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Information für Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter Schweizer Banken

Vollgeld: Ja zum
Bankenplatz Schweiz
Die Vollgeld-Initiative kommt bald zur Abstim- Inhalt:
mung. Viele haben von der Vollgeld-Initiative aus Vollgeld-Initiative in Kürze 3
der Ferne gehört und verschiedene Meinungen Umstellung auf Vollgeld 5
vernommen, letztlich ist die Initiative aber unklar Auswirkungen für die Bankkunden 7
geblieben. Mit dieser Broschüre wollen wir diese Auswirkungen für die Banken 8
Lücke schliessen. Wir beschreiben die Auswir- Auswirkungen für die Wirtschaft 12
kungen der Vollgeld-Initiative gut verständlich Welche Vorteile haben Banken? 14
und aus Bankenperspektive. Initiativtext 16
Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen! Antworten auf kritische Fragen 18
Das Initiativkomitee der Vollgeld-Initiative Zur Position der Bankiervereinigung 19
Zusammenfassung 20

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Stimmen zur
Vollgeld-Initiative

„Viele Menschen haben „Vollgeld geht die Pro- „Jetzt ist es an der Zeit, „Vollgeld bringt sichere
das Gefühl, dass im heu- bleme des entfesselten ein besseres, stabiles Bankkonten, in die wir
tigen Geldsystem etwas Finanzkapitalismus an Geldsystem einzufüh- vertrauen können!“
nicht stimmt.“ der Wurzel an.“ ren!“ Reinhold Harringer,
Katharina Serafimova, Peter Ulrich, em. Prof. Dr. Emma Dawnay, Dr. oec., ehem. Leiter
Expertin für Finanzwirt- für Wirtschaftsethik, Naturwissenschaftlerin Finanzamt Stadt
schaft und Umwelt Universität St. Gallen und Mutter St. Gallen

„Vollgeld macht es „Die Finanzbranche hat „Die unkontrollierte „Seit 1891 ist das Bank-
möglich, unsere Wirt- unter Vollgeld einen Geldschöpfung privater notengeld Sache des
schaft auf Stabilität, Service Public im Dienst Banken und die damit Bundes, was die Tur-
Nachhaltigkeit und der Realwirtschaft und verbundene, unermess- bulenzen auf den Fi-
soziale Gerechtigkeit der Gesellschaft zu er- liche Verschuldung von nanzmärkten beruhigte.
auszurichten.“ füllen.“ Staaten, Organisati- Heute ist dasselbe für
onen und Privaten muss
Mark Joób, Prof. für Philippe Mastronardi, gestoppt werden. Des- das elektronische Geld
Wirtschaftswissen- em. Prof. für öffent- halb Ja zu Vollgeld.“ nötig.“
schaft, Universität So- liches Recht, Hans Zuberbühler, Helvetia,
pron (HU) und Zürich Universität St. Gallen Dr. oec. HSG, ehem. Landesmutter
Direktor der UBS

Vollgeld-Initiative Spendenkonto: Postfinance 60-354546-4


Verein Monetäre Modernisierung (MoMo) IBAN CH61 0900 0000 6035 4546 4,
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Endredaktion: Thomas Mayer
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Initiative
in Kürze
“Wie war es früher?“ “Wo steht die Vollgeld-Initiative?”
Die Nationalbank erzeugte Banknoten und der Die Unterschriftensammlung ist erfolg-
Bund prägte Münzen im Gesamtinteresse des reich zustande gekommen.
Landes. Die Erlöse kamen allen zugute. Im Dezember 2015 wurden nach 18 intensiven
Sammelmonaten bei der Bundeskanzlei in Bern
100% über 110‘000 beglaubigte Unterschriften einge-
reicht. Die Vollgeld-Initiative kommt voraussicht-
lich 2018 zur Volksabstimmung.

Nationalbank Bargeld
“Wer steckt hinter der Vollgeld-Initiative?”
„Wie ist es heute?“ Der überparteiliche Verein Vollgeld-Initia-
Zu den Münzen und Banknoten kam das elek- tive / Monetäre Modernisierung (MoMo).
tronische Buchgeld und macht heute 90% des Seit 2011 bereitete er die Initiative vor. Der Ver-
Geldes aus. Das erzeugen die Banken. fassungstext wurde von einem namhaften wis-
senschaftlichen Beirat erarbeitet. Die Unterstützer
der Initiative finden Sie stetig aktualisiert auf der
10% Website: www.vollgeld-initiative.ch/befuerworter

Nationalbank Bargeld
“Was bedeutet der Begriff ‘Vollgeld’?”
Vollgeld ist echtes Geld der Nationalbank.
90% Heute sind nur Münzen und Banknoten Vollgeld
und gesetzliche Zahlungsmittel. Diese machen
aber lediglich etwa 10 Prozent der umlaufenden
Geldmenge M1 aus. Etwa 90 Prozent sind elek-
Banken elektronisches Buchgeld tronisches Geld (Buchgeld), das die Banken
selber schaffen, um damit ihre Geschäfte (u.a.
„Was will die Vollgeld-Initiative?“ Kredite, Immobilien, Aktien) zu finanzieren. Die
Die Nationalbank soll auch das elektronische Geld meisten Leute glauben, die Guthaben auf einem
erzeugen - im Gesamtinteresse des Landes. Bankkonto seien echte Franken. Ein Trugschluss!
Ein Konto ist eine Forderung des Kunden, bzw.
ein Versprechen der Bank auf echte Franken,
100% aber selbst kein gesetzliches Zahlungsmittel. Mit
der Vollgeld-Initiative soll auch das elektronische
Geld auf den Privatkonten zu Vollgeld werden.
(Genauso wie die heutigen Guthaben der Banken

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bei der SNB, die aber nur für Überweisungen von Milliarden zusätzlicher Geldherstellungserlöse
Bank zu Bank verwendet werden können.) an den Bund, die Kantone oder die Bürger reali-
sierbar machen. Die Spielregeln für Banken und
„Was will die Vollgeld-Initiative konkret?“ Unternehmen sowie Gross- und Kleinbanken
Echte Franken für unsere Konten! sind wieder für alle dieselben: alle müssen das
Die Vollgeld-Initiative will genau das, wovon Geld, das sie verwenden wollen, zuerst extern
viele denken, dass es schon heute so ist, näm- beschaffen, kein Wirtschaftsteilnehmer kann es
lich: Allein die Nationalbank stellt Geld her, für sich selber schaffen. Finanzblasen können sich
auch das elektronische Geld. Das entspricht der weniger gut bilden, weil die Finanzmärkte nicht
ursprünglichen Intention der Bundesverfassung mehr mit ad hoc geschaffenem Geld befeuert
(ab 1891 Art. 36, heute Art. 99: „Das Geld- und werden können. Staat und Steuerzahler werden
Währungswesen ist Sache des Bundes“). Sinnge- aus der Geiselhaft befreit, weil sie Banken im
mäss bedeutet das, dass Banken kein eigenes Krisenfall nicht mehr mit Steuermilliarden retten
Geld erzeugen sollen, sondern Geld gegen müssen (too big to fail), um den Zahlungsverkehr
Zinsen verleihen, das sie von Sparern, anderen aufrecht zu erhalten. Mit Vollgeld ist das Geld- und
Banken oder der Nationalbank zur Verfügung Bankensystem kein Buch mit sieben Siegeln mehr,
gestellt bekommen. es wird wieder verständlich.

“Was sind die wesentlichen Vorteile des “Wo finde ich weitere Informationen zur
Vollgeldes?” Geldschöpfung der Banken?”
Sichere Konten, Entlastung der Steuer- Hier finden Sie dazu viele Dokumente:
zahler und Realwirtschaft sowie faire www.vollgeld-initiative.ch/wie-entsteht-geld
Marktwirtschaft. Besonders empfohlen ist die Broschüre der
Das Vollgeld auf Zahlungskonten ist vollumfäng- Aargauer Kantonalbank “Wie Banken Geld
lich sicher, da es stabiles Geld von der National- schaffen” und die beiden Beiträge der Freien
bank ist. Somit können ihm Bankenkrisen nichts Gemeinschaftsbank “Geldschöpfung aus dem
anhaben. Der Steuerzahler und die Realwirtschaft Nichts” und “Banken als Organe der Geldschöp-
werden entlastet, denn die Nationalbank kann fung und Geldvernichtung”.

