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Al bers-Schön berg

Die Röntgentechnik ·
Handbuch für Ärzte und Studierende

Vierte Auflage

bearbeitet von

Prof. Dr. Walter, Prof. Dr. Albers-Schönberg, Zahnarzt Hauptmeyer,


Oberstabsarzt a. D. Dr. Drüner, Dr. F. M. Oroedet

Mit 342 Abbildungen im Text, 17 Tafeln und einem Situationsplan

Hamburg
Lu cas O r ä fe & Sillem
(Edmund Sillem)
1913
700 30. Kapitel.

Kombinierte Serienbilder ut~willkürlicher Organbewegungen. scharfer


minot
Kom t,inierte UnverhältnismäBig schwieriger war natürlich in jener Zeit, da wir
.Appan
unSerienbilrler
willkü rli ch er noch. ntc• h t d'te ]\lf'
.•.u t t e1 unc1 W ege zur R"'. on t geurnomentau f naI1me getun
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Organ· batten, das Studium resp. die Darstellung der meist sehr schnell vor
hewP g uo :;ten . I1 ge h en d en unw1'Jll{Ül' ]'te Jten Ü rgan bew-egungen.
selbe A
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Die ersten V ersuche in dieser Richtung wurden an Tieren au sgefiihrt.
den Be~
Schon 1897 studierten Roux nnd Balthazard die Bewegungsvorgänge
h alten '
am Verdauungskanal des Frosches, mittels einer Methode, die Carva.lho
durch E
seit 1900 fortsetzte und als "Methode Radiochronophotographique" 1910
zelnen ]
im zweiten Band der "Travaux de l'Institut Marey" veröffentlichte.
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Er benutr.t ein en dem gewöhnlich en Kinemlltogrnphenprinzip na clt-
bilder l;
gebildeten Tran sportapparat für den Filrn. L ctr. terer ist 6 cm breit und
werden .
mit Ausnahrne eines 6X6 cm gro/3en Belichtnngsfenstcrs allseitig dnrch
Weise !
Bleiabdeckung gegen Röntgenlicht geschiitzt. Auf das Belichtung.<;fenster
dann
fällt das Schattenbild des clarunter sitr.enden Frosches, nnter dem wil'cler
zeiten 2
di e Höntgenröhre a ngebra.cht ist. Der Filmtransportapparat; ist mit einem
U nt erbrecb er gekuppelt., so da/3 also die Röhre nur bei ruhig stehendem
Film aufleuchtet. Anf di ese vV eise lassen si eh bi s zu 5 Aufnahmen des
Froschrs in d er Selmnde eneichen. A ndet·erseits ist noch ein besonderer
Schaltapparat angebracht, der automatisch auch ,i n gröBeren Pausen von
20 Sekunden bis zu einer Stunde selbsttätig B eli chtung und Bildwechsel
ansfiihrt.
Wohl !l]s ein er rler er st en h!lt E i:jkm!ln auc h hei Bewrgnngs:J nf-
nahm en men sch li ch er Org nn e durch ein ing eniöse" V erfal1r en Erfolg e
r.eitigen können. Au f dem 1J. International en K ongTe6 fUr medizini sche
Elektrologie und R.arliologic (A msterdam 1908) schilderte er ansfiihrlich
se in e bis zum Jaln·e 1901 zuriickreichenden diesbezüglichen Arbeiten,
die inr.wischen auch schon an verschiedenen Stellen publiziert worden
waren (Ref. s. z. B. Fortschritte, B el. V, S. 34 7).
U m di e heim Schlingakt vor s ich gebende Bewegung d er Hals-
organc gen au festwstellcn, ztt analysieren, g ing Ei j km an fol gend er-
maBen vor. Der Kopf des Pa tienten wircl durch ein e Kinn- und eine
N ackenstiitze rultig gestellt. Ein Plattenhalter fixiert die Platte auf der
einen Halsseite, ein Röhrenhalter die Röhre auf d er anderen Seite. Ein
Hebel winl vot· . dem Adamsapfel derart befestigt, daG er dessen Be-
mat.:: -
wcg unge n folge u mu/3. Dureli eine vot· dern Hebel befindli che versteli -
bare Kontaktvorrichtung wird ein Helais in Tätig keit versetzt, das den
Primärstrom des lucluktors unterbricht. Da k ein sonstiger Unterbrecher
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am . Röntgenapparat angebracht ist, gesebiebt die Aufnahme also mit
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einem einr.igen Öffnungsinduktionssto6. Selbst\'erständlich reichte bei den
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älteren Instrum entari en des Jahres 1901 ein einziges Aufleuchten d er di .
Röhrc nicht zur Bilderzeugung aus. Eij km an mu.Bte dab er bei seinen L ici:---
V ersuchen 130 mal schlucken lassen resp. exponieren, urn das Bild einer
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bestimmten Schluckphase zu erhalten.
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Übrigens waren auch andere Forseher schon friiher auf ähnlichern
W ege. Es sei in dieser Beziehung besanders auf zwei PuLlikationen
hingewiesen. Co w 1 beschrieb im zweiten Band der Fortsc!tritte auf dem
Gebiete der Röntgen ~ t'l'alde u (S. 169) . ein e Methode zur Gewinnun g
Die Teelmik der Röntgenkin emat og raphi e. 701

