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Gerald Mertens

Orchester, Rundfunkensembles und


Opernchöre

Die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft


ist in ihrer Dichte und Vielfalt weltweit nach wie »» Mehr aus dem Infoangebot des MIZ:
vor einzigartig. Und wenn Deutschland auch in
anderen­Bereichen, z. B. bei einzelnen Forschungs- Themenportal Konzerte &
und Wissen­ schafts­zweigen oder auf dem Gebiet Musiktheater mit ausführlichen
der Bildungs­ politik­längst ursprünglich vorhandene Informationen zur Strukturen
Führungs­positionen verloren haben mag – das Bild der und aktuellen Entwicklungen der
„Kulturnation“ Deutschland ist im Verständnis des Orchester- und Musiktheaterland-
Auslands immer noch stark ausgeprägt. schaft, zu Verbänden, Zeitschrif-
ten, Dokumenten, Nachrichten,
»» Historischer Abriss Links und Literaturempfehlungen

Als ältestes deutsches Orchester gilt das Orchester Institutionen:


des heutigen Hessischen Staatstheaters Kassel, ge- >> Rundfunkorchester
gründet durch Landgraf Wilhelm II. im Jahr 1502 durch >> Konzertorchester
die Aufnahme eines gewissen Henschel Deythinger­ >> Theaterorchester und Konzert-
als „trumpter” in die Kasseler Hofmusik. Dieser orchester mit Theaterdiensten
Trompeter und weitere acht Bläser bildeten mit der >> Kammerorchester
Kasseler­Hofkapelle eines der ersten selbstständigen­
Instrumentalensembles unter einem gemeinsa- Topografische Darstellung zu
men Leiter und schufen damit die Grundlage für die Strukturen und historischen
Heraus­bildung der Kulturinstitution „Orchester“. Die Entwicklungen der öffentlich
ersten Wurzeln der deutschen und europäischen finanzierten Orchester
Kapell- und Orchesterkultur reichen sogar noch in
das 14. Jahrhundert zurück. Namhafte Traditions­ Statistiken zu Kennzahlen,
orchester wie z. B. die Sächsische­Staatskapelle wie z. B. zu Veranstaltungen,
Dresden,­die Staatskapelle Weimar oder die Mecklen­ ­Besuchern, Personal- und Finanz-
burgische Staatskapelle­Schwerin entstanden im strukturen öffentlich finanzierter
16. Jahrhundert,­weitere an den deutschen Fürsten­ Orchester
höfen im 17. und 18. Jahrhundert. Auf die höfischen
und kirchlichen ­Ensemblegründungen folgte im 19. und 20. Jahrhundert die Entwicklung einer bürgerlichen
Orchesterkultur.­Seit den 1920er Jahren und in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Rundfunk­
ensembles und weitere kommunale und staatliche Orchester in Ost- und Westdeutschland hinzu.

»» Überblick

Die professionelle, öffentlich finanzierte Orchesterlandschaft Deutschlands mit gegenwärtig 129


Klangkörpern­beruht im Wesentlichen auf vier Säulen: Da sind zum einen die 81 Theaterorchester, die
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Orchester, Rundfunkensembles und Opernchöre» 02

­ berwiegend die Sparten Oper, Operette, Musical der Stadt- und Staatstheater bedienen. Das Spektrum
ü
reicht von den großen, international renommierten Opernhäusern in Berlin, Hamburg, Stuttgart oder
München­bis hin zu den kleinen Bühnen in Lüneburg, Annaberg-Buchholz oder Hildesheim. Darunter befin-
den sich auch Orchester, die als „Konzertorchester mit Theaterdiensten“ fungieren, bei denen aber der The-
aterdienst überwiegt. Die zweite Säule bilden 29 Konzertorchester (darunter ein ziviles Blasorchester), die
ganz überwiegend oder ausschließlich im Konzertsaal tätig sind. Die Spitzenposition nehmen hier unbe-
stritten die Berliner Philharmoniker ein, gefolgt von vielen weiteren international bedeutenden Orchestern,­
den Münchner Philharmonikern, den Bamberger Symphonikern, dem Konzerthausorchester in Berlin und
dem ­Gewandhausorchester in Leipzig, um nur einige der größten zu benennen. Die dritte Säule bilden acht
Kammerorchester, die mit öffentlichen Mitteln finanziert werden und die in der Regel ohne eigene Bläser­
besetzung als reine Streichorchester ganzjährig arbeiten, wie z. B. das Stuttgarter Kammerorchester, das
Württembergische Kammerorchester Heilbronn oder das Münchner Kammerorchester. Die vierte Säule
schließlich besteht aus den Rundfunkklangkörpern der ARD-Anstalten und der Rundfunk Orchester und
Chöre GmbH (ROC) Berlin: Elf Rundfunk- und Rundfunk-Sinfonieorchester, vier Big Bands und sieben Rund-
funkchöre sind unverändert­ein Standbein für hochwertige Musikproduktion, ambitionierte Programm­
politik und Förderung der zeitgenössischen Musik in Deutschland. Die Zahl der Rundfunk-Sinfonie­orchester
ist zum September 2016 durch die Fusion der SWR-Orchester aus Freiburg/Baden-Baden und Stuttgart zum
SWR Symphonieorchester am Standort Stuttgart weiter zurückgegangen.

Als sogenannte Kulturorchester werden seit den 1930er Jahren sprachlich im Allgemeinen alle vorgenannten­
Konzert-, Rundfunk- und Theaterorchester bezeichnet, da sie – so die etwas angestaubte tarifvertragliche
Definition – „überwiegend ernst zu wertende Musik“ spielen. (1) Es handelt sich bei dem Wort „Kultur­
orchester“ heute nur noch um einen rein juristischen Funktionsbegriff, der auch so in Gesetzestexten und
Tarifverträgen verwendet wird, um bestimmte Berufsorchester von anderen professionellen Ensembles­
abzugrenzen. Das entscheidende Kriterium ist, dass diese Orchester alle überwiegend öffentlich (aus
Steuer­mitteln oder Rundfunkgebühren) finanziert werden, mit einem festen Personalbestand ganzjährig
tätig sind und keine reine Unterhaltungs- oder Marschmusik spielen.

Hinzuweisen ist auf weitere professionelle Orchester, Kammerorchester und Ensembles, die entweder
(meist als GbR oder GmbH) mit einem Stamm selbstständiger Musiker*innen oder teilweise mit stärkerer
öffentlicher Finanzierung auch mit fest angestellten Mitgliedern arbeiten. Hierzu zählen beispielsweise
das Ensemble Modern in Frankfurt, die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, das Bayerische Kammer­
orchester Bad Brückenau, Concerto Köln oder das Freiburger Barockorchester sowie auch (Projekt-)Orchester,­
die ohne oder überwiegend ohne öffentliche Finanzierung arbeiten, z. B. die Philharmonie Merck, die 2017
gegründeten Würth Philharmoniker oder das Jewish Chamber ­Orchestra ­Munich.

Professionelle Orchester bestehen auch in den Bereichen von Polizei, Bundespolizei und Bundeswehr,
sind aber überwiegend als Blasorchester- und Big-Band-Formationen tätig. Einzelne, immer wieder neu
zusammengestellte Orchesterformationen spielen auf Produktionsdauer im Bereich der kommerziellen
Musicalunternehmen vorwiegend in Hamburg, Berlin und Stuttgart. Die Zahl der Kurorchester schließ-
lich, die bis in die 1970er Jahre immer eine wichtige Durchgangsstation für Musikstudent*innen und junge
Berufsmusiker*innen waren, ist auf eine kaum noch wahrnehmbare Zahl zurückgegangen. Aus Kostengrün-
den engagieren viele Kurbäder kleine Formationen – vorwiegend aus Osteuropa – nur noch für eine Saison.

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Orchester, Rundfunkensembles und Opernchöre» 03

»» Tarifregelungen, Eingruppierung in Vergütungsgruppen und Orchestergrößen

Der „Tarifvertrag für Musiker in Kulturorchestern“ (TVK) regelt die Arbeitsbedingungen und die Vergütung­
der Mitglieder in den öffentlich finanzierten Orchestern und findet flächendeckend für die meisten
Theater­orchester sowie einzelne Konzertorchester Anwendung. Diese Flächentarifsituation für Orchester
ist ­weltweit einzigartig. Der TVK stammt ursprünglich aus dem Jahr 1971 und wurde zuletzt 2009 neu abge-
schlossen. Für die Rundfunkensembles gelten in der Regel die besonderen Tarifbestimmungen der einzelnen
öffentlich-­rechtlichen Rundfunkanstalten. Viele Konzertorchester haben individuelle Einzeltarifverträge mit
­Bezug­nahme auf den TVK, die jedoch örtliche Besonderheiten berücksichtigen und häufig Spezialregelungen­
für Konzert­reisen enthalten. Sechs der acht Kammerorchester und wenige weitere Konzert­orchester haben
keinen Tarifvertrag; dort sind die Lohn- und Arbeitsbedingungen meist in einzelnen Arbeitsverträgen der
Musiker festgelegt.

