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ГРУППА "What's News" VK.COM/WSNWS DEUTSCHLANDS WIRTSCHAFTS- UND FINANZZEITUNG Kraftlose Chemie

DEUTSCHLANDS WIRTSCHAFTS- UND FINANZZEITUNG

Kraftlose Chemie

Die BASF im großen Bilanzcheck. S. 20-23.

G 02531 NR. 84

Chance Klimawandel

Winfried Kretschmann über das Projekt Weltrettung. S. 48

DONNERSTAG, 2. MAI 2019

Europa – die große Serie Giesecke+Devrient-Chef Wintergerst über digitalen Teamspirit. S. 12-13
Europa – die große Serie
Giesecke+Devrient-Chef Wintergerst
über digitalen Teamspirit. S. 12-13

PREIS 3,10 €

Kurstafel in Frankfurt: Die Kurse der Dax-Konzerne haben seit 2000 kaum zugelegt. Hartmut Schwarzbach /
Kurstafel in
Frankfurt:
Die Kurse der
Dax-Konzerne
haben seit 2000
kaum zugelegt.
Hartmut Schwarzbach / argus

Warum der Dax schwächelt

In den vergangenen 20 Jahren haben die Kurse der größten deutschen Aktiengesellschaften kaum zugelegt. Im Rest der Welt läuft es deutlich besser.

B undesbank-Präsident Jens Weidmann hat eine simple Anlagestrategie. Er setzt nur auf zwei Produkte: einen ETF auf den Deutschen Aktienindex (Dax) und einen auf die größten Unternehmen der Welt.

Damit hält der 51-Jährige Anteile an Hunderten Unter- nehmen, ohne gezielt auf Einzelwerte zu setzen. So steht es in einem Bericht der Europäischen Zentralbank, in dem die Notenbankchefs der Euro-Länder über ihre Geldanlage Auskunft geben müssen. Zumindest Weid- manns Dax-Fixiertheit scheint eher unglücklich, denn seit Jahren entwickeln sich die Aktien in den USA und weiten Teilen der Welt nach Berechnungen des Handels- blatts sehr viel besser als die der Unternehmen der hei- mischen Industrie um Bayer, Henkel, Siemens und Co. Das gilt erst recht für den Kurs-Dax, in den die jähr- lichen üppigen Dividenden nicht eingerechnet wer- den – und der deshalb mit dem amerikanischen Dow Jones und anderen großen Börsenindizes vergleichbar

Dow Jones und anderen großen Börsenindizes vergleichbar 4 PROZENT hat der um Dividenden bereinigte sog. Kurs-Dax

4

PROZENT

hat der um Dividenden bereinigte sog. Kurs-Dax seit dem Jahr 2000 an Wert gewonnen. Der Dow legte derweil um 131 Prozent zu.

Quelle: Eigene Berechnung

legte derweil um 131 Prozent zu. Quelle: Eigene Berechnung ist. Mit aktuell 5 600 Punkten notiert

ist. Mit aktuell 5 600 Punkten notiert dieser Kurs-Dax auf einem Niveau wie vor knapp zwei Jahrzehnten. Der Dow hatte damals gerade die 10 000-Punkte-Mar- ke übersprungen, heute notiert er bei über 26 000 Zählern. Auch in den europäischen Nachbarländern, in weiten Teilen Asiens, einschließlich Japan, und so- gar in Russland, wo die Unternehmen seit Jahren un- ter den Sanktionen des Westens leiden, liefen die Ak- tien in den vergangenen zwei Jahrzehnten besser. Gründe für den lahmen Dax gibt es viele: jahre- lang enttäuschte Gewinnhoffnungen, die chronische Börsenabstinenz deutscher Sparer und etliche schlecht geführte Index-Schwergewichte wie etwa die Deutsche Bank und Thyssen-Krupp. Ihre Kurse fallen seit Jahren, doch die Konzerne sind zu groß, um aus der ersten Börsenliga abzusteigen. Das kos- tet den Dax Jahr für Jahr Punkte – und die wichtigste hiesige Börse viel Reputation. Ulf Sommer

> Schwerpunkt Seiten 4 - 5

Telefónica drohen Bußgelder

Mobilfunkfirma versorgt weniger Menschen mit mobilem Breitband als gefordert.

Wenn die Mobilfunkanbieter bald den neu- en Standard 5G einführen, müssen sie viele Milliarden Euro in ihre Infrastruktur inves- tieren. Für Telefónica Deutschland dürfte das zur Herausforderung werden. Der Grund: Das Unternehmen kommt schon jetzt mit dem Netzausbau nur mühsam vo- ran. Die Tochter des spanischen Konzerns versorgt derzeit 80 Prozent der Bevölke- rung mit mobilem Breitband mit 50 Mega-

bit pro Sekunde (Mbit/s), in einzelnen Bun- desländern sind es deutlich weniger als 70 Prozent. Das geht aus einem Papier der Bundesnetzagentur hervor, das dem Han- delsblatt vorliegt. Die Behörde fordert, dass bis Anfang nächsten Jahres 98 Prozent der Bevölke- rung versorgt sein müssten. Wenn ein An- bieter diese Ziele nicht erreicht, will die Be- hörde Verwaltungsverfahren einleiten, die sogar zu Geldbußen führen können.

Die Politik pocht auf eine konsequente Durchsetzung. „Es ist wichtig, dass die Er- füllung der Versorgungsauflagen sauber kontrolliert und bei Bedarf auch durchge- setzt wird“, verlangte etwa der CDU-Bun- destagsabgeordnete Thomas Jarzombek. „Wir sind zuversichtlich, die Versorgungs- auflagen zu erfüllen“, teilte Telefónica Deutschland auf Anfrage des Handelsblatts

mit. D. Delhaes, C. Kerkmann, S. Scheuer

> Bericht Seite 16

Kurz notiert

Dax E-Stoxx 50

Dax

Dax E-Stoxx 50

E-Stoxx 50

12

344,08

3

514,62

+0,13 %

+0,36 %

Dow Jones S&P 500

Dow Jones

Dow Jones S&P 500

S&P 500

26

638,45

2

949,33

+0,17 %

+0,12 %

Gold Euro/Dollar

Gold

Gold Euro/Dollar

Euro/Dollar

1 284,08 $

1,1244 $

+0,04 %

+0,26 %

Stand: 16:30 Uhr

· Pflegeversicherung in der

Krise: Vor 25 Jahren wurde die Pflegeversicherung eingeführt – nun muss sie dringend refor- miert werden. Die Kosten stei- gen rasant, der finanzielle Aus-

blick ist mehr als düster. Die Beitragssätze könnten sich in den kommenden zwei Jahr- zehnten verdoppeln – wie eine Studie prognostiziert, die dem Handelsblatt vorliegt. Seite 6

· Wintershall Dea treibt Nord

Stream 2 voran: Die Fusion von Wintershall und Dea ist perfekt. Der Chef des neuen Öl- und Gasunternehmens, Mario Meh- ren, verteidigt im Interview das Engagement bei der umstritte- nen Ostseepipeline und die Russland-Strategie des Unter- nehmens. Seite 18

· Gefahr durch Kreditfonds:

Das Geschäft der privaten Kre- ditanbieter boomt. Bis 2020 soll ihr Volumen auf eine Billion Dol- lar steigen. Das wäre ein Zu- wachs von 25 Prozent zum aktu- ellen Niveau. Großanleger war- nen zwar vor Risiken. Doch die Hoffnungen der Investoren auf attraktive Renditen sind stärker als die Bedenken. Seite 30

· Warren Buffett mischt sich

in Übernahmekampf ein: Der Chef der Beteiligungsgesell- schaft Berkshire Hathaway be- teiligt sich überraschend am Bieterkampf um den US-Ölkonzern Ana- darko. Buffett will zehn Milliarden Dol- lar in Occidental Pe- troleum investieren, was es Occidental ein- facher machen soll, Ana- darko zu übernehmen. Ur- sprünglich wollte der deutlich größere Konkurrent Chevron Anadarko kaufen. Seite 34

· Knorr-Bremse verunsichert die Aktionäre: Der Börsengang des Autozulieferers sollte das Lebenswerk des Unternehmers Heinz Hermann Thiele krönen. Doch Ruhe kehrt nicht ein. Ein halbes Jahr nach dem milliar- denschweren Börsengang ist jetzt überraschend Vorstands- chef Klaus Deller zurückgetre- ten. Seite 44

dem milliar- denschweren Börsengang ist jetzt überraschend Vorstands- chef Klaus Deller zurückgetre- ten. Seite 44

dpa, Daniel Biskup/laif, dpa, Wintershall, Lars Klove/The New York Times/Redux/laif, REUTERS, dpa, dpa, KEYSTONE, Knorr-Bremse

РЕЛИЗ ПОДГОТОВИЛА ГРУППА "What's News" VK.COM/WSNWS

2 Inhalt

"What's News" VK.COM/WSNWS 2 I n h a l t DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84

DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84

Gastkommentar Seite 48

Wirtschaft

Unternehmen

Finanzen

&

Politik

& Märkte

& Börsen

Bundesregierung Kanzlerin Merkel will ihr Amt noch nicht an

Kramp-Karren-

bauer abge- ben / Seite 8

Bundesregierung Kanzlerin Merkel will ihr Amt noch nicht an Kramp-Karren- bauer abge- ben / Seite 8

Venezuela In Caracas wächst die Angst vor einem Bürgerkrieg / Seite 9

Venezuela In Caracas wächst die Angst vor einem Bürgerkrieg / Seite 9

Meinung

& Debatte

Wirtschaft & Politik / S. 14 Leitartikel Auch wenn in Deutschland nahezu Vollbeschäftigung herrscht, sind die Gewerkschaften nicht überflüssig. Kommentar Mit der Klage gegen die Deutsche Bank torpediert Donald Trump einmal mehr die Gewaltenteilung.

Unternehmen & Märkte / S. 28 Pro & Contra Corporate Governance:

Brauchen Aktionäre für die Durchset- zung ihrer Interessen mehr Rechte?

Namen

& Nachrichten

Wintershall Dea Deutschland hat ein neues Öl- und Gas- unternehmen / Seite 18
Wintershall Dea
Deutschland hat ein
neues Öl- und Gas-
unternehmen /
Seite 18

Luxusbranche Junge Leute mieten Luxusobjekte oder kaufen sie gebraucht / Seite 26

Luxusbranche Junge Leute mieten Luxusobjekte oder kaufen sie gebraucht / Seite 26
Facebook Firmengründer Mark Zuckerberg verspricht mehr Datenschutz / Seite 27
Facebook
Firmengründer
Mark Zuckerberg
verspricht mehr
Datenschutz /
Seite 27

Heinz Hermann Thiele Der Unvollendete / Seite 44

Seite 27 Heinz Hermann Thiele Der Unvollendete / Seite 44 S. 45/ Ferry Heilemann Der Berliner

S. 45/ Ferry Heilemann Der Berliner Gründer mischt die Logistikbranche weiter auf: Von der welt- größten Containerreederei Moeller-Maersk kommt neu- es Geld, vom Paketver- sender DHL ein erfah- rener Manager.

Der Haupteigentümer von Knorr-Bremse wollte mit dem Börsengang sein Lebens- werk krönen. Jetzt gibt es Unruhe.

Börsengang sein Lebens- werk krönen. Jetzt gibt es Unruhe. Der Kampf gegen die globale Erwärmung ist
Börsengang sein Lebens- werk krönen. Jetzt gibt es Unruhe. Der Kampf gegen die globale Erwärmung ist

Der Kampf

gegen die

globale

Erwärmung ist die

Menschheits-

aufgabe des 21. Jahrhunderts. Er entscheidet darüber, ob unser Planet weiter ein lebenswerter Ort bleibt oder nicht.

Winfried Kretschmann Ministerpräsident von Baden-Württemberg

Managervergütung Regierung streitet um die Rechte der Aktionäre / Seite 32
Managervergütung
Regierung streitet
um die Rechte der
Aktionäre / Seite 32
Munich Re Großanleger kritisieren Besetzung des Aufsichtsrats / Seite 33

Munich Re Großanleger kritisieren Besetzung des Aufsichtsrats / Seite 33

Deutsche Post Sind Analysten im Hinblick auf die Aktie zu optimistisch? / Seite 36
Deutsche Post
Sind Analysten im
Hinblick auf die Aktie zu
optimistisch? / Seite 36

S. 46/ Jörn Werner Der

neue Chef des Elektronik- händlers Ceconomy greift mit seinem Sparprogramm beherzt durch und begeis- tert damit die Böse.

S. 47/ Adam Neumann und

Miguel McKelvey Die We- Work-Gründer kündigen an,

ihre Coworking-Idee an die Börse zu bringen. S. 47/ Kevin Feige Mit dem Film „Avengers: Endgame“ bricht der Produzent der Disney-Tochter Marvel an

den Kinokassen Rekorde.

+ BusinessLounge / S. 47

In dieser Ausgabe

NAMENSINDEX Appel, Frank Arzheimer, Kai Assange, Julian Baumann, Werner Binkert, Hermann Bizzarri, Marco Bock, Kurt Boger, Sebastian Bomhard, Nikolaus von Brudermüller, Martin Brzoska, Lars Buffett, Warren

 

Carr, Tom

30

Mehren, Mario

18

Werner,

Jörn

46

Bundesverband Alternative

30

Preqin 30

Deller, Klaus

44

Merkel, Angela

8

Wörner, Natalia

 

46

Ceconomy 46

Schaeffler 44

Egbers, Bernd

30

Molkenteller, Dieter Haag

46

Zimmerer, Maximilian

33

Deutsche Bank

14

Telefónica Deutschland 16

 

36

Feige, Kevin

47

Neumann, Adam

47

Zuckerberg, Mark

27

Deutsche Post 36

Vermimi 33

8

Fitschen, Jürgen

46

Peddinghaus, Jürgen

45

DWS

33

Volks- und Raiffeisenbanken 33

46

Frey, Hans-Georg

45

Probst, Lothar

8

UNTERNEHMENSINDEX

 

Facebook

27

Wabco 44

27,

28

Gauck, Joachim

46

Reverter, Ferran

46

Alternative Investment Managem.

 

30

Gucci 26

WeWork 47

8

Heil, Hubertus

14

Scheider,

Wolf-Henning

44

Amazon

46

Haldex

44

Wintershall Dea

18

26

Kekilli, Sibel

46

Schmidt, Hendrik

33

Anadarko 34

Hamilton Lane 31

Yes

33

33

Koenig, Theodore

30

Sonnenmoser, Karin

46

Ashurst

30

Jungheinrich 45

ZF

44

26

Kramp-Karrenbauer, Annegret

8

Strang, Jim

31

ATU

46

Knorr-Bremse

44

Zumtobel 46

33

Krol, Jiri

30

Thiele, Heinz Hermann

44

BASF 20

Marvel Studios

47

20

Maas, Heiko

46

Trump, Donald

14

Bayer

27,

28

Monroe Capital

30

45

Macron, Emmanuel

10

Wenning, Joachim

33

Berkshire Hathaway

34

Munich Re 33

 

34

McKelvey, Miguel

47

Wenning, Werner

27

Boston Consulting Group BCG

26

NetID 33

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4 Titelthema Das Dax-Problem

News" VK.COM/WSNWS 4 Titelthema Das Dax-Problem DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84 Handelssaal der Frankfurter

DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84

Handelssaal der Frankfurter Börse: Im internationalen Vergleich entwickelt sich der Dax schlecht.