Dagobert Kuster, Sergio Rossi, Professor


Unternehmer, bis 1992 für Makroökonomie
Direktor der Schwei- und Monetäre Ökono-
zerischen Volksbank mie, Universität Frei-
Basel burg (Schweiz):

„Ich wage zu behaup- „Die Vollgeld-Initiative


ten, dass niemand mehr will verhindern, dass
die Finanzmärkte und Banken ihre Geldschöp-
namentlich die Mecha- fungsmacht missbrau-
nismen der Geldschöp- chen können, um Kredite
fung versteht. Weder die zu gewähren, die zu einer
Protagonisten am Markt, Erhöhung der Geldmen-
noch die Aufsichtsbehörden und schon gar nicht die ge ohne entsprechende Erhöhung des Sozialprodukts
Politiker haben den Durchblick. Da die Auswirkungen führen. Damit wird eine fundamentale Debatte über
eines Zusammenbruchs der Finanzmärkte auf die Re- das Verständnis der wesentlichen Ursache der wei-
alwirtschaft unbekannt sind, werden die Krisen durch terhin in vielen Ländern grassierenden systemischen
milliardenschwere Symptombekämpfungsprogramme Finanzkrise angestoßen. Deswegen verdient die
vorübergehend beruhigt. Die Ursachen sind und blei- Initiative die Aufmerksamkeit der politischen Ent-
ben unbekannt und scheinen unheilbar. Schon nur, scheidungsträger und sämtlicher Interessengruppen,
weil die Vollgeld-Initiative die eidgenössische Öffent- einschließlich der Banken, die ein unbestreitbares
lichkeit zwingt, sich mit der Frage der Geldschöpfung Interesse an der finanziellen Stabilität des Wirtschafts-
auseinander zu setzen, ist sie unterstützenswert.“ systems haben, aus welchem sie ihre Profite und die
Entlohnung ihrer Führungskräfte schöpfen.“

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Umstellung
auf Vollgeld
“Wie funktioniert die Umstellung auf Vollgeld?” Definitionen der SNB also nur auf die Geldmenge
Die Privatkonten der Kunden werden aus M1, das heisst auf “Sichteinlagen” und “Einlagen
der Bankenbilanz herausgelöst und sepa- auf Transaktionskonti”. Die “Spareinlagen” und
“Termineinlagen” der Geldmengen M2 und M3
rat als Vollgeld-Konten geführt.
sind nicht betroffen, da sie kein sofort kaufkräftiges
Die Guthaben auf den Zahlungsverkehrskonten
Zahlungsmittel sind, sondern eine Geldanlage.
(Privatkonten) bleiben eins zu eins bestehen,
werden allerdings zu Vollgeld umgewandelt “Was geschieht am Tag der Umstellung?”
und somit zu gesetzlichen Zahlungsmitteln (wie
Münzen und Banknoten). Dadurch geschieht mit Es finden Buchungen in den Bilanzen der
dem unbaren elektronischen Geld heute das glei- Banken und der Nationalbank statt.
che wie vor hundert Jahren mit den Banknoten. Bei der Umstellung auf Vollgeld werden die Gut-
Damals wurden privat ausgegebene Banknoten haben auf den Transaktions- und Privatkonten zu
durch staatliche Nationalbanknoten ersetzt. Nationalbankgeld umgewandelt. Alles Buchgeld
Heute geht es darum, das elektronische Geld der wird damit – rechtlich betrachtet - den Banknoten
Geschäftsbanken (Giralgeld) durch Vollgeld zu gleichgestellt. Das geschieht zu einem Stichtag
ersetzen, welches dem Bargeld rechtlich gleich- mit wenigen Buchungen:
gestellt ist. Dieses Vollgeld wird ausschliesslich Buchungen in den Bankbilanzen
von der Nationalbank geschöpft. Passivtausch: Die täglich fälligen Verbindlich-
Per Stichtag werden die Zahlungsverkehrskon- keiten der Bank gegenüber den Kunden, das
ten aus der Bankbilanz ausgebucht und fortan heisst die Guthaben der Bürger auf Transaktions-
treuhänderisch geführt, so wie bereits heute die und Privatkonten, werden zu Verbindlichkeiten an
Wertschriftenkonten. Die damit entstehende Lü- die Nationalbank umgebucht. Die Bank schuldet
cke auf der Passivseite der Bankbilanz wird 1:1 damit nicht mehr den Kunden die Gelder, son-
mit einem Darlehen der Nationalbank gefüllt. Die dern der Nationalbank. Diese Vollgeld-Zah-
Bank schuldet nun also nicht mehr den bisherigen lungskonten der Kunden werden weiterhin von
Sichteinlegern Geld, sondern direkt der Natio- den Banken verwaltet, nun aber ausserhalb der
nalbank. Dieses Nationalbankdarlehen kann mit Bilanz geführt wie heutige Wertpapierdepots.
den derzeit hohen Giroguthaben der Bank bei Buchungssatz: Verbindlichkeiten an SNB / Sicht-
der Nationalbank verrechnet werden, so dass verbindlichkeiten an Kunden
die Bank de facto kaum Geld aufnehmen muss.
Bankbilanz
Im Vollgeld-System gibt es keinen Grund, warum
Aktiva Passiva
eine Bank bei der Zentralbank Einlagen tätigen Sonstige Aktiva Sonstige Passiva
müsste, sie bräuchte also keine Mindestreserven Verbindlichk. an Kunden - 100
mehr bei der Zentralbank blockiert zu halten. Verbindlichk. an SNB + 100
Neu ausserhalb der Bankbilanz:
Vollgeld-Zahlungskonten Kunden + 100
“Auf welche Guthaben bei Banken bezieht
sich die Vollgeldreform?” Die derzeit sehr hohen Giroguthaben bei der SNB
Nur täglich fällige Guthaben auf Zahlungsver- können für die Tilgung der Verbindlichkeiten an
kehrskonten werden in Vollgeld gewandelt. SNB verwenden werden. Buchungssatz: Girogut-
Das Vollgeld-System unterscheidet klar zwischen haben SNB / Verbindlichkeiten an SNB
Buchgeld auf Zahlungskonten (das dem Geldbe- Buchungen in der Nationalbankbilanz
sitzer gehört und jederzeit für Zahlungen verwen- Bilanzverlängerung: Die SNB-Forderungen an
det werden kann) und Spareinlagen auf Anlage- Banken (Verbindlichkeiten der Banken ggü. der
konten (die der Geldbesitzer einer Bank geliehen SNB) wachsen im Umfang des bisherigen um-
hat und erst nach Kündigung oder Ablauf des laufenden Buchgeldes. Das Konto „Buchgeldum-
Sparkontos wieder für Zahlungen verwenden lauf“ gibt es bisher noch nicht, da das bisherige
kann). Vollgeld bezieht sich entsprechend den Nationalbank-Buchgeld die Nationalbank nicht

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verliess. Das ändert sich mit der Vollgeldreform. von etwa 14 Milliarden CHF (Stand Januar 2017)
Das Buchgeld der Nationalbank, welches bisher nötig. (Eine Berechnung der Umstellungskredite
einzig im Interbanken-System verkehren konnte, basierend auf älteren Zahlen finden Sie auf:
wird neu zu einem Zahlungsmittel innerhalb der www.vollgeld-initiative.ch/vorteile-fuer-banken).
Realwirtschaft wie Bargeld. Für Münzen gibt es Normalerweise bekommen Banken Zentralbank-
heute ausserhalb der Nationalbankbilanz einen kredite nur, wenn sie entsprechende Wertpapiere
Posten “Münzumlauf”. Für Banknoten gibt es heu- als Sicherheit hinterlegen. Darauf muss in diesem
te das SNB-Bilanzkonto „Notenumlauf“, das alle Fall angesichts der 97% Deckung der Giralgelder
Banknotenbestände von Privaten, Unternehmen nicht verzichtet werden. Diese Umstellungskre-
und staatlichen Einrichtungen umfasst. Das neue dite sollen im Laufe der folgenden Jahre und
Bilanzkonto „Buchgeldumlauf“ beinhaltet alles Jahrzehnte reduziert werden. 14 Milliarden
Buchgeld auf Vollgeld-Zahlungskonten, die von den Übergangskredite abzutragen, ist für das Ban-
Banken ausserhalb ihrer Bilanz verwaltet werden. kensystem mit seiner Bilanzsumme von 3000
Nationalbankbilanz Milliarden einfach zu bewältigen.
Aktiva Passiva Wenn die Banken ihre Darlehen bei der Natio-
Sonstige Aktiva Sonstige Passiva nalbank tilgen, findet bei dieser eine Bilanz-
Umstellungs-Forderungen Buchgeldumlauf + 100
verkürzung statt und es verschwindet Geld aus
an Banken + 100
dem realwirtschaftlichen Umlauf. Damit die
Mit der Umstellung auf Vollgeld erhöhen sich Geldmenge stabil bleibt, muss die Nationalbank
bei der Nationalbank die Forderungen gegenü- im Gleichschritt neues Vollgeld erzeugen und in
ber den Banken. Da bestehende Guthaben der die Realwirtschaft in Umlauf bringen. Das geht
Banken bei der Nationalbank (von Seiten der durch neue Darlehen an die Banken, Kauf von
Nationalbank aus: Verbindlichkeiten) gegenge- Auslandsdevisen oder durch schuldfreie Auszah-
rechnet werden können, sind zum Umstellungs- lung von neuem Geld an Bund, Kantone oder
tag zusätzliche Darlehen der SNB an die Banken die Bürgerinnen und Bürger.

Heute: Zwei getrennte Geldkreisläufe Vollgeld: Nur ein Geldkreislauf


Das Buchgeld der Schweizerischen Nationalbank kommt nicht in den Mit der Vollgeld-Reform erzeugt ausschließlich die Schweizerische
Wirtschaftskreislauf. Es dient ausschließlich dem Zahlungsausgleich Nationalbank elektronisches Buchgeld. Die Banken können nur das Geld
zwischen Banken sowie regulatorischen Zwecken. Das elektronische Geld verleihen, das ihnen dafür von Sparern, Investoren oder der Nationalbank
auf unseren Konten wird von den Geschäftsbanken erzeugt. Nur Münzen zur Verfügung gestellt wurde. Sie sind Finanzdienstleister, aber keine
und Geldscheine wandern durch beide Geldkreisläufe. Geldschöpfer mehr.

