und Wartung. verteilungs- und Wasserfernleitungen.

DIN 1998, Unterbringung von Leitungen und An- DIN 8061, Rohre aus weichmacherfreiem Polyvinyl-
lagen in öffentlichen Flächen; Richtlinien für die chlorid – Allgemeine Qualitätsanforderungen.
Planung.
DIN 8062, Rohre aus weichmacherfreiem Polyvinyl-
DIN 2000, Zentrale Trinkwasserverordnung – Leit- chlorid (PVC-U PVC-HI); Maße.
sätze für Anforderungen an Trinkwasser, Planung,
Bau, Betrieb und Instandhaltung der Versorgungs- DIN 8063-1, Rohrverbindungen und Rohrleitungs-
anlagen – Technische Regel des DVGW. teile für Druckrohrleitungen aus weichmacher-
freiem Polyvinylchlorid (PVC-U); Muffen- und Dop-
DIN 2460, Stahlrohre für Wasserleitungen (teilweise pelmuffenbogen, Maße.
ersetzt durch DIN EN 10224).
DIN 8074, Rohre aus Polyethylen (PE) – PE 63,
DIN 2605, Formstücke zum Einschweißen; Rohr- PE 80, PE 100, PE-HD-Maße.
bogen; verminderter Ausnutzungsgrad.
DIN 8075, Rohre aus Polyethylen (PE) – PE 63,
DIN 2609, Formstücke zum Einschweißen; Tech- PE 80, PE 100, PE-HD – Allgemeine Güteanforde-
nische Lieferbedingungen. rungen, Prüfungen. DIN 16869, Rohre aus glas-
faserverstärktem Polyesterharz (UP-GF), geschleu-
DIN 2614, Zementmörtelauskleidungen für Guss- dert, gefüllt – Teil 1: Maße.
rohre, Stahlrohre und Formstücke; Verfahren, An-
forderungen, Prüfungen. DIN 16892, Rohre aus vernetztem Polyethylen hoher
Dichte (PE-X) – Allgemeine Güteanforderungen, Prü-
DIN 2615, Formstücke zum Einschweißen; T-Stücke; fung.
Verminderter Ausnutzungsgrad.
DIN 16893, Rohre aus vernetztem Polyethylen hoher
Dichte (PE-X) – Maße.

10 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
DIN 16963-5, Rohrverbindungen und Formstücke DIN 30 675-1, Äußerer Korrosionsschutz von erd-
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für Druckrohrleitungen aus Polyethylen (PE), PE 80 verlegten Rohrleitungen; Schutzmaßnahmen und


und PE 100 – Teil 5: Allgemeine Qualitätsanforde- Einsatzbereiche bei Rohrleitungen aus Stahl.
rungen, Prüfung.
DIN 30 675-2, Äußerer Korrosionsschutz von erd-
DIN 19565-1, Rohre und Formstücke aus glasfaser- verlegten Rohrleitungen; Schutzmaßnahmen und
verstärktem Polyesterharz (UP-GF) für erdverlegte Einsatzbereiche bei Rohrleitungen aus duktilem
Abwasserkanäle und -leitungen; geschleudert, ge- Gusseisen.
füllt; Maße, Technische Lieferbedingungen.
DIN 30 677-2, Äußerer Korrosionsschutz von erd-
DIN 28 601, Rohre und Formstücke aus duktilem verlegten Armaturen; Umhüllung aus Duroplasten
Gusseisen – Schraubmuffen-Verbindungen – Zu- (Außenbeschichtung) für erhöhte Anforderungen.
sammenstellung, Muffen, Schraubringe, Dichtun-
gen, Gleitringe. DIN 50 929-3, Korrosion der Metalle; Korrosions-
wahrscheinlichkeit metallischer Werkstoffe bei
DIN 28 602, Rohre und Formstücke aus duktilem äußerer Korrosionsbelastung; Rohrleitungen und
Gusseisen – Stopfbuchsenmuffen-Verbindungen – Bauteile in Böden und Wässern.
Zusammenstellung, Muffen, Stopfbuchsenring,
Dichtung, Hammerschrauben und Muttern. DIN EN 545, Rohre, Formstücke, Zubehörteile aus
duktilem Gusseisen und ihre Verbindungen für
DIN 28 603, Rohre und Formstücke aus duktilem Wasserleitungen – Anforderungen und Prüfverfah-
Gusseisen – Steckmuffen-Verbindungen – Zusam- ren; Deutsche Fassung EN 545:2002.
menstellung, Muffen und Dichtungen.
DIN EN 805, Wasserversorgung – Anforderungen
DIN 28 650, Formstücke aus duktilem Gusseisen – an Wasserversorgungssysteme und deren Bau-
Bögen 30 °, EN-Stücke, MI-Stücke, IT-Stücke – An- teile außerhalb von Gebäuden; Deutsche Fassung
wendung, Maße. EN 805:2000.

DIN 30 670, Umhüllung von Stahlrohren und -form- DIN EN 1074-1, Armaturen für die Wasserversor-
stücken mit Polyethylen (teilweise ersetzt durch gung – Anforderungen an die Gebrauchstauglich-
DIN EN 10288). keit und deren Prüfung – Teil 1: Allgemeine Anfor-
derungen.
DIN 30 672, Organische Umhüllungen für den Kor-
rosionsschutz von in Böden und Wässern verlegten DIN EN 1074-2, Armaturen für die Wasserversor-
Rohrleitungen für Dauerbetriebstemperaturen bis gung – Anforderungen an die Gebrauchstauglich-
50 °C ohne kathodischen Korrosionsschutz – Bän- keit und deren Prüfung – Teil 2: Absperrarmaturen.
der und schrumpfende Materialien.
DIN EN 1074-3, Armaturen für die Wasserversor-
DIN 30 673, Umhüllung und Auskleidung von Stahl- gung – Anforderungen an die Gebrauchstauglich-
rohren, -formstücken und -behältern mit Bitumen. keit und deren Prüfung – Teil 3: Rückflussverhin-
derer.
DIN 30 674-1, Umhüllung von Rohren aus duktilem
Gusseisen; Polyethylen-Umhüllung. DIN EN 1074-4, Armaturen für die Wasserversor-
gung – Anforderungen an die Gebrauchstauglich-
DIN 30 674-2, Umhüllung von Rohren aus duktilem keit und deren Prüfung – Teil 4: Be- und Entlüf-
Gusseisen; Zementmörtel-Umhüllung. tungsventile mit Schwimmkörper.

DIN 30 674-3, Umhüllung von Rohren aus duktilem DIN EN 1074-5, Armaturen für die Wasserversor-
Gusseisen – Teil 3: Zink-Überzug mit Deckbeschich- gung – Anforderungen an die Gebrauchstauglich-
tung. keit und deren Prüfung – Teil 5: Regelarmaturen.

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 11
DIN EN 1074-6, Armaturen für die Wasserversor- DIN EN 12201-3, Kunststoff-Rohrleitungssysteme
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gung – Anforderungen an die Gebrauchstauglich- für die Wasserversorgung - Polyethylen (PE) – Teil 3:
keit und deren Prüfung – Teil 6: Hydranten. Formstücke.

DIN EN 1092-1, Flansche und ihre Verbindungen – DIN EN 12334, Industriearmaturen – Rückflussver-
Runde Flansche für Rohre, Armaturen, Formstücke hinderer aus Gusseisen.
und Zubehör – Teil 1: Stahlflansche, nach PN be-
zeichnet. DIN EN 12842, Duktile Gussformstücke für PVC-
oder PE-Rohrleitungssysteme – Anforderungen und
DIN EN 1092-2, Flansche und ihre Verbindungen – Prüfverfahren.
Runde Flansche für Rohre, Armaturen, Formstücke
und Zubehörteile, nach PN bezeichnet – Teil 2: DIN EN 13480-3, Metallische industrielle Rohrlei-
Gusseisenflansche. tungen – Teil 3: Konstruktion und Berechnung.

DIN EN 1452-2, Kunststoff-Rohrleitungssysteme für DIN EN 14364, (Norm-Entwurf) Kunststoff-Rohrlei-


die Wasserversorgung – weichmacherfreies Poly- tungssysteme für Abwasserleitungen und -kanäle
vinylchlorid (PVC-U) – Teil 2: Rohre. mit oder ohne Druck – Glasfaserverstärkte duro-
plastische Kunststoffe (GFK) auf der Basis von un-
DIN EN 1452-3, Kunststoff-Rohrleitungssysteme für gesättigtem Polyesterharz (UP)- Festlegungen für
die Wasserversorgung – weichmacherfreies Poly- Rohre, Formstücke und Verbindungen.
vinylchlorid (PVC-U) - Teil 3: Formstücke.
DIN EN 14901, Rohre, Formstücke, Zubehörteile
DIN EN 1508, Wasserversorgung – Anforderungen aus duktilem Gusseinsen – Epoxydharzbeschich-
an Systeme und Bestandteile der Wasserspeiche- tung von Formstücken und Zubehörteilen aus duk-
rung. tilem Gusseisen (für hohe Beanspruchung) – An-
forderungen und Prüfverfahren.
DIN EN 10224, Rohre und Fittings aus unlegierten
Stählen für den Transport wässriger Flüssigkeiten DIN EN ISO 12162, Thermoplastische Werkstoffe
einschließlich Trinkwasser – Technische Lieferbe- für Rohre und Formstücke bei Anwendungen
dingungen. unter Druck – Klassifizierung und Werkstoffkenn-
zeichnung – Gesamtbetriebs(berechnungs)koeffizi-
DIN EN 10288, Stahlrohre und -formstücke für erd- ent (ISO 12162:1995).
und wasserverlegte Rohrleitungen – Im Zweischicht-
verfahren extrudierte Polyethylenbeschichtungen DVGW GW 9 (A), Beurteilung von Böden hinsicht-
(teilweiser Ersatz für DIN 30670). lich ihres Korrosionsverhaltens auf erdverlegte
Rohrleitungen und Behälter aus unlegierten und
DIN EN 10311, Verbindungen für Stahlrohre und niedriglegierten Eisenwerkstoffen.
Fittings für den Transport wässriger Flüssigkeiten
einschließlich Trinkwasser. DVGW GW 12 (A), Planung und Errichtung katho-
discher Korrosionsschutzanlagen für erdverlegte
DIN EN 12068, Kathodischer Korrosionsschutz – Lagerbehälter und Stahlrohrleitungen.
organische Umhüllungen für den Korrosionsschutz
von in Böden und Wässern verlegten Stahlrohr- DVGW GW 14 (M), Ausbesserung von Fehlstellen
leitungen im Zusammenwirken mit kathodischem in Korrosionsschutzumhüllungen von Rohren und
Korrosionsschutz – Bänder und schrumpfende Ma- Rohrleitungsteilen aus Eisenwerkstoffen.
terialien.
DVGW GW 125 (H), Baumpflanzungen im Bereich
DIN EN 12201-2, Kunststoff-Rohrleitungssysteme unterirdischen Versorgungsanlagen.
für die Wasserversorgung – Polyethylen (PE) – Teil 2:
Rohre. DVGW GW 303 (A), Berechnung von Rohrnetzen
mit elektronischen Datenverarbeitungsanlagen.

12 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
DVGW GW 304 (M), Rohrvortrieb. DVGW GW 350 (A), Schweißverbindungen an Rohr-
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leitungen aus Stahl in der Gas- und Wasserversor-


DVGW GW 310 (A), Widerlager aus Beton – Bemes- gung – Herstellung, Prüfung und Bewertung.
sungsgrundlagen.
DVGW GW 368 (A), Längskraftschlüssige Muffen-
DVGW GW 312 (M), Statische Berechnung von Vor- verbindungen für Rohre, Formstücke und Armatu-
triebsrohren. ren aus duktilem Gusseisen oder Stahl.

DVGW GW 320-1 (A), Rehabilitation von Gas- und DVGW VP 545, Rohre und Formstücke aus dukti-
Wasserrohrleitungen durch PE-Relining mit Ring- lem Gusseisen für die Gas- und Wasserversorgung;
raum – Anforderungen, Gütesicherung und Prüfung. Anforderungen und Prüfungen.

DVGW GW 320-2 (A), Rehabilitation von Gas- und DVGW VP 546, Dichtungen für Muffenverbindun-
Wasserrohrleitungen durch PE-Relining ohne Ring- gen in Rohrleitungen aus duktilem Gusseisen; An-
raum – Anforderungen, Gütesicherung und Prüfung. forderungen und Prüfungen.

DVGW GW 321 (A), Steuerbare horizontale Spül- DVGW VP 547, Dichtungen für Flanschverbindun-
bohrverfahren für Gas- und Wasserrohrleitungen – gen in Rohrleitungen aus duktilem Gusseisen, An-
Anforderungen, Gütesicherung und Prüfung. forderungen und Prüfungen.

DVGW GW 322-1 (A), Grabenlose Auswechslung DVGW VP 615, Druckrohre, Formstücke und Rohr-
von Gas- und Wasserrohrleitungen – Teil 1: Press-/ verbindungen aus glasfaserverstärktem Polyester-
Ziehverfahren – Anforderungen, Gütesicherung und harz (UP-GF) für Trinkwasserleitungen.
Prüfung.
DVGW VP 637, Geschweißte Stahlrohre und Stahl-
DVGW GW 323 (M), Grabenlose Erneuerung von formteile für die Wasserversorgung; Anforderungen
Gas- und Wasserversorgungsleitungen im Berst- und Prüfungen.
liningverfahren; Anforderungen, Gütesicherung und
Prüfung. DVGW W 216 (A) Versorgung mit unterschiedlichen
Wässern.
DVGW GW 335-A1 (A), Kunststoff-Rohrleitungs-
systeme in der Wasserverteilung; Anforderungen DVGW W 270 (A), Vermehrung von Mikroorganis-
und Prüfungen – Teil A1: Rohre und PVC-U. men auf Werkstoffen für den Trinkwasserbereich –
Prüfung und Bewertung.
DVGW GW 335-A 2 (A), Kunststoff-Rohrleitungs-
systeme in der Gas- und Wasserverteilung; An- DVGW W 291 (A), Reinigung und Desinfektion von
forderungen und Prüfungen – Teil A 2: Rohre aus Wasserverteilungsanlagen.
PE 80 und PE 100.
DVGW W 300 (A), Planung, Bau, Betrieb und In-
DVGW GW 335-A 3 (A), Kunststoff-Rohrleitungs- standhaltung von Wasserbehältern in der Trink-
systeme in der Gas- und Wasserverteilung; Anforde- wasserversorgung.
rungen und Prüfungen – Teil A 3: Rohre aus PE-Xa.
DVGW W 302 (A), Hydraulische Berechnung
DVGW GW 336 (A), Standardisierung der Schnitt- von Rohrleitungen und Rohrnetzen, Druckverlust-
stellen zwischen erdverlegten Armaturen und Ein- Tafeln für Rohrdurchmesser von 40-2000 mm.
baugarnituren (Entwurf).
DVGW W 303 (M), Dynamische Druckänderungen
DVGW GW 340 (A), FZM-Ummantelung zum mecha- in Wasserversorgungsanlagen.
nischen Schutz von Stahlrohren und -formstücken
mit Polyolefinumhüllung; Anforderungen und Prü- DVGW W 305 (H), Prinzipskizzen und Muster-
fung, Nachumhüllung und Reparatur, Hinweise zur entwürfe für die Kreuzung von DB-Gelände mit
Verlegung und zum Korrosionsschutz. Wasserleitungen.

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 13
DVGW W 306 (H), Prinzipskizzen und Muster- DVGW W 397 (H), Ermittlung der erforderlichen
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entwürfe für die Kreuzung von NE-Gelände mit Verlegetiefen von Wasseranschlussleitungen.
Wasserleitungen.
DVGW W 400-2 (A), Technische Regeln Wasserver-
DVGW W 311 (A), Planung und Bau von Wasser- teilungsanlagen (TRWV) – Teil 2: Bau und Prüfung.
behältern; Grundlagen und Ausführungsbeispiele.
DVGW W 400-3 (A), Technische Regeln Wasserver-
DVGW W 320 (A), Herstellung, Gütesicherung und teilungsanlagen (TRWV) – Teil 3: Betrieb und In-
Prüfung von Rohren aus PVC hart (Polyvinylchlorid standhaltung (Entwurf).
hart), HDPE (Polyethylen hart) und LDPE (Poly-
ethylen weich) für die Wasserversorgung und An- DVGW W 404 (M), Wasseranschlussleitungen.
forderungen an Rohrverbindungen und Rohrlei-
tungsteile. DVGW W 405 (A), Bereitstellung von Löschwasser
durch die öffentliche Trinkwasserversorgung.
DVGW W 331 (M), Auswahl, Einbau und Betrieb
von Hydranten. DVGW W 406 (A), Volumen- und Durchflussmes-
sung von kaltem Wasser in Druckrohrleitungen
DVGW W 334 (M), Be- und Entlüften von Wasser- (Entwurf).
transport- und -verteilungsanlagen.
DVGW W 410 (M), Wasserbedarfszahlen.
DVGW W 335 (M), Druck-, Durchfluss- und Niveau-
regelung in Wassertransport und -verteilung. DVGW W 610 (M), Förderanlagen; Bau und Betrieb.

DVGW W 343 (A), Sanierung von erdverlegten Guss- DVGW W 612 (M), Planung und Gestaltung von
und Stahlrohrleitungen durch Zementmörtelaus- Förderanlagen.
kleidung – Einsatzbereiche, Anforderungen, Güte-
sicherung und Prüfungen. DVGW W 613 (M), Energierückgewinnung durch
Wasserkraftanlagen in der Trinkwasserversorgung.
DVGW W 346 (A), Guss- und Stahlrohrleitungsteile
mit ZM-Auskleidung Handhabung. DVGW W 642 (M), Grundausstattung an Einrich-
tungen zum Messen, Steuern und Regeln in der
DVGW W 347 (A), Hygienische Anforderungen an Wasserversorgung.
zementgebundene Werkstoffe im Trinkwasserbe-
reich – Prüfung und Bewertung. DVGW W 1000 (A), Anforderungen an Trinkwasser-
versorgungsunternehmen.
DVGW W 348 (A), Anforderungen an Bitumen-
beschichtungen von Formstücken aus duktilem DVGW W 1050 (H), Vorsorgeplanung für Notstands-
Gusseisen und im Verbindungsbereich von Rohren. fälle in der öffentlichen Trinkwasserversorgung.

DVGW W 351 (A), Quellfassungen, Sammelschächte, Wasserinformation Nr. 49, Flanschenlose Rohrver-
Druckunterbrechungsschächte. bindungen für Armaturen in Wassertransport und
-verteilungsleitungen.
DVGW W 355 (A), Leitungsschächte.
ATV-DVWK-A 127, Statische Berechnung von Ab-
DVGW W 356 (A), Auslaufbauwerke. wasserkanälen und -leitungen.

DVGW W 380 (M), Bewerten von Baumaßnahmen DVS Richtlinie 0602, Schweißen von Gusseisen-
im Bereich von Wasserversorgungsanlagen; Ein- werkstoffen; Technologie.
flüsse und Schutzmaßnahmen.
DVS Richtlinie 1502-1, Lichtbogenhandschweißen
DVGW W 392 (A), Rohrnetzinspektion und Wasser- an Rohren aus duktilem Gusseisen – Schweißtech-
verluste – Maßnahmen, Verfahren und Bewertungen. nische Grundsätze.

14 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
DVS Richtlinie 1502-2, Lichtbogenhandschweißen
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an Rohren aus duktilem Gusseisen – Anschweißen


von Teilen aus duktilem Gusseisen oder aus Stahl.

AfK-Empfehlung Nr. 1, Kathodisch geschützte Rohr-


leitungen im Kreuzungsbereich mit Verkehrswegen;
Mantelrohre oder Produktenrohre aus Stahl im Vor-
triebsverfahren.

AfK-Empfehlung Nr. 3, Maßnahmen beim Bau und


Betrieb von Rohrleitungen im Einflussbereich von
Hochspannungs-Drehstromanlagen und Wechsel-
strom-Bahnanlagen.

AD B 9, Ausschnitte in Zylindern, Kegeln und Kugeln


(Ist nur im Zusammenhang mit AD B 0 anzuwenden.

VdTÜV MB 1063, Technische Richtlinie zur stati-


schen Berechnung eingeerdeter Stahlrohre.

Richtlinie 2000, Richtlinien 2000 – Gas- und Wasser-


kreuzungsrichtlinien DB AG / BGW.

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 15
3 Begriffe
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3.1 Begriffe gemäß DIN EN 805, Abschnitt 3

3.1.1 Druck und Durchmesser

Begriffe zu Druck und Durchmesser sind in Tabelle 1 aufgeführt. Bild 1 erläutert die Druckbegriffe.

Tabelle 1 – Begriffe Druck und Durchmesser

Abkürzungen Begriffe Definitionen / Erläuterungen


DP Systembetriebsdruck Höchster vom Betreiber festgelegter Betriebsdruck
(Design Pressure) des Systems oder einer Druckzone unter Berück-
sichtigung zukünftiger Entwicklungen, jedoch ohne
Berücksichtigung von Druckstößen.
MDP Höchster Systembe- Höchster vom Betreiber festgelegter Betriebsdruck
(Maximum Design Pressure) triebsdruck des Systems oder einer Druckzone unter Berück-
sichtigung zukünftiger Entwicklungen und Druck-
stößen.
MDPa Der MDP wird als MDPa bezeichnet, wenn für den
Druckstoß ein bestimmter Wert angenommen wird.
MDPC Der MDP wird als MDPC bezeichnet, wenn der
Druckstoß berechnet wird.
STP Systemprüfdruck Hydrostatischer Druck, der für die Prüfung der Un-
(System Test Pressure) versehrtheit und Dichtheit einer neu verlegten Rohr-
leitung angewandt wird.
PFA Zulässiger Bauteil- Höchster hydrostatischer Druck, dem ein Rohr-
(pression de fonctionnement betriebsdruck leitungsteil im Dauerbetrieb standhält.
admissible)
PMA Höchster zulässiger Höchster zeitweise auftretender Druck inklusive
(pression maximale admissible) Bauteilbetriebsdruck Druckstoß, dem ein Rohrleitungsteil standhält.
PEA Zulässiger Bauteil- Höchster hydrostatischer Druck, dem ein neu-
(pression d’epreuve betriebsdruck auf der installiertes Rohrleitungsteil für relativ kurze Zeit
admissible sur chantier) Baustelle standhält, um die Unversehrtheit und Dichtheit der
Rohrleitung sicherzustellen.
OP Betriebsdruck Innendruck, der zu einem bestimmten Zeitpunkt
(Operating Pressure) an einer bestimmten Stelle im Wasserversorgungs-
system auftritt.
SP Versorgungsdruck Innendruck bei Nulldurchfluss in der Anschluss-
(Service Pressure) leitung an der Übergabestelle zum Verbraucher.
Druckzonen Zonen mit unterschiedlichen Energiehorizonten
innerhalb eines Wasserversorgungssystems.
Druckstoß Schnelle Druckschwankung, hervorgerufen durch
kurzzeitige Veränderungen des Durchflusses.
OD Außendurchmesser Mittlerer Außendurchmesser des Rohrschaftes in
(Outside Diameter) jedem beliebigen Querschnitt.
ID Innendurchmesser Mittlerer Innendurchmesser des Rohrschaftes in
(Internal Diameter) jedem beliebigen Querschnitt.
DN Nennweite Ganzzahlige numerische Bezeichnung für den
Durchmesser eines Rohrleitungsteils, die an-
nähernd dem tatsächlichen Durchmesser in mm
entspricht. Sie bezieht sich entweder auf den
Innendurchmesser (DN/ID) oder auf den Außen-
durchmesser (DN/OD).
(Hinweis gem. 9.3 DIN EN 805: Die Produktnor-
men müssen angeben, ob sie sich auf OD oder
ID beziehen).