Im TVK-Bereich, also bei den kommunalen und staatlichen Orchestern, ist hinsichtlich der Vergütung
und des „Rankings“ zu differenzieren: Während die Theaterorchester nach den jeweils ausgewiesenen
Planstellen­zahlen (sogenanntes „Kopfstärkeschema“) in Vergütungsgruppen eingeordnet werden, ­erfolgt
für die Konzertorchester eine Eingruppierung bzw. Vergütungsfestlegung durch einen gesonderten
Einstufungs­tarifvertrag („Konzertorchester-Tarifvertrag“) oder in einem individuellen Haustarifvertrag
(z. B. für die ­Berliner und Münchner Philharmoniker, das Gewandhausorchester Leipzig oder das Bayerische­
Staatsorchester München). Die grundsätzliche Orientierung erfolgt allerdings auch bei den meisten
Konzert­orchestern an den Vergütungsgruppen der Theaterorchester.

Tarifparteien für die Rundfunkensembles sind die jeweiligen Rundfunkanstalten und die Deutsche
­Orchestervereinigung (DOV) als Gewerkschaft und Berufsverband der Orchestermusiker und Rundfunk-
chorsänger. Der TVK, ergänzende Flächentarifverträge sowie Haustarifverträge für die kommunalen
und staatlichen Orchester werden von der DOV in der Regel mit dem Deutschen Bühnenverein (DBV) als
­Arbeitgeberverband abgeschlossen, soweit der Orchesterträger dort Mitglied ist. Ist der Arbeitgeber nicht
Mitglied im DBV, erfolgt der Tarifabschluss unmittelbar mit der DOV. Vereinzelt gibt es auch Fälle, in denen­
der Arbeitgeber trotz Mitgliedschaft im DBV einen Sondertarifvertrag mit der DOV abgeschlossen hat
(Sächsische Staatskapelle Dresden, Dresdner Philharmonie, Gewandhausorchester, Münchner Philharmo-
niker, Bayerisches Staatsorchester).

Die Theaterorchester werden nach ihrer Besetzung und Planstellenzahl in die Vergütungsgruppen A bis D
eingeordnet. Theaterorchester, die nicht über mindestens 56 Planstellen verfügen, gehören der nied-
rigsten Vergütungsgruppe D an. Zwischen 56 bis 65 Planstellen gilt die Vergütungsgruppe C, ab 66 die
Vergütungs­gruppe B, ab 78 die Vergütungsgruppe B/F (F steht für „Fußnote“, da die gezahlte Vergütungs-
zulage in einer Fußnote der Vergütungstabelle geregelt ist). Ab 99 Planstellen erfolgt die Einstufung in
die ­Vergütungsgruppe A. Zwischen 99 und 129 Planstellen kann wiederum eine der Höhe nach variable
Fußnoten­zulage gezahlt werden (Vergütungsgruppe A/F2), ab 130 Planstellen ist zwingend eine Fußnoten­
zulage (Vergütungsgruppe A/F1) zu zahlen. Dies ist die oberste normale tarifliche Vergütungsgruppe.
­Insgesamt gibt es also sieben tarifliche Vergütungsgruppen. Entscheidend für die Eingruppierung ist nicht
die Zahl der tatsächlich besetzten, sondern der im Haushalts- und Stellenplan ausgewiesenen Planstellen.
Daher gibt es einige Orchester, die z. B. etwas weniger als 99 Musiker beschäftigen, dennoch aber in die
Vergütungsgruppe A eingestuft sind. Teilweise wurde die Einstufung in eine höhere Vergütungsgruppe
auch einseitig vom Rechtsträger durch Hoheitsakt vorgenommen. Die Eingruppierung der Theaterorchester­
nach bloßer Kopfstärke und nicht nach künstlerischer Leistungsfähigkeit ist seit Jahrzehnten nicht ganz un-
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umstritten. Das argumentative Gegenbeispiel bilden die sechs westdeutschen Kammerorchester, die – ob-
wohl nur 14 bis 21 Musiker stark – grundsätzlich eine Vergütung nach Vergütungsgruppe A zahlen.

An der Spitze der deutschen Orchester im Vergütungsbereich stehen die Berliner Philharmoniker, gefolgt
vom Bayerischen Staatsorchester, der Staatskapelle Berlin und den großen Rundfunk-Sinfonieorchestern in
München, Köln, Stuttgart und Hamburg. Auf der zweiten Stufe – meist noch oberhalb der Vergütungsgrup-
pe A/F1 – folgen Orchester wie das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, die Münchner Philhar­moniker,
das Gewandhausorchester in Leipzig, die Sächsische Staatskapelle Dresden, die Dresdner Philharmonie,­
die Bamberger Symphoniker, das Philharmonische Staatsorchester Hamburg, das Gürzenich-Orchester
Köln sowie­weitere Rundfunksinfonie- und Rundfunkorchester. Die weiteren kommunalen und staatlichen
Opern- und Konzertorchester verteilen sich sodann auf die angesprochenen TVK-Vergütungsgruppen,
­wobei es auch durchaus Orchester gibt, die vereinzelt unterhalb der Vergütungsgruppe D bezahlt werden.

Als Vergleichsmaßstab für die Vergütungsgruppen der TVK-Orchester kann in etwa Folgendes gelten: Die
Vergütung eines Mitglieds in einem B-Orchester entspricht in etwa der einer nicht verbeamteten Grund-
schullehrkraft, in einem A-Orchester der einer Gymnasiallehrkraft und in einem A/F1-Orchester ungefähr
der Professorenvergütung an einer Musikhochschule, wobei sich die Relationen in den vergangenen Jahren
zu Ungunsten der Orchester verschoben haben. Die Musiker*innen sind in der Regel in einem unbefristeten,­
aber kündbaren Angestelltenverhältnis, nicht als Beamte beschäftigt. Beamtete gibt es teilweise noch bei
den Orchestern von Polizei und Bundespolizei, wobei auch hier Neueinstellungen seit einigen Jahren in der
Regel nur noch im Angestelltenverhältnis erfolgen.

Die Zahl weiblicher Orchestermitglieder in den Orchestern ist seit den 1960er Jahren stetig gestiegen und
wächst weiter. In der Altersgruppe zwischen 25 bis 45 Jahren sind bereits über 50 Prozent der Orchester-
mitglieder Frauen. Dirigentinnen sind dagegen nach wie vor in der absoluten Minderzahl, vor allem auf
Chefpositionen. Dieser Zustand wird sich erst langsam verändern.

»» Strukturveränderungen – Auflösungen, Fusionen, Rechtsformänderungen

Seit den 1990er Jahren unterliegt die Orchesterlandschaft einem starken strukturellen Wandel. Stieg im
Jahr 1990 in Folge der Wiedervereinigung beider Teile Deutschlands die Zahl der Theater und Orches-
ter zunächst stark an, so setzte alsbald eine Anpassungs- und Konsolidierungswelle ein, in deren Verlauf
vorrangig­in den neuen Bundesländern etliche Einrichtungen aus finanziellen Gründen – insbesondere
im ­Hinblick auf die befristete Übergangsfinanzierung des Bundes – miteinander fusioniert, verkleinert
oder ganz aufgelöst wurden. Dies betraf im Orchesterbereich nicht etwa nur kleine Orchester in einigen
ländlichen G­ ebieten oder an den Schauspielbühnen im Ostteil Berlins, sondern auch größere Orchester in
ehemaligen Bezirkshauptstädten wie u. a. Schwerin, Erfurt, Potsdam oder Suhl sowie einzelne Rundfunk-
klangkörper des ­ehemaligen DDR-Rundfunks in Berlin und Leipzig. Die Karte der Orchesterstandorte (vgl.
Abbildung 1) zeigt, wie die Orchesterlandschaft 1990 nach der deutschen Wiedervereinigung aussah und
wie sie sich seitdem vor allem durch Fusionen und Auflösungen verändert hat.

Parallel zu der besonderen Entwicklung in den neuen Bundesländern kam es allerdings auch in den alten­
Bundesländern – schwerpunktmäßig in Nordrhein-Westfalen – zu gravierenden Strukturanpassungen,
­angefangen von der Auflösung des Musiktheaters in Oberhausen im Jahr 1992 über die Insolvenz der
­Philharmonia Hungarica (Marl) im Jahr 2001 und der Abwicklung und Insolvenz der Berliner Symphoniker­im
Jahr 2004, die seitdem nur noch als Projektorchester arbeiten. Bei der ersten gesamtdeutschen Erfassung
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Orchester, Rundfunkensembles und Opernchöre» 05

im Jahr 1992 gab es noch 168 öffentlich finanzierte Konzert-, Theater-, Kammer- und Rundfunk­orchester;
39 Ensembles wurden seitdem aufgelöst oder fusioniert. Zuletzt wurden mit Beginn der Spielzeit 2017/18
die Landeskapelle Eisenach und die Thüringen Philharmonie Gotha fusioniert. Ein Jahr länger zurück liegt
bereits die Fusion der beiden SWR-Orchester im Sommer 2016, mit der eine sozialverträgliche, auf mehrere­
Jahre angelegte Reduzierung der Musikerzahl von rund 200 auf 119 Beschäftigte im Zielstellenplan ver-
bunden ist. Vor allem diese Orchesterfusion war künstlerisch und kulturpolitisch höchst umstritten, da
sich gerade das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg seit Jahrzehnten konsequent der zeit­
genössischen Musik gewidmet hat.