Kreislauf 1
SNB-Buchgeld
(= Vollgeld) Schweizerische
Nationalbank

Schuldfreie Zuteilung an den Staat,


SNB Kantone und Bürgerinnen und Bürger
gibt Darlehen an Banken sowie Darlehen an Banken

Staat Banken

Kreislauf 2 Kredite und Finanzanlagen


Banken-Buchgeld
(= Forderungen
an Banken)

Staat
Unternehmen

Konsum
Unternehmen

Private
Konsum
Private

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Auswirkungen für
kunden
“Welche Auswirkungen hat Vollgeld für unzweifelhaft zu flüssigen Mitteln. Doch wie ist
Bankkunden?” das mit dem elektronischen Buchgeld der Ban-
ken? Die Banken selbst buchen Kundenguthaben
Das Geld auf dem Konto wird so sicher wie auf Privat- oder Girokonten als „Verbindlich-
Bargeld. Steuerzahler wird entlastet. keiten gegenüber Kunden“. Also müssten im
Bei der Umstellung auf Vollgeld müssen die Umkehrschluss die Bankkunden diese Guthaben
Bankkunden nichts machen, alle Konten und Kre- entsprechend als „Forderungen gegenüber der
ditverträge laufen wie gewohnt weiter. Auf allen Bank“ verbuchen. Das war vor Jahrzehnten auch
Konten, die dem Zahlungsver-
kehr dienen, befindet sich dann
Vollgeld, das heisst von der Na-
tionalbank garantiertes elektro-
nisches Geld. Die Bank verwaltet
diese Konten treuhänderisch wie
Wertschriften-Depots, sozusagen
als elektronisches Portemonnaie.
Das Geld gehört den Kontobesit-
zern und geht nicht verloren, falls
eine Bank in Schieflage gerät.
Allerdings wird es nicht verzinst.
Wer lieber Zins statt krisensicheres
Geld möchte, kann der Bank sein
Geld über ein verzinstes Sparkon-
to zur Verfügung stellen.
Eine weitere spürbare Auswirkung
für Kunden: Die Nationalbank
bekommt die Möglichkeit, neues
Geld durch Auszahlung an Bund
und Kantone oder durch eine Bürgerdividende noch der Fall. Damals zählte als Geld nur das
in Umlauf zu bringen. Wenige hundert Franken Bare in der Kasse, und die Zahlungsversprechen
pro Kopf und Jahr scheinen hier realistisch, es von Banken wurden als Forderungen auf Bargeld
gibt aber keinen Anspruch darauf. angesehen. Da sich das Banken-Buchgeld aber
immer mehr verbreitete und Überweisungen
“Was heisst Vollgeld für die Buchhaltung immer üblicher wurden, passte sich die Buchfüh-
von Unternehmen und Privatpersonen?” rung dieser Praxis an. Seither werden diese Zah-
lungsversprechen der Banken in der Bilanz nicht
Hier ändert sich nichts. bei den Forderungen, sondern bei den flüssigen
Nicht-Banken sind alle Bürgerinnen und Bürger, Mitteln ausgewiesen genauso wie Banknoten. In
Unternehmen, Vereine und öffentliche und staat- der Buchhaltung wird also mit elektronischem
liche Einrichtungen. Für alle Nicht-Banken ändert Buchgeld schon heute so umgegangen, als ob
sich durch die Vollgeld-Initiative nichts. es Vollgeld wäre. Die bilanzielle Umstellung auf
In der Schweiz sind die Buchführungsvorschriften Vollgeld hat für Nicht-Banken also schon vor
im Obligationenrecht (OR) geregelt. Darin wird Jahrzehnten stattgefunden.
vorgeschrieben, dass in der Bilanz zwischen
„flüssigen Mitteln“ und „Forderungen“ zu unter-
scheiden sei. Münzen und Banknoten gehören

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Auswirkungen für
Banken
“Welche Rolle haben die Banken im Voll- platz Schweiz, gestärkt durch das sichere Voll-
geld-System?” geldsystem, können neue Kunden im Bereich
Der einzige Unterschied zu heute ist, dass Vermögensverwaltung gewonnen und somit auch
die Banken selbst kein Geld mehr erzeu- neue Arbeitsplätze in diesem Bereich geschaffen
gen können. werden. Die allfällige zukünftige Reduzierung
Die Banken bieten weiterhin alle bisherigen Fi- der Beschäftigtenzahl im Bankenwesen hat mit
nanzdienstleistungen an: Zahlungsverkehr, Kre- den aktuell sich etablierenden FinTech 2.0 samt
ditvergabe und Vermögensverwaltung. Hier än- P2P-Zahlungssystemen zu tun und nicht mit der
dert sich nichts. Die Banken können mit Vollgeld Einführung von elektronischem Vollgeld.
aber nur noch das Geld verleihen, das ihnen von “Kostet die Umstellung auf Vollgeld die
Sparern, Investoren oder der Nationalbank zur Banken etwas?”
Verfügung gestellt wurde oder das sie selbst be-
Nein, die Umstellung der Giroguthaben in
sitzen. Die hohe Sparquote in der Schweiz sowie
Vollgeld ist für die Banken eine neutrale
allfällige Darlehen der SNB an das Bankensystem
Umbuchung in der Bilanz.
verhindern zukünftige Kreditklemmen.
Anstatt ihren Kunden schulden sie nun den glei-
“Wie müssen Banken Vollgeld verbuchen?” chen Betrag der Zentralbank. Für diese neuen
Buchgeld wird dann wie Bargeld gebucht. Kredite wird die Nationalbank keinen höheren
Was die Nicht-Banken schon vor Jahrzehnten Zinssatz verlangen, als zuvor für die Girokonten
gemacht haben, müssen die Banken mit der Voll- der Kunden üblich war. Für die Banken entstehen
geldreform nachholen: sie müssen Buchgeld so so keine Mehrkosten. Die Investitionen in die An-
verbuchen wie heute Bargeld. Das sind gewohnte passung der Zahlungssoftware sind gering und
Abläufe. Detaillierter ist es in dem Aufsatz von im Rahmen normaler Anpassungen.
Thomas Mayer “Bilanzierung von Bankengeld “Verdienen Banken mit Vollgeld weniger?”
und von Vollgeld” beschrieben, der hier veröffent-
Nein, in Zeiten des Null-Zinses hat Voll-
licht ist: www.vollgeld-initiative.ch/aufsaetze
geld keine direkten finanziellen Auswir-
“Wie wirkt sich Vollgeld auf die Banken- kungen für Banken. Ob eine Bank ko-
software aus?” stenlos selbst Geld herstellt oder zu Null
Die Software für den Zahlungsverkehr Prozent Zins von der Nationalbank leiht,
kann mit Anpassungen weiterlaufen. macht für sie keinen Unterschied.
Der wesentliche Unterschied zu heute ist, dass es Früher erzielten Banken aus der eigenen Geld-
bei Überweisungen direkte Finanzflüsse von Kun- herstellung einen “Extra-Zinsgewinn”. Das heisst:
de zu Kunde gibt, anstatt einer Verrechnung von Wenn Banken elektronisches Geld kostenlos
Forderungen zwischen Banken. Umstellungen in herstellen und damit Kredite finanzieren und
grösserem Ausmass hat das Bankensystem zum Zinsen einnehmen, so haben sie eine höhere
Beispiel mit der Einführung des SEPA-Zahlungs- Zinsspanne als andere Finanzunternehmen, die
systems problemlos gemeistert. für jede Investition vollständig Einlagen benöti-
gen, dafür Zinsen bezahlen und somit höhere
“Gehen Bank-Arbeitsplätze verloren?” Kosten haben. Die NEF New Economic Founda-
Nein, denn das Dienstleistungsangebot tion und der CBS Copenhagen Business School
der Banken bleibt gleich. untersuchten in ihrer Studie “Making money from
Mit Vollgeld bleiben die Banken in gleichem making money - Seigniorage in the modern
Umfang zuständig für Zahlungsverkehr, Kredit- economy”*, wie gross die Vorteile der Banken
vergabe und Vermögensverwaltung. Deshalb durch die Geldschöpfung gegenüber anderen
benötigen sie genauso viele Mitarbeiter/innen Finanzunternehmen waren. Im Durchschnitt der
wie heute. Mit einem zukunftsfähigen Finanz- Jahre 2007 bis 2015 erzielten die Schweizer

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Banken pro Jahr 2,8 Milliarden Franken zusätz- “Wie stark sind die verschiedenen Ban-
liche Profite, weil sie elektronisches Geld selber kengruppen vom Wegfall des Geldschöp-
herstellen konnten. fungsprivilegs betroffen?”
Aber seit 2014 haben die Schweizer Banken gemäss
Die Auswirkungen sind sehr unterschied-
der NEF-Studie keinen Vorteil mehr von der eigenen
lich: während zum Beispiel die Raiffeisen-
Geldschöpfung. Ob eine Bank kostenlos selbst Geld
banken, die Regional- und Kantonalban-
herstellt oder zu Null Prozent Zins von der Natio-
ken die Umstellung auf Vollgeld kaum
nalbank leiht, macht für sie keinen Unterschied.
merken werden, werden sich Grossbanken
Deshalb verlieren sie mit der Vollgeld-Initiative
deutlich stärker um die Vorfinanzierung
auch nichts. Der Zeitpunkt für eine Umstellung auf
von Investitionen kümmern müssen.
Vollgeld ist also günstig, da die Banken durch die
Die Auswertung der Bankbilanzen anhand der
Abschaffung des Privilegs der Geldherstellung keine
SNB-Statistiken zeigt, dass die verschiedenen
finanziellen Einbussen haben.
Bankengruppen sehr unterschiedlich von der
Banken können mit Vollgeld gute Gewinne ma-
Geldschöpfung profitieren. Fast alle Kredite, Fi-
chen. Das zeigt die PostFinance, die heute schon
nanzanlagen, Beteiligungen und Immobilien wer-
ähnlich wie eine Vollgeld-Bank arbeitet, da sie
den heute von Banken durch selbst geschöpftes
selbst durch Kreditvergabe kein Geld erzeugen
Buchgeld finanziert, womit sich die Geldmenge
kann. Die PostFinance macht jährlich rund 600
erhöht. Wenn Banken Spar- und Anlagegelder
Millionen Franken Gewinn. Auch Versicherungen
von Kunden annehmen, wird Geld stillgelegt und
und andere Finanzunternehmen arbeiten renta-
damit die umlaufende Geldmenge M1 wieder
bel, ohne selbst eigenes Geld zu schaffen.
* http://neweconomics.org/2017/01/making-money-making-money reduziert. Es müssen also immer wieder neue
zusätzliche Kredite in Umlauf gebracht werden,
“Wenn es aber irgendwann wieder Zinsen damit die Geldmenge sich nicht reduziert auf-
gibt, verlieren die Banken doch etwas, wenn grund der “stillgelegten” Gelder. Der Unterschied
sie kein Geld mehr schöpfen können?” zwischen Krediten, Finanz- und Sachanlagen
Verlieren werden sie nichts, allerdings (Geldschöpfung) abzüglich der Spargelder auf
würden sie aus steigenden Zinsen kei- Zeit (Geld-Stilllegung) ergibt das elektronische
nen zusätzlichen Vorteil mehr ziehen, Buchgeld der Banken (Sichteinlagen).
weil die Schaffung von Sichtguthaben Das Verhältnis zwischen Geldschöpfung und
wegfällt. Aber dann gibt es dadurch Geld-Stilllegung ist je nach Bankengruppe
auch keine Wettbewerbsverzerrung mehr sehr unterschiedlich. Bei den Raiffeisenbanken
zwischen grossen und kleinen Banken stehen allen Krediten und Finanzanlagen 90%
sowie anderen Finanzunternehmen wie auf Zeit angelegte Spareinlagen von Kunden
Versicherungen, Pensionskassen oder gegenüber, bei den Grossbanken (UBS und CS)
Investmentfonds, die schon heute keine dagegen nur 57%. Entsprechend mehr profitie-
Sichtguthaben schaffen können. ren die Grossbanken von der Geldschöpfung.
Durch die Vollgeldreform werden wieder gleiche Wenn Raiffeisenbanken 100% neu geschöpfte
Wettbewerbsbedingungen zwischen allen Finanz- Gelder dem Geldkreislauf zuführen, so fliessen
unternehmen sowie kleinen und grossen Banken ihnen zwischenzeitlich im Umfang von 90%
hergestellt. Es werden Ungleichgewichte besei- wieder Spargelder zu, welche sie stilllegen. Den
tigt, der Finanzsektor insgesamt verliert nichts. Grossbanken fliessen im Verhältnis zu ihrer

