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ZUSP. 1: OT- Alexander Free


Alexander der Große ist bis nach Indien gezogen. Und ich denke, das Lable „groß“
geht v.a. darauf zurück. Natürlich handelt es sich um eine ambivalente Gestalt,
aber schon in der Antike wurde er vor allem für seine großen Eroberungszüge
gefeiert. Zum anderen geht es natürlich um die Person Alexander selbst. Die ist
sehr schwer zu greifen in den Quellen.

MUSIK:

ERZÄHLERIN:
Der Althistoriker Dr. Alexander Free von der Ludwig-Maximilians-Universität
München, versucht das Phänomen Alexander der Große zu erklären. Dass die
Person des weltenstürmenden Makedonenkönigs so schwer zu greifen ist, liegt
vor allem daran, dass aus den Tagen Alexanders leider keine einzige authentische
Quelle erhalten ist. Sämtliche antiken Zeugnisse von seinem Leben und Wirken
stammen erst aus der römischen Kaiserzeit. Zwar benutzten Geschichtsschreiber
wie Arrian, Plutarch, Diodor, Curtius Rufus oder Iustin zu ihrer Zeit noch
vorhandene Originalquellen, doch häufig haben sie diese in ihrem Sinne
interpretiert und mitunter auch missverstanden. Darum widersprechen sie
einander auch hin und wieder.

ERZÄHLER:
Für den modernen Historiker ist es also oft sehr schwer, von der Person und den
Taten Alexanders des Großen ein objektives Bild zu gewinnen.

ERZÄHLERIN:
Soviel steht zweifelsfrei fest: Alexander war ein ungeheures Energiebündel.
Andernfalls wäre es ihm nie gelungen, innerhalb von nur elf Jahren das
Perserreich zu erobern - eine für damalige Verhältnisse wahre Supermacht. Ihr
Staatsgebiet reichte von der kleinasiatischen Mittelmeerküste und Ägypten bis
weit ins heutige Afghanistan und Pakistan hinein.

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ERZÄHLER:
Der Treibstoff für Alexanders Energie, da sind sich die antiken Autoren einig, war
sein unstillbarer Póthos. Ursprünglich nur sexuelles Begehren meinend, stand der
Begriff bei den Griechen mit der Zeit für Sehnsucht überhaupt; für
Begeisterungsfähigkeit; für Fernweh; für Ehrgeiz, sich zu bewähren und Großes
zu vollbringen.

MUSIK:

ERZÄHLERIN:
Gleich nach der Überfahrt über die Meerenge zwischen Europa und Kleinasien,
scheint sich der erst 21jährige aus heutiger Sicht recht merkwürdig zu verhalten.

ERZÄHLER:
Noch ehe er von Bord geht, schleudert er seinen Speer aufs Land, um zu
symbolisieren, dass er es erobern wird. Er begibt er sich zu den nahe gelegenen
Ruinen von Troja, wo mehrere Gedenkstätten an den sagenhaften Trojanischen
Krieg erinnern. Plutarch von Chaironeia berichtet gegen Ende des 1.
nachchristlichen Jahrhunderts:

ZITATOR:
Nachdem er die Grabstele des Achill gesalbt und nackt mit seinen Freunden
einen Wettlauf darum gemacht hatte, schmückte er sie mit einem Kranz.

ERZÄHLERIN:
Doch damit nicht genug. Im Tempel der Athene tauscht Alexander seine Rüstung
und Waffen gegen solche, die angeblich aus dem Trojanischen Krieg stammen.
Darunter ein Prunkschild, der als der des Sagenhelden Achilles gilt.

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ERZÄHLER:
Zum Waffentausch fühlt er sich umso mehr berechtigt, als er felsenfest davon
überzeugt ist, nicht nur väterlicherseits vom Halbgott Herakles abzustammen,
sondern mütterlicherseits auch noch vom Halbgott Achilles. Das mag heute
ziemlich befremdend klingen. Aber in der Antike haben sich fast alle prominenten
Adelsfamilien auf halbgöttliche, wenn nicht gar göttliche Ahnen berufen.