Abbildung 1

Öffentlich finanzierte Orchester


Strukturelle Entwicklungen seit 1990

Quellen: Deutsche Orchestervereinigung,


Deutsches Musikinformationszentrum,
Datenstand: März 2018
BERLIN
Schleswig-Holsteinisches 1 Orchester der Komischen Oper Berlin
Sinfonieorchester, 2 Orchester des Metropol-Theaters, Berlin (1997)
Flensburg 3 Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
4 Orchester des Theaters des Westens, Berlin (2001)
RUHRGEBIET Philharmonisches Orchester 5 Konzerthausorchester Berlin
17 Philharmonia Hungarica, Marl (2001) Philharmonisches Stralsund Vorpommern (1994) 6 Berliner Philharmoniker
18 Bochumer Symphoniker Orchester Kiel
Philharmonisches 7 Berliner Symphoniker (2004)*
19 Essener Philharmoniker Orchester der Greifswald
20 Niederrheinische Sinfoniker - Orchester des Hansestadt Lübeck Norddeutsche MITTELDEUTSCHLAND
Theaters Krefeld Mönchengladbach (1950) NDR Elbphil- Philharmonie Rostock 8 Telemann Kammerorchester Michaelstein,
Philharmonisches harmonie Orchester, Blankenburg (2000)
Orchester Hamburg Neubrandenburger
Bremerhaven Philharmonie 9 Orchester der Landesbühnen Sachsen-Anhalt,
Mecklenburgische Eisleben (1992)
Philharmo- Staatskapelle Schwerin
nisches Staats- 10 Orchester der Musikalischen Komödie, Leipzig
Symphoniker orchester 11 MDR Sinfonieorchester, Leipzig (1992)
Hamburg – Philharmonisches
Hamburg Landesorchester Preußisches 12 Leipziger Symphonieorchester
Laeiszhalle Orchester
Mecklenburg-Schweriner Orchester des Landes- Kammerorchester, 13 Sächsische Bläserphilharmonie, Bad Lausick
Philharmonie (1992) theaters Mecklenburg, Prenzlau 14 Philharmonisches Orchester Altenburg-Gera (2000)
Bremer Lüneburger Neustrelitz (1994)
Philharmoniker Symphoniker 15 Elbland Philharmonie Sachsen, Riesa (1993/2012)
Oldenburgisches 16 Mitteldeutsche Kammerphilharmonie, Schönebeck
Staatsorchester Konzertorchester Orchester Orchester der
Salzwedel (1992) des Theaters Deutsches Deutschen Oper Berlin
der Altmark, Filmorchester
Niedersächsisches Stendal (1994) Staatskapelle Berlin
Staatsorchester Babelsberg, 1
NDR Radiophilharmonie, Hannover Staatsorchester Potsdam 2 4
5 Rundfunkorchester Berlin (1992)
Hannover Braunschweig Brandenburger Sym-
3
7 Brandenburgisches
ORCHESTER
Osnabrücker Nordwestdeutsche 6
Orchester d. phoniker, Branden- Deutsches Staatsorchester
Symphonieorchester Philharmonie,
Nordharzer burg an der Havel Brandenburgische Symphonie- Frankfurt, Frankfurt (Oder) Rundfunkorchester
Herford
Sinfonieorchester Städtebund- Philharmonie, Orchester Berlin
Münster
TfN · Philharmonie,
Hildesheim
theaters, Anhaltische Potsdam (2000) Konzertorchester
Halberstadt Philharmonie Brandenburgisches
Philharmon. (1994) 16 Orchester des Mittel- Konzertorchester,
Neue Philharmonie Westfalen -
Bielefelder
Dessau
dt. Landestheaters Cottbus (1991) Theaterorchester sowie
Landesorchester NRW (1996) Kammerorchester Magdeburgische
Philharmoniker Symphonisches Wernigerode Philharmonie Wittenberg (2002) Philharmonisches Konzertorchester mit Theater-
Städtisches Orchester Orchester des Staats-
Oberhausen (1992) Gel. 17 Recklinghausen
Orchester des Landes- Loh-Orchester 8 Staatskapelle Halle Orchester der
theaters Cottbus
diensten
theaters Detmold Gewand-
Duisburger Sondershausen Nord- (Saale) (2006) hausorchester, Neuen Bühne Südbrandenburger Orchester,
Philharmoniker
Göttinger
Dortmunder Philharmoniker Symphonie (1991) hausen Leipzig Orchester
Senftenberg
Senftenberg (1996) Kammerorchester
18 9 (1993)
Krefeld 19 Orchester des Stadt- Sorbisches
20
philharmonisches
Sonders- 10 theaters Dresdner Kammerorchester, aufgelöstes Orchester
orchester hagen
Sinfonieorchester Wuppertal Staats- Eichsfelder hausen Orchester d.
Staats- Theaters
11 Döbeln 15 Philharmonie Bautzen Neue Lausitzer (seit 1990)
Mönchengl. 12 (1992) Philharmonie, rot beschriftet, Jahr der Auflösung
Rem. orchester Kulturorchester kapelle Sächs. Görlitz (1996)
Sol. Heiligenstadt (1993) Zeitz 13 in Klammern
Düsseldf. Symphoniker Berg. Sympho- Kassel Weimar (2003) Staatskapelle Dresden
Gürzenich- niker (1995) Philharmonie Altenbg.
Südwestfalen, Thüringen Philharmonie 14 Orchester der Staatsoperette Dresden
Orchester WDR Sinfonie- Hilchenbach Gotha-Eisenach (2017)
Gera Mittelsächsische Philharmonie, Freiberg (1993) Fusionsorchester
Köln orchester Köln Concertorchester kursiv beschriftet, Jahr der Fusion
Philharmon. Ru. Jenaer Staatliches Orchester Sachsen, Chemnitz (1993)
WDR Beethoven Bad Salzungen (1992) Orchester in Klammern
Sinfonie- Orchester Bonn Philhar- Robert-Schumann-Philharmonie, Chemnitz
Erfurt
orchester Funkhaus- Philharmonisches Saalf. monie Greiz Zwi. Erzgebirgische Philharmonie
Aachen orchester Orchester Gießen Meininger
Hofkapelle Thüringer
Rei. Aue, Annaberg-Buchholz (1998) Orchester mit mehreren
Köln Pl.
Staatsorchester hr-Sinfonieorchester, Thüringen Symphoniker Philharmonisches Orchester des Theaters Plauen-Zwickau (2000) Standorten
Hessisches Frankfurt a.M. Philharmonie Saalfeld- Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach (1992) Für Orchester mit mehreren Stand-
Rheinische Philharmonie,
Koblenz Staatsorchester Frankfurter Opern- und Suhl Rudolstadt orten ist an jedem Standort die
Wiesbaden Museumsorchester (1997) (1992) Hofer Chursächsische Philharmonie Gesamtzahl der Planstellen aus-
Rundfunkorchester des Philharmonisches Orchester Sym- Bad Elster (2000)* gewiesen.
Philharmonisches Landestheater Coburg
Orchester der HR, Frankfurt a.M. (1993) phoniker
Stadt Trier Philharmonisches Philhar- Bamberger * gegenwärtig Projektorchester
Staatsorchester
Staatsorchester Mainz Darmstadt monisches Symphoniker - Bayerische
Deutsche Staatsphilharmonie Orchester Staatsphilharmonie
Rheinland-Pfalz, Ludwigshafen Kurpfälzisches Kammer- Würzburg Staatsphilharmonie PLANSTELLEN
Deutsche Radio Philharmonie orchester, Mannheim Nürnberg
Kai.
Saarbrücken Kaiserslautern Nationaltheaterorchester Mannheim 185
(2007) Philharmonisches Orchester Nürnberger Symphoniker 100
Saarländisches Heidelberg 50
Staatsorchester, Orchester des
Saarbrücken Pfalztheaters 20
Kaiserslautern Badische
Saar- Philharmonie
Württembergisches 8
brücken Badische Kammerorchester Heilbronn Georgisches Philharmonisches
Staatskapelle, Pforzheim Kammerorchester Orchester Regensburg
Karlsruhe Ingolstadt
Staatsorchester
Südwest- 21 Stuttgart
Philharmonie deutsches Stuttgarter Philharmoniker
Baden-Baden Kammer- 22 Augsburger Symphonieorchester
STUTTGART orchester
21 SWR Symphonieorchester, Pforzheim Philharmoniker des Bayerischen Niederbayerische
Rundfunks, München Philharmonie, Passau
Stuttgart (2016) Württembergische Münchener
22 Stuttgarter Kammerorchester Philharmonie Philharmonisches Kammerorchester
Reutlingen Orchester der Münchner
Stadt Ulm Rundfunkorchester Münchner
Philharmonisches Orchester Philharmoniker
Bayerisches
Freiburg (i.Br.) Staatsorchester, Münchner
Südwestdeutsche München Symphoniker
Philharmonie Konstanz Orchester des Bad Reichenhaller
Staatstheaters Philharmoniker
am Gärtnerplatz,
München Kartographie: S. Dutzmann
Leipzig, 2018
Staatsgrenze
0 25 50 75 100 km Ländergrenze © Deutscher Musikrat/
Deutsches Musikinformationszentrum
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Die Zahl der ausgewiesenen Musikerplanstellen ging seit 1992 von 12.159 auf aktuell 9.746 zurück, also um
2.413 oder rund 20 Prozent. Bei diesem Abbau entfielen 1.899 Stellen auf die neuen Bundesländer sowie das
ehemalige Ost-Berlin und 514 auf die alten Bundesländer sowie das ehemalige West-Berlin (vgl. Abbildung 2).­­
Durch einige neu geschaffene Planstellen bei einzelnen Orchestern in den alten Bundesländern gab es
­zwischenzeitlich sogar eine leichte Zunahme der Planstellenzahl West. Daraus lässt sich allerdings kein all-
gemeiner Konsolidierungstrend ableiten.