16 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
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1 Druckstoß
2 Ruhedrucklinie
3 Rohrleitungsprofil
4 Drucklinie
5 Absperrorgan

Bild 1 – Erläuterung der Druckbegriffe am Beispiel einer Druckleitung

3.1.2 System 3.1.2.6 Wasserverteilungssystem

3.1.2.1 Allgemeines Teil eines Wasserversorgungssystems mit Rohrlei-


tungen, Trinkwasserbehältern, Förderanlagen und
Bild 2 erläutert die Begriffe an einem Beispiel für sonstigen Einrichtungen zum Zweck der Verteilung
ein Wasserverteilungssystem. von Wasser an die Verbraucher. Dieses System be-
ginnt nach der Wasseraufbereitungsanlage oder,
3.1.2.2 Hauptleitung wenn keine Aufbereitung erfolgt, nach der Wasser-
gewinnungsanlage und endet an der Übergabe-
Wasserleitung mit Hauptverteilerfunktion innerhalb stelle zum Verbraucher.
eines Versorgungsgebietes, üblicherweise ohne di-
rekte Verbindung zum Verbraucher. 3.1.2.7 Zubringerleitung

3.1.2.3 Trinkwasserbehälter Wasserleitung, welche Wassergewinnung(en), Was-


seraufbereitungsanlage(n), Wasserbehälter und / oder
Geschlossene Speicheranlage für Trinkwasser, die Versorgungsgebiet(e) verbindet, üblicherweise ohne
Wasserkammer(n), Bedienhaus, Betriebseinrichtun- direkte Verbindung zum Verbraucher.
gen umfasst, Zugangsmöglichkeiten bietet, Be-
triebsreserven vorhält, für Druckstabilität sorgt und 3.2 Begriffe gemäß DIN 4046
Verbrauchsschwankungen ausgleicht.
3.2.1 Brunnensteigleitung
3.1.2.4 Versorgungsleitung
Rohrleitung im Brunnen, die von der Pumpe oder
Wasserleitung, die die Hauptleitung mit der Wasser- dem Einlaufseiher bis zum Brunnenkopf führt.
anschlussleitung verbindet.
3.2.2 Entnahmeleitung
3.1.2.5 Wasserbehälter
Leitung zum Transport von Oberflächenwasser.
Speicheranlage für Wasser.

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 17
4
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5
7
1

5
3
10

8
11 5
9

} 1 Rohrnetz (2+3) 6 Zubringerleitung


2 Hauptleitung 7 Wassergewinnungs- oder
Wasseraufbereitungsanlage
}3 Versorgungsleitung
1 Rohrnetz (2+3) 6 Zubringerleitung
8 Anschlussleitung
4 Versorgungsgebietsgrenze
2 Hauptleitung 7 Wassergewinnungs- oder
9 Verbraucher
5 Wasserbehälter (Kann vorhanden sein Wasseraufbereitungsanlage
3 Versorgungsleitung
und kann Übergabestelle sein) 10 Fernleitung
8 Anschlussleitung
4 Versorgungsgebietsgrenze 11 Übergabestelle
9 Verbraucher
Bild 2 – Beispiel eines Wasserverteilungssystems

3.2.3 Fernleitung 3.2.5 Pumpensaugleitung

Zubringerleitung über große Entfernung (gemäß Leitung, durch die einer Pumpe Wasser zu geführt
Anlage 2, Ziffer 19.5 zu § 3 UVPG größer 2 km und wird.
die Gemeindegrenzen überschreitend).
3.2.6 Rohrnetz
3.2.4 Formstück
Überwiegend unterirdisches System verzweigter
Rohrleitungsteil für den Übergang von Rohren zu und vermaschter Zubringer-, Haupt-, Versorgungs-
Armaturen, zum Wechsel der Nennweite, der Ver- und Anschlussleitungen.
bindungsart und der Richtung der Rohrleitung
sowie bei Abzweigen. 3.2.7 Rohwasserleitung

Rohrleitung, in der nicht aufbereitetes Wasser von


einer Gewinnungsanlage zu einer Aufbereitungs-
anlage transportiert wird.

18 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
3.3 Weitere Begriffe 4 Grundsätze und Ziele
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der Planung
3.3.1 Brunnenleitung
Die Planung von Rohrleitungen und Rohrnetzen
Brunnenleitungen sind Verbindungsleitungen von erfordert eine Reihe grundsätzlicher Überlegungen
Brunnen zu anderen Anlagen der Wasserversor- und Zielvorgaben und hat durch Sachkundige
gung. Sie führen innerhalb einer Wasserfassung zu zu erfolgen [siehe auch DIN 2000 und DVGW
einem Pumpwerk, einer Aufbereitungsanlage oder W 1000 (A)]:
einem Behälter; sie können auch als Verbindung
zweier oder mehrerer Brunnen dienen oder – in • Beschreibung des Planungszieles
Sonderfällen – unmittelbar Brunnen mit einer Zu-
bringerleitung verbinden. • Abgrenzung des zu versorgenden Gebietes unter
Berücksichtigung der Flächennutzungspläne
3.3.2 Heberleitung
• Ermittlung des Wasserbedarfs und der räumlichen
Heberleitungen sind Rohrleitungen mit mindestens Verteilung
einem Hochpunkt, der über der Betriebsdrucklinie
liegt. Am Hochpunkt herrscht in der Leitung Unter- • Berücksichtigung der Entwicklungsschwerpunkte
druck. Falls der Dampfdruck des Wassers unter-
schritten wird, reißt die Wassersäule ab. • Abschätzung der Auswirkung von möglichen
Schwerpunktverschiebungen und Betriebsstö-
3.3.3 Ortsnetz rungen

Ortsnetze bestehen aus Haupt-, Versorgungs- und • Erarbeitung verschiedener Lösungen


Anschlussleitungen.
• technischer und wirtschaftlicher Vergleich der
3.3.4 Ruhedruck verschiedenen Lösungsmöglichkeiten

Systembetriebsdruck bei Nullverbrauch im Rohr- • Planung in Ausbaustufen


netz oder in einer Druckzone.
Innerhalb der ermittelten Lösungsansätze sind an
3.3.5 Wasseranschlussleitung Kriterien zu beachten:

Die Wasseranschlussleitung verbindet das Ver- • Hohe Versorgungssicherheit


teilungsnetz (Rohrnetz) mit der Kundenanlage. Die
Wasseranschlussleitung beginnt an der Abzweig- • Gesamtwirtschaftlichkeit, d. h. Minimierung von
stelle des Verteilungsnetzes und endet mit der Jahreskosten aus Kapitaldienst, Betrieb (z. B.
Hauptabsperreinrichtung (entspricht Hauptabsperr- Förderkosten) und Instandhaltung
vorrichtung nach AVBWasserV).
• einfache Erweiterungsmöglichkeiten
3.3.6 Wasserverteilungsanlagen
• einfache Überwachung von Netzteilen
Rohrnetz einschließlich der Einbauten (z. B. Arma-
turen, Messeinrichtungen) sowie der zugehörigen • Vermeidung einer nachteiligen Beeinflussung des
Bauwerke. Trinkwassers, z. B. durch Stagnation

3.3.7 Begriffe zum Wasserbedarf Die genannten Kriterien lassen sich innerhalb der
Planung kaum gemeinsam verwirklichen. Es ist
siehe 11.1.2 deshalb zweckmäßig, die Ziele zu gewichten.

Vor der Durchführung eines Wirtschaftlichkeits-


Vergleiches ist zu prüfen, ob die verschiedenen

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 19
Vorschläge hinsichtlich ihres technischen Stands nicht erteilt wird, müssen entsprechende Un-
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und der Versorgungssicherheit vergleichbar sind. bedenklichkeitsbescheinigungen nach den KTW-


Empfehlungen bzw. der Leitlinie für Epoxydharzbe-
Erdverlegte Versorgungsanlagen sind von hohem schichtungen (UBA) des Bundesgesundheitsamtes
Wert. Sie können zumeist nur unter erschwerten Be- sowie gemäß DVGW W 270 (A) und DVGW W 347 (A)
dingungen (Verkehrsbehinderungen, Unterbrechung vorliegen.
der Versorgung) ersetzt werden. Bei der Auswahl der
Bauteile (Rohre, Rohrleitungsteile und Armaturen) ist 5.3 Verhinderung von Rückfluss
deshalb eine gesicherte Mindestnutzungsdauer von
50 Jahren zu fordern. Die Einführung von neuen Trinkwasserverteilungssysteme müssen so ge-
Werkstoffen und Techniken hat in der Vergangenheit plant, ausgerüstet und errichtet werden, dass ein
wiederholt zu Fehlinvestitionen geführt, die den vor- Rückfluss von außen ausgeschlossen ist (siehe
zeitigen Ersatz von Anlagenteilen zur Folge hatten. DIN 1988). Durch richtige Anordnung und Funktion
Im erdverlegten Rohrleitungsbau ist deshalb vor von Be- und Entlüftungsventilen und Entleerungen
der Einführung neuer Werkstoffe oder Arbeitsweisen muss das Eindringen von Nichttrinkwasser oder
das Langzeitverhalten der Anlagenteile unter Be- sonstigen Fremdstoffen in das System verhindert
triebsbedingungen nachzuweisen. Der Nachweis werden [siehe auch DVGW W 355 (A)]. Bei be-
kann durch wissenschaftlich begründete, zeitraf- sonders hohem Risiko einer nicht annehmbaren
fende Prüfungen erfolgen. Beeinträchtigung der Wasserqualität sollte bedacht
werden, dass Rückflussverhinderer keine effiziente
Die Planungen von Rohrleitungen und Rohrnetzen Maßnahme zur Verhinderung der Rücksaugung
sind von benanntem sachkundigen Personal darstellen. Alle für diese Zwecke eingebauten Ein-
durchzuführen, das einschlägige Kenntnisse über richtungen (z. B. Rohrtrenner) müssen die Anforde-
die o. a. Grundsätze und Ziele der Planung sowie rungen der entsprechenden Normen erfüllen.
die Durchführung von Planungen, der Messtechnik
und den Sicherheitsvorschriften besitzt. Bei der 5.4 Stagnation
Beauftragung Dritter mit Planungsaufgaben haben
diese ihre fachliche Eignung nachzuweisen. Trinkwasserversorgungssysteme müssen so geplant,
errichtet und betrieben werden, dass Stagnation
minimiert wird, da diese zu einer unannehmbaren Be-
5 Wasserqualität einträchtigung der Wasserqualität führen kann.

5.1 Allgemeines Folgende Anordnungen führen zur Stagnation:

Die Wasserqualität im Trinkwasserversorgungs- • Endleitungen


system muss den Anforderungen der Trinkwasser-
verordnung sowie DIN 2000 entsprechen. • Stichleitungen zu Hydranten

5.2 Werkstoffe • Nicht getrennte Leitungen für spätere Netzer-


weiterungen
Die Erhaltung einer einwandfreien Trinkwasser-
beschaffenheit entsprechend TrinkwV verlangt die • Abschnitte mit dauernd niedrigem Durchfluss
Verwendung chemisch, mikrobiologisch und ge-
sundheitlich unbedenklicher Werkstoffe, Anstriche • Überdimensionierung der Rohrleitung für Lösch-
und Beschichtungen für sämtliche vom Trink- wasserbereitstellung oder für andere nur fall-
wasser benetzten Flächen. Sofern Materialien, Pro- weise auftretende Zwecke
dukte und Anlagenteile verfügbar sind, die hin-
sichtlich Ihrer Funktionsfähigkeit und hygienischen • Vorabverlegte Anschlussleitungen zu baureifen
Unbedenklichkeit zertifiziert sind (z. B. DVGW Grundstücken
Zertifikat), müssen diese eingesetzt werden (DIN
2000). Für Bauteile bzw. Werkstoffe, für die ein • Ungenutzte oder wenig genutzte Anschluss-
DVGW-Zertifizierungszeichen mit Registriernummer leitungen

20 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
Zur Wassererneuerung müssen hier Spülmög- zugänglich sein. Seismisch noch aktives Gebiet und
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lichkeiten vorgesehen werden (siehe 16.7). Zeitab- eng begrenzte Bergsenkungsgebiete sowie Ufer-
stand und Umfang der erforderlichen Spülungen und Überflutungsgebiete von Flüssen, in denen auf-
sind von den Eigenschaften des Wassers, den grund des starken Gefälles bei Hochwasserereig-
Rohrwerkstoffen und dem Zustand des Rohrnetzes nissen eine erhöhte Gefahr der Zerstörung der Ufer-
abhängig [siehe DVGW W 400-3 (A)]. Hinweise auf bereiche besteht, sollten umgangen werden.
Fließgeschwindigkeiten enthält 11.2.
Aus wirtschaftlichen Gründen ist eine gemeinsame
5.5 Verbindungen zu anderen Systemen Verlegung von Leitungssystemen (z. B. Wasser,
Strom, Gas, Fernwärme, Abwasser, Telekommu-
Die Verbindung von Trinkwasserversorgungssyste- nikation) anzustreben.
men ist nur dann gestattet, wenn die chemischen
und physikalischen Eigenschaften eine Mischung 6.1.2 Zubringerleitungen
des Wassers zulassen und daraus keine unan-
nehmbare Beeinträchtigung der Wasserqualität re- Zubringerleitungen sollten auf kurzem Wege – mög-
sultiert [siehe DVGW W 216 (A)]. lichst unter Umgehung von Ortschaften – durch
freies Gelände geführt werden. Von wesentlichem
Die Trennung von Trink- und Nicht-Trinkwasser- Einfluss auf die Baukosten und den späteren In-
systemen ist in 14.5 geregelt. standhaltungsaufwand ist der Baugrund. Gebiete
mit ungeeignetem Baugrund bzw. mit hohem
Grundwasserstand sind möglichst zu meiden.
6 Trassierung
Nicht standsichere Hänge sind in der Falllinie zu
6.1 Leitungsführung im Grundriss durchfahren, soweit sie nicht umgangen oder un-
terfahren werden können.
6.1.1 Grundsätzliches
In Abhängigkeit von Trassenführung, Geländeober-
Wesentlich für die Trassenführung sind: fläche und Baugrund kann der Einsatz grabenloser
Bauweisen zu erheblichen Kosteneinsparungen
• Sicherer, einfacher und wirtschaftlicher Betrieb und umweltrelevanten Vorteilen führen.

• niedrige Baukosten Die Grobtrassierung ist mit den zuständigen Behör-


den, Baulastträgern und anderen Versorgungsträ-
• topographische Besonderheiten (z. B. Ufer- und gern abzustimmen. Die verbindliche Festlegung
Überflutungsgebiete) sollte nach weiterer Abstimmung mit den Gebiets-
körperschaften und den regionalen Fachbehörden
• Bodenverhältnisse, Altlasten und Grundwasser- vorgenommen werden.
situation
Dabei ist für Leitungen mit einer Länge von 2 km
• Verkehrswege, Gewässer sowie Ver- und Entsor- und mehr, die das Gebiet einer Gemeinde über-
gungsanlagen schreiten, seitens der zuständigen Behörde durch
eine allgemeine oder standortbezogene Vorprüfung
• Belange von Raumordnung, Landesplanung, Ver- des Einzelfalls die Notwendigkeit einer Umwelt-
kehr, Naturschutz, Landschaftsschutz, Land- verträglichkeitsprüfung (UVP) im Rahmen eines
und Forstwirtschaft, Bergbau und Verteidigung Planfeststellungsverfahrens oder einer Plangeneh-
migung zu ermitteln (UVPG). Ist eine Umwelt-
• Bebauung verträglichkeitsprüfung erforderlich, wird ein Plan-
feststellungsverfahren eingeleitet, andernfalls ist
• Eigentumsverhältnisse an Grundstücken eine Plangenehmigung notwendig. Die Zuständig-
keit für die Durchführung eines Planfeststellungs-
Die Leitungstrassen sollten möglichst gradlinig ver- bzw. Plangenehmigungsverfahrens richtet sich
laufen und für Bau, Betrieb und Instandhaltung gut nach dem jeweiligen Landesrecht.

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 21
Für die Feintrassierung wird empfohlen, die ge- 6.2 Leitungsführung im Längenschnitt
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plante Leitungsführung in amtliche Katasterpläne


im Maßstab 1:1000 einzutragen. Für die Feintrassie- 6.2.1 Zubringerleitungen
rung müssen alle Randbedingungen der Trassen-
führung nach 6.1 bekannt sein. Zubringerleitungen müssen stetig fallend bzw. stei-
gend unter Berücksichtigung des Geländeprofils
6.1.3 Haupt- und Versorgungsleitungen zwischen definierten Hoch- und Tiefpunkten ge-
plant werden. Hoch- und Tiefpunkte sind eindeutig
Haupt- und Versorgungsleitungen sollten innerhalb auszuprägen.
der öffentlichen Verkehrsflächen liegen. Sie sind
längs der Straße, falls möglich in Bürgersteigen Die Leitungen müssen an geodätischen Hochpunk-
oder Randstreifen, anzuordnen. ten be- und entlüftet, an hydraulischen Hochpunk-
ten entlüftet werden können. Ausgeprägte Tief-
Fahrbahnen sollten rechtwinklig gekreuzt werden. punkte sind nach Möglichkeit mit entsprechenden
Versorgungsleitungen sind in der Regel auf der Entleerungen zu versehen.
Straßenseite anzuordnen, auf der die meisten Haus-
anschlüsse zu erwarten sind. In Straßen mit breiten, Gefälle  0,5 % sind nicht zweckmäßig, weil sie bei
mehrspurigen Fahrbahnen bzw. Straßenbahnglei- der Bauausführung Schwierigkeiten bereiten, nur
sen kann es wirtschaftlich sein, auf beiden Seiten unter günstigen Voraussetzungen einzuhalten sind
Leitungen vorzusehen. Endleitungen sind auf Aus- und die Entlüftung der Leitung behindern.
nahmen zu beschränken; Ringverbindungen sind
vorzuziehen, Endleitungen (Stichleitungen) sollten Bei sehr geringer Fließgeschwindigkeit können sich
unmittelbar mit dem letzten Anschluss, in der Regel an unbeabsichtigten Hoch- und Tiefpunkten durch
mit einem Endhydranten, enden (siehe 9.1). Zusammenwirken von Auftrieb, Schleppkraft,
Kohäsion und Adhäsion stehenden Luftblasen und
Die Trassenerkundung für Haupt- und Versorgungs- Wasserwalzen bilden, die zu Verengungen des
leitungen beschränkt sich im Wesentlichen auf die durchflossenen Querschnittes führen. Die Fließ-
Abstimmung mit den Trassen anderer Leitungen geschwindigkeiten im Restquerschnitt sind dann
und Kabel. Anzustreben sind Regelanordnungen, in entsprechend hoch; die Druckverluste steigen an.
denen den Wasser-, Gas- und Fernwärmeleitungen,
Entwässerungskanälen sowie den Strom-, Fern- An Hochpunkten darf bei allen Betriebszuständen
melde- sowie sonstigen Kabeln ein bestimmter kein Unterdruck auftreten. Dies kann bei ungünsti-
Raum zugewiesen wird. Eine Abstimmung mit gem Geländeverlauf durch geeignete technische
den Baulastträgern der Straßen ist erforderlich. Maßnahmen (Zwischenbehälter, Stollen, Zulauf-
DIN 1998 kann einen ersten Anhalt für die Einord- regulierung am Endbehälter) sichergestellt werden
nung von Leitungen in neuen Straßen bieten. (siehe 9.2).

Bei der Erneuerung von Leitungen ist die Zweck- Vor allem in bergigem Gelände ist der Längen-
mäßigkeit der Anwendung grabenloser Rehabili- schnitt der Leitung im Hinblick auf dynamische
tations- bzw. Neulegungsverfahren zu prüfen, die Druckänderungen und eine möglichst sichere Be-
zu einer wesentlichen Reduzierung der Begleit- triebsführung zu überprüfen. Der Schwankungs-
umstände des Bauvorhabens und zu erheblichen bereich für Innendrücke ist nach oben durch den
Kosteneinsparungen und umweltrelevanten Vortei- höchsten Systembetriebsdruck (MDP) begrenzt.
len führen können [siehe auch DVGW GW 320 (A), Nach unten ist ein ausreichender Abstand zum
DVGW GW 321 (A), DVGW GW 322-1 (A) und Dampfdruck einzuhalten, um dampfgefüllte Hohl-
DVGW GW 323 (M)]. räume und Druckspitzen beim Zusammenfallen
der Hohlräume zu vermeiden. An selbsttätig belüf-
6.1.4 Anschlussleitungen teten Hochpunkten sollte ein Mindestdruck von
0,5 bar nicht unterschritten werden [siehe auch
Anschlussleitungen sind gemäß DVGW W 404 (M) DVGW W 334 (M) und DVGW W 303 (M)].
auszuführen.

22 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
Beispiele für günstige und ungünstige Führung von andere chemische Produkte) oder mit stark aggres-
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Fall- und Pumpendruckleitungen zeigt Anhang A. siven Stoffen (Rückstände aus Müllverbrennungs-
anlagen, Schlacken, Müll, Brandrückstände usw.)
6.2.2 Hauptleitungen und Versorgungsleitungen muss mindestens ein Bodenaustausch erfolgen.

Haupt- und Versorgungsleitungen werden in der Der Korrosionsschutz metallener Rohre ist gemäß
Regel mit gleich bleibender Überdeckung in öffent- DIN 30675, Teil 1 und 2 mindestens für die Boden-
lichen Verkehrsflächen eingebaut. Die Entlüftung gruppe III zu wählen.
erfolgt über Hydranten, in Sonderfällen auch über
die Anschlussleitungen (siehe Bild 15). Bei Verwendung von Kunststoffrohren ohne Diffu-
sionssperrschicht empfiehlt es sich, die Rohre in
Zur Be- und Entlüftung von absperrbaren Teil- ein Mantelrohr aus geeignetem (undurchlässigem)
strecken sollte am höchsten Punkt der Teilstrecken Werkstoff oder Rohre mit einer Diffusionssperr-
eine Be- und Entlüftungsmöglichkeit angeordnet schicht und diffusionsdichten Verbindungen zu
werden, sofern nicht in benachbarten Teilstrecken legen, da Beeinträchtigungen der Trinkwasser-
eine Be- und Entlüftungsmöglichkeit zur Verfügung güte durch Geruch und Geschmack usw., z. B.
steht. Falls andere Anlagen zur Ausbildung von infolge möglicher Diffusion oder Penetration von
Hochpunkten zwingen, sind Hydranten möglichst Kohlenwasserstoffen, nicht ausgeschlossen werden
an diese Stellen zu setzen (siehe 16.6). können.

Leitungen erfordern in ungünstigen Lagen (z. B. an 6.3.3 Friedhöfe


Brücken, ohne frostsichere Erdüberdeckung) in Ab-
hängigkeit von Dimension und Durchfluss einen zu- In Friedhöfen ist eine Beeinflussung des Untergrun-
sätzlichen Schutz gegen Einfrieren. des, vor allem bei bindigen Böden, wahrscheinlich.
Zubringer-, Haupt- und Versorgungsleitungen soll-
6.2.3 Anschlussleitungen ten daher nicht durch Friedhöfe geführt werden.
Für andere Leitungen gilt ein Mindestabstand
Anschlussleitungen sind frostfrei und, soweit mög- von 2,0 m zum nächsten Grab. Wasserleitungen
lich, mit gleichmäßiger Steigung zum Gebäude zu müssen oberhalb der Grabsohle verlegt werden.
planen.
6.4 Besondere Sicherungsmaßnahmen für
Obere Anbohrung und Anschlussleitungen mit Stei- Leitungen bei ungünstigen Gelände-
gung zum Gebäude bieten, z. B. für die Entlüftung, und Bodenverhältnissen
Vorteile. Bei Leitungsgefälle zum Gebäude ist die
seitliche Anbohrung zweckmäßig. Besondere Sicherungsmaßnahmen sind erforder-
lich:
6.3 Führung von Leitungen durch Gebiete
mit verunreinigtem (kontaminiertem) • in felsigem Untergrund
Erdreich
• bei wechselnden Auflagerbedingungen
6.3.1 Grundsätzliches
• in Steilstrecken
Eine Leitungsführung durch verunreinigtes Erdreich
sollte vermieden werden. Andernfalls sind neben • bei nicht tragfähigem Untergrund
den behördlichen Anordnungen für das Arbeiten in
kontaminierten Bereichen die folgenden Punkte zu • bei Verlegung im Grundwasser
beachten.
Die notwendigen Sicherungsmaßnahmen sind in
6.3.2 Chemische Stoffe DVGW W 400-2 (A) beschrieben. Trassenabschnitte,
die zusätzliche Sicherungsmaßnahmen erforderlich
Beim Bau von Trinkwasserleitungen durch Gebiete machen, sind im Interesse einer Kosteneinsparung
mit verunreinigtem Erdreich (z. B. Mineralöl oder nach Möglichkeit zu vermeiden bzw. zu minimieren.

