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HIEROGL YPHEN
ALPHABETE
SCHRIFTREFORMEN

Studien zu Multiliteralismus, Schriftwechsel


und Orthographieneuregelungen

herausgegeben von
Dörte Borchers, Frank Kammerzell und Stefan Weninger

Göttingen 2001
DIE TÜRKJSCHE WENDE IM SCHRJFTGEßRAUC H
Bemerkungen zur türkischen Schriftrefonn VOll 1928

Ozgür Sav~C;:1 (München)

Das erste Viertel unseres ausgehenden Jahrhunderts erlebte nicht nur den Niedergang des einst so
mächtigen Osmanischen Reiches und die Grundung der Republik Türkei (1923), sondern brachte - damit
einhergehend - auch etliche soziale Umwälzungen und Reformen (Abschaffung des Kalifats, westlich-
republikanisch-demokratisch.e Orientierung der Türken usw.). Es ist außerdem auch durch den A1pha-
betwcchsel bei fast allen Turkvölkerni gekennzeichnet.
Alle Reformen und Umwälzungen in der neu gegründeten Republik Türkei ( 192]), darunter auch
der Alphabetwechsel, wurden unter der Leitung des Staalsgrunders Mustafa Kernal Alatürk (1881-
1938) durchgefUhn, der seinen eigenen Angaben zufolge sich bereits seit seiner Kindheit Gedanken
über einen Wechsel des Schriftsystems gemacht halle und mit folgender Aussage zitien wird :
"Wenn ich euch sage, daß ich an dieses Problem [des Alphabetwechsels 0 .5.) erst in den letzten
Jahren gedacht habe. so glaubt mir das nicht. Ich bin nämlich jemand, der daran seit seiner Kind·
heit gedacht hat."l
Die Anregung und Vorschläge, das rur die Verschrifiung des Türkischen gebräuchliche arabische
Alphabet entweder radikal zu reformieren und dabei stärker an die Gegebenheiten der türkischen Spra-
che anzupassen oder aber an seiner Stelle ein anderes Schriftsystem einzuftihren, waren seinerzeit aller·
dings durchaus nicht neu und reichen bis in die Tanzimat-Epoche (1839-1876) des Osmanischen
Reiches zurück. 50 halle zum Beispiel Münif Hendi im Jahre 1862 vor der Osmanischen Wissen-
schafisgesellschaft (Cem ';yyel-I Ilm;yye-i Osmalliyye) einen Vonrag gehalten und von der Unzuläng-
Uchkeit der arabischen Schrift fur die Wiedergabe des Türkischen gesprochen. Ein anderer, nämlich
deraserbaydschanische Schriftsteller Ahondzade Mirza Fethali. schlug zuerst im Jahre 1863 eine radi-
kale Reformierung des arabischen Alphabets vor und sprach sich dafur aus, daß einige neue zusätzliche
diakritische Zeichen (ba ':, /tl/rektit-' cedide ,"'mit "e) eingefuhn werden sollen. Dieses Ansinnen
Mlrde genauso abgelehnt wie der wenig später unterbreitete Vorschlag, ein neues Alphabetsystem auf
der Basis des Kyrillischen einzufuhren J
Es haI also schon um die Mille des 19. Jahrhundens. lange vor Atatürk, nicht an Bestrebungen ge-
rehlt. die arabisch-osmanische Schrift zu reformieren, aber diese waren entweder waghalsige Experi-
mente - wie beispielsweise der Versuch Enver Pi1$as', alle arabischen Buchstabengelre,,'" zu schreiben,
zumindest in der Armee - oder blieben bloße Vorschläge ohne weitere Wirkung - wie etwa das von
Münif Efendi (1828·1910) dem damaligen Sultan Abdolaziz (183Q.1876) vorgelegte Traktat über

AnnlCrkungen 51ehe 5 200 /lif!roglyphf!n. Alphabf!lf!. Sdrrljl1'f!Jormf!n.