Abbildung 2

»» Planstellen der öffentlich finanzierten Orchester

Index (1992=100)
100
West
-7,21%

90

Gesamt
-19,85%
80

70
Ost
-37,74%

60

50
1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018

Anzahl der ausgewiesenen Planstellen Verän­


de­rung
1992-
1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2018
in %

Ost 5.032 4.411 4.198 4.032 3.878 3.637 3.545 3.398 3.372 3.290 3.230 3.186 3.143 3.133 -37,74
West 7.127 7.075 7.018 6.991 6.961 6.808 6.780 6.654 6.665 6.632 6.614 6.639 6.673 6.613 -7,21
Gesamt 12.159 11.486 11.216 11.023 10.839 10.445 10.325 10.052 10.037 9.922 9.844 9.825 9.816 9.746 -19,85

Anzahl Orchester

Gesamt 168 154 151 146 145 139 136 135 133 133 132 131 131 129 -23,21

Hinweis: Grundlage der Statistik sind die in den Haushalten der einzelnen Orchester bzw. Theater formal ausgewiesenen
Planstellen, nicht die tatsächlich besetzen; erfasst sind alle öffentlich finanzierten Sinfonie- und Kammerorchester in
Deutschland. Hinsichtlich der Einteilung der Klangkörper in Ost und West ist zu beachten, dass die Berliner Orchester ent-
sprechend ihrem jeweiligen Sitz zugeordnet sind.
Quelle: Zusammengestellt und bearbeitet vom Deutschen Musikinformationszentrum nach Angaben der Deutschen
­Orchestervereinigung (DOV).

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Orchester, Rundfunkensembles und Opernchöre» 07

Rechtsformänderungen

Der Umbruch in den 1990er Jahren war auch durch einen Privatisierungsboom – wiederum mit Schwer-
punkt in den neuen Bundesländern – gekennzeichnet. Dies hing vor allem damit zusammen, dass vielfach
staatliche Strukturen der ehemaligen DDR, z. B. die Bezirke, ersatzlos wegfielen und sich insbesondere
einige neu gebildete Landkreise mit der Alleinträgerschaft von Theatern und Orchestern finanziell über-
fordert fühlten. Dies führte vereinzelt zu Bildungen öffentlich-rechtlicher Zweckverbände, z. B. Thüringer
Landestheater Eisenach-Rudolstadt-Saalfeld (der Verbund wurde inzwischen wieder aufgelöst), Nordharzer
Städtebundtheater Halberstadt (Sachsen-Anhalt) oder eingetragener Vereine, z. B. Thüringen Philharmonie
Gotha, Theater Zeitz, ganz überwiegend aber zur Gründung von GmbHs. Seit 1990 hat es im Bereich der
überwiegend öffentlich finanzierten Orchester bundesweit 44 GmbH-Gründungen bzw. Überleitungen
in GmbH-Trägerschaft, die meisten davon in den neuen Bundesländern, gegeben. (2) Diese Entwicklung
erreichte ihren Höhepunkt etwa Mitte der 1990er Jahre. Die allgemeinen Kostensteigerungen im Personal-
und Sachkostenbereich konnten jedoch durch diese Privatisierungen und Auslagerungen der Orchester aus
den öffentlichen Haushalten nicht aufgefangen werden.

Daneben gab es seit 1990 auch 13 Eigenbetriebsgründungen, bei denen die Orchesterbetriebe rechtlich
zwar im unmittelbaren Einflussbereich der öffentlichen Hand verblieben, aber wirtschaftlich eine größere
Eigenständigkeit und flexiblere Handlungsspielräume eingeräumt bekamen. Prominentes Beispiel für diese
Rechtsform sind Gewandhaus und Gewandhausorchester in Leipzig. Die privatrechtlichen, eingetragenen
Vereine hatten nicht immer dauerhaften Bestand und mündeten häufig in die Gründung von GmbHs. Ein
Problem scheint hierbei darin zu liegen, dass die Rechtsform des eingetragenen Vereins für den Betrieb eines
Orchesters mit einem oft millionenschweren Haushalt bei gleichzeitiger Mischung der Mitglieder aus na-
türlichen und juristischen Personen (in der Regel Kommunen) keine angemessenen Handlungsinstrumente­
bereithält. Insbesondere sind die ehrenamtlich tätigen Vereinsvorstände oftmals mit erheblichen Rechts-,
Finanz- und Haftungsfragen konfrontiert und manchmal auch überfordert. Die Insolvenzen der Träger­
vereine in Marl (2001), Zeitz (2003) und bei den Berliner Symphonikern (2004) mögen ein Beleg hierfür sein.
In Kiel wurde 2007 erstmals ein Stadttheater in eine Anstalt öffentlichen Rechts umgewandelt.

Rechtsform Stiftung

Seit Anfang der 2000er Jahre wurde häufiger auch die Rechtsform der Stiftung als Trägerinstitution (oder
Vorstufe dazu) für Theater- und Orchesterbetriebe gewählt, so bislang in Meiningen, wo in die (privat-
rechtliche) Theater- und Orchester-Stiftung allerdings auch die ehemals herzoglichen Museen einbezogen
sind, bei der Württembergischen Philharmonie Reutlingen und seit dem Jahr 2002 bei den Berliner Phil-
harmonikern; letztere als öffentlich-rechtliche Stiftung. Seit 2004 werden die drei Berliner Opernhäuser
(Deutsche Oper, Staatsoper Unter den Linden und Komische Oper) mit finanzieller Anschubhilfe des Bun-
des als „Stiftung Oper in Berlin“ geführt. Weitere Stiftungsgründungen erfolgten im selben Jahr 2004 beim
­Brandenburgischen Staatstheater Cottbus, beim Staatstheater Nürnberg und 2005 bei den Bamberger
Symphonikern (Bayerische­Staatsphilharmonie) sowie im Jahr 2012 beim Württembergischen Kammer­
orchester Heilbronn.

Der Vorteil der zunehmend gewählten Rechtsform der öffentlich-rechtlichen Stiftung liegt darin,­dass sie in
der Regel nicht insolvenzfähig ist, also dauerhaft und verlässlich öffentlich finanziert werden­muss. Dies er-
höht das Vertrauen der Belegschaft und die Reputation der Einrichtung in der ­Öffentlichkeit und bei (priva-
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Orchester, Rundfunkensembles und Opernchöre» 08

ten) Geldgebern. Da – anders als z. B. bei den millionenschweren nordamerikanischen Opern- und Orches-
terstiftungen – ein eigenes namhaftes Stiftungskapital nicht vorhanden ist, bleiben diese ­Institutionen als
reine Zuwendungsstiftungen unverändert von den Finanzzuweisungen der öffentlichen Hand abhängig. In
der Regel bis zu fünfjährige Zuwendungsverträge geben aber eine weitaus größere P ­ lanungssicherheit, als
dies gegenwärtig bei den meisten der anderen Rechts- und Betriebsformen der Fall ist.

Vereinzelt sind auch private Freunde und Förderer der Orchester nicht mehr nur als Verein organisiert,
sondern­wählen ebenfalls ersetzend oder ergänzend die Stiftungsform (z. B. beim Mainfranken Theater
Würzburg, der Nordwestdeutschen Philharmonie in Herford, der in Hilchenbach ansässigen Philharmonie
Südwestfalen, dem Niedersächsischen Staatstheater Hannover, dem Theater und Orchester Heidelberg
und dem Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz).

»» Leitungs- und Managementstrukturen

Die Leitungs- und Managementstrukturen der überwiegend öffentlich finanzierten Orchester in Deutsch-
land lassen sich nicht einheitlich beschreiben. Sie sind im Wesentlichen von der jeweiligen Rechts- und
­Organisationsform (a), dem Orchestertypus (Theater- oder Konzertorchester) (b) und der Anbindung an
eine Produktions- oder Aufführungsstätte (c) abhängig.

(a) Die Mehrzahl aller kommunalen und staatlichen Orchester ist als „Regiebetrieb“ unmittelbar in die
öffentlichen Haushalts- und Verwaltungsstrukturen des Rechtsträgers eingebunden. Die Inten-
danz bzw. Direktion eines Opernhauses oder Orchesters hat dann die Funktion eines Dienststellen-
oder Amtsleiters mit relativ eingeschränktem Bewegungsspielraum. Der sogenannte „optimierte“­
­Regiebetrieb eröffnet in der Regel der Leitung eigene Personalhoheit und eine flexiblere Haus-
haltsbewirtschaftung. Theoretisch führen die Rechtsformen des Eigenbetriebs, der GmbH und
der ­Stiftung zu einem noch höheren Handlungs- und Gestaltungsspielraum für die Leitung; in der
Praxis­hängt dies jedoch erheblich von der konkreten Ausgestaltung der Binnenstrukturen ab, der
Geschäftsordnung, der Einflussnahme von Aufsichtsgremien, der Langfristigkeit von Zuwendungs-
verträgen – und ­natürlich von der persönlichen Qualifikation der handelnden Personen.