Ulf Sommer Düsseldorf

W elch eine Kraft: Wer nach dem desaströsen Börsenjahr 2018 mutig auf den Dax setzte, hat bis heute 17 Prozent ge-

wonnen. Das ist weit mehr als die Perfor- mance eines Durchschnittsjahres. Der Dow Jones in den USA schaffte „nur“ 15 Prozent. Das Problem: 2018 hatte der Dax 18 Pro- zent verloren, der Dow nur sieben Prozent. Der jüngste Aufstieg und der vorangegange- ne tiefe Fall des wichtigsten deutschen Bör- senbarometers mit seinen landesweit 30 größten Konzernen sind keine Ausnahmeer- scheinung, sondern bestätigen einen langen und wenig schmeichelhaften Trend: Der Dax entwickelt sich in guten Zeiten oftmals etwas besser als der Dow. Im Abschwung aber verliert er überdurchschnittlich viel. Deshalb entwickelt er sich insgesamt schlechter. Das gilt erst recht für den Kurs-Dax. Das

ist der Dax, in dem die jährlichen Dividen- den der Unternehmen nicht mit einfließen. Nur dieser Index ist mit den ausländischen Indizes vergleichbar. Mit aktuell gut 5 600 Punkten notiert der Kurs-Dax auf ähnlichem Niveau wie vor knapp zwei Jahrzehnten, als er in der Spitze im Jahr 2000 sogar auf knapp 6 000 Zähler gestiegen war. Damals stand der Dow noch bei 10 000 Punkten, heute liegt er bei mehr als 26 000. „Der Dax vereint viele Unternehmen, die stark vom Lauf der Konjunktur abhängig sind“, nennt Fidelity-Fondsmanager und Deutschlandexperte Christian von Engel- brechten einen Grund für die schlechtere Entwicklung des Dax. Die Argumentation geht in etwa so: Nach dem gestreckten Auf-

Ein Index hinkt hinterher

Der Dax scheint günstig bewertet und läuft dennoch schlechter als andere große Börsenindizes. Enttäuschte Hoffnungen und schlecht geführte Konzerne sind die Ursache.

schwung, der 2009 begann, spekulieren Börsianer seit Langem auf ein Ende des Booms. Darunter leidet der Dax mit seinen vielen Industrieunternehmen wie BASF, In- fineon, Siemens und die Autobauer BMW, Daimler und Volkswagen besonders. Doch das allein erklärt nicht alles. Der Dax hinkt nämlich nicht nur der Wall Street hinterher, sondern auch den Kursen in vie- len anderen Ländern, etwa in unseren Nachbarländern Schweiz, Österreich und Dänemark, oder dem Sensex in Indien und

dem Hang Seng in Hongkong. Sogar Russ- lands Börse, wo die Unternehmen seit Jah- ren unter den Wirtschaftssanktionen des Westens leiden, ist erfolgreicher. Ebenso der japanische Nikkei, der seine besten Zeiten in den 80ern des vorigen Jahrhunderts erlebte. Auch der Kospi in Korea schneidet besser ab. Das ist bemerkenswert, weil unter Fi- nanzmarktprofis der Dax und der Kospi als Zwillinge bezeichnet werden. Beide beinhal- ten viele exportstarke Firmen, die sich ganz der Globalisierung verschrieben haben und

von der Weltwirtschaft abhängig sind. Dax und Kospi sind ein Seismograf der Weltkon- junktur – und doch ist der Dax schlechter. Es gibt mehr Gründe für den lahmen Dax. Eine Ursache ist, dass bei deutschen Unter- nehmen der Anspruch oft größer ist als die Wirklichkeit. Um zu verstehen, was damit gemeint ist, muss man sich den jährlichen Nettogewinn der Unternehmen in Relation zu ihrer Börsenbewertung anschauen. Anle- ger bezahlen die Dax-Konzerne und herun- tergerechnet jede einzelne Aktie im Schnitt mit dem knapp 13-fachen erwarteten Netto- gewinn. Der Dow kostet fast den 16-fachen Gewinn – also deutlich mehr. Auffällig ist, dass sich die Bewertungsschere immer wei- ter geöffnet hat. Deutsche Aktien wurden in Relation zu US-Aktien scheinbar billiger. Doch sie wurden nicht wirklich günstiger. Bei der Berechnung dieser Kurs-Gewinn- Verhältnisse gibt es „einen Haken“, ermittel- ten die Experten der Hamburger Privatbank M.M. Warburg. Die an der Börse üblichen Bewertungen beziehen sich stets auf Unter- nehmensgewinne, wie sie der Markt auf Sicht der nächsten zwölf Monate erwartet – und hier haben die Dax-Konzerne in der Vergangenheit enttäuscht. Sie lieferten nicht das, was Anleger erwarteten und worauf die Berechnungen der Analysten beruhten. So rechneten Analysten zur Jahreswende 2017/2018 damit, dass die Dax-Konzerne 2018 ihre Gewinne um zehn bis 15 Prozent steigern werden. Tatsächlich gab es ein Mi- nus von neun Prozent, wie das Handelsblatt nach Abschluss der letzten Geschäftsberich- te errechnet hat. Mehr noch: Schon in den fünf Jahren zwischen 2011 und 2016 sta- gnierten die Gewinne der Dax-Konzerne. 2011 fuhren sie zusammengerechnet 61 Mil- liarden Euro ein, 2016 waren es 58 Milliar-

Lahmer Dax

Dax-Kursindex

in Punkten

5 626 Pkt. 7 000 +4,0 % 5 000 3 000 1 000 1.1.2000 30.4.2019
5 626 Pkt.
7
000
+4,0 %
5
000
3
000
1
000
1.1.2000
30.4.2019

Wie sich der Dax-Kursindex in den letzten 20 Jahren im Vergleich zu ausgewählten Indizes geschlagen hat, Veränderung seit dem 1.1.2000 in Prozent

Dänemark

+400

+300

+200

+100

±0

-100

+300 %

% OMX Kopenhagen 1.1.2000 30.4.2019
%
OMX Kopenhagen
1.1.2000
30.4.2019
Österreich +169 % +400 % ATX Index +300 +200 +100 ±0 -100 1.1.2000 30.4.2019
Österreich
+169 %
+400 %
ATX Index
+300
+200
+100
±0
-100
1.1.2000
30.4.2019

USA

+131 % +150 % Dow Jones +100 +50 ±0 -50 -100 1.1.2000 30.4.2019
+131 %
+150 %
Dow Jones
+100
+50
±0
-50
-100
1.1.2000
30.4.2019
+616 % RTS Index
+616 %
RTS Index

Russland

+1 500 %

+1 200

+900

+600

+300

±0

-300

Südkorea +114 % +150 % Kospi +100 +50 ±0 -50 -100 1.1.2000 30.4.2019
Südkorea
+114 %
+150 %
Kospi
+100
+50
±0
-50
-100
1.1.2000
30.4.2019

30.4.2019

1.1.2000

Tim Wegner/laif

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ГРУППА "What's News" VK.COM/WSNWS DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84 5 Das Dax-Problem den Euro.

DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84

5

Das Dax-Problem

DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84 5 Das Dax-Problem den Euro. Jedes Jahr aber hatten Analysten

den Euro. Jedes Jahr aber hatten Analysten im Vorhinein einen Anstieg zwischen fünf und fast 20 Prozent für die einzelnen Ge- schäftsjahre erwartet. Das heißt, Aktien er-

schienen stets preisgünstiger, als sie tatsäch- lich waren. Auch für das laufende Jahr wit- tern die Warburg-Experten Enttäuschungen:

„Auffällig ist, dass die Gewinnerwartungen seit Sommer vergangenen Jahres kontinuier- lich nach unten revidiert werden.“ Für 24 der 30 Dax-Konzerne haben Ana- lysten in den vergangenen drei Monaten ihre Erwartungen ge- senkt. Für Covestro und Thyssen-Krupp reduzier- ten die Experten die Ge-

winnerwartungen um gut 25 Prozent, auf Sicht eines Jahres so- gar um mehr als 50 Prozent. Auch für

RWE und Eon, Deut- sche Bank, BMW, Infi- neon und Henkel ging es stark nach unten. Insge- samt fielen die Gewinnschät-

zungen für die 30 Dax-Konzerne um durchschnittlich fünf Prozent. Darüber hinaus belasten schlecht geführ- te Schwergewichte den Dax. Sie sind auf- grund ihrer Größe und hohen Anzahl an umlaufenden Aktien zu groß, um aus dem Dax abzusteigen – trotz jahrelanger Kursver- luste. So investierte bei Thyssen-Krupp das Management um Gerhard Cromme und Ek- kehard Schulz ausgerechnet auf dem Höhe- punkt des Stahlbooms vor mehr als einem Jahrzehnt zwölf Milliarden Euro in neue Stahlhütten in Südamerika, die im wahrsten Sinne des Wortes auf Sand gebaut waren. Seitdem setzen sich bei der Ruhrgebiets-Iko-

ne zweifelhafte Entscheidungen ebenso konsequent fort wie bei der Deutschen Bank. Sie hat mit ihrem teuren Filialsystem und Personalbestand samt veralteter Tech- nologie die Auswirkungen der Finanzkrise

2008 immer noch nicht hinter sich gelassen. RWE und Eon wiederum leiden weiter da- runter, dass ihnen mit der Kernkraft das lu- krativste Geschäftsmodell entzogen wurde. Schließlich wirkt sich die gering ausge- prägte deutsche Aktienkultur negativ aus. Mangels heimischer Anleger liegen die Anteilsscheine im Dax mit 53 Prozent mehrheitlich in ausländischer Hand. Nur ein gutes Drittel halten

deutsche Anleger – der Rest ist geografisch nicht zuzuordnen. Vor allem milliarden- schwere britische und

amerikanische Fonds, angefangen von Vermö- gensverwaltern und Pen- sionskassen bis hin zu Hedgefonds, die sehr rasch

kaufen und verkaufen, halten die Titel von Adidas, SAP und Co. Sinken nun die Aktienkurse weltweit, so wie zuletzt im Herbst 2018 oder sehr viel kräftiger in der Finanzkrise 2008 und beim Platzen der Technologieblase Anfang des Jahrtausends, dann verabschieden sich In- vestoren eher von ausländischen als heimi- schen Aktien. In großen Krisenjahren steigt deshalb der Anteil deutscher Investoren an den Dax-Konzernen im Verhältnis zu auslän- dischen Anlegern an. Im Ergebnis führt die- ser Effekt dazu, dass der Dax nicht nur stär-

ker schwankt als andere große Indizes, son- dern sich auch schlechter entwickelt.

große Indizes, son- dern sich auch schlechter entwickelt. Der Dax vereint viele Unternehmen, die stark vom

Der Dax vereint viele Unternehmen, die stark

vom Lauf der Konjunktur

abhängig sind.

Christian von Engelbrechten Fondsmanager des Vermögensverwalters

Fidelity

Börsenweisheit „Sell in May“

Viele Ausnahmen

E s gibt sie schon lange, sie rei- men sich, sie sind einfach und bekannt. Doch ist etwas

dran? Die Rede ist von Börsenweis- heiten, die als Bauernregeln des Ka- pitalmarkts gelten. Eine der stets Ende April zitierten Börsenweishei- ten lautet „Sell in May and go away“. Wissenschaftler führen ihre Verbreitung auf das Jahr 1935 zu- rück, als die Formulierung erstmals in den Medien auftauchte. Später folgte der Zusatz: „but remember to come back in September“. Dem- nach tun Anleger gut daran, Anfang

Mai Aktien zu verkaufen und erst im September wieder einzusteigen. Dahinter steckt die Vorstellung, dass sich viele Investoren schon im Mai mit seinen vielen Feiertagen in die Sommerfrische verabschieden und erst im Herbst wieder verstärkt handeln. Die Folge: Bei geringeren Börsenumsätzen steigen die Schwankungen an den Märkten, und das kann leicht zum Nachteil der Anleger ausgehen. „Prinzipiell drohen in den Sommermonaten häufig Gewinnmitnahmen, aber wörtlich sollte man ‚Sell in May‘ nicht nehmen“, warnt Uwe Streich, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Nur 17 Treffer in 30 Jahren

In der Tat zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass die Regel alles ande- re als verlässlich ist. So hat die Fondsgesellschaft Fidelity Interna- tional für den Deutschen Leitindex Dax ausgerechnet, dass er in den vergangenen 30 Jahren nur 17-mal zwischen Ende April und Ende Au- gust gefallen ist – und immerhin 13-mal gestiegen. Langfristig fuhren Anleger, die der Regel folgten, zwar gut: Unter dem Strich erzielten laut Fidelity Anleger, die vor 30 Jahren 10 000 Euro in den Dax investierten und dabei stets im Mai aus- und im Sep- tember wieder einstiegen, mit gut 119 000 Euro knapp ein Drittel mehr als Anleger, die permanent in- vestiert blieben. Dennoch sieht An- dreas Telschow, Anlageexperte bei Fidelity International, die Regel nicht als „Basis für eine langfristige Anlagestrategie“. Dafür treffe sie in den einzelnen Jahren zu selten zu. Wenn man sich die einzelnen Mo- nate ansieht, ist der Mai – auch

dank der Dividendenausschüttun- gen gerade für den Dax – ohnehin

nicht der schlechteste Monat. Deut- lich größere Einbrüche gab es seit

1988 durchschnittlich im August

und im September (siehe Grafik).

Im vergangenen Jahr war das beson- ders deutlich. Wer im September

2018 an der Börse über ein Dax-In-

vestment einstieg, verlor bis Ende Dezember fast 15 Prozent. Seither hat er diesen Verlust zwar mehr als aufgeholt – aber besser wäre es ge- wesen, erst zu Jahresbeginn wieder Aktien zu kaufen.

Klimawandel für Börsianer

Für die vielen Ausnahmen von der Regel gibt es gute Gründe. Robert Halver, Leiter der Anlagestrategie bei der Baader Bank, bringt es so auf den Punkt: Die erweiterte Sell- in-May-Weisheit sei „eine Bauernre- gel, die so nicht mehr funktioniert, weil auch Börsianer dem Klimawan- del unterworfen sind“. Treiber die- ses „Klimawandels“ sind für Halver vor allem die gestiegenen Einflüsse der Politik und der Notenbanken auf die Börse, aber auch die Globali- sierung und der schneller geworde- ne Wertpapierhandel. Unabhängig vom Börsenmonat Mai fragen sich aber viele Anleger, ob es nach der fulminanten Rally an den Börsen in diesem Jahr jetzt nicht doch Zeit ist, sich von Aktien zu trennen. „Die Kurse haben viele positive Entwicklungen vorwegge- nommen, und Gewinne zu sichern ist womöglich nicht der schlechtes- te Rat“, meint Telschow von Fideli- ty International. Auch für Streich von der LBBW gibt es Anzeichen da- für, dass der Markt schon zu weit gelaufen ist: „Die Konjunkturper- spektiven haben sich verschlech- tert, und die Gewinne vieler Unter- nehmen sinken weltweit.“ Auf der anderen Seite könnten die Börsen weiter steigen, wenn zum Beispiel der Handelsstreit zwi- schen den USA und China tatsäch- lich beigelegt oder der Brexit noch- mals verschoben wird. Auch positi- ve Impulse von den Notenbanken sind nicht auszuschließen. So spe- kulieren einige Investoren darauf, dass die US-Notenbank die Leitzin- sen noch in diesem Jahr senken wird. Mit dem Kalender hat dies in- des wenig zu tun. Andrea Cünnen

Hongkong Hang Seng +75 % +100 % +50 ±0 -50 -100 1.1.2000 30.4.2019 HRIernehmen,UntQuellen:•HANDELSBLATT
Hongkong
Hang Seng
+75 %
+100
%
+50
±0
-50
-100
1.1.2000
30.4.2019
HRIernehmen,UntQuellen:•HANDELSBLATT

Schweiz +29 % +40 % SMI +20 ±0 -20 -40 -60 -80 1.1.2000 30.4.2019
Schweiz
+29 %
+40 %
SMI
+20
±0
-20
-40
-60
-80
1.1.2000
30.4.2019
% SMI +20 ±0 -20 -40 -60 -80 1.1.2000 30.4.2019 Japan +18 % +40 % Nikkei
Japan +18 % +40 % Nikkei +20 ±0 -20 -40 -60 -80 1.1.2000 30.4.2019
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Der Mai ist nicht so schlecht

Monatliche Durchschnittsentwicklung des Dax* von 1988 bis 2018 in Prozent

+2,59 +2,43 +2,18 +2,22 1,59 +1,21 +0,99 +0,81 +0,33 -0,12 -2,20 -2,25 Jan. Feb. März
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März April
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Juni
Juli
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Okt.
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HANDELSBLATT

*Dax-Performanceindex inklusive Dividendenausschüttungen Quellen: Refinitiv, LBBW Research

Nov. Dez. HANDELSBLATT *Dax-Performanceindex inklusive Dividendenausschüttungen Quellen: Refinitiv, LBBW Research

Robert Kneschke

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6 Wirtschaft & Politik

News" VK.COM/WSNWS 6 Wirtschaft & Politik DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84 Sozialstaat - wohin? Der

DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84

Sozialstaat - wohin?

Sozialstaat - wohin? Der finanzielle Ausblick der Pflegeversicherung ist 25 Jahre nach ihrer Einführung düster. Die

Der finanzielle Ausblick der Pflegeversicherung ist 25 Jahre nach ihrer Einführung düster. Die Politik sieht wegen der rasant steigenden Kosten dringenden Reformbedarf. Die Beitragssätze könnten sich in den kommenden zwei Jahrzehnten verdoppeln.

Gregor Waschinski Berlin

I n den letzten Apriltagen 1994 wähnte sich

der damalige Sozialminister Norbert Blüm

am Ende eines harten politischen Kampfes.