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 23
Die für die festgelegte Trasse erforderlichen Siche- Die für die Wasserverteilung genormten Rohre sind
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rungsmaßnahmen sind in der Planungsunterlage entsprechend den zu erwartenden Verkehrsbe-


darzustellen und erforderlichenfalls durch entspre- lastungen bemessen. Besondere Maßnahmen zur
chende Berechnungen nachzuweisen. Aufnahme oder Ableitung der Verkehrsbelastungen
sind daher im Regelfall nicht erforderlich.
6.5 Mitverlegung von Kabeln zur Über-
mittlung von Betriebsinformationen Vertragliche Grundlage für die Nutzung von Ver-
kehrswegen außerhalb geschlossener Ortschaften
Bei der Planung ist zu prüfen, ob die Mitverlegung sind der Rahmenvertrag, der Mustervertrag 1987
eines Betriebsfernmeldekabels, insbesondere bei sowie der Entschädigungs- und Gegenvertrag. Dies
Zubringerleitungen zweckmäßig ist. Kabelart und gilt auch für Fernleitungen innerhalb geschlossener
-dimension sowie ggf. die Verwendung eines Ka- Ortschaften. Für Leitungen, die der örtlichen Ver-
belschutzrohres sind festzulegen. Auf einen ausrei- sorgung dienen sind Konzessionsverträge oder
chenden Abstand zwischen Rohrleitung und Kabel andere geeignete Verträge abzuschließen.
im Hinblick auf spätere Instandsetzungsarbeiten ist
zu achten (siehe Abschnitt 12). Technische Grundlagen in den Verträgen sind für
den Bau von Wasserleitungen in Straßen u. a. die
vom Bundesministerium für Verkehr mit Rundschrei-
7 Mitbenutzung von öffentlichen ben erlassenen ZTVA – StB „Zusätzliche technische
Flächen, Verkehrswegen, Vertragsbedingungen und Richtlinien für Aufgra-
Gewässern und Deichen und bungen in Verkehrsflächen“.
privaten Grundstücken
Die Bebauung und die Bepflanzung von Rohr-
7.1 Allgemeines leitungstrassen mit Bäumen, Sträuchern darf nur
unter Beachtung besonderer Bestimmungen erfol-
§ 8 Abs. 6 AVBWasserV nimmt öffentliche Verkehrs- gen [siehe DVGW GW 125 (H)].
wege und Verkehrsflächen sowie Grundstücke, die
durch Planfeststellungsverfahren für den Bau von 7.2 Grundstücke und Anlagen
öffentlichen Verkehrsflächen bestimmt sind, aus- von Eisenbahnen
drücklich von der Duldungspflicht nach § 8 Abs. 1
bis 5 AVBWasserV aus. Aus diesem Grund müssen Für die Mitbenutzung von Grundstücken und An-
Leitungsverlegungen auf öffentlichen Flächen durch lagen der Deutschen Bahn AG Holding (DB AG Hol-
entsprechende Konzessions-, Straßenbenutzungs-, ding, DB Netz AG, DB Station und Service AG und
Gestattungs- und Kreuzungsverträge geregelt wer- DB Energie AG) gelten die Gas- und Wasser-
den. leitungskreuzungsrichtlinien DB AG/BGW [Richt-
linie 2000].
Rohrleitungen sollten Verkehrswege, Gewässer und
Deiche möglichst rechtwinklig kreuzen. Kreuzungs- Die Richtlinie 2000 enthält rechtliche und technische
bauwerke sind in ihrer Bauart keinem festen Regelungen.
Schema unterworfen. Die Nutzung vorhandener
Brücken und Durchlässe ist zweckmäßig. Wenn Für nicht bundeseigene Eisenbahnen ist die NE-
aus technischen Gründen erforderlich, aus ökologi- Wasserleitungskreuzungsrichtlinie anzuwenden.
schen Gründen zweckmäßig und aus wirtschaft-
lichen Gründen vertretbar, kann bei Mitbenutzung 7.3 Öffentliche Flächen
von Verkehrswegen die grabenlose Rohrverlegung
angewendet werden. 7.3.1 Öffentliche Flächen der Gemeinden

Für Kreuzungen, die in grabenloser Verlegung aus- 7.3.1.1 Mit Konzessionsvertrag


geführt werden, sind weitergehende Qualitätsanfor-
derungen an das Material sowie an die Einbaube- In anbaufähigen Straßen der Gemeinden sind Trink-
dingungen zu stellen [siehe z. B. DVGW GW 304 (M), wasserleitungen notwendig und allgemein üblich.
DVGW GW 312 (M) und DVGW GW 321 (A)]. Durch den Abschluss von Konzessionsverträgen

24 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
oder entsprechenden Regelungen in der Satzung 7.5 Gewässer
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kann sich ein Versorgungsunternehmen in öffent-


lichen Straßen, Plätzen und Wegen, die sich im Bei der Planung von Gewässerkreuzungen sind die
Eigentum oder im Verfügungsrecht der Gemeinden geltenden Vorschriften des Bundes und der Länder
befinden, ein Leitungsrecht geben lassen. (u. a. Gesetz über Naturschutz- und Landschafts-
pflege; Bundesnaturschutzgesetz; Wasserhaushalts-
Mit den Konzessionsverträgen ist das Recht ver- gesetz und die landesrechtlichen Vorschriften) zu
bunden, öffentliche Verkehrsflächen für das Ein- beachten.
legen, Betreiben, für die Instandhaltung und für das
Erneuern von Versorgungsleitungen zu nutzen. Die Insbesondere ist zu beachten:
Abstimmung der Leitungsführung mit anderen Ver-
sorgungsträgern und der Gemeinde als Straßen- • Für Maßnahmen an Bundeswasserstraßen ist
baulastträger ist erforderlich. das Bundeswasserstraßengesetz (WaStrG) maß-
gebend. Es bedarf zusätzlich einer strom- und
7.3.1.2 Ohne Konzessionsvertrag schifffahrtspolizeilichen Genehmigung durch die
Wasser- und Schifffahrtsdirektion.
In öffentlichen Flächen, die keine öffentlichen Ver-
kehrswegeflächen darstellen, und in öffentlichen • Im Falle von Rohrleitungskreuzungen werden
Verkehrswegeflächen für die keine konzessionsver- darüber hinaus die „Vorschriften für die Kreuzung
traglichen Regelungen bestehen sind beschränkte von Reichswasserstraßen durch fremde Leitun-
persönliche Dienstbarkeiten mit Eintrag in das gen“ (Rohrleitungskreuzungsvorschriften – RKV –)
Grundbuch anzustreben. angewendet.

Soweit für öffentliche Flächen keine Dienstbarkei- • Für den Rhein, die Mosel und den Neckar wird
ten abgeschlossen werden und keine konzessions- nach dem Beschluss der Rhein-Zentralkommis-
vertraglichen Regelungen bestehen, sind Gestat- sion vom 20.09.1947 verfahren.
tungsverträge abzuschließen. Grundsätzlich sind
die gleichen Nutzungsbeschränkungen wie in nicht- • Sind andere Gewässer zu kreuzen, ist mit den je-
öffentlichen Flächen zu vereinbaren. weils zuständigen Verwaltungen Einvernehmen
herzustellen.
7.3.2 Verkehrsflächen des Bundes,
des Landes und des Kreises • Nach den Landeswassergesetzen werden ober-
irdische Gewässer eingeteilt in Gewässer erster
Für öffentliche Verkehrsflächen, die nicht vom Kon- Ordnung und Gewässer zweiter bzw. ggf. dritter
zessionsvertrag erfasst sind, z. B. Verkehrsflächen Ordnung.
des Bundes, des Landes und des Kreises siehe 7.1.
Gewässer werden überwiegend mit Dükern (Unter-
7.4 Erwerb von Leitungsrechten zur querung eines Hindernisses mit mindestens einem
Mitbenutzung privater Grundstücke ausgeprägten Tiefpunkt) oder im Verlauf von
Brücken gekreuzt. Düker sollten möglichst eine
Die Mitbenutzung von privaten Grundstücken zur schlanke Linienführung aufweisen.
Verlegung von Trinkwasserleitungen ist durch Dul-
dung nach § 8 AVBWasserV oder beschränkte per- Für Düker wird eine lange Nutzungsdauer ohne
sönliche Dienstbarkeiten möglich. Erhaltungsaufwand vorausgesetzt. Der Auswahl
des Rohrwerkstoffes und des Korrosionsschutzes
Weitere Informationen zu rechtlich bestehen Mög- kommt daher besondere Bedeutung zu. Rohrver-
lichkeiten, private Grundstücke für die Verlegung bindungen sind zugfest auszuführen. Es empfiehlt
von Trinkwasserleitungen in Anspruch zu nehmen, sich, anderen Leitungsträgern die Mitverlegung zu-
enthält Anhang B. sätzlicher Leitungen (unter Kostenbeteiligung) an-
zubieten, wobei die wechselseitigen (auch ge-
gensätzlichen) sicherheitstechnischen Aspekte zu
beachten sind. Schieber zur Abtrennung von Ge-

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 25
wässerquerungen (Düker und Rohrbrücken) sollten Bei Leitungen an, auf oder in Brücken ist die Sicher-
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grundsätzlich außerhalb von Überflutungsbereichen heit gegen Einfrieren durch


so angeordnet werden, dass sie auch bei extremen
Hochwässern erreichbar sind. • Zwangsdurchfluss

Abstimmungen über Kreuzungsstellen, Verlege- • Wärmedämmung


tiefen, Verlegeart und Platzbedarf in den Uferberei-
chen für Aushublagerung, Montage und Einbau des • Begleitheizung
Dükers sollten möglichst frühzeitig erfolgen.
sicherzustellen.
7.6 Rohrbrücken, Leitungen an Brücken
Als Entlüftung sind handbetätigte Armaturen
Rohrbrücken können im Vergleich zu erdverlegten den automatischen Be- und Entlüftungsventilen
Leitungen für Kreuzungen von Verkehrswegen und wegen der Frostgefahr vorzuziehen. Armaturen auf
Gewässern die wirtschaftlichere Lösung sein. In Brücken sind möglichst zu vermeiden.
Einzelfällen, z. B. bei reißender Strömung oder tief
eingeschnittenen Schluchten, sind sie die einzige Für Bundesstraßen ist hinsichtlich der Ausführung
vertretbare Kreuzungsart. der Brückennutzung die Richtlinie für Leitungen in
Brücken (RiLeiBrü) zu beachten.
Geringere Kosten entstehen, wenn die Rohrleitung
an bestehenden Brücken angehängt werden kann. 7.7 Flussdeiche
Beim Brückenneubau empfiehlt sich eine früh-
zeitige Abstimmung und vertragliche Regelung der Bauwerke und Anlagen im Deichbereich werden
Mitbenutzung. nach dem jeweiligen Landesrecht, in der Regel
durch die Obere Wasserbehörde, genehmigt. Fehlen
Rohrleitungen in und an Brücken sind mit der sonsti- landesrechtliche Regelungen, ist Einvernehmen mit
gen Brückenkonstruktion abzustimmen (Festpunkte dem Unterhaltspflichtigen des Deiches herzustellen.
und Gleitlager). Sie sind so auszuführen, dass zu-
sätzliche Einwirkungen, z. B. Schwingungen durch Grundlage der Genehmigung sind die jeweils gülti-
Verkehr und Längenänderungen durch Temperatur- gen Verordnungen zum Schutz von Deichanlagen.
einwirkungen, aufgenommen werden können. Ausnahmen von den Bestimmungen der Verord-
nung, z. B. von Baubeschränkungen in bestimmten
Für die Bemessung von Rohrbrücken und Brücken- Schutzräumen beiderseits der Deiche, kann die Ge-
leitungen sind extreme Hochwässer und deren Aus- nehmigungsbehörde erteilen. Die o. g. Verordnun-
wirkungen auf die Standsicherheit von Bauwerken gen sind auch bei Hochwasserschutzmaßnahmen
und Versorgungsleitungen zu beachten. Neben dem sinngemäß anzuwenden.
Risiko einer möglichen Zerstörung der Anlagen sind
auch die Auswirkungen auf die Versorgungssicher- 7.8 Küstenschutzanlagen
heit im Gesamtsystem der Wasserverteilung zu be-
rücksichtigen. Die Mitbenutzung von Küstenschutzanlagen ist
nach Maßgabe der landeswasserrechtlichen Be-
Rohrleitungen in Brücken sind zugänglich und über- stimmungen genehmigungspflichtig. Die Geneh-
wachbar anzuordnen. Sie sind vor Straßenablauf- migung für die Mitbenutzung von Landesschutz-
wasser, das mit Auftaumitteln befrachtet sein kann, deichen ist bei der Oberen Wasserbehörde und von
zu schützen. den Hochwasserschutzanlagen, die nicht Haupt-
deiche sind (zweite Deichlinie), bei der Unteren
Rohrleitungen können kleine Spannweiten selbst- Wasserbehörde zu beantragen.
tragend überbrücken. Bei größeren Spannweiten
sind besondere Tragwerke vorzusehen. Wenn mit Leitungen in Hochwasserschutzanlagen können
Setzungen zu rechnen ist, sind statisch bestimmte nur aus unabdingbaren versorgungstechnischen
Konstruktionen zweckmäßig. Gründen zugelassen werden [siehe EAK Empfeh-
lung Arbeitskreis Küstenschutzländer-1999, Fach-

26 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
ausschuss für Küstenschutzzwecke DGGT (Deut- • Freihaltung von Bewuchs, der die Sicherheit und
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sche Gesellschaft für Geotechnik e. V.) und der Wartung der Rohrleitung beeinträchtigt.
HTG (Hafenbautechnische Gesellschaft e. V.)].
• Flächen innerhalb des Streifens dürfen nur leicht
Bauarbeiten im Bereich von Hochwasserschutz- befestigt werden; die Nutzung als Parkfläche ist
anlagen im Küstenbereich dürfen nur in festgesetz- möglich.
ten Zeiten im Jahr durchgeführt werden.
• Das Lagern von Schüttgütern, Baustoffen oder
wassergefährdenden Stoffen ist unzulässig.
8 Sicherheitsstreifen
• Geländeveränderungen, insbesondere Niveau-
8.1 Allgemeines veränderungen sind nur mit Zustimmung des
Leitungsbetreibers erlaubt.
Unterschieden werden Schutz und Arbeitsstreifen.
Sonstige Baumaßnahmen auf Grundstücken mit aus-
Wasserleitungen, zugehörige Schächte und das gewiesenen Schutzstreifen bedürfen in jedem Fall
Leitungszubehör (z. B. Steuerkabel, Markierungen, der Abstimmung mit dem Leitungsbetreiber. Gegen-
usw.) sind zur Sicherung ihres Bestandes, des Be- seitige nachteilige Beeinflussungen von Rohrleitung
triebes und der Instandhaltung sowie gegen Ein- und angrenzender Bauwerke sind auszuschließen
wirkungen von außen in einem Schutzstreifen zu [siehe DVGW W 380 (M)].
verlegen.
Innerhalb des Schutzstreifens ist die Rohrleitung so
In bebauten Gebieten werden Schutzstreifen in der anzuordnen, dass für Instandsetzungsarbeiten ein
Regel nur für Leitungen außerhalb von öffentlichen ausreichender Arbeitsraum zur Verfügung steht.
Verkehrsflächen ausgewiesen.
Folgende Schutzstreifenbreiten sind zu verein-
Arbeitsstreifen dienen der einwandfreien Durch- baren (siehe Tabelle 2):
führung der Bauarbeiten. Die Breite des Arbeits-
streifens ist neben der Grabenbreite und Graben- Tabelle 2 – Schutzstreifenbreiten
tiefe auch von der Bauweise, dem eingesetzten
Rohrmaterial sowie der gewählten Verbindungs- Nennweite Schutzstreifenbreite
technik abhängig. Die örtlichen Verhältnisse sind bis DN 150 4m
zu berücksichtigen. über DN 150 bis DN 400 6m
über DN 400 bis DN 600 8m
8.2 Schutzstreifen über DN 600 10 m

Rohrleitungen und ggf. Schutzstreifen sind in Ab- In Ausnahmefällen können diese Breiten auf mög-
hängigkeit von ihrer Bedeutung möglichst in allen lichst kurzen Strecken und an Zwangspunkten um
neuen oder zu ändernden Gebietsentwicklungs-, bis zu 2 m vermindert oder erweitert werden. Eine
Raumordnungs- und Plänen der Bauleitplanung für Mindestbreite des Schutzstreifens von 4 m darf
öffentliche Planungen darzustellen. nicht unterschritten werden. Gegebenenfalls ist die
konstruktive Ausführung der Leitung anzupassen
Leitungen und Schutzstreifen sind grundsätzlich in (z. B. Längskraftschlüssigkeit herstellen).
Form von beschränkt persönliche Dienstbarkeiten
mit Grundbucheintrag zu sichern. Bei nebeneinander geführten Rohrleitungen ver-
größert sich die Schutzstreifenbreite um den Achs-
Nachfolgende Nutzungsbeschränkungen sind zu abstand der Rohrleitungen.
vereinbaren:

• Keine Errichtung betriebsfremder Bauwerke.

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 27
8.3 Arbeitsstreifen Weitgehend vermaschte Netze gewährleisten hohe
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Betriebssicherheit und den besten Druckausgleich.


Auf nicht bewaldeten Flächen außerhalb der Be- In Ballungsräumen sind um die Versorgungs-
bauung werden folgende Arbeitsstreifenbreiten schwerpunkte geführte Ringleitungen von Vorteil,
empfohlen (siehe Tabelle 3): wenn sie genügend Leistungsreserven aufweisen.
Im Brandfall fließt das Löschwasser von 2 Seiten zu.
Tabelle 3 – Arbeitsstreifenbreite
9.2 Lage von Trinkwasserbehältern
Nennweite der Arbeitsstreifenbreite bei
Rohrleitung einer Rohrgrabentiefe von Trinkwasserbehälter dienen in erster Linie dem Aus-
 3,0 m  3,0 m gleich von Förderung und Verbrauch. Sie ermög-
bis DN 200 14 m 16 m lichen eine gleichmäßige Belastung der Wasser-
über DN 200 bis DN 400 16 m 18 m gewinnungs-, Aufbereitungs- und Förderanlagen
über DN 400 bis DN 600 18 m 20 m sowie der Zubringerleitungen. Trinkwasserbehälter
über DN 600 bis DN 1200 20 m 22 m sichern die Versorgung vorübergehend bei Unter-
brechung der Wasserförderung und erlauben die
Bei geschlossener einseitiger Grundwasserhaltung Bereitstellung von Löschwasser. Trinkwasserbe-
wird die Breite um 1 m, bei zweiseitiger Grund- hälter können als Hochbehälter, Tiefbehälter oder
wasserhaltung um 2 m vergrößert. Falls mehrere Wassertürme ausgeführt werden [siehe auch DIN
Leitungen nebeneinander zu bauen sind, wird der EN 1508, DVGW W 300 (A)].
Arbeitsstreifen um die Summe der Achsabstände
verbreitert. Der auf einem natürlichen Hochpunkt errichtete
Trinkwasserbehälter ist die wirtschaftlichste Form
Bei der Wiederherstellung des ursprünglichen Zu- der Wasserspeicherung. Voraussetzung sind ge-
standes ist es zweckmäßig, die Arbeiten 1 m bei- eignete Erhebungen in der Nähe des Versorgungs-
derseits über den genutzten Arbeitsstreifen auszu- gebietes. Sofern keine natürlichen Hochpunkte
dehnen, um einwandfreie Übergänge zu schaffen. vorhanden sind, können Wassertürme oder Tief-
behälter mit nachgeschalteter Druckerhöhung ge-
Hindernisse im Rohrgraben, Bauwerke und örtliche plant werden. Die Beschaffenheit des Baugrundes,
Besonderheiten nahe der Baustelle können eine die Möglichkeit der Zufahrt und der Wasserab-
Anpassung der Arbeitsstreifenbreite erforderlich leitung sowie erforderliche Ausnahmeregelungen
machen. im Rahmen des Baurechtes können bei der Wahl
des Standortes von Bedeutung sein.

9 Netzformen und Bauwerke Die Betriebsweise von Hochbehältern oder Wasser-


türmen ergibt sich aus der Zuordnung der Förder-
9.1 Netzformen anlagen zu Behälter und Versorgungsnetz. Drei An-
ordnungen sind möglich: Durchlauf-, Zentral- und
Grundsätzlich ist zwischen Verästelungsnetzen und Gegenbehälter.
vermaschten Netzen zu unterscheiden. Für Fern-
wasserversorgungssysteme werden in der Regel Ausgedehnte Versorgungsbereiche und Gebiete mit
Verästelungsnetze, für Ortsnetzverteilungen ver- großen geodätischen Höhenunterschieden lassen
maschte Netze geplant. sich selten einem einzigen Trinkwasserbehälter zu-
ordnen. In der Regel werden getrennte Druckzonen
Verästelungsnetze weisen den Nachteil auf, dass eingerichtet, die gespeist werden über
bei Versorgungsunterbrechungen alle nachgeschal-
tete Anlagenteile betroffen sind. In Ortsnetzen kön- • einen Behälter,
nen periphere Netzteile, wie zum Beispiel Stich-
straßen oder überschaubare Versorgungseinheiten, • einen Druckminderer oder
über ein Verästelungsnetz versorgt werden. Die Ver-
maschung hat den Vorteil, dass Rohre kleinerer • eine Druckerhöhungsanlage (Pumpwerk).
Nennweiten eingebaut werden können.

28 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
Zuordnungen von Förderanlagen, Behältern und erwiesen, in Abhängigkeit von der Topographie und
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Versorgungsnetzen sind Tabelle 4 zu entnehmen. der Durchflussmenge in Abständen bis maximal


50 km Zwischenbehälter als Durchlaufbehälter (Re-
In Fernleitungen müssen Druckschwankungen flexionsstellen) anzuordnen. Der Behälterinhalt ist in
durch instationäre Betriebszustände in tolerierbaren Abhängigkeit vom Versorgungssystem so zu be-
Grenzen (Einhaltung des MDP) gehalten werden. messen, dass betriebsbedingte Unterbrechungen
Deshalb hat es sich in der Praxis als zweckmäßig und Störungen überbrückt werden können.

Tabelle 4 – Zuordnungen von Förderanlagen, Behältern, Versorgungsnetzen

Zentralbehälter (als Durch- Gegenbehälter Durchlaufbehälter


lauf- oder Gegenbehälter)
(Bild 3) (Bild 4) (Bild 5)
Vorteile Vorteile Vorteile
• Hohe Betriebssicherheit durch • Betriebssicherheit durch zwei- • Sehr gute Wassererneuerung
enge Einbindung des Behälters seitige Speisung im Netz im Behälter
in Ortsnetz und Netzspeisung • Geringe Druckverluste im Orts- • Geringere Druckschwankungen
aus Behälter und Pumpwerk netz bei zweiseitigem Zufluss als beim Gegenbehälter
• Geringe Druckverluste und • Eindeutige Fließrichtungen
Druckschwankungen im Orts- • Annähernd gleich bleibende
netz durch kurze Fließwege Förderhöhe
• Kleine Rohrdurchmesser möglich • Versorgungsdruck unabhängig
von der Förderhöhe
Nachteile Nachteile Nachteile
• Langsame Wassererneuerung. • Langsame Wassererneuerung • Geringe Versorgungssicherheit
Um überlange Verweilzeiten zu (siehe Zentralbehälter). Um über- bei nur einer Leitung ins Versor-
vermeiden, ist ein höherer steue- lange Verweilzeiten zu vermeiden, gungsgebiet
rungstechnischer Aufwand er- ist ein höherer steuerungstech- • Lange Fließwege, dadurch
forderlich als beim Durchlauf- nischer Aufwand erforderlich, als größere Druckverluste bzw.
behälter beim Durchlaufbehälter größere Rohrdurchmesser im
• Das System lässt sich in ebenem • Stark wechselnde Drücke bei Vergleich zum Zentralbehälter
Gelände nur mit einem Wasser- den verschiedenen Betriebsfällen
turm verwirklichen, der jedoch • Wechselnde Fließrichtungen
höhere Baukosten erfordert als
ein Erdbehälter
• Wechselnde Fließrichtungen

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 29
9.3 Sonstige Bauwerke • elektrischen Schaltanlagen und Anlagen zur Fern-
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steuerung und Fernüberwachung,


9.3.1 Allgemeines
• betrieblichen Kommunikationseinrichtungen (Tele-
Die wichtigsten Einrichtungen zur Wasserverteilung fon, Funk, Informationstechnik),
wie
• Zugang, Transport und Montage,
• Pumpwerke, Druckerhöhungsanlagen,
• Hub- und Hebezeugen,
• Druckminderanlagen,
• Werkstatt- und Lagerräumen sowie
• Durchflussregulieranlage
• Sozialräumen
und bei Zubringerleitungen zusätzlich
zu beachten.
• Streckenschieber und Rohrbruchsicherungen,
Bei Konstruktion und Baustoffwahl ist auf einen mini-
• Be- und Entlüftungen, Entleerungen und Spül- malen Aufwand für Instandhaltung und Reinigung zu
auslässe, achten.