LlllgAeg - 5111d. mon. 3. Götlingen 200t, 5 195·201
196 Özgür Sava~91

Schrift. Alle derartigen Reformversuches blieben ohne Erfolg. Das Hauptproblern lag einfach am

Sprachsystem. Während das Türkische eine vokalreiche Sprache mit acht Vokalphonemen ist, bietet
das arabische Alphabet bestenfalls die Möglichkeit zur Unterscheidung zwischen drei Vokalen.
Ähnliche Bestrebungen finden wir auch in der Ära der Ersten und Zweiten Konstitutionellen Mon-
archie (!vfe~rutiyet, das sind die Jahre 1876-1878 bzw. 1908-1920). So schrieb beispielsweise Celäl
Nun ileri 1911 in der Zeitung Servetifünun (Band 42, 1911 , Nr. 1080):
"Unsere Buchstaben sind miserabel. Mit diesen Buchstaben können wir nicht weiterkommen.
Diese sind ungenügend . Deshalb sollten wir uns nicht mit leeren, sinnlosen Maßnahmen wie der
Reformierung der Schrift beschäftigen, sondern so schnell wie möglich und mit großem Mut die
lateinischen Buchstaben einfuhren.,,6
Man ist sich im allgemeinen einig darüber, daß das lateinische Alphabet mit "äußerster Schnelligkeit
eingefuhrt"7 wurde. Ein plastisches Bild über das Tempo der Einfuhrung der Lateinschrift kan man
sich machen, wenn man den folgenden Bericht des Deutschen Botschafters Nadolny liest, der am l.
Februar 1927 nach Berlin an das Auswärtigen Amt schreibt:
"Die Frage der Ersetzung der arabischen Schriftzeichen durch die lateinischen Buchstaben ist seit
Erstattung des Vorberichts noch nicht weitergekommen. In Angora soll noch immer eine
Sprachkomrnission gebildet werden (, als deren Vorsitzende entweder der ehemals oppositionel-
le Journalist Hussein Djahid Bey oder Köprülü Zade Fuad Bey [ ... ] genannt werden) .
Der Stand der Meinungen über die Zweckrnässigkeit der Neuerung geht inzwischen in der
Presse und hinter den Kulissen weiter. Um ein Urteil von politisch uninteressierter wissenschaft-
licher Seite zu erhalten, habe ich den hier ansässigen österreichischen Turkologen Dr. Witteck
gebeten, mir eine Aufzeichnung über diese Frage zu machen, die ich in der Anlage vorlege.
Hierin kommt Witteck auf Grund kultureller und wissenschaftlicher Erwägungen zu dem Ergeb-
nis, daß die Einfuhrung der lateinischen Schriftzeichen unerwünscht sei und fast unüberwindliche
Schwierigkeiten bieten würde. Ich glaube jedoch nicht, daß diese Beweisfuhrung (, die sich mit
derjenigen des Professors Fuad Bey decken dürfte,) auf die türkische Regierung einen nachhalti-
gen Eindruck machen wird, und nehme vielmehr an, daß man sich in Angora über alle Bedenken
hinwegsetzen wird, sobald man zu der Überzeugung gelangt, daß es an der Zeit ist, diese Neue-
rung, wie so viele andere, bisher im Rahmen des Reformprogramms ohne Rücksicht auf Kosten
und Schwierigkeiten zu dekretieren.,,8
Zweiundzwanzig Monate nach dem Bericht des Diplomaten, nämlich im November 1928, war es dann
soweit, daß das neue türkische Alphabet in der Türkei eingefuhrt wurde.
Die rasche und erfolgreiche Durchsetzung der Lateinschrift in einem islamisch geprägten Land
überraschte alle ausländischen Beobachter, nicht zuletzt die Turkologen. In der Mehrzahl standen sie
den Maßnahmen der türkischen Regierung zurückhaltend gegenüber (vgl. dazu Kreiser 1987: 122).
Am 1. November 1928 sagte Staatspräsident Mustafa Kemal in seiner Rede anläßlich der Eröffnung
des Parlaments:
"Die türkische Nation kann die Unwissenheit nur durch seiner Sprache angemessene Schriftzei-
Die türkische Wende im Schriftgebrauch 197