„Heute ist ein guter Tag für den Sozialstaat

Deutschland,“ verkündete der CDU-Politi-

ker, nachdem der Bundestag die Einführung der Pflegeversicherung beschlossen hatte. Vorausge- gangen waren jahrelange Diskussionen, wie das Pflegerisiko abgesichert werden soll und Bürger im Pflegefall vor dem Gang zum Sozialamt bewahrt werden können. Blüm setzte sich mit seiner Vor- stellung durch, dass die neue Sozialversicherungs- säule auf dem beitragsfinanzierten Umlageverfah- ren basiert. Die FDP hatte dagegen eine kapital- gedeckte private Vorsorge gefordert, drohte sogar mit Koalitionsbruch. Unternehmen liefen Sturm ge- gen die zusätzliche Abgabenlast. Die schwarz-gelbe Bundesregierung besänftigte das Arbeitgeberlager schließlich, indem sie zum Ausgleich den Buß- und Bettag als gesetzlichen Feiertag strich. Ein Vierteljahrhundert später hat die Pflege er- neut große Sprengkraft entwickelt. Denn die Finanzierungsgrundlage gerät in der alternden Gesellschaft zunehmend unter Druck. Leistungs- ausweitungen haben die Kosten über die Jahre nach oben getrieben. Und weitere Mehrausgaben stehen an: Altenpflegekräfte sollen besser und nach Tarif bezahlt werden, um den Personalman- gel in der Branche zu lindern. Zugleich schießen die Eigenanteile in die Höhe, die Pflegebedürftige oder ihre Angehörigen aufbringen müssen – denn die Pflegeversicherung übernimmt nur einen Teil der Kosten. In der Politik reift die Erkenntnis, dass das System eine grundlegende Finanzreform benö- tigt. „Wenn die Beiträge nicht immer weiter steigen sollen, dann wird man auch über andere Finanzie- rungsmodelle diskutieren müssen“, sagte Gesund- heitsminister Jens Spahn (CDU). Bei der Einführung der Pflegeversicherung lag der zur Hälfte von Arbeitgebern und Arbeitneh- mern gezahlte Beitragssatz bei einem Prozent des Bruttoeinkommens. Aktuell sind es 3,05 Pro-

zent, Kinderlose zahlen 3,3 Prozent. Erst zu Jah- resbeginn hatte Spahn den Satz um 0,5 Prozent- punkte anheben müssen, um die Finanzlage der gesetzlichen Pflegeversicherung zu stabilisieren. Die hatte 2018 ein Defizit von etwa 3,5 Milliarden Euro eingefahren. Mit dem jüngsten Beitrags- sprung, so Spahns Hoffnung, ist die Finanzie- rung zumindest bis Ende dieser Legislaturperi- ode gesichert. Doch die Pflege ist eine tickende Zeitbombe für den Sozialstaat. Laut einer Studie des Wissen- schaftlichen Instituts der privaten Krankenversi- cherung (PKV) könnte der Beitragssatz bis 2040 auf 4,1 bis 7,9 Prozent steigen. „Es besteht das po- litische Risiko, dass die Belastungsgrenze der Er- werbstätigen erreicht wird und Leistungen gekürzt werden müssen“, heißt es in der Studie, die dem Handelsblatt vorliegt. Die Studienautoren stellen auch ein Gedankenspiel an: Welche Rückstellungen

Mehr Pflegebedarf:

Die Kosten steigen in der alternden Gesellschaft stark an.

Die Kosten steigen in der alternden Gesellschaft stark an. Die Kosten der Pflege laufen aus dem

Die Kosten der Pflege laufen aus dem Ruder

Szenarien zur künftigen Finanzentwicklung der Pflegeversicherung Prognose für die Beiträge in Prozent des Gehalts

Di erenz zwischen Einnahmen- und Ausgabenentwicklung: 8,5 7,9 % 3 Prozentpunkte 2 Prozentpunkte 1 Prozentpunkt
Di erenz zwischen Einnahmen- und Ausgabenentwicklung:
8,5
7,9 %
3 Prozentpunkte
2 Prozentpunkte
1 Prozentpunkt
6,4 %
6,5
Ausgaben steigen wie Einnahmen:
0 Prozentpunkte
5,2 %
4,1 %
4,5
2,5
2017
2040
HANDELSBLATT • Ab 2019 Prognosen
Quelle: Wissenschaftliches Institut der PKV

hätte die gesetzliche Pflegeversicherung aufbauen müssen, um alle bisher erworbenen Ansprüche in dem System zu decken? Dazu entwickelten sie ein fiktives Kapitaldeckungsmodell. Das Ergebnis: Die „versteckte Verschuldung“ des Umlageverfahrens – also künftige Leistungsversprechen in der Pflege – beträgt 435 Milliarden Euro. Angesichts des demo- grafischen Wandels werde diese Summe in Zukunft eine immer kleiner werdende Gruppe von Beitrags- zahlern aufbringen müssen.

Wachsender Kostendruck

Nun könnten Kritiker der Versicherungswirtschaft vorwerfen, mit der Analyse das eigene kapitalge- deckte Modell als überlegen darstellen zu wollen. Doch auch andere Studien prophezeien einen spürbaren Anstieg der Beitragssätze. Einer Unter- suchung der Bertelsmann Stiftung zufolge könnten die Beiträge bis zum Jahr 2045 auf 4,25 Prozent klettern. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet ebenfalls damit, dass der Beitragssatz in der Pflege nach 2040 auf über vier Prozent steigen wird. Bei den Kalkulationen seien jüngste Leis- tungsausweitungen und künftige Ausgabensteige- rungen noch gar nicht berücksichtigt, erklärte IW- Experte Jochen Pimpertz. Das Wissenschaftliche Institut der PKV rechnet in seiner Studie verschiedene Szenarien durch. In der ersten Variante unterstellten die Autoren, dass sich die Ausgaben und Einnahmen in der Pflege- versicherung im Einklang entwickeln werden. Ein- ziger Treiber der Beitragssätze wäre also der demo- grafische Wandel. Bis 2040 dürfte sich die Zahl der Pflegebedürftigen laut der Prognose von derzeit rund 3,4 Millionen auf 4,4 Millionen Menschen er- höhen. Im selben Zeitraum schrumpft die Bevölke- rung im erwerbsfähigen Alter. Der Pflegebeitrag würde unter diesen Annahmen auf 3,7 Prozent in 2030 und auf 4,1 Prozent in 2040 steigen – also in etwa die Größenordnung, die auch die Bertels- mann Stiftung und das IW vorhersagen. Die Geschichte der Pflegeversicherung lehrt al-

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ГРУППА "What's News" VK.COM/WSNWS DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84 7 Wirtschaft & Politik

DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84

7

Wirtschaft & Politik

lerdings, dass die Ausgaben wegen politisch be- schlossener Leistungsverbesserungen schneller wachsen als die Einnahmen. In der vergangenen Legislaturperiode weitete die Große Koalition bei- spielsweise den Kreis der Anspruchsberechtigten durch eine neue Definition von Pflegebedürftigkeit deutlich aus. Aktuell ist ein Gehaltsplus für Pflege- kräfte in der Diskussion. Die Aufwertung aller Ge- hälter in der Altenpflege auf ein tarifliches Niveau würde einem im Auftrag des Bundesgesundheits- ministeriums erstellten Gutachten zufolge zwi- schen 1,4 und 5,2 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Das Wissenschaftliche Institut der PKV hat in sei- ner Studie errechnet, dass die beitragspflichtigen Einnahmen je Versicherten zwischen 1997 und

2017 um jährlich 1,6 Prozent gestiegen sind. Die

Pro-Kopf-Ausgaben nahmen in dem Zeitraum um jährlich 4,7 Prozent zu. Diesen Kostendruck be- rücksichtigten die Studienautoren in weiteren Sze- narien. Je nachdem, wie groß die Differenz bei der Einnahmen- und Ausgabenentwicklung zukünftig ausfällt, könnten die Pflegebeiträge 2040 auf ei- nem Niveau von 5,2 bis 7,9 Prozent liegen.

Deckel für Eigenbeiträge

„Die Szenarien zeigen auf erschreckende Weise,

dass eine Kostenlawine auf die Solidargemeinschaft zurollt“, sagte FDP-Fraktionsvize Michael Theurer dem Handelsblatt. Die Gesamtbelastung bei den Sozialabgaben drohe auf deutlich über 40 Prozent zu steigen. „Es muss jetzt gegengesteuert werden.“ Die Freien Demokraten fordern, die umlagefinan- zierte gesetzliche Pflegeversicherung um eine kapi- talgedeckte Säule zu ergänzen. Unter dem frühe- ren FDP-Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr wurde 2013 bereits eine staatlich geförderte Pflege- zusatzversicherung eingeführt. Breitenwirkung hat der „Pflege-Bahr“ aber bislang nicht erreicht: Ende

2018 liefen rund 880 000 Verträge.

Die Stärkung der privaten Vorsorge steht aller- dings nicht auf der Agenda der Großen Koalition. Diskutiert wird stattdessen über einen Steuerzu- schuss zur Pflegeversicherung. Und vor allem die Sozialdemokraten haben sich einem anderen The- ma verschrieben: der Begrenzung der Eigenanteile von Pflegebedürftigen. Die Leistungen der Pflegeversicherung sind ge- deckelt. Heimbewohner müssen derzeit im Bun- desdurchschnitt mehr als 600 Euro zu ihren Pflegekosten dazuschießen. Dazu kommen weite- re Zahlungen für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen in den Einrichtungen. Mehr als ein Drittel der Heimbewohner in Deutschland ist auf Sozialhilfe angewiesen, weil Rente, Pflegeversi- cherung und eigenes Vermögen nicht reichen. Und die Eigenanteile zur Pflege dürften weiter steigen. Die geplanten Mehrausgaben etwa für ei- ne bessere Bezahlung der Altenpfleger würden nach der momentanen Rechtslage „vollständig auf dem Rücken der Pflegebedürftigen ausgetra- gen“, kritisiert der Pflegeexperte Heinz Roth- gang. Auch Hamburg, Berlin, Bremen und Schleswig-Holstein fordern in einer Bundesrats- initiative, die Eigenanteile zu deckeln. Alle Kos- ten darüber hinaus müsste die Pflegeversiche- rung tragen. Das bisherige Prinzip der Kostenauf- teilung würde also umgekehrt. IW-Experte Pimpertz sieht diesen Weg kritisch. „Das wäre ein Schritt weg von der eigenverant- wortlichen Absicherung hin zu einer staatlichen Vollversicherung“, sagte er. Die Beitragszahler wür- den noch stärker belastet. Zudem sei die Pflegever- sicherung nicht die letzte Sicherungslinie. Mit der steuerfinanzierten Hilfe zur Pflege der Sozialämter gebe es „ein letztes Rettungsnetz“. Bundesgesundheitsminister Spahn hat sich bis- her nicht in die Karten blicken lassen, welche Re- formschritte ihm vorschweben. Dem Vernehmen nach sind in seinem Haus demnächst Fachgesprä- che geplant, bei denen auch eine Begrenzung der Eigenanteile geprüft werden soll. Im Sommer en- det die sogenannte Konzertierte Aktion Pflege der Bundesregierung: Spahn hat dann einen besseren Überblick, wie teuer die versprochene Aufwertung des Pflegeberufs werden dürfte. Im Herbst könnten aus dem Ministerium dann Vorschläge für die künf- tige Pflegefinanzierung kommen.

Vorschläge für die künf- tige Pflegefinanzierung kommen. Sollen die Beiträge nicht immer weiter steigen, muss man

Sollen die Beiträge nicht immer weiter steigen, muss man auch über andere Modelle der Finanzierung diskutieren.

Jens Spahn

Gesundheitsminister

dpa
dpa

Universität Bremen Socium

Universität Bremen Socium

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8 Wirtschaft & Politik

News" VK.COM/WSNWS 8 Wirtschaft & Politik DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84 Kanzlerschaft 1 Merkel denkt

DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84

Kanzlerschaft

1

Merkel denkt nicht ans Aufhören

Die Kanzlerin hat Spekulationen über einen baldigen Rücktritt zurückgewiesen. Damit dürfte aber die Debatte über einen Stabwechsel zu Kramp-Karrenbauer nicht zu Ende sein, meinen Politikexperten.

Hans Christian Plambeck/laif
Hans Christian Plambeck/laif

Dietmar Neuerer Berlin

CDU-Chefin

Kramp-Karren-

bauer (l.), Kanzle- rin Merkel: Keine

Anzeichen für

Amtsmüdigkeit.

K urz bevor sie ins Flug-

zeug nach Afrika stieg,

musste sich die Kanzle-

rin doch noch mit In-

schwächt. Dagegen gibt es ein Mittel:

„Frau Kramp-Karrenbauer braucht die Möglichkeit, ihre Kanzlertauglich- keit belegen zu können“, so Binkert. Auch der Bremer Politikprofessor Lothar Probst attestiert der Saarlän- derin, bislang kein „eindeutiges Pro- fil“ entwickelt zu haben. Was wohl auch daran liege, dass sie kein Staats- amt innehabe, in dem sie sich be- währen könne. Ob sich das in absehbarer Zeit än- dert? In einer „idealen Welt“ wohl schon, glaubt der Mainzer Politikwis- senschaftler Kai Arzheimer. Merkel würde dann ihr Amt zur Mitte der Legislaturperiode oder kurz danach übergeben, „damit AKK einen Bonus als Amtsinhaberin aufbauen kann“. Das wäre mit dem Risiko verbun- den, „dass die SPD dann tatsächlich vorzeitig die Koalition aufkündigen würde und die CDU entweder Neu- wahlen anstreben oder aber für die

verbleibenden Monate ein Jamaika- Bündnis verhandeln müsste“. Bei beiden Szenarien wäre aber nicht viel gewonnen, so Arzheimer. Seine Prognose: Merkel bleibt bis 2021 im Amt oder gibt kurz vor den Wahlen die Amtsgeschäfte ab. Von solchen Gedankenspielen hält Kramp-Karrenbauer freilich wenig:

„Es gilt für die CDU das Wort der Kanzlerin, dass diese Regierung für die ganze Legislaturperiode gewählt ist. Deshalb denken wir auch in die- ser Legislaturperiode und nicht in anderen Szenarien“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Außer- dem habe sie „ein ausgesprochen gu- tes Verhältnis“ zu Merkel. Auch wenn AKK jetzt lieber politi- sche Inhalte in den Vordergrund rü- cken möchte, dürfte es Anfang Juni um weit mehr gehen: Mancher er- wartet, dass dann – je nach Ausgang der Europawahl und der parallelen

nenpolitik beschäfti-

gen. Sie könne die Frage, ob sie über- raschende Pläne habe, „mit einem

klaren Nein beantworten“, sagte An- gela Merkel am Dienstag in Berlin. Sie trat damit Spekulationen entgegen, sie könne kurz nach der Europawahl bei einem schlechten Abschneiden der CDU vorzeitig zurücktreten. Und auch später bei einem Bürgerdialog im brandenburgischen Schwedt ließ Merkel keine Amtsmüdigkeit erken- nen. Damit sind die Gedankenspiele über ihre Nachfolge vor dem Ende der Legislaturperiode 2021 um ein Kapitel reicher. Vorher hatte es Ge- rüchte über einen vorzeitigen Ab- gang gegeben, weil CDU-Chefin An- negret Kramp-Karrenbauer für Juni eine außerplanmäßige Parteivor- standsklausur angesetzt hatte. Offi- ziell wegen der Steuerschätzung und der Auswirkungen auf den Bundes- haushalt, wie Kramp-Karrenbauer betonte. Doch die Debatte hatte sich schon längst verselbstständigt.

die Debatte hatte sich schon längst verselbstständigt. Die Kanzlerfrage Welchen Kanzlerkandi- daten bevorzugen

Die Kanzlerfrage

Welchen Kanzlerkandi- daten bevorzugen sie?1 Soll Angela Merkel bis zum Ende der Legislatur im Amt
Welchen Kanzlerkandi-
daten bevorzugen sie?1
Soll Angela Merkel bis zum Ende
der Legislatur im Amt bleiben?
Umfragewerte der CDU seit
AKKs Amtsantritt (7.12.’18)
32
Annegret
30
%
70 %
Kramp-
Ja
19 %
Soll vorzeitig an
AKK abgeben
Karrenbauer
Andrea Nahles
13
%
11 %
29
Keine
Umfrage
Angaben
Annegret
26
%
vom 15./16.
Kramp-
April 2019
Karrenbauer
27 %
Olaf Scholz
23
%
26
10.12.2018
29.4.2019
HANDELSBLATT
1) RTL/N-TV-Trendbarometer vom 29.4.2019 • Quellen: Forsa, RTL, N-TV, Kantar Emnid, Focus

Kein eindeutiges Profil

Wohl auch, weil innerhalb der CDU manchen die Sorge umtreibt, die Eu- phorie über die neue Chefin könnte verpuffen – mit negativen Auswirkun- gen auf die Partei und ihre Kanzlerin- nenambitionen. „Nach der Übernah- me des Parteivorsitzes bekam Frau Kramp-Karrenbauer sehr gute Bewer- tungen“, sagte der Chef des Mei- nungsforschungsinstituts Insa, Her- mann Binkert, dem Handelsblatt. Diese hätten sich wegen ihrer einge- schränkten Handlungsmöglichkeiten als Parteivorsitzende wieder abge-

Bürgerschaftswahl in Bremen – über den Fortbestand der Großen Koaliti- on gesprochen wird. Und über einen möglichen Wechsel von AKK ins Kanzleramt. Angeheizt wird die Debatte darü- ber noch durch die schlechten CDU- Umfragewerte. Nach einem Zwi- schenhoch von 30 Prozent nach Mer- kels Rückzug vom Parteivorsitz steht die Partei laut Forsa wieder bei 27 Prozent. Auch andere Institute sehen sie unter 30 Prozent. Bei der Bundes- tagswahl 2017 hatte die Union 32,9 Prozent erreicht. Andere Werte sind ebenfalls nicht sonderlich gut. Im ZDF-Politbarome- ter ging es für AKK bei der Bewer- tung der zehn wichtigsten Politiker zuletzt deutlich nach unten. Bei der Kanzlerfrage fanden nur 34 Prozent, die CDU-Frau eigne sich als Regie- rungschefin. 51 Prozent votierten ge- gen eine Kanzlerschaft der Saarlän- derin. Zugleich wünschen sich laut einer Emnid-Umfrage 70 Prozent der Befragten, dass Merkel als Kanzlerin die Legislatur zu Ende regiert.