• Übergabestellen Statische und schwingungstechnische Gesichts-


punkte sind zu berücksichtigen. Insbesondere ist
sind im Hinblick auf den zukünftigen Betrieb und die zu prüfen, ob Maschinenfundamente vom Gebäude
Instandhaltung in oberirdischen oder unterirdischen zu trennen sind und auf welche Weise Kräfte aus
Bauwerken unterzubringen. Für alle hochwasser- den Rohrsystemen, aus Hebezeugen u. ä. aufge-
gefährdeten Bauwerke sollte geprüft werden, unter nommen werden können. Die Raumeinteilung ist so
welchen Bedingungen die Gefahr des Aufschwim- zu gestalten, dass insbesondere die elektrischen
mens besteht und durch welche Maßnahmen das Einrichtungen vor Staub, Feuchtigkeit und Wasser
Aufschwimmen verhindert werden kann. Dies be- geschützt sind. Die Gebäudekonstruktion muss die
trifft auch Anlagen, die von einem Anstieg der Ableitung unzulässiger Wärme ermöglichen (Ab-
Grundwasserstände betroffen sein können. Elek- wärme von Maschinen, Sonneneinstrahlung). Luft-
trische Schaltanlagen und Anlagen zur Fernsteue- entfeuchtungsanlagen zum vorbeugenden Korro-
rung und Fernüberwachung sollten grundsätzlich sionsschutz haben sich bewährt. Der Einfall von
nicht in Tiefbauteilen untergebracht werden. Sonnenlicht in Wasserkammern ist zu vermeiden.

Um die Anzahl der Betriebspunkte zu minimieren, Das Gebäude ist architektonisch ansprechend zu
sollten die oben genannten Einrichtungen und gestalten und sollte sich harmonisch in die Um-
Behälterbauwerke soweit wie möglich zusammen- gebung einfügen. Gebäude sollten so geplant wer-
gefasst werden. Bei der Entscheidung, ob Be- den, dass eine spätere Erweiterung ohne längere
triebseinrichtungen in unter- oder oberirdischen Unterbrechung des Betriebes möglich ist [siehe
Bauwerken untergebracht werden, sind insbeson- auch DVGW W 610 (M)].
dere die Berufsgenossenschaftlichen Vorschriften
zu beachten (z. B. Absturzsicherungen, Schacht- 9.3.3 Unterirdische Bauwerke (Schächte)
atmosphärenmessung).
Schachtbauwerke sollten außerhalb von Fahrbah-
9.3.2 Oberirdische Bauwerke nen angelegt werden und jederzeit leicht zugänglich
sein. Abmessungen und konstruktive Ausbildung
Anordnung und Zuschnitt der Betriebsräume der Schächte sind von den jeweiligen Anforderun-
müssen auch den Anforderungen des Betriebes gen und Betriebsbedingungen abhängig.
und der Instandhaltung gerecht werden. Bei der
Raumgestaltung sind die funktionalen Anforderun- Die Schächte (einschließlich Wanddurchführungen
gen von für Rohre und Kabel) sind wasserdicht auszubilden.

30 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
Schacht und Schachtabdeckung müssen den jewei- dieser Voraussetzung steht in der Regel noch eine
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ligen statischen Erfordernissen entsprechen (z. B. genügend große Reserve zur Aufnahme von Druck-
Erdlasten, Aufnahme von Kräften aus den Rohrlei- stößen zur Verfügung).
tungen, Verkehrslasten, Auftrieb). Die Schachtab-
deckung für den Einstieg soll möglichst einfach zu Ortsnetze mit größeren Höhenunterschieden sind
bedienen, betriebssicher und nur mit Spezialwerk- in Druckzonen zu unterteilen. Als Ruhedruck im
zeug zu öffnen sein [siehe auch DVGW W 355 (A)]. Schwerpunkt einer Druckzone sind 4 bis 6 bar am
Hausanschluss empfehlenswert.
9.3.4 Objektschutz
Die Versorgung der einzelnen Druckzonen kann er-
Wasserversorgungsanlagen müssen gegen unbe- folgen
fugte Eingriffe geschützt werden. Dabei wird zwi-
schen passivem und aktivem Objektschutz unter- • über einen Hochbehälter oder Wasserturm,
schieden.
• über Druckminderer oder Druckunterbrecher oder
Der passive Objektschutz umfasst einbruchhem-
mende Maßnahmen. Grundsätzlich sind Öffnungen • über eine Druckerhöhungsanlage/Pumpenanlage.
in Bauwerken zu minimieren. Notwendige Fenster,
Türen, Be- und Entlüftungen sind einbruchhem- 10.1.2 Druckzonen
mend auszuführen. Der aktive Objektschutz dient
dem frühzeitigen und sicheren Erkennen von unbe- Die Ausdehnung der Druckzonen und die Auswahl
fugten Zutritten durch den Einsatz alarmgebender der Maßnahmen zur Zonentrennung sind auf die
Mittel [z. B. Türkontaktüberwachung, Glasbruch- Topographie und die jeweiligen Zuflussmöglich-
melder, Bewegungsmelder, Lichtschranken; siehe keiten abzustimmen.
auch DVGW W 1050 (H)].
Die Trennung verschiedener Druckzonen sollte
möglichst durch Unterbrechung der Leitung erfol-
10 Versorgungsdruck/ gen. Falls Absperrarmaturen eingebaut werden,
Druckregelung sind sie deutlich zu kennzeichnen.

10.1 Drücke in Ortsnetzen 10.1.3 Versorgungsdruck (SP)

10.1.1 Allgemeines Der erforderliche Versorgungsdruck im versor-


gungstechnischen Schwerpunkt einer Druckzone
Ortsnetze sind mindestens für MDP (höchster richtet sich nach der überwiegenden ortsüblichen
Systembetriebsdruck) von 10 bar (1000 kPa) zu Geschosszahl der Bebauung dieser Zone (siehe Ta-
planen. Der Systembetriebsdruck (DP) ohne Druck- belle 5).
stöße sollte etwa 2 bar unter MDP liegen (unter

Hochzone

Hochzone
Niederzone

Bild 6 – Beispiel für die Teilung eines Versorgungsgebietes in drei Druckzonen

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 31
Netze sind so zu bemessen, dass folgender Versor- Der maßgebende Wasserbedarf ist gemäß 11.1 zu
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gungsdruck (Innendruck bei Nulldurchfluss in der ermitteln.


Anschlussleitung an der Übergabestelle zum Ver-
braucher) nicht unterschritten wird. Falls Rohrnetze auf dieser Grundlage bemessen
werden, steht bei normgerechter Bemessung und
Tabelle 5 – Versorgungsdrücke (SP) Ausführung der Wasserverbrauchsanlagen ein Min-
destdruck von 1 bar an der ungünstigst gelegenen
neue Netze bestehende Zapfstelle zur Verfügung. Einzelheiten veranschau-
bzw. signifikante Netze licht Bild 7.
Erweiterung be-
stehender Netze
Diese anzustrebenden Versorgungsdrücke können
für Gebäude 2,00 bar 2,00 bar
bei Spitzenverbrauch an wenigen Stunden des
mit EG
Jahres kurzfristig unterschritten werden. Außerdem
für Gebäude mit 2,50 bar 2,35 bar
EG und 1 OG können wirtschaftliche Gründe gegen eine gene-

für Gebäude mit 3,00 bar 2,70 bar relle Vorhaltung dieser Drücke bei historisch ge-
EG und 2 OG wachsenen Versorgungsfällen sprechen.
für Gebäude mit 3,50 bar 3,05 bar
EG und 3 OG Für einzelne hoch- oder tiefgelegene Gebäude soll-
für Gebäude mit 4,00 bar 3,40 bar ten keine Druckzonen eingerichtet werden. In aus-
EG und 4 OG geprägten Hochlagen ist ein Abfall des Über-
druckes auf 0,5 bar an der höchstgelegenen
Bei höheren Gebäuden ist im Bedarfsfall eine Haus- Entnahmestelle während der Zeit des höchsten
druckerhöhungsanlage für die oberen Stockwerke Verbrauches nicht immer vermeidbar. Unter diesen
vorzusehen. Voraussetzungen können die angegebenen Werte

Bild 7 – Empfohlene Druckverhältnisse in neuen Wasserrohrnetzen in Abhängigkeit von der Ge-


schosszahl der zu versorgenden Gebäude

32 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
bei neuen Netzen um 0,5 bar verringert werden • zur Förderung aus einem Behälter durch ein
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(siehe Bild 7). Rohrnetz in einen Gegenbehälter.

Für den Nachweis der Löschwasserbereitstellung


ist davon auszugehen, dass der Betriebsdruck (OP)
an keiner Stelle des Netzes im bebauten Gebiet bei
Löschwasserentnahme unter 1,5 bar abfällt, soweit
keine höheren Netzdrücke für besondere Kunden
einzuhalten sind. Dieser Nachweis ist nach DVGW
W 405 (A) für die Leistungsfähigkeit eines Trink- Bild 8 – Schema einer Druckerhöhungsanlage
wasserrohrnetzes bei der größten stündlichen Ab-
gabe eines Tages mit mittlerem Verbrauch (Grund- Wenn unmittelbar in ein Versorgungsnetz gefördert
belastung) zu führen. wird, muss bei Ausfall einer Pumpe der höchste
Bedarf von den restlichen Pumpen gedeckt werden
Für Druckminderer in Verbrauchsanlagen gilt können.
DIN 1988.
Druckstoßausgleichsbehälter dienen
10.2 Druckerhöhung
• zur Dämpfung von Druckstößen,
Druckerhöhungsanlagen sind nur in dem Umfang
Gegenstand des Arbeitsblattes, soweit dies für die • zur Druckhaltung,
Planung von Wasserverteilungsanlagen erforderlich
ist. • zur Begrenzung der Schalthäufigkeit und

Druckerhöhung kann in folgenden Fällen erforder- • zum Ausgleich von kurzzeitigen Schwankungen
lich oder zweckmäßig sein: des Verbrauchs.

• zwischen Gewinnungs- und Versorgungsgebiet Die Steuerung der Pumpen kann erfolgen:
ist Wasser über geodätische Höhenunterschiede
zu heben. • druckabhängig

• einzelne Druckzonen liegen besonders hoch. • durchflussabhängig

• in der Druckleitung treten hohe Druckverluste auf. • zeitabhängig

Druckerhöhungsanlagen bieten dank leichter Ver- • wasserstandsabhängig


änderbarkeit der maschinellen und regeltechni-
schen Ausrüstung einen großen Spielraum für die Bei der Standortwahl, bei der Anordnung, Auswahl
Anpassung an Verbrauchsänderungen und für den und Ausrüstung der Armaturen sowie beim Betrieb
Neuanschluss weit entfernt oder hoch gelegener der Druckerhöhungsanlage sind neben den regu-
Versorgungsgebiete. Sie sind zu planen nach lären Betriebszuständen auch kritische Zustände zu
DVGW W 610 (M), DVGW W 612 (M) und DVGW beachten. Sie treten auf bei
W 642 (M).
• unplanmäßigem Schalten von Pumpen.
Druckerhöhungsanlagen werden angeordnet
• Ausfall der Antriebsenergie.
• zur Förderung aus einem Behälter oder einem
Rohrnetz in einen Behälter, • schnellem Schließen und Öffnen von Absperrein-
richtungen.
• zur Förderung aus einem Behälter oder einem
Rohrnetz in ein Rohrnetz (vgl. Bild 8),

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 33
10.3 Druckminderung
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10.3.1 Allgemeines

Druckminderer oder Druckunterbrecher dienen der


Begrenzung auf den Systembetriebsdruck (DP).
Die Druckminderung erfolgt in Druckminderanlagen Bild 9 – Schema einer Druckminderanlage
(Armaturen) oder in Druckunterbrechern (kleine,
offene Trinkwasserbehälter oder Schächte). Bei kleinen Anlagen ist es im Allgemeinen nicht zweck-
mäßig, den Druckminderer für den Brandfall zu be-
10.3.2 Druckminderer messen. Der erhöhte Verbrauch kann über eine Um-
gehung (kontrollierter Bypass) bereitgestellt werden.
Folgende Anforderungen sind an Druckminderer zu
stellen: Zur Sicherung gegen Überdruck ist die Notwendig-
keit des Einbaus eines Sicherheitsventils auf der
• gleichbleibender Ausgangsdruck bei wechseln- Ausgangsseite zu prüfen. Sicherheitsventile sind
den Durchflüssen und schwankenden Eingangs- vorteilhaft, wenn mit vollständig aussetzender Ent-
drücken nahme gerechnet werden muss.

• gutes Mindestdruckverhalten Ein Schema einer Druckminderanlage zeigt Bild 9.

• dichter Abschluss bei Nullentnahme 10.3.3 Druckunterbrecher

Für normale Betriebsfälle (keine zu hohen Fließ- Druckunterbrechung kann durch freien Auslauf in
geschwindigkeiten, keine zu großen Schwankun- einen Behälter erfolgen. Bei kleinen Durchflüssen
gen des Durchflusses und des Eingangsdrucks) werden Unterbrecherschächte angeordnet [siehe
genügen meist Druckminderer ohne Hilfssteue- auch DVGW W 351 (A)].
rung. Falls bei Armaturen DN  80 diese Voraus-
setzungen fehlen, sind gesteuerte Druckminderer
zu wählen. Druckminderventile sind in ihrer Grund- 11 Hydraulische Bemessung
form keine druckdämpfenden Armaturen. Bei
ungünstiger Dimensionierung (Nennweite, Armatu- 11.1 Ermittlung des Wasserbedarfs als
rentyp, Regelverhalten) können Druckstöße hervor- Planungsgröße zur Bemessung der
gerufen werden. DVGW W 303 (M) sowie DVGW Anlagen
W 335 (M) sind zu beachten.
11.1.1 Planungszeiträume und Ausbaustufen
Richtige Bemessung ist Voraussetzung für ein-
wandfreien Betrieb. Bei großem Druckgefälle kann Bei der Wahl des Planungszeitraumes für Anlagen
es sinnvoll sein, die Druckminderung in 2 oder oder Anlagenteile sind folgende Gesichtspunkte zu
mehreren Stufen durchzuführen. Bei stark schwan- beachten:
kenden Durchflüssen kann eine parallele Anord-
nung zweier Druckminderer unterschiedlicher • Möglichkeiten zur Erweiterung einzelner Anlagen,
Größe vorteilhaft sein.
• Nutzungsdauer der Anlagenteile,
Druckminderer sollten so klein gewählt werden,
dass der Hub (Stellweg) während des Betriebes voll • Nachteile zu großer Anlagen,
genutzt wird. Maßgebend für die Auslegung sind
Druckgefälle und Durchfluss. In der Regel wird nach • Gesamtwirtschaftlichkeit.
beiden Werten bemessen [siehe DVGW W 335 (M)].
Für die Bemessung der einzelnen Anlagenteile
sind im Allgemeinen folgende Planungszeiträume
empfehlenswert:

34 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
• Anlagen, die leicht austauschbar sind: • Jährlicher Wasserbedarf: Qa in m3 /a
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(z. B. Pumpen) 10 Jahre


• Mittlerer Tagesbedarf: Qdm in m3 /d
• Anlagen, die leicht erweiterungsfähig sind: Qdm = Qa /365
(z. B. Druckerhöhungsanlagen) 10 –15 Jahre
• Maximaler Tagesbedarf: Qdmax in m3/d
• Anlagen, die langfristiger Planung bedürfen:
(z. B. Rohrleitungen und Behälter) ca. 50 Jahre • Mittlerer Stundenbedarf am Tage des
mittleren Wasserbedarfs: Qhm in m3 /h
Die genannten Planungszeiträume entsprechen Qhm = Qdm /24 = Qa /(365 x 24)
auch in etwa den Zeiträumen der betriebswirt-
schaftlichen Abschreibung von Anlagen (AFA). • Maximaler Stundenbedarf am Tage des größten
Wasserbedarfs: Qhmax in m3 /h
Bauvorhaben, die für lange Planungszeiträume
entworfen werden, sollten aus technischen und • Mittlerer einwohnerbezogener Tagesverbrauch:
wirtschaftlichen Gründen sowie wegen der mit Be- qdm in l/(s x E) bzw. l/(h x E)
darfsschätzungen verbundenen Unsicherheiten in mit E = Anzahl Einwohner
geeigneten Ausbaustufen zeitlich gestaffelt werden
(Stufen- und Prioritätenkonzept). Auf diese Weise • Maximaler einwohnerbezogener Stundenverbrauch:
ist eine Anpassung an den Bedarf, die räumliche qhmax in l/(s x E) bzw. l/(h x E)
Entwicklung und die jeweils erforderliche Versor- mit E = Anzahl Einwohner
gungssicherheit etc. möglich.
• Stundenspitzenfaktor:
Rohrnetze sind als vermaschte Netze zu planen. Sie fh = Qhmax /Qhm
können z. B. in Neubaugebieten zunächst als Ver-
ästelungsnetze gebaut werden. Eine Anpassung an • Tagespitzenfaktor:
einen späteren Wasserbedarf wird im Regelfall fd = Qdmax /Qdm
durch Ringschlüsse erreicht.
• Maximaler Stundenprozentwert: stmax in %
Der Ausbau von Zubringerleitungen sollte in Anpas- stmax = Qhmax /Qdmax x 100
sung an den Ausbaugrad weiterer Anlagen, wie Ge-
winnungs-, Aufbereitungs- oder Förderanlagen er- 11.1.3 Spitzenbelastung und Spitzenbedarf
folgen. Die Nennweite der Zubringerleitungen und
der höchste Systembetriebsdruck sind möglichst Die Bemessung von Anlagen erfolgt nach unter-
so festzulegen, dass eine Steigerung des Durch- schiedlichen Betriebszuständen. Im Regelfall sind fol-
flusses durch Druckerhöhung möglich ist. gende kurzzeitige Spitzenbelastungen maßgebend:

Behälter in Verbindung mit Zubringerleitungen wer- • für Hausanschlussleitungen


den häufig in Ausbaustufen erstellt. Das gesamte Spitzendurchfluss in 10 Sekunden
erforderliche Gelände wird in der Regel sofort er- [vgl. DVGW W 404 (M)]
worben. Die Schieberkammer wird im Regelfall in
der ersten Stufe entsprechend der Konzeption des • für Zubringer-, Haupt- und Versorgungsleitungen
Endausbaus errichtet. Spitzendurchfluss in 1 Stunde

11.1.2 Zusammenstellung von Begriffen • für Pumpen- und Druckminderanlagen


zum Wasserbedarf Spitzendurchfluss in 1 Stunde

Bezüglich der Definitionen der Begriffe zum Wasser- • für Behälter


bedarf gelten DIN 4046 sowie DVGW W 410 (M). Spitzenbedarf für 1 Tag [vgl. DVGW W 311 (A)]
Darüber hinaus gilt:

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 35
Der für die Bemessung von Leitungen maßgebende • in ausgeprägten Fremdenverkehrsorten,
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kurzzeitige Spitzendurchfluss steigt mit der Zahl


der jeweils zu versorgenden Einwohner bzw. Wohn- • in Gebieten mit hohem Industrieverbrauch.
einheiten nicht linear, da der Gleichzeitigkeitsfaktor
mit der Zahl der Einwohner bzw. Wohneinheiten Der Tagesspitzenfaktor fd als Verhältnis von
fällt [siehe DVGW W 410 (M)]. „höchster Tagesbedarf“ zu „mittlerer Tagesbedarf“
liegt je nach Größe des Versorgungsgebietes etwa
Für die Bemessung von Zähleranlagen gilt DVGW zwischen 2,0 und 1,3 [siehe DVGW W 410 (M)]. Der
W 406 (A). Spitzenfaktor verringert sich mit zunehmender Ein-
wohnerzahl (siehe hierzu Bild 10).
11.1.4 Langfristige Bedarfsschätzungen
Der maximale Tagesbedarf kann wie folgt berech-
Durch Auswertung des Entwicklungsverlaufes von net werden:
Einwohnerzahl und Wasserverbrauch über einen
langen Zeitraum (mehrere Jahrzehnte) werden lang- Qdmax = Qdm x fd
fristige Tendenzen erkennbar. Die zukünftige Ent-
wicklung der Einwohnerzahl im Versorgungsgebiet wobei Qdm sich entweder aus dem Jahresbedarf
sowie die Entwicklung der Industrie und des Klein- (Qdm = Qa /365) oder anhand dem spezifischen Ein-
gewerbes sind mit den spezifischen Wasserver- wohnerbedarf (Qdm = E x qdm mit E = Anzahl Ein-
bräuchen abzuschätzen (Stadtentwicklungspläne). wohner) errechnet werden kann.

Der Wasserbedarf der Bevölkerung und des Klein- 11.1.6 Maximaler Stundenbedarf
gewerbes ist etwa seit 1980 tendenziell rückläufig,
wobei ein weiterer signifikanter Rückgang weit- Da jeder Wasserverbraucher in der Regel nur kurz-
gehend ausgeschlossen werden kann. zeitig und stoßweise Wasser entnimmt, hängt der
Spitzenverbrauch einer Wasserzone sehr stark von
Der über ein Jahr gemittelte Bedarf der Bevölke- der Anzahl der dort versorgten Verbraucher ab. Die
rung dürfte langfristig im Bundesdurchschnitt bei Gleichzeitigkeit der Entnahmen ist damit die ent-
ca. qdm = 120 l/(E x d) liegen. Der mittlere Bedarf scheidende Größe für die Höhe des Wasserver-
der Gewerbeflächen und Verwaltungsgebäude brauchs.
kann in Abhängigkeit von der Struktur des Versor-
gungsgebietes pro Beschäftigte etwa 40 bis 50 l/d • Berechnung von Qhmax anhand von Spitzen-
erreichen. Die zuvor genannten Werte können re- faktoren fh
gional stark schwanken. Dies ist bei der Planung zu
berücksichtigen. Der maximale Spitzenbedarf lässt sich anhand von
Spitzenfaktoren gemäß Bild 10 ermitteln. (Hinweis:
Der Wasserbedarf der Industrie entzieht sich lang- DVGW W 410 enthält hierzu aufgrund des früheren
fristigen Schätzungen. Verbrauchsverhaltens noch höhere Spitzenfaktoren)

11.1.5 Mittlerer und maximaler Tagesbedarf Für den maximalen Stundenbedarf gilt:

Der tägliche Wasserbedarf wird von verschiedenen Qhmax = fh x Qhm


Einflüssen, wie Tagestemperatur, Dauer von
Trockenperioden, Wachstumsperiode, Zusammen- • Berechnung von Qhmax anhand von maximalen
setzung der Wasserverbraucher, Schulferien, Stundenprozentwerten stmax
Wochentag und anderer Faktoren beeinflusst. Wer-
den die gemessenen Tagesverbräuche in Form Für die Berechnung des maximalen Stundenbe-
einer Dauerlinie geordnet, zeigt sich, dass an rund darfs anhand von Stundenprozentwerten gilt:
300 Tagen im Jahr etwa der mittlere Tagesbedarf
abgegeben wird. Nur an wenigen Tagen ist mehr Qhmax = Qdmax x stmax /100
Wasser bereitzustellen. Abweichungen von dieser
Tendenz sind zu erwarten, z. B.