ZUSP. 2: OT-Free
In der Tat ist das normal. Also der Mythos an sich ist Geschichte für die Griechen.
Und von daher ist es Alexander nicht vorzuwerfen, wenn er sich in einer Tradition
sieht mit den mythischen Vorvätern. Zum anderen wird es auch innerhalb seiner
Familie so tradiert, die sich wirklich auf Achilles und Herakles zurückführen. Und
dadurch verschwimmt Mythos und Geschichte für ihn. Und es ist nicht, dass er
jetzt verrückt wär in diesem Punkt.

MUSIK:

Dazu ATMO: Vereinzeltes Waffenklirren

ERZÄHLERIN:
Als Alexander persischen Boden betritt, hat er eine Streitmacht von rund 30.000
Fußsoldaten und 5.000 Reitern dabei. Etwa die Hälfte davon sind Makedonen. Die
andere Hälfte setzt sich aus Griechen des sogenannten Korinthischen Bundes
zusammen: einem Bündnis der meisten griechischen Stadtstaaten. Hegemon das
heißt Anführer bzw. Vorsitzender des Bundes, ist laut Verfassung der König von
Makedonien. Jetzt, im Jahr 334 v. Chr. heißt der Hegemon Alexander. Er ist vor
zwei Jahren an die Stelle seines ermordeten Vaters getreten.

ERZÄHLER:
Wie bis heute geläufig, ist der offizielle Kriegsgrund rein propagandistischer Natur:

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Angeblich handelt es sich bei dem Unternehmen um einen Racheakt der im


Korinthischen Bund geeinten Griechen für den rund 150 Jahre vorher erfolgten
Überfall der Perser auf Griechenland. Die Makedonen wollen sie dabei nur
unterstützen. Der wahre Grund ist reine Machtgier: Philipp II. hat das ehedem
unbedeutende Zwergkönigreich Makedonien mit militärischem und
diplomatischem Geschick zur führende Regionalmacht auf dem südlichen Balkan
gemacht. Und jetzt will Alexander, einen Plan seines Vaters verfolgend, die
makedonische Einflusssphäre auf Kleinasien ausdehnen.

ERZÄHLERIN:
Im Dauerstreit mit der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien ums
makedonische Erbe betont Griechenland heute gerne, dass Makedonien und die
Makedonen schon immer griechisch gewesen seien. Aber das ist historisch falsch.
In der Antike galt lediglich die makedonische Herrscherfamilie der Argeaden als
griechisch, weil es ihr erfolgreich gelungen war, für sich einen griechischen
Migrationshintergrund zu konstruieren.

ERZÄHLER:
Die übrigen Makedonen galten den Griechen dagegen als hinterwäldlerische
Barbaren. Zwar sprachen sie ein mit dem Griechischen eng verwandtes Idiom,
aber es unterschied sich doch so sehr davon, dass es als eigene Sprache
empfunden wurde und nicht als griechischer Dialekt.

MUSIK

ERZÄHLERIN:
Als Alexander in Kleinasien eintrifft, lässt das die Perser ziemlich kalt. Großkönig
Dareios III. residiert im weit entfernten Susa und denkt keine Sekunde lang daran,
sich persönlich an die Front im Fernen Westen zu bemühen. Was soll ihm, dem
König der Könige, ein dahergelaufener, gerade erst erwachsen gewordener
Heißspund schon groß anhaben können?

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ERZÄHLER:
Er erteilt seinen kleinasiatischen Satrapen – so nennt man damals die Statthalter
der persischen Provinzen – Befehl, die lästige Angelegenheit schnell zu
bereinigen. Als Vorsichtsmaßnahme stellt er ihnen noch seinen fähigsten
Feldherren zur Seite: den Griechen Memnon von Rhodos.

ERZÄHLERIN:
Der entwirft umgehend eine erfolgversprechende Strategie: Die persische Flotte
solle die Dardanellen sperren, Alexander mithin vom Nachschub abschneiden.
Dann brauche man in Kleinasien nur noch sämtliche Vorräte und Ernten
vernichten, um den Feind dem Hunger auszusetzen - und schon wäre der
Invasions-Spuk wieder beendet.