Keine Kopie von Merkel

Dabei hat Kramp-Karrenbauer als CDU-Vorsitzende schon wichtige Ak- zente gesetzt, wie Politikwissen- schaftler Probst bemerkt. „Sie hat er- folgreich den Streit mit der CSU bei- gelegt, sodass im Moment beide Parteien wieder an einem Strang zie- hen“, sagt er. Außerdem sei sie auf den konservativen Flügel zugegan- gen, um diesen stärker einzubinden. Dabei habe sie auch eine „klarere“ Abgrenzung zur SPD vorgenommen. „Und sie war klug genug, nicht ein- fach wie eine Kopie von Merkel auf- zutreten“, so Probst. Unklar sei in- des, in welche Richtung sie die CDU führen wolle und mit wem sie sich künftige Koalitionen vorstelle. „We- der ihre Position zur FDP noch zu den Grünen ist klar geworden.“ Arzheimer von der Uni Mainz macht auch eine falsche Themenset- zung aus. „Ungeschickt, aber aus in- nerparteilichen Gründen vermutlich unvermeidlich, war aus meiner Sicht, dass AKK noch einmal das Flücht- lingsthema aufs Tapet gebracht hat“, sagte er. „Damit kann die Union kei- nen Boden gutmachen.“ Besser wäre, den Fokus stärker auf den Klimawan- del und die Erhaltung des Wohl- stands zu legen. Meinungsforscher Binkert glaubt gar, die CDU könne mit dem Thema Klimaschutz den Grünen „politisch etwas entgegenset- zen“. Probst hingegen betont: Ein „Wettrennen“ mit den Grünen in Fra-

gen des Klimaschutzes könne die CDU nicht gewinnen. Dieses Thema sei „ursächlich und glaubwürdig“ mit der Ökopartei und ihren Anfängen verbunden. Dagegen blieben eine er- folgreiche Wirtschaftspolitik, solide

Finanzen sowie Kriminalitäts- und Terrorbekämpfung Kernthemen der CDU, mit denen sie punkten könne. Merkel muss sich darüber auf ihrer Afrikareise nicht den Kopf zerbre-

chen – und sie muss vor allem nichts zurechtrücken oder klarstellen. Übli- cherweise beantwortet die Kanzlerin im Ausland keine Fragen zur Innen- politik.

AFP

REUTERS

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DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84

Wirtschaft & Politik

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1 Ein Oppositionsanhänger vor einem brennenden Bus in Caracas: An der Schwelle zum Bürgerkrieg. AFP
1
Ein Oppositionsanhänger vor einem
brennenden Bus in Caracas:
An der Schwelle zum Bürgerkrieg.
AFP (2), REUTERS

Lateinamerika

Venezuela versinkt im Chaos

Der Kampf um die Macht in Caracas eskaliert, die Angst vor einem Bürgerkrieg wächst. Berlin stockt Hilfen für Flüchtlinge auf.

Alexander Busch, Moritz Koch Salvador, Berlin

E in Bürgerkrieg ist dem Elends- staat bisher erspart geblieben, wenigstens das. Doch das Risi-

ko einer Gewalteskalation in Vene- zuela war noch nie so groß wie jetzt. Am Dienstag kam es in der Haupt- stadt Caracas zu bewaffneten Zusam- menstößen zwischen Oppositions- kräften und regimetreuen Soldaten. Und der selbst ernannte Übergangs- präsident Juan Guaidó hat zu neuen Protesten aufgerufen. „Wir müssen den Druck aufrechterhalten. Wir wer- den auf den Straßen sein“, sagte er und appellierte an das Militär, sich den Aufständischen anzuschließen. Doch dieser Appell scheint zu ver- hallen, die „Operation Freiheit“, die Guaidó ausgerufen hat, droht zu scheitern. Wie es aussieht, bleiben die Sicherheitskräfte der Regierung treu. Zwar sind einzelne Soldaten übergelaufen. Außerdem hat sich der Chef des Geheimdienstes Sebin, Ma- nuel Figuera, von Machthaber Nico- lás Maduro losgesagt. Zu der von Guaidó erhofften Massendesertion ist es aber bisher nicht gekommen. Mili- tärkommandeure hätten ihm ihre Loyalität versichert, sagte Maduro. Venezuela sei größtenteils friedlich. Angesichts der immer dramati- scheren Krise stockt Deutschland Hil- fen für die Flüchtlinge im Nachbar- land Kolumbien auf. Bundesaußen- minister Heiko Maas (SPD) sagte am Mittwoch bei seinem Besuch in der Hauptstadt Bogotá vier Millionen Eu-

ro für humanitäre Hilfe zu – zusätz- lich zu den schon bereitgestellten zehn Millionen. Zugleich sicherte er Guaidó seine Unterstützung zu: „An unserer Haltung hat sich nichts ver- ändert: Für uns ist Juan Guaidó der Übergangspräsident, der den Auftrag hat, Neuwahlen zu organisieren.“ Maduro wäre wohl schon längst aus dem Miraflores-Präsidentenpalast in Caracas vertrieben worden, wenn sein Land nicht zur Arena eines geo- politischen Konflikts geworden wäre. Die USA und viele lateinamerikani- sche Staaten unterstützen die Oppo- sition, China und Russland das Re- gime. „Die Großmächte verhindern, dass es zu der längst fälligen Ausei- nandersetzung kommt zwischen Ma- duro und den Venezolanern“, sagt David Smilde, Lateinamerika-Experte der Universität Tulane.

China hält zu Maduro

Die Arbeitsteilung der Maduro-Unter- stützer lässt sich einfach erklären. China gibt und stundet Milliardenkre- dite. Russland zahlt auch, aber unter- stützt Maduro dazu militärisch und strategisch. Kuba übernimmt die Schmutzarbeit und liefert das Re- pressions-Know-how, um die Reihen der Militärs geschlossen und die Ar- men von den Demonstrationen fern- zuhalten. Darin hat Havanna jahr- zehntelange Erfahrung. Für China geht es um viel Geld und eine strategische Position in der Kari- bik, direkt am Panamakanal. Mit Kre- diten von mehr als 60 Milliarden Dol- lar hat Peking erst den Autokraten Hugo Chávez und jetzt dessen Nach- folger Maduro unterstützt. Kein an- deres Land hat so viel Kredit aus Chi- na bekommen – was in Peking inzwi- schen einige bereuen. „China will vor allem Stabilität und seine Interessen wahren“, betont Matt Ferchen, Ex-

und seine Interessen wahren“, betont Matt Ferchen, Ex- Der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó: „Wir

Der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó: „Wir müssen den Druck aufrechterhalten. Wir werden auf den Stra- ßen sein.“

Venezuelas derzeiti- ger Machthaber Nicolás Maduro:

China, Russland und Kuba haben ein mas- sives Interesse daran, dass er an der Macht bleibt.

perte des Carnegie-Tsinghua Center for Global Politics. Noch wichtiger für Maduro ist Russland. Präsident Wladimir Putin gibt Kredit über den Ölkonzern Ros- neft. Er soll auch Söldner nach Cara- cas geschickt haben. Für Russland ist ein Stützpunkt in der Karibik aus geo- politischen Gründen attraktiv: Von Caracas sind es nur dreieinhalb Flug- stunden nach Miami. Seit der Kuba- krise 1962 war der Einfluss einer rus- sischen Regierung in Lateinamerika nicht mehr so groß wie derzeit in Ve- nezuela – mit minimalem Einsatz. Am meisten zu gewinnen, aber auch zu verlieren hat US-Präsident Donald Trump in Venezuela. Ent- sprechend aggressiv führt er die Feh- de. Für Trump geht es in Venezuela darum, die Monroe-Doktrin zu vertei- digen. 1823 hatte der damalige US- Präsident James Monroe Nord-, Mit- tel- und Südamerika zur alleinigen Einflusszone der USA erklärt. Für Trump, der 2020 um die Wiederwahl

der USA erklärt. Für Trump, der 2020 um die Wiederwahl kämpfen muss, ist Venezuela ein wichtiges

kämpfen muss, ist Venezuela ein wichtiges innenpolitisches Thema:

Exil-Venezolaner sind gerade im um- kämpfen Bundesstaat Florida eine wichtige Wählergruppe. „Ein militäri- scher Eingriff ist immer eine Option“, behauptet Trump – doch das klingt zunehmend hohl: Ein militärisches Eingreifen will Washington vermei- den. Trump droht deshalb nun, das Embargo gegen Kuba zu verschärfen, wenn das kubanische Militär und der Geheimdienst ihre Operationen im Land nicht einstellen. Doch Havanna denkt nicht daran. Die Öllieferungen aus Venezuela sind überlebenswichtig für den Inselstaat. Sollte Maduro stürzen, geriete das Regime der Karibikinsel in Not. Des- wegen wird Kuba alles daransetzen, dass Maduro im Amt bleibt. In Berlin wächst die Sorge, dass Maduro den Machtkampf mit Guaidó übersteht – auch wegen des unge- schickten Verhaltens der USA. „Die Cowboy-Methoden von Trump und seinem Sicherheitsberater John Bol- ton sind kontraproduktiv“, fürchtet SPD-Außenpolitiker Nils Schmid. „Antiamerikanische Ressentiments sind in Lateinamerika weitverbreitet und eine Ressource, auf die Maduro noch zurückgreifen kann“, sagte Schmid dem Handelsblatt. Auch der außenpolitische Spre- cher der Grünen, Omid Nouripour, sieht die US-Politik kritisch: „Die ex- zessive Gewaltanwendung gegen friedliche Demonstranten ist der letz- te Sargnagel für Maduros Legitimi- tät“, sagte er dem Handelsblatt. Das dürfe aber nicht dazu führen, dass sich die Trump-Administration zum Sprachrohr aller Maduro-Gegner auf- schwingt. „Ziel muss sein, zu einer Verhandlungslösung zu kommen, die in faire und freie Wahlen in Venezue- la mündet“, fordert Nouripour.

REUTERS

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10 Europa Die Serie

10 E u r o p a – D i e S e r i e

DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84

D i e S e r i e DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84 Nur Europa

Nur Europa

kann

unsere

wirkliche

Souveräni-

tät sichern,

das heißt

unsere

Fähigkeit,

unsere

Werte und

Interessen

zu

verteidigen.

Emmanuel Macron

Präsident Frankreichs

Thomas Hanke Paris

W iedergeburt Eu- ropas oder Zer- störung der in Jahrzehnten aufgebauten Union? Schärfer als in allen an- deren Ländern

der EU stellt sich diese Frage in Frankreich. Denn hier werden entweder die Liste „Renaissance“ von Emmanuel Macrons Partei LaREM (La République en Marche) oder das Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen bei der Europawahl stärkste Partei. Die einen wollen Europa stärken, die ande- ren wollen es auflösen. Der Zweikampf der „Progressiven gegen die Po- pulisten“, den Macron vor wenigen Monaten dra- matisierend ausgerufen hat, ist nicht aus der Luft gegriffen. Bei der vergangenen Europawahl lag der RN-Vorgänger Front National vorn – auch dank ei- ner sehr niedrigen Wahlbeteiligung. 2017 folgte Ma- crons hoher Sieg bei der Präsidentenwahl, Le Pen erlitt eine Schlappe, die vernichtend wirkte. Doch die abnehmende Popularität Macrons und vor allem die Proteste der Gelbwesten haben die Rechtsextremen in den Umfragen wieder nach oben getragen, zeitweilig sogar an LaREM vorbei. Inzwischen gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Viele Franzosen wollen dem Präsidenten aus innenpoli- tischen Gründen eine Lektion erteilen: Ihrer An-

sicht nach hat sich ihre soziale Lage nicht schnell genug verbessert. Noch immer demonstrieren die Gelbwesten an jedem Wochenende. Auch wenn es nur noch wenige Zehntausend sind: eine – wegen der Gewaltexzesse schwindende – Minderheit der Franzosen begleitet sie mit Sympathie.

Viele Franzosen sind Europamuffel

Macron hat durch die Krise der „gilets jaunes“ zweifellos gelitten. Eingeschüchtert hat sie ihn nicht, auch nicht beim Umweltschutz. „Der Klima- schutz muss im Herzen unseres europäischen Pro- jekts stehen“, forderte er vergangene Woche. Der Wahlkampf in Frankreich dreht sich nun um die Innen- wie um die Europapolitik. Der Präsident hat Sozialleistungen und Hilfen für die Energiewende verbessert, stellt Steuersenkungen, bessere Renten und mehr staatliche Dienstleistungen auf dem Land in Aussicht, mit Kosten von rund 17 Milliar- den Euro. Das Defizit wird hochschnellen. Die „Re- naissance“-Liste mit der spröden Spitzenkandida- tin Nathalie Loiseau dagegen konzentriert sich auf die Europathemen – und hat Mühe, damit Begeiste- rung auszulösen. Macron mag ein europäischer Prophet sein, viele seiner Landsleute bleiben Europamuffel. Die Hal- tung unserer Nachbarn ist widersprüchlich: Sechs von zehn sehen sich stolz als „Bürger der EU“, zwei Drittel wollen, dass die EU mehr Entschei- dungsgewalt bekommt: europäischer Rekord. Doch den Zustand Europas sehen sie so pessimis- tisch wie sonst nur Griechen und Ungarn. Macron hat das in zwei Jahren Amtszeit nicht geändert. Der Prophet gilt wenig im eigenen Land, in Euro- pa umso mehr. Seine Reden über die Integration und seine Vorschläge haben viele Bürger begeis- tert. Seine Formulierungen vom „Europa, das schützt“, und von der „europäischen Souveränität“ sind politische Renner, bringen das europäische Projekt auf den lange vermissten aktuellen Begriff. Doch im Konzert der – noch – 28 Staatschefs hat- te er weniger Erfolg. Im Europäischen Rat geben die Regierungen den Ton an, und die interessiert die langfristige europäische Perspektive meist we- niger als der Tellerrand ihrer Partei- und Koaliti-

Demo der Gelbwesten in Paris: Die Protest- welle trägt die Rechtsextremen wieder nach oben.
Demo der Gelbwesten
in Paris: Die Protest-
welle trägt die
Rechtsextremen
wieder nach oben.

Europas

Prophet

Emmanuel Macron sucht frischen Elan für sein Projekt: Europas Souveränität schützen. Konkrete Fortschritte sind zäh, nun soll die Europawahl den Durchbruch bringen. Im Ausland dringt der Präsident bisweilen besser durch als in der Heimat.

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ГРУППА "What's News" VK.COM/WSNWS DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84 Europa – Die Serie 11

DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84

Europa – Die Serie

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DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84 Europa – Die Serie 11 onssprengel. Die Bremsfallschirme seiner europäi-

onssprengel. Die Bremsfallschirme seiner europäi- schen Partner entschleunigten Macron. Mehrfach war er im Europäischen Rat isoliert. Gestoppt ha- ben ihn seine Kritiker allerdings nicht. Wo steht er heute, was hat er geschafft, was will und kann er nach der Europawahl erreichen? Viele in der französischen Regierung sind zu- tiefst enttäuscht darüber, dass ihre europäischen Partner, vor allem die in Berlin, die Angebote eines – endlich! – zu mehr europäischer Integration be- reiten Präsidenten nicht euphorischer aufgriffen. Chefbremser ist die von den Niederländern geführ- te „neue Hanse“. Der Bundesregierung kreidet man in Paris an, zu lange gezögert zu haben bei Themen wie der Steuer für Internetmultis oder stärkerem Zusammenhalt in der Euro-Zone. Die Macron-Leute verbeißen sich aber nicht in eine Trotzreaktion. Sie suchen nach dem, was geht. Das ist eine ganze Menge.