(b) 
Orchester, die als Theaterorchester unmittelbar in einen reinen Musiktheaterbetrieb (reines
Opernhaus) eingegliedert sind, werden in der Regel organisatorisch von der Orchesterdirektion/-­
geschäfts­führung geleitet. Dies gilt auch bei den größeren Mehrspartenbetrieben, meist also den
großen Stadt- und Staatstheatern, die neben dem Musiktheater auch Schauspiel, Ballett und ggf.
weitere­Sparten wie Kinder- und Jugendtheater oder Puppen- oder Experimentaltheater betreiben­
und die über ein entsprechend großes Orchester verfügen. Die künstlerische Gesamtverantwor-
tung für das Orchester liegt beim Leitungspersonal: (General-)Intendant*in, Chefdirigent*in bzw.
Generalmusikdirektor*in. Das Orchester eines Musiktheaters spielt neben Oper, Operette und Mu-
sical meist auch eine gewisse­Anzahl von Sinfoniekonzerten je Spielzeit, wird aber in den bisher
­üblichen Organisationsstrukturen­grundsätzlich nicht als eigene Sparte verstanden. Das organi-
satorische „Problem“ der meisten Theater­orchester ist die sehr enge Einbindung in den laufenden
Proben-, Bühnen- und Vorstellungsbetrieb des Theaters mit all seinen Unwägbarkeiten und häufig
kurzfristigen Umdisponierungen.

Die Leitungs- und Managementstrukturen für ein Konzertorchester sind wesentlich übersichtlicher,
da es nur um die Organisation eines eigenständigen Konzert- und Gastspielbetriebs geht, ohne von
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Gerald Mertens
Orchester, Rundfunkensembles und Opernchöre» 09

anderen Sparten oder den Zwängen eines Bühnenbetriebs abhängig zu sein. An der Spitze eines
eigenständigen Konzertorchesters steht in der Regel die Intendanz und trägt die künstlerische,
wirtschaftliche und organisatorische Gesamtverantwortung. Meist auf der zweiten Ebene folgen
Chefdirigent*in/GMD, Orchesterdirektion und Verwaltungsleitung; auf der dritten Ebene kommen
alle sonstigen Abteilungen (Personalabteilung, Buchhaltung, Kartenvertrieb, Dramaturgie – meist
mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit usw.).

Es gibt allerdings auch Orchester, die sowohl im Musiktheater spielen, gleichzeitig aber auch ein
hohes­Konzertpensum absolvieren. Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg beispielsweise
ist ein Eigen­betrieb der Hansestadt Hamburg als Konzertorchester, das auf vertraglicher Basis auch
den Orchesterbetrieb der Hamburgischen Staatsopern GmbH bestreitet. Ähnliches gilt z. B. auch für
das Staatsorchester Rheinische Philharmonie in Koblenz (Landesbetrieb) im Verhältnis zum dortigen­
Stadttheater, bei der Neuen Philharmonie Westfalen (Gelsenkirchen/Recklinghausen), die auch
das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen bespielt, oder bei den Hofer Symphonikern, die nicht
nur das Hofer ­Theater bespielen, sondern auch noch eine eigene Musikschule betreiben. Hier hat
das Management alle Vorteile der vollen Flexibilität und Eigenständigkeit eines Konzertorchesters
­gepaart mit einer vertraglichen Absicherung konkreter Musiktheaterproduktionen.

(c) Ist ein Konzertorchester als Hausorchester unmittelbar in ein Konzerthaus eingebunden (z. B. Berliner­
Philharmoniker mit Berliner Philharmonie, Konzerthausorchester Berlin mit Konzerthaus Berlin,
­Gewandhausorchester mit Gewandhaus in Leipzig), kommen zu der reinen Orchesteradministrati-
on auch noch alle Dienste und Organisationsstrukturen des Konzerthaus- und Fremdvermietungs­
betriebs hinzu. Das Orchester als „Hausherr“ hat in diesem Fall die größten Entfaltungsmöglichkeiten:­
Priorität bei der Planung eigener Konzertreihen und -termine vor anderen Gastorchestern im eigenen­
Haus, Dispositionsfreiheit bei Kammer-, Sonder- und Sponsorenkonzerten, Durchführung von Work-
shops sowie Zusatzeinnahmen aus dem Vermietungs- und Veranstaltungsbetrieb. Dieser „Idealzu-
stand“ gilt im Übrigen für alle großen und mittleren Konzertorchester in den USA, aber nur ganz
vereinzelt in Deutschland.

Die Rundfunkensembles (mit Ausnahme der zwei Orchester und zwei Chöre der ROC Berlin und der
SWR Big Band) sind unmittelbar in die Produktions- und Sendestrukturen ihrer jeweiligen Rundfunk-
anstalten eingebunden. Im Bereich der Hörfunkdirektion besteht – je nach Anzahl der Ensembles
– meist eine „Hauptabteilung Klangkörper“, innerhalb derer Manager*innen oder Direktor*innen
mit eigenen kleinen Stäben für die Organisation des Proben-, Produktions- und Konzertbetriebs des
einzelnen Ensembles verantwortlich sind, während alle weiteren Querschnittsaufgaben wie Perso-
nalverwaltung, Lohnbuchhaltung, Kartenvertrieb usw. von anderen Abteilungen der Rundfunkan-
stalt mit wahrgenommen werden. Viele Rundfunk-Sendesäle und -Studios eignen sich häufig nicht
mehr für den heutigen Konzertbetrieb vor großem Publikum, sodass gerade die großen Rundfunk-­
Sinfonieorchester­auch auf die örtlichen Konzertsäle in ihrem Einzugsgebiet angewiesen sind.
­Andererseits verfügen die Rundfunkensembles mit einer großen­Rundfunkanstalt im Hintergrund
über eine redaktionelle und eigenwerbliche Logistik, von der andere Ensembles nur träumen können.

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Gerald Mertens
Orchester, Rundfunkensembles und Opernchöre» 10

»» Orchesterfinanzierung und Spielräume

Die deutschen Berufsorchester finanzieren sich überwiegend aus den Zuschüssen der öffentlichen Hand,
insbesondere den Ländern und Kommunen, bzw. aus Rundfunkgebühren. Der Bund hat sein Engagement
zuletzt verstärkt, durch Einstieg in die finanzielle Förderung der Berliner Philharmoniker und der Stiftung
„Oper in Berlin“ ab Januar 2018, aber auch durch das Bundesprogramm „Exzellente Orchesterlandschaft
Deutschland“, aus dem seit Sommer 2017 bundesweit 31 Orchester Zuwendungen erhalten können. Die
Einspielergebnisse und Eigeneinnahmen sind sowohl in den verschiedenen Sparten (Musiktheater, Konzert
usw.) als auch regional sehr unterschiedlich. Im Durchschnitt liegen sie bei etwa 18 Prozent des Etats, oft-
mals darunter, vereinzelt darüber. Die Eigeneinnahmen lassen sich auch nicht beliebig erhöhen. Begrenzte
Saal- und Platzkapazitäten, kleinere Einzugsgebiete einzelner Orchester, gewohnt bezahlbare Kartenpreise
und das geschichtlich gewachsene Bewusstsein der Bevölkerung an der staatlichen Kulturförderung lassen
kurzfristige, nachhaltige Einnahmesteigerungen und eine zu starke Erhöhung von Eintrittspreisen nicht zu.

In den meisten Orchestern wird die Frage der Erhöhung der Eigeneinnahmen durch die (haushalts-)
rechtliche­Situation zusätzlich konterkariert: Soweit das Orchester – und zwar unabhängig von der privaten
oder öffentlichen Rechtsträgerform – nicht der sogenannten Budgetierung unterliegt (und dies ist bisher
nur bei wenigen der Fall), können etwaige Mehreinnahmen und die eventuelle Bildung von Rücklagen zu
einer Verringerung des öffentlichen Zuschusses für das kommende Haushalts- bzw. Geschäftsjahr führen.

Im Vergleich zu anderen Ländern, z. B. den USA, verhindern auch wettbewerbsrechtliche Beschrän-


kungen mögliche weitergehende Direktmarketing-Aktivitäten von Theater- und Orchesterträgern. Die
vergleichsweise sehr viel geringere Personalstärke deutscher Orchesterverwaltungen bremst gegen-
wärtig den an sich dringend erforderlichen zusätzlichen Werbe- und Marketingaufwand zur Erreichung
neuer­Publikumsschichten. Als Faustformel kann gelten, dass ein deutsches Konzertorchester ohne den
Betrieb eines ­eigenen Konzertsaals maximal zehn Prozent seines künstlerischen Personals in Manage-
ment und Verwaltung b ­ eschäftigt (auf 100 Musiker*innen kommen also ca. zehn Verwaltungskräfte,
teilweise sogar w­ eniger). Demgegenüber sind die Personalstäbe (Vollzeit und Teilzeit) insbesondere der
nordamerikanischen­Orchester­in der Regel größer als die Zahl des künstlerischen Personals. Der Aufwand
für Fundraising und Marketing ist für die dortigen Orchester mangels angemessener direkter öffentlicher
Finanzierung ungleich intensiver. Durch die erheblichen Steuerprivilegien für private Geldgeber ist die
Kulturfinanzierung­in den USA dem Grunde nach aber auch eine öffentliche, wenn auch indirekte. Wie
empfindlich die staatsferne Kulturfinanzierung in den USA ist, zeigten die Folgen der weltweiten Finanz-
krise 2008/2009: Die Stiftungsvermögen und -erträge nordamerikanischer Orchester und Opernhäuser
schrumpften teilweise­­dramatisch, mit gravierenden Folgen für diese Einrichtungen (Einschnitte bei Per-
sonal, Programm, Projekten­und Gehältern bis hin zu Insolvenzen, wobei der amerikanische Begriff einer
„bankruptcy“ nicht automatisch die Betriebsabwicklung, sondern meist eine besondere Form der Entschul-
dung mit Sanierung und Betriebsfortführung meint).