ATMO: SCHLACHTENLÄRM

ERZÄHLER:
Aber die Satrapen fordern die Eindringlinge stattdessen am Flüsschen Granikos
zur offenen Feldschlacht heraus und kassieren dafür eine herbe Niederlage. Zwar
kommt Alexander bei dem Treffen fast zu Tode, doch Kleitos, einer seiner engsten
Freunde, rettet ihm in letzter Sekunde das Leben:

ZITATOR:
Alexander war an seinem Schild und seinem Helmbusch leicht zu erkennen. Die
(persischen) Feldherrn Rhoisakes und Spithridates stürmten gleichzeitig auf ihn
ein. Während des Zweikampfes hieb Spithridates mit der Streitaxt nach ihm. Er
traf den Helmbusch, der Helm aber hielt dem Hieb stand. Spithridates holte zum
zweiten Mal aus, da kam ihm Kleitos zuvor und jagte ihm den Speer mitten durch
den Leib. Gleichzeitig fiel auch Rhoisakes, von Alexanders Schwert getroffen.

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ERZÄHLER:
Der Sieg am Granikos bringt Alexander mit einem Schlag die Herrschaft über
Kleinasien. Dareios muss langsam einsehen, dass er den Heißsporn wohl etwas
unterschätzt hat. Deshalb beginnt er jetzt mit Truppenaushebungen großen Stils.
Und er lässt sich dazu herab, die nächste Schlacht gegen die Eindringlinge selbst
zu leiten.

ATMO: KAMPFLÄRM

ERZÄHLERIN:
So kommt es im November des Jahres 333 v. Chr. nahe der Stadt Issos am Golf
von İskenderun zum ersten direkten Aufeinandertreffen von Alexander und
Dareios. Die Perser sind weit überlegen, aber als der Makedone mit seiner
Reiterei direkt auf den Großkönig zustürmt, gibt der die Schlacht vorzeitig verloren
und wendet sich zur Flucht.

MUSIK:

ERZÄHLER:
Indes ist der Sieger weit mehr als nur ein Glückspilz und waghalsiger Drauf-
gänger, der sich bei jedem Kampf mitten ins Getümmel stürzt. Denn Alexander ist
auch hochintelligent, er weiß umsichtig und weit vorausschauend zu planen. Und
er besitzt eine umfassende Allgemeinbildung. Kein Wunder: Schließlich hatte er
als Jugendlicher keinen Geringeren als Aristoteles zum Privatlehrer, den wohl
bedeutendsten Philosophen und Gelehrten jener Zeit.

ERZÄHLERIN:
So interessiert sich der König für alles Mögliche. Für Literatur, Philosophie, schöne
Künste, Geistes- und Naturwissenschaften. Auf seinem Eroberungszug begleiten
ihn u.a. der Neffe von Aristoteles, der Historiker Kallisthenes, etliche Philosophen
und Künstler; Zoologen und Botaniker; Belagerungsmaschinen-Konstrukteure und

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Ärzte; Geographen und sogenannte Bematisten, wörtlich Schrittezähler, deren


Aufgabe es ist, die zurückgelegten Entfernungen zu messen.

ERZÄHLER:
Alexander könnte jetzt dem flüchtigen Großkönig Dareios nacheilen und ihn zu
stellen versuchen; aber er macht sich lieber erst einmal daran, sich den Rücken zu
sichern. Zu diesem Zweck unterwirft er Syrien, Phönizien, Judäa und Palästina.
Nur die auf einer Insel vor der Küste gelegene phönizische Stadt Tyros leistet
erbittert Widerstand. Alexander belagert sie über ein halbes Jahr lang. Er lässt
Dämme aufschütten, setzt himmelhohe Belagerungstürme ein und eine starke
Flotte, Als die Stadt endlich fällt, richtet er zur Strafe ein schreckliches Blutbad an,
lässt die Häuser zerstören und die Überlebenden niedermetzeln oder in die
Sklaverei verkaufen.