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Geldschöpfung aber nur 57% an Spargeldern
Die grosse Bedeutung der Grossbanken für die
zu. Entsprechend haben heute Grossbanken ge-
Geldschöpfung zeigt diese Auswertung:
ringere Refinanzierungskosten, denn Sparkonten
müssen höher verzinst werden, als die jeweils Anteil an der Schöpfung elektronischen
geschaffenen Sichteinlagen. Buchgeldes der Banken (Sichtguthaben).
Die bei genossenschaftlichen Raiffeisen- Sichtguthaben Mia. CHF in Prozent
banken angelegten Spargelder entsprechen alle Banken 328.884 100%
also fast dem Volumen ihrer ausstehenden Grossbanken 158.547 48%
Kredite. Damit könnten die Raiffeisenbanken Kantonalbanken 86.142 26%
nach der Vollgeldumstellung die Kreditvergaben Übrige Banken 77.556 24%
weitgehend durch Spargelder finanzieren. Auch Regionalbanken
viele Sparkassen und Kantonalbanken und Sparkassen 15.239 5%
werden die Umstellung zu Vollgeld kaum mer- Raiffeisenbanken 17.065 5%
ken. Mit Vollgeld wird deren vorsichtiges Ge- Privatbankiers 788 0%
schäftsmodell belohnt. Dagegen werden sich die Filialen ausländi-
Grossbanken mit Vollgeld stärker um die Vor- scher Banken -26.453 -8%
finanzierung kümmern müssen. Das ist möglich (Stand 31.12.2014)
durch ein verstärktes Anwerben von Spargeldern,
Kredite vom Geldmarkt oder bei der SNB. Dies Allen Krediten und Investitionen einer
wird aufgrund der aktuellen Nullzins-Situation Bankengruppe stehen so viele auf Zeit
aber kaum finanzielle Auswirkungen haben, da angelegte Kundeneinlagen gegenüber:
die Umstellungskredite von der SNB zum Nullzins in Prozent
zu bekommen sind. Bei den Investmentspar- Durchschnitt alle Banken 74%
ten besteht kaum Veränderungsbedarf, weil der Raiffeisenbanken 90%
grösste Teil ihrer Aktivitäten in USD (dazu deutlich Regionalbanken u. Sparkassen 84%
weniger in EUR, GBP und YEN) abgewickelt wird. Kantonalbanken 78%
Die Vollgeld-Initiative bezieht sich aber nur auf Übrige Banken 64%
CHF. Bei Investmentgeschäften in CHF müssen Grossbanken 57%
diese zukünftig vollständig vorfinanziert werden. Privatbankiers 27%
Für die Vermögensverwaltungsbanken (Stand 31.12.2014)
bringt die Einführung von Vollgeld kaum Verän-
Die genauen Berechnungen finden Sie im Doku-
derungen. Die Vergabe von Lombardkrediten in
ment „Anteil verschiedener Bankengruppen an
CHF benötigt neu wie jede Kreditvergabe einen
der Geldschöpfung“ unter:
bestehenden Bestand an CHF.
www.vollgeld-initiative.ch/vorteile-fuer-banken
“Wie hoch ist der zusätzliche Refinanzie-
rungsbedarf meiner Bank aufgrund der die Vergabe neuer Kundenkredite verwendet
Vollgeld-Umstellung?” werden. Nur wenn das Gesamtvolumen von
Das ist durch folgende Betrachtung möglich. Krediten an Kunden wächst, ist allenfalls eine
Mit der Vollgeld-Umstellung werden zu einem zusätzliche Vorfinanzierung nötig. Es braucht also
Stichtag alle täglich fälligen Verbindlichkeiten an eine Prognose, ob und wie das Gesamtvolumen
Kunden zu Verbindlichkeiten an die SNB umge- an Krediten an Kunden in den nächsten Jahren
bucht und so aus der Bankbilanz ausgeschleust. wachsen wird.
Die SNB stellt entsprechende Darlehen in gleicher 2. Eine solche Prognose ist auch für die Kun-
Höhe bereit. Nun bestehen also die bisherigen deneinlagen auf Zeit (Spar- bzw. Anlagegelder)
Verbindlichkeiten gegenüber den Kunden neu notwendig. Bleibt das Gesamtvolumen der Kun-
gegenüber der SNB. deneinlagen gleich, dann kann die Auszahlung
Um den zusätzlichen Vorfinanzierungsbedarf für von abgelaufenen Spar- bzw. Anlageeinlagen
zukünftige Kreditvergaben abzuschätzen, kann durch neue Kundeneinzahlungen finanziert
so vorgegangen werden: werden. Bei einem Wachstum der Spar- und
1. Alle Zahlungseingänge aus Tilgungen be- Anlagegelder stehen zusätzliche Gelder für
stehender Kundenkredite können wieder für Kredite und Investitionen zur Verfügung. Es ist

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also eine Prognose zu erstellen, wie das Ge- Dr. Thomas Mayer,
samtvolumen von Kundeneinlagen (Spar- bzw. Gründer Flossbach
Anlagegelder) in den nächsten Jahren wächst. Research Institut,
ehemals Chefvolkswirt
3. Fazit: Vom erwarteten Wachstum der Kredit- Deutsche Bank:
vergabe ist das Wachstum an Kundeneinlagen
abzuziehen. Die verbleibende Differenz muss „Wegen der Krisenanfäl-
zusätzlich vorfinanziert werden, sei es über die ligkeit unseres über die
Kreditvergabe der Banken
Ausgaben von Bankanleihen, den Geldmarkt geschaffenen privaten
oder durch zusätzliche Darlehen bei der SNB. Schuldgelds ist die Markt-
wirtschaft selbst ins Gere-
“Wie können die Banken ihre Darlehen de gekommen und wird
und Investitionen finanzieren, obwohl sie von populistischen Poli-
selbst kein Geld mehr herstellen?” tikern bedroht. Vollgeld
versucht, das Problem an der Wurzel zu packen und
Das ist kein Problem, denn die Banken kann helfen, unsere marktwirtschaftliche Ordnung vor
haben ausreichend Finanzierungsquellen. den Befürwortern der zentral gelenkten Planwirtschaft
Die umlaufende Geldmenge bleibt bei zu schützen. Ich bin deshalb ein Weggefährte der
der Umstellung auf Vollgeld gleich und Vollgeldreform.“
die SNB kann bei Bedarf jederzeit zusätz-
liches Geld zur Verfügung stellen.
Bei der Umstellung auf Vollgeld wird lediglich volkswirtschaftliche Sparquote* der Schweiz ist
das bestehende Buchgeld der Banken in Buch- eine der weltweit höchsten und liegt bei ca. 30
geld der Nationalbank umgewandelt. Es bleibt Prozent des BIP.
gleich viel Geld im Umlauf. Deshalb haben die Ausreichend Kredite wird es in jedem Falle geben,
Banken viele Möglichkeiten zukünftige Darlehen denn die SNB kann jederzeit durch die Gewäh-
an Kunden zu finanzieren: rung befristeter Darlehen an die Banken die not-
- Das Geld aus den Tilgungen bestehender Kre- wendigen Gelder bereit stellen. Der Initiativtext
dite kann von den Banken neu vergeben werden. verpflichtet die SNB, “die Versorgung der Wirt-
- Die Banken können neue Spargelder einwerben schaft mit Krediten durch die Finanzdienstleister”
oder Bankanleihen begeben. zu gewährleisten. (Art. 99a Abs. 1) Noch deutlicher
- Sie können sich auch von anderen Banken oder steht es in Art. 197 Ziff. 12, Absatz 2: “Insbeson-
vom Geldmarkt Geld leihen. dere in der Übergangsphase sorgt die Schwei-
- Soweit Bund und Kantone durch den Umstel- zerische Nationalbank dafür, dass weder Geld-
lungsgewinn der Vollgeldreform ihre Schulden knappheit noch Geldschwemme entsteht. Wäh-
tilgen, werden bisherige Investoren ihr Geld den rend dieser Zeit kann sie den Finanzdienstleistern
Banken anbieten. erleichterten Zugang zu Darlehen gewähren.”
- Die Nationalbank gibt bei Bedarf zusätzliche Eine allfällige Beeinträchtigung der Kreditverga-
Darlehen an das Bankensystem. be könnte es mit Vollgeld also nur geben, wenn
Eine Kreditklemme ist auch deshalb kein Pro- die SNB ihren gesetzlichen Auftrag missachtet.
blem, da die Schweiz jedes Jahr mehr spart als *Mit der volkswirtschaftlichen Sparquote wird der Spar-
anteil von Privaten, Unternehmen und Staat am Brutto-
investiert. Es gibt in der Schweiz einen gewaltigen
inlandsprodukt (BIP) aufgezeigt: http://www.bfs.admin.
Überhang an anlagesuchenden Geldern und ch/bfs/portal/de/index/themen/00/09/blank/ind42.
damit genügend Spargelder für Kredite. Die indicator.420001.420001.html