Freiwilliges bürgerschaftliches Engagement in der Organisation professioneller Orchester auf breiter Basis
ist in Deutschland bislang ebenso unüblich wie weitgehend noch unbekannt. Erst wenige Einrichtungen
nutzen die bereits bestehenden Möglichkeiten eines „Freiwilligen Sozialen Jahres“ in der Kultur.

Fördervereine und Freundeskreise existieren zwar und sind auch wichtig, denn sie verbreitern die ­Basis
für ein regionales Kulturverständnis und -bewusstsein; sie spielen aber ebenso wie das Sponsoring
wirtschaftlich­keine wirklich bedeutsame Rolle für die Orchesterfinanzierung. Das deutsche Steuerrecht
>
Gerald Mertens
Orchester, Rundfunkensembles und Opernchöre» 11

bietet gegenwärtig­noch keine ausreichenden Anreize für eine Verstärkung von Sponsoren-, Spender-
und Stifterleistungen, die bislang ohnehin nur zur Unterstützung einzelner Projekte oder „Events“ dienen­
konnten.­Trotz der deutlich verbesserten Haushaltssituation des Bundes lässt sich nach Aussagen der
Bundes­regierung hier dennoch keine weitere Erleichterung in naher Zukunft erwarten.

Abbildung 3

»» Konzertveranstaltungen und Besucher der öffentlich finanzierten Orchester

Entwicklung der Anzahl der Veranstaltungen Entwicklung der Anzahl der Besucher
10 Konzerte insgesamt 6
9
5 Besucher insgesamt
8
7
selbstständige Orchester 4
6
ohne Rundfunkorchester
5 3 und ohne Besucher
auswärtiger Konzerte
4 (s. Hinweise)
Theaterorchester 2
3
2
1
1 Rundfunkorchester

0 0
00/01 03/04 06/07 09/10 12/13 15/16 00/01 03/04 06/07 09/10 12/13 15/16
in Tsd. in Mio.

Konzerte Besucher
ohne Rund-
Selbstständige Orchester 1 funkorchester
Theater- Rundfunk-
Spielzeit Insgesamt Insgesamt 4 und ohne Besu-
orchester2 orchester3
Insgesamt am Ort auswärts cher auswärti-
ger Konzerte
2000/01 6.899 4.686 2.961 1.725 2.213 - 3.666.142 3.666.142
2001/02 6.922 4.718 3.121 1.597 2.204 - 3.797.022 3.797.022
2002/03 7.179 4.833 3.255 1.578 2.346 - 3.747.268 3.747.268
2003/04 7.432 4.795 3.172 1.623 2.637 - 3.990.782 3.990.782
2004/05 8.127 5.717 4.047 1.670 2.410 - 3.795.471 3.795.471
2005/06 8.653 6.043 4.202 1.841 2.385 225 3.938.051 3.774.301
2006/07 8.722 5.871 3.995 1.876 2.543 308 4.224.235 3.941.835
2007/08 9.110 6.148 4.308 1.840 2.563 399 4.342.695 4.020.745
2008/09 9.157 6.079 4.288 1.791 2.625 453 5.440.889 4.053.629
2009/10 9.128 5.870 4.109 1.761 2.715 543 5.569.650 4.036.242
2010/11 9.013 5.774 4.133 1.641 2.817 422 5.559.783 4.007.813
2011/12 8.732 5.712 4.073 1.639 2.625 395 5.372.546 3.948.294
2012/13 9.032 5.834 4.197 1.637 2.704 494 5.190.847 3.875.833
2013/14 9.132 5.832 4.277 1.555 2.832 468 5.254.394 3.969.663
2014/15 9.306 6.029 4.179 1.850 2.834 443 5.359.869 4.000.668
2015/16 9.510 6.020 4.223 1.797 2.897 593 5.416.496 3.988.859

Hinweise auf Folgeseite


>
Gerald Mertens
Orchester, Rundfunkensembles und Opernchöre» 12

Hinweise: Grundlage der Theaterstatistik ist eine schriftliche Befragung der öffentlich finanzierten Theater und Orches-
ter zu ihren betrieblichen Leistungen (Spielstätten, Veranstaltungsangebot, Besucher, Personal, Finanzen). Die Daten der
Zeitreihe sind nur bedingt miteinander vergleichbar, da zum Teil einzelne Häuser wegen Baumaßnahmen nicht bespielt
werden konnten und/oder die Datenerfassung aufgrund fehlender Meldungen insbesondere in früheren Jahren nicht im-
mer vollständig ist. Ferner wurden ab der Spielzeit 2005/06 erstmals die Rundfunkklangkörper (wenn zunächst auch nur
lückenhaft) berücksichtigt; darüber hinaus beinhalten die Besucherzahlen ab der Spielzeit 2008/09 auch die auswärtigen
Besucher der selbstständigen Orchester. Der Anstieg der Besucherzahlen ist teilweise darauf zurückzuführen.
1
Überwiegend Konzertorchester in der Abgrenzung des Deutschen Bühnenvereins.
2
Nur eigene Konzertveranstaltungen am Ort.
3
 eilweise auch auswärtige Konzerte; der Anstieg der Veranstaltungen und Besucher insgesamt ab der Spielzeit 2005/06
T
ist teilweise auf die erstmalige Erfassung der Rundfunkorchester zurückzuführen. S. auch unter „Hinweise“.
4
 onzertorchester sind ab der Spielzeit 2008/09 auch mit Besuchern auswärtiger Veranstaltungen berücksichtigt; bei
K
den Rundfunkorchestern sind teilweise ebenfalls Besucher der auswärtigen Konzerte eingeschlossen.
Quelle: Zusammengestellt und berechnet vom Deutschen Musikinformationszentrum nach: Theaterstatistik, hrsg. v. Deut-
schen Bühnenverein, div. Jahrgänge.

»» Veranstaltungs- und Besucherzahlen, Einspielergebnisse und Gesamtetats

Trotz der beschriebenen Strukturveränderungen verzeichnet die aktuelle Theaterstatistik des Deutschen
Bühnenvereins einen kontinuierlichen Anstieg der Konzertveranstaltungen, von 6.900 in der Spielzeit
2000/01 auf aktuell 9.500 (vgl. Abbildung 3). Allerdings sind die Rundfunk- und Rundfunk-Sinfonieorchester­
hinsichtlich ihrer Veranstaltungen und Besucherzahlen in der Erhebung nur teilweise erfasst. Die Zahl der
Besucher entwickelte sich im Wesentlichen parallel und überschritt in der Spielzeit 2006/07 erstmals die
Vier-Millionen-Marke. Diese Entwicklung ist erfreulich, und es bleibt weiter zu beobachten, wie sich die
stetig steigende Zahl von Musikfestivals und Open-Air-Veranstaltungen – vor allem in den Sommermo-
naten – auch zukünftig positiv auf die allgemeinen Konzertbesucherzahlen und die Auslastung von Ver-
anstaltungen auswirken wird. Die ganz überwiegend positiven Saisonbilanzen, hohen Auslastungszahlen
und erfreulichen Geschäftsberichte vieler Musiktheater, Konzerthäuser und Orchester der letzten Jahre
sprechen inzwischen für eine im Grundsatz gute Entwicklung.

Die Deutsche Orchestervereinigung hat für die Spielzeit 2015/16 insgesamt rund 13.800 Konzertveranstal-
tungen bei allen Orchestern und Rundfunkensembles (mit Rundfunkchören, ohne Big Bands) gezählt, davon­
42 Prozent Sinfoniekonzerte (einschließlich Auslandsreisen). Die restlichen verteilen sich auf etwa zehn
Prozent Kammerkonzerte, 36 Prozent musikpädagogische Veranstaltungen (Kinder- und Jugendkonzerte,
Schülerkonzerte, Workshops in Schulen) und rund elf Prozent sonstige Veranstaltungen. Diese Statistik (vgl.
Abbildung 4) belegt, welche besondere Bedeutung die inzwischen zahlreichen Aktivitäten der Orchester im
Bereich der Musikvermittlung, also der Kinder-, Jugend- und Schulkonzerte sowie der Workshops, bereits
erlangt haben. Genaue Besucherzahlen konnten leider nicht erhoben werden, da sie bei Schul- und Open-
Air-Veranstaltungen, aber auch bei Gastspielen nicht immer erfasst werden.