MUSIKWECHSEL:

ERZÄHLERIN:
Dann zieht er weiter nach Ägypten, wo er als Befreier vom persischen Joch und
als neuer Pharao bejubelt wird.
Er gründet im Nildelta die Stadt Alexandria, die bald zu einer der bedeutendsten
Metropolen der hellenistischen und römischen Antike aufsteigen wird. Und schon
wieder geht es weiter, hunderte von Kilometer durch die libysche Wüste; zur Oase
Siwa, wo sich ein Orakel des ägyptischen Gottes Ammon befindet, das auch bei
Griechen und Makedonen bekannt und angesehen ist.

ERZÄHLER:
Dort erhält er eine Privataudienz. Niemand weiß, was ihm die Priester mitteilen.
Aber nach dem Besuch des Orakels hält sich Alexander offenbar für einen
leibhaftigen Sohn des Gottes Zeus – den die Makedonen und Griechen mit dem
ägyptischen Ammon gleichsetzen.

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ATMO: Marschierende Truppen

ERZÄHLERIN:
Nach der Eroberung Ägyptens marschiert Alexander schnurstracks ostwärts, um
die endgültige Entscheidung mit Dareios zu suchen. Er überquert den Euphrat,
zieht quer durch Mesopotamien, überquert auch den Tigris.

ERZÄHLER:
Dareios hat seit Issos eineinhalb Jahre Zeit gehabt, um ein neues Heer
auszuheben. Sicherlich ist die von Plutarch angegebene Zahl von insgesamt einer
Million Kavalleristen, Bogenschützen, Infanteristen, und Streitwagen maßlos
übertrieben – aber wie heutige Historiker annehmen, steht Alexanders
vierzigtausend Makedonen und Griechen am 1. Oktober des Jahres 331 v. Chr.
wohl eine mindestens fünffache Übermacht gegenüber.

ATMO: KAMPFLÄRM

ERZÄHLERIN:
Trotzdem endet die Schlacht bei Gaugamela nicht anders als die Schlacht bei
Issos: Erneut macht Alexander die zahlenmäßige Unterlegenheit durch den
beherzten Einsatz seiner Reiterei wett, prescht wieder direkt auf den Großkönig zu
– und der verliert zum zweiten Mal die Nerven und ergreift die Flucht.

FESTLICHE MUSIK

ERZÄHLER:
Der Sieger wird daraufhin von der makedonischen Heeresversammlung zum
König von Asien ausgerufen; hält triumphalen Einzug in Babylon; zieht weiter, ins
Herz des Perserreiches, wo ihm die Königsstädte Susa, Persepolis und Ekbatana
kampflos übergeben werden und mit ihnen unermessliche Schätze.

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MUSIKWECHSEL:
Ab hier dramatischer lesen

ERZÄHLERIN:
Dareios versucht sich indes mit einem Verwandten namens Bessos in dessen
Satrapie Baktrien abzusetzen. Doch der lässt Dareios unterwegs ermorden und
ruft sich selbst zum Großkönig aus.

ERZÄHLER:
Postwendend erklärt Alexander die Bestrafung des Königsmörders Bessos zum
nächsten vordringlichen Ziel.
Drama Ende

ERZÄHLERIN:

Die Makedonen aber verstehen die Welt nicht mehr. Gerade eben noch galt
Dareios als Erzfeind – und jetzt stellt seine Ermordung plötzlich ein strafwürdiges
Verbrechen dar. Überhaupt benimmt sich ihr König in ihren Augen immer
seltsamer. Er trägt oft persische Gewänder. Schart persische Höflinge um sich.
Reiht zunehmend persische Regimenter in die Armee. Versucht das persische
Hofzeremoniell auch gegenüber Makedonen und Griechen durchzusetzen. Und so
fragen sich diese immer häufiger, ob sie eigentlich noch freie Gefolgsleute eines
makedonischen Heerkönigs sind oder längst Untertanen eines orientalischen
Despoten.

ERZÄHLER:
Überdies läuft jeder, der sich über die neuen Sitten beschwert, Gefahr,
hingerichtet zu werden. Kallisthenes, den Historiker und Neffen des Aristoteles
trifft es ebenso wie die Generäle Philotas und dessen Vater Parmenion - einen
besonders bewährten alten Haudegen, der schon unter Philipp II. Dienst getan
hat.