www.vollgeld-initiative.ch - Seite 11
Auswirkungen für
die Wirtschaft
“Hat Vollgeld automatische Auswirkungen das schrittweise zur Reduzierung der Verschul-
auf die Wirtschaft?“ dung aller Wirtschaftsakteure: des Bundes, der
Kantone, Unternehmen und Privaten. Dadurch
Nein, die Auswirkungen hängen wie be-
sinken auch die Ausgaben, die ihnen heute als
reits heute von der Gesetzgebung und
Kreditnehmer in Form von Zinsen und Gebühren
den geldpolitischen Entscheidungen der
entstehen.
Nationalbank ab.
Die positive, stimulierende Wirkung einer Voll-
Der Verfassungstext der Vollgeld-Initiative regelt,
geldreform auf die Realwirtschaft wird durch eine
dass nur die SNB Geld erzeugen darf und be-
Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF)*
schreibt deren Aufgaben. Die SNB dient „dem
aus dem Jahr 2012 bestätigt. In dieser Studie
Gesamtinteresse des Landes“ und „steuert die
untersuchen Experten mithilfe des besten Simula-
Geldmenge und gewährleistet das Funktionieren
tionsmodells, das die Ökonomen heute kennen,
des Zahlungsverkehrs sowie die Versorgung der
wie sich die Grundzüge des Vollgeldsystems auf
Wirtschaft mit Krediten durch die Finanzdienst-
eine hoch entwickelte Volkswirtschaft auswirken
leister“ (Art. 99a BV neu). In ihrer Aufgabener-
würden. Das Ergebnis der IWF-Expertise ist: Eine
füllung ist die SNB „unabhängig“ und „nur dem
Vollgeldreform würde parallel zu einer massiven
Gesetz verpflichtet“.
Entschuldung staatlicher und privater Haushalte
Die Vollgeld-Initiative macht aber keine kon-
innerhalb von zehn Jahren ein zusätzliches
kreten Vorgaben zur Bankenregulierung und
Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 7
insbesondere auch nicht zur Geldpolitik. Es gibt
Prozent bewirken.
keine Aussagen über die anzustrebende Höhe
Aufgrund der Daten des Bundesamtes für Stati-
der Zinsen oder den Umfang von Darlehen der
stik lässt sich sagen, dass in der Schweiz seit der
SNB an die Banken oder den Umfang schuldfrei
Jahrtausendwende ein Wachstum des BIP von
ausbezahlten Geldes. Die konkrete Geldpolitik
einem Prozent im Durchschnitt zur Schaffung
wird von der SNB festgelegt und laufend über-
von 20’000 neuen Arbeitsplätzen geführt hat.
prüft und justiert. Die SNB hat dazu einen ge-
Wenn wir nun das Ergebnis der IWF-Expertise
setzlich ausformulierten Auftrag und ist darüber
auf die Schweiz beziehen, würde die Einführung
rechenschaftspflichtig.
von Vollgeld in zehn Jahren zur Schaffung von
Das heisst, alle eventuellen negativen Auswir-
140’000 neuen Arbeitsplätzen führen.** Klar:
kungen auf die Wirtschaft wären nur aufgrund von
Bei dieser Zahl handelt es sich um eine grobe
krassen Fehlentscheidungen der SNB möglich und
Schätzung. Die positive Auswirkung einer Voll-
auch nur, wenn die SNB stur daran festhalten und
geldreform auf die Realwirtschaft lässt sich aber
nicht auf die Auswirkungen achten würde. Um-
nicht leugnen.
gekehrt gilt es auch für alle positiven Wirkungen. * https://www.imf.org/external/pubs/ft/wp/2012/wp12202.pdf
Das schuldfrei in Umlauf gebrachte Geld – sei ** Die Zahlen dieser Berechnung finden Sie hier: http://www.
es über die Bürgerdividende oder den Bund und vollgeld-initiative.ch/fragen-antworten/#c3622
die Kantone – würde überwiegend in die Real-
wirtschaft fliessen und diese stärken. Aber wie viel “Wie wirkt sich Vollgeld auf das allgemei-
Geld die SNB auf diesem Weg auszahlt, hängt von ne Zinsniveau aus?”
den geldpolitischen Entscheidungen der SNB ab. Die Umstellung auf Vollgeld hat keine
Auswirkung auf die Zinsen.
“Wie viele Arbeitsplätze werden mit Voll- Diese werden mit einer Vollgeldreform so niedrig
geld geschaffen?” bleiben wie heute. Warum?
Bis zu 140.000 in den nächsten Jahr- - Die Marktzinsen werden vor allem durch die
zehnten sind möglich. Zinspolitik der Nationalbank bestimmt. Da die
Wenn die Nationalbank das Vollgeld mittels SNB heute den Banken Geld zu Nullzinsen be-
Ausschüttungen schuldfrei in Umlauf bringt, führt reitstellt, haben wir ein sehr tiefes Marktzinsni-

www.vollgeld-initiative.ch - Seite 12
veau. Auch wenn nach der Vollgeldreform alles Dr. Markus Rauh, ehema-
Geld von der SNB kommt und die Banken kein liger Verwaltungsratsprä-
eigenes Geld mehr schöpfen können, ändert sident der Swisscom AG:
sich das Zinsniveau nicht, solange die SNB ihre „Die Finanzwirtschaft wieder
Zinspolitik nicht ändert. stärker in den Dienst der Re-
alwirtschaft zu stellen - diese
- Auch im Vollgeldsystem wird der Marktzins Idee und auch die übrigen Vor-
massgeblich von der SNB bestimmt. Denn ein schläge der Vollgeld-Initiative
relevanter Teil der umlaufenden Vollgeldmenge überzeugen mich, deshalb ein
wird von der SNB via Darlehen ans Bankensystem überzeugtes JA zur Vollgeld-
in Umlauf gebracht. initiative.“
- Heute versucht die SNB mit ihrer Tiefstzins-
politik den Zustrom von Devisen zu bremsen. Kredite bei Banken in Umlauf, für die Zinsen be-
Höhere Zinsen im Vergleich zu anderen Wäh- zahlt werden müssen. In dem Umfang wie Geld
rungsräumen (Euro, USD, GBP etc.) würden zu schuldfrei in Umlauf gebracht wird, reduziert sich
einer unerwünschten Aufwertung des Schweizer die öffentliche und private Verschuldung. Damit
Frankens führen. Deshalb hat die SNB derzeit wird das gesamte System stabiler, es gibt weniger
kaum Spielraum für höhere Zinsen. An diesen Kreditausfälle und die Risikoprämie sowie der
Zusammenhängen ändert Vollgeld nichts. davon abhängige Zinssatz können sinken.
- Früher war der Leitzins ein wichtiges Steue- - Wenn das allgemeine Zinsniveau doch einmal
rungsmittel der SNB, um die Kreditvergabe und zu stark steigen würde, weil das Angebot an Kre-
damit die Geldmenge zu beeinflussen. Dies ist diten die Nachfrage deutlich übersteigt, kann die
mit Vollgeld nicht mehr so notwendig, da die Nationalbank jederzeit den Banken zusätzliches
SNB die Geldmenge direkt steuern kann, indem Geld durch befristete Darlehen bereitstellen und
sie zum alleinigen Erzeuger von Geld wird. Das damit das Marktzinsniveau beeinflussen.
heisst, für eine zukünftige Erhöhung des Leitzinses
gibt es im Vollgeldsystem weniger Gründe. “Gibt es im Vollgeldsystem Inflation?”
- Die Banken müssen bei Krediten an Kunden Nur wenn es von der SNB gewollt würde.
natürlich einen Aufschlag zum Leitzins der SNB Die Nationalbank hat im Vollgeldsystem die ef-
verlangen, um ihre Kosten zu finanzieren. Durch fektive Kontrolle über die Geldmenge. Sie kann
den direkten Wettbewerb in der Marktwirtschaft Spekulationsblasen und Preisinflation wirkungsvoll
sind die Banken aber gezwungen, Kredite zu gün- vorbeugen, indem sie die Geldmenge in Überein-
stigen Konditionen anzubieten. Wenn eine Bank stimmung mit dem realwirtschaftlichen Entwick-
einen zu hohen Aufschlag verlangt, bekommt sie lungspotenzial steuert. Die bereits heute betriebene
keine Kreditkunden. indirekte Inflationssteuerung wird durch die direkte
- Es gibt noch einen weiteren Grund, warum das Geldmengensteuerung schneller und wirksamer
Zinsniveau mit Vollgeld niedrig bleibt: Nach der erfolgen können. Eine importierte Inflation, z.B.
Vollgeldreform kann neu emittiertes Geld zinsfrei durch Verteuerung von Rohstoffen, oder eine nach-
über den Bund und die Kantone in Umlauf ge- frageseitige Preiserhöhung bleibt aber natürlich
bracht werden. Damit fallen auf diese Geldbasis möglich. Zu diesem Ergebnis kommt auch die
keine Zinsen an, was die Volkswirtschaft entlastet. Studie des IWF „Chicago Plan revisited“.
Dagegen kommt heute Geld vor allem durch (www.imf.org/external/pubs/ft/wp/2012/wp12202.pdf)

www.vollgeld-initiative.ch - Seite 13
Welche Vorteile haben
Banken durch Vollgeld?