Berlin und Paris rücken zusammen

In der Handelspolitik, in der Reaktion auf US-Präsi- dent Donald Trump, in der Einschätzung von Chi- na und der Schlinge, die es mit der „Neuen Seiden- straße“ auslegt, beim EU-Verteidigungsfonds, bei Rüstungsprojekten, bei der Entwicklung einer ge- meinsamen Sicherheitsdoktrin, bei der Bewälti- gung der digitalen Wende, bei der Förderung von Start-ups, beim Budget für die Euro-Zone sind so- wohl Paris als auch Berlin über ihren Schatten ge- sprungen, arbeiten in einer Intensität zusammen, wie es sie früher nicht gab. Stets zuckte Berlin zurück, wenn es darum ging, den USA in der Handelspolitik die Stirn zu bieten – heute nicht mehr. Chinas aggressive Investitionspo- litik zu überwachen galt früher als erster Schritt zum Protektionismus, heute ist es deutsch-franzö- sische Praxis. Auch bei Auslandseinsätzen rückt man enger zusammen, obwohl die Doktrinen un- terschiedlich bleiben. Das hat Macron geschafft:

Man geht pragmatisch da voran, wo es möglich ist, selbst wenn anderswo Kontroversen bleiben. Dabei ist der Präsident oft im besten Sinne undiploma- tisch. Macrons schnelle Einladung an Merkel, mit von der Partie zu sein, als er im März in Paris mit Chinas Herrscher Xi Jinping sprach, wäre noch un- ter François Hollande unmöglich gewesen. Die beste Referenz für Macrons europäisches Denken bleibt seine Sorbonne-Rede vom Septem- ber 2017. In Deutschland ist sie oft auf die Forde- rung nach einem Euro-Zonen-Budget reduziert worden. Macrons echtes Anliegen: zu zeigen, wa- rum ein geeintes Europa notwendig ist. Die erstarkten Nationalisten drohten, das verein- te Europa zu zerstören, mahnt der Präsident: „Weil wir vergessen haben, Europa zu verteidigen!“ Man könne die Auseinandersetzung mit den Populisten nicht gewinnen, wenn man auf den Status quo be- harre: „Wir können es uns nicht erlauben, diesel- ben Gewohnheiten beizubehalten, dieselben Poli- tiken, dasselbe Vokabular, dieselben Budgets!“ Seine zeitgemäße Begründung für Europas Eini- gung ist die Grundmelodie des Wahlkampfs: „Alle Herausforderungen, die uns erwarten – vom Klima- wandel zur digitalen Wende, über Migration, Ter- rorismus sind weltweite Herausforderungen, de- nen gegenüber eine Nation, die sich auf sich selbst zurückzieht, nur wenig ausrichten kann.“ Nur Eu- ropa könne „unsere wirkliche Souveränität si- chern, das heißt unsere Fähigkeit, in der Welt von heute zu existieren, um dort unsere Werte und un- sere Interessen zu verteidigen“. Die europäische Souveränität sei notwendig, um das zu sichern, „was unsere Identität ausmacht, dieses Gleichge- wicht der Werte, diese Beziehung zur Freiheit, zu den Menschenrechten, zur Gerechtigkeit ist einzig- artig auf dem Planeten“.

Präsident im Gespräch: Macron hat seine Politik mit Hunderten Bürger- meistern diskutiert. AFP/Getty Images
Präsident im Gespräch:
Macron hat seine Politik
mit Hunderten Bürger-
meistern diskutiert.
AFP/Getty Images
Hunderten Bürger- meistern diskutiert. AFP/Getty Images Frankreichs Wirtschaft Bruttoinlandsprodukt (BIP) in % z.

Frankreichs Wirtschaft

Bruttoinlandsprodukt (BIP) in % z. Vorjahr Frankreich +1,3 % +4 Euro-Zone +1,3 % Deutschland +1,1
Bruttoinlandsprodukt (BIP) in % z. Vorjahr
Frankreich
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Frankreich 98,5 % Euro-Zone 84,9 % Deutschland 56,7 %
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Haushaltssaldo
in % des BIP
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Frankreich
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Frankreich
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Kein französischer Präsident vor ihm ist so weit gegangen. Die Aussage: Nur wer Europa stärkt, ist ein Patriot, ist mehr als nur eine Waffe gegen die Populisten. Aber das ist sie auch. Allerdings eine, an die sich die Franzosen noch gewöhnen müssen:

„Ihr Deutschen versteht nicht, wie schwer es ist, den Franzosen zu erklären, dass Europa etwas an- deres ist als ein vergrößertes Frankreich“, stöhnt ein ranghoher Minister. Für die meisten Europäer liegt auf der Hand, dass die EU-Mitgliedstaaten auf sich allein gestellt weder latenten russischen Drohungen noch der ag- gressiven Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump oder erzwungenem chinesischem Techno- logietransfer standhalten können. Dafür brauchen sie die Europäische Union. Von diesen Zwängen ausgehend hat Macron seine konkreten Integrati- onsvorschläge abgeleitet, über die ganze Bandbrei- te der Politik. Es ist wohl kein Zufall, dass sie mit den Schwerpunkten übereinstimmen, die sich Eu- ropas Bürger laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage von change.org wünschen: Umwelt- schutz, faires Wirtschafts- und Steuersystem, Mi- gration, Beschäftigung, Gleichberechtigung der Ge- schlechter, Regulierung der Internetgiganten, Ver- teidigung, mehr Kohärenz in der Euro-Zone, mehr Demokratie in Europa, auch durch transnationale Listen. Letzteres hat er nicht erreicht, was auch an Mer- kels Widerstand lag. Nach der Europawahl geht es Macron um zwei Ziele: Erstens will er eine mög- lichst große Fraktion von Abgeordneten schmie- den, die mit seinen Ideen sympathisieren. Umso besser, wenn das die traditionellen Gruppierungen aufsprengt, denkt der Präsident. Der zweite Schritt soll eine Art Koalitionsvereinbarung der Proeuro- päer sein: eine Roadmap bis 2024 für die Schaf- fung der europäischen Souveränität in allen Di- mensionen, die er angesprochen hat. Anders als in Deutschland manchmal vermutet hat Macron durchaus verstanden, wie groß der Gestaltungsan- spruch des Parlaments ist. Den will er sich zunutze machen, um der neuen Legislaturperiode eine klare Orientierung zu ge- ben, Fortschritte zu erreichen, die den Populisten das Wasser abgraben. Der Wille des Propheten ist ungebrochen. Ob er Erfolg hat, wird die Wahl zei- gen. Zumindest ist heute die Alternative klar: Euro- pa wird eine politische und wirtschaftliche Macht sein oder sich mit einem Vasallenstatus begnügen.

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Ihr Deutschen versteht nicht, wie schwer es ist, den Franzosen zu erklären, dass Europa etwas anderes ist als ein ver- größertes Frankreich.

Französischer

Minister

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12 Europa Die Serie

12 E u r o p a – D i e S e r i e

DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84

D i e S e r i e DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84 Zur Person

Zur Person

Ralf

Wintergerst

Ausbildung Wintergerst stu- dierte Betriebs- wirtschaftslehre in Düsseldorf, Dort- mund und Hagen.

Karriere Seit 2016 ist er Vorsitzender der Geschäftsfüh- rung und CEO von Giesecke+Devrient (G+D). Außerdem ist er Aufsichtsrats- vorsitzender der Secunet Security Networks AG. Er ist zudem Mitglied des Beirats des

Cyber-Defense-

Instituts der Bun- deswehruniversität

in München und Co-Vorsitzender der Digitalgipfel- Plattform „Sicher- heit, Schutz und Vertrauen“ des

Bundesinnenminis-

teriums.

Digitale Gesellschaft braucht europäischen Geist

Europa kann eine führende Rolle bei der Gestaltung unserer Zukunft spielen. Dafür müssen aber die ureigenen Stärken entschlossen eingesetzt werden. Das schreibt Ralf Wintergerst.

U nsere Gesellschaft steht gegen- wärtig unter dem Einfluss vieler gleichzeitig stattfindender Verän- derungen: Politische und wirt- schaftliche Umwälzungen, Digi- talisierung und schnelle techno- logische Weiterentwicklungen,

globale finanzielle Instabilität sowie der voran- schreitende Klimawandel sind einige der wichtigs- ten Themenfelder. Wie können Staaten und Institu- tionen, aber auch Unternehmen in dieser Zeit noch wirksam geführt werden? Wie kann die Komplexi- tät unseres heutigen Lebens planbar gestaltet wer- den? Der in den letzten Jahren erstarkende politi- sche Populismus liefert hier einfache, aber unrea- listische Formeln. Rückzug und nationale Orientierung sind keine Antworten auf die tief grei- fenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ver-

änderungen, die beispielsweise durch die fort- schreitende Digitalisierung und die Künstliche In- telligenz eintreten werden. Und doch sind angesichts der zunehmend komplexen globalen Zusammenhänge eine wachsende politische Ver- drossenheit und eine Überforderung erkennbar. Damit sind wir bei einer entscheidenden Frage- stellung für Deutschland und Europa: Setzen wir uns ausreichend mit den Veränderungen und den Hintergründen in unserer Gesellschaft auseinan- der? Ich meine, dass dies noch nicht geschieht. Oh- ne ein Verständnis für die Zusammenhänge wird letztlich auch kein Bewusstsein für neue Wege und Lösungen entstehen. Diese Frage ist nicht neu. Für den berühmten deutschen Philosophen Immanuel Kant stellte es ein erhebliches Problem dar, dass Menschen sich schnell ihrem Schicksal ergeben und sich dadurch in eine Situation der Unmündig- keit und Abhängigkeit begeben. Mit diesem Gedan-

Unmündig- keit und Abhängigkeit begeben. Mit diesem Gedan- Eine Lockerung des Fusions- und Kartellrechts würde

Eine Lockerung des Fusions- und Kartellrechts würde wichtige Akzente setzen können.

ken möchte ich gern auf zwei Themenstellungen fokussieren, mit denen wir in Europa Akzente für die Zukunft setzen können und sollten. Zum einen ist dies der Schutz der Werte und der Selbstbestim- mung des Menschen, zum anderen die Stärkung der wirtschaftlichen Kraft im europäischen Raum. Warum sind neue Akzente wichtig, und warum müssen die europäischen Staaten diese gemeinsam und vereint setzen? Veränderungen haben meistens vielfältige Di- mensionen. Am augenscheinlichsten lässt sich dies anhand der rasant voranschreitenden Digitalisie- rung aufzeigen, die auf alle Lebensbereiche Ein- fluss nimmt. Das Ergebnis dieser Entwicklungen ist im positiven Sinne phänomenal: Das gesamte Wis- sen der Menschheit kann über Internetplattformen binnen Sekunden abgerufen werden. Die Verbin- dung mit anderen Menschen ist einfach, schnell und grenzenlos über leicht zu nutzende Apps mög- lich. Neue Geschäftsmodelle haben in kürzester Zeit neue Unternehmen entstehen lassen. Die ein- fache Nutzung digitaler Anwendungen lässt beste- hende Produkte und Dienstleistungen mitunter verschwinden. Soziale Netzwerke haben die Kom-

munikation und die mediale Wahrnehmung revo- lutioniert. Das Internet der Dinge drängt in unsere Wohn- zimmer und in die Produktionshallen, und Künst- liche Intelligenz ist unaufhaltsam auf dem Vor- marsch, vom Übersetzungsroboter bis zum auto- nom fahrenden Fahrzeug. In der Medizintechnik können durch die Erkennung von Mustern und bis- her nicht klar definierten Krankheitsbildern neue Möglichkeiten zur Heilung und Genesung entste- hen. Zweifelsohne bringen die Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz ungeheure Chancen und Möglichkeiten mit sich. Dennoch hat der rasante technologische Fortschritt auch seine Schattensei- ten: Datenansammlungen führen zu Datenmiss- brauch, IT-Infrastrukturen werden durch Cyberan- griffe manipuliert, und das Darknet ist der moder- ne Handelsplatz für Kriminelle. Zwei Beispiele führen die gesellschaftlichen Folgen der digitalen Welt bildhaft vor Augen. Immer mehr Menschen kommunizieren und vernetzen sich über soziale Medien.

Übermäßige Kontrolle

In China nutzen dazu mittlerweile mehr als 800 Mil- lionen die App „WeChat“. WeChat wird als das „So- cial Operating System Chinas“ bezeichnet, da über die App nicht nur kommuniziert, sondern beispiels- weise auch bezahlt, ein Taxi bestellt oder Essen aus- gewählt wird. Inzwischen kann der Nutzer über die App auch eine Bewertung im Sinne einer Beurtei- lung über andere WeChat-Nutzer abgeben. Diese Beurteilungen lassen Bewertungsskalen entstehen, die wiederum Rückschlüsse auf das Verhalten und die Lebensweise des Bewerteten erlauben und schon heute beispielsweise bei Kreditvergaben ge- nutzt werden. Wohin wird diese soziale Kontrolle

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ГРУППА "What's News" VK.COM/WSNWS DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84 Europa – Die Serie 13 dpa

DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84

Europa – Die Serie

13

dpa [M]
dpa [M]

führen? Als zweites Beispiel für die gesellschaftli- chen Folgen möchte ich die Verwundbarkeit des Menschen in der digitalen Welt herausstellen. Die Verfügbarkeit und Verteilung von Informationen hat in den vergangenen Jahrhunderten dazu geführt, dass sich Menschen eine Meinung bilden konnten und damit in die Position gelangt sind, sich kritisch mit Themenstellungen auseinanderzusetzen. Die digitale Welt fördert zunächst die Verfügbar- keit von Informationen. Nie zuvor hatte der Mensch in kürzester Zeit Zugriff auf eine derartige Menge an Informationen und Wissen. Und doch sind durch die Struktur der digitalen Plattformen und die Ag- gregation von Daten und Informationen eine Verfäl- schung und Manipulation von Informationen mög- lich. Die Urteils- und die Kritikfähigkeit des Nutzers sinken. Kontrolle und Einschränkung der informa- tionellen Selbstbestimmung sind die Folge. Wir be- finden uns also auf dem Weg von einer Phase des kritischen Zeitgeistes in eine Phase übermäßiger Kontrolle. Diese Entwicklung mit den exemplarisch beschriebenen Folgen für unsere Gesellschaft steht den Grundwerten Europas und Deutschlands dia- metral entgegen. Sie ruhen auf den Grundfesten von Sicherheit durch den Staat, Eigentum, Freiheit des Handelns und der Würde und Selbstbestim- mung des Einzelnen. Der Preis, diese Werte zu er- langen, war – historisch gesehen – sehr hoch. Und dies macht unsere Werte umso kostbarer. In unseren Gesetzen und unserer Verfassung sind die Rechte und die Unantastbarkeit der Würde des Menschen verankert. Somit stellt sich die Fra- ge, wie Europa und Deutschland im digitalen Zeit- alter Vielfalt, Erfindungsreichtum und Leistungsfä- higkeit neu gestalten – mit den freiheitlichen und demokratischen Grundwerten vor Augen. Hierfür gibt es mehrere konkrete Ansatzpunkte, die in Ver-

bindung mit den europäischen Verbündeten stets eine höhere Kraft entwickeln können als in jeweils einzelnen Ländern für sich. Zum einen gilt es, den Menschen in Europa die Möglichkeit zur Bewah- rung ihrer Identitäten auch im digitalen Zeitalter zuzusprechen.

„Land of the digital free“

So muss das Bewusstsein für die informationelle Selbstbestimmung gestärkt und durch eine prakti- kable Implementierung verankert werden. In ihrer strengen Ausprägung konnte die Gesetz gewordene Wahrung der informationellen Selbstbestimmung inklusive der Absicherung digitaler Identitäten tat- sächlich so nur auf europäischem Boden entste- hen. Sie stellt ein deutliches Unterscheidungsmerk- mal zum Datenschutz und zum Schutz digitaler Identitäten in den USA oder China dar. Wir avan- cieren sozusagen zum „land of the digital free“. Doch mit der Bewahrung der informationellen Selbstbestimmung dürfen wir uns nicht zufrieden- geben, denn die Digitalisierung macht eine weitere Herausforderung für jedes einzelne Land in Euro- pa klar: Um leistungsfähig zu bleiben, um in der Weltliga der Wirtschaft mitzuspielen, um auf digita- len Plattformen eine Rolle zu spielen, braucht es ei- ne Bündelung der Kräfte im gesamten europäi- schen Wirtschaftsraum. Dazu benötigt Europa eine klare und aktive In- dustriepolitik mit konkreten Ergebnissen und einer Fokussierung auf Zukunftstechnologien. Die heuti- ge Kleinteiligkeit und Kompromissbildung in der Wirtschaftspolitik dienen kaum einer Stärkung der europäischen Wirtschaft und verkennen die unge- heuren Potenziale, über die sie verfügt. Eine Locke- rung und Anpassung des Fusions- und Kartellrechts würden hierbei wichtige Akzente setzen können.