chen bekämpfen. Diese Schriftzeichen heißen ein neues türkisches Alphabet auf der Basis von
lateinischen Buchstaben. Ein kleines Experiment hat sonnenklar herausgebracht, wie angemessen
die türkischen Buchstaben auflateinischer Grundlage fur die türkische Sprache sind, und wie leicht
die Erwachsenenen in Stadt und Land mit diesen Buchstaben lesen und schreiben können.,,9
Am selben Tag wurde durch das Parlament das Gesetz zur Einfuhrung der lateinischen Buchstaben
verabschiedet, welches zwei Tage am 3. November 1928 später in Kraft getreten ist. Das Drucken von
Büchern in arabischer Schrift war mit Wirkung vom 1. Januar 1929 verboten (Kreiser 1987: 122).
Ahmet Cevat Emre, ein Weggefährter Atatürks, schreibt in seinen Memoiren (Emre 1960: 317),
daß Atatürk seit seiner Kindheit an die Ersetzung der arabischen Schrift durch das lateinische Alphabet
gedacht habe. Aber zum ersten Mal nachweislich davon gesprochen hat er 1922, also noch während
des Befreiungskrieges, zu Adnan Adlvar (1881-1955) und seiner Frau Halide Edip Adlvar (1884-
1964)10, wie diese es in ihrem Werk Türkün Ate§le imtihanz (1962: 264) schreibt.
Zur Verwirklichung dieses Vorhabens mußte nach Atatürks Ansicht zuerst das Kalifat abgeschafft
werden, was am 3. März 1924 geschah. Erst dann war der Weg frei fur die Schriftreform l l
Anfang des Jahres 1928 schien die Zeit reiffur die Schriftreform, es begann mit einem Vortrag von
Mahmut Esat Bey (Bozkurt) über die (neuen) türkischen Buchstaben, den er am 8. Januar im Türk
Ocagl ['Türkisches Zentrum ' ] in Ankara hiele 2 . Am 8. Februar wurde als nächster Schritt auf dem
Wege zur Emanzipation der türkischen Sprache zum ersten Mal die Freitagspredigt nicht in arabischer,
sondern in türkischer Sprache gehalten.
Die weitere Entwicklung wurde mit großer Geschwindigkeit vorangetrieben. Die folgenden Etap-
pen erwähne ich nur in kurzen Stichworten 13 :
• Am 24. Mai wurde der Beschluß zur Einfuhrung der lateinischen Ziffern gefaßt, die interessanter-
weise in Europa "arabische Ziffern" genannt werden - im Gegensatz zu den "römischen Ziffern"
und nach ihrem Vorbild, von dem sie sich seit der Übernahme im Spätmittelalter formal viel weiter
entfernt hatten als die osmanischen Ziffern. Diese Regelung trat am 1. Juni 1928 in Kraft.
• Am 26. Juni fand die erste Sitzung der in Ankara gegründeten Sprachkommission (DU Encümeni)
statt, deren Hauptaufgabe darin bestand, das neue türkische Alphabet vorzubereiten.
• Am 17. Juli nahm der Ministerpräsident Ismet Pa~a an der Sitzung der Sprachkommission teil.
Dieser galt als Gegner einer raschen Einfuhrung der lateinischen Buchstaben. 14
• Am 8. August hielt Atatürk in Halk Gazino (Istanbul) eine Rede, in der er zum ersten Mal öffent-
lich von der geplanten Schriftreform und ihrer Notwendigkeit sprach. Dabei fielen die Worte:
"Unsere melodische und reiche Sprache wird sich durch die neuen Buchstaben entfalten. Wir müs-
sen uns befreien von den unverständlichen Zeichen und Buchstaben, die jahrhundertelang unsere
Köpfe in einem eisernen Käfig gehalten haben und fur uns unbegreiflich geblieben sind."
• Zwei Tage später (10 . August 1928) hielt ibrahim Necmi Dilmen in Anwesenheit von Atatürk eine
Stunde Schriftunterricht ab und stellte bei dieser Gelegenheit die neuen Buchstaben vor. Ähnliche
Vorfuhrstunden wurden später auch vom Staatsgründer persönlich abgehalten (siehe dazu im
Bildteil Abb. 1-3).
198 Özgür SaVllKI