36 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
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8,0
7,0
6,0
Faktor

5,0
Stundenspitzenfaktor fhh
4,0
3,0
2,0
1,0 Tagesspitzenfaktor ffdd

0,0
1000 10000 100000 1000000

Anzahl Einwohner

Bild 10 – Spitzenfaktoren fh und fd in Abhängigkeit von der Anzahl der Einwohner

12,0
maximaler Stundenprozentwert st

10,0

y = 27,837x-0,1247
8,0

6,0

4,0
1000 10000 100000 1000000
Einwohner

Bild 11 – Maximaler Stundenprozentwert stmax in Abhängigkeit von der Anzahl der Einwohner

In Bild 11 ist die empirische Abhängigkeit zwischen Für die Berechnung des maximalen Stunden-
den maximalen Stundenprozentwerten stmax von bedarfs anhand des einwohnerbezogenen maxi-
der Anzahl der Einwohner dargestellt. malen Stundenverbrauchs gilt:

• Berechnung von Qhmax anhand des einwohner- Qhmax = 3,6 x qhmax x E in m3 /h mit qhmax in l/(E x s)
bezogenen maximalen Stundenverbrauchs

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1,000

maximaler
einwohnerbezogenermaximaler
I/(Exs)

0,100
Stundenverbrauchin in
einwohnerbezogener
Stundenverbrauch

0,010

0,001

1 10 100 1000 10000 100000


Einwohner

Bild 12 – Zusammenhang zwischen der Anzahl der Einwohner und dem zugehörigen einwohner-
bezogenen maximalen Stundenbedarf

In Bild 12 ist die empirische Abhängigkeit zwischen technischen Möglichkeiten. Es begründet keine
dem einwohnerbezogenen maximalen Stundenbe- Rechtspflichten, insbesondere nicht zwischen Ge-
darf qhmax und der Anzahl E der Einwohner darge- meinde und Wasserversorgungsunternehmen.
stellt.
Die zunehmende Dominanz des Löschwasserbe-
11.1.7 Bemessung nach Funktion der Leitung darfes als Bemessungsgröße für periphere Netzteile
und Endstrange erhöht die Verweilzeit des Trink-
Versorgungs- und Hauptleitungen werden hydrau- wassers im Rohrnetz.
lisch gleich behandelt. Das gesamte Rohrnetz wird
höchstens für den Stundenbedarf entsprechend Zur Erhaltung der Trinkwassergüte ist daher im Ein-
nach 11.1.3 und 11.1.6 bemessen. zelfall abzuwägen, ob bei einer Leitungsbemes-
sung die Löschwasserbereitstellung berücksichtigt
Für die Bemessung von Zubringerleitungen sind werden kann (Stagnationsrisiko).
das Speichervermögen und die Betriebsweise der
nachgeschalteten Trinkwasserbehälter von ent- Soweit es die hygienischen Belange zulassen, ist
scheidender Bedeutung. Der maßgebende Durch- bei der Bemessung der Wasserleitungen von dem
fluss für diese Leitungen ist dann eine Funktion der vereinbarten Anteil des Löschwasserbedarfes und
Abflussganglinie des für den Ausgleich nutzbaren dem Verbrauch während der Spitzenstunde eines
Behälterraumes und der geplanten Zuflussgang- mittleren Verbrauchstages auszugehen.
linie (Förderbetrieb).
11.2 Fließgeschwindigkeiten
Wasseranschlussleitungen werden nach DVGW
W 404 (M) bemessen. Die Fließgeschwindigkeit in Rohrleitungen beein-
flusst nicht nur die Wirtschaftlichkeit einer Versor-
11.1.8 Bereitstellung von Löschwasser durch gungsanlage, sie hat auch großen Einfluss auf die
die öffentliche Wasserversorgung Betriebssicherheit.

Nach den für den Brandschutz geltenden Rechts- Hohe Fließgeschwindigkeiten führen zu erheblichen
vorschriften der einzelnen Bundesländer ist der Druckverlusten. Große Geschwindigkeitsänderungen
Brandschutz eine Aufgabe der Gemeinden. DVGW verursachen hohe dynamische Druckänderungen und
W 405 (A) beschränkt sich auf die Darstellung der ggf. auch Wassertrübungen durch Aufwirbelungen.

38 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
Geringe Fließgeschwindigkeiten haben lange Ver- zu vermeiden, sollten in Verteilernetzen Fließge-
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weilzeiten zur Folge. Hier ist auf einen ausreichen- schwindigkeiten beim mittleren Stundendurchfluss
den Wasseraustausch aus hygienischen Gründen (Durchfluss bei mittlerem Stundenbedarf) den Wert
(Wassertrübung, Verkeimung) zu achten. von 0,005 m/s (= 18 m/h = 432 m/d) nicht unter-
schreiten. Hierbei wird beispielsweise das Wasser-
Leitungsabschnitte mit geringem Druckgefälle ent- volumen
lüften sich bei kleinen Fließgeschwindigkeiten häufig
unzureichend. • einer 430 m langen Wasserleitung innerhalb
eines Tages
Vor allem bei langen Druckleitungen gewinnt die
Fließgeschwindigkeit entscheidenden Einfluss auf • einer 1.300 m langen Wasserleitung innerhalb
die Wirtschaftlichkeit der gesamten Versorgungs- von 3 Tagen
anlage. In solchen Fällen ist immer die technisch
und wirtschaftlich günstigste Lösung zu wählen. erneuert.

Für die Bemessung der Leitungen gelten folgende 11.3 Hydraulische Berechnung
Fließgeschwindigkeiten (Richtwerte):
11.3.1 Allgemeines
Zutrittsgeschwindigkeiten
im Entnahmebauwerk: 0,2 – 0,5 m/s Zur Untersuchung der komplexen Zusammen-
hänge zwischen Systemkonfiguration, Wasser- und
Entnahmeleitungen: 1,0 – 1,5 m/s Löschwasserbedarf, Druck und Durchfluss inner-
halb eines Rohrnetzes muss eine Rohrnetzanalyse
Steigleitungen in Brunnen als durchgeführt werden.
Pumpendruckleitungen: 1,5 – 2,5 m/s
Vor der Durchführung einer Rohrnetzanalyse sind
Pumpendruckleitungen: 1,0 – 2,0 m/s die Zielsetzungen klar zu definieren. Grundsätzlich
müssen Berechnungsmodelle auf alle relevanten
Pumpensaugleitungen: 0,5 – 1,0 m/s Systemzustände unter Berücksichtigung von hohen,
durchschnittlichen und niedrigen Netzbelastungen
Fallleitungen (Verbräuchen) ausgerichtet sein.
(Abgang Hochbehälter): 1,0 – 1,5 m/s
11.3.2 Berechnungsverfahren
Fallleitungen mit Druckerhöhung
während der Höchstbelastung:  2,0 m/s Für die Ermittlung des Druckverlustes in Rohrlei-
tungen und Rohrnetzen gilt das DVGW W 302 (A).
Hauptleitungen und Versorgungs-
leitungen in Verteilungsnetzen:  1,0 m/s Für die Berechnung von Rohrnetzen mit elektro-
nischen Datenverarbeitungsanlagen gilt das DVGW
Anschlussleitungen:  2,0 m/s GW 303 (A).

Um die möglichen Folgen einer Stagnation des 11.3.3 Stationäre Zustände


Trinkwassers bzgl.
Für die maßgebenden Betriebszustände bestehen-
• Trübung und Verfärbung der Leitungen sind

• Geschmacksbeeinträchtigung • die Fließgeschwindigkeiten,

• Ablagerung • das Druckgefälle und

• Verkeimung • die Betriebsdrücke

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 39
zu errechnen. Für geplante Leitungen sind die Rohr- • hydraulische Rauheit k1 unter Einbeziehung der
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nennweiten unter Einhaltung von Druckbedin- Einflüsse von Rohren und Rohrverbindungen (gilt
gungen und den Richtwerten für Fließgeschwindig- i. d. R. für Einzelleitungen)
keiten zu ermitteln.
oder die
11.3.4 Instationäre Zustände
• hydraulische Rauheit k2 unter Einbeziehung der
Jede Verzögerung einer sich bewegenden Wasser- Einflüsse von Rohren, Rohrverbindungen, Form-
säule führt zur Umwandlung von Bewegungsener- stücken und Armaturen (gilt i. d. R. für Netze)
gie in Lageenergie, jede Beschleunigung zur Um-
wandlung von Lageenergie in Bewegungsenergie. Wenn k1 verwendet wird, sind die Einzelverluste zu
Solche Änderungen äußern sich als Druckschwan- berücksichtigen.
kungen, die sich wellenförmig ausbreiten.
Als praktikabel haben sich bei der Durchführung
Für die Zubringerleitungen sind die Beanspruchun- von Rohrnetzanalysen die Ermittlung der hydrau-
gen zu ermitteln, die durch Schalt-, Steuer- und lischen Rauheit k2 (auch als integrale Rauheit be-
Regelvorgänge an Pumpen und Armaturen oder in zeichnet) bzw. auch die Ermittlung der effektiven
Störfällen (z. B. bei Pumpenausfall oder plötz- Durchmesser erwiesen. Sie ergeben sich für ein
lichem Abschluss von Armaturen) hervorgerufen Rohrnetz oder einen Rohrnetzteil aus dem Ver-
werden [vgl. 10.2 und DVGW W 303 (M)]. gleich und dem Abgleich gemessener und errech-
neter Drücke und Mengen.
Im Rohrnetz können dynamische Druckänderun-
gen (Druckstöße) z. B. beim Bedienen von Ent- Zu möglichen langfristigen Erhöhungen der Rau-
nahmeeinrichtungen entstehen. Beobachtungen heit siehe DVGW GW 303 (A)].
und Messungen zeigen, dass die von Entnahme-
stellen ausgehenden dynamischen Druckänderun-
gen im Rohrnetz stark gedämpft werden. Diese 12 Mindest- (Schutz) Abstände
Abminderung wird verursacht durch: zu Bauwerken und anderen
Leitungen
• vielfach überlagerte Teilreflektionen an Quer-
schnittserweiterungen und an Verzweigungen. 12.1 Allgemeines

• die dämpfende Wirkung geöffneter Entnahme- Die Abstände zu unterirdischen Anlagen sind unter
stellen. Berücksichtigung folgender Schutzziele festgelegt:

• die erhöhte Elastizität des Rohrnetzes, vorwie- • Verhinderung von unzulässigen Kraftübertragun-
gend infolge zahlreicher unvermeidbarer Luft- gen,
einschlüsse, z. B. an Muffen.
• keine unzulässigen Temperaturbeeinflussungen,
• Reibung. z. B. durch Fernwärmeleitungen und Kabel,

Druckschwankungen infolge von Geschwindig- • Sicherstellung des ausreichenden Arbeitsraumes


keitsänderungen können demnach bei vermaschten für Verlegung und Instandsetzung,
Verteilungsnetzen in der Regel ohne gesonderten
Nachweis in Form eines Zuschlags von (etwa) 2 bar • Einhaltung eines Sicherheitsabstandes zur Ver-
bei der Wahl des Systembetriebsdruckes berück- meidung von gefährlichen Berührungen bzw. von
sichtigt werden. Näherungen zwischen Rohrleitungen und Kabeln,

11.3.5 Hydraulische Rauheit • elektrisch wirksame Trennung von allen anderen


metallenen Leitern im Hinblick auf den katho-
Die in der hydraulischen Berechnung zu berück- dischen Korrosionsschutz,
sichtigende hydraulische Rauheit k ist entweder die

40 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
• ausreichender Abstand zu Abwasserleitungen durch geeignete Maßnahmen, z. B. Verlegung im
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zur Vermeidung des Eindiffundierens von Schad- Schutzrohr, ein direkter Kontakt zu verhindern.
stoffen und des Eindringens von Keimen.
Der Abstand zu Fernleitungen sollte mindestens
Es ist auch darauf zu achten, dass die Standsicher- 1,0 m betragen. Bei kleineren Abständen sind be-
heit anderer Anlagen (z. B. bruchgefährdete Leitun- sondere Maßnahmen zu treffen. Ist für die Leitung
gen) durch Aushub-, Verdichtungs- oder Rohrlei- eine Dienstbarkeit im Grundbuch eingetragen, gel-
tungsbauarbeiten nicht beeinträchtigt wird. ten die dort festgelegten Bedingungen (Schutz-
streifenbreiten).
Bruchgefährdete Leitungen (z. B. Grauguss, As-
bestzement) dürfen ohne Zustimmung des jeweili- Zur Vermeidung einer Lichtbogenbildung im Fehler-
gen Leitungsbetreibers nicht freigelegt werden. Der fall muss bei metallischen Rohren mit/ohne Kunst-
horizontale Abstand vom Baugraben zu höher lie- stoffumhüllung bei der Unterschreitung des Min-
genden Leitungen ist in DVGW W 380 (M) geregelt. destabstandes von 0,20 m zu Stromkabeln durch
den Einbau geeigneter Bauteile ist die elektrische
Bei Einsatz bodenverdrängender grabenloser Trennung zu sichern und unzulässige Induktion von
Bauverfahren, z. B. Press-/Ziehverfahren [DVGW Wechselspannungsströmen zu verhindern.
GW 322 (A)], Berstliningverfahren [DVGW GW 323 (M)],
können sich aufgrund der besonderen Bauweise Bei Kunststoffrohren ist bei der Unterschreitung
größere als die folgenden Abstände zu Bauwerken des Mindestabstandes von 0,20 m zu Stromkabeln
ergeben. Die entsprechenden Arbeitsblätter sind eine ausreichende Wärmedämmung vorzusehen.
zu beachten.
Die erforderlichen Maßnahmen sind mit den jewei-
12.2 Abstand zu Bauwerken ligen Leitungsbetreibern abzustimmen.

Unter üblichen Umständen darf der waagerechte 12.4 Kreuzungen mit anderen
lichte Abstand von 0,40 m zu Fundamenten u. ä. Rohrleitungen und Kabeln
unterirdischer Anlagen nicht unterschritten werden.
Bei Zubringer- und Fernleitungen darf ein Mindest- Bei Kreuzungen mit Rohrleitungen oder Kabeln ist
abstand von 1,0 m nicht unterschritten werden. Ist ein Mindestabstand von 0,20 m (bei Fernleitungen
für die Leitung eine Dienstbarkeit im Grundbuch 0,40 m) einzuhalten. Ist dies nicht möglich, muss
eingetragen, gelten die dort festgelegten Bedin- ein direkter Kontakt durch geeignete Maßnahmen,
gungen (Schutzstreifenbreiten). z. B. durch Zwischenlegen elektrisch nicht leitender
Schalen oder Platten, verhindert werden. Eine
Der senkrechte Abstand ist so zu wählen, dass die Kraftübertragung ist auszuschließen.
Anforderungen nach 12.4 erfüllt werden.
Bei Kunststoffrohren ist bei der Unterschreitung
12.3 Parallelverlegung von des Mindestabstandes von 0,20 m zu Stromkabeln
Rohrleitungen und Kabeln eine ausreichende Wärmedämmung vorzusehen.

Bei seitlichen Näherungen oder Parallelführungen Die erforderlichen Maßnahmen sind mit den jewei-
mit anderen Rohrleitungen oder Kabeln sollte ein ligen Leitungsbetreibern abzustimmen.
horizontaler Abstand von 0,40 m üblicherweise
nicht unterschritten werden. 12.5 Abstand zu Betonwiderlagern

Ein horizontaler Abstand von 0,20 m muss auch an Wenn Widerlager hintergraben werden sollen, ist
Engstellen oder bei schmalen Rohrgräben einge- die Lage der Baugrube so zu planen, dass der
halten werden, es sei denn, auch dieser Mindest- zwischen Baugrube und Widerlager verbleibende
abstand kann aus der örtlichen Situation heraus Erdkörper die waagerechten Rohrleitungskräfte
nicht eingehalten werden. Muss der Abstand an sicher aufnehmen kann. Bei nicht ausreichendem
solchen Engstellen oder bei Mehrspartenhaus- Abstand sind besondere Sicherungsmaßnahmen
anschlusssystemen weiter vermindert werden, ist erforderlich, z. B. Außerbetriebnahme der Leitung

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 41
während der Dauer der Hintergrabung, zusätz- 12.9 Bepflanzungen im Bereich
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liches Abstützen des Widerlagers (z. B. durch der Rohrleitungen


Spundbohlen).
Das Führen von Leitungen innerhalb bestehender
Wenn die Sicherungsmaßnahmen zum Erhalt des Bepflanzungen ist zu vermeiden. Falls Leitungen im
vorhandenen Betonwiderlager zu kostspielig, zeit- Bereich vorhandener Baumpflanzungen gebaut
aufwendig und belästigend sind, (z. B. in stark werden, sind die Bäume zu schützen. Ausreichende
mit Ver- und Entsorgungseinrichtungen belegten Abstände zwischen Grabenwand und Stamm
Straßen von Innenstädten) ist es zweckmäßig, das müssen eingehalten werden; bei geringem Abstand
Widerlager durch längskraftschlüssige Rohrverbin- sind besondere Maßnahmen erforderlich, die mit
dungen [gemäß DVGW GW 368 (A)] zu ersetzen. der zuständigen Behörde abzustimmen sind.

12.6 Abstand zu Hochspannungs- Die Mindestabstände zwischen Trinkwasserleitun-


Freileitungen und elektrifizierte gen und Bäumen und die erforderlichen Schutz-
Bahnstrecken maßnahmen sind im DVGW GW 125 (H) festgelegt.

Bei allen Rohrleitungen im Einflussbereich von Bei Trassen im Wald sind zum Schutz des Wald-
Hochspannungsfreileitungen sind die einschlä- traufs höhenmäßig abgestufte Bepflanzungen zu
gigen VDE-Bestimmungen und die DIN-Normen zu planen. Eingriffe in den Waldtrauf sind möglichst zu
beachten. Außerdem sind die Bestimmungen der vermeiden. Solche Maßnahmen sind mit den Forst-
Richtlinie 2000 zu beachten. ämtern abzustimmen.

Die Mindestabstände zwischen Stahlrohrleitungen 12.10 Abstand zu Eisenbahnanlagen


und Hochspannungs-Freileitungen sind bei Kreu-
zungen und Parallelverlegung in den AfK-Empfeh- Für Längsführungen und Kreuzungen im Zusam-
lungen Nr. 3 angegeben. menhang mit Kreuzungsverträgen gelten die DVGW
W 305 (H) bzw. DVGW W 306 (H) sowie die Richt-
12.7 Abstand zu Fernwärmeleitungen linien 2000 Gas- und Wasserkreuzungsrichtlinien
DB AG/BGW.
Trinkwasserleitungen sind bei Näherungen zu Fern-
wärmeleitungen gegen unzulässige Wärmebeein- 12.11 Abstand zu Bundesfernstraßen
flussung zu schützen.
Bei Kreuzungen, Längsführungen innerhalb des
12.8 Abstand zu Abwasserleitungen Straßenkörpers und bei Parallelführungen sind die
Bestimmungen des Bundesfernstraßengesetzes zu
Trinkwasserleitungen sollten grundsätzlich ober- beachten. Im Rahmen des Baurechts oder nach an-
halb der Abwasserleitung liegen. Dies gilt sowohl deren Rechtsvorschriften genehmigungspflichtige
für Freispiegelkanäle als auch für Abwasserdruck- Anlagen bedürfen auch dann der Zustimmung der
leitungen. Für die einzuhaltenden Abstände gelten obersten Landesstraßenbehörde, wenn sie außer-
die Festlegungen 12.3 und 12.4. halb des Eigentums des Straßenbaulastträgers,
aber in einer Entfernung von  100 m bei Auto-
Liegt die Trinkwasserleitung in Ausnahmefällen auf bahnen bzw.  40 m bei Bundesstraßen, gemessen
gleicher Höhe oder tiefer als die Abwasserleitung, vom äußeren Rand der befestigten Fahrbahn, liegen.
so ist ein horizontaler Mindestabstand von 1,0 m
einzuhalten. Ist die Leitungstrasse durch eine 12.12 Überbauung von Wasserleitungen
Dienstbarkeit gesichert, gelten die dort festgelegten
Schutzstreifenbreiten. Grundsätzlich dürfen Wasserleitungen nicht über-
baut werden.
Trinkwasserleitungen sind im Kreuzungsbereich mit
höher liegenden Abwasser-Sammlern im Schutz-
rohr zu verlegen.

42 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
12.13 Sonderfall der Unterfahrung 13.3 Verkehrs- und Erdauflasten
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von Gebäuden
Der Einfluss von Verkehrslasten auf Rohrleitungen
In Sonderfällen (z. B. Stützmauern) sind die Leitun- nimmt mit zunehmender Überdeckung ab; der Ein-
gen im Schutzrohr zu verlegen. fluss der Erdauflast ist gegenläufig. Überdeckun-
gen zwischen 1,5 und 3 m erzeugen die geringsten
Beanspruchungen. Falls die in DIN 2460 (Stahl-
13 Überdeckung von Rohrleitung rohre) bzw. DIN EN 545 (Duktile Gussrohre) für die
Erdüberdeckung angegebenen Grenzwerte nicht
13.1 Allgemeines eingehalten werden, ist ein statischer Nachweis
erforderlich. Soweit für Rohre aus anderen Werk-
Die Höhe der Überdeckung richtet sich nach folgen- stoffen noch keine Nachweise vorliegen, die in die
den Gesichtspunkten: Normblätter eingegangen sind, können statische
Nachweise in Anlehnung an das ATV-DVWK-A 127
• Eindringtiefe des Frostes in kalten, schneearmen bzw. dem VdTÜV-Merkblatt 1063 geführt werden.
Wintern
13.4 Übliche Überdeckungshöhen
• Erwärmung des Erdreiches durch Sonnenein- für Rohrleitungen und Kabel
strahlung
Die Gefahr der Beschädigung durch Baumaßnah-
• Durchfluss in der Rohrleitung men wird mit zunehmender Überdeckung kleiner.
Sollten die nachfolgenden Überdeckungshöhen im
• Belastung durch Verkehr und Erdauflast Bauzustand unterschritten werden, sind besondere
Vorkehrungen zu treffen.
• Bodenart, Bodenfeuchte, Oberflächenbeschaffen-
heit Im Hinblick auf Kreuzungen mit anderen Anlagen
(Rohrleitungen, Kabeln) ist die Einhaltung von
• Rücksicht auf kreuzende Anlagen Höhenzonen in bebauten Gebieten zweckmäßig
(siehe hierzu auch DIN 1998):
13.2 Schutz vor Einfrieren und Erwärmen
• Wasserrohrleitungen: 0,9 bis 1,8 m
Das notwendige Maß der Überdeckung ist abhängig
von: • Kabel: bis 0,70 m

• der Frost-/Wärmeeindringtiefe. • Gasrohrleitungen: 0,60 bis 1,3 m

• dem Temperatureinfluss des Trinkwassers. • Abwasserkanäle: mindestens 2,0 m


Überdeckung.
• dem Wärmeschutz durch zusätzliche Isolierung.
Bei Leitungsführungen in landwirtschaftlich genutz-
Die Frosteindringtiefen sind örtlich sehr verschie- tem Gelände empfiehlt sich eine Überdeckungs-
den. Maßgebend ist lang anhaltender Frost in kalten höhe für Rohrleitungen und Kabel von mindestens
Wintern. Unter schneefrei gehaltenen Straßen 1,20 m.
dringt der Frost tiefer ein als unter wärmedämmen-
den Schneedecken. Der Wärmenachschub hängt Aus wirtschaftlichen und bautechnischen Gründen
von der Wassertemperatur und dem Durchfluss ab. können Gas- und Wasserrohrleitungen im gemein-
samen Graben auf der gleichen Sohlhöhe eingebaut
Weitere Hinweise für die Ermittlung der erforder- werden.
lichen Verlegetiefen von Wasseranschlussleitungen
gibt DVGW W 397 (H).