Solange keine verlässliche Vollerfassung aller Konzertveranstaltungen der Orchester erfolgt, dürften
konkrete­Trendaussagen über Besucherzahlen in ganz Deutschland weiterhin schwierig bleiben. Noch
­problematischer ist die genaue Erfassung, Aufschlüsselung und Einbeziehung von Besucherzahlen der
Konzert­häuser wie z. B. in Dortmund, Essen oder Hamburg und der großen deutschen Musikfestivals
(Schleswig-Holstein Musik Festival, Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, Rheingau Musik Festival),
da hier inländische und ausländische Orchester sowie zahlreiche sonstige Ensembles auftreten, eine
einheitliche­Besucherstatistik aber nicht erhoben wird. Letztlich muss eine nachhaltige Besuchererfassung
und -forschung­an einzelnen Standorten auf- und weiter ausgebaut werden.
>
Gerald Mertens
Orchester, Rundfunkensembles und Opernchöre» 13

Abbildung 4

»» Veranstaltungen der öffentlich finanzierten Orchester und Rundfunkensembles

7.000

6.000 Sinfonie- und Chorkonzerte

Musikpädagogische Veranstaltungen
5.000

4.000

3.000

2.000 Sonstige Konzertveranstaltungen

1.000
Kammerkonzerte

0
2003/04 2005/06 2007/08 2009/10 2011/12 2013/14 2015/16

Spielzeit
Art der Veranstaltung 2003/04 2005/06 2007/08 2009/10 2011/12 2013/14 2015/16
Sinfonie- und Chorkonzerte 5.508 5.918 6.075 5.902 6.158 5.827 5.791
Musikpädagogische Veranstaltungen 2.141 3.747 3.723 4.069 3.752 4.182 5.061
Kinder- und Jugendkonzerte 742 928 972 1.102 1.139 1.382 1.340
Schülerkonzerte 414 570 665 867 927 736 888
Workshops in Schulen 985 2.249 2.086 2.100 1.686 2.064 2.833
Kammerkonzerte 993 1.136 1.195 1.227 1.212 1.286 1.361
Sonstige Konzertveranstaltungen 1.208 1.997 1.691 1.649 1.450 1.259 1.588
Insgesamt 9.850 12.798 12.684 12.847 12.572 12.554 13.801

Hinweis: Die Statistik berücksichtigt alle Konzerte der öffentlich finanzierten Theater-, Konzert- und Kammerorchester
sowie der Rundfunkensembles (Rundfunksinfonieorchester, Rundfunkorchester, Rundfunkchöre und Rundfunk-Bigbands)
in Deutschland. Erfasst sind ebenfalls Konzerte dieser Ensembles im Ausland (2003/04: 519; 2005/06: 526; 2007/08: 614:
2009/10: 522; 2011/12: 646: 2013/14: 470; 2015/16: 463).
Quelle: Deutsche Orchestervereinigung (DOV).

Die Besucher- und Auslastungszahlen der Musiktheaterveranstaltungen und Konzerte der Theaterorchester­
(ohne Konzertorchester) haben sich nach der Theaterstatistik zwischen 2000/01 und 2015/16 nicht ­wesentlich
verändert und sind im Schnitt mit Auslastungsquoten zwischen 70 und 80 Prozent auf ­hohem Niveau re-
lativ konstant geblieben. (3) Immer mehr Musiktheater und Orchester versuchen durch eine ­Flexi­bilisierung von
Abonnements oder durch kleinere Angebotsbündelungen („Schnupper-Abo“), neues Publikum anzuspre-
chen und zu binden. Dies gelingt immer besser; so konnte z. B. die Tonhalle Düsseldorf innerhalb von vier
Jahren seit 2014 ihre Abonnentenzahl auf über 4.900 mehr als verdoppeln. Auch zahlreiche Opern- und
Konzerthäuser haben zuletzt neue Besucherrekorde gemeldet, sodass von einem lange prophezeiten Aus-
sterben des Publikums keine Rede mehr sein kann.
>
Gerald Mertens
Orchester, Rundfunkensembles und Opernchöre» 14

Die Gesamtzahlen belegen, dass die öffentlichen finanzierten Theater und Orchester nicht bloße
Zuwendungs­empfänger, sondern durchaus gewichtige kommunale Wirtschaftsbetriebe sind und regional
eine Nachfrage- und Angebotsmacht darstellen, die an einem Standort auf Grund ihrer Produktionsweise
hoch qualifiziertes Fachpersonal binden. Dies führt einerseits zu einem unmittelbaren Rückfluss im Steuer-
aufkommen und lässt andererseits weitere örtliche Wirtschaftszweige mittelbar oder unmittelbar an den
­ökonomischen Aktivitäten der Theater partizipieren.

»» Situation der Opern- und Rundfunkchöre sowie der Rundfunkensembles allgemein

Auch bei den Opernchören der Musiktheater Deutschlands ist die Zahl der zu besetzenden Stellen seit 1993
um mehr als elf Prozent auf knapp. 2.900 zurückgegangen. Dieser Rückgang beruhte – wie im Orchester­
bereich – vor allem auf den Strukturveränderungen in den neuen Bundesländern, von denen auch etliche
Musiktheaterensembles betroffen waren. Im Land Brandenburg z. B. existiert heute nur noch das Staatsthe-
ater Cottbus als vollwertiges Musiktheater. Die Ensembles in Potsdam, Frankfurt (Oder) und Brandenburg­
an der Havel wurden ersatzlos abgewickelt. Dennoch herrscht im Chorbereich ein gravierender­Nachwuchs-
mangel. Inklusive der Solisten besteht an den deutschen Musiktheatern ein jährlicher Nachwuchsbedarf
von ca. 160 Sänger*innen. Über 300 ausgebildete Sänger*innen verlassen jährlich die deutschen Musik-
hochschulen und Konservatorien; hiervon finden jedoch nur ca. zehn Prozent dauerhaft einen Arbeitsplatz
als professionell Musikausübende (Solo-, Konzertgesang, Opern- oder Rundfunkchöre).

Bei den Rundfunkchören ist die Zahl der Planstellen seit 1990 ebenfalls kontinuierlich zurückgegangen, was
zeitweise mangels ausreichender Neueinstellungen partiell zu einer strukturellen Überalterung führte.­Im
Gegenzug hat die Zahl der professionellen Sänger*innen zugenommen, die von den Rundfunk­anstalten auf
Projektbasis für größere Aufgaben als Chorverstärkungen herangezogen werden. Inzwischen sind die Rund-
funkchöre auch als Konzertchöre für chorsinfonische Aufführungen der großen kommunalen Orchester­
sowie für CD-Produktionen unentbehrlich geworden. Gegenwärtig bestehen in Deutschland sieben­Rund-
funkchöre (Hamburg, Köln, Stuttgart, München, Leipzig und zwei in Berlin).

Im Zuge der Umstellung der Rundfunkgebühren von einer bislang gerätebezogenen Gebühr auf eine all-
gemeine Haushaltsabgabe seit dem 1. Januar 2012 und einer im Frühjahr 2014 von den Bundesländern
­beschlossenen Kürzung des monatlichen Abgabesatzes von 17,98 Euro um 48 Cent wurden verstärkt
Kosten­strukturen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hinterfragt. Die KEF (Kommission zur Ermittlung
des Finanzbedarfs der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten) hatte den Bundesländern zuvor sogar
eine noch höhere Absenkung um 73 Cent empfohlen. Hintergrund dieser Empfehlung war das politische
Versprechen der Länder, die Umstellung des Beitragssystems zum 1. Januar 2012 „aufkommensneutral“ zu
gestalten. Die Diskussion um eine angemessene Höhe des Gebührenbeitrags zwischen den Bundesländern,
der KEF und den Rundfunkanstalten dauert an und wird auch in den kommenden Jahren weitergehen.

Auf die durch die Umstellung zuletzt tatsächlich vorhandenen Mehreinnahmen können die Rundfunk­
anstalten jedoch nicht direkt zugreifen. Ihre Zuweisungen sind nach eigener Darstellung faktisch kaum ver-
ändert. Da tarif- und inflationsbedingt vor allem die Personalkosten und die Kosten der Altersversorgung
steigen, wächst der Druck auf die allgemeine Finanzsituation der Rundfunkanstalten. Äußerst schwierig
und erneut auch für einzelne Rundfunkklangkörper existenziell gefährlich könnte die Lage jedenfalls dann
werden, wenn einzelne Bundesländer Eingriffe in den Umfang der Hörfunk-Werbeinnahmen vornähmen,
ohne diese Verluste aus dem strukturellen Gebührenüberhang auszugleichen. Ein erster Schritt in diese
Richtung erfolgte im Herbst 2015 durch das Land Nordrhein-Westfalen mit entsprechender Änderung des
>
Gerald Mertens
Orchester, Rundfunkensembles und Opernchöre» 15

WDR-Gesetzes. Die Fernseh-Werbeinnahmen könnten demgegenüber nur mittels Änderung des Rund-
funkstaatsvertrags durch alle Bundesländer angepasst werden. Bei alledem darf nicht übersehen werden,
dass alle Klangkörper der ARD (Orchester, Chöre, Big Bands) ca. 170 Millionen Euro im Jahr kosten, was ledig-
lich etwa 41 Cent des monatlichen Rundfunkbeitrags für Privathaushalte ausmacht.

»» Neue Aktivitäten der Orchester – Hineinwirken in das Musikleben

Dass Konzert- und Theaterorchester über die Veranstaltung von Sinfoniekonzerten und Opernaufführungen­
hinaus in vielfältiger Weise in das Musikleben hineinwirken, ist bekannt. Tatsache ist, dass in allen
Orchestern­die verschiedensten Kammermusikformationen bestehen oder sich neu zusammenfinden, die
freiwillig und oftmals außerhalb der dienstlichen Verpflichtungen das örtliche und regionale Konzert­leben
bereichern. Auch die Musikschulen sowie Liebhaber-, Studenten-, Jugend- und Landesjugendorchester­
und die Kirchenmusik profitieren vielfältig vom Engagement der Orchestermitglieder. Nicht nur als
Instrumental­lehrkräfte, sondern auch als Fachmentor*innen dieser nicht professionellen Orchester oder
solistisch werden Berufsmusiker*innen hier häufig ehrenamtlich tätig. So gibt es etwa zwischen den
Berliner­Philharmonikern­und dem Bundesjugendorchester eine Patenschaft, die zahlreiche Ebenen der
musikalischen Arbeit umfasst.