• Am 17. August erfolgte ein Interwiew mit Yunus Nadi, dem Herausgeber der Tageszeitung CI/m-
huriyel ['Republik') über das neue Alphabet, das in der Ausgabe vom 19. August 1928 veröffent-
licht wurde.
• Am 25. August fand eine große Veranstaltung am Dolmabahvc-Palast in Istanbul statt, auf der
Merkzettel mit den neuen Buchstaben an die Anwesenden veneilt wurden. Währenddessen
schworen die Lehrer auf der " IV. Jahrestagung der Lehrer", daß sie dem Volk die neuen Buchsta-
ben beibringen würden.
• Am I. November wurde vom Türkischen Parlament das Gesetz zur Einfiihrung des neuen Alpha-
bets verabschiedet.
Ebenso schnell wie die Einflihrung erfolgte die Verbreitung des neuen Alphabets in der Bevölkerung.
Die Verbreitung der neuen Buchstaben wurde auch nach der offiziellen Einführung der Schrift von
Tageszeitungen wie der Cllmhuriycl dadurch unterstützt, daß sie fiir ihre Leser regelrechte Lektionen
zur Einfuhrung in die neue Schrift abdruckten (siehe Abb. 4). Trotz der Schnelligkeit, mit der die
Schrift reform durchgefiihrt wurde, lassen sich in der zeitgenössischen Presse durchaus Phasen des
Übergangs von der herkömmlichen arabisch-osmanischen Schrift zum lateinisch-türkischen Alphabet
erkennen: Der Ausschnitt aus der Cllmhuriyt l auf Abb. 4 ist mit Ausnahme eines Anikels fast ganz in
den traditionellen Lettern gesetzt, weist allerdings bereits durchgängig die westlichen Zahlzeichen auf
Etwas später sind die Artikelüberschriften durchgängig in lateinischer Schrift gedruckt (Abb. 5). Die
öffentliche Diskussion um die Schriftreform wurde auch karikaturistisch aufgegriffen (Abb 6).
Die Bereitschaft , die neuen Buchstaben anzunehmen, war im allgemeinen sehr groß. Der schon er-
wähnte Botschafter des Deutschen Reichs teilte am 5. November 1928, also vier Tage nach der Verab-
schiedung des Gesetzes, in einer zwölfeinhalb Schreibmaschinenseiten langen Depesche an das Aus-
wänige Amt mit:
"Die Ersetzung der bisherigen arabischen durch die europäische Schrift ist, nachdem sie noch vor
nicht langer Zeit ziemlich skeptisch betrachtet worden war, seit dem Eintreten des Präsidenten
rur die Neuerung von der gesamten türkischen Öffentlichkeit mit geradezu fanatischer Begeiste-
rung aufgenommen und von der Bevölkerung mit fi eberhaftem Eifer betrieben worden. Natür-
lich fehl! es trotzdem nicht an einer ziemlich starken Opposition, besonders in den Kreisen der
Gelehrten und Geistlichen. Sie tadeln die Maßnahme an sich, besonders aber ihre überstürzte und
nach ihrer Ansicht wenig durchdachte Einruhrung, und behaupten, der allgemeine Beifall
schreibe sich nur aus Servilismus gegen den Gasi {so der Beiname des StaalsgrOnders Atalürk,
Ö.S.] her. in Wirklichkeit sei das ganze Volk dagegen " (S. 11 )
Ähnliche Feststellungen finden wir auch bei Herbert W. Duda, einem Zeitzeugen und renommierten
Orientalisten seiner Epoche:
"Auf jeden Fall ist die neue Lateinschriftreform mit bewundernswerter Energie durchgefilhrt wor-
den. Hoffentlich wird die Regierung nach einiger Zeit die Einsicht haben, bei Werken der alten
osmanisch-türkischen Geschichte und Literatur die wissenschaftlich allein haltbare Ausgabe in
Originalschrift zu gestatten, zumal diese Werke ja doch nurmehr für den Spezialisten in Betracht
Die türkische: Wende im SchriRgcbrnuch 199