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 43
14 Besondere Hinweise • zur Nutzung eines ständig vorhandenen Druckge-
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für einzelne Anlagenteile fälles, das sich aus Zwangspunkten im Längen-


schnitt (z. B. Überwindung eines Gebirgsrückens,
14.1 Rohwasserleitungen Überleitung in eine Tiefzone) ergibt.

Rohwasserleitungen können Saug-, Fall- oder Steigende Energiepreise ermöglichen die wirtschaft-
Druckleitungen und in Einzelfällen Heberleitungen liche Nutzung auch kleiner Energieangebote. Vor-
sein, die der Entnahme von Quell-, Brunnen- und aussetzung für die Energierückgewinnung ist, dass
Oberflächenwasser dienen. die Möglichkeit zur Abgabe elektrischer Energie in
das Netz eines EVU besteht. Bei der Neuplanung
Bei metallenen Rohren ist ein auf das jeweilige von Zubringerleitungen sollte die Energierückgewin-
Wasser abgestimmter Innenschutz [siehe DVGW nung in den Wirtschaftlichkeitsvergleich einbezogen
W 346 (A), DVGW W 347 (A), DIN 2614, DIN 2880 werden.
und DIN EN 545] sowie eine sorgfältige Werkstoff-
auswahl erforderlich. Rohre und Armaturen sind 14.3 Übergabe aus Fernleitungen
gegebenenfalls auch auf Unterdrücke auszulegen.
14.3.1 Übergabestellen
Da Ablagerungen oft nicht vermeidbar sind, ist es
zweckmäßig, die Leitungen molchbar zu planen. Übergabestellen verbinden Zubringerleitungen
überörtlicher Versorgungssysteme mit örtlichen
Der Längenschnitt von Brunnen- und Entnahme- Versorgungsanlagen. An dieser Übergabestelle
leitungen ist so zu gestalten, dass der Einbau von sind die Anlagen so zu trennen, dass unzulässige
Be- und Entlüftungen möglichst entbehrlich ist. gegenseitige Beeinflussungen ausgeschlossen sind.
Falls diese unvermeidbar sind, ist auf eine korro-
sionsbeständige, gegen Ablagerungen unempfind- Bei der Planung sind technische Gesichtspunkte
liche Ausführung zu achten. und – da es sich i. d. R. um unterschiedliche Versor-
gungsunternehmen handelt – die im Liefervertrag
Absperrmöglichkeiten sind unmittelbar am Brunnen- getroffenen Vereinbarungen aufeinander abzustim-
kopf und bei Entnahmeleitungen möglichst nahe an men. Hierbei sind auch Haftungsgründe zu be-
der Entnahmestelle, hochwasserfrei und gut zu- achten.
gänglich anzuordnen. Die Absperreinrichtungen
müssen gegen Ablagerungen unempfindlich sein. Zwei grundsätzliche Arten von Übergabestellen
Auf der Druckseite der Pumpen ist ein Rückfluss- sind zu unterscheiden:
verhinderer vorzusehen.
• Übergabe in einen Trinkwasserbehälter der ört-
Bei der Führung von Brunnenleitungen muss die lichen Versorgung (indirekte Einspeisung)
Beschaffenheit des Untergrundes im Fassungsge- Durch eine Einspeisung über dem Wasserspiegel
biet und im Entnahmebereich besonders beachtet ist eine einwandfreie Trennung der Systeme ge-
werden. Bei Baumaßnahmen im Wasserschutz- währleistet. Vorkehrungen gegen unzulässige
gebiet ist DVGW W 101 (A) zu beachten, z. B. sind Druckstöße sind in der Regeln nicht erforderlich.
Einschnitte in gering mächtige Deckschichten im
Fassungsbereich zu vermeiden. • Übergabe in ein Rohrnetz (direkte Einspeisung)
Eine hydraulische Entkopplung der Systeme ist hier
14.2 Energierückgewinnung nicht gegeben. Bei Druckunterschieden Zwischen der
Fernleitung und dem Ortsnetz muss eine Druckan-
Die Rückgewinnung von Energie kann zweckmäßig passung erfolgen (Druckminderer, Pumpen). Die Not-
sein [siehe auch DVGW W 613 (M)] wendigkeit von Einrichtungen zur Begrenzung von
Druckstößen muss geprüft werden. Solche Anlagen
• zur Nutzung eines vorhandenen Restüberdruckes sind in einem Bauwerk (z. B. Schacht) gemeinsam mit
bei nur teilweiser Inanspruchnahme des Druck- der Zähleranlage, der Einrichtung zur Probenahme,
gefälles; der Absperrarmatur und dem ggf. vorzusehenden
Rückflussverhinderer unterzubringen.

44 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
Folgende weitere Einrichtungen sind zu empfehlen: Messwerte im Rohrnetz geben Aufschluss über den
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Belastungszustand. Sie können auch Hinweise über


• Be- und Entlüftung, Entleerung Störungen und Wasserverluste, sowie über lang-
fristige Verlagerungen von Verbrauchsschwerpunk-
• Durchflussmessung ten geben. Lage, Anzahl und Ausrüstung sollten
sich nach der Größe, der Aufgabenstellung und den
• Einrichtung zur Leistungsbegrenzung Besonderheiten des zugeordneten Rohrnetzteiles
richten.
• Steuer- und Regeleinrichtung
Im Hinblick auf die Größe der Messbezirke zur
• Druckmessstelle und Probenahmestelle Wasserverlustüberwachung ist DVGW W 392 (A) zu
beachten.
Wichtige Übergabestellen sind in das Betriebs-
fernmelde- und Fernwirknetz so einzubinden, dass Jede Messstelle für das Rohrnetz sollte verkehrs-
eine ständige Überwachung und Steuerung der sicher liegen und gut zugänglich sein. Es ist zu
Wasserlieferung möglich ist. berücksichtigen, dass Überwachungsmessungen
auch nachts durchführbar sein müssen. Für wichtige
14.3.2 Anlagen zur Mischung von Messstellen ist eine Fernübertragung der Mess-
unterschiedlichen Wässern daten sinnvoll.

Bei der Verbindung von Versorgungssystemen mit 14.5 Zusätzliche Verteilungsnetze für
unterschiedlichen Wässern gelten die Anforderun- Nicht-Trinkwasser (Brauchwasser)
gen gemäß DVGW W 216 (A) „Versorgung mit unter-
schiedlichen Wässern“. Zusätzliche Verteilungsnetze für Nicht-Trinkwasser
sind unabhängige Anlagen, die neben Trinkwasser-
Vor Planung und Bau ist zu prüfen, ob sich Eigenwas- rohrnetzen betrieben werden und Kunden (z. B. In-
ser und Fremdwasser problemlos mischen lassen. dustriekunden) mit Nicht-Trinkwasser versorgen.

Bei unterschiedlichen Wässern sind besondere Eine Verbindung zwischen Trinkwasserversor-


Maßnahmen erforderlich z. B.: gungssystemen und solchen, die kein Trinkwasser,
andere Flüssigkeiten oder Gas enthalten, ist unzu-
• Trennen des Versorgungsgebietes in Versorgungs- lässig. Dies gilt nicht bei Zwischenschaltung von
zonen für Fremd- und Eigenwasser. Einrichtungen mit freiem Auslauf (siehe DIN 1988,
DIN 1989-1, TrinkwV).
• zusätzliche Aufbereitung des Fremd- oder des
Eigenwassers, so dass Mischen möglich wird. Eine besondere Kennzeichnung der Rohre, Absperr-
armaturen und Hydranten von Nicht-Trinkwasser-
• gemeinsame Aufbereitung von Fremd- und Eigen- leitungen ist im Planwerk und vor Ort erforderlich.
wasser.
14.6 Versorgungstunnel
• Mischen von Fremd- und Eigenwasser in einem
verträglichen Verhältnis. Versorgungstunnel sind nur auf kurzen Abschnitten
und im Sonderfall anzuordnen.
Aufbereiten und Mischen erfordern in der Regel
Behälter mit freiem Wasserspiegel. Versorgungstunnel sind begehbare unterirdische
Bauwerke, in denen Ver- und Entsorgungsleitungen
14.4 Einrichtung zu Messzwecken sowie Kabel zusammengefasst werden. Wartungs-
und Instandsetzungsarbeiten lassen sich ohne Be-
In Abhängigkeit von der Größe und Gestalt eines hinderung des Straßenverkehrs ausführen. Die
Rohrnetzes oder Versorgungsgebietes sind bei der Arbeiten werden jedoch in der Regel durch die
Planung auch Einrichtungen zu Messzwecken vor- beengten räumlichen Verhältnisse im Tunnel er-
zusehen. schwert.

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 45
Bei der Planung ist besonders zu beachten: Tabelle 6 – Druckbedingungen für die Auswahl
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von Rohrleitungsteilen
• Leitungen sind längskraftschlüssig zu planen.
Rohrleitungsteile System
• Für Wand- und Deckendurchführungen ist sicher- PFA  DP
zustellen, dass sich Rohrleitungen und Bauwerk PMA  MDP
unabhängig bewegen können. Die Durchführun- PEA  STP
gen sind dauerhaft abzudichten.  0,8 bar Unterdruck  0,8 bar Unterdruck

• Die Beeinflussung der Wassertemperatur durch Es sind Rohre mit dem DVGW-Zertifizierungs-
warmgehende Leitungen oder Kaltluft (Ent- und zeichen (soweit spezielle Prüfanforderungen be-
Belüftung) und die Schwitzwasserbildung an den stehen) zu verwenden.
Rohren sind durch ausreichende Wärmedäm-
mung oder andere Maßnahmen zu verhindern. Die Wahl der Rohrleitungsteile und Rohrwerkstoffe
richtet sich ferner nach den technischen Anforde-
• Im Falle von Rohrschäden muss austretendes rungen an die Rohrleitung unter Berücksichtigung
Wasser möglichst schadlos abgeleitet werden. der im Rohrnetz bereits vorhandenen Rohrwerk-
stoffe (z. B. Sicherstellung der durchgehenden elek-
• Der von elektrischen Anlagen ausgehenden Ge- trischen Längsleitfähigkeit bei kathodischem Korro-
fährdung ist durch vorbeugende Maßnahmen zu sionsschutz), dem vorhandenen Fachpersonal und
begegnen. den vorliegenden Betriebserfahrungen.

• Der lichte Querschnitt der Einstiege und des Ver- Die Auswahl von Rohren, Formstücken, Zubehör
sorgungstunnels ist so zu bemessen, dass genü- und Verbindungen wird wesentlich bestimmt
gend Platz für Bau, Instandsetzung und Erneue- durch
rung der Rohrleitungen vorhanden ist.
• die zu erwartenden inneren und äußeren Be-
• Die Hauptabsperrarmaturen sollten oberirdisch lastungen.
bedienbar sein.
• die örtlich vorhandenen Baugrundverhältnisse
(ggf. Bergbaueinwirkungen).
15 Auswahl von Rohren
und Formstücken • die Korrosionswahrscheinlichkeit durch den um-
gebenden Boden und die elektrochemischen Be-
15.1 Grundsätzliches lastungen.

15.1.1 Hygienische Anforderungen • die Leitungsführung.

Für die erforderliche chemische, mikrobiologische • das Einbauverfahren.


und gesundheitliche Unbedenklichkeit der Werk-
stoffe, Anstriche und Beschichtungen für sämtliche • die je nach Werkstoff unterschiedlichen Anforde-
vom Trinkwasser benetzten Flächen gilt 5.2. rungen an das Fachpersonal.

15.1.2 Allgemeine technische und • die Möglichkeit zur nachträglichen Herstellung


wirtschaftliche Anforderungen von Anschlüssen und Abzweigen.

Grundsätzlich gilt für die Auswahl der Rohrleitungs- • die Betriebskosten über die gesamte Nutzungs-
teile hinsichtlich der Druckbedingungen Tabelle 6. dauer.

• den Instandhaltungsaufwand.

• die geplante Nutzungsdauer.

46 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
• die Wasserbeschaffenheit. Innenschutz mit Zementmörtel ist die Regelaus-
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führung (vgl. DVGW VP 637 und DVGW VP 545).


• die Frost- und Wärmeeinwirkung.
Die Wahl des Außenschutzes von Rohrleitungen und
15.1.3 Statische Bemessung Formstücken aus metallenen Werkstoffen hat nach
DIN 30675-1 bzw. -2 zu erfolgen. Die Bitumen-
Rohre und Formstücke, die den nachfolgend auf- beschichtung von Formstücken sowie der Verbin-
geführten Normen entsprechen und das DVGW- dungsbereich von Rohren aus duktilem Gusseisen
Zeichen tragen, sind für die im Betrieb auftreten- muss den Anforderungen des DVGW W 348 (A)
den inneren (siehe Abschnitt 10) und üblichen genügen.
äußeren Belastungen (siehe Abschnitt 13 und 15.3)
ausgelegt. Der Außenschutz von Armaturen ist in Abhängig-
keit von der Bodengruppe mindestens gemäß
Für davon abweichende Lastfälle ist der statische DIN 30677-1 bzw. -2 auszuführen.
Nachweis nach ATV-DVWK-A 127 bzw. VdTÜV 1063
zu führen. In städtischen Verteilungsnetzen aus metallenen
Werkstoffen sind ohne Kenntnis der Bodenklasse
Die sich aus den Richtungsänderungen oder Ab- nur Umhüllungen einzusetzen, die für Bodenklasse III
zweigungen der Rohrleitungen ergebenden Kräfte (nach DIN 50929-3) geeignet sind. Formstücke aus
müssen durch entsprechende bemessene Widerla- duktilem Gusseisen sind mit Epoxydharzbeschich-
ger [DVGW GW 310 (A)] oder längskraftschlüssige tung nach prEN 14901 auszuführen.
Verbindungen [z. B. Schweißung, DVGW GW 368
(A)] sicher in den Untergrund abgeleitet werden. In Eine Sandumhüllung im Sinne einer korrosions-
innerstädtischen Bereichen, die stark mit Ver- und schutzgerechten Bettung (siehe DIN 30675-1 bzw.
Entsorgungseinrichtungen belegt sind, sind längs- -2) verliert u. a. ihre passive Korrosionsschutz-
kraftschlüssige Rohrverbindungen zu bevorzugen. wirkung, falls häufig aggressives Wasser zuströmt
und bei Drainagewirkung.
15.1.4 Innen- und Außenschutz gegen Korrosion
Die passive Korrosionsschutzschicht darf nicht
15.1.4.1 Allgemeines verletzt werden. Im Falle einer Verletzung ist die
entstandene Fehlstelle nach DVGW GW 14 (M) aus-
Sämtliche Rohrleitungsteile müssen für die Dauer zubessern. Es ist darauf zu achten, dass bei Verle-
ihrer Betriebszeit den zu erwartenden Korrosions- gung und Verfüllung des Rohrgrabens geeignetes
angriffen standhalten. Die für die jeweiligen Werk- Material eingesetzt wird [siehe DVGW W 400-2 (A)].
stoffgruppen von Rohrleitungsteilen und Armaturen Für zementmörtelumhüllte Rohrleitungen kann
üblichen passiven Schutzmaßnahmen sind im i. d. R. das anstehende Bodenmaterial wieder ver-
nachfolgenden Abschnitt sowie in 15.2 und 15.3 wendet werden.
aufgeführt. Ausführungen zum aktiven Korrosions-
schutz finden sich in 15.1.4.3. Bei der Verlegung der Rohrleitung aus metallischen
Werkstoffen ist darauf zu achten, dass dauerhaft
Kunststoffrohre bedürfen bei ordnungsgemäßer metallleitende Kontakte zu anderen niederohmig
Handhabung (Lagerung, Transport und Einbau- geerdeten Anlagen vermieden werden. Dies ist be-
bedingungen) keines zusätzlichen Außenschutzes sonders auch bei in die Rohrleitung eingebauten
gegen Korrosion. Armaturen mit elektrischem Antrieb zu beachten.

15.1.4.2 Passiver Korrosionsschutz 15.1.4.3 Aktiver Korrosionsschutz

Für den Innenschutz metallener Rohre mit dessen Erdverlegte Stahlrohrleitungen einschließlich der
Anwendungsgrenzen gelten die Arbeitsblätter Armaturen, die über längere Strecken durchgehend
DVGW W 346 (A), DVGW W 347 (A) sowie DIN 2614, elektrisch längsleitfähig sind, können zusätzlich
DIN 2880 bzw. prEN 10928 (für Stahlrohre) und DIN kathodisch gegen Außenkorrosion geschützt wer-
EN 545 (für Rohre aus duktilem Gusseisen). Der den. Der kathodische Korrosionsschutz ermöglicht

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 47
es auch Fehlstellen, die sich beim späteren Betrieb
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der Rohrleitung ergeben können, zu erkennen (z. B.


größere Umhüllungsschäden bei Fremdaufgra-
bungen, Zufallskontakte mit Fremdkathoden).

Die Planung und Einrichtung eines kathodischen


Korrosionsschutzes erfolgt nach DVGW GW 12 (A),
seine Inbetriebnahme ist nach DVGW GW 10 (A)
durchzuführen.

15.2 Übersicht über einzusetzende


Rohre und Formstücke

Eine Übersicht über die zulässigen Rohre und


Formstücke gibt die Tabelle 7. Darin sind die Grund-
normen aufgeführt. Weitergehende Detailnormen,
auf die diese Grundnormen verweisen, sind nicht
explizit aufgelistet.

48 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
Tabelle 7 – Übersicht über Rohre und Formstücke
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Duktiles PE 80 PE-Xa a) PVC-U a) Stahl GFK


Gusseisen und PE 100 a)
Produktnormen DIN EN 545 DIN EN 12201-2 DIN 16892 DIN EN 1452-2 DIN EN 10224 prEN 14364
und Lieferbe- DVGW VP 545 DIN 8074 DIN 16893 DIN 8061 DIN 2460 DIN 16869
dingungen für DIN 8075 GW 335-A3 DIN 8062 DVGW VP 637 DVGW VP 615
Rohre GW 335-A2 GW 335-A1
Umhüllungen DIN EN 545 DIN 2460
DVG VP 545 DIN 30670
peEN 14628 -------------- -------------- -------------- GW 340 --------------
DIN 30674-2 DVGW VP 637
DIN 30674-3 b)
Auskleidungen DIN EN 545 DIN 2460
DVGW VP 545 -------------- -------------- -------------- DIN 2614 --------------
DVGW VP 637
Produktnormen DIN EN 545 DIN EN 12201-3 DIN EN 12201-3 DIN EN 12842 DIN EN 10224 prEN 14364
und Lieferbe- prEN 14525 DIN EN 12842 DIN EN 12842 DIN EN 1452-3 DIN 2460 DIN 19565
dingungen für DIN 28650 DIN 16963-3 DIN EN 16963-5 DIN 8063-1 DIN 2609 DVGW VP 615
Formstücke DVGW VP 545 DIN 16963-4 DIN EN 16963-7 DIN 8063-4 DVGW VP 637
DIN 16963-5 GW 335-B2 DIN 8063-5
DIN 16963-6 DIN 8063-12
DIN 16963-7
GW 335-B2
Korrosions- DIN EN 545 DIN 2460
schutz für prEN 14901 DIN 2614
Formstücke DIN 3475 -------------- -------------- -------------- DVGW VP 637 --------------
DIN 3476
DVGW VP 545
zulässige SDR DIN EN 545 PE 80: SDR 7,4 bis  DN 110: Standardnenn-
bzw. Wand- DVGW VP 545 SDR 7,4 bis 20 bar SDR 13,6 bis steifigkeitsklasse
dickenklasse 20 bar SDR 11 bis 16 bar --------------
SDR 11 bis 12,5 bar SDR 21 bis SN 2500
12,5 bar 10 bar
PE 100: SDR 34,4 bis SN 5000
SDR 11 bis 6 bar
16 bar  DN 110: SN 10000
SDR 17 bis SDR 13,6 bis
10 bar c) 20 bar
SDR 21 bis
12,5 bar
SDR 34,4 bis
7,5 bar
Ausführung DIN 28 601 DIN EN 12201-2 DIN EN 12201-2 DIN EN 1452-2 DIN EN 10311 DIN 19565
der Enden von DIN 28 602 DIN 2460 prEN 14364
Rohren und DIN 28 603 GW 368
Formstücken GW 368 DVGW VP 637
DVGW VP 545
DIN EN 1092-2
übliche Durch- DN 80-2000 DN  630 c) DN  250 DN  400 Spiral- und DN 150-2400
messer für zugfeste Ver- längsnaht-
bindungen gilt geschweißte
GW 368 Stahlrohre:
DN 80-2000
nahtlose Stahl-
rohre:
DN 80-500

a) Es ist darauf zu achten, dass bei der Druckprüfung die Einschränkungen gemäß DVGW W 400-2 (A) beachtet werden
(Rohraußenwandtemperaturen  20 °C; für PE 100 SDR 17 Prüfdruck STP  12 bar und Druckstoßberechnung erforderlich).
b) in Zusammenhang mit DVGW VP 545
c) bei Rohrleitungen aus PE 100 SDR 17 nur Rohre mit Rohraußendurchmesser d  63 mm

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 49
15.3 Ergänzende Hinweise zu Weitere statische Beanspruchungen sowie andere
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den Rohrwerkstoffen Auflagerbedingungen (z. B. Stützenabstand bei Frei-


leitungen) sind erforderlichenfalls nachzuweisen.
15.3.1 Allgemeines
Für den Bereich der Deutschen Bundesbahn ist die
Bezüglich aller Werkstoffe sind bei der Bettung und Bemessung von Leitungs- und Mantelrohren gegen
Einbettung die Anforderungen des DVGW W 400-2 (A), Erddruck und Verkehrslast im DVGW W 305 (H) und
Abschnitt 10 und Anhang G und die Verlegean- der Richtlinie 2000 geregelt.
leitungen der Produkthersteller zu beachten.
Für Rohrleitungen, die besonders hohe Anforderun-
15.3.2 Stahl gen erfüllen müssen, sind gesonderte Nachweise zu
führen z. B. nach DIN EN 13480-3, VdTÜV 1063 und
Werkstoffeigenschaften DVGW GW 312 (M).

Hohe Sicherheitsreserven infolge der Kombination Anwendungsbereich:


von Festigkeit, Bruchdehnung und Kerbschlag-
zähigkeit; Umlagerung von Kräften und Spannun- Stahlrohre werden besonders dort eingesetzt, wo
gen möglich; variable Rohrlängen von 6 m bis 18 m, eine Kombination aus hoher Festigkeit und großer
Strangverlegung möglich; beliebige Druckstufen, Bruchdehnung gefordert wird, wie z. B. bei hohen
lage- und höhenmäßige Anpassung durch Schnei- Innendrücken, möglichen hohen Druckstößen und
den und Schweißen vor Ort; einfache Herstellung großen Nennweiten. Die Schweißtechnik erlaubt
von Formstücken; vielfältige Verbindungstechni- eine Anpassung der Leitung auch an die ört-
ken, längskraftschlüssige Verbindungen und elek- lichen Gegebenheiten (beispielsweise an Zwangs-
trochemische Korrosionsschutzmaßnahmen sind punkten). In städtischen Versorgungsnetzen, bei
möglich. Standardmäßig eingesetzte Umhüllungen engem Arbeitsraum und bei Behinderung durch
können an der Baustelle auf Fehlerfreiheit kontrol- längsverlaufende und kreuzende Leitungen ist
liert werden. die Verlegung von Stahlrohren mit Schweiß-
verbindungen nicht immer wirtschaftlich möglich
Korrosionsschutzmaßnahmen durch Umhüllung und (Flexibilität ist nur durch den Einsatz von Form-
Auskleidung sind erforderlich; leichte Verletzbarkeit stücken und Segmentschritten möglich). Alter-
der Rohrumhüllung (ohne zusätzlichem mechani- nativ können hier Stahlrohre mit Steckmuffen
schem Außenschutz) bei Transport und Verlegung. verwendet werden. Stahlrohre finden jedoch be-
sonders Anwendung bei Sonderbauwerken wie
Erläuterungen zur statischen Bemessung: Düker und Kreuzungen. Die Flexibilität der Steck-
muffenverbindung aber auch die kraftschlüssigen
Rohre nach DIN 2460 sind für die im Normblatt an- Schweißverbindungen bieten große Vorteile in
gegebenen Nenndrücke bemessen. Für die Erdver- Bergsenkungsgebieten.
legung nach DVGW W 400-2 (A) können die Rohre
ohne Spannungsnachweis und Wanddickenberech- Rohrverbindungen:
nung bei den angegebenen Überdeckungen und
Verkehrslasten (SLW 60 nach DIN 1072) verwendet Es stehen zur Auswahl:
werden:
• Schweißverbindungen,
• DN  500 0,6 m bis 6 m Erdüberdeckung
• Steckmuffenverbindungen,
• DN  500 0,6 m bis 4 m Erdüberdeckung
(für geschweißte Rohre) • Flanschverbindungen,

Bei der Bemessung der Rohre wurde der mögliche • Sonderverbindungen.