Auch die gezielte Förderung und in deren Folge der Einsatz von Schlüsseltechnologien aus Europa für Europa würden den europäischen Markt stärken. Daher: Wir brauchen keinen „Weckruf für Europa“, sondern einen „Weckruf aus Europa“. Europa muss ein Bewusstsein für seine künftige Führungsrolle entwickeln und seine einzigartigen Stärken auf der globalen Bühne selbstbewusst präsentieren. In diesem Sinne kann Europa die Weltregion sein, die als der Kontinent der digitalen Selbstbe- stimmung für jeden Bürger steht und sich damit dem Dogma einer digitalen Massenkontrolle entge- genstellt. Dazu braucht es den Mut, die Kräfte zu bündeln, um dem starken Wettbewerb der ande- ren Kontinente standzuhalten. Kräfte bündeln in Europa und für Europa erhält unsere Wettbe- werbsfähigkeit. Die Umsetzung kann einfach sein:

Reduzierung und Vereinfachung der teilweise un- sinnigen Regulierung. Letztlich steht Europa heute

– trotz all seiner Probleme und Herausforderungen

– für den Kontinent, in dem die Menschen selbst-

verantwortlich ihr Leben gestalten können. Auch wenn das nicht immer einfach ist. Im Gegenzug:

Die Variante der Kontrolle wünsche ich mir für Eu-

ropa in keinem Fall. EUROPA- SERIE
ropa in keinem Fall.
EUROPA-
SERIE

Morgen finden Sie hier einen Gastbeitrag von Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter. Die erschienenen Texte der Serie finden Sie, auch in englischer Fassung, auf www.handelsblatt.com/europawahl

in englischer Fassung, auf www.handelsblatt.com/europawahl Sven Afhüppe, Thomas Sigmund: Europa kann es besser. Es

Sven Afhüppe,

Thomas Sigmund:

Europa kann es besser. Es ist Zeit für ei- nen Weckruf. Auf Initiative des Han- delsblatts und Uni- ted Europe e. V. haben sich Vor- standschefs, Mit- telständler und

Start-up-Unter-

nehmer Gedanken über die Zukunft Europas gemacht. Sie meinen: Der Kontinent hat die besten Jahre noch vor sich, wenn die Weichen richtig gestellt werden.

gemacht. Sie meinen: Der Kontinent hat die besten Jahre noch vor sich, wenn die Weichen richtig

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14 Meinung & Analyse

News" VK.COM/WSNWS 14 Meinung & Analyse DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84 Mit der Klage gegen

DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84

14 Meinung & Analyse DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84 Mit der Klage gegen die Deutsche

Mit der Klage gegen die Deutsche Bank versucht der US-Präsident einmal mehr, die Gewaltenteilung zu torpedieren, sieht Annett Meiritz.

Trumps Machtkampf

Volle

Konfrontation

D onald Trump will „gegen al- le Vorladungen kämpfen“, die der Kongress im Zusam-

menhang mit seiner Person ver- schickt. Jetzt, da der Wahlkampf nä- her rückt, ist der Präsident entfes- selt und will die Kontrollfunktion der Legislative aggressiv wie nie be- hindern. Die Klage gegen die Deut- sche Bank rückt das Frankfurter Geldhaus ins Zentrum dieses bei- spiellosen Machtkampfs. Trump will verhindern, dass die Bank Unterlagen an den Kongress aushändigt, die Aufschluss über die Geschäftsbeziehungen mit dem Trump-Clan geben sollen. Ein Blick in die Anklageschrift macht deut- lich, dass Trump nicht die Bank als Feind betrachtet, sondern die Ge- setzgeber auf dem Capitol Hill. Trumps Ignoranz gegenüber der Gewaltenteilung zieht sich durch seine Präsidentschaft. Sie zeigt sich in der von ihm genährten Verschwö- rungstheorie eines „Deep State“ im Justizapparat, der angeblich die Re-

gierung untergräbt. Sie findet Aus- druck im hohen Durchlauf an Spit- zenpersonal, das Trump unbesetzt lässt, um den Senat zu umgehen. Das Muskelspiel zwischen Regierung und Kongress zeigt sich auch in der offenbar geschönten Zusammenfas- sung des Berichts von Russland-Son- derermittler Robert Mueller durch Justizminister William Barr. Es wird nicht Trumps letzter Ver- such sein, die Gewaltenteilung zu torpedieren. Notfalls würde er vor das Oberste Gericht ziehen, um den Einblick in seine Steuererklärung zu blockieren. Es stünde den Demo- kraten zwar gut, verbal abzurüsten. Doch das Recht ist auf ihrer Seite, Gerichte stärkten in der Vergangen- heit die Befugnisse des Kongresses. Vor allem die Wähler haben An- spruch auf Antworten. Etwa auf die Frage, in welchem Ausmaß Trump als Unternehmer sein Vermögen fri- sierte, um an Darlehen und Versi- cherungen zu kommen – ein Vor- wurf, der von seinem Ex-Anwalt Mi- chael Cohen erhoben wurde. Neben mehreren Gerichten, die sich aktu- ell mit Trumps Finanzgeschäften beschäftigen, muss der Kongress seiner Arbeit ungestört nachgehen können.

Die Autorin ist Korrespondentin in Washington Sie erreichen sie unter:

meiritz@handelsblatt.com

Leitartikel

Wider den Bedeutungsverlust

Leitartikel Wider den Bedeutungsverlust Auch wenn in Deutschland nahezu Vollbeschäftigung herrscht,

Auch wenn in Deutschland nahezu Vollbeschäftigung herrscht, sind die Gewerkschaften nicht überflüssig, meint Frank Specht.

die Gewerkschaften nicht überflüssig, meint Frank Specht. Wer glaubt, die Tarifautonomie stärken zu können, indem

Wer glaubt, die Tarifautonomie stärken zu können, indem er sie vom Staat aus- höhlen lässt, ist auf dem Holzweg.

W ir müssen uns den Arbeitsminis- ter als glücklichen Menschen vor- stellen. Monat für Monat darf Hu- bertus Heil neue Rekordzahlen vom Arbeitsmarkt kommentie-

ren. Der April macht da keine Ausnahme, auch wenn die Frühjahrsbelebung schon etwas schwächer aus- fällt als in früheren Jahren. Auf der verzweifelten Su- che nach Fachkräften stellen Firmen auf Vorrat ein. In einigen Regionen Deutschlands herrscht fast Voll- beschäftigung. Haben sich angesichts dieser fast pa- radiesischen Zustände die Gewerkschaften nicht überlebt? Wirkt es da nicht aus der Zeit gefallen, wenn die Arbeitnehmervertreter wie jedes Jahr zum 1. Mai mit Trillerpfeifen und roten Fahnen durch die

Innenstädte marschieren? Nein, denn sie werden auch künftig gebraucht. Beispiel Digitalisierung: Arbeitgeber und Gewerk- schaften wissen gemeinsam am besten, welcher An- passungsbedarf in den Betrieben durch den techno- logischen Fortschritt entsteht. Qualifizierungstarif- verträge oder Betriebsvereinbarungen zum mobilen Arbeiten können helfen, Jobs zu erhalten oder Ar- beit angenehmer zu machen. Und dort, wo die Digi- talisierung Arbeitsplätze kostet, lassen sich Härten durch Sozialpläne abmildern. Im Zeitalter der vier- ten industriellen Revolution übernehmen die Ge- werkschaften zusammen mit ihrem Sozialpartner al- so eine wichtige Funktion, die den Staat entlastet. Ihre Lösungen zur Bewältigung des Wandels sind in der Regel passgenauer als One-size-fits-all-Gesetze der Regierung. Beispiel Spaltung des Arbeitsmarkts: Eng ver- knüpft mit der Digitalisierung ist eine Polarisierung der Beschäftigten, die sich schon heute beobachten lässt. Roboter und Algorithmen werden mehr und mehr Routineaufgaben übernehmen, Jobs für Be- schäftigte mit mittlerer Qualifikation fallen weg. Während Hochqualifizierte immer höhere Gehälter abrufen können, entstehen auf der anderen Seite neue Niedriglohnjobs der Plattformwirtschaft: für Paketboten, die die Amazon-Lieferung bringen, für Essenskuriere mit ihren gigantischen Warmhalte- rucksäcken, für Regaleinräumer in den kassiererlo- sen Supermärkten, für Autobesitzer, die Taxifahrern Konkurrenz machen. Dieses neue digitale Proletariat zu organisieren und stark zu machen wäre eine loh- nende Aufgabe für die Gewerkschaften, wenn nicht Altersarmut irgendwann wirklich zu einem echten Problem werden soll. Beispiel Europa: Neben den Parteien aus der Vor- AfD-Ära sind es vor allem Gewerkschaften und Ar- beitgeber, die aufkeimendem Isolationismus, Natio-

nalismus und Populismus entschieden entgegen- treten. Sie sind es, die immer wieder in Erinnerung rufen, dass allenfalls ein geeintes Europa gegenüber Wirtschaftsmächten wie den USA und China beste- hen kann, nicht aber ein auf sich allein gestelltes Deutschland. Dabei ist das Eintreten für Arbeitneh- merfreizügigkeit, für fairen Welthandel, für die Inte- gration von Flüchtlingen nicht ohne Gefahr für die Arbeitnehmervertreter. Denn in den eigenen Reihen gibt es genug Beschäftigte, die in offenen Grenzen eher eine Bedrohung für den eigenen Arbeitsplatz denn eine schützenswerte europäische Errungen- schaft sehen. So erklärt sich, dass populistisches Ge- dankengut bei vielen Gewerkschaftern auf frucht- bareren Boden fällt als bei den Bürgern insgesamt. Gestaltungsaufgaben gibt es also genug für die Ge- werkschaften. Das Problem ist nur: Sie sind längst nicht mehr stark genug, um sie auch entschlossen wahrzunehmen. Obwohl der dramatische Mitglie- derschwund gebremst wurde, ist nicht einmal mehr jeder fünfte Arbeitnehmer organisiert. Dort, wo die Gewerkschaften noch stark sind – wie etwa in der Metall- und Elektroindustrie –, überfordern sie mit ihrem Gestaltungsanspruch inzwischen viele Arbeit- geber. Wenn Tarifabschlüsse so kompliziert sind, dass sie in Broschüren erläutert werden müssen, darf es nicht verwundern, wenn Unternehmen sich aus der Tarifbindung verabschieden. Gerade dort, wo die Gewerkschaften am meisten gebraucht würden, sind sie aber besonders schwach:

in der Pflege, in der Gastronomie, im Handel, aber auch bei Banken und Versicherungen, die der digita- le Wandel viel stärker treffen wird als die Industrie. In ihrer Not rufen die Arbeitnehmervertreter immer lauter nach dem Staat, und die SPD-Vertreter in Re- gierung und Parlament sind nur zu gern bereit, in die Lücke zu springen. Ob die erleichterte Allge- meinverbindlichkeit von Tarifverträgen oder ein Steuerbonus für Gewerkschafter – nichts scheint ta- bu, um Gewerkschaften unter die Arme zu greifen. Wer aber glaubt, die Tarifautonomie stärken zu können, indem er sie vom Staat aushöhlen lässt, ist auf dem Holzweg. Warum sollten Beschäftigte sich organisieren, wenn die Politik alles, was Arbeitneh- merorganisationen erkämpft haben, ohnehin allen zugutekommen lässt? Nur mit einer Rückbesinnung auf die eigene Stärke und überzeugenden Angeboten für die Beschäftigten werden die Gewerkschaften auch morgen noch Gestaltungsmacht haben.

Der Autor ist Korrespondent in Berlin. Sie erreichen ihn unter:

specht@handelsblatt.com

in Berlin. Sie erreichen ihn unter: specht@handelsblatt.com Worte des Tages „Wir haben ein ausgesprochen gutes

Worte des Tages

ihn unter: specht@handelsblatt.com Worte des Tages „Wir haben ein ausgesprochen gutes Verhältnis.“

„Wir haben ein ausgesprochen gutes Verhältnis.“

Annegret Kramp-Karrenbauer. Die CDU-Vorsitzende weist Spekulationen zurück, ihr Verhältnis zu Bundeskanzlerin Angela Merkel sei angespannt.

dpa (3)

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DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84

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Wirtschaft & Politik

2. MAI 2019, NR. 84 1 5 Wirtschaft & Politik Venezuela Das Dilemma des Westens Die

Venezuela

Das Dilemma des Westens

5 Wirtschaft & Politik Venezuela Das Dilemma des Westens Die Unterstützung des selbst ernannten Interimspräsidenten

Die Unterstützung des selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó war richtig, könnte aber zum Problem werden, meint Alexander Busch.

A uf den ersten Blick erscheint alles ganz einfach:

In Venezuela ist Nicolás Maduro seit seinem Amtsantritt vor sechs Jahren zu einem Diktator

geworden. Mit gefälschten Wahlen hat er sich im Amt bestätigen lassen und hält sich seitdem mit einem bru- talen Repressionsapparat an der Macht. Er regiert Vene- zuela so katastrophal, dass heute im ölreichsten Land der Welt die meisten Menschen verarmt sind. Sie hun- gern, sterben an einfachen Krankheiten, und jeder Zehnte hat das Land inzwischen verlassen. Kein Zwei- fel: Maduro ist für eine der aktuell schwersten humani- tären Katastrophen in der Welt verantwortlich. Als sich Parlamentspräsident Juan Guaidó am 23. Ja- nuar dieses Jahres zum Interims-Präsidenten erklärte, weil Maduro die Wahlen gefälscht hatte, zögerten die USA keinen Augenblick und erkannten den 35-jährigen Politiker offiziell als Präsidenten Venezuelas an. 50 Staaten weltweit folgten bald, vor allem die Lateiname- rikas, aber auch in Europa schlossen sich viele Länder an, darunter Deutschland. Inzwischen fragen sich aber viele, vor allem europäi-

Inzwischen fragen sich aber viele, vor allem europäi- „Rein geografisch liegt Prag weiter westlich als Wien.

„Rein geografisch liegt Prag weiter westlich als Wien. Wer uns als einen Teil Osteuropas bezeichnet, lebt mit seinen Gedanken in der Vergangenheit, als Europa geteilt war.“

Tomas Petricek, tschechischer Außenminister, zum 15. Jahrestag des EU-Beitritts seines Landes

sche Regierungen und ihre Diplomaten, ob die Ent- scheidung für Guaidó nicht überstürzt war oder gar falsch. Die Frage lässt sich taktisch und moralisch be- trachten. Anders als erhofft, hat Guaidó den anfängli- chen Rückenwind bisher nicht nutzen können, um den Despoten abzusetzen. Das Risiko steigt, dass das Re- gime ihn in Kürze neutralisiert und er in der Versen- kung verschwindet. Hat Berlin damit zu früh auf das fal- sche Pferd gesetzt und gleichzeitig die diplomatischen Kanäle für eine Verhandlungslösung gekappt? Das ist möglich. Aber Deutschland hätte sich in Lateinamerika keine Freunde gemacht, wenn es Guaidó nicht aner- kannt hätte. Mit der Anerkennung Guaidós hat Deutsch- land klargemacht, dass es in Lateinamerika die Demo- kratie erhalten will. Doch ist das so sicher? Wer sagt denn, dass Guaidó wirklich die große Mehrheit der Bevölkerung hinter sich hat? Auch hat Maduro trotz seines Versagens im- mer noch Anhänger. Ein Land wirtschaftlich an die Wand zu fahren ist zwar fatal, aber kein Verbrechen. Zudem gibt es auf der Welt zahlreiche autoritäre Staa- ten, die bei ihren Bevölkerungen populär sind. Dennoch war die Entscheidung richtig, Guaidó zu un- terstützen, um damit Venezuela eine Rückkehr in Rich- tung Demokratie zu ermöglichen. Denn in der Ge- schichte hat sich gezeigt, dass Diktaturen von Simbab- we bis Kuba sich mit der nötigen Repression und Unterstützung ausländischer Großmächte jahrzehnte- lang auf Kosten der Bevölkerung an der Macht halten können. So eine Tragödie zu beenden war auf jeden Fall den Versuch wert.