Der Abbau von Bürokratie und Die Positionierung des Banken-


Bankenregulierung wird möglich, platzes Schweiz wird gestär-
neue Geschäftsmodelle werden kt, Vollgeld ist eine kostenlose
einfacher realisierbar, die Viel- Imagekampagne.
falt des Bankenplatzes Schweiz Das weltweite und über viele Jahrzehnte auf-
profitiert. gebaute Markenzeichen „Schweizer Banken“ ist
Sicherheit, Stabilität und Seriosität. Aus diesen
Mit Vollgeld werden alle Guthaben auf unseren Gründen kommen Kunden aus vielen Ländern
Zahlungskonten zu gesetzlichem Zahlungsmittel, zu Schweizer Banken. Diese strategische Positio-
sozusagen zu elektronischem Bargeld. Wenn nierung wird durch die Vollgeld-Initiative massiv
eine Bank in Konkurs gerät, gehen die Franken gestärkt. Der Schweizer Franken wird zum si-
auf den Privatkonten nicht mehr verloren. Diese chersten Geld der Welt, sicher vor Bankenplei-
gehören nun wirklich dem Geldbesitzer - wie das ten. Das ist ein Wettbewerbsvorteil für Schweizer
Bargeld im Portemonnaie oder im Tresor. Dieses Banken bei der Verwaltung von Kundengeldern
Geld ist deshalb völlig sicher. gegenüber dem Ausland. Die Vollgeld-Initiative
Da der Zahlungsverkehr von den Bankbilanzen ist so gesehen eine weltweite Imagekampagne für
unabhängig wird und die Banken untereinander den Bankenplatz Schweiz. Ein weiterer Vorteil: Für
entflochten werden, könnte der Staat Banken in die Banken ist das kostenlos, ihre Werbebudgets
Konkurs gehen lassen, ohne dass der Zahlungs- werden damit nicht belastet.
verkehr beeinträchtigt würde. Damit wird die
faktische „too big to fail“-Staatsgarantie unnötig Die Liquiditätsplanung wird ver-
und ein weitgehender Abbau von Bürokratie und einfacht und die Gefahr von Bank
Bankenregulierungen wird möglich.
Runs wird verhindert.
Die Basel-Richtlinien und die Auflagen von
Finma und SNB und die „Swiss Finish“-Sonder- Viele Milliarden Franken wandern täglich von
regelungen sollen heute sicherstellen, dass die Konto zu Konto und von Bank zu Bank. Für die
Banken ausreichend gegen Verluste gewappnet Banken ist die Liquiditätsplanung wegen des
sind, damit der Staat möglichst nicht als Garant fluktuierenden Zahlungsverkehrs auf den täglich
einspringen muss. Diese komplizierten Regeln, fälligen Privat- und Transaktionskonten nicht
für deren Wirksamkeit niemand garantieren leicht. Bei einem Vertrauensverlust besteht die
kann, führen aber auch zu Fehlsteuerungen und Gefahr eines schnellen Ansturms auf die Bank-
sind für die Banken eine grosse Belastung. Ins- konten, auch Bankrun genannt.
besondere die kleinen Banken leiden besonders Mit Vollgeld geht die Liquiditätsplanung viel
unter den Anforderungen. einfacher, denn der Zahlungsverkehr findet
ausserhalb der Bankbilanzen statt. Bei einer
Wenn der Staat Banken nicht mehr retten Überweisung wird der Betrag direkt von einem
muss, eröffnet sich die Möglichkeit, dass Kunden-Zahlungskonto auf ein anderes Zah-
das überkomplizierte Regelwerk massiv lungskonto überwiesen. Die Banken müssen
entschlackt und vereinfacht wird. Das ist sich nicht mehr um ein tägliches Clearing mit
die grosse Chance, die Vollgeld für Ban- Zentralbankgeld kümmern, denn das braucht es
ken bringt. dann in der heutigen Form nicht mehr. Beim Zah-
Mit weniger Bürokratie können neue Geschäftsmo- lungsverkehr ist es nicht mehr nötig Forderungen
delle leichter eingeführt werden, die Innovations- zwischen den Banken auszugleichen.
kraft und Vielfalt des Bankenplatzes Schweiz wird Nach der Vollgeldreform haben alle Forderungen
gestärkt. Dies wird zu einem Standortvorteil des und Verpflichtungen einer Bank ein klares Fäl-
Schweizer Finanzplatzes im globalen Wettbewerb. ligkeitsdatum. Damit sind plötzliche Bank Runs

www.vollgeld-initiative.ch - Seite 14
nicht mehr möglich. Die Bank muss nur noch die Die systemische Benachteiligung
eigenen Zahlungsströme überwachen (Geld, das von kleineren Banken gegen-
in ihre Bilanz hinein- und daraus herausfliesst);
den Zahlungsverkehr innerhalb der Realwirt-
über Grossbanken entfällt.
schaft braucht sie liquiditätsmässig nicht mehr zu Heute gibt es eine systemische Benachteiligung
kontrollieren. Aus Erfahrung weiss sie auch, wie von kleinen und mittelgrossen Banken gegenüber
viele Kunden ihr Geld wieder anlegen. Damit ist Grossbanken aus mehreren Gründen:
eine genaue und langfristige Liquiditätsplanung Ungleiche Refinanzierung aufgrund der
möglich. Das erhöht die Stabilität der Banken. Grössenunterschiede:
Die Fristentransformation braucht es auch im Die Giralgeldschöpfung der Banken begün-
Vollgeldsystem. Da Kredite meist längerfristiger stigt die grossen Players wegen dem erhöhten
vergeben werden als Gelder auf Anlagekonten Anteil des Zahlungsverkehrs zwischen internen
festgelegt sind, trägt das Kreditinstitut ein Zinsän- Positionen (Bankkunden unter sich). Wenn neu
derungsrisiko und ein Liquiditätsrisiko. Hier än- geschöpftes Geld im Kontenkreis einer Bank
dert sich mit Vollgeld nichts im Vergleich zu heute. bleibt und nicht zu anderen Banken abfliesst,
muss es nicht refinanziert werden. Deshalb ha-
Banken werden entschuldet und
ben grosse Banken gegenüber kleinen Banken
Risiken aus dem Interbanken- spürbar geringere Refinanzierungskosten. Da-
markt verringert. raus erklärt sich auch, warum in der Bilanz der
Heute haben die Banken zur Abwicklung des Grossbanken den 100% Kreditforderungen und
Zahlungsverkehrs untereinander sehr viele For- Investitionen nur 57 Prozent auf Zeit angelegte
derungen und Verbindlichkeiten, die zwischen 25 Kundeneinlagen gegenüberstehen, während es
und 35 Prozent der Bankbilanzen ausmachen.* bei den Raiffeisenbanken etwa 90 Prozent sind.
Mit Vollgeld braucht es diesen Interbankenmarkt Die Grossbanken müssen sich heute also deutlich
nicht mehr für den Zahlungsverkehr, sondern nur weniger um die Refinanzierung kümmern.
noch für „echte Kredite“. Die nun überflüssigen Die „Too big to fail“-Problematik benach-
Interbankenkredite können abgebaut werden. teiligt kleine und mittelgrosse Banken
Vollgeld entschuldet somit die Banken, und gegenüber Grossbanken:
dementsprechend sind weniger Kreditrisiken vor- - Grossbanken haben mit ihrem Risikover-
handen. Wenn eine Bank in Schieflage kommt, halten den Begriff “too big to fail” öffentlich
zieht sie andere Banken entsprechend weniger und für sich nutzbar gemacht. Das ging nur,
mit hinein. Dieser Abbau des Dominoeffekts re- weil ohne sie der Zahlungsverkehr nicht funk-
duziert das Systemrisiko. Die Finanzkrise 2008 tioniert. Kleine Banken haben keinen solchen
verschärfte sich dramatisch, da die Banken Hebel, weil zwar einzelne Bereiche/Regionen
untereinander das Vertrauen verloren und so betroffen wären, aber nicht das gesamte
der Interbankenmarkt einfror. Nur die beherzte Wirtschaftssystem. Too big to fail (TBTF) sind
Finanzierung durch die Zentralbanken vermied nicht alle, sondern nur die ganz Grossen.
Schlimmeres. Mit Vollgeld gibt es diese Gefahr - Die Grossbanken können sich dank faktischer
nicht mehr, da der Interbankenmarkt – im Ver- Staatsgarantie zu niedrigeren Zinsen finanzieren,
gleich zu heute – an Bedeutung verliert. als sie dies in einer freien Marktwirtschaft tun
* Schweizerische Nationalbank: Die Banken in der Schweiz,
Ausgabe 2012, Seite A 20 müssten. Damit erhalten diese indirekt Milliarden