Abfall des Innendruckes auf den absoluten Druck
pabs = 0,2 bar beachtet. Bei den Schweißverbindungen [siehe DVGW
GW 350 (A)] hat sich die Stumpfschweißverbindung

50 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
durchgesetzt. Sie ist kraftschlüssig und zerstö- währt und ist Regelausführung. Für die Ausklei-
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rungsfrei prüfbar. Für die Ausführung der Rohren- dung an der Baustelle zum Innenschutz metallener
den gelten DIN 2614 und DIN 8551. Rohre gilt das DVGW W 343 (A). Die Zementmörtel-
auskleidung ist für Rohrleitungen zur Verteilung
Längskraftschlüssige Steckmuffenverbindungen nach aller Wässer für den menschlichen Gebrauch ge-
DVGW GW 368 (A) haben sich analog zu den Steck- eignet, die der EU-Richtlinie 98/83/EG entspre-
muffenverbindungen bei Gussrohren bewährt und chen. Für andere Wasserarten, z. B. Rohwässer,
sind bis DN 300 erhältlich. kann entsprechend DIN 2880 eine andere Zement-
sorte ausgewählt werden.
Flanschverbindungen werden fast ausschließlich
für den Anschluss von Armaturen und Messgeräten Bei betonaggressiven Wässern wird aus dem Ze-
gewählt. Vorzugsweise sind Vorschweißflansche mentmörtel Kalk gelöst. Bei weichen Wässern ist
nach DIN EN 1092-1 einzusetzen. Flansche sollten DVGW W 346 (A) zu beachten.
möglichst nicht im Erdreich eingesetzt werden
(siehe DVGW-Wasserinformation Nr. 49). Die Zementmörtelauskleidung muss durchgehend
vorhanden sein. Der Innenschutz an Schweiß-
Formstücke: nähten kann in begeh- bzw. befahrbaren Rohren
( 600 mm Innendurchmesser nach Auskleidung)
Formstücke lassen sich für viele Anwendungs- nachgearbeitet werden [siehe DVGW W 343 (A)]
bereiche aus Stahlrohren herstellen. auch für Innendurchmesser  600 mm).

Für Rohrbögen DN  1600 gilt DIN 2605. Sie kön- Stumpfschweißnähte werden mit hinterschnittener
nen auch nach DIN EN 10224 als Segmentbögen Zementmörtelflanke nach DIN 2614 ausgebildet.
aus Stahlrohren mit ZM-Auskleidung hergestellt Eine Passivschichtbildung verhindert hier im Spalt-
werden, wobei ein Nachbessern des Innenschutzes bereich die Korrosion. Je nach Wasserqualität sin-
im Segmentschweißnahtbereich nötig ist. tert der Spalt in den Verbindungsbereichen der
Rohrleitung im Laufe der Zeit zu.
Warmgebogene Rohrbogen und warmgepresste
Halbschalen-Rohrbogen mit den von der Herstel- Andere Auskleidungen, z. B. aus Kunststoffen,
lungsart abhängigen Biegeradien werden für Stahl- haben sich bisher nicht bewährt. Zu beachten ist,
rohrleitungen mit ZM-Auskleidungen zunehmend an dass eine ZM-Auskleidung notfalls erneuert werden
Stelle von Segmentbogen eingesetzt. Die Herstel- kann; die Erneuerung einer Kunststoff-Beschich-
lung des Rohrinnenschutzes erfordert hier einen er- tung ist demgegenüber relativ schwierig.
höhten Aufwand.
15.3.3 Duktiles Gusseisen
Für Abzweige gilt DIN 2615, für Reduzierungen
DIN 2616. Bei der Berechnung der Wanddicken von Werkstoffeigenschaften:
Abzweigen ist das AD-Merkblatt B 9 zu beachten. Die
Länge von Reduzierstücken sollte aus hydraulischen Hohe Sicherheitsreserven infolge der Kombination
Gründen sein: 5 x DN (mm). Bei Steckmuffenrohren von Festigkeit, Bruchdehnung und Kerbschlag-
werden Gussformteile nach EN 545 empfohlen. zähigkeit; einfache Herstellung der Rohrverbin-
dung, Abwinkelbarkeit, Längskraftschlüssigkeit und
Rohrumhüllung: Längsbeweglichkeit in den Verbindungen, Rohrver-
bindungen meist elektrisch nicht leitend, großes
Für Stahlrohrleitungen gilt als Regelausführung die Formstück-Programm.
PE-Umhüllung nach DIN 30670, DIN EN 10288
bzw. nach DVGW VP 637. Erforderliche Korrosionsschutzmaßnahmen durch
Umhüllung bzw. Auskleidung sind integraler Be-
Innenschutz: standteil des Rohres. Zinküberzüge sind in den Bo-
denklassen I und II ohne Einbuße der Schutzwir-
Als Innenschutz hat sich die Auskleidung mit Ze- kung einsetzbar. It. DIN EN 545: 2002, Anhang 0,
mentmörtel nach DIN 2614 bzw. die DIN 2880 be- kann Zn-Überzug mit Deckbeschichtung in vielen,

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 51
Zn-Al-Überzug mit Deckbeschichtung in den meis- Flanschverbindungen kommen für den Einbau von
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ten Böden eingebaut werden, wobei transport- Armaturen bzw. Messgeräten mit Flanschen in Bau-
bedingte Verletzungen der Umhüllung infolge der werken (Schächte) in Betracht. Im Erdeinbau sollten
aktiven Schutzwirkung des Zinks selbst heilen. zugfeste Muffenverbindungen eingesetzt werden
(siehe Wasserinformation Nr. 49).
Erläuterung zur statischen Bemessung:
Formstücke:
Die Rohre sind für die in DIN EN 545 angegebenen
Bauteilbetriebsdrücke bemessen. Bei Erdverlegung Eine Vielzahl von Formstücken aus duktilem Guss-
nach DVGW W 400-2 (A) können die Rohre ohne eisen nach DIN EN 545 sowie DIN 28650 steht zur
Spannungsnachweis und Wanddickenberechnung Verfügung.
bei allen in DIN EN 545, Anhang F angegebenen
Überdeckungshöhen und Verkehrslasten (SLW 60 Das Anschweißen von Stutzen kleiner Nennweite
nach DIN 1072) eingesetzt werden: ist unter Berücksichtigung besonderer Bedin-
gungen (Merkblatt DVS 0602, Richtlinie DVS 1502)
In DIN EN 545 wird die Dichtheit gegenüber einem möglich. Die dünne aufgehärtete Zone beeinträch-
möglichen Abfall des Innendruckes auf den abso- tigt nicht die Gebrauchseigenschaften des Bau-
luten Druck Pabs = 0,1 bar (= -0,9 bar) mittels Typ- teils. Die Nennweite der Abgänge darf höchstens
test nachgewiesen. die Hälfte der Nennweite des anzubohrenden
Rohres betragen.
Anwendungsbereich:
Ein Nachbessern des Innenschutzes im Schweiß-
Rohre aus duktilem Gusseisen werden in für Haupt-, nahtbereich ist nötig.
Versorgungs-, Fern- und Zubringerleitungen sowie
in setzungsempfindlichen Böden und in Bergsen- Die Schweißnaht ist mittels Farbeindringverfahren
kungsgebieten eingesetzt. zerstörungsfrei prüfbar.

Rohrverbindungen: Rohrumhüllung:

Es stehen zur Auswahl: Für einige Bodenarten ist eine Umhüllung aus
Zinküberzug mit bituminöser Deckschicht nach
• Steckmuffenverbindungen DIN 30674-1 ausreichend. Erfordern die Bodenver-
hältnisse eine mechanisch höherwertigere Korrosi-
• Schraubmuffenverbindungen onsschutzumhüllung, so stehen die PE-Umhüllung
nach DIN 30674-1 und vor allem die Zementmörtel-
• Flanschverbindungen umhüllung nach DIN 30674-2 zur Verfügung.

• Stopfbuchsenmuffenverbindungen Innenschutz:

Es gibt eine Reihe von elastisch gedichteten Steck- Rohre aus duktilem Gusseisen nach DIN EN 545
muffenverbindungen nach DIN 28603, die auch zug- und DVGW VP 545 werden grundsätzlich mit einer
fest ausgebildet werden können. DVGW GW 368 (A) Zementmörtelauskleidung ausgeliefert.
stellt die Einsatzgrenzen typgeprüfter längskraft-
schlüssiger Rohrverbindungen dar. Für den Innenschutz gilt DIN EN 545, ansonsten
gelten die entsprechenden Angaben nach 15.3.2
Die Stopfbuchsenmuffen-Verbindung nach DIN 28 602 (Stahl) sinngemäß.
kommt in Ausnahmefällen in Verbindung mit be-
stimmten Formstücken (z. B. U-Stücke) im Bereich
von DN 500 bis DN 1200 zum Einsatz. Schraubmuf-
fen-Verbindungen nach DIN 28601 werden in der
Regel nur noch bei Überschiebern bis DN  400 ein-
gesetzt.

52 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
15.3.4 Polyethylen (PE 80 und PE 100) • Bundflanschverbindungen
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Werkstoffeigenschaften: • Steckmuffenverbindungen

Hohe Korrosionsbeständigkeit; geringes Gewicht; Formstücke/Rohrverbinder:


hohe Flexibilität; biegsam; große Ringbundlängen
möglich dadurch wenig Verbindungen; großes Ein reichhaltiges Formstückprogramm aus Poly-
Formstückprogramm; Bögen selten erforderlich; ethylen und aus duktilem Gusseisen steht zur Ver-
Strangverlegung möglich; sehr glatte Rohrwand; fügung. Auch Formstücke aus Messing oder spe-
längskraftschlüssige Verbindungen. ziellen Kunststoffen werden verwendet.

Verringerung der ertragbaren Spannungen in Ab- Rohre mit Diffusionsschutzschicht und mit mecha-
hängigkeit von Temperatur und Betriebszeit; sehr nischem Schutzmantel
großer Wärmeausdehnungskoeffizient; erhebliche
Versteifung bei tiefen Temperaturen; in konta- Besondere Anwendungsfälle können auch Rohre mit
minierten Böden besondere Schutzmaßnahmen Diffusionsschutzschicht oder mit mechanischem
gegen die Diffusion von Stoffen durch die Rohr- Schutzmantel (PE 80 und PE 100 mit Kunststoff-
wandung erforderlich. schutzmantel und ggf. mit Aluminiumzwischenlage)
erfordern. Hierzu gehören z. B. die grabenlose Rohr-
Erläuterungen zur statischen Bemessung: legung und die Verlegung in kontaminiertem Erd-
reich. Die Eignung (Schutzeigenschaft gegen Diffu-
Die Rohre werden für einen statischen Innendruck sion und Trinkwasserhygiene des Werkstoffes) für
von 10 – 20 bar bezogen auf einer Normtemperatur die jeweiligen Anwendungen ist gesondert nach-
von 20 °C unter Berücksichtigung der extrapolier- zuweisen.
ten Zeitstandkurven so bemessen, dass der in DIN
EN ISO 12162 festgelegte Sicherheitsbeiwert von 15.3.5 Vernetztes Polyethylen (PE-Xa)
1,25 selbst nach 50 Jahren Nutzung mindestens
sichergestellt ist. Werkstoffeigenschaften:

Anwendungsbereich: Hohe Korrosionsbeständigkeit; sehr hohe Span-


nungsrissunempfindlichkeit; geringes Gewicht; hohe
PE-Rohre werden für Haupt-, Versorgungs- und Flexibilität; biegsam; große Ringbundlängen möglich
Hausanschlussleitungen sowie in setzungsemp- dadurch wenig Verbindungen; großes Formstück-
findlichen Böden und in Bergsenkungsgebieten programm; Bögen selten erforderlich; Strangver-
eingesetzt. legung möglich; sehr glatte Rohrwand; längskraft-
schlüssige Verbindungen.
Polyethylenohre finden zudem besonders Anwen-
dung bei Sonderbauwerken wie z. B. Düker. PE- Sehr großer Wärmeausdehnungskoeffizient, Verstei-
Rohre eignen sich vor allem für aggressive Böden fung bei tiefen Temperaturen; Stumpfschweißungen
(Diffusionsschutz beachten, siehe 6.3.2). nicht möglich (PE-X mit PE-X).

Rohrverbindungen: Erläuterungen zur statischen Bemessung:

Es stehen zur Verfügung: Die Rohre werden für einen statischen Innendruck
von 12,5 bar und einer Temperatur von 20 °C unter
• Klemmverschraubungen und Steckverbinder Berücksichtigung der extrapolierten Zeitstand-
kurven so bemessen, dass der in DIN EN ISO 12162
• Heizwendelschweißverbindungen festgelegte Sicherheitsbeiwert von 1,25 selbst nach
50 Jahren Nutzung mindestens sichergestellt ist.
• Heizwendelsattelschweißverbindungen

• Stumpfschweißverbindungen

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 53
Anwendungsbereich: [tatsächliche Sicherheitsbeiwerte gemäß DVGW
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GW 335 – A1 (A) betragen 2,0 bzw. 2,5] selbst nach


PE-Rohre werden für Haupt-, Versorgungs- und 50 Jahren Nutzung mindestens sichergestellt ist.
Hausanschlussleitungen sowie in setzungsemp-
findlichen Böden und in Bergsenkungsgebieten ein- Anwendungsbereich:
gesetzt.
PVC-U Rohre werden für Haupt-, und Versorgungs-
Rohrverbindungen: leitungen eingesetzt.

Es stehen zur Verfügung: PVC-U Rohre finden zudem besonders Anwendung


bei aggressiven Böden (Diffusionsschutz beachten,
• Klemmverschraubungen und Steckverbinder siehe 6.3.2).

• Heizwendelschweißverbindungen Rohrverbindungen:

• Heizwendelsattelschweißverbindungen Es stehen zur Verfügung:

• Bundflanschverbindungen • Steckverbindungen

Formstücke/Rohrverbinder: • Flanschverbindungen

Ein reichhaltiges Formstückprogramm aus Poly- Formstücke:


ethylen und aus duktilem Gusseisen steht zur Ver-
fügung. Auch Formstücke aus Messing oder spezi- Formstücke aus warm verformten Rohren oder aus
ellen Kunststoffen werden verwendet. PVC-Spritzguss bzw. aus Gusseisen stehen zur
Verfügung.
15.3.6 Polyvinylchlorid (PVC-U)
15.3.7 Glasfaser verstärkte Kunststoffe (GFK)
Werkstoffeigenschaften:
Werkstoffeigenschaften:
Hohe Korrosionsbeständigkeit, geringes Gewicht;
Rohrlängen von 6 m bis 12 m: einfache Herstellung Korrosionsbeständig; geringes Gewicht; Längs-
der elastisch gedichteten Steckmuffenverbindun- beweglichkeit bei Steckmuffenverbindungen; sehr
gen; Längsbeweglichkeit bei Steckmuffenverbin- glatte Rohrwand; geringe Temperaturabhängigkeit
dungen; sehr glatte Rohrwand. bei den Werkstoffeigenschaften; variables Form-
stückprogramm; auch Sonderkonstruktionen mög-
Verringerung der ertragbaren Spannungen in Ab- lich; einfache Bearbeitbarkeit.
hängigkeit von Temperatur und Betriebszeit; zu-
nehmende Schlagempfindlichkeit bei Temperaturen Längskraftschlüssigkeit nur bedingt und mit höhe-
 5 °C; Formstücke sind z. T. aus anderen Werk- rem Aufwand möglich; geringe Einsatzerfahrung in
stoffen; geringe Abwinkelbarkeit in den Rohrverbin- der Wasserverteilung.
dungen; in kontaminierten Böden sind besondere
Schutzmaßnahmen gegen die Diffusion von Stoffen Erläuterungen zur statischen Bemessung:
durch die Rohrwandung erforderlich.
Die Rohre werden entsprechend der DIN 16869 und
Erläuterung zur statischen Bemessung: der dort festgelegten Sicherheitsbeiwerte bemes-
sen. Die Dimensionierung erfolgt getrennt von der
Die Rohre werden für einen statischen Innendruck Steifigkeit und der Innendruckfestigkeit.
von 10 – 16 bar und einer Temperatur von 20 °C
unter Berücksichtigung der extrapolierten Zeit-
standkurven so bemessen, dass der in DIN EN
ISO 12162 festgelegte Sicherheitsbeiwert von 1,6

54 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
Anwendungsbereich: Die Bauartnormen enthalten in der Regel keine Hin-
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weise auf den Anwendungsbereich. Bei der Aus-


Aufgrund der geringen Einsatzerfahrung bestehen wahl von Armaturen für Trinkwasserleitungen sind
bisher keine Anwendungsschwerpunkte. sowohl bei Erdeinbau als auch beim Einbau in Bau-
werke (Schächte) zusätzliche Anforderungen zu
Rohrverbindungen: stellen. Sie sind in DIN EN 1074 aufgeführt.

Es stehen zur Verfügung: Für Sonderarmaturen, z. B. Einlaufventile, Drossel-


armaturen und Rohrbruchsicherungen sind in Ab-
• gummigedichtete Steckverbindungen hängigkeit von den jeweiligen hydraulischen
Verhältnissen und anderen Betriebsbedingungen
• Flanschverbindungen im Einzelfall besondere Untersuchungen erfor-
derlich.
• Klebeverbindungen
16.3 Grundsätze für die Auswahl
• Laminatverbindungen von Serienarmaturen

Formstücke/Rohrverbinder: 16.3.1 Dauerhaftigkeit

Es steht ein reichhaltiges Formstückprogramm aus Aus Gründen der Betriebssicherheit und der Wirt-
GFK zur Verfügung. In Ausnahmefällen können auch schaftlichkeit sind nur Armaturen auszuwählen, die
Formstücke aus Stahl oder Edelstahl verwendet wer- das DIN/DVGW-Zertifizierungszeichen tragen und
den. Rohre der Durchmesserreihe 2 (DN 200-DN 500) eine möglichst lange Nutzungsdauer (mindestens
sind geeignet für den Anschluss an Rohren und 50 Jahre) erwarten lassen. Wichtig ist, dass jede
Formstücken mit Muffen aus duktilem Gusseisen. Armatur auch nach vielen Betriebsjahren noch
dicht schließt. Dabei ist zu beachten, dass die
Beschaffungskosten für Armaturen die Gesamt-
16 Auswahl von Armaturen und wirtschaftlichkeit einer Leitung in der Regel kaum
Anordnung von Rohrleitungs- beeinflussen.
teilen
16.3.2 Druckstufen
16.1 Hygienische Anforderungen
Grundsätzlich gilt für die Auswahl der Rohrleitungs-
Für die erforderliche chemische, mikrobiologische teile hinsichtlich der Druckbedingungen Tabelle 6.
und gesundheitliche Unbedenklichkeit der Werk-
stoffe, Anstriche und Beschichtungen für sämtliche 16.3.3 Werkstoff der Dichtelemente
vom Trinkwasser benetzten Flächen gilt 5.2.
Im Regelfall sind Absperrarmaturen mit elastisch
16.2 Bauartnormen wirkenden Dichtelementen (Elastomeren) auszu-
wählen, da die Vorteile, verglichen mit metallisch
Armaturen werden nach ihren bauartbedingten dichtenden Armaturen, überwiegen.
Merkmalen bezeichnet (z. B. als KIappe, Schieber,
Hahn, Ventil, Hydrant, Anbohrarmatur). Die Bau- 16.3.4 Innen- und Außenschutz
maße, Werkstoffe, Nennweiten und Druckstufen
sind in den für die einzelnen Bauarten aufgestellten Der Innen- und Außenschutz gegen Korrosion ist in
Normblättern (den Bauartnormen) angegeben. 15.1.4 bzw. 15.2 geregelt.
Keine Bauartnormen liegen vor für Ringkolben-
ventile, Druckminderer, Rohrbruchsicherungen, 16.3.5 Besondere Hinweise für den Einsatz
Be- und Entlüfter, und sonstigen Armaturen- und die Auswahl von Armaturen
kombinationen. Für Rückflussverhinderer gilt DIN
EN 12334. Absperrarmaturen müssen eine Leitung gegen den
Systembetriebsdruck als Differenzdruck in beiden

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 55
Durchflussrichtungen und in jeder Einbaulage voll- Zu beachten ist, dass Rohrleitungen mit Absperrklap-
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ständig absperren und vollständig öffnen. pen nicht gemolcht werden können. In diesem Fall sind
Kugelhähne zu verwenden, da bei diesen Armaturen
16.4 Absperreinrichtungen in Fern- der freie Rohrquerschnitt bei Vollöffnung erhalten bleibt.
und Zubringerleitungen Dies gilt auch für Leitungsabschnitte mit Messstrecken
oder bei Saugleitungen vor Pumpenanlagen. Bei der
16.4.1 Absperrarmaturen Auswahl von Absperrklappen und Kugelhähnen mit
Antrieben ist besonders darauf zu achten, dass keine
Armaturen in Fern- und Zubringerleitungen haben zu kurzen Schließ- und Öffnungszeiten möglich sind.
die Aufgabe, Wasserleitungen in Teilstrecken zu
gliedern, damit das Entleeren und Füllen im Rahmen 16.4.2 Regelarmaturen
der betrieblichen Aufgaben sich auf überschaubare
und beherrschbare Strecken beschränkt. Hierbei Regelarmaturen sind bestimmt zum Einsatz in allen
sind die Armaturen an gut erreichbaren Stellen vor- Schaltstellungen zwischen „geschlossen“ und „voll-
zusehen. ständig offen“ [DVGW W 332 (M)]. Zur Steuerung
von Druck und Durchfluss werden vor allem Ventile
Bei Fern- und Zubringerleitungen wird der Abstand verwendet. Teller-/Kolben-Ventile werden bevorzugt
der Absperreinrichtungen wesentlich durch die bei kleinen Leitungsdimensionen in der Haustechnik
Geländeverhältnisse bestimmt. Die Anordnung von eingesetzt. Ringkolbenventile eignen sich beson-
Armaturen an Tiefpunkten der Leitungen hat sich ders für Regelungsvorgänge und zur Druckmin-
bewährt, weil dann die beiderseits ansteigenden derung bei großen Durchflüssen.
Strecken getrennt entleert werden können.
16.4.3 Rohrbruchsicherungen [DVGW W 322 (A)]
In Verbindungen mit der Kreuzung von Verkehrswe-
gen oder Flüssen ist die Anordnung von Absperr- Die Rohrbruchsicherung muss bei Unterschreiten
armaturen an beiden Talflanken und somit die Ab- eines festgelegten Druckes, oder bei Überschreiten
sicherung aller Kreuzungen im Tal zweckmäßig. Bei eines bestimmten festgelegten Durchflusses oder
der Kreuzung enger, tiefer Täler entstehen hohe einer an zwei Punkten festgestellten Durchfluss-
Drücke. In diesem Fall kann die Anordnung von Ab- Differenz die Rohrleitung selbsttätig, meist ohne
sperreinrichtungen (um den Bauteilbetriebsdruck fremde Energie, absperren. Auch die fernbetätigte
PFA niedrig zu halten) in Hangbermen oder am Auslösung der Rohrbruchsicherung kann sinnvoll
Übergang von der Hochebene zum Hang günstiger sein. Der Schließvorgang muss so langsam ablau-
sein. Untersuchungen über die im Schadensfall fen, dass keine unzulässigen Druckstöße auftreten
freiwerdende Energie sind bei der Anordnung von können. Rohrbruchsicherungen werden im allge-
Armaturen, vor allem von Rohrbruchsicherungen, meinen nur in besonders kritischen Leitungs-
erforderlich. abschnitten angeordnet, wenn im Schadensfalle
große Folgeschäden zu erwarten sind.
Der Abstand zwischen den Absperreinrichtungen
sollte in Zubringer- und Fernleitungen 3,5 km nicht Ausgeführt werden Kombinationen aus mehreren
überschreiten. Auch in abzweigenden Leitungen Funktionsgruppen, die je nach den Betriebsbe-
sind Absperrarmaturen vorzusehen. dingungen der jeweiligen Versorgungsanlage und
nach den Schutzzielen ausgewählt werden.
Zum Einsatz kommen Keilschieber, Absperrklappen
und Kugelhähne. Von besonderer Bedeutung sind:

Keilschieber dienen nur zum Absperren von • Antrieb zum Schließen der Armatur ohne Fremd-
Leitungsteilen. Bis DN 300 werden im Allgemeinen energie, (Gewicht oder Batterieantrieb)
weichdichtende Schieber eingesetzt; bei größeren
Nennweiten und bis MDP  25 bar überwiegend • Messwertgeber zur Überwachung des Durch-
weichdichtende Klappen. flusses und zur Impulsgabe bei Überschreiten
eines festgelegten Durchflusses bzw. einer vor-
gegebenen Durchfluss-Differenz

56 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
• Hydraulikaggregat Als Absperrarmatur eignen sich für kleine Nenn-
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weiten Keilschieber ( DN 300), für größere Nenn-


• bei Antrieb mittels Gewicht weiten sollten vorwiegend Absperrklappen verwen-
det werden. Für die eingeerdeten Armaturen – dies
• Hubbremse zum Steuern der Schließbewegung gilt auch für Hydranten – sollten möglichst Muffen-
der Armatur verbindungen oder ggf. PE-Schweißverbindungen
vorgesehen werden, da diese kostengünstiger sind
• Auslösevorrichtung zum Lösen der Verriegelung (siehe DVGW Wasserinformation Nr. 49 – Begrün-
des Antriebes dungen für Muffenverbindungen).