Der Autor ist Korrespondent in Südamerika. Sie erreichen ihn unter:

busch@handelsblatt.com

Sie erreichen ihn unter: busch@handelsblatt.com „Es kann doch nicht länger angehen, dass in vielen

„Es kann doch nicht länger angehen, dass in vielen Betrieben drei, vier Stunden länger gearbeitet wird als im Westen.“

Reiner Hoffmann, DGB-Chef, über das niedrigere Lohnniveau und längere Arbeitszeiten in Ostdeutschland

Stimmen weltweit

längere Arbeitszeiten in Ostdeutschland Stimmen weltweit Die EU-Erweiterung vor 15 Jahren war mutig und richtig,

Die EU-Erweiterung vor 15 Jahren war mutig und richtig, schreibt der Wiener „Standard“:

S eit der historischen Osterweiterung der EU sind 15 Jahre vergangen. 15 Jahre, in denen verschiedene Krisen und die unausweichli-

chen Klagen über eine komplizierter gewordene EU oft den Blick aufs Wesentliche verstellt ha- ben: auf die simple Erkenntnis nämlich, dass ehemalige Gegner aus der Zeit des Kalten Krieges heute wie selbstverständlich gemeinsam an den Brüsseler Verhandlungstischen sitzen. Die Euro- päische Union als Friedensprojekt, sie hat sich auch nach der Erweiterung bewährt. Heute tag- täglich die Mühen der politischen Ebene bewälti- gen zu müssen ist weitaus besser, als mit dem Er- be geopolitischer Perspektivlosigkeit zu leben. Hätte 2004 der Mut zur Erweiterung gefehlt, Eu- ropa hätte seine fortdauernde Teilung riskiert. Mag sein, dass deshalb nicht gleich ein neuer Ei- serner Vorhang oder gar ein gewaltsamer Kon- flikt entstanden wäre. Doch die ostmitteleuropäi- schen Staaten hätten bei der gemeinsamen Ge- staltung des Kontinents weiterhin nur die zweite Geige gespielt – mit dem Risiko, sich in der Rolle einer innerlich zerrissenen Pufferzone zwischen West und Ost wiederzufinden. Die Erweiterung vor 15 Jahren hat uns dieses Szenario erspart.

Erweiterung vor 15 Jahren hat uns dieses Szenario erspart. Zum Machtkampf in Venezuela meint die Londoner

Zum Machtkampf in Venezuela meint die Londoner „Times“ am Mittwoch:

E s ist ein zentraler Teil der Botschaft von Juan Guaidó, dass die Streitkräfte nicht zur Loyalität gegenüber Präsident Nico-

lás Maduro verpflichtet sind und sich gegen das

Regime wenden sollten. Damit hat er recht, je-

doch birgt diese Strategie Risiken. (

Herrschaft ist unrechtmäßig, und westliche Staaten sollten seinen Abgang mit diplomati- schen Mitteln und dem Versprechen beschleu- nigen, Hilfe zu leisten und Venezuelas Schul- denlast zu erleichtern, sobald er abtritt. Wenn diese Krise sich zu einer militärischen Konfrontation entwickelt, könnte die westli- che Hemisphäre mit einem gescheiterten Staat und einer kolossalen Flüchtlingskrise konfron- tiert werden. Venezuelas Albtraum muss zu Ende gehen.

) Maduros

werden. Venezuelas Albtraum muss zu Ende gehen. ) Maduros Zur Videobotschaft des IS-Anführers Abu Bakr al-Bagdadi

Zur Videobotschaft des IS-Anführers Abu Bakr al-Bagdadi schreibt der „Tages-Anzeiger“:

B agdadi, so er es denn ist, demonstriert,

dass er nicht isoliert ist, er hat Zugang zu

Informationen. Und er begrüßt Anschläge

und Treueerklärungen dschihadistischer Grup- pen in Libyen, Burkina Faso und Mali. Damit will er Handlungsfähigkeit beweisen und seine Positi- on an der Spitze einer funktionierenden Kom-

mandostruktur bekräftigen. (

weiter als ein Mischwesen aus einem Rumpf kampferfahrener Milizionäre, als Untergrund- organisation und als weltweit agierendes Terror- Franchise-Netzwerk, vor allem auch als Ideolo- gie- und Radikalisierungsmaschine, wie sich ge- rade bei den Anschlägen in Sri Lanka gezeigt hat. Das Video ist ein Lebenszeichen eines Totgesag- ten: Das gilt für Bagdadi wie den IS. Und es wäre töricht, diese Kampfansage abzutun als Propa- ganda eines Verlierers.

) Der IS existiert

Telefonica

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16 Unternehmen & Märkte

News" VK.COM/WSNWS 16 Unternehmen & Märkte DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84 1 Daniel Delhaes, Christof

DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84

1

Daniel Delhaes, Christof Kerkmann, Stephan Scheuer Berlin, Düsseldorf

O b im Loisachtal nahe der Zugspitze,

in Friedrichskoog an der Nordsee

oder in Biebergemünd eine Stunde

östlich von Frankfurt: Telefónica

Deutschland hat in diesem Jahr an

zahlreichen Standorten das Mobilfunknetz ausge- baut. Rein rechnerisch gehe jede Stunde ein neuer Sendemast mit dem Standard LTE in Betrieb, übers ganze Jahr rund 10 000, teilte das Unternehmen kürzlich stolz mit. Diese Investitionen sind allerdings bitter nötig:

Das Unternehmen kommt mit dem Netzausbau nicht schnell genug voran. Wie gravierend die Pro- bleme sind, zeigt eine Analyse der Bundesnetz- agentur, die die Behörde anlässlich der nächsten Sitzung des Beirats am kommenden Montag erstellt hat. Demnach versorgt das Tochterunternehmen des spanischen Konzerns derzeit nach eigenen An- gaben nur 80 Prozent der Bevölkerung mit mobi- len Breitbandverbindungen, in einigen Bundeslän- dern sogar deutlich weniger als 70 Prozent. Das Dokument liegt dem Handelsblatt vor. Damit dürfte der Mobilfunkanbieter die Versor- gungsauflagen verletzen, die die Behörde den Netz- betreibern bei der Frequenzauktion 2015 auferlegt hat. Die Ziele sind nach Einschätzung von Experten bis Ablauf der Frist Anfang 2020 kaum zu errei- chen. Erstmals droht einem Netzanbieter wegen ei- nes solchen Verstoßes ein Verfahren, das zu Aufla- gen und womöglich einer Strafe führen könnte. Und nicht nur das: Verfehlt Telefónica die Aufla- gen, dann nährt das wieder politische Forderungen nach einer stärkeren Regulierung, um den flächen- deckenden Aufbau des Mobilfunknetzes zu forcie- ren. „Die jüngsten Zahlen sind mehr als beunruhi- gend“, sagte Ulrich Lange, Fraktions-Vize der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion, dem Handelsblatt. „Die Bundesnetzagentur sollte sich bereits jetzt gut da- rauf vorbereiten, konsequent und vor allem schnell alle rechtlichen Mittel zur Durchsetzung der Ver- sorgungsauflagen zu ergreifen.“

Riesige Funklöcher

Die Bundesnetzagentur verpflichtet die Mobilfunk- anbieter bei den Frequenzauktionen regelmäßig zu

Auflagen für den Netzausbau. So sollen die Unter- nehmen die zugeteilten Frequenzen auch nutzen, und das nicht nur in lukrativen Ballungsräumen mit vielen Kunden. Bei der Versteigerung 2015 lautete die Vorgabe, dass die Netzbetreiber ab Anfang 2020 bundesweit

98 Prozent aller Haushalte mit mobilem Breitband

versorgen müssen, die einzelnen Bundesländer mit mindestens 97 Prozent. Außerdem ist eine „voll- ständige Versorgung“ von Autobahnen und ICE- Strecken vorgesehen, „sofern dies rechtlich und tatsächlich möglich ist“. Die Download-Geschwindigkeit muss mindes- tens 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) betragen – zumindest am Antennenmast. Da es sich beim Mo- bilfunk um ein „shared medium“ handelt, kommt bei den Kunden im Zweifel deutlich weniger an, je nachdem wie viele das Netz gerade nutzen. Bevor der Beirat der Bundesnetzagentur am

6. Mai tagt, hat die Behörde den aktuellen Stand bei den Unternehmen abgefragt. Die Ergebnisse

sind für Telefónica Deutschland brisant: Bundes- weit deckt der schlechteste Netzanbieter nur 80 Prozent der Bevölkerung mit mobilem Breitband ab – der Name wird zwar nicht genannt, es handelt sich aber nach Informationen des Handelsblatts um die Tochterfirma des spanischen Konzerns. In einigen Bundesländern ist die Situation noch schlechter. In Brandenburg erreicht das Unterneh- men nur 55 Prozent der Bürger, in Rheinland-Pfalz

62 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern 64 Pro-

zent. Zum Vergleich: Der jeweils beste Anbieter er- reicht nie weniger als 94 Prozent. Lediglich in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen bieten alle Netzbetreiber fast lückenlose Netze. Auch bei der Versorgung der Verkehrswege ist

noch einiges zu tun. Die Abdeckung liege zwischen

Mobilfunkmast von Telefónica: Der Netzausbau in der Fläche bereitet Probleme.
Mobilfunkmast
von Telefónica:
Der Netzausbau
in der Fläche
bereitet Probleme.

Versorgung – akut gefährdet

Telefónica kommt beim Netzausbau nur langsam voran: Aktuelle Zahlen zeigen, dass der Mobilfunkanbieter die Auflagen der Bundesnetzagentur bis Ende 2019 wohl nicht einhalten kann.

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DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84

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17

Unternehmen & Märkte

73

und 97 Prozent bei den Autobahnen und 75 bis

95

Prozent bei den ICE-Strecken, heißt es in dem

Papier. Auf vielen Strecken müssen Nutzer also weiterhin damit rechnen, dass sich Websites nur langsam aufbauen und E-Mails mit großen Anhän- gen nicht ankommen. Die Ergebnisse sind alles andere als gut, doch selbst diese bezweifeln bereits die ersten Politiker. „Die Zahlen zur Netzabdeckung stimmen vorne und hinten nicht und sind definitiv übertrieben schöngezeichnet“, sagte der stellvertretende Frak- tionschef der Grünen im Bundestag, Oliver Kri- scher. Die Netzagentur übernehme die Daten un- kommentiert und befinde sie für glaubhaft. „Mit der erlebten Realität der Menschen haben die An- gaben der Netzbetreiber wenig zu tun“, erklärte der Politiker gegenüber dem Handelsblatt. „Wir sind zuversichtlich, die Versorgungsauflagen zu erfüllen“, erklärte Telefónica Deutschland auf ei- ne Anfrage des Handelsblatts. „Dafür treiben wir den LTE-Ausbau vor allem in der Fläche aktuell mas- siv voran und werden diesen in den kommenden Monaten weiter beschleunigen.“ Das Unternehmen versorge nach eigener Berechnung „über 90 Pro- zent der deutschen Bevölkerung mit LTE“. Die mo- bile Breitbandversorgung liege bei rund 95 Prozent, wobei darin auch der ältere Mobilfunkstandard 3G eingeschlossen ist. Zur Bandbreite äußerte sich das Unternehmen aber nicht konkret, ebenso wenig zur Diskrepanz zu den Zahlen der Bundesnetzagentur. Dass Telefónica mit seinem Netz die Republik am schlechtesten unter den drei Anbietern abdeckt, ist bekannt. Beim renommierten Test der Fachzeit- schrift „Connect“ beispielsweise landet das Unter- nehmen regelmäßig mit Abstand hinter der Deut- schen Telekom, die vorn liegt, und Vodafone.

Langwierige Fusion

2018 habe das Unternehmen seine Leistungen im

Vergleich zum Vorjahr aber klar gesteigert, schrieb das Magazin kürzlich. „Besonders in Großstädten zeigen sich die Ergebnisse der Anstrengungen beim Zusammenschluss und Ausbau der ehemals ge- trennten Netze von E-Plus und O2“, lautete das Fa- zit. „In Kleinstädten und auf Verbindungsstraßen

bleibt allerdings noch einiges zu tun.“ Geradezu traurig sei die Netzqualität an Bahnstrecken – das

gelte allerdings für alle drei Netzbetreiber. Den Ab- deckungsgrad ermittelt „Connect“ aber nicht. Der Rückstand hat mehrere Gründe. Zum einen hat nach der Übernahme von E-Plus im Oktober

2014 die Integration der Netze länger gedauert als

von Telefónica Deutschland erhofft – ein Hemmnis für den Breitbandausbau. Zum anderen investiert das Unternehmen deutlich weniger als die beiden großen Konkurrenten Deutsche Telekom und Vo- dafone. Die Schwäche des Unternehmens hat Folgen für den Wettbewerb: In vielen Regionen haben Tele-

kom und Vodafone keine ernst zu nehmende Kon- kurrenz. Auch weil Anbieter wie 1&1, das zu United Internet gehört, Kapazitäten von Telefónica mieten und vergleichsweise günstig vermarkten. Wer in Brandenburg oder Rheinland-Pfalz in der Provinz wohnt, ist nicht vom Mobilfunknetz abgeschnitten, aber er muss womöglich mehr zahlen. Die März-Zahlen sind eine Momentaufnahme, die Unternehmen investieren kräftig in den Netz- ausbau und warten vor allem, dass die 2015 miter- steigerten 700-Mhz-Frequenzen für den Mobilfunk frei werden. Sie werden bislang von den TV-Sen- dern genutzt. Da es sich um langwellige Frequen- zen handelt, eigenen sie sich besonders gut, um den Mobilfunk in die Fläche zu tragen. Die Bun- desnetzagentur erwartet daher, dass die Anbieter sie noch in diesem Jahr einsetzen und so „eine weitere Verbesserung der Breitbandversorgung er- reicht wird“.

Netzagentur kann Strafen verhängen

Dennoch hat die Behörde erhebliche Sorgen, dass die Unternehmen ihre Ziele in diesem Jahr nicht er- füllen werden: Telekom, Vodafone und Telefónica investierten zwar massiv in den Netzausbau. „Aber dennoch ist zu erkennen, dass die Differenz zwi- schen dem aktuellen Ausbaustand und der Zielvor- gabe aus den Versorgungsauflagen zum Teil noch erheblich ist.“ Der Telekommunikationsexperte Torsten Gerpott geht noch weiter. „Ich halte es nicht für machbar, dass Telefónica die Netzabde- ckung innerhalb einiger Monate auf 98 Prozent steigert“, sagt der Professor für Telekommunikati- onswirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. Angesichts der niedrigen Quoten in einigen Bun- desländern sei der Ausbau nicht so schnell zu be- werkstelligen. Damit zeichnet sich ab, dass sich im nächsten Jahr erstmals ein Mobilfunkkonzern vor der Bun- desnetzagentur für den Verstoß gegen Versor- gungsauflagen rechtfertigen muss: Die Behörde kündigt gegenüber dem Beirat an, bei einer Miss- achtung Verwaltungsverfahren einzuleiten. Darauf bestehen die Politiker inzwischen auch. „Es ist wichtig, dass die Erfüllung der Versorgungs- auflagen sauber kontrolliert und bei Bedarf auch durchgesetzt wird“, sagte der CDU-Bundestagsab- geordnete Thomas Jarzombek. Der Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt befürwortet den Vorschlag, Bußgelder künftig deutlich zu erhöhen. „Es darf nicht wirtschaftlich für Anbieter sein, Auflagen nicht zu erfüllen“, sagte er. Auch der FDP-Politiker Frank Sitta hält es für zwingend, dass die Agentur bei einem Verstoß ein- greift, auch wenn „ein Wettbewerb um das beste Netz und eine Angebotsvielfalt für Kunden zu be- grüßen“ sei. „Wer mit weniger Leistung zufrieden ist, soll auch die Möglichkeit haben, zu geringen Preisen Mobilfunkverträge zu schließen.“

zu geringen Preisen Mobilfunkverträge zu schließen.“ Mobilfunkstandards im Vergleich Datenvolumen im deutschen

Mobilfunkstandards im Vergleich

Datenvolumen im deutschen Mobilfunk in Mio. Gigabyte Entwicklung der Standards seit 1992 Generation: 2 980
Datenvolumen im deutschen Mobilfunk
in Mio. Gigabyte
Entwicklung der Standards seit 1992
Generation:
2 980 GB
2G
3G
3.5G
3.9G
4G
4.5G
5G
3
000
Einführung:
1992
2004
2006
2010
2011
2016
2020
(geplant)
2
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Technik:
GSM
UMTS
HSPA/
LTE
LTE
LTE
5G
HSPA+
Advanced
Adv. Pro
Maximale
Geschwindigkeit:
1
000
9,6
384
42
150
600
1 000
10 000
kBit/s
kBit/s
Mbit/s
Mbit/s
Mbit/s
Mbit/s
Mbit/s*
Rechn. Download-Zeit f. eine 1,77 GB gr. Datei (z. B.
Film Herr der Ringe)
18
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25
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0
Tage
Std.
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Sek.
Sek.
2008
2019
HANDELSBLATT
*Prognose • Quellen: Bundesnetzagentur, lte-anbieter.info, Bitkom
Prognose
Universität Duisburg-Essen
Universität Duisburg-Essen

Ich halte es nicht für machbar, dass Telefónica die Netz- abdeckung innerhalb einiger Monate auf 98 Prozent steigert.