scharfer Bilder des Thoraxinhaltes während der Atmuug" uud G uill e -


minot berichtete im August 1898 in den Comptes rendus ilber eineu
"Apparat zur H erstellung von Röntgenbildern des Thorax sowohl iu
lnspirations- als auch in Exspirationsstellung ". Weiterhin beschrieb der-
selbe Autor 1899 im Archiv d'électr. méd. exper. et clinique (Nr. 84)
unter dem Titel .Cinématographie du crour", ein Verfahren, urn von
. den Bewegungen der einzelnen Herzabschnitte Augeublicksbilder zu er-
halten, die sich kinematographisch vereinigen lassen, während gleichzeitig
clurch eine entsprechencl aufgenomm ene SpitzenstoBkurve, die den ein-
zelnen Bildern entsprechend e Herzphase bestimmt werden sollte.
Ein bedentender Fortschritt in der Teehuik der kombinierten R eihen-
bilder konnte erst mit dem Ausbau der Momentröntgenographie erreicht
werden. Besouders Rieder und Rosenthal batten sich in intensiver
Weise mit der letzteren Frage befalk Groedel und Horn zeigten
dann 1908 die Richtlinien, die zur Erzielung relativ kurzer Expositions-
zeiten zu befolgen sind. Seitdem setzte ein vollkommener Urnschwung
im röntgenÓgraphischen Verfahl·en ein und eine rapiele vVeiterentwicklung
auf dern gen au vorgezeiclmeten vV ege.
Von der Expositionszeit von etwa 1 / 10 Sekunde filr die Aufnahme
eines Thoraxbildes gelangten wir sehr schnell .zur Idealmomentaufn'ahme,
zu der Einschlagaufnahme. Noch befindet sich die Momentröntgeno-
graphie im Stadium ständiger vV eiterentwicklung, so daB täglich bessere
.Leistungen erwartet werden diirfen. Aber schon heute liefern die gröBeren
Apparate aller Firmen fiir die Praxis ausreichend kurze Momentauf-
nahmen, der Blitzapparat der Veifawerke und der Unipulsapparat der
Reiniger, Gebhert & S chall-Gesellschaft auch den Ansprüchen des
wissenschaftlichen Experimentes genügende Resultate.
Als einer der ersten machte sich Eijkm a n diese Fortschritte zu
N utzen. Auf der 81. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte
in Salzburg (1909) demonstrierte er synthetischerhaltene kinematographische
Bilder der Herzbewegung, die auf ähnliche Weise wie diejenigen des
Schluckaktes gewonnen worden waren. Die einzelnen Expositionen waren
hi er dm·ch einen Sphygmographen au sgelöst worden, der wiederurn mit
einer verstelibaren Kontaktfläch e kombiniert war. Da die Bilder stets
bei tiefster In spiration aufgenommen waren, k~nnten sie zu einem kine-
matographischen Film vereint werden. .
Andere Autoren bezweekten in ähnlicher Weise vorgehend meLr die
Phasenbestimmung der Herzbewegung für die einzelne Aufnahme, so
unter anderen Stuertz 1) und Koranji und Elische r 2) , Auch die von
A. Weber áuf dem 27. Kongrefi für innere Medizin in Wiesbaden 1910
geschilderte Methode basierte auf derselb en Grundlage. Web er benutzte
die photographische Pulschreibung. Er lieB das dm·ch den Puls bewegte
Lichtband auf eine Selenzelle fall en, so daE ein entsprechend eingestelltes
Relais den Röntgenapparat in einem vorher zu bestimmenden Moment
einschaltet.
Noch zu erwähnen sind die zahlreichen Arbeiten Scheier s, der

1
) Deutsche med. W ocheuschr. 1911.
2
) Zeitscbr. f. Röutgenkunde, Bd. XII und Zeitscbr. f . kliu . Med. 1911.