www.vollgeld-initiative.ch - Seite 15
staatlicher Subventionen. (siehe z.B. Tagesanzei- Mit der Vollgeldreform wird die system-
ger, „Grossbanken profitieren noch immer vom immanente Benachteiligung kleiner Ban-
Staat“, 1.4.2014) Damit können Grossbanken im ken beendet. Alle bekommen wieder
Vergleich zu Nicht-TBTF-Banken grössere Risiken dieselben Chancen:
eingehen und ein Geschäft noch tätigen, von - Da alles Geld von der Nationalbank geschöpft
dem Nicht-TBTF-Banken aus Risikoüberlegungen wird, können grosse Banken daraus keinen
Abstand nehmen müssen. Vorteil mehr gegenüber kleinen Banken ziehen.
- In Reaktion auf den TBTF hat der Staat Regu- Alle Banken müssen das von ihnen investierte
lierungen erlassen, die vor allem auf die Beson- Geld vollständig vorfinanzieren. Damit wird die
derheiten der TBTF-Banken ausgerichtet sind, Wettbewerbsposition derjenigen Banken ge-
jedoch alle Banken haben sie zu befolgen. Gleich stärkt, die schon heute einen erheblichen Anteil
grosse Compliance-Anforderungen belasten eine an Kundenanlagegeldern im Verhältnis zu ihren
kleine Bank unverhältnismässig mehr als eine Kreditausleihungen haben. Sie müssen sich mit
grosse, dadurch erzielen die Grossbanken einen Vollgeld nicht gross um neue Wege der Geldbe-
relativen Wettbewerbsvorteil gegenüber kleinen schaffung kümmern.
Banken. Besonders augenfällig wird das bei für - Da mit Vollgeld die „Too big to fail“-Problema-
Kleinbanken sachfremden Anforderungen. tik entschärft wird, fällt entsprechend der Vorteil
- Bei einem Banken-GAU werden vom Staat nur weg, den grosse Banken daraus ziehen.
die ganz Grossen gerettet, aber viele kleine Ban- - Der dadurch mögliche Abbau von Bankenregu-
ken gehen unter. Ein Banken-GAU bewirkt eine lierungen und Bürokratie führt zu einer Reduktion
Marktbereinigung auf Kosten der Kleinen, die der gesamtwirtschaftlichen Belastungen durch
abermals geretteten Grossen können anschlies- Senkung von Compliance-Kosten, von Kosten
send mit weniger Mitspielern besser wachsen. Ein der Aufsichtsbehörden und von möglichen staat-
weiterer System-Vorteil zugunsten der Grossen. lichen Ausgaben für Bankenrettungen.
Einen Banken-GAU zu verhindern ist darum im Die wieder hergestellte Wettbewerbsgleichheit
existenziellen Interesse der Nicht-tbtf-Banken. reduziert den Konzentrationsprozess zugunsten
Vollgeld ist eine gute Absicherung dagegen. einer lebendigen Bankenlandschaft mit vielen
Mitspielern. Die Chancen für neue Geschäftsmo-
delle steigen wegen reduzierter Eintrittskosten.

Der Text der Vollgeld-Initiative Sie kann Mindesthaltefristen für Finanzanlagen setzen.
2

3
Sie bringt im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrages neu geschaffe-
nes Geld schuldfrei in Umlauf, und zwar über den Bund oder über
Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert:
die Kantone oder, indem sie es direkt den Bürgerinnen und Bürgern
Art. 99 Geld- und Finanzmarktordnung zuteilt. Sie kann den Banken befristete Darlehen gewähren.
1
Der Bund gewährleistet die Versorgung der Wirtschaft mit Geld 4
Sie bildet aus ihren Erträgen ausreichende Währungs-
und Finanzdienstleistungen. Er kann dabei vom Grundsatz der reserven; ein Teil dieser Reserven wird in Gold gehalten.
Wirtschaftsfreiheit abweichen. 5
Der Reingewinn der Schweizerischen Nationalbank geht zu min-
2
Der Bund allein schafft Münzen, Banknoten und Buchgeld als destens zwei Dritteln an die Kantone.
gesetzliche Zahlungsmittel. 6
Die Schweizerische Nationalbank ist in der Erfüllung ihrer Aufga-
3
Die Schaffung und Verwendung anderer Zahlungsmittel sind zu- ben nur dem Gesetz verpflichtet.
lässig, soweit dies mit dem gesetzlichen Auftrag der Schweizerischen
Nationalbank vereinbar ist. Art. 197 Ziff. 12
4
Das Gesetz ordnet den Finanzmarkt im Gesamtinteresse des 12. Übergangsbestimmungen zu den Art. 99 (Geld- und
Landes. Es regelt insbesondere: Finanzmarktordnung) und 99a (Schweizerische Natio-
a. die Treuhandpflichten der Finanzdienstleister; nalbank)
b. die Aufsicht über die Geschäftsbedingungen 1
Die Ausführungsbestimmungen sehen vor, dass am Stichtag
der Finanzdienstleister; ihres Inkrafttretens alles Buchgeld auf Zahlungsverkehrskonten
c. die Bewilligung und die Beaufsichtigung von zu einem gesetzlichen Zahlungsmittel wird. Damit werden ent-
Finanzprodukten; sprechende Verbindlichkeiten der Finanzdienstleister gegenüber
d. die Anforderungen an die Eigenmittel; der Schweizerischen Nationalbank begründet. Diese sorgt dafür,
e. die Begrenzung des Eigenhandels. dass die Verbindlichkeiten aus der Buchgeld-Umstellung innerhalb
5
Die Finanzdienstleister führen Zahlungsverkehrskonten der Kun- einer zumutbaren Übergangsphase getilgt werden. Bestehende
dinnen und Kunden ausserhalb ihrer Bilanz. Diese Konten fallen Kreditverträge bleiben unberührt.
nicht in die Konkursmasse. 2
Insbesondere in der Übergangsphase sorgt die Schweizerische
Art. 99a Schweizerische Nationalbank Nationalbank dafür, dass weder Geldknappheit noch Geldschwem-
1
Die Schweizerische Nationalbank führt als unabhängige Zentral- me entsteht. Während dieser Zeit kann sie den Finanzdienstleistern
bank eine Geld- und Währungspolitik, die dem Gesamtinteresse erleichterten Zugang zu Darlehen gewähren.
des Landes dient; sie steuert die Geldmenge und gewährleistet
3
Tritt die entsprechende Bundesgesetzgebung nicht innerhalb
das Funktionieren des Zahlungsverkehrs sowie die Versorgung der von zwei Jahren nach Annahme der Artikel 99 und 99a in Kraft,
Wirtschaft mit Krediten durch die Finanzdienstleister. so erlässt der Bundesrat die nötigen Ausführungsbestimmungen
innerhalb eines Jahres auf dem Verordnungsweg.

www.vollgeld-initiative.ch - Seite 16
Bankmitarbeiter und Kunden verstehen, umso mehr Vertrauen und Sicher-
verstehen das Geschäftsmodell heitsgefühl kann entstehen – und das ist die
Grundlage des Bankgeschäfts.
der Banken wieder. *www.vollgeld-initiative.ch/medienmitteilungen/einzel/
Gemäss Umfragen* meinen an die 80 Prozent studie-bestaetigt-schweizer-ahnungslos-ueber-entstehung-
der Bürgerinnen und Bürger, dass unser Geld des-frankens/

von der Nationalbank oder dem Staat geschaffen


wird. Das gilt aber heute nur für Banknoten und Die Motivation der Bankmitar-
Münzen, was etwa 10 Prozent der umlaufenden beiter/innen wächst.
Geldmenge ausmacht. 90 Prozent ist Buchgeld
Sinnstiftung ist nötig. Die Vollgeld-Initiative stärkt
auf unseren Privatkonten, das vollständig von
das traditionelle Banking und den Dienst am
den Banken geschaffen wurde. Das heisst, der
Kunden. Ein gesellschaftlicher Diskussionspro-
überwiegende Teil der Bevölkerung versteht unser
zess über den Sinn des Geldes, die Rolle der
gegenwärtiges Geldsystem und damit auch die
Banken und ein klarer Auftrag des Volkes bietet
meisten Geschäfte der Banken nicht. Ein erschre-
die Chance, dass viele Bankmitarbeitende ihren
ckendes Ergebnis! Das ist nicht verwunderlich,
gesellschaftlichen Auftrag wieder verstehen. Ein
denn die gegenwärtige Geldschöpfung ist extrem
positives Selbstverständnis als Banker ist die
kompliziert und nur nach längerem Studium
Grundlage für Identifikation und Motivation.
verständlich. (Eine Sammlung von erklärenden
Mit der Überschrift „Schweizer Banken tief in
Texten finden Sie hier: www.vollgeld-initiative.
der Sinnkrise“ berichtet www.Finews.ch am
ch/wie-entsteht-geld.)
7.10.2016 über die erschreckenden Ergebnisse
Wie die meisten Menschen, wissen selbst Banker
einer Studie: „Nur 49 Prozent aller Bankange-
vielfach nicht, woher das Geld kommt und wie
stellten identifizieren sich mit ihrer Tätigkeit. (…)
Geschäftsbanken an der Geldschöpfung beteiligt
Die Banken liegen damit am Ende der unter-
sind. Das ändert sich mit der Vollgeld-Initiative.
suchten Branchen. (...) Geradezu alarmierend ist
Mit der Umstellung des elektronischen Geldes auf
der Identifikationsgrad der Bankkader: Nur 18
Vollgeld bekommen wir das, was die meisten zu
Prozent denken heute, dass sie mit ihrer Arbeit
haben glauben. Denn Münzen und Noten sind
einen Beitrag zum Wohl der Allgemeinheit leisten.
schon vollwertiges Nationalbank-Geld und das
Bei den einfachen Angestellten sieht es mit 23
prägt das allgemeine Geldverständnis. Jedes Kind
Prozent wenig besser aus. Das Geschäftsmodell
begreift Vollgeld. Wer den folgenden Satz ver-
Bank steckt in einer Sinnkrise, halten die Studi-
steht, weiss, was Vollgeld ist: „Die Nationalbank
enverfasser fest.»
stellt Vollgeld in Form von Münzen, Banknoten
Vollgeld hilft die Identifikation mit den Banken
und elektronischem Buchgeld her und bringt es
wieder zu stärken.
über Darlehen an Banken oder Ausschüttungen
an Bund und Kantone oder Auszahlung an uns
Bürgerinnen und Bürger in Umlauf, so dass wir
alle es benützen können.“
Je mehr die Kunden und Bankmitarbeiter die
Geldschöpfung und Tätigkeit der Banken wieder