Torsten Gerpott Professor an der Uni Duisburg-Essen

Das Verfahren ist im Telekommunikationsgesetz (TKG) festgelegt. Es sieht vor, dass die Bundesnetz- agentur ein Unternehmen bei einem Verstoß zu- nächst dazu auffordert, binnen einer Frist Abhilfe zu schaffen. Geschieht das nicht, kann die Behörde die erforderlichen Maßnahmen anordnen und zur Durchsetzung ein Zwangsgeld von bis zu 500 000 Euro festsetzen. Zudem darf die Behörde bis zu 100 000 Euro Bußgeld verlangen, auch mehrfach. Die Maßnahmen liegen im Ermessen der Bun- desnetzagentur. Hohe Strafen sind nach Einschät- zung in Branchenkreisen jedoch unwahrscheinlich. Das Ziel der Behörde ist, für eine gute Netzab- deckung in Deutschland zu sorgen. Die Beamten wissen: Wenn Telefónica viel zahlen muss, fehlt dem Unternehmen das Geld für Investitionen in die Infrastruktur. Als stärkste Sanktion steht der Widerruf der Fre- quenz zur Verfügung. Diese sei aber nur als „ultima ratio“ möglich und müsse verhältnismäßig sein, be- tont die Behörde. Angesichts der Diskussion über den Breitbandausbau dürfte diese Option aber po- litisch ohnehin nicht durchzusetzen sein. Trotzdem droht Telefónica Deutschland Unge- mach. Ein solches Verfahren konterkariert die Kommunikationsstrategie, den Netzausbau in den Mittelpunkt zu stellen, wie es die Meldung über die neuen Sendemasten in den Alpen und an der Nordsee tut. Und es könnte teuer werden. Aller- dings verstößt das Unternehmen aus eigener An- schauung nicht gegen die Auflagen: Da die wichti- gen 700er-Frequenzen erst im Sommer zur Verfü- gung stünden, gelte ab da auch erst die Frist, um die Auflagen zu erfüllen, und nicht ab dem Tag, an dem die Frequenzen formell von der Netzagentur zugeteilt wurden. Damit zeichnet sich im Zweifel ein Rechtsstreit ab.

Herausforderungen durch 5G

Das Papier legt zudem offen, vor welchen Heraus- forderungen Telefónica in Deutschland steht. Der- zeit versteigert die Netzagentur Frequenzen, die für den Mobilfunkstandard 5G genutzt werden können. Die Auktion ist mit noch schärferen Aufla- gen verbunden: So müssen die großen Netzbetrei- ber bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte mit 100 Mbit/s versorgen können. „Wenn Telefónica Deutschland schon bei den Auflagen aus dem Jahr 2015 strauchelt, wird es mit der jetzigen Auktion noch schwieriger werden“, sagt Telekommunikationsforscher Gerpott. Zumin- dest wenn der Mutterkonzern seine strategischen Prioritäten nicht ändere und in Deutschland mehr investiere – damit rechnet der Wirtschaftswissen- schaftler nicht. Mit den aktuellen Investitionen ist es nicht getan. Derzeit bieten die drei Platzhirsche und obendrein noch als Neuling die United-Internet-Tochter 1&1 Drillisch. Insider rechnen nicht vor Mitte Mai mit einem Ende der Auktion, die Gebote liegen bereits über den erwarteten fünf Milliarden Euro. Geld, das für künftige Investitionen fehlt. „Die Einnah- men aus der aktuellen 5G-Versteigerung müssen dringend in ein Förderprogramm zum Ausbau von LTE umgeleitet werden“, forderte bereits Grünen- Politiker Krischer. So sieht es auch FDP-Experte Sitta. Er fordert, künftige Versteigerungen zu „entpolitisieren“. Die Bundesregierung habe „den Zielkonflikt zwischen hohen Einnahmen und Netzausbau nie gelöst“. Da- her sei es bedenkenswert, „die Einnahmen aus der Versteigerung zur Schließung der weißen Flecken zu verwenden, statt sie im Haushalt versickern zu lassen“. Im Sommer will die Bundesregierung ein Mobil- funkkonzept vorstellen. Darin könnte eine entspre- chende Förderung enthalten sein, die aber unter Umständen eine staatliche Gesellschaft unterstützt, die den Ausbau vorantreiben soll, wenn die etab- lierten Anbieter nicht wollen. Ebenso ist davon die Rede, künftig nicht auf die Haushalte bezogen eine Flächenabdeckung zu fordern, sondern eine grundsätzliche Flächenabdeckung. Dies würde noch einmal weit mehr Milliarden an Investitionen kosten als ohnehin schon.

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18 Unternehmen & Märkte

n t e r n e h m e n & M ä r k t

DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84

Mario Mehren

„Russland ist eine Stärke unseres Portfolios“

Auch nach der Fusion setzt der Chef von Deutschlands neuem Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea auf die enge Partnerschaft mit Russland.

Ölförderung in der Nordsee: Im vergangenen Jahr gab Wintershall die Fusion mit der Deutschen Erdöl
Ölförderung in
der Nordsee: Im
vergangenen Jahr
gab Wintershall
die Fusion mit der
Deutschen Erdöl AG
bekannt. Jetzt ist der
Deal perfekt.
Aufwind-Luftbilder/VISUM

D eutschland hat ein neues Öl- und Gasun- ternehmen. Winter- shall und Dea haben ihre Fusion besiegelt.

Am Donnerstag wird CEO Mario Mehren aus der unternehmenseige- nen Turnhalle in Hamburg in einer weltweiten Liveschaltung allen 4000 Mitarbeitern die neue Firma, Wachs- tumspläne und Markenauftritt prä- sentieren. Vorab erklärte Mehren in seinem ersten Interview nach dem Zusammenschluss, wie Wintershall Dea gegen die Ölmultis bestehen will.

Herr Mehren, jeden Freitag demons- trieren deutsche Schüler für mehr Klimaschutz – und Sie starten mit ei- nem neuen Öl- und Gaskonzern. Ha- ben Sie kein schlechtes Gewissen? Nein, ich habe kein schlechtes Gewis- sen. Im Gegenteil. Meiner Meinung nach gibt Wintershall Dea auf zwei wesentliche Fragen unserer Zeit die richtigen Antworten: zum einen auf den weltweit wachsenden Energiebe- darf und zum anderen auch auf den Klimawandel.

Den Klimawandel? In Zeiten von Kli- maschutz und Energiewende er- scheint Wintershall Dea geradezu anachronistisch.

Ganz und gar nicht. Nur mit Erdgas werden wir in der Lage sein, unsere Klimaziele tatsächlich zu erreichen. Wir als Wintershall Dea werden des- halb einen wichtigen Teil zum globa- len Klimaschutz und zur Erreichung der Klimaziele leisten. Ein Industrie- land wie Deutschland braucht Erd- gas, um den Kohleausstieg zu bewäl- tigen. Nur mit Erdgas lässt sich die Energieversorgung sicherstellen. Wir werden in Deutschland mehr Erdgas brauchen. Das gilt auch für Europa und die Welt.

DerVorteilvon Gas gegenüber Kohle ist offensichtlich. Wintershall Dea ist aber auch ein Ölkonzern. Wel- chen Anteil hat Öl an Ihrem Ge- schäft? Gas 70 Prozent unserer Produktion und 30 Prozent Öl. Auch Öl hat seine Zukunft – vor allem jenseits der Mobi- lität. Öl ist ein wichtiger Rohstoff für viele Industrien. All die Dinge, an die wir uns gewöhnt haben, vom Smartphone bis zu modernen Medi- kamenten, sind ohne diesen Grund- stoff nicht möglich. Die Nachfrage nach Öl wächst, wenn auch langsa- mer als nach Gas. Insofern werden wir zwar weiter den klaren Schwer- punkt auf Gas legen, aber auch für unser Öl bin ich optimistisch.

Gas legen, aber auch für unser Öl bin ich optimistisch. Es ist wichtig, dass wir wie

Es ist wichtig, dass wir wie unsere euro- päischen Nachbarn Italien, Frankreich oder die Niederlande ein bedeutendes deutsches Gas- und Öl- unternehmen haben.

Naja, die Zukunft gehört der Elektro- mobilität. Das werden auch die Öl- konzerne spüren. Beim Thema Mobilität brauchen wir Technologieoffenheit. Wir können nicht alles unter Strom setzen. Schon heute gibt es viele Lösungen, wie wir mit Gas die Emissionen deutlich sen- ken können, beispielsweise im Bus- oder im Schiffsverkehr. Bei der Elek- tromobilität gibt es noch so viele Pro- bleme, die es zu lösen gilt. Schauen Sie sich allein die fehlende Infrastruk- tur an. Und noch kommt der Strom in Deutschland vor allem aus Kohle- kraftwerken. Insofern bin ich über- zeugt, dass Öl noch lange eine Rolle im Verkehr spielen wird, obwohl es eigentlich zu schade zum Verbren- nen ist.

Wintershall Dea bereitet schon den Börsengang vor.Wann ist es so weit? Wir werden als Unternehmen alles tun, dass wir Mitte 2020 börsenfähig sind. Dann könnten wir in der zwei- ten Jahreshälfte, wenn die Marktkon- ditionen stimmen, an die Börse

Wird das Unternehmen zügig auch mehrheitlich platziert sein? In Anbetracht der zu erwartenden Größenordnung halte ich das für un- wahrscheinlich.

Noch liegt die Mehrheit bei BASF. Wird der Konzern auch langfristig engagiert bleiben? Wintershall Dea ist ein attraktives Un- ternehmen. Wir sind erfolgreich und weiter auf Wachstumskurs. So viel steht fest. Unabhängig davon wird BASF eigene strategische Überlegun- gen anstellen.

Mit welcher Story werden Sie denn um Aktionäre werben? In Europa ist Wintershall Dea dann die Nummer eins unter den unab- hängigen auf Gas- und Ölförderung fokussierten Unternehmen. Es ist ein Unternehmen, das mit dem Zusam- menschluss Tag für Tag 590 000 Bar- rel an Öläquivalent produziert und das ambitionierte Wachstumsziele hat. Bis zum Jahr 2023 soll die Förde- rung auf 750 000 bis 800 000 Barrel steigen. Das entspricht einer jährli- chen Wachstumsrate von sechs bis acht Prozent. Für ein Gas- und Ölun- ternehmen in dieser Größenordnung ist das beachtlich. Dabei bieten wir wie erwähnt Lösungen für zwei gro- ße Probleme unserer Zeit, den wach- senden Energiebedarf und den Kli- mawandel. Aber natürlich werden wir auch ein finanziell solides Unter- nehmen sein, das den Aktionären Di- vidende bringt. Außerdem verfügen wir über innovative Technologien und etablierte Partnerschaften. Wir sind interessant für die Börse.

Gerade Investoren bewerten fossile Energien aber zunehmend kritisch. Haben Sie da keine Bedenken? Auch wir nehmen das Thema Klima- schutz ernst und setzen uns Ziele zur Verringerung unseres CO 2 -Fuß- abdrucks. Wir wollen mit so wenig Emissionen wie möglich produzie- ren. Natürlich wird es immer auch Aktionärsgruppen geben, die Investi- tionen in Kohlenwasserstoffgeschäf- te grundsätzlich ausschließen, die können wir nicht überzeugen. Aber das Investorenspektrum ist groß ge- nug, um ausreichend Investoren zu finden.

Stehen die CO 2 -Ziele schon fest? Wir werden in den kommenden Mo- naten an der gemeinsamen Strategie arbeiten – dazu gehören konkrete fi- nanzwirtschaftliche Ziele ebenso wie CO 2 -Ziele. Im zweiten Halbjahr wollen wir sie veröffentlichen.

Mit Wintershall und Dea schließen sich die zwei deutschen Öl- und Gas- firmen zu einem größeren Konzern zusammen. Haben wir Deutschen auch etwas davon? Braucht Deutsch- land einen Gas- und Ölkonzern? Absolut. Es ist wichtig, dass wir wie unsere europäischen Nachbarn Ita- lien, Frankreich oder die Niederlan- de ein bedeutendes deutsches Gas- und Ölunternehmen haben. Deutsch- land ist der größte Energieverbrau- cher in Europa. Deswegen ist es gut, wenn wir mit Wintershall Dea einen starken deutschen und europäischen Player haben.

Gemessen an Shell, Exxon und Co. ist Wintershall Dea ein Winzling. Kön- nen Sie überhaupt eine ernsthafte Rolle im Öl- und Gasmarkt spielen? Wir haben genau die richtige Größe. Wir sind groß genug, um sichtbar zu sein für die Unternehmen, die in den Förderländern die Ressourcen kon- trollieren. Aber immer noch klein ge- nug, um flexibel zu handeln. Insofern haben wir mit diesem Merger eine Größenordnung, mit der wir uns richtig wohlfühlen. Und mit der wir weiterhin Wachstum generieren kön- nen. Das hebt uns von anderen ab.

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20 Dax-Konzerne ungeschminkt

K o n z e r n e u n g e s c h m

DONNERSTAG, 2. MAI 2019, NR. 84

2008

2009

2010

2011

2012

2013

100 100 Aktienkurs 80 80 in Euro 50,71 € 60 60 1.1.2008 40 40 20
100
100
Aktienkurs
80
80
in Euro
50,71 €
60
60
1.1.2008
40
40
20
20
19,95 €
TIEF
Jürgen Hambrecht
27.10.2008
Vorstandschef
Mai 2003 bis Mai 2011
0 0

BASF

Chemie ohne Dynamik

Um den Abschied vom Öl zu kompensieren, muss BASF ihre Schwächen in der Spezialchemie überwinden.

Siegfried Hofmann Frankfurt

N euer CEO, neue Strate- gie, neue Struktur. Für den Chemiekonzern BASF könnte man 2018 auf den ersten Blick

durchaus als Jahr des Umbruchs ein- stufen. Selbst der Geschäftsverlauf war von einer abrupten Wendung geprägt. Auf vier Prozent Gewinn-

wachstum im ersten Halbjahr folgten

60 Prozent Einbußen in der zweiten

Hälfte. Ein Jahr, das solide begann, endete mit einer der seltenen Ge- winnwarnungen von BASF – und ei- nem operativen Ertragsrückgang von gut 20 Prozent. Der Jahresabschluss, den der neue Vorstandsvorsitzende Martin Bruder- müller am Freitag auf der Hauptver- sammlung im Mannheimer Rosen- garten präsentiert, bestätigt indessen auch einige bekannte Probleme des Chemieriesen. Erstens: Die Perfor- mance des Ludwigshafener Konzerns wird weiterhin erheblich von den zy- klischen, wenn auch profitablen Ba-

sis- und Petrochemie-Aktivitäten ge- prägt. Zweitens: Das Renditegefälle innerhalb des Konzerns ist nach wie

vor groß – womöglich zu groß, um auf Dauer die heutige Struktur von BASF zu rechtfertigen. Drittens: BASF fällt es schwer, das organische Wachstum zu beschleunigen. Wie volatil das BASF-Geschäft noch immer ist, zeigt das Auf und Ab der letzten beiden Jahre. Dem unerwar- tet kräftigen Ertragssprung um

36 Prozent im Jahr 2017 folgte ein no-

minal fast gleich großer Gewinnrück- gang im Jahr 2018. Die starken Zah- len, mit denen sich Brudermüllers Vorgänger Kurt Bock im vergangenen Jahr verabschiedete, waren aus heuti-

Bock im vergangenen Jahr verabschiedete, waren aus heuti- Stärken und Schwächen „Dax-Konzerne ungeschminkt“

Stärken und Schwächen „Dax-Konzerne ungeschminkt“ nimmt die Aktionärstreffen deutscher Großunter- nehmen zum Anlass, deren Jahresab- schlüsse kritisch zu durchleuchten.

Anlass, deren Jahresab- schlüsse kritisch zu durchleuchten. Auszüge aus dem Geschäftsbericht

Auszüge aus dem Geschäftsbericht

Gewinn-und-Verlust-Rechnung

in Mio. Euro 2017* 2018 Umsatzerlöse 61 223 62 675 Herstellungskosten -41 591 -44 319
in Mio. Euro
2017*
2018
Umsatzerlöse
61 223
62 675
Herstellungskosten
-41 591
-44 319
Bruttoergebnis vom Umsatz
19 632
18 356
Vertriebskosten
-8 182
-8 588
Allgemeine Verwaltungskosten
-1 330
-1 426
Forschungskosten
-1 843
-2 028
Sonstige betriebliche Erträge
1
569
1
815
Sonstige betriebliche Aufwendungen
-2 582
-2 365
Ergebnis der Betriebstätigkeit
7 587
6 033
Finanzergebnis
-705
-745
Restrukturie- Ergebnis vor Ertragsteuern
6
882
5 288
Steuern vom Einkommen und Ertrag
-1 290
-1 138
Ergebnis nach Steuern
6 352
4 979
Ergebnis n. Steuern nicht fortgef. Geschäft
760
829
Ergebnis n. Anteilen anderer Gesellschafter
6
078
4
707
Ergebnis je Aktie
in €
6,61
5,11

*Angepasst

BASF-Segmente

in Mio. Euro

 
Umsatz
Umsatz

Änderung

 

2017

2018

in %

Chemikalien

Chemikalien

16

331

16

501

+1,0 %

Performance-Produkte

Performance-Produkte

16

217

15

812

-2,5 %

Materials & Solutions

Materials & Solutions

20

745

21

435

+3,3 %

Agrochemikalien

Agrochemikalien

5

696

6

156

+8,1 %

Sonstige