kommen. Zu wünschen wäre auch noch zum Schluß, daß die ganze Schriftreform nach der ge·
lungenen Durchftihrung den Politikern aus den Händen genommen und den Fachleuten überge-
ben werde ( ... ).,,1'
Genau dies geschah etwas später, als im Jahre 1932 die Türkische Sprachgesellschaft gegrundet
wurde, die unter anderem ein Tllrkisches Wörterbuch und ein Orthographiewörterbuch herausgeben
sollte. Die anfanglichen - von Fachleuten und Gegnern kritisierten - Mängel und Schwächen der
Schriflreform wurden in den nachfolgenden Jahren Schritt fur Schritt beseitigt. Dabei handelte es sich
in den meisten Fällen handelte um eher geringfilgige Modifizierungen der Orthographie. So wurde
beispielsweise das aus dem Arabischen entlehnte Wort mek/cp 'Schule' zuerst mekhteb - mit kh und
finalem b - geschrieben (vgl. Abb. 7), dann ohne h und später mit Benlcksichtigung der Auslaut-
verhärtung als meklep wiedergegeben, bevor es schließlich ganz außer Gebrauch geriet und durch olml
abgelöst wurde. Solche Veränderungen stellten Optimierungsmaßnahmen dar, die darauf abzielten,
eine leicht erlernbare Orthographie auf der Basis weitgehend regelmäßiger Graphem-Phonembez.ie-
hungen zu schafTen. Daß eine solche Strategie, der sicherlich eine mitentscheidende Bedeutung fur den
rasanten Erfolg der türkischen Schriftreform zugeschrieben werden muß, keineswegs selbstverständ-
6th war, zeigt der Vergleich der schließlich maßgeblichen Orthographie mit früheren Versuchen zur
Latinisierung des Türkischen (siehe Abb. 8)
Das erste Rechtschreibwörterbuch, das bereits 1928 unter dem Titel Imlti U igafi erschienen war,
blieb dreizehn Jahre im Gebrauch (1928-1941). Die zweite Ausgabe mit der Bezeichnung 1m/ti Ktla-
~'IItU (' Der Rechtschreibftlhrer' ) erfuhr sieben Auflagen (1941 , 1948, 1956, 1957, 1960, 1962) und
....'\lrde 1965 durch den Yelli I mM Kdavu:u [' Der neue Rechtschreibfiihrer' ] abgelöst, von dem bis
1969 vier Auflagen gedruckt wurden (1965, 1966, 1967 und 1969). Die vierte Ausgabe von 1970
filhrte im Titel in Klammem das neue Wort rur ' Rechtschreibung' und hieß Yen; (Ya:/m) lm/ti Kdlavu·
zu. Das inzwischen veraltete Wort imlä verschwand mit der filnften Ausgabe vom 1973, die Yelli
Yum" KI/aVI/:1I hieß. In den weiteren Ausgaben und Auflagen wurde schließlich auf den Zusatzyelli
'neu' verzichtet. 16
Der Umstand, daß die erfolgreiche DurchfUhrung der Schriftreform einen nicht unerheblichen
Modernitätsschub bewirkte. zeigt sich auch in der damit einhergehenden vermehrten Verbreitung einer
neuen Technologie zur typographischen Datenverarbeitung; Im Jahr 1929 wurde der erste Schreib·
maschinenkurs angeboten, und bereits zwei Jahre nach dem o ffi ziellen Alphabetwechsel wurden erst-
mals landesweite Wettkämpfe zur Ermittlung der "Schnelligkeitskönigin im Maschinenschreiben" ver-
anstaltet (siehe Abb. 9-1 1). Es ist bestimmt nicht fibertrieben, wenn im Nachhinein das Wo rt daklllo
'Schreibmaschine' zum Wort des Jahres 19]0 erklärt wird 17