Auch auf dem Gebiet der Kinder-, Jugend- und Familienaktivitäten der Orchester gibt es eine erfreuliche Auf-
wärtsentwicklung. Die Jeunesses Musicales Deutschland (JMD) entwickelte im Jahr 2000 mit der „Initiative­
Konzerte für Kinder“ weitreichende Aktivitäten, die insbesondere der Vermittlung spezieller und neuer Er-
kenntnisse in der professionellen Gestaltung von Kinder- und Jugendkonzerten dienen sollten. ­Inzwischen
nehmen sich immer mehr Orchester des Themas der Kinder-, Jugend- und Schularbeit an; dies belegen auch
die nunmehr regelmäßig ermittelten Zahlen (s. Abbildung 4; musikpädagogische Veranstaltungen). Unver-
ändert große öffentliche Aufmerksamkeit erfährt die Education-Arbeit der Berliner ­Philharmoniker, welche
seit 2002 mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Bank durchgeführt wird und zu Beginn inhaltlich
und medial eine gewisse Vorbildfunktion erfüllte. Zahlreiche weitere neue Aktivitäten der ­Orchester im
Schulbereich wurden seit 2004 u. a. im „Netzwerk Orchester & Schulen“, aber auch im Wettbewerb „Kinder
zum Olymp!“ der Kulturstiftung der Länder weiterentwickelt und dokumentiert. Hier arbeiten Schul- und
Orchestermusiker*innen und ihre Verbände auf allen Ebenen eng zusammen, bieten­die Möglichkeit zum
regelmäßigen Erfahrungsaustausch und zur Teilnahme an Fortbildungen.

Seit 2007 hat sich das „netzwerk junge ohren“ mit Sitz in Berlin etabliert, in dem sich verschiedene Mu-
sikverbände aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammengeschlossen haben, um länderüber-
greifend die Musikvermittlungsaktivitäten von Orchestern, Musiktheatern, Konzerthäusern, aber auch von
Musikverlagen und Tonträgerherstellern im überwiegend deutschsprachigen Raum zu koordinieren und
weiterzuentwickeln. Das Netzwerk verleiht jährlich den inzwischen international beachteten „junge ohren
preis“ für herausragende Musikvermittlungsprojekte aus dem deutschsprachigen Raum.

Dass Orchester einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs leisten, zeigte sich auch in ihrem
außergewöhnlichen Engagement angesichts der Entwicklung der Flüchtlingssituation seit Herbst 2014, in
der mehr Menschen als je zuvor in Deutschland Schutz vor Krieg und Verfolgung suchten. In einer beach-
tenswerten Zahl von Projekten und Veranstaltungen haben Orchester in ganz Deutschland musikpädago-
gische Projekte für geflüchtete Menschen aller Altersgruppen initiiert, Willkommens- und Benefizkonzerte
veranstaltet oder sich anderweitig im Umgang mit Fragen der Migration und Integration beteiligt.

>
Gerald Mertens
Orchester, Rundfunkensembles und Opernchöre» 16

»» Ausblick

Die sich aus dem beschriebenen Zahlenmaterial ergebende Bedrohung der Institution „Orchester“ in den
letzten Jahren resultiert weniger aus einer „Sinnkrise“, sondern vielmehr aus der in einzelnen Bundesländern­
strukturell immer noch zu geringen Finanzierungsbasis der öffentlichen Haushalte der Ländern und
­Kommunen für Orchester und Theater sowie der veränderten Rundfunkbeitragsstruktur.

Die in der Vergangenheit stark belasteten öffentlichen Haushalte – insbesondere in Ländern und
Kommunen­ – lassen sich durch ein „Einfrieren“ oder weitere Einschnitte im Kulturbereich nicht sanieren,­
da dieser im Durchschnitt mit rund einem Prozent des Haushaltsvolumens nur noch eine Marginalie
darstellt. Auch weitere Rechtsformänderungen oder eine „Flucht“ aus den Tarifverträgen ändern nichts
an dem strukturell­bedingten hohen Personalkostenanteil von ca. 85 bis 90 Prozent im Theater- und
Orchester­bereich im Vergleich zu allgemeinen öffentlichen Haushalten, bei denen dieser Anteil nur ca. 33
bis 40 Prozent­beträgt. Wird hier pauschal gekürzt, sind die Orchester und Theater sofort bis zu dreimal so
stark belastet wie der allgemeine Haushalt. Dieses Phänomen berührt die zukünftige Entwicklung ebenso
wie die Frage nach dem Ausgleich steigender Kosten, der im öffentlichen Bereich als notwendiges Übel
hingenommen wird, in Theatern und Orchestern aber oftmals selbst erwirtschaftet werden soll. Diese
betriebswirtschaftliche­„Kostenkrankheit“ kann mittel- und langfristig zur Abwicklung weiterer Kultur­
institutionen, weiterer ­Orchester führen. Selbst wenn der öffentliche Zuschuss nur „eingefroren“ wird, hat
dies unweigerlich einen Personalabbau zur Folge. Die Möglichkeiten, aus eigener Kraft gegenzusteuern,
sind für die Institutionen gering: Um eine lineare Zunahme der Lohnkosten von nur jährlich einem Prozent
aufzufangen, müsste das Einspielergebnis jeweils dauerhaft um etwa fünf Prozent gesteigert werden. Auf-
grund der gestiegenen Steuereinnahmen bei Bund, Ländern und Kommunen kann man davon ausgehen,
dass sich die finanziellen Rahmenbedingungen­für die Theater und Orchester verbessern. Angesichts der
Wirkungen des Auslaufens­des Solidarpakts II für die neuen Bundesländer im Jahr 2019 und des Inkraft-
tretens der sogenannten „Schuldenbremse“ in allen Bundesländern spätestens ab 2020 ist offenbar, dass
alle Bereiche der öffentlichen Kulturfinanzierung in Zukunft noch besser aufgestellt werden müssen, als es
bisher der Fall war. Entscheidend­wird es daher in der nächsten Zukunft auf die strukturelle Verbesserung
der kommunalen­Finanzausstattung ankommen.

Die öffentlich finanzierten Musiktheater, Theater und Orchester sind auch zukünftig einem harten Verteilungs­
kampf um öffentliche Finanzmittel ausgesetzt. Die Argumente, die von der Kultur- und Finanz­politik in ­diesem
Zusammenhang für das angebliche Erfordernis weiterer Einsparungen gebracht wurden, haben sich in den
letzten Jahrzehnten nachweislich kaum verändert, sind aber durch ständiges Wiederholen­auch nicht stich-
haltiger geworden. Dem Personalabbau der letzten Jahre waren und sind künstlerisch, ­partitur-, besetzungs-
und aufgabenbedingt absolute Grenzen gesetzt. Immerhin scheint hier ein Gegensteuern und langsames
Umdenken einzusetzen, um die kulturelle Substanz nicht dauerhaft zu schädigen.

Die deutschen Orchester haben hohe, teilweise ungenutzte Entwicklungs-, aber kaum noch
Einsparpotenziale;­sie benötigen mehr Spielräume im betriebswirtschaftlichen Bereich, eine erhebli-
che Professionalisierung­des Managements und eine größere Planungssicherheit durch mittelfristige
Zuwendungs­verträge, die eine vernünftige Mittelverwendung und höhere Eigeneinnahmen belohnen und
nicht bestrafen. Der Neoliberalismus mochte in den 1990er Jahren im Übrigen der Theorie folgen, dass
Theater und Orchester sich genauso auf dem „Markt“ behaupten müssen wie alles andere auch. Manche
proklamierten einen ökonomischen Darwinismus: Nur was sich „verkauft“, wird überleben. Dagegen steht

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Gerald Mertens
Orchester, Rundfunkensembles und Opernchöre» 17

jedoch bis heute die historische Tatsache, dass der höchste künstlerische Standard in jeder Ära der west-
lichen Zivilisation durch „Subventionsgelder“ erreicht wurde: kirchliche, aristokratische oder öffentliche.

Wenn Theater und Orchester von Politik, Medien und Öffentlichkeit als sinnstiftende Kulturbetriebe und
auch als mittelständische Wirtschaftsunternehmen begriffen würden, die bei hohem Einsatz qualifizier-
ten Fachpersonals urbane Lebensqualität schaffen und damit „harte“ Standort- und Bildungsfaktoren
darstellen,­wäre eine Menge gewonnen. Ansonsten droht Deutschland auch als Kulturnation der Verlust
einer Spitzenposition.

Stand: 16. April 2018

Gerald Mertens ist Rechtsanwalt, Kirchenmusiker und Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung,
Kuratoriumsvorsitzender der Deutschen Orchester-Stiftung und Leitender Redakteur der Zeitschrift „das
Orchester“­. Er lehrt an der Europa-Universität Frankfurt (Oder) Orchestermanagement und ist Autor des
gleichnamigen Buchs.

(1)  Der Begriff Kulturorchester entstand bereits in den 1920er Jahren. Die nationalsozialistische Kulturpo-
litik nutzte ihn für Ensembles, die „das hohe Kulturgut deutscher Musik im Volke lebendig [...] erhal-
ten“. Vgl. Tarifordnung für die deutschen Kulturorchester, März 1938.
(2) Eine detaillierte Auflistung der Betriebsformänderungen seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990
verzeichnetdasDeutscheMusikinformationszentrumnachAngabenderDeutschenOrchestervereinigung
unter: http://www.miz.org/intern/uploads/statistik95.pdf.
(3) Theaterstatistik 2015/16, hrsg. v. Deutschen Bühnenverein, Köln 2017.

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