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ERZÄHLERIN:
Im Suff wird der König sogar selbst zum Mörder. So gerät er einmal während
eines Gelages in Streit mit seinem alten Freund Kleitos und ersticht ihn, der ihm
einst am Granikos das Leben gerettet hat, in heller Wut mit einer Lanze.

MUSIK:

ERZÄHLER:
Bessos wird 229 v. Chr. gefangen, gefoltert und hingerichtet. Ruhe kehrt
deswegen im Ostiran aber nicht ein. Die Provinz Sogdien, in etwa das heutige
Pakistan, erhebt sich gegen die Eroberer - und verwickelt sie in einen
mörderischen, höchst verlustreichen Guerilla-Krieg. Zum Friedensschluss kommt
es erst, als Alexander die bildschöne sogdische Prinzessin Roxane zur Frau
nimmt und somit in den Augen der Sogdier gleichsam zu einem der ihren wird .

MUSIKWECHSEL:

ERZÄHLERIN:
Jetzt ist das gesamte Perserreich erobert. Endlich könnte man die Früchte aller
Anstrengungen genießen und z.B. in Babylon oder Susa in Saus und Braus und
orientalischem Luxus schwelgen. Aber der Póthos lässt Alexander an Umkehr
nicht einmal denken, sondern lockt ihn sirenengleich weiter nach Indien. Dahinter,
so heißt es, ende die bewohnte Welt, läge nur noch der alles Land umspülende
Okeanos. Welch lohnendes Ziel für einen Urenkel von Achill und Herakles und
Sohn des Zeus!

ERZÄHLER:
Schon geht es in anstrengenden Märschen bis zum Indus, und als man den Strom
überquert, sieht man sich in der Person des Königs Poros plötzlich mit einem

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starken Gegner konfrontiert. Alexander besiegt ihn in der letzten großen


Feldschlacht seines Lebens. Dann befiehlt er: „Los, weiter nach Osten!“

ERZÄHLERIN:
Aber am Fluss Hyphasis, im Nordwesten Indiens, der heute Beas heißt, haben
seine Soldaten endgültig die Nase voll. Viele von ihnen sind ihren König volle acht
Jahre lang klaglos gefolgt. Tausende von Kilometern weit und durch dick und
dünn. Aber jetzt, wo sie sich vom ewigen Monsunregen, der verdammten Malaria
und den verfluchten indischen Giftschlangen quälen lassen müssen, weigern sie
sich, auch nur einen Schritt weiter zu marschieren.

ERZÄHLER:
Alexander bekommt daraufhin erst einmal einen seiner berüchtigten Wutanfälle.
Der Historiker Arrian:

ZITTOR:
“Also gut“, rief er mit heiserer Stimme, „wer heimkehren will, der soll das tun - und
dann seinen Freunden erzählen, er habe seinen König mitten im Feindesland im
Stich gelassen.

ERZÄHLER:
Daraufhin zieht er sich schmollend ins Zelt zurück. Aber nach drei Tagen befiehlt
er doch die Umkehr und den Bau einer großen Flotte. Dann fährt man auf den
beiden Flüssen Hyphasis und Indus südwärts, dem Indischen Ozean entgegen.
Als man ihn nach siebenmonatiger Reise und dauernden Kämpfen mit feindlichen
Stämmen erreicht, gelangt Alexander also doch noch bis zum Okeanos – und
damit ans Ende der Welt!

ATMO MEER/Dann Wechsel


zu
MARSCHIERENDER TRUPPE

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ERZÄHLERIN:
Von dort aus segelt ein Teil der Truppen per Schiff westwärts, um über den
Persischen Golf ins Mündungsgebiet von Euphrat und Tigris zu gelangen.
Alexander selbst aber nimmt mit 20.000 bis 30.000 Mann den Landweg. Und zwar
mitten durch die Makran-Wüste eine der unwirtlichsten Weltgegenden überhaupt.

ERZÄHLER:
Was ihn dazu bewegt, wird für immer unklar bleiben. Ist es Ruhmsucht?
Forscherdrang? Rache dafür, dass ihn die Soldaten am Hyphasis zur Umkehr
gezwungen haben? Jedenfalls gerät das Unternehmen zum Desaster: Als man
der Hölle endlich wieder entrinnt, sind von denen, die sie betreten haben, nur noch
ein Viertel am Leben.