Abschließen möchte ich meine Ausfllhrungen mit einem Zitat des Bamberger Turkologen Klaus
Kreiser, in dem rur unseren spezifi schen Fall ein kulturpolitischer Aspekt beleuchtet wird, der im
Zusammenhang mit Diskussionen über geplante Schriftreformen immer wieder eine Rolle spielt .
" Ein halbes Jahrhundert nach der Schriflreform kann gesagt werden, daß die Berurchtung, die
Türkei werde du rch sie vo n ihrer osmanischen Tradition abgetrennt, unberechtigt war. In neuer
200 Özgür Sava~91

Schrift sind inzwischen mehr wesentliche Werke aus der osmanischen Zeit als in den 200 Jahren
arabischen Buchdrucks in der Türkei (1728-1927) erschienen. Für das Erlernen der türkischen
Schriftsprache hatten die Reformen eine ganz entscheidende Erleichterung gebracht."18

ANMERKUNGEN
Fleullning (1981: 133). Für den Alphabetwechsel bei anderen Turkvölkern siehe Baldauf (1993).
2 Zitiert nach Emre (1960: 317).
3 Vgl. Levend (1972: 153-156).
4 Enver Pa~a (1881-1922) war unter anderem Kriegsminister.
5 Siehe hierfür beispielsweise Tekin (1984).
6 "HurufatlIIllz berbatdlf. Bu harlIerle biz i~imizi göremeyiz. Bunlar näkäfidir ... Ve aIUn iyün hurufi Jslah gibi bo~,
vähi tedabire müracaat edecegimize bir saat evvel kemal-i cesaretle Lätin harflerini kabul etrneliyiz." (zitiert nach
Levend 1972: 361).
7 Flemming (1981 : 134).
8 Abgedruckt in Kreiser (1987: 122).
9 Arsan (1961: 359).
10 Beide Intellektuelle der Zeit und Weggefahrten Atatürks.
11 Enue (1960: 317).
12 Nach Levend (1972: 402) begillllt die Schriftreform mit der Rede Atatürks am 9. August 1928: "Atatürk'ün
Saraybumundaki söylevi He harf devrimi ba~lam_tlf" ['Mit der Rede Atatürks in Sarayburnu begann die Schrift-
reform. ']. Dieses Datum, das sich auch bei Aydemir (1978: 318) findet, muß jedoch einen Tag vorverlegt werden;
siehe hierfür Kocatürk (1973: 312), Özdemir (1980: 41). Aydelnir und (fast) alle Historiker halten diese Rede für
ein Ereignis von außerordentlicher historischer Bedeutung.
13 Alle Datumsangaben beziehen sich auf das Jahr 1928 und sind Kocatürk (1973 : 308-315) entnommen. Cilfonologi-
sehe Angaben finden sich auch bei Levend (1972: 399-403).
14 Für seine Einwände und Begründung, auf die ich hier nicht eingehe, verweise ich auf Aydemir (1978: 317-318). Für
weitere oppositionelle Meinungen siehe auch Levend (1972 : 397-400).
15 Duda (1929: 452-453).
16 Die Angaben zur Geschichte der Rechtschreibung sind entnommen aus YaZlm Kzlavuzu (1990: 9-12) und Yazlm
Kllavuzu (1995: 9-11).
17 Vgl. dazu etwa Akyura (1996: 11): "Daktilonun önemi eski yazldan yeni yazlya geyi~le birlikte arttJ . Bürolarda yazl-
lar giderek daktilolarla yazlimaya ba~landI. Türkiye'nin ilk daktilo kursu da 1929 ylilllda a Ylldl." ['Die Bedeutung
der Sc1ueibmaschine ist mit dem Übergang von der alten zur neuen (lateinischen) Schrift größer geworden. Sc1ueib-
arbeiten in den Büros wurden immer mehr mit Schreibmaschinen erledigt. Der erste Schreibmaschinenkurs wurde in
der Türkei im Jahre 1929 angeboten. ') .
18 Kreiser (1987: 124).