www.vollgeld-initiative.ch - Seite 17
Antworten auf
kritische Fragen
„Ist die Vollgeldreform ein gigantischer “Kann die Schweiz im Alleingang das
Systemwechsel mit unabsehbaren Folgen?“ Vollgeld einführen?”
Überhaupt nicht! Vollgeld ist nichts Neues, Ja, denn ein Franken bleibt ein Franken.
sondern gibt es seit 2000 Jahren als Münzen Für das Ausland ist es grundsätzlich unerheb-
und seit über 100 Jahren als Banknoten. lich, wie die Schweiz ihr Geld herstellt, ob mit
Mit der Vollgeldreform wird lediglich das 1891 oder ohne Golddeckung, oder ob die Mindest-
vom Stimmvolk beschlossene Banknotenmono- reserven 2, 10 oder 100 Prozent betragen. Die
pol auf das elektronische Buchgeld ausgeweitet internationalen Zahlungsflüsse und der Inter-
und so an die digitale Entwicklung angepasst. banken-Zahlungsverkehr werden bereits heute
Technisch gesehen wird das heutige Buchgeld ausschliesslich mit Nationalbank-Franken abge-
der privaten Banken durch Buchgeld der Natio- wickelt. Entscheidend für das Ausland ist, dass
nalbank ersetzt. Der exakt selbe Vorgang gelang die Nationalbank eine “gute”, auf Preisstabilität
vor hundert Jahren beim Umtausch privater ausgerichtete Geldpolitik betreibt. Ausländische
Banknoten gegen Banknoten der Nationalbank Geschäftspartner würden überhaupt nichts be-
und machte das Finanzsystem stabiler. merken, wenn die Schweiz auf Vollgeld umstellt.
Vollgeld entspricht einem traditionellen Banken- Denn am heute üblichen Devisenhandel ändert
bild. Für den einzelnen Bankkunden ändert sich sich gar nichts, ausländische Währungen können
nur sehr wenig. Unkontrollierte Auswirkungen wie bisher in Schweizer Franken getauscht wer-
auf die Banken oder den Finanzplatz Schweiz den. Die Schweiz profitiert von den Vorteilen des
sind ausgeschlossen, denn es gibt eine ausrei- Vollgeldes, egal ob andere Staaten auch Vollgeld
chende Einführungszeit und keine blinden Auto- einführen oder nicht.
matismen. Jeder Schritt kann bei Bedarf von der
Nationalbank korrigiert werden. “Führt Vollgeld nicht zu einer Gefährdung
der Unabhängigkeit der Nationalbank?”
“Führt Vollgeld zu einer Verunsicherung
Nein, die Nationalbank ist wie das Bundes-
der Finanzmärkte?”
gericht nur dem Gesetz verpflichtet und so-
Warum soll sicheres Geld verunsichern? mit unabhängig von der Einflussnahme des
Und: Vollgeld kann so eingeführt werden, Bundesrates, der Politik und der Wirtschaft.
dass die Finanzmärkte es gar nicht spüren. Die Nationalbank kümmert sich nur um die
Die Umstellung auf Vollgeld kann ganz sanft Geldmenge und nicht um einzelne Kreditver-
und ohne Brüche geschehen, so dass die Banken gaben oder die Verteilung des Geldes. Die
und Finanzmärkte in den ersten Jahren nichts demokratische Legitimation der Nationalbank
davon spüren. Dazu müsste die Nationalbank könnte in der Ausführungsgesetzgebung (nach
lediglich alle Kreditnachfragen der Banken un- Annahme der Vollgeld-Initiative) weiter ausge-
beschränkt bedienen und die Zinsen dafür nicht baut werden.
erhöhen. Dann würde den Banken in der Praxis
nicht auffallen, dass sie selbst kein Geld mehr Viele weitere Fragen werden hier beantwortet:
herstellen dürfen. Denn ob eine Bank kostenlos www.vollgeld-initiative.ch/fragen
selbst Geld erzeugt oder zu null Prozent Zins
von der Nationalbank leiht, macht für sie keinen
Unterschied. Langfristig sollte die Nationalbank
die Geldschöpfung allerdings begrenzen, um
Finanzblasen zu verhindern, doch das kann sich
langsam entwickeln.

www.vollgeld-initiative.ch - Seite 18
Zur Position der
Bankiervereinigung
Die Schweizerische Bankiervereinigung Falschaussage: „Die SNB ist gezwungen, neues
(SBVg) hat sich mit schroffen Worten gegen Geld zu schaffen, ohne gleichzeitig werthaltige
die Vollgeld-Initiative positioniert.* Diese Aktiven wie Devisenreserven zu kaufen.“
Statements sind enttäuschend, sie beste- Richtig ist: Die Vollgeld-Initiative schreibt der
hen überwiegend aus Angstmacherei und SNB keine konkrete Geldpolitik vor. Die SNB
Desinformation. Hier einige Beispiele: entscheidet selbst, auf welchem Wege sie neues
Geld in Umlauf bringt, ob über Devisenkäufe,
Falschaussage: „Sparer werden schlechter
Darlehen oder Auszahlung an Staat oder Bürger-
gestellt: Privatkonti werden aufgrund des Verbots dividende - zum Beispiel könnten es zur Schwä-
von Ausleihungen schlechter verzinst.“ chung des Frankens auch nur Devisenkäufe sein.
Richtig ist: Auf Privatkonti gibt es seit einigen
Jahres praktisch keine Zinsen mehr, hier ändert Falschaussage: „Die Banken verlieren in der
Vollgeld nichts. Mit Vollgeld muss niemand auf Schweiz und international ganze Geschäftsfelder:
Zinseinnahmen verzichten, Sparer können je- Viele Dienstleistungen können von den Banken
derzeit Guthaben vom unverzinslichen Vollgeld- in der Schweiz nicht mehr angeboten werden,
Zahlungskonto auf ein verzinsliches Anlagekonto weil sie sich nicht mehr lohnen.“
(Sparkonto) überweisen. Richtig ist: Vollgeld bringt den Banken keine
finanziellen Nachteile, denn ob sie kostenlos
Falschaussage: „Die Kreditvermittlung an
selbst Geld erzeugen oder zu Null Prozent von
Private und Unternehmen wird teurer und kom- der SNB leihen, macht keinen Unterschied.
plizierter, denn das Kreditvolumen würde nicht
vom Markt, sondern zentral und nach eigenem Falschaussage: „International verlieren die
Ermessen von der SNB gesteuert.“ Banken den Anschluss aufgrund des inkompa-
Richtig ist: Gemäss Verfassungstext der Voll- tiblen Vollgeldsystems.“
geld-Initiative hat die SNB nichts mit der Vergabe Richtig ist: Der Devisenmarkt läuft schon heute
von Krediten zu tun. Das bleibt weiterhin alleine ausschliesslich mit Vollgeld, das heisst mit Zen-
die Aufgabe der Banken, die das genauso ma- tralbankgeld. Ein Vollgeld-System in der Schweiz
chen wie heute und so auch das Kreditvolumen ist deshalb vollständig kompatibel zu allen an-
aufgrund von Angebot und Nachfrage mitbestim- deren Währungen.
men. Die Nationalbank kann mit geldpolitischen
Ausführliche Stellungnahmen der Vollgeld-Initi-
Massnahmen und Darlehen an das Bankensy-
ative zur Kritik des Bundesrates, Economiesuisse
stem wie bereits heute im Gesamtinteresse des
und der Bankiervereinigung finden Sie hier:
Landes zusätzlich Einfluss auf die umlaufende
www.vollgeld-initiative.ch/stellungnahmen
Geldmenge nehmen.
*Statement zur Einreichung der Initiative am 1.12.2015,
Medienkonferenz von Claude-Alain Margelisch (CEO SBVg)
am 15.9.2016

www.vollgeld-initiative.ch - Seite 19
Vollgeld hat für Banken
viele Vorteile

 Die Umstellung auf Vollgeld ist technisch sehr einfach.


 Die Geschäftsfelder der Banken bleiben gleich.
 Für Banken gibt es (im heutigen Null- oder Negativzinsumfeld)
keine finanziellen Nachteile durch die Umstellung auf Vollgeld.
 Der Abbau von Bürokratie und Bankenregulierung wird möglich,
neue Geschäftsmodelle werden einfacher realisierbar, die Vielfalt
des Bankenplatzes Schweiz profitiert.
 Die nationale und internationale Positionierung des Bankenplatzes
Schweiz wird gestärkt, Vollgeld ist eine kostenlose Imagekampagne.
 Die Liquiditätsplanung wird vereinfacht und die Gefahr von Bank
Runs wird verhindert.
 Banken werden entschuldet und Risiken aus dem Interbanken-
markt verringert.
 Die systemische Benachteiligung von kleineren Banken gegenüber
Grossbanken entfällt.
 Bankmitarbeiter und Kunden verstehen das Geschäftsmodell der
Banken wieder.
 Die Motivation der Bankmitarbeiter/innen wächst.
Die Vollgeld-Initiative verwirklicht, was die meisten Menschen
heute schon für Realität halten:
Geldschöpfung allein durch die Nationalbank
Wer mehr wissen will: www.vollgeld-initiative.ch

www.vollgeld-initiative.ch - Seite 20

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