FESTLICHE MUSIK

ERZÄHLERIN:
Im Frühjahr 324 v. Chr. erreichen sie Susa. Dort veranstaltet Alexander eine große
Massenhochzeit.
Er selbst heiratet je eine Tochter von Dareios III. und dessen Vorgänger
Artaxerxes III. So untermauert er seinen Anspruch, rechtmäßiger Nachfolger auf
dem persischen Thron zu sein. Roxane eingerechnet, hat er nun drei rechtmäßige
Ehefrauen. Weder Perser noch Makedonen nehmen daran Anstoß. Denn die
Großkönige unterhielten von jeher einen ganzen Harem und auch bei den
makedonischen Herrschern sind Mehrfachehen durchaus üblich.

ERZÄHLER:
Auch rund 100 von Alexanders Freunden und Gefolgsleuten nehmen sich Frauen
aus dem persischen Adel. Denn dem Herrscher ist sehr am Entstehen einer
makedonisch-persischen Elite gelegen. Zwar schwebt ihm nicht die völlige
Verschmelzung der Völker in seinem Reich vor, aber doch, dass alle
gleichberechtigt und friedlich zusammenleben.

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ERZÄHLERIN:
Außerdem heiraten auch noch an die 10.000 einfache Soldaten ihre bisherigen
persischen Konkubinen und tragen somit ihren Teil zur Völkerverständigung bei.

UNHEILVOLLER MUSIK

ERZÄHLER:
Und dann verlässt den langjährigen Götterliebling das Glück:

ERZÄHLERIN:
Im Herbst des Jahres 324 v.Chr. stirbt sein bester Freund Hephaistion an einer
unbekannten Krankheit. Alexander ist außer sich vor Schmerz. Und nur ein
Dreivierteljahr später ereilt ihn selbst in Babylon dasselbe Schicksal: Nach einem
exzessiven Weingelage beginnt der noch nicht ganz 33-Jährige zu fiebern. Zwölf
Tage später, am 6.Juni 323, stirbt auch er. Seitdem rätselt die Welt, woran.
An Malaria? An den Spätfolgen einer seiner vielen Kriegsverletzungen? An
Leberzirrhose? Wurde er vergiftet? Wenn ja - womit, warum, von wem?

ERZÄHLER:
Nach Alexanders Tod fällt das von ihm eroberte Riesenreich innerhalb weniger
Jahre in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Seine engsten Paladine raufen sich
darum wie wilde Tiere, jeder schnappt sich ein möglichst großes Stück und lässt
sich zum König darüber krönen.

MUSIK:

ERZÄHLERIN:
Kein Zweifel: Alexander der Große war vor allem ein egomanischer Machtmensch
und Massenschlächter. Trotzdem ist er auch der Schöpfer einer neue Ära: Er säte
den Keim für die Kultur und das Zeitalter des Hellenismus. Dr. Alexander Free:

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ZUSP. 3: OT-Free
Alexander steht an der Schwelle einer neuen Epoche innerhalb der griechischen
Geschichte. Durch seinen Zug bis nach Indien bringt er natürlich auch griechische
Kulturelemente bis in die weitesten Teile der bekannten Welt, der Oikumene. Und
das hat natürlich Bedeutung für die kommende Zeit. So dass wir wirklich eine
hellenistische Kultur haben, die sich entwickelt. Orientiert auch an orientalischen,
iranischen Elementen wie etwa dem Königtum. Und da muss man Alexander
wirklich als Türöffner sehen, in dieser Hinsicht.

ERZÄHLER:
Später hält der Hellenismus auch in Rom Einzug und wird das römische Weltreich
entscheidend mitprägen. Der rege Austausch von westlichem und östlichem
Gedankengut führt zur Amalgamierung unterschiedlichster Weltanschauungen
und Ideen.
Nicht nur in kultureller, sondern beispielsweise auch in religiöser Hinsicht. Die
Nachwirkungen sind bis heute spürbar: Denn auch das Christentum entstand auf
hellenistischem Boden. Ohne Alexander den Großen hätte es wohl nie ein
christliches Abendland gegeben.

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