ECKPUNKTE DER TÜRKISCHEN KULTURPOLITIK IN DER FRÜHPHASE DER REPUBLIK

1922 1. November Abschaffung des Sultanats


1923 29. Oktober Ausrufung der Republik
1924 3. März Abschaffung des Kalifats
20. April Neue Verfassung (Tekilät-I Esäslye Kämlnu)
1925 25. November Einführung der neuen Kopfbedeckung ("Hut-Reform")
26. Dezember Übernahme der Internationale Zeitrechnung (Kalender und Uhrzeit)
1928 24. Mai Einführung der "internationalen" Ziffern
1. November Verabschiedung des Gesetzes zur Einführung des Neuen Alphabets
1931 15. April Gründung der Gesellschaft zur Untersuchung der türkischen Geschichte
1932 12. Juli Gründung der Gesellschaft zur Untersuchung der türkischen Sprache
1934 21. Juni Einfiiluung von Familietlllamen
Die türkische Wende im Schriftgebrauch 201

Abb. 1: Veranstaltung zur Propagierung der Schriftreform: Der StaatsgfÜnder Mustafa Kemal erteilt auf dem
Marktplatz von Sivas eine Lektion zum Gebrauch des neuen Alphabets (aus: Baschet 1989: 231)

Abb. 2: Öffentlicher Schreibunterricht auf den Straßen Istanbuls (aus: Baschet 1989: 230)
202

Abb. 3: Unterrichtung des neuen Alphabets in der Schule (aus: Baschet 1989: 230)

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Abb.4: Ausschnitt aus der Tageszeitung Cumhüriyet mit Lektion zum Erlernen der neuen Schrift
(aus: Yazl Devrimi - BeIgeIer 1978: 5)
Der Text zum Bild des Lehrers an der Tafel lautet: "Birinci dersi bugün veriyoruz, kolayca ögrenebilirsiniz"
['Die erste Lektion geben wir heute, Sie können sehr leicht (selbst) lernen') .
Die türkische Wende im Schriftgebrauch 203

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lSeythat:ihavtiyeslni IkbUsal mücädelesinde
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Abb. 5: Ausschnitt aus der Tageszeitung Cumhüriyef mit Artikelüberschriften in dem neuen türkischen Alphabet
(aus: Yazr Devrimi - Beigeier 1978: 1)
Die linke Spalte enthält einen Bericht über die Bemühungen um die Durchsetzung der Schriftreform, dessen
Haupttext allerdings selbst noch im traditionellen arabisch·osmanischen Alphabet gesetzt ist. Die Überschrift in
lateinischen Buchstaben lautet "Yeni Harflerimiz - Memleketin her tarafmda büyük bir faaliyet-le ~ah ~ [lryor"
['Unsere neue Buchstaben - Überall im ganzen Land wird mit großem Eifer gearbeitet') .
204 Özgür Sava~1

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Abb, 6: Hicret I' Auswanderung" (der arabischen Buchstaben), Karikatur vo n Ccmal Nadir' in aus dem Jahr 1928
(aus: ,'au De,'r iml - B/'Igtler 1978: S)

Abb, 7: Schreibwarengesc h:\f\ in Istanbul (aus: Flclmning 1981: 157)


Das Ladenschild in lateinischcr Schrift zeigt noch die ursprtlngliehe, splltcr zugu nstCIl der unet)'llIologischen
Orthographie melclep aufgegebene Schreibung des Sl.1IlIl1Ies melchteb mit Iih und b,
Die tiirkisdle Wende im Scluiftgoorauch ,,,
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(b) Li/tin harflerin; kilbul edince:


u>lin harfl~rini kahl tdu:t1t, o/ur$(lk ktloplannll' gazd.l.rimi. na!ll inri""rtdtetk7 IrmJldt" I~mf s6yl~/im ki: Mt.Jt1d
RUI",/i Gaul.'/lin mQ",Itr«4I' .JI<I'ni Mldz ;J(Jhiftl.k.Jl<lZ' inl'" liu"'ftill}~a la", (»I ild sahift .JI<I'ni bir bN(IJt ",;sli)'W lulO-
r:okd,r, /41t !i:e bir misdU:
Latin hJlTQjati)'Je biT fikir:

Ullsqin Ci!tid Bey v.: emsAli 'UvAhn flmI .:uikltri Lalin lIurilfah bixim 1.lInrumlZ8 gOre )'87J)'Ikolayl~ImaI: ~)'Ie dumm
biJalds pck IUhafbir SllrCUe zorhl.Jlmlcakhr. Lalin hunlfBuyle gll:rellisammll'.daI:I inet Ahenij.i hem bozm~ hcm de li$BIUmlZl
kOII~nni~ olu~ I~ Resimli Qaute'nim tikri bundan ibardtir.

A)'nlfikrin tlirkfe hJlrlijally ürclimes;:


!lIiUryin CdlJid B.y . ,. ' (entsprichI dem vorlo:ülcn Absatz)

(c) WemJ wir (/ie lateinischen BucJJstlJben annehmen


Wie ..",rdm ""St,... HUch"r u,td üllw"gtll alUSth~.. , _"" wir die laltillischtn BlIClislOlJUI a .....ltn..'n7 C;/~;ch mOchltrl wir fol-
g.,tdufullu.ltm: Der fnJuJlr dtr Ruimli GoUI<:, cku heißr d.r UmfallS!.""" achl S.ilm, winl ",il dtrl lat.,,,isch.,. HuchstalJm
gena" z....:JIfS.ilt1I, JM hdßr da.. Ei..tilllralbfa.:he ~/rogtJI, Hilf tin BtI!pltl ftJt Sie;
Ein Gedanke in lateinischen IJuchstaben:
Dit IalCUliSl:hen BucMlBben, wie sie VOll IIClTIllIllsqin CAhid und !lelncsgleicben se"..Qn~hl ....'CI'dcn. werden nach WlKtcf
luuicht dit Schrift nichl erleicht~m. im Gegenleil auf eine sondcrbeR Wcisc cnchwcren Wir ""erden dadurcl! [de.s beißt durch
diese 1U:ue!1. ßocl\$I.Bben[ sowohl den feinen Wohlklang unscm- Sp!1IChe Zl'fS!!)ren wie auch sie !leIb$! verl:llmmcm lassen

Derselbe Gedanke in OberSt!lvm8",iJ tlJrkischen IJJlchstaben;


!Di~ fmeiniJcht" Budl.Jl"~" , (cl1tspnchl dem vorl.:~ Absatz)

Abb. 8: Argumenle gegen die Wlinisierung alls der Zeil \'or der Schriflreform; (a) bilhernler Zcitungsanikel aus der
RI).~lnJiIi G(/ltIC ['Bild7.eilung'l \'om 8, M:ln; 1924 in arnbisch-osmanischer sowie in lateinischer Schrift mil
deutlicher Orientientng an den onhographischen Konvenlionen des Franz6sischen: Oll stall U, U Slall 0, eh stall
f USW, (aus: Beige 1983: 259 1), (b) Übenrngung in moderne lürkische Onhogrnphie und (c) Übersetzung
206 Özgür Sava~91

Abb. 9: Schaufenster einer Schreibwarenhandlung in Beyoglu (peraJIstanbul) unmittelbar nach der Schriftreform
(aus: Ak~ura 1996: 11)
Auf dem Schild im Schaufenster steht: 'Kontinental. Neue türkische Sclueibmaschinen eingetroffen.'

Abb. 10: Schreibmaschineminterricht im Handelsgymnasium von Ankara (aus: Akr;;ura 1996: 11)
,
Die türkische Wende im Schringebra~h 207

1930
.sürat ku-alit;esi
TtUki.ftI. "i,;,i,.j{I.'- S......i ....... Abt!. 11: Zcilußg.'ia nnonoe zunllandcswei lcn Schreibmaschi ncn-
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y-, .... ~ < ............... ~ .... . wettbewerb des lahres 19JO(aus: Ak~ra 1996: 11)
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