16.5 Absperreinrichtungen in Haupt- Die Zahl der erforderlichen Absperreinrichtungen


und Versorgungsleitungen richtet sich nach der Anschlussdichte, der Topogra-
phie (Höhenunterschiede) sowie nach Art und Um-
Absperreinrichtungen in Versorgungsleitungen liegen fang der Vermaschung (siehe Bild 13). Hierbei ist zu
meist im Straßen- oder Gehwegbereich. Sie sind berücksichtigen, dass bei Störungen im Rohrnetz
über ein Gestänge, das über eine Straßenkappe die in der Versorgung beeinträchtigten Bereiche
zugänglich ist, bedienbar [siehe auch DVGW (z. B. Personenkreis) nicht zu groß werden. Als An-
GW 336 (A)]. Der Ort des Einbaus von Armaturen haltspunkt können folgende Absperrstrecken-Län-
 DN 80 ist gemäß DIN 4066 bzw. DIN 4067 durch gen angenommen werden:
Hinweistafeln vor Ort zu kennzeichnen und in Über-
sichts- und Bestandspläne zu dokumentieren • bei Hauptleitungen:  1000 m
[siehe DVGW W 322 (M)]. Auf eine Beschilderung
der Absperrarmaturen von Hausanschlussleitun- • bei Versorgungsleitungen:
gen kann verzichtet werden, wenn deren Lage an- – bei offener Bebauung:  400 m,
hand von einfachen Lagebezeichnungen in den Be- – bei geschlossener Bebauung:  300 m.
standsplänen sich sicher und einfach auffinden
lässt.

Gebiet mit hoher


Bebauungsdichte
4 Schieber je Kreuzung

Steigung

2 Mal ca.
200 - 300 m

Steigung

Gebiet mit kleiner


Bebauungsdichte
3 Schieber je Kreuzung

Bild 13 – Beispiel für die Anordnung von Schiebern und Hydranten

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 57
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Hof-
ein-
Haus fahrt Haus

günstiger
Straße Armaturen- Steigung
standort

Haus

Bild 14 – Anordnung von Absperrarmaturen und Hydranten in Wasserverteilnetzen

Liegen die Versorgungsleitungen in der Fahrbahn, Grundsätzlich sollten Anschlussleitungen gemäß


sollten die Armaturen an Kreuzungen mit starkem DVGW W 404 (M) absperrbar sein. Es ist auch mög-
Straßenverkehr außerhalb des Kreuzungsberei- lich auf Absperrarmaturen zu verzichten, wenn
ches, jedoch nicht in ständig benutzten Parkstrei- dafür die Versorgungsleitung sektionsweise abge-
fen, eingebaut werden. Außerhalb von Kreuzungen sperrt werden kann. Dies gilt nicht für Hauptleitun-
sind Absperrarmaturen möglichst im Bereich von gen. Die absperrbare Sektion sollte dabei 50
Grundstückseinfahrten anzuordnen, weil sie dort Wohneinheiten nicht überschreiten. Siehe hierzu
zugänglich bleiben. Siehe hierzu Beispiel in Bild 14. Beispiel in Bild 15.

Absperrbare Sektion (< 50 WE)

Absperrarmatur Endkappe mit


Hausanschluss
bzw. Hydrant

Hydrant

Bild 15 – Absperrbare Sektion mit Verzicht auf Absperrarmatur je Hausanschluss

58 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
16.6 Hydranten Bei Bereitstellung von Löschwasser ist darüber
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hinaus DVGW W 405 (A) zu beachten.


16.6.1 Zweck, Auswahl und Betrieb
von Hydranten Hydranten sollten auf oder unmittelbar neben die
Rohrleitung gesetzt werden. Dabei sind die Einbau-
Hydranten im Wasserrohrnetz sind als Unter- oder bedingungen gemäß DVGW W 331 (M) zu beachten.
Überflurhydranten für Betriebsmaßnahmen der Was- Werden Hydranten seitlich verzogen (z. B. in den
serversorgungsunternehmen bestimmt. Für den Ein- Gehwegbereich) so muss ein Hausanschluss fol-
bau und Betrieb von Hydranten gilt DVGW W 331 (M). gen, um das Verkeimen des Wassers in nicht durch-
flossenen Leitungsabschnitten zu verhindern.
Hydranten werden darüber hinaus für sonstige Be-
nutzungszwecke (Straßenreinigung usw.) und ggf. für Am Ende von Versorgungsleitungen sind zur Spü-
Feuerlöschzwecke (siehe 11.1.8) genutzt. Je nach lung, zur Entleerung und zur Entlüftung Hydranten
Druck in der Leitung sollten über einen Hydranten anzuordnen. Um die Zahl der zu spülenden End-
Entnahmemengen  24 m3/h (bei  2 bar Vordruck leitungen zu verringern, sollte der letzte Haus-
an der Leitung, dies entspricht etwa  1,0 – 1,5 bar anschluss unmittelbar am Hydranten abgehen. Bei
an der Hydrantenklaue) entnehmbar sein. Vorrangig Stichleitungen  DN 100 kann auf den Hydranten
werden in Rohrnetzen der Wasserversorgungsunter- verzichtet und statt dessen eine Endkappe ange-
nehmen Unterflurhydranten eingesetzt, da sie ordnet werden. Siehe hierzu Bild 15.

• den Straßenverkehr wenig behindern, An Zubringer- und Fernleitungen sind Hydranten


nur anzuschließen, wenn sie für einen geordneten
• auf die auch innerhalb der Fahrbahnen liegenden Betrieb notwendig sind. In diesem Fall sind zusätz-
Rohrleitungen direkt aufgesetzt werden können. lich Absperrarmaturen, die Instandhaltungs- und
Überwachungsarbeiten ohne Außerbetriebnahme
Überflurhydranten werden in der Umgebung größe- der Leitung zulassen, einzubauen.
rer Gebäude, in Gewerbe- und Industriegelände, in
Gegenden mit großem Schneefall und/oder weit- 16.7 Entleerung und Spülauslässe
räumiger Bebauung eingesetzt, da sie
16.7.1 Entleerungen
• jederzeit und schnell zugänglich sind,
Haupt- und Versorgungsleitungen mit geringer
• ohne Standrohr verfügbar sind, Nennweite können über Hydranten teilentleert wer-
den. Leitungen ab DN 400 sind möglichst mit be-
• größere Entnahmen ermöglichen (DN 150). sonderen Entleerungen auszurüsten. Das Wasser
muss schadlos abgeführt werden können.
16.6.2 Anordnung von Hydranten
Bei Zubringer- und Fernleitungen sind an den Gelän-
Hydranten sind so anzuordnen, dass die Entnahme detiefpunkten bei Bedarf Entleerungsschächte an-
von Wasser, das Füllen, Entleeren, Spülen sowie zuordnen [siehe DVGW W 355 (A)].
Be- und Entlüften von Leitungsabschnitten leicht
möglich ist. Aus hydraulischen Gesichtspunkten Entleerungsarmaturen müssen auch während der
sollten Hydranten nahe an den Kreuzungs- und Ab- Leitungsentleerung bedienbar sein. Die Nennweiten
zweigpunkten des Netzes angeordnet werden. der Entleerungen sind den Nennweiten der Rohrlei-
tung sowie den Vorflutverhältnissen anzupassen.
Die Abstände von Hydranten im Rohrnetz sind in
Abhängigkeit von der Bebauung und von der Struk- Folgende Nennweiten sind üblich (siehe Tabelle 8):
tur des Rohrnetzes örtlich verschieden. Sie liegen
in Ortsnetzen meist unter 150 m.

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 59
Tabelle 8 – Nennweiten von Entleerungsleitungen 17 Dokumentation der Planung
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Leitung Entleerungsleitung 17.1 Allgemeines


DN DN
600 100 Es ist eine umfassende Dokumentation aller Pla-
700 150 nungsdaten und Ergebnisse zu erstellen.
800 150
1000 200 Diese Dokumentation muss für die einzelnen Pla-
1200 250 nungsstufen beinhalten:

16.7.2 Spülauslässe 17.2 Entwurfs- und Genehmigungsplanung

Für das Spülen der Haupt- und Versorgungsleitun- • Erläuterungsbericht


gen  DN 400 genügen meist die vorhandenen Ent-
leerungen. Zum wirksamen Spülen von Leitungen • Wasserbedarfsermittlung
großer Nennweite und von Zubringer und Fernlei-
tungen bei denen zur Erzielung einer ausreichenden • hydraulische Berechnung für unterschiedliche
Wassergeschwindigkeit vorhandenen Entleerungs- Lastfälle einschließlich Nachweis der möglichen
einrichtungen zu klein sind, werden besondere Löschwasserbereitstellung
Spülauslässe bzw. Spülschächte erforderlich. Die
Nennweite der Spülauslässe sollte aber so klein ge- • Abstimmungsergebnisse mit anderen Versor-
halten werden, dass der am Abzweig während des gungsträgern und weiteren von der Planung be-
Spülvorganges anstehende Druck durch Reibungs- troffenen Behörden und Dienststellen einschließ-
verlust (ohne zusätzliche Drosselung) im Spülaus- lich Einarbeitung der erhobenen Forderungen zur
lass abgebaut werden kann. Ist dies im Einzelfall Sicherstellung der Genehmigungsfähigkeit
nicht möglich, oder soll der Durchfluss regelbar
sein, muss sich die Absperreinrichtung im Spülaus- • Lagepläne, zum Beispiel M 1:500 für Verteiler-
lass zum Drosseln eignen (z. B. Ringkolbenventil, netze und 1:2.500 für Fernleitungen, einschließ-
Absperrschieber mit zusätzlichem „Verschleiß- lich Bestand anderer Versorgungsträger und Ka-
schieber“). tastersituation

Die unmittelbare Einleitung in Abwasserkanäle oder • Entwurfszeichnungen für Bauwerke mit Aus-
-schächte ist nicht zulässig. Entleerungsleitungen rüstungen
und Spülauslässe müssen grundsätzlich durch
einen Schacht unterbrochen und gegen Verunreini- • Trassenzustimmung der betroffenen Kommunen
gungen geschützt werden. Beispiele für Schächte und Privateigentümer
und Auslaufbauwerke enthalten DVGW W 355 (A)
und DVGW W 356 (A). • Planfeststellung einschließlich Umweltverträg-
lichkeitsprüfung bzw. Plangenehmigung, falls er-
16.8 Be- und Entlüftung forderlich

Fernleitungen und lange Zubringerleitungen müssen • bei Haupt- und Zubringerleitungen Festlegungen
an allen geodätischen Hochpunkten Be- und Entlüf- zu Spülung und Desinfektion (Leitungsabschnitte,
tungsschächte mit den entsprechenden Armaturen Bezug und Abschlagen des erforderlichen Was-
erhalten [siehe DVGW W 334 (M)]. sers, notwendige Wassermengen)

• Kostenberechnung

60 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
17.3 Ausführungsplanung und 18 Planungsvorgaben für Bau
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Ausschreibungsunterlagen und Betrieb

• Lagepläne, zum Beispiel M 1: 500 für Verteiler- 18.1 Desinfektion und Spülung von
netze und 1:2.500 für Fernleitungen, einschließ- Trinkwasserleitungen
lich Bestand anderer Versorgungsträger, Kataster-
situation und Ansatzpunkten der Baugrundauf- Bereits bei der Planung sind die Bauabschnitte von
schlüsse Trinkwasserleitungen so festzulegen, dass das für
die Druckprüfung, Desinfektion und Spülung erfor-
• Ausführungszeichnungen für Bauwerke mit Aus- derliche Wasser mit kleinstem Aufwand beschafft
rüstungen und schadlos abgeführt werden kann [siehe DVGW
W 291(A)].
• Falls erforderlich Längsschnitte mit Gelände-
höhen, Grabensohle, Rohrsohle, Rohrbettung, Spülmöglichkeiten sind so anzuordnen, dass be-
Bodenprofilen, Grundwasserstand und kreuzen- triebsbedingte Spülungen jederzeit möglich sind.
den Anlagen Dritter Während des Spülvorganges sollte nach Möglich-
keit die Versorgung aufrechterhalten werden. Spü-
• Darstellung der Abzweig- und Verbindungsstel- lungen können über Hydranten, Spülschächte,
len mit Zuordnung der Formstück- und Armatu- Auslaufbauwerke erfolgen.
renbezeichnung
Bei Einleitung in den Vorfluter sind die wasser-
• Detailzeichnungen, zum Beispiel für Kreuzungen rechtlichen Bestimmungen zu beachten.
mit Verkehrswegen, Düker und Schächte
18.2 Übergabe an den Bau und Betrieb
• Materialliste mit DIN-gerechter und bestellreifer
Bezeichnung aller Materialien, falls für die Aus- Die aus der Planung für den Bau und späteren Be-
schreibung/Beschaffung erforderlich trieb abzuleitenden Auflagen und besonderen Be-
dingungen sind in entsprechenden Anweisungen
• Grabenprofile mit Baustreifenbreite bzw. bei kom- festzuhalten und weiterzugeben.
plexen Maßnahmen Straßenquerschnitte mit Be-
legung des unterirdischen Bauraumes Dazu zählen:

• Vorbemerkungen und technische Vertragsbedin- • Ausführungsplanung und Ausschreibungsunter-


gungen zum Leistungsverzeichnis lagen

• Leistungsverzeichnis getrennt nach Gewerken • Qualitätsanforderungen z. B. an das ausführende


und vereinbarten Bauabschnitten Personal und die ausführenden Unternehmen
(nach DVGW W 400-2 (A)]
• Kostenberechnung auf der Grundlage des Leis-
tungsverzeichnisses • Besondere Vereinbarungen mit den Grundstücks-
eigentümern
• Nutzungsvereinbarungen mit Eigentümern bei
der Nutzung privater Flächen • Auflagen bei Kreuzungen von Verkehrswegen, Ge-
wässer und Deichen

• Auflagen und Vereinbarungen im Zusammenhang


mit Kreuzungen anderer Ver- und Entsorgungs-
einrichtungen

• Auflagen bei der Einleitung von Wasser in Vorfluter

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 61
• besondere Maßnahmen bei Frost (Brücken-
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leitungen)

• besondere Bedingungen für die Betätigung von


Armaturen, z. B. zur Vermeidung unzulässiger
Druckstöße

• Spülplan für nicht ausreichend durchflossene


Leitungen

Diese Anweisungen sind vom Betreiber der Anlage


aufzubewahren.

62 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
Anhang A (informativ) – Beispiele für günstige und ungünstige Führungen von Fall-
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und Pumpendruckleitungen

Bild A1 – Luftblase am Hochpunkt bei hoher Bild A3 – Ungünstige Führung einer Fallleitung:
Fließgeschwindigkeit: Als Folge der Quer- Die Drucklinie schneidet zwar bei stationärem
schnittsverengung tritt ein hoher Druckverlust Betrieb noch nicht die Leitung, auf großen Län-
hL auf, der zur Verminderung des Durchflusses gen entstehen aber schlecht entlüftete Leitungs-
führt. Die angenommene Luftblase kann entwei- abschnitte mit zahlreichen Hoch- und Tiefpunk-
chen, wenn eine selbsttätige Be- und Entlüf- ten. Für instationäre Betriebsverhältnisse ist
tungsarmatur oder eine Fließgeschwindigkeit eine ausreichende Mindestdruckhöhe über der
vorhanden ist, die Luftblasen sicher mitreißt. jeweiligen Be- und Entlüftungsarmatur erforder-
Der Druckverlust hL wird dann vermieden. lich.

Bild A2 – Unzulässige Führung einer Fallleitung:


Bei voller Ausnutzung des Druckgefälles ent-
steht bei A Unterdruck. Durch Belüftungsventile Bild A4 – Günstige Führung einer Fallleitung:
wird Luft eingesogen, der Durchfluss geht Ausreichende Druckhöhe über der Leitung ist in
zurück. Falls keine Belüftung erfolgt und der allen Betriebsfällen gewährleistet.
Unterdruck ca. 0,8 bar überschreitet, reißt die
Wassersäule bereits bei stationären Betriebs-
verhältnissen ab. Wenn eine andere Linien-
führung nicht möglich ist, ist es zweckmäßig,
einen Wasserbehälter am Punkt A anzuordnen
oder den Punkt A mit einem Stollen zu unter-
fahren.

Bild A5 – Unzulässige Führung einer Pumpen-


druckleitung: Mit zunehmender Fließgeschwin-
digkeit unterschneidet die Drucklinie die Leitung.
Im Betriebsfall 2 entsteht bereits bei stationären
Betriebsverhältnissen Unterdruck.

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 63
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Bild A6 – Ungünstige Führung einer Pumpen-


druckleitung: Die Drucklinie unterschneidet bei
stationären Betriebsverhältnissen zwar nirgends
die Leitung, auf einem langen Leitungsabschnitt
mit geringem Überdruck kann jedoch bei insta-
tionären Betriebsverhältnissen die Drucklinie die
Leitung unterschneiden. Sämtliche Hochpunkte
sind mit selbsttätigen Be- und Entlüftungsarma-
turen zu versehen. Um Unterdrücke an den Be-
und Entlüftungsarmaturen zu vermeiden, ist zwi-
schen der tiefsten hydraulischen Drucklinie und
diesen Armaturen ein Mindestabstand (hmin) ein-
zuhalten.

Bild A7 – Günstige Aufteilung in Pumpendruck-


leitung und Gefälleleitung.

Bild A8 – Günstige Führung einer Pumpendruck-


leitung mit anschließender Gefälleleitung.

64 DVGW-Arbeitsblatt W 400-1
Anhang B (informativ) – Rechtlich bestehende Möglichkeiten zur Inanspruchnahme
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von privaten Grundstücken für die Verlegung von Trinkwasserleitungen

Rechtlich bestehen folgende Möglichkeiten, private Beschränkte persönliche Dienstbarkeiten sind auch
Grundstücke für die Verlegung von Trinkwasser- erforderlich, wenn eine Anschlussleitung zur Ver-
leitungen in Anspruch zu nehmen: sorgung eines nicht direkt an der Versorgungslei-
tung liegenden Grundstückes (Hinterlieger) in einem
• Duldung anderen Grundstück verlegt werden muss.

Kunden und Anschlussnehmer müssen die Errich- • Zwangsbelastung/Enteignung:


tung von Leitungen über ihre im gleichen Versor-
gungsgebiet liegenden Grundstücke für Zwecke der Ist auf dem Verhandlungswege keine Eintragung
öffentlichen Versorgung einschließlich Zubehör zur einer beschränkten persönlichen Dienstbarkeit in
Zu- und Fortleitung von Trinkwasser unentgeltlich das Grundbuch zu erreichen, besteht die Möglich-
nach § 8 AVBWasserV dulden. Ist der Kunde bzw. keit durch Anordnung der Duldung durch die Was-
Anschlussnehmer nicht Eigentümer des Grund- serbehörde (wasserrechtliches Zwangsrecht) oder
stücks, muss die schriftliche Zustimmung des eine zwangsweise Belastung des Grundstückes
Grundstückseigentümers zur Benutzung des zu mit einer beschränkten persönlichen Dienstbarkeit
versorgenden Grundstücks beigebracht werden. (Enteignung) das Recht zum Einbauen, den Betrieb
Diese Duldungspflicht ist dadurch eingeschränkt, und die Instandhaltung einer Trinkwasserleitung zu
dass der Kunde bzw. Anschlussnehmer unter Um- erlangen.
ständen dann eine Umlegung bzw. Entfernung der
Leitung auf Kosten des Versorgungsunternehmens Dabei ist zu beachten, dass die durch Enteignung
verlangen kann, wenn die Leitung für ihn an der bis- erlangte beschränkte persönliche Dienstbarkeit
herigen Stelle nicht mehr zumutbar ist. Darüber hin- größere rechtliche Sicherheit für die langfristige
aus besteht die Duldungspflicht gemäß § 8 Abs. 1 Nutzung der Leitungstrasse auf privaten Grund-
Satz 3 AVBWasserV dann nicht, wenn die Inan- stücken bietet als die behördliche Anordnung.
spruchnahme des Grundstücks den Eigentümer Rechtsgrundlage für das zwangsweise Einbauen
mehr als notwendig oder in unzumutbarer Weise von Leitungen auf privaten Grundstücken bilden
belastet. die Wasser- und Enteignungsgesetze der Bundes-
länder. Eine Enteignung ist auch nachträglich mög-
• Beschränkt persönliche Dienstbarkeit lich.

Bei wichtigen Leitungen und Anlagen bietet sich Das Dulden von Vorarbeiten auf Grundstücken, z. B.
trotz der in § 8 AVBWasserV normierten Duldungs- für Planung und Vermessung, kann auf Antrag bei
pflicht eine zusätzliche dingliche Absicherung der der Enteignungsbehörde erwirkt werden, Eigen-
Versorgungsleitung an. Diese dingliche Sicherung tümer und Besitzer sind rechtzeitig vor dem Betre-
sollte in Form einer beschränkt persönlichen ten der Grundstücke, z. B. durch öffentliche Be-
Dienstbarkeit zugunsten des Versorgungsunterneh- kanntmachung, zu benachrichtigen.
mens erfolgen. Für die Wirksamkeit der beschränk-
ten persönlichen Dienstbarkeit ist deren Eintragung Ist ein Planfeststellungsbeschluss unanfechtbar
in das Grundbuch notwendig. und die sofortige Ausführung des Leitungsbauvor-
habens aus Gründen der Versorgungspflicht erfor-
Für den Erwerb der beschränkten persönlichen derlich, kann die Enteignungsbehörde eine vorzei-
Dienstbarkeit ist vom Versorgungsunternehmen tige Besitzeinweisung verfügen.
eine Entschädigung zu zahlen. Die Höhe dieser
Entschädigung ist nach dem Umfang der Nut-
zungseinschränkung und dem Verkehrswert des
Grundstückes mit dem Grundstückseigentümer zu
vereinbaren. Für die jeweils erforderliche Breite
von Schutz- und Arbeitsstreifen siehe Abschnitt 8.

DVGW-Arbeitsblatt W 400